STUDIE Hürcan Aslı Aksoy Juni 2025 Die Zukunft der NATO Strategische Ambivalenz: Die komplexe Rolle der Türkei in der Entwicklung der NATO Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Internationale Zusammenarbeit| Referat Globale und Europäische Politik Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Peer Teschendorf| Europäische Außen- und Sicherheitspolitik peer.teschendorf@fes.de Übersetzung Claudia Riefert Design/Layout pertext| corporate publishing www.pertext.de Coverbild picture alliance/ AA| Emrah Yorulmaz Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­gegebenen ­Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. ­Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Juni 2025 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Hürcan Aslı Aksoy Juni 2025 Die Zukunft der NATO Strategische Ambivalenz: Die komplexe Rolle der Türkei in der Entwicklung der NATO Inhalt Einleitung........................................................  3 Die Bedrohungswahrnehmung der Türkei ..............................  4 Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland: Flexible Ausrichtung und ­kontrollierte Spannungen...................  6 Zwischen strategischer Chance und ­Konkurrenz: Entwicklung der türkisch-­chinesischen Beziehungen..................  7 Die südliche Dimension der NATO-Sicherheit: Türkische Perspektiven und Bündniskohäsion ........................  7 Der Ukraine-Krieg und die strategische Rolle der Türkei im Bereich der Europäischen S­ icherheitsordnung.....................  8 Neue Wege für die Zukunft der NATO: Die Rolle der Türkei in einem sich wandelnden globalen Sicherheitsumfeld................  9 Zusammenfassung ................................................  10 Literatur ........................................................  11 Einleitung Seit ihrem Beitritt zur NATO im Jahr 1952 hat die Türkei eine Schlüsselrolle an der Südostflanke des Bündnisses übernommen. Während des Kalten Krieges war die türkische Sicherheitspolitik von einer konsequenten Ausrichtung auf die Verteidigungs- und Abschreckungsstrategie der NATO gegen den sowjetischen Expansionismus geprägt. Durch gemeinsame Militärübungen, den Austausch von Geheimdienstinformationen, die Stationierung amerikanischer Atomsprengköpfe und die Einrichtung von Militärstützpunkten hat sich die Türkei als ein verlässliches NATO-Mitglied erwiesen. Die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei blieb dabei weitgehend defensiv und nach innen gewandt. Außerhalb seiner Grenzen führte das Land nur sehr wenige Militäreinsätze durch – mit Ausnahme der Invasion Zyperns im Jahr 1974, die vorübergehend zu Spannungen innerhalb der NATO führte. Die Epoche, die auf den Kalten Krieg folgte, markierte jedoch einen Wendepunkt. Die Beteiligung der Türkei an den von der NATO geführten Friedensmissionen auf dem Balkan und im Kosovo signalisierte den Beginn einer stärker auswärts gewandten Politik. In den letzten zwanzig Jahren hat die Türkei ihre strategische Ausrichtung neu definiert und eine Außenpolitik verfolgt, die autonomer, interessenorientierter und mehr auf die regionalen Ambitionen des Landes abgestimmt ist. Diese Außenpolitik stellt eine klare Abkehr von der historischen Ausrichtung der Türkei auf den Westen dar und markiert damit eine neue Phase in der Außen- und Sicherheitspolitik des türkischen Staates. Das Streben der Türkei nach einer autonomen Außenpolitik und um größeren Einfluss in der Region führen bereits seit dem Jahr 2010 zu Spannungen mit den NATO-Verbündeten. Die drei folgenden strukturellen Veränderungen haben dazu beigetragen, dass die Beziehungen Ankaras zur NATO komplexer geworden sind: 1) Konflikte und Kriege, die die Nach barstaaten der Türkei ­destabilisierten, 2) die Autokratisie rung des Landes, welche die ideellen Grundlagen der NATO – Demokratie, Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit – in Frage stellt, und 3) die rasante Entwicklung der türkischen Ver teidigungsindustrie. Diese drei Entwicklungen haben bei einigen NATO-Mitgliedsstaaten den Eindruck verstärkt, dass die Türkei sich vom normativen und strategischen Konsens des NATO-Bündnisses entfernt. Die Machtprojektion, die die Türkei in ihren Nachbarstaaten ausübt, die strategischen Beziehungen der Türkei zu Russland und ihre Hinwendung zu China werden in diesem Kontext als eine Unterminierung der NATO-Sicherheitsinteressen wahrgenommen, was viele NATO-Verbündete dazu veranlasste, die Türkei für einen unzuverlässigen Partner zu halten. Unterdessen hat Ankara begonnen, die NATO aus einer ­pragmatischeren Perspektive zu betrachten, nämlich als einen von mehreren strategischen Pfeilern – und nicht mehr als Hauptanker seiner Sicherheitspolitik. Dies führt in mehrfacher Hinsicht zu Spannungen in den Beziehungen. Ankara sieht eine erhebliche Diskrepanz zwischen seiner eigenen ­Bedrohungswahrnehmung und der anderer NATO-Mitgliedsstaaten. Und zweitens behauptet die Türkei, dass ihre Sicherheitsbedenken von den NATO-Verbündeten nicht angemessen berücksichtigt werden. Trotz dieser Frustrationen bleibt die NATO nach wie vor der wichtigste Sicherheitsschirm für die Türkei. Die Türkei verfügt nach den USA über die zweitgrößte Streitmacht innerhalb der NATO und gehört zu den zehn größten Beitragszahlern zum NATO-Haushalt. 1 Im Jahr 2024 investierte das Land 2,09 Prozent seines BIP in den Verteidigungshaushalt 2 , zudem beherbergt es mehrere Hauptquartiere und Ausbildungszentren der NATO in verschiedenen türkischen Städten. Die Türkei beteiligt sich je nach Anforderung an den laufenden Operationen der NATO und spielt eine aktive Rolle bei der Bekämpfung des Terrorismus – zum Beispiel im Rahmen der NATO-Mission im Irak, wo sie irakische Streitkräfte ausbildet. 