Andy Schieler, Daniela Menzel Kitas 2. Klasse? Mehrfachbelastungen von Kitas mit Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien FES diskurs Juli 2024 Die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 gegründet und ist die traditionsreichste politische Stiftung Deutschlands. Dem Vermächtnis ihres Namensgebers ist sie bis heute verpflichtet und setzt sich für die Grundwerte der Sozialen Demokratie ein: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ideell ist sie der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften verbunden. Die FES fördert die Soziale Demokratie vor allem durch: – politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft; – Politikberatung; – internationale Zusammenarbeit mit Auslandsbüros in über 100 Ländern; – Begabtenförderung; – das kollektive Gedächtnis der Sozialen Demokratie mit u. a. Archiv und Bibliothek. Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung versteht sich als Zukunftsradar und Ideenschmiede der Sozialen Demokratie. Sie verknüpft Analyse und Diskussion. Die Abteilung bringt Expertise aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik zusammen. Ihr Ziel ist es, politische und gewerkschaftliche Entscheidungsträger:innen zu aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu beraten und progressive Impulse in die gesellschaftspolitische Debatte einzubringen. FES diskurs FES diskurse sind umfangreiche Analysen zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Auf Grundlage von empirischen Erkenntnissen sprechen sie wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für die Politik aus. Über die Autor:innen Dr. Andy Schieler studierte Erziehungswissenschaft, Psychologie und Rechtswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und wurde 2017 an der Universität Erfurt im Bereich der Entwicklungspsychologie promoviert. Seit 2016 ist er Institutsreferent im Institut für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit| Rheinland-Pfalz(IBEB) an der Hochschule Koblenz. Dr. Daniela Menzel studierte Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Potsdam und promovierte in diesen Fächern an der Universität Koblenz-Landau. Sie ist im zfh – Zentrum für Fernstudien im Hochschulverbund beschäftigt als Referentin der Geschäftsführung und im Bereich Qualitätsmanagement und Evaluation. Seit 2016 unterstützt sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in mehreren Projekten des Instituts für Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit RLP(IBEB) der Hochschule Koblenz. Für diese Publikation ist in der FES verantwortlich Florian Dähne, Referent in der Abteilung Analyse, Planung und Beratung und zuständig für Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Andy Schieler, Daniela Menzel Kitas 2. Klasse? Mehrfachbelastungen von Kitas mit Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien 3 VORWORT 4 1 ZUSAMMENFASSUNG 6 2 FRAGESTELLUNG UND RELEVANZDES THEMAS 7 3 FORSCHUNGSSTAND 12 4 METHODISCHE INFORMATIONEN 14 5 ERGEBNISSE 22 6 DISKUSSION 27 LITERATURVERZEICHNIS 28 ANHANG 28 A. Ergebnisse der statistischen Analysen 34 B. Legende statistischer Kennwerte FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 1 Foto: picture alliance/ dpa-tmn| Mascha Brichta 2 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs VORWORT Die Reduzierung von Bildungsbenachteiligung ist eine der großen bildungspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Eine entscheidende Rolle spielt hierfür als erster gemeinsamer Bildungsort die Kindertagesbetreuung. Der Zugang zu früher Bildung ist ein wesentlicher Faktor für die Vermittlung von Bildungschancen und die Ermöglichung von Teilhabe. Denn große Ungleichheiten in der kindlichen Entwicklung, u.a. mit Blick auf sprachliche, mathematische aber auch sozial-emotionale Kompetenzen, lassen sich bereits bei Dreijährigen nachweisen, weshalb eine entsprechende Förderung sinnvollerweise nicht erst mit dem Schuleintritt ansetzen sollte. Der Ausbau der frühen Bildung und die Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Platz in Kita oder Kindertagespflege gelten vor diesem Hintergrund als wichtige Schritte um allen Kindern unabhängig von ihrem familiären Hintergrund gleiche Chancen auf eine gute Entwicklung und die Entfaltung ihrer Potenziale zu ermöglichen. Gelingen kann dies jedoch nur, wenn Bildungspolitik und Bildungsadministration diejenigen, die die pädagogische Arbeit in Kitas gestalten und verantworten müssen, stärken und ihnen für ihre Arbeit passende Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen. Zu den Voraussetzungen für eine möglichst hohe Bildungsqualität in Kitas zählen u.a. adäquate personelle, räumliche und finanzielle Mindeststandards. Dies gilt insbesondere dort, wo eine Häufung sozialer Risikolagen vorliegt. Denn wo Problemlagen kumulieren, können ungünstige differenzielle Lernmilieus entstehen. In Kitas mit vergleichsweise vielen Kindern aus armutsgefährdeten Haushalten, aus Elternhäusern mit formal niedrigen Bildungsabschlüssen oder geringen Kenntnissen der deutschen Sprache ist erfolgreiche Bildungsarbeit eine besondere Herausforderung. Darum sollten Kitas in besonders herausfordernden Lagen insbesondere personell überdurchschnittlich gut ausgestattet werden, und zwar sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ungleiches ungleich zu behandeln ist ein Schlüssel für den Abbau von Bildungsbenachteiligung. Das gilt für Kitas wie für Schulen. In der Realität jedoch – so das Ergebnis der hier vorliegenden Studie – zeigen sich Muster, die genau in die entgegensetzte Richtung deuten. Denn die Bedingungen, unter denen Kindertageseinrichtungen ihrer wichtigen Aufgabe nachkommen, unterscheiden sich teilweise stark. Systematische Mehrfachbelastungen und Ressourcennachteile prägen die Situation gerade in den Kitas, die einen höheren Anteil von Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien betreuen. Gerade dort also, wo sich Herausforderungen mit Blick auf Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ballen, stehen hierfür vergleichsweise schlechtere Rahmenbedingungen zur Verfügung. So besteht das Risiko, dass die entsprechenden Einrichtungen zu„Kitas 2. Klasse“ werden. Nicht, weil dort schlechter oder weniger engagiert gearbeitet würde, sondern weil die Rahmenbedingungen für erfolgreiches pädagogisches Wirken den besonderen Herausforderungen schlicht nicht gerecht werden. Wir danken den Autor_innen Dr. Andy Schieler und Dr. Daniela Menzel, die in dieser Studie einmal mehr deutlich machen, wie groß der Handlungsbedarf auf dem Weg zu einer bedarfsorientierten Steuerung und echter Chancengleichheit in der frühen Bildung noch ist. Auch dazu, wie dies gelingen kann, bietet die vorliegende Studie wertvolle Anknüpfungspunkte. Florian Dähne Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Analyse, Planung und Beratung Burkhard Jungkamp Staatssekretär a.D. Moderator des Netzwerk Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 3 1 ZUSAMMENFASSUNG Die vorliegende wissenschaftliche Expertise dient der explorativen Überprüfung möglicher Unterschiede zwischen Kindertageseinrichtungen(Kitas) mit Kindern aus mehr oder weniger benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen. Im Zuge einer Sekundäranalyse des Datensatzes der Einrichtungsleitungen der ERiK-Surveys des Deutschen Jugendinstituts(DJI) lassen sich systematische Mehrfachbelastungen und Ressourcenbenachteiligungen, vereinzelt auch eine bessere Ressourcenausstattung, von Kitas mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund identifizieren. Wesentliche Ergebnisse zeigen, dass diese Kitas zusätzlich konfrontiert sind mit Herausforderungen hinsichtlich: ȣ der Segregation im Sinne einer ungleichen Verteilung bzw. Ballung bestimmter Merkmale von Kindern und Familien in den Einrichtungen, infolgedessen die Kinder und Familien mit vergleichbaren Herausforderungen tendenziell unter sich bleiben(mehr Kinder; höherer Anteil an Kindern mit Förderbedarf, mit nicht deutscher Familiensprache, mit Fluchthintergrund, mit Behinderung und mit Diagnosen); ȣ des Personals(höherer Personalbedarf durch länger unbesetzte Stellen aufgrund mangelnder Bewerbungen, durch höheren Anteil an Mitarbeitenden mit längerer Abwesenheit – z. B. durch Krankheit, Elternzeit – sowie durch mehr Ausgleich von Personalausfällen; häufiger Personalschlüssel nicht eingehalten; geringere Passung von vertraglicher und tatsächlicher Leitungszeit; geringere Arbeitszufriedenheit; Mangel an ensprechend qualifizierten Fachkräften durch geringeren Anteil an pädagogisch ausgebildeten Fachkräften und durch höheren empfundenen Mangel an Fachkräften mit besonderen Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund, im Bereich Inklusion sowie im Bereich der kultursensiblen Pädagogik); ȣ sowie weiterer Faktoren, die z. B. die Platzvergabe, Zusatzkosten für Eltern, eine stärker wahrgenommene Beeinträchtigung durch mangelndes Engagement der Eltern, eine unzureichende Ausstattung in der Kita, behördliche Vorschriften und mangelnde Unterstützung durch den Träger betreffen. Im Hinblick auf Maßnahmen der Personalentwicklung/bindung, Maßnahmen zur Qualitätssicherung, Standards für Verpflegung, Angebote zur kultursensiblen Zusammenarbeit mit Familien, Angebote des Trägers zur Unterstützung der Leitungsaufgaben, Kooperationen mit anderen Institutionen sowie auf Maßnahmen zum Übergang von der Kita in die Grundschule zeigt die vorliegende Untersuchung eine bessere Ressourcenausstattung bei Einrichtungen mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund. Sie dienen als Anknüpfungspunkte, von denen ausgehend die oben herausgearbeiteten Benachteiligungen im Sinne eines chancen­gerechten Aufwachsen von Kindern aus einem benachteiligten sozioökonomischen Hintergrund weiterentwickelt werden sollten. Die hier dargestellten Mehrfachbelastungen und Ressourcenbenachteiligungen machen die politischen Handlungsbedarfe einmal mehr deutlich. Chancengerechtigkeit durch frühe Bildung setzt voraus, dass insbesondere jene Kitas mit einem relativ großen Anteil benachteiligter Kinder adäquat ausgestattet und nicht als Kitas 2. Klasse behandelt werden. Die vorliegende Expertise will empirische Argumente für die dazu erforderliche bildungspolitische Diskussion liefern. Sie knüpft an die Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. November 2023 an, die die Bedeutung des sozialen Umfelds für das Aufwachsen von Kindern, für deren Lebensqualität und-chancen unterstreicht. Auch sieht sie Kinderarmut als mehrdimensionales Phänomen, das verschiedene Familien betrifft, darunter solche mit niedrigem Einkommen, niedrigem Bildungsniveau, Alleinerziehende und Familien in benachteiligten Regionen. Besonders im Bereich Bildung zeigt sich eine wachsende Kluft zwischen sozioökonomischen Lebensbedingungen und den Chancen im Bildungssystem, indem soziale Ungleichheiten im Bildungsbereich verstärkt werden(vgl. Betz/Bollig 2023; Ghirardi et al. 2023). Bekannt ist, dass trotz Rechtsanspruch die(Nicht-)Inanspruchnahme von Kita-Plätzen im Zusammenhang mit sozioökonomischen und demografischen Merkmalen von Kindern und Familien steht. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN In der vorliegenden Expertise wird deutlich, dass sich die Muster der Segregation und Benachteiligung auch bei den Kindern und Familien zeigen, die einen Kita-Platz in Anspruch nehmen, weil sich die Kindertageseinrichtungen mit einem höheren Anteil an sozioökonomisch benachteiligten Kindern mit mehrfachen Belastungen bei gleichzeitig benachteiligter Ressourcenausstattung konfrontiert sehen. Aus den Ergebnissen der Sekundäranalyse im Kontext weiterer Studien werden abschließend folgende Empfehlungen abgeleitet, die zu einer faktenbasierten Weiterentwicklung der Qualität öffentlich geförderter Kindertagesbetreuung mit dem Ziel der Chancengerechtigkeit beitragen können: ȣ Mehrfachbelastungen und Ressourcennachteile thematisieren: strukturelle Benachteiligungen von Kindertageseinrichtungen mit einem höheren Anteil an Kin4 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs dern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund in den Fokus wissenschaftlicher, fachpolitischer und gesellschaftlicher Diskurse rücken. ȣ Die Zusammensetzung von Kitas chancengerecht steuern: Stärkung des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe als Instanz zur Segregationsprävention bei der Platzvergabe anhand transparenter Kriterien und unter Berücksichtigung der Relation von He­ rausforderungen und Ressourcen in Kitas(z. B. basierend auf einem Sozialindex-Wert, der die soziale Zusammensetzung der Herkunft der Kinder in einer Einrichtung widerspiegelt und als Grundlage für die gezielte Zuweisung zusätzlicher Ressourcen dient, um Einrichtungen mit benachteiligten Kindern und Familien eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen). ȣ Aufgaben und Zeiten für Leitung klären: Im Sinne der Passung von tatsächlich anfallenden und vertraglich zustehenden Leitungszeiten sind Unterstützungsmöglichkeiten, z. B. durch Verwaltungskräfte, sowie die vertragliche Bereitstellung von Leitungszeiten zu klären. ȣ Auf Raum für Kinder achten: konzeptionelle Weiterentwicklung der Nutzung pädagogischer Räume im Zusammenspiel von räumlichen Gegebenheiten und(familiär ungedeckten) Bedarfen von Kindern(insbesondere stärkere Nutzung von Naturräumen rund um die Kita). ȣ Attraktive Arbeitsbedingungen für Kitas mit besonderen Herausforderungen schaffen : Im Hinblick auf die Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit der pädagogischen Fachkräfte bedarf es auch im Sinne der Personalsicherung/-gewinnung in Einrichtungen mit besonderen Herausforderungen der Schaffung besonders attraktiver Arbeitsbedingungen. ȣ Multiplen Herausforderungen multiprofessionell begegnen: Fokussierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf entsprechende(Weiter-)Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften, um fachlichen Herausforderungen im Zusammenhang sozioökonomisch benachteiligter Kinder adäquat zu begegnen(z. B. KitaSozialarbeit). Verantwortungsgemeinschaft adressieren, indem die verschiedenen Unterstützungsebenen rund um die pädagogische Arbeit in der Kita genutzt werden (z. B. Einrichtungsträger, Fachberatung). ȣ Von Leitungen wahrgenommene Beeinträchtigungen in den Blick nehmen: Die von Leitungen in Kitas mit Kindern aus sozioökonomischen Hintergründen verstärkt wahrgenommenen Beeinträchtigungen sind vonseiten der damit adressierten Akteur:innen aus Politik, Verwaltung, Träger- und Elternschaft anzugehen(insbesondere unzureichende finanzielle und sachliche Ausstattung der Kindertageseinrichtung, behördliche Vorschriften, Personalausfälle, Mangel an pädagogischen Fachkräften, mangelndes Engagement und Unterstützung durch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, mangelnde Unterstützung durch den Träger). ȣ Zusatzkosten für Eltern am Einkommen orientieren: Um die Auswirkungen der finanziellen Zusatzbelastung für sozioökonomisch benachteiligte Familien auf die betroffenen Kinder abzufedern, gilt es, die Zusatzkosten(z. B. für Kopier- und Bastelgeld) am Haushaltseinkommen der Eltern zu orientieren. ȣ Datengrundlage verbessern: Um die Herausforderungen in den Kindertageseinrichtungen besser zu erfassen und die Einrichtungen passgenau mit Ressourcen ausstatten zu können, bedarf es einer detaillierteren Datengrundlage durch eine differenzierte, anonymisierte und nicht stigmatisierende Abfrage verschiedener Dimensionen von Benachteiligungen bei Kindern und Familien. Politische Maßnahmen und Investitionen im Kontext der Chancengerechtigkeit braucht es der vorliegenden Expertise zufolge, um Kindern mit soziökonomisch benachteiligtem Hintergrund den Kita-Besuch zu ermöglichen und um die besonders betroffenen Einrichtungen in die Lage zu versetzen, qualitativ hochwertige Lernumgebungen für diese Kinder zu schaffen. Konkrete Kriterien für eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung finden sich sowohl in aktuellen Studien(vgl. Ghirardi et al. 2023), aktuellen Expertisen(vgl. Espenhorst et al. 2023, einschließlich des Hinweises auf die entscheidende Rolle der Länder bei der Förderung von Chancengleichheit in Kitas) als auch im aktuellen„Kompendium für hohe Qualität in der frühen Bildung“ der AG Frühe Bildung im Zuge der Erarbeitung eines bundesweiten Qualitätsentwicklungsgesetzes(vgl. Jugend- und Familienministerkonferenz 2024). Die dort vorgeschlagenen Maßnahmen für eine hohe Qualität frühkindlicher Bildung und Betreuung stehen in Einklang mit den Ergebnissen der vorliegenden Expertise. ← FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 5 2 FRAGESTELLUNG UND RELEVANZ DES THEMAS Die Unterstützung der Chancengerechtigkeit für Kinder ist ein zentraler Auftrag von Kindertageseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland:„Mit dem KiTa-Qualitätsgesetz machen wir einen großen Schritt für mehr Qualität in Kindertagesbetreuung in ganz Deutschland. Wir machen damit auch einen großen Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit in diesem Land. Denn die Chancengerechtigkeit beginnt mit der Kita“(BMFSFJ 2022: 1). Mit welchen Wirklichkeiten dieses bundespolitische Vorhaben konfrontiert ist, soll eine Sekundäranalyse der durch das Deutsche Jugendinstitut(DJI) im Rahmen des Projektes„Entwicklung von Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung(ERiK)“ erhobenen Daten zeigen. Durch unterschiedliche Startbedingungen der Kinder, u. a. bedingt durch den sozioökonomischen Hintergrund der Familie, die Familiensprache oder Behinderungen oder drohende Behinderungen entstehen potenzielle Bildungsbenachteiligungen, die durch die Arbeit in Kindertageseinrichtungen abgebaut werden sollen. Durch Phänomene wie sozialräumliche und einrichtungsspezifische Segregation unterscheiden sich die Gegebenheiten der Kinder und Familien von Einrichtung zu Einrichtung zum Teil massiv (vgl. Groos et al. 2018). Hieraus ergeben sich unter anderem Fragen nach Merkmalen, die mit diesen besonderen Gegebenheiten korrelieren(z. B. Anzahl an Ganztagsplätzen, Vergabeverfahren der Kitas, Träger und Jugendämter). Einrichtungen mit weniger Ganztagsplätzen arbeiten häufig mit angespannteren Personal- sowie zeitlichen Ressourcen für Leitungsaufgaben als Einrichtungen mit mehr Ganztagsplätzen. So halten Schmitz et al.