Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Den solidarisch-ökologischen Wandel erfolgreich gestalten Über die Autor_innen: Prof. Dr. Manfred Miosga , Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth, Gründungsmitglied der KlimaKom ­gemeinnützigen eG Mara Neidlinger , Studentin der Humangeographie(MA) und Werkstudentin der KlimaKom gemeinnützigen eG Janis Schiffner, M. Sc. , Absolvent der Humangeographie und Mitarbeiter der KlimaKom gemeinnützigen eG Lena Kopp, M. Sc. , Absolventin der Geoökologie und Mitarbeiterin der KlimaKom gemeinnützigen eG Dr. Nina Hehn , Juristin und Mitglied der KlimaKom gemeinnützigen eG Dr. habil. Sabine Hafner , Diplomgeographin und Vorständin der ­KlimaKom gemeinnützigen eG Fabian Groß , Student der Humangeographie(MA) und Werkstudent der KlimaKom gemeinnützigen eG Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Den s­ olidarisch-ökologischen Wandel erfolgreich ­gestalten Das Handbuch wird von der Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht. Die Ausführungen und Schlussfolgerungen sind von den Autor_innen in eigener Verantwortung vorgenommen worden. Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Inhalt Vorwort 6 1 Warum ein sofortiges und entschiedenes Handeln notwendig ist 8 1.1 Die Umweltkrise 10 1.2 Die Klimakrise 11 1.3 Die Soziale Krise 12 1.4 Das Zeitproblem 12 2 Kommunen und der sozial-umweltgerechte Umbau 14 2.1 Die solidarisch-ökologische Transformation 16 2.2 Die Rolle der Kommunen: Lokal handeln, um global zu verändern 20 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann 22 3.1 Energiewende 25 3.2 Mobilitätswende 32 3.3 Wärmewende und nachhaltige Siedlungspolitik: Bauen und Wohnen 38 3.4 Wirtschaftswende: Produktion und Konsum 44 3.5 Ernährungswende 51 3.6 Die Themenfelder der Transformation zusammendenken 57 2 Inhalt 4 Grundlagen einer transformativen Kommunalpolitik 60 4.1 Politischer Wille für einen Transformationskurs 62 4.2 Konzeptionelle Grundlagen mit Vision und klaren Zielvorstellungen 63 4.3 Transformation gemeinsam in der kommunalen Familie 65 4.4 Finanzierung von Klimaschutz und Nachhaltigkeitsmaßnahmen 67 4.5 Die räumliche Dimension des Wandels 69 4.6 Die Kommune als Partnerin im Wandel 72 5 Transformation jetzt gestalten 74 Glossar 76 Anhang 80 Weiterführende Literatur 80 Endnoten 82 Impressum 90 Extrablätter: das Donut-Modell und die Rollen der Kommune 93 3 In diesem Klimahandbuch finden Sie zusätzlich viele interessante Beispiele, Infos und Tipps, die wie folgt gekennzeichnet sind: Beispiele für aktiven Klimaschutz in MV (danke allen, die die FES MV durch Zulieferung unterstützt haben) Weitere Beispiele für aktiven Klimaschutz Weiterführende Informationen mit speziellem MV-Bezug Zusatzinformationen und Tipps Stellshagen S.33 Landkreis Nordwestmecklenburg S. 40, 73 Klein Trebbow S. 34 Wismar Schwerin S. 38, 43, 64 Parchim Ludwigslust Rostock S. 33, 38, 45, 51 Stralsund S. 75 Rügen S. 68 Greifswald S. 66 Mecklenburgische Schweiz S.58 Gatschow S. 51 Murchin S. 51 Anklam Usedom S. 38, 39 Bollewick S.32 Rosenow S. 44 Neubrandenburg Region Müritz S. 61 Neustrelitz Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Ein Klima-Handbuch für MecklenburgVorpommern – Wozu und wie es genutzt werden kann Hochwasser, Dürrephasen, Waldbrände, niedrigste Flusspegel, heftige Unwetter… Ereignisse dieser Art sind seit einigen Jahren in Mecklenburg-Vorpommern(MV) sichtbar und beschäftigen die Menschen im Land. Es wird die Frage gestellt, ob es sich bereits um Auswirkungen des Klimawandels handelt oder es„einfach nur Wetter“ ist. Fest steht: Die Klimaveränderungen sind real, MV wird zukünftig mit Ereignissen in diesen Dimensionen umgehen müssen. Mit Schäden für Natur, Wirtschaft und Gesundheit der Menschen ist zu rechnen. Höchste Zeit, aktiv zu werden, um die Klimakrise abzumildern. Kein Zweifel, geeignete Maßnahmen auf globaler Ebene sind gefragt. Es bleibt aber schwierig, in einer politisch unruhigen Welt effektive Fortschritte zu erreichen. Gut ist, dass auf kommunaler Ebene bereits jetzt bei Fragen des Klimaschutzes in Eigeninitiative viel geleistet wird und noch mehr umgesetzt werden kann. Handlungsbedarf besteht auf vielen Ebenen: Gesundheitsschutz, Landwirtschaft, Wärme, Verkehr, Bauen, Wirtschaften, Tourismus – die Liste lässt sich erweitern. Nicht alle Bereiche können über Nacht vollständig umgestellt werden. Wichtig ist, anzufangen und den Weg des Umbaus(Transformation) mit Plan und Ausdauer zu gehen. Schritt für Schritt, nachhaltig und sozial gerecht. Das Klimahandbuch will Kommunen, Bürger_innen und Initiativen motivieren, diesen Prozess anzugehen und zu gestalten. Dafür haben wir zahlreiche Beispiele aus MV zusammengetragen, die inspirieren und zu Nachahmung, Kooperation und Vernetzung einladen. Sie zeigen, dass Klimaschutz vor Ort wirksam umgesetzt werden kann. 6 Vorwort Das Handbuch ist wie folgt gegliedert: 🌑 Einführendes Wissen und Hintergrundinformationen(„Info“) zu Klimakrise und deren Auswirkungen 🌑 Hinweise zu spezifischen Rahmenbedingungen in MV(Symbol: ) 🌑 Nachahmenswerte Praxisbeispiele aus MV, die zeigen, wo und wie bereits Klimaschutz betrieben wird(Symbole:&  ) 🌑 Glossar und weiterführende Literatur Das Klimahandbuch für Kommunen in MV reiht sich ein in bisher erschienene Ausgaben der Friedrich-Ebert-Stiftung für Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz/Saarland. Unser Tipp: die letzte Seite des Heftes ist herausnehmbar. Nehmen Sie diese Übersicht dorthin mit, wo sie Menschen anregen und aktivieren kann. Kommunen können beim Klimaschutz im Zusammenspiel mit engagierten Bürger_innen vor Ort viel bewegen. Vielen Dank allen Initiativen und Akteur_innen aus MV, die dem Aufruf der FES MV gefolgt sind und Projekte zugeliefert haben, die zeigen, dass die Transformation auf kommunaler Ebene gelingt. Diese Beiträge sind speziell mit dem Megafon gekennzeichnet. Dank dem Autor_innenteam der Klimakom eG für wie auch Aenne Möller von der SGK Mecklenburg-Vorpommern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Es grüßt herzlich und wünscht gutes Gelingen bei Ihren Vorhaben! Ihre FES MV Tobias Paul Referent Landesbüro FES MV 7 1 Warum ein sofortiges und entschiedenes Handeln notwendig ist Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Eine globale Pandemie seit 2019, verheerende regionale Extremwetterereignisse wie das Dürrejahr 2020 und das Hochwasser in Westdeutschland 2021, der Ausbruch des Kriegs gegen die Ukraine im Frühjahr sowie der extrem trockene Sommer 2022 – die letzten Jahre waren geprägt von Krisen. Diese machen so deutlich wie nie zuvor: Es ist höchste Zeit für einen radikalen Wandel zu einer ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Gesellschaft. 1.1 Die Umweltkrise Die Lebens- und Wirtschaftsweise der Menschen seit dem Beginn der industriellen Revolution, insbesondere der Gesellschaften im globalen Norden, zerstören massiv die Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Die natürlichen Ressourcen der Erde werden überlastet. Letzte, bisher besonders geschützte oder unberührte Lebensräume für Tier und Pflanzen sind vor dem menschlichen Zugriff nicht mehr sicher. Folgen sind versiegende Frischwasserquellen und der Verlust ertragreicher Böden. Aussterbende Insekten können Nahrungspflanzen nicht mehr bestäuben. Zudem können neue bedrohliche Infektionsketten entstehen, sich ausbreiten und Gesellschaften vielfach strapazieren. Der Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme müssen Interesse und messbares Ziel jeder Politik sein, um die Umweltkrise einzudämmen. 1890 1920 1950 1980 2010 Abbildung 1: Die sog.„Warming Stripes“ für Mecklenburg-Vorpommern: Je blauer der Strich, desto kälter war das Jahr im Vergleich zum langjährigen Mittel. Je roter der Strich wird, desto wärmer; Quelle: wetter.de/ 10 1 Warum ein sofortiges und entschiedenes Handeln notwendig ist 1.2 Die Klimakrise INFO 01 Expert_innen gehen davon aus, dass bis Die harten Fakten der ca. 2050 die Erderwärmung um bis zu Klimakrise zwei Grad zunimmt. Eine Erhitzung der ► Schon jetzt liegt die globale TemAtmosphäre um über vier Grad droht bis peraturerhöhung der Atmosphäre bei rund 2100, wenn menschliches Lebens- und 1,2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Konsumverhalten nicht radikal geändert Durchschnitt 1850 bis 1900. 4 In Deutschland wird 1 (siehe Infobox 1). Deutschland äußert sich die Erwärmung mit 1,6 Grad seit droht ein Anstieg der DurchschnittsBeginn der Aufzeichnungen 1881 sogar temperatur um bis zu 5,5 Grad. 2 Ursache noch stärker. 5 dafür ist der massive Verbrauch fossiler Energieträger(z.B. Kohle, Öl) seit Beginn ► 2022 war in Deutschland der heißeste Somder Industrialisierung. Gleichzeitig wurmer seit den ersten Aufzeichnungen 1881. 6 den wichtige Kohlendioxid(CO 2 )-Speicher(Wälder, Moore) vernichtet. Um die ► 2021 erlebten Teile Deutschlands enorme Klimakrise abzumildern und das KlimaHochwasser mit viel Zerstörung, bei denen system zu stabilisieren, darf die globale 183 Menschen starben und mehr als 800 Erderwärmung um nicht mehr als 1,5 Menschen verletzt wurden. Grad steigen. Wird diese Marke überschritten, drohen wesentliche Elemente im Klimasystem zu kippen, die dann wie in einem Dominoeffekt weitere selbstverstärkende Erwärmungsprozesse zur Folge haben. Mit dem Schmelzen der polaren Eiskappen und dem Auftauen von Permafrostböden sind einzelne Kipppunkte bereits erreicht. 3 Klima in Mecklenburg-Vorpommern(MV): gestern, heute und in Zukunft 7 Milde Winter und mäßig warme Sommer zeichnen das Klima in MecklenburgVorpommern aus, bedingt durch die Nähe zum Meer und die hohe Wärmekapazität der Wassermassen. Seit Beginn der Messungen 1881 ist die Jahresdurchschnittstemperatur bereits um 1,8 Grad Celsius angestiegen. Zwischen 1981 und 2010 nahm im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961-1990 die Zahl der Sommertage(> 25 Grad Celsius) im Schnitt um fünf Tage zu, ebenfalls stieg die Zahl der Tropennächte deutlich. Zukünftig ist häufiger mit solchen Temperaturen und längeren Hitzeperioden zu rechnen, was eine hohe Belastung für hitzesensible Bevölkerungsgruppen wie Senior_innen und Kinder darstellt. Das heißt auch, dass in Zukunft ausgeprägte Trockenperioden auftreten werden, welche die Schiffbarkeit der Flüsse gefährden und damit ein Problem für die Land- und Wasserwirtschaft darstellen. Nicht zuletzt ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Meeresspiegel an der deutschen Ostseeküste 11 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern bereits um ca. 15 cm angestiegen. Besorgniserregend ist der mit der großflächigen Entwässerung der Moore verbundene Wasserverlust der Landschaft(Greifswald Moor Centrum und IKEM 2021). Hierdurch ist zukünftig gerade in trockenen Zeiten mit Versorgungsengpässen in der Trinkwasserversorgung zu rechnen. Diverse Klimamodelle rechnen mit einer Verstärkung dieser Trends bis hin zu drei bis fünf Grad Steigerung der Jahresdurchschnittstemperatur bei anhaltendem Wirtschaftswachstum und damit einhergehender hoher Treibhausgas-Emissionen(THG). Die Zahl der Frosttage wird abnehmen, Hitzewellen und andere Wetterextreme wie Dürren bzw. heftige Unwetter mit Starkregenereignissen zunehmen. 1.3 Die Soziale Krise Der Klimawandel, Umweltzerstörungen und Naturkatastrophen betreffen schon heute viele Staaten. Schutz und Abwehr davor ist kostspielig, was sich viele LänAls Faustregel gilt: je höher der nicht leisten können. Stetig wachsende, immense Ungleichheiten bei den Einkommen verschärfen die soziale Krise. Das gilt zwischen Staaten genauso wie für Bevölkerungsgruppen innerhalb Status, Einkommen bzw. Vermögen, desto höher ist der Ausstoß schädlicher Treibhausgase. einer Region. Als Faustregel gilt: je höher Status, Einkommen bzw. Vermögen, desto höher ist der Ausstoß schädlicher Treibhausgase. Ein weiterer Krisenfaktor sind die enormen Preissteigerungen bei der Energie infolge von Konflikten und Spekulation. Diese Gemengelage birgt erhebliches Konfliktpotenzial für die innere Stabilität demokratischer Systeme wie auch auf internationaler Ebene. 1.4 Das Zeitproblem Konsequentes wie schnelles Handeln ist zwingend erforderlich, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Ein Instrument dafür kann das Restbudget sein. Das bedeutet, dass z.B. Deutschland mit seinen 84 Millionen Einwohnern von 2022 bis 2032 nur noch 5,9 Gigatonnen CO 2 ausstoßen darf, um die Erderwärmung um prognostizierte 1,75 Grad zu begrenzen 8 (siehe Abb. 2 9 ). Aktuell 12 Mio. t. CO 2 Äquivalente INFO 02 1 Warum ein sofortiges und entschiedenes Handeln notwendig ist 1.200 1.000 800 600 400 200 Emissionen 1990 – 2021: 31,9 Gigatonnen 0 1990 2000 2010 Restbudget ab 2022: 1,5-°C-Ziel*: 3,4 Gigatonnen 1,75-°C-Ziel**: 5,9 Gigatonnen Aktuelle Klimaziele der Bundesregierung Entwicklungsprognose mit derzeitigen Maßnahmen Ziel 2030 2020 2030 Ziel 2040 Ziel 2045 2040 2045 *67% Wahrscheinlichkeit **50% Wahrscheinlichkeit Abbildung 2: Emissionsreduktion gemäß nationaler Klimaziele bzw. Budget für Deutschland (eigene Darstellung, Datenquellen: SRU 2020, UBA 2022e) werden insgesamt ca. 0,7 Gigatonnen pro Jahr verbraucht. Andere Berechnungen ermittelten, dass Deutschland unter Berücksichtigung der Klimagerechtigkeit (siehe Infobox 2) sein Budget bereits 2009 aufgebraucht hat und somit über seine Verhältnisse wirtschaftet. Eines ist klar: Es gibt bei Politik und Wissenschaft grundsätzlich kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem bzw. eine-lücke. Es mangelt an Ambition und Umsetzung(siehe Abb. 2). Dringend benötigt werden sofortige, noch nie dagewesene Maßnahmen, die grundlegend unsere Produktions- und Konsummuster verändern und dadurch Emissionen und Ressourcenverbrauch radikal reduzieren. Die Frage der Klimagerechtigkeit(„climate justice“) Mit dem Begriff Klimagerechtigkeit wird gefordert, dass diejenigen, die am meisten Emissionen verursachen, auch die größte Verantwortung dafür übernehmen. Danach reicht es nicht aus, das globale Restbudget pro Kopf auf die Staaten herunterzurechnen, wie es überwiegend – auch von Deutschland – gehandhabt wird. Bei der Berechnung des nationalen Restbudgets müssen die ökonomische Leistungsfähigkeit, historisch verursachte Emissionen und sogenannte Entwicklungsrechte für Staaten mit bislang geringerem Wohlstandsniveau berücksichtigt werden. Nach dieser Berechnungsmethode hätte Deutschland sein Restbudget 2009 verbraucht. 10 13 2 Kommunen und der sozialumweltgerechte Umbau Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 2.1 Die solidarisch-ökologische Transformation Wie zuvor beschrieben ist ein grundlegender Wandel wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen einhergehend mit neuen Denk- und Verhaltensmustern erforderlich. Dies geht nicht über Nacht, sondern wird ein Prozess sein, der auch als solidarisch-ökologische Transformation bezeichnet wird. Die Abhängigkeit von fossilen Energien und Ressourcen muss schnell überwunden werden. Die Wiederbelebung von Atomkraft stellt keine Alternative dar. Zudem sind ressourcenschonende Praktiken in der Landwirtschaft zu etablieren. Klar ist: Der Wandel kann nicht allein durch technischen Fortschritt erzielt werden, der vorspielt, dass ein„Weiter so“ möglich ist. Es geht um einen Pfadwechsel , 🌑 der vermehrt auf regionale Stoffkreisläufe setzt und die Umwelt schont. 🌑 der eine Entwicklung der Gesellschaft umfasst, die auf Zusammenhalt aufbaut und gleichzeitig Verschiedenheiten aushält. 🌑 der einen Weg findet, ein gutes Leben zu ermöglichen, das weder das gesellschaftliche Fundament verletzt noch die globalen Ökosysteme überstrapaziert 11 (siehe Abb. 3). Weiterlesen: PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH(Hg.): Die DonutÖkonomie als strategischer Kompass. Wie kommunale Strateginnen und Strategen die Methoden der Donut-Ökonomie für die wirkungsorientierte Transformation nutzen können, difu – Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin, 2022. ▸ https://repository.difu.de/handle/difu/583550 Für diesen angestrebten Wandel gibt es keine Schablone. Antworten müssen auf die Situation vor Ort angepasst sein. Wichtig ist, dass es gemeinsame Leitbilder gibt. Bereits 1998 hat die Enquete-Kommission„Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestages die Begriffe Suffizienz, Konsistenz und Effizienz als handlungsleitende Prinzipien für Nachhaltigkeit eingeführt 12 (siehe Infobox 3). Dieser Dreiklang der Nachhaltigkeit sollte Transformationsprozessen zugrunde liegen(siehe Abb. 4). Zu Beginn sollte die Frage der Suffizienz stehen: Was brauchen wir wirklich? Nur durch das Einsparen von Material und Energie ist überhaupt die Abkehr von einer ressourcenintensiven, rein wachstumsorientierten Wirtschaftsund Lebensweise möglich. Eine einseitige Ausrichtung auf Effizienz(gleiche Leis16 2 Kommunen und der sozial-umweltgerechte Umbau Überschuss vielfalt Mangel e e i l t • Krieg ing nde Mitsprache ungen • Gerecht igkeit • Chem verschische Umw mutzu el n tg Sicherer u • Gesu nd ndh g e itsv Ökologischer Rahmen Verlust der Arten ng aueru Vers Meere Ök d ol e ogi r scher Rahmen enschheit M • ie ung • Bild gerechtigkeit Hunger & • Bildungsdefizite ut • Unzum r • Nah • Energie lung Flächenumwand schmutzung Klimawan Luftver del kologischer Rahmen Ö rech • Arbeit • Wohnraum ter Raum für e gung • Frie d ers G or esellschaftliches den Un Ungleichhei t Du E rst • Krankh g b i a n r s e amkeit • Man bed Wohn& Arbeits ung • Wa Fundament Soziale • sser • Politische Teilhabe Süßw asse Ökologischer Rahmen ffu u n n d g rverk nappung Sticksto elast phorb Phos Abbildung 3: Das Donut-Modell; Eigene Darstellung(nach Raworth, Kate: Das Donut-Modell: Die DonutÖkonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. München 2018.) 17 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern tung bei weniger Aufwand) ohne die Suffizienz zu berücksichtigen, bleibt anfällig für Nutzungskonflikte. Beispielsweise wird eine gute Verteilung von Flächen für Biospritgewinnung, Photovoltaik oder für den Anbau von Nahrungsmitteln nur möglich, wenn der Energieverbrauch gesenkt wird. Dafür müssen nicht-nachhaltige Praktiken aufgegeben(Suffizienz), notwendige Handlungsprozesse sozial- und umweltverträglich umgestaltet(Konsistenz) und möglichst effizient gestaltet werden. Technischer Fortschritt allein wird nicht das Problem knapper werdender Ressourcen lösen. Ein Beispiel: Verbrennungsmotoren wurden zuletzt zwar effizienter, ohne jedoch insgesamt weniger Emissionen zu produzieren. Effizienzsteigerungen sind durch längeres und häufigeres Fahren und schwerere Fahrzeuge „überkompensiert“ worden. Die Folge: gleich oder mehr Emissionen als zuvor. Diese Effekte des Aufhebens von Effizienzgewinnen durch vermehrte Nutzung werden„Rebound-Effekte“ genannt. Transformatives Handeln muss damit zuerst hinterfragen, welche Praktiken im Sinne der Suffizienz aufgegeben werden können. Erst darauf aufbauend werden die verbleibenden Arbeitsweisen so konsistent, umweltverträglich und effizient wie möglich gestaltet. Welche Praktiken können sukzessive beendet werden? Suffizienz Wie können notwendige Praktiken sozial- und umweltverträglich umgesetzt werden? Konsistenz Wie können sozial- und umweltverträgliche Praktiken leistungsstärker werden? Effizienz Abbildung 4: Der Dreiklang der Nachhaltigkeit aus Suffizienz, Konsistenz und Effizienz (eigene Darstellung) 18 2 Kommunen und der sozial-umweltgerechte Umbau INFO 03 Darüber hinaus geht es darum, gesellschaftliche Systeme – ob Familie, Kommune, Staat oder Welt – gegenüber den Folgen der Klimaerwärmung widerstands- und anpassungsfähig zu machen, sodass wesentliche Funktionen, Strukturen und Beziehungen intakt bleiben. Diese„Fähigkeit“ wird allgemein mit dem Begriff Resilienz umschrieben 13 (siehe Abb. 5). Der Begriff umschließt nicht nur die Reaktionsfähigkeit auf eingetretene Krisen , um beispielsweise Schäden durch einen gut organisierten Katastrophen- und Bevölkerungsschutz zu begrenzen(einfache Resilienz). Mit Resilienz ist auch die strategische Vorbereitung auf Krisen gemeint, um sie bestmöglich zu mindern oder zu vermeiden(reflexive Resilienz). Das würde etwa für Hochwasser und Dürreperioden bedeuten, Maßnahmen zu ergreifen, mit denen möglichst viel Wasser in der Landschaft zurückgehalten werden kann, um so die Überschwemmungsgefahr oder Austrocknung zu verringern. Der Dreiklang der Nachhaltigkeit Suffizienz betrifft die Änderung der Verhaltensweisen auf Seiten der Verbraucher: Weniger und bewusster Konsum; Verzicht auf liebgewonnene umweltschädliche Gewohnheiten. Effizienz betrifft die Änderung der industriellen Produktionsweisen: Die Herausforderung besteht in der Erhaltung der ökonomischen Wertschöpfung bei gleichzeitiger Reduzierung des Material- und Energieeinsatzes. Konsistenz bezieht sich auf die Vorbildfunktion ökologischer Kreisläufe: Wirtschaftliches Handeln soll als Teil innerhalb eines natürlichen Gleichgewichts begriffen werden; Wirtschaften„im Einklang mit der Natur“. SUFFIZIENZ raktiken loslasse P n F ffizien IZIEN ter gestalten Z gerech KONSI Praktiken umwelt STE Die konkrete Umsetzung oben beschriebener Leitgedanken erfordert Mut zur Veränderung und zum Experiment. Dieser gesellschaftliche Such- und Lernprozess hat bereits in vielen Nischen begonnen. Aufgabe der Politik ist, den N t a Z npassen en e F Praktik E „Pionier_innen des Wandels“ den nötigen ordnungspolitischen Rahmen zu geben(z.B. durch Klimaschutzgesetze). Werden neue Denk- und Handlungsweisen in das vorherrschende System aufgenommen, können bestehende Routinen glaubwürdig infrage gestellt und riskante Praktiken abgelöst werden. 