STUDIE UNGLEICHE DEMOKRATIEN ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Eine Analyse der sozialen Repräsentation des österreichischen Nationalrats in der Legislaturperiode 2019–2024 Der österreichische Nationalrat kennzeichnet sich durch einen im internationalen Vergleich höheren Frauenanteil und die relativ bessere Repräsentation von Jungen aus. Allerdings ist der Frauenanteil dennoch nicht ausgeglichen. Die Parteien links der Mitte weisen dabei eine bes­ sere Bilanz auf als rechte Parteien. Selbstständige und Unterneh­ mer:innen sind gut repräsentiert, Bauern überrepräsentiert. Der relativ niedrige Akademiker:in­ nenanteil geht auf den hohen Anteil von Berufsschulabschlüssen zurück. Der Nationalrat ist damit in geringerem Maße »Akademiker:innenparlament«. Michael Jennewein Juni 2024 Arbeiter:innen sind im österreichi­ schen Parlament unterrepräsen­ tiert. Da die Responsivität gegen­ über den Präferenzen dieser Gruppen zunehmend leidet, bedarf es einer Auseinanderset­ zung darüber, wie eine bessere Inte­gration dieser gelingen kann. UNGLEICHE DEMOKRATIEN ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Eine Analyse der sozialen Repräsentation des österreichischen Nationalrats in der Legislaturperiode 2019–2024 Inhalt EINLEITUNG 2 ES MACHT EINEN UNTERSCHIED, WER IM PARLAMENT SITZT 3 WELCHE DATEN WURDEN WIE 5 ERGEBNISSE: WENIGE ARBEITER:INNEN, RELATIV VIELE 7 Alter: Abgeordnete kleiner Parteien sind im Schnitt  7 Geschlecht: Noch nie so viele Frauen im Parlament, außer in der  8 Bildung: Das duale Bildungssystem macht sich  11 Soziale Klasse: Wenige Arbeiter:innen, aber insgesamt durchmischter als im internationalen  11 Fazit: Besser als im Vergleich, aber mit Luft nach  14 Referenzen 16 Daten- und Kodierungsquellen 17 UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? EINLEITUNG Bei der Nationalratswahl 2019 wurden 72 und damit mit 39% so viele Frauen in die 183 Sitze fassende erste Kam­ mer des österreichischen Parlaments gewählt wie noch nie zuvor. Inzwischen ist der Anteil durch Nachrückende sogar auf erstmals über 40% gestiegen. Gleichzeitig wurde der Nationalrat über die Jahre auch jünger. 11 und damit 6% der Abgeordneten waren bei ihrer Wahl unter 30 Jahre alt. Noch vor 20 Jahren waren nur 3 Abgeordnete jünger als 30. Der heutige Anteil liegt im westeuropäischen Durchschnitt. Im deutschen Bundestag sind beispielsweise 7% der Abge­ ordneten bei der Wahl 2021 unter 30 Jahren gewesen. Außerdem: 4% der österreichischen Abgeordneten wurden im Ausland geboren – ein Umstand, der vor Jahrzehnten noch die absolute Ausnahme war. Immerhin lag der Anteil der österreichischen Staatsbürger:innen, die im Ausland geboren wurden, im Jahr 2022 bei 16,7%. Hinzu kom­ men noch einige Abgeordnete, die in ihrer unmittelbaren Familie eine rezente Migrationsgeschichte aufweisen. Auf­ fallend ist, dass fast alle Parlamentsparteien in diesen drei genannten Parametern heute repräsentativer sind als noch vor einigen Jahren. Nur die FPÖ schert aus: Sie hat weder eine/n Abgeordnete/n unter 30 Jahren, noch jemanden der im Ausland geboren wurde, sowie mit 13% den deutlich geringsten Frauenanteil. Gleichzeitig sind nur 8% der Abgeordneten vor ihrer Wahl in Berufen tätig gewesen, die man den(qualifizierten) Arbei­ ter:innen zuordnen kann, und das obwohl Arbeiter:innen einen deutlich größeren Teil der Erwerbstätigen im Land ausmachen. Früher saßen – nicht nur in Österreich – noch deutlich mehr Arbeiter:innen in den Parlamenten. Dieses Phänomen der»Akademisierung« der politischen Elite(Best 2007; Bovens/ Wille 2017) findet auch in Österreich statt. Immer mehr Politiker:innen haben Studienabschlüsse und entstammen einem ähnlichen, sozial und ökonomisch pri­ vilegierten Umfeld. Gar nicht wenige sind als»Karrierepoli­ tiker:innen«(O’Grady 2019) nur in der Politik und ihrem Nahbereich tätig. (Wenker 2024; Elsässer et al. 2022). In Österreich kommt hinzu, dass diese Gruppen zunehmend sogar vom Wahl­ recht als Ganzem ausgeschlossen sind, da vor allem nichtösterreichische Staatsbürger*innen in Arbeiterberufen tätig sind und die restriktive österreichische Einbürgerungspoli­ tik deren Inklusion in der demokratischen Mitbestimmung behindert. Beispielhaft in Zahlen ausgedrückt: Die Hälfte der Arbeiter:innen Wiens können weder auf nationaler noch auf regionaler Ebene wählen(Zandonella& Ehs 2021). Die vorliegende Analyse setzt daher den Fokus auf die im Parlament vertretenen Berufsgruppen und die sozialen und ökonomischen Hintergründe der Abgeordneten. Wieso ist das wichtig? Als zentrales Gesetzgebungsorgan verhandeln Parlamentsabgeordnete die Regeln unserer Gesellschaft: wofür wir Ressourcen einsetzen wollen, was mit unseren Steuern passieren soll, sowie allgemein welche politischen Probleme wir priorisieren und wie lösen wollen. Wenn dort zunehmend ganze gesellschaftliche Gruppen nicht mehr adäquat repräsentiert sind, kann das Folgen für die Respon­ sivität der Politik gegenüber deren Interessen haben. Wie die Responsivitätsforschung(siehe Gilens 2012; Elsässer et al. 2017) zeigt, führt der beobachtete Verlust der Vertretung sozial und ökonomisch schlechter gestellter Gruppen auch zu einer tatsächlichen niedrigeren Responsivität gegenüber ihren Präferenzen im parlamentarischen Prozess. Diese Unterrepräsentation sozial weniger privilegierter Schichten ist dabei nicht nur auf den Einzug in die Parla­ mente beschränkt. Auch an der Mitbestimmung der Zusam­ mensetzung der Parlamente beteiligen sich sozial und öko­ nomisch schlechter gestellte Gruppen immer weniger: die stetig sinkende Wahlbeteiligung ist mehrheitlich getrieben von sozial und ökonomisch weniger privilegierten Gruppen 2 Es macht einen Unterschied, wer im Parlament sitzt ES MACHT EINEN UNTERSCHIED, WER IM PARLAMENT SITZT Nun wird an dieser Stelle gerne eingeworfen, ob es denn nicht entscheidender ist, was ein Parlament entscheidet, anstatt wer die Entscheidung trifft. Es habe schon einen Grund, wieso Politiker:innen mehrheitlich studiert haben, es brauche heutzutage Expertise für diesen Job und alle wollen ja, dass dieser professionell gemacht werde(vgl. Ennser-Jedenastik 2024). Zudem: Abgeordnete stimmen ja durchaus im Interesse ihrer jeweiligen Wähler:innen ab und auch ein Manager kann ein soziales Herz haben. Abge­ ordnete werden schließlich gewählt, weil Wähler:innen denken, dass diese am besten ihre politischen Präferen­ zen vertreten. Und