3 Das Streben der Türkei nach strategischer Autonomie und ihr zunehmend eigenmächtiges politisches Handeln haben insgesamt zu einer gewissen Entfremdung innerhalb der NATO geführt. Die türkischen Think-Tanks erkennen diese Tendenz weitgehend an, liefern jedoch verschiedene Erklärungen zu den Ursachen und Auswirkungen und schlagen gleichzeitig geeignete strategische Reaktionen vor. Regierungskritische,»transatlantisch« orientierte Think-Tanks und Institute 4 wie das Centre for Economics and Foreign Policy Studies(EDAM) und das Istanbul Policy Center(IPC) betrachten die jüngste Isolation des Landes als teilweise selbstverschuldet. Als Hauptursachen dafür sehen sie den demokratischen Rückschritt der Türkei, einen konfrontativeren diplomatischen Stil der türkischen Politik und die Abkehr Ankaras von transatlantischen Standards. Sie erkennen die geostrategische Bedeutung der Türkei im Kontext der sich dramatisch verändernden internationalen Ordnung an, plädieren jedoch für eine Neuausrichtung der Politik und ­erneute Investitionen in euro-atlantische Strukturen, um das Vertrauen und den Zusammenhalt wiederherzustellen. Im Gegensatz dazu halten regierungsnahe,»multipolare« Think-Tanks wie die Stiftung für politische, wirtschaftliche und soziale Forschung(SETA) und das Zentrum für Strategische Forschung(SAM) die strategische Distanzierung der Türkei von der NATO für unvermeidlich und notwendig. Diese Gruppen vertreten die Ansicht, dass die internationale 1  www.setav.org/en/assets/uploads/2022/02/U001En.pdf(abgerufen am 2. Februar 2025). 2  www.nato.int/nato_static_fl2014/assets/pdf/2024/6/pdf/240617-def-exp-2024-en.pdf(abgerufen am 2. Februar 2025). 3  www.nato.int/cps/en/natohq/news_230766.htm(abgerufen am 3. Februar 2025). 4  Diese Analyse konzentriert sich hauptsächlich auf zwei Gruppen von Think-Tanks in der Türkei: die Transatlantiker und die Multipolaristen. Während die erstgenannte ­Gruppe überwiegend regierungskritisch ist, steht die zweite Gruppe der Regierung positiv gegenüber. Anders als in der ersten Studie von Göğüş werden die Think-Tanks in der vorliegenden Studie nicht nach Nationalisten und Liberalen klassifiziert, sondern nach Transatlantikern und Multipolaristen(Göğüş 2021: 72–79). Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Institutionen SETA und EDAM, die sich auf Sicherheits- und außenpolitische Fragen spezialisiert haben und viele Publikationen zu den Beziehungen zwischen der NATO und der Türkei veröffentlichen. Inhalt 3 Ordnung, die sich nach dem Kalten Krieg herausgebildet hat, nicht mehr den gegenwärtigen Sicherheitsbedürfnissen der Türkei entspricht, insbesondere im Hinblick auf die unzureichende Unterstützung der NATO in Fragen wie Terrorismusbekämpfung und Grenzsicherheit. Aus dieser Perspektive werden die regionale Selbstbehauptung der Türkei und ihre Zusammenarbeit mit nicht-westlichen Akteuren – wie den BRICS-Staaten oder der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit(SCO) – nicht als Abweichungen, sondern als Anpassungen an eine multipolare Realität dargestellt. Trotz ihrer Differenzen befürworten beide Gruppen die Integration der Türkei in die transatlantischen und europäischen Sicherheitsstrukturen, doch ihre Vorstellungen über die Zukunft der NATO weichen voneinander ab. Während die Transatlantiker eine normative Wiedereingliederung in die westlichen Sicherheitsstrukturen befürworten, plädieren die Multipolaristen für eine transaktionale, interessenbasierte Zusammenarbeit, die auf strategischer Autonomie und flexiblen Partnerschaften beruht. Die Bedrohungswahrnehmung der Türkei Die Bedrohungswahrnehmungen der Türkei unterscheiden sich schon seit langer Zeit von denen ihrer NATO-Verbündeten, was durch die geografische Lage des Landes in einer volatilen Region und die in der Türkei wahrgenommene Verflechtung von inneren und äußeren Sicherheitsbedrohungen zu begründen ist. Die Konflikte und Bürgerkriege im Nahen Osten, vor allem im Irak und in Syrien, haben zu einer erheblichen Instabilität und zu einem Machtvakuum entlang der unmittelbaren Grenzen der Türkei geführt. Das wichtigste Sicherheitsproblem für den türkischen Staat ist jedoch der Konflikt zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und dem türkischen Militär. Wie die regierende Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) sowie viele Expert_innen betonen, hat der Kurdenkonflikt in den letzten zehn Jahren einen Prozess der Regionalisierung durchlaufen, wobei die türkischen Grenzen zu einem Schauplatz für Aktionen feindlicher militanter Organisationen wie der PKK im Irak, der Volksverteidigungseinheiten(YPG) in Syrien und dem Islamischen Staat im Irak und Syrien(ISIS) geworden sind. Die Türkei betrachtet die YPG aufgrund ihrer Verbindungen zur PKK – die auch von den USA und der Europäischen Union als terroristische Organisation eingestuft wird – als eine terroristische Organisation. Die NATO-Verbündeten der Türkei haben die YPG, einen wichtigen Partner im Kampf gegen den IS in Syrien, militärisch ausgebildet und mit Waffen versorgt. Die türkische Regierung und Gesellschaft sehen darin jedoch eine Gefahr für die nationale Sicherheit ihres Landes. Ankara hat den USA und seinen europäischen Verbündeten vorgeworfen, die sicherheitspolitischen Interessen der Türkei innerhalb des NATO-Bündnisses nicht ausreichend zu verstehen und anzusprechen. Diese Ansicht wurde in einer aktuellen Meinungsumfrage von der türkischen Bevölkerung bestätigt: 55 Prozent der Befragten betrachteten die USA als eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit in Europa, 56 Pro zent nahmen auch Russland als Bedrohung wahr, und 44 Prozent sahen auch China als Bedrohung an. 5 Der Umstand, dass die Türkei und ihre NATO-Verbündeten Bedrohungen unterschiedlich wahrnehmen, hat das Gefühl der Türkei, von ihren westlichen Partnern vernachlässigt zu werden, noch verstärkt und damit die Suche nach