(2023) in einer aktuellen Expertise fest:„Für den Ü3-Bereich belegen unterschiedliche Studien, dass ganztägige Angebote vorwiegend von ressourcenstarken Familien genutzt werden.“ Von den Buchungszeiten hängt in der Regel die Personalausstattung ab, auch wenn es rühmliche Ausnahmen gibt. In der Vergabepraxis von Ganztagsplätzen könnten sich ebenfalls Segregationstendenzen zeigen, wenn Kinder und Familien mit geringeren sozioökonomischen Ressourcen(z. B. hinsichtlich der Erwerbstätigkeit der Eltern) in der Vergabe von Ganztagsplätzen, je nach Relevanz des Kriteriums der Erwerbstätigkeit, benachteiligt werden. Beide hier exemplarisch genannten Faktoren(Ganztagsplatz, Vergabepraxis) können basierend auf den sozioökonomischen Verhältnissen von Kindern und Familie Segregationstendenzen zwischen Kindertageseinrichtungen beeinflussen. Die unterschiedlichen Gegebenheiten und potenziellen Herausforderungen für die jeweiligen Kita-Teams können sich insofern auf das zentrale Anliegen der Unterstützung von Chancengerechtigkeit für Kinder und den Auftrag des Abbaus von Bildungsbenachteiligung auswirken. In der vorliegenden Analyse werden demnach Unterschiede zwischen Kindertageseinrichtungen hinsichtlich der sozioökonomischen Verhältnisse von Kindern und Familien in den Blick genommen. Welches Antwortverhalten zeigt sich bei Leitungspersonen, deren Einrichtungen vorrangig Kinder und Familien aus mehr bzw. weniger benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen begleiten? Die hier verfolgte Arbeitshypothese lautet: Einrichtungen mit einem höheren Anteil von Kindern und Familien aus benachteiligten soziokönomischen Verhältnissen arbeiten unter schlechteren Bedingungen im Vergleich zu Einrichtungen mit Kindern und Familien aus weniger benachteiligten soziokönomischen Verhältnissen. Der sogenannte sozioökonomische Status„spiegelt die individuelle Position in der Sozialhierarchie wider und wird zumeist über Informationen zum Bildungsniveau, zur beruflichen Stellung und zur Einkommenssituation erfasst“(Lampert et al. 2013: 814). ← 6 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs 3 FORSCHUNGSSTAND Verschiedene Studien beschäftigen sich mit Ungleichheiten und Segregation in Kitas. Es finden sich wenige Untersuchungen zur Ballung von Herausforderungen im Kita-Sozialraum und der Ausstattung bzw. den Bedingungen in den Kitas. Viele Studien analysieren hauptsächlich die Herausforderungen und Ungleichheiten im Zugang zu und in der Nutzung von Kindertagesbetreuung in Deutschland. Die Befunde zeigen, dass trotz des erweiterten Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz in den vergangenen Jahren weiterhin deutliche sozioökonomische Unterschiede in der Nutzung von Kitas bestehen. UNGLEICHHEITEN IN ZUGANG ZU UND NUTZUNG VON KITAS So beleuchtet die Studie„Frühe Ungleichheiten“(Huebener et al. 2023) den sogenannten Kita-Gap und stellt fest, dass trotz des gesetzlichen Anspruchs auf einen Kita-Platz ab dem zweiten Lebensjahr immer noch Unterschiede in der Kita-Nutzung bestehen, die sich nach sozioökonomischen und demografischen Merkmalen richten. Insbesondere Kinder aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau, von armutsgefährdeten Familien und solchen, in denen zu Hause nicht hauptsächlich Deutsch gesprochen wird, oder deren Eltern einen Migrationshintergrund haben, sind in Kitas nach wie vor unterrepräsentiert. Dies steht im Widerspruch zu dem Ziel, diese Unterschiede durch den Rechtsanspruch zu verringern. Die genannte Studie analysiert die Nutzung und Bedürfnisse von Kita-Angeboten, insbesondere bei potenziell benachteiligten Familien, und untersucht Kita-Gaps über das Alter der Kinder hinweg. Es zeigt sich, dass Kinder aus benachteiligten Familien, insbesondere im zweiten und dritten Lebensjahr, seltener eine Kita besuchen. Die geringere Nutzung von Kitas durch benachteiligte Familien resultiert nicht aus einem geringeren Bedarf, sondern aus unerfüllten Bedürfnissen, was zu erhöhten ungedeckten Bedarfen führt. Als Gründe für ungedeckte Bedarfe auf der Angebotsseite werden aufgeführt: fehlende Kita-Plätze trotz Bedarfs, fehlende Angebote am Wohnort, hohe KitaKosten, nicht passende Öffnungszeiten und unzureichende Förderung des Kindes. Regionale Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind ebenfalls ausgeprägt, wobei in Westdeutschland prozentual mehr Kinder einen Kita-Platz benötigen, als diesen zur Verfügung steht. Es wird in dieser Untersuchung hervorgehoben, dass Mütter in Familien mit ungedeckten Bedarfen oft erwerbstätig sein möchten und die Erfüllung ihrer Betreuungswünsche die Erwerbsquote erhöhen könnte. Es werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, darunter der Ausbau von Kita-Angeboten mit Fokus auf eine wohnortnahe Bereitstellung für Familien mit ungedeckten Bedarfen, zen­ tralisierte Anmeldeverfahren, finanzielle Anreize für Einrichtungen, die unterrepräsentierte Kinder aufnehmen, und eine Gebührenstaffelung basierend auf dem Familieneinkommen. Die ungedeckten Kita-Bedarfe haben weitreichende bildungs- und gleichstellungspolitische Folgen. Die Studie betont, dass die geringere Kita-Nutzung nicht auf einen geringeren Bedarf zurückzuführen ist, sondern da­ rauf, dass die Bedarfe potenziell benachteiligter Familien seltener gedeckt werden. Dabei könnte ein früherer Besuch in qualitativ hochwertigen Kitas dazu beitragen, Ungleichheiten zu verringern. Stahl(2015) beschreibt Zusammenhänge zwischen der sozioökonomischen Herkunft und der Kita-Qualität und stellt die Frage, ob„Kinder unterschiedlicher sozioökonomischer Herkunft Einrichtungen besuchen, die qualitativ divergieren und zu Beginn ihrer Bildungsverläufe systematisch verschiedene Lernkontexte bieten“(Stahl 2015: 1). Die Qualität der Kitas wird hier anhand dreier Dimensionen betrachtet: Prozessqualität, Orientierungsqualität (Ziele, Werte, Einstellungen des Personals) und Strukturqualität(Gruppengröße). Auf der Grundlage von Ergebnissen verschiedener Studien stellt sie fest, dass potenziell benachteiligte Familien Kindertageseinrichtungen seltener bzw. erst ab einem höheren Alter der Kinder nutzen. Vor dem Hintergrund einer großen interinstitutionellen Heterogenität hinsichtlich der Qualitätsdimensionen wird in der Studie erwähnt, dass in Gruppen mit einem höheren Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund die Prozessqualität tendenziell niedriger ausfällt. Sie erläutert, dass trotz ihrer großen Bedeutung die Verbesserung der Qualität frühkindlicher Bildung und Betreuung beim Ausbau der Kitas eher vernachlässigt wurde. Das Problem der zur Verfügung stehenden Plätze wird bei Fuchs-Rechlin/Bergmann(2014) angesprochen. Diese Studie fokussiert auf unter Dreijährige und deren Familien. Sie hebt hervor, dass soziale Selektion bei dieser Altersgruppe wahrscheinlicher ist, da die Plätze begrenzt sind. Neben der quantitativen Betrachtung wird die Bedeutung der pädagogischen Qualität und der Einbeziehung der Familie betont. Die qualitative Verbesserung erfordert demnach eine Erhöhung des Qualifikationsprofils der pädagogischen Fachkräfte. Neben dem Angebot an Kita-Plätzen ist die finanzielle Lage der Familien ein Thema, das die Nutzung von Kinderbetreuung beeinflusst. Schmitz, Spieß und Stahl(2017) analysieren die Kosten für die Betreuung von Kindern in Kindertageseinrichtungen. Die Kosten sind in den vergangenen 20 Jahren im Durchschnitt gestiegen, jedoch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Haushalten. Immer mehr Bundesländer befreien die Eltern von Beiträgen, sodass immer mehr Haushalte keine Kosten für die Kita-Betreuung haben. Obwohl die relative Belastung aller armutsgefährdeten Haushalte durch Kita-Ausgaben über die Zeit gesunken ist und niedriger ist als die anderer Haushalte, liegt die relative Belastung derjenigen armutsgefährdeten Haushalte, die tatsächlich Ausgaben tätigen, immer noch über der einkommensstärkerer Haushalte. Um FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 7 armutsgefährdete Haushalte stärker zu entlasten, sollte die Politik den Autor:innen zufolge eine stärkere Einkommensprogression bei den Kita-Beiträgen in Betracht ziehen, anstatt allgemeine Beitragsbefreiungen anzustreben. Es wird weiterhin empfohlen, zusätzliche öffentliche Mittel in eine bessere Qualität der Kindertagesbetreuung und einen bedarfsgerechten Ausbau im U3-Bereich zu investieren und eine einheitliche bundesweite Regelung zu treffen für die gezielte Entlastung niedriger Einkommen, die über die derzeitigen Rahmenregelungen im Sozialgesetzbuch hinausgeht. UNGLEICHHEITEN DURCH ZUSAMMENSETZUNG DER KITA-GRUPPEN Eine Ursache für die Beeinträchtigung der Qualität pädagogischer Arbeit in Kitas scheint die Zusammensetzung der Kita-Gruppen zu sein. Ungleichheiten in Kitas diesbezüglich bestätigen Jehles, Knütttel und Schuchardt(2022) in ihrem Beitrag zu strukturellen Bedingungen von KitaSegregation. Es werden Unterschiede in der Verteilung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund aufgezeigt, wobei der Migrationsanteil in einigen Kitas höher ist als im Durchschnitt. Kinder mit verschiedenen ethnischen oder sozialen Merkmalen sind demnach in bestimmten Trägereinrichtungen konzentriert. Eine weitere Studie von Gambaro(2017) befasst sich ebenfalls mit Kindern mit Migrationshintergrund in deutschen Kindertageseinrichtungen. Dabei wird festgestellt, dass in einem flächendeckenden System der frühkindlichen Bildung ein deutlicher Kontrast zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund in Bezug auf ihre hier sogenannten Kita-Gefährt:innen besteht. Bis zu einem Drittel der Kinder mit einer nicht deutschen Familiensprache besuchen Kindertageseinrichtungen, in denen die Mehrheit der anderen Kinder zu Hause ebenfalls eine Fremdsprache spricht. Im Gegensatz dazu ist dies bei Kindern, deren Familien hauptsächlich Deutsch sprechen, nicht der Fall. Das birgt das Risiko, dass Kinder mit und ohne Migrationshintergrund unterschiedliche Bildungswege einschlagen, da sie möglicherweise in getrennten Gruppen mit unterschiedlichen Sprach- und kulturellen Hintergründen aufwachsen und lernen. In Kitas mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund kann die pädagogische Prozessqualität, die sich hier auf die Strukturierung der pädagogischen Arbeit und die Interaktionen zwischen Fachkräften, Kindern und Eltern bezieht, signifikant schlechter sein, da die Förderung der Alltagssprache oft im Vordergrund steht und andere Förderaspekte vernachlässigt werden. Analog dazu wird berichtet, dass in Kitas mit vielen Kindern aus einkommensarmen Familien die pädagogische Prozessqualität beeinträchtigt sein kann, da diesen Kindern oft entwicklungsförderliche Erfahrungen und Anregungen fehlen(Jehles et al. 2022). REGIONALE UNTERSUCHUNGEN VON UNGLEICHHEITEN Die o. a. Entschließung des Europäischen Parlaments vom 21. November 2023 betont die entscheidende Rolle des sozialen Umfelds für Lebensqualität und Chancengleichheit von Kindern. Insbesondere früh auftretende Ungleichheiten beeinträchtigen das Wohlbefinden und die Gesundheit von Kindern. Das Fehlen hochwertiger Dienstleistungen und Unterstützung für Familien erhöht das Risiko von Kinderarmut und sozialer Ausgrenzung. Auf bestimmte Regionen bezogene Untersuchungen bestätigen auch hier strukturelle Unterschiede in Kitas und geben Empfehlungen dafür, wie man diesen begegnen und die Chancengleichheit für die Kinder erhöhen könnte. Mit der Bildungsbenachteiligung und Kompensationsmöglichkeiten in sächsischen Kindertageseinrichtungen haben sich Brandes, Friedel und Röseler(2011) beschäftigt. Es wird diskutiert, ob und wie Benachteiligungen in Kindertageseinrichtungen, entgegengewirkt werden kann. Die Studie aus Sachsen beleuchtet hierzu die Sichtweise des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen. Die Ergebnisse zeigen, dass strukturelle Rahmenbedingungen wie personelle Ausstattung und Gruppengröße als größte Hindernisse für die Kompensation von Benachteiligung angesehen werden. Die quantitative Befragung von über 1.600 pädagogischen Fachkräften aus 430 Kindertageseinrichtungen verdeutlicht, dass fast 80 Prozent der Fachkräfte Kinder mit mindestens einem Risikofaktor in ihrer Gruppe betreuen. Die größten Entwicklungsrisiken werden im Bereich der kognitiven Anregung und Förderung der Kinder gesehen. Das pädagogische Personal empfindet die Zeit für Vor- und Nachbereitung sowie für Dokumentation und Beobachtung als unzureichend und sieht Bedarf an Fortbildungen zur Bildungsbenachteiligung(Brandes et al. 2011). Betz und Bollig(2023) haben in Luxemburg die Auswirkungen von Kinderarmut untersucht und konnten feststellen, dass Kinder, die in armen Verhältnissen aufwachsen, in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden. Armut wirkt sich dabei auf ihre Teilhabechancen, Bildungsmöglichkeiten und sozialen Beziehungen aus. Besonders im Bereich Bildung zeigte sich eine wachsende Kluft zwischen sozioökonomischen Lebensbedingungen und den Chancen im Bildungssystem: Soziale Ungleichheiten werden im Bildungsbereich verstärkt. Maßnahmen in Luxemburg zielen darauf ab, soziale Ungleichheiten durch den Ausbau der Kindertagesbetreuung zu reduzieren und die Bildungsqualität zu verbessern. Die Forschung zum Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Kindertagesbetreuung zeigt, dass Kinder im Allgemeinen von qualitativ hochwertigen Einrichtungen profitieren. Es wird darauf hingewiesen, dass auch hier die soziale Herkunft einen Einfluss auf den Zugang zu qualitativ hochwertigen Angeboten hat. Die Bildungsbeteiligung variiert je nach sozialer Herkunft, und es bestehen Herausforderungen in der Qualität und Zugänglichkeit von Betreuungsarrangements für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Betz und Bollig stellen fest, dass Kindertageseinrichtungen Ungleichheiten reproduzieren können, aber auch als Hoffnungsträger betrachtet 8 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs werden dürfen, wenn eine größere Sensibilität für eine hohe Qualität im frühkindlichen Bildungssystem vor allem vor dem Hintergrund einer hohen Anzahl von Kindern mit Armutsrisiken und einer multikulturellen Zusammensetzung der Kindergruppe erreicht werden kann. KITA-QUALITÄT UND BENACHTEILIGUNG: GEBALLTE HERAUSFORDERUNGEN Auch in Deutschland werden, wenn auch nur wenig untersucht, Kitas beschrieben, die mit einer Bündelung verschiedener Herausforderungen konfrontiert sind. In„Segregation in Early Childhood Education and Care in Germany“ weisen Hogrebe, Pomykaj und Schulder(2021) da­ rauf hin, dass es in einigen Kitas eine Konzentration benachteiligter Kinder gibt, die mit spezifischen Herausforderungen verbunden ist. Diese Herausforderungen können sich auf soziale, ethnische und/oder sprachliche Unterschiede beziehen und die Bildungschancen und die Integration der Kinder beeinflussen. Als Fazit der Studie wird empfohlen, dass Programme, die Kitas mit einer Konzentration benachteiligter Kinder unterstützen, fortgesetzt und ausgeweitet werden sollten, um den Herausforderungen, mit denen diese Einrichtungen und Kinder konfrontiert sind, zu begegnen. Darüber hinaus wird betont, dass Vielfalt in den Kitas für die individuelle Entwicklung der Kinder und die Gesellschaft insgesamt von großer Bedeutung ist, und dass Wege gefunden werden sollten, um Segregation zu vermeiden und Konzepte für ein sozial und ethnisch inklusives System der frühkindlichen Bildung und Betreuung zu entwickeln. Es wird zwar nicht spezifisch festgestellt, dass Kitas mit divergierenden Herausforderungen auch strukturelle Engpässe aufweisen, aber dennoch darauf hingewiesen, dass Kitas mit einer Konzentration benachteiligter Kinder spezifischen Problemen gegenüberstehen, die sich auf die Bildungschancen und die Integration der Kinder auswirken können. Um diesen angemessen begegnen zu können, ist einem Mangel an qualifiziertem Personal und einer unzureichenden Finanzierung von Kitas entgegenzuwirken. Da in der Studie zur Kita-Segregation von Jehles, Knütttel und Schuchardt(2022) auf die strukturellen Bedingungen ein Fokus gelegt wurde, konnten hier Kitas, die mit geballten Herausforderungen konfrontiert sind, identifiziert werden. Insbesondere in Jugendämtern, in denen eine Kombination von Faktoren vorliegt(z. B. begrenzte Plätze, knappe Haushaltslage, hohe Kinderarmut und viele Kinder mit Migrationshintergrund), nehmen öffentliche Träger überproportional viele Kinder mit Migrationshintergrund auf, was zur Förderung von Kita-Segregation beitragen kann. Diese Kitas stehen vor der Herausforderung, eine qualitativ hochwertige Bildung und Betreuung für alle Kinder bereitzustellen, während sie mit strukturellen Benachteiligungen konfrontiert sind. Neben dem bloßen Platzausbau ist es daher wichtig, die Qualität nicht zu vernachlässigen. Besonders Kinder, die Deutsch als Zweitsprache sprechen, profitieren von einer hohen Anregungsqualität in den Kindertagesstätten(Lochner/Kopp 2022). Die Ergebnisse einer Studie von Ghirardi et al.