es trifft tatsächlich zu, dass verglichen mit ihrem Anteil an der Bevölkerung seit jeher deutlich mehr Akademiker:innen in Parlamenten vertreten waren (vgl. O’Grady 2019). Auch ist klar, dass der Wunsch nach ›fähigen Personen‹, die sich in ihrer Materie auskennen, im Sinne der Demokratie und ihres Gelingens ist. Prob­ lematisch für das Grundversprechen der repräsentativen Demokratie wird es aber, wenn zu viele Perspektiven deut­ lich unterrepräsentiert sind, und zwar auch innerhalb der Akademiker:innen im Parlament. Die Forschung kommt zunehmend zum Schluss, dass der Umstand wer im Parlament sitzt(deskriptive Repräsentation 1 ) eine Auswirkung darauf hat, was entschieden wird (substanzielle Repräsentation)(Elsässer et al. 2022). Das Fehlen von unteren Einkommens- und Berufsgrup­ pen habe demnach durchaus Folgen für die substanzielle Unterrepräsentation von deren Interessen. Das Argument ist dabei nicht, dass Abgeordnete ein präzises Spiegelbild ihrer Wähler:innen sein müssten, damit sie gute Politik für diese machen können. Stattdessen stellt man die Frage, ob strukturelle Diskriminierungserfahrungen von unterpri­ vilegierten Schichten diese systematisch anders entschei­ den lassen als Abgeordnete aus privilegierteren Schichten. Jüngere Forschung zeigt, dass genau diese Erfahrungen sich in unterschiedlichen politischen Perspektiven und Posi­ tionen in relevanten Fragen manifestieren(Elsässer et al. 2022). Wer andere Lebenserfahrungen macht, entwickelt oft andere Lösungen für politische Probleme, bzw. bringt diese Probleme überhaupt erst auf die politische Agenda. 1 Von deskriptiver Repräsentation spricht man, wenn die Abgeord­ neten wichtige(äußere) soziale Merkmale und Erfahrungen mit den Repräsentierten teilen. So weisen Abgeordnete aus der Arbeiter:innenschicht bei wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen tendenziell linkere Einstellungen auf und setzen sich häufiger für progressive Wirtschafts- und Sozialpolitik ein, als ihre Parteikolleg:innen mit anderem sozialen Hintergrund – unabhängig von der Parteizugehörigkeit(Carnes 2012; O’Grady 2019; Heming­ way 2020). Das dahinterliegende Phänomen ist, dass die berufliche Sozialisation stark die eigenen politischen Über­ zeugungen und Perspektiven darauf prägt, was als poli­ tisches Problem wahrgenommen wird(Kitschelt/ Rehm 2014). Man kann das gut anhand der zunehmenden Inklusion von Frauen in politische Entscheidungsprozesse darstellen. Bei­ spielsweise wurde in Studien gezeigt, dass je mehr Frauen im Parlament sitzen, diese bei ihren Entscheidungen Per­ spektiven, die nur Frauen betreffen, stärker berücksichti­ gen. So setzen weibliche Abgeordnete häufiger Prioritäten auf Themen, die Frauen stärker betreffen als Männer, wie zum Beispiel Pflege- und Sorgearbeit, Frauengesundheit oder Gewaltschutz. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es dazu noch keine ausformulierten Parteipositio­ nen gibt(Espírito-Santo et al. 2020; Wängnerud/ Sundell 2012). Weibliche Abgeordnete haben demnach oft mess­ bar andere Einstellungen und politische Prioritäten als ihre männlichen Kollegen. Wenn das bei Frauen der Fall ist, wieso sollte das nicht auch bei Arbeiter:innen der Fall sein? Studien haben hier gezeigt, dass Abgeordnete aus Arbeiter:innenberufen messbar andere Einstelllungen und politische Prioritäten verfolgen, und man dies auch in deren Abstimmungsver­ halten nachweisen kann(Carnes 2013). Der Effekt sei sogar vereinzelt messbar, wenn Fraktionszwänge ein Ausscheren aus der Parteilinie unwahrscheinlich machen(Carnes 2015; Barnes/ Saxton 2019). Diese Untersuchungen zeigen, dass Arbeiter:innen durch ihr soziales und berufliches Umfeld in Kernfragen der Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialpolitik oft andere politische Präferenzen aufweisen als Abgeordnete aus privilegierten Schichten(O’Grady 2019). Zum Beispiel sprechen sich Arbeiter:innen stärker gegen ökonomische Ungleichheit aus und sind öfters vernetzt mit Arbeitneh­ mer:innenorganisationen(Hemingway 2020). In Deutsch­ land wurde etwa gezeigt, dass sich Ausgabeprioritäten verschieben, je nachdem welcher sozialen Klasse die Minis­ terpräsident:innen angehören(Hayo/ Neumayr 2012). Diese 3 UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Erkenntnisse legen nahe, dass die Wahrnehmung der größ­ ten politischen Probleme durchaus entscheidend geprägt davon ist, welcher Alltagsrealität jemand tagtäglich ausge­ setzt ist. Vor dem Hintergrund dieser Befunde wollen wir uns die deskriptive Repräsentation der Abgeordneten des österrei­ chischen Nationalrats ansehen. Österreich ist insofern hier­ für ein interessanter Fall, da es durch seine korporatistische Verfasstheit im internationalen Vergleich eine recht starke institutionalisierte Interessensvertretung von Arbeitgeber:in­ nen – und(!) Arbeitnehmer:inneninteressen hat. Durch die verpflichtenden Mitgliedschaften von Arbeitgeber:innen in der Wirtschaftskammer und Arbeitnehmer:innen in der Arbeiterkammer könnte man von einem im internationalen Vergleich ausbalancierteren Zugang zu politischen Entschei­ dungen und Mitspracherechten ausgehen. Auch die nach wie vor bestehenden Verbindungen der Gewerkschaften vor allem zur Sozialdemokratie, aber auch zu den ande­ ren größeren Parteien in vereinzelten Branchen wie Lehrer­ schaft / Öffentlicher Dienst(ÖVP) oder Polizei(FPÖ) könnten nahelegen, dass es vielleicht eine größere Repräsentation dieser Gruppen im Parlament gibt als im internationalen Vergleich. Auch die vor allem mit der ÖVP verzweigte Inter­ essenvertretung auf Seite der Arbeitgebenden von Bauern­ bund / Landwirtschafskammer bis hin zu Wirtschaftskam­ mer / Industriellenvereinigung kann dahingehend untersucht werden, ob diese Repräsentation fair zwischen Inhaber:in­ nen größerer Unternehmen, Kleingewerbetreibenden und Einzelpersonenunternehmenden(EPUs) verteilt ist. 4 Welche Daten wurden wie erhoben? WELCHE DATEN WURDEN WIE ERHOBEN? Für diesen Bericht ziehen wir die Erhebungsmethode aus der Originalvergleichsstudie der FES-Reihe Ungleiche Demokratien: Wer sitzt(nicht) im Parlament? heran (Elsässer/ Schäfer 2022). Diese vergleichende Erhebung der Repräsentativität der fünf Parlamente Frankreichs, Spaniens, Großbritanniens, Polens und der Türkei wurde von einem Team rund um die Politikwissenschaftler Armin Schäfer und Lea Elsässer durchgeführt, die seit Jahren zu den Themen Repräsentativität und Auswirkung von Ungleichheiten auf Demokratien vergleichend forschen. Kern der Methode ist die Messung der sozialen Reprä­ sentativität von Parlamenten anhand von mehreren Para­ metern. Für die Österreich-Analyse wurden insgesamt sechs Parameter erhoben: Parteizugehörigkeit, Alter bei der Wahl 2019, Selbstständigkeit, Beruf vor Eintritt ins Parlament, höchster Bildungsabschluss sowie Nebenein­ kommen. Als Stichtag für die Datenerhebung wurde der 1. Mai 2024 festgelegt. Herzstück der Analyse ist dabei neben der Erhebung von den klassischen Variablen Geschlecht, Alter und Bildungs­ niveau die Zuordnung der Berufe zu sozialen Erwerbsklas­ sen nach unterschiedlichen Arbeitslogiken. Als Grundstock des Datensatzes wurden die offiziellen Informationen auf der Parlamentswebsite(parlament.gv.at) herangezogen. 