einer »nichtwestlichen« Identität und einer unabhängigen Außenpolitik beschleunigt(Göğüş 2021: 72f.). Die türkischen Regie rungsführer sind der Ansicht, dass die nach dem Ende des Kalten Krieges etablierte liberale Weltordnung ein Ende genommen hat. In Ankara herrscht Unbehagen gegenüber der bestehenden internationalen Ordnung – einer Ordnung, in welcher der Westen weiterhin einen dominierenden Einfluss ausübt und die von ausgeprägten politischen und ökonomischen Ungleichheiten im globalen System charakterisiert ist. Ankara fordert daher – wie andere Mittelstaaten im Globalen Süden auch – mehr Mitspracherecht in internationalen Angelegenheiten. Die Nachbarstaaten der Türkei bleiben nach wie vor ein ­kritischer Brennpunkt der sicherheitspolitischen Herausforderungen, die die Außen- und Verteidigungspolitik des Landes prägen. Diese Herausforderungen beinhalten den Anstieg des Flüchtlingszustroms, die Ausbreitung bewaffneter nichtstaatlicher Akteure, die regionale ökonomische Instabilität und die Aggression Russlands gegen die Ukraine. Vor diesem Hintergrund verfolgt Ankara eine zunehmend selbstbewusste und aggressive Militärstrategie und greift auf eigene Initiative in die Konflikte in Nordsyrien und im Irak ein, um vermeintliche Bedrohungen durch die PKK und ihr nahestehende Gruppen einzudämmen und neue Flüchtlingsströme zu verhindern. 6 Während die NATO-­Verbündeten diese Interventionen missbilligen, werden sie von den tür­ kischen Regierungsvertretern als unverzichtbar für die Wahrung der nationalen Souveränität und inneren Sta­ bilität verteidigt. Die Türkei hat ihre regionale Machtprojektion über ihre südlichen Grenzen hinaus ausgeweitet und zeigt nun auch militärisches und sicherheitspolitisches Engagement in Libyen, Somalia und Katar. Diese selbstbewusste Außenpolitik trifft auf Spannungen mit NATO-Partnern wie Griechenland und Frankreich, die aus Streitigkeiten über den Luftraum und das Seerecht herrühren. Die Streitigkeiten über die Seegerichtsbarkeit, die zwischen Griechenland und der Türkei aufflammten, sind eskaliert und haben zu einer Konfrontation im östlichen Mittelmeer geführt, wobei Zypern 5  Die Meinungsumfrage»FES Security Radar 2025« wurde im September 2024 durchgeführt, also vor Trumps zweiter Amtszeit. 6  Weitere Informationen zum militärischen Aktivismus der Türkei bietet das Visualisierungsprojekt von CATS: www.cats-network.eu/visualisations/visualising-turkeys-foreignpolicy-activism. 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. und Frankreich auf der Seite Griechenlands standen. Die enge Kooperation zwischen Frankreich und Griechenland im Bereich der Verteidigung, die Waffenverkäufe und eine bilaterale Verteidigungsklausel umfasst, wurde von der ­Türkei als Abschreckung für ihr eigenes Land wahrgenommen. Diese Konfrontationen spiegeln das allgemeine Dilemma an der Südflanke der NATO wider: Die regionalen Ambitionen und einseitigen Sicherheitsmaßnahmen der Türkei kollidieren zunehmend mit den Interessen anderer Mitgliedstaaten, was dazu führt, dass Ankara immer stärker als ein unberechenbarer Partner wahrgenommen wird. Der gescheiterte Putschversuch im Juli 2016 markierte ei nen entscheidenden Bruch in der Innenpolitik der Türkei sowie in ihren Beziehungen zu den westlichen Verbündeten. Die türkische Regierung machte Fethullah Gülen, einen islamischen Prediger, der bis zu seinem Tod im Oktober 2024 im Exil in den USA lebte, für die Organisation des Putschversuchs verantwortlich und stufte sein Netzwerk – das sie als»FETÖ« bezeichnet – als terroristische Organisation ein. Obwohl die NATO-Verbündeten den Putschversuch umgehend verurteilten, empfand Ankara die Reaktion des Westens als nicht unterstützend genug; einige Regierungsvertreter_innen vermuteten sogar eine stillschweigende Sympathiebekundung gegenüber den Putschisten. Diese Wahrnehmung verstärkte das Misstrauen der türkischen Führung gegenüber ihren westlichen Partnern. Heute sieht sich die Türkei mit zunehmenden globalen Unsicherheiten konfrontiert, zum Beispiel mit der zunehmenden geopolitischen Rivalität zwischen den USA und China, dem anhaltenden Krieg in der Ukraine sowie den Konflikten in Syrien, Gaza und verschiedenen Regionen Afrikas. Die politischen Entscheidungsträger_innen der Türkei betonen nachdrücklich, dass sich eine multipolare Weltordnung herausbildet und dass die Türkei versucht, sich an dieses neue geopolitische Umfeld anzupassen, indem sie ihre»strategische Autonomie« stärkt – ein Begriff, der die beachtliche Fähigkeit des Landes zeigt, unabhängig zu handeln und ein Gleichgewicht zwischen dem westlichen Bündnis, Russland und China aufrechtzuerhalten. Die wachsende militärische Stärke des Landes, die sich im Umfang seiner Streitkräfte und einer florierenden Rüstungsindustrie zeigt, ermöglicht es der Türkei, ihre Muskeln als Regionalmacht zu zeigen und ihre geopolitischen und ideologischen Ziele mit größerer Entschlossenheit zu verfolgen. Die Ambition der Türkei, Einfluss auf die Weltpolitik auszuüben, zeigt sich in ihrer wachsenden militärischen und ökonomischen Präsenz, die vom Schwarzen Meer bis zum östlichen Mittelmeerraum reicht und sich bis in den Südkaukasus, nach Zentralasien und sogar bis nach Afrika erstreckt. Diese Präsenz macht die Türkei zu einem wichtigen Akteur in den unmittelbaren Nachbarstaaten der Europäischen Union und innerhalb des geopolitischen Radars der EU. Bei der Verfolgung ihrer nationalen Interessen betreibt die Türkei eine differenzierte Außenpolitik, indem sie mit verschiedenen Partnern zusammenarbeitet, vielfältige Bündnisse unterhält und gleichzeitig die Beziehungen zu westlichen Staaten weiterhin pflegt. Durch den strategischen Einsatz flexibler Koalitionen und transaktionaler Partnerschaften navigiert Ankara geschickt durch die neu entstehende Weltordnung. Das Engagement der