14 19 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 2.2 Die Rolle der Kommunen: Lokal handeln, um global zu verändern Klima-, Umwelt-, Energie- und soziale Krise – sie sind global sichtbar und auf sie muss global reagiert werden. Auch auf lokaler Ebene ist konkretes Handeln gefragt, und es müssen dort gesellschaftliche Veränderungsprozesse ansetzen. Die Kommune ist am nächsten bei den Bürger_innen. Das erfordert, dass die Kommune selbst Antworten auf die Krisen findet. Vorhandene kommunale Mittel sollten zur Förderung von Klimaschutz, Artenvielfalt und innovativem Wandel eingesetzt Einfache Resilienz Reaktionsfähigkeit bei eingetretenen Krisen Reflexive Resilienz Transformation zur Krisenvermeidung werden. Dabei kann die Kommune von ihrer Selbstverwaltung profitieren, Prozesse moderieren und Netzwerke aufbauen. Es lohnt sich, diese Spielräume bewusst zu nutzen! Abbildung 5: Das Prinzip der Anpassungsfähigkeit; Eigene Darstellung(nach: Hafner, S. et al: Resilienz und Landentwicklung. Pfadwechsel: Vitalität und Anpassungsfähigkeit in ländlich geprägten Gebieten, 2019) Konkret können Kommunen folgende fünf Rollen übernehmen(siehe Abb. 6). Beispiele für diese Rollen in den einzelnen Handlungsfeldern finden Sie im Anhang. 1. Vorbild beim Verbrauch: z.B. bei Beschaffung, Mobilitätsverhalten, Energieverbrauch. 2. Planung : bei Plänen für Flächennutzung, Instrumenten und Rahmenbedingungen zur Bauplanung 3. Versorgung : zukunftsweisende Angebote z.B. der Stadtwerke bei Abfallwirtschaft und Wohnungsbau 4. Beratung : Beratung bei Förderprogrammen z.B. zur klimafreundlichen Sanierung 5. Kooperationspartnerin : Unterstützung/ Networking mit und zwischen Pionier_innen des Wandels, Ansprache neuer Zielgruppen 20 2 Kommunen und der sozial-umweltgerechte Umbau Kommunen nehmen also die Rolle als Gestalterin des Wandels an und ändern die lokalen Verhältnisse. Wichtig dabei: diese Aufgabe darf keine ambitionslos an andere Fachgebiete angekoppelte Aufgabe sein, sondern ist als übergreifende kommunale Aufgabe angelegt. 15 Die Kernkompetenzen und Aufgabenbereiche der Kommune müssen im oben genannten Sinne überdacht und neu ausgerichtet werden. Politik und Verwaltung müssen Mitsprache und Mitbestimmung der Bevölkerung auf Augenhöhe ermöglichen und erweitern. 16 (siehe auch Kapitel 4). Kooperationspartnerin Vorbild als Verbraucherin Beraterin& Förderin Kommune Planerin Versorgerin Abbildung 6: Die fünf Rollen der Kommune(eigene Darstellung) 21 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Auf dem Weg zum klimaneutralen Leben und Wirtschaften in den 2030er Jahren sind erhebliche Anstrengungen erforderlich. Im Prinzip sind fünf„WendeProzesse“ gleichzeitig erfolgreich zu gestalten: 🌑 Energiewende 🌑 Mobilitätswende 🌑 Wärme- und Wohnwende 🌑 Industrie- und Konsumwende 🌑 Ernährungswende Kommunale Umgestaltungspolitik(Transformation) setzt an diesem Befund an und leitet auf diesen fünf Ebenen Wendeprozesse ein – planerisch, strategisch, ganzheitlich. Wärme- und Wohnwende Mobilitätswende Die fünf„Wenden“ Industrie- und Konsumwende Energiewende Ernährungswende Abbildung 7: Die fünf Themenfelder der Transformation(eigene Darstellung) 24 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Die Situation in MV: Bereits 1997 veröffentlichte die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns ein erstes Klimaschutzkonzept. Die dritte Fortschreibung des„Aktionsplan Klimaschutz“(2010) stellte die Ausgangslage und Zielsetzungen dar, im zuletzt 2020 aktualisierten Teilkonzept werden über 100 sektorübergreifende Aktionen und Maßnahmen vorgestellt, die das Engagement von Kommunen, Unternehmen und Bürger_innen inspirieren und anregen sollen. MV startete 2022 im„Landeszentrum für Erneuerbare Energien“(LEEA) ein Beteiligungsverfahren zur Erarbeitung eines eigenen Landes-Klimaschutzgesetzes. 2022 17 wurde hierfür eine Beteiligungsplattform eingerichtet(klimaschutz-mv.mitdenken. online), der Online-Beteiligungsprozess startete 2023 und knüpft u.a. mit Regionalkonferenzen an die Ergebnisse der vorangegangen Partizipationsveranstaltungen an. 18 Nach Fertigstellung Ende 2023 soll das Gesetz unter anderem konkrete Ziele für verschiedene Sektoren(z.B. Landwirtschaft, Energie, Verkehr, Gebäude) festschreiben, wie MV bis 2040 Klimaneutralität erreicht. Federführend ist das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt. 19 In den folgenden Kapiteln werden die fünf thematischen„Wenden“ vorgestellt sowie kommunale Handlungsmöglichkeiten und-zuständigkeiten in MV beschrieben(siehe Abb. 7). 3.1 Energiewende Die Energiewende gelingt nur durch konsequenten und flächendeckenden Einsatz und Ausbau erneuerbarer Energieträger. Energiebedingte Emissionen für Strom- und Wärmeproduktion verursachen ca. 83 Prozent der deutschen Treibhausgase. Insgesamt wurde 2020 vom gesamten deutschen Energieverbrauch erst knapp ein Fünftel durch Erneuerbare bereitgestellt. 20 Bis 2030 soll Deutschland laut Bundesregierung(Koalitionsvertrag 2021) 80 Prozent seines Stroms und 50 Prozent seiner Wärme aus erneuerbaren Energien beziehen. Internationale Konflikte und die Klimakrise zeigen die risikobehaftete Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieträgern auf. Ausbau und Umstieg auf erneuerbare Energien ist dringend geboten. Allerdings geht der Ausbau schleppend voran. Auch wird der Stromverbrauch insgesamt(z.B. Industrie, Digitalisierung, E-Mobilität) steigen. Daher ist das Einsparen von Energie bzw. das Begrenzen des Verbrauchs(Suffizienz) erforderlich. 25 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, dürfen jüngeren Studien zufolge 21 schon zwischen 2035 und 2038 keine CO 2 -Emissionen mehr aus der Energieerzeugung auftreten. Studien attestieren, dass vor allem Solar- und Windenergieanlagen das Mittel der Wahl sind, um kosteneffizient und relativ kurzfristig die Emissionen zu senken und gleichzeitig den Energiebedarf zu decken(siehe Abb. 8). Für den Ausbau dieser Anlagen inklusive der notwendigen Stromnetze in so kurzer Zeit braucht es enorme Anstrengungen, neue Flächen und vor allem kompetente Fachkräfte, was bereits heute ein Problem darstellt. Minderungspotenzial Potenzieller Beitrag zur Netto-Emissionsreduktion (2039) GtCO 2 -Äq pro Jahr(bezieht sich auf die internationale Ebene) 0 2 4 6 Windenergie Solarenergie Bioelektrizität Wasserkraft Geothermale Energie Nuklearenergie Kohlenstoffspeicherung(CCS) Bioelektrizität mit CCS Methanreduktion beim Kohleabbau Methanreduktion von Öl und Gas Netto-Lebenszeitkosten der Optionen Kosten niedriger als Referenzwert 0–20(USD/ tCO 2 -Äq) 20–50(USDtCO 2 -Äq) 50–100(USDtCO 2 -Äq) 100–200(USDtCO 2 -Äq) Unsicherheitsspanne, gilt für den gesamten potenziellen Beitrag zur Emissionsminderung. Auch die einzelnen Kostenbereiche sind mit Unsicherheiten behaftet. Abbildung 8: Potenzieller Beitrag verschiedener Energiequellen zur Reduktion von Nettoemissionen. Wind- und Solarenergie bieten, verglichen mit fossiler Energieerzeugung, die größten Potenziale zur Emissionsminderung und haben in Relation niedrige Netto-Lebenszeitkosten(Quelle: IPCC 2022a, S. 42) 26 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann MV ist im Bundesländervergleich Vorreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien. Durch die günstige Lage sind zahlreiche Gebiete insbesondere als Windeignungsgebiete ausgewiesen. Dies ermöglicht MV bereits einen Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor von beinahe 80 Prozent(LIAiV 2023). MV ist das erste Bundesland, das sich heute rechnerisch zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien versorgen kann und zugleich Strom exportiert. Der Ausbau ist in den letzten Jahren ins Stocken geraten. Der Bericht des Bund-Länder-Kooperationsausschusses(2021) zeigt, dass in MV drei Viertel (73 Prozent) der neuen Genehmigungen beklagt werden. Laut Landesverband Erneuerbare Energien Mecklenburg-Vorpommern stecken aktuell 990 Windenergieanlagen in der„Genehmigungspipeline“ fest oder warten auf ausstehende Gutachten. 22 Mit den definierten Bundesvorgaben von 2,1 Prozent Fläche für die Windenergie an Land in MV ist mit einem weiteren Anstieg an Genehmigungsverfahren zu rechnen. Neben der Windkraft werden für MV neben der Solarenergie Potenziale insbesondere in der Bioenergie und Geothermie gesehen. Um den Ausbau der Windenergie zu fördern und die Kommunen und Bürger_innen vor Ort an neuen Anlagen zu beteiligen, wurde in MV ein Bürger- und Gemeindebeteiligungsgesetz verabschiedet, das neue Anlagenbetreiber_innen zu einer Gewinnbeteiligung von mindestens 20 Prozent bei neuen Anlagen verpflichtet. Solarkataster geben einen Überblick über für Solarmodule(Photovoltaik(PV), Solarthermie) geeignete Flächen(z.B. Dach- und Fassadenflächen). Verschiedene Foren, die im Aktionsplan Klimaschutz aufgeführt werden, helfen bei Planung und Preisvergleichen. Die„Landesenergie- und Klimaschutzagentur Mecklenburg-Vorpommern“(LEKA MV) bietet Kommunen Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Standorten für Solarparks ▸ https://www.leka-mv.de/erneuerbare-energien-in-mecklenburgvorpommern/erneuerbare-energien/potenzialanalyse-von-kommunalen-freiflae chen-fuer-solarparks/ Die Unterstützung energetischer Sanierungen von Gebäuden, die Erneuerung von Straßenbeleuchtungen, die Begleitung von Machbarkeitsstudien und regionalen Energiekonzepten sind Schwerpunkte der Landesförderung. ▸ https://www.lfi-mv.de/ foerderfinder/klimaschutzprojekte-in-nicht-wirtschaftlich-taetigen-organisationen/ 27 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Das Ziel von Kommunen sollte sein, schnell einen Versorgungsgrad von mindestens 100 Prozent durch erneuerbare Energien zu erreichen. Kommunen im ländlichen Raum können eine Vorreiterrolle einnehmen, wenn sie umweltfreundlich Energie dezentral erzeugen und nicht selbst verbrauchte Mengen an andere Städte und Regionen weitergeben. Das fördert Wertschöpfung vor Ort und kann damit gleichzeitig die Akzeptanz erhöhen. Größere Kommunen schaffen es meist nicht, eigenständig ausreichend aus erneuerbaren Quellen generierten Strom herzustellen. Durch enge interkommunale Kooperation kann so der Stromanteil aus erneuerbarer Energie gesteigert werden. Die dafür notwendige Stromnetzinfrastruktur muss von Beginn an mitgedacht und interkommunal geplant werden. Ausstieg aus nicht nachhaltigen Technologien, Systemen und Prozessen: Um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, müssen nicht nur erneuerbare Energieträger und deren Vernetzung massiv ausgebaut, sondern auch bestehende konventionelle Kraftwerke und emissionsintensive Techniken im Sinne einer Exnovation (= Ausstieg aus nicht-nachhaltigen StrukEin sparsamer Energieverbrauch ist der wichtige erste Schritt im Klimaschutz, der Weg zur Klimaneutralität ist ein Marathon. turen) eingeschränkt werden. Diese Veränderungen müssen frühzeitig und aktiv begleitet werden 23 . Der zunehmende Einsatz von Strom in anderen Sektoren(z.B. Mobilität, Wärmegewinnung durch Power-to-Heat-Verfahren ) und erwartbare Digitalisierungsprozesse bieten einerseits neue Möglichkeiten, das Zusammenspiel zwischen Energiebereitstellung und zeitlich angepasster Energienutzung effizienter zu gestalten 24 . Andererseits werden durch zunehmende Strombedarfe in herINFO 04 kömmlichen Bereichen Einsparungen im Maßnahmen in der EnergieStromverbrauch notwendig. Es gilt dabei, suffizienz-Datenbank nicht nur auf Effizienzsteigerungen zu des Wuppertal Instituts setzen, sondern deutliche SuffizienzanAm Wuppertal Institut ist das Thema Enerreize in den Vordergrund zu stellen. 25 giesuffizienz seit Langem ein wichtiges Hierfür sind erste Vorschläge erarbeitet Forschungsthema. 26 Dort findet sich z.B. worden(siehe Infobox 4). eine Datenbank mit ca. 300 Vorschlägen zu Szenarien, Wirkung und Maßnahmen. ▸ https://energysufficiency.de/ 28 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Kurzfristig (bis 1 Jahr) 🌑 Energiemonitoring und-controlling (Energie- und Betriebskosten) 🌑 Betriebsoptimierung Raumwärme(Anpassung Raumtemperatur, Wärmeverluste senken) 🌑 Umrüstung Beleuchtung in kommunalen Liegenschaften 🌑 Erstellung Gebäudeleitlinie(Vorgaben zum Energieverbrauch) 🌑 Effiziente Nutzung von Büroflächen (­Auslastung) 🌑 Aufnahme energetischer Aspekte in den Kriterienkatalog für Beschaffungswesen Mittelfristig (1 bis 5 Jahre) 🌑 Effiziente ­Gebäudetechnik und Reduzierung von Wärmeverlusten(Wärmerückgewinnung, KraftWärme-Kopplung) 🌑 Energiespar-­ Contracting 🌑 Dach- und Fassadenbegrünung zur Wärmedämmung 🌑 Smarte/intelligente Steuerung der Energieversorgung 🌑 Optimierung kommunaler Betriebe(bspw. Bedarfsschaltungen) 🌑 „Mitlaufende“ LEDWegebeleuchtung 🌑 Weniger und effiziente IT-Ausstattung/Büro­ geräte und Leuchtmittel(Green IT) Langfristig (über 5 Jahre) 🌑 Erstellung und Um­ setzung von Energienutzungs- und Effizienzplänen 🌑 Einsatz nach­haltiger Bauweisen und -­produkte 🌑 Ausbau von Speicherkapazitäten für Strom und Wärme(z. B. Power-to-Gas) 🌑 Stadt/Region der kurzen Wege als Planungsgrundlage in allen Nutzungsplänen 🌑 Dezentrale Arbeitsstandorte(Coworking) 🌑 Beschaffungswesen mit Instandhaltung ­kombinieren(Reparatur, Langlebigkeit, Sharing, Nutzungsdauer­ verlängerung etc.) Tabelle 1: Übersicht von kurz- und längerfristigen Energiesparmaßnahmen für Kommunen; Eigene Darstellung Energiespartipps für Kommunen: Angesichts kurzfristig drohender Versorgungsengpässe mit Energie, aber auch vor dem Hintergrund der bisher begrenzt verfügbaren erneuerbaren Energien sind Kommunen gefordert, alle Spielräume auszuschöpfen, um Energie einzusparen. Grundsätzlich gilt in allen Bereichen: Am besten ist es, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Das erfordert, nicht nur kurzfristig Energie einzusparen, sondern auch mittel- und langfristig die Weichen für einen suffizienten Energieeinsatz zu stellen. Ein sparsamer Energieverbrauch ist der wichtige erste Schritt im Klimaschutz, der Weg zur Klimaneutralität ist ein Marathon. 29 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Lindewitt: Bürgerwindkraft Weniger ist mehr – für alle: Fast 400 Bürger_innen der Gemeinde Lindewitt beteiligen sich an der 2011 gegründeten„Bürgerwindkraft Lindewitt GmbH und Co KG“. Das Projekt stärkt nicht nur die regionale Wertschöpfung, sondern bringt weitere Vorteile mit sich. Im Sinne des Repowering wurden die alten Bestandsanlagen abgebaut und durch größere und effizientere, dafür aber weniger Anlagen ersetzt. Durch den Repowering-Ansatz werden die Flächen der bestehenden Windparks, die sogenannten Windeignungsgebiete, effizienter genutzt. Außerdem entfällt die Hürde der Neu-Genehmigung, und seitens der Bürger_innen besteht häufig bereits Akzeptanz gegenüber dem Windpark. So konnten 2012 bis 2016 die 33 Alt-Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 25.935 kW durch 19 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 55.830 kW ersetzt werden. An der daraus resultierenden Mehrleistung werden die teilnehmenden Bürger_innen direkt beteiligt. ▸ http://www.wind-lindewitt.de/ ✹ Bollewick: Bioenergiedorf Auf einer Konferenz für Nachhaltige Entwicklung wurde 2006 die Idee geboren, in Bollewick künftig lokale erneuerbare Energiequellen für die Bürger_innen nutzbar zu machen. Dafür wurden in zwei Milchviehbetrieben Biogasanlagen installiert sowie auf mehreren Kommunalgebäuden Photovoltaikanlagen errichtet. Diese liefern jährlich 8,19 Millionen kWh Strom und erzeugen mehr als sechs Millionen kWh Wärme, die in das Nahwärmenetz fließt. Diese lokalen Energiequellen versorgen über 2800 Haushalte und sparen jährlich 4300 Tonnen CO 2 . Ein wichtiger Erfolgsfaktor war das stetige Engagement des ehrenamtlichen Bürgermeisters, durch Exkursionen in Bioenergiedörfer konnten Landwirt_innen für das Vorhaben begeistert werden. Seit 2012 ist Bollewick Bioenergiedorf. Das bietet Inspiration für andere Kommunen, sich das Modell anzusehen. Das zukünftige Ziel des Gemeinderates ist die Energieautarkie des Dorfes. ▸ https:// zukunftskommunen.de/kommunen-projekte/bioenergiedorf-bollewick/ WEMAG – Ökostrom für alle Seit 2010 verfolgt die WEMAG ihre„grüne Mission“, MV mit Ökostrom aus der Region zu versorgen. Bereits heute wird in MV ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, um den kompletten Bedarf der Bevölkerung und der Wirtschaft zu decken. Die Hürden liegen vor allem in der Vermarktung und der Umverteilung der Lasten. Fast 270 Kommunen schlossen sich zu einem Anteilseigner_innenverband zusammen, seither liegt der überwiegende Teil des Unternehmens in öffentlicher Hand. Neben dem Ziel, mehr Menschen in MV mit Ökostrom zu versorgen, sollen Stromnetz und Speicherkapazitäten ausgebaut werden. Ein Stromspeicher wurde bereits in Schwerin errichtet. Die Digitalisierung des Stromnetzes ermöglicht zukünftig Energieeinspeisung 30 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann und-verbrauch transparent und bedarfsgerecht zu steuern. Das Unternehmen hat sich der Agenda 2030 der UN verschrieben und verfolgt nach eigener Aussage derzeit 14 der 17 sogenannten SDG(Sustainable Development Goals= Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen). Für ihr Engagement erhielt das Unternehmen 2022 den Nachhaltigkeitspreis„Unternehmer des Jahres“ der IHK zu Schwerin. ▸ https://www.wemag.com/ Rostock: Energiehafen Rostock Der Überseehafen Rostock befindet sich in einem umfangreichen Transformationsprozess. Werden dort heute fossile Energieträger wie Kohle, Naphta und Rohöl umgeschlagen, sollen in Zukunft nur klimaneutrale Energieträger erzeugt und importiert werden. Denn der Hafen bietet gute Voraussetzungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft, beispielsweise können Anlagen aus der Region ihren grünen Strom über die bestehende Infrastruktur in den Überseehafen leiten. Der„grüne Wasserstoff“ wird in das überregionale Wasserstoffnetz eingespeist, wovon der regionale ÖPNV und Fahrzeuge des Schwerlastverkehrs profitieren. Anfallende Abwärme wird in das weitläufige Fernwärmenetz der Hansestadt Rostock geleitet. Der Prozess wird durch die Wissenschaft und Universitäten begleitet. Bis 2025 sollen die Wasserstoff-Erzeugerkapazitäten auf mehr als 100 MW gesteigert werden, bis 2030 sind sogar mehr als 1000 MW geplant. ▸ https://h2rostock.de/ ✹ Stellshagen soll energieautark werden Mit dem Ziel, ihr Dorf zukünftig unabhängig mit Energie versorgen zu können, gründeten die Stellshagener_innen eine Bürgerenergiegenossenschaft. Die Bürger_innen des Ortsteils von Damshagen in Nordwestmecklenburg hatten bemerkt, dass durch die Installation einer Holzhackschnitzelheizung im Bio-Hotel Gutshaus Stellshagen die Kosten für Heizung und Warmwasser halbiert werden konnten. Das Konzept überzeugte, und so investierte die Genossenschaft im ersten Bauabschnitt etwa 450.000 Euro in den Bau eines 200 KW Holzhackschnitzelheizwerks, einer Solarthermieanlage mit beinahe 100 qm Fläche an Solarmodulen und den Aufbau eines Nahwärmenetzes. Das Heizwerk wird mit Forst- und Restholz sowie Holz aus der regionalen Landschaftspflege betrieben. ▸ https://www.stadt-und-werk.de/mel dung_14785_Unser+Dorf+soll+energieautark+werden.htm l ✹ Sonderborg(Dänemark):„Project Zero“ Die dänische Stadt Sonderborg hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2029 die Klimaneutralität zu erreichen(EU-Zielmarke: 2050). Und das„Project Zero“ ist auf einem guten Weg: Die 75.000-Einwohner_innen-Stadt konnte ihre Emissionen seit 2007 mehr als halbieren. Dabei setzen sie auf drei wesentliche Prinzipien: Sparen, Vernetzen, Erneuern und zwar in genau dieser Reihenfolge. Die Planungen des„Project Zero“ bleiben auch 31 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern bei wechselnden politischen Mehrheiten im Stadtrat bestehen. Das ermöglicht einen langfristigen Planungshorizont. Der Fortschritt des Vorhabens wird laufend überprüft. Sonderborg setzt dabei auf die richtige Reihenfolge: Als Erstes muss der Energieverbrauch reduziert werden. Als Zweites werden alle Energieerzeuger und-verbraucher klug vernetzt, so dient etwa die Abwärme aus Industriebetrieben anderswo zum Heizen. Und erst an dritter Stelle geht es darum, den übrigbleibenden Bedarf mit erneuerbarer Energie zu decken. Erst gemeinsames Handeln, dann Technik und Gesetze. Aus Sicht der Projektbeteiligten ist insbesondere die vertrauensvolle Zusammenarbeit der kommunalen Akteur_innen und lokalen Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Nicht zuletzt geht die Kommune mit gutem Beispiel voran und sieht beispielsweise für die Errichtung öffentlicher Gebäude in der Ausschreibung die ausschließliche Verwendung elektrischer Baumaschinen vor. ▸ https://www.zeit.de/2022/47/sonderburg-klimaneutralitaet-daenemark-project-zero Weiterlesen: Mehr Demokratie e.V., BürgerBegehren Klimaschutz(Hgg.): Handbuch Klimaschutz- Wie Deutschland das 1,5-Grad-Ziel einhalten kann. Basiswissen, Fakten, Maßnahmen, 2020. ▸ https://www.oekom.de/buch/hand buch-klimaschutz-9783962382377 3.2 Mobilitätswende Der Bereich Mobilität gehört zu den drängendsten Themen im Umbau zur Klimaneutralität. Dieser Sektor frisst deutschlandweit am meisten Energie. Zugleich verursacht Mobilität das zweitgrößte Volumen an schädlichen Treibhausgasen. 