A N A LYS E Franziska Loschert, Marlene Leisenheimer, Doritt Komitowski April 2025 Willkommen zurück? Abwanderungsgründe und Rückwanderungspotenziale von aus Deutschland abgewanderten EUund Drittstaatsangehörigen Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Hiroshimastr. 17 10785 Berlin info@fes.de Herausgebende Abteilung Abteilung Analyse, Planung und Beratung www.fes.de/apb Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Joana Marta Sommer Kontakt Joana.MartaSommer@fes.de Bestellungen apb-publikation@fes.de Lektorat Sönke Hallmann Design/Layout www.stetzer.net Titelillustration © Christina S. Zhu Druck und Herstellung Hausdruckerei Bonn, FES Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­gegebenen ­Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. ­Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. April 2025 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. ISBN 978-3-98628-704-7 Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen ↗ www.fes.de/themenportal-flucht-migration-integration Franziska Loschert, Marlene Leisenheimer, Doritt Komitowski April 2025 Willkommen zurück? Abwanderungsgründe und Rückwanderungspotenziale von aus Deutschland abgewanderten EU- und Drittstaatsangehörigen Inhalt Vorwort...................................................... 3 Zusammenfassung ............................................. 5 1. Einleitung ................................................... 7 1.1 Forschungsstand................................................. 8 1.2 Forschungslücke................................................ 11 2. Erhebungsdesgin und Stichprobe ............................... 12 2.1 Erhebungsdesign............................................... 12 2.2 Beschreibung der Stichprobe...................................... 14 3. Ergebnisse der Studie........................................... 20 3.1 Zuwanderung nach und Aufenthalt in Deutschland.................. 20 3.2 Abwanderung aus Deutschland................................... 26 3.3 Rückwanderungs- oder Weiterwanderungsabsichten.................. 41 4. Einordnung der Ergebnisse und Handlungsansätze.................. 56 4.1 Die wichtigsten Ergebnisse zu Ab- und Rückwanderung............... 56 4.2 Einordnung der Ergebnisse und Handlungsansätze................... 57 5. Anhang....................................................... 60 5.1 Sprachenauswahl................................................ 60 5.2 Explorative Analyse.............................................. 61 5.3 Weitere Grafiken und Tabellen.................................... 63 Literaturverzeichnis.............................................. 64 Abbildungsverzeichnis........................................... 66 Autorinnen..................................................... 67 Vorwort Der demografische Wandel und der zunehmende Fachkräftemangel stellen nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftspolitische Herausforderung dar. Während politisch viel über die Anwerbung neuer Arbeitsund Fachkräfte aus dem Ausland diskutiert wird, bleibt ein entscheidender Aspekt oft unbeachtet: die hohe Zahl derjenigen, die Deutschland wieder verlassen. Zwischen 2015 und 2022 wanderten zwar über 12 Millionen Menschen nach Deutschland ein, doch über 7 Millionen kehrten dem Land auch wieder den Rücken. Diese Abwanderung ist mehr als eine statistische Kennzahl – sie wirft grundlegende Fragen über die Attraktivität Deutschlands als Einwanderungsland auf. Die vorliegende Studie beleuchtet erstmals umfassend die Abwanderungsgründe von EU- und Drittstaatsangehörigen aus Deutschland und stellt zugleich die Frage, unter welchen Bedingungen diese Menschen zurückkehren würden. Denn wer bereits einmal hier gelebt hat, die Sprache spricht und die Gesellschaft kennt, könnte ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Migrationspolitik sein. Die Ergebnisse zeigen jedoch deutlich: Die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, ist selten rein wirtschaftlich motiviert. Vielmehr sind es soziale Isolation, bürokratische Hürden, Diskriminierungserfahrungen oder mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten, die dazu führen, dass Deutschland als nicht langfristig lebenswert empfunden wird. Wenn Deutschland ein attraktiver Standort für internationale Talente und Fachkräfte sein will, muss es nicht nur ein besseres Angebot für Neuzuwanderer und-zuwanderinnen schaffen, sondern auch jene zurückholen, die bereits wertvolle Erfahrungen im Land gesammelt haben. Es braucht eine Migrationspolitik, die über kurzfristige Anwerbestrategien hinausgeht und sich langfristig daran orientiert, wie Zugewanderte in Deutschland leben und sich hier eine Zukunft aufbauen können. Diese Studie soll einen Impuls für diese Debatte geben. Sie liefert nicht nur Zahlen und Fakten, sondern zeigt auch, wo politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Maßnahmen ansetzen müssen, um Deutschland nicht nur als Ziel-, sondern als Lebensland für Migrant_innen attraktiv zu machen. Denn eine gelungene Einwanderungspolitik misst sich nicht nur daran, wer kommt – sondern auch daran, wer bleibt. Joana Marta Sommer Abteilung Analyse, Planung und Beratung Friedrich-Ebert-Stiftung Willkommen zurück? 3 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Zusammenfassung Migration verläuft selten geradlinig: Häufig folgt auf eine Zuwanderung eine erneute Abwanderung, eingebettet in einen vielschichtigen, offenen und nicht immer langfristig geplanten Migrationsprozess. Die behördlichen Statistiken verdeutlichen, dass viele Menschen jedes Jahr nach Deutschland zuwandern, eine nicht unerhebliche Zahl an Zugewanderten aber auch wieder das Land verlässt. Der Wanderungssaldo bestimmter Zuwanderungsgruppen, z. B. aus den neuen EU-Mitgliedstaaten, ist in den vergangenen Jahren erheblich geschrumpft. Die hohen Abwanderungszahlen sind nicht nur angesichts des Fachkräftemangels besorgniserregend, sondern auch im Hinblick auf die Integrationsfähigkeit und Offenheit unserer Gesellschaft. Eine zentrale Frage ist in dieser Hinsicht, inwiefern gesellschaftliche und(arbeitsmarkt-)politische Rahmenbedingungen in Deutschland eine gleichberechtigte Teilhabe erschweren und damit ungewollte Abwanderungsprozesse anstoßen. Ebenso stellt sich die Frage, welche Strategien benötigt werden, um Deutschland langfristig als lebenswerten Aufenthalts- und Arbeitsort zu positionieren. Auch rückt eine bislang wenig beachtete Überlegung in den Fokus: Welche Fach- und Arbeitskräfte könnten für eine Rückkehr gewonnen werden – und unter welchen Voraussetzungen? Ziel dieser Studie ist es, ein tiefergehendes Verständnis für das Phänomen der Ab- und Rückwanderung zu gewinnen. Insbesondere soll die bestehende Forschungslücke bezüglich der Absichten und Motive von Rückkehr- und Weiterwanderung nach einer Auswanderung aus Deutschland weiter geschlossen werden. Im Fokus der Untersuchung stehen daher Personen aus EU- und Drittländern, die in der Vergangenheit nach Deutschland zugewandert sind, das Land jedoch inzwischen wieder verlassen haben. Methodisch basiert die Studie auf einer standardisierten, nichtrepräsentativen Onlinebefragung abgewanderter Personen. Da die Zielgruppe nicht mehr in Deutschland gemeldet ist und über verschiedene Länder verstreut lebt, erfolgte die Befragung über verschiedene Social-MediaKanäle, um eine möglichst breite Erreichbarkeit zu gewährleisten. Die Stichprobe besteht aus 416 Personen. Hochqua lifizierte mit einem Universitätsabschluss sind dabei deutlich überrepräsentiert. Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die vergangene Lebensrealität der Befragten in Deutschland wie auch deren aktuelle Lebenssituation im neuen Aufenthaltsland und legt Abwanderungsgründe ebenso wie zukünftige Migrationspläne offen. Zwar sind die Ergebnisse aufgrund des Studiendesigns nicht repräsentativ, doch bieten sie wichtige explorative Erkenntnisse. Sie reflektieren zudem aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen und leisten so einen Beitrag zur weiteren Forschung und Diskussion über Migrationsbewegungen. Zentrale Ergebnisse Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen, dass die Abwanderung und mögliche Rückkehr von Zugewanderten nach Deutschland eng mit ihrer Lebenszufriedenheit, sozialen Integration und Wahrnehmung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in Deutschland wie im aktuellen Aufenthaltsland verbunden sind. Während wirtschaftliche Faktoren wie Arbeitsmarktchancen oder finanzielle Stabilität eine wichtige Rolle spielen, zeigen die Daten, dass die Abwanderungsentscheidung und die Rückkehrbereitschaft der Befragten insbesondere im Zusammenhang mit sozialen Aspekten – etwa das Gefühl der Zugehörigkeit, die Zufriedenheit mit dem sozialen Umfeld und die Willkommenskultur – verstanden werden müssen. Die Studie wirft dabei wichtige Fragen über die Integrationsfähigkeit und Offenheit der deutschen Gesellschaft auf. Auf erfolgreiche Arbeitsmarktintegration folgt nicht automatisch soziale Teilhabe Berufliche und bildungsbezogene Faktoren bilden in unserer Stichprobe, die hauptsächlich aus hoch qualifizierten Fachkräften besteht, die Hauptanlässe für die Zuwanderung nach Deutschland. Psychosoziale Gründe, wie das Gefühl, sich in Deutschland wohl- oder willkommen zu fühlen, treten bei der Wahl Deutschlands als Zielland in der Stichprobe eher in den Hintergrund. Diese gewinnen jedoch im Verlauf des Aufenthalts zunehmend an Bedeutung. Besonders die soziale Isolation und fehlende Anschlussmöglichkeiten werden als zentrale Herausforderungen empfunden, die später auch in Abwanderungsentscheidungen einfließen. Das verdeutlicht, dass auf eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration nicht automatisch soziale Teilhabe folgt. Abwanderungsprozesse sind komplex Ein zentrales Ergebnis dieser Studie ist, dass Abwanderungsentscheidungen vor allem komplex und vielschichtig sind. Während Zuwanderungen oft durch konkrete Anlässe ausgelöst werden, erfolgen Abwanderungen hingegen seltener aus einem einzelnen, klar bestimmbaren Anlass. Besonders Willkommen zurück? 5 hervorzuheben ist die Rolle psychosozialer Faktoren: Viele Zugewanderte berichten davon, sich nicht wohl- oder willkommen gefühlt zu haben, und äußern Unzufriedenheit mit ihrem Sozialleben in Deutschland. An zweiter Stelle kommen finanzielle und berufliche Gründe wie hohe Lebenshaltungskosten und unbefriedigende Arbeitsbedingungen. Im Zielland sind vor allem das Zugehörigkeitsgefühl sowie bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Lebensqualität entscheidende Pull-Faktoren. Die Umfrageergebnisse zeigen zudem Unterschiede zwischen Befragten, die von Deutschland aus ins Herkunftsland zurückkehren, und jenen, die in ein Drittland weiterziehen. Bei Letzteren gewinnen arbeitsbezogene Unzufriedenheiten bei der Abwanderung deutlich an Gewicht – weitaus mehr als bei Befragten, die in ihr Herkunftsland zurückkehren. Insgesamt sind die Befragten mit ihrem Sozialleben im neuen Aufenthaltsland zufriedener als in Deutschland – und das unabhängig davon, ob sie sich zum Befragungszeitpunkt in einem Drittland oder im Herkunftsland aufhalten. Dennoch hätte ein erheblicher Teil gern länger in Deutschland gelebt, insbesondere jene, die aufgrund aufenthaltsrechtlicher Hürden oder mangelnder beruflicher Perspektiven abwanderten. Negative Erfahrungen mit der deutschen Willkommenskultur hemmen Rückwanderungspotenzial Gleichzeitig enthält die Abwanderung auch ein gewisses Rückkehrpotenzial: 39,5 Prozent der Befragten erwägen eine Rückkehr nach Deutschland, wobei Sprachkenntnisse, Vertrautheit mit dem System und persönliche Bindungen eine Rolle spielen. Besonders häufig spielen jene mit diesem Gedanken, die gern länger geblieben wären, jedoch aufgrund aufenthaltsrechtlicher Bestimmungen oder befristeter Studienaufenthalte abwandern mussten. Allerdings bleibt ungewiss, ob und wann diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, da viele bislang keine konkreten Schritte unternommen haben und nicht davon ausgehen, innerhalb der nächsten zwölf Monate nach Deutschland zurückzukehren. Zu den häufigsten Rückkehrhindernissen zählen die Suche nach Arbeit und Wohnraum. Jene, die negative Erfahrungen mit der Willkommenskultur gemacht, Diskriminierung erlebt haben oder mit ihrem Sozialleben in Deutschland unzufrieden waren, denken hingegen seltener über eine Rückkehr nach. 6 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. 1. Einleitung 1 Der demografische Wandel und der zunehmende Arbeitsund Fachkräftemangel stellen den deutschen Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen. Laut Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung(IAB) könnte das Arbeitskräfteangebot bis zum Jahr 2035 ohne Gegenmaß nahmen um über 7 Millionen Personen sinken(Fuchs et al. 2021). In diesem Kontext kommt der Anwerbung von Ar beits- und Fachkräften aus dem Ausland eine zentrale Rolle zu. Doch allein mit Anreizen für die Zuwanderung ist es nicht getan, denn Migrationsentscheidungen sind reversibel. Zwischen 2015 und 2023 sind insgesamt 13.651.000 Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft nach Deutschland zugewandert, zugleich aber 7.915.000 wieder abge wandert. Damit ergibt sich über diesen Zeitraum ein Wanderungssaldo von 5,7 Millionen. Betrachtet man nur Zuund Fortzüge abseits von Asylherkunftsländern und der Ukraine, reduziert sich das Wanderungssaldo der vergangenen acht Jahre auf 3,3 Millionen Menschen(Statistisches Bundesamt(Destatis) 2024d). 1 Was uns die behördlichen Statistiken nicht verraten, sind die Beweggründe hinter den Zu- und insbesondere den Abwanderungen. Sind es attraktivere Bedingungen in anderen Zielländern – etwa bessere Verdienstmöglichkeiten, günstigere Lebenshaltungskosten oder stärkere familiäre Bindungen im Herkunftsland –, die Zugewanderte dazu bewegen, Deutschland den Rücken zu kehren? Oder spiegeln die Abwanderungen möglicherweise strukturelle Herausforderungen und Defizite in Deutschland wider, wie bürokratische Hürden, mangelnde Aufstiegschancen, soziale Ausgrenzung oder ein fehlendes Gefühl von Zugehörigkeit und Anerkennung? Die Beweggründe für eine Abwanderung – sowohl in Deutschland als auch den Zielländern – zu verstehen, ist dabei weit mehr als eine arbeitsmarktpolitische Notwendigkeit, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Vielmehr können die Antworten auf diese Fragen Aufschluss darüber geben, wie lebenswert Deutschland aus der Perspektive Zugewanderter erscheint und wie willkommen und respektiert sie sich in der Gesellschaft fühlen. Sie dienen damit zugleich als Gradmesser für die Teilhabegerechtigkeit und Willkommenskultur Deutschlands und die Offenheit der deutschen Gesellschaft gegenüber Fach- und Arbeitskräften aus dem Ausland. Trotz dieser Abwanderungsdynamik gibt es bislang nur wenige Studien, die sich eingehend mit den Erfahrungen und Beweggründen derjenigen befassen, die bereits abgewandert sind und die somit den gesamten Entscheidungs- und Abwanderungsprozess durchlaufen haben. Interessant ist diese Zielgruppe auch deshalb, da sie nicht nur Einblicke in die Entscheidungsprozesse liefert, die zur Abwanderung aus Deutschland geführt haben, sondern – sofern sie nicht in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind – auch ihre Erfahrungen beim Ankommen und Leben in einem neuen Aufenthaltsland reflektieren kann. Diese Perspektive ermöglicht es, die Wahrnehmung von Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zu betrachten und so besser zu verstehen, was an den neuen Lebensrealitäten als negativ oder positiv bzw. als unterstützend empfunden wird. Es ist dabei wesentlich, sowohl nach den Abwanderungsgründen zu fragen, die in Deutschland selbst liegen(Push-Faktoren), als auch nach denen, die im Zielland – sei es das Herkunftsland oder ein Drittland – ihren Ursprung haben(Pull-Faktoren). Nur durch das Verständnis beider Perspektiven kann ein vollständiges Bild der Abwanderungsprozesse und der zugrunde liegenden Faktoren entstehen. Zu berücksichtigen ist bei der Analyse der Abwanderungsgründe auch eine zweite Dimension: wohin die Personen nach ihrer Abwanderung gezogen sind – zurück in ihre Herkunftsländer oder in andere Drittstaaten. Migration ist selten ein linearer Prozess. Oft folgt auf eine Zuwanderung eine Abwanderung, die Teil eines komplexen, offenen und nicht immer langfristig geplanten Migrationsprozesses ist. Insofern ist Abwanderung nicht per se problematisch. Im Gegenteil, insbesondere vor dem Hintergrund des Braindrains in vielen Herkunftsregionen ist es wünschenswert, dass Personen selbstbestimmt in ihre Herkunftsländer zurückkehren und dort ihre erworbenen Qualifikationen sowie internationalen Erfahrungen und Netzwerke einbringen. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Abwanderungsdynamik vor allem dann, wenn sie durch gesellschaftliche oder(arbeitsmarkt-) politische Rahmenbedingungen in Deutschland verursacht wird, die eine gleichberechtigte Teilhabe der Zugewanderten erschweren und sie somit dazu bewegen, wieder abzuwandern, obwohl sie dies nicht ursprünglich so gewollt und geplant haben. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht sind die hohen Abwanderungszahlen angesichts des Fachkräftemangels einerseits alarmierend, andererseits eröffnen sie auch Potenziale, da es sich bei den Abgewanderten um Personen handelt, die bereits über relevante Arbeits- und Lebenserfahrungen in 1  Die Autorinnen bedanken sich bei Marius Castello für die Unterstützung bei der Entwicklung der Umfrage. Willkommen zurück? 7 Deutschland verfügen. Sie kennen die Sprache, Kultur und Arbeitsweisen hierzulande. Ihre Rückgewinnung könnte eine Strategie sein, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Erste Umfragen zeigen, dass viele dieser vormals Zugewanderten ein Interesse daran haben, nach Deutschland zurückzukehren(Schramm 2023; Boockmann et al. 2022). Während die Forschung zunehmend die Abwanderungsmotive und-prozesse von Zugewanderten untersucht, ist das Potenzial für Rückwanderung sowie die damit verbundenen Beweggründe und Hürden unter den abgewanderten Personen bislang noch wenig erforscht. Durch eine Befragung der abgewanderten Personen zu ihrem Rückwanderungsinteresse bzw. ihren Rückwanderungsabsichten nach Deutschland kann ermittelt werden, inwiefern sie eine potenzielle Zielgruppe für die Anwerbung bzw. Rückwerbung von Arbeitskräften darstellen. Die Untersuchung ihrer Motive und Hürden für eine Rückkehr ermöglicht es, gezielte Strategien zu entwickeln, um diese Personen anzusprechen und die Rahmenbedingungen in Deutschland so zu gestalten, dass eine Rückkehr für sie attraktiver wird. Ziel der vorliegenden Studie ist es somit, einen Beitrag zum besseren Verständnis des Phänomens der Ab- und Rückwanderung zu leisten. Insbesondere soll die Forschungslücke zu Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten und-motiven nach der Abwanderung aus Deutschland weiter geschlossen werden. Zu diesem Zweck zählen zur Zielgruppe 2 der Umfrage Personen, → die in Deutschland weder aufgewachsen noch geboren sind, → die in der Vergangenheit nach Deutschland zugewandert sind und → zum Befragungszeitpunkt wieder im Ausland leben, also wieder ins Herkunftsland oder ein anderes Land abgewandert sind. Der erste Fokus liegt auf der Analyse der Faktoren, die sowohl in Deutschland als auch in den Zielländern dazu führen, dass Menschen das Land verlassen. Dabei soll auch ermittelt werden, welche politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland zu Abwanderungen beitragen und was sich ändern müsste, damit Menschen sich entscheiden, länger zu bleiben. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung des Rückwanderungspotenzials. Ziel ist es herauszufinden, wie groß das Interesse der abgewanderten Personen ist, nach Deutschland zurückzukehren, und welche Faktoren diese Entscheidung beeinflussen. So sollen Ansatzpunkte zur Förderung der Rückwanderung und einer möglichen Zielgruppenansprache für die Anwerbung von Fachkräften ermittelt werden. Dabei werden auch die Zusammenhänge zwischen den Faktoren, die zu Abwanderungsentscheidungen führen, und den potenziellen Rückkehrmotiven untersucht, um ein ganzheitliches Verständnis für die Beweggründe und Möglichkeiten zur Förderung der Rückwanderung zu entwickeln. Der methodische Kern der Studie ist eine standardisierte, nichtrepräsentative Onlinebefragung von abgewanderten Personen, die mithilfe verschiedener Strategien über Social Media verbreitet wurde. Zu Beginn werden im Folgenden der Forschungsstand dargestellt und die bestehende Forschungslücke aufgezeigt. Dabei werden die wesentlichen Erkenntnisse aus der bisherigen Migrationsforschung mit besonderem Fokus auf Umfragestudien zu Zuwanderung, Abwanderung und Rückwanderung zusammengefasst. In Kapitel 2 werden das Er hebungsdesign und die Stichprobenbeschreibung vorgestellt. Hier wird das methodische Vorgehen erläutert, insbesondere die Fragebogenentwicklung und der Feldzugang über Social Media. Das darauffolgende Kapitel 3 befasst sich mit den Ergebnissen der Umfrage. Kapitel 3.1 widmet sich der ursprünglichen Zuwanderungsentscheidung nach Deutschland und dem Aufenthalt im Land, indem die Gründe für die Zuwanderung sowie die Erfahrungen und Herausforderungen der Befragten während ihres Aufenthalts in Deutschland untersucht werden. Im nächsten Schritt (Kapitel 3.2) folgt die Analyse der Abwanderung und des Aufenthalts im jetzigen Land, indem aufgezeigt wird, warum die Befragten Deutschland verlassen haben und wie sich ihre Lebenssituation in ihrem neuen Aufenthaltsland gestaltet. Im Anschluss daran werden in Kapitel 3.3 die mögli chen Rückwanderungsabsichten untersucht, also ob und aus welchen Motiven die Befragten eine Rückkehr nach Deutschland in Erwägung ziehen. Schließlich werden in Kapitel 4 Handlungsfelder auf Basis der gewonnenen Er gebnisse zum Entgegenwirken von ungewollter Abwanderung und zur Förderung von Rückwanderung identifiziert. 1.1 Forschungsstand Zur Abwanderung von Menschen aus einem bestimmten geografischen Gebiet wurde bereits aus verschiedenen wissenschaftlichen Positionen, mit jeweils unterschiedlichem methodischen Vorgehen sowie unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren geforscht. Die empirische Forschungsliteratur kann eingeteilt werden in einerseits positivistische quantitative Forschung, die anhand statistischer Modelle und mithilfe amtlicher Statistiken oder Panelumfragen die Ursache-Wirkung-Beziehungen zwischen be2  Es ist anzumerken, dass Geflüchtete in dieser Studie nicht explizit als zentraler Bestandteil der Zielgruppe oder des Forschungsfokus definiert wurden. Die Untersuchung konzentriert sich primär auf Personen, die aus verschiedenen Gründen nach Deutschland zugewandert und später wieder abgewandert sind, wobei der Schwerpunkt auf freiwilligen Migrationsentscheidungen liegt. Die spezifische Situation von Geflüchteten, die oft unter anderen Umständen und mit anderen rechtlichen Rahmenbedingungen migrieren, wird in dieser Studie nicht gesondert betrachtet. Diese Unterscheidung basiert auf der Annahme, dass sich die Ab- und Zuwanderungsgründe von geflüchteten Personen erheblich von denen der Personen unterscheiden, die aus anderen, nicht durch Zwang oder Krieg bedingten Gründen migriert sind. 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. stimmten soziodemografischen und sozioökonomischen Merkmalen und dem Abwanderungsverhalten identifiziert. Dabei können Unterschiede und Gemeinsamkeiten in diesem Verhalten festgestellt, die Abwanderungswahrscheinlichkeit berechnet und mögliche Motive abgeleitet werden. 3 Jedoch beruhen diese Ableitungen auf Vermutungen. Es kann somit keine Aussage über die tatsächlichen Beweggründe einer Abwanderung gegeben werden(Loschert/ Komitowski 2024). Auch können solche Forschungsvorha ben die Komplexität moderner Wanderungsbewegungen und -entscheidungen allein nicht erfassen. Ein anderer Teil der Forschungsliteratur versucht, diese Lücke zu schließen, und beschäftigt sich daher mit individuellen Abwanderungsmotiven und-gründen und dem Zusammenhang mit Entwicklungen auf der Mesoebene(z. B. der Rolle von sozialen Netzwerken) wie auch der Makroebene(z. B. politischen und sozialen Veränderungen) als Push- oder PullFaktoren für eine Abwanderungsentscheidung. Auch werden meist sowohl Zu- als auch Abwanderungsgründe betrachtet. Hierbei kommen qualitative Interviews und standardi sierte Befragungen der Zielgruppe zum Einsatz. Der Vorteil direkter Befragungen und Interviews liegt darin, dass sie tiefgehende Informationen für ein bestimmtes Migrationsverhalten liefern können. Diese Informationen sind nützlich, um die durch statistische Analysen identifizierten Muster von Ab- und Zuwanderung zu erklären, die maßgeblichen Gründe oder Mechanismen zu verstehen und dadurch ein umfassenderes Bild der Migrationsentscheidung zu ermöglichen. Diese tatsächlichen Beweggründe der Abwanderungen sind in Deutschland bisher nur begrenzt empirisch erforscht. Ebenso beschränkt sich die Forschung bisher überwiegend auf die Abwanderung – das Phänomen der Rückwanderung nach Deutschland von bereits abgewanderten Personen ist hingegen nur selten Gegenstand von Untersuchungen. Im Folgenden skizzieren wir den Forschungsstand der Literatur, die Zuwanderungs- und Abwanderungsprozesse durch direkte Befragungen und Interviews mit Zu- und Abgewanderten untersucht(für eine ausführliche Besprechung der Literatur siehe Loschert/Komitowski 2024). Dabei fokussieren wir uns auf Studien, die sich mit der Zuwanderung nach bzw. Abwanderung aus Deutschland beschäftigen. Die tatsächlichen Beweggründe, die dazu führen, dass Zugewanderte Deutschland wieder verlassen, wurden bisher nur begrenzt empirisch erforscht. Selbst die größte deutsche Haushaltsbefragung, das Sozioökonomische Panel, erkundigt sich lediglich nach der Absicht zur Abwanderung, vernachlässigt aber die genauen Beweggründe der Personen. Dieser Forschungs- und Datenlücke begegnen einige Studien, indem sie Zugewanderte nach ihren Migrationsverläufen, Lebenszielen und Abwanderungsplänen sowie-motiven oder tatsächlichen Abwanderungsgründen befragen. Da die Auswahl und Durchführung solcher Befragungen und Interviews mit erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden sind, beschränken sich diese Studien jedoch oft auf spezifische Zielgruppen(abhängig von Herkunft, Nationalität, Ziel der Abwanderung oder Alter) und erheben meist keinen Anspruch auf Repräsentativität. Es muss zudem zwischen der Ex-ante-Befragung von Abwanderungsabsichten und-motiven und der Ex-post-Befragung von Abwanderungsgründen nach einer tatsächlich erfolgten Abwanderung unterschieden werden. Wie sich zeigt, erfragen die meisten Forschungsprojekte die Abwanderungsmotive ex ante, also zu einem Zeitpunkt, an dem die Personen sich noch in Deutschland befinden. Eine Abfrage der Abwanderungsgründe ex post, nach der Abwanderung, ist aufgrund der Schwierigkeiten, die Personen zu sampeln, deutlich seltener und daher häufig auf einzelne Zielländer der Abwanderung beschränkt. 1.1.1 Abwanderungsabsichten und-motive(ex ante) Eine der ersten Befragungen, die Zugewanderte ex post nach ihren Abwanderungsabsichten aus Deutschland befragte, ist eine Repräsentativbefragung im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge(BAMF). Sie richtet sich an Personen der fünf größten ausländischen Staatsangehörigkeitsgruppen 4 in Deutschland und befragte sie zu ihrer Situation in Deutschland sowie ihren Verbleibs- und Abwanderungsabsichten und den zugrunde liegenden Motiven (Babka von Gostomski 2010). Die Befragung fand in den Jahren 2006 und 2007 statt und umfasst insgesamt 4.576 Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit im Alter von 15 bis 79 Jahren, die sich seit mindestens zwölf Monaten in Deutschland aufhielten. Ein Großteil der Befragten gab an, in Deutschland bleiben zu wollen(74 Prozent); 12,9 Prozent waren unentschlossen, während 11,5 Prozent die Absicht äußerten, ins Herkunftsland zurückzukehren. Bei der Frage nach den Verbleibsmotiven dominieren psychosoziale und familiäre Motive, insbesondere die in Deutschland lebende Familie(71 Prozent) und das Empfinden, sich in Deutsch land wohlzufühlen(53 Prozent), aber auch die Verwurzelung (47,1 Prozent) und das soziale Netzwerk in Deutschland (40,2 Prozent). Weniger Bedeutung hatten berufliche Grün de oder auch die wirtschaftliche und berufliche Lage im Herkunftsland. Die ausgeprägte Bedeutung psychosozialer und familiärer Gründe könnte darauf zurückzuführen sein, dass vorwiegend Staatsangehörige mit einer großen Diaspora in Deutschland befragt wurden, die bereits seit mindestens einem Jahr – in vielen Fällen sogar seit über 20 Jahren – hier leben. Minor Projektkontor für Bildung und Forschung hat mehrere nichtrepräsentative Onlinebefragungen unter Zugewanderten durchgeführt und sie unter anderem zu ihren Abwande3 Vergleiche z. B. Nekby 2006; Constant/Massey 2003; Alscher/Kreienbrink 2014, S. 100; Boockmann et al. 2022; Behrendt/Lutz 2021; Shamsuddin/Katsaiti 2020; Kuhlenkasper/ Steinhardt 2012; Adda et al. 2022; Schiele 2021. 4  Die Befragten gehörten zu den damals größten ausländischen Staatsangehörigkeitsgruppen in Deutschland: türkische Staatsangehörige(n= 1.433), Personen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens(n= 972) sowie italienische(n= 746), polnische(n= 637) und griechische(n= 677) Staatsangehörige. Willkommen zurück? 