Türkei im Astana-Prozess und im»3+3-Format« im Südkaukasus sind beispielhafte Fälle, in denen die Türkei in Zusammenarbeit mit anderen externen Akteuren darauf hingearbeitet hat, Konflikte zu»bewältigen« und die konkurrierenden Interessen der beteiligten Parteien in Einklang zu bringen. Die türkischen Think-Tanks vertreten unterschiedliche Standpunkte zur Positionierung der Türkei in der internationalen Ordnung, stimmen jedoch weitgehend mit den Bedrohungsanalysen der türkischen Regierung überein. Forscher_ innen der regierungsnahen, multipolar orientierten Stiftung SETA betrachten Russland und China als weniger große Bedrohungen für die Türkei und betonen stattdessen die direkten Gefahren, die von der PKK, der YPG und der FETÖ ausgehen. Auch Expert_innen der regierungskritischen, transatlantisch orientierten Stiftung EDAM betonen, dass »terroristische Organisationen wie die PKK und die YPG eine ernsthafte Bedrohung für die Türkei darstellen«(Ceylan/Ildem 2021; Kasapoğlu 2019; Kasapoğlu/Ülgen 2018). Die Analysen beider Gruppen zu den globalen Herausforderungen im Bereich der politischen Sicherheit beziehen sich – in einer Weise, die mit der offiziellen Linie übereinstimmt – auch auf die Klimakrise, den Terrorismus, Cyberbedrohungen und irreguläre Migration(SETA 2025; Gisclon 2024). Was die strategische Ausrichtung der Türkei betrifft, herrscht unter Expert_innen der Konsens, dass die Türkei sich nicht sicher ist, ob sie sich dem westlichen oder dem nichtwestlichen Block anschließen soll. Die multipolar orientierten Think-Tanks sind der Ansicht, dass die NATO-Verbündeten die Türkei im Stich gelassen haben und allein für sich kämpfen ließen, als sie mit Bedrohungen durch Russland, den Iran und terroristische Gruppierungen in Syrien und im Irak konfrontiert war(Ataman 2022; Duran 2022b; Yalçın 2017). Die Türkei war somit gezwungen, die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit selbst zu übernehmen und autonom zu handeln. Im Gegensatz dazu betonen transatlantisch orientierte Think-Tanks wie EDAM und das IPC, dass die Hinwendung der Türkei zur Autokratie und die»unangemessene« strategische Ausrichtung des Landes – vor allem seine strategische Hinwendung zur nichtwestlichen Welt – zu einer diplomatischen Isolation geführt und sogar eine Regierungskrise ausgelöst haben(Aydin-Düzgit/Kutlay/Keyman 2025; Ülgen 2024). Diese Gruppe erklärt jedoch auch, dass die tür kische Regierung in ihrer Außenpolitik nun einen zurückhaltenderen Kurs in Bezug auf Fragen der Autonomie verfolgt. Der russische Angriff der Ukraine im Februar 2022 markier te einen Wendepunkt für die Sicherheitsordnung in Europa und hatte weitreichende Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen der Türkei und der NATO. Die Türkei versucht, ein Gleichgewicht zwischen Russland und der NATO zu wahren – ein außenpolitischer Kurs, der bei den europäischen NATO-Mitgliedsstaaten bis vor kurzem auf Skepsis stieß und Zweifel an der Verlässlichkeit Ankaras als Partner aufDie Bedrohungswahrnehmung der Türkei 5 kommen ließ. Türkische Fachkreise unterstreichen hingegen, dass die Türkei ihre Verpflichtungen innerhalb der NATO trotz unterschiedlicher Bedrohungswahrnehmungen uneingeschränkt wahrnimmt. Dieses beständige Band der gegenseitigen Abhängigkeit in Sicherheitsfragen, das auch politische Differenzen und unterschiedliche Prioritäten überdauert, wurde durch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen weiter gefestigt – vor allem aber durch den Ukraine-Krieg, die Rückkehr Trumps ins Amt des Präsidenten der USA, das ungewisse Schicksal des Gazastreifens und die Lage in Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland: Flexible Ausrichtung und ­kontrollierte Spannungen Die aufkeimenden Beziehungen der Türkei zu Russland sind seit langem ein Streitpunkt innerhalb der NATO. Schon vor dem Ukraine-Krieg lösten die strategische Annäherung Ankaras an Moskau – insbesondere der Erwerb des russischen Raketenabwehrsystems S-400 im Jahr 2019 – er hebliche Gegenreaktionen aus. Diese Entscheidung führte zu US-Sanktionen und zum Ausschluss der Türkei aus dem F-35-Kampfflugzeugprogramm und bestärkte die NATO in ihrer Einschätzung, dass Ankara ein unberechenbarer Bündnispartner ist. Trotz grundlegender strategischer Differenzen in Syrien, Libyen und im Südkaukasus haben die Türkei und Russland eine funktionierende, wenn auch asymmetrische Partnerschaft bewahrt. Türkische Analyst_innen aus beiden – transatlantisch und multipolar orientierten – Gruppen sind sich einig, dass die bilateralen Beziehungen weitgehend von einem Pragmatismus der Führungsebene bestimmt werden, insbesondere von der guten Beziehung zwischen Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Präsident Wladimir Putin. Ihre beidseitige Unzufriedenheit mit dem Westen hat zeitweise als Katalysator für eine engere Zusammenarbeit gewirkt. Wie Ülgen(2024) feststellt,»waren die Beziehun gen der Türkei zum Westen aus historischer Sicht ein entscheidender Faktor für den Ausbau der Beziehungen Ankaras zu Russland. Als die westlichen Partnerschaften ins Stocken gerieten, wandte sich Ankara oft Moskau zu, um seine politische Verbindung zu Russland zu stärken und die ökonomischen Beziehungen auszubauen«. Die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei haben sich seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges leicht verändert. Einerseits haben die westlichen Sanktionen das Vertrauen Russlands in die Türkei gestärkt, da Ankara sich den Maßnahmen seiner westlichen Bündnispartner gegen Moskau nicht angeschlossen hat. Andererseits hat dies weder zu einer wesentlichen Veränderung der asymmetrischen Beziehungen Ankaras zu Russland noch zu einer gerechteren Partnerschaft geführt. Viele türkische Expert_innen b­ etrachten Russland weniger als eine direkte Bedrohung, wie die NATO es tut, sondern betrachten es als einen Konkurrenten und Risikofaktor für die Türkei und befürworten die Wahrung eines Gleichgewichts zwischen Russland und dem Westen. Die konkreten Folgen des türkischen Balanceakts zeigen sich besonders deutlich in der intensivierten wirtschaftlichen Kooperation zwischen Ankara und Moskau. Obwohl Expert_innen aus multipolar und transatlantisch orientierten Think-Tanks hervorheben, dass die gegenseitigen Beziehungen im Handels- und Energiesektor sehr wichtig sind, warnen sie auch vor einer übermäßigen Abhängigkeit der Türkei von Russland im Bereich des Energiesektors. 