27 Obwohl die Verbrennungsmotoren mittlerweile meist effizienter arbeiten, sind diese Einsparungen durch höheres Fahrzeuggewicht und mehr Fahrten zunichte gemacht worden. Der CO 2 -Ausstoß ist sogar gestiegen(Rebound-Effekt). Alle bisher zögerlich eingeleiteten Maßnahmen reichen nicht aus, die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Es gibt weitere problematische Auswirkungen des Mobilitätssektors. Städte und Gemeinden sind oft staugeplagt und zugeparkt, es ist laut und luftverschmutzt, Landschaften werden zerschnitten und die Lebensqualität sinkt. 28 Konzepte wie E-Mobilität und autonomes Fahren schaffen nur bedingt Abhilfe. Benötigt wird ein grundsätzliches Umdenken im Verständnis, was Mobilität ausmacht: weg von individueller PKW-Nutzung hin zu flexibler Mobilität im Umweltverbund (z.B. ÖPNV, Rad, zu Fuß). 32 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Als„Garten der Metropolen“ und Naherholungsstandort liegt MV zwischen den Metropolregionen Hamburg, Stettin und Berlin. Diese Lage führt allerdings zu einem deutlichen Pendelaufkommen(überwiegend PKW). Seit 1990 ist Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen Bundesländern eher schlecht durch Schienenverkehr bzw. ÖPNV erschlossen. 29 MV hat bundesweit den höchsten Verkehrsflächenbestand mit 438 m 2 pro Einwohner_in, der zudem den stärksten Zuwachs verzeichnet. 30 Es zeigt sich ein im Bundesvergleich überdurchschnittlich starker Anstieg der Treibhausgas(THG)-Emissionen, ursächlich hierfür ist auch die große Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs(MIV) für den Tourismus. In MV sind im Bundesschnitt die Fuß- und Rad-Anteile bei der Fortbewegung in 2018 zwar etwas höher, der ÖPNV ist jedoch von geringer Bedeutung. Der größte Anteil mit über 60 Prozent entfällt auf den MIV. 31 Hier ist nachzubessern: Neben der Ertüchtigung und Wiederbelebung von Bahnhöfen, Bahnstrecken und der Anbindung ländlicher Räume an diese Verbindungen, z.B. durch einen weiteren Ausbau des Rufbusnetzes, sollten vermehrt Mobilitätsstationen und P&R-Zonen zur Verfügung gestellt werden. Langfristig muss in Zusammenarbeit mit den Verkehrsverbünden ein flächendeckendes ÖPNV-Netz mit hoher Taktfrequenz aufgebaut werden. Dafür wird neben einer Erhöhung der Regionalisierungsmittel eine andere Verteilung notwendig sein, um ÖPNV-Infrastrukturen auch in dünn besiedelten Regionen vorzuhalten. Bisher richtet sich die Verteilung nach dem sogenannten„Kieler Schlüssel“, der lediglich die Einwohnerzahl des Bundeslandes und die Verkehrsleistung bemisst. Der Integrierte Landesverkehrsplan von 2018 enthält Ziele und Maßnahmen für einzelne Verkehrsträger und Handlungsfelder(u.a. Mobilität im ländlichen Raum, Logistik, usw.). ▸ https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/wm/Infrastruktur/ Landesverkehrsplan/ Seitens der Bundesregierung werden von 2020 bis 2023 knapp 26 Millionen Euro aus dem Sonderprogramm„Stadt und Land“ für die Förderung des Radverkehrs bereitgestellt, weitere 11,7 Millionen Euro sind für die Sanierung vorhandener Radwege und für Fahrradabstellmöglichkeiten vorgesehen. 32 Mit dem aus Mitteln des „Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung“(EFRE) finanzierten„emevo- Kompetenzzentrum Erneuerbare Mobilität Mecklenburg-Vorpommern e.V.“ gibt es ein Beratungsangebot für alternative Antriebe für den MIV, von der Fahrzeugwahl bis zur Ladeinfrastruktur. ▸ https://emevo.de/ 33 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern INFO 05 Grenzen der Wasserstoff- und Elektromobilität Wasserstoff-Mobilität wird nicht in der privaten Mobilität, sondern hauptsächlich im Güter- und Warenverkehr bedeutsam werden. Sie erfordert einen Ausbau benötigter Infrastruktur z.B. entlang von Autobahnen. Aber E-Mobilität hat Grenzen: E-Autos im Umfang heutiger Pkw-Zahlen würden viel zu viel Strom und vor allem Rohstoffe benötigen 33 und können daher keine Lösung für Städte oder Regionen sein, die bessere Alternativen bieten. Entlastung im Gesamtressourcenverbrauch wird nur dann erzielt, wenn sich das heutige Individualverkehrsaufkommen in der Zukunft reduziert. 34 Aktuell konkurrieren ÖPNV, Sharing-Mobilität und private E-Mobilität um öffentliche Förderung und Subventionierung. INFO 06 Chancen und Risiken autonomen Fahrens Autonom fahrende Fahrzeuge als„smarte Mobilitätslösung“ bieten nicht nur Chancen, sondern auch Risiken für die Verkehrswende: 35 ► Chance: Entlastung des öffentlichen Verkehrs durch optimale Fahrweise; Einsparung von Ressourcen und Emissionen ► Risiko: sich ausweitende Massenmobilisierung mit hohen Ressourcenverbrauch; gleichbleibend hoher Infrastrukturbedarf Daher sind planerische, gesellschaftliche und politischen Vorgaben zu entwickeln, deren Ziel u.a. ist, das Verkehrsvolumen zu reduzieren und Parallelstrukturen(z.B. autonome Buslinien parallel zu Privat-PKWs) zu vermeiden. Bis alltagstaugliche Konzepte vorliegen, werden noch Jahre vergehen. Das Warten auf autonome Mobilität darf daher das Handeln heute nicht behindern. Kultureller Wandel: Der Bereich Mobilität erfordert ein Umdenken, einen Kulturwandel in den Köpfen der Menschen, um die Mobilitätswende zu beschleunigen. 36 Die Abkehr und der Sprung weg vom dominanten motorisierten Individualverkehr hin zu nachhaltigen Verkehrsmitteln ist groß. Neben Stärkung und Ausbau des ÖPNV steht die gleichzeitige Einschränkung des PKW-Verkehrs(z.B. weniger Parkplätze und Verkehrsraum, mehr Tempo-30-Zonen) in der Diskussion. 37 34 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann 24% 28% 10% 19% 15% 9% 24% 8% 19% 43% 2015(MiD) 2035 gesamt Abbildung 9: Verkehrsmittelanteile 2015 und 2035 zur Erreichung der Treibhausneutralität; Eigene Darstellung(nach: Wuppertal-Institut: Verkehrswende für Deutschland – Der Weg zu Co2-freier Mobilität, Tab. 12.4, S. 66, 2017) Umweltverbund vor Individualverkehr: Der Ausbau des Umweltverbunds (vor allem des Rad- und Fußverkehrs) ist der entscheidende Schritt hin zu einer CO 2 -neutralen Mobilität. Das ist in städtischen Räumen leichter umsetzbar als in ländlichen. 38 Vereinfacht gesagt: Die Verdoppelung des Fuß-, Rad- und Bahnverkehrs bei gleichzeitiger Halbierung des PKW-Verkehrs ist die Zielmarke(siehe Abb. 9). Die bisherige Sowohl-als-auch-Politik, also die gleichzeitige Förderung von ÖPNV/ Umweltverbund und PKW-Verkehr, führt nicht zum Ziel. Stadt(Region) der kurzen Wege: Die Vermeidung von Verkehrsströmen ist der effizienteste Weg, Treibhausgase im Mobilitätssektor zu reduzieren. Daher ist zu überlegen, wie zunächst Städte Autoverkehr reduzieren und ersetzen können. 39 Dazu tragen bessere Versorgungsangebote auf Orts- und Stadtteilebene bei, weniger Pendlerverkehr, Co-Working-Areale, leistungsfähiges Internet, guter ÖPNV sowie Sharing-Angebote – es geht um eine verdichtete und nutzungsgemischte Stadtentwicklung(siehe auch Kapitel 3.3). 35 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Rostock: Nachhaltige Mobilität Auch Rostock steht vor der Herausforderung, die Mobilität der Menschen in Zukunft umweltfreundlich und bedarfsgerecht zu gestalten. Heute ist das Verkehrsaufkommen stark durch den Pendelverkehr geprägt: 20.000 Rostocker_innen pendeln ins Umland und rund 30.000 Arbeitnehmer_innen in die Stadt. Staus, zähfließender Verkehr sowie hohe Lärm- und Treibhausgasemissionen sind die Folge. Das soll sich in Zukunft ändern: Zuletzt aktualisierte die Stadt ihr strategisches Gesamtverkehrskonzept„Mobilitätsplan Zukunft“. Wichtige Bausteine sind die Umsetzung eines Mobilitätsmanagements, der Einsatz von Elektrobussen und Lastenfahrrädern. Im Fahrradforum befassen sich Vertreter_innen aus Verwaltung, Bürgerschaft, der Polizei und viele mehr regelmäßig in öffentlichen Sitzungen mit allen fahrradrelevanten Handlungsfeldern. Seit 2020 fährt eine neu gestaltete Tram als mobiler Werbeträger für den Klimaschutz durch Rostock. Die„Klima-Straßenbahn“ präsentiert ausdrucksstarke Bildmotive, die auf die Folgen des Klimawandels hinweisen: Es gibt keine zweite Welt, kein zweites Rostock. ▸ http://www.klimaschutzaktionen-mv.de/ Ve r ke h r/ Ve r ke h r- u n d- Lo gis t ik/ M ob ili t%C 3%A 4t s manag e m e nt-f%C 3%B C r- die- H an sestadt-Rostock-und-den-Landkreis-Rostock/ ▸ https://www.renn-netzwerk.de/nord/ detail/news/neue-klima-strassenbahn-in-rostock-unterwegs Der„Radentscheid Rostock“ erinnert immer wieder an die notwendige dringliche Umsetzung. ✹ Usedom: Bikesharing mit dem„UsedomRad“ Mit etwa 1000 Rädern an 106 Stationen startete 2011 das Bikesharing-Projekt „UsedomRad“. Rund um die Uhr können Interessierte an den Standorten, die auf ganz Usedom sowie auf dem angrenzenden Festland verteilt sind, per Handy die Fahrräder entsperren. Das Angebot ermöglicht nicht nur der lokalen Bevölkerung eine nachhaltige Mobilität, sondern kommt dem Fahrradtourismus der Insel zugute. Um die multimodale Mobilität zu fördern und das Umsteigen komfortabel und effizient zu gestalten, wurden nicht nur viele Bikesharing-Stationen an Bus- und Bahnstationen errichtet, auch ist das Verleihsystem mit dem regionalen ÖPNV-Ticketsystem verknüpft. Seit 2013 trägt sich das System ohne Zuschüsse durch Verleihgebühren sowie Sponsoren- und Werbeeinnahmen. Ein schneller Einstieg in das Projekt wurde möglich durch den Zusammenschluss von zehn lokalen Fahrradverleihbetrieben, die nicht nur Fachwissen, sondern auch einen ersten Bestand an Leihrädern bereitstellten. Knapp zehn Jahre nach dem Start hat sich die Zahl der Zweiräder mehr als verdoppelt, Tendenz steigend. Durch 500 Pedelecs soll auch älteren Personen und(Berufs-)Pendler_innen eine flexiblere und umweltfreundliche Mobilität ermöglicht werden. ▸ https://usedom-rad.de/ 36 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Schwerin:„SNAcKS“- Schweriner Lieferverkehr Eine zukunftsfähige und resiliente Logistik für Schwerin – das ist das Ziel des Projekts„SNAcKS – Schweriner Lieferverkehr der Zukunft“. Gemeinsam erarbeiteten verschiedene Akteur_innen bis 2022 ein Zielbild für eine umweltfreundliche Logistik 2035. Dabei kamen verschiedene Beteiligungsformen zum Einsatz: Neben einer Zukunftswerkstatt mit kommunalen und wirtschaftlichen Akteur_innen wurde eine Bürger_innen-Werkstatt durchgeführt. Diese erarbeiteten neue Lieferkonzepte, die zum Beispiel die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für den Lieferverkehr vorsehen oder Paketstationen effizienter nutzen sollen. In der Abschlussphase erfolgte die Erstellung eines Umsetzungsplans, Förderanträge wurden bei Bund und Land gestellt. Das Projekt„SNAcKS 2.0“ erhielt eine weitere Förderung und sieht neben der Durchführung von Verkehrsanalysen und der Überprüfung rechtlicher Rahmenbedingungen die Erprobung weiterer zukunftsfähiger Bausteine vor: eine anbieterunabhängige Paketstation, eine innerstädtische Verteilfläche, ein Lastenradverleih sowie temporäre Verkehrsversuche. ▸ https://i-sme.de/forschung/snacks/ ✹ Usedom: Inselwerke – E-Mobilität durch die Bürgerenergiegenossenschaft Auf Usedom elektrisch mobil sein? Das sollen die Ladepunkte der Inselwerke ermöglichen. Die Bürgerenergiegenossenschaft konnte dank der Förderung aus EFRE-Mitteln bisher 22 normale und zwei CCS-Schnellladepunkte(Combined Charging System) auf der Insel und dem angrenzenden Festland installieren. Die Stationen werden mit ÖkoStrom versorgt oder sind direkt mit einer PV-Anlage ausgestattet. Für eine erfolgreiche Implementierung ist es unerlässlich, eine flächendeckende, ökonomisch tragfähige und benutzerfreundliche Ladeinfrastruktur zu bieten. Daher ist der Ladevorgang bei den Inselwerken kostenpflichtig und nicht, wie bei anderen Anbietern, werbefinanziert kostenfrei. Damit will die Genossenschaft das Thema E-Mobilität langfristig auf ein stabiles Fundament stellen. Das Projekt hat bereits eine Veränderung angestoßen: die Kommunalverwaltung Heringsdorf hat sich ein Elektroauto für Dienstfahrten angeschafft, der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur ist geplant. ▸ https://www.insel werke.de/ladenetz/ 37 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ✹ Kreis Herzogtum Lauenburg und Landkreis Nordwestmecklenburg: „MintesO“ – intelligente Software zur Fahrtweg-Optimierung Im Kreis Herzogtum Lauenburg(Schleswig-Holstein) und dem Landkreis Nordwestmecklenburg wurde eine Software ins Leben gerufen, die die Busrouten für die Schülerbeförderung intelligent und bedarfsgerecht plant. Anstatt standardisierter Wege erfolgt die Planung der Strecken anhand der tatsächlich gewünschten Ausstiegshaltestellen. Dafür werden die Haltestellen nicht entlang von Linien betrachtet, sondern als unabhängige Punkte individuell durch den kürzesten Weg miteinander verbunden. Umgesetzt wurde das Projekt mit den bereits vorhandenen Bussen der beteiligten Verkehrsunternehmen, die technisch aufgerüstet wurden und bereits eine CO 2 -Einsparung von rund einem Drittel erreichen konnten. ▸ https://www.klimaschutz.de/ de/projekte/verbundprojekt-minteso Weiterlesen: Frederic Rudolph, Thorsten Koska, Clemens Schneider: Verkehrswende für Deutschland: der Weg zu CO 2 -freier Mobilität bis 2035., Hamburg, 2017. ▸ https://epub.wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/6812/file/6812_ Verkehrswende.pdf 3.3 Wärmewende und nachhaltige Siedlungspolitik: Bauen und Wohnen Die Wärme ist der schlafende Riese der Energiewende. Der deutsche Bau- und Wohnsektor ist insgesamt für ca. 30 Prozent der nationalen Treibhausemissionen verantwortlich, weswegen Einsparungen in diesem Kontext besonders wichtig sind. 40 Zwar verbrauchen moderne Häuser und Wohnungen durch effizientere Dämmung und Heizsysteme heute weniger Energie pro Quadratmeter . Gleichzeitig aber nimmt die Wohnfläche pro Kopf immer weiter zu. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche hat sich so von 1992 bis 2020 um 28,3 Prozent vergrößert. 41 Der absolute Wärmeverbrauch stieg 2021 – im Vergleich zum Vorjahr – um 8,9 Prozent an. Wärme wird erst zu 16,5 Prozent aus erneuerbaren Quellen gespeist. 42 Diese Trends gilt es umzukehren. 38 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Kommunen haben im Bausektor großen Gestaltungsspielraum, der jedoch Weitsicht erfordert. Geschätzt wird, dass 85 Prozent des Gebäudebestands im Jahr 2050 dreißig Jahre und älter ist, also vor 2020 errichtet und kontinuierlich genutzt wurde. 43 Deren direkt bzw. indirekt verursachte Emissionen müssen sinken, um der Klimaschutzgesetzgebung zu entsprechen. 44 Zudem ist der Bausektor gemäß dem 1,5 Grad Celsius-Ziel in der Pflicht, ab Mitte der 2030er-Jahre klimaneutral zu sein. Daraus folgt, dass zukünftige Neubauten wie auch Sanierung und Modernisierung im Bestand durch klimafreundliche Bauverfahren umgesetzt werden müssen. Das erfordert unter anderem Innovation durch Nutzung ökologischer Baustoffe, den Verzicht auf Zement, neue Wohnformen und weniger Flächenfraß. Die Hälfte des Energieverbrauchs in MV geht auf die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser zurück. Erst 15 Prozent davon sind durch erneuerbare Energien gedeckt, 45 was die Herausforderungen für einen klimaneutralen Gebäudebestand verdeutlicht. Dieser erfordert eine stark gesteigerte Sanierungsrate, wofür trotz des„Aktionsplans Klimaschutz“ bisher noch keine verbindlichen und konkreten Zielmarken definiert wurden. Durch ressourcensparende Bewirtschaftung in den öffentlichen Gebäuden kann die Kommune eine Vorbildfunktion übernehmen und mit Förderprogrammen private Eigentümer unterstützen. Durch geänderte Bauleitplanung kann ebenfalls eingewirkt werden, indem vorhandene Potenziale erschlossen oder Standards für Nutzungsverträge angepasst werden. Dazu gehören neben dem Schließen innerstädtischer Bebauungslücken, wie es die Initiative„ Neues Wohnen in der Innenstadt“ in MV bereits anstrebt, auch das Recycling bereits versiegelter Flächen, also die Wiedernutzung der ehemals bebauten Flächen. ▸ http://www. klimaschutzaktionen-mv.de/Bau/Bauleitplanung%2C-Bauen-und-Wohnen/Klima schutz-in-der-Bauleitplanung-und-in-Quartieren/ Eine Fördermittelberatung bietet das„Landeszentrum für erneuerbare Energien Mecklenburg-Vorpommern e.V.“(LEEA) an. ▸ https://www.foerderung-leea-mv.de/foerderung/ Weitere Anknüpfungspunkte für die Erreichung eines klimagerechten Gebäudebestandes könnte zukünftig die 2022 – unter Federführung der IHK zu Schwerin und der Architektenkammer MV – gegründete„Allianz für nachhaltiges Bauen in MV“ bieten. 46 Weniger Flächenverbrauch, Stadtökologie, Sanierungsmaßnahmen und mehr: Folgende Übersicht verdeutlicht, in welchen Segmenten Kommunen Handlungsspielraum haben, Bauen und Wohnen klimaschützend zu gestalten: 39 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern • Förderung neuer, gemeinschaftlicher Wohnformen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs • Soziale durchmischte Quartiere • Flächenkreiswirtschaft (siehe Info 07) • Anlegen von Grün­ flächen, Parkanlagen und Grünzungen steigern Umwelt- und Aufenthaltsqualität • Begrünung von Haus­ fassaden und-dächern • Umrüstung und Inte­ gration von Bioenergie, Solarthermie und Geothermie zur Wärme­ versorgung • Entwicklung integrierter gebäudeübergreifender Energiekonzepte unter Nutzung von KraftWärme-Kopplung, Wärmepumpen usw. • Strategische Wärme­ planung Stadtökologie Reduzierter Flächenverbrauch 47 Klima- und ressourcenschonendes Bauen und Wohnen Umstellung auf erneuerbare Energien und Wärmenetze 49 Gebäudebestandsanierung 48 Ökologische Baustoffe und Kreislaufwirtschaft • Energetische Aufwertung des aktuellen Gebäudebestands • Steigerung der Sanierungsrate bei Klima­ neutralität bis 2035 auf 5 Prozent jährlich • Berücksichtigen der grauen Energie des Gebäudesektores • Gesamtenergieverbrauch von Baubeginn bis Rückbau einkalkulieren • Verwendung ökologischer Baustoffe • Zuführung der Baustoffe in eine Kreislaufwirtschaft(siehe Info 08) Abbildung 10: Klima- und ressourcenschonendes Bauen und Wohnen 40 Energie Industrie Gebäude Verkehr Abfall 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Herstellung Bau und Transport Betrieb Lebensende Abbildung 11: Emissionen während des Lebenszyklus eines Gebäudes(inkl.„grauer Energie“); Gebäude verbrauchen im Lebenszyklus am meisten Energie durch Nutzung fossiler Energieträger, z.B. beim Heizen, Beleuchten oder Warmwasseraufbereitung. DGNB – Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen: KLIMA POSITIV: JETZT! Wie jedes Gebäude einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, Stuttgart 2020, S.5. INFO 07 Schwerin: Geothermie und Politische Selbstbindung Fernwärmeversorgung – Innen vor Außen In Schwerin kommt die Wärme zukünf- Kommunen können durch eigene tig aus rund 1300 Metern Tiefe. Derzeit Ratsbeschlüsse eine eigene Richtschnur entsteht in der Landeshauptstadt eine verabschieden. Wichtige Elemente sind Tiefen-Geothermieanlage, die die Wär- die bevorzugte Nutzung und Aktivierung meversorgung klimaneutral machen innerstädtischer Brachflächen sowie die Einsoll. Rund 60 Prozent der Schweriner schränkung bzw. Rücknahme neuer BaufläHaushalte sind an das Fernwärmenetz chen. Konzepte und Erfahrungen anderer angeschlossen. Die erste Bohrung liefert Kommunen und kommunaler Zusammenbereits Wärme für 15 bis 20 Prozent der schlüsse liegen vor(z.B. AOVE, Landkreis Haushalte, die zweite geplante Bohrung Schweinfurt, Stadt Freyung). ▸ https:// soll eine Versorgung des halben Stadt- www.flaechensparoffensive.bayern/ gebiets gewährleisten. Die Geothermieanlage macht Schwerin in Zukunft deutlich unabhängiger von Erdgas. Obwohl das Projekt mit 20 Millionen Euro eine große Investition für die Schweriner Stadtwerke war, lohnt sich das Projekt. Es ist dank hocheffizienter, mit erneuerbaren Energien betriebenen Hochtemperaturwärmepumpen gegenüber Gaskraftwerken wettbewerbsfähig. ▸ https://taz.de/Waermewende-aus-der-Tiefe/!5883053/ 41 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern INFO 08 Klein-Trebbow: Die„graue Energie“ des Klimafreundliche Planung Gebäudesektors Hinsichtlich des Klimaschutzes ist die Der Blick auf den tatsächlichen EnerGemeinde Klein-Trebbow gut aufgegieverbrauch von Gebäuden muss geschärft stellt, da in der Vergangenheit auf Landwerden. Wird heute zuerst auf den Enerschaftsverbrauch durch Abholzungen, giebedarf in der Nutzungsphase geschaut, Straßenneubau und andere Flächensollte zukünftig der Gesamtverbrauch von versiegelungen weitgehend verzichtet Baubeginn bis Rückbau im Fokus stehen, wurde und kommunale Spielräume seit die sogenannte graue Energie(siehe Abb. 2020 aktiv genutzt werden. Für ein neues 10 / 11). Die Herstellung von Zement, Stahl Baugebiet hat die Gemeindeverwaltung und deren Anlieferung verbraucht Energie, eine PV-Pflicht für die Neubauten vorebenfalls Umbau oder Abriss. Effiziente gesehen, die über den Bebauungsplan Kreislaufkonzepte sind gefragt, um Energie geregelt wird. In der Satzung wurden ein wie Abfall zu sparen! 