9 rungsabsichten und-motiven befragt. Im Gegensatz zur Studie von Babka von Gostomski(2010) wurden insbesondere Neuzugewanderte befragt, die tendenziell eine höhere Abwanderungswahrscheinlichkeit aufweisen als Personen, die sich schon länger in Deutschland aufhalten. Eine Umfrage aus dem Jahr 2019 unter neu zugewanderten Personen aus der EU(n= 6.818) kam zu dem Ergebnis, dass das häufigs te Motiv für Abwanderungsabsichten die fehlende soziale Integration der Befragten oder ihrer Partner_innen war(Minor 2019). Die zweitwichtigste Motivgruppe aus dieser Befra gung war die mangelhafte Einbindung in den Arbeitsmarkt, insbesondere die Ausführung einer nicht qualifikationsad äquaten Beschäftigung und Unzufriedenheit mit dem Ein kommen. Eine weitere, im September/Oktober 2020 durchgeführte Umfrage, diesmal unter Neuzugewanderten aus sowohl EU- als auch Drittstaaten, kam zu dem Ergebnis, dass die Abwanderungsabsichten insgesamt gering sind. Das wichtigste Motiv für den Verbleib war die wirtschaftlich schlechte Situation im Herkunftsland. Für die Abwanderung aus Deutschland sprachen familiäre Gründe(Spitaleri/ Fritsche 2021; Spitaleri/Hampel 2022). Im März 2024 führte das Deutsche Zentrum für Integration und Migration(DeZIM) eine deutschlandweite Befragung zur Wahrnehmung und Akzeptanz der AfD unter Menschen mit und ohne Migrationshintergrund durch(Zajak et al. 2024). Die Kurzstudie stellt fest, dass erhebliche Teile bei der Bevölkerungsgruppen aufgrund der Sorge vor der AfD-Politik darüber nachdenken, innerhalb Deutschlands oder ins Ausland umzuziehen. Fast jede zehnte Person mit Migrationshintergrund überlegt in Anbetracht der AfD-Erfolge, Deutschland zu verlassen. 1.1.2 Abwanderungsgründe(ex post) Keine der Abwanderungsstudien, die Abwanderungsgründe ex post, also nach bereits erfolgter Abwanderung, untersuchen, können mit ihrem Untersuchungsdesign Anspruch auf Repräsentativität erheben, sondern müssen in einem explorativen Kontext verstanden werden. Aufgrund des erheblichen finanziellen und zeitlichen Aufwands, der mit der Erfassung von Abwanderungsgründen im Zielland verbunden ist, gibt es nur wenige Studien, die Befragungen in mehreren Zielländern durchgeführt haben. Eine der ersten Studien(Obergfell 2016) untersuchte die Abwanderungsgründe von zugewanderten Personen aus der Türkei(n= 41) und ihrer Folgegeneration(n= 187), die aus Deutschland in die Türkei abgewandert sind. Hier dominierten persönliche Gründe wie Neugier oder Heimatverbundenheit, gefolgt von gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Gründen sowie zuletzt familiären und partnerschaftlichen Motiven. Interessant ist die Studie auch deshalb, weil Rückwanderungsabsichten und-motive nach Deutschland bzw. Weiterwanderungsabsichten abgefragt wurden. Etwa jeweils die Hälfte der Befragten gab an, sich eine Weiterwanderung in ein anderes Land bzw. die Rückwanderung nach Deutschland vorstellen zu können. Während familiäre und partnerschaftliche Gründe eine geringe Rolle bei der Abwanderung aus Deutschland spielten, sind sie das wichtigste Motiv(41 Prozent) für eine Rückkehr nach Deutschland. 5 Als Zweites folgen berufliche Abwanderungsmotive, die rund 36 Prozent ausmachen. Dass für Personen, die nicht die EU-Freizügigkeit genießen, andere Abwanderungsgründe dominieren, zeigen die Ergebnisse der gemeinsamen Studie des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung(IAW) und des Instituts für Sozialforschung& Kommunikation(SOKO) 6 (Boockmann et al. 2022), die sowohl EU- als auch Drittstaatsangehörige befragte, denn 23 Prozent der Befragten gaben aufent haltsrechtliche Gründe für ihre Abwanderung an. Befragt wurden 1.885 Personen, die in Deutschland erwerbstätig waren und wieder abgewandert sind. Neben einem standardisierten Fragebogen, der Zu- und Abwanderungsgründe, die Situation in Deutschland und die aktuelle Situation im Aufenthaltsland erfragte, wurden mit einem kleinen Teil der Befragten zusätzlich qualitative Interviews geführt. Die Ergebnisse zeigen ein heterogenes Bild an Abwanderungsgründen. Neben den aufenthaltsrechtlichen gab ein Viertel der Befragten berufliche Gründe(insbesondere Arbeitslosigkeit bzw. Beschäftigungsende, Beendigung des Studiums bzw. der Ausbildung und ein Mangel an passenden Beschäftigungen) an. Eine fehlende soziale Integration wird ebenfalls häufig als Grund genannt. Von geringerer Bedeutung sind wirtschaftliche oder familiäre Motive. Weniger Beachtung bei der standardisierten Befragung finden einerseits Faktoren im Herkunfts- oder Zielland der Abwanderung(Pull-Faktoren) und persönliche Gründe wie Heimatverbundenheit, Wunsch nach persönlicher Veränderung oder Neugier. Die Bedeutung dieser Aspekte kommt jedoch in den qualitativen Interviews stärker zum Tragen. Die meisten der Abgewanderten betonten, dass sie die Abwanderung bedauern; nahezu zwei Drittel äußerten den Wunsch, wieder in Deutschland zu leben. Rückwanderungsmotive und-bedarfe wurden in der Studie nicht abgefragt, auch nicht, ob und warum Abgewanderte lieber in ein anders Land als Deutschland weiterwandern möchten. Es wurde jedoch eine multivariate Analyse angestellt, um zu berechnen, welche Determinanten oder Merkmale die Rückkehrbereitschaft von Personen erklären können. Entsprechend haben insbesondere regelmäßige Kontakte 5  Dies ist auf die Zielgruppe der Umfrage zurückzuführen, die überwiegend aus der zweiten Generation türkischer Migrant_innen besteht. Es ist anzunehmen, dass ihre familiären Strukturen vorwiegend in Deutschland verankert sind. Dies erklärt, warum familiäre Gründe eine geringere Rolle bei der Abwanderung aus Deutschland spielten, jedoch eine größere Bedeutung bei der Rückkehr hatten. 6  Es lässt sich annehmen, dass insbesondere nachträgliche(Ex-post-)Befragungen besser geeignet sind, um aufenthaltsrechtliche Abwanderungsgründe zu erfassen(und entsprechend bei Ex-ante-Befragungen eher unterrepräsentiert sind), da aufenthaltsrechtliche Probleme oft nicht vorab antizipiert werden können. Diese Gründe für die Abwanderung können beispielsweise durch Arbeitslosigkeit unerwartet auftreten und einen an sich langfristig geplanten Aufenthalt abrupt unterbrechen. 10 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. nach und positive Arbeitserfahrungen in Deutschland sowie negative Arbeitserfahrungen im aktuellen Aufenthaltsland positive Effekte auf die Rückwanderungsabsicht. Das Projekt„Zuwanderung aus Südosteuropa“(ZuSudo) (Schramm 2023) führte standardisierte Befragungen von 600 EU-Staatsangehörigen durch, die zwischen Rumänien, Bulgarien und dem Ruhrgebiet migrierten, und fragte dabei nach vergangenen Migrationsverläufen sowie zukünftigen Migrationswünschen und-plänen. Die Hauptgründe für die Abwanderung in das Herkunftsland sind beruflicher Natur, gefolgt von familiären Gründen. Die Studie fragte auch danach, in welchen Lebensbereichen Migrant_innen Unterstützungsbedarfe haben, mit dem Ergebnis, dass sich alle Sprachgruppen am häufigsten Unterstützung in den Bereichen Beschäftigung, Bildung und Spracherwerb wünschen. Auf Grundlage der erfassten Migrationsverläufe schlägt die Studie vier Migrationstypen vor, wobei drei dieser Typen eine Rückkehr ins Herkunftsland oder eine Weiterwanderung in ein anderes Land beinhalten. Dies unterstreicht, dass Abwanderung meist ein integraler Bestandteil eines Migrationsprozesses oder gar Teil einer mehr oder weniger geplanten Migrationsstrategie ist, und sollte somit nicht immer automatisch allein als„gescheiterte Zuwanderung“ oder„gescheiterte Integration“ betrachtet werden. → Mehrebenenanalyse: Nur wenige Studien untersuchen Abwanderungsfaktoren auf Mikro-, Meso- und Makroebene. → Differenzierte Untersuchung von Weiterwanderungsund Rückkehraspekten: Detaillierte Analysen zu Weiterwanderungs- oder Rückkehrwünschen,-erwägungen und-bedarfen nach erfolgter Abwanderung sind selten. An dieser Stelle bedarf es einer besseren Datenlage und weiterer Forschungsvorhaben, die nach verschiedenen Abwanderungsprozessen differenzieren und sowohl Rückwanderungsabsichten und-bedarfe der Migrant_innen erforschen, anhand derer dann z. B. arbeitsmarkt- und integrationspolitische Maßnahmen und Instrumente entwickelt werden können. Die im Folgenden beschriebene Befragung und das Erhebungsdesign der vorliegenden Studie zielen darauf ab, einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücken zu leisten und eine solidere Grundlage für die Entwicklung effektiver politischer Maßnahmen zu schaffen. 1.2 Forschungslücke Die Auswertung der Forschungsliteratur macht deutlich, dass Befragungen Faktoren auf Mikro-, Meso- und Makroebene sowohl im Abwanderungsland als auch im Zielland der Migration berücksichtigen müssen, um eine ganzheitliche Analyse von Abwanderungsprozessen durchzuführen – auch um die Einseitigkeit der nationalen amtlichen Statistiken auszugleichen, die meist nur Abwanderungsbedingungen im Abwanderungsland untersuchen. Die Forschungsliteratur zeigt: Migration ist multikausal und nicht linear; der Migrationsprozess endet also häufig nicht mit der Abwanderung aus Deutschland. Werden zukünftige Migrationsabsichten nach der Abwanderung aus Deutschland abgefragt, können sich viele der Befragten eine Weiterwanderung in ein anderes Land bzw. eine Rückwanderung nach Deutschland vorstellen. Die Weiterwanderungsabsichten der abgewanderten Personen wurden bisher aber kaum systematisch erfasst. Es können die folgenden Forschungslücken identifiziert werden: → Ex-post-Untersuchungen: Es mangelt an Studien, die Abwanderungsgründe nach erfolgter Abwanderung analysieren. Die meisten Untersuchungen konzentrieren sich auf Absichten oder hypothetische Szenarien. → Push- und Pull-Faktoren: Es gibt wenige Studien, die sowohl Abwanderungsgründe im Abwanderungsland Deutschland(Push-Faktoren) und im Zielland der Abwanderung(Pull-Faktoren) abfragen. → Willkommen zurück? 11 2. Erhebungsdesgin und Stichprobe Der methodische Kern der Studie ist eine standardisierte, nichtrepräsentative Onlinebefragung von abgewanderten Personen, die mithilfe verschiedener Strategien über Social Media verbreitet wurde. Die Wahl dieser Methode resultierte aus den spezifischen Herausforderungen, eine Zielgruppe zu erfassen, die nicht mehr in Deutschland gemeldet und über verschiedene Länder verstreut ist. Klassische Erhebungsmethoden stoßen bei dieser Personengruppe an ihre Grenzen. Unser zentraler Ansatzpunkt für den Zugang zur Zielgruppe war daher die Ansprache über Social-Media-Kanäle. Die Auswahl der Proband_innen ist folglich zu großen Teilen unkontrolliert, und die Verteilung relevanter Merkmale in der Stichprobe entspricht nicht der Verteilung in der Grundgesamtheit der Abgewanderten. Dies resultiert in einer nichtrepräsentativen Stichprobe für die gesamte Zielgruppe (Cohen/Arieli 2011). Bei Stichproben, die über soziale Medien gewonnen werden, besteht ein erhöhtes Risiko für Verzerrungen(Bias), was die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse einschränken kann. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Selbstselektion: Die Teilnehmenden entscheiden selbst, ob sie an der Umfrage mitwirken möchten, anstatt zufällig ausgewählt zu werden. Dies kann dazu führen, dass vor allem Menschen teilnehmen, die ein besonders starkes Interesse am Thema haben, etwa aufgrund einer ausgeprägten Verbundenheit mit oder Abneigung gegen Deutschland. Zudem spiegeln Nutzer_innen sozialer Medien oft nicht die gesamte Bevölkerung wider. Es gibt häufig Unterschiede in der Nutzung zwischen verschiedenen Altersgruppen, sozioökonomischen Schichten und geografischen Regionen, was zu einer demografischen Verzerrung führen kann. Die Zusammensetzung der Nutzerschaft kann sich zudem zwischen verschiedenen Social-Media-Plattformen erheblich unterscheiden. In manchen Ländern existieren darüber hinaus staatliche Einschränkungen oder sogar Verbote bestimmter Social-Media-Plattformen, was den Zugang zu potenziellen Teilnehmenden in diesen Regionen erschweren oder unmöglich machen kann. Trotz dieser Herausforderungen bietet die durchgeführte Befragung wertvolle Einblicke in die Situation von Menschen, die Deutschland verlassen haben. Sie liefert wichtige Anhaltspunkte und Denkanstöße, auch wenn die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen. Im Folgenden werden das gewählte Erhebungsdesign(Kapitel 2.1) und die damit erreichte Stichprobe(Kapitel 2.2) näher er läutert. 2.1 Erhebungsdesign Das Erhebungsdesign umfasst die inhaltliche Entwicklung und Verbreitung der Umfrage sowie die Aufbereitung der Ergebnisse. Um eine breite Teilnehmerschaft von sowohl EU- als auch Drittstaatsangehörigen aus unterschiedlichen Herkunftsregionen zu erreichen, wurden die Umfrage sowie die begleitenden Ansprache- bzw. Werbetexte in zehn Sprachen übersetzt: Deutsch, Englisch, Spanisch, Arabisch, Russisch, Rumänisch, Bulgarisch, Polnisch, Türkisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Die Auswahl der Sprachen wird im Anhang der Studie näher erläutert. Die inhaltliche Vorbereitung der Umfrage, insbesondere die Entwicklung des Fragebogens auf Basis einer explorativen Analyse, wird in Kapitel 2.1.1 behandelt. Die Wahl der Verbreitungsstrategie zur Bewerbung der Onlineumfrage über Social-Media-Kanäle sowie die laufende Überprüfung von Datenqualität, Rücklaufquoten und Zielgruppenerreichung werden in Kapitel 2.1.2 erörtert. 2.1.1 Fragebogenentwicklung Die Studie basiert auf einer standardisierten Onlinebefragung (Web-Survey) mithilfe eines Fragebogens, der überwiegend geschlossene Fragen enthält. Diese Art der Befragung wurde aus Gründen der Zeiteffizienz, Datenqualität, Automatisierbarkeit und Vergleichbarkeit im Rahmen der Auswertung gewählt und bietet sich insbesondere aufgrund des Umfangs der Befragung an. Der Fragebogenentwicklung ging eine explorative Analyse voraus, die darauf abzielte, ein fundierteres Verständnis des Forschungsfeldes zu erlangen und potenzielle Fragestellungen sowie Antwortoptionen zu identifizieren. Die explorative Analyse umfasste die Untersuchung des Forschungsstandes und die Identifizierung von Forschungslücken(für die Ergebnisse siehe Kapitel 1.1), eine Analyse digitaler Gruppen und Communitys auf Social Media, die Einblicke in tagesaktuelle Diskussionen, Trends und Meinungen unter Zu- bzw. Abgewanderten bot(siehe Kapitel 5.2 im Anhang), und einer anschließenden Diskussion der Ergebnisse sowie des Fragebogens in Fokusgruppeninterviews mit Zu- und Rückgewanderten(siehe Kapitel 5.2 im Anhang). Unter Be rücksichtigung des bestehenden Forschungsstandes und der Ergebnisse der explorativen Analyse wurde der Fragebogen entwickelt. Dabei wurde auch Wert daraufgelegt, bewährte Items aus anderen Forschungsprojekten(z. B. der IAB-SOEP Migrationsstichprobe) oder internationalen For12 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. schungsinstitutionen(siehe z. B. Carling und Bålsrud Mjelva 2021) zu verwenden. Einleitend werden die Teilnehmenden im Fragebogen zunächst danach gefragt, ob sie in der Vergangenheit bereits in Deutschland gelebt haben, dort aber nicht geboren wurden, und aktuell wieder in einem anderen Land leben, um zu überprüfen, ob die Personen der gewünschten Zielgruppe entsprechen. Der weitere Fragebogen deckt neben den soziodemografischen Daten der Befragten die Phasen der Zu-, Ab- und Rück- bzw. Weiterwanderung ab. Da sich die Befragten zum Zeitpunkt der Befragung nicht mehr in Deutschland befinden, kombiniert der Fragebogen prospektive, retrospektive Fragen und Fragen zum Status quo(sie he Tabelle 3 im Anhang). Um eine ganzheitliche Analyse von Zu-, Ab- und Rückwanderungsprozessen durchzuführen, werden bei der Abfrage von Wanderungsmotiven außerdem Faktoren auf Mikro-, Meso- und Makroebene sowohl im Abwanderungsland als auch im Zielland der Migration abgefragt. Bei den Abfragen von Zu- und Abwanderungsgründen orientieren wir uns auch an bereits mehrfach getesteten Items anderer Umfragen(z. B. die Migrationsstichprobe des SOEP). Fragen, die sich mit zukünftigen Migrationsplänen beschäftigen(also prospektiv gestellt werden), werden über mehrere sich ergänzende Fragen abgefragt. Zukünftige Migrationsbestrebungen sind ein mehrdimensionales und schwer fassbares Phänomen, das am besten mit mehreren Variablen bewertet werden kann. Dabei wird eine Kombination von Fragen gestellt, die a) Präferenzen/Wünsche, b) Überlegungen/Erwägungen und c) Wahrscheinlichkeiten/Erwartungen abfragen(vergleiche die Erläuterungen in Kapitel 3.3). Zur Überprüfung des Befragungsinstruments, das mithilfe einer Softwareplattform entwickelt wurde, wurde zunächst ein Pretest durchgeführt. Ziel dieses Pretests war es, die Verständlichkeit, Benutzerfreundlichkeit und Praktikabilität des Fragebogens zu evaluieren. Nach Abschluss des Pretests erfolgte die Übersetzung der Fragebögen durch Muttersprachler_innen in neun Sprachen, jeweils nach dem Vier-Augen-Prinzip. Im Anschluss daran wurde ein weiterer Pretest in den jeweiligen Sprachversionen durchgeführt, um die Qualität und Verständlichkeit der Übersetzungen sicherzustellen. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich vom 3.7.2024 bis zum 27.10.2024. 2.1.2 Feldzugang über soziale Medien Bei der organisatorischen Vorbereitung der Umfrage lag ein besonderer Fokus auf dem Feldzugang, insbesondere der Entwicklung einer Verbreitungsstrategie, um der Herausforderung, dass sich die Zielgruppe im Ausland befindet und unterschiedliche(Mutter-)Sprachen spricht, zu begegnen. Die folgenden drei Strategien wurden beim Feldzugang über soziale Medien gewählt. → Verbreitung über Social-Media-Gruppen: Während des Befragungszeitraums wurde der Umfragelink in unterschiedlichen Gruppen auf Facebook, Telegram und LinkedIn geteilt, in denen sich bestimmte Communitys der Zielgruppe häufig und in größeren Gruppen austauschen. Die Gruppenmitglieder werden durch regelmäßige Postings in den jeweiligen Community-Sprachen und mittels gezielter Ansprache durch die Moderator_innen der Gruppen auf die Umfrage aufmerksam gemacht. Die Ansprachen und Sharepics wurden ebenfalls in die neun Hauptsprachen der Umfrage übersetzt(siehe Abbildung 57 im Anhang). → Werbung in den sozialen Medien: Eine weitere Strategie, um die Zielgruppe der Umfrage auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und LinkedIn auf die Befragung aufmerksam zu machen, war das Targeting. Dabei handelt es sich um zielgruppenspezifische Onlinewerbung, die dazu dient, die gewünschte Zielgruppe auf die Umfrage aufmerksam zu machen und zur Teilnahme zu motivieren. Ursprünglich wird das Targeting von Werbetreibenden genutzt, um eine bestimmte Zielgruppe für ihre Produkte oder Dienstleistungen anhand bestimmter Merkmale wie Alter, Geschlecht, Wohnort oder Interessen zu definieren. Diese Methode kann jedoch auch eingesetzt werden, um migrantische Onlinecommunitys zu erreichen. Ein detaillierter Leitfaden, der beschreibt, wie das Prinzip des Targeting zur Erreichung von Migrant_ innen angewendet werden kann, ist in der Publikation von Sutormina et al.(2023) verfügbar. Auf Facebook und Instagram wurde gezielte Werbung geschaltet, die speziell Personen im Ausland anspricht, die ein Interesse an Deutschland haben und hier auch bereits gelebt haben. → Verteilung und Begleitung über Partner_innen und Multiplikator_innen: Vertreter_innen von Migrationsberatungsstellen und Migrantenorganisationen wie auch Einzelpersonen, die über soziale Medien gut mit migrantischen Communitys vernetzt sind, wurden gebeten, bei der Verbreitung des Umfragelinks zu helfen. Entsprechend teilten diese die Umfrage u. a. auf Instagram, TikTok, Facebook und LinkedIn. Die eingesetzten Verbreitungsstrategien wurden nicht nur zu Beginn der Umfrage, sondern kontinuierlich über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg umgesetzt. Dies bedeutete, dass beispielsweise nicht nur zu Beginn des Feldzugangs, sondern in regelmäßigen Abständen während des gesamten Erhebungszeitraums Sharepics mit dem Umfragelink in den Social-Media-Gruppen geteilt wurden, um weitere Mitglieder der Gruppen auf die Umfrage aufmerksam zu machen oder sie an die Teilnahme zu erinnern. Darüber hinaus konnten alle genannten Verbreitungsstrategien im Verlauf der Erhebung flexibel angepasst werden. Parallel zur Erhebung wurden Datenqualität, Rücklaufquo ten und Zielquotenerreichung fortlaufend überprüft. Wurde festgestellt, dass eine bestimmte Sprach- oder Herkunftscommunity unterrepräsentiert war, wurde die Verbreitung Willkommen zurück? 13 in diesen communityspezifischen Gruppen verstärkt oder die Werbestrategie sowie der Inhalt der Ansprache und Werbung angepasst. Im Falle einer deutlichen Überrepräsentation einer Gruppe wurde die weitere Aktivierung in diesen Gruppen gestoppt und das Targeting der Werbung entsprechend angepasst, sodass diese Gruppen nicht weiter angesprochen wurden. Dieses Vorgehen war insbesondere deshalb von Bedeutung, da die unterschiedlichen Strategien in den verschiedenen Communitys unterschiedlich gut funktionierten. Während beispielsweise die Werbung über Facebook in den EU-Ländern nur geringe Reichweiten erzielte, war sie in der Türkei besonders erfolgreich. Personen, die im EU-Ausland lebten, wurden entsprechend häufiger über die Ansprache in Social-Media-Gruppen oder über Multiplikator_innen erreicht. 2.2 Beschreibung der Stichprobe Die oben beschriebene Onlinebefragung wurde im Zeitraum vom 3.7.2024 bis 27.10.2024 durchgeführt. Insgesamt schlossen 416 Personen die Umfrage ab. Aufgrund des in Kapitel 2.1 erläuterten Stichprobenverfahrens handelt es sich dabei nicht um eine repräsentative Stichprobe. Die Stichprobenbeschreibung ist auch deshalb wichtig, weil sie es ermöglicht, potenzielle Verzerrungen zu erkennen, die durch die Art der Stichprobe entstehen können. Daher erfolgt in diesem Abschnitt eine Darstellung der zentralen soziodemografischen Merkmale der Stichprobe, bevor die Ergebnisse der Befragung in Kapitel 3 detailliert analysiert und diskutiert werden. Die Mehrheit der Befragten ist im Alter von 31–40 Jahren (41,2 Prozent), gefolgt von den 41- bis 50-Jährigen(26,5 Prozent). Jeweils etwa ein Achtel sind 20–30 Jahre(13,7 Pro zent) und 51–60 Jahre alt(11,6 Prozent). Nur wenige der Befragten sind 61 Jahre oder älter(7 Prozent)(siehe Abbil dung 1). Das Geschlecht der Befragten verteilt sich nahezu paritätisch auf weibliche(44,6 Prozent) und männliche(55,4 Pro zent) Personen(ohne Abbildung). Der leichte Überhang männlicher Befragter ist vor allem geprägt durch die deutlich männliche Mehrheit unter den türkischen und indischen Teilnehmenden. Auch unter den Serb_innen, Italiener_innen sowie den Pakistaner_innen sind die meisten der Befragten Männer, jedoch ist hier der Anteil an der Grundgesamtheit jeweils kleiner, weshalb hier nicht von Repräsentativität ausgegangen werden kann. Gleichzeitig gibt es eine deutliche Mehrheit von Frauen unter den französischen(85,7 Prozent) und bulgarischen(64,3 Prozent) Be fragten(ohne Abbildung). Diese Überhänge männlicher oder weiblicher Befragter entsprechen nicht den Zahlen der behördlichen Statistik zur ausländischen Bevölkerung, wenngleich etwa im Falle Indien oder der Türkei Tendenzen in die jeweilige Richtung bestehen(Statistisches Bundesamt(Destatis) 2024a). Auffällig in unserer Stichprobe ist, dass die große Mehrzahl der Befragten über einen Hochschulabschluss verfügt(85,4 Prozent)(siehe Abbildung 2). Knapp die Hälfte gab einen Masterabschluss als höchsten Bildungsabschluss an. Nur 29,1 Prozent der Befragten haben ihren höchsten Abschluss in Deutschland erworben(ohne Abbildung). Diese akademischen Hintergründe sollten bei der Interpretation der Ergebnisse unbedingt berücksichtigt werden. Zum einen ist anzunehmen, dass Personen mit einem höheren Bildungsabschluss tendenziell andere berufliche Tätigkeiten ausüben als Personen mit geringerem Bildungsabschluss. Dies könnte ihre Wahrnehmung und Bewertung von Arbeitsverhältnissen insgesamt positiv beeinflussen und zu einer weniger kritischen Einschätzung bestimmter Problembereiche führen. Zum anderen verfügen höher gebildete Personen häufig über bessere Arbeitschancen, Karrieremöglichkeiten und Einreisebestimmungen in anderen Ländern. Dies erleichtert ihnen potenziell die Entscheidung, in ein anderes Land abzuwandern, wenn die Arbeits- oder Lebensbedingungen im Inland nicht ihren Erwartungen entsprechen. Der hohe Anteil an Befragten mit akademischem Hintergrund könnte somit zu einer Verzerrung führen, da andere Bildungsgruppen und deren spezifische Perspektiven möglicherweise unterrepräsentiert sind. Dies sollte bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden. Es ist daher wichtig, die Aussagen zur Bewertung von Arbeits- und Lebensbedingungen stets im Kontext dieser spezifischen Zusammensetzung der Stichprobe zu betrachten und mögliche Einschränkungen hinsichtlich der Übertragbarkeit auf andere Migrationsgruppen zu reflektieren. Mit 67,4 Prozent kommt die Mehrzahl der Befragten aus Europa(EU und Nicht-EU), davon etwa 40 Prozent aus Nicht-EU-Staaten und jeweils etwa ein Drittel aus EU-117 und EU-15-Staaten 8 . Jeweils etwa ein Achtel der Befragten stammt aus Süd- und Mittelamerika sowie Asien und Ozeanien. Hinzu kommen etwa sieben Prozent Befragte mit Herkunft in Nordafrika und dem Nahen Osten sowie wenige Befragte aus Nordamerika und Subsaharaafrika(siehe Abbildung 3). 7  EU 11 meint die Staaten, die der Europäischen Union im Zuge ihrer Erweiterung in Mittel- und Osteuropa sowie dem Mittelmeerraum zwischen 2004 und 2013 beitraten: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Kroatien. 8  EU 15 bezieht sich auf die zwischen 1995 und 2004 15 bestehenden Mitgliedstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, Vereinigtes Königreich. 14 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Alter Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern 20 – 30 Jahre 31 – 40 Jahre 41 – 50 Jahre 51 – 60 Jahre älter als 60 Jahre 0 % 13,7 %(57) 11,6 %(48) 7,0 %(29) 10 % 20 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. Abb. 1 26,5 %(110) 41,2 %(171) 30 % 40 % 50 % Studienabschluss Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern 14,6 %(60) kein Studium 23,6 %(97) Bachelor 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 46,2 %(190) Master 60 % 70 % Abb. 2 15,6 %(64) Promotion 80 % 90 % 100 % Herkunftsregionen * gruppiert nach Regionen, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 3 Europa(nicht EU) EU 11 EU 15 Asien und Ozeanien Süd- und Mittelamerika Nordafrika und Naher Osten Nordamerika 1,2 %(5) Subsaharaafrika 0,5 %(2) 0 % 5 % 12,8 %(52) 10,8 %(44) 7,1 %(29) 10 % 15 % 21,2 %(86) 19,0 %(77) 20 % 25 % 27,3 %(111) 30 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Welches Land würden Sie als Ihr Herkunftsland bezeichnen?“ Willkommen zurück? 15 Knapp jede_r Fünfte(19,1 Prozent) der Befragten gibt die Türkei als Herkunftsland an, was diese Gruppe mit deutlichem Abstand zur größten innerhalb der Stichprobe macht(siehe Abbildung 4). Das ist wenig überraschend, da Menschen mit türkischer Herkunft auch die größte Gruppe der in Deutschland lebenden Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft darstellen(Statistisches Bundesamt(Destatis) 2023), und spiegelt somit die historische wie aktuelle Bedeutung der Türkei als Herkunftsland der Zuwanderung nach Deutschland wider. Die behördlichen Statistiken zeigen z. B., dass die Türkei die höchsten Zu- und Fortzüge unter den Ländern außerhalb der EU aufweist. Innerhalb der EU sind hingegen Rumänien, gefolgt von Polen und Bulgarien, die Länder, die die meisten Zu- und Fortzüge verbuchen(Loschert/Komitowski 2024). Dennoch machen Befragte aus Polen und Rumänien nur einen kleinen Anteil der Grundgesamtheit der Umfragestichprobe aus. Dies legt nahe, dass die ungleiche Verteilung der Herkunftsländer in der Stichprobe auch auf die Erreichbarkeit der Zielgruppe zurückzuführen ist. Viele Befragte wurden über Social-Media-Kampagnen, gezielte Werbung oder Netzwerke angesprochen, was in den verschiedenen Ländern unterschiedlich erfolgreich war(siehe Kapitel 2.1.2). Rund die Hälfte der Befragten(50,5 Prozent) hat die Staatsbürgerschaft in einem Drittstaat. Hinzu kommen 36,8 Pro zent, die die Staatsbürgerschaft eines anderen EU-Mitgliedstaates haben. Nur ein kleiner Anteil der Befragten(12,7 Prozent) hat durch Einbürgerung die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten(siehe Abbildung 5). Die meisten der Befragten(68,5 Prozent) leben zum Zeit punkt der Befragung in ihrem Herkunftsland, während 31,5 Prozent in einem anderen Land(Drittland) leben(ohne Abbildung). Fast ein Drittel der Befragten(27 Prozent) gibt Berlin als letzten Wohnort in Deutschland an, gefolgt von Bayern mit Westfalen mit jeweils rund 13 Prozent. In Hamburg und Hessen lebten zuletzt jeweils rund sechs Prozent der Befragten. Die Anzahl der Teilnehmenden, die zuletzt in einem der übrigen Bundesländer gelebt hat, beträgt jeweils maximal zehn Personen(siehe Abbildung 6). Tatsächlich sind die drei Stadtstaaten diejenigen Bundesländer mit dem höchsten Anteil an Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft gemessen an der Gesamtbevölkerung(Statistisches Bundesamt(Destatis) 2024b). Dennoch sind das zahlenmäßig im Vergleich zu bevölkerungsstärkeren Bundesländern eher wenige Personen, weshalb der große Anteil an Personen, die zuletzt in Berlin gelebt haben, eher überraschend ist und mit der Erhebungsstruktur und lokalen Netzwerken zusammenhängen kann. Dagegen sind Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern die Flächenländer mit dem größten Anteil an Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft(Statistisches Bundesamt 2024b), wes halb sich hier die Anzahl der Befragten in unserer Umfrage normal verhält. Auffällig ist das große Ungleichgewicht zwischen Ost- und Westdeutschland. In den östlichen Bundesländern(ausgenommen Berlin) haben weniger als zehn Prozent der Befragten gelebt. Auch das deckt sich mit öfHäufigste Herkunftsländer der Stichprobe * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 4 Türkei Bulgarien 10,5 %(43) 19,1 %(78) Frankreich 8,6 %(35) Indien 6,4 %(26) Spanien 4,7 %(19) Brasilien 4,7 %(19) Polen 1,2 %(5) 4,7 %(19) Italien 4,4 %(18) Ägypten 3,9 %(16) Japan 3,2 %(13) Rumänien 3,2 %(13) Bosnien und Herzegowina 2,9 %(12) Kroatien 2,0 %(8) Kolumbien 1,7 %(7) Russland 1,5 %(6) 0 % 5 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 10 % 15 % 20 % * Antwort auf die Frage:„Welches Land würden Sie als Ihr Herkunftsland bezeichnen?