7 Güler(2025: 57), ein Experte von der multipolar orientierten Organisation SETA erklärt, dass die strategische ökonomische Zusammenarbeit mit Russland fortdauern wird, das bevorzugte langfristige Ziel jedoch darin besteht, die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen zu verringern. In diesem Kontext argumentiert Sinan Ülgen(2024) vom transat lantisch orientierten Think Tank EDAM, dass die russischtürkische Partnerschaft im Bereich der Kernenergie die Möglichkeit birgt, die Rolle Russlands als maßgeblichen Akteur im Energiesektor der Türkei weiter zu festigen. 8 In einem aktuellen Bericht über das militärische Gleich­ gewicht zwischen der NATO und Russland behauptet Kasapoğlu(2024) von EDAM, dass Russland auf einen langwierigen Krieg setzt, um»die Ukraine und den Westen zu zermürben«. Er erklärt, falls Russland den Krieg weiterführen wolle, sei es angewiesen auf»eine stabile Kriegswirtschaft, eine widerstandsfähige Verteidigungs­ industrie und drei grundlegende Fähigkeiten zur Kriegs führung: Artillerie, schwere Rüstung und Manpower«. Kasapoğlu schätzt, dass die NATO insgesamt Russland überlegen ist, dass jedoch»das russische Militär eine lokale Überlegenheit gegenüber der vorgeschobenen NATO-Prä senz in Osteuropa aufweist«. Die Expert_innen von SETA nehmen keine Bewertung der militärischen Stärke Russlands vor, betonen jedoch nachdrücklich die Schlüssel­ rolle, die die Türkei im Rahmen der NATO-Strategie zur Abschreckung und territorialen Verteidigung des Bündnisses einnimmt(SETA 2025). Obwohl die türkischen Expert_innen kaum über hybride Bedrohungen aus Russland diskutieren, betont Yesiltas(2022) von SETA, ohne nähere Erklärungen zu liefern, dass die Türkei in der NATO eine führende Position einnimmt, was ihre Bereitschaft und Fähigkeit betrifft, den Heraus­forderungen hybrider Bedrohungen wirksam zu begegnen. Transatlantisch ausgerichtete Fachkreise weisen jedoch darauf hin, dass die Türkei hybriden Angriffen ausgesetzt ist – sowohl durch Russland als auch durch Terrororganisationen. Des7  Russland deckt 49 Prozent des Energiebedarfs der Türkei – hauptsächlich durch Gaslieferungen. Russland ist auch der größte Importlieferant der Türkei: Im Jahr 2023 ­betrug der Anteil der Importe aus Russland 45,6 Milliarden US-Dollar. Siehe: Poyrazlar(2024). 8  Das russische Unternehmen Rosatom baut zurzeit im Süden der Türkei das Kernkraftwerk»Akkuyu«. 6 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. halb vertreten sie die Auffassung, dass die Türkei ein Bewusstsein und Verständnis für hybride Bedrohungen entwickeln und sich mit ihren NATO-Verbündeten entsprechend abstimmen muss. Im Großen und Ganzen sind sich türkische Fachleute aller Gruppen darin einig, dass Ankara eine direkte Konfrontation mit Russland vermeiden möchte. Viele befürworten eine NATO-Strategie, die Abschreckung und diplomatische Einbindung in ein ausgewogenes Verhältnis setzt – ein Ansatz, der dem türkischen Bestreben entspricht, statt offener Rivalität auf eine flexible Ausrichtung und einen kontrollierten Umgang mit Spannungen zu setzen. Zwischen strategischer Chance und K­ onkurrenz: Die Entwicklung der türkisch-c­ hinesischen Beziehungen Die Beziehungen der Türkei zu China sind ein weiteres Paradebeispiel dafür, wie das Land zwischen den verschiedenen globalen Mächten balanciert. Obwohl die sicherheitspolitische Kooperation nach wie vor begrenzt ist, betrachtet Ankara Peking als einen unverzichtbaren Wirtschaftspartner und bemüht sich um eine Vertiefung der Beziehungen durch Partnerschaften in den Bereichen Handel, Infrastruktur und Investition. Die strategische Ausrichtung ist vorwiegend ökonomischer und diplomatischer Natur und konzentriert sich auf den Technologietransfer, Projekte im Bereich Konnektivität und institutionelles Engagement in multilateralen Plattformen. Ein Beispiel für diese Zusammenarbeit ist das Engagement der Türkei in der von China geführten Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit(SCO). Seit Ankara im Jahr 2013 erst mals sein Interesse bekundete, hat es sich als Dialogpartner in der Organisation engagiert und seine Bereitschaft signalisiert, den Status der Türkei innerhalb der Organisation hochzustufen und eine Vollmitgliedschaft anzustreben. 9 Obwohl bisher noch kein formeller Beitrittsprozess eingeleitet wurde, betrachten türkische Regierungseliten die SCO weiterhin als eine ergänzende – jedoch nicht alternative – Plattform zu den euro-atlantischen Strukturen, was im Einklang mit der um­ fassenderen strategischen Balancepolitik Ankaras steht. Unter türkischen Think-Tank-Expert_innen herrscht Einigkeit darüber, dass die sich verschärfende Rivalität zwischen den USA und China sowohl Risiken als auch Chancen birgt. Expert_innen betonen Chinas Rolle als Technologieriese und Wirtschaftsmacht und sprechen sich dafür aus, dass die Türkei ihre Beziehungen zu China stärkt. Was die Fle­xibilität der türkischen Außenpolitik betrifft, gehen die Meinungen der multipolar und transatlantisch orientierten Think-Tanks jedoch auseinander. Die multipolar-ausgerichteten Analyst_ innen – zum Beispiel von der Stiftung SETA – loben die Flexibilität der Türkei im Umgang mit China und betrachten ihre Balancepolitik