2 Für die Kodierung der tatsächlich ausgeübten Berufe vor dem erstmaligen Eintritt ins Parlament mussten zusätz­ liche Datenquellen hinzugezogen werden. In vielen Län­ dern – so auch in Österreich – müssen Abgeordneten bei der Listenerstellung und in der Parlamentsbiografie zwar ihren Beruf angeben, diese Selbstangaben sind aber öfters willkürlich und zudem auch nicht akkurat genug, um sie adäquat Berufsgruppen nach Arbeitslogiken zuordnen zu können. Beispielsweise geben viele an, sie seien Politiker:in oder Jurist:in, wobei unklar ist, in welcher Form sie vor­ her tatsächlich tätig waren(im Sinne von selbstständig oder angestellt; in welcher Position in einer Organisation). Deshalb wurden die Selbstangaben der Abgeordneten mit anderen öffentlichen Datenbanken wie meineabgeordne­ ten.at abgeglichen, welche verschiedene Informationen von Abgeordneten zentral für die Öffentlichkeit aufarbei­ 2 An dieser Stelle vielen Dank an Roland Schmidt für die Zurverfügung­ stellung des R-Scripts und der Rohdaten, auf dessen Basis die Dat­ enaufbereitung der auf der Parlamentswebsite abrufbaren Daten durchgeführt wurde. tet, sowie mit Firmenbuchregistern, um etwa Firmeninha­ ber:innen zu identifizieren, als auch vereinzelt mit öffentlich zugängliche Lebensläufen der Abgeordneten. Ziel der Methode ist die Eruierung der eingangs erwähn­ ten fehlenden Perspektiven, welche aus den Prägungen des Arbeitsumfelds und der Arbeitslogiken entstehen. Diese Perspektivenunterschiede aus beruflicher Sicht ver­ teilen sich einerseits entlang der Achse ›selbstständig vs. unselbstständig beschäftigt‹ sowie andererseits entlang den unterschiedlichen Hierarchien und Ressourcenverfüg­ barkeiten innerhalb dieser beiden Kategorien. Unterneh­ mer:innen, die als größere Arbeitgeber:innen fungieren, mögen andere politische und wirtschaftliche Probleme priorisieren als Kleingewerbetreibende mit wenigen Mit­ arbeitenden bzw. EPUs. Unter den Arbeitnehmer:innen gibt es auch unterschiedliche berufliche Prägungen, je nachdem welche Position diese in der Organisationshierar­ che ausüben. Beispielsweise ist die Angabe»Angestellter bei Siemens« wenig aussagekräftig ohne die Einordnung, ob es sich um eine Anstellung als Montagearbeiter oder Manager handelt. Um genau diese Unterschiede darzu­ stellen, wurden analog zur Vergleichsstudie die ausgeüb­ ten Berufe vor erstmaligen Eintritt in das Parlament nach dem sozialen Erwerbsklassenschema nach Daniel Oesch (2006) kodifiziert. Das Klassenschema nach Oesch unterscheidet dabei zwi­ schen 16 Erwerbsklassen, die in Abbildung 1 dargestellt sind. Neben der jeweiligen Klasse sind beispielhaft kon­ krete Berufe angegeben, die in die jeweilige Erwerbsklasse fallen. Eine stark vereinfachte Version des Klassenschemas fasst die 16 Erwerbsklassen in vier Kategorien zusammen, die in der Abbildung durch die unterschiedlichen Farben gekennzeichnet sind. Nach diesem vereinfachten Schema werden Berufe, die zumeist einen akademischen Bildungs­ grad erfordern, innerhalb der oberen Dienstklasse(rot) zusammengefasst, in der neben angestellten Akademikern auch leitende Unternehmer:innen und freie Berufe einge­ ordnet sind. Daneben werden alle Arbeitnehmer:innen der Semi-Professionen zur Mittelklasse(grün) und alle Lehrund Anlerntätigkeiten den Arbeiter:innen(gelb) zugeord­ net. Die Kleingewerbetreibenden(grau) bilden die vierte Klasse. Für die Auswertungen wird sowohl auf das VierKlassen-Schema als auch auf das differenziertere 16-Klas­ sen-Schema zurückgegriffen. 5 UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Abbildung 1 Das Erwerbsklassenschema nach Oesch(2006) ARBEITNEHMER:INNEN SELBSTSTÄNDIGE Administrative Arbeitslogik Interpersonelle Arbeitslogik Technische Arbeitslogik Unabhängige Arbeitslogik Akademische Berufe Oberes Management Wirtschaftsprüfer:innen, Ministerialbeamt:innen, Werbefachkräfte Soziokulturelle Expert:innen Lehrkräfte im Sekundarbereich Ärzt:innen, Hochschullehrer:innen Technische Expert:innen Ingenieur:innen, IT-Expert:innen Freie Berufe Anwält:innen, Geschäftsführer:innen, niedergelassene Ärzt:innen, freie Unternehmensberater:innen Unternehmer:innen, Unternehmens­besitzer:innen, Landwirt:innen Semi-Professionen Unteres Management Verwaltungsfachkräfte, kaufmännische Fachkräfte Soziokulturelle Semi-Professionen Sozialarbeiter:innen, Grundschullehrkräfte Technische Semi-Professionen Ingenieurtechnische Fachkräfte, Medizintechniker:innen Kleingewerbe mit Beschäftigten Qualifizierte Lehrberufe Qualifizierte Bürokräfte Sekretariatsfachkräfte, Lagerwirtschaft Qualifizierte Dienstleistende Verkäufer:innen, Erzieher:innen, Hilfspflegekräfte Facharbeiter:innen Elektromechaniker:innen, Bauelektriker:innen Anlerntätigkeiten Routine-Bürokräfte Call-Center-Agents RoutineDienstleistende Kellner:innen, Reinigungspersonal, Wachschutz RoutineArbeiter:innen Anlagen­bediener:innen, Frachtarbeiter:innen Kleingewerbe ohne Beschäftigte 6 Ergebnisse: Wenige Arbeiter:innen, relativ viele Selbstständige ERGEBNISSE: WENIGE ARBEITER:INNEN, RELATIV VIELE SELBSTSTÄNDIGE ALTER: ABGEORDNETE KLEINER PARTEIEN SIND IM SCHNITT JÜNGER Das Durchschnittsalter der österreichische Nationalrats­ abgeordneten lag zum Zeitpunkt der Wahl 2019 bei 45,6 Jahren. Mit 11 Personen waren 6% der Abgeordneten unter 30 Jahre alt. Das klingt nach wenig angesichts des Umstands, dass diese Altersgruppe 19% aller Wahlbe­ rechtigten ausmachte. Gleichzeitig ist das ein relativ guter Wert, wenn man den internationalen sowie den histori­ schen Vergleich heranzieht. Vor 20 Jahren waren erst drei Abgeordnete unter 30 Jahren. Heute ist Österreich mit 6% in dieser Altersgruppe im europäischen Vergleich im obe­ ren Drittel. Das im Vergleich jüngere Wahlrechtsalter von 16 Jahren macht demnach keinen allzu großen Unterschied im Hinblick auf die Repräsentation der Jungen im Parla­ ment. 3 Die Gründe für die trotzdem bestehende Unter­ repräsentation von Jungen in Parlamenten sind vielfältig: Viele junge Menschen befinden sich noch in der Ausbil­ dung und wollen sich ein berufliches Standbein aufbauen, bevor sie ein höheres Amt in der Politik anstreben. Junge beteiligen sich generell weniger an Politik, gehen seltener wählen und engagieren sich seltener in Parteien(Har­ ring et al. 2023). Außerdem wäre wie eingangs erwähnt genau die Sozialisation in unterschiedlichen beruflichen Umfeldern abseits der Politik zentral, um Diversität an Per­ spektiven im Parlament vertreten zu haben. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Stimme von wirklich jungen Men­ schen im Parlament Gehör findet. Die Perspektiven junger Menschen, die vor ihrer beruflichen Sozialisierung stehen, sind gerade deswegen wertvoll, weil sie deutlich anders ausfallen können- beispielsweise in der Diskussion der Pandemie-Maßnahmen und der Abwägung ihrer Folgen für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen. 3 Hinweis: Bei der Reform des Wahlrechtsalters im Jahr 2007 wurde nur das aktive Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt, das passive Wahlalter wurde dagegen nur von den bis dahin geltenden 19 auf 18 Jahre gesenkt. 18-29 Jahre 30-45 Jahre Abbildung 2 Altersverteilung der Abgeordneten im Vergleich zur Wahlbevölkerung 46-59 Jahre 60+ Jahre 73 ( 40%) 80 ( 44%) 11( 6%) 19 ( 10%) 18–29 Jahre 30–45 Jahre 46–59 Jahre 60+ Jahre 7 UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Die Gruppe der 30–45-Jährigen ist typischerweise relativ gut repräsentiert. 40% der Abgeordneten fallen in diese Altersgruppe. Die noch etwas größere Gruppe sind die 46–59-Jährigen mit 44%. Nur ein Zehntel der Abgeordne­ ten ist über 60 Jahre alt. Dies hat u. a. mit der gesetzlichen Pensionsaltersgrenze von maximal 65 Jahren zu tun, die in Österreich – im Gegensatz zu anderen Ländern – de facto auch bei Parlamentsabgeordneten zum Tragen kommt. Par­ teien könnten zwar ältere Menschen kandidieren lassen, tun es aber nicht. Aus diesem Grund waren alle der 19 über 60-jährigen Abgeordneten bei ihrer Wahl im Jahr 2019 zwi­ schen 60 und 66 Jahre alt. Dieser Umstand erschwert den Vergleich mit der Altersverteilung in der Wahlbevölkerung. Wenn man die gesamte Wahlbevölkerung(alle österreichi­ schen Staatsbürger:innen über 16 Jahre) heranzieht sind 2019 ein Drittel aller Wähler über 60 Jahre alt gewesen. Da auch Politiker:innen sinnvollerweise in Pension gehen, ist der Vergleich mit der Wählerschaft im Erwerbsalter sinn­ voller. Dieser Vergleich macht die Unterrepräsentation der unter 30-Jährigen nochmal deutlicher, während die mittle­ ren Altersgruppen überrepräsentiert sind und die Gruppe der 60–65-Jährigen Erwerbstätigen quasi perfekt repräsen­ tiert ist(s. Abbildung 2). GESCHLECHT: NOCH NIE SO VIELE FRAUEN IM PARLAMENT, AUSSER IN DER FPÖ Im Hinblick auf die Geschlechterrepräsentation setzt sich der positive Trend fort. Mit 40% weist das österreichische Parlament den höchsten Frauenanteil in seiner Geschichte aus. Auch im internationalen Vergleich ist der Anteil recht hoch. Der Schnitt aller EU-Länder beträgt 32 Prozent. Öster­ reich liegt hier auch über dem westeuropäischen Schnitt (36,1%), jedoch noch unter den Spitzenreitern in Europa, die in Skandinavien zu finden sind(IPU 2024). Spannender ist hier der Blick in die unterschiedlichen Verteilungen zwi­ schen den Parteien. Wie in anderen Staaten haben auch in Österreich die Grü­ nen den höchsten Frauenanteil. Auch die sozialdemokrati­ sche SPÖ und die wirtschaftsliberale NEOS haben im Ein­ klang mit vielen ihrer europäischen Schwesterparteien eine Quasi-Geschlechterparität erreicht. Auch bemerkenswert sind die knapp 38% an Frauen im ÖVP-Parlamentsklub, was im internationalen Vergleich unter konservativen Par­ teien eher überdurchschnittlich ist. Die einzige Partei, die Abbildung 3 Frauenanteil nach Parteien: Die FPÖ als Ausreißerin Frauen 100% 19 Abg. 62% 6 Abg. 52% 28 Abg. 87% Männer 13 Abg. 38% 61 Abg. 53% 21 Abg. 60% 80% 60% 40% 38% 48% 62% 47% 40% 20% 0% ÖVP 100% 19 MPs 38% SPÖ 6 MPs 48% 13% FPÖ Grüne Männer 28 MPs 13% 8 Frauen 13 MPs 62% NEOS GESAMT 61 MPs 47% 21 MPs 40% Ergebnisse: Wenige Arbeiter:innen, relativ viele Selbstständige mit ihrem Frauenanteil deutlich nach unten ausschert, ist die FPÖ. Die Partei weist seit langem eine im Schnitt männ­ lichere Stammwählerschaft auf und Frauen sind auch in den Parteistrukturen der Partei in der Minderheit. Interessant ist auch ein Blick auf die Verzahnung der Frau­ enanteile mit der Altersverteilung innerhalb der Parteien (Abbildung 4). Dabei zeigt sich einerseits, dass die drei größten Parteien mit im Schnitt 47–48 Jahren die älteren Abgeordneten haben, wobei die Grünen- und die NEOSMandatar:innen mit 42–43 Jahren einen deutlich niedrige­ ren Schnitt aufweisen. Das schlägt sich auch nieder in dem Umstand, dass bei ÖVP, SPÖ und FPÖ die größte Gruppe zwischen 46–60 Jahre alt ist, bei den beiden kleineren Parteien stattdessen die Gruppe der 30–45-Jährigen am stärksten vertreten ist. Weiters sieht man deutlich, dass weibliche Abgeordnete durchgehend – mit Ausnahme der Grünen – jünger sind als ihre männlichen Parteikollegen. Bei ÖVP und SPÖ fällt dieser Unterschied mit einem durch­ schnittlichen Altersunterschied von 5 Jahren sogar deutlich aus. Dies hat möglicherweise auch damit zu tun, dass bei den großen Parteien Abgeordnete auch im Schnitt länger – oft mehrere Legislaturperioden – im Parlament sitzen(vgl. Ennser-Jedenastik 2024). Zugespitzt formuliert könnte man die FPÖ angesichts dieses Befundes als ›Partei der alten weißen Männer‹ bezeichnen. Fakt ist jedenfalls, dass der typische FPÖ-Mandatar deutlich erkennbar ist – ein Mann zwischen 46–60 Jahren. Interes­ sant ist dabei auch, dass von der FPÖ bei der Wahl 2019 kein einziger Abgeordneter unter 30 oder über 60 Jahren auf einen wählbaren Listenplatz gereiht wurde. Eine Partei der Pensionist:innen wäre daher für die FPÖ auch eine fal­ sche Zuschreibung. Abbildung 4 Weibliche Abgeordnete sind im Schnitt jünger als männliche ÖVP SPÖ FPÖ Grüne NEOS 18–29: Frauen 18–29: Männer 30–45: Frauen 30–45: Männer 