“ 16 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. fentlichen Statistiken zum Ausländeranteil(Statistisches Bundesamt 2024b). Dementsprechend verhält sich die Frage danach, ob die Befragten zuletzt auf dem Land oder in einer Stadt gelebt haben. Fast 70 Prozent der Befragten haben in Deutsch land zuletzt in einer Großstadt mit mehr als 100.000 Ein wohner_innen gelebt(ohne Abbildung). Die Tatsache, dass allein mehr als ein Drittel der Befragten in Berlin, Hamburg oder Bremen gewohnt hat, deutet bereits auf dieses Ergebnis hin. Das deckt sich zudem mit amtlichen Statistiken, die belegen, dass einerseits insgesamt mehr Menschen in Deutschland in Städten leben – im Jahr 2023 rund 77,77 Prozent(World Bank Group 2024) –, und die andererseits auch zeigen, dass Migration eher in Städte stattfindet als auf dem Land(Oltmer 2021). Unterscheidet man zwischen Ost- und Westdeutschland, zeigt sich ein deutlicher Unterschied: 42,4 Prozent der Befragten, die zuletzt in den östli chen Bundesländern gelebt haben, wohnten dort in einer Kleinstadt oder auf dem Land. In den westlichen Bundesländern lag dieser Anteil hingegen nur bei 19,2 Prozent (ohne Abbildung). Mit über 60 Prozent ist die absolute Mehrheit der Befragten in den vergangenen fünf Jahren(2020–2024) abgewandert (siehe Abbildung 7). Besonders auffällig ist, dass 18,4 Prozent Staatsbürgerschaft Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 5 12,7 %(52) 36,8 %(151) 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 50,5 %(207) 60 % 70 % 80 % 90 % 100 % deutsche Staatsbürgerschaft(durch Einbürgerung) Staatsbürgerschaft eines EU-Mitgliedstaates Drittstaatsbürgerschaft Letzter Wohnort * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 6 Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg 0,8 %(3) Bremen 1,1 %(4) Hamburg 6,2 %(22) Hessen 1,2 %(5) 6,5 %(23) Mecklenburg-Vorpommern 0,6 %(2) Niedersachsen 2,0 %(7) Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz 2,5 %(9) Saarland 0,8 %(3) Sachsen 2,8 %(10) Sachsen-Anhalt 0,8 %(3) Schleswig-Holstein 2,5 %(9) Thüringen 1,7 %(6) 0 % 5 % 10 % 13,8 %(49) 17,7 %(63) 27,0 %(96) 13,2 %(47) 15 % 20 % 25 % 30 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor.* Antwort auf die Frage:„In welchem Bundesland haben Sie zuletzt in Deutschland gelebt?“ Willkommen zurück? 17 der Befragten erst im Jahr 2024, also im Jahr der Umfrage, abgewandert sind. Zwar sind die Abwanderungszahlen in Deutschland auch tatsächlich gestiegen(2000: 674.038 Ab wanderungen, 2023: 1.269.545 Abwanderungen – vgl. Sta tistisches Bundesamt(Destatis) 2024c), es ist jedoch wahr scheinlicher, dass der hohe Anteil an kürzlich Abgewanderten in der Stichprobe auf methodische Faktoren zurückzuführen ist: Personen, die erst kürzlich abgewandert sind, haben möglicherweise ein größeres Interesse daran, ihre Erfahrungen zu teilen, da die Erinnerung an ihre Beweggründe und Herausforderungen noch frisch ist. Dadurch fühlen sie sich stärker angesprochen, an der Umfrage teilzunehmen. Außerdem sind möglicherweise die Verbindungen und Netzwerke nach Deutschland über soziale Medien noch aktiv und gut gepflegt, um weiterhin mit Familie, Freund_innen oder beruflichen Netzwerken verbunden zu bleiben. Entsprechend ist diese Abwanderungsgruppe auch leichter für die Umfrage über soziale Medien zu erreichen( vgl. Kapitel 2 zu Verzerrung und insbesondere Selbstselektion bei nichtrepräsentativen Stichproben). Unter den für diese Studie befragten Personen haben die meisten(44,6 Prozent) mehr als fünf Jahre in Deutschland gelebt, etwas mehr als ein Viertel(27,1 Prozent) zwischen zwei und fünf Jahren und rund 14 Prozent unter einem Jahr (siehe Abbildung 8). Die Daten der Ausländerstatistik legen zum Beispiel für die im Jahr 2022 abgewanderten EU- und Drittstaatsangehörigen nahe, dass rund ein Viertel der Abgewanderten sich weniger als ein Jahr in Deutschland aufgehalten hat. Rund 32 Prozent waren vor ihrer Abwanderung im Jahr 2022 mehr als fünf Jahre in Deutschland (vgl. Abbildung 5 in Loschert/Komitowski 2024: 11). Zwar betrachtet unsere Umfrage nicht nur das Abwanderungsverhalten im Jahr 2022, dennoch deutet der Vergleich mit amtlichen Statistiken darauf hin, dass unsere Befragung tendenziell stärker Personen erfasst hat, die längere Aufenthaltszeiten in Deutschland aufweisen. Deren vergleichsweise hoher Anteil könnte mit der spezifischen Rekrutierungsstrategie der Studie zusammenhängen. Die Ansprache über soziale Netzwerke, Gruppen und Multiplikator_innen auf Social Media erreicht vermutlich vor allem Personen, die über stabilere oder umfangreichere Netzwerke in Deutschland verfügen – ein Umstand, der besonders für jene zutrifft, die längere Zeit im Land verbracht haben. Mehr als zwei Drittel(70,6 Prozent) der Befragten waren während ihres Aufenthalts in Deutschland angestellt be schäftigt, nur 8,4 Prozent waren selbstständig beschäftigt. Weitere 21 Prozent hatten keine Arbeitserfahrung in Deutschland(siehe Abbildung 9). Mit Blick auf die Beschäftigungssektoren zeigt sich, dass die meisten Befragten in den Bereichen Technik oder Technologie(13,4 Prozent) sowie Informatik(12,2 Prozent) tätig Abwanderungszeitpunkt * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 7 2020 – 2024 2015 – 2019 2010 – 2014 2005 – 2009 vor 2005 16,7 %(69) 7,5 %(31) 5,3 %(22) 9,4 %(39) 61,0 %(252) 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor.* Antwort auf die Frage:„Wann sind Sie(zuletzt) aus Deutschland abgewandert?“ Aufenthaltsdauer in Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 8 unter einem Jahr zwischen einem und zwei Jahren zwischen zwei und fünf Jahren mehr als fünf Jahre 0 % 14,3 %(59) 14,0 %(58) 10 % 20 % 27,1 %(112) 30 % 40 % 44,6 %(184) 50 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor.* Antwort auf die Frage:„Wie lange war Ihr letzter Aufenthalt in Deutschland tatsächlich?“ 18 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. waren – Branchen, in denen Fachkräfte besonders gefragt und die durch viele Engpassberufe gekennzeichnet sind (Bundesagentur für Arbeit und Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung 2024). Darauf folgt die Dienstleistungsbran che(8,3 Prozent) und die Gastronomie, Hotellerie oder Reinigung(7,4 Prozent)(ohne Abbildung). Auf die Frage, was die letzte Hauptbeschäftigung in Deutschland vor der Abwanderung war, gibt die große Mehrheit der Befragten(62 Prozent) an, vor ihrer Abwanderung in einem festen Anstellungsverhältnis tätig gewesen zu sein. Etwa 22 Prozent befanden sich in einem Hochschul studium, absolvierten einen Auslandsaufenthalt als Aupair, im Rahmen von Work& Travel oder Freiwilligenarbeit oder waren in der Schule oder Berufsausbildung. Nur knapp sieben Prozent gingen einer selbstständigen Tätigkeit nach, während 5,8 Prozent arbeitslos waren. Für 3,2 Pro zent bestand die letzte Hauptbeschäftigung in Deutschland in Hausarbeit oder der Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen(siehe Abbildung 10). Beschäftigung in Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern angestellt beschäftigt selbstständig beschäftigt keine Arbeitserfahrung in Deutschland 0 % 8,4 %(33) 21,0 %(82) 20 % 40 % Abb. 9 70,6 %(276) 60 % 80 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Haben Sie in Deutschland gearbeitet?“, mit den Antwortmöglichkeiten:„1) Nein; 2) Ja, ich war selbstständig; 3) Ja, ich war angestellt“. Letzte Hauptbeschäftigung in Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 10 berufstätig(angestellt) Hochschulstudium, Au-pair/ Work& Travel, Freiwilligenarbeit etc. berufstätig(selbstständig) 6,8 %(28) 22,1 %(91) 62,0 %(255) arbeitslos Hausarbeit, Betreuung von Kindern oder anderen Personen 5,8 %(24) 3,2 %(13) 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor.* Antwort auf die Frage:„Was war Ihre letzte Hauptbeschäftigung in Deutschland?“ Willkommen zurück? 19 3. Ergebnisse der Studie Der Schwerpunkt der hier ausgewerteten Befragung liegt auf den Abwanderungsgründen und den Rückwanderungsgedanken der abgewanderten Personen. Diese Aspekte müssen jedoch im Zusammenhang mit den ursprünglichen Zuwanderungsgründen betrachtet und interpretiert werden, denn die empirische Forschung legt nahe, dass Zu- und Abwanderungsgründe oft eng miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig ergänzen(Boockmann et al. 2022). Die Zuwanderung nach Deutschland, die Entscheidung zur Abwanderung sowie eine mögliche Weiter- oder Rückwanderung sind einzelne Migrationsschritte, die oft in einen längeren Migrationsprozess oder eine mehr oder weniger geplante Migrationsstrategie eingebettet sind. So kann die Abwanderung bereits bei der Zuwanderung vorgesehen gewesen sein und logisch aus dieser hervorgehen, wie etwa im Fall einer Zuwanderung für ein Erasmus-Studium, nach dessen Abschluss die Abwanderung folgt(Krisjane et al. 2018). Gleichzeitig passen Menschen ihre Pläne oft an veränderte Umstände an: Sie bleiben länger als zunächst beabsichtigt oder verlassen ein Land früher als geplant, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten – zum Beispiel finanzielle Schwierigkeiten, Diskriminierungserfahrungen, der Betreuungsbedarf eines Elternteils oder die Sehnsucht nach der Familie. Das bedeutet, dass die Entscheidung, ein Land zu verlassen, oft mit den Faktoren zusammenhängt, die zur ursprünglichen Zuwanderung geführt haben – zwingend der Fall muss das aber nicht sein. Gleiches gilt für die Rückwanderung nach einer erfolgten Abwanderung. Um diesen vielschichtigen Zusammenhängen gerecht zu werden, deckt der Fragebogen alle Phasen des Migrationsprozesses ab. Die Befragten wurden daher auch nach dem Anlass ihrer ursprünglichen Zuwanderung nach Deutschland sowie nach den Faktoren gefragt, die damals für Deutschland gesprochen haben. So lassen sich Wechselwirkungen und Entwicklungen besser nachvollziehen und interpretieren. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Umfrage chronologisch entlang der verschiedenen Phasen der Migrationsentscheidungen vorgestellt. Dabei wird bewusst jede Phase separat betrachtet, um ein umfassendes Verständnis der Migrationsprozesse zu ermöglichen. Jede Migrationsentscheidung – von der Zuwanderung über die Abwanderung bis hin zu möglichen Rück- oder Weiterwanderungen – stellt einen eigenständigen Schritt dar, der jedoch im Zusammenhang mit vorherigen oder nachfolgenden Entscheidungen steht. Zudem werden Fragen zur Situation und zur Zufriedenheit der Befragten in den jeweiligen Aufenthaltsländern zwischen den einzelnen Migrationsphasen berücksichtigt. Diese Perspektive ist wichtig, um zu verstehen, wie sich Lebensbedingungen und Erfahrungen in einem Land auf zukünftige Migrationsentscheidungen auswirken können. Konkret gliedert sich die Darstellung der Ergebnisse wie folgt: → Zunächst wird die Zuwanderungsentscheidung nach Deutschland und die Situation der Migrant_innen während ihres Aufenthalts in Deutschland erläutert(siehe Kapitel 3.1). → Anschließend werden die Abwanderungsgründe sowie die Lebenssituation im Zielland der Abwanderung bzw. im aktuellen Aufenthaltsland dargestellt(siehe Kapitel 3.2). → Schließlich wird auf die Rückwanderungs- oder Weiterwanderungsmotive der Befragten eingegangen(Phase 5). Durch diese strukturierte Aufteilung können die unterschiedlichen Phasen des Migrationsprozesses detailliert beleuchtet und mögliche Wechselwirkungen zwischen den Entscheidungen sichtbar gemacht werden. Sie ermöglicht es zudem, die zeitliche Abfolge der Migrationsschritte zu rekonstruieren und die dahinterliegenden Motive, Umstände und Erfahrungen besser nachzuvollziehen. 3.1 Zuwanderung nach und Aufenthalt in Deutschland Der erste große Fragenblock der Umfrage behandelt die ursprüngliche Zuwanderungsentscheidung der Befragten und die Situation beim Aufenthalt in Deutschland. Im Folgenden werden also zunächst die Ergebnisse in Bezug auf den ursprünglichen Zuwanderungsanlass und die Gründe für Deutschland als Zielland beleuchtet. Im Anschluss wird auf die Beschäftigungssituation der Befragten und ihre Zufriedenheit in Bezug auf unterschiedliche Lebensbereiche eingegangen. 3.1.1 Zuwanderungsanlass und-faktoren In der Umfrage wird zwischen dem Hauptanlass der Zuwanderung nach Deutschland(z. B. Jobangebot, Arbeitssuche, Studium) und den Gründen für die Wahl Deutschlands als Zielland unterschieden, weil sie unterschiedliche Aspekte der Migrationsentscheidung beleuchten: 20 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. → Der Hauptanlass zeigt den unmittelbaren Beweggrund für die Entscheidung, das Aufenthaltsland zu verlassen, z. B. der Wunsch nach einem Studium im Ausland, ein besser bezahlter Job. Dieser Anlass erklärt jedoch nicht, warum zur Erfüllung dieses Zwecks ein bestimmtes Land(in diesem Fall Deutschland) als Ziel ausgewählt wurde. → Die Wahl von Deutschland als Zielland wird oft von zusätzlichen Faktoren bestimmt, wie z. B. der geografischen Nähe zum eigenen Herkunftsland, dem Vorhandensein von sozialen Netzwerken wie Familie oder Freund_innen, besseren aufenthaltsrechtlichen Rahmenbedingungen oder Visabestimmungen oder auch den wirtschaftlichen und beruflichen Perspektiven im Land. Personen, die z. B. aufgrund der Arbeitsplatzsuche auswandern, könnten zwischen mehreren Ländern wählen, entscheiden sich aber für eines, das ihren individuellen Präferenzen oder Bedingungen am besten entspricht. 9 Die Unterscheidung zwischen Hauptanlass und den spezifischen Motiven für die Wahl eines bestimmten Landes bietet eine differenzierte Perspektive auf komplexe Entscheidungsprozesse. Rund drei Viertel der Befragten haben sich vor ihrer Zuwanderung nach Deutschland in ihrem Herkunftsland aufgehalten. Ein Viertel kam aus einem anderen Land nach Deutschland(ohne Abbildung). Die meisten der Befragten nennen arbeitsbezogene Gründe als Hauptanlass für ihre Zuwanderung: 29,3 Prozent kamen wegen eines konkreten Jobangebots nach Deutschland, 5,8 Prozent für die Ar beitsplatzsuche. Knapp ein Drittel der Befragten kam für Studium, Ausbildung oder Praktikum. Das ist hinsichtlich des großen Anteils an Akademiker_innen unter den Befragten(siehe Abbildung 2) nicht verwunderlich. Darauf folgen persönliche Gründe wie der Wunsch nach persönlicher Veränderung(10,6 Prozent) oder familiäre Motive(10,3 Pro zent). Nur drei Prozent der Befragten geben Flucht als Hauptanlass der Zuwanderung an und sieben Prozent keine der Auswahlmöglichkeiten(siehe Abbildung 11). Differenziert man den Hauptanlass der Zuwanderung nach Herkunftsregionen, fällt auf, dass vor allem Befragte aus Asien und Ozeanien(60,8 Prozent) sowie aus Süd- und Mittelamerika(61,9 Prozent) wegen Studium, Ausbildung oder Praktikum nach Deutschland gekommen sind. Im Gegensatz dazu steht bei Personen aus Nordafrika und dem Nahen Osten(55,2 Prozent) sowie aus den EU-11-Staaten(38,4 Prozent) ein Jobangebot als Hauptzuwanderungsgrund im Vordergrund. Der Wunsch nach persönlicher Veränderung als Zuwanderungsanlass dominiert bei Menschen aus den EU-15-Ländern stärker als bei anderen Herkunftsregionen (siehe Abbildung 12). 10 Eine Erklärung könnte sein, dass Menschen aus den EU-15-Ländern aufgrund der besseren wirtschaftlichen und sozialen Stabilität in ihren HerkunftsHauptanlass der Zuwanderung * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 11 Studium, Ausbildung, Praktikum Jobangebot 31,7 %(132) 29,3 %(122) Wunsch nach persönlicher Veränderung 10,6 %(44) familiäre Gründe 10,3 %(43) Arbeitsplatzsuche 5,8 %(24) Flucht 3,1 %(13) Verbesserung der Sprache 1,0 %(4) anderer Grund 5,8 %(24) 0 % 5 % 10 % 15 % 20 % 25 % 30 % 35 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Was war der Hauptgrund für Ihre Entscheidung, dieses Land zu verlassen und nach Deutschland zu ziehen?“ 9  Insbesondere die Fokusgruppe der explorativen Analyse(siehe Kapitel 5.2 im Anhang) zeigte, dass bei einem Teil der Befragten zwar konkrete Migrationsanlässe bestanden (z. B. der Plan, ein Studium im Ausland aufzunehmen). Die Entscheidung, dies letztlich in Deutschland zu verwirklichen, war jedoch häufig auch von Zufällen geprägt – etwa dadurch, dass sie ein Stipendium für Deutschland, nicht aber für andere Länder erhielten. Dies legt auch nahe, dass die Migration nach Deutschland nicht immer Ausdruck einer freien Wahl war. 10  Dies lässt sich im Rahmen des Core-Periphery-Modells betrachten, das wohlhabende Kernregionen von wirtschaftlich schwächeren Peripherien unterscheidet. Während Migration aus peripheren Regionen häufiger durch wirtschaftliche Notwendigkeiten oder mangelnde Perspektiven im Herkunftsland bedingt ist, bietet die größere wirtschaftliche Stabilität in den Kernländern mehr Spielraum für eine freie und individuelle Migrationsentscheidung, die oft von persönlichen Entwicklungswünschen geleitet wird. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen von Krisjane et al.(2018: 9), wonach junge EU-Staatsangehörige aus den neuen Mitgliedstaaten stärker von wirtschaftlichen Motiven getrieben sind als junge Menschen aus den alten Mitgliedstaaten. Willkommen zurück? 21 Hauptanlass der Zuwanderung nach Herkunftsregion * Differenzierung nach Herkunftsregion, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 12 Europa(nicht-EU) 30,3 % (33) 27,5 % (30) 13,8 % (15) EU 11 38,4 % (33) 10,5 % (9) 18,6 % (16) 14,0 % (12) 9,3 % (8) EU 15 28,6 % (22) 26,0 % (20) 20,8 % (16) 15,6 % (12) Asien und Ozeanien 19,6 % (10) 60,8 % (31) Süd- und Mittelamerika 11,9 % (5) 61,9 % (26) Nordafrika und Naher Osten 55,2 % (16) 17,2 % (5) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Jobangebot Arbeitsplatzsuche Unternehmensgründung Studium, Ausbildung, Praktikum Wunsch nach persönlicher Veränderung familiäre Gründe Flucht aufenthaltsrechtliche Gründe anderer Grund Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Was war der Hauptgrund für Ihre Entscheidung, dieses Land zu verlassen und nach Deutschland zu ziehen?“ ländern stärker aus einem Wunsch nach persönlicher Veränderung und Selbstverwirklichung zuwandern als Menschen aus anderen Regionen, in denen stärker wirtschaftliche Beweggründe dominieren. Für Deutschland sprechen insbesondere berufliche und wirtschaftliche Faktoren Gefragt nach den Gründen, die für Deutschland als Zielland der Zuwanderung sprachen, nennen die meisten Befragten die gute Lebensqualität bzw. die guten Lebensstandards in Deutschland(51,7 Prozent). Es zeigt sich jedoch ein deutliches Übergewicht beruflicher und wirtschaftlicher Faktoren, 11 wie gute Arbeitsbedingungen bzw. ein gutes Einkommen (44,5 Prozent), gute Chancen, Arbeit zu finden(34,9 Prozent) oder gute Karrieremöglichkeiten(33,9 Prozent). Auch As pekte der sozialen Sicherheit spielen eine wichtige Rolle für die Befragten: Hierzu gehört das als gut bewertete Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssystem in Deutschland(40,6 Pro zent). Für nur wenige Menschen war eine soziale oder emotionale Verbundenheit ein Grund für die Zuwanderung nach Deutschland: Nur 14,4 Prozent nennen die Nähe zu Familie oder Freund_innen als Grund, während 13,0 Pro zent angeben, sich in Deutschland zu Hause oder wohlzufühlen, und 12,5 Prozent das Gefühl hatten, willkommen zu sein. Darüber hinaus geben einige Befragte auch persönliche Interessen als Motivation an, wie das Interesse am Land und der Kultur(31,0 Prozent) oder die geografische Nähe zum Herkunftsland(16,3 Prozent)(siehe Abbildung 13). Insgesamt zeigt sich in unserer Stichprobe, dass insbesondere berufliche und ausbildungsbezogene Gründe Anlass für die Zuwanderung waren. Ausschlaggebend für die Entscheidung, Deutschland als Zielland zu wählen, waren vor allem die attraktiven Lebens-, Arbeits- und Bildungsbedingungen. Psychosoziale Gründe, wie das Gefühl, sich in Deutschland wohl- oder willkommen zu fühlen, spielten hingegen kaum eine Rolle. 11  Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen die Erkenntnisse der Erhebung von IAW und SOKO(Boockmann et al. 2022: 46), die ebenfalls vor allem berufliche und finanzielle Motive als zentrale Gründe für die Zuwanderung hervorheben, gefolgt von Ausbildung und Studium. 22 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Zuwanderungsfaktoren(Pull-Faktoren) in Deutschland * Mehrfachauswahl möglich, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 13 gute Lebensqualität/Lebensstandards gute Arbeitsbedingungen/ gutes Einkommen gutes Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssystem gute Chancen, Arbeit zu finden gute Karrieremöglichkeiten Interesse am Land/der Kultur die Achtung der Menschenrechte geografische Nähe Deutschlands zu meinem Herkunftsland das hat sich so ergeben politische und gesellschaftliche Situation um näher bei Familie oder Freund_innen zu sein das Gefühl, sich in Deutschland zu Hause/wohlzufühlen das Gefühl, in Deutschland willkommen zu sein 0 % 51,7 %(215) 44,5 %(185) 40,6 %(169) 34,9 %(145) 33,9 %(141) 31,0 %(129) 19,0 %(79) 16,3 %(68) 14,9 %(62) 14,7 %(61) 14,4 %(60) 13,0 %(54) 12,5 %(52) 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor.* Antwort auf die Frage:„Was waren für Sie die Gründe, gerade nach Deutschland zu ziehen?“ 3.1.2 Bewertung der Situation in Deutschland Das Ankommen in einem neuen Land ist oft mit zahlreichen Hürden verbunden. Selbst wenn die Entscheidung für eine Zuwanderung bewusst getroffen wurde, zeigt sich im Alltag schnell, dass der Übergang in das neue soziale und berufliche Umfeld nicht immer reibungslos verläuft. Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede oder praktische Fragen wie Wohnungssuche und Arbeitsaufnahme können den Einstieg erschweren und mit ursächlich für eine spätere Abwanderung sein. Die Befragung verdeutlicht, welche Herausforderungen die Abgewanderten in Deutschland erlebt haben. Soziale Faktoren und Wohnungssuche als zentrale Herausforderungen beim Ankommen Die größte Hürde für viele Befragte während ihres Aufenthalts in Deutschland war der Aufbau eines Freundeskreises, insbesondere mit deutschsprachigen Personen – rund 41 Prozent empfanden dies als besonders herausfordernd. Zusätzlich geben etwa 20 Prozent an, Schwierigkeiten beim Knüpfen neuer sozialer Kontakte gehabt zu haben, unabhängig von der Sprache. Auch die räumliche Distanz zu Familie(20,9 Prozent) und Freund_innen(16,2 Prozent) wird als Herausforderung genannt, die die empfundene soziale Isolation zusätzlich verschärft. Ein besonders kritischer weiterer Punkt ist die Wohnungssuche: 33,8 Prozent der Be fragten empfanden sie als äußerst schwierig. Die Integration von Kindern in Schule oder Kita wird von 29,2 Prozent als große Herausforderung gesehen, 12 während ein Viertel der Befragten dies als problemlos wahrnahm. Des Weiteren bereitete der Einstieg ins Arbeitsleben einigen Schwierigkeiten: Für 18,5 Prozent war die eigene Arbeitssuche sehr herausfordernd, während 24,2 Prozent dies für ihre Partner_ innen berichten. Insgesamt geben jedoch mehr Personen an, darin gar keine bis nur wenige Herausforderungen zu sehen. Als am wenigsten herausfordernd bewerten die Befragten ihre aufenthaltsrechtliche Situation: 13 37,4 Prozent empfanden sie als gar nicht herausfordernd, weitere 24,1 Prozent als wenig herausfordernd. Eine Erklärung hierfür ist der Einwanderungsgrund der erreichten Befragten: Die meisten kamen wegen eines Studiums, einer Ausbildung, eines Praktikums oder eines Jobangebots nach Deutschland. In all diesen Fällen kann davon ausgegangen werden, dass ein entsprechendes Visum vorlag. Diskriminierungserfahrungen werden unter den gegebenen Antwortmöglichkeiten am seltensten als Herausforderung genannt – dennoch empfinden 30 Prozent der Befragten sie als(sehr) große Herausforderung. Dass solche Erfahrungen auch die Entscheidung zur Auswanderung beeinflus12  Diese Frage wurde ausschließlich Personen gestellt, die angegeben hatten, Kinder zu haben. 13  Diese Frage wurde nur Personen angezeigt, die angegeben hatten, kein_e Staatsangehörige_r eines EU-Mitgliedslandes zu sein. Willkommen zurück? 23 Herausforderungen in Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 14 Aufbau eines neuen Freundeskreises/sozialer Kontakte mit deutschsprachigen Personen die Wohnungssuche in Deutschland 41,1 % (175) 33,8 % (142) 17,6 % (75) 15,0 % (64) 11,3 % (48) 19,0 % (80) 16,0 % (67) 9,8 % (41) 8,7 % (37) 14,3 % (60) Integration meiner Kinder in Schule/Kita 29,2 % (45) 13,0 % (20) 8,4 % 11,7 % (13)(18) 12,3 % (19) 25,3 % (39) Arbeitssuche meines Partners/ meiner Partnerin 24,2 % (60) 14,5 % (36) 12,1 % (30) 10,5 % (26) 12,1 % (30) 26,6 % (66) Distanz zu meiner Familie 20,9 % (82) 15,0 % (59) 14,8 % (58) 15,3 % (60) 12,2 % (48) 21,9 % (86) Aufbau eines Freundeskreises/ sozialer Kontakte im Allgemeinen 19,6 % (83) 18,9 % (80) 17,0 % (72) 19,8 % (84) 13,9 % (59) 10,8 % (46) Erlernen der deutschen Sprache 19,2 % (82) 14,5 % (62) 16,1 % (69) 15,7 % (67) 15,7 % (67) 18,9 % (81) meine Arbeitssuche 18,6 % (68) 17,0 % (62) 12,9 % (47) 14,8 % (54) 12,6 % (46) 24,1 % (88) die aufenthaltsrechtliche Situation 18,0 % (38) 11,8 % (25) 8,5 % 9,5 % (18)(20) 14,7 % (31) 37,4 % (79) Probleme im Alltag aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse 16,6 % (71) 16,8 % (72) 16,4 % (70) 14,3 % (61) 15,2 % (65) 20,8 % (89) Distanz zu meinem Freundeskreis 16,2 % (67) 16,2 % (67) 17,1 % (71) 18,6 % (77) 14,3 % (59) 17,6 % (73) Diskriminierungserfahrungen in Deutschland 16,2 % (68) 0 % 13,8 % (58) 20 % 15,5 % (65) 40 % 17,4 % (73) 13,6 % (57) 60 % 23,6 % (99) 80 % 100 % sehr große Herausforderung 2 3 4 5 6= gar keine Herausforderung Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Inwiefern haben die folgenden Aspekte für Ihre Zeit in Deutschland eine Herausforderung dargestellt?“ sen, verdeutlichen die Auswertungen in Kapitel 3.(siehe Abbildung 29). Um zu verstehen, ob und wie diese Herausfor derungen auch langfristig die Lebensqualität beeinflussen, lohnt es sich, einen Blick auf die Zufriedenheit der Befragten mit verschiedenen Lebensbereichen in Deutschland zu werfen. Diese Einschätzungen können zum einen als Erklärung für die Abwanderung, zum anderen im Kontext einer potenziellen Rückwanderung herangezogen werden und erlauben Rückschlüsse auf gegebenenfalls erforderliche Änderungen der Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Integrationspolitik. Abgewanderte zeigen besonders hohe Unzufriedenheit mit dem Sozialleben in Deutschland Trotz einer insgesamt hohen Gesamtzufriedenheit zeigt sich bei genauerer Betrachtung insbesondere eine Unzufriedenheit im Bereich des Soziallebens: 42,6 Prozent der Befragten geben an, während ihres Aufenthalts in Deutschland(gar) nicht zufrieden gewesen zu sein. Dennoch empfanden immerhin 38 Prozent ihr Sozialleben in Deutschland als(sehr) zufriedenstellend. Besonders negativ wurde das Sozialleben in Deutschland von Personen aus den neuen EU-Mitgliedsländern bewertet. Sie vergaben im Schnitt eine Bewertung von 2,3. Am zufriedensten waren Personen aus den alten 24 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Zufriedenheit mit dem Leben in Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 15 Zufriedenheit mit dem Leben 6,5 % in Deutschland allgemein (27) 15,9 % (66) 30,6 % (127) 30,6 % (127) 16,4 % (68) Zufriedenheit mit dem 11,0 % Arbeitsleben in Deutschland (37) 16,9 % (57) 26,1 % (88) 27,6 % (93) 18,4 % (62) Zufriedenheit mit dem Sozialleben in Deutschland 18,6 % (77) 24,0 % (99) 19,4 % (80) 21,5 % (89) 16,5 % (68) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % 1= gar nicht zufrieden 2 3 4 5= sehr zufrieden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Fragen:„Wie zufrieden waren Sie damals alles in allem mit Ihrem Leben in Deutschland?“,„Wie zufrieden waren Sie damals mit Ihrem Arbeitsleben?“ und„Wie zufrieden waren Sie damals mit Ihrem Sozialleben?“. EU-Mitgliedsländern mit einer Durschnittsbewertung von 3,3(ohne Abbildung). Die Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben in Deutschland ist in unserer Umfrage etwas höher: 46 Prozent waren mit ihrem Arbeitsleben(sehr) zufrieden, 27,9 Prozent hingegen (gar) nicht(Abbildung 15). Am wengisten zufrieden mit dem Arbeitsleben waren Befragte aus Nordafrika und dem Nahen Osten(2,6), gefolgt von Personen aus den neuen EU-Mitgliedsländern(2,7). Am meinsten zufrieden waren Personen aus Süd- und Mittelamerika(3,5) und den alten EU-Mitgliedsländern(3,4). Insgesamt zeigt sich, dass soziale Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Bewertung des Aufenthalts in Deutschland spielen. Besonders der Aufbau sozialer Kontakte – vor allem mit deutschsprachigen Personen – wird als zentrale Herausforderung beim Ankommen genannt. Dass diese Schwierigkeit oft nicht überwunden wurde, spiegelt sich in der Tatsache wider, dass das Sozialleben in Deutschland von vielen als sehr unzufriedenstellend empfunden wurde. Dass sich dieses Muster auch bei den Abwanderungsgründen fortsetzt, zeigt das folgende Kapitel. Willkommen zurück? 