50 maximaler Flächenversiegelungssatz und eigene Zisternen je Grundstück festgeschrieben zugunsten einer flächensparenden Siedlungsentwicklung. Um die Installierung von Solartechnik auf bestehenden Eigenheimdächern im Gemeindegebiet voranzubringen, ist die Gründung einer Genossenschaft zur Energieerzeugung im Gespräch. Die Kirchengemeinde ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat Solaranlagen und E-Ladesäulen installiert. ▸ https://www.naturwind. de/solardachpflicht-in-deutschland/ ▸ http://www.klein-trebbow.de/html/Blog18.11.2021. html& ▸ http://klein-trebbow.de/Bilder/Gemeindebote/2021_UnserDorf_Zukunft.pdf ✹ Rosenow: Nahwärmenetz Mit der Gründung der Landwerke Rosenow GmbH machte die Gemeinde Rosenow einen ersten Schritt zu einer ökonomischen und zukünftig potenziell autarken Wärmeversorgung. Die Energie wird zu 80 Prozent in der ortsansässigen Biogasanlage erzeugt und über einen Pumpspeicher in das rund 5,6 Kilometer lange Nahwärmenetz eingespeist. Zwei Gaskessel ergänzen das Netz und sollen die Versorgung jederzeit sichern. Derzeit sind neben kommunalen Liegenschaften viele lokale Unternehmen sowie 43 Ein- und Mehrfamilienhäuser angeschlossen. So werden etwa der gemeindeeigene Kindergarten, die Grundschule, das Sportheim und ein Wohnblock durch das Nahwärmenetz versorgt. Die Maßnahme wurde 2017 abgeschlossen und ermöglicht nahezu im ganzen Ortsgebiet einen Anschluss an das Netz, damit könnten 70 Prozent des Wärmebedarfs gedeckt werden. Die Gemeinde Rosenow kann so bei einer Wärmelieferung von rund 2,5 Millionen kWh etwa 700 Tonnen zusätzliche CO 2 -Emissionen vermeiden. ▸ http://www. klimaschutzaktionen-mv.de/Service/Erfahrungsaustausch-Beispiele/ 42 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann ✹ Rostock: Gemeinschaftliches Wohnen im„Lindenhof“ Dass Wohnen auch anders geht, zeigt das Rostocker Bürger_innen-Projekt„Lindenhof“. In der Baugemeinschaft haben sich fast 30 Erwachsene und zwölf Kinder zusammengefunden, die 17 Wohneinheiten in nächster Nähe zum Lindenpark errichtet haben. Im Hof der Anlage befinden sich eine große Grünfläche und Spielgeräte, Gemeinschaftsorte und ein kollektiv bewirtschafteter Kräutergarten. Als„Agenda 2010“-Modellvorhaben war der„Lindenhof“ Vorbild für andere Wohnprojekte in MV. Leitgedanken waren und sind unter anderem das gemeinsame Planen und Bauen, generationenverbindendes und barrierefreies Wohnen, Gemeinschaft und eine ökologische Bauweise mit Niedrigenergiestandard sowie der Einsatz von Solartechnik. ▸ http://www.wohnprojekt-lindenhof.de/Startseite.2.0.html Weiterlesen: Stefan Thomas, Anja Bierwirth, Dietmar Schüwer, Florin Vondung, Oliver Wagner: Heizen ohne Öl und Gas bis 2035 – Ein Sofortprogramm für erneuerbare Wärme und effiziente Gebäude, Hamburg, 2022. ▸ https://epub. wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/7954/file/7954_Heizen.pdf 43 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 3.4 Wirtschaftswende: Produktion und Konsum Die ressourcenfressende Art und Weise zu wirtschaften wie in Vergangenheit und Gegenwart, kann nicht beibehalten werden, wenn die Ziele des 2015er Pariser Klimaschutzabkommen erreicht werden sollen – ein Umbau ist zwingend notwendig. Unternehmen und EnergiewirtINFO 09 schaft stoßen derzeit mehr als 75 Prozent Importierte Emissionen der Emissionen aus und verbrauchen Üblicherweise werden Emissionen dem fortlaufend neue(endliche) Rohstoffe. 51 Staat zugerechnet, in dem ein Produkt Allein auf den industriellen Produkoder eine Dienstleistung hergestellt werden tionsbereich entfallen über ein Fünftel (Territorialprinzip). Importierte Waren haben der Gesamtemissionen in Deutschland daher einen höheren klimaschädlichen„Fuß– davon gehen etwa 60 Prozent auf das abdruck“ als den Transportaufwand, was Konto der Stahl-, Chemie- und Zementbisher oft in Klimaschutzkonzepten unbeindustrie. 52 Es gilt daher, diesen Bereich rücksichtigt bleibt(siehe Abb. 12). Hier lieklimaneutral umzustellen und möglichst gen Gestaltungsspielräume für Kommunen, sparsam mit den Produkten und RohstofHersteller und Konsumenten. Relevant sind fen umzugehen. dabei vor allem folgende„Big Points”: Auch der Konsum der Privathaushalte ► Flugreisen ist klimaschädlich , im direkten Ver► Import von Lebensmitteln gleich stärker bei einkommensstarken (speziell Fleisch) Haushalten – eine Folge der Konsumge► Baustoffe wohnheiten, z.B. durch höhere Mobilität, ► Autoproduktion mehr Reisen, Nachfrage und Erwerb im ► Geldanlagen Ausland hergestellter(Konsum-)Güter. 53 Im Jahr 2015 fielen insgesamt 38 Prozent der Emissionen, die den Konsumgütern zuzurechnen sind, im Ausland an(siehe Infobox 9). Kommunale Politik hat zwar nur begrenzt regulatorische Handlungsmacht im Bereich der Wirtschaft. Durch ihre Nähe zu den Bürger_innen und lokalen Unternehmen kann sie aber ihren direkten Einfluss auf die Produktionsweisen und Konsummuster nutzen, indem sie Anreize setzt, Vorgaben macht und Bildungsmaßnahmen anbietet. Um bis 2030 klimaneutral und strukturell angepasst zu sein, müssen grundlegende Veränderungen erreicht werden: mehr Kreislaufwirtschaft, mehr Wertschöpfung vor Ort, direkte Wirtschaftsbeziehungen, mehr Kooperation statt Wettbewerb. 44 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann 0 1,0 2,0 3,0 Emissionen insgesamt 3,1 4,0 5,0 6,0 7,0 2,0 1,3 1,1 8,0 9,0 10,0 1,8 9,3* Emissionen Importe 0,4 0,4 0,7 0,3 0,9 2,7* Wohnen Mobilität *Tonnen CO 2 -Äquivalente pro Kopf Produkte Dienstleistungen Ernährung Abbildung 12: Pro-Kopf-Emissionen unseres Konsums in Deutschland, gesamt und Anteil durch Importe (2014); UBA – Umweltbundesamt: KonsUmwelt – Kurzstudie zur globalen Umweltinanspruchnahme unseres privaten Konsums, S. 12, 2020 MV hat eine diverse Wirtschaftsstruktur. Von verarbeitendem Gewerbe über vielfältige maritime Industrie bis Ernährungswirtschaft und Tourismus reicht das Spektrum. In der Region gibt es kaum Großindustrie, angesiedelt sind hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen. Schwerpunkt der Politik ist, Potenziale der erneuerbaren Energien für die Industrie nutzbar zu machen und ergänzend die Infrastruktur für die Erzeugung grünen Wasserstoffs zu stärken. Durch die Dekarbonisierung der Produktion(Reduzierung von CO 2 -Emissionen) wächst der Bedarf an Strom- und Wasserstoff. Eine landesweit tätige WasserstoffTransferstelle soll die wirtschaftliche Anwendung von Wasserstoff fördern(z.B. als Energiespeicher, verbindendes Element der Sektorenkopplung Strom/ Wärme/ Mobilität)(Zukunftsbündnis MV 2021). Mit dem Qualitäts-Siegel„Grünes Gewerbegebiet“ werden seit 2018 Gewerbe- und Industriegebiete in MV ausgezeichnet, die Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien beziehen und sparsam mit der Fläche umgehen. ▸ https://www.zfk.de/energie/waerme/mv-mit-neuer-marke-gruene-gewerbegebiete Ferner werden primär ländliche Kommunen über die Klimaschutz- und Energieversorgungsförderrichtlinie bei einzelnen Projekten zur Treibhausgaseinsparung unterstützt. ▸ https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/lm/Klima/Klimaschutz/Foerderung/ Attraktive ländliche Räume und Dorfzentren helfen, Zuzug aus den Metropolregionen 45 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern (Hamburg, Berlin, Stettin) zu gewinnen. Voraussetzung dafür ist eine leistungsfähige digitale Anbindung für effektives Homeoffice. Mit der Initiative„Neue Dorfmitte“ (NDM) unterstützt die Landesregierung gezielt Initiativen vor Ort, Nahversorgungsangebote in ländlichen Räumen zu sichern oder anzusiedeln. ▸ https://www.neuedorfmitte-mv.de/ Auch der Tourismus hat einen sehr hohen wirtschaftlichen Stellenwert: jährlich reisen Millionen Tourist_innen an, und über 170.000 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in der Tourismusbranche, mit ca. zehn Prozent Anteil an den Einkommen der Arbeitnehmer_innen in MV etwa doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. 54 Um das Land weiterhin als attraktive Urlaubsregion zu erhalten und gleichzeitig Natur und Umwelt nicht durch intensiven Tourismus zu gefährden und zu schädigen, steht vermehrt eine Umgestaltung zu„sanftem Tourismus“ auf der Agenda und soll 2025 in ein Tourismusgesetz einfließen. ▸ https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/ wm/Aktuell/?id=185961&processor=processor.sa.pressemitteilung Tipps zum Energiesparen in Tourismusbetrieben können z.B. bei der IHK eingesehen werden. ▸ https://www.ihk.de/schwerin/standortpolitik/tourismus-und-gastgewerbe/praxistipps/energiesparmassnahmen2-5605426 Urlauber_innen haben die Möglichkeit, mittels Kauf einer„Waldaktie“ den Waldanbau zu fördern und Emissionen regional zu kompensieren. ▸ https://www.ecolando.de/ Um die Potenziale einer dezentralen Transformation auszunutzen, bedarf es weiterer Anstrengungen beim Ausbau erneuerbarer Energien, Umbauten durch reichlich Fachkräfte und tatkräftiger Unterstützung veränderungsbreiter Kommunen. Soziale Innovationen, Gemeinwohl und kooperatives Wirtschaften: Eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft(vgl.„Wirtschaftsförderung 4.0 55 “) konzentriert sich auf kollektive Formen der Produktion, Sharing Economy, Hilfe und Kooperation sowie die Förderung anpassungsfähiger Unternehmen(siehe Abb. 13). Dieser Ansatz löst den bisherigen Weg kommunaler Wirtschaftsförderung ab, der vor allem die Schaffung neuer Arbeitsplätze und Wachstum vorsah. Bisherige Produktionsweisen mit negativer„Ökobilanz“ sollen abgelöst werden durch eine konsequente Kreislaufwirtschaft(mit positiver„Ökoeffektivität“). 56 46 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann • Repair-Café • Stadt- gärten • Ernährungsrat • Solidarische Land­ wirtschaft • Netcycler, Upcycling • Regionale erzeugung • BuyLocal-Initiativen • Bargeldloses Verrechnungssystem in ­Handelsbranchen • Regionalgeld • Bürger_innenanleihen • Zeitbanken • Carsharing • Fahrradverleihsysteme • Werkzeuge • Tauschläden,-märkte, -börsen • Gebrauchtwarenhandel • Fahrgemeinschaften • Bauteilbörsen • Zeitbanken Kollektive Formen der ­Produktion und des Formen des komplementären Leistungsaustausches Wirtschaftsförderung 4.0 Sharing Economy Alternative Wohnformen Formen gegenseitiger Hilfe und Kooperation Förderung von resilienten Unternehmen • Wohnjoker • Living Hub • Mehrgenerationen­ wohnen • Flexibel Wohnen • Wohnungstausch • Wohngemeinschaften • Soziale Kaufhäuser • Nahversorgungsläden • Dorfläden • Elterninitiativen • Bürger_innenläden • Crowdfunding • Social Dining • Kommunale Unter­ nehmen • Genossenschaften • Stiftungen • Nachhaltige Unter­ nehmen • Regionalunternehmen • Ökoprofi, Start-Ups u. ä. • ökofaire regionale ­Beschaffung Abbildung 13: Wirtschaftsförderung 4.0; Eigene Darstellung(nach Kopatz, M., Hahne, U.: Wirtschaftsförderung 4.0 – auch ein Thema für ländliche Regionen, in: Der Kritische Agrarbericht, 2018) 47 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern INFO 10 Suffizienzorientierte Arbeits- und Programm„Ökoprofit“ Konsumwelt: Der Soziologe Wolfgang und„QUB“ Sachs hat Anfang der 1990er-Jahre Große Unternehmen sind beim die Formel der„vier E’s“ geprägt, 57 die Umwelt- und Energiemanagement in der anschaulich verdeutlicht, worum es bei Regel eigenverantwortlich aufgestellt. Hier der Suffizienz im Konsum und Arbeitslebraucht es prinzipiell„nur“ eine Selbstverben geht. Suffizienz steht für das richtige pflichtung zum Ziel der Klimaneutralität. Maß zwischen Be- und EntschleuniMittelgroße Unternehmen(ca. zehn bis 100 gung, zwischen Zuviel und Zuwenig Mitarbeitende) können über Programme ( E ntrümpelung), zwischen Ferne und wie Ökoprofit unterstützt werden, kleinen Nähe( E ntflechtung) und für den richund Kleinstunternehmen kann kostenlose tigen Umfang an marktwirtschaftlicher Beratung geboten werden, die bspw. über und kommerzieller Einbettung unserer den Qualitätsverbund umweltbewusster Lebenswelt( E ntkommerzialisierung). 58 Handwerksbetriebe(QUB) der Handwerkskammer organisiert werden kann. Diese Ansätze finden verstärkt Berücksichtigung in Überlegungen zur klimaneutralen Wirtschaft. 59 Das schließt eine geänderte Arbeitswelt ein: Entschleunigung und Teilzeitbeschäftigung können Raum schaffen für mehr Familienzeit, Ehrenamt, soziales Engagement. Damit können eine höhere eigene Lebenszufriedenheit und bessere Klimabilanz einhergehen und lokal Pionier_innen des Wandels, Initiativen und Netzwerke unterstützt werden. Konsequent nachhaltige Produktion mit erneuerbaren Energien: Eine nachhaltige und treibhausneutrale Kreislaufwirtschaft zwingt zur Nutzung anderer Materialien und der Umgestaltung von Produktionsprozessen. Weniger Schadstoffemissionen gelingen nur durch die flächendeckende Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen. Nahezu alle Großunternehmen agieren im Rahmen ihrer Energiebezugs- und Energieverbrauchssysteme noch weitgehend isoliert voneinander. Energieverbünde könnten die Energiesysteme der Unternehmen zusammenführen(z.B. Fernwärme, Speicher, Smarte Schaltungen, Nutzung von Abwärme) und Vorteile bringen durch weniger Kosten und Ressourceneinsatz und auch durch ein modernes Image. Dabei müssen die ansässigen Unternehmen unterstützt werden(siehe Infobox 10), wobei Stadt- und Regionalwerke innovative Impulsgeber sein können. 48 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Rostock:„Plastikfreie Stadt“ Plastik entlang der Wertschöpfungskette zu vermeiden – darauf einigten sich die teilnehmenden Unternehmen und Organisationen der Rostocker Initiative„Plastikfreie Stadt“. Zunächst wurde der Verbrauch sichtbar und messbar gemacht, um ihn zukünftig zu senken. Im solidarischen Miteinander arbeiten die Unternehmen branchenübergreifend, eine„Inventur“ vorzunehmen und per Leitfaden und App Plastik zu reduzieren. Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Siegel gewürdigt, das der Bürgerschaft die plastikvermeidenden Unternehmen aufzeigt. Getragen wird die „Plastikfreie Stadt“ durch den Verein KuBuS e.V., außerdem unterstützt das Amt für Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Rostock. Das Vorhaben erhielt 2020 die besondere Auszeichnung„Transformationsprojekt“ im Wettbewerb„Projekt Nachhaltigkeit“ aus vierzig Nachhaltigkeitsprojekten. ▸ https://www.renn-netzwerk.de/nord/detail/news/ vier-transformationsprojekte-2020-die-die-welt-veraendern Murchin: Bioökonomiezentrum Anklam Im September 2020 fiel auf dem ehemaligen Schlachthof der Startschuss für das Bioökonomiezentrum Anklam in Murchin. Das Kompetenzzentrum für nachhaltiges Wirtschaften ist aus privater Initiative engagierter Unternehmer_innen entstanden. Deren Ziel ist, nachwachsende Rohstoffe als Grundlage für diverse Wirtschaftszweige intensiv zu nutzen, beispielsweise für Industrieprodukte, in der Nahrungsmittelproduktion oder der Energieerzeugung. Das Kompetenzzentrum unterstützt Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen im Bereich der Bioökonomie, wettbewerbsfähige Produkte und Verfahren zu entwickeln und zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu schaffen. Eine Akademie bietet Raum für Schulungen und Regionalkonferenzen. In der Anklamer Zuckerfabrik treffen sich alle zwei Jahre über 150 Teilnehmer_innen aus Forschung, Industrie und Politik, um neue Entwicklungen in der Bioökonomie zu diskutieren und sich zu vernetzen. ▸ https:// feg-vorpommern.de/biooekonomie-in-mv/ 49 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ✹ Gatschow bei Demmin: Reparatur-Café des Landschaftskombinats Gatschow Es muss nicht immer etwas Neues her, so die Devise des Landschaftskombinats Gatschow. Mindestens einmal im Monat organisiert der Verein ein Reparatur-Café. Jung und Alt können defekte Elektrogeräte, Fahrräder oder Gebrauchsgegenstände mitbringen und gemeinsam überlegen, wie die Instandsetzung gelingen könnte. Fair gehandelter Kaffee und selbst gebackene Kuchen sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Das ReparaturCafé setzt allein auf Ehrenamtlichkeit und Spenden der Besucher_innen. Der Verein hinterfragt den eigenen Ressourcenverbrauch und motiviert, defekte Dinge zunächst zu reparieren statt sofort durch Neuware zu ersetzen. ▸ https://www.17ziele-mv.de/ portfolio-items/landkombinat-gatschow/ ✹ Online B2B-Plattform„Markt MV“ Dass regionale Erzeuger hochwertige Produkte für Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung bieten, zeigt die neue Online-Handelsplattform„Markt MV“. Die Regionalbewegung Mecklenburg-Vorpommern e.V. initiierte die Verkaufsplattform, um regionale Produkte besser zu vermarkten und neue Absatzwege zu erschließen. So bleibt die Wertschöpfung in der Region, und Zwischenhändler werden vermieden. Der Ansatz erleichtert Geschäftskunden(B2B) den Einkauf regionaler Produkte und stärkt die lokale Ernährungswirtschaft. Eine Testphase wurde in Mecklenburg-Schwerin vom Unternehmen„MVliebe“, in der Mecklenburgischen Schweiz durch„Die Meck-Schweizer GmbH“ und in Vorpommern vom„pommernArche-Verein“ erfolgreich durchgeführt und kann in den Regelbetrieb gehen. ▸ https://tourismus.mv/ artikel/markt-mv-einfach-regional-erfolgreicher-kickoff-am-13092022-in-guestrow ✹ Mecklenburgische Seenplatte und Landkreis Rostock: Mobiler Hofladen„Heimat auf Achse“ Kleine Produzent_innen finden häufig schwer Absatzwege für ihre hochwertigen Angebote. In den Landkreisen Rostock und Mecklenburgische Seenplatte soll der mobile Hofladen Abhilfe schaffen und durch regionale Wertschöpfungsketten den ländlichen Raum stärken. Unter dem Motto„Ein Stück Heimat auf Achse“ tourt das Vermarktungsmobil durch MV. Mit enthalten ist eine Küchenausstattung, die die Nutzung als Foodtruck erlaubt. Auch sind Werbemittel für die touristischen Angebote der Region an Bord. Träger ist die 2019 gegründete GmbH„MaMüMaMa“, das für „man müsste mal machen“ steht. ▸ https://heimataufachse.de/ 50 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Weiterlesen: Bundesumweltamt(Hg.): KonsUmwelt – Kurzstudie zur globalen Umweltinanspruchnahme unseres privaten Konsums, Dessau-Roßlau, 2020. ▸ https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/ uba_konsumwelt_bf.pdf 3.5 Ernährungswende Land- und Forstwirtschaft formen mehr als 80 Prozent der Oberfläche Deutschlands und prägen somit wesentlich Umwelt, Natur und Erscheinungsbild – z.B. die Böden, Tiere, Gewässer und die biologische Vielfalt. 60 Die Nahrungsmittelversorgung – vom Anbau über die Verarbeitung und Lagerung bis hin zur Vermarktung und zum Konsum – wirkt sich massiv auf die Umwelt aus und stößt weltweit bis zu 37 Prozent aller menschengemachten Treibhausgasemissionen aus. 61 In Deutschland verursacht so jede Person im Jahr durchschnittlich rund zwei Tonnen Treibhausgasemissionen allein durch Lebensmittelkonsum (Schätzung des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz 62 ). 90.000 60.000 30.000 0 -30.000 -60.000 -90.000 -120.000 1990 2005 Wald Feuchtgebiete 2018 Ackerland Siedlungen 2025 2030 Holzprodukte Grünland 2035 2040 LULUCF Gesamt Abbildung 14: Entwicklung der Treibhausgasemissionen(Angabe in ktCO 2 e) des LULUCF-Sektors in Deutschland 1990 bis 2035: Es wird prognostiziert, dass der LULUCF-Bereich(z.B. Wälder, Böden, Landnutzung) ab 2025 insgesamt mehr Kohlendioxid freisetzt als bindet. Vor allem der Wald verliert seine Bedeutung als CO 2 -Senke. Eigene Darstellung(nach: Umweltbundesamt 2021d – Projektionsbericht 2021 für Deutschland) 51 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Ein großer Teil davon entsteht durch die Nutzung fossiler Energieträger für Verarbeitung(Konservieren, Einfrieren oder Trocknen), Verpackung, Lagerung, Transport und Zubereitung von Nahrungsmitteln. Weitere Emissionen entstehen bei Düngung, Viehhaltung und Güllemanagement. 63 Auch setzt die Trockenlegung der Moore und Waldrodungen zugunsten von Weideflächen(inklusive tropischem Regenwald) weltweit viel CO 2 frei. Der massive Einsatz von Wasser im Agrarsektor verknappt die Süßwasserreserven. Rückstände aus DünWeltweit geht etwa ein gung und Schädlingsbekämpfung sind vermehrt in biochemischen Kreisläufen nachweisbar zum Schaden der Artenvielfalt und menschlichen Gesundheit. Drittel der Lebensmittel auf dem Weg vom Feld bis zum Teller verloren. Eine Umstellung des Ernährungssystems und der Essgewohnheiten ist eine große Chance, sektorübergreifend Treibhausgase einzusparen und unseren Lebensraum zu erhalten. In MV wächst der Anteil ökologischer Landwirtschaft stetig und hat sich seit 1998(ca. 84.000 ha) mehr als verdoppelt auf ca. 170.000 ha(2019). 64 Damit erreichte die Landesregierung das selbst gesteckte Ziel schneller als geplant, bis 2021 eine Gesamtfläche von 150.000 ha ökologisch zu bewirtschaften. Das Programm„Ökokompetenz Mecklenburg-Vorpommern 2022“ fördert umstellungsinteressierte Agrarbetriebe. ▸ https:// www.oekolandbau.de Seit den 1960ern wurden zahlreiche Moore entwässert und zu Agrarland(Greifswald Moor Centrum und IKEM 2021), was zu einer massiven Freisetzung von CO 2 führte. Das entspricht einem Drittel der gesamten CO 2 -Emissionen in MV(derzeit etwa sechs Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalente). Seit 2000 sind Moorschutz und Wiedervernässung in MV auf der Agenda, die kontinuierliche Umsetzung schwankt. Um den Kurs des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 einzuhalten, müssten jährlich 8.500 Hektar wiedervernässt werden. Eine Zielsetzung, die in das Landesklimaschutzgesetz einfließen sollte. In der„Fachstrategie Paludikultur“ wurde die torfschonende Moornutzung untersucht. Als Vorreiter hat MV damit erstmals systematisch potentiell nutzbare Kulturen im Hinblick auf Emissionsminderung, Marktfähigkeit, Kosten usw. analysiert. 65 Durch die Umsetzung könnten drei Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalente eingespart werden. Moorschutz ist ein wichtiger Bestandteil für den Klimaschutz und bedarf konkreter, politisch verbindlicher Maßnahmenpläne. 