als eine strategische Notwendigkeit. Die Transatlantiker_innen wiederum warnen davor, dass engere Beziehungen zu Peking die Position Ankaras innerhalb der NATO und der EU beeinträchtigen könnten(Ülgen un d Umarov 2025). Beide Gruppen sind sich jedoch darü ber einig, dass die wachsende globale Bedeutung Chinas nicht ignoriert werden darf und dass die Türkei versuchen sollte, die neu entstehende Ordnung mitzugestalten, statt ihr entgegenzuwirken. Politikexpert_innen nehmen zunehmend zur Kenntnis, dass zwischen der Türkei und China ein latenter Wettbewerb in Entwicklungsregionen wie Zentralasien und Afrika herrscht. Vor dem Hintergrund der eskalierenden Spannungen zwischen den USA und China und der damit einhergehenden Fragmentierung der Weltordnung argumentieren Expert_innen von SETA(2025), dass diese Dynamik strukturelle Her ausforderungen mit sich bringen und Mittelmächte wie die Türkei einschränken wird. In diesem Zusammenhang thematisieren die transatlantisch orientierten Think-Tanks auch die unausgesprochene Rivalität, die zwischen China und der Türkei in Regionen wie Zentralasien und Afrika herrscht(Ülgen und Umarov 2024). Beide Staaten haben sich in den letzten zehn Jahren zu bedeutenden Akteuren auf dem afrikanischen Kontinent entwickelt, und ihre ökonomischen und strategischen Interessen prallen gelegentlich aufeinander. Zugleich baut die Türkei ihren Einfluss in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Sicherheit und Kultur in Zentralasien aus. Die Gründung der»Organisation der Turkstaaten«(OTS) hat dazu beigetragen, den regionalen Einfluss der Türkei zu stärken; dies zeigt sich vor allem in der wachsenden Bedeutung, die die OTS als Plattform für die expandierenden Aktivitäten der Türkei in der Region hat. Obwohl der Einfluss der Türkei nicht direkt mit dem Chinas vergleichbar ist, wird Ankara aufgrund seiner historischen Verbindungen zur Region als strategisch vorteilhaft für die Zukunft wahrgenommen(Ülgen und Umarov 2024). Die südliche Dimension der NATO-Sicherheit: Türkische Perspektiven und Bündniskohäsion Die Beschlüsse, die im Juli 2024 auf dem NATO-Gipfel in Washington gefasst wurden, konzentrieren sich explizit auf die Folgen, die der Russisch-Ukrainische Krieg für die südliche Nachbarschaft der NATO hat – vor allem für den Nahen Osten, Nordafrika(MENA-Region) und Afrika. Dabei stehen vor allem Herausforderungen in den Bereichen Migration, Ernährung und Energiesicherheit im Mittelpunkt. 10 Die multipolar-ausgerichtete Stiftung SETA ist der Ansicht, dass die Türkei eine wichtige Rolle in der südlichen Nachbarschaft der NATO spielt und im Einklang mit den Zielen des 9 www.bloomberg.com/news/articles/2024-07-05/nato-ally-turkey-seeks-membership-in-china-led-sco-says-erdogan. 10  www.nato.int/cps/en/natohq/official_texts_227678.htm(abgerufen am 17. Februar 2025). Zwischen strategischer Chance und K­ onkurrenz 7 NATO-Bündnisses handelt. Aslan(2025: 48) betont darüber hinaus, dass die strategische Lage der Türkei wesentlich zur Stärkung der Überwachungs- und Reaktionsfähigkeit der NATO im Zuge des Russisch-Ukrainischen Krieges und der Entwicklungen in der MENA-Region beigetragen hat. Ildem (2024:1) vom transatlantisch orientierten Think-Tank EDAM betont, wie wichtig es ist, den 360-Grad-Ansatz der NATO beizubehalten, um jeglichen Bedrohungen und Herausforderungen, egal woher sie kommen, wirksam zu begegnen und insbesondere auch dem Terrorismus entschlossen entgegenzutreten. Er argumentiert, dass die Unterstützung, die einige Bündnispartner Organisationen wie der YPG(die seiner Ansicht nach der PKK nahesteht) angedeihen lassen, die Einheit und den inneren Zusammenhalt der NATO gefährde (ebd.: 3). Diese Kritik wird erwartungsgemäß auch von den multipolar orientierten Think-Tanks geteilt. Sowohl multipolar als auch transatlantisch ausgerichtete Think-Tanks bestätigen die 360-Grad-Bedrohungswahrneh mung der NATO. Diese Konvergenz mag unterschiedliche strategische Prämissen widerspiegeln, unterstreicht jedoch das gemeinsame Interesse daran, den Fokus der NATO über die Bedrohung durch Russland hinaus zu erweitern. Bei EDAM und IPC liegt der Schwerpunkt auf institutioneller Kohärenz und einer Teilung der Lasten, während SETA und SAM sich dafür einsetzen, dass die NATO die vom Süden ausgehenden Bedrohungen – besonders Terrorismus und fragile Staatlichkeit – stärker anerkennt. Der Ukraine-Krieg und die strategische Rolle der Türkei im Bereich der Europäischen ­Sicherheitsordnung Unter türkischen Expert_innen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass der groß angelegte Angriff Russlands auf die Ukraine einen Wendepunkt in der europäischen Sicherheitsordnung markierte. Der Krieg hat die Bedrohungswahrnehmungen, die die Türkei seit vielen Jahren im Rahmen der NATO-Sicherheitsarchitektur formuliert, bestätigt und gleichzeitig zu einer Neuausrichtung der türkischen Außenpolitik geführt. Diese Neuausrichtung umfasst keine vollständige strategische Hinwendung zum Westen, sondern eher einen differenzierten Balanceakt zwischen Abschreckung, Diplomatie und regionalem Einfluss. Ankara hat mehrere konkrete Schritte unternommen, um seine Position innerhalb der NATO wieder stärker zu betonen. Die Türkei verurteilte den Angriff Russlands umgehend – wie sie bereits die Annexion der Krim verurteilte –, schloss die türkischen Meerengen gemäß dem Vertrag von Montreux für Militärschiffe und verstärkte die militärische Unterstützung für die Ukraine durch die Lieferung von BayraktarDrohnen und Verteidigungssystemen. Gleichzeitig lehnt sie eine Beteiligung an den westlichen Sanktionen ab, hielt ihre Handels- und Energiepolitik zu Moskau 11 aufrecht und positionierte sich als potenzieller Vermittler zwischen den Kriegsparteien. All diese Maßnahmen reflektieren Ankaras Strategie, pragmatisch auf mehreren Ebenen zu