(2023), die aus der Auswertung der Längsschnittdaten von 992 Kindern im Nationalen Bildungspanel(NEPS) besteht, zeigen deutlich, wie wichtig der Besuch von Kindertagesstätten für die Entwicklung von Kindern ist, insbesondere für solche aus sozial benachteiligten Familien. Die kognitiven, sozialen und emotionalen Kompetenzen von Kindern können sich schon sehr früh unterschiedlich ausprägen, da sich ihre Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten in ihren Familien voneinander unterscheiden. Der Besuch einer Kita kann für Kinder deshalb von Vorteil sein, unabhängig von der Herkunftsfamilie, da sie hier andere Anregungen erhalten. Durch den Kontakt mit Gleichaltrigen und die pädagogische Förderung können herkunftsbedingte Unterschiede in den kognitiven Kompetenzen verringert werden. Die Qualität der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung hat eine hohe Bedeutung, denn gute pädagogische Programme können stimulierende Lernumgebungen für die Kinder bieten und somit positive Auswirkungen auf ihre Entwicklung haben. Als kennzeichnend für die Qualität der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung werden verschiedene Kriterien aufgeführt: ȣ Niedriger Fachkraft-Kind-Schlüssel: Ein niedriges Verhältnis von Kindern zu Fachkräften ermöglicht eine individuellere Betreuung und Unterstützung der Kinder. ȣ Hohe Mindestqualifikation der Fachkräfte: Gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte können eine positive Lernumgebung schaffen und die Entwicklung der Kinder unterstützen. ȣ Professionelle Pädagogikkonzepte: Die Verwendung von professionellen pädagogischen Konzepten und Methoden kann dazu beitragen, die kognitiven und sozioemotionalen Fähigkeiten der Kinder zu fördern. ȣ Interaktion mit Gleichaltrigen: Die Möglichkeit für Kinder, mit einer heterogenen Gruppe von Gleichaltrigen zu interagieren, kann ihre sozialen Fähigkeiten stärken. ȣ Anregende Lernumgebung: Eine anregende Lernumgebung mit verschiedenen Materialien zum Spielen und Entdecken kann die kognitive Entwicklung der Kinder unterstützen. Diese Kriterien tragen dazu bei, dass frühkindliche Bildungsprogramme eine qualitativ hochwertige und förderliche Umgebung für die Entwicklung von Kindern bieten können(Ghirardi et al. 2023). Problematisch ist, dass gerade Kinder aus benachteiligten Elternhäusern wesentlich stärker von fehlenden Betreuungsplätzen betroffen sind gegenüber solchen von besser gestellten Eltern. Eine Erweiterung der Betreuungsplätze und Maßnahmen zur Förderung der Teilnahme benachteiligter Kinder sind notwendig, um die Chancengleichheit zu verbessern und die soziale Ungleichheit abzubauen. Insgesamt verdeutlicht die Studie die Notwendigkeit eines umfassenden Ansatzes zur FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 9 Förderung der frühkindlichen Bildung, der sowohl auf Kita- als auch auf politischer Ebene Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität und des Zugangs zu Betreuungsprogrammen umfasst. BENACHTEILIGUNGEN UND MÖGLICHE MASSNAHMEN Das Europäische Parlament sieht nationale Leistungen für Kinder als wesentlich an, um bedürftigen Familien zu helfen und den Zugang zu qualitativ hochwertigen Dienstleistungen zu gewährleisten. In seiner Entschließung von 2023 wird betont, dass der sozioökonomische Status kein Hindernis für den Zugang zu grundlegenden Diensten sein sollte. Die EU möchte sicherstellen, dass bedürftige Kinder Zugang zu kostenlosen Dienstleistungen wie frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung haben, um Armut und Ungleichheit zu verringern. Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, öffentliche Investitionen zu erhöhen, insbesondere für benachteiligte Kinder. Ein besonderes Augenmerk soll auf universellem Zugang in abgelegenen Regionen liegen, um dort Unterschiede zu verringern. Das Parlament unterstreicht die Notwendigkeit von Investitionen in inklusive und hochwertige frühkindliche Bildungsdienste für Kinder von 0–3 Jahren und dabei vor allem die pädagogische Ausbildung des Personals in den Blick zu nehmen(Europäisches Parlament 2023). Die Expertise von Espenhorst, Kemper und Colbasevici (2023) zielt darauf ab, die Benachteiligungsdimensionen in Kitas zu beschreiben und Maßnahmen aufzuzeigen, wie diesen begegnet werden kann. Es werden anhand folgender Kriterien die Benachteiligungen von Kindern aufgeführt: ȣ Sprachliche Defizite: Kinder mit sprachlichen Defiziten benötigen spezielle Unterstützung, um ihre sprachlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Durch zusätzliche Personalressourcen können gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um diese Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung zu fördern. ȣ Mehrsprachigkeit: Kinder, die mehrere Sprachen sprechen, können von einer besonderen Förderung profitieren, die ihre sprachliche Vielfalt und kulturelle Identität würdigt. Durch die Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit als Ressource können die Einrichtungen besser auf die Bedürfnisse dieser Kinder eingehen und erfahren insofern keine Benachteiligung, die durch eine Nichtberücksichtigung ihrer Mehrsprachigkeit entsteht. ȣ Kombination aus Sprache und Haushaltseinkommen: Diese Dimension berücksichtigt, dass Kinder aus Familien mit niedrigem Haushaltseinkommen möglicherweise zusätzliche Unterstützung benötigen, insbesondere wenn sie auch sprachliche Defizite aufweisen. Durch die Verknüpfung von Sprache und Haushaltseinkommen können gezieltere Maßnahmen zum Benachteiligungsabbau ergriffen werden. ȣ Aspekte des Sozialraums: Die Umgebung, in der Kinder aufwachsen, kann ihre Entwicklung und Bildung beeinflussen. Indem die Aspekte des Sozialraums berücksichtigt werden, können Kindertageseinrichtungen gezielt auf die Bedürfnisse von Kindern in benachteiligten sozialen Umgebungen eingehen und entsprechende Unterstützung bieten. ȣ Unklare Kriterien: In Fällen, in denen die Kriterien für die Förderung nicht eindeutig definiert sind und den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe überlassen werden, kann dies Flexibilität ermöglichen, um auf spezifische lokale Herausforderungen und Bedürfnisse einzugehen. Es erfordert jedoch eine klare Kommunikation und Koordination der Unterstützung, damit sie da ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Es wurden in der Expertise Kitas identifiziert, die mit geballten Herausforderungen konfrontiert sind und einen ungünstigen Sozialindex-Wert aufweisen. Diese Kitas werden hier als„Kitas mit besonderen Herausforderungen“ bezeichnet. Der Sozialindex-Wert setzt sich in der Regel aus verschiedenen soziodemografischen Merkmalen zusammen, die die Zusammensetzung der Kinder in der Einrichtung erfassen. Diese Merkmale können beispielsweise die Familiensprache, das Haushaltseinkommen, den sozialen Hintergrund der Familien und andere relevante Faktoren umfassen. Durch die Berücksichtigung dieser Merkmale kann der Sozialindex-Wert die soziale Zusammensetzung der Kinder in einer Einrichtung widerspiegeln und als Grundlage für die gezielte Zuweisung zusätzlicher Ressourcen dienen, um benachteiligten Kindern und Familien eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen Durch die Berücksichtigung der Dimensionen, in denen Kinder benachteiligt sein können, können Kitas effektiver Maßnahmen ergreifen, um gezielt den Abbau dieser Benachteiligungen zu unterstützen. Gerade den Kindertageseinrichtungen mit besonderen Herausforderungen sollten zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, da sie auf mehreren Ebenen in ihrer pädagogischen Arbeit ansetzen müssen. Die Länder spielen bei der Förderung von Chancengleichheit in der Kindertagesbetreuung eine entscheidende Rolle, da sie die Verantwortung tragen. Sie sind für die Umsetzung von Maßnahmen und somit letztendlich für die Reduzierung von Benachteiligungen in Kindertageseinrichtungen verantwortlich. Die geschilderten Initiativen bestehen in der Verbesserung der Personalausstattung in Einrichtungen mit besonderen Herausforderungen, der Förderung von multiprofessionellen Teams zur Unterstützung von Kindern und Familien in schwierigen Lebenslagen, der Berücksichtigung spezifischer Sozialräume bei der Personalbemessung und der Schaffung von finanziellen Anreizen für Beschäftigte in belasteten Sozialräumen. Durch die gezielte Förderung von Chancengleichheit in der Kindertagesbetreuung tragen die Länder dazu bei, die Bildungschancen von benachteiligten Kindern zu erhöhen, ihre individuelle Entwicklung zu unterstützen und soziale Ungleichheiten zu verringern(Espenhorst et al. 2023). ← 10 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs Foto: picture alliance/ Caro| Sorge FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 11 4 METHODISCHE INFORMATIONEN In die Sekundäranalyse einbezogen wurde der Datensatz der Einrichtungsleitungen der ERiK-Surveys 2020 des Deutschen Jugendinstituts(DJI). Die national angelegte Studie„Entwicklung von Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung“(ERiK) zielt auf die Bereitstellung datenbasierten Wissens zur Qualität der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland ab.„Im Rahmen der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Studie werden querschnittliche Befragungen durchgeführt, die die multiplen Akteursperspektiven von Eltern, Leitungskräften und von pädagogischem Personal in Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegepersonen, Jugendämtern und Trägern von Kindertageseinrichtungen abdecken“(Klinkhammer et al. 2022: 39). Das DJI führte die Erhebungen erstmalig 2020 in Kooperation mit zwei Erhebungsinstituten durch. Der Zugriff auf den Datensatz der Einrichtungsleitungen der ERiK-Surveys 2020 erfolgte über das DJI-Forschungsdatenzentrum(FDZ-DJI, www.surveys.dji.de). Die Feldzeit (Zeitraum der Datenerhebung) erstreckte sich von April bis August 2020. Die befragten Einrichtungsleitungen wurden dabei per Zufall gezogen. Die stratifizierten Einsatzstichproben orientierten sich dabei an der Anzahl an Einrichtungen pro Land. Der Fragebogen für die Einrichtungsleitungen umfasste insgesamt 98 Fragen. Die Beantwortung des Fragebogens war dabei sowohl online als auch postalisch möglich. Die finale Stichprobe beläuft sich auf n= 3.915 Einrichtungsleitungen(Ausschöpfungsquote: 33%). Ausgehend von der Population( n= 53.742 Einrichtungsleitungen) bildet die Stichprobe bundesweiten 7,3% aller Einrichtungsleitungen ab(von 4,3% in Nordrhein-Westfalen bis 20,6% in Bremen). Aufgrund von verschiedenen Selektionseffekten(z. B. Überrepräsentation von Leitungen mit einem höheren Beschäftigungsumfang oder mit einschlägigem Hochschulabschluss verglichen mit der Kinder- und Jugendhilfestatistik) erfolgte eine Gewichtung der Daten anhand von Gewichtungsfaktoren. Hierdurch sind generalisierte Aussagen über die Zielpopulation möglich. Die Herausgebenden der Daten gehen davon aus, dass es keine Einschränkungen der Aussagekraft auf Bundesebene gibt, infolgedessen auf Grundlage der Datenbasis verallgemeinerbare Aussagen über die Rahmenbedingungen in der Kinder­tagesbetreuung möglich sind(vgl. Klinkhammer et al. 2022: 48). 1 Im ERiK Forschungsbericht II heißt es:„Die Datenqualität der ERiK-Surveys 2020 wird beurteilt, indem mögliche Fehlerquellen in verschiedenen Phasen des Umfrageprozesses und insbesondere deren Bewältigung in den Fokus gerückt werden(zusammengefasst im Konzept des Total Survey Error; Groves 2004) sowie die notwendige Stichproben­ größe für präzise und akkurate Schätzungen von Mittelwerten und Verteilungen(Borg 2019; M. Häder/S. Häder 2014; Christians/Wirth 2009) hergeleitet und diskutiert wird. Diese Prüfung kommt zu dem Schluss, dass auf Basis der Daten verallgemeinerbare Aussagen über die Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung aus unterschiedlichen Perspektiven möglich sind. Daher ist davon auszugehen, dass die ERiK-Surveys 2020 in ihrem Design und mithilfe der Gewichtung eine bisher nicht dagewesene Grundlage für die empirische Berichtslegung für den deutschen FBBE-Bereich darstellen(vgl. Klinkhammer et al. 2022: 39f.). Nach der Bereitstellung der Daten durch das DJI wurde im Rahmen der vorliegenden Expertise eine explorative Datenanalyse durchgeführt. Hierbei lag der Fokus auf der Variable„Kinder mit sozio-ökonomisch benachteiligtem Hintergrund“, die durch Frage 37(„Schätzen Sie bitte den Prozentsatz der Kinder in Ihrer Kindertageseinrichtung, welche die folgenden persönlichen Merkmale aufweisen“) des Leitungsfragebogens erhoben wurde. Antwortmöglichkeiten waren:„Keine“,„1 bis 10%“,„11 bis 30%“,„31 bis 60%“,„über 60%“ und„Weiß nicht“. Die im Folgenden als Zielvariable bezeichnete Variable wurde neben der vorgegebenen Operationalisierung zudem in einer transformierten, binären Form(1=„Keine“, 2=„31% und mehr“) verwendet, um die Aussagen von Leitungen aus Einrichtungen ohne vs. einem hohen Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund miteinander vergleichen zu können. Die Gegenüberstellung dieser Gruppen ermöglicht weitere, auf binären bzw. binomialen Variablen 2 basierende, statistische Analysen und fördert die Sichtbarkeit und damit das Verständnis für das Ausmaß inhaltlicher Unterschiede. Die Einteilung in diese beiden Ausprägungen ergab sich aus dem vergleichbaren Verhältnis in der deskriptiven Verteilung der Zielvariable innerhalb der Stichprobe 3 . Neben deskriptiven Analysen wurde die Zielvariable auf statistisch signifikante Zusammenhänge(Korrelationen) und Unterschiede hinsichtlich verschiedener Parameter untersucht. Für signifikante Ergebnisse wurde jeweils die statistische Stärke des Effekts(kleiner/ mittlerer/großer Effekt) angegeben, um einen Hinweis da­ rauf zu geben, wie systematisch und statistisch bedeutsam der Effekt ist. Die identifizierten Effekte enthalten dabei keine Informationen über die kausale Beziehung der Variablen im Sinne von Aussagen über Ursache und Wirkung. Die Analysen wurden mit gewichteten Daten auf 1  Nähere Informationen zu den ERiK-Surveys 2020 finden sich unter www.surveys.dji.de(2.4.2024). 2  Variablen mit zwei Ausprägungen. 3 Verteilung mit gewichteten Daten:„Keine“: n= 16,4%;„31% und mehr“: n= 13,0%. 12 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs Einrichtungsebene durchgeführt. Insgesamt 30 Fragen des Leitungsfragebogens wurden in die Analyse einbezogen. 4 Als Analysesoftware wurde das Statistikprogramm SPSS verwendet. Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse der vorliegenden Expertise sind im Kontext ihrer Entstehung zu interpretieren. Den zentralen Bezugspunkt der hier dargestellten Sekundäranalysen bildet eine Variable aus dem Datensatz der Einrichtungsleitungen der ERiK-Surveys 2020 des DJI, welche die Leitungen anhand vorgegebener Antwortkategorien explizit nach dem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergund fragt. Die Abfrage in vorgegebenen Antwortkategorien bringt ebenso eine Unschärfe in den Daten mit sich wie etwa die Schätzung der Leitung, die nicht zwangsläufig auf einer systematischen Dokumentation des Anteils an sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund basieren muss. Zudem wird im Fragebogen selbst der Terminus des sozioökonomisch benachteiligten Hintergrundes nicht definiert, sodass offenbleibt, welches Verständnis den jeweiligen Antworten der befragten Leitungen zugrunde lag. Den genauen Anteil der Kinder gilt es, in weiterführenden Studien anhand einer transparenten Definition eines sozioökonomisch benachteiligten Hintergrundes näher zu untersuchen(z. B. durch eine differenzierte, anonymisierte Abfrage von Beruf, Einkommen und Bildungsabschluss der Sorgeberechtigten). Der hier verwendete Datensatz liefert mit im Jahr 2020 erhobenen Daten Antworten von Leitungen, die zu der Zeit mit den Herausforderungen und Maßnahmen der Coronapandemie konfrontiert waren. Da hiervon alle Einrichtungen betroffen waren, liefert die Pandemie allein keine Erklärung für die identifizierten Unterschiede zwischen Einrichtungen hinsichtlich des sozioökonomisch benachteiligten Hintergrundes der Kinder. Darüber hinaus wäre eine Verknüpfung der Daten aus dem Leitungsfragebogen mit den Daten aus dem Fragebogen für das Jugendamt inhaltlich interessant, dies war durch das Interesse der Analysen auf Einrichtungsebene jedoch nicht zielführend umsetzbar. In der vorliegenden Sekundäranalyse wurden zudem nicht alle 98 Fragen des Leitungsfragebogen untersucht, da es sich hierbei um eine explorative Analyse handelt, die auf die Entdeckung erster Hinweise von Mehrfachbelastung und Ressourcenbenachteiligung von Einrichtungen mit Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund abzielt. In weiteren Studien gilt es, die identifizierten Auffälligkeiten im Zusammenhang mit den sozioökonomischen Verhältnissen tiefergehend zu untersuchen und darüber hinaus weitere Daten, die auf systematische Reproduktionen von Ungleichheiten und mithin Segregationstendenzen in Kindertageseinrichtungen hinweisen, zu erheben und zu analysieren. Im Hinblick auf die Datensätze der ERiK-Surveys sind insbesondere Bundesländervergleiche, Analysen von Fragebögen weiterer Akteur:innen(Jugendämter, KitaTräger, Kita-Fachkräfte, Kindertagespflege) sowie die Analyse aktuellerer Datensätze(z. B. aus dem Jahr 2022) wichtige Anschlussprojekte zum tiefergehenden Verständnis von Mehrfachbelastungen und Ressourcenbenachteiligungen von Kindertageseinrichtungen im Hinblick auf die sozioökonomischen Hintergründe der Kinder. ← 4  Konkret einbezogen wurde Frage Nr. 4, 11, 15, 17, 18, 19, 21, 22, 24, 25, 28, 33, 34, 36, 37, 38, 39, 40, 52, 60, 68, 72, 73, 78, 79, 80, 81, 82, 83 und 84(siehe Leitungsfragebogen der ERiK-Surveys 2020 des DJI: https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/erik/Berichte/MB%20II/ ERiK_MB_II_Online_Appendix.pdf). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 13 5 ERGEBNISSE Im Sinne des Leseflusses werden in diesem Ergebnisteil Einrichtungen ohne Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund als Einrichtungstyp A, Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund als Einrichtungstyp B bezeichnet. Ebenfalls aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden die Ergebnisse in diesem Teil ohne Angabe der statistischen Analysen und in sprachlich wiederkehrender Form dargestellt. Eine Ergebnisdarstellung mit der Angabe der jeweiligen statistischen Analyseverfahren befindet sich im Anhang A. Einrichtungstypen TYP A TYP B Abb. 1 0% ≥ 31% ANTEIL DER KINDER AUS SOZIOÖKONOMISCH BENACHTEILIGTEN VERHÄLTNISSEN MEHRFACHBELASTUNGEN UND RESSOURCENNACHTEILE KINDER Mehr Kinder in der Einrichtung Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Kinder(U3-+ Ü3Kinder) befinden sich in den Einrichtungen(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 43,2 Kinder) und Einrichtungstyp B( M= 76,4 Kinder)(statistisch sehr großer Effekt). Größere Kinder-Raum-Relation Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Kinder pro Raum befinden sich in den Einrichtungen(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 4,1 Kinder pro Raum) und Einrichtungstyp B( M= 4,7 Kinder pro Raum)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich nicht bei Kontrolle der Einrichtungsgröße. Ballung von Merkmalen bei Kindern: Förder­ bedarf, nicht deutsche Familiensprache, Flucht­ hintergrund, Behinderung, Diagnose Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto ȣ höher der Anteil an Kindern mit Förderbedarf in diesen Einrichtungen(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,0% Kinder mit Förderbedarf) und Einrichtungstyp B( M= 6,0% Kinder mit Förderbedarf)(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 2,5% Kinder mit Förderbedarf), Einrichtungstyp B( M= 11,5% Kinder mit Förderbedarf)(statistisch mittlerer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit nicht deutscher Familiensprache in diesen Einrichtungen(statistisch sehr großer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 6,8% Kinder mit nicht deutscher Familiensprache) und Einrichtungstyp B( M= 41,0% Kinder mit nicht deutscher Familiensprache)(statistisch sehr großer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 7,9% Kinder mit nicht deutscher Familiensprache), Einrichtungstyp B( M= 50,4% Kinder mit nicht deutscher Familiensprache) (statistisch sehr großer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit Fluchthintergrund in diesen Einrichtungen(statistisch sehr großer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( Md= 1; am häufigsten gewählte Kategorie:„keine“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 86,1% der Befragten) und Einrichtungstyp B( Md= 2; am häufigsten gewählte Kategorie: „1–10%“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 7,9% der Befragten)(statistisch sehr großer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( Md= 1; am häufigsten gewählte Kategorie:„keine“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 70,8% der Befragten), Einrichtungstyp B( Md= 2; am häufigsten gewählte Kategorie: „1–10%“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 5,5% der Befragten)(statistisch sehr großer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit einer körperlichen, geistigen oder drohenden oder seelischen Behinderung 14 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs in diesen Einrichtungen(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 1,9% Kinder mit Behinderung) und Einrichtungstyp B( M= 5,9% Kinder mit Behinderung)(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 2,2% Kinder mit Behinderung), Einrichtungstyp B( M= 12,6% Kinder mit Behinderung)(statistisch mittlerer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit einer diagnostizierten Sprachstörung, einer diagnostizierten Verhaltensstörung oder einer diagnostizierten Entwicklungsstörung in diesen Einrichtungen(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 4,8% Kinder mit Diagnose) und Einrichtungstyp B( M= 14,8% Kinder mit Diagnose)(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 5,6% Kinder mit Diagnose), Einrichtungstyp B( M= 31,5% Kinder mit Diagnose)(statistisch mittlerer Effekt). PERSONAL Personalbedarf/-mangel Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto ȣ mehr Leitungen bejahen die Frage nach offenen Stellen, die aufgrund mangelnder Bewerbungen sechs Monate oder länger unbesetzt sind(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich in dem signifikanten Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 18,3% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 27,8% der Befragten). Der Effekt bestätigt sich in der Tendenz auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: n= 22,0% der Befragten), Einrichtungstyp B(Ja: n= 32,5% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). ȣ mehr Tage gaben die befragten Leitungen an, an denen der Personalschlüssel in den letzten sechs Monaten nicht eingehalten werden konnte(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich in dem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 12,9 Tage) und Einrichtungstyp B( M= 27,7 Tage)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 11,1 Tage), Einrichtungstyp B( M= 24,3 Tage)(statistisch kleiner Effekt). ȣ mehr Leitungen bejahen die Frage nach dem Ausgleich von Personalausfällen in den letzten sechs Monaten (statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich in dem Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 69,0% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 83,8% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kon­ trolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: n= 68,3 % der Befragten), Einrichtungstyp B(Ja: n= 84,9% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). ȣ höher der Anteil an Mitarbeitenden, die aktuell aufgrund längerer Abwesenheit(mindestens sechs Wochen) nicht zur Verfügung stehen(Krankheit, Elternzeit etc.)(statistisch kleiner Effekt). Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A ( M= 6,4% der Mitarbeitenden) und Einrichtungstyp B ( M= 7,6% der Mitarbeitenden) zeigt sich dabei nicht (kein statistisch bedeutsamer Effekt). Mangel an entsprechend qualifizierten Fachkräften Hinsichtlich des Anteils an pädagogisch ausgebildeten Mitarbeitenden 5 zeigt sich ein kleiner signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 91,0% der Mitarbeitenden) und Einrichtungstyp B( M= 87,3% der Mitarbeitenden)(statistisch kleiner Effekt). Zudem offenbart sich bei Einrichtungen mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund ein höherer empfundener Mangel an Fachkräften mit ȣ besonderen Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund (statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A ( Md= 1 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 65,8% der Befragten) und Einrichtungstyp B( Md= 3 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6 „stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 16,2% der Befragten)(statistisch großer Effekt). Auch der binomiale Vergleich(1= Skalenwerte 1–3; 2= Skalenwerte 4–6) führt zu einem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(1: n= 90,7% der Befragten; 2: n= 9,3% der Befragten) und Einrichtungstyp B (1: n= 56,7% der Befragten; 2: n= 43,3% der Befragten)(statistisch mittlerer bis großer Effekt). 5 Mitarbeitende, die in der Einrichtung tätig sind als Einrichtungsleitung, pädagogische Fachkraft(einschließlich Heilpädagog:innen), Assistenzkraft, Förderkraft(für Kinder, die nach SGB VIII oder nach SGB XII Eingliederungshilfe erhalten) oder sonstige Förderkraft(z. B. für die Bereiche Sprache, Sport, Musik). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 15 ȣ besonderen Kompetenzen zur kultursensiblen Pädagogik(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( Md= 1 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 66,8% der Befragten) und Einrichtungstyp B ( Md= 3 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 18,1% der Befragten)(statistisch großer Effekt). Auch der binomiale Vergleich(1= Skalenwerte 1–3; 2= Skalenwerte 4–6) führt zu einem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(1: n= 92,4% der Befragten; 2: n= 7,6% der Befragten) und Einrichtungstyp B(1: n= 60,0% der Befragten; 2: n= 40,0% der Befragten)(statistisch mittlerer bis großer Effekt). ȣ besonderen Kompetenzen im Bereich der Inklusion (statistisch kleiner bis mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( Md= 1 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 60,7% der Befragten) und Einrichtungstyp B( Md= 3 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 21,1% der Befragten)(statistisch großer Effekt). Auch der binomiale Vergleich(1= Skalenwerte 1–3; 2= Skalenwerte 4–6) führt zu einem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A (1: n= 85,6% der Befragten; 2: n= 14,4% der Befragten) und Einrichtungstyp B(1: n= 58,0% der Befragten; 2: n= 42,0% der Befragten)(statistisch mittlerer bis großer Effekt). LEITUNGSZEIT Die Zeit für Leitungsaufgaben wurde durch die offene Angabe der Anzahl an Stunden, die pro Woche vertraglich festgelegt sind und pro Woche tatsächlich anfallen, erfragt. Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr vertragliche Leitungszeit(statistisch mittlerer Effekt) und desto mehr tatsächliche Leitungszeit(statistisch mittlerer Effekt), geben die befragten Leitungskräfte an. Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied mit jeweils statistisch sehr großem Effekt zwischen Einrichtungstyp A(vertraglich: M= 13,0 Wochenstunden; tatsächlich: M= 18,1 Wochenstunden) und Einrichtungstyp B(vertraglich: M= 25,4 Wochenstunden; tatsächlich: M= 31,6 Wochenstunden). Für das Verhältnis von vertraglicher und tatsächlicher Leitungszeit(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit) zeigt sich keine statistisch bedeutsame Korrelation mit der ordinalskalierten Variable nach dem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund(kein Effekt). Jedoch zeigt sich ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 5,3 Wochenstunden) und Einrichtungstyp B(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 7,0 Wochenstunden)(statistisch kleiner Effekt). Die Einrichtungen ohne Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund haben demnach ein etwas besseres Verhältnis von tatsächlicher und vertraglicher Leitungszeit als Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund. Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 4,3 Wochenstunden), Einrichtungstyp B(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 7,1 Wochenstunden)(statistisch kleiner Effekt). Arbeitszufriedenheit Hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit der Leitungen zeigt sich ein kleiner signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 7,1 von 10) und Einrichtungstyp B ( M= 6,6 von 10)(statistisch kleiner Effekt). WAHRGENOMMENE BEEINTRÄCHTIGUNGEN DER PÄDAGOGISCHEN ARBEIT Die Frage nach dem Grad der Beeinträchtigung der pädagogischen Arbeit(Skala von 1„keine Beeinträchtigung“ bis 6„sehr starke Beeinträchtigung“) bezieht sich auf folgende Aspekte: unzureichende finanzielle und sachliche Ausstattung der Kindertageseinrichtung, behördliche Vorschriften, Personalausfälle, Mangel an pädagogischen Fachkräften, mangelndes Engagement und Unterstützung durch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, mangelnde Möglichkeiten und Unterstützung für meine eigene Fort- und Weiterbildung, mangelnde Möglichkeiten und Unterstützung für die Fort- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte sowie mangelnde Unterstützung durch den Träger, mangelnde Unterstützung durch die Fachberatung. Es zeigt sich über alle Aspekte im Mittelwert ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,4 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,0 von 6)(statistisch mittlerer Effekt). Auch die Analyse mittels binomialer Variable(1= Median von 2,75 und kleiner, 2= größer als Median) führt zu einer signifikanten Korrelation. Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto stärker die empfundenen Beeinträchtigungen der pädagogischen Arbeit(statistisch mittlerer Effekt). Deutlich wird der Effekt dadurch, dass die Befragten in Einrichtungstyp A(2: n= 32,7% der Befragten) weniger Beeinträchtigungen der pädagogischen Arbeit angeben als Befragte in Einrichtungstyp B(2: n= 60,6% der Befragten). Für alle aufgeführten Aspekte finden sich statistisch signifikante Effekte. Die größten Unterschiede zeigen sich dabei hinsichtlich folgender Aspekte: ȣ Mangelndes Engagement durch Eltern: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A ( M= 2,3 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,4 von 6) (statistisch großer Effekt). 16 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs ȣ Mangel an pädagogischen Fachkräften: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A ( M= 2,8 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,8 von 6) (statistisch mittlerer Effekt). ȣ Personalausfälle: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 3,5 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 4,4 von 6)(statistisch mittlerer Effekt). ȣ Unzureichende finanzielle und sachliche Ausstattung in der Kita: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,4 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,0 von 6)(statistisch kleiner Effekt). ȣ Behördliche Vorschriften: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,9 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,4 von 6)(statistisch kleiner Effekt). ȣ Mangelnde Unterstützung durch den Träger: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,0 von 6) und Einrichtungstyp B ( M= 2,5 von 6)(statistisch kleiner Effekt). PLATZVERGABE Bei der Entscheidung über die Platzvergabe ist hinsichtlich des Anteils an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund im Gesamtvergleich kein Unterschied zwischen den Antwortoptionen„Einrichtung“,„Träger“ und„Jugendamt“ erkennbar. In den Post-hoc-Tests offenbart sich hingegen ein kleiner statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen der Platzvergabe durch den Träger ( Md= 2, Mo= 2, M= 2,28; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“) und der Platzvergabe durch das Jugendamt( Md= 2, Mo= 2, M= 2,70; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“)(statistisch kleiner Effekt). Demnach besuchen tendenziell mehr Kinder mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund die Einrichtung, wenn die Platzvergabe durch das Jugendamt und nicht durch den Träger erfolgt. Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen ( n< 45 Kinder): Platzvergabe durch den Träger( Md= 2, Mo= 2, M= 1,94; am häufigsten gewählte Kategorie: „1–10%“) und der Platzvergabe durch das Jugendamt( Md = 2, Mo= 2, M= 3,0; am häufigsten gewählte Kategorie: „1–10%“)(statistisch mittlerer Effekt). In der Abfrage nach den Vergabekriterien zeigen sich für folgende Aspekte statistisch bedeutsame Effekte: ȣ Kinder mit einer persönlichen Notlage: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 74,0% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 92,5% der Befragten) (statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A (Ja: n= 78,7% der Befragten) und Einrichtungstyp B (Ja: n= 92,1% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). ȣ Kinder mit alleinerziehendem Elternteil: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 65,5% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 83,3% der Befragten) (statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: n= 67,5% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 84,2% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). ȣ Beschäftigungsstatus der Erziehungsberechtigten: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 40,3% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 67,3% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: n= 37,9% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 73,7% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). ȣ Besonderes Engagement der Eltern: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 19,4% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 4,6% der Befragten) (statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A (Ja: n= 22,5% der Befragten) und Einrichtungstyp B (Ja: n= 3,3% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). ZUSATZKOSTEN FÜR ELTERN Neben den regulären Gebühren fallen für Eltern, deren Kinder Einrichtungen ohne Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund besuchen, für folgende Aspekte mehr Zusatzkosten an als für Eltern, deren Kinder Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund besuchen: ȣ Bastelgeld: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 5,80€) und Einrichtungstyp B( M= 10,00€)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 3,28€) und Einrichtungstyp B( M= 8,90€)(statistisch mittlerer Effekt). ȣ Kopiergeld: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 1,30€) und Einrichtungstyp B( M= 2,70€)(statistisch großer Effekt). Der FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 17 Mehrfachbelastungen und Ressourcennachteile bei Einrichtungen mit höherem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligTab. 