52 INFO 11 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Technische vs. ökologische CO 2 -Senken Für einen erfolgreichen Klimaschutz ist es aus heutiger Sicht unausweichlich, technische und ökologische Methoden zu nutzen, mit denen CO 2 aus der Atmosphäre entnommen werden kann. Sie dürfen andere Klimaschutzmaßnahmen jedoch nicht ersetzen. Das Potenzial natürlicher Senken ist nach aktueller Forschung vor allem in Europa begrenzt, bisher bekannte technologische Lösungen bergen kaum abschätzbare Umweltrisiken. Die nachhaltige Flächennutzung(Landwirtschaft und Forst) ist eine Methode, CO 2 zu reduzieren. Die Praxis zeigt aktuell einen gegenläufigen Trend 66 (siehe Abb. 14). Aktiver Waldumbau hin zu stabilen Mischwäldern, weniger Biomasse für energetische Zwecke und die Wiedervernässung von Mooren sind das Mittel der Wahl. Das schützt gleichzeitig die Biodiversität, die Wasserqualität und den Hochwasserschutz. Für eine transformative Kommunalpolitik müssen sämtliche Spielräume in bisherigen und in neuen Aufgabenfeldern ausgeschöpft werden. Das schließt eine kommunale Ernährungswende ein. Sie vernetzt eng Stadtverwaltung, kommunale Unternehmungen, Vereine, Initiativen und die Menschen vor Ort. Nicht nur technologische Innovationen in der Landwirtschaft sind notwendig, sondern auch individuelle Verhaltensänderungen(z.B. regionale Lebensmittel, Reduzierung des Fleischkonsums). Zudem braucht es einen strategischen Ansatz , der landwirtschaftliche und ökologische Nutzung ausbalanciert. Als erste Stichworte können hier der verstärkte Einsatz regional erzeugter Lebensmittel, ein reduzierter Fleischkonsum, Konzepte bio-veganer wie solidarischer Landwirtschaft sowie neue Anbaumethoden wie Vertical Farming oder Waldgärten genannt werden. 67 53 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Reduktion der Lebensmittelverschwendung: Weltweit geht etwa ein Drittel der Lebensmittel auf dem Weg vom Feld bis zum Teller verloren. 68 Das ist eine Vergeudung von Flächen, Wasser, Arbeit, Energie, Schutzmitteln und Dünger. Diese Verschwendung entspricht etwa vier Prozent der jährlichen Emissionen der Industrienation Deutschland. Wenn also die Lebensmittelabfälle halbiert würden, hätte dies enorme Effekte. Erreicht werden kann das z.B. über angepasste Abfallwirtschaftspläne, Öffentlichkeitsarbeit, Ernährungsbildungsprogramme, öffentliche Ausschreibungen, Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen und lokalen Einfluss auf Unternehmen. Gesündere Ernährung fördern und Tierschutz stärken: Der gesellschaftliche Ernährungsstil beeinflusst stark den Ressourcenverbrauch. Da die Tierhaltung knapp 60 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen ausmacht, bieten sich hier die wirksamsten Hebel. Deshalb wird angestrebt, den Konsum tierischer Produkte und Erzeugnisse in der deutschen Bevölkerung schrittweise auf u.a. maximal 300 Gramm Fleisch pro Woche zu verringern, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung auch aus gesundheitlichen Gründen empfiehlt. 69 Durch den Abbau der Viehbestände würden sich nicht nur das Klima und die Gesundheit der Menschen verbessern, es würden sich auch positive Effekte auf die Luftqualität, eine höhere Biodiversität, die Entschärfung von Flächenkonkurrenzen und die Abhängigkeit von Futtermittelimporten ergeben. Kommunen können als Vorbild wirken, indem sie beispielsweise in kommunalen und öffentlichen Einrichtungen und bei Veranstaltungen vegetarische und vegane Mahlzeiten anbieten oder über Wettbewerbe und die Verleihung von Preisen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit für eine Ernährungswende leisten. Ausbau ökologischer Landwirtschaft: In allen relevanten Studien wird davon ausgegangen, dass für eine Treibhausgasneutralität der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen bis 2030 auf 20 bis 30 Prozent steigen muss. Zusätzlich werden Maßnahmen gebraucht, die natürliche Bedingungen erhalten bzw. schaffen. 70 Insbesondere drastisch weniger Tierhaltung und Stickstoffdüngung helfen, Treibhausgase einzusparen. Humusreiche Böden, Ziel ökologischer Landwirtschaft, wirken als natürliche CO 2 -Senken. Pflanzenarten, die Stickstoff in den Wurzeln speichern(Leguminosen), Zwischenfruchtanbau und Grünlanderhalt sind weitere Bausteine, ressourcenfreundlich Landwirtschaft zu betreiben. 71 Sie sind bedeutsam für den Erhalt blütenbestäubender Insekten, Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserschutz. 72 Kommunen haben hier Handlungsspielräume z.B. über Richtlinien, Einkaufs- und Beschaffungsvorgaben. 54 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Regionalisierung landwirtschaftlicher Produktion: In Deutschland nimmt seit Beginn der 2000er Jahre der Anbau von Energiepflanzen sowie exportorientierter Produkte(insbesondere Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte) stetig zu. Obst, Gemüse und Fisch werden zunehmend importiert. Eine zu starke Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Gütern aus dem Ausland kann in Krisensituationen problematisch sein. Stattdessen richtet sich der Wandel auf eine konsequente Regionalisierung landwirtschaftlicher Produktion. Das stärkt die lokale Wirtschaft und erhöht den Grad von Selbstversorgung und Eigenproduktion. 73 Durch Direktvermarktung in der Region und Anreize(z.B. Vorgaben, Versorgung hiesiger Großküchen) setzen Kommunen weitere eigene Akzente. 74 Landnutzung strategisch umstellen: In vielen Klimaszenarien wird bereits berücksichtigt, dass sich die Erderwärmung(plus 1,5 Grad) nicht mehr allein durch verringerte Treibhausgasemissionen stabilisieren lässt. Reduzierung von Emissionen ist das eine, der Abbau von Treibhausgasen aus der Atmosphäre das andere. 75 Durch veränderte Holznutzung und intensive Landwirtschaft verlieren Wälder und Böden derzeit ihre Wirkung als CO 2 -Speicher(siehe Infobox 11). Empfohlene Gegenmaßnahmen, die Kommunen schrittweise umsetzen können, sind die Wiedervernässung von Mooren, weniger Anbau von„Energiepflanzen“, Humusaufbau in den Böden, nachhaltiger Waldumbau bzw. Holznutzung und der Erhalt natürlicher Bestände. Hierbei kann ein regionales Kompensationsmanagement 76 zum Einsatz kommen. 55 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ✹ Mecklenburgische Schweiz: „Die Meck-Schweizer“ – Regionale Produkte aus der Nachbarschaft Die Regionalvermarktungsinitiative„Die Meck-Schweizer“ des„Regionalbündnis Mecklenburgische Schweiz e.V.“ setzt auf kurze Transportwege. Das Sortiment wird konsequent regional und der Saison entsprechend von den Erzeuger_innen aus der Mecklenburgischen Schweiz bezogen und erhält artenreiche Kulturlandschaften. Privatkund_innen können über die„Fretbrüdel“ die Produkte wortwörtlich„vor ihrer Haustüre“ kennenlernen. Für Einzelhändler_innen wird ein„Regionalregal“ angeboten, das individuell bestückbar ist. Produzent_innen-„Steckbriefe“ zeigen ansprechend die Herkunft der Produkte. Die Lieferungen erfolgen CO 2 -frei über einen Logistikdienstleister, der solarstrombetriebene Kühlfahrzeuge nutzt. Das Projekt, das Teil der Handelsplattform„Markt MV“ ist, unterstützt bäuerliche Betriebe und handwerkliche Verarbeitungsstrukturen und erhält regionale Arbeits- und Ausbildungsplätze. ▸ https://meck-schweizer.de/ ✹ „BioBoden-Genossenschaft“ Jedes Jahr kämpfen etliche Agrarbetriebe um die Hofnachfolge, gleichzeitig fehlen interessierten jungen Bio-Landwirt_innen oft die entsprechenden Mittel, um diese zu übernehmen und zu betreiben. Hier setzt die„BioBoden-Genossenschaft“ an. Damit Höfe nicht aufgegeben werden müssen, erwirbt die Genossenschaft Flächen bzw. ganze Betriebe, die interessierten Landwirt_innen zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt werden. Die langfristige Nutzung durch die Bauern erfolgt unter der Auflage, die Höfe nach den Anforderungen der ökologischen Landwirtschaft zu betreiben. So werden Flächen und Betriebe langfristig für die regionale Lebensmittelproduktion gesichert. Für Mitglieder der„BioBoden-Genossenschaft“ wird zudem ein Hofladen mit den Produkten der Partnerhöfe angeboten. Die Genossenschaft sieht sich nicht als Land-Investor, sondern verfolgt das Ziel, dem Markt sukzessive Boden als Spekulationsobjekt zu entziehen. ▸ https://bioboden.de/startseite/ ✹ „Regionalwert AG MV“ und der„Regio-Cent“ Von Bürger_innen, für Bürger_innen: Interessierte stellen der„Regionalwert AG“ Kapital zur Verfügung, mit dessen Hilfe sich diese an Bio-Betrieben beteiligen können. Vorausgesetzt wird, dass Betriebe sozial-ökologische Standards erfüllen, eine kooperative Arbeitsweise unterstützen und Arbeitsplätze schaffen. Im Gegenzug werden sie durch Beratungsangebote und Vernetzungsmöglichkeiten unterstützt, beispielsweise beim Aufbau langfristiger Partnerschaften zwischen Produzenten und Verarbeitern. Das Konzept der„Regionalwert AG“(erste Gründung in Freiburg 2006) hat sich deutschlandweit verbreitet und zeigt den Erfolg des Crowdfunding-Prinzips in der Ernährungswirtschaft. ▸ https://www.regionalwert-mv.de/ 56 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann Weiterlesen: Schanz, H.; Pregernig, M.; Baldy, J.; Sipple, D.; Kruse, S.(Hrsg.): Kommunen gestalten Ernährung – Neue Handlungsfelder nachhaltiger Stadtentwicklung, Berlin, 2020. ▸ https://www.nachhaltige-zukunftsstadt.de/downloads/ Kommunen_gestalten_Ernaehrung.pdf 3.6 Die Themenfelder der Transformation zusammendenken In den vorangegangenen Kapiteln wurde beispielhaft beschrieben, welche umfassenden und mutigen Maßnahmen in unterschiedlichen Handlungsfeldern ergriffen werden müssen, um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen. Doch dieses Vorgehen darf nicht zu einem eingeengten, sektoralen Denken führen. In den Maßnahmen müssen die fünf beschriebenen„Wenden“ zusammengedacht und die Potenziale aus den einzelnen Bereichen gewinnbringend miteinander verknüpft werden, damit sie einen dauerhaften transformativen Charakter erhalten. Beispielsweise müssen eine sozial gerechte Wohnungsbaupolitik, ressourcenschonende Baustoffe und Energiegewinnung, kurze Wege zur Nahversorgung und geteilte, vernetzte Mobilitätslösungen für das Quartier oder die gesamte Kommune miteinander verbunden werden(siehe Kapitel 4.5). Querschnittsziele Reine Luft, intakte Frischwasserreservoirs und Böden Ressourcennutzung in Kreisläufen Biodiversität Kompetenzausbau& Wissensaustausch Beteiligung& Teilhabe Umgestaltungsprozesse Ziele der Energiewende Ziele der Mobilitätswende Ziele der Bau- und Wohnwende Ziele der Industriewende Ziele der Ernährungswende Abbildung 15: Querschnittsziele und Umgestaltungsprozesse sind miteinander verknüpft und erfordern sektorübergreifendes Handeln; Eigene Darstellung 57 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern In jeder Maßnahme müssen neben den Treibhausgasemissionen alle anderen ökologischen Leitplanken berücksichtigt werden. Bestehende soziale Ungleichheiten dürfen nicht weiter verschärft werden. Daraus lassen sich wesentliche Querschnittsziele(siehe Abb. 15) ableiten, die alle Handlungsfelder gemeinsam haben: 🌑 Reine Luft, intakte Frischwasserreservoirs und Böden: Neben dem Ziel der Treibhausgasneutralität gilt es, die Luftverschmutzung durch Feinstaubpartikel zu minimieren, die Ozonschicht intakt zu halten und schonend mit Böden und Wasser umzugehen. 🌑 Ressourcennutzung in Kreisläufen: Ziel jeder Ressourcennutzung muss sein, die verwendeten Rohstoffe zu recyceln und erneut zu nutzen, damit die begrenzten Güter auch für folgende Generationen verfügbar sind. 🌑 Biodiversität: Um unser Ökosystem funktionsfähig zu halten, muss die Artenvielfalt bewahrt und gefördert werden, indem der Flächenverbrauch gesenkt und die natürlichen bzw. naturnahen Lebensräume für Tiere und Pflanzen wiederhergestellt werden. Die Europäische Kommission schlug 2022 vor, ein entsprechendes Gesetz auszuarbeiten. 77 🌑 Kompetenzausbau und Wissensaustausch: Die bevorstehenden Veränderungen sind schwierig. Maßnahmen müssen erprobt und bedarfsgerecht angepasst werden. Schlüssel für eine erfolgreiche Transformation sind Unterstützungsnetzwerke für Reflektion, Weiterentwicklung und Kompetenzaufbau. Diese Weiterbildungs- und Austauschangebote sollten möglichst kostenfrei und für alle zugänglich sein. 🌑 Beteiligung und gerechte Teilhabe: Politische und ökonomische Teilhabe sowie die Möglichkeit zu Partizipation und Mitbestimmung stellen sicher, dass alle Teil des gesamtgesellschaftlichen Wandels sind und gleichwertig behandelt werden. Damit einher geht die größere Beteiligung vor allem junger Menschen, eine Stärkung der Rechte der Frauen, Regelungen zur Inklusion(z.B. Menschen mit Migrationshintergrund) und eine gerechte Einkommensverteilung. Gleichzeitig ist die Vielfalt an sozialräumlichen Strukturen, an Bausubstanz und Architektur sowie an soziokulturellen Charakteristika zu berücksichtigen. Um die vielfältigen Ziele in Einklang zu bringen, müssen eine Handlungsstrategie und individuelle Lösungen bei möglichen Zielkonflikten ausgearbeitet werden (siehe Kapitel 4). 58 3 Wie die Transformation vor Ort angestoßen werden kann ✹ Müritz-Region:„ZENAPA – Zero Emission Nature Protection Areas“ „ZENAPA“, das bedeutet:„Zero Emission Nature Protection Areas“, zu Deutsch „Null-Emissionen Naturschutzräume“. Dahinter steckt das Ziel, Großschutzgebiete (z.B. Nationalparks) CO 2 -neutral zu gestalten. Als wesentliche Vorgabe dienen die nationalen und europaweiten Klimaschutzziele; Biodiversitäts- und Bioökonomiestrategien werden verfolgt. Die Maßnahmen umfassen Erneuerbare Energien(z.B. PV-Anlagen und Speicherkapazitäten), Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität(z.B. E-Fahrzeuge und Ladestationen) und Landnutzung(u.a. ökologischer Landbau). Gemäß eigener Angaben können nach Erreichen aller Ziele in der Summe 580 Millionen Euro regionale Wertschöpfung erreicht und jährlich 250.000 Tonnen Treibhausgase vermieden werden. Zu den„ZENAPA“ gehören elf Großschutzgebiete in Deutschland und eines aus Luxemburg. In MV ist der Müritz-Nationalpark und Umgebung Teil des Projektes. Die Regionen setzen in der achtjährigen Laufzeit des Projektes individuelle Maßnahmenpläne und Kampagnen um, die durch„Klimawandelmanager_innen“ koordiniert werden. Ziel ist ebenso, vor Ort entsprechenden Kompetenzen aufzubauen, beispielsweise durch Bewusstseinsbildung in allen betroffenen Zielgruppen. ▸ https://zenapa.de/ ✹ NABU„Fairpachten“ Mit„Fairpachten“ bietet die NABU-Stiftung ein kostenloses Beratungs- und Informationsangebot für Menschen, die ihre landwirtschaftlichen Flächen verpachten und gleichzeitig ökologisch aufwerten wollen. Die Naturschutzmaßnahmen sollen individuell an die jeweiligen Flächenvoraussetzungen angepasst sein. Das kann vom Anlegen eines Blühstreifens am Ackerrand bis zur Umstellung ökologische Landwirtschaft reichen. Damit soll mehr Natur in die Landwirtschaft zurückkehren und der Lebensraum heimischer Tier- und Pflanzenarten wiederaufgebaut werden. Die Beratung umfasst geeignete Fördermöglichkeiten für die Vorhaben. Der NABU hat 15 Jahre Erfahrung in eigener Entwicklung und Verpachtung von rund 20.000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen. Im Mittelpunkt steht ein kooperatives Arbeiten im Dialog mit den Bäuer_ innen. Das Projekt„Fairpachten“ wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen des „Bundesprogrammes Biologische Vielfalt“ gefördert. ▸ https://www.fairpachten.org/ Die zahlreichen Beispiele zeigen es: Die kommunale Ebene hat es in der Hand, Weichen für den solidarisch-ökologischen Wandel zu stellen. Die Klimakrise erfordert es, dass die Kommunen ihr Handeln vollständig auf Klima- und Ressourcen wirksamkeit ausrichten und rasch konkrete Fahrpläne entwickeln, wie eine„Null-Emissions-Kommune“ bis 2035 erreicht wird. 59 4 Grundlagen einer trans­ formativen Kommunalpolitik Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 4.1 Politischer Wille für einen Transformationskurs Grundlage dafür ist der politische Wille. Dieser Wille zur Veränderung sollte möglichst in allen Fraktionen in der Kommune vorhanden und vom Wissen um die Notwendigkeit einer solidarisch-ökologischen Transformation geprägt sein. Klimaschutz muss nicht nur von der Stadtspitze gewollt, sondern auch dort institutionell angesiedelt sein, etwa als Nachhaltigkeitsbüro oder Stabsstelle. Der Wandel muss alle kommunalen Bereiche durchziehen. Kein„Klein-Klein“ an niederschwelligen Projekten und ein langsamer Modernisierungskurs, sondern drastische Maßnahmen werden jetzt für die Transformation benötigt. Politischer Wille wird gebraucht, um nicht nachhaltige kommunale Praktiken schrittweise zu beenden: Der Bau neuer Parkhäuser und Parkflächen, kostenloses Parken in der Innenstadt, großflächiger Einzelhandel auf der grünen Wiese, die Neuausweisung von Baugebieten für Einfamilienhäuser oder die Verpachtung kommunaler landwirtschaftlicher Flächen an ressourcenschädigende Landwirt_ innen: All diese Praktiken sind nicht mehr zeitgemäß und müssen auslaufen. Bestehende Infrastrukturen können langfristig rück- oder umgebaut werden, um Platz für neue Lösungen zu schaffen. Der Ausstieg aus nicht nachhaltigen Praktiken und Prozessen braucht kommunalpolitischen Mut, Überzeugungskraft, Erläuterungen und Dialog . Wahre Verantwortung zeigen Kommunen, wenn sie auch unpopuläre Entscheidungen treffen und ihre Abwägungen offen kommunizieren. Dass gemeinsam wegweisende Entscheidungen getroffen werden können, wenn die Bevölkerung direkt und auf Augenhöhe angesprochen wird, zeigen die Erfahrungen z.B. in Bürger_ innenräten oder bei Ergebnissen des MV Zukunftsrats. ▸ https://www.regierungmv.de/Landesregierung/stk/Themen/Zukunftsfragen/ ✹ Schwerin: Klimanotstand Engagiert und als Vorbild geht die Landeshauptstadt Schwerin voran. Trotz begrenzter Haushaltsmittel werden ehrgeizige Ziele angestrebt, etwa die hundertprozentige Versorgung aus Erneuerbaren Energien bis 2035. Die Kommune hat 2020 mit der Erklärung des Klimanotstandes die Dringlichkeit städtischen Klimaschutzes anerkannt. Es wurde 2021 bis 2022 in fünf Beteiligungsveranstaltungen mit verschiedenen Schwerpunkten ein neues Konzept inklusive Maßnahmenplan namens„Klimagerechtes Schwerin“ geschaffen. In der Klima Allianz Schwerin erarbeiten private und 62 4 Grundlagen einer transformativen Kommunalpolitik kommunale Unternehmen gemeinsam neue Ideen. Das 2020 gegründete städtische Klimabündnis soll vor allem zivilgesellschaftlich engagierte Menschen bei ihren Vorhaben unterstützen und die Transparenz der Politik erhöhen. An Schwerin wird deutlich, dass Klimaschutz auch mit wenig Ressourcen möglich ist: Mit einer engagierten Zivilgesellschaft und einem starken Netzwerk. ▸ https://www.klimabuendnis.org/ kommunen/klimanotstand/beispiele/schwerin.html Weiterlesen: Birzer, Markus: So geht Bürgerbeteiligung. Eine Handreichung für die kommunale Praxis, Bonn, 2015. ▸ http://library.fes.de/pdf-files/akademie/ kommunal/11523.pdf 4.2 Konzeptionelle Grundlagen mit Vision und klaren Zielvorstellungen Für die Umsetzung sind Konzepte mit klaren Zielen und Leitplanken erforderlich. Dabei kommt es darauf an, die Lücken zu den notwendigen Zielmarken schonungslos aufzudecken und daraus wirksame Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen, die das Restbudget an Emissionen(pro Kopf der Bevölkerung) berücksichtigen. Zusammengefasst beinhaltet ein derartiges Vorgehen: 🌑 Bestandsaufnahme und-bewertung: Welche Kapazitäten(Infrastruktur, Institutionen, Akteure) sind schon vor Ort vorhanden, schrittweise den Transformationsprozess anzugehen? An welchen Stellen ist die Kommune bei anstehenden Veränderungen besonders anfällig? Welche umweltschädlichen Praktiken müssen schnell bzw. schrittweise beendet werden? 🌑 Leitbilder geben klare Orientierung, nehmen bestehende Ängste auf und dienen als Wegmarken zu einer nachhaltigen Entwicklung. Sie bestehen aus kurz-, mittel- und langfristigen Zielen und helfen, eine gemeinsame Wertebasis und eine klare Zielrichtung zu schaffen.„Gute Geschichten von einem nachhaltigen Leben“ helfen zu motivieren und vermitteln das Bild einer lebenswerten Kommune in der Zukunft. 🌑 Eine Strategie aus geeigneten Maßnahmen und Projekten setzt das Leitbild um. Sie gibt Antworten auf das Wie: Wie werden Verwundbarkeiten in Krisenzeiten minimiert und im Fall der Fälle gesteuert? Wie werden nicht nachhaltige Praktiken schnellstmöglich beendet und verbleibende Praktiken emissionsfrei? Wie kann langfristig ein gutes Leben innerhalb der ökologischen Leitplanken auf einem solidarischen Fundament aussehen? 63 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 🌑 Monitoring und Evaluierungsinstrumente zeigen Entwicklungsfortschritte, decken Rückschritte auf und erlauben die inhaltliche Steuerung und Anpassung des Prozesses in den kommenden Jahren. Das Ziel wird nicht von jetzt auf gleich erreicht. Entscheidungen für langfristige Veränderungen müssen heute angegangen werden. Um erfolgreich zu sein, sollten sich Zivilgesellschaft und Wirtschaft mit den Zielen identifizieren und mit ihren Projektideen an die Bewegung andocken können. Das heißt: Bei der Entwicklung eines Konzepts müssen die Bürger_innen, Vereine, Verbände, Initiativen und lokalen Fachleute beteiligt werden. Greifswald: Kommunale Nachhaltigkeitsstrategie Greifswald begreift Nachhaltigkeit als eine wichtige Daueraufgabe. Als erste Kommune in MV legte die Universitäts- und Hansestadt eine eigene integrierte Nachhaltigkeitsstrategie vor. Als Richtschnur bis zum Jahr 2030 fungieren die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen(sog.