FACTSHEET Wovon träumt Deutschland? Welche Zukunftsträume haben die Menschen in Deutschland? Was wünschen sie sich und in was für einer Gesellschaft wollen sie leben? Unsere Studie„Welche Träume bewegen Deutschland?“ zeigt, dass es in erster Linie nicht um große Visionen oder grundlegende gesellschaftliche Veränderungen geht. Stattdessen gibt es den Wunsch nach einem glücklichen Leben in bescheidenem Wohlstand, in einem demokratischen, freien Land, in dem Gerechtigkeit und Ordnung herrschen. Jedoch sind diese Träume in den letzten Jahren stark unter Druck geraten, mit weitreichenden Folgen für die Politik. Träume muss man sich leisten können Insgesamt geben etwas mehr als zwei Drittel der Befragten an, Zukunftsträume zu haben. Knapp ein Drittel hin­ gegen hat keine. Mit steigendem Alter nehmen die Zukunftsträume ab. Frauen(70 Prozent) haben etwas häufiger Zukunftsträume als Männer(66 Prozent). Einen starken Effekt haben Bildung und Einkommen, die eng miteinander zusammenhängen. Wer in einer schwierigen finanziellen Lage ist, hat kaum Kapazitäten, sich über die eigene langfristige Zukunftsplanung Gedanken zu machen, sondern ist eher mit der Alltagsbewältigung beschäftigt. Träume sollen erreichbar sein Die Zukunftsträume in Deutschland sind bescheiden und bodenständig, sie sollen realistisch und erreichbar sein. An oberster Stelle stehen ein gesundes Leben, ein sicherer Lebensunterhalt sowie glückliche(Familien-)Beziehungen. Außerdem sind Zukunftsperspektiven für die eigenen Kinder oder Enkel und enge Freundschaften wichtig. Nach wie vor zählt die Idee, durch Bildung aufzusteigen, sich durch Fleiß und eigene Leistung einen gewissen bescheidenen Wohlstand erarbeiten zu können, so wie andere in der Mittelschicht auch. Träume geraten unter Druck, das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit von Politik sinkt In den letzten Jahren jedoch sind diese Zukunftsträume doppelt unter Druck geraten: Zum einen weil der Staat in vielen Bereichen als nicht mehr funktionsfähig erlebt wird und damit als Garant für Sicherheit, wirtschaftliche Stärke und Gerechtigkeit ausfällt. Zum anderen weil vielen durch die multiplen Krisen die eigene Verletzlichkeit sehr viel bewusster geworden ist und der Glaube an die eigene Wirkmacht dadurch geschwächt wurde. Es scheint nahe liegend, dass in der Folge der Wunsch nach Sicherheit und Stabilität im Nahbereich wächst. Zugleich hat aber auch die Enttäuschung über die Politik zugenommen. Das Gefühl„Früher war alles besser, heute sind wir dagegen auf dem absteigenden Ast“ ist weitverbreitet. Die Konzentration auf den eigenen Nahbereich fördert, trotz einer Sehnsucht nach Zusammenhalt und Soli­ darität, egoistisches Verhalten und führt schnell zur Abwertung anderer Gruppen. Eine Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich einen großen Wurf und fordert einen überzeugenden Plan, wie Deutschland wieder vorankommen und die Verwirklichung der eigenen Träume garantiert werden kann. 84 Prozent bemängeln, dass es an einer Vision fehlt, wie es in Deutschland langfristig weitergehen soll. Doch gleichzeitig fehlt das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik, einen solchen Plan überhaupt umsetzen zu können. Nur noch 30 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Politik die Herausforderungen der Zukunft bewältigen kann. Hauptaufgabe muss es daher sein, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, politische Handlungsfähigkeit zu beweisen und eine realistische, positive Zukunftsvision wieder glaubwürdig aufzuzeigen. Studien-Design Es handelt sich um einen mehrstufigen Forschungsprozess, der sowohl qualitative als auch quantitative Methoden integriert. Die pollytix strategic research GmbH hat für die Studie Fokusgruppen interviewt und zusätzlich im Zeitraum vom 13.8. bis 3.9.2024 eine repräsentative Befragung von über 4.000 Per­ sonen durchgeführt. Die Grundgesamtheit bildete die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren. Dieses Factsheet basiert auf Informationen aus der Publikation ↗ Welche Träume bewegen Deutschland? Lennart Hagemeyer, Lutz Ickstadt, Rainer Faus, Annika Arnold, Catrina Schläger, Jan Niklas Engels; Bonn, 2025 18. Februar 2025 · CC BY-SA 4.0 ↗ fes.de/apb Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Abteilung Analyse, Planung und Beratung Ansprechperson: Jan Niklas Engels Bereich Empirische Sozial- und Trendforschung jan.engels@fes.de Weitere Informationen zum Projekt: ↗ fes.de/zukunftstraum