1 tem Hintergrund Anzahl an Kindern Kinder-Raum-Relation Kinder mit Förderbedarf Kinder mit nicht deutscher Familiensprache Kinder mit Fluchthintergrund Kinder mit körperlicher, geistiger oder drohender oder seelischer Behinderung Kinder mit diagnostizierter Sprach-/ Verhaltens-/Entwicklungsstörung offene Stellen, die aufgrund mangelnder Bewerbungen sechs Monate oder länger unbesetzt sind Tage, an denen der Personalschlüssel in den letzten sechs Monaten nicht eingehalten werden konnte Ausgleich von Personalausfällen in den letzten sechs Monaten Anteil an pädagogisch ausgebildeten Mitarbeitenden empfundener Mangel an Fachkräften mit besonderen Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund empfundener Mangel an Fachkräften mit besonderen Kompetenzen zur kultursensiblen Pädagogik empfundener Mangel an Fachkräften mit besonderen Kompetenzen im Bereich der Inklusion Verhältnis von vertraglicher und tatsächlicher Leitungszeit ( tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit) Arbeitszufriedenheit wahrgenommene Beeinträchtigungen der pädagogischen Arbeit Platzvergabekriterium: Kinder mit einer persönlichen Notlage Platzvergabekriterium: Kinder mit alleinerziehendem Elternteil Platzvergabekriterium: Beschäftigungsstatus der Erziehungsberechtigten Platzvergabekriterium: besonderes Engagement der Eltern Zusatzkosten für Eltern: Bastelgeld Zusatzkosten für Eltern: Kopiergeld Einrichtungstyp A Einrichtungen ohne Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund M= 43,2 Kinder M= 4,1 Kinder pro Raum M= 2,0% der Kinder M= 6,8% der Kinder „keine“: n= 86,1% der Befragten M= 1,9% der Kinder M= 4,8% der Kinder „Ja“: n= 18,3% der Befragten M= 12,9 Tage „Ja“: n= 69,0% der Befragten M= 91,0% der Mitarbeitenden n= 9,3% der Befragten mit Angabe von 4–6 auf Skala von 1 ( „gar nicht beeinträchtigt“) bis 6 ( „stark beeinträchtigt“) n= 7,6% der Befragten mit Angabe von 4–6 auf Skala von 1 ( „gar nicht beeinträchtigt“) bis 6 ( „stark beeinträchtigt“) n= 14,4% der Befragten mit Angabe von 4–6 auf Skala von 1 ( „gar nicht beeinträchtigt“) bis 6 ( „stark beeinträchtigt“) M= 5,3 Wochenstunden M= 7,1 von 10 M= 2,4 von 6 „Ja“: n= 74,0% der Befragten „Ja“: n= 65,5% der Befragten „Ja“: n= 40,3% der Befragten „Ja“: n= 19,4% der Befragten M= 5,80€ M= 1,30€ Einrichtungstyp B Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund M= 76,4 Kinder M= 4,7 Kinder pro Raum M= 6,0% der Kinder M= 41,0% der Kinder „keine“: n= 7,9% der Befragten M= 5,9% der Kinder M= 14,8% der Kinder „Ja“: n= 27,8% der Befragten M= 27,7 Tage „Ja“: n= 83,8% der Befragten M= 87,3% der Mitarbeitenden n= 43,3% der Befragten mit Angabe von 4–6 auf Skala von 1 ( „gar nicht beeinträchtigt“) bis 6 ( „stark beeinträchtigt“) n= 40,0% der Befragten mit Angabe von 4–6 auf Skala von 1 ( „gar nicht beeinträchtigt“) bis 6 ( „stark beeinträchtigt“) n= 42,0% der Befragten mit Angabe von 4–6 auf Skala von 1 ( „gar nicht beeinträchtigt“) bis 6 ( „stark beeinträchtigt“) M= 7,0 Wochenstunden M= 6,6 von 10 M= 3,0 von 6 „Ja“: n= 92,5% der Befragten „Ja“: n= 83,3% der Befragten „Ja“: n= 67,3% der Befragten „Ja“: n= 4,6% der Befragten M= 10,00€ M= 2,70€ 18 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 1,50€) und Einrichtungstyp B( M= 3,05€)(statistisch großer Effekt). BESSERE RESSOURCENAUSSTATTUNG BEI EINRICHTUNGEN MASSNAHMEN ZUR PERSONALENTWICKLUNG/-BINDUNG Auf die Frage nach verbindlichen Personalentwicklungs-/ Personalbindungsmaßnahmen in der Einrichtung konnten zehn Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden: Ϙ Vereinbarung konkreter Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, Ϙ Besprechen von Zielen und Maßnahmen der individuellen professionellen Weiterentwicklung, Ϙ Beurteilung der festgelegten Ziele, Ϙ Supervision, Hospitation in anderen Einrichtungen, Ϙ Angebote zur Gesundheitsförderung, Ϙ spezifische Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen älterer Mitarbeiter:innen, Ϙ flexible Arbeitszeiten(soweit im Rahmen der Öffnungszeiten möglich), Ϙ Team-/Klausurtage, Befragung zur Mitarbeiterzufriedenheit. Im Hinblick auf die Summe an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr verbindliche Personalentwicklungs-/Personalbindungsmaßnahmen werden nach Angaben der befragten Leitungen durchgeführt(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 5,4 von 10 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 6,3 von 10 Maßnahmen)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 5,7 von 10 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 6,7 von 10 Maßnahmen)(statistisch mittlerer Effekt). MASSNAHMEN ZUR QUALITÄTSSICHERUNG Auf die Frage nach Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Einrichtung konnten acht Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden: Ϙ regelmäßige Durchführung von externen Evaluationen (mindestens alle fünf Jahre), Ϙ regelmäßige Durchführung von internen Evaluationen (mindestens alle drei Jahre), Ϙ regelmäßige Inspektion vor Ort durch das Jugendamt, Ϙ verpflichtende Weiterbildungsangebote für pädagogisches Personal, Ϙ regelmäßige Inanspruchnahme der Fachberatung, Ϙ Einbezug von Eltern in die Qualitätserfassung/-entwicklung, Ϙ Einbezug von Kindern in die Qualitätserfassung/-entwicklung, Ϙ andere Formen der Überprüfung(offen). Im Hinblick auf den Anteil an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich keine statistisch bedeutsame Korrelation (kein Effekt). Im Gruppenvergleich zeigt sich jedoch ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 4,2 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 4,6 von 8 Maßnahmen)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 4,4 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 4,9 von 8 Maßnahmen)(statistisch kleiner Effekt). STANDARDS FÜR DIE VERPFLEGUNG Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto eher bejahen die befragten Leitungskräfte die Frage nach Standards für die Verpflegung(z. B. DGE-Qualitätsstandards, Bremer Checkliste)(statistisch kleiner Effekt). Im Gruppenvergleich zeigt sich dies zwischen Einrichtungstyp A(Ja: 31,2% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: 44,9% der Befragten). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: 39,7% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: 55,3% der Befragten)(statistisch kleiner Effekt). ANGEBOTE ZUR KULTURSENSIBLEN ZUSAMMENARBEIT MIT FAMILIEN Auf die Frage nach Angeboten zur kultursensiblen Zusammenarbeit mit Familien konnten fünf Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden: Ϙ Aushänge, Ϙ Informationsblätter und Homepage sind in mehreren Sprachen verfasst, Ϙ Personal, das sich mit(manchen) Kindern und Eltern in deren Herkunftssprache unterhalten kann, Ϙ es werden auch Festtage anderer Kulturen und Religionen gefeiert(neben Weihnachten z. B. auch Zuckerfest oder Opferfest), Ϙ Gelegenheiten für interkulturellen Austausch(Cafés, Vorträge, Sonstiges). Im Hinblick auf die Summe an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 19 sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Angebote zur kultursensiblen Zusammenarbeit mit Familien gibt es nach Angaben der befragten Leitungen in der Einrichtung(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 0,8 von 5 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 2,5 von 5 Maßnahmen)(statistisch sehr großer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 1,0 von 5 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 2,7 von 5 Maßnahmen) (statistisch sehr großer Effekt). TRÄGERUNTERSTÜTZUNG BEI LEITUNGSAUFGABEN Auf die Frage nach Angeboten des Trägers zur Unterstützung bei Leitungsaufgaben konnten acht Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden: Ϙ regelmäßige Feedback-Gespräche zur Leitungstätigkeit, Ϙ Fort- und Weiterbildung für Leitungsaufgaben, Ϙ Leitungstreffen(kollegiale Beratung), Ϙ Fachberatung, Ϙ Supervision/Coaching, Ϙ Teamentwicklungsmaßnahmen, Ϙ Hospitation in anderen Einrichtungen, Ϙ Verwaltungskraft. Im Hinblick auf die Summe an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Angebote des Trägers zur Unterstützung bei Leitungsaufgaben gibt es nach Angaben der befragten Leitungen in der Einrichtung(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 3,9 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 4,8 von 8 Maßnahmen)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 4,3 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 5,0 von 8 Maßnahmen) (statistisch kleiner Effekt). KOOPERATIONEN MIT ANDEREN INSTITUTIONEN Auf die Frage nach Kooperationen mit anderen Institutionen konnten die befragten Leitungen die Ϙ Art der Kooperation: keine Kooperation, sporadische Kooperation, intensive Kooperation sowie Ϙ die Institutionen: Grundschulen, Vereine(z. B. Sportvereine), Frühförderstellen, Kirche, kulturelle Einrichtungen(z. B. Museen, Bibliotheken), Seniorenheime, Betriebe, Mütter- bzw. Familienzentren, Volkshochschule, Polizei/Feuerwehr, Soziale Dienste für die Eltern(z. B. Gesundheits- oder Erziehungsberatung), Arztpraxen/Ärzt:innen, Einrichtungen für Frühe Hilfen, Erziehungs- und Familienberatungsstelle) angeben. Im Hinblick auf die Summe an Kooperationen zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Kooperationen wurden angegeben(statistisch kleiner Effekt). Das Bessere Ressourcenausstattung bei Einrichtungen mit höherem AnTab. 2 teil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund Maßnahmen zur Personalentwicklung/bindung Maßnahmen zur Qualitätssicherung Standards für die Verpflegung Angebote zur kultursensiblen Zusammenarbeit mit Familien Trägerunterstützung bei Leitungsaufgaben Kooperationen mit anderen Institutionen Maßnahmen zur Unterstützung des Übergangs von der Kita in die Grundschule Einrichtungstyp A Einrichtungen ohne Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund M= 5,4 von 10 Maßnahmen M= 4,2 von 8 Maßnahmen „Ja“: 31,2% der Befragten M= 0,8 von 5 Maßnahmen M= 3,9 von 8 Maßnahmen M= 6,8 von 13 Maßnahmen M= 5,1 von 8 Maßnahmen Einrichtungstyp B Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund M= 6,3 von 10 Maßnahmen M= 4,6 von 8 Maßnahmen „Ja“: 44,9% der Befragten M= 2,5 von 5 Maßnahmen M= 4,8 von 8 Maßnahmen M= 8,8 von 13 Maßnahmen M= 5,8 von 8 Maßnahmen 20 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 6,8 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 8,8 von 13 Maßnahmen)(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kon­ trolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen ( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 8,1 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 9,2 von 13 Maßnahmen)(statistisch kleiner Effekt). Im Hinblick auf die Summe an intensiven Kooperationen zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr intensive Kooperationen wurden angegeben(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,1 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 3,7 von 13 Maßnahmen)(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 2,9 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B ( M= 4,2 von 13 Maßnahmen)(statistisch mittlerer Effekt). Für folgende Institutionen zeigte sich eine positive Korrelation mit jeweils kleinem Effekt(je größer der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto intensiver die Kooperation): Frühförderstellen, kulturelle Einrichtungen, Mütter- bzw. Familienzen­ tren, Volkshochschule, Soziale Dienste für die Eltern, Arztpraxen/Ärzt:innen. MASSNAHMEN ZUR UNTERSTÜTZUNG DES ÜBERGANGS VON DER KITA IN DIE GRUNDSCHULE Auf die Frage nach Maßnahmen zur Unterstützung des Übergangs von der Kita in die Grundschule konnten acht Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden: Ϙ Austausch mit Grundschulen über Kinder, die in die Schule kommen sollen, Ϙ Besuch von gemeinsamen Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte und Grundschullehrkräfte, Ϙ Bereitstellung von Entwicklungsberichten für Grundschulen, Ϙ Besuch von Grundschullehrkräften in Ihrer Einrichtung zum Kennenlernen des pädagogischen Alltags, Ϙ Organisation gegenseitiger Besuche der Kinder in Grundschulen und der Kindertageseinrichtung, Ϙ Treffen mit Grundschullehrkräften(z. B. um einen gelungenen Übergang zu gestalten), Ϙ Aktivitäten für Eltern bzw. Erziehungsberechtigte zum Verständnis vom Übergang in die Grundschule, Ϙ Bildungsangebote/Programme für Vorschulkinder. Im Hinblick auf die Summe der Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich keine statistisch bedeutsame Korrelation (kein Effekt). Im Gruppenvergleich zeigt sich jedoch ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 5,1 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 5,8 von 8 Maßnahmen)(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 6,4 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 5,9 von 8 Maßnahmen)(statistisch kleiner Effekt). ← Foto: picture alliance/dpa| Axel Heimken FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 21 6 DISKUSSION Kindertagesstätten sind Einrichtungen, in denen sich weitgehend die Sozialstruktur des Einzugsbereichs widerspiegelt. Die vorliegende Studie belegt entsprechende Segregationstendenzen im Kita-Bereich. Sie zeigt, dass sich in Sozialräumen mit hoher sozioökonomischer Segregation entsprechende Disparitäten in den Tagesstätten abbilden. Die Folge: Benachteiligte Kinder besuchen relativ häufig Kitas, in denen Problemlagen kumulieren. Diese Einrichtungen sind hinsichtlich der Anzahl an Kindern tendenziell zudem auch größer, weisen einen höheren Anteil an Kindern mit Förderbedarf, mit nicht deutscher Familiensprache, mit Fluchthintergrund, mit Behinderung(körperliche, geistige oder drohende oder seelische Behinderung) und mit Diagnosen(diagnostizierte Sprach-/Verhaltens-/Entwicklungsstörung) auf. Damit bestätigt die vorliegende Expertise Ergebnisse aus anderen Studien zur Ballung von Kindern mit Migrationshintergrund und nicht deutscher Familiensprache in Kitas(vgl. Hogrebe et al. 2021; Jehles et al. 2022; Gambaro 2017), auch wenn die Daten insofern eine Unschärfe beinhalten, als die Zuschreibung von Merkmalen durch die befragten Kita-Leitungen mangels begrifflicher Klarheit subjektiv ist. Darüber hinaus lassen sich aus den Befunden dieser Studie weitere für die fachliche und bildungspolitische Diskssuion relevante Aspekte ableiten: RAUM ALS KNAPPE RESSOURCE Ein höherer Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund geht zudem einher mit einer größeren Kinder-Raum-Relation(mehr Kinder je Raum). Die Ballung von Herausforderungen in einem Raum macht dabei eine besondere Form der Raumgestaltung erforderlich, um den unterschiedlichen Bedarfen der Kinder adä­ quat begegnen zu können. Da der höhere Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund mit der Einrichtungsgröße(Anzahl an Kindern) einhergeht und es denkbar ist, dass in größeren Einrichtungen größere, aber nicht zwangsläufig mehr Räume zur Verfügung stehen, gilt es, dieses Ergebnis durch eine Analyse der Raumgröße(m 2 ) abzusichern. 6 Sollte den Kindern demnach weniger Raum zur Verfügung stehen, ergeben sich dadurch absehbare Mehrfachbelastungen hinsichtlich der Lautstärke und potenzieller Konflikte zwischen Kindern im Zuge der Nutzung der dann knapperen Ressource Raum als Spiel- und Lernort und mithin des durch Lautstärke und Peer-Konflikte potenziell gesteigerten Stressempfindens der Fachkräfte. Der Geräuschpegel in der Kita erweist sich aus Sicht von Kita-Leitungen als einer der gesundheitsgefährdendsten Stressoren für das pädagogische Personal(vgl. Schieler 2022). Ergänzend dazu ist bekannt, dass Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien tendenziell weniger Zugang zu für die kindliche Entwicklung essenziellen Naturräumen haben(vgl. Dyment et al. 2009; Fisman 2005). Demzufolge stellt die konzeptionelle Weiterentwicklung der pädagogischen Nutzung von Naturräumen rund um die Kita eine wesentliche Maßnahme der Gesundheitsprävention für Fachkräfte und der Entwicklungsförderung für alle Kinder dar. PERSONAL- UND QUALIFIZIERUNGS­ BEDARF Bedeutende Mehrfachbelastungen und Ressourcenbenachteiligungen von Kitas mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund zeigen sich darüber hinaus im Hinblick auf das Personal. Die Leitungen dieser Einrichtungen geben einen höheren Personalbedarf durch länger unbesetzte Stellen aufgrund mangelnder Bewerbungen, durch einen höheren Anteil an Mitarbeitenden mit längerer Abwesenheit(z. B. durch Krankheit, Elternzeit) sowie durch mehr Ausgleich von Personalausfällen an. Damit offenbart sich ein Missverhältnis von vielfältigen Herausforderungen durch die zuvor benannte herausfordernde Zusammensetzung der Kinder in der Kita einerseits und die personellen Ressourcen dieser Einrichtungen andererseits. Der Effekt von unbesetzten Stellen könnte dabei auf einen Teufelskreis aus fehlenden Personalressourcen und dem durch die Ballung von Herausforderungen in der Kita als womöglich weniger attraktiv wahrgenommenen Arbeitsplatz hinweisen. Die längeren Abwesenheiten des Personals und die damit zusammenhängende Notwendigkeit, Personalausfälle auszugleichen, sollten dabei in Verbindung mit der Belastung, dem Stressempfinden und damit der Gesundheit der pädagogisch Tätigen diskutiert werden. Ein Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit bzw. der Motivation, der Arbeit unter erhöhter Belastung nachzugehen, liegt nahe. In dieser Sekundäranalyse zeigt sich, dass Leitungen aus Einrichtungen mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund eine geringere Arbeitszufriedenheit angeben. Diesem Ergebnis schließen sich Fragen nach den Auswirkungen auf das Engagement und die Qualität in der Ausübung der Tätigkeit sowie auf die Beziehungsgestaltung in den Interaktionen mit Kindern und Kolleg:innen an. Neben dem höheren Personalbedarf zeigt sich ein Mangel an entsprechend qualifizierten Fachkräften, in dem die Leitungskräfte von Kitas mit einem höheren Anteil von Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hinter6  Die im Fragebogen abgebildete Variable der Raumgröße wurde im Zuge der Datenbereitstellung für diese Sekundäranalyse nicht zur Verfügung gestellt. 