25 3.2 Abwanderung aus Deutschland Der zweite große Fragenblock der standardisierten Umfrage konzentriert sich auf die Entscheidung der Befragten, Deutschland wieder zu verlassen. Da zum Zeitpunkt der Erhebung die Teilnehmenden bereits in einem anderen Land leben, werden die Fragen zur Auswanderungsentscheidung retrospektiv gestellt und beantwortet. Im Gegensatz dazu beziehen sich die Fragen zur aktuellen Situation im Aufenthaltsland(siehe Kapitel 3.2.2) auf die Gegenwart zum Be fragungszeitpunkt – sie sind weder retrospektiv noch prospektiv formuliert. Knapp Zweidrittel der Befragten kehren in das Herkunftsland zurück Die Mehrheit der befragten Personen ist in ihr Herkunftsland abgewandert(64,9 Prozent), während etwas mehr als ein Drittel der Personen in ein anderes Land weitergewandert ist(35,1 Prozent)(siehe Abbildung 16). Die wichtigsten Zielländer der Personen, die nicht in ihr Herkunftsland abgewandert sind, sind die Schweiz, Großbritannien, Spanien und Österreich(ohne Abbildung). Betrachtet man zusätzlich die Verteilung der Personen nach ihrem Lebensmittelpunkt zum Zeitpunkt der Umfrage, wird deutlich, dass von jenen, die von Deutschland in ein anderes Land als ihr Herkunftsland abgewandert sind, 17,8 Prozent mittlerweile wieder in ihrem Herkunftsland leben, während der Großteil noch im jeweiligen Aufenthaltsland lebt(76,7 Prozent) und nur 5,5 Prozent wiederum in ein weiteres Drittland weitergewandert sind. Nur 4,1 Prozent derjenigen, die von Deutschland in ihr Herkunftsland abgewandert sind, haben dieses wieder verlassen(siehe Abbildung 17). Menschen mit Partner_in in Deutschland bleiben länger und wandern eher in ein Drittland ab In unserer Umfrage sind insbesondere jene in ihr Herkunftsland abgewandert, die sich weniger als zwei Jahre in Deutschland aufgehalten haben(75,2 Prozent), gefolgt von jenen, d ie länger als fünf Jahre in Deutschland waren(67,9 Prozent). Von denjenigen, die zwischen zwei und fünf Jahren in Deutschland waren, ist ungefähr die Hälfte in ein Drittland abgewandert 14 (siehe Abbildung 18). Wenn der/die Partner_ in nicht in Deutschland gelebt hat, sind 73,1 Prozent der Befragten ins Herkunftsland abgewandert, gegenüber 58,2 Prozent der Befragten, deren Partner_in in Deutschland gelebt hat(siehe Abbildung 19). 15 Die Befragten mit Partner_innen in Deutschland sind zudem deutlich häufiger mehr als zwei Jahre(85,2 Prozent) in Deutschland geblieben als diejenigen mit Partner_innen außerhalb Deutschlands (51,9 Prozent). Zielland der Abwanderung aus Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 16 64,9 %(270) Abwanderung ins Herkunftsland 0 % 20 % 40 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 35,1 %(146) Abwanderung in anderes Land 60 % 80 % 100 % * Antwort auf die Frage:„In welches Land sind Sie gezogen, als Sie aus Deutschland abgewandert sind?“ 14  Diese Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass die Aufenthaltsdauer einen Einfluss auf die Abwanderungsentscheidung hat. Personen, die weniger als zwei Jahre in Deutschland waren, könnten häufiger zurückkehren, weil sie Deutschland möglicherweise nur als temporären Aufenthaltsort für Studium, Arbeit oder persönliche Erfahrungen betrachtet haben und von Anfang an eine Rückkehr in ihr Herkunftsland geplant war. Die hohe Abwanderungsrate ins Herkunftsland unter Personen, die länger als fünf Jahre in Deutschland waren, könnte hingegen darauf hinweisen, dass langfristig bestehende Herausforderungen – etwa soziale Isolation, berufliche Unsicherheiten oder Schwierigkeiten bei der Integration – letztlich zu einer Rückkehr führen. Gleichzeitig könnten auch Lebensereignisse wie Familiengründung oder der Wunsch nach einem engeren sozialen Umfeld in der Heimat diese Entscheidung begünstigen. Die Gruppe, die zwischen zwei und fünf Jahren in Deutschland war und häufiger in ein Drittland weitergezogen ist, deutet möglicherweise auf ein höheres Maß an Mobilität und Flexibilität hin. Diese Personen haben eventuell während ihres Aufenthalts Qualifikationen oder Erfahrungen erworben, die ihnen neue Chancen in anderen Ländern eröffnet haben, oder sie nutzen Deutschland als Sprungbrett für Karriereschritte in Drittstaaten. 15  Die Daten deuten darauf hin, dass für Personen, deren Partner_in nicht in Deutschland gelebt hat, die räumliche Trennung vom Partner oder der Partnerin einen starken Anreiz zur Rückkehr dargestellt hat, weshalb sie häufiger ins Herkunftsland als in ein Drittland abgewandert sind, als Personen mit Partner_in in Deutschland. Letztere sind häufiger in ein Drittland weitergewandert. Dies könnte wiederum darauf hindeuten, dass gemeinsame Erfahrungen und soziale Verankerung in Deutschland die Offenheit für weitere internationale Mobilität fördern, anstatt eine Rückkehr ins Herkunftsland zu begünstigen. 26 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Wanderungsbewegung * Angaben in Prozent(gerundet) von Gesamtzahl der Befragten Land vor Zuwanderung Deutschland (100 %) Land nach Abwanderung Abb. 17 ggf. Land zum Befragungszeitpunkt bei erneuter Weiterwanderung Herkunftsland (73,4 %) Drittland (26,6 %) Herkunftsland (64,9 %) Drittland (53,1 %) Herkunftsland (6,3 %) Drittland (4,6 %) Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Von links nach rechts: Zuwanderung nach Deutschland, Abwanderung aus Deutschland, Weiterwanderung. Abwanderungszielland nach Aufenthaltsdauer * differenziert nach Herkunftsland oder Drittland, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 18 unter zwei Jahren zwischen zwei und fünf Jahren mehr als fünf Jahre 0 % 75,2 %(88) 50,9 %(57) 67,9  %(125) 20 % 40 % Abwanderung ins Herkunftsland 24,8 %(29) 49,1 %(55) 32,1 %(59) 60 % 80 % 100 % Abwanderung in anderes Land(Drittland) Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„In welches Land sind Sie gezogen, als Sie aus Deutschland abgewandert sind?“ Abwanderungszielland nach Beziehungsstatus * differenziert nach Herkunftsland oder Drittland, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 19 ohne Partnerschaft Partner_in hat in Deutschland gelebt Partner_in hat nicht in Deutschland gelebt 0 % 69,8 %(37) 58,2 %(114) 73,1 %(38) 20 % 40 % Abwanderung ins Herkunftsland 30,2 %(16) 41,8 %(82) 26,9 %(14) 60 % 80 % 100 % Abwanderung in anderes Land(Drittland) Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„In welches Land sind Sie gezogen, als Sie aus Deutschland abgewandert sind?“ Willkommen zurück? 27 Aufenthaltsdauer in Deutschland nach Wohnort des Partners/der Partnerin Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 20 Partner_in hat in Deutschland gelebt Partner_in hat nicht in Deutschland gelebt 0 % 30,6 %(60) 48,1 %(25) 20 % 40 % 54,6 %(107) 23,1 % (12) 28,8 %(15) 60 % 80 % 100 % unter zwei Jahren Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. zwischen zwei und fünf Jahren mehr als fünf Jahre Die Mehrheit der Abgewanderten wäre gern länger oder dauerhaft in Deutschland geblieben Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie eigentlich gern länger oder dauerhaft in Deutschland geblieben wären; 43,3 Prozent hingegen äußerten diesen Wunsch nicht (siehe Abbildung 21). Die Frage eignet sich auch als Indika tor für die„Freiwilligkeit“ der Abwanderung, also inwieweit die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, im Einklang mit den persönlichen Wünschen der Befragten stand oder durch externe Faktoren wie den Wunsch des Partners oder der Partnerin, finanzielle oder aufenthaltsrechtliche Zwänge oder familiäre Notwendigkeiten beeinflusst wurde. Insbesondere unter jenen Personen, die aufenthaltsrechtliche Vorgaben oder die Arbeitssuche als Hauptanlass der Abwanderung aus Deutschland nennen(siehe Abbildung 26), ist der Anteil der unfreiwillig Abgewanderten beson ders hoch. Unter den Personen, die gern länger/für immer geblieben wären, wanderten rund 70 Prozent in ihr Her kunftsland ab, während von jenen, die nicht länger bleiben wollten, nur 57,8 Prozent ins Herkunftsland abwanderten (Abbildung 22). Dies deutet darauf hin, dass Personen, die Deutschland nicht auf eigenen Wunsch verlassen haben (z. B. wegen aufenthaltsrechtlicher Vorgaben, fehlender beruflicher Perspektiven), tendenziell eher ins Herkunftsland zurückkehren. Dies kann daran liegen, dass eine Rückkehr ins Herkunftsland finanziell und aufenthaltsrechtlich weniger aufwändig ist. Wunsch nach längerem Aufenthalt in Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 21 ja, für immer ja, länger nein 0 % 10 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 22,4 %(93) 34,4 %(143) 43,3 %(180) 20 % 30 % 40 % 50 % * Antwort auf die Frage:„Wären Sie gerne länger in Deutschland geblieben?“ Abwanderungszielland nach Wunsch nach längerem Aufenthalt in Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 22 kein Wunsch nach längerem/ dauerhaftem Verbleib in Deutschland 57,8 %(104) Abwanderung ins Herkunftsland 42,2 %(76) Abwanderung in Drittland Wunsch nach längerem/ dauerhaftem Verbleib in Deutschland 0 % 70,3 %(166) Abwanderung ins Herkunftsland 20 % 40 % 60 % 29,7 %(70) Abwanderung in Drittland 80 % 100 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Wären Sie gerne länger in Deutschland geblieben?“ 28 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Der Anteil der unfreiwillig Abgewanderten ist besonders hoch unter Personen, die weniger als zwei Jahre in Deutschland gelebt haben(Abbildung 23). Dies könnte vor allem durch aufenthaltsrechtliche und berufliche Unsicherheit bedingt sein, die gerade in den ersten Jahren des Aufenthalts häufig auftritt und Zugewanderte unter Umständen zur Ausreise zwingt, etwa weil der Aufenthaltstitel nicht verlängert wird oder die finanzielle Existenzgrundlage nicht ausreichend sichergestellt werden kann. Der höhere Anteil an„freiwilligen“ Abwanderungen bei längerem Aufenthalt in Deutschland könnte darauf zurückzuführen sein, dass die betroffenen Personen bereits ein stabileres Leben im Land aufgebaut haben und weniger durch äußere wirtschaftliche oder rechtliche Zwänge zur Abwanderung gedrängt werden. Stattdessen erfolgt die Abwanderung vermutlich eher überlegt und abgewogen, wodurch sie vielmehr dem tatsächlichen Wunsch der Abwandernden entspricht. Dafür spricht auch, dass der Anteil„freiwilliger“ Abwanderungen besonders hoch ist unter denjenigen, die den Wunsch nach persönlichen Veränderungen oder ein Jobangebot im Ausland als Hauptgrund für ihre Abwanderung angegeben haben(ohne Abbildung). Menschen, die mit dem Sozialleben in Deutschland zufrieden waren, wären tendenziell gern länger/für immer geblieben Der Wunsch, länger in Deutschland zu bleiben, hängt besonders stark mit der Zufriedenheit im Sozialleben zusammen. Wer sich sozial gut eingebunden fühlte, zeigte eher den Wunsch nach einem längeren Verbleib. Unter denjenigen, die nicht länger in Deutschland bleiben wollten, ist die Unzufriedenheit mit dem Sozialleben besonders hoch: 55 Prozent der Personen, die angeben, dass sie nicht gern länger in Deutschland geblieben wären, waren mit ihrem Sozialleben in Deutschland(gar) nicht zufrieden. Das sind rund 22 Pro zentpunkte mehr als bei der Gruppe, die gern länger/für immer in Deutschland geblieben wäre(Abbildung 25). We niger deutlich fällt der Unterschied aus bei der Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben in Deutschland(Abbildung 24). Wunsch nach längerem Aufenthalt in Deutschland * nach Aufenthaltsdauer Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 23 unter zwei Jahren 23,9% (28) zwischen zwei und fünf Jahren 17,0 % (19) mehr als fünf Jahre 0 % 24,5 % (45) 20 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 47,9 % (56) 28,2 % (33) 38,4 % (43) 44,6 % (50) 22,8 % (42) 52,7 % (97) 40 % 60 % 80 % 100 % Wunsch nach dauerhaftem Verbleib in Deutschland Wunsch nach längerem Verbleib in Deutschland * Antwort auf die F k r e ag in e: W „W u ie n z s u c fr h ied n e a n c w h ar l e ä n n S g ie er d e a m ma V ls e m rb it l I e h i r b em in Ar D be e i u ts t le s b c e h n l ? a “ n un d d „Wären Sie gerne(länger) in Deutschland geblieben?“ *Antwort auf die Frage:„Wären Sie gerne länger in Deutschland geblieben?“ Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben nach Wunsch auf Verbleib * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 24 kein Wunsch nach längerem/ dauerhaftem Verbleib in Deutschland 12,1 % (19) 17,8 % (28) 28,7 % (45) 27,4 % (43) 14,0 % (22) Wunsch nach längerem/ dauerhaftem Verbleib in Deutschland 0 % 16,1 % (29) 23,9 % (43) 20 % 40 % 1= gar nicht zufrieden 27,8 % (50) 60 % 2 3 22,2 % (40) 80 % 100 % 4 5= sehr zufrieden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Fragen:„Wie zufrieden waren Sie damals mit Ihrem Arbeitsleben?“ und „Wären Sie gerne(länger) in Deutschland geblieben?“. Willkommen zurück? 29 Zufriedenheit mit dem Sozialleben nach Wunsch auf Verbleib * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 25 kein Wunsch nach längerem/ dauerhaftem Verbleib in Deutschland 28,9 % (52) 26,1 % (47) 18,3 % (33) 17,2 % (31) 9,4 % (17) Wunsch nach längerem/ 10,7 % dauerhaftem Verbleib in Deutschland (25) 22,3 % (52) 20,2 % (47) 24,9 % (58) 21,9 % (51) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % 1= gar nicht zufrieden 2 3 4 5= sehr zufrieden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Wie zufrieden waren Sie damals mit Ihrem Sozialleben?“ und „Wären Sie gerne(länger) in Deutschland geblieben?“. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit kürzerer Aufenthaltsdauer in unserer Stichprobe häufiger in ihr Herkunftsland als in ein Drittland abwandern. Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen aufenthaltsrechtlicher und beruflicher Unsicherheit und einer„unfreiwilligen“ Abwanderung, die überwiegend ins Herkunftsland erfolgt. Nach längerem Aufenthalt erfolgt die Abwanderung häufiger„freiwillig“ und im Zusammenhang mit einem Jobangebot oder dem Wunsch nach persönlicher Veränderung. Zudem lässt sich beobachten, dass Unzufriedenheit bezüglich des Arbeits- und insbesondere des Soziallebens mit einem geringeren Wunsch einherging, länger in Deutschland zu verbleiben. Das folgende Kapitel untersucht die Gründe für die Abwanderung näher. 3.2.1 Abwanderungsanlass und-gründe Auch bei den Beweggründen für die Abwanderung wird zwischen dem Hauptanlass und den spezifischen Gründen für die Wahl eines bestimmten Ziellandes unterschieden. Zusätzlich werden die in Deutschland liegenden Faktoren erfasst, die eine Abwanderung begünstigten. Das Abfragen sowohl der Gründe, die zur Abwanderung aus Deutschland geführt haben(wie z. B. wirtschaftliche Unsicherheiten oder aufenthaltsrechtliche Vorgaben), als auch der Anreize, die für die Wahl eines bestimmten Ziellandes sprachen(wie bessere berufliche Chancen oder familiäre Netzwerke), ermöglicht ein umfassendes Verständnis der Migrationsentscheidungen und beleuchtet die unterschiedlichen Dimensionen von Abwanderungsentscheidungen. Beweggründe für die Abwanderung sind deutlich individueller und komplexer als bei der Zuwanderung Auf die Frage nach dem Hauptanlass der Abwanderung aus Deutschland gibt fast ein Viertel der Befragten(22,6 Prozent) an, Deutschland hauptsächlich wegen eines Jobangebotes im Ausland verlassen zu haben. Daneben spielen vor allem familiäre Gründe(20,7 Prozent) eine wichtige Rolle, 16 während die restlichen Gründe jeweils nur von 2,2 bis 6,3 Prozent der Befragten angegeben werden(siehe Abbil dung 26). Am häufigsten wird in unserer Umfrage jedoch ein„anderer Grund“ für die Abwanderung aus Deutschland angegeben. Dies ist besonders interessant, da bei der Frage nach dem Zuwanderungsanlass lediglich 5,8 Prozent der Befragten einen anderen Grund nannten(siehe Kapitel 3.1.1). Das legt nahe, dass die gewählten Antwortkategorien die Hauptanlässe für die Zuwanderung der Zielgruppe präziser erfassen als dies bei der Abwanderung der Fall ist. Daraus könnte auch die Annahme abgeleitet werden, dass Abwanderungen weniger anlassbezogen sind und nicht unbedingt auf einen bestimmten, eindeutigen Grund zurückgeführt werden können – wie z. B. auf ein Jobangebot, Studienplatz oder auf familiäre Nachzüge –, wie das stärker bei der ursprünglichen Zuwanderung der Fall ist. Abwanderungsentscheidungen scheinen somit deutlich individuellere und vielfältigere, komplexere Beweggründe zu haben, die sich nicht immer auf einen einzigen Hauptanlass reduzieren lassen. Das sollte bei zukünftigen politischen Entscheidungen berücksichtigt werden. Bei der Besprechung der detaillierten Faktoren für die Abwanderung(siehe Abbildung 29) wird deutlich, dass die Personen, die beim Hauptanlass„anderer Grund“ angegeben haben, bei den Abwanderungsfaktoren in Deutschland insbesondere häufiger Diskriminierungsund Rassismuserfahrungen(31,3 statt 23,8 Prozent), Unzu friedenheit mit politischer und gesellschaftlicher Situation (32,1 statt 22,1 Prozent) und weniger häufig schlechte Karrieremöglichkeiten(9,7 statt 19,5 Prozent) angegeben haben als der Befragungsdurchschnitt. Daraus kann man schließen, dass stärker psychosoziale und insbesondere gesellschaftliche Unzufriedenheit Anlass der Abwanderung waren als ein konkreter beruflicher oder familiärer Grund. 16 In den qualitativen Antworten wird deutlich, dass dazu etwa familiäre Verpflichtungen im Herkunftsland gehören – eine befragte Person schreibt beispielsweise, dass sie sich nach einem Todesfall in der Familie um hinterbliebene Kinder im Herkunftsland kümmern musste. Eine Person aus Spanien schreibt, dass sie sich im Herkunftsland um ihre pflegebedürftige Mutter sorgen muss. Mehrere andere Befragte unterstreichen zudem in den qualitativen Antworten nochmals, dass die Nähe zu Freund_innen und/oder Familie entscheidend ist für den Lebensort. 30 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Hauptanlass der Abwanderung * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 26 Jobangebote familiäre Gründe 22,6 %(94) 20,7 %(86) aufenthaltsrechtliche Gründe 6,3 %(26) Studium, Ausbildung, Praktikum 5,5 %(23) Arbeitsplatzsuche 5,3 %(22) Wunsch nach persönlicher Veränderung 5,3 %(22) Unternehmensgründung 2,2 %(9) anderer Grund 32,0 %(133) 0 % 5 % 10 % 15 % 20 % 25 % 30 % 35 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Was war der Hauptgrund für Ihre Entscheidung, Deutschland zu verlassen?“ Zuwanderungsanlass ist nicht gleich Abwanderungsanlass Vergleicht man die Anlässe der Abwanderungen mit jenen der Zuwanderung, wird deutlich, dass unter den Befragten die arbeits- und bildungsbezogenen Gründe(Ausbildung; Studium; Praktika; Jobangebot; Arbeitsplatzsuche) deutlich weniger wichtig bei der Abwanderung waren(insgesamt 33,6 Prozent, siehe Abbildung 26) als bei der Zuwanderung (insgesamt 67,2 Prozent, siehe Abbildung 11). Dagegen sind die familiären Gründe wichtiger bei der Abwanderung(20,7 Prozent) als bei der Zuwanderung(9,3 Prozent), was durch gescheiterte Familiennachzüge oder den Wunsch nach Rückkehr zur Familie, familiäre Verpflichtungen erklärt werden kann. Vergleicht man den Zusammenhang zwischen Zuwanderungs- und Abwanderungsanlass(siehe Abbildung 27), wird deutlich, dass die meisten der Befragten, die für ein Jobangebot nach Deutschland gekommen sind, entweder wegen eines anderen Jobangebots Deutschland wieder verlassen (34,7 Prozent) haben oder einen„anderen Grund“ angeben (34,7 Prozent). 23,7 Prozent von ihnen gingen aus familiä ren Gründen. 14 Prozent der Befragten, die für ein Studium nach Deutschland gekommen sind, haben Deutschland verlassen, um das Studium in einem anderen Land fortzusetzen. Dieser Anteil könnte auf internationale Studierendenaustauschprogramme zurückzuführen sein, die einen nur vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland ermöglichen. Nach dem Ende des Austauschjahres oder-semesters kehren viele Studierende daher an ihre Heimatuniversität zurück, um dort das Studium zu beenden. Ein Viertel der Studierenden wanderte jedoch für ein Jobangebot ab, 8,6 Prozent für die Arbeitsplatzsuche. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist dies problematisch, da gut ausgebildete Fachkräfte, die in Deutschland studiert haben, dem hiesigen Arbeitsmarkt verloren gehen. Bei der gemeinsamen Betrachtung von Zu- und Abwanderungsfaktoren wird deutlich, dass die Abwanderungsentscheidungen mit den Faktoren der ursprünglichen Zuwanderung zusammenhängen, dies aber nicht zwingend der Fall sein muss. Differenziert nach Herkunftsregionen(siehe Abbildung 28) fällt auf, dass bei den Befragten aus Asien und Ozeanien – wie bereits beim Zuwanderungsgrund(siehe Abbildung 11) – die arbeits- und bildungsbezogenen Gründe die Abwanderung dominieren, wenngleich sie auch hier deutlich weniger wichtig sind. Während diese auch bei der Zuwanderung von Personen aus Süd- und Mittelamerika noch bestimmend sind, überwiegen bei diesen„andere Gründe“ die Abwanderung. Mangelnde Willkommenskultur in Deutschland ist wichtigster Faktor bei der Abwanderung Neben dem Hauptanlass der Abwanderung ist es wichtig zu verstehen, welche Gründe in Deutschland selbst für die Abwanderung eine Rolle spielen. Dieses Wissen hilft, politische Maßnahmen zu entwickeln, um Anreize und Gründe für eine ungewollte Abwanderung gezielt zu reduzieren. Ein erheblicher Teil der Befragten nennt psychosoziale Gründe für die Entscheidung zur Abwanderung: 38,1 Prozent ge ben an, sich in Deutschland nicht wohl- oder zu Hause gefühlt zu haben. Dies trifft insbesondere auf Menschen aus Nordafrika und dem Nahen Osten zu. 17 An zweiter Stelle steht die Unzufriedenheit mit dem Sozialleben in Deutschland(31 Prozent). Besonders hoch ist dieser Anteil unter Befragten aus den EU-11-Ländern, mit 41,9 Prozent, wäh 17  65,5 Prozent der Befragten aus Nordafrika bzw. dem Nahen Osten gaben an, dass sie sich in Deutschland nicht wohl-/zu Hause gefühlt haben(ohne Abbildung). Willkommen zurück? 31 Zusammenhang zwischen Zuwanderungs- und Abwanderungsanlass Angaben in absoluten Zahlen* Abb. 27 Zuwanderungsanlass Jobang J e o b ba o n t g ' ebot 118 (118) Arbeitspla A t r z be s it u sp c la h t e zs ' uche 24 (24) Studiu S m tud ' ium 128 (128) Familiäre fa G m r il ü iä n re d G e rü ' nde 51 (51) Persönl. pe V rs e ö r n ä lic n h d e V e e r r u än n d g erung 44 (44) anderer a G nd r e u re n r d G ' rund 23 (23) Abwanderungsanlass Jobang J e o bo b t angebot (100) 100 Arbeits A pl r a b tz e su it c s he platzsuche (22) 22 Studiu S m tudium (22) 22 familiä F re a G m rü i n l d iä e re Gründe (81) 81 persön P lic e he rs Ve ö rä n n l d ic er h un e g Veränderung (21) 21 Aufent A ha u lt f s e re n ch t t haltsrecht (19) 19 andere a r G n r d un e d rer Grund (123) 123 Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Nur die meistgenannten Zuwanderungs- und Abwanderungsanlässe werden hier aufgeführt. Hauptanlass der Abwanderung nach Herkunftsregion Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 28 Europa(nicht-EU) 24,3 % (27) 19,8 % (22) 31,5 % (35) EU 11 23,3 % (20) 24,4 % (21) 34,9 % (30) EU 15 23,4 % (18) 24,7 % (19) 29,9 % (23) Asien und Ozeanien 21,6 % (11) 19,6 % (10) 21,6 % (11) Süd- und Mittelamerika 22,7 % (10) 18,2 % (8) 36,4 % (16) Nordafrika und Naher Osten 27,6 % (8) 17,2 % (5) 37,9 % (11) 0 % 20 % 40 % Jobangebot Arbeitsplatzsuche Unternehmensgründung Studium, Ausbildung, Praktikum Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 60 % 80 % 100 % Wunsch nach persönlicher Veränderung familiäre Gründe aufenthaltsrechtliche Gründe anderer Grund 32 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. rend er bei den EU-15-Ländern nur 28,6 Prozent beträgt (ohne Abbildung). Weitere wichtige Faktoren sind das Gefühl, nicht willkommen zu sein(27,4 Prozent), sowie Diskri minierungs- und Rassismuserfahrungen(23,8 Prozent). Auch hier geben insbesondere Menschen aus Nordafrika und dem Nahen Osten diese Gründe an(jeweils 58,6 Pro zent und 48,3 Prozent)(ohne Abbildung). Bei den von uns erfragten psychosozialen Gründen(nicht zu Hause/wohlgefühlt; Unzufriedenheit mit dem Sozialleben in Deutsch land; Gefühl, nicht willkommen zu sein in Deutschland; Diskriminierungs-/Rassismuserfahrungen) beobachten wir, dass insbesondere Menschen, die zwei bis fünf Jahre in Deutschland gelebt haben, diese als besonders ausschlaggebend für ihre Abwanderung empfunden haben(ohne Abbildung). Diejenigen Befragten, die dagegen unter zwei Jahren oder über fünf Jahren in Deutschland gelebt haben, messen diesen Gründe seltener Relevanz für ihre Abwanderung bei. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Menschen in den ersten beiden Jahren ihrer Einwanderung bzw. bei einer temporär angelegten Migration psychosoziale Faktoren weniger beachten oder sich weniger mit dem Einwanderungsland identifizieren. Ebenso ist es möglich, dass Faktoren wie Diskriminierung oder ein fehlendes Willkommensgefühl in den ersten Jahren des Aufenthalts weniger wahrgenommen werden oder ihnen weniger Beachtung geschenkt wird. Die geringere Angabe dieser Gründe nach fünf Jahren könnte dagegen an tatsächlich weiter fortgeschrittener sozialer Integration liegen. 18 Die Dominanz von psychosozialen Gründen bei der Abwanderung, insbesondere die Rolle von Diskriminierungsund Rassismuserfahrungen, die in verschiedenen Lebensbereichen gemacht wurden, spiegelt sich auch in den Freitextantworten wider. Sie unterstreichen, dass Diskriminierung sowohl in der deutschen Gesellschaft als auch in Institutionen und Behörden weit verbreitet ist: „Ich wurde während meines Studiums an der Universität von Professoren rassistisch beschimpft, auf der Straße, von der Ausländerbehörde, von der Schule meiner Kinder.“ Person aus Peru „Deutschlands Kultur ist nicht inklusiv. Es ist eine sehr herausfordernde Gesellschaft. Egal, wie harmonisch man sich gegenüber Türken verhält, die Diskriminierung ist auf höchstem Niveau. Diese Sichtweise zu sehen, selbst in den fortschrittlichsten akademischen Umgebungen, hat mich vom Land entfremdet.“ Person aus der Türkei „Einige Deutsche sind natürlich nett, aber institutioneller Rassismus ist ein großes Problem und hat mir viele psychische Probleme bereitet.“ Person aus Spanien „Wir wurden in Deutschland stark diskriminiert, auch in akademischen Einrichtungen. Wegen unserer Hautfarbe und unserer fehlenden deutschen Sprache ist das Leben dort super hart. Diskriminierung ist überall, wie in einer Straßenbahn, in einer Mensa, in einem Rathaus usw. Das ist sehr ärgerlich.“ Person aus der Türkei Neben psychosozialen Gründen spielen auch finanzielle und berufsbezogene Faktoren eine Rolle bei der Entscheidung, Deutschland wieder zu verlassen. So nennen 26,9 Prozent der Befragten die hohen Lebenshaltungskosten oder Steuern in Deutschland als Abwanderungsgrund. 19 Besonders häufig trifft dies auf Menschen aus den EU-11-Staaten zu, von denen 40,7 Prozent diesen Grund anführen. 20 Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen bzw. Bezahlung und die als schlecht bewerteten Karrieremöglichkeiten in Deutschland werden jeweils von rund 20 Prozent der Befragten als Abwanderungsgründe genannt(siehe Abbildung 29). Letzteres war besonders für Personen aus Ozeanien und Asien ein ausschlaggebender Faktor für die Ausreise. Diese Beobachtung passt zur Tendenz, dass bei dieser Herkunftsgruppe sowohl berufs- als auch bildungsbezogene Gründe bei der Zu- und Abwanderung eine dominierende Rolle spielen. Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland motiviert eher zu Abwanderung in ein Drittland als in das Herkunftsland Unterscheidet man bei der Betrachtung der Abwanderungsgründe danach, ob die Personen in ihr Herkunftsland oder in ein anderes Land abgewandert sind, zeigt sich, dass die Unzufriedenheit mit den Bedingungen in Deutschland bei nahezu allen Faktoren stärker ausgeprägt ist bei jenen, die in ein anderes Land weiterziehen. Bei den meisten psychosozialen und arbeitsbezogenen Faktoren liegt der Anteil bei dieser Gruppe um fast zehn Prozentpunkte höher. 21 Besonders deutlich ist der Unterschied bei der Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland, die eine deutlich größere Rolle bei der Abwanderung in ein Drittland (35,8 Prozent) als bei der Abwanderung ins Herkunftsland (15,1 Prozent) spielt(siehe Abbildung 30). Dies kann gege benenfalls darauf zurückzuführen sein, dass viele Befragte ursprünglich aufgrund der beruflichen und wirtschaftlichen 18  Der Anteil der Personen, die das als schlecht bewertete Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssystem als Grund für die Abwanderung angegeben haben, steigt mit längerer Aufenthaltsdauer. Ebenso verhält es sich bezüglich der Unzufriedenheit mit der politischen oder gesellschaftlichen Situation. Dies spricht dafür, dass Menschen mit der Zeit eine stärkere Identifikation mit den Institutionen aufbauen, mehr Erfahrung mit ihnen sammeln und dadurch Probleme deutlicher wahrnehmen können. 19  Die hohen Steuersätze werden auch in den Freitextantworten häufig als Kritikpunkt an Deutschland genannt. In diesem Kontext wird auch kritisiert, dass trotz der hohen Steuersätze bürokratische Prozesse, insbesondere für Zugewanderte, veraltet und langsam sind:„Wir äußern erhebliche Bedenken hinsichtlich des Wertes der gezahlten Steuern, insbesondere hinsichtlich des Zugangs zu Gesundheitsversorgung, Einwanderungsdiensten und anderen bürokratischen Prozessen.“ Person aus Indien 20  Rumänische und bulgarische Staatsangehörige, die in der Umfrage besonders stark vertreten sind, verdienen im Vergleich zu ihren deutschen Kolleg_innen deutlich weniger – selbst bei gleichem Anforderungs- und Qualifikationsniveau, wie Studien der Fachstelle Einwanderung und Integration zeigen(Dülken/Shibeshi 2024; Spitaleri 2022). Auch die Umfrageergebnisse bestätigen dieses Bild: Personen aus den EU-11-Staaten geben an, weniger zu verdienen als Befragte anderer Herkunftsregionen – mit Ausnahme von Personen aus Süd- und Mittelamerika, die im Durchschnitt noch geringere Einkommen erzielen(ohne Abbildung). Dies könnte mit dazu beitragen, dass die hohen Lebenshaltungskosten und Steuern in Deutschland von dieser Personengruppe besonders stark wahrgenommen werden. Hinzu kommt der erhebliche Unterschied in der Steuerbelastung: Während der Einkommensteuersatz in Rumänien und Bulgarien bei lediglich zehn Prozent liegt, greift in Deutschland eine progressive Besteuerung, die beispielsweise bei einem individuellen Einkommen von 10.909 Euro im Jahr 2023 14 Prozent beträgt und bei einem Einkommen von 62.809 Euro 42 Prozent(Bundesministerium der Finanzen 2024). 