46–60: Frauen 46–60: Männer 60+: Frauen 60+: Männer Anzahl Abgeordnete Mittel Alle Mittel Frauen Mittel Männer 1% 4% 18% 20% 14% 30% 1% 11% 71 48,3 44,2 50,7 3% 5% 15% 10% 23% 30% 5% 10% 40 48,0 45,5 50,2 0% 0% 3% 30% 10% 57% 0% 0% 30 47,0 45,8 47,2 4% 4% 35% 23% 15% 12% 8% 0% 26 42,6 43,6 41,1 13% 0% 47% 20% 0% 7% 0% 13% 15 42,1 41,0 43,1 9 UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Abbildung 5 Höchster Bildungsabschluss der österreichischen Nationalratsabgeordneten Bachelor: 5 Bachelor: 5 Master: 34 BHS/ Meister: in 12 BHS/ Meister:in 27 Bachelor: 5 Bachelor: 5 BHS/ Meister: in 12 Matura: 8 BHS/ Meister:in 27 Matura: 8 Master: 34 Matura: 29 Matura: 29 Män M n än e n r e : r: B Bl l a a u u Fra F u r e au n en : : R Ro o t t Matura(ISCED 3): 20% BHS/ Meister(ISCED 5): 22% Matura(ISCED 3): 20% Universität(BA/MA/PhD): 58% BHS/ Meister(ISCED 5): 22% Universität(BA/MA/PhD): 58% Abbildung 6 Die fünf häufigsten Studienrichtungen von Abgeordneten mit Studienabschluss Master: 38 Master: 38 PhD: 14 PhD: 11 PhD: 14 PhD: 11 Rechtswissenschaften Wirtschaftswissenschaften 15( 14%) Pädagogik 11( 10%) Politikwissenschaft 9( 8%) Agrarwissenschaften 6( 6%) 10 37( 35%) Ergebnisse: Wenige Arbeiter:innen, relativ viele Selbstständige BILDUNG: DAS DUALE BILDUNGSSYSTEM MACHT SICH BEMERKBAR Wenig überraschend haben alle österreichischen Abgeordne­ ten zumindest die Matura(ISCED-Level 3) absolviert, besit­ zen also die allgemeine Hochschulreife(Abbildung 5). Ihren formalen Bildungsweg mit der Matura beendet haben ein Fünftel. Weitere 22% haben eine 5-jährige Höhere Berufs­ bildende Schule(BHS) absolviert und/oder Meisterprüfungen abgelegt(ISCED 5) 4 . Reine Universitätsabschlüsse haben mit 58% knapp über die Hälfte der Abgeordneten. Dies ist inso­ fern bemerkenswert, als dieser Anteil in anderen Staaten Europas deutlich höher ist. Im französischen, spanischen oder britischen Parlament haben im Schnitt 90% der Abgeordne­ ten zumindest einen universitären Bachelor-Abschluss(ISCED 6 oder höher)(Elsässer et al. 2022). Auch in Deutschland, das bildungssystemisch mit Österreich am ehesten vergleichbar ist, trifft das auf 89% aller Abgeordneten zu. Dieser Befund zeigt die doch deutliche Präsenz des dualen Bildungssystems in Österreich, welches mit Berufsschulen eine qualifizierte Berufsausbildung und damit einen direk­ ten Einstieg in das Erwerbsleben ohne universitäres Studium ermöglicht, inklusive der Möglichkeit, später Abgeordnete des Nationalrats zu werden. Wenn man sich die Studienrichtungen der Abgeordneten mit Universitätsabschlüssen genauer ansieht, bekommt man ein wenig überraschendes Bild. 35% aller Akademiker:innen im Parlament weisen einen rechtswissenschaftlichen Abschluss auf, gefolgt von 14% in wirtschaftswissenschaftlichen Stu­ 4 Die fünfjährigen Abschlüsse der Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) gehören seit 15 Jahren zu ISCED 5 und damit zur untersten Stufe der tertiären Ausbildungen(Statistik Austria). dien und 10% weitere im Bereich Pädagogik, wovon die Hälfte Lehramtsabschlüsse sind. 8% der Abgeordneten haben Politikwissenschaft studiert. Die Dominanz der gemeinhin gängigen Abschlüsse aus Rechts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaft übersteigt damit nicht 60% aller Abschlüsse. Gleichzeitig sind – wie auch im internationalen Vergleich üblich – vor allem techni­ sche Studienabschlüsse(z. B. Atmosphärenphysik oder Inge­ nieurwesen) deutlich unterrepräsentiert und werden nur von drei Abgeordneten vorgewiesen. Die restlichen nicht aufgeführten Abschlüsse konzentrieren sich mehrheitlich auf andere sozialwissenschaftliche Abschlüsse wie Publizis­ tik- und Kommunikation, Soziologie oder Organisationsent­ wicklung. Es gibt insgesamt drei rein geisteswissenschaft­ liche Abschlüsse in Philologie, Geschichte und Übersetzung, abgesehen von vereinzelten Philosophie-Nebenfächern. Ins­ gesamt ist die Vielfalt der Abschlüsse österreichischer Abge­ ordneter damit im internationalen Vergleich nicht untypisch, aber etwas weniger homogen(vgl. Elsässer et al. 2022). SOZIALE KLASSE: WENIGE ARBEITER:INNEN, ABER INSGESAMT DURCHMISCHTER ALS IM INTERNATIONALEN VERGLEICH Als weiteren Aspekt präsentiert dieser Bericht eine Auswer­ tung der Klassenzugehörigkeit der Abgeordneten nach dem Klassifizierungssystem nach Daniel Oesch(2006). Wie ein­ gangs erwähnt wird in der Repräsentativitätsforschung vor allem das Fehlen von Menschen mit nicht-akademischen Klas­ sen diagnostiziert. Um dies zu erheben, wurden jeweils der Beruf beim erstmaligen Eintritt in das Parlament herangezogen und nach Oesch kodifiziert. Oeschs Klassenschema ist eine Abbildung 7 Ausdifferenzierte Berufsgruppenklassifizierung der oberen Dienstklasse 36 Männer(30,3%) 29 Frauen(24,4%) 29 Frauen(24,4%) 1 Männer(0,8%) 1 Männer(0,8%) 13 Männer(10,9%) 13 Männer(10,9%) 6 Frauen(5,0%) 6 Frauen(5,0%) 36 Männer(30,3%) Fr F e re i i e e B B er e uf r e ufe Tec Te h c n hn i i s sc c h h e e Ex E pe x rt p . ert. Oberes Management Ob So e z r io e -k s ul M tur a el n le a E g xp e e m rt. ent Unternehmer:innen Sozio-kulturelle Expert. Unternehmer:innen 11 Frauen(9,2%) 11 Frauen(9,2%) 8 Männer(6,7%) 8 Männer(6,7%) 4 Frauen(3,4%) 4 Frauen(3,4%) 11 Männer(9,2%) 11 Männer(9,2%) 11 UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? anerkannte Systematik, die es erlaubt, moderne Berufs- und Arbeitslogiken und so die»neue Arbeiter:innenklasse« und deren unterschiedliche Arbeitslogiken – vor allem im Bereich der Dienstleistungen – entsprechend richtig zu erfassen. schlüssen hat man in Österreich gute Chancen, Jobs der oberen Dienstklasse zu bekleiden. Wenig überraschend haben alle ausgebildeten Arbeiter:innen höchstens einen Berufsschulabschluss. Ein Blick in die Obere Dienstklasse zeigt, welche Art von höheren Berufen die Abgeordneten bekleiden. Mehr als die Hälfte wird dabei dem oberen Management zugeordnet – das sind zum Beispiel Geschäftsführer:innen einer GmbH, ehemalige Bundesminister:innen oder Personalleiter:innen in einer Bank. 19 Abgeordnete(16%) üben freie Berufe aus, wobei zwölf davon im Rechtsbereich als Rechtsan­ wält:in oder Notar:in vor ihrem Eintritt in das Parlament tätig waren. 