22 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs grund einen geringeren Anteil an pädagogisch ausgebildeten Fachkräften angeben und zudem einen höheren Mangel an Fachkräften mit besonderen Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund im Bereich der Inklusion sowie im Bereich der kultursensiblen Pädagogik empfinden. Zwar bedingt der Bedarf vor Ort den empfundenen Mangel an entsprechend qualifizierten Fachkräften, jedoch ist dieses Mangelempfinden ein wichtiger Indikator dafür, wie gut es dem pädagogischen Team der Kita aus Sicht der Leitung gelingt, den Bedarfen der Kinder und Familien durch die Qualifikationen der Fachkräfte gerecht zu werden. Demzufolge wird ersichtlich, das die Schere zwischen den wahrgenommenen Bedarfen für die Arbeit im Kontext von Inklusion, sozio­ ökonomischer Benachteiligung und kultursensibler Pädagogik einerseits und die empfundenen Ressourcen zur Bedarfsdeckung andererseits weit auseinander geht. Neben dem Wunsch der Einstellung entsprechend qualifizierten Personals lässt sich hierbei auch ein Bedarf an Fort- und Weiterbildung ableiten, der das vorhandene Personal weiterqualifiziert(vgl. Brandes et al. 2011 zum identifizierten Bedarf des pädagogischen Personals an Fortbildungen zu Bildungsbenachteiligungen). Mit Blick auf den geringeren Anteil an pädagogisch ausgebildeten Fachkräften wird ein weiteres Missverhältnis deutlich, das sich einer Logik der Pädagogik, die auf eine Ballung von Herausforderungen mit einer Ballung pädagogisch qualifizierten Personals reagiert, entzieht. Die komplexe Zusammensetzung von Kitas verweist auf die Notwendigkeit(multi)professioneller Teams bzw. bedarfsorientierter Kompetenzen bei den pädagogischen Fachkräften, um die Entwicklung des einzelnen Kindes individuell adäquat begleiten zu können. Die geschilderten Personalbedarfe gehen darüber hi­ naus damit einher, dass der Personalschlüssel in Kitas mit höherem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund häufiger nicht eingehalten werden konnte. Wenn in der Relation eine Fachkraft für mehr Kinder zuständig ist, liegen die Hürden bei der Umsetzung einer qualitativ hochwertigen, professionellen und individuellen Begleitung der kindlichen Entwicklung durch die Fachkraft höher, mit Auswirkungen auf die Qualität der Beziehungsgestaltung(siehe z. B. Studien zum Zusammenhang von Fachkraft-Kind-Schlüssel und dem Eingehen auf kindliche Signale sowie der Schaffung von Gelegenheiten zur sprachlichen Partizipation der Kinder, vgl. Hildebrandt et al. 2021). Darüber hinaus zeigen andere Studien, dass strukturelle Rahmenbedingungen, wie personelle Ausstattung und Gruppengröße, als größte Hindernisse für die Kompensation von Benachteiligung angesehen werden (vgl. Brandes et al. 2011). LEITUNGSZEIT ALS KNAPPE RESSOURCE Zusätzlich zu den personellen Herausforderungen zeigt sich bei den Kitas mit höherem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund eine geringere Passung von vertraglicher und tatsächlicher Leitungszeit. Diese Einrichtungen sind in der Regel größer und verfügen darum über mehr vertragliche Leitungsressourcen. Diese jedoch reichen nicht aus, weil sie den Bedarf an tatsächlicher Leitungszeit nicht decken. Diese mangelnden zeitlichen Ressourcen wiederum können die Qualität der Ausübung von Leitungsaufgaben beeinträchtigen. Die Leitungen von Kitas mit höherem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund nehmen eine Beeinträchtigung durch verschiedene im Fragebogen erfragte Aspekte wahr(mangelndes Engagement der Eltern, mangelnde Unterstützung durch den Träger, unzureichende Ausstattung in der Kita sowie behördliche Vorschriften). ZUSAMMENARBEIT MIT DEN ELTERN UND FAMILIEN Ein geringeres Engagement von Eltern und Familien belastet die Arbeit in der Einrichtung zusätzlich, da Eltern auch eine Ressource der Kita darstellen. Eltern und Familien können sich mit ihren Kompetenzen und Interessen an der pädagogischen Arbeit im Sinne der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft beteiligen. Kita und Familie können vor dem Hintergrund des pädagogischen Konzepts, einschließlich des Bildes vom Kind sowie der Regel- und Beziehungsgestaltung, in ihrem Erziehungs- und Beziehungsverhalten gegenüber den Kindern aufeinander Bezug nehmen. Ein geringeres Engagement der Eltern dahingehend erschwert dieses Zusammenspiel und verstärkt die dadurch im Umgang mit den Kindern resultierenden Herausforderungen aufseiten der Fachkräfte in der Kita(z. B. aufgrund irritierter Regel- und Beziehungsgewohnheiten der Kinder). UNTERSTÜTZUNG DURCH DEN TRÄGER Die wahrgenommene Beeinträchtigung der mangelnden Unterstützung durch den Träger bei der Arbeit in der Einrichtung ist insofern gravierend, weil alle Einrichtungen, insbesondere jene mit Mehrfachbelastungen und Ressourcenbenachteiligungen, umso mehr auf die Unterstützung ihres Trägers angewiesen sind, um die Ressourcen bereitgestellt zu bekommen, die für eine bedarfsgerechte Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder benötigt werden. Da offenbleibt, worauf sich die Fragen und Antworten bei den Aspekten„Ausstattung in der Kita“ und„Behörd­ liche Vorschriften“ genau beziehen, müssten diese wahrgenommenen Beeinträchtigungen konkreter erforscht werden, um sie näher diskutieren zu können. PLATZVERGABE Hinsichtlich der Platzvergabe zeigt sich mit einem kleinen Effekt, dass bei den Einrichtungen mit einem höheren Anteil an Kindern mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund etwas häufiger das Jugendamt im Gegensatz zum Träger den Platz vergibt. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass die Einrichtungsträger bei der UnterFRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 23 zeichnung von Betreuungsverträgen mit Blick auf die Refinanzierung Betreuungsverträge mit höherer Betreuungszeit bevorzugen. Da(vollzeit-)berufstätige Sorgeberechtigte(ein wesentlicher Aspekt des sozioökonomischen Hintergrundes) tendenziell einen höheren Bedarf an einer höheren Betreuungszeit haben, erhalten diese mutmaßlich den Vorzug vor Sorgeberechtigten, die keiner(Vollzeit-) Berufstätigkeit nachgehen. Eine weitere Erklärung gründet auf der Annahme, dass der Träger gegebenenfalls stärker darauf achtet, dass die Plätze an Kinder und Familien vergeben werden, die vorurteilsbasiert weniger wahrscheinlich Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit Eltern und Familien sowie in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern mit sich bringen. Zudem ist es denkbar, dass sich Familien von Kindern ohne sozioökonomisch benachteiligten Hintergrund für einen Kita-Platz eher eigeninitiativ an den Träger wenden. Demgegenüber besteht bei Familien mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund gegebenenfalls bereits eher Kontakt zum Jugendamt als zum Träger, sodass diese Kinder tendenziell eher durch das Jugendamt als vom Träger einen Platz erhalten. Im Sinne der Chancengerechtigkeit kristallisiert sich damit ein Argument heraus, nach welchem dem Jugendamt, das die sozialräumlichen Bedingungen und Herausforderungen der Familien im Jugendamtsbezirk mutmaßlich besser als der Träger im Blick hat, stärker Befugnisse und Personal zur Platzvergabe im Kontext einer chancengerechten Bedarfsplanung bereitzustellen sind. Das Jugendamt würde damit in der Aufgabe der Segregationsprävention gestärkt. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass gerade in Bezirken, in denen eine Kombination von Faktoren vorliegt(z. B. begrenzte Plätze, knappe Haushaltslage, hohe Kinderarmut), die dortigen öffentlichen Träger überproportional viele Kinder mit Migrationshintergrund aufnehmen, was wiederum zur Förderung von Kita-Segregation beitragen kann(vgl. Jehles et al. 2022). Zu diskutieren ist die Nutzung eines Kita-Sozialindexes, der die soziale Zusammensetzung der Kinder in einer Einrichtung widerspiegelt und als Grundlage für die gezielte Zuweisung zusätzlicher Ressourcen dient, um Einrichtungen mit benachteiligten Kindern und Familien eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen. Die identifizierten Unterschiede bei den Vergabekriterien (Kinder mit einer persönlichen Notlage, Kinder mit alleinerziehendem Elternteil, Beschäftigungsstatus der Erziehungsberechtigten, besonderes Engagement der Eltern) zwischen Kitas ohne und mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund verdeutlichen, dass diese mit über die Zusammensetzung des Anteils an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund entscheiden und somit ein Schlüssel zur Durchmischung der Kinder in einer Einrichtung sein können. Die Analyse unterstreicht ebenso, dass Einrichtungen mit einem hohen Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund inklusivere Vergabekriterien anlegen und auf andere Kriterien, wie das Engagement der Eltern, verzichten. Mit Blick auf den inklusiven Anspruch von Kitas sind die Kriterien der Vergabepraxis dieser Einrichtungen hoch anzurechnen und ein Beispiel guter, inklusiver Praxis. Wichtig ist, dass diese Vergabepraxis mit einer adäquaten Ressourcenausstattung dieser Einrichtungen einhergeht. ZUSATZKOSTEN Die analysierten Unterschiede zwischen Kitas ohne und mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund decken zudem Benachteiligungen bei den Zusatzkosten(hinsichtlich des durchschnittlich höheren Bastel- und Kopiergeldes) für jene Eltern und Familien mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund auf. Im Hinblick auf diese benachteiligenden Belastungen stellt sich die Frage nach Möglichkeiten der Entlastung von derlei Zusatzkosten für Familien mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund. KOMPENSATIONSVERSUCHE? Neben den Mehrfachbelastungen und Ressourcennachteilen wurden zudem folgende Bereiche mit besserer Ressourcenausstattung bei Einrichtungen mit höherem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund identifiziert: Ϙ Maßnahmen der Personalentwicklung/-bindung, Ϙ Maßnahmen für Qualitätssicherung, Ϙ Standards für Verpflegung, Ϙ Angebote zur kultursensiblen Zusammenarbeit mit Familien, Ϙ Angebote des Trägers zur Unterstützung der Leitungsaufgaben, Ϙ Kooperationen mit anderen Institutionen, Ϙ Maßnahmen zum Übergang von der Kita in die Grundschule. Die Angebote des Trägers zur Unterstützung der Leitungsaufgaben stehen dabei im Gegensatz zum bereits dargestellten Ergebnis der wahrgenommenen Beeinträchtigung durch die mangelnde Unterstützung des Trägers bei der Arbeit in der Einrichtung und legen damit eine differenzierte Betrachtung der Trägerunterstützung nahe. Alle hier genannten Bereiche stellen Anknüpfungspunkte dar, von denen ausgehend die oben herausgearbeiteten Bereiche der Mehfachbelastung und Ressourcenbenachteiligung im Sinne eines chancengerechten Aufwachsens von Kindern mit benachteiligtem sozioökonomischen Hintergrund weiterentwickelt werden sollten. Nicht aufgeführt wurden Ergebnisse von Analysen, die keine statistisch bedeutsamen Unterschiede ergeben haben, was inhaltlich gleichbedeutend damit ist, dass Einrichtungen mit höherem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund weder schlechter noch besser gestellt sind als Einrichtungen ohne bzw. mit einem entsprechend niedrigeren Anteil. Das heißt auch, dass jene Einrichtungen mit besonderen Herausforderun24 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs gen und Bedarfen keine im Vergleich zu anderen Einrichtungen besondere Ressourcenausstattung aufweisen. Eine an den Bedarfen der Einrichtungen orientierte Ressourcenausstattung zeigt sich demnach auch bei diesen Analysen nicht. Um die Herausforderungen in den Kindertageseinrichtungen noch besser zu erfassen und die Einrichtungen passgenau mit Ressourcen ausstatten zu können, bedarf es einer detaillierteren Datengrundlage durch eine differenzierte, anonymisierte und nicht stigmatisierende Abfrage verschiedener Dimensionen von Benachteiligungen bei Kindern und Familien(z. B. Beruf, Einkommen, Bildungsabschluss, Erziehungsstatus(z. B. alleinerziehend), Erkrankungen(z. B. psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen) aufseiten der Sorgeberechtigten sowie Förderbedarf relevante Merkmale bei Kindern(z. B. chronische Erkrankungen). EMPFEHLUNGEN Die hier dargestellten Mehrfachbelastungen und Ressourcenbenachteiligungen machen politische Handlungsbedarfe deutlich. Aus den Ergebnissen der Sekundäranalyse im Kontext weiterer Studien lassen sich folgende Empfehlungen ableiten, die als eine wesentliche Grundlage für die datenbasierte Weiterentwicklung der Qualität in der öffentlich geförderten Kindertagesbetreuung mit dem Ziel der Chancengerechtigkeit dienen: ȣ Mehrfachbelastungen und Ressourcennachteile thematisieren: strukturelle Benachteiligungen von Kindertageseinrichtungen mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund in den Fokus wissenschaftlicher, fachpolitischer und gesellschaftlicher Diskurse rücken. ȣ Die Zusammensetzung von Kitas chancengerecht steuern: Stärkung des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe als Instanz zur Segregationsprävention bei der Platzvergabe anhand transparenter Kriterien und unter Berücksichtigung der Relation von He­ rausforderungen und Ressourcen in Kitas(z. B. basierend auf einem Sozialindex-Wert, der die soziale Zusammensetzung der Herkunft der Kinder in einer Einrichtung widerspiegelt und als Grundlage für die gezielte Zuweisung zusätzlicher Ressourcen dient, um Einrichtungen mit benachteiligten Kindern und Familien eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen). ȣ Aufgaben und Zeiten für Leitung klären: Im Sinne der Passung von tatsächlich anfallenden und vertraglich zustehenden Leitungszeiten sind die Unterstützung bei tatsächlich anfallenden Leitungsaufgaben(z. B. Verwaltungskräfte) sowie die vertragliche Bereitstellung von Leitungszeiten zu klären. ȣ Auf Raum für Kinder achten: konzeptionelle Weiterentwicklung der Nutzung pädagogischer Räume im Zusammenspiel von räumlichen Gegebenheiten und(familiär ungedeckten) Bedarfen von Kindern(insbesondere stärkere Nutzung von Naturräumen rund um die Kita). ȣ Attraktive Arbeitsbedingungen für Kitas mit besonderen Herausforderungen schaffen: Im Hinblick auf die Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit der pädagogischen Fachkräfte bedarf es auch im Sinne der Personalsicherung/-gewinnung in Einrichtungen mit besonderen Herausforderungen der Schaffung besonders attraktiver Arbeitsbedingungen. ȣ Multiplen Herausforderungen multiprofessionell begegnen: Fokussierung der Aus-, Fort- und Weiterbildung zur entsprechenden(Weiter-)Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften, um fachlichen Herausforderungen im Zusammenhang sozioökonomisch benachteiligter Kinder adäquat zu begegnen(z. B. KitaSozialarbeit); Verantwortungsgemeinschaft adressieren, indem die verschiedenen Unterstützungsebenen rund um die pädagogische Arbeit in der Kita genutzt werden (z. B. Einrichtungsträger, Fachberatung). ȣ Von Leitungen wahrgenommene Beeinträchtigungen in den Blick nehmen: Die von Leitungen in Kitas mit Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen verstärkt wahrgenommenen Beeinträchtigungen sind vonseiten der damit adressierten Akteur:innen aus Politik, Verwaltung, Träger und Elternschaft anzugehen (insbesondere: unzureichende finanzielle und sachliche Ausstattung der Kindertageseinrichtung, behördliche Vorschriften, Personalausfälle, Mangel an pädagogischen Fachkräften, mangelndes Engagement und Unterstützung durch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, mangelnde Unterstützung durch den Träger). ȣ Zusatzkosten für Eltern am Einkommen orientieren: Um die Auswirkungen der finanziellen Zusatzbelastung für sozioökonomisch benachteiligte Familien auf die betroffenen Kinder abzufedern, gilt es, die Zusatzkosten(z. B. für Kopier- und Bastelgeld) am Haushaltseinkommen der Eltern zu orientieren. ȣ Datengrundlage verbessern: Um die Herausforderungen in den Kindertageseinrichtungen besser zu erfassen und die Einrichtungen passgenau mit Ressourcen ausstatten zu können, bedarf es einer detaillierteren Datengrundlage durch eine differenzierte, anonymisierte und nicht stigmatisierende Abfrage verschiedener Dimensionen von Benachteiligungen bei Kindern und Familien. Diese Maßnahmen können dazu beitragen die Chancengerechtigkeit durch frühe Bildung zu vergrößern, indem sie sozioökonomisch benachteiligten Kindern den Kita-BeFRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 25 such ermöglichen und Einrichtungen in herausfordernden Sozialräumen in die Lage versetzen, qualitativ hochwertige Lernumgebungen für die Kinder zu schaffen. Konkrete Kriterien für eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung finden sich sowohl in aktuellen Studien(vgl. Ghirardi et al. 2023: niedrige Kind-FachkraftRelation, hohe Mindestqualifikation der Fachkräfte, professionelle Pädagogikkonzepte, Interaktion mit Gleichaltrigen, anregende Lernumgebung), aktuellen Expertisen (vgl. Espenhorst et al. 2023: Verbesserung der Personalausstattung in Einrichtungen mit besonderen Herausforderungen, Förderung von multiprofessionellen Teams zur Unterstützung von Kindern und Familien in schwierigen Lebenslagen, Berücksichtigung spezifischer Sozialräume bei der Personalbemessung, Schaffung von finanziellen Anreizen für Beschäftigte in belasteten Sozialräumen einschließlich des Hinweises auf die entscheidende Rolle der Länder bei der Förderung von Chancengleichheit in Kitas) als auch im aktuellen„Kompendium für hohe Qualität in der frühen Bildung“ der AG Frühe Bildung im Zuge der Erarbeitung eines bundesweiten Qualitätsentwicklungsgesetzes(vgl. Jugend- und Familienministerkonferenz 2024). In dem Kompendium werden im Handlungsbereich 1 u. a. zusätzliche Personalstellenanteile für die unmittelbare pädagogische Arbeit mit Kindern in herausfordernden Lebenslagen sowie von Kindern mit Behinderung oder drohender Behinderung zur Verbesserung der Betreuungsrelation(Handlungsziel 1), zusätzliche Fachkräfte für Kindertageseinrichtungen mit einem erhöhten Anteil an Kindern in herausfordernden Lebenslagen zur Bewältigung der sozialen Herausforderungen(z. B. Kita-Sozialarbeit)(Handlungsziel 3), die Stärkung der Leitung durch die verbindliche Vorgabe einer Leitungsperson mit ausreichenden Zeitkontingenten für Leitungs- und Verwaltungsaufgaben sowie Regelungen zur Qualifizierung(Handlungsziel 5) sowie die rechtzeitige und kontinuierliche Bedarfsermittlung und Planung inklusive der Gestaltung bedarfsgerechter Angebote unter Berücksichtiung des Sozialraums sowie von Daten zu Kindern in herausfordernden Lebenslagen (Handlungsziel 4) gefordert. Die notwendigen Maßnahmen für eine hohe Qualität in der öffentlichen Kindertagesbildung,-erziehung und-betreuung stehen in unmissverständlichem Einklang mit den Ergebnissen der vorliegenden Expertise und dem unverhandelbaren Anspruch eines chancengerechten Aufwachsens junger Menschen. ← Foto: picture alliance/ Monkey Business 2/ Shotshop| Monkey Business 2 26 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs LITERATURVERZEICHNIS Jehles, Nora; Knüttel, Katharina; Schuchardt, Jakob 2022: Gesellschaftliche Spaltung von Anfang an?! Strukturelle Bedingungen von Kita-Segregation in deutschen Jugendamtsbezirken, Berlin. Betz, Tanja; Bollig, Sabine 2023: Ungleichheiten in der frühen Bildungskindheit: Kindertageseinrichtungen als Hoffnungsträger?!, in: Kanner am Fokus. spillen. entdecken. Léieren, S. 5–9. 