„SDGs“= Sustainable Development Goals). Die Strategie umfasst Zielsetzungen, Maßnahmen und Leitlinien. Bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt wird zum Beispiel die Errichtung kommunaler Gebäude nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, das Engagement als Fairtrade-Stadt oder der Ausbau von Radwegen in der Stadt und ins Umland. Das Konzept, das gemeinsam mit der Bürgerschaft und Vertreter_innen aus Verwaltung, Politik und Wissenschaft in sechs Workshops erarbeitet wurde, gliedert sich in sechs Themengebiete: • Soziale Gerechtigkeit und zukunftsfähige Gesellschaft • Nachhaltiger Konsum und gesundes Leben • Globale Verantwortung und Eine Welt • Klimaschutz und Energie • Nachhaltige Mobilität • Ressourcenschutz und Klimafolgenanpassung Greifswalds Engagement erhielt 2020 die Auszeichnung der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis, die seither das Rathaus ziert. ▸ https://www.nachhaltigkeitspreis. d e /ko m m u n e n/ p r e i s t r a e g e r- s t a e d t e- u n d- g e m e i n d e n/ 2 0 2 0 /u n i v e r s i t a e t s- u n d- h a n sestadt-greifswald/ ▸ https://www.greifswald.de/de/verwaltung-politik/rathaus/ pressemitteilungen/Greifswald-legt-als-erste-Stadt-in-Mecklenburg-Vorpommern-Nachhaltigkeitsstrategie-vor/ ▸ https://www.greifswald.de/de/wirtschaft-bauen-verkehr/ umwelt-und-klimaschutz/nachhaltigkeit/ 64 4 Grundlagen einer transformativen Kommunalpolitik 4.3 Transformation gemeinsam in der kommunalen Familie Die Kommune wird selbst zur aktiven Akteurin des Wandels, wenn sie nachhaltiges Handeln nicht als lästige optionale Zusatzaufgabe versteht, die nebenbei bewältigt werden kann. Klimaschutz als Querschnittsaufgabe wird der neue Normalfall . Alle Liegenschaften und Einrichtungen sind betroffen: Von Stadt- oder Regionalwerken, Wohnungsbaugesellschaften, Verkehrsbetrieben, Wasserwirtschafts- und Abfallwirtschaftsunternehmen bis hin zu Kultur- und Bildungseinrichtungen. Ein moderater Modernisierungskurs reicht nicht aus. Klimaschutz braucht eine Klimaschutz braucht eine institutionelle Verankerung in der Kommunalverwalinstitutionelle Verankerung in der Kommunalverwaltung. tung, zusätzlich ausreichend Personalund Finanzressourcen. Idealerweise koordiniert eine„Stabsstelle Klimaschutz“ Aktivitäten der Verwaltungseinheiten, sorgt für Kommunikation und Austausch und moderiert den Wandlungsprozess. Erfolgreicher Klimaschutz macht ein stetes Anpassen an neue Gegebenheiten notwendig und muss deshalb als Dauerstelle geplant und beim Stadtoberhaupt verankert sein. 78 Kommunale Unternehmen können vielfältige Vorreiterposition einnehmen, etwa: 🌑 Stadtwerke werden zu Treiberinnen des Ausbaus erneuerbarer Energien (siehe Infobox 12) und der Mobilitätswende; 🌑 kommunale Wohnungsbaugesellschaften werden zu Vorreiterinnen beim energetischen Sanieren und klimaneutralen Bauen, zu denjenigen, die Wohnraum für alternative ressourcenleichte Wohnformen zur Verfügung stellen und die Erfahrungen an Bauträger weitergeben; 🌑 Abfallwirtschaftsbetriebe starten Kampagnen zur Kreislaufwirtschaft, zu längeren Nutzungszyklen und Plastikfreiheit; 🌑 kommunale Verkehrsbetriebe bauen den öffentlichen Verkehr aus und bieten kostenlose bzw. kostengünstige Tickets an; 🌑 Wasserwerke unterstützen einen Wechsel in der Landnutzung; 🌑 Gesundheitseinrichtungen weisen auf die Gesundheitsgefahren des Klimawandels hin und empfehlen Verhaltensänderungen in Mobilität, Ernährungsweise und Freizeitgestaltung. 65 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern INFO 12 ✹ Rügen: Woche der Nachhaltigkeit Was bedeutet Nachhaltigkeit? Dieser Frage geht die Rügener Nachhaltigkeitswoche gemeinsam mit Bürger_innen und Institutionen aus der Region nach. Die 8. Auflage 2022 bot viel: von geführten Wanderungen über Informationsveranstaltungen und Kreativwerkstätten für Kinder bis zum„Blick hinter die Kulissen“ in kommunalen Betrieben. Dabei sind viele lokale Unternehmen, insbesondere Gastronomie und Tourismus. Einige bieten während der Nachhaltigkeitswoche eine„regionale Speisekarte“ an. Auf dem„Markt der Nachhaltigen Alternativen“ können Besucher_innen Produkte kennenlernen, ausprobieren und kaufen. Das Angebot reicht von Kleidung über Lebensmittel bis hin zu Elektrofahrzeugen. Dabei geht es ums Erleben und Entdecken, um Nachhaltigkeit spürbar zu machen mit dem Ziel: Rügen soll lange das Naturparadies bleiben, das es heute ist. Stadtwerke-Initiative Klimaschutz Im deutschlandweiten Zusammenschluss aus Stadtwerken und Energieversorgern wollen die Beteiligten gemeinsam einen generationengerechten Weg zur Treibhausgasneutralität gestalten und die regionale Wertschöpfung steigern. Sie verpflichten sich zur regelmäßigen Treibhausgasbilanzierung, der Entwicklung und Umsetzung einer Dekarbonisierungsstrategie sowie der jährlichen Überprüfung und Anpassung der Maßnahmen zur Zielerreichung. Die Tätigkeiten werden jährlich veröffentlicht und Erfahrungen im Netzwerk zum treibhausgasneutralen Handeln im eigenen Unternehmen sowie bei Kund_innen geteilt. Die Initiative bietet Kommunen eine gute Möglichkeit, die lokale Zusammenarbeit mit den Stadtwerken zu stärken und überregional Erfahrungen zu teilen. ▸ https:// w w w.s t adt werke- klimaschut z.de/ Ein weiteres Projekt der Einwohner_innen Rügens ist„WENIGER FÜRS MEER“, das Besucher_innen und Einheimische unterstützt, Einwegplastik auf der Insel zu vermeiden und zu reduzieren, etwa mit dem„Buddelbuddy“(wiederbefüllbare Trinkflasche), dem „Kippenkiller“(Aschenbecher für die Hosentasche) und dem„Dreckbag“(biologisch abbaubaren Müllbeutel für eigenen bzw. fremden Müll). ▸ https://www.ruegen.de/ nachhaltigkeit 66 4 Grundlagen einer transformativen Kommunalpolitik 4.4 Finanzierung von Klimaschutz und Nachhaltigkeitsmaßnahmen INFO 13 Divestment Einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit kann das sogenannte Divestment Der kommunale Haushalt ist ein kommuleisten. Divestment ist das Gegenteil von nales Regierungsprogramm in Zahlen . Investment. Es bedeutet, dass Geld aus Durch ihn können strategische Prioriproblematisch angesehenen Industrien täten gesetzt werden, um die Kommune wie der Atomenergie-, Erdöl- und Erdgasauf Nachhaltigkeitskurs zu bringen und sowie Kohlebranche abgezogen und in die notwendigen Wenden für den Klizukunftsfähige Bereiche wie erneuerbare maschutz einzuleiten. Infolge knapper Energien investiert wird. Es gibt bereits finanzieller Ressourcen werden Klimamehrere Städte in Deutschland mit einem schutzmaßnahmen oft hintangestellt. Divestmentbeschluss. Dabei haben diese Maßnahmen neben dem ökologischen vielfach einen langfristigen ökonomischen Nutzen. Kommunen, die im Klimaschutz durchdacht und konsequent vorgehen, können dauerhaft ihre Energiekosten senken und den kommunalen Haushalt entlasten. Die Handlungsmöglichkeiten reichen dabei vom Einbau einer Gebäudeleittechnik über den Austausch technischer Anlagen bis hin zu Mitarbeiterschulungen. Der lokale Ausbau erneuerbarer Energien liefert Impulse für die regionale Wirtschaft und Wertschöpfung, wovon die Kommune durch höhere Steuereinahmen profitiert. Regulatorische Maßnahmen kosten meist kein Geld und können direkt umgesetzt werden. Klimaschutz ist mehr als ein Kostenfaktor im Haushaltsplan . Vielmehr muss der gesamte Haushaltsplan zum Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsplan werden. In städtischen Finanzrichtlinien beispielsweise können Kriterien zum städtischen Klimaschutz ist mehr Anlagenmanagement festgelegt werden, um Anlagen in fossile Energien zu unterbinden. Über ein aktives Divestment als ein Kostenfaktor im Haushaltsplan. (siehe Infobox 13) kann die Stadt in nachhaltige Kapitalanlagen investieren. Wenn Kommunen Nachhaltigkeit als zentrale Aufgabe betrachten, dann müssen alle Vorhaben unter einem Nachhaltigkeitsvorbehalt stehen und entgegenlaufende Ausgaben unterbunden werden bzw. auslaufen. 67 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ✹ „Kommunaler Nachhaltigkeitshaushalt“ der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW(Nordrhein-Westfalen) In der LAG 21 NRW werden Nachhaltigkeit und Haushalt zusammengedacht. Das Modellprojekt zeigt, dass eine Verknüpfung von Nachhaltigkeitszielen mit dem kommunalen Haushalt möglich ist und zahlreiche Potentiale bietet. Die Stadt Köln und der Kreis Unna haben das Projekt 2018 als Modellkommunen erfolgreich abgeschlossen. Ziel ist es, dass Nachhaltigkeit integraler Bestandteil jedweder kommunalen Tätigkeit wird. „Der doppische Produkthaushalt kann zum Rahmen für eine wirkungsorientierte Nachhaltigkeitssteuerung werden, wenn kurz-, mittel- und langfristige Nachhaltigkeitsziele im üblichen Haushaltsverfahren beschlossen und die Zielerreichung über Kennzahlen und Indikatoren jährlich offengelegt werden“, erklärt Klaus Reuter, Geschäftsführer der LAG 21 NRW, die Vorteile dieses Weges. Der Nachhaltigkeitshaushalt schließt also nahtlos an die Erarbeitung einer strategischen Konzeption an. ▸ https://www.lag21.de/ aktuelles/details/kommunaler-nachhaltigkeitshaushalt-kommunen-stehen-fest/ ✹ „Waldaktie“ und„MoorFutures“ Seit 2007 können Kund_innen mit dem Erwerb einer Waldaktie(Wert: zehn Euro) die Aufforstung von fünf Quadratmetern standortgerechten Laubmischwalds mitfinanzieren. Die Landesforstanstalt wählt die Baumarten aus, achtet auf Bodeneigenschaften und Wasserverfügbarkeit. Die Waldflächen werden anschließend durch das Landeswaldgesetz geschützt. Mit dieser kleinen Investition, so das Umweltministerium MV, können Käufer_innen, ergänzend zu öffentlichen Aufforstungsprogrammen, einen zusätzlichen individuellen Beitrag für den Aufbau der„Klimawälder“ leisten. Mit den aus 100.000 verkauften Waldaktien erwirtschafteten Mitteln wurden bereits 500.000 m 2 Wald angepflanzt, die jährlich etwa 450 Tonnen CO 2 binden. Das Kompetenzzentrum Ökowertpapiere im Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt MV bietet weitere Ökowertpapiere wie„Streuobstgenussschein“ und„MoorFutures“ an. Wichtiger Ansatz ist, dass diese innovativen Aktionen als Zusatz verstanden werden und nicht die notwendige Reduktion der THG-Emissionen ersetzen. ▸ https://www.ecolando.de/ 68 4 Grundlagen einer transformativen Kommunalpolitik 4.5 Die räumliche Dimension des Wandels Viele strategische Maßnahmen sollten nicht allein auf der kommunalen Ebene bearbeitet werden, sondern ebenso auf der Quartiersebene , auf der Ebene des Dorfes , der Ortsteile oder als kommunaler Zusammenschluss einer ganzen Region oder Stadt-Land-Partnerschaft. Der Quartiersansatz: Das Quartier hat eine zentrale Rolle im Klima- und Umweltschutz, da es die Gebäude- und die Ortsteilebene verbindet. Aufgrund seiner Größe können innovative Maßnahmen schnell und direkt umgesetzt werden(siehe Infobox 14). Zudem identifizieren sich die Menschen vor Ort mit ihrem Viertel, womit es sich für zivilgesellschaftliches Engagement eignet. Oft sind bereits Strukturen für den Aufbau von Kooperationen vorhanden, z.B. Quartiers- oder Stadtteilmanagements. So bietet sich die Chance, mehrere Handlungsfelder zielgerecht und gemeinsam zu bearbeiten: 🌑 soziale Nachbarschaft, 🌑 Stromversorgung, 🌑 Wärmenutzung, 🌑 Mobilitätsangebote, 🌑 Abfall- und Wassermanagement oder 🌑 Grünflächen und Freiräume zusammenzudenken Beispielsweise können Nahwärmenetze auf Quartiersebene zentrale Bausteine sein, um das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes zu erreichen. Dafür kann über Sanierungsförderungen der Energiebedarf der Gebäude gesenkt und der verbleibende Bedarf gemeinsam durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Die dezentrale Versorgung mit Strom kann durch Mieter_innenbeteiligungen erhöht werden, Bürgerenergie-Gemeinschaften auf Nachbarschaftsebene können die Teilhabe stärken und die Verbindung zu ‚geteilten‘ Mobilitätsangeboten(z.B. Car-Sharing) innerhalb der Nachbarschaft darstellen. Sharing-Angebote können einfacher etabliert werden, weil das Vertrauen unter Nachbarn höher ist. Die Handlungsebene zwischen städtischen und ländlichen Räumen bietet ebenfalls viel Potenzial, beispielsweise um regionale Kreisläufe und Wertschöpfungsketten zu stärken. Städte und ihr ländliches Umfeld ergänzen sich in vielen Punkten hervorragend: In der Stadt werden viel Energie und Lebensmittel benötigt. Die Betriebe auf dem Land verfügen über Flächen, um in Windparks, 69 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Freiflächenanlagen und Biogasanlagen Energie zu produzieren, aber auch um Nahrungsmittel herzustellen und weiterzuverarbeiten. In interkommunalen Verbünden oder Stadt-Land-Partnerschaften können etwa durch Bürgerenergie-Genossenschaften regionale Kompensationsinstrumente oder moderne wirtschaftliche Ansätze(z.B. solidarische Landwirtschaften, Regionalwert AGs) entstehen. Die enge Vernetzung zwischen Stand und(Um-)Land verursacht schon heute vielfältige MobilitätsbeINFO 14 dürfnisse. Intensiv genutzte PendlerGanzheitliche Förderung durch strecken brauchen mehr und verlässlich die KfW-Bank aufeinander abgestimmte nachhaltige Die KfW-Bank fördert mit ihrem Mobilitätsangebote(z.B. ÖPNV, sichere Programm„Energetische Stadtsanierung“ Radwege, E-Mobilität). Neue Siedlungsintegrierte, energetische Quartierskonzepte und Bauprojekte können so gestaltet und ein darauf aufbauendes Quartierswerden, dass kurze Wege und wenig Flämanagement. Maßnahmen zur energiechenverbrauch entstehen. effizienten Sanierung des Gebäudebestands werden mit klimagerechter Mobilität sowie Digitalisierungsprozesse bestimmen Grün- und Freiraumentwicklung zusammenzunehmend Alltag, Kommunikation gedacht. Im Sinne einer„Kultur der Energeund Arbeitswelt. Sie überbrücken meist tischen Stadtsanierung“ sollen integrierte komfortabel räumliche Distanzen und und ganzheitliche Strategien zum Standard können Teilhabe wie weltweite Vereiner nachhaltigen Stadt- und Regionalentnetzung fördern. Nicht alles kann bzw. wicklung werden für eine zukunftsfähige sollte digital umgesetzt werden, denn Entwicklung von Quartieren und von klimadigitale Angebote verursachen Treibbewusstem Verbrauchsverhalten. ▸ https:// hausemissionen. Es wird geschätzt, energetische-stadtsanierung.info/energetidass sie global bereits bis zu 3,9 Prozent sche-stadtsanierung/handlungsfelder-derdavon ausmachen, Tendenz steigend. 79 energetischen-stadtsanierung-2/ Das Streamen von zehn Minuten in HDQualität auf dem Smartphone verursacht so viel CO 2 wie fünf Minuten einen 2000-Watt-Elektroofen zu nutzen. 80 Das droht die Klimakrise zu verschärfen, solange diese Dienstleistungen nicht klimaneutral erbracht werden. Digitalisierungsprozesse können dennoch enormes Potenzial entfalten, um den sozialen Zusammenhalt und Ausgleich zu sichern oder die Entwicklung von Solidarität und eines globalen Bewusstseins zu befördern. 70 4 Grundlagen einer transformativen Kommunalpolitik ✹ Landkreis Nordwestmecklenburg: „RES-Chains“- Ketten Erneuerbarer Energien identifizieren Einen umfassenden Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette erneuerbarer Energien hat das EU-Projekt„RES-Chains“ 2013(Renewable Energy Source chains) geworfen. Dabei wurde im Landkreis Nordwestmecklenburg die regionale Wertschöpfung untersucht, es erfolgten ebenso Potenzialabschätzungen für die Erneuerbaren Energien sowie die Analyse zu Möglichkeiten für Energiemixe je nach regionalen Bedürfnissen. Das soll eine nachhaltige Nutzung der EE vom Ursprung bis zum Endverbrauch ermöglichen. Das übergeordnete Ziel war die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und der Ausbau von EE in den Partnerregionen aus Schweden, Polen, Litauen, Dänemark und Deutschland durch gemeinsame, grenzüberschreitende Initiativen. Dabei war der Informationsaustausch zentral, insbesondere das Zeigen von GoodPractice-Beispielen. Das Projekt veröffentlichte das Handbuch:„How to establish renewable energy“ und die Broschüre„Energie zum Selbermachen“, die sich vorwiegend an Endverbraucher_innen richtet. ▸ https://www.geoport-nwm.de/down load/29 0 0 8/2._ analyse_ potentiale_ und_ anwendungen_ ee_ in_ mv_ endbericht.pdf 71 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 4.6 Die Kommune als Partnerin im Wandel INFO 15 Die solidarisch-ökologische Transformation kann nicht allein vom Stadtoder Gemeinderat, der Verwaltung oder Einzelpersonen geleistet werden. Klimafreundliches Handeln muss gelernt und schrittweise aus gesellschaftlichen Nischen herausgeholt werden. Der Umstieg fällt leichter, wenn er als gemeinschaftlicher Prozess gestaltet und mit dem notwendigen Wissen verbunden wird. Nötig sind dafür neue Partnerschaften: mit der gesamten Gesellschaft vor Ort, mit anderen Kommunen, der lokalen Wirtschaft und der Wissenschaft. Experimentieren in Reallaboren Reallabore sind eine Methode der Transformationsforschung. In Zusammenarbeit von Wissenschaft und Personen aus der Praxis können in zeitlich und örtlich beschränkten, möglichst realweltlichen Kontexten(z.B. im Quartier) technische und soziale Innovationen erprobt werden. Dadurch wird Wissen produziert, das aus der Gesellschaft entsteht und somit mehr Zustimmung und Akzeptanz findet. Reallabore können von der Kommune unterstützt und selbst initiiert werden. 81 Die Aufgabe professioneller Öffentlichkeitsarbeit ist es, transparent zu machen, welche Risiken und Krisen mit dem Klimawandel verbunden sind und die Bevölkerung auf Umbrüche vorzubereiten. Sie muss zugleich aufzeigen, wie ein gutes klimaschonendes Leben vor Ort aussehen kann. Geschichten der Zukunft , die mit Emotionen und gut gewählten Bildern heute schon von morgen erzählen, können die Angst vor Veränderung nehmen und Impulse zur Neugestaltung des eigenen Lebens geben. Die globale Krise der Moderne lässt sich nur mit einem gemeinsamen Verständnis von nachhaltiger Entwicklung überwinden. Ein gemeinsamer Gesellschaftsvertrag (z.B. die Verpflichtung auf Klimaneutralität bis 2035 oder die Ausrufung des Klimanotstands) hält das Bekenntnis zum klimaneutralen Wandel einer Kommune fest und hilft, eine Partnerschaft zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft zu formen. Eine Transformationsplattform unterstützt beim Wandel. Sie bringt sachkompetente und visionäre Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen(siehe Abb. 15). Entscheidend ist, lokale Pionier_innen einzubeziehen. Somit kommen Ideen und Erfahrungen gewinnbringend zusammen, Konflikte werden hier moderiert. 72 4 Grundlagen einer transformativen Kommunalpolitik Neue Kooperationen sind auch als Lerngemeinschaften für nachhaltiges Produzieren und Konsumieren zu verstehen, zum Beispiel Reallabore(siehe Infobox 15). Die Kommune kann hierzu Maßnahmen im Bündnis mit Vereinen, Initiativen, Kirchen und Kammern anregen und diese langfristig begleiten. Volkshochschulen und kommunale Bildungseinrichtungen, etwa Schulen, sind hierfür strategische Partnerinnen. Kommunen können Räumlichkeiten zum Austausch oder städtische Grünflächen für die Umsetzung von Ideen bereitstellen. Durch Beratungsangebote, Anschubfinanzierung oder durch die Prämierung und Weiterverbreitung von innovativen Ideen kann die Kommune den Prozess fördern. ✹ Stralsund: Klimarat Seit 2009 begleitet der Klimarat den Klimaschutz in der Hansestadt Stralsund. Die Mitglieder setzen sich aus Akteur_innen der Bereiche Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Verwaltung zusammen, gegliedert in die Arbeitskreise Energie, Verkehr und Öffentlichkeitsarbeit. Der Rat begleitete beratend die Erstellung des 2011 verabschiedeten Stralsunder Klimaschutzkonzeptes. Die Arbeitskreise leisten operative Arbeit und verfolgen die Umsetzung der einzelnen Klimaschutzmaßnahmen. Mit dem Beitritt zum globalen Klimabündnis„Climate Alliance“ verpflichtete sich 2009 die Stadt, die CO 2 -Emissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren, ausgehend von 2010. Mit Hilfe von Bundesfördermitteln konnte 2012 ein Klimaschutzmanagement eingerichtet werden. ▸ https://klimaschutz.stralsund.de/Klimarat/ 73 5 Transformation jetzt gestalten 5 Transformation jetzt gestalten Lang vermutete, einschneidende Veränderungen im ökologischen, sozialen und ökonomischen Bereich sind in vielen Regionen der Welt deutlich spürbar. Die globalen Auswirkungen unseres verschwenderischen Handelns in der Vergangenheit sind unübersehbar. Der Begriff der Großen Transformation beschreibt eine Aktivierung aller Sektoren und Ebenen, um heute das gute Leben von morgen zu skizzieren. Strategische, themenübergreifende Verhaltensänderungen sind notwendig. Schädliche Praktiken müssen aufgegeben, und unser Handeln muss krisensicher , naturverträglich und solidarisch gestaltet werden. Wir brauchen einen Kulturwandel. Die zahlreichen Beispiele der vergangenen Kapitel zeigen: Es gibt Alternativen, die allen Menschen die Chance auf ein gutes Leben ermöglichen. Auf einem Planeten, dessen Belastungsgrenze nicht überschritten wird. Und der sozial gerecht gestaltet ist. Die Kommune ist eine bedeutende Partnerin und Akteurin des Wandels, sie kann ermutigen und muss voranschreiten. 