21  Das bedeutet auch, dass diese Befragten mehr Abwanderungsgründe nennen, als jene, die in ihr Herkunftsland zurückkehren(siehe hierzu Erläuterungen zu Abbildung 39). Willkommen zurück? 33 Abwanderungsfaktoren(Push-Faktoren) in Deutschland * Mehrfachauswahl möglich, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 29 nicht zu Hause/wohlgefühlt Unzufriedenheit mit Sozialleben in Deutschland Gefühl, nicht willkommen zu sein in Deutschland Diskriminierungs-/Rassismuserfahrung Unzufriedenheit mit politischer/ gesellschaftlicher Situation hohe Lebenshaltungskosten/Steuern Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen/Bezahlung schlechte Karrieremöglichkeiten Arbeitslosigkeit schlechtes Bildungs-, Sozialund Gesundheitssystem aufenthaltsrechtliche Gründe Schwierigkeiten, deutsche Sprache zu lernen Wunsch nach persönlicher Veränderung war so geplant(z. B. Studium beendet) nichts davon 0 % 38,1 %(160) 31,0 %(130) 27,4 %(115) 23,8 %(100) 22,1 %(93) 26,9 %(113) 22,9 %(94) 19,5 %(82) 9,5 %(40) 11,2 %(47) 11,2 %(47) 16,4 %(69) 16,0 %(67) 11,0 %(46) 12,9 %(54) 5 % 10 % 15 % 20 % 25 % 30 % 35 % 40 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Warum sind Sie aus Deutschland abgewandert?“ Attraktivität des deutschen Arbeitsmarkts nach Deutschland gekommen sind, der in vielen Fällen gegebenenfalls auch vorteilhafter war als der Arbeitsmarkt in ihrem Herkunftsland. Wenn Deutschland in diesen Aspekten jedoch enttäuscht, suchen diese Personen möglicherweise eher in einem Drittland nach besseren Arbeitsbedingungen, um ihre berufliche und finanzielle Situation zu verbessern, als zurück ins Herkunftsland zu gehen, das gegebenenfalls wirtschaftlich schlechter gestellt ist. Psychosoziale Faktoren und eine ausgeprägte Willkommenskultur im Zielland motivieren zu Abwanderung Betrachtet man die Faktoren im Zielland, die für eine Abwanderung aus Deutschland sprechen(Pull-Faktoren), wird deutlich, dass auch hier psychosoziale Gründe im Vordergrund stehen. Dazu zählen das Gefühl, im Zielland zu Hause zu sein(43,8 Prozent), die Nähe zu Familie und Freund_ innen(40,2 Prozent), das Gefühl, dort willkommen zu sein (39,0 Prozent), sowie die Nähe zur eigenen Kultur oder Re ligion(24,5 Prozent). Auch ökonomische Gründe spielen eine bedeutende Rolle: Ein großer Anteil der Befragten nennt gute Arbeitsmarktchancen im Zielland(29,8 Prozent), gute Karrieremöglichkeiten(28,8 Prozent) und gute Arbeitsbe dingungen(24,8 Prozent). Weniger häufig hingegen sind politisch-institutionelle Gründe für die Abwanderung ins Zielland von Bedeutung: So geben lediglich 14,8 Prozent der Befragten das Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitssystem im Zielland als Grund an, während die politische und gesellschaftliche Situation(10,2 Prozent), die Achtung der Menschenrechte(6,2 Prozent) oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung(5,6 Prozent) nur selten genannt werden (siehe Abbildung 31). Die Faktoren in Deutschland und die Faktoren im Zielland, die für eine Abwanderungsentscheidung sprachen, ergänzen sich logisch: Ein Großteil der Befragten verließ Deutschland, weil sie sich nicht wohl- oder willkommen fühlten oder Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen machten. Im Zielland hingegen sprechen für die Abwanderung vor allem das Gefühl, willkommen zu sein und sich dort wohlzufühlen. Ökonomische Gründe stehen sowohl bei den Push- als auch bei den Pull-Faktoren an zweiter Stelle. 22 22  Weniger als sechs Prozent der Befragten nannten Zufall, bessere Unterstützung bei der Kinderbetreuung, gescheiterte Einreise in ein anderes Land, Nähe zum Herkunftsland oder das Einwanderungsgesetz als Pull-Faktoren. 34 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Abwanderungsfaktoren(Push-Faktoren) in Deutschland nach Abwanderungszielland Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 30 bei Abwanderung ins Herkunftsland/ bei Abwanderung in anderes Land nicht zu Hause/wohlgefühlt Unzufriedenheit mit Sozialleben in Deutschland Gefühl, nicht willkommen zu sein in Deutschland Diskriminierungs-/Rassismuserfahrung Unzufriedenheit mit politischer/ gesellschaftlicher Situation hohe Lebenshaltungskosten/Steuern Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen/Bezahlung schlechte Karrieremöglichkeiten 36,4 %(99) 30,9 %(84) 23,5 %(64) 22,8 %(62) 19,9 %(54) 15,1 %(41) 18,4 %(50) 17,3 %(47) 41,2 %(61) 31,1 %(46) 34,5 %(51) 34,5 %(51) 31,1 %(46) 35,8 %(53) 29,1 %(43) 23,6 %(35) Arbeitslosigkeit schlechtes Bildungs-, Sozialund Gesundheitssystem aufenthaltsrechtliche Gründe Schwierigkeiten, deutsche Sprache zu lernen Wunsch nach persönlicher Veränderung war so geplant(z. B. Studium beendet) 15,4 %(42) 12,5 %(34) 9,2 %(25) 10,7 %(29) 14,3 %(39) 9,2 %(25) 18,2 %(27) 22,3 %(33) 14,9 %(22) 12,2 %(18) 4,7 %(7) 10,1 %(15) nichts davon 15,4 %(42) 8,1 %(12) 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. Abwanderungsfaktoren(Pull-Faktoren) im Zielland * Mehrfachauswahl möglich, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 31 Gefühl, zu Hause zu sein Nähe zu Familie/Freund_innen 43,8 %(184) 40,2 %(169) Gefühl, willkommen zu sein 39,0 %(164) gute Chancen, Arbeit zu finden 29,8 %(125) gute Lebensqualität 29,0 %(122) gute Karrieremöglichkeiten 28,8 %(121) gute Arbeitsbedingungen 24,8 %(104) Nähe zu eigener Kultur/Religion gutes Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssystem Pflege/Betreuung von Angehörigen politische und gesellschaftliche Situation Kenntnisse der Landessprache 14,8 %(62) 13,6 %(57) 10,2 %(43) 9,9 %(50) 24,5 %(103) Interesse am Land 7,8 %(39) Achtung der Menschenrechte 6,9 %(29) nichts davon 11,7 %(49) 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor.* Antwort auf die Frage:„Warum sind Sie genau in dieses Land abgewandert?“ 23 Willkommen zurück? 35 Wenn man die Gründe im Zielland genauer unterscheidet, je nachdem, ob die Befragten in ihr Herkunftsland oder in ein Drittland abwandern, zeigt sich, dass für Drittstaaten insbesondere ökonomische Faktoren wie gute Chancen, Arbeit zu finden(37,8 Prozent), bessere Karrieremöglichkeiten (37,8 Prozent) oder günstigere Arbeitsbedingungen(44,6 Prozent, beim Herkunftsland nur 14 Prozent) stärker als PullFaktoren wirken im Vergleich mit den Herkunftsländern. Für Personen, die in ihr Herkunftsland zurückkehren, dominieren hingegen deutlich psychosoziale Motive wie der Wunsch nach Nähe zur Familie oder das Gefühl der Verbundenheit zur eigenen Kultur. Dennoch bleibt das Gefühl, willkommen zu sein, auch bei der Abwanderung in ein anderes Zielland als dem Herkunftsland der wichtigste Grund(45,2 Prozent)(siehe Abbildung 32). Dies verdeutlicht, wie essenziell eine funktionie rende Willkommenskultur und zahlreiche Angebote zur sozialen Integration sind, um das Zugehörigkeitsgefühl von Zugewanderten in Deutschland zu stärken und ungewollte, ursprünglich nicht geplante Abwanderungen zu reduzieren. Nur durch ein Umfeld, in dem sich Menschen willkommen und wertgeschätzt fühlen, können langfristige Bindungen geschaffen und psychosoziale Abwanderungsmotive verringert werden. Die Teilnehmenden konnten bei den Fragen zu den Abwanderungsgründen in Deutschland(siehe Abbildung 29) und im Zielland(siehe Abbildung 31) mehrere Antworten aus wählen. Ein Blick auf die durchschnittliche Anzahl der angegebenen Gründe zeigt teils deutliche Unterschiede in der Abhängigkeit von bestimmten Merkmalen: Je weiter die Abwanderung zurückliegt, desto weniger Gründe wurden für Deutschland und das Zielland genannt. Befragte, die zwischen 2020 und 2024 abgewandert sind, nannten im Durchschnitt 3,7 Abwanderungsgründe in Deutschland und 4,1 im Zielland. Dagegen gaben Personen, deren Abwanderung vor 2020 liegt, im Schnitt nur 1,6 Gründe in Deutschland und 1,8 Gründe im Zielland an(siehe Abbildung 33). Dieser Unterschied lässt sich möglicherweise durch den aus retrospektiven Befragungen bekannten Recall-Bias erklären. Dieser besagt, dass die Erinnerung an länger zurückliegende Ereignisse mit der Zeit verblasst, sodass vor allem die besonders einprägsamen Faktoren im Gedächtnis bleiben, während weniger prägnante Aspekte in Vergessenheit geraten. Im Gegensatz dazu erinnern sich jene, die erst vor wenigen Jahren abgewandert sind, vermutlich genauer an die Vielzahl der unterschiedlichen Faktoren, die zu ihrer Abwanderungsentscheidung geführt haben. Auch besteht das Risiko, dass länger zurückliegende Ereignisse einer positiven Verzerrung der Erinnerung, der sogenannten„rosigen Abwanderungsfaktoren im Zielland(Pull-Faktoren) nach Zielland der Abwanderung Angaben in Prozent Abb. 32 Gefühl, zu Hause zu sein Nähe zu Familie/Freund_innen Gefühl, willkommen zu sein gute Chancen, Arbeit zu finden gute Lebensqualität gute Karrieremöglichkeiten gute Arbeitsbedingungen Nähe zu eigener Kultur/Religion gutes Bildungs-, Sozial- und Gesundheitssystem Pflege/Betreuung von Angehörigen politische und gesellschaftliche Situation Kenntnisse der Landessprache Interesse am Land Achtung der Menschenrechte nichts davon bei Abwanderung ins Herkunftsland/ bei Abwanderung in anderes Land 48,5 % 51,8 % 18,9 % 35,1 % 35,7 % 45,3 % 25,4 % 37,8 % 20,6 % 44,6 % 23,9 % 37,8 % 14,0 % 44,6 % 29,4 % 15,5 % 12,5 % 18,9 % 18,8 % 4,1 % 5,9 % 18,2 % 1,1 % 30,5 % 0,4 % 24,7 % 3,3 % 13,5 % 14,0 % 7,4 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 36 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Rückschau“ unterliegen, wodurch sie im Nachhinein positiver wahrgenommen werden, als sie tatsächlich waren (Mitchell et al. 1997; Smith/Thomas 2002, 1997; Adler/Pansky 2020; Schwarz/Oyserman 2001). Unfreiwillige Abwanderung erfolgt insbesondere bei wenigen, aber gravierenderen Gründen Ein Unterschied in der durchschnittlichen Anzahl der Abwanderungsgründe zeigt sich auch – wenn auch weniger ausgeprägt –, wenn man die Befragten danach unterscheidet, ob sie gern länger oder sogar dauerhaft in Deutschland geblieben wären. Personen, die gern länger/für immer geblieben wären, nannten im Durchschnitt weniger Abwanderungsgründe sowohl in Deutschland(2,6 Gründe) als auch im Zielland(2,9 Gründe), als jene, die nicht länger bleiben wollten(3,9 in Deutschland bzw. 4,6 Gründe im Zielland)(siehe Abbildung 34). Dies deutet darauf hin, dass die Kumulation von Abwanderungsgründen in verschiedenen Lebensbereichen eine freiwillige Abwanderung wahrscheinlicher macht. Im Gegensatz dazu geben diejenigen, die„unfreiwillig“ gehen mussten und gern länger geblieben wären, insgesamt weniger Gründe an, die für eine Abwanderung sprechen, die aber gegebenenfalls dennoch so gravierend sind, dass eine Abwanderung unausweichlich wird, etwa aufenthaltsrechtliche Hindernisse. Ein genauerer Blick auf die Gründe, die Personen angeben, die gern länger in Deutschland geblieben wären, zeigt nicht nur eine geringere Anzahl an Abwanderungsgründen, sondern auch eine gleichmäßigere Verteilung dieser Gründe auf die verschiedenen Antwortoptionen. Am häufigsten nennen diese Personen die hohen Lebenshaltungskosten und Steuern in Deutschland (23,2 Prozent). Auch psychosoziale Faktoren, wie das Ge fühl, nicht zu Hause zu sein(22 Prozent), sowie Unzufriedenheit mit dem Sozialleben(21,6 Prozent), spielen eine wich tige Rolle – jedoch in deutlich geringerem Maße als im Durchschnitt der gesamten Befragungsgruppe(38,1 bzw. 31 Prozent). Für die Gruppe der„unfreiwillig“ abgewanderten Personen sind hingegen Arbeitslosigkeit und aufenthaltsrechtliche Gründe bedeutendere Abwanderungsfaktoren(ohne Abbildung). Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich Abwanderungsentscheidungen – viel weniger als bei der ursprünglichen Zuwanderungsentscheidung – nicht immer auf einen einzigen Hauptanlass reduzieren lassen. Abwanderungsentscheidungen scheinen somit deutlich individuellere, vielfältigere und komplexere Beweggründe zu haben. In unserer Befragungsstichprobe spielen dabei psychosoziale Gründe eine übergeordnete Rolle – sowohl bei der Entscheidung gegen Deutschland als auch bei der Entscheidung für ein anderes Land. Ökonomische Gründe folgen an zweiter Stelle, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass die Stichprobe überwiegend aus hoch qualifizierten Personen besteht. Durchschnittliche Anzahl genannter Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) bzw. im Zielland(Pull-Faktoren) nach Jahr der Abwanderung Angaben in absoluten Zahlen Abb. 33 Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) 2020 – 2024 2015 – 2019 2010 – 2014 2005 – 2009 vor 2005 1,564 3,746 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 Abwanderungsfaktoren in Zielland(Pull-Faktoren) 2020 – 2024 2015 – 2019 2010 – 2014 2005 – 2009 vor 2005 1,795 4,126 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. Willkommen zurück? 37 Durchschnittliche Anzahl genannter Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) bzw. im Zielland(Pull-Faktoren) nach Wunsch nach Verbleib in Deutschland Angaben in absoluten Zahlen Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) kein Wunsch nach längerem/dauerhaftem Verbleib in Deutschland Wunsch nach längerem/dauerhaftem Verbleib in Deutschland 2,589 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 Abwanderungsfaktoren in Zielland(Pull-Faktoren) kein Wunsch nach längerem/dauerhaftem Verbleib in Deutschland Wunsch nach längerem/dauerhaftem Verbleib in Deutschland 1,5 2,0 2,5 Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 2,942 3,0 3,5 Abb. 34 3,917 4,0 4,5 4,649 4,0 4,5 Durchschnittliche Anzahl an genannten Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) oder im Zielland(Pull-Faktoren) nach Abwanderung ins Herkunftsland oder ein Drittland Angaben in absoluten Zahlen Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) Abwanderung ins Herkunftsland Abwanderung in Drittland 2,874 3,699 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 Abwanderungsfaktoren in Zielland(Pull-Faktoren) Abwanderung ins Herkunftsland Abwanderung in Drittland 3,250 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. Abb. 35 4,5 4,270 4,5 Diese verfügen häufig über finanzielle Stabilität und bessere berufliche Alternativen im Ausland, weshalb psychosoziale Faktoren wie fehlende Integration oder Diskriminierung für sie entscheidender sind als wirtschaftliche Zwänge. Insbesondere wird aus ökonomischen Gründen in ein Drittland abgewandert – vor allem dann, wenn die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland hoch ist und das Zielland bessere Arbeitsbedingungen verspricht. 38 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. 3.2.2 Bewertung der Situation im aktuellen Aufenthaltsland Nach der Betrachtung der Abwanderungsgründe ist es sinnvoll, auch die aktuelle Situation der Befragten im Aufenthaltsland zu berücksichtigen. Dies ermöglicht nicht nur einen Vergleich mit der vorherigen Situation in Deutschland, sondern bietet auch wichtige Einblicke in die Lebensrealität der Befragten. Diese Perspektive hilft zu verstehen, wie ihre Erfahrungen im aktuellen Aufenthaltsland – sei es im Herkunftsland oder einem anderen Land – die Entscheidung beeinflussen, zu bleiben, in ein anderes Land weiterzuziehen oder nach Deutschland zurückzukehren. Höhere Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben im Drittals im Herkunftsland Blickt man beispielsweise auf die Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben in Deutschland im Vergleich zum aktuellen Aufenthaltsland, wird deutlich, dass die Befragten insgesamt zufriedener mit ihrem aktuellen Arbeitsleben sind, als sie es zuvor in Deutschland waren: 45 Prozent geben an, dass sie in Deutschland mit dem Arbeitsleben(sehr) zufrieden waren(siehe Abbildung 15), im jetzigen Aufenthaltsland sind es 58,9 Prozent der Befragten(siehe Abbildung 36). Differenziert nach Abwanderungszielland zeigt sich außerdem, dass sich dieser Unterschied vor allem durch diejenigen Befragten ergibt, die aktuell in einem Drittland wohnen(siehe Abbildung 37): 72,3 Prozent dieser Befragten sind mit ihrem aktuellen Arbeitsleben(sehr) zufrieden. Hier kann eine Parallele gezogen werden mit der Tendenz, dass die Arbeitsbedingungen bei einer Abwanderung ins Drittland ein wesentlich wichtigerer Faktor waren als bei einer Abwanderung ins Herkunftsland(siehe Abbildung 30, Abbildung 32). Höhere Zufriedenheit mit dem Sozialleben im Herkunftsund Drittland im Vergleich zu Deutschland Ähnlich verhält es sich mit der Zufriedenheit mit dem Sozialleben. Dieses wird von den Befragten deutlich besser im aktuellen Aufenthaltsland bewertet als in Deutschland: 62,6 Prozent sind aktuell(sehr) zufrieden mit ihrem Sozi Zufriedenheit im aktuellen Aufenthaltsland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 36 Zufriedenheit mit dem Leben all6,4 % 8,4 % gemein im aktuellen Aufenthaltsland (25)(33) 21,9 % (86) 36,9 % (145) 26,5 % (104) Zufriedenheit mit Arbeitsleben im 6,1 % 8,4 % aktuellen Aufenthaltsland (19)(26) 26,7 % (83) 35,4 % (110) 23,5 % (73) Zufriedenheit mit Sozialleben im 7,7 % 9,2 % aktuellen Aufenthaltsland (30)(36) 20,5 % (80) 0 % 20 % 40 % 1= gar nicht zufrieden 29,4 % (115) 60 % 2 3 33,2 % (130) 80 % 100 % 4 5= sehr zufrieden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antworten auf die Fragen::„Wie zufrieden sind sie aktuell alles in allem, mit Ihrem Leben?“, „Wie zufrieden sind Sie aktuell mit Ihrem Arbeitsleben?“ und„Wie zufrieden sind Sie aktuell mit Ihrem Sozialleben?“. Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben nach aktuellem Aufenthaltsland Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 37 aktuelles Land: Drittland 21,8 % (22) 41,6 % (42) aktuelles Land: Herkunftsland (16)(23) 7,6 % 11,0 % 29,0 % (61) 0 % 20 % 40 % 1= gar nicht zufrieden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 32,4 % (68) 60 % 2 3 30,7 % (31) 20,0 % (42) 80 % 100 % 4 5= sehr zufrieden Willkommen zurück? 39 al leben(siehe Abbildung 36), in Deutschland waren es nur 37,7 Prozent(siehe Abbildung 15). Dass die größere Zu friedenheit im aktuellen Aufenthaltsland nicht nur auf bereits bestehende soziale Netzwerke im Herkunftsland zurückzuführen ist, zeigt sich, da auch die Personen, die in ein anderes Land als ihr Herkunftsland abgewandert sind, deutlich zufriedener sind als zuvor in Deutschland: 60,4 Prozent sind(sehr) zufrieden mit ihrem aktuellen Sozialleben im Drittland. Interessant ist in Bezug darauf auch ein Blick auf die geplante Aufenthaltsdauer im aktuellen Aufenthaltsland. Unter jenen, die sich zum Zeitpunkt der Befragung in einem Drittland aufhalten, ist etwa ein Drittel unsicher über ihre Zukunftspläne, 22,5 Prozent wollen einige weitere Jahre und 37,2 Prozent für immer bleiben. Aber auch bei denjeni gen, die in ihrem Herkunftsland leben, plant zwar fast die Hälfte der Befragten, für immer da zu bleiben, jedoch gab auch mehr als ein Drittel an, nur noch einige weitere Jahre bleiben zu wollen. Weitere 9,2 Prozent planen außerdem, nur noch ein weiteres Jahr zu bleiben. Die Antworten zur aktuellen Situation im Aufenthaltsland zeigen, dass die Befragten insgesamt mit ihrem Arbeitsund Sozialleben im neuen Aufenthaltsland zufriedener sind als in Deutschland. Dies gilt sowohl für diejenigen, die in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind, als auch für jene, die in ein Drittland weitergezogen sind. Dennoch gibt es auch eine beträchtliche Anzahl von Befragten, die in ihrem neuen Aufenthaltsland unzufrieden sind und unsicher bezüglich ihrer langfristigen Zukunft dort. Dies eröffnet ein Weiterbzw. Rückwanderungspotenzial, das wir im folgenden Kapitel näher untersuchen werden. Zufriedenheit mit dem Sozialleben nach aktuellem Aufenthaltsland Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 38 aktuelles Land: Drittland (22)(24) 8,1 % 8,9 % 19,3 % (52) 30,4 % (82) aktuelles Land: Herkunftsland (8)(12) 6,6 % 9,9 % 23,1 % (28) 0 % 20 % 40 % 1= gar nicht zufrieden 27,3 % (33) 60 % 2 3 Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 33,3 % (90) 33,1 % (40) 80 % 100 % 4 5= sehr zufrieden Zukunftspläne im aktuellen Aufenthaltsland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 39 weiß ich noch nicht höchstens noch ein Jahr noch einige Jahre für immer im aktuellen Aufenthaltsland(Drittland)/ im Herkunftsland 31,0 %(40) 9,3 %(12) 9,2 %(26) 9,2 %(26) 22,5 %(29) 34,8 %(98) 37,2 %(48) 46,8 %(132) 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Wie lange wollen Sie in Ihrem aktuellen Aufenthaltsland bleiben?“ 40 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. 3.3 Rückwanderungs- oder Weiterwanderungsabsichten Die bisherigen Fragen haben sich mit vergangenen Migrationsentscheidungen oder den vergangenen bzw. gegenwärtigen Lebenssituationen der befragten Personen beschäftigt. Fragen nach möglichen Rück- oder Weiterwanderungsbestrebungen werden dabei ex ante abgefragt. Zukünftige Migrationsbestrebungen sind jedoch ein schwer fassbares und multidimensionales Phänomen(Carling/Bålsrud Mjelva 2021). Entsprechend werden die zukünftigen Migra tionspläne der Befragten durch eine Kombination verschiedener Fragen erfasst: → Präferenzen/Wünsche:„Würden Sie lieber in Ihrem jetzigen Land bleiben oder in ein anderes Land abwandern?“ → Überlegungen/Erwägungen: –„Haben Sie in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt, Ihr jetziges Aufenthaltsland zu verlassen und für längere Zeit oder auch für immer zurück nach Deutschland zu ziehen?“ –„Haben Sie in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt, Ihr jetziges Aufenthaltsland zu verlassen und für längere Zeit oder auch für immer in ein anderes Land als Deutschland zu ziehen?“ Der Grund für diese differenzierte Abfrage liegt darin, dass Wunsch und Erwägung einer Abwanderung nicht zwangsläufig übereinstimmen. Je nach Fragestellung können die Ergebnisse daher stark variieren. Eine Person oder Gruppe könnte beispielsweise den Wunsch äußern, in ein anderes Land zu ziehen, ohne tatsächlich die Absicht(oder die Möglichkeit) zu haben, diesen Schritt zu vollziehen. Umgekehrt könnte jemand ernsthaft über eine Abwanderung nachdenken, etwa aufgrund finanzieller Zwänge, obwohl er oder sie lieber im aktuellen Aufenthaltsland bleiben würde, wenn die Wahl freistünde. Zu einem späteren Zeitpunkt werden jene Befragten, die eine Rückwanderung nach Deutschland in Betracht ziehen, zusätzlich zur Wahrscheinlichkeit ihrer Rückkehr befragt. Denn auch wenn der Gedanke an eine Rückwanderung ernsthaft erwogen wird, könnte die Umsetzung der Pläne aus verschiedenen Gründen als wenig wahrscheinlich eingeschätzt werden, beispielsweise aufgrund familiärer Verpflichtungen oder aufenthaltsrechtlicher Einschränkungen. Minderheit der Befragten erwägt Rückkehr nach Deutschland Wie sich zeigt, geben 60,9 Prozent der Befragten an, dass sie lieber in ihrem derzeitigen Aufenthaltsland bleiben würden, als in ein anderes Land zu ziehen(39,1 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage nach einer möglichen Rückwanderung nach Deutschland: 60,5 Prozent der Be fragten geben an, nicht mit dem Gedanken zu spielen, nach Deutschland zurückzukehren. Etwas größer ist der Anteil derer, die angeben, mit dem Gedanken zu spielen, in ein anderes Land als Deutschland zu ziehen(siehe Abbildung 40). Auf den ersten Blick zeigt sich prozentual kaum ein Unterschied zwischen dem Wunsch, auszuwandern, und der ernsthaften Erwägung, diesen Schritt tatsächlich zu wagen. Abwanderungs- bzw. Bleibewunsch und tatsächliche Erwägung fallen auseinander Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass Wunsch und tatsächliche Erwägung nicht unbedingt zusammenfallen: Fast 30 Prozent der Befragten, die keinen erneuten Abwande Migrationswunsch, Rück- und Weiterwanderungsgedanke Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 40 Rück- bzw. Weiterwanderungswunsch Würden Sie lieber in Ihrem jetzigen Aufenthaltsland bleiben oder in ein anderes Land ziehen? 60,9 %(218) lieber in meinem jetzigen Aufenthaltsland bleiben 39,1 %(140) lieber in ein anderes Land ziehen 0 % Rückwanderungsgedanke Haben Sie in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt, für längere Zeit oder auch für immer zurück nach Deutschland zu ziehen? 0 % Weiterwanderungsgedanke Haben Sie in letzter Zeit(ernsthaft) mit dem Gedanken gespielt, für längere Zeit oder auch für immer in ein anderes Land als Deutschland zu ziehen? 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % 60,5 %(237) nein(kein Rückwanderungsgedanke) 20 % 40 % 39,5 %(155) ja(Rückwanderungsgedanke) 60 % 80 % 100 % 63,9 %(250) nein(kein Weiterwanderungsgedanke) 20 % 40 % 36,1 %(141) ja(Weiterwanderungsgedanke) 60 % 80 % 100 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. Willkommen zurück? 41 rungswunsch hegen, spielen dennoch mit dem Gedanken, ihr aktuelles Land zu verlassen: 12,8 Prozent spielen mit dem Gedanken, zurück nach Deutschland zu wandern; elf Prozent überlegen, in ein anderes Land weiterzuwandern; für fünf Prozent ist beides möglich. Dass Wunsch und Erwägung auseinanderfallen, kann z. B. an finanziellen oder familiären Zwängen liegen oder an der wirtschaftlichen oder politischen Lage im Aufenthaltsland. Ein Großteil der Personen, die einen Abwanderungswunsch hegen, spielt auch tatsächlich mit dem Gedanken, wieder abzuwandern(92,1 Prozent)(siehe Abbildung 41). Von den 39,5 Prozent der Befragten, die eine Rückkehr in Betracht ziehen, ist für die Hälfte Deutschland das einzige Wunschziel(siehe Abbildung 42). In den offenen Fragen begründen manche dies damit, dass sie wegen ihres Voraufenthalts bereits Deutschkenntnisse haben und„wissen, wie die Dinge dort funktionieren“[Person aus Bosnien und Herzegowina]. Sie fühlen sich somit mit den Abläufen und Strukturen im Land vertraut. Mehrere befragte Personen beschreiben, dass Deutschland dadurch die naheliegendere Wahl wäre: „Ein anderes Ziel wäre eine bedeutendere Veränderung für mein Leben und würde daher eine Herausforderung darstellen.“ Person aus Nordmazedonien „Weil ich es bereits gewohnt bin, dort zu leben. Ich möchte jetzt nicht in ein neues Land ziehen.“ Person aus Indien Einige Befragte ergänzen diesen Aspekt der Gewohnheit und Bekanntheit mit einer allgemeinen Zufriedenheit mit Deutschland, seiner Politik und Rechtstaatlichkeit sowie der Kultur und Lebensqualität: „Ich spreche bereits die Sprache, fühle mich hier akzeptiert, kenne die Kultur und Mentalität und mag einige der deutschen Werte und Eigenschaften. Ich müsste nicht bei Null anfangen. Man ist in schwierigen Zeiten relativ sicher und wird vom Sozialsystem unterstützt, und es gibt Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung.[…] Mir gefällt die Tatsache, dass sie viel in grüne Transformationen investieren, was mehr Sinn und Motivation gibt als an Orten, an denen der Fortschritt bei jedem Schritt behindert wird, überhaupt nichts passiert, EU-Gelder verschwendet werden (schlechte oder schlecht realisierte Projekte) oder, noch schlimmer, gestohlen werden.“ Person aus Kroatien „Das Gesetz regelt Bürger- und Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte usw., und es werden die gleichen Rechte angewendet.“ Person aus Bosnien und Herzegowina „Fantastische Lebensqualität, viel Natur in den Städten. Ich spreche jetzt ganz gut Deutsch und habe dort Freunde.“ Person aus Frankreich Dass Beziehungen zu Partner_innen, Kolleg_innen oder Familie wichtig sind, zeigt sich auch in den Antworten anderer Befragter: „Weil ich bereits Deutsch sprechen kann und noch viele Freunde in Deutschland habe“. Person aus Japan „Ich vermisse Deutschland, meine Kollegen, Freunde und mein Lieblingsstadt Frankfurt am Main, wo ich 15 Jahre lang ge lebt habe! Ich fühle mich dort zu Hause! Ich vermisse alles, auch meinen interessanten und sicheren Job mit dem tollsten Chef und den tollsten Kollegen! Ich liebe Deutschland!“ Person aus Bulgarien, 1544 Rück- bzw. Weiterwanderungsgedanke * nach Migrationswunsch ** Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 41 kein Migrationswunsch Migrationswunsch 0 % 11,0 % (24) 12,8 % (28) 38,8 % (54) 20 % 70,6 % (154) 23,7 % (33) 40 % 60 % 29,5 % (41) 80 % 100 % Rück- und Weiterwanderungsgedanke nur Weiterwanderungsgedanke(in anderes Land) nur Rückwanderungsgedanke(zurück nach Deutschland) kein Rück- und Weiterwanderungsgedanke Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antworten auf die Fragen:„Haben Sie in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt, Ihr jetziges Aufenthaltsland zu verlassen und für längere Zeit oder auch für immer zurück nach Deutschland zu ziehen?“ bzw.„Haben Sie in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt, Ihr jetziges Aufenthaltsland zu verlassen und für längere Zeit oder auch für immer in ein anderes Land als Deutschland zu ziehen?“. ** Antworten auf die Frage:„Würden Sie lieber in Ihrem jetzigen Aufenthaltsland bleiben oder in ein anderes Land ziehen?“ 42 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. „Denn dort leben meine Kinder und ich vermisse sie sehr.“ Person aus Spanien Außerdem betonen einige Befragte, dass berufliche Möglichkeiten sie nach Deutschland zurückziehen würden. Hierbei ist aber an die Überproportionalität von Befragten mit akademischem Abschluss zu erinnern, die sich auch in den folgenden Zitaten niederschlägt: „Während meines Aufenthalts in Deutschland habe ich im Rahmen eines Praktikums für meine Doktorarbeit in einem Labor mit großer Erfahrung in der Erforschung von Sprache und Gestik studiert/geforscht. Ich würde gerne dorthin zurückkehren, um dort zu promovieren.“ Person aus Brasilien „Deutschland ist der beste Forschungsort für meine Arbeit.“ Person aus Japan Zuletzt bestehen unter den Befragten auch schlicht emotionale Bezüge zu Deutschland: „Denn Deutschland ist wie mein eigenes Land, meine Heimat, da fällt mir kein anderes Land ein.“ Person aus Bulgarien „Außerdem habe ich während meiner Zeit anderswo gemerkt, dass ich an Deutschland emotional sehr hänge trotz der Entfernung.