12% sind Leiter:innen oder Inhaber:innen grö­ ßerer Unternehmen. Weitere 19(16%) sind sozio-kulturelle Expert:innen – wobei die meisten Universitätslektor:innen (6), Lehrer:innen an Sekundarschulen(5) sowie Journa­ list:innen(3) sind. Diese Verteilung steht weitgehend im Einklang mit internationalen Vergleichsdaten, wobei auch der Anteil an Oberen Manager:innen in der Oberen Dienstklasse(55%) etwas geringer ausfällt als im Vergleichsdaten­ satz(62%) und stattdessen mehr Unternehmer:innen und freie Selbstständige vertreten sind(s. Abbildung 7). Die Annahme liegt nahe, dass sich das duale Bildungssys­ tem mit seiner hochwertigen Berufsschulausbildung auch im Parlament wiederfindet. Man sieht den Umstand auch daran, dass die Hälfte der Abgeordneten(51%) mit mitt­ lerem Bildungsabschluss Mitglied der oberen Dienstklasse ist. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass knapp 70% dieser ›Aufsteiger‹ Männer sind. Umgekehrt sind von jenen, die einen Universitätsabschluss haben, aber in der Unteren Dienstklasse tätig sind, mit 65% mehr Frauen als Männer vertreten. Ein weiteres Viertel ist Inhaber:in eines kleinen Betriebes. Das bedeutet: Auch mit Berufsschulab­ Spannend ist auch der Blick in die Verteilung der Berufsarten unter den Selbstständigen(Oesch-Klassen 1–4, Abbildung 8). Unterschieden wird dabei zwischen Unternehmer:innen mit einer größeren Anzahl an Mitarbeitenden, freien Berufen die selbstständig tätig sind(e.g. Rechtsanwält:innen oder Ärzt:in­ nen mit eigener Praxis) sowie den Kleingewerbetreibenden mit oder ohne Mitarbeitenden(z. B. EPUs, kleine Betriebe). Bemerkenswert ist, dass ein Drittel der österreichischen Abgeordneten vor dem Eintritt ins Parlament selbstständig tätig war. Viele davon sind dies auch neben ihrer Arbeit im Parlament, wie ein Blick in die parlamentarische Transparenz­ datenbank zu Nebenerwerbseinkommen zeigt. Der größte Anteil der Selbstständigen unter den Abgeord­ neten sind Kleingewerbetreibende(43%), wobei mehr als die Hälfte davon(58%) als Landwirt:innen, teils mit zusätz­ lichem Gasthausbetrieb, tätig sind. Bei den freien Berufen dominieren die selbstständig tätigen Rechtsanwält:innen und Notar:innen mit ebenfalls 58% klar. Spannend ist hiervon wieder die Parteienauswertung(Abbildung 9). ÖVP und FPÖ sind die Parteien der Selbstständigen und Unternehmer:innen mit jeweils über 40% der Abgeordne­ ten, die vor dem Eintritt ins Parlament ihre eigenen Arbeit­ geber:innen waren und oft weiterhin sind. Von diesen selbstständigen Abgeordneten sind viele als Landwirt:innen im Kleingewerbe tätig – 32% bei der ÖVP und 23% bei der FPÖ. Die Repräsentation der Bauern und Bäuerinnen im gesamten Parlament beträgt damit 8%. Im internatio­ nalen Vergleich ist das – wenig überraschend – sehr hoch, Unternehmer:innen(Oesch 1) Rechtsberufe(Oesch 2) Andere freie Berufe(Oesch 2) Landwirt:innen(Oesch 3+4) Anderes Kleingewerbe(Oesch 3+4) Abbildung 8 Selbstständig tätige Abgeordnete nach Art 11 Abg.( 18%) 8 Abg.( 13%) 15 Abg.( 25%) 15 Abg.( 25%) 11 Abg.( 18%) Unternehmer:innen(Oesch 1) Rechtsberufe(Oesch 2) Andere freie Berufe(Oesch 2) Landwirt:innen(Oesch 3+4) Anderes Kleingewerbe(Oesch 3+4) 12 Ergebnisse: Wenige Arbeiter:innen, relativ viele Selbstständige besonders wenn man bedenkt, dass nur 3,5% der Erwerbs­ tätigen in Österreich in der Landwirtschaft tätig sind. Bei den anderen Parteien variiert der Anteil der Selbständigen zwischen 13 und 20% – und dort dominieren neben den klassischen Unternehmer:innen vor allem die Rechtsberufe. Wenig überraschend ist die SPÖ damit im Parlament eine Partei der Angestellten, ebenso sind die Grünen vor diesem Hintergrund keine Partei der Selbstständigen. Abbildung 9 Selbstständig tätige Abgeord L n a e n t d e w na ir c t h :in Parteizug R e e h c ö h ri t g s k b e e it r ( u in fe Klamm A er n A d n e t r e e il s an U j n e t w e e r i n li e g h er m P e ar r l t a u m m entsfraktion) 34 Abg.(48% ) 20 34 Abg.(48% ) 20 Landwirt:in Rechtsberufe Anderes Unternehmertum 3 13 Abg.(43% ) 6 11 ÖVP 5 Abg.(13% ) 4 3 1 SPÖ 11 4 3 FPÖ 5 Abg.(19% ) 2 2 13 Abg.(43% ) 1 6 Grüne 3 Abg.(20% ) 2 1 NEOS Abbildung 10 Erwerbsklassenzugehörigkeit nach Geschlechtern 5 Abg.(13% ) 69 Männ 4 er(58%) ÖVP 1 SPÖ 69 Männer(58%) 4 5 Abg.(19% ) 2 3 Abg.(20% ) 3 2 2 1 1 FPÖ 12 Fr G a r u ü e n n e (48%) NEOS 12 Frauen(48%) 13 Männer(52%) 13 Männer(52%) 8 Frauen(31%) 50 Frauen(42%) 50 Frauen(42%) Obere Dienstklasse Obere Dienstklasse Untere Dienstklasse Untere Dienstklasse Klei K n l g e e in w g e e rb w e e tr rb ei e b t e re nd ib e ende Arbe A i r t b er e : i i t n e n r e :i n nnen 8 Frauen(31%) 18 Männer(69%) 18 Männer(69%) 4 Frauen(31%) 9 Männer(69%) 4 Frauen(31%) 9 Männer(69%) 13 UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Abbildung 11 Erwerbsklassenzugehörigkeit nach Oesch nach Parteien Obere Dienstklasse Untere Dienstklasse 100% 71 Abg. 7% 40 Abg. 10% 30 Abg. 10% 27% 80% 3% 12% 75% 13% 13% 10% 60% 56% 64% Kleingewerbetreibende 26 Abg. 4% 8% 15 Abg. 27% 19% Arbeiter:innen 183 Abg. 7% 14% 69% 73% 14% 65% 40% 20% 0% ÖVP SPÖ FPÖ Grüne NEOS GESAMT Obere Dienstklasse Untere Dienstklasse Kleingewerbetreibende Arbeiter:innen 100% 71 MPs 7% 40 MPs 10% 30 MPs 10% 27% Nicht zuletzt wollen wir uns die ganze Ver 3 te % ilung der sozia 1 le 3 n % Erwerbsklassenzugehörigkeit nach Gesc 1 h 2 le % chtern und zwi­ schen den Pa 8 r 0 te % ien anschauen(Abbildungen 10 und 11). Auf­ geteilt nach Geschlecht zeigt sich in Relation zum generel 1 le 3 n % Frauenanteil im Parlament(40%), dass v 7 o 5 r % allem unter den Kleingewerbetreibenden und den Arbeiter:innen deutlich mehr Männer sind. Erst 1 e 0 rs % ist primär auf den hohen An 6 t 4 eil % an männliche 6 n 0% Landwirten zurückzuführen. Zweiteres deutet darauf hin, dass die»ne 5 u 6 e % Arbeiter:innenklasse«(Engels et al. 2024), die zunehmend weiblich und migrantisch ist, noch nicht adäquat im Parlament vertreten ist. Weiters spiegelt der in der Untere 4 n 0% Dienstklasse mit 48% etwas stärkere Frauen­ anteil, gepaart mit dem oben genannten Umstand der hoch­ gebildeten Frauen, die unter ihrer Qualifikation tätig sind, auch einen allgemeinen gesellschaftlichen Trend wieder. Einerseits zei 2 g 0 t % sich das im internationalen Vergleich interes­ sante Bild, dass der Anteil der Abgeordneten aus der Oberen Dienstklasse mit 65% deutlich geringer(analog zum Akade­ miker:innenanteil) ausfällt. Dieser liegt in den anderen Län­ dern des euro 0 p % äischen Vergleichsdaten­satzes bei weit über 80%(Abbildung 12). Da Ö s ö V s P terreichische S P P a Ö rlament ist da F m P it Ö diverser als die Parlamente vieler anderer Länder. Der geringe