75 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Glossar EFRE Fernwärme Flächenkreislaufwirtschaft Geothermie Steht für„Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung“. Die Mittel dienen insbesondere dazu, strukturschwache Regionen in ihrem(wirtschaftlichen) Aufholprozess zu unterstützen und regionale Ungleichgewichte auszugleichen. Die Förderung wird in mehrjährigen Förderperioden umgesetzt. In MV erfolgt die Fondsverwaltung im Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit. ▸ https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/wm/Wirtschaft/ EFRE/ Dient der Versorgung von Gebäuden mit Raumwärme und Warmwasser. Die Wärmeenergie stammt aus Heizkraftwerken(z.B. Blockheizkraftwerke) oder fällt als Abwärme aus Industrieprozessen an. Über wärmegedämmte Rohrsysteme wird die zentral produzierte Energie zu den Verbraucher_ innen geliefert. Verfolgt das Ziel, den Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen zu reduzieren. Anstatt neue Flächen zu versiegeln(= Bebauung des natürlichen Bodens) sollen Baulücken, bereits versiegelte Flächen bzw. Brachflächen(wieder) nutzbar gemacht werden. Wird auch als„Erdwärme“ bezeichnet und ist eine regenerative Energiequelle. Die Wärmeenergie stammt dabei aus der Erdkruste/ dem Erdinnern und wird, je nach Tiefe des Wärmereservoirs, durch verschiedene technische Verfahren nutzbar gemacht. Sie kann für die Versorgung mit Raumwärme, Warmwasser und zur Stromerzeugung genutzt oder zum Kühlen verwendet werden. 76 Gigatonne IPCC Klimaneutralität MIV Negative Emissionen Glossar Ist ein Vielfaches einer Tonne Gewicht, sie umfasst 1.000.000.000 Tonnen Steht für„Intergovernmental Panel on Climate Change“, zu Deutsch„Zwischenstaatlicher Ausschuss für den Klimawandel“ und ist eine Institution der Vereinten Nationen(UN). Im Auftrag des IPCC sammeln, sichten und bewerten Wissenschaftler_innen weltweit den Kenntnisstand zum Klimawandel. Sie bereiten ihre Ergebnisse in umfangreichen Sachstandsberichten für die Öffentlichkeit, insbesondere für politische Entscheidungsträger_innen auf. Die Berichte zeigen Handlungsoptionen und deren Folgen auf, geben aber keine konkreten Handlungsempfehlungen oder Maßnahmenvorschläge. Bezeichnet im engsten Sinne das Gleichgewicht zwischen dem Ausstoß(Emission) von Treibhausgasen und deren Aufnahme aus der Atmosphäre in sog. Senken. Das bedeutet, dass nicht mehr Emissionen in das Umweltsystem abgegeben werden, als wieder aufgenommen werden können, d.h. es kommt zu keinem Anstieg der Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Im weiteren Sinne bedeutet der Begriff, dass durch Prozesse das Klima nicht beeinflusst wird. Steht für„Motorisierter Individualverkehr“ und umfasst Kraftfahrzeuge(z.B. Pkw und Motorräder), die zum individuellen Personentransport genutzt werden. Sie bilden den Gegenpol zum öffentlichen Personennahverkehr(ÖPNV), der die Mobilität vieler Menschen ermöglicht. Durch Vegetation wird sowohl Kohlendioxid(CO 2 ) aus der Luft mittels Photosynthese gespeichert(negative Emissionen) als auch durch natürliche Prozesse freigesetzt(positive Emissionen). Zu den größten globalen Kohlenstoffspeichern gehören Meere, Böden und gesunde Waldökosysteme. 77 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Paludikultur Restbudget (Budgetansatz) Solarthermie Solidarische Landwirtschaft Bedeutet die landwirtschaftliche Nutzung nasser Moorstandorte. Dabei liegt der Fokus darauf, die Moore nicht zu beeinträchtigen, sodass ihre Funktionen als Kohlen stoffspeicher, im Hochwasserschutz und für die Biodiversität weiterhin erhalten bleibt. Dafür sollen durch einen ganzjährig hohen Wasserstand der Erhalt bzw. die Neubildung von Torf gewährleistet werden. Bezieht sich in diesem Handbuch auf die Begrenzung der Klimaerwärmung auf maximal 1,75 Grad Celsius. Das Budget bezeichnet die Gesamtmenge an CO 2 , die bis zu einem festgelegten Zeitpunkt emittiert werden darf, um dieses Ziel mit einer größtmöglichen Wahrscheinlichkeit einzuhalten. In die Berechnung des Budgets werden dabei alle Emissionen einbezogen, die seit der Industrialisierung bzw. ab dem festgelegten Referenzzeitpunkt emittiert wurden. Anders als bei einer Photovoltaik-Anlage wird bei der Solarthermie die Energie der Sonne nicht in elektrische Energie, sondern in Wärmeenergie umgewandelt. Die gewonnene Energie kann dann zur Warmwasserversorgung und zur Erzeugung von Raumwärme bzw. Heizungsunterstützung genutzt werden. Solarthermieanlagen sind vor allem im Eigengebrauch üblich. Bezeichnet eine bestimmte Kooperationsform von Landwirt_innen und Konsument_innen. Letztere ermöglichen durch ihr privates Kapital die laufende Finanzierung des landwirtschaftlichen Betriebes und erhalten im Gegenzug einen entsprechenden Anteil an der Ernte. Die Landwirt_ innen setzen dabei gewöhnlich ökologische Bewirtschaftungsmethoden ein. 78 THG= Treibhausgasemissionen Transformation Vertical Farming Glossar Ist der Überbegriff für bestimmte Gase, die den Treibhauseffekt der Erdatmosphäre verstärken. Das geschieht, indem sie die vom Planeten abgegebene Wärmeenergie aufnehmen und sie wieder innerhalb des Erdsystems abgeben. Dadurch wird weniger Wärmeenergie an das Weltall abgegeben und verbleibt innerhalb der erdeigenen Atmosphäre(„Treibhauseffekt“). Das führt zu einer Erwärmung der Atmosphäre und damit einer Steigerung der globalen Durchschnittstemperatur. Beschreibt die globale und ganzheitliche Veränderung von Gesellschaft und Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit. Dafür braucht es ein Umdenken und neue, nachhaltige Handlungsweisen in allen Gesellschafts-, Wirtschafts- und Politikbereichen. Dieses Handbuch verfolgt das Ziel, Kommunen und ihre Vertreter_innen bei dem für die Transformation erforderlichen Anpassungs- und Veränderungsprozess zu unterstützen. Zu Deutsch:„Vertikale Landwirtschaft“ und ist ein Konzept für eine flächensparsame Landwirtschaft. Dabei werden die Pflanzen auf mehreren Etagen dicht übereinander angebaut. Das Sonnenlicht wird z.B. durch LED-Lampen ersetzt. 79 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Anhang Weiterführende Literatur Broschüren BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung(2020): Glossar zur gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung, Nationale Stadtentwicklungspolitik, Deichmanns Aue, Bonn. FiBL – Forschungsinstitut für biologischen Landbau(2017): Kursbuch Agrarwende 2050 – ökologisierte Landwirtschaft in Deutschland. Erstellt im Auftrag von Greenpeace. Frankfurt am Main. Hafner, Sabine; Hehn, Nina; Miosga, Manfred(2019): Resilienz und Landentwicklung. Pfadwechsel: Vitalität und Anpassungsfähigkeit in ländlich geprägten Kommunen Bayerns stärken, Hg. v. Bayerische Verwaltung für Ländliche Entwicklung. Höhne, Niklas; Emmrich, Julie; Fekete, Hanna; Kuramochi, Takeshi(2019): 1,5°C: Was Deutschland tun muss, Köln: New Climate Institute 2019. IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change(2021): Naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels 2021, englisch. SRU(2020): Für eine entschlossene Umweltpolitik in Deutschland und Europa. Umweltgutachten 2020. Hg. v. Sachverständigenrat für Umweltfragen, Berlin. Umweltbundesamt(2020): KonUmwelt – Kurzstudie zur globalen Umweltinanspruchnahme unseres privaten Konsums, Dessau-Roßlau. WBGU – Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen(2011): Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation. Hauptgutachten. 2., veränd. Aufl, Berlin. 80 Literatur WBGU – Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen(2016): Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte, Berlin. WI – Wuppertal Institut(2017): Verkehrswende für Deutschland – Der Weg zu CO 2 -freier Mobilität bis 2035. Langfassung, erstellt im Auftrag von Greenpeace, Wuppertal. Bücher Brokow-Loga, Anton& Eckardt, Frank(2020): Postwachstumsstadt. Konturen einer solidarischen Stadtpolitik. München: oekom. Hafner, Sabine& Miosga, Manfred(2015): Regionale Nachhaltigkeitstransformation. Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft im Dialog. München: oekom. Kopatz, Michael(2017): Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten. München: oekom. Mehr Demokratie e.V.(Hrsg.), BürgerBegehren Klimaschutz(Hrsg.)(2020): Handbuch Klimaschutz – Wie Deutschland das 1,5-Grad-Ziel einhalten kann. München: oekom. Paech, Niko(2012): Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. München: oekom. Raworth, Kate(2018): Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. München: Carl Hanser Verlag. Sommer, Bernd& Welzer, Harald(2014): Transformationsdesign – Wege in eine zukunftsfähige Moderne. München: oekom. 81 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Endnoten 1 IPCC(2021): Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung. In: Naturwissenschaftliche Grundlagen. Beitrag von Arbeitsgruppe I zum Sechsten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen[Masson-Delmotte, V., P. Zhai, A. Pirani, S.L. Connors, C. Péan, S. Berger, N. Caud, Y. Chen, L. Goldfarb, M.I. Gomis, M. Huang, K. Leitzell, E. Lonnoy, J.B.R. Matthews, T.K. Maycock, T. Waterfield, O. Yelekçi, R. Yu, and B. Zhou(eds.)]. In Druck. Deutsche Übersetzung auf Basis der Druckvorlage, Oktober 2021. Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Bonn; Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT, ProClim, Bern; Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Wien, Oktober 2021. 2 Regionaler Klimaatlas Deutschland(2022): Deutschland: Mögliche mittlere Änderung der durchschnittlichen Temperatur im Jahresmittel bis Ende des 21. Jahrhunderts(2071–2100) im Vergleich zu heute(1961–1990): Zunahme. Regionale Klimabüros – Helmholtz-Gemeinschaft. Verfügbar unter: ht tp s: // w w w. re gio nale r- klimaatla s.d e/ klimaatla s/ 2071-210 0/ jahr/durch s chnit tlich e-te m p e ratur/ deutschland/mittlereanderung.html. Abgerufen am 20.06.2022. 3 IPCC(2022a): Summary for Policymakers. In: Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change[P.R. Shukla, J. Skea, R. Slade, A. Al Khourdajie, R. van Diemen, D. McCollum, M. Pathak, S. Some, P. Vyas, R. Fradera, M. Belkacemi, A. Hasija, G. Lisboa, S. Luz, J. Malley,(eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, UK und New York, NY, USA. doi: 10.1017/9781009157926.001 4 WMO – World Meteorological Organization(2022): State of the Global Climate 2021, WMO-No. 1290. Verfügbar unter: https://library.wmo.int/index.php?lvl=notice_display&id=22080#.YsQ9eYTP02w Abgerufen am 05.07.2022. 5 DWD – Deutscher Wetterdienst(2022): Klimastatusbericht Deutschland Jahr 2021. DWD, Geschäftsbereich Klima und Umwelt, Offenbach. Verfügbar unter: www.dwd.de/DE/derdwd/ bibliothek/fachpublikationen/selbstverlag/selbstverlag_node.html Abgerufen am 26.04.2022. 6 LfULG – Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie& DWD – Deutscher Wetterdienst (2022): Klimatologische Einordnung des Jahres 2021 in Sachsen, Gemeinsame Medieninformation, 2/2022. Verfügbar unter: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2022/20220126_ lfulg_sachsen_news.html Abgerufen am 26.04.2022. 7 DWD – Deutscher Wetterdienst(2018): Klimareport Mecklenburg-Vorpommern. Fakten bis zur Gegenwart – Erwartungen für die Zukunft. DWD, Abteilung Klima- und Umweltberatung. Regionales Klimabüro Hamburg, Hamburg. Verfügbar unter: https://www.dwd.de/DE/leistun gen/klimareport_mv/klimareport_mv.html. Abgerufen am 03.11.2022 8 SRU – Sachverständigenrat für Umweltfragen(Hg.)(2020): Für eine entschlossene Umweltpolitik in Deutschland und Europa – Umweltgutachten 2020. Berlin: Geschäftsstelle des Sachverständigenrates für Umweltfragen(SRU). 9 UBA – Umweltbundesamt(2022e): Treibhausgasemissionen in Deutschland. Verfügbar unter: https:// www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#emissionsentwickl ungAufgerufen am 30.08.2022. 10 WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (2009): Sondergutachten- Kassensturz für den Weltklimavertrag – Der Budgetansatz. Berlin: WBGU. Verfügbar unter: https://www.wbgu.de/fileadmin/user_upload/wbgu/ publikationen/'sondergutachten/sg2009/pdf/wbgu_sn2009.pdf. Abgerufen am 31.05.22. 82 Endnoten 11 Raworth, K.(2018): Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. München: Carl Hanser Verlag. 12 Deutscher Bundestag(1998): Konzept Nachhaltigkeit. Vom Leitbild zur Umsetzung. Abschlussbericht der Enquete-Kommission„Schutz des Menschen und der Umwelt – Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung. Bundestag-Drucksache 13/11200, 13. Wahlperiode. Verfügbar unter: https://dserver.bundestag.de/btd/13/112/1311200.pdf Abgerufen am 23.06.2022. 13 Fekkak, M., Fleischhauer, M., Greiving, S., Lucas, R., Schinkel, J., von Winterfeld, U.(2016): Resiliente Stadt – Zukunftsstadt. Forschungsgutachten. Hg. v. Wuppertal Institut. Vgl. auch: Hafner, S., Hehn, N., Miosga, M.(2019): Resilienz und Landentwicklung. Pfadwechsel: Vitalität und Anpassungsfähigkeit in ländlich geprägten Kommunen Bayerns stärken. Hg. v. Bayerische Verwaltung für Ländliche Entwicklung. Vgl. weiterhin: Alistair, A. H.(2021): Das resiliente Dorf. Eine interdisziplinäre Analyse von Akteuren, Lernprozessen und Entwicklungen in drei ländlichen Gemeinschaften Europas. München: oekom. 14 WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (2011): Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation. 2. veränd. Aufl. Berlin: WBGU. Verfügbar unter: https://www.wbgu.de/fileadmin/user_upload/wbgu/publikationen/ hauptgutachten/hg2011/pdf/wbgu_jg2011.pdf Abgerufen am 23.04.2022. 15 Holtz, G., Xia-Bauer, C., Roelfes, M., Schüle, R., Vallentin, D., Martens, L.(2018): Competences of local and regional urban governance actors to support low-carbon transitions: Development of a framework and its application to a case-study. In: Journal of Cleaner Production(S. 846–856). Wuppertal. Verfügbar unter: https://epub.wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/6922/ file/6922_Holtz.pdf Abgerufen am 23.06.2022. 16 Schneidewind U., Scheck, H.(2012): Zur Transformation des Energiesektors – ein Blick aus der Perspektive der Transition-Forschung. In: Servatius, H., Schneidewind, U., Rohlfing, D.(Hg.): Smart Energy. Wandel zu einem nachhaltigen Energiesystem. Heidelberg, Dordrecht, London, New York: Springer, S. 45–62. 17 Süddeutsche Zeitung(2022): Landesregierung startet Bürgerdialog zum Klimaschutzgesetz. Süddeutsche Zeitung. Artikel vom 25.06.2022. Verfügbar unter: https://www.sueddeutsche.de/wissen/ umwelt-neustrelitz-landesregierung-startet-buergerdialog-zum-klimaschutzgesetz-dpa.urn-newsmldpa-com-20090101-220625-99-795935 Abgerufen am 03.11.2022. 18 Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt(2023): OnlineBeteiligung zum Klimaschutzgesetz startet mit Sektor Landwirtschaft. Verfügbar unter: https://www. regierung-mv.de/Landesregierung/lm/Aktuell/?id=187311&processor=processor.sa.pressemitteilung. Abgerufen am: 09.02.2023 Vgl. auch: Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt(2022): Klimaschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommern. Verfügbar unter: https://www. regierung-mv.de/Landesregierung/lm/Klima/Klimaschutz/klimaschutzgesetz/ Abgerufen am: 09.02.2023 19 stadt+werk(2022): Grundstein für Klimaschutzgesetz gelegt. stadt+werk. Kommunale Klimaschutzund Energiepolitik. Artikel vom 10.03.2022. Verfügbar unter: https://www.stadt-und-werk.de/ meldung_38216_Grundstein+für+Klimaschutzgesetz+gelegt.html Abgerufen am 03.11.2022. 20 UBA – Umweltbundesamt(2021a): Energiebedingte Emissionen. Verfügbar unter: https://www. umweltbundesamt.de/daten/energie/energiebedingte-emissionen#energiebedingte-treibhausgasemissionen Abgerufen am 29.03.22. 83 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 21 Knopf, B., Geden, O.(2022): Ist Deutschland auf dem 1,5-Grad-Pfad? Eine Einordnung der Diskussion über ein nationales CO 2 -Budget. In: MCC-Arbeitspapier, 09.03.2022. Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change(MCC) gGmbH. Verfügbar unter: https://www.mcc-berlin.net/ fileadmin /data /C18_ MCC_ Publications/ 2022_ MCC_ I s t_ Deut schland_ auf_ dem_1_ 5_Grad_ P fad.p df Abgerufen am 01.07.2022. Vgl. auch: Fell, H.-J., Traber, T.(2020): Der Pfad einer Klimaneutralität ab 2050 verfehlt die Klimaziele von Paris – Der steinige Weg zur Ehrlichkeit in der Klimapolitik. EWG Energy Watch Group, Policy Paper, Berlin. 22 Landesverband Erneuerbare Energien Mecklenburg-Vorpommern(2023): Windenergie im Stau: Genehmigungsverfahren in Mecklenburg-Vorpommern. Verfügbar unter: https://www.lee-mv. d e/ 202 2 /10 /14 /g e n e h migu n g s s t au- b ei- w in d e n e rgie p roje k te n- in- m e ckle nb u rg- vo rp o m m e rn-2/ Abgerufen am 09.02.2023. 23 Fraunhofer IEE – Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik(2018): 2030 kohlefrei – Wie eine beschleunigte Energiewende Deutschlands Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkommen sicherstellt. Studie des Fraunhofer IEE im Auftrag von Greenpeace, Hamburg. Verfügbar unter: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/2030_ kohlefrei_fraunhofer_iee_greenpeace.pdf Abgerufen am 20.04.2022. 24 Fraunhofer ISE(2021): Wege zu einem klimaneutralen Klimasystem, Die deutsche Energiewende im Kontext gesellschaftlicher Verhaltensweisen, Update November 2021: Klimaneutralität 2025. Freiburg: Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE. 25 Böcker, M., Brüggemann, H., Christ, M., Knak, A., Lage, J., Sommer, B.(2021): Wie wird weniger genug? Suffizienz als Strategie für nachhaltige Stadtentwicklung. München: oekom. 26 WI – Wuppertal Institut(2022a): Energiesparen für die Energieimport-Unabhängigkeit. Verfügbar unter: https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/7702 Abgerufen am 01.07.2022. 27 UBA& BMWK – Umweltbundesamt und Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (2022): Treibhausgasemissionen stiegen 2021 um 4,5 Prozent, Gemeinsame Pressemitteilung von Umweltbundesamt und Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Verfügbar unter: https:// w w w.umweltbunde s amt.de /pre s s e /pre s s emit teilungen/ treibhau s ga s emis sionen- s tie gen-2021- um- 45 prozent Abgerufen am 29.03.22. 28 EU – Europäische Union(2018): Air Quality in Europe – 2018 Report. EEA – European Environment Agency, Report No. 12/2018, Kopenhagen. 29 ADAC e.V.(Hrsg., 2022): Der ADAC Mobilitätsindex. Entwicklung nachhaltiger Mobilität in Deutschland. München. Verfügbar unter: https://assets.adac.de/image/upload/v1643700469/ADAC-eV/ KOR/Text/PDF/Abschlussbericht_vay1oj.pdf Abgerufen am 03.11.2022. 30 ADAC e.V.(Hrsg., 2022): Der ADAC Mobilitätsindex. Entwicklung nachhaltiger Mobilität in Deutschland. München. Verfügbar unter: https://assets.adac.de/image/upload/v1643700469/ADAC-eV/ KOR/Text/PDF/Abschlussbericht_vay1oj.pdf Abgerufen am 03.11.2022. 31 BMVI(2020): Regionalbericht Mecklenburg-Vorpommern. Mobilität in Deutschland(MiD). Verfügbar unter: https://www.regierung-mv.de/static/Regierungsportal/Ministerium%20für%20Energie%2c%20 Infrastruktur%20und%20Digitalisierung/Dateien/infas_MV_Regionalbericht.pdf Abgerufen am 03.11.2022 32 MWITA MV(2022): 25,8-Millionen-Euro-Programm für Radverkehrsinfrastruktur in MecklenburgVorpommern sowie weitere 11,7 Millionen Euro im Rahmen des Zusatzprogramms 2022/23. Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit. Verfügbar unter: https://www. regierung-mv.de/Landesregierung/wm/Infrastruktur/Radverkehr/foerderprogramm-stadt-und-land/ Abgerufen am 03.11.2022 84 Endnoten 33 PowerShift(2021): Weniger Autos, mehr globale Gerechtigkeit. Warum wir die Mobilitäts- und Rohstoffwende zusammendenken müssen, Hrsg.: Brot für die Welt, Misereor und PowerShift. Verfügbar unter: https://www.ressourcenwende.net/publikationen/weniger-autos-mehr-globalegerechtigkeit-warum-wir-die-mobilitaets-und-rohstoffwende-zusammendenken-muessen/ Abgerufen am 02.05.2023 34 WI – Wuppertal Institut(2022b): Die Fünf-Millionen-Lücke. Warum das E-Autoziel der Bundesregierung nicht reicht, um Verkehr auf Klimakurs zu bringen. Kurzstudie im Auftrag von Greenpeace e.V. 35 Agora Verkehrswende(2020): Die Automatisierung des Automobils und ihre Folgen. Chancen und Risiken selbstfahrender Fahrzeuge für nachhaltige Mobilität. 36 Hoor, M.(2021): Öffentliche Mobilität und eine neue Mobilitätskultur – Grundlagen, Entwicklungen und Wege zur kulturellen Verkehrswende. In: Oliver Schwedes(Hg.): Öffentliche Mobilität(S. 165–194). Wiesbaden: Springer VS. 37 Schneidewind, U.(2018): Die Große Transformation – Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch. 38 WI – Wuppertal Institut(2017): Verkehrswende für Deutschland. Der Weg zu CO 2 -freier Mobilität bis 2035(Kurzfassung). 39 Heinrich-Böll-Stiftung(2018): Bitte wenden! Mit Kommunikation zu einer Verkehrswendekultur in unseren Städten – eine Anleitung in neun Schritten. Böll.brief, Grüne Ordnungspolitik#7, Berlin. 40 UBA – Umweltbundesamt(2022a): Energiesparende Gebäude. Verfügbar unter: https://www. umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energiesparen/energiesparende-gebaeude#gebaudewichtig-fur-den-klimaschutz. Abgerufen am 24.03.2022. Vgl. auch: Dena – Deutsche Energie-Agentur (2021): dena-Gebäudereport 2021 – Fokusthemen zum Klimaschutz im Gebäudebereich. 41 UBA – Umweltbundesamt(2022b): Siedlungs- und Verkehrsfläche. Verfügbar unter: https:// w w w.umweltb un d e s am t.d e /date n/ fla e ch e- b o d e n- lan d- o e ko s y s te m e/ fla e ch e /sie dlun g s verkehrsflaeche#anhaltender-flachenverbrauch-fur-siedlungs-und-verkehrszwecke-. Abgerufen am 24.03.2022. 42 UBA – Umweltbundesamt(2022c): Erneuerbare Energien in Zahlen. Verfügbar unter: https://www. umweltbundesamt.de/themen/ein-drittel-der-lebensmittel-wird-verschwendet. Abgerufen am 24.03.2022. 43 Europäische Kommission(2021): Europäischer Grüner Deal: Kommission schlägt vor, die Renovierung und Dekarbonisierung von Gebäuden zu fördern[Pressemitteilung]. Verfügbar unter: https:// ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_6683. Abgerufen am 01.07.2022. 