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Zusammenhänge zwischen sozioökonomischer Herkunft und Kita-Qualität, DIW Roundup: Politik im Fokus 73, DIW Berlin, German Institute for Economic Research. FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 27 ANHANG A. ERGEBNISSE DER STATISTISCHEN ANALYSEN MEHRFACHBELASTUNGEN UND RESSOURCENNACHTEILE KINDER Mehr Kinder in der Einrichtung Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Kinder(U3-+ Ü3Kinder) befinden sich in den Einrichtungen, SpearmanRho, r= 0,292, p< 0,001(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 43,2 Kinder) und Einrichtungstyp B( M= 76,4 Kinder), t- Test, t(10078,499)= –57,817, p< 0,001, d= 1,0(statistisch sehr großer Effekt). Größere Kinder-Raum-Relation Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Kinder pro Raum befinden sich in den Einrichtungen, Spearman-Rho, r= 0,156, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 4,1 Kinder pro Raum) und Einrichtungstyp B( M= 4,7 Kinder pro Raum), t- Test, t(7287,602)= –11,104, p< 0,001, d= 0,24(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich nicht bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder), Spearman-Rho, r= –0,042, p< 0,001(kein statistisch bedeutsamer Effekt). Ballung von Merkmalen bei Kindern: Förderbedarf, nicht deutsche Familiensprache, Fluchthintergrund, Behinderung, Diagnose Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto ȣ höher der Anteil an Kindern mit Förderbedarf in diesen Einrichtungen, Spearman-Rho, r= 0,247, p< 0,001(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,0% Kinder mit Förderbedarf) und Einrichtungstyp B ( M= 6,0% Kinder mit Förderbedarf), t- Test, t(6406,844)= –33,081, p< 0,001, d= 0,68(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 2,5% Kinder mit Förderbedarf), Einrichtungstyp B( M= 11,5% Kinder mit Förderbedarf), t- Test, t(378,769)= –11,573, p< 0,001, d= 0,64(statistisch mittlerer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit nicht deutscher Familiensprache in diesen Einrichtungen, Spearman-Rho, r= 0,526, p< 0,001(statistisch sehr großer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 6,8% Kinder mit nicht deutscher Familiensprache) und Einrichtungstyp B( M= 41,0% Kinder mit nicht deutscher Familiensprache), tTest, t(6241,456)= –87,328, p< 0,001, d= 1,76(statistisch sehr großer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 7,9 % Kinder mit nicht deutscher Familiensprache), Einrichtungstyp B( M= 50,4% Kinder mit nicht deutscher Familiensprache), t- Test, t(518,765)= –27,930, p< 0,001, d= 1,35(statistisch sehr großer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit Fluchthintergrund in diesen Einrichtungen, Spearman-Rho, r= 0,535, p< 0,001(statistisch sehr großer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( Md= 1; am häufigsten gewählte Kategorie: „keine“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 86,1% der Befragten) und Einrichtungstyp B( Md= 2; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 7,9% der Befragten), Mann-Whitney U, U= 4238330,000, p< 0,001, η2= 0,53(statistisch sehr großer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( Md= 1; am häufigsten gewählte Kategorie:„keine“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 70,8% der Befragten), Einrichtungstyp B( Md= 2; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“ Kinder mit Fluchthintergrund;„keine“: n= 5,5% der Befragten), Mann-Whitney U, U= 230571,000, p< 0,001, η2= 0,35(statistisch sehr großer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit einer körperlichen, geistigen oder drohenden oder seelischen Behinderung in diesen Einrichtungen, Spearman-Rho, r= 0,242, p< 0,001(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 1,9% Kinder mit Behinderung) und Einrichtungstyp B( M= 5,9% Kinder mit Behinderung), t- Test, t(6618,617)= –28,857, p< 0,001, d= 0,51(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kon­ trolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 2,2% Kinder mit Behinderung), Einrichtungstyp B( M= 12,6% Kinder mit Behinderung), t- Test, t(861,510)= –14,424, p< 0,001, d= 0,54(statistisch mittlerer Effekt). ȣ höher der Anteil an Kindern mit einer diagnostizierten Sprachstörung, einer diagnostizierten Verhaltensstörung oder einer diagnostizierten Entwicklungsstörung in diesen Einrichtungen, Spearman-Rho, r= 0,271, p< 0,001 (statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A ( M= 4,8% Kinder mit Diagnose) und Einrichtungstyp 28 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs B( M= 14,8% Kinder mit Diagnose), t- Test, t(5781,169) = –30,181, p< 0,001, d= 0,56(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 5,6% Kinder mit Diagnose), Einrichtungstyp B( M= 31,5% Kinder mit Diagnose), t- Test, t(781,685)= –15,409, p< 0,001, d= 0,61(statistisch mittlerer Effekt). PERSONAL Personalbedarf/-mangel Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto ȣ mehr Leitungen bejahen die Frage nach offenen Stellen, die aufgrund mangelnder Bewerbungen sechs Monate oder länger unbesetzt sind, Phi-Koeffizient, ϕ= –0,113, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich in dem signifikanten Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 18,3% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 27,8% der Befragten). Der Effekt bestätigt sich in der Tendenz auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A (Ja: n= 22,0% der Befragten), Einrichtungstyp B(Ja: n= 32,5% der Befragten), Phi-Koeffizient, ϕ= –0,099, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). ȣ mehr Tage gaben die befragten Leitungen an, an denen der Personalschlüssel in den letzten sechs Monaten nicht eingehalten werden konnte, Spearman-Rho, r= 0,148, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich in dem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 12,9 Tage) und Einrichtungstyp B( M= 27,7 Tage), t- Test, t(10477,440)= –25,981, p< 0,001, d= 0,44(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 11,1 Tage), Einrichtungstyp B( M= 24,3 Tage), t- Test, t(1042,248)= –10,512, p< 0,001, d= 0,39(statistisch kleiner Effekt). ȣ mehr Leitungen bejahen die Frage nach dem Ausgleich von Personalausfällen in den letzten sechs Monaten, Phi-Koeffizient, ϕ= –0,172, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich in dem Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 69,0% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 83,8% der Befragten), Mann-Whitney U, U= 171330483,000, p< 0,001, η2= 0,01(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen ( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: n= 68,3% der Befragten), Einrichtungstyp B(Ja: n= 84,9% der Befragten), Mann-Whitney U, U= 1511442,000, p< 0,001, η2= 0,01(statistisch kleiner Effekt). ȣ höher der Anteil an Mitarbeitenden, die aktuell aufgrund längerer Abwesenheit(mindestens sechs Wochen) nicht zur Verfügung stehen(Krankheit, Elternzeit etc.), Spearman-Rho, r= 0,122, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 6,4% der Mitarbeitenden) und Einrichtungstyp B( M= 7,6% der Mitarbeitenden) zeigt sich dabei nicht, t- Test, t(13775,091)= –7,524, p< 0,001, d= 0,13(kein statistisch bedeutsamer Effekt). Der statistische Zusammenhang zeigt sich nicht in der separaten Analyse von kleinen, mittleren und großen Einrichtungen(SpearmanRho, r ≤ 0,086). Mangel an entsprechend qualifizierten Fachk­ räften Hinsichtlich des Anteils an pädagogisch ausgebildeten Mitarbeitenden 7 zeigt sich ein kleiner signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 91,0% der Mitarbeitenden) und Einrichtungstyp B( M= 87,3% der Mitarbeitenden), t- Test, t(9164,347)= 9,422, p< 0,001, d= 0,20(statistisch kleiner Effekt). Zudem offenbart sich bei Einrichtungen mit einem höheren Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund ein höherer empfundener Mangel an Fachkräften mit ȣ besonderen Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund, Spearman-Rho, r= 0,346, p< 0,001(statistisch mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( Md= 1 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 65,8% der Befragten) und Einrichtungstyp B( Md= 3 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 16,2% der Befragten), Mann-Whitney U, U= 11154032,500, p< 0,001, η2= 0,25(statistisch großer Effekt). Auch der binomiale Vergleich(1= Skalenwerte 1–3; 2= Skalenwerte 4–6) führt zu einem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(1: n= 90,7% der Befragten; 2: n= 9,3% der Befragten) und Einrichtungstyp B (1: n= 56,7% der Befragten; 2: n= 43,3% der Befragten), Phi-Koeffizient, ϕ= 0,393, p< 0,001(statistisch mittlerer bis großer Effekt). ȣ besonderen Kompetenzen zur kultursensiblen Pädagogik, Spearman-Rho, r= 0,347, p< 0,001(statistisch 7 Mitarbeitende, die in der Einrichtung tätig sind als Einrichtungsleitung, pädagogische Fachkraft(einschließlich Heilpädagog:innen), Assistenzkraft, Förderkraft(für Kinder, die nach SGB VIII oder nach SGB XII Eingliederungshilfe erhalten) oder sonstige Förderkraft(z. B. für die Bereiche Sprache, Sport, Musik). FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 29 mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( Md= 1 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 66,8% der Befragten) und Einrichtungstyp B( Md= 3 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6„stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 18,1% der Befragten), Mann-Whitney U, U= 11033309,500, p< 0,001, η2= 0,25(statistisch großer Effekt). Auch der binomiale Vergleich(1= Skalenwerte 1–3; 2= Skalenwerte 4–6) führt zu einem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(1: n= 92,4% der Befragten; 2: n= 7,6% der Befragten) und Einrichtungstyp B (1: n= 60,0% der Befragten; 2: n= 40,0% der Befragten), Phi-Koeffizient, ϕ= 0,388, p< 0,001(statistisch mittlerer bis großer Effekt). ȣ besonderen Kompetenzen im Bereich der Inklusion, Spearman-Rho, r= 0,277, p< 0,001(statistisch kleiner bis mittlerer Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( Md= 1 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6 „stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 60,7% der Befragten) und Einrichtungstyp B( Md= 3 auf einer Skala von 1„gar nicht beeinträchtigt“ bis 6 „stark beeinträchtigt“;„gar nicht beeinträchtigt“: n= 21,1% der Befragten), Mann-Whitney U, U= 14216008,500, p< 0,001, η2= 0,16(statistisch großer Effekt). Auch der binomiale Vergleich(1= Skalenwerte 1–3; 2= Skalenwerte 4–6) führt zu einem signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(1: n= 85,6% der Befragten; 2: n= 14,4% der Befragten) und Einrichtungstyp B(1: n= 58,0% der Befragten; 2: n= 42,0% der Befragten), Phi-Koeffizient, ϕ= 0,310, p< 0,001(statistisch mittlerer bis großer Effekt). LEITUNGSZEIT Die Zeit für Leitungsaufgaben wurde durch die offene Angabe der Anzahl an Stunden, die pro Woche vertraglich festgelegt sind und pro Woche tatsächlich anfallen, erfragt. Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr vertragliche Leitungszeit, Spearman-Rho, r= 0,261, p< 0,001(statistisch mittlerer Effekt), und desto mehr tatsächliche Leitungszeit, Spearman-Rho, r= 0,307, p< 0,001(statistisch mittlerer Effekt), geben die befragten Leitungskräfte an. Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(vertraglich: M= 13,0 Wochenstunden; tatsächlich: M= 18,1 Wochenstunden) und Einrichtungstyp B(vertraglich: M= 25,4 Wochenstunden; tatsächlich: M= 31,6 Wochenstunden): vertraglich: t- Test, t(11195,307)= –57,707, p< 0,001, d= 1,02(statistisch sehr großer Effekt); tatsächlich: t- Test, t(11123,764)= –64,533, p< 0,001, d= 1,21(statistisch sehr großer Effekt). Für das Verhältnis von vertraglicher und tatsächlicher Leitungszeit(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit) zeigt sich keine statistisch bedeutsame Korrelation mit der ordinalskalierten Variable nach dem Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, Spearman-Rho, r= 0,016, p= 0,001(kein Effekt). Jedoch zeigt sich ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen Einrichtungstyp A(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 5,3 Wochenstunden) und Einrichtungstyp B(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 7,0 Wochenstunden), t- Test, t(9692,586)= –10,277, p< 0,001, d= 0,20(statistisch kleiner Effekt). Die Einrichtungen ohne Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund haben demnach ein etwas besseres Verhältnis von tatsächlicher und vertraglicher Leitungszeit als Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund. Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 4,3 Wochenstunden), Einrichtungstyp B(tatsächliche minus vertragliche Leitungszeit: M= 7,1 Wochenstunden), t- Test, t(999,220)= –9,843, p< 0,001, d= 0,41(statistisch kleiner Effekt). Arbeitszufriedenheit Hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit der Leitungen zeigt sich ein kleiner signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 7,1 von 10) und Einrichtungstyp B ( M= 6,6 von 10), t- Test, t(14805)= 13,900, p< 0,001, d= 0,23(statistisch kleiner Effekt). WAHRGENOMMENE BEEINTRÄCHTIGUNGEN DER PÄDAGOGISCHEN ARBEIT In der Abfrage nach dem Grad der Beeinträchtigung(Skala von 1„keine Beeinträchtigung“ bis 6„sehr starke Beeinträchtigung“) der pädagogischen Arbeit in der Kindertageseinrichtung zeigt sich über alle neun erfragten Aspekte hinweg(unzureichende finanzielle und sachliche Ausstattung der Kindertageseinrichtung, behördliche Vorschriften, Personalausfälle, Mangel an pädagogischen Fachkräften, mangelndes Engagement und Unterstützung durch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, mangelnde Möglichkeiten und Unterstützung für meine eigene Fort- und Weiterbildung, mangelnde Möglichkeiten und Unterstützung für die Fort- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte, mangelnde Unterstützung durch den Träger, mangelnde Unterstützung durch die Fachberatung) im Mittelwert ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,4 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,0 von 6), t- Test, t(14978)= –39,768, p< 0,001, d= 0,65(statistisch mittlerer Effekt). Auch die Analyse mittels binomialer Variable(1= Median von 2,75 und kleiner, 2= größer als Median) führt zu einer signifikanten Korrelation. Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto stärker die empfundenen Beeinträchtigungen der pädagogischen Arbeit, Kontingenzkoeffizient= 0,268, p< 30 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs 0,001, ϕ= 0,279, p< 0,001(statistisch mittlerer Effekt). Deutlich wird der Effekt dadurch, dass die Befragten in Einrichtungstyp A(2: n= 32,7% der Befragten) weniger Beeinträchtigungen der pädagogischen Arbeit angeben als Befragte in Einrichtungstyp B(2: n= 60,6% der Befragten). Für alle aufgeführten Aspekte finden sich statistisch signifikante Effekte. Die größten Unterschiede zeigen sich dabei hinsichtlich folgender Aspekte: ȣ Mangelndes Engagement durch Eltern: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A ( M= 2,3 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,4 von 6), t- Test, t(14901)= –48,290, p< 0,001, d= 0,80(statistisch großer Effekt). ȣ Mangel an pädagogischen Fachkräften: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A ( M= 2,8 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,8 von 6), t- Test, t(14501,328)= –35,970, p< 0,001, d= 0,59(statistisch mittlerer Effekt). ȣ Personalausfälle: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 3,5 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 4,4 von 6), t- Test, t(14840,603)= –35,557, p< 0,001, d= 0,59(statistisch mittlerer Effekt). ȣ Unzureichende finanzielle und sachliche Ausstattung in der Kita: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,4 von 6) und Einrichtungstyp B( M= 3,0 von 6), t- Test, t(13358,453)= –23,419, p< 0,001, d= 0,38(statistisch kleiner Effekt). ȣ Behördliche Vorschriften: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,9 von 6) und Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund ( M= 3,4 von 6), t- Test, t(14719)= –20,596, p< 0,001, d= 0,34(statistisch kleiner Effekt). ȣ Mangelnde Unterstützung durch den Träger: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,0 von 6) und Einrichtungstyp B( M = 2,5 von 6), t- Test, t(13769,556)= –19,460, p< 0,001, d= 0,32(statistisch kleiner Effekt). PLATZVERGABE Bei der Entscheidung über die Platzvergabe zeigt sich hinsichtlich des Anteils an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund im Gesamtvergleich kein Unterschied zwischen den Antwortoptionen(Einrichtung, Träger, Jugendamt), Kruskal-Wallis Test, H= 275,155, p< 0,001, η2= 0,006(kein Effekt). In den Post-hoc-Tests offenbart sich hingegen ein kleiner statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen der Platzvergabe durch den Träger ( Md= 2, Mo= 2, M= 2,28; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“) und der Platzvergabe durch das Jugendamt( Md= 2, Mo= 2, M= 2,70; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“), Mann-Whitney U, U= 8754310,500, p< 0,001, η2= 0,02(statistisch kleiner Effekt). Demnach besuchen tendenziell mehr Kinder mit benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund die Einrichtung, wenn die Platzvergabe durch das Jugendamt statt durch den Träger erfolgt. Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Platzvergabe durch den Träger( Md= 2, Mo= 2, M= 1,94; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“) und der Platzvergabe durch das Jugendamt( Md= 2, Mo= 2, M= 3,0; am häufigsten gewählte Kategorie:„1–10%“), Mann-Whitney U, U= 559342,000, p< 0,001, η2= 0,05 (statistisch mittlerer Effekt). In der Abfrage nach den Vergabekriterien zeigen sich für folgende Aspekte statistisch bedeutsame Effekte: ȣ Kinder mit einer persönlichen Notlage: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 74,0% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 92,5% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,235, p< 0,001, ϕ= –0,242 (statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A (Ja: n= 78,7% der Befragten) und Einrichtungstyp B (Ja: n= 92,1% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,180, p< 0,001, ϕ= –0,183(statistisch kleiner Effekt). ȣ Kinder mit alleinerziehendem Elternteil: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 65,5% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 83,3% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,196, p< 0,001, ϕ= –0,200 (statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A (Ja: n= 67,5% der Befragten) und Einrichtungstyp B (Ja: n= 84,2% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,177, p< 0,001, ϕ= –0,180(statistisch kleiner Effekt). ȣ Beschäftigungsstatus der Erziehungsberechtigten: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 40,3% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 67,3% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,260, p< 0,001, ϕ= –0,269(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: n= 37,9% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: n= 73,7% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,308, p< 0,001, ϕ= –0,324(statistisch kleiner Effekt). ȣ Besonderes Engagement der Eltern: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied der Ja-Beantwortung zwischen Einrichtungstyp A(Ja: n= 19,4% der Befragten) FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 31 und Einrichtungstyp B(Ja: n= 4,6% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,216, p< 0,001, ϕ= 0,221 (statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für kleine Einrichtungen( n< 45 Kinder): Einrichtungstyp A (Ja: n= 22,5% der Befragten) und Einrichtungstyp B (Ja: n= 3,3% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,183, p< 0,001, ϕ= 0,186(statistisch kleiner Effekt). ZUSATZKOSTEN FÜR ELTERN Neben den regulären Gebühren fallen für Eltern, deren Kinder Einrichtungen ohne Kinder mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund besuchen, für folgende Aspekte mehr Zusatzkosten an als für Eltern, deren Kinder Einrichtungen mit 31% und mehr Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund besuchen: ȣ Bastelgeld: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 5,80€) und Einrichtungstyp B( M= 10,00€), t- Test, t(580,858)= –4,527, p< 0,001, d= 0,34(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 3,28€) und Einrichtungstyp B ( M= 8,90€), t- Test, t(221,663)= –4,936, p< 0,001, d= 0,68(statistisch mittlerer Effekt). ȣ Kopiergeld: Es zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 1,30€) und Einrichtungstyp B( M= 2,70€), t- Test, t(66,099)= –4,569, p< 0,001, d= 0,83(statistisch großer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 1,50€) und Einrichtungstyp B( M = 3,05€), t- Test, t(76,366)= –4,034, p< 0,001, d= 0,91 (statistisch großer Effekt). BESSERE RESSOURCENAUSSTATTUNG MASSNAHMEN ZUR PERSONALENTWICKLUNG/-BINDUNG Auf die Frage nach verbindlichen Personalentwicklungs-/ Personalbindungsmaßnahmen in der Einrichtung konnten zehn Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden(Vereinbarung konkreter Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, Besprechen von Zielen und Maßnahmen der individuellen professionellen Weiterentwicklung, Beurteilung der festgelegten Ziele, Supervision, Hospitation in anderen Einrichtungen, Angebote zur Gesundheitsförderung, spezifische Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen älterer Mitarbeiter:innen, flexible Arbeitszeiten (soweit im Rahmen der Öffnungszeiten möglich), Team-/ Klausurtage, Befragung zur Mitarbeiterzufriedenheit). Im Hinblick auf die Summe an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr verbindliche Personalentwicklungs-/Personalbindungsmaßnahmen werden nach Angaben der befragten Leitungen durchgeführt, Spearman-Rho, r= 0,099, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M = 5,4 von 10 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 6,3 von 10 Maßnahmen), t- Test, t(12940,088)= –22,630, p< 0,001, d= 0,40(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 5,7 von 10 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B ( M= 6,7 von 10 Maßnahmen), t- Test, t(1119,791)= –11,341, p< 0,001, d= 0,47(statistisch mittlerer Effekt). MASSNAHMEN ZUR QUALITÄTSSICHERUNG Auf die Frage nach Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Einrichtung konnten acht Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden(Regelmäßige Durchführung von externen Evaluationen(mindestens alle 5 Jahre), Regelmäßige Durchführung von internen Evaluationen(mindestens alle 3 Jahre), Regelmäßige Inspektion vor Ort durch das Jugendamt, Verpflichtende Weiterbildungsangebote für pädagogisches Personal, Regelmäßige Inanspruchnahme der Fachberatung, Einbezug von Eltern in die Qualitätserfassung/-entwicklung, Einbezug von Kindern in die Qualitätserfassung/-entwicklung, Andere Formen der Überprüfung, und zwar). Im Hinblick auf den Anteil an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich keine statistisch bedeutsame Korrelation, Spearman-Rho, r= 0,058, p< 0,001 (kein Effekt). Im Gruppenvergleich zeigt sich jedoch ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 4,2 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 4,6 von 8 Maßnahmen), t- Test, t(11778)= –13,743, p< 0,001, d= 0,25(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 4,4 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 4,9 von 8 Maßnahmen), t- Test, t(1246,388)= –6,262, p< 0,001, d= 0,26(statistisch kleiner Effekt). STANDARDS FÜR DIE VERPFLEGUNG Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto eher bejahen die befragten Leitungskräfte die Frage nach Standards für die Verpflegung(z. B. DGE-Qualitätsstandards, Bremer Checkliste), Kontingenzkoeffizient= 0,140, p< 0,001, ϕ= –0,141 (statistisch kleiner Effekt). Im Gruppenvergleich zeigt sich dies zwischen Einrichtungstyp A(Ja: 31,2% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: 44,9% der Befragten). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, 32 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A(Ja: 39,7% der Befragten) und Einrichtungstyp B(Ja: 55,3% der Befragten), Kontingenzkoeffizient= 0,134, p< 0,001, ϕ= –0,135(statistisch kleiner Effekt). ANGEBOTE ZUR KULTURSENSIBLEN ZUSAMMENARBEIT MIT FAMILIEN Auf die Frage nach Angeboten zur kultursensiblen Zusammenarbeit mit Familien konnten fünf Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden(Aushänge, Informationsblätter und Homepage sind in mehreren Sprachen verfasst; Personal, das sich mit(manchen) Kindern und Eltern in deren Herkunftssprache unterhalten kann; es werden auch Festtage anderer Kulturen und Religionen gefeiert(neben Weihnachten z. B. auch Zuckerfest oder Opferfest); Gelegenheiten für interkulturellen Austausch(Cafés, Vorträge, Sonstiges). Im Hinblick auf die Summe an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Angebote zur kultursensiblen Zusammenarbeit mit Familien gibt es nach Angaben der befragten Leitungen in der Einrichtung, Spearman-Rho, r= 0,341, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 0,8 von 5 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 2,5 von 5 Maßnahmen), t- Test, t(8666,664)= –73,180, p< 0,001, d= 1,33(statistisch sehr großer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 1,0 von 5 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 2,7 von 5 Maßnahmen), t- Test, t(1815,786)= –36,160, p< 0,001, d= 1,51(statistisch sehr großer Effekt). TRÄGERUNTERSTÜTZUNG BEI LEITUNGSAUFGABEN Auf die Frage nach Angeboten des Trägers zur Unterstützung bei Leitungsaufgaben konnten acht Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden(regelmäßige Feedback-Gespräche zur Leitungstätigkeit, Fort- und Weiterbildung für Leitungsaufgaben, Leitungstreffen(kollegiale Beratung), Fachberatung, Supervision/Coaching, Teamentwicklungsmaßnahmen, Hospitation in anderen Einrichtungen, Verwaltungskraft). Im Hinblick auf die Summe an Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich: Je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Angebote des Trägers zur Unterstützung bei Leitungsaufgaben gibt es nach Angaben der befragten Leitungen in der Einrichtung, Spearman-Rho, r= 0,115, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 3,9 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 4,8 von 8 Maßnahmen), t- Test, t(13603,336)= –26,232, p< 0,001, d= 0,45(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 4,3 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 5,0 von 8 Maßnahmen), t- Test, t(1305,939)= –8,078, p< 0,001, d= 0,32(statistisch kleiner Effekt). KOOPERATIONEN MIT ANDEREN INSTITUTIONEN Auf die Frage nach Kooperationen mit anderen Institutionen konnten die befragten Leitungen die Art der Kooperation(keine Kooperation, sporadische Kooperation, intensive Kooperation) sowie die Institutionen(Grundschulen, Vereine(z. B. Sportvereine), Frühförderstellen, Kirche, kulturelle Einrichtungen(z. B. Museen, Bibliotheken), Seniorenheime, Betriebe, Mütter- bzw. Familienzentren, Volkshochschule, Polizei/Feuerwehr, Soziale Dienste für die Eltern(z. B. Gesundheits- oder Erziehungsberatung), Arztpraxen/Ärzt:innen, Einrichtungen für Frühe Hilfen, Erziehungs- und Familienberatungsstelle) angeben. Im Hinblick auf die Summe an Kooperationen zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr Kooperationen wurden angegeben, Spearman-Rho, r= 0,173, p< 0,001 (statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 6,8 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 8,8 von 13 Maßnahmen), t- Test, t(14093,074)= –43,793, p< 0,001, d= 0,71(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A ( M= 8,1 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 9,2 von 13 Maßnahmen), t- Test, t(1256,196)= –10,652, p< 0,001, d= 0,43(statistisch kleiner Effekt). Im Hinblick auf die Summe an intensiven Kooperationen zeigt sich, dass je höher der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto mehr intensive Kooperationen wurden angegeben, SpearmanRho, r= 0,201, p< 0,001(statistisch kleiner Effekt). Das verdeutlicht sich im signifikanten Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 2,1 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 3,7 von 13 Maßnahmen), t- Test, t(12338,887)= –43,324, p< 0,001, d= 0,72(statistisch mittlerer Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kon­ trolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen ( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 2,9 von 13 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 4,2 von 13 Maßnahmen), t- Test, t(1919,574)= –15,411, p< 0,001, d= 0,61 (statistisch mittlerer Effekt). Für folgende Institutionen zeigte sich eine positive Korrelation mit jeweils kleinem Effekt(je größer der Anteil an Kindern mit sozioökonomisch benachteiligtem Hintergrund, desto intensiver die Kooperation): Frühförderstellen(Spearman Rho, r= 0,174, p< 0,001), kulturelle Einrichtungen(Spearman Rho, r= 0,140, p< 0,001), Mütterbzw. Familienzentren(Spearman Rho, r= 0,189, FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 33 p< 0,001), Volkshochschule(Spearman Rho, r= 0,107, p< 0,001), Soziale Dienste für die Eltern(Spearman Rho, r= 0,219, p< 0,001), Arztpraxen/Ärzt:innen(Spearman Rho, r= 0,144, p< 0,001). B. LEGENDE STATISTISCHER KENNWERTE MASSNAHMEN ZUR UNTERSTÜTZUNG DES ÜBERGANGS VON DER KITA IN DIE GRUNDSCHULE Auf die Frage nach Maßnahmen zur Unterstützung des Übergangs von der Kita in die Grundschule konnten acht Antwortoptionen bejaht bzw. verneint werden(Austausch mit Grundschulen über Kinder, die in die Schule kommen sollen, Besuch von gemeinsamen Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte und Grundschullehrkräfte, Bereitstellung von Entwicklungsberichten für Grundschulen, Besuch von Grundschullehrkräften in Ihrer Einrichtung zum Kennenlernen des pädagogischen Alltags, Organisation gegenseitiger Besuche der Kinder in Grundschulen und der Kindertageseinrichtung, Treffen mit Grundschullehrkräften (z. B. um einen gelungenen Übergang zu gestalten), Aktivitäten für Eltern bzw. Erziehungsberechtigte zum Verständnis vom Übergang in die Grundschule, Bildungsangebote/ Programme für Vorschulkinder). Im Hinblick auf die Summe der Maßnahmen, die bejaht wurden, zeigt sich keine statistisch bedeutsame Korrelation, Spearman-Rho, r= 0,054, p< 0,001(kein Effekt). Im Gruppenvergleich zeigt sich jedoch ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen Einrichtungstyp A( M= 5,1 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 5,8 von 8 Maßnahmen), t- Test, t(13695,992)= –20,213, p< 0,001, d= 0,34(statistisch kleiner Effekt). Der Effekt bestätigt sich auch bei Kontrolle der Einrichtungsgröße, z. B. für große Einrichtungen( n> 75 Kinder): Einrichtungstyp A( M= 6,4 von 8 Maßnahmen) und Einrichtungstyp B( M= 5,9 von 8 Maßnahmen), t- Test, t(1571,009)= 8,921, p< 0,001, d= 0,36(statistisch kleiner Effekt).  n= M= Md= Mo= r= p= U= ϕ= η2= d= Anzahl der Befragten Mittelwert Median Modus Korrelationskoeffizient und Zusammenhangsmaß (hier: für Spearmans Rangkorrelation) Signifikanzniveau statistischer Kennwert des nichtparametrischen Mann-Whitney- U-Tests Phi-Koeffizient Eta-Quadrat zur Angabe der Effektstärke (hier: für Mann-Whitney- U-Test) Cohen’s d zur Angabe der Effektstärke (hier: für t- Tests) 34 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs Foto: picture alliance/ Caro| Seeberg FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 35 36 KITAS 2. KLASSE?  JULI  2024  FES diskurs WEITERE VERÖFFENTLICHUNGEN Frühe Ungleichheiten: Zugang zu Kindertagesbetreuung aus bildungs- und gleichstellungspolitischer Perspektive FES diskurs November 2023 Seiteneinstieg in den Schuldienst: Eine Übersicht im Vergleich der Bundesländer FES diskurs Juni 2023 Mit Innovationen aus der Krise: Vorschläge zum lösungsorientierten Umgang mit dem Lehrkräftemangel FES impuls Mai 2023 Mindeststandards im Fach Mathematik: Ein Plädoyer für ihre Definition und ein Vorschlag für die Umsetzung FES impuls Februar 2023 Ausbildungsgarantie: Ein Instrument zur Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Integration junger Menschen FES diskurs Januar 2023 Ein guter Start für Teilhabe: Empfehlungen zur Ausgestaltung des Startchancen-Programms FES impuls November 2022 Was brauchen Schulen in herausfordernden Lagen? Studie im Auftrag des Netzwerk Bildung FES diskurs März 2022 Sozialindizes für Schulen: Kommunale Perspektiven FES diskurs Oktober 2021 Volltexte und weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung unter www.fes.de/publikationen Impressum © 2024 Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeberin: Abteilung Analyse, Planung und Beratung Godesberger Allee 149, 53175 Bonn Fax 0228 883 9205 www.fes.de/apb apb-publikation@fes.de ISBN 978-3-98628-487-9 Titelfotos:© Bildmotive: picture alliance/ dpa-tmn| Mascha Brichta/ dpa| Axel Heimken/ Monkey Business 2/ Shotshop| Monkey Business 2/ Caro| Sorge/ Caro| Seeberg Gestaltungskonzept: www.leitwerk.com Umsetzung / Satz: Bergsee, blau Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-S­ tiftung. Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Die Kindertagesbetreuung als erster gemeinsamer Bildungsort ist zentral dafür, allen Kindern unabhängig von ihrem familiären Hintergrund gleiche Chancen auf eine gute Entwicklung und die Entfaltung ihrer Potenziale zu ermöglichen. Der Zugang zu früher Bildung gilt deshalb als wesentlicher Faktor für die Vermittlung von Bildungschancen und die Ermöglichung von Teilhabe. Doch die Bedingungen, unter denen Kindertageseinrichtungen dieser wichtigen Aufgabe nachkommen, unterscheiden sich teilweise stark. Die vorliegende Studie zeigt auf, dass systematische Mehrfachbelastungen und Ressourcennachteile die Situation gerade in den Kitas prägen, die einen höheren Anteil von Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen betreuen. Gerade dort also, wo sich Herausforderungen mit Blick auf Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ballen, stehen hierfür vergleichsweise weniger gute Rahmenbedingungen zur Verfügung. So besteht das Risiko, dass die entsprechenden Einrichtungen zu„Kitas 2. Klasse“ werden. Nicht, weil dort schlechter oder weniger engagiert gearbeitet würde, sondern weil die Rahmenbedingungen für erfolgreiches pädagogisches Wirken den besonderen Herausforderungen schlicht nicht gerecht werden. ISBN 978-3-98628-487-9