agieren, statt sich ausschließlich an eine Seite zu binden. Die Ambivalenz der Türkei wurde besonders deutlich während der Debatte über die NATO-Erweiterung. Ankara begrüßte zwar den Beitritt Finnlands, blockierte jedoch zunächst die Mitgliedschaft Schwedens und verwies dabei auf die angebliche Nachsicht Stockholms gegenüber PKK-nahen Gruppen und» FETÖ«-Mitgliedern. Präsident Erdoğan ver knüpfte die Zustimmung der Türkei zur NATO-Mitgliedschaft Schwedens zudem mit weitreichenden strategischen Gefälligkeiten, zum Beispiel einer Vereinbarung mit den USA über die Lieferung von F-16-Kampfjets an die Türkei. Regierungs nahe Analyst_innen betrachteten dies als eine legitime Durchsetzung nationaler Sicherheitsinteressen und als ein transaktionales diplomatisches Vorgehen innerhalb des NATO-Bündnisses(Duran 2022). Transatlantische Expert_in nen sehen Erdoğans Vorgehen hingegen als schädlich für die Solidarität innerhalb des NATO-Bündnisses und als Reputationsverlust für die Türkei an(Ülgen 2024, Kasapoglu 2024). In Fachkreisen wird allgemein anerkannt, dass die Ukraine zum größten Schauplatz des Konflikts zwischen dem Westen und Russland geworden ist. Sowohl die transatlantische als auch die multipolaristische Seite erkennen die Invasion Russlands in der Ukraine als illegal an, nutzen jedoch eine unterschiedliche Rhetorik. Transatlantisch orientierte Expert_innen behaupten, Moskau verstoße gegen seine Verpflichtungen zur Achtung der territorialen Integrität eines souveränen Staates(Ildem 2025; Ülgen in Demir 2022), während Expert_innen in multipolar ausge richteten Think-Tanks darauf verweisen, dass Russland den Krieg als»spezielle Militäroperation« bezeichnet. Ankara hat auch seine strategische und verteidigungspolitische Partnerschaft mit der Ukraine ausgebaut, die sich zunehmend als bedeutender Partner im Ausbau der türkischen Verteidigungsindustrie erweist. Gleichzeitig hat sich Ankara als ein wichtiger Vermittler positioniert und unterhält offene Kommunikationskanäle sowohl zu Kiew als auch zu Moskau. Ankaras Vermittlungsfähigkeit zeigte sich am eindrucksvollsten in der Rolle, die die Türkei beim Getreideabkommen von 2022 und bei Verhandlungen zum Gefangenenaustausch einnahm. Die Fachgemeinschaft der Think-Tanks hat nachdrücklich ihre Unterstützung für die diplomatischen Bemühungen Ankaras bekundet. Eine der bedeutendsten Initiativen der Türkei war ihre lautstarke Forderung nach einem NATO-Beitritt der Ukraine. 12 Diese Haltung ist nicht nur symbolischer Natur, sondern stellt auch eine strategische Wette auf das langfristige Überle ben der Ukraine als Gegengewicht zur russischen Macht 11  Die Warenexporte der Türkei haben sich im Zeitraum von 2021 bis 2023 fast verdoppelt, siehe: www.statista.com/statistics/1308355/turkey-share-of-exports-to-russia/. 12 www.aa.com.tr/en/turkiye/turkiye-urges-realism-on-ukraine-s-nato-bid-cites-security-concerns/3491590. 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. dar – vor allem in der Region des Schwarzen Meeres. Expert_innen beider Lager betonen, dass die Türkei seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges ihren kollektiven Verteidigungspflichten nachkommt und bereit ist, sich an weitere Anforderungen der NATO anzupassen. Sowohl transatlantisch als auch multipolar orientierte Analyst_innen sind sich einig, dass die Haltung der Türkei im Ukraine-Krieg von einer Kombination aus geopolitischem Pragmatismus und Absicherung geprägt ist. Trotz unterschiedlicher Meinungen über die langfristige strategische Ausrichtung Ankaras besteht in beiden Lagern Einigkeit darüber, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine eine neue Annäherung zwischen der Türkei und der NATO begünstigt hat – insbesondere im Hinblick auf Abschreckungsmaßnahmen gegenüber Russland. Der Plan der Trump-Regierung, den Ukraine-Krieg durch einen bilateralen Ansatz mit Russland zu beenden, hat die Debatte über die Sicherheit Europas erheblich verändert. Wie ihre europäischen Verbündeten erkennt auch die Türkei, dass sie ihre Sicherheitsinteressen neu ausrichten muss, um auf den Wandel, der sich in den transatlantischen Beziehungen abspielt, zu reagieren. Während Ankara keine offizielle Kritik an der US-Regierung übt – in der Hoffnung, seine Partnerschaft im Bereich der Verteidigungspolitik aufrechtzuerhalten –, bleibt es dennoch besorgt über die möglichen Auswirkungen. In einer Rede, die er vor kurzem hielt, betonte Außenminister Hakan Fidan:»Eine geringere Abhängigkeit von den USA wird die Europäer_innen – und uns alle – widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen machen.« 13 Was Sicherheitsgarantien für die Ukraine angeht, nimmt Ankara eine abwartende Haltung ein, um die Gespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine genau zu beobachten, bevor es irgendwelche Verpflichtungen eingeht. Die türkische Regierung befürchtet, dass der Ausgang des Ukraine-Krieges allein von den USA und Russland bestimmt werden könnte, was regionale Akteure wie die Türkei ins Abseits drängen würde. Zudem zeigt sich Ankara beunruhigt über eine mögliche Ausweitung der russischen Präsenz im Schwarzen Meer sowie über eine potenzielle Fragmentierung innerhalb der NATO. Neue Wege für die Zukunft der NATO: Die Rolle der Türkei in einem sich wandelnden globalen Sicherheitsumfeld Die türkische Debatte über die Zukunft der NATO und die Rolle, die die Türkei innerhalb des Bündnisses einnimmt, wird maßgeblich von den spezifischen Bedrohungswahrnehmungen Ankaras und seinem Verständnis von strategischer Autonomie geprägt. Türkische Think-Tanks sind sich einig, dass die Türkei den Sicherheitsschirm der NATO niemals aufgeben, sondern den Balanceakt zwischen dem Westen und dem Nicht-Westen weiterführen wird. Der SETA-Experte Aslan (2025: 49) behauptet zum Beispiel:»Obwohl böswillige Perso nen und Organisationen der Türkei vorwerfen, sie würde sich ‚in andere Richtungen orientieren‘, wird Ankara weiterhin zu den Visionen, Zielen und Vorgaben der NATO stehen.