Anteil der ÖVP-Abgeordneten in der oberen Dienstklasse lässt sich vor allem auf den eben beschriebenen großen 26 MPs 15 MPs 183 MPs 4% 27% 7% 8% 14% Anteil an Kleingewerbetreibenden zurückführen. Unter den qualifizier 1 t 9 en % Arbeiter:innen haben die SPÖ und die FPÖ mit jeweils 10% den relativ höchsten Anteil, am geringsten fällt dieser bei Grünen(4%) und NEOS(0%) au 1 s 4 . % Dazu sei ange­ merkt, dass die Klassifizie 7 r 3 un % g nach Oesch Gewerkschafts­ führer:inn 6 e 9 n % als Obere Dienstklasse klassifiziert, da diese eine Managementposition ausüben. Man könnt 6 e 5 je % doch durchaus argumentieren, dass die von Gewerkschaftsführer:innen zu Beginn ihres Berufslebens gemachte Sozialisation als Arbei­ ter:innen in Produktionsbetrieben deren politisches Wir­ ken maßgeblich beeinflussen. Unter diesem Gesichtspunkt würde der Anteil der Arbeiter:innen innerhalb des SPÖ-Klubs auf 15% steigen. In jedem Fall zeigt die Erhebung, dass sich die Ansprüche der SPÖ wie auch der FPÖ, ein Angebot für Arbeiter:innen zu sein, sich zumindest relativ in deren Reprä­ sentativität im Parlament widerspiegelt. FAZIT: BESSER ALS IM VERGLEICH, ABER MIT LUFT NACH OBEN Der öster G re rü ic n h e ische Nation N a e lr o a s t zeigt auf G d E er S e A i M ne T n Seite typi­ sche Marker der Repräsentativitätstrends in europäischen Demokratien. Der hohe Frauenanteil sticht heraus, die Reprä­ sentation von Jungen ist – wenn auch nicht perfekt – besser 14 Ergebnisse: Wenige Arbeiter:innen, relativ viele Selbstständige Abbildung 12 Erwerbsklassenzugehörigkeit im internationalen Vergleich Obere Dienstklasse Untere Dienstklasse 100% 80% 5% 4% 90% 5% 3% 7% 85% 4% 6% 88% Kleingewerbetreibende 7% 5% 87% 3% 6% 90% Arbeiter:innen 7% 14% 14% 65% 60% 40% 20% 0% Spanien Frankreich UK Polen Türkei Österreich Obere Dienstklasse Untere Dienstklasse Kleingewerbetreibende Arbeiter:innen 100% 5% 5% 4% 4% 3% 6% 7% als in vielen anderen Länd 9 e 0 rn % . Vor allem die Parteien links 8 d 8 e % r Mitte drücken den Frauenanteil nach ob 8 e 5 n. % Im Einklang mit internationale 8 n 0 D % aten schert vor allem die radikal-rechte FPÖ deutlich nach unten aus. Im Bereich der Bildungs- und Erwerbsklassenauswertung weist Österrei 6 c 0 h % hingegen ein etwas differenzierteres Bild auf und erweist sich so als repräsentativer als andere Län­ dern. Atypisch ist zum einen der etwas höhere Anteil an Selbstständigen und Unternehmer:innen im Allgemeinen und auch innerhalb der höchsten Erwerbsklasse. Zum ande­ 40% ren sind vor allem der hohe Anteil an Berufsschulabschlüs­ sen(ISCED 5) und der damit einhergehende, im Vergleich deutlich niedrigere Akademiker:innenanteil internationale Ausreißer. Der Nationalrat ist damit im Gegensatz zu vielen anderen euro 2 p 0 ä % ischen Parlamenten in geringerem Maße ein»Akademiker:innenparlament«. 7% 3% 7% 6% 5% 14% zeigen, dass insbesonde 9 r 0 e % die Responsivität gegenüber den 87% Präferenzen dieser Gruppen zunehmend leidet, ist eine Dis­ kussion über eine bessere Integration v 1 o 4 n % potentiellen Poli­ tiker:innen mit Arbeiter:innenhintergrund sinnvoll, zumal derzeit keine einzige Partei eine hohe Repräsentation dieser aufweist. 65% Aus demokratiepolitischer Sicht ist dieser Befund begrü­ ßenswert, da 0 v % or allem eine zu hohe Homogenität der beruflichen Prägungen zum Verlust von Perspektiven führen Spanien Frankreich UK und eine messbar geringere Responsivität gegenüber ande­ ren Problemlagen zur Folge haben kann. Gleichzeitig ist die unterrepräsentierte Arbeiter:innenschaft auch in Österreich zu finden. Im Hinblick darauf, dass internationale Studien 15 Polen Türkei Österreich UNEQUAL DEMOCRACIES – ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? REFERENZEN Barnes, T. D./ Saxton, G. W.(2019): Working-Class Legislators and Perceptions of Representation in Latin America, in: Political Research Quarterly 35(1), S. 1–19. Best, H.(2007): New Challenges, New Elites? Changes in the Recruitment and Career Patterns of European Representative Elites, in: Comparative Sociology 6, S. 85–113. Borwein, S.(2021): Do ministers’ occupational and social class back­ grounds influence social spending?, in: Politics, Groups, and Identities, S. 1–23, https://doi.org/10.1080/21565503.2020.1854792. Bovens, M. A. P./ Wille, A.(2017): Diploma Democracy: The Rise of Political Meritocracy, Oxford: Oxford University Press. Carnes, N.(2012): Does the Numerical Underrepresentation of the Working Class in Congress Matter?, in: Legislative Studies Quarterly 37 (1), S. 5–34. Carnes, N.(2013): White-Collar Government. The Hidden Role of Class in Economic Policy Making, Chicago: Chicago University Press. Engels, J.N., Arnold, A.& Schläger C.(2024).»Wie viel Klasse steckt in der Mitte?«. Erwerbsklassen und ihr Blick auf Arbeit, Gesellschaft und Politik. Friedrich-Ebert-Stiftung. Elsässer, L., Hense, S.,& Schäfer, A.(2017)." Dem Deutschen Volke"? Die ungleiche Responsivität des Bundestags. Zeitschrift für Politikwissenschaft, 27(2), 161–180. Elsässer, L./ Schäfer, A.(2022): Ungleiche Demokratien: Wer sitzt (nicht) im Parlament? FES Demokratie der Zukunft. Wien. Ennser-Jedenastik, L.(2024): Repräsentation der Wähler? Sie sind wie wir, nur anders. Der Pragmaticus. https://www.derpragmaticus.com/r/ repraesentation-politiker. Espírito-Santo, A./ Freire, A./ Serra-Silva, S.(2020): Does women’s descriptive representation matter for policy preferences? The role of political parties, in: Party Politics 26(2), S. 227–237. Hayo, B./ Neumeier, F.(2012): Leaders’ Impact on Public Spending Priorities: The Case of the German Laender, in: Kyklos 65(4), S. 480–511. Harring, M./ Lamby, D./ Peitz, L./ Bíró-Nagy, A./ Szabó, A. (2023): Youth Study. Personal Optimism, National Pessimism, Trust in Europe. A comparison of values, attitudes, and plans of young people in the Czech Republic, Estonia, Hungary, Latvia, Lithuania, Poland, and Slovakia. Heidar, K./ Pedersen, K.(2006): Party Feminism: Gender Gaps within Nordic Political Parties, in: Scandinavian Political Studies 29(3), S. 192–218. Hemingway, A.(2020): Does Class Shape Legislators’ Approach to Inequality and Economic Policy? A Comparative View, in: Government and Opposition(online first), S. 1–24, https://doi.org/10.1017/ gov.2020.27. Kitschelt, H./ Rehm, P.(2014): Occupations as a Site of Political Preference Formation, in: Comparative Political Studies 47(12), S. 1670–1706. Oesch, D.