Factsheet Mali-Mètre 2024: Hoffnung auch ohne Licht am Ende des Tunnels Das Mali-Mètre ist ein Umfrageinstrument zu soziopolitischen Themen, das die politischen Wahr­ nehmungen und Meinungen der Malier:innen erfasst. Die jährliche Meinungsumfrage wird seit 2012 von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mali durchgeführt. STUDIEN-DESIGN Die jährliche Bevölkerungsbefragung der FES Mali umfasst Fragen zur politischen Situation, zur Sicherheit, zu guter Regierungsführung und zur Zukunft des Landes. Für die diesjährige Ausgabe wurden im Januar 2024 insgesamt 2.055 Personen in neun regionalen Zentren(Hauptstädten) Malis und der Hauptstadt Bamako in Französisch und lokalen Sprachen befragt. Die Befragungen wurden in Zusammenarbeit mit einem lokalen Umfrageinstitut durchgeführt. Die vollständige, französischsprachige Publikation findet sich unter mali.fes.de. KEY-FINDINGS 1. Mali steht unverändert hohen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen gegenüber, verschärft wird der Druck auf die Bevölkerung durch die unzureichende Stromversorgung. 2. Die Militärregierung bleibt beliebt, die Verschiebung der Präsidentschaftswahlen bewerten die Befragten mehrheitlich positiv. 3. Der Abzug der MINUSMA wird begrüßt und ist verbunden mit Hoffnungen auf eine verbesserte Sicherheit. 4. Russland ist für viele Menschen in Mali weiterhin ein beliebter Partner. ALLGEMEINE LAGE DES LANDES – VERGLEICH MALI-MÈTRE 2017 BIS 2024 Wenn Sie auf die letzten zwölf Monate zurückblicken, hat sich die allgemeine Lage des Landes Ihrer Meinung nach verbessert, ist gleich geblieben oder hat sich verschlechtert? Angaben in Prozent 100 84 82 81 80 66 60 41 43 42 42 40 32 26 31 25 30 28 33 24 24 20 10 8 8 8 9 11 8 1 0 0 0 1 1 1 0 0 MM 2017 MM 2018 MM 2019 MM 2020 MM 2021 MM 2022 MM 2023 MM 2024 QUELLE: S1Q01, Mali-Mètre 2024. Verbessert Gleiches Niveau Verschlechtert Weiß nicht BELIEBTHEIT DER ÜBERGANGSREGIERUNG BLEIBT HOCH Die Zustimmung zur Übergangsregierung und die Hoffnungen, die mit der angekündigten Transition einhergehen, sind weiterhin sehr hoch. Trotz einer ernüchternden Bilanz, geben die befragten Malier:innen landesweit weiterhin ein hohes Vertrauen in die Militärregierung an. Insbesondere der Präsident Assimi Goïta genießt hohen Zuspruch. Diese Zustimmung erfolgt jedoch vor dem Hintergrund einer immer größeren Einschränkung der Freiheiten. Auch wurden 2023 zahlreiche Regimekritiker:innen festgenommen oder diffamiert. Teilweise wurde selbst gegen langjährige Befürworter:innen der Übergangsregierung drastisch vorgegangen, wenn sich diese kritisch äußerten. Eine positive Bewertung des aktuellen Zustandes in Mali ist daher unter Vorbehalt zu sehen. NEUE UND ALTE HERAUSFORDERUNGEN Trotz der Einschätzung einer Mehrheit der Bevölkerung(75% der Befragten), dass sich die Sicherheitssituation in ihrer Region in den letzten zwölf Monaten verbessert habe, wird Unsicherheit im Land weiterhin als größte Herausforderung gesehen. Erstmals seit 15 Jahren wird die mangelnde Energieversorgung ebenfalls als eines der wichtigsten Probleme in Mali genannt. HERAUSFORDERUNGEN IN MALI Denken Sie an ganz Mali, was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, der sich Mali derzeit gegenübersieht? Was ist die zweitgrößte Herausforderung? Was ist die dritte Herausforderung? Top 5 Antworten, n = 2.055 Angaben in Prozent Unsicherheit 59 Ernährungsunsicherheit 52 Jugendarbeitslosigkeit 42 Stromausfälle 39 Armut 30 30 40 50 QUELLE: S1Q02, Mali-Mètre 2024. BEFÜRWORTUNG DES ABZUGES VON MINUSMA Wie stark befürworten Sie den derzeitigen Abzug der MINUSMA? Alle Antworten, n = 2.055. 81% Sehr befürwortend Eher befürwortend Eher ablehnend Sehr unvorteilhaft Weiß nicht 11% 2% 3% 3% QUELLE: S5Q01, Mali-Mètre 2024. Ein Großteil der Befragten begrüßt den Abzug von MINUSMA und rechnet mit einer Verbesserung der Situation, insbesondere der Sicherheit. Was abgesehen von dem starken Souveränitäts-Narrativ der malischen Regierung Ursache für diese Einschätzung ist, bleibt offen. Entgegen dem Trend der letzten Jahre, in denen die Mission beliebter war, je präsenter sie vor Ort war, ist die positive Meinung über den Abzug inzwischen nahezu universell. Langzeitfolgen des Abzuges, insbesondere mit Blick auf den Arbeitsmarkt, werden erst mit dem nächsten Mali-Mètre erhoben. Entgegen der nun vorherrschenden kritischen Wahrnehmung der Rolle der Vereinten Nationen und vieler westlicher Partner:innen, wird die Zusammenarbeit mit Russland als äußerst zufriedenstellend bewertet. 83% geben eine hohe Zufriedenheit an. Zum Vergleich: Kurz nach der französischen Intervention im Jahr 2012 lag die Zustimmungsrate zum Engagement Frankreichs auf einem ähnlich hohen Niveau. KEINE WAHLEN IN SICHT Nachdem über 30% der Malier:innen in der letztjährigen Edition des Mali-Mètre angaben, die Präsidentschaftswahlen seien das wichtigste politische Ziel der Transition, hat die Verschiebung der Wahlen vom Februar 2024 auf unbestimmte Zeit kaum negative Reaktionen hervorgerufen. Mehrheitlich begrüßen die Befragten die Verschiebung und sehen keine Dringlichkeit für einen neuen Wahltermin. Dies kommt der Übergangsregierung zu Gute, die keinen neuen Termin für die Präsidentschaftswahlen und damit dem Ende der Transition verlautbaren lässt. FAZIT Die diesjährige Ausgabe des Mali-Mètre zeigt, dass trotz bestehender Herausforderungen und wenig messbaren Erfolgen der Regierung, die öffentliche Unterstützung weiterhin hoch ist. Diese Zustimmung erfolgt jedoch vor dem Hintergrund kleiner werdender Räume der freien Meinungsäußerung. Zudem bringt die prekäre Stromsituation einen neuen Stresstest für die Militärregierung. Friedrich-Ebert-Stiftung | Abteilung Internationale Zusammenarbeit| Svenja Bode, Christian Klatt| Büro Mali Ansprechperson in der FES: Ulrich Thum, Referent für Mali Ulrich.thum@fes.de, Tel.+49 30/26935-7414 24. Mai 2024| Das Factsheet basiert auf Informationen aus der Publikation „Mali-Métre 2024“ , FES Mali, Bamako 2024 www.fes.de/afrika