« Multipolar orientierte Institutionen wie die SETA argumentieren, dass die autonome Außenpolitik der Türkei eine notwendige Anpassung an die globale Multipolarität und die Widersprüchlichkeit des Westens sei. Sie porträtieren die Türkei als einen souveränen Akteur, der gleichzeitig einen Beitrag zur NATO leistet und die Beziehungen zu Russland, China und anderen nichtwestlichen Mächten vertieft. Diese Gruppe von Think-Tanks unterstützt einen transaktionalen Ansatz gegenüber der NATO, der sich auf Sicherheitsgewinne, flexible Partnerschaften und eine operative Lastenteilung konzentriert. Im Gegensatz dazu betonen transatlantisch ausgerichtete Analyst_innen, dass die Abkehr der Türkei von den NATO-Standards, die sich vor allem im demokratischen Rückschritt und im abwartenden Verhalten des Landes zeigt, die Glaubwürdigkeit und diplomatische Stellung Ankaras geschwächt hat(Özdemir 2022; Üzümcü/ İldem/Ceylan 2021). Sie fordern eine institutionelle Neuaus richtung auf euro-atlantische Rahmenbedingungen und eine stärkere Hinwendung zu gemeinsamen Werten und einer regelbasierten Zusammenarbeit. Die Meinungsverschiedenheiten unter den türkischen Expert_innen erstrecken sich auch auf die Bewertung der transatlantischen Beziehungen unter der Führung der USA. Die Rückkehr Trumps als Präsident der US-Regierung wird in türkischen Fachkreisen mit zurückhaltendem Pragmatismus betrachtet. Multipolar orientierte Expert_innen(SETA 2025) gehen von einem eher transaktionalen Umfeld aus, in dem die Türkei ihre NATO-Verpflichtungen weiterhin mit ihrer autonomen politischen Agenda in Einklang bringen wird. Die Transatlantiker_innen befürworten jedoch eine engere Zusammenarbeit zwischen der EU, der NATO und der Türkei in regionalen und multilateralen Rahmenstrukturen, um der zunehmenden Unberechenbarkeit Washingtons entgegenzuwirken(Ülgen 2024). Der Ukraine-Krieg hat zu großen Annäherungen zwischen der Türkei und dem Westen geführt, insbesondere im Hinblick auf die Stärkung der Rolle, die Ankara als Sicherheitsgarant gegenüber Russland spielt(Coşkun et al. 2024). Angesichts der Herausforderungen, die durch die Politik der Trump-Regierung auf die europäische Sicherheitsordnung zukommen, betonen sowohl die türkische Führung als auch Fachkreise die dringende Notwendigkeit eines vertieften und umfassenden Dialogs zwischen der EU und der Türkei, um die Zusammenarbeit in Fragen der europäischen ­Sicherheit sowie der außenund sicherheitspolitischen Kooperation nachhaltig zu stärken. 13  www.aa.com.tr/en/turkiye/turkiye-urges-realism-on-ukraine-s-nato-bid-cites-security-concerns/3491590(abgerufen am 29. März 2025). Neue Wege für die Zukunft der NATO 9 Zusammenfassung Eine vergleichende Analyse des türkischen Fachdiskurses über die Zukunft der NATO zeigt, dass es eine anhaltende, aber nuancierte Spannung zwischen strategischer Autonomie und institutioneller Ausrichtung gibt. Die Türkei bekennt sich zwar weiterhin zur NATO, doch ihre wachsenden regionalen Ambitionen, innenpolitischen Entwicklungen sowie ihre multi-alignment Strategie haben ihr Engagement gegenüber dem NATO-Bündnis neu geprägt. Der UkraineKrieg hat zu einer temporären sicherheitspolitischen Annäherung zwischen der Türkei und dem Westen geführt. Dennoch wird die politische Haltung Ankaras weiterhin maßgeblich von konkurrierenden Narrativen – vor allem im Spannungsfeld zwischen transatlantischen und multipolaren Sichtweisen – beeinflusst. Die Bedrohung, die Russland für die NATO darstellt, hat in der türkischen Debatte an Bedeutung gewonnen. Die politischen Entscheidungsträger_innen sind bestrebt, eine Eskalation zu verhindern und gleichzeitig die diplomatischen Kommunikationskanäle zu Moskau offen zu halten. Dieser Ansatz positioniert Ankara sowohl als Abschreckungsmacht als auch als potenziellen Vermittler in einer Strategie der»kontrollierten Konfrontation«. Obwohl die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit China nach wie vor begrenzt ist, betrachtet die Türkei Peking als einen wichtigen Wirtschaftspartner und strebt eine Stärkung der Beziehungen in den Bereichen Handel, Infrastruktur und Investition an. Die südliche Nachbarschaft der NATO wird in türkischen Fachkreisen weithin als das größte Sicherheitsproblem für die Türkei und Europa betrachtet, was vor allem auf die anhaltende Bedrohung durch den Terrorismus zurückzuführen ist. Obwohl die letzten zwei Jahrzehnte erhebliche Krisen und sicherheitspolitische Herausforderungen mit sich brachten, hat die Türkei ihre Verpflichtungen gegenüber der NATO eingehalten. Diese Stabilität der Beziehungen beruht auf mehreren Faktoren: der strategischen Lage der Türkei, der starken militärischen und ökonomischen Unterstützung durch die NATO-Mitgliedsstaaten und der weiterführenden politischen und ökonomischen Vorteile, die eine Annäherung an westliche Institutionen mit sich bringt(Akgül-Açıkmeşe& Aksu, 2024). Für die Zukunft wird erwartet, dass die Türkei weiterhin eine unabhängige Außenpolitik verfolgt, die von einer Strategie der multi-alignment geprägt ist, während sie gleichzeitig ihre NATO-Identität bewahrt. 10 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Literatur Akgül-Açıkmeşe, Sinem,& Aksu, F.(2024): Türkiye’s Relations with/within NATO: The Ontological Security Dilemmas of Türkiye’s Transatlantic Identity. Alternatives, Online First, 6. November 2024. Anadolu Agency(2025): Türkiye urges realism on Ukraine’s NATO bid, cites security concerns, www.aa.com.tr/en/turkiye/turkiye-urges-realism-on-ukraine-s-nato-bid-cites-security-concerns/3491590. Aslan, Murat(2025): Türkiye-NATO Iliskileri: Gelişmeler ve Projeksiyonlar, In: SETA Güvenlik Radarı: 2025’te Türