FACTSHEET Mali-Mètre 2025: Neue Partnerschaften – bekannte Herausforderungen Das Mali-Mètre ist ein Umfrageinstrument, das die politischen Wahrnehmungen und Meinungen von Malier:innen erfasst. Die jährliche Meinungsumfrage wird seit 2012 von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mali durchgeführt. Die zunehmende Einschränkung von politischer Meinungsfreiheit durch die Militärregierung zwischen 2024 und 2025 sollte bei der Analyse der Ergebnisse beachtet werden. Keyfindings 1. Als größte Herausforderung sehen die Befragten eine unsichere Lebensmittelversorgung und hohe Jugendarbeitslosigkeit. Die Dringlichkeit dieser Herausforderungen liegt sogar erstmalig seit 2021 wieder vor der problematischen Sicherheitslage, die sich in der Wahrnehmung von mehr als zwei Dritteln der Befragten verbessert habe. 2. Die Übergangsregierung genießt offenbar weiterhin das Vertrauen der großen Mehrheit der Bevölkerung. Dieses Vertrauen ist jedoch im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Gleichzeig ist das Wissen über umgesetzte und angestrebte Reformen der Übergangsregierung gering. 3. Die Übergangsregierung gestaltet mit großer Zustimmung der Bevölkerung ihre regionalen und internationalen Partnerschaften um. Relevanteste Partner sind den Befragten zufolge die Nachbarstaaten Burkina Faso und Niger, mit denen Mali die Konföderation AES gründete. Russland und China werden als relevanteste internationale Partner eingeschätzt. Das Vertrauen in Russland bleibt sehr hoch. Die USA und Deutschland werden als wichtigste»westliche« Partner genannt. 4. Malier:innen stehen weiterhin hinter dem demokratischen Prinzip von Wahlen und sind mit großer Mehrheit bereit, bei etwaigen Wahlen ihre Stimme abzugeben – vor dem Hintergrund einer als gering wahrgenommenen Wahrscheinlichkeit, dass diese noch im Jahr 2025 durchgeführt werden. Studien-Design Die jährliche Bevölkerungsbefragung der FES Mali umfasst Fragen zur politischen Situation, zur Sicherheit, zu Regierungsführung und zur Zukunft des Landes. Für die diesjährige Ausgabe wurden im Januar 2025 insgesamt 2.220 Personen in zehn regionalen Zentren(Provinzhauptstädten) Malis und der Hauptstadt Bamako in Französisch und lokalen Sprachen befragt. Die Befragungen wurden in Zusammenarbeit mit einem lokalen Umfrageinstitut durchgeführt. Die vollständige, französischsprachige Publikation findet sich unter fes.de/­ referat-afrika/mali-metre-2025. Allgemeine Lage des Landes – Vergleich 83,6 82,4 81 68,7 41,6 33,1 24,2 1,2 MM2021 8,1 7,8 0,5 MM2022 8,1 8,8 0,7 MM2023 10,7 8,1 0,2 MM2024 18,2 12,6 0,4 MM2025 S1Q01. Wenn Sie auf die letzten zwölf(12) Monate zurückblicken, hat sich die allgemeine Lage des Landes Ihrer Meinung nach verbessert, ist gleich geblieben oder hat sich verschlechtert? Vergleich Mali-Mètre 2021–2025 Verbessert Gleichbleibend Verschlechtert Weiß nicht Herausforderungen ­verschieben sich Die Sicherheitslage hat sich laut den Befragten im Vergleich zum Vorjahr verbessert(68,7 %) – auch wenn im Jahr 2024 noch eine leicht stärkere Verbesserung angegeben wurde. Anders als in früheren Jahren wird die Sicherheitslage in diesem Jahr nicht mehr als wichtigste Herausforderung angesehen. Vielmehr sind die Ernährungsunsicherheit und die hohe Jugendarbeitslosigkeit die relevantesten Herausforderungen für die Bevölkerung geworden. Auch die mangelnde Stromversorgung im gesamten Land bleibt weiterhin ein wichtiges Thema. Herausforderungen in Mali Ernährungsunsicherheit Jugendarbeitslosigkeit Unsicherheit Stromversorgung Armut Terrorismus Preissteigerung Gesundheitswesen Schulbildung 10,7 9,9 38,4 34,0 30,0 27,3 20,1 56,3 47,6 S1Q02.[Herausforderungen in Mali] Denken Sie an ganz Mali, was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, der sich Mali derzeit gegenübersieht? Was ist die zweitgrößte Herausforderung? Was ist die dritte Herausforderung? Antworten> 9 %, n= 2220 Vertrauen in die Übergangsregierung bleibt hoch, nimmt aber ab Auch nach einer Regierungsumbildung im November 2024, bei der der zivile Premierminister entlassen wurde, bleibt das Vertrauen in die Übergangsregierung hoch. Sie verliert allerdings im Vergleich zum Vorjahr(82 %) fünf Prozentpunkte. Insbesondere der Übergangspräsident genießt mit 72,1 % deutlich höhere Zustimmungswerte als andere Institutionen der Transition, wie etwa die Regierung(2,6 %) oder der Nationale Übergangsrat(CNT) mit lediglich 0,8 %. Dabei gelang es der Übergangsregierung offenbar nicht, drängende Probleme wie die schlechte Stromversorgung auch in den Städten nachhaltig zu bearbeiten. Repressive Tendenzen der Regierung, wie die Missachtung von Menschenrechten durch die malische Armee oder die Festnahme von kritischen Regierungsgegnern, nehmen zu. Umgestaltung der regionalen und ­internationalen Partnerschaften Seit die militärische Übergangsregierung an der Macht ist, sucht sie neue regionale und internationale Partnerschaften. Das Jahr 2024 war hierbei mit der Aufkündigung des Friedensabkommens von Algier, dem Austritt aus der ECOWAS und der Gründung der Konföderation der Sahel-Staaten(AES) bedeutend. Der Umfrage zufolge unterstützt die Bevölkerung Malis diesen Kurs mit großer Mehrheit. Auf die Frage, mit welchen Staaten Mali kooperieren sollte, werden vorrangig Burkina Faso und Niger, sowie Russland, China und die Türkei genannt. Insbesondere Russland genießt großes Vertrauen(95,9 %) der Malier:innen. Die Zufriedenheit mit Russland zur Sicherung des Landes liegt auf einem ähnlich hohen Niveau(95,7 %). Die USA und Deutschland werden als wichtigste»westliche« Partner genannt. Zufriedenheit mit der Kooperation mit Russland Eher unzufrieden 2,4 1,1 Sehr unzufrieden 0,8 Weiß nicht Eher zufrieden 27,3 64,8 Sehr zufrieden S5Q04[Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit zwischen Mali und Russland] Auf welcher Ebene sind Sie mit der ­Zusammenarbeit zwischen Mali und Russland bei der Sicherung des Landes zufrieden? n= 2220 Bereitschaft zu wählen hoch – Wahlen jedoch nicht in Sicht Ende 2024 begann die Regierung mit Vorbereitungen für mögliche Wahlen, was in der internationalen Gemeinschaft die Hoffnung nährte, dass es 2025 tatsächlich zu Wahlen kommen würde. Die Malier:innen teilen diese Einschätzung nicht. Nur knapp ein Drittel der Befragten glaubten zum Befragungszeitpunkt, dass Wahlen wahrscheinlich sind. Dennoch glauben die Malier:innen weiter an den demokratischen Wert von Wahlen. Eine überwältigende Mehrheit der Befragten will im Falle von demokratischen Wahlen ihre Stimme abgeben. Fazit Die diesjährige Ausgabe des Mali-Mètre zeigt, dass trotz bestehender Herausforderungen und wenig messbaren Erfolgen der Regierung, ihre öffentliche Unterstützung weiterhin hoch ist. Leichte Änderungen bei Zustimmungswerten im Vergleich zum Vorjahr sind jedoch festzustellen. So wurden in der aktuellen Befragung häufiger mittlere als sehr positive oder negative Antwortkategorien gewählt. Es ist außerdem festzuhalten, dass alle Befragungen vor dem Hintergrund einer zunehmend eingeschränkten Meinungsfreiheit im Land durchgeführt wurden. Jüngste politische Entwicklungen wie die Aufhebung des Parteiengesetztes führen zu demokratischem Widerstand von Zivilgesellschaft und Parteien. Es bleibt zudem abzuwarten, wie die Militärregierung die Probleme der Stromversorgung, sinkende finanzielle Unterstützung durch internationale Organisationen und USAID sowie den Austritt aus der ECOWAS bewältigt. Dieses Factsheet basiert auf Informationen aus der Publikation ↗ Mali-Mètre 2025 . 7. Mai 2025 · CC BY-SA 4.0 Weitere Informationen zum Projekt: ↗ fes.de/referat-afrika/mali-metre-2025 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Abteilung Internationale Zusammenarbeit Referat Afrika Ansprechperson: Dr. Iris Nothofer Referentin Mali iris.nothofer@fes.de +49 30.26935-7414 ↗ fes.de/referat-afrika