44 WI – Wuppertal Institut(2022c): Heizen ohne Öl und Gas bis 2035: Ein Sofortprogramm für erneuerbare Wärme und effiziente Gebäude. 45 Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg Vorpommern(o.D.): Wärmewende als Schlüsselprojekt. Verfügbar unter: https://www.boell-mv.de/de/waermewende. Abgerufen am 03.11.2022. 46 IHK zu Schwerin(o.D.): Gegründet! Allianz für nachhaltiges Bauen in MV. Verfügbar unter: ht tps: // w w w.ihk.de /schwerin /s tandor tpolitik /regional- und- s tadtent wicklung/ hochschulen westmecklenburg/allianz-fuer-nachhaltiges-bauen-in-mv-5628018. Abgerufen am 03.11.2022. 85 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 47 KlimaKom& UBT – Universität Bayreuth(2021):„Flächensparen und Wohnraumversorgung“. Wie kann das 5 ha Ziel mit der Befriedigung der Wohnraumbedarfe in Übereinstimmung gebracht werden?. Verfügbar unter: https://www.gruene-fraktion-bayern.de/fileadmin/bayern/user_upload/download_ dateien_ 2018/ Pre s s ekonferenzen/ Flae chen sparen_ und_Wohnen/ 21-11-12_ KlimaKom_ Studie_final.p df Abgerufen am 30.08.2022. 48 Höhne, N., Emmrich, J., Fekete, H., Kuramochi, T.(2019): 1,5°C: Was Deutschland tun muss, Köln: New Climate Institute 2019. Vgl. auch: Klima-Allianz(2018): Wann, wenn nicht jetzt – Das Maßnahmenprogramm Klimaschutz 2030 der deutschen Zivilgesellschaft. Berlin. Vgl. weiterhin: DGNB – Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen(2020): KLIMA POSITIV: JETZT! Wie jedes Gebäude einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, Stuttgart. 49 Hesse, T., Bleher, D., Braungardt, S., Sutter, J., Winger, C., Köhler, B., Saad, N., Lang, L. J., Fuchs, N., Thomsen, J.(2022): Abschlussbericht: Nachhaltige Nutzung erneuerbarer Energien in effizienten Gebäuden und Quartieren. In: Texte(27/2022). Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt. 50 UBA – Umweltbundesamt(2019b): Abfallaufkommen. Verfügbar unter: https://www.umwelt bundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/abfallaufkommen#deutschlands-abfall. Abgerufen am 30.06.2022 51 SVGE – Sachverständigenrat der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung(2019): Aufbruch zu einer neuen Klimapolitik, Sondergutachten, Wiesbaden. 52 Agora Energiewende& Wuppertal Institut(2019): Klimaneutrale Industrie – Schlüsseltechnologien und Politikoptionen für Stahl, Chemie und Zement, Berlin/Wuppertal. 53 Statistisches Bundesamt(2019): Umweltökonomische Gesamtrechnungen – Direkte und indirekte CO 2 Emissionen in Deutschland 2010–2015. Wiesbaden. 54 MWITA MV(o.D.): Tourismus. Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit. Verfügbar unter: https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/wm/Tourismus/. Abgerufen am 03.11.2022. 55 Kopatz, M., Hahne, U.(2018): Wirtschaftsförderung 4.0 – auch ein Thema für ländliche Regionen. In: Der Kritische Agrarbericht 2018., S. 190–194. Verfügbar unter: https://www.kritischer-agrarbericht.de/ fileadmin/Daten-KAB/KAB-2018/KAB_2018_190_194_Kopatz_Hahne.pdf. Abgerufen am 26.04.2022. 56 Braungart, M.(2014): Cradle to Cradle. Einfach intelligent produzieren. München: Piper. 57 Sachs, W.(1993): Die vier E’s- Merkposten für einen maßvollen Wirtschaftsstil. Politische Ökologie, Jg. 11, Nr. 33, S. 69-72. 58 Schneidewind, U.(2014): Urbane Reallabore- ein Blick in die aktuelle Forschungswerkstatt. In: Planung neu denken| online 3. 59 Öko-Institut(2017): Nachhaltiger Konsum – Strategien für eine gesellschaftliche Transformation, Working Paper 8/2017. Freiburg. Vgl. auch: WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen(2019): Unsere gemeinsame digitale Zukunft. Berlin: WBGU. Verfügbar unter: https://www.wbgu.de/fileadmin/user_upload/wbgu/publikationen/hauptgutachten/hg2019/ pdf/wbgu_hg2019.pdf. Abgerufen am 23.04.2022. 60 ZKL – Zukunftskommission Landwirtschaft(2021): Zukunft Landwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft. Berlin: Zukunftskommission Landwirtschaft. 86 Endnoten 61 IPCC(2019): Summary for Policymakers. In: Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertifcation, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fuxes in terrestrial ecosystems[P.R. Shukla, J. Skea, E. Calvo Buendia, V. MassonDelmotte, H.-O. Pörtner, D. C. Roberts, P. Zhai, R. Slade, S. Connors, R. van Diemen, M. Ferrat, E. Haughey, S. Luz, S. Neogi, M. Pathak, J. Petzold, J. Portugal Pereira, P. Vyas, E. Huntley, K. Kissick, M. Belkacemi, J. Malley(Hg.)]. Verfügbar unter: https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/sites/4/2020/02/ SPM_Updated-Jan20.pdf Abgerufen am 23.06.2022. 62 BMUV – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (2020): Mein Essen, die Umwelt und das Klima. Verfügbar unter: https://www.bmuv.de/jugend/wissen/ details/mein-essen-die-umwelt-und-das-klima. Abgerufen am 01.07.2022. 63 UBA – Umweltbundesamt(2021d): Projektionsbericht 2021 für Deutschland. Verfügbar unter: https:// w w w.umweltbunde s amt.de /site s /default/ file s /me dien/ 372 /dokumente /projek tion sb ericht_ 2021_ uba_website.pdf. Abgerufen am 25.03.2022. Vgl. auch: WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen(2020): Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration. Berlin: WBGU. Verfügbar unter: https://www.wbgu.de/fileadmin/ user_upload/wbgu/publikationen/hauptgutachten/hg2020/pdf/WBGU_HG2020.pdf. Abgerufen am 23.04.2022. 64 MKLLU MV(o.D.): Ökologischer Landbau. Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern. Verfügbar unter: http://www.klimaschutzaktionenmv.de/Land-und-Forst/Landnutzung/Ökologischer-Landbau/. Abgerufen am 03.11.2022. 65 MKLLU MV(o.D.): Nutzungslösungen und-verfahren auf nassen Moorstandorten. Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern. Verfügbar unter: http://www.klimaschutzaktionen-mv.de/Land-und-Forst/Moore/Nutzungslösungen-und-– verfahren-auf-nassen-Moorstandorten/. Abgerufen am 03.11.2022. 66 UBA – Umweltbundesamt(2019a): Wege in eine ressourcenschonende Treibhausgasneutralität – RESCUE. Kurzfassung, Dessau-Roßlau. 67 UBA – Umweltbundesamt(2020): KonsUmwelt – Kurzstudie zur globalen Umweltinanspruchnahme unseres privaten Konsums. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/ medien/479/publikationen/uba_konsumwelt_bf.pdf. Abgerufen am 26.04.2022. 68 UBA – Umweltbundesamt(2022d): Ein Drittel der Lebensmittel wird verschwendet. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbareenergien-in-zahlen#uberblick. Abgerufen am 24.03.2022. 69 FiBL – Forschungsinstitut für biologischen Landbau(2017): Kursbuch Agrarwende 2050 – ökologisierte Landwirtschaft in Deutschland. Erstellt im Auftrag von Greenpeace. Frankfurt am Main. 70 UBA – Umweltbundesamt(2021c): Ökolandbau. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/ themen/ b o den- landwir t s chaf t/ landwir t s chaf t- umwelt freundlich- ge s t alten /o ekolandbau #Umweltleistungen%20des%20%C3%96kolandbaus. Abgerufen am 09.05.2022. 71 Osterburg, B., Rüter, S., Freibauer, A., de Witte, T., Elsasser, P., Kätsch, S., Leischner, B., Paulsen, H.M., Rock, J., Röder, N., Sanders, J., Schweinle, J., Steuk, J., Stichnothe, H., Stümer, W., Welling, J., Wolff, A. (2013): Handlungsoptionen für den Klimaschutz in der deutschen Agrar- und Forstwirtschaft. ThünenReport. Thünen-Institut, Braunschweig. Verfügbar unter: http://literatur.thuenen.de/digbib_extern/ dn052858.pdf. Abgerufen am 28.06.2020. Vgl. auch: Poeplau, C., Don, C.(2015): Carbon sequestration in agricultural soils via cultivation of cover crops – a meta-analysis. In: Agriculture Ecosystem& Environment 200(1): 33–41. Vgl. weiterhin: Körschens, M., Albert, E., Armbruster, M., et al.(2013): Effect of mineral and organic fertilization on crop yield, nitrogen uptake, carbon and nitrogen balances, as well as soil organic carbon content and dynamics: results from 20 European longterm field experiments of the twenty-first century. In: Archives of Agronomy and Soil Science 59(8): 1017–1040. 87 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern 72 WBAEV – Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz& Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik(2016): Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung. Gutachten November 2016, Berlin. 73 Schmelzer, M., Burkhart, C., Treu, N.(2017): Degrowth in Bewegung(en). 32 alternative Wege zur sozial-ökologischen Transformation. Konzeptwerk Neue Ökonomie mit Unterstützung des DFGKollegs Postwachstumsgesellschaften, München. 74 Gothe, S.(2018): Die Region als Wertschöpfungsraum. Über die neue Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher bei der regionalen Versorgung mit Lebensmitteln. Verfügbar unter: https:// w w w.re gio nalwe r t- imp ul s.d e/ filea dmin /u s e r_ uploa d /G oth e_We r t s cho e pfun g s ra eum e_ K riti s ch e r_ Agrarbericht_2018.pdf. Abgerufen am 26.04.2022. 75 IPCC(2022b): Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change[P.R. Shukla, J. Skea, R. Slade, A. Al Khourdajie, R. van Diemen, D. McCollum, M. Pathak, S. Some, P. Vyas, R. Fradera, M. Belkacemi, A. Hasija, G. Lisboa, S. Luz, J. Malley,(eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, UK and New York, NY, USA. doi: 10.1017/9781009157926 76 Jede Baumaßnahme hat Auswirkungen auf die ökologischen Gegebenheiten vor Ort. Das geltende Recht sieht dabei vor, eine Verschlechterung der Situation möglichst zu vermeiden. Wenn das allerdings nicht möglich ist, sollten die ökologischen Folgen abgemildert oder ausgeglichen, also kompensiert werden. Ein regionales Kompensationsmanagement hilft, solche ökologischen Ausgleichsmaßnahmen auch über kommunale Grenzen hinaus zu vermitteln. Ein Beispiel hierfür ist das IKoMBe in Mittelfranken in Bayern. Vgl. https://kompensationsmanagement.de/#wer. Abgerufen am 09.02.2023. 77 Europäische Kommission(2022): Der Grüne Deal: Richtungsweisende Vorschläge zur Wiederherstellung der Natur in Europa bis 2050 und zur Halbierung der Verwendung von Pestiziden bis 2030[Pressemitteilung]. Verfügbar unter: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ ip_22_3746. Abgerufen am 01.07.2022. 78 Haupt, W., Irmisch, J., Eckersley, P.(2022): Handlungsempfehlungen für eine bessere Klimakoordination in Kommunen. Policy Paper IRS Dialog. Verfügbar unter: https://leibniz-irs.de/fileadmin/ u s e r_ up lo a d/ I R S_ Dialo g_Tran s fe rp ub likatio n e n/ 202 2/ I R S_ Dialo g_ 7-202 2- Han dlun g s e m pfe hlun g e n. pdf. Abgerufen am 01.07.2022. 79 Freitag, C., Berners-Lee, M.(2020): The climate impact of ICT: A review of estimates, trends and regulations, Small World Consulting(SWC), Lancaster. 80 Shift Projekt(2019): Lean ICT – Towards digital sobriety, Report of the working group directed by Hugues Ferreboeuf for the Think Tank The Shift Project. Verfügbar unter: https://theshiftproject.org/ wp-content/uploads/2019/03/Lean-ICT-Report_The-Shift-Project_2019.pdf. Abgerufen am 05.07.2022. 81 Heyen, D. A., Brohmann, B., Libbe, J., Riechel, R., Trapp, J. H.(2018): Stand der Transformationsforschung unter besonderer Berücksichtigung der kommunalen Ebene. Papier im Rahmen des Projekts„Vom Stadtumbau zur städtischen Transformationsstrategie“ im Forschungsprogramm„Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“(ExWoSt). Deutsches Institut für Urbanistik und Öko-Institut. 88 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Impressum Herausgegeben von: Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn Deutschland E-Mail: info@fes.de Autor_innen: Prof. Dr. Manfred Miosga Mara Neidlinger Janis Schiffner Lena Kopp Dr. Nina Hehn Dr. habil. Sabine Hafner Fabian Groß KlimaKom gemeinnützige eG Bayreuther Straße 26a 95503 Hummeltal Für diese Publikation sind in der FES verantwortlich: Tobias Paul, Referent Landesbüro FES MV Gestaltung: Joseph& Sebastian – Grafikdesign, josephundsebastian.com Druck: Druckerei Brandt GmbH, Bonn Papier: Enviro Polar 100% Recycling Blauer Engel 250 g/m 2 und 115 g/m 2 90 Impressum Die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 gegründet und ist die traditionsreichste politische Stiftung Deutschlands. Dem Vermächtnis ihres Namensgebers ist sie bis heute verpflichtet und setzt sich für die Grundwerte der Sozialen Demokratie ein: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ideell ist sie der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften verbunden. Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Für die inhaltlichen Aussagen dieser Veröffentlichung tragen die Autor:innen der einzelnen Kapitel die Verantwortung. Die geäußerten Meinungen müssen nicht der Meinung der Friedrich-Ebert-Stiftung entsprechen. KlimaKom gemeinnützige eG Die Mitarbeiter_innen der KlimaKom gemeinnützige eG sind Fachberater_innen für Kommunen, kommunale Einrichtungen und Organisationen zur strategischen Stadt- und Regionalentwicklung und forschen in den Themenfeldern der Nachhaltigkeit und Resilienz. Die Klimakom arbeitet an der Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft und fördert eine konstruktive und kreative Zusammenarbeit. Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht ­gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. ISBN: 978-3-98628-431-2 © 2023 91 Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Das Donut-Modell und die Rollen der Kommune finden Sie hier im Überblick dargestellt. Trennen Sie diese Übersichten gern heraus. Hängen Sie sie dort auf, wo sie Wirkung entfalten kann, oder geben Sie sie anderen weiter, die den Wandel ebenfalls anstoßen wollen. Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen! 92 Die Rollen der Kommune Energiewende Mobilitätswende (Mobilität und Verkehr) Vorbild Planerin Versorgerin Beraterin und Förderin Kooperationspartnerin ▶ Energieeinsparung in Bereichen ihrer Dienstfahrzeuge, Straßenbeleuchtung, Ampelanlagen etc. ▶ Photovoltaik und Solarthermie auf kommunalen Gebäuden ▶ Sensibilisierung und Motivation der Beschäftigten für energiebewusstes Verhalten am Arbeitsort ▶ Verpachtung kommunaler Dächer für PV-Anlagen ▶ Bezug von Ökostrom (regional) ▶ in FNP Eignungs- oder Konzentrationsflächen in der Energieleitplanung festlegen ▶ Entwicklung eines kommunalen Energienutzungskonzepts ▶ Anschluss- und Benutzungszwang für Nahund Fernwärmenetze, Quartierslösungen ▶ EE-Verpflichtung für Dächer bei umfangreicher Sanierung oder Neubau über B-Pläne ▶ Umstellung der Stadtwerke auf erneuerbare Energien ▶ Akzeptanzförderung durch finanzielle Beteiligung an regionalen Bürger_innenenergieprojekten ▶ Ausbau von Nah- und Fernwärmenetzen, Quartierslösungen ▶ Angebot von Mieter_innenstrom-Konzepten ▶ Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zur Verbrauchsreduktion ▶ Förderprogramme zum privaten Ausbau von erneuerbaren Energien, z. B.„Solarkataster“ ▶ regionale Banken und Energieversorger zum Angebot von Bürger_innenbeteiligungsmodellen animieren ▶ Beitritt in kommunale Klimaschutznetzwerke, z. B. European Energy Award(EEA) ▶ Etablierung von Vernetzungsgruppen zur Stromeinsparung und Suffizienz, z. B. über VHS ▶ Unterstützung von Bürgerenergiegenossenschaften, z. B. durch Flächenbereitstellung ▶ Umstellung des kommunalen Fuhrparks auf Biokraftstoffe, E-Autos oder E-Bikes ▶ Nutzung von Lastenrädern, Beteiligung an Sharing-Angeboten ▶ Digitalisierung und Vernetzung der Angebote des Umweltverbundes (Multimodalität) ▶ Entwicklung eines Nahmobilitätskonzepts (Stadt der kurzen Wege) ▶ Ausweisung von autofreien Zonen und Umweltzonen ▶ Erstellung Radverkehrsstrategie und Konzeption Radwegenetz ▶ Parkraum-Management, Anpassung Stellplatzsatzung und modifizierte Verkehrsregeln zugunsten des Rad- und Fußverkehrs ▶ Ausbau des Umweltverbunds, auch unter interkommunaler Zusammenarbeit ▶ Förderung, Errichtung und Betrieb von Ladeinfrastrukturen oder eigenen Car- und RideSharing-Angeboten ▶ Abstellmöglichkeiten für das Rad ausbauen, z. B. Fahrradparkhaus ▶ kostenlose Parkmöglichkeiten für E-Autos ▶ Bewerbung lokaler Unternehmen zur Reduktion des Logistikaufkommens ▶ Kampagnen wie„Autofreie Sonntage“ oder „Urlaub für das eigene Auto“ ▶ Bevölkerung über nachhaltige Mobilitätsformen informieren und ausprobieren lassen ▶ Beratung und Förderung von Car- oder Bikesharing, z. B. Sondernutzungserlaubnisse ▶ Vernetzung von wichtigen Arbeitgeber_innen zu gemeinsamen Mobilitätsstrategien ▶ Einstellung von Rad- und Fußverkehrsbeauftragten ▶ ökologische und energetische Sanierung eigener Liegenschaften ▶ ökologische Richtlinien bei Verkauf/Verpachtung kommunaler Flächen ▶ Entwicklung eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts, kommunale Wärmeplanung ▶ klimafreundliche Steuerung über Flächennutzungs-Bebauungspläne und städtebauliche Verträge ▶ Einführung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Vergabe kommunaler Grundstücke ▶ Umstellung der dezentralen Wärmeversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energien durch Quartierskonzepte, Nahund Fernwärmelösungen ▶ Recycling bzw. Weiterverwendung von Baumaterialien und Biomassereststoffen, z. B. in Abfallwirtschaftsunternehmen und kommunalen Einrichtungen ▶ Beratungs- und Informationsangebot für Eigentümer_innen zu Sanierungen ▶ Beratungs- und Informationsangebote für gemeinschaftliche Wohnformen schaffen ▶ Förderprogramm für ökologisches Bauen ▶ Aufbau regionaler Sanierungsnetzwerke in Kooperation mit regionalem Handwerk ▶ Unterstützung von gemeinschaftlichen Wohnkonzepten ▶ Erstellung einer kommunalen Gemeinwohlbilanz ▶ Umstellung auf 100 Prozent nachhaltige und faire Beschaffung ▶ Vergabe nach Richtlinien mit ökologischen und sozialen Kriterien ▶ Erarbeitung einer kommunalen Suffizienzstrategie ▶ Entwicklung von nutzungsgemischten urbanen Quartieren und Förderung unternehmerischer Vielfalt ▶ Divestment und ökologische Investitionen ▶ Etablierung von kommunalen Tausch- und Recyclingkreisen ▶ Begleitung von Unternehmen beim Übergang zu Stoffkreisläufen und Kreislaufwirtschaft, z. B. durch Rücknahmeprogramme ▶ Wirtschaftsförderung auf regionale und ökologische Unternehmen konzentrieren, z. B. WF 4.0 ▶ Kommunikationskampagnen für nachhaltigen Konsum ▶ Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Handwerksbetriebe oder KMUs ▶ Unterstützung von Prosument_innenStrukturen ▶ Förderung von Tausch-, Leih- und Sharing-Angeboten ▶ Förderung der Bewusstseinsbildung zur Suffizienz, z. B. in VHS ▶ Versorgung öffentlicher Einrichtungen mit regionalen Bio-Lebensmitteln ▶ Einführung nachhaltiger Vergabekriterien bei eigenen Veranstaltungen ▶ Produktvorgaben für öffentliche Veranstaltungen, z. B. Stadtfeste ▶ Auflagen zur nachhaltigen Bewirtschaftung auf kommunalen Flächen ▶ Aufbau von Quartiersund Gemeinschaftsgärten auf kommunalen Flächen ▶ Informationen über regionale Direktvermarktungsstrukturen ▶ Förderung ökologischer Landwirtschaft, z. B. über Öko-Modellregionen ▶ Entwicklung von Ernährungsbildungsprogrammen ▶ Ausschreibung von Wettbewerben und Preisen ▶ Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen und Prosument_innen-Strukturen ▶ Unterstützung bei Vernetzungsstrukturen, auch zwischen Stadt und Land, z. B. Ernährungsräte Wärmewende (Bauen und Stadtökologie) Produktionsund Konsumwende Agrarund Ernährungswende Mangel e e i l t • Krieg ing nde Mitsprache ungen • Gerecht igkeit • Chem verschische Umw mutzu el n tg ng aueru Vers Meere Ök d ol e ogi r scher Rahmen enschheit M • ie ung • Bild gerechtigkeit Hunger & • Bildungsdefizite ut • Unzum r • Nah • Energie lung Flächenumwand Das Klima-Handbuch für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern Das Leben im Donut Einhalten planetarer Leitplanken… … unter Beachtung ­sozialer Grundwerte… Überschuss vielfalt Sicherer u • Gesu nd ndh g e itsv Ökologischer Rahmen Verlust der Arten schmutzung Klimawan Luftver del kologischer Rahmen Ö rech • Arbeit • Wohnraum ter Raum für e gung • Frie d ers G or esellschaftliches den Un Ungleichhei t Du E rst • Krankh g b i a n r s e amkeit • Man bed Wohn& Arbeits ung • Wa Fundament Soziale • sser • Politische Teilhabe Süßw asse Ökologischer Rahmen ffu u n n d g rverk nappung Sticksto elast phorb Phos …= Kompass für ein gutes Zusammenleben und Wirtschaften im sicheren und g­ erechten Raum 94 Das Leben im Donut Viele Aspekte sind wichtig für ein zukunftsfähiges, sicheres und nachhaltiges Leben. Kate Raworth(2018) zeichnet ein anschauliches Bild von diesem Lebensraum in Form eines Donuts. Mithilfe dieser Vorlage können Sie Ihren Umgang mit den Herausforderungen der Klimakrise schulen, um gemeinsam die Zukunft der Kommune zu erarbeiten, in der sie leben. Die Methode des Donuts sieht eine ressortübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Stadt sowie mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung vor. Anhand folgender Leitfragen können das soziale Fundament und die ökologische Decke des Donuts sowohl auf lokaler Ebene als auch hinsichtlich der globalen Auswirkungen betrachtet werden. Lokal-sozial: Wie kann es allen gleichermaßen wohlergehen? Global-sozial: Welchen Einfluss auf globale Lebensstandards haben wir? Lokal-ökologisch: Wie sieht eine Stadt als natürlicher Lebensraum aus? Global-ökologisch: Wie gestalten wir unseren Konsum global ­nachhaltig? Ein solcher Prozess ist kein einmaliger Vorgang, sondern sollte Teil eines S­ trategie- und Steuerungskreislaufs aus 1) Soll-Ist-Abgleich, 2) Ziele definieren, 3) Indikatoren definieren, 4) Umsetzung und 5) Wirkungsmessung und Monitoring sein. Weiterlesen:„Die Donut-Ökonomie als strategischer Kompass“ ­ PD-Impulse(2022) ISBN: 978-3-98628-431-2