“ Person aus Frankreich „Weil ich mich nach all den ganzen Jahren in Deutschland als Deutsche fühle.“ Person aus Tschechien Offenheit, Willkommenskultur und effiziente Verwaltung sind Stärken anderer Zielländer Die andere Hälfte der Befragten, die eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht ziehen, spielt auch mit dem Gedanken, in ein anderes Land als Deutschland weiterzuwandern. Etwa ein Viertel der 60,5 Prozent, die nicht an eine Rückkehr nach Deutschland denken, erwägt, in ein anderes Land weiterzuwandern(siehe Abbildung 42). Auf die Frage nach möglichen Zielländern für eine Weiterwanderung wurden insbesondere die Schweiz, die Niederlande, die USA, Großbritannien, Österreich und Spanien genannt(ohne Abbildung). Auf die offene Frage nach den Vorteilen anderer Zielländer gegenüber Deutschland nennen die Befragten häufig niedrigere Steuern und geringere Lebenshaltungskosten. Ein weiterer Vorteil, den viele hervorheben, ist die größere Akzeptanz, in anderen Ländern auf Englisch statt in der Landessprache zu kommunizieren. In diesem Zusammenhang wird häufig auch die effizientere und stärker digitalisierte Bürokratie in anderen Ländern positiv hervorgehoben. Eine befragte Person beschreibt dies folgendermaßen: „Sie können arbeiten und sich von Tag zu Tag durchschlagen, ohne die Landessprachen absolut fließend beherrschen zu müssen, und Muttersprachler sprechen im Gegensatz zu Deutschland gutes Englisch. Keine Probleme mit Amt, und alles kann online erledigt werden.“ Person aus Indien Rückwanderungsgedanke nach Weiterwanderungsgedanke * Angaben in Prozent kein Rückwanderungsgedanke nach Deutschland Rückwanderungsgedanke nach Deutschland Abb. 42 26,6 % 73,4 % 49,4 % 50,6 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. Weiterwanderungsgedanke kein Weiterwanderungsgedanke * Antworten auf die Frage:„Haben Sie in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt, für längere Zeit oder auch für immer nach Deutschland zurückzukehren?“, differenziert nach Erwägung, in ein anderes Land als Deutschland weiterzuwandern. Willkommen zurück? 43 Auch eine andere Person nimmt wahr, dass in Deutschland ein Unwille besteht, in anderen Sprachen als Deutsch zu kommunizieren, und verbindet dies mit der Wahrnehmung von Unfreundlichkeit bzw. Kälte: „Wenn ich in ein Land auswandere, dann sicher nicht nach Deutschland, sondern in Länder, in denen die Menschen wärmer und gastfreundlicher und nicht kalt und nüchtern und nationalistisch sind, die einem nur auf Deutsch antworten und andere internationale Sprachen nicht kennen.“ Person aus Moldau Ähnlich wie in diesem Zitat wird auch von anderen Befragten die Haltung der deutschen Gesellschaft sowie deren mitunter als unfreundlich wahrgenommene Art häufig kritisch angesprochen. Außerdem betonten einige, dass die anderen Länder im Vergleich zu Deutschland eine offenere Einwanderungspolitik und eine bessere Willkommenskultur haben: „Ich denke, dass die Einwanderungspolitik[Kanadas und der Niederlande] den Menschen, die ins Land kommen, im Vergleich zu Deutschland mehr Komfort bietet.“ Person aus der Türkei „Ich denke, dass es ein integrativeres Leben für Einwanderer gibt, was Sprache und Kultur betrifft.“ Person aus der Türkei „Einfacher, Einwohner und Doppelbürger zu werden.“ Person aus der Türkei „Die USA sind ein Land, in dem man als Einwanderer willkommen ist. Sie sehen es als Gewinn für sie, dass eine Person kommt, um einen Beitrag für das Land zu leisten.“ Person aus Chile Andere häufig genannte Vorteile anderer Länder betreffen Aspekte, die außerhalb des Einflussbereichs der deutschen Politik und Gesellschaft liegen. Dazu zählen das angenehmere Klima und die größere geografische Nähe zum Herkunftsland der Befragten. Auf die offene Frage, was sich ändern müsste, damit sie nach Deutschland zurückkehren, nennen einige eine Verschlechterung der Bedingungen im aktuellen Aufenthaltsland. Eine befragte Person führt beispielsweise an, dass„enorme Veränderung der politischen und wirtschaftlichen Lage in Frankreich mit Verankerung der Rechtsextremen an der Macht“ [Person aus Frankreich, 8520] ein Rückwanderungsgrund wäre. Andere wiederum betonen, dass eine Rückkehr nach Deutschland unter keinen Umständen infrage kommt. So beschreibt eine Person: „Kehren Sie nie wieder zurück. Die rassistischsten und unfreundlichsten Menschen der Welt. Warum sollte man an einen Ort reisen, an dem man nicht willkommen ist? Wir betteln nicht um irgendetwas, sondern haben einen Master-Abschluss in der Hand, um einen Beitrag zur Wirtschaft zu leisten, und wenn sie uns nicht wollen, ist es uns egal und wir werden mit Sicherheit von Ländern willkommen geheißen, die uns schätzen.“ Person aus Afghanistan Andere Befragten machen Vorschläge, was sich in Deutschland bessern müsste. Auch hier spielt eine größere Offenheit der deutschen Gesellschaft gegenüber Zugewanderten eine wichtige Rolle. Erwähnt wurden häufig die veraltete Bürokratie und die Sprachbarrieren: „Verringern Sie die Menge an Bürokratie(fühlt sich an wie in den 90er Jahren) – Personen in öffentlichen Ämtern sollten Englisch sprechen oder Übersetzer an ihrer Seite haben(in den 13 Jahren, in denen ich in Deutschland beschäftigt bin, war mein Unternehmen noch nie ein deutschsprachiges) – Menschen in öffentlichen Ämtern sollten hilfsbereit und nicht nachtragend oder rassistisch sein.“ Person aus Polen Es zeigt sich also, dass die Mehrheit der Befragten nicht mit dem Gedanken spielt, zurück nach Deutschland zu kehren. Für diejenigen Befragten, die die Rückwanderung nach Deutschland in Erwägung ziehen, spielen vor allem die Vertrautheit mit dem System, die bestehenden Sprachkenntnisse sowie psychosoziale Faktoren wie Gefühl von Akzeptanz und von Verbundenheit und persönliche Beziehungen wichtige Rollen. In ihrer Abwägung mit der Möglichkeit, in ein anderes Land weiterzuziehen, sind für die Befragten vor allem die bessere Bürokratie anderswo sowie eine höhere Akzeptanz bzw. Gastfreundlichkeit und damit einhergehend die größere Bereitschaft oder auch Fähigkeit, auf Englisch oder anderen Sprachen kommunizieren zu können, relevant. Dies spiegelt sich wider, wenn Befragte an Deutschland die wahrgenommene Unfreundlichkeit und den Rassismus sowie komplizierte bürokratische Prozesse bemängeln. 44 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. 3.3.1 Rückwanderungsgedanke differenziert nach unterschiedlichen Merkmalen Die Analyse der Rückwanderungsgedanken hat gezeigt, dass insgesamt 39,5 Prozent der Befragten den Gedanken hegen, nach Deutschland zurückzukehren, während 60,5 Prozent diesen Gedanken nicht teilen. Eine genauere Betrachtung des Rückwanderungsgedankens in Bezug auf bestimmte Merkmale der Befragten, wie Alter, Herkunftsregion oder die Freiwilligkeit der Abwanderung, zeigt teilweise deutliche Unterschiede(siehe Abbildung 43). Der Gedanke an eine Rückwanderung nach Deutschland ist bei Befragten im Alter von 31–40 Jahren mit 33,8 Prozent unterdurch schnittlich ausgeprägt. Im Gegensatz dazu ziehen 45,3 Pro zent der über 50-Jährigen eine Rückkehr in Betracht. Auch bei Personen, die nicht in einer Partnerschaft leben, zeigt sich eine überdurchschnittlich hohe Bereitschaft zur Rückwanderung im Vergleich zu jenen, die in einer festen Beziehung sind. Dieses Ergebnis überrascht wenig, da Menschen ohne Partnerschaft oft flexibler in ihren Lebensentscheidungen sind und weniger Bindungen an ihren aktuellen Aufenthaltsort haben. Besonders Befragte aus Nordafrika, dem Nahen Osten und den neuen EU-Mitgliedsländern ziehen eine Rückkehr nach Deutschland seltener in Betracht Betrachtet man den Rückwanderungsgedanken nach Herkunftsregion, so ist dieser am wenigsten ausgeprägt bei Befragten aus Nordafrika und dem Nahen Osten(22,2 Pro zent), gefolgt von denjenigen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten(EU 11)(30,5 Prozent). Am stärksten zeigt sich der Rückwanderungsgedanke hingegen bei den Befragten aus Süd- und Mittelamerika(54,8 Prozent) sowie aus Asien und Ozeanien(44,4 Prozent). Nach Staatsangehörigkeit be trachtet, spielen Drittstaatsangehörige mit 44,8 Prozent häufiger mit dem Gedanken einer Rückkehr nach Deutschland als Personen aus EU-Mitgliedstaaten oder jene, die durch Einbürgerung bereits die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben. Die Auswertung verdeutlicht zudem, dass der Gedanke an eine Rückwanderung nach Deutschland bei Personen, die in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind, deutlich stärker ausgeprägt ist als bei jenen, die in ein anderes Land weitergezogen sind. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass eine Weiterwanderung in ein drittes Land mit höheren materiellen wie immateriellen Kosten verbunden ist, als die Rückkehr ins Herkunftsland. Aufgrund der bereits getätigten Investitionen in ihre Weiterwanderung könnten diese Personen weniger geneigt sein, ihre Entscheidung für eine Rückkehr nach Deutschland rückgängig zu machen. Eine andere Erklärung könnte darin liegen, dass – wie die obige Analyse zeigt(siehe Abbildung 22) – vor allem diejenigen in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind, die ursprünglich gern länger oder dauerhaft in Deutschland geblieben wären. Bei dieser Gruppe der„unfreiwillig“ Abgewanderten, ist der Rückwanderungsgedanke besonders stark ausgeprägt(siehe Abbildung 43, untere Spalte). Das größte Rückkehrpotenzial bilden Personen, die im aktuellen Aufenthaltsland weniger als ein Jahr bleiben wollen oder unsicher sind, wie lange sie bleiben wollen Befragt nach ihren zeitlichen Plänen im aktuellen Aufenthaltsland zeigt sich – wenig überraschend –, dass diejenigen, die einen dauerhaften Verbleib im Land des aktuellen Aufenthalts anstreben, die geringsten Rückwanderungsgedanken nach Deutschland hegen(14 Prozent). Im Gegen satz dazu denken diejenigen, die weniger als ein Jahr bleiben wollen, zu 89,2 Prozent über eine Rückkehr nach Deutschland nach. Unter den Befragten, die noch unsicher sind, wie lange sie im aktuellen Land bleiben, erwägt knapp die Hälfte(48,8 Prozent) eine Rückkehr. Der Rückwande rungsgedanke ist zudem unter den wenigen, die in Deutschland auf dem Land oder in einer Kleinstadt gelebt haben, präsenter(47,2 Prozent) als bei jenen, die in einer mittel großen oder Großstadt gelebt haben(37 Prozent). Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund interessant, dass Migration häufig in urbane Gegenden stattfindet(Oltmer 2021). Je länger die Abwanderung aus Deutschland zurückliegt, desto präsenter ist der Rückwanderungsgedanke Betrachtet man die Antworten im Hinblick auf den Zeitpunkt der Abwanderung aus Deutschland, wird deutlich: Je länger die Abwanderung zurückliegt, desto eher spielen die Personen mit dem Gedanken zurückzukehren. Unter den Befragten, die vor 2005 ausgewandert sind, denken 61,8 Prozent über eine Rückkehr nach, bei denen, die zwischen 2005 und 2014 abgewandert sind, sind es noch 54,9 Prozent. Un ter denjenigen, die zwischen 2015 und heute ausgewandert sind, sind es nur noch rund 35 Prozent. Gründe hierfür könnten sein, dass insbesondere jene Personen, die erst vor Kurzem abgewandert sind, die immateriellen und materiellen Kosten einer erneuten Migrationsentscheidung vermeiden möchten. Darüber hinaus ist es denkbar, dass bei länger zurückliegenden Aufenthalten eine positive Verzerrung der Erinnerung auftritt(die sogenannte„rosige Rückschau“). 23 Auch können Erinnerungen im Laufe der Zeit lückenhafter werden(Recall-Bias)(Mitchell et al. 1997; Smith/Tho mas 1997, 2002; Schwarz/Oyserman 2001; Adler/Pansky 2020). Differenziert man nach der Aufenthaltsdauer in Deutschland, wird deutlich, dass insbesondere diejenigen, die weniger als zwei Jahre in Deutschland verbracht haben, häufiger mit dem Gedanken spielen, zurückzukehren(48,2 Prozent). Wie die Analyse zu Abbildung 35 zeigt, gaben viele dieser Personen an, gern länger oder sogar dauerhaft in Deutschland geblieben zu sein. Diese„unfreiwillige“ Abwanderung, 23  Dies zeigt sich auch bei der Analyse der durchschnittlichen Anzahl von Abwanderungsgründen: Personen, deren Aufenthalt in Deutschland bereits längere Zeit zurückliegt, geben weniger Abwanderungsgründe an als jene, deren Abwanderungserinnerungen noch aktueller sind(siehe Abbildung 37). Willkommen zurück? 45 Rückwanderungsgedanke nach Merkmalen der Befragten Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 43 insgesamt 60,5 %(237) 39,5 %(155) Alter 20 – 30 Jahre 31 – 40 Jahre 41 – 50 Jahre 51 – 60 Jahre älter als 60 Jahre 60,4 %(32) 66,3 %(106) 56,3 %(58) 56,3 %(27) 51,9 %(14) 39,6 %(21) 33,8 %(54) 43,7 %(45) 43,8 %(21) 48,1 %(13) Beziehungsstatus Herkunftsregionen nicht verpartnert verheiratet/ in Leb 2 e 0 n  – s  3 p 0 ar J t a n h e r r e schaft 22,04 EU 11 EU 15 Europa(nicht-EU) Asien und Ozeanien Süd- und Mittelamerika Nordafrika und Naher Osten Staatsbürgerschaft eines EU-Mitgliedstaates Drittstaatsbürgerschaft deutsche Staatsbürgerschaft (durch Einbürgerung) Herkunftsland anderes Land 51,5 %(53) 64,5 %(165) 69,5 %(57) 63,2 %(48) 58,7 %(61) 55,6 %(25) 45,2 %(19) 77,8 %(21) 66,7 %(96) 55,2 %(107) 65,3 %(32) 55,6  %(150) 71,3 %(87) 48,5 %(50) 35,5 %(91) 22,04 30,5 %(25) 36,8 %(28) 41,3 %(43) 44,4 %(20) 54,8 %(23) 22,2 %(6) 33,3 %(48) 44,8 %(87) 34,7 %(17) 44,4 %(120) 28,7 %(35) schaft aktuelles Staatsbürgerhaltsland AufentZukunft im aktuellen Land höchstens noch ein Jahr 10,8  %(4) noch einige Jahre für immer weiß ich noch nicht 89,2 %(33) 58,5 %(31) 86,0 %(117) 51,2 %(85) 41,5 %(22) 14,0 %(19) 48,8 %(81) Wohnor t in D Großstadt und mittelgroße Stadt Kleinstadt auf dem Land 63,0 %(206) 50,8 % (30) 37,0 %(121) 49,2 %(29) Jahr der Abwanderung aus D 2020 – 2024 2015 – 2019 2010 – 2014 2005 – 2009 vor 2005 65,6 %(158) 64,6 %(42) 43,3 %(13) 47,6 %(10) 38,2 %(13) 34,4 %(83) 35,4 %(23) 56,7 %(17) 52,4 %(11) 61,8 %(21) Aufenthaltsdauer in D mehr als fünf Jahre 61,9 %(109) 38,1 %(67) unter zwei Jahren 51,8 %(57) 48,2 %(53) zwischen zwei und fünf Jahren 68,3 %(71) 31,7 %(33) Freiwilligkeit der Abwanderung kein Wunsch nach längerem Verbleib in Deutschland Wunsch, für immer in Deutschland zu bleiben Wunsch, länger in Deutschland zu bleiben 30,7 %(27) 44,9 %(61) 0 % 20 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 88,7 %(149) 69,3 %(61) 55,1 %(75) 40 % 60 % kein Rückwanderungsgedanke 80 % 100 % Rückwanderungsgedanke 46 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. die etwa durch externe Faktoren wie aufenthaltsrechtliche Bestimmungen oder studienbedingte Einschränkungen bedingt war, erklärt, warum sie eher den Gedanken hegen zurückzukehren. Personen, die hingegen zwischen zwei und fünf Jahren in Deutschland verbracht haben, haben möglicherweise auch mehr negative Erfahrungen in Deutschland gemacht, etwa auf dem Arbeitsmarkt. Entsprechend sind auch ihre Rückwanderungsgedanken weniger ausgeprägt. Insgesamt zeigt sich, dass der Rückwanderungsgedanke bei 39,5 Prozent der Befragten präsent ist, wobei verschiedene Merkmale wie Alter, Herkunftsregion und die Freiwilligkeit der Abwanderung deutliche Unterschiede aufzeigen. Besonders stark ausgeprägt ist der Gedanke einer Rückkehr bei älteren Befragten und bei jenen, die nicht in einer Partnerschaft leben, sowie jenen, die länger als zehn Jahre im Ausland leben. Auch die Aufenthaltsdauer im aktuellen Zielland beeinflusst die Rückkehrabsichten: Wer nur kurz bleiben möchte oder unsicher ist, erwägt häufiger eine Rückkehr nach Deutschland. Zudem zeigt sich, dass Personen, die aus äußeren Gründen„unfreiwillig“ abgewandert sind, etwa aufgrund von aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen oder befristeten Studienaufenthalten, eher eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht ziehen. 3.3.2 Rückwanderungsgedanke nach Abwanderungsgründen Differenziert man die Rückwanderungsabsicht der Befragten nach dem Hauptanlass der Abwanderung aus Deutschland, zeigt sich, dass insbesondere jene, die aufgrund aufenthaltsrechtlicher Gründe Deutschland verlassen haben, einen Rückwanderungsgedanken haben(70,8 Prozent). Am geringsten ausgeprägt ist der Rückwanderungsgedanke hingegen unter jenen, die aus familiären Gründen aus Deutschland abgewandert sind(32,5 Prozent)(ohne Abbil dung). Die Teilnehmenden, die mit einem Rückwanderungsgedanken spielen, wurden auch gefragt, was der Anlass für eine Rückwanderung nach Deutschland ist/wäre. Vergleicht man diesen Rückwanderungsanlass mit dem ursprünglichen Anlass, der zur Abwanderung geführt hat(siehe Abbildung 44), zeigt sich, dass viele Befragte, die Deutschland für ein Jobangebot verlassen haben, für ein Jobangebot auch wieder zurückkehren würden. Zusammenhang zwischen Abwanderungs- und Rückwanderungsanlass * nur Personen, die Rückwanderungsgedanken haben; Angaben in absoluten Zahlen** Abwanderungsanlass Jobang J e ob b an o g t e ' bot 29 (27) Arbeitspla A t r z be s it u sp c la h tz e su ' che 8 (12) Studiu St m udi ' um 9 (9) Familiäre fa G m r il ü iär n e d Gr e ün ' de 20 (20) Persönl. V pe e rs r ö ä nli n ch d e e Ve r r u än n de g ru ' ng 7 (7) Aufenthalts au r f e en c th h a t lt l s . re G cht r li ü ch n e d Gr e ün ' de 13 (14) anderer a G nd r e u re n r G d ru ' nd 40 (40) Abb. 44 Rüclwanderungsanlass Jo J ba o n b ge a bo n t gebot (4 4 1) 1 Ar A be r it b sp e la i t t z s su p ch la e tzsuche (1 1 8) 8 St S ud t iu u m dium (1 1 1) 0 fa F m a iliä m re i G li r ä ün r d e e Gründe (1 1 8) 9 pe P rsö e n r li s ch ö e n Ve l r i ä c n h de e run V g eränderung (1 1 3) 5 an a d n ere d r e Gr r u e nd r Grund (2 2 8) 3 Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Links Abwanderungsanlass, rechts Rückwanderungsanlass ** Nur die meistgenannten Ab- und Rückwanderungsanlässe werden hier aufgeführt Willkommen zurück? 47 Unzufriedenheit mit dem Bildungs-, Sozial und Gesundheitssystem hemmt die Rückwanderungsbereitschaft nach Deutschland am stärksten Betrachtet man die Gründe für die Abwanderung, die in Deutschland selbst liegen(Push-Faktoren), zeigt sich, dass der Rückwanderungsgedanke am geringsten ausgeprägt ist bei denjenigen, die als Abwanderungsgrund das als schlecht bewertete Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitssystem angeben(Rückwanderungsgedanke: 13 Prozent). Auch in den offen gestellten Fragen mit freiem Antworttext wird das deutsche Bildungssystem als schlecht, veraltet und schwer zugänglich beschrieben. Außerdem berichten einige Personen von Diskriminierungserfahrungen im Bildungssystem. Das Gesundheits-, Pflege- und Sozialsystem wurde von den Befragten ebenfalls häufig als eine negative Eigenschaft Deutschlands genannt. So schreiben beispielsweise zwei Personen: „Das Gesundheitswesen ist katastrophal schlecht, wenn du nichts tun willst, komm nach Deutschland und werde Allgemeinmediziner. Sie empfangen dich, untersuchen dich, verschreiben Ibuprofen oder Paracetamol und schicken dich nach Hause.“ Person aus Kroatien „Die Qualität der Gesundheitsfürsorge für Kinder und der Bildung ist schlecht und veraltet, obwohl sie durch Sozialabgaben unterstützt wird, in die ich eingezahlt habe.“ Person aus Pakistan Wenig präsent ist der Rückwanderungsgedanke auch unter jenen, die die Unzufriedenheit mit der politischen und gesellschaftlichen Situation(18,2 Prozent) als Abwanderungs grund genannt haben sowie das Gefühl, sich in Deutschland nicht heimisch oder willkommen gefühlt zu haben(22,4 Prozent)(siehe Abbildung 45). In Bezug auf die Unzufriedenheit mit der politischen und gesellschaftlichen Situation wird durch die offenen Antworten deutlich, dass es unter den Befragten einerseits Stimmen gibt, die die deutsche Politik für zu liberal halten: „Die Innen- und Außenpolitik der Europäischen Union gibt mir und auch meinen Kindern kein sicheres Gefühl. Aufzwingen einer bestimmten Ideologie und Denkweise, auch bei Kindern(z. B. sexueller Stress). Die Politik der Grünen stürzt Europa, insbesondere Deutschland, in den Abgrund.“ Person aus Marokko „Kümmere dich um die nationalen Interessen des Landes. Gib die Familienwerte zurück. Beseitigung die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten.“ Person aus Lettland Im Zuge dessen wird auch die deutsche Zuwanderungspolitik der vergangenen Jahre von den Befragten kritisch betrachtet – insbesondere in Bezug auf die Migration aus Fluchtherkunftsländern. Einige Befragte äußern die Ansicht, dass die Zuwanderungspolitik Deutschlands nicht immer die richtigen Schwerpunkte setzt. Andererseits drücken einige Befragte, wie bereits in Kapitel 3.2.1 beschrieben, ihre Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung in Deutschland aus. Explizit zeigt sich auch in den folgenden Antworten eine Sorge vor einer Zunahme restriktiver Politik, dem Aufstieg rechter Parteien in Deutschland und Europa und eine Kritik an der Außenpolitik Deutschlands, insbesondere in Bezug auf den Konflikt zwischen Israel und Palästina: „Die Isolation und der Mangel an Empathie nach Gaza machten die Wut und den Groll gegen Deutschland und die Deutschen unumkehrbar.[…] Es ist noch zu früh, um den Aufstieg der Rechten in Europa und Gaza als klare Gründe zu nennen, aber ich bin sicher, dass dies in den kommenden Jahren der Fall sein wird. Die aktuelle deutsche Politik hat sie den Verlust von hoch qualifizierten Migranten gekostet, sei es jetzt oder wann immer sie die Chance dazu haben.“ Person aus Ägypten Eine Person schreibt im Bezug darauf, warum auch andere Länder(in diesem Fall: Irland, Österreich und die Schweiz) für eine Weiterwanderung attraktiv sein könnten: „Sie sind militärisch neutral und geben keine Tugendsignale über Menschenrechtsverletzungen, wie es Deutschland tut. Sie verwenden meine Steuern nicht, um den Krieg anderer zu finanzieren und Menschenleben zu zerstören. Sie fordern andere Länder nicht auf, sich an die ,Rechtsstaatlichkeit‘ zu halten, während sie gegen ihre eigenen verfassungsmäßigen Bestimmungen verstoßen, keine Waffen in aktive Kriegsgebiete zu liefern.“ Person aus Indien Am stärksten ausgeprägt ist der Rückwanderungsgedanke bei denjenigen, die angeben, dass keiner der genannten Gründe für ihre Abwanderung ausschlaggebend war(60 Prozent). Das deutet darauf hin, dass die Gründe für die Abwanderung bei diesen Personen weniger in Deutschland als vielmehr im Zielland lagen. Darauf folgen diejenigen, die Deutschland aus aufenthaltsrechtlichen Gründen(53,5 Prozent) oder wegen Arbeitslosigkeit(43,6 Prozent) verlas sen haben(siehe Abbildung 45). Differenziert man nach den Faktoren, die bei der Abwanderung für das jeweilige Zielland sprachen(Pull-Faktoren) (siehe Abbildung 46), wird deutlich, dass insbesondere die Befragten, die angaben, dass keiner der genannten Gründe für eine Abwanderung in das jeweilige Zielland sprach, über eine Rückkehr nach Deutschland nachdenken(67,4 Prozent). Es folgen die Abwanderungsmotive„Pflege oder Betreuung von Angehörigen“ und„räumliche Nähe zum Herkunftsland“: 39,9 Prozent bzw. 33,3 Prozent der Befragten, die diese Gründe nannten, erwägen eine Rückkehr nach Deutschland. Am wenigsten ausgeprägt ist der Rückwanderungsgedanke bei denjenigen, die die Achtung der Menschenrechte sowie die politische und soziale Situation im neuen Zielland als Gründe für ihre Abwanderung anführten (siehe Abbildung 46). Betrachtet man an dieser Stelle noch einmal die durchschnittliche Anzahl der genannten Abwanderungsgründe, 48 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Rückwanderungsgedanke nach Abwanderungsfaktoren in Deutschland Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 45 nicht zu Hause/wohlgefühlt Unzufriedenheit mit Sozialleben Gefühl, nicht willkommen zu sein Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen Unzufriedenheit mit politischer/ gesellschaftlicher Situation hohe Lebenshaltungskosten/Steuern Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen/Bezahlung schlechte Karrieremöglichkeiten Arbeitslosigkeit schlechtes Bildungs, Sozial- und Gesundheitssystem aufenthaltsrechtliche Gründe Probleme bei der Anerkennung von Qualifikationen Schwierigkeiten, deutsche Sprache zu lernen Wunsch nach persönlicher Veränderung Familiennachzug nach Deutschland hat nicht geklappt war so geplant nichts davon 80,1 %(121) 74,8 %(92) 77,6 %(83) 75,3 %(70) 81,8 %(72) 72,6  %(77) 71,8 %(61) 60,5 %(46) 56,4 %(22) 87,0 %(40) 46,5 %(20) 58,1 %(18) 73,4 %(47) 64,1 %(41) 57,9 %(11) 57,1 %(24) 40,0 %(20) 19,9 %(30) 25,2 %(31) 22,4 %(24) 24,7 %(23) 18,2 %(16) 27,4 %(29) 28,2 %(24) 39,5 %(30) 43,6 %(17) 13,0 %(6) 53,5 %(23) 41,9 %(13) 26,6 %(17) 35,9 %(23) 42,1 %(8) 42,9 %(18) 60,0 %(30) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. kein Rückwanderungsgedanke Rückwanderungsgedanke so wird deutlich, dass insbesondere bei denjenigen, die keine Rückwanderungsgedanken hegen, bei ihrer Abwanderung im Schnitt mehr Gründe gegen Deutschland(3,7) und für das jeweilige Zielland sprachen(4,4), als bei jenen, die eine Rückwanderung erwägen(im Schnitt sprachen 2,3 Gründe gegen Deutschland bzw. 2,5 Gründe für das Zielland) (ohne Abbildung). Zusammenfassend zeigen sich deutliche Unterschiede in der Rückwanderungserwägung abhängig von den Gründen, die für eine Abwanderung aus Deutschland sprachen. Personen, die aufgrund aufenthaltsrechtlicher Einschränkungen oder Arbeitslosigkeit Deutschland verlassen haben, hegen am ehesten die Absicht zurückzukehren. Am geringsten ist diese Bereitschaft hingegen bei Personen, die aus familiären Gründen in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt sind. Besonders ausgeprägt ist die Ablehnung einer Rückwanderung bei Personen, die aufgrund ihrer Unzufriedenheit mit dem Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitssystem abgewandert sind. Dies gilt ebenso für jene, die die politische und gesellschaftliche Lage in Deutschland als problematisch empfanden oder sich nicht willkommen fühlten. Erfahrungen von Rassismus und Diskriminierung verstärken die Ablehnung einer Rückkehr erheblich. Willkommen zurück? 49 Rückwanderungsgedanke nach Abwanderungsfaktoren im Zielland Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 46 gute Chancen, Arbeit zu finden gute Karrieremöglichkeiten gute Arbeitsbedingungen/Bezahlung politische und gesellschaftliche Situation Achtung der Menschenrechte gute Lebensqualität/Lebensstandards gutes Bildungs-, Sozial- und Gesungheitssystem Gefühl, willkommen zu sein sich wohl-/zuhause zu fühlen Interesse am Land/der Kultur Nähe zu Familie/Freund_innen geografische Nähe zum Heimatland Pflege/Betreuung von Angehörigen Nähe zur eigenen Kultur/Religion Kenntnisse der Landessprache nichts davon 0 % 68,9 %(82) 70,8 %(80) 80,4 %(78) 87,8  %(36) 92,9 %(26) 80,2 %(93) 78,3 %(47) 79,0 %(124) 76,4 %(133) 75,0 %(27) 67,5 %(108) 66,7 %(10) 60,7 %(34) 72,7 %(72) 80,9 %(38) 32,6 %(15) 20 % 40 % 31,1 %(37) 29,2 %(33) 19,6 %(19) 12,2 %(5) 19,8 %(23) 21,7 %(13) 21,0 %(33) 23,6 %(41) 25,0 %(9) 32,5 %(52) 33,3 %(5) 39,3 %(22) 27,3 %(27) 19,1 %(9) 67,4 %(31) 60 % 80 % 100 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. kein Rückwanderungsgedanke Rückwanderungsgedanke 3.3.3 Rückwanderungsgedanke nach Zufriedenheit in Deutschland bzw. im jetzigen Aufenthaltsland Die Daten des SVR-Integrationsbarometer 2024 zeigen, dass Zugewanderte, die eine geringe Lebenszufriedenheit in Deutschland haben, häufiger eine Abwanderung aus Deutschland in Betracht ziehen als jene, die zufrieden sind (Sachverständigenrat für Integration und Migration(SVR) 2024: 33). Unsere Studie verdeutlicht, dass eine Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland auch darüber hinauswirkt und die Wahrscheinlichkeit einer späteren Rückkehr nach Deutschland nach erfolgter Abwanderung verringert. Verbundenheit mit Deutschland als Faktor für Rückkehrüberlegungen Die Ergebnisse der standardisierten Befragung zeigen deutlich, dass sich die Befragten, die eine Rückkehr nach Deutschland in Erwägung ziehen, in ihrer Wahrnehmung der Lebenssituation sowohl in Deutschland als auch im aktuellen Aufenthaltsland erheblich von denjenigen unterscheiden, die eine Rückkehr ablehnen. Mehr als die Hälfte der Befragten, die keine Rückkehr nach Deutschland in Erwägung ziehen, gaben an, mit ihrem Sozialleben in Deutschland entweder gar nicht oder nur wenig zufrieden gewesen zu sein. Bei denjenigen, die mit dem Gedanken einer Rückkehr spielen, liegt dieser Anteil jedoch bei nur etwa 28 Prozent (siehe Abbildung 47). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen fällt bei der Arbeitszufriedenheit hingegen weniger deutlich aus: 29,7 Prozent derjenigen, die keine Rückkehr pläne hegen, waren mit ihrem Arbeitsleben in Deutschland unzufrieden, während bei den Rückkehrinteressierten dieser Anteil nur um etwa zwei Prozentpunkte niedriger liegt (27,4 Prozent)(siehe Abbildung 49). Die beiden Gruppen – Befragte mit bzw. ohne Rückwanderungsgedanken – unterscheiden sich sehr deutlich in ihrer Verbundenheit zu Deutschland. Rund Zweidrittel der Befragten mit Rückwanderungsgedanke fühlen sich mit Deutschland(sehr) verbunden. Bei jenen ohne Rückwanderungsgedanke sind es nur 27,8 Prozent(siehe Abbildung 48). Es scheint, dass die gefühlte Verbundenheit zu Deutschland von den Befragten stärker durch soziale als wirtschaftliche Aspekte geprägt ist. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Antworten zur Verbundenheit mit Deutschland mit den Angaben zur Zufriedenheit mit dem sozialen Leben in Deutschland vergleicht. Befragte, die mit ihrem Sozialleben in Deutschland zufrieden waren, fühlen sich auch stärker mit Deutschland verbunden. Der Zusammenhang zwischen gefühlter Verbundenheit und der Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben in Deutschland ist hingegen weniger deutlich. Ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Zufriedenheit und gefühlter Verbundenheit mit Deutschland deutet darauf hin, dass Faktoren wie familiäre Beziehun50 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Zufriedenheit mit dem Sozialleben in Deutschland nach Rückwanderungsgedanke Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Rückwanderungsgedanke (12) 7,8 % 19,6 % (30) 21,6 % (33) kein Rückwanderungsgedanke 25,3 % (60) 25,7 % (61) 0 % 20 % 40 % 1= gar nicht zufrieden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 24,8 % (38) 17,7 % (42) 60 % 2 3 Abb. 47 26,1 % (40) 21,1 % (50) 10,1 % (24) 80 % 100 % 4 5= sehr zufrieden Verbundenheit mit Deutschland nach Rückwanderungsgedanke * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 48 kein Rückwanderungsgedanke 30,0 % (71) 19,4 % (46) 22,8 % (54) 17,7 % (42) 10,1 % (24) Rückwanderungsgedanke 8,4 % (13) 0 % 22,6 % (35) 31,0 % (48) 20 % 40 % 1= gar nicht verbunden 60 % 2 3 34,8 % (54) 80 % 100 % 4 5= sehr verbunden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Wie stark fühlen Sie sich Deutschland verbunden?“ gen, Freundschaften und das gesellschaftliche Umfeld eine zentrale Rolle bei der Bewertung spielen könnten. Menschen mit einer starken sozialen Einbindung fühlen sich offenbar auch stärker mit Deutschland verbunden, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation. Unzufriedenheit mit aktuellem Sozial- und Arbeitsleben motiviert zu Rückkehr nach Deutschland Umgekehrt zeigen die Ergebnisse auch, dass Befragte, die mit ihrem Sozialleben im aktuellen Aufenthaltsland(sehr) zufrieden sind, seltener über eine Rückkehr nach Deutschland nachdenken. Das gleiche Muster lässt sich bei der Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben beobachten: Personen, die mit ihrem aktuellen Arbeitsleben unzufrieden sind, hegen deutlich häufiger Rückwanderungsgedanken als diejenigen, die zufrieden sind(ohne Abbildung). Im Gegensatz dazu sind die Unterschiede in Bezug auf die Zufriedenheit mit dem früheren Arbeitsleben in Deutschland weniger ausgeprägt(Abbildung 49). Dies deutet darauf hin, dass eine frühere hohe Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben in Deutschland keinen besonders starken Pull-Faktor für eine Rückwanderung darstellt. Vielmehr scheint die Unzufriedenheit im Arbeitsleben des aktuellen Aufenthaltslandes ein wesentlich stärkerer Push-Faktor zu sein. Mit anderen Worten: Der Wunsch nach Veränderung wird eher durch aktuell negative Erfahrungen im Aufenthaltsland als durch vormalige positive Erinnerungen an Deutschland motiviert. Das Unterkapitel zeigt, dass diejenigen, die eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht ziehen, mit ihrer Arbeit und ihrem Sozialleben in Deutschland zufriedener waren als jene, die dies nicht sind. Gleichzeitig hegen Befragte, die in Bezug auf ihr aktuelles Sozial- und Arbeitsleben unzufrieden sind, eher eine Bereitschaft zurückzukehren. Willkommen zurück? 51 Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben in Deutschland nach Rückwanderungsgdanke Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 49 kein Rückwanderungsgedanke 14,1 % (28) 15,6 % (31) 30,2 % (60) Rückwanderungsgedanke 19,0 % (25) 20,7 % (25) 0 % 20 % 40 % 1= gar nicht zufrieden Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 23,6 % (47) 16,6 % (33) 30,6 % (37) 60 % 2 3 22,3 % (27) 80 % 100 % 4 5= sehr zufrieden 3.3.4 Rückwanderungsgründe,-pläne,-vorbereitungen,-bedarfe Jene Personen, die angegeben haben, mit dem Gedanken einer Rückkehr nach Deutschland zu spielen, wurden in einem weiteren Frageblock nach ihren genaueren Plänen gefragt. Dabei ging es u. a. um die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr, deren zeitlichen Rahmen, Vorbereitungen und Unterstützungsbedarfe. Die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr nach Deutschland bietet eine weitere Möglichkeit, neben der Frage nach Migrationswunsch und Migrationserwägung, die tatsächlichen Migrationsbestrebungen genauer einzugrenzen. Nur 24 Prozent der Befragten halten es für(sehr) wahrscheinlich, dass sie innerhalb der nächsten zwölf Monate nach Deutschland zurückkehren würden. Mehr als die Hälfte hingegen hält es für(sehr) unwahrscheinlich. 43,7 Prozent der Personen mit Rückwanderungsgedanken geben zudem an, sie wüssten noch nicht, wie lange sie in Deutschland bleiben wollen. 21,8 Prozent möchten für immer bleiben, 19 Prozent für mehr als fünf Jahre(siehe Abbildung 51). Ein Großteil der Befragten(41,9 Prozent) würde außer dem mit Partner_in nach Deutschland ziehen, 29,1 Prozent mit Kindern, 35,1 Prozent hingegen allein(siehe Abbildung 52). Wahrscheinlichkeit der Rückwanderung in den nächsten zwölf Monaten * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 50 Wahrscheinlichkeit der Rückwanderung in den nächsten zwölf Monaten 36,6 % (52) 16,2 % (23) 23,2 % (33) 9,2 % (13) 14,8 % (21) 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % 1= gar nicht wahrscheinlich 2 3 4 5= sehr wahrscheinlich Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie innerhalb der nächsten zwölf Monate nach Deutschland ziehen?“ Dauer der Rückkehr nach Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 51 Dauer der Rückkehr nach Deutschland 43,7 % (62) weiß ich noch nicht 0 % 20 % für immer mehr als fünf Jahre 21,8 % (31) 19,0 % (27) 40 % zwei bis fünf Jahre 60 % ein bis zwei Jahre 80 % 100 % weiniger als ein Jahr Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Wie lange planen Sie in Deutschland zu bleiben?“ 52 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Rückwanderung nach Familienstand * Mehrfachauswahl möglich, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 52 mit Partner_in alleine mit Kindern mit anderen Familienmitgliedern weiß ich noch nicht 0 % 4,7 %(7) 10,1 %(15) 10 % 20 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. 41,9 %(62) 35,1 %(52) 29,1  %(43) 30 % 40 % 50 % * Antwort auf die Frage:„Beabsichtigen Sie, allein oder mit Familienmitgliedern nach Deutschland zu ziehen?“ Auf die Frage, welche Vorbereitungen die Befragten bereits für eine Rückkehr nach Deutschland getroffen haben, geben 60,1 Prozent an, noch keine konkreten Schritte unternommen zu haben. Von den verbleibenden knapp 40 Prozent der Personen mit Rückwanderungsgedanken haben die meisten entweder Familie, Bekannte oder Freund_innen in Deutschland kontaktiert oder Informationen zur Zuwanderung nach Deutschland eingeholt(jeweils 14,9 Prozent). Nur wenige haben bereits einen Job, einen Studienplatz oder eine Ausbildungsstelle gefunden, ebenso wie eine Unterkunft(siehe Abbildung 53). Auf die Frage, was der Anlass einer Rückwanderung nach Deutschland ist oder wäre, geben 28,1 Prozent der Befragten an, dass ein Jobangebot ein Anlass wäre. 13 Prozent geben familiäre Gründe an. 12,3 Prozent würden für die Arbeits platzsuche nach Deutschland zurückkehren. Auf die Frage, wo sich die Personen mehr Unterstützung/ Informationen wünschen, um ihre Rückwanderung zu realisieren, nennt ein Großteil die Arbeitssuche in Deutschland (46,7 Prozent). Aber auch bei der Wohnungssuche(30,8 Prozent) und beim Erlernen der deutschen Sprache(22,5 Prozent) wird Unterstützung benötigt. 20 Prozent haben Unterstützungsbedarf bei der Finanzierung ihres Aufenthaltes. Diese Unterstützungsbedarfe machen sich auch in den Freitexten der Umfrage bemerkbar. Eine befragte Person aus der Türkei beschreibt beispielsweise die finanziellen Hürden, die eine Rückkehr nach Deutschland erschweren: „Der einzige Grund, warum wir jetzt nicht als Familie auswandern können, ist die Notwendigkeit, Geld auf einem Sperrkonto zu haben. Diesen Betrag als gesperrt einzuzahGetroffene Vorbereitungen für Rückwanderung nach Deutschland * Mehrfachauswahl möglich, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 53 ich habe noch keine konkreten Schritte unternommen ich habe Familie/Bekannte/Freund_innen in Deutschland kontaktiert ich habe Infos über die Zuwanderung nach Deutschland gesammelt ich suche nach einem Job/ Studienplatz/Sprachkurs 14,9 %(22) 14,9 %(22) 11,5 %(17) 60,1 %(89) ich lerne gerade Deutsch 10,1 %(15) ich habe bereits einen Job/Studienplatz/eine Ausbildung... gefunden ich habe bereits eine Wohnung/Unterkunft ich bereite meine Dokument für die Einwanderung nach Deutschland vor ich habe bereits ein Visum beantragt ich suche gerade nach einer Wohnung/Unterkunft 6,1 %(9) 4,1 %(6) 3,4 %(5) 2,7 %(4) 2,0 %(3) 0 % 10 % 20 % 30 % 50 % 60 % 40 % 70 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Welche der folgenden Vorbereitungen haben Sie bereits getroffen, um nach Deutschland zu ziehen?“ Willkommen zurück? 53 Hauptanlass einer Rückwanderung nach Deutschland * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 54 Jobangebot familiäre Gründe/Partnerschaft/ Familiennachzug Arbeitsplatzsuche Wunsch nach persönlicher Veränderung/Auslandserfahrung Studium/Ausbildung/Praktikum Unternehmensgründung/ Selbstständigkeit Verbesserung der Sprache/ Sprachkurs Flucht 13,0 %(19) 12,3 %(18) 10,3  %(15) 6,8 %(10) 6,2 %(9) 2,7 %(4) 1,4 %(2) aufenthaltsrechtliche Gründe 1,4 %(2) anderer Grund 17,8 %(26) 0 % 5 % 10 % 15 % 20 % 25 % 28,1 %(41) 30 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Was ist der Hauptgrund für eine Rückkehr nach Deutschland?“ Bedarf an weiterer Unterstützung/Informationen * Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Abb. 55 meine Arbeitssuche in Deutschland 46,7 %(56) die Wohnungssuche 30,8 %(37) Erlernen der deutschen Sprache 22,5 %(27) die Finanzierung meines Aufenthalts 20,0 %(24) aufenthaltsrechtliche Fragen 16,7 %(20) Anerkennung von Qualifikationen die Arbeitssuche meines Partners/ meiner Partnerin Integration meiner Kinder in die Schule/ den Kindergarten Familiennachzug 15,8 %(19) 14,2 %(17) 13,3 %(16) 11,7%(14) Arbeitsrecht in Deutschland ich benötige keine weiteren Informationen/Unterstützung 0 % 10,0 %(12) 20,0 %(24) 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Wobei würden Sie sich mehr Informationen/Unterstützung wünschen?“ len, bringt uns in Schwierigkeiten. Wenn wir es so ausgeben können, wie wir es wollen, kann ich dort nur ein Leben für meine Familie aufbauen. Ich wünschte, Sie würden sich mit diesem Thema befassen.“ Person aus der Türkei 20 Prozent der Befragten geben jedoch auch an, dass sie keine weitere Unterstützung benötigen(siehe Abbildung 55). Die meisten der Befragten mit Rückwanderungsgedanken informieren sich bei Freund_innen und Bekannten in Deutschland über eine erneute Zuwanderung nach Deutschland, gefolgt von offiziellen Webseiten der deutschen Regierung wie„Make it in Germany“ und sozialen Medien (29,2 Prozent)(siehe Abbildung 56). Insgesamt haben nur wenige unserer Befragten konkrete Pläne für ihre Rückkehr nach Deutschland. Unter den Befragten, die den Gedanken geäußert haben, nach Deutschland zurückzukehren, gehen nur die wenigsten davon aus, diese hypothetischen Pläne auch in den nächsten zwölf 54 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Meist genutzte Informationsquellen * Mehrfachauswahl möglich, Angaben in Prozent, absolute Zahlen in Klammern Freund_innen und Bekannte in Deutschland offizielle Webseiten der deutschen Regierung soziale Medien deutsche Auslandsvertretung offizielle Webseite der Bundesagentur für Arbeit/Jobcenter Freund_innen und Bekannte im Ausland Informationen von NGOs Deutschkurse und Institute im aktuellen Aufenthaltsland nichts davon 0 % 14,6 %(21) 12,5 %(18) 11,8 %(17) 6,9 %(10) 6,3  %(9) 16,7 %(24) 10 % 20 % 29,2 %(42) 30 % 40 % 51,4 %(74) 44,4 %(64) 50 % 60 % Abb. 56 Quelle: Eigene Berechnungen und Darstellung nach Umfrage 2024© Minor. * Antwort auf die Frage:„Welche drei Informationsquellen haben Sie am meisten genutzt, um Informationen über Ihre Einwanderung nach Deutschland zu erhalten?“ Monaten in die Tat umzusetzen. Fast die Hälfte kann keine Angabe dazu machen, für wie lange sie zurückkehren würden; die meisten haben außerdem noch keine konkreten Vorbereitungen für die Rückkehr getroffen. Es ist außerdem deutlich, dass berufliche Möglichkeiten der größte Anreiz für eine Rückkehr wären, also auch hier dieser Faktor zentral ist. Dies zeigt sich auch im Unterstützungsbedarf – die meisten Befragten wünschen sich mehr Unterstützung bei der Arbeitssuche, aber Unterstützungsbedarf besteht auch bei der Wohnungssuche, dem Spracherwerb und der Finanzierung des Aufenthaltes. Für die Information über die mögliche Rückkehr spielen soziale Kontakte die wichtigste Rolle, was abermals die Zentralität von persönlichen Beziehungen bei Migrationsentscheidungen unterstreicht. Willkommen zurück? 55 4. Einordnung der Ergebnisse und Handlungsansätze 4.1 Die wichtigsten Ergebnisse zu Ab- und Rückwanderung Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen, dass die Abwanderung und mögliche Rückkehr von Zugewanderten nach Deutschland eng mit ihrer Lebenszufriedenheit, sozialen Integration und Wahrnehmung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in Deutschland wie im aktuellen Aufenthaltsland verbunden sind. Während wirtschaftliche Faktoren wie Arbeitsmarktchancen oder finanzielle Stabilität eine wichtige Rolle spielen, zeigen die Daten, dass die Abwanderungsentscheidung und die Rückkehrbereitschaft der Befragten insbesondere im Zusammenhang mit sozialen Aspekten – etwa dem Gefühl der Zugehörigkeit, der Zufriedenheit mit dem sozialen Umfeld und der Willkommenskultur – verstanden werden müssen. Berufliche und wirtschaftliche Faktoren – insbesondere Karriere- und Ausbildungsmöglichkeiten sowie finanzielle Sicherheit – sind zentrale Beweggründe für die Zuwanderung nach Deutschland. Demgegenüber treten psychosoziale Gründe zunächst in den Hintergrund, gewinnen jedoch im Verlauf des Aufenthalts sowie bei Abwanderungsentscheidungen zunehmend an Bedeutung. Besonders auffällig ist, dass soziale Faktoren wie die Integration in die Gesellschaft, das Knüpfen von Kontakten und die allgemeine Zufriedenheit mit dem Sozialleben maßgeblich zur Bewertung des Aufenthalts beitragen. Viele Befragte empfinden soziale Isolation und mangelnde Anschlussmöglichkeiten als große Herausforderungen, die sich später häufig auch in Abwanderungsentscheidungen widerspiegeln. Abwanderungsgründe erweisen sich dabei als komplex und vielschichtig. Als die wichtigsten Abwanderungsanlässe werden Jobangebote im Ausland sowie familiäre Gründe genannt. Im Gegensatz zu den Zuwanderungen, die häufig an konkrete Anlässe gebunden sind, sind Abwanderungen jedoch deutlich weniger anlassbezogen. Stattdessen spielen psychosoziale Faktoren eine herausstechende Rolle, warum die Befragten entscheiden, Deutschland zu verlassen: Viele berichten vom Gefühl, sich nicht wohl oder willkommen gefühlt zu haben, und äußern Unzufriedenheit mit ihrem Sozialleben in Deutschland. Finanzielle und berufliche Gründe wie hohe Lebenshaltungskosten und Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen stehen an zweiter Stelle. Auch bei den Pull-Faktoren im Zielland spricht zunächst das Gefühl, willkommen zu sein und sich dort wohlzufühlen, für die Abwanderung aus Deutschland. Ökonomische Gründe wie bessere Arbeitsbedingungen und höhere Lebensqualität folgen auch hier an zweiter Stelle. Die Push-Fakto ren in Deutschland spiegeln sich entsprechend in den PullFaktoren der Zielländer wider. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen zudem deutliche Unterschiede zwischen denjenigen, die nach ihrem Aufenthalt in Deutschland in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind, und jenen, die in ein anderes Zielland weitergezogen sind. Etwa Zweidrittel der Befragten sind in ihr Herkunftsland zurückgekehrt, während das übrige Drittel in ein Drittland weitergezogen ist. Auffällig ist, dass bei einer Abwanderung in ein Drittland der Abwanderungsgrund„sich in Deutschland nicht zu Hause zu fühlen“ zwar nach wie vor die wichtigste Rolle spielt, jedoch auch arbeitsbezogene Gründe – insbesondere Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung in Deutschland – deutlich mehr Gewicht haben als bei der Rückkehr ins Herkunftsland. Im Drittland sind bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Lebensqualität überzeugende Pull-Faktoren für die Abwan derung. Abwanderungsentscheidungen in ein Drittland sind dabei besonders vielschichtig und komplex, was sich darin zeigt, dass hier im Durchschnitt mehr Abwanderungsgründe genannt wurden als bei der Rückkehr ins Herkunftsland. Die Befragten äußern sich insgesamt deutlich zufriedener mit ihrem Sozialleben im neuen Aufenthaltsland als in Deutschland – unabhängig davon, ob sie ins Herkunftsland oder ein Drittland gezogen sind. Dennoch gibt die Mehrheit der Befragten an, dass sie eigentlich gern länger in Deutschland geblieben wäre; dies gilt vor allem für diejeni gen, die weniger als zwei Jahre in Deutschland verbracht haben, mit ihrem Sozialleben in Deutschland zufrieden waren oder aufgrund aufenthaltsrechtlicher Hürden bzw. fehlender beruflicher Perspektiven das Land verlassen haben. Weniger zutreffend ist diese Haltung für jene, die die oben genannten psychosozialen Faktoren als Abwanderungsgrund aufgeführt haben. Trotz der insgesamt hohen Zufriedenheit im neuen Aufenthaltsland sind viele unsicher, wie lange sie im jeweiligen Land bleiben wollen, was ein gewisses Rückwanderungspotenzial offenbart. 39,5 Prozent der Befragten denken über eine Rückkehr nach Deutschland nach. Hierbei spielen bestehende Sprachkenntnisse, die Vertrautheit mit dem System und persönliche Bindungen eine Rolle. Zudem zeigt sich, dass Personen, die eigentlich gern länger geblieben wären, aber etwa aufgrund aufenthaltsrechtlicher Bestimmungen oder befristeter Studienaufenthalte abgewandert sind, eher eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht zie56 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. hen. Dennoch gehen nur die wenigsten davon aus, diese hypothetischen Pläne auch in den nächsten zwölf Monaten in die Tat konkret umzusetzen. Fast die Hälfte kann keine Angabe dazu machen, für wie lange sie zurückkehren würden; die meisten haben außerdem noch keine konkreten Vorbereitungen für die Rückkehr getroffen. Der größte Unterstützungsbedarf bei einer beabsichtigten Rückkehr besteht bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Gleichzeitig sprechen psychosoziale Gründe wie das Empfinden mangelnder Gastfreundschaft, eine unzureichende Willkommenskultur, Erfahrungen von Diskriminierung sowie bürokratische Hindernisse klar gegen eine Rückkehr. Ein wesentliches Ergebnis ist, dass insbesondere Personen, die mit ihrem sozialen Leben in Deutschland unzufrieden waren, deutlich seltener über eine Rückkehr nachdenken. Zur besseren Einordnung der Erkenntnisse ist zudem wichtig zu betonen, dass die hier vorgestellten Ergebnisse zwar wertvolle Einblicke in die Abwanderungsgründe und Erfahrungen von Zugewanderten bieten, die Deutschland wieder verlassen haben. Sie stehen aber unter dem Vorbehalt, dass ihre Erfahrungen nicht repräsentativ für die Gesamtheit der aus Deutschland abgewanderten Personen sind (siehe Kapitel 2.1). Es handelt sich aufgrund des Erhebungs designs nicht um eine repräsentative Stichprobe. Eine mögliche Verzerrung ergibt sich auch aus der Rekrutierungsmethode über soziale Medien, die bestimmte Gruppen bevorzugt anspricht. Darüber hinaus basiert die Befragung auf rückblickenden Berichten der Teilnehmenden, die durch Erinnerungslücken oder veränderte Wahrnehmungen beeinflusst sein könnten. Besonders hervorzuheben ist die überproportionale Beteiligung hoch qualifizierter Personen, de ren Erfahrungen und Motive nicht zwingend die gesamte abgewanderte Population repräsentieren(siehe Kapitel 2.2). Auch stellen die Ergebnisse nur eine Momentaufnahme dar und sind möglicherweise stark durch den aktuellen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Kontext sowohl in Deutschland als auch in den Zielländern geprägt. Angesichts dieser Einschränkungen sollten die Ergebnisse als explorative Einblicke betrachtet werden, die wichtige Denkanstöße liefern, aber nicht ohne Weiteres auf die Gesamtheit der abgewanderten Population übertragen werden können. 4.2 Einordnung der Ergebnisse und Handlungsansätze Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Abwanderungsentscheidungen weit über wirtschaftliche Überlegungen hinausgehen und eng mit sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft sind. Es zeigt sich, dass Deutschland zwar wirtschaftlich attraktiv ist, jedoch Defizite im sozialen Miteinander und in der Willkommenskultur bestehen, die langfristig zur Abwanderung beitragen können. Das wirft wichtige Fragen über die Integrationsfähigkeit und Offenheit der deutschen Gesellschaft auf. Damit liefert die Studie wichtige Erkenntnisse zu den aktuellen Debatten über Abwanderungsdynamiken in Deutschland, die in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft geführt werden. Marcel Fratzscher vom DIW argumentiert beispielsweise, dass die Ursachen für Abwanderungen weniger in der wirtschaftlichen Attraktivität anderer Länder wie den USA oder der Schweiz zu suchen sind. Stattdessen sieht er die Hauptgründe in der aktuellen restriktiven deutschen Migrationspolitik sowie in den zugrunde liegenden gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Diese Faktoren, so Fratzscher, veranlassen Zugewanderte dazu, Deutschland früher zu verlassen und sich nach alternativen Lebensperspektiven im Ausland umzusehen, anstatt Deutschland als dauerhafte Heimat in Betracht zu ziehen. Die sogenannte„Re-Migration“ von Zugewanderten und Personen mit Migrationshintergrund sei somit längst Realität(Fratzscher 2024). Diese Einschätzung wird durch weitere Studien unterstützt. So zeigt eine Untersuchung von Zajak et al.(2024), dass aufgrund des Wahler folgs der AfD und deren restriktiver Agenda ein erheblicher Teil der Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland zumindest hypothetisch über eine Abwanderung nachdenkt. Besorgniserregend ist dabei, dass jede zehnte befragte Person bereits konkrete Abwanderungspläne hat. Dass diese Abwanderungsgedanken, verursacht durch politische und gesellschaftliche Entwicklungen, nicht nur rein hypothetisch bleiben, sondern viele Befragte sie längst in die Realität umsetzen, zeigt die vorliegende Studie deutlich. Die zugrunde liegenden Abwanderungsgründe, wie Unzufriedenheit mit der Willkommenskultur und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, lassen sich als direkte Folge einer immer restriktiveren Haltung gegenüber Zugewanderten und einer politischen Stimmung im Land interpretieren, die von vielen der Befragten als wenig inklusiv wahrgenommen wird. Diese Ergebnisse sollten daher nicht nur im Hinblick auf den wirtschaftlichen Schaden betrachtet werden, den die Abwanderung angesichts des bestehenden Arbeitskräftemangels mit sich bringt, sondern auch im Hinblick darauf, was sie über das soziale Klima und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland aufzeigen. Bei der Abwanderungsentscheidung spielen aber auch die Attraktivität anderer Länder, die häufig als Antithese zu Deutschland wahrgenommen werden, eine Rolle. Das zeigt sich sehr deutlich bei der Zufriedenheit der Befragten hinsichtlich ihres Soziallebens in Deutschland im Vergleich zu ihrem neuen Aufenthaltsland. Egal ob die Befragten ins Herkunftsland oder ein Drittland abgewandert sind, sie äußern sich tendenziell zufriedener mit ihrem sozialen Leben als zuvor in Deutschland, wo häufig von sozialer Isolation und mangelnden Anschlussmöglichkeiten an die deutschsprachige Bevölkerung berichtet wird. Diese Ergebnisse unterstreichen somit die Bedeutung sozialer Teilhabe für das Wohlbefinden von Zugewanderten und lassen sich auch im Kontext der aktuellen Debatte über die Einsamkeit von Personen mit Migrations- und Fluchterfahrungen einordnen (Eckhard/Siegert 2024). Das Einsamkeitsbarometer des BMFSFJ(Schobin et al. 2024) verdeutlicht zum Beispiel, dass Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung eine Willkommen zurück? 57 signifikant höhere Einsamkeitsbelastung haben als Menschen ohne diese Erfahrungen. Die Autor_innen führen dies zurück auf schlechtere Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben, Diskriminierungserfahrungen und erschwerten Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt. Beim letztgenannten Punkt ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Stichprobe dieser Studie überwiegend aus hoch qualifizierten Arbeitskräften besteht, die zum großen Teil in Deutschland eigenen Angaben nach gute Arbeitserfahrungen gesammelt haben. Das verdeutlicht, dass auf eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration 24 nicht automatisch soziale Teilhabe folgt, wie oft angenommen wird. 25 Andere Faktoren, wie beispielsweise eine mangelnde Akzeptanz der Aufnahmegesellschaft, können soziale Teilhabe erheblich behindern. Zudem sind hoch qualifizierte Arbeitskräfte, wie sie durch die Umfrage überwiegend erreicht wurden, auf dem globalen Arbeitsmarkt aufgrund ihrer Qualifikationen deutlich mobiler als z. B. Menschen mit geringeren Qualifikationen oder auch Geflüchtete, die mit aufenthaltsrechtlichen Einschränkungen konfrontiert sind. Hochqualifizierte verfügen häufig über bessere Arbeitschancen, Karrieremöglichkeiten und Einreisebestimmungen in anderen Ländern. Dies erleichtert ihnen potenziell die Entscheidung, in ein anderes Land abzuwandern, wenn die Arbeitsoder Lebensbedingungen im Inland nicht ihren Erwartungen entsprechen. Entsprechend reagieren sie auf Missstände im Aufenthaltsland möglicherweise schneller mit Abwanderung als andere Gruppen an Zugewanderten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Erfahrungen anderer Gruppen aufgrund ihrer fehlenden„Exit-Optionen“ weniger bedeutsam oder problematisch sind. Vielmehr erfordern sie besondere Aufmerksamkeit, da diese Gruppen nicht in gleicher Weise flexibel auf problematische Umstände reagieren können. Die Umfrage hat aufgezeigt, dass Personen, die in Drittländer abgewandert sind, dies häufig aufgrund einer Kombination mehrerer Abwanderungsgründe getan haben. Dabei traten Unzufriedenheit mit sozialen Teilhabemöglichkeiten und den Arbeitsbedingungen, der Bezahlung oder den Karrieremöglichkeiten häufig gemeinsam auf. Berufliche Gründe dürfen daher keineswegs außer Acht gelassen werden. Verschiedene Studien zeigen, dass zugewanderte Personen oftmals deutlich schlechter bezahlt werden als ihre deutschen Kolleg_innen(Spitaleri 2022; Plünnecke 2024) – und das auch bei gleicher Qualifikation und gleichem Anforderungsniveau der Beschäftigung(Dülken/Shibeshi 2024). Besonders schlecht bezahlt werden Arbeitskräfte aus den neuen EU-Mitgliedsländern, vor allem Bulgarien und Rumänien. Diese Zuwanderungsgruppe äußert auch in der vorliegenden Studie eine besonders große Unzufriedenheit mit ihrem Sozialleben in Deutschland, nennt überdurchschnittlich oft die hohen Lebenshaltungskosten als Abwanderungsgrund und zeigt das geringste Rückkehrpotenzial. Dies ist umso alarmierender, als Deutschland in den vergangenen Jahren maßgeblich auf Arbeitskräfte aus dieser Herkunftsregion angewiesen war, um den Bedarf auf dem Arbeitsmarkt zu decken. Problematisch ist dies wirtschaftlich auch, da die abgewanderten Personen ihr negatives Bild von Deutschland häufig in ihre Herkunftsländer oder neue Zielländer tragen, was das Ansehen Deutschlands als attraktives Einwanderungsland nachhaltig beeinträchtigen kann. Trotz der Abwanderungsgründe gibt es auch eine signifikante Anzahl von Menschen, die eine Rückkehr nach Deutschland in Betracht zieht. Dieser Aspekt hat bisher noch nicht die gesellschaftliche und politische Aufmerksamkeit erhalten und bleibt daher ein Nischenthema. Die Rückkehr von Abgewanderten könnte neue Perspektiven und Erfahrungen mit sich bringen, die sowohl für die Gesellschaft, für das soziale Miteinander wie auch den deutschen Arbeitsmarkt von großer Bedeutung sind. Die Ergebnisse dieser Studie liefern konkrete Einblicke in die Realität der Abwanderung und die zukünftigen Pläne der abgewanderten Personen. Sie zeigen deutlich, dass politische und gesellschaftliche Entwicklungen direkte Auswirkungen auf vergangene und zukünftige Migrationsentscheidungen haben, und unterstreichen die Notwendigkeit einer inklusiven und zukunftsorientierten Migrations- und Arbeitsmarktpolitik, um Zugewanderte zu halten bzw. zurückzugewinnen. Die Auseinandersetzung mit Abwanderungsgründen bietet die Chance, strukturelle Herausforderungen in Deutschland kritisch zu hinterfragen. Daraus lassen sich die folgenden Handlungsfelder und-ansätze ableiten. Handlungsfeld 1: Abwanderungsprävention Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass viele Zugewanderte Deutschland selbst nach jahrelangem Aufenthalt aufgrund unzureichender beruflicher und sozialer Perspektiven verlassen. Um diese Abwanderungsdynamik zu entschleunigen und zu minimieren, müssen Menschen mittelbis langfristig beim Bleiben unterstützt und nicht nur beim ersten Ankommen in Deutschland begleitet werden. Außerdem zeigt die Studie, dass die Förderung der Arbeitsmarktteilhabe allein nicht genügt, da sie nicht zwangsläufig und automatisch zu sozialer Teilhabe führt. Die Unzufriedenheit mit dem Sozialleben stellt einen zentralen Abwanderungsgrund unter den hier befragten(hoch qualifizierten) Fachkräften dar. Soziale Teilhabe muss damit von der Politik und den Arbeitsmarktakteuren von Anfang an gleichwertig berücksichtigt und aktiv gefördert und unterstützt werden. Nur so lässt sich das Zugehörigkeitsgefühl von Zugewanderten stärken, können psychosoziale Abwande24  Außerdem können die Arbeitsbedingungen selbst gesellschaftliche Teilhabe erschweren, z. B. dann, wenn überlange Arbeitszeiten, körperlich anstrengende Arbeit oder geringes Einkommen verhindern, soziale Beziehungen in Deutschland aufzubauen(Loschert et al. 2023). 25  Diese Annahme findet sich beispielsweise im klassischen Modell von Esser(Koch 2018) wider, das vier Dimensionen der Integration von Migrant_innen beschreibt, die oft als sequentieller Prozess verstanden werden: Zunächst erfolgt der Spracherwerb, dann die strukturelle Integration im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt, anschließend erfolgt die soziale Integration und darauf die emotionale Bindung an das Aufnahmeland. 58 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. rungsmotive entschärft und die langfristige Bindung Zugewanderter an Deutschland gesichert werden. Dies erfordert die Erarbeitung und Etablierung eines umfassenden Willkommens- und Bleibekonzepts, das alle relevanten Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sensibilisiert und beteiligt bzw. miteinbezieht und auf einer breiten Basis von Maßnahmen beruht, die die Teilhabe von Zugewanderten in Arbeitsmarkt und Gesellschaft gleichermaßen fördern. Konkret können – ohne hier einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – an dieser Stelle folgende Ansätze genannt werden: → Abwanderungsdynamiken und-beweggründe sollen weiter durch Wissenschaft auch über einen längeren Zeitraum erforscht werden, um ein besseres Verständnis der Prozesse insbesondere im Hinblick auf die Heterogenität der Gründe und Abwanderungsgruppen zu entwickeln. → Dieses Verständnis kann die Politik(Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene) und die Arbeitsmarktakteure (Bundesagentur für Arbeit, Agenturen für Arbeit, Jobcenter, Kammern) befähigen und dabei unterstützen, passgenaue Maßnahmen und Instrumente zur Reduzierung ungewollter Abwanderung zu erarbeiten und etablieren. → Neben den arbeitsmarktlichen Aspekten sollten insbesondere soziale Integrationsangebote seitens der zuständigen Akteure von vornherein mitgedacht werden, indem z. B. hierfür erforderliche Unterstützungsressourcen für die Zugewanderten selbst, aber darüber hinaus auch für deren Familienangehörige sowie Arbeitgebende in Maßnahmen, Instrumente, Förderprogramme und Projekte bereitgestellt werden. Handlungsfeld 2: Rückgewinnung Die Abwanderungszahlen der behördlichen Statistiken verdeutlichen, dass jedes Jahr viele Zugewanderte Deutschland wieder verlassen. Das eröffnet jedoch auch Potenziale, da es sich bei den Abgewanderten um Personen handelt, die bereits über relevante Arbeits- und Lebenserfahrungen in Deutschland verfügen. Diese können arbeitsmarktund migrationspolitisch als gesonderte Zuwanderungsgruppe wahrgenommen und adressiert werden. Ihre Rückgewinnung könnte eine gezielte Strategie darstellen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Laut der vorliegenden Umfrage denken immerhin knapp 40 Prozent der Befragten über eine Rückkehr nach Deutschland nach, insbesondere diejenigen, die zuvor mit ihrem Sozialleben in Deutschland zufrieden waren, und jene, die in ihr Herkunftsland zurückgewandert sind. Um abgewanderte Zugewanderte erfolgreich für Deutschland zurückzugewinnen, ist die Entwicklung einer nachhaltigen Rückgewinnungsstrategie unter Einbeziehung aller relevanten Akteure auf Bundes- und Landesebene von entscheidender Bedeutung. Wie bei den im ersten Handlungsfeld aufgezeigten Beispielen können an dieser Stelle folgende Ansätze genannt werden: → Beobachten und Erforschen durch die Wissenschaft der beruflichen und sozialen Bedürfnisse der heterogenen Zielgruppe, um erfolgsversprechende Ansätze zur Rückgewinnung abgewanderter internationaler Arbeits- und Fachkräfte zu entwickeln. Hierzu wäre in einem ersten Schritt eine Sensibilisierung der politischen und arbeitsmarktlichen Akteure für das besondere Potenzial dieser Gruppe für den deutschen Arbeitsmarkt erforderlich. → Auf dieser Basis können die Politik(Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene) und die Arbeitsmarktakteure (Bundesagentur für Arbeit, insbesondere ZAV, EURES sowie Kammern) befähigt und dabei unterstützt werden, passgenaue Maßnahmen und Instrumente zur Ansprache und Unterstützung bei der Rückkehr nach Deutschland dieser Gruppe zu entwickeln. Eine wichtige Rolle kann in diesem Prozess auch den Ausländischen Auslandshandelskammern, Konsulaten sowie Informationsportalen wie„Make it in Germany“ oder Mitarbeitenden der Goethe-Institute im Ausland zukommen. Unsere Studie unterstreicht, dass ein inklusives und diskriminierungsfreies Umfeld sowie bessere Unterstützung beim Ankommen und Verbleiben zentrale Bausteine für eine nachhaltige Migrationspolitik sind. Maßnahmen müssen daher über rein wirtschaftliche Anreize hinausgehen und die soziale Teilhabe stärker in den Fokus rücken, um Deutschland langfristig als attraktiven und integrativen Lebensort für Menschen mit Migrationserfahrung zu gestalten. Dabei sollten sich diese Maßnahmen nicht„nur“ an zuwandernde Fach- und Arbeitskräfte richten, sondern auch mit einem gezielten und bewusst spezifischen Fokus auf die besondere Gruppe derjenigen richten, die zuvor schon einmal in Deutschland gelebt und gearbeitet haben. Der Ausarbeitung und Vertiefung der hier genannten Ansätze hin zu konkreten Handlungsempfehlungen bedarf weiterer Studien und Prozesse, die alle hier genannten, aber auch weitere Akteure wie die Zivilgesellschaft und Communitys der Zugewanderten partizipativ beteiligen. Mit unserer Studie leisten wir einen ersten Beitrag hin zu einem besseren Verständnis eines bisher nur gering wahrgenommenen und untersuchten Phänomens des Rückkehrpotenzials einer immer größer werdenden Gruppe von Menschen, die in Deutschland Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt und im gesellschaftlichen Leben gesammelt und Deutschland wieder der Rücken gekehrt haben. Willkommen zurück? 59 5. Anhang 5.1 Sprachenauswahl Da die Zielgruppe der Umfrage sowohl EU- als auch Drittstaatsangehörige umfasst, war darauf zu achten, dass durch die Sprachwahl gleichermaßen Abgewanderte aus EU- und Drittstaaten angesprochen werden. Die Umfrage wurde in den folgenden zehn Sprachen durchgeführt: Deutsch, Englisch, Spanisch, Arabisch, Russisch, Rumänisch, Bulgarisch, Polnisch, Türkisch, Bosnisch/Kroatisch/ Serbisch. Die Auswahl der Umfragesprachen orientierte sich an den folgenden Überlegungen bzw. Schritten. Deutsch als erste Sprache der Umfrage: Zielgruppe der Umfrage sind abgewanderte Personen, also Personen, die in der Vergangenheit bereits in Deutschland gelebt haben. Es ist anzunehmen, dass viele von ihnen zumindest grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache haben. Die Verwendung der deutschen Sprache ermöglicht es, diese potenzielle Gruppe von Befragten effektiv anzusprechen. Analyse des Abwanderungsgeschehens der vergangenen 15 Jahre in Deutschland nach Staatsangehörigkeiten: Die Auswahl der Umfragesprachen richtet sich auch nach den größten Abwanderungsgruppen(nach Staatsangehörigkeiten) der zurückliegenden 15 Jahre. Anhand der Wande rungsstatistik werden die wichtigsten EU- und Drittstaatsangehörigkeiten, deren Angehörige in den letzten 15 Jahren Deutschland verlassen haben, identifiziert(siehe Tabelle 1 und Tabelle 2 im Anhang). Da nicht alle der entsprechen den Sprachen im Rahmen und Umfang der Studie realisiert werden konnten, erfolgte die Auswahl der Sprachen in zwei Schritten: Auswahl der drei häufigsten Sprachen pro Gruppe – EU und Drittstaaten – und Ergänzung um drei sogenannte Weltsprachen. Es ergeben sich somit folgende Sprachen, die in der Umfrage abgedeckt werden sollen: Schritt 1: Hauptsprachen der größten Abwanderungsgruppen(nach Staatsangehörigkeiten) → Rumänisch: Rumänisch ist die Amtssprache in Rumänien(EU). → Bulgarisch: Bulgarisch ist die Amtssprache in Bulgarien(EU). → Polnisch: Polnisch ist die Amtssprache in Polen(EU). → Türkisch: Türkisch ist die Amtssprache in der Türkei (Drittstaaten). → Bosnisch/Kroatisch/Serbisch(BCS): Bosnisch/Kroatisch/ Serbisch ist eine plurizentrische Standardsprache, die in mehreren Ländern des ehemaligen Jugoslawiens gesprochen wird. Sie weist regionale Varianten auf und wird insbesondere in Serbien(Drittstaaten), Kroatien(EU), Bosnien und Herzegowina(Drittstaaten), Nordmazedonien(Drittstaaten) und Kosovo(Drittstaaten) gesprochen. → Englisch: Englisch ist die Amtssprache in den Vereinigten Staaten(Drittstaaten), dem Vereinigten Königreich (bis 2022 EU) und Indien(Drittstaaten). Englisch wird zudem weltweit als Lingua franca verwendet und von vielen Menschen als Zweitsprache gesprochen. Englisch gilt daher als Weltsprache. Die Verwendung von Englisch ermöglicht eine breite Ansprache von Personen mit verschiedenen Hintergründen und Staatsangehörigkeiten. Schritt 2: Weltsprachen Weltsprachen werden deshalb als Umfragesprachen gewählt, da diese nicht nur als Muttersprachen weit verbreitet sind, sondern ebenfalls als Zweitsprachen, wodurch auch Personen angesprochen werden können, die einer kleineren Sprachgruppe angehören. Die Auswahl der Weltsprachen für die Umfrage sollte erstens darauf abzielen, möglichst viele der in Tabelle 1 und 2 genannten Staatsangehörigkeiten abzudecken, und zweitens, verschiedene Herkunftsregionen zu berücksichtigen. Basierend auf diesen Kriterien werden(neben Englisch, siehe Schritt 1 oben) die folgenden drei Sprachen ergänzt: → Spanisch: Durch die Wahl von Spanisch als Umfragesprache können Personen aus Spanien(EU) und Personen aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern (Drittstaaten) erreicht werden. → Arabisch: Arabisch ist die Amtssprache in mehreren Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas(Drittstaaten). Die Verwendung von Arabisch ermöglicht es, Personen aus diesen Regionen anzusprechen, die möglicherweise in Deutschland gelebt haben. → Russisch: Russisch ist die Amtssprache in Russland (Drittstaaten) und wird auch in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken sowie in Teilen Osteuropas und Zentralasiens gesprochen. Die Verwendung von Russisch als Umfragesprache ermöglicht es, Personen aus diesen Regionen effektiv anzusprechen. Auch in der Ukraine (Drittstaaten) ist Russisch als Zweitsprache verbreitet. 60 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Kumuliertes AbwanderungsgeTab. 1 schehen 2008 bis 2022 nach den 15 häufigsten EU-Staatsangehörigkeiten Rang Staatsangehörigkeit Anzahl 1 Rumänien 2 Polen 3 Bulgarien 4 Ungarn 5 Italien 6 Kroatien 7 Griechenland 8 Spanien 9 Frankreich 10 Slowakei 11 Vereinigtes Königreich 28 12 Österreich 13 Niederlande 14 Portugal 15 Tschechien Quelle: Statistisches Bundesamt 2024d. 1.795.695 1.679.580 655.016 468.552 455.518 294.348 234.082 191.311 175.195 139.731 120.887 120.608 110.332 106.108 97.326 Kumuliertes AbwanderungsTab. 2 geschehen 2008 bis 2022 nach den 15 häufigsten Drittstaatsangehörigkeiten Rang Staatsangehörigkeit Anzahl 1 Türkei 2 Serbien 3 Vereinigte Staaten 4 Ukraine 5 China 6 Indien 7 Russische Föderation 8 Bosnien und Herzegowina 9 Syrien 10 Albanien 11 Nordmazedonien 12 Kosovo 13 Irak 14 Japan 15 Brasilien 404.245 261.225 243.644 240.232 225.236 195.408 164.375 152.598 133.666 124.420 124.401 103.305 100.318 87.095 80.324 Quelle: Statistisches Bundesamt 2024d. 5.2 Explorative Analyse 26 Die Studie basiert auf einer standardisierten Onlinebefragungen(Web-Survey) mithilfe eines Fragebogens, der überwiegend geschlossene Fragen enthält. Der Fragebogenentwicklung ging eine explorative Analyse voraus, welche darauf abzielte, ein fundierteres Verständnis des Forschungsfeldes zu erlangen und potenzielle Fragestellungen sowie Antwortoptionen zu identifizieren. Die explorative Analyse umfasste dabei eine Analyse digitaler Gruppen und Communitys auf Social Media, welche Einblicke in tagesaktuelle Diskussionen, Trends und Meinungen unter Zu- bzw. Abgewanderten bot, und eine daran anschließende Diskussion der Ergebnisse sowie des Fragebogens in Fokusgruppeninterviews mit Zu- und Rückgewanderten. Social-Media-Analyse von Fragen und Hürden der Rückwanderung In Vorbereitung der quantitativen Umfrage unter abgewan derten Personen im Ausland wurde eine Social-MediaAnalyse von zielgruppenspezifischen Social-Media-Spaces durchgeführt. 27 In der Social-Media-Analyse werden die vorherrschenden Kommunikationsmuster von Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind, nutzbar gemacht: Von Minor bzw. Minor Digital durchgeführte Studien(Stapf 2019; Birri et al. 2024) haben ergeben, dass zugewanderte, aber auch zuwanderungsinteressierte Personengruppen überwiegend soziale Medien nutzen, um Informationen über das Leben und Arbeiten in Deutschland zu erhalten(andere Informationsquellen wie Beratungsstellen, Migrantenorganisationen und Behörden werden weniger genutzt). Der Informationsaustausch erfolgt insbesondere über Gruppen auf Facebook und Telegram, die häufig einen Fokus auf eine bestimmte Sprachgruppe oder Herkunftsregion haben und die von den Communitys selbst initiiert und organisiert werden. Die unterschiedlichen Social-Media-Spaces sind Diskussionsplattformen zu einem breiten Spektrum von Themenfeldern wie z. B. Arbeit, Jobsuche, Bildung, Visum, Freizeit, Wohnen. Soziale Medien bieten demnach wichtige Einblicke in Themen von bereits zugewanderten, aber auch rückwanderungswilligen Personen aus und in unterschiedlichen Ländern(vgl. z. B. Tunjić et al. 2023). 26  Das Vereinigte Königreich ist seit 2020 nicht mehr Mitglied der EU. Da die kumulierten Abwanderungszahlen von 2008 bis 2022 genannt werden, wird das Vereinigte Königreich hier noch in der Liste der EU-Staatsangehörigkeiten aufgeführt. 27  Zielgruppenspezifische Social-Media-Spaces sind spezifische Communitys oder Gruppen innerhalb von Social-Media-Plattformen, welche sich auf bestimmte Interessen, Themen oder Aktivitäten von Zugewanderten konzentrieren. Sie dienen als Kommunikationskanäle, in denen die Mitglieder diskutieren, Inhalte austauschen und sich vernetzen können. Willkommen zurück? 61 Eine Analyse von Social-Media-Spaces, in denen sich die Zielgruppe digital austauscht und informiert, kann wichtige Einblicke in die zentralen Interessen und Bedarfe der Zielgruppe liefern(Tunjić et al. 2023) und so dazu beitragen, dass der Fragebogen der Umfrage, welcher anschließend zu entwickeln war, alle relevanten und zentralen Themen, Fragen und Bedürfnisse der Zielgruppe umfasst. Im Vergleich zu den Themen und Bedarfen, die über den Forschungsstand identifiziert wurden(vgl. Kapitel 1.1), ermöglicht es die Social-Media-Analyse, aktuelle Diskussionen, Trends und Meinungen von Zu- und Abgewanderten abzudecken. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass unsere Forschung auf aktuellen und relevanten Daten basiert und den tatsächlichen Bedürfnissen und Anliegen der Zielgruppe gerecht wird. So kann die Relevanz, Validität und Effektivität des Fragebogens verbessert werden. Pro Sprache wurden 1 bis 2 zielgruppenspezifische Kommunikationsräume mittels Schlagwortanalyse nach möglichen Abwanderungsgründen, Rückwanderungsmotiven,-problemstellungen und-fragen durchsucht. Aus den aufgrund von Schlagworten gefundenen Beiträgen wurden häufige Fragen und Aussagen herausgearbeitet. Die Ergebnisse der ersten Phase flossen in einem nächsten Schritt in das Studiendesign der quantitativen Umfragen mit ein. → Durchführungszeitraum: 29.4.–6.5.2024 Die Social-Media-Analyse war angeleitet von den folgenden Fragen zu Abwanderung aus und Rückwanderung nach Deutschland: 1. Inwiefern werden in den Social-Media-Spaces auch Themen behandelt, die sich mit einer Abwanderung aus Deutschland(zurück ins Herkunftsland oder ein anderes Land) beschäftigen? Welche Gründe nennen diese Personen für ihre Abwanderung? 2. Inwiefern spielt das Thema einer Rückkehr/Rückwanderung nach Deutschland eine Rolle in den Social-MediaSpaces? Welche Hürden/Bedarfe haben interessierte Personen bei der Rückkehr/Rückwanderung nach Deutschland? Fokusgruppen/Partizipationsprozess mit Zu-/Rückgewanderten Um eine solide Grundlage für die Entwicklung und Vorbereitung der quantitativen Umfrage zu schaffen, wurde ein Fokusgruppeninterview mit Zu-, Ab- und Rückgewanderten durchgeführt. Fokusgruppen/moderierte Gruppendiskussionen sind eine etablierte sozialwissenschaftliche Methode, die Aussagen einer definierten Zielgruppe gemeinsam aufnimmt(Flick 2016). Hierbei wurden die in der Social-MediaAnalyse identifizierten relevanten Themen, Fragestellungen und Perspektiven abgewanderter Migrant_innen diskutiert und vertieft. Dieser partizipative Prozess wurde genutzt, um Fragen und Antwortoptionen für die Umfrage zu entwickeln und zu verfeinern. So konnte sichergestellt werden, dass die Formulierungen der Fragen und Antwortoptionen im Fragebogen klar verständlich, der Zielgruppe angemessen sind und keine Missverständnisse hervorrufen. → Durchführung: 8.5.2024, 17–19 Uhr über Zoom Teilnehmende: – Anzahl: 8 – Herkunftsländer: Bulgarien, Albanien, Polen, Kolumbien, Marokko, Syrien, Tunesien, Türkei – Alter: zwischen 28 und 52 Jahre – Status: zugewandert, rückgewandert, im Abwanderungsprozess – Aufenthalt in Deutschland in Jahren: 1 bis 24 Jahre Vorgehensweise: Um die Kommunikation zwischen den Teilnehmenden zu ermöglichen, wurde die Fokusgruppe in deutscher Sprache durchgeführt. Um die gemeinsame Diskussion von in Deutschland und im Ausland wohnhaften Personen zu ermöglichen, wurde die Fokusgruppe online durchgeführt. Die konkrete Durchführung erfolgte durch die Entwicklung von halbstandardisierten Diskussionsleitfäden, in denen die Themen definiert werden, die von der Diskussionsleitung angesprochen wurden. Die Themen beziehen sich auf Gründe der Zu-, Abund Rückwanderung nach/aus Deutschland. Die Teilnehmenden konnten in der Diskussion Themen ergänzen. Das Fokusgruppeninterview folgte dem folgenden Aufbau: → Vorstellungsrunde: Erläuterung der Migrationserfahrungen – In wie vielen Ländern haben Sie bereits gelebt? – Aus welchem Land sind Sie nach Deutschland zu-/ bzw. rückgewandert, in welches Land sind Sie abgewandert? – Was war der Hauptanlass Ihrer Migration? → Zuwanderung: Besprechung von Zuwanderungsgründen – Warum sind Sie gerade nach Deutschland gezogen (Gründe in Deutschland)? – Warum haben Sie Ihr Herkunftsland/letztes Aufenthaltsland verlassen(Gründe im Abwanderungsland)? Die Zuwanderungsgründe wurden schriftlich auf einer digitalen Pinnwand gesammelt und anschließend in der Gruppe diskutiert. Im Anschluss wurden Items aus der Umfrage mit Bezug auf Zuwanderungsgründe hinsichtlich ihrer Vollständigkeit und Verständlichkeit besprochen. → Abwanderung: Besprechung von Abwanderungsgründen bzw.-motiven – Warum sind Sie aus Deutschland abgewandert (Gründe in Deutschland)? – Warum haben Sie sich gerade für das eine Zielland entschieden(Gründe im Zielland)? 62 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Die Abwanderungsgründe bzw.-motive wurden schriftlich auf einer digitalen Pinnwand gesammelt und anschließend in der Gruppe diskutiert. Im Anschluss wurden Items aus der Umfrage mit Bezug auf Zuwanderungsgründe hinsichtlich ihrer Vollständigkeit und Verständlichkeit besprochen. 5.3 Weitere Grafiken und Tabellen Sharepics zur Ansprache der Zielgruppe über Social Media Beispiele auf Deutsch(links) und Bulgarisch(rechts) Abb. 57 Quelle: Eigene Darstellung. Hauptfrageblöcke der Umfrage Tab. 3 Erklärung von Ziel, Zweck und Datenschutz der Umfrage I Fragen zur Zielgruppeneingrenzung II Soziodemografische Daten Fragen u. a. zu Alter, Geschlecht, Herkunftsland III 1. Zuwanderung nach Deutschland(retrospektiv) Fragen u. a. zu Aufenthaltsland vor der Zuwanderung, Zuwanderungsgründen(Push-Faktoren im Abwanderungsland, Pull-Faktoren in Deutschland) 2. Aufenthalt in Deutschland und ggf. Beschäftigung(retrospektiv) Fragen u. a. zu Dauer des Aufenthalts in Deutschland, Beschäftigung und Arbeitserfahrung in Deutschland, Zufriedenheit mit dem Leben in Deutschland IV 1. Abwanderung aus Deutschland(retrospektiv) Fragen u. a. zu Abwanderungsgründen(Push-Faktoren in Deutschland, Pull-Faktoren im Zielland), Zeitpunkt der Abwanderung 2. Aufenthalt im aktuellen Land(Status quo bzw. prospektiv) Fragen u.a. zu geplanter Dauer des Aufenthalts im aktuellen Aufenthaltsland, Beschäftigung im Aufenthaltsland/Deutschland, Zufriedenheit mit dem Leben im Aufenthaltsland V Rück- oder Weiterwanderung(prospektiv) Fragen u. a. zu Wunsch nach Rück- bzw. Weiterwanderung, Erwägung einer Rück- oder Weiterwanderung, Rück- oder Weiterwanderungsmotive, Maß der Konkretisierung der Rückwanderungspläne und Vorbereitung, alternative Zielländer einer Weiterwanderung, geplante Dauer des Aufenthalts in Deutschland, Unterstützungsbedarfe bei der Rückwanderung Quelle: Eigene Darstellung. Willkommen zurück? 63 64 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Literaturverzeichnis Adda, J.; Dustmann, C.; Görlach, J. S.(2022): The Dynamics of Return Migration, Human Capital Accumulation, and Wage Assimilation, in: The Review of Economic Studies, Vol. 89, No. 6, S. 2.841–2.871. 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Willkommen zurück? 65 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abb. 1 Alter 15 Abb. 2 Studienabschluss 15 Abb. 3 Herkunftsregionen 15 Abb. 4 Häufigste Herkunftsländer der Stichprobe 16 Abb. 5 Staatsbürgerschaft 17 Abb. 6 Letzter Wohnort 17 Abb. 7 Abwanderungszeitpunkt 18 Abb. 8 Aufenthaltsdauer in Deutschland 18 Abb. 9 Beschäftigung in Deutschland 19 Abb. 10 Letzte Hauptbeschäftigung in Deutschland 19 Abb. 11 Hauptanlass der Zuwanderung 21 Abb. 12 Hauptanlass der Zuwanderung nach Herkunftsregion 22 Abb. 13 Zuwanderungsfaktoren(Pull-Faktoren) in Deutschland 23 Abb. 14 Herausforderungen in Deutschland 24 Abb. 15 Zufriedenheit mit dem Leben in Deutschland 25 Abb. 16 Zielland der Abwanderung aus Deutschland 26 Abb. 17 Wanderungsbewegung 27 Abb. 18 Abwanderungszielland nach Aufenthaltsdauer 27 Abb. 19 Abwanderungszielland nach Beziehungsstatus 27 Abb. 20 Aufenthaltsdauer in Deutschland nach Wohnort des Partners/der Partnerin 28 Abb. 21 Wunsch nach längerem Aufenthalt in Deutschland 28 Abb. 22 Abwanderungszielland nach Wunsch nach längerem Aufenthalt in Deutschland 28 Abb. 23 Wunsch nach längerem Aufenthalt in Deutschland nach Aufenthaltsdauer 29 Abb. 24 Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben nach Wunsch auf Verbleib 29 Abb. 25 Zufriedenheit mit dem Sozialleben nach Wunsch auf Verbleib 30 Abb. 26 Hauptanlass der Abwanderung 31 Abb. 27 Zusammenhang zwischen Zuwanderungs- und Abwanderungsanlass 32 Abb. 28 Hauptanlass der Abwanderung nach Herkunftsregion 32 Abb. 29 Abwanderungsfaktoren(Push-Faktoren) in Deutschland 34 Abb. 30 Abwanderungsfaktoren(Push-Faktoren) in Deutschland nach Abwanderungszielland 35 Abb. 31 Abwanderungsfaktoren(Pull-Faktoren) im Zielland 35 Abb. 32 Abwanderungsfaktoren im Zielland(Pull-Faktoren) nach Zielland der Abwanderung 36 Abb. 33 Durchschnittliche Anzahl genannter Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) bzw. im Zielland(Pull-Faktoren) nach Jahr der Abwanderung 37 Abb. 34 Durchschnittliche Anzahl genannter Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) bzw. im Zielland(Pull-Faktoren) nach Wunsch nach Verbleib in Deutschland 38 Abb. 35 Durchschnittliche Anzahl an genannten Abwanderungsfaktoren in Deutschland(Push-Faktoren) oder im Zielland(Pull-Faktoren) nach Abwanderung ins Herkunftsland oder ein Drittland 38 Abb. 36 Zufriedenheit im aktuellen Aufenthaltsland 39 Abb. 37 Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben nach aktuellem Aufenthaltsland 39 Abb. 38 Zufriedenheit mit dem Sozialleben nach aktuellem Aufenthaltsland 40 Abb. 39 Zukunftspläne im aktuellen Aufenthaltsland 40 Abb. 40 Migrationswunsch, Rück- und Weiterwanderungsgedanke 41 Abb. 41 Rück- bzw. Weiterwanderungsgedanke nach Migrationswunsch 42 Abb. 42 Rückwanderungsgedanke nach Weiterwanderungsgedanke 43 Abb. 43 Rückwanderungsgedanke nach Merkmalen der Befragten 46 Abb. 44 Zusammenhang zwischen Abwanderungs- und Rückwanderungsanlass 47 Abb. 45 Rückwanderungsgedanke nach Abwanderungsfaktoren in Deutschland 49 Abb. 46 Rückwanderungsgedanke nach Abwanderungsfaktoren im Zielland 50 Abb. 47 Zufriedenheit mit dem Sozialleben in Deutschland nach Rückwanderungsgedanke 51 Abb. 48 Verbundenheit mit Deutschland nach Rückwanderungsgedanke 51 Abb. 49 Zufriedenheit mit dem Arbeitsleben in Deutschland nach Rückwanderungsgedanke 52 Abb. 50 Wahrscheinlichkeit der Rückwanderung in den nächsten zwölf Monaten 52 Abb. 51 Dauer der Rückkehr nach Deutschland 52 Abb. 52 Rückwanderung nach Familienstand 53 Abb. 53 Getroffene Vorbereitungen für Rückwanderung nach Deutschland 53 Abb. 54 Hauptanlass einer Rückwanderung nach Deutschland 54 Abb. 55 Bedarf an weiterer Unterstützung/Informationen 54 Abb. 56 Meist genutzte Informationsquellen 55 Abb. 57 Sharepics zur Ansprache der Zielgruppe über Social Media 63 Tab. 1 Kumuliertes Abwanderungsgeschehen 2008 bis 2022 nach den 15 häufigsten EU-Staatsangehörigkeiten 61 Tab. 2 Kumuliertes Abwanderungsgeschehen 2008 bis 2022 nach den 15 häufigsten Drittstaatsangehörigkeiten 61 Tab. 3 Hauptfrageblöcke der Umfrage 63 66 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Autorinnen Dr. Franziska Loschert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Minor – Wissenschaft Gesellschaft mbH im Projekt„Abwanderung aus Deutschland“ sowie bei Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung in der IQ Fachstelle Einwanderung und Integration. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Arbeitsmarkt, Zuwanderung und Teilhabe. Mitarbeit und Redaktion: Doritt Komitowski ist Volljuristin und leitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung die„IQ Fachstelle Einwanderung und Integration“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Aufenthaltsrecht, Zuwanderung und Arbeitsmarkt. Marlene Leisenheimer ist studentische Mitarbeiterin bei Minor – Wissenschaft Gesellschaft mbH im Projekt„Abwanderung aus Deutschland“ und bei Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung in der IQ Fachstelle Einwanderung und Integration. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Migration und Geschlechter(un)gleichheit. Willkommen zurück? 67 68 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 gegründet und ist die traditionsreichste politische Stiftung Deutschlands. Dem Vermächtnis ihres Namensgebers ist sie bis heute verpflichtet und setzt sich für die Grundwerte der Sozialen Demokratie ein: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ideell ist sie der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften verbunden. Die Friedrich-Ebert-Stiftung fördert die Soziale Demokratie vor allem durch: → politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft; → Politikberatung; → internationale Zusammenarbeit mit Auslandsbüros in über 100 Ländern; → Begabtenförderung; → das kollektive Gedächtnis der Sozialen Demokratie mit u. a. Archiv und Bibliothek. Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der FriedrichEbert-Stiftung versteht sich als Zukunftsradar und Ideenschmiede der Sozialen Demokratie. Sie verknüpft Analyse und Diskussion. Die Abteilung bringt Expertise aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik zusammen. Ihr Ziel ist es, politische und gewerkschaftliche Entscheidungsträger_innen zu aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu beraten und progressive Impulse in die gesellschaftspolitische Debatte einzubringen. Weitere Veröffentlichungen Was macht gutes Leben aus? Zum Zusammenhang von Daseinsvorsorge und Wohlbefinden Analyse April 2025 https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/21985 Auf Wiedersehen? Analyse der Daten- und Forschungslage zu Ab- und Rückwanderungsprozessen von Zugewanderten aus/nach Deutschland FES diskurs Juni 2024 https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/21269.pdf Helfer oder doch Fachkräfte? Migrantische Beschäftigte im deutschen Hochbau FES diskurs Mai 2024 https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/21208.pdf Ohne sie geht nichts mehr: Welchen Beitrag leisten Migrant_innen und Geflüchtete zur Sicherung der Arbeitskräftebedarfe in Fachkraftberufen in Deutschland?; Aktualisierung der Bundesländer Fact-Sheets FES diskurs 2024 https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/21242.pdf Für eine Reform der„Integrationskurse mit Alphabetisierung“ FES impuls Juni 2022 https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/19284.pdf Positive Maßnahmen für mehr Vielfalt in der öffentlichen Verwaltung: Ein Rechtsgutachten FES diskurs Mai 2022 https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/19180.pdf Das Gründungspotenzial von Geflüchteten: Selbstständigkeit als Weg zur Arbeitsmarktintegration? FES diskurs November 2021 https://library.fes.de/pdf-files/a-p-b/18504.pdf Volltexte und weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung unter www.fes.de/publikationen Willkommen zurück? Abwanderungsgründe und Rückwanderungspotenziale von aus Deutschland abgewanderten EU- und Drittstaatsangehörigen Deutschland braucht Fachkräfte – doch viele, die einst hierherkamen, kehren dem Land auch wieder den Rücken. Was sind die Gründe für diese Abwanderung? Sind es bessere Chancen anderswo, fehlende Perspektiven hier oder soziale Hürden? Diese Studie geht u. a. der Frage nach, warum EU- und Drittstaatsangehörige Deutschland wieder verlassen: Neben beruflichen und wirtschaftlichen Faktoren spielen soziale Integration, bürokratische Hürden und das Gefühl der Zugehörigkeit eine entscheidende Rolle. Wer Deutschland als Einwanderungsland stärken will, muss nicht nur neue Arbeits- und Fachkräfte anwerben, sondern sollte auch diejenigen als Zielgruppe in den Blick nehmen, die bereits hier gelebt haben.„Willkommen zurück?“ liefert wertvolle Erkenntnisse für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – und zeigt, wie Deutschland für Zugewanderte langfristig attraktiver werden kann. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie hier: ↗ fes.de/themenportal-flucht-migration-integration/ abwanderung-fachkraefte-deutschland