(2006): Redrawing the Class Map: Stratification and instituti­ ons in Britain, Germany, Sweden and Switzerland, Houndmills/ Basingstoke/ Hampshire/ New York: Palgrave Macmillan. O’Grady, T.(2019): Careerists Versus Coal-Miners: Welfare Reforms and the Substantive Representation of Social Groups in the British Labour Party, in: Comparative Political Studies 52(4), S. 544–578. Wängnerud, L./ Sundell, A.(2012): Do politics matter? Women in Swedish local elected assemblies 1970–2010 and gender equality in outcomes, in: European Political Science Review 4(1), S. 97–120. Wenker, J.(2024): Ungleiche Demokratien: Wer geht(nicht) wählen? FES Demokratie der Zukunft. Wien. Zandonella, M./ Ehs, T.(2021): Demokratie der Reichen? Soziale und politische Ungleichheit in Wien. Wirtschaft und Gesellschaft, 47(1), 63–102. 16 DATEN- UND KODIERUNGSQUELLEN Elsässer, L./ Schäfer, A.(2021): Repräsentation und Responsivität: Wie die Zusammensetzung der Parlamente politische Entscheidungen beeinflusst. In Handbuch Regierungsforschung(pp. 1–11). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. IPU Parline.(2024): Global and regional averages of women in national parliaments. April 2024. Global data on national parliaments. https:// data.ipu.org/women-averages/?date_year=2024&date_month=04. Korom, P.(2023): Who is Who in the National Council of Austria: A New Biographical Database(1945 – 2019) – Documentation. https://doi. org/10.11587/UNVOA2, AUSSDA. https://data.aussda.at/dataset.xhtml? persistentId=doi:10.11587/UNVOA2&widget=dataverse@AUSSDA. meineabgeordneten.at.(2024): Medieninhaber: Meine Abgeordneten – Verein zur Förderung von Transparenz und Demokratie. Mai 2024. Oesch, D.(2020): Scripts for Social Class. ISCO Coding Module. https://people.unil.ch/danieloesch/scripts. Statistik Austria.(2011): Zuordnung der Bildungsgänge des österrei­ chischen Bildungswesens zur ISCED 2011(Stand: 2021). https://www. statistik.at/kdb/downloads/pdf/zuordnung_der_bildungsgaenge_des_ oesterreichischen_bildungswesens_zur_isce.pdf. UD Comparative Data Set.(2022): Aus: Ungleiche Demokratien: Wer sitzt(nicht) im Parlament? Vergleichdaten aus Frankreich, Spanien, Polen, Großbrittanien und Türkei. Armin Schäfer und Lea Elsässer. FES Demokratie der Zukunft. 2022. Wien. http://library.fes.de/pdf-files/ bueros/wien/19348.pdf. WARP.(2023): Worldwide Age Representation in Parliaments Dataset. Daniel Stockemer& Axel Sündström. https://www.warpdataset.com/ dataset.php. Daten- und Kodierungsquellen 17 IMPRESSUM ÜBER DEN AUTOR IMPRESSUM Michael Jennewein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Demokratie und Ökonomie bei FES Demokratie der Zukunft mit Sitz in Wien. Er arbeitet hauptsächlich zu den Themen Ungleichheit und Strategien gegen die radi­ kale Rechte. Er hat Philosophie und VWL in Bayreuth sowie Verwaltungswissenschaften und Digitalisierung in Tallinn studiert. Herausgeberin: FES Regionalbüro für Internationale Zusammenarbeit – Demokratie der Zukunft Reichsratsstr. 13/5 A-1010 Wien Inhaltliche Verantwortung: Johanna Lutz, Leiterin, Demokratie der Zukunft Tel.:+43 1 890 3811 301 X:@FES_Democracy democracy.fes.de Projektmanagement: Michael Jennewein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Demokratie und Ökonomie Kontakt/Bestellungen: democracy.vienna@fes.de Satz/Layout: pertext, Berlin| www.pertext.de Covergestaltung: pertext, Berlin| www.pertext.de Abbildungen: Michael Jennewein, Demokratie der Zukunft Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. ÜBER»UNGLEICHE DEMOKRATIEN« ISBN 978-3-98628-503-6 Ungleiche Demokratien ist ein Projekt von FES Demokratie der Zukunft und setzt sich zum Ziel, die Auswirkungen von Ungleichheiten auf Demokratien vergleichend zu ana­ lysieren und in den politischen Diskurs einzubringen sowie Entscheid­ ungsträger:innen zu beraten. © 2024 Im Format»Wer sitzt(nicht) im Parlament?« wird die soziale Repräsentativität von Parlamenten in den Demo­ kratien Europas unter die Lupe genommen. Im Jahr 2022 wurde dazu eine vergleichende Studie(Elsässer et al. 2022) veröffentlicht. In weiterer Folge werden laufend Länderanalysen wie die vorliegende veröffentlicht. Im Format»Wer geht(nicht) wählen?« wird die Wahlbeteiligung in 30 OSZE-Ländern seit 1970 hin­ sichtlich Geschlecht, Altersgruppen, soziale Klassen und Bildungsniveaus der Wähler:innen und Nicht­ wähler:innen betrachtet sowie soziale Auswirkun­ gen davon analysiert. Im Jahr 2022 wurde dazu eine vergleichende Studie(Elsässer et al. 2022) veröffent­ licht, vereinzelte Länderanalysen folgen laufend. Mehr Informationen unter: https://democracy.fes.de/topics/inequality-democracy 21 ÖSTERREICH: WER SITZT(NICHT) IM PARLAMENT? Eine Analyse der sozialen Repräsentation des österreichischen Nationalrats in der 2019–2024 Legislaturperiode Der österreichische Nationalrat zeigt auf der einen Seite typische Marker der Reprä­ sentativitätstrends in europäischen Demo­ kratien. Der hohe Frauenanteil sticht her­ aus, die Repräsentation von Jungen ist – wenn auch nicht perfekt – besser als in vielen anderen Ländern. Vor allem die Par­ teien links der Mitte drücken den Frau­ enanteil nach oben. Im Einklang mit inter­ nationalen Daten schert vor allem die radi­ kal-rechte FPÖ deutlich nach unten aus. Atypisch ist zum einen der etwas höhere Anteil an Selbstständigen und Unterneh­ mer:innen im Allgemeinen und auch in­ nerhalb der höchsten Erwerbsklasse. Zum anderen sind vor allem der hohe An­teil an Berufsschulabschlüssen und der damit einhergehende, im Vergleich deutlich niedrigere Akademiker:innenanteil inter­ nationale Ausreißer. Der Nationalrat ist damit im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Parlamenten in geringerem Maße ein»Akademiker:innenparlament«. Aus demokratiepolitischer Sicht ist dieser Befund begrüßenswert, da vor allem eine zu hohe Homogenität der beruflichen Prä­ gungen zum Verlust von Perspektiven füh­ ren und eine messbar geringere Responsi­ vität gegenüber anderen Problemlagen zur Folge haben kann. Gleichzeitig ist die unterrepräsentierte Arbeiter:innenschaft auch in Österreich zu finden. Internationa­ le Studien zeigen, dass die Responsivität gegenüber den Präferenzen dieser Grup­ pen zunehmend leidet. Daher ist eine Dis­ kussion über eine bessere Integration von potentiellen Politiker:innen mit Arbei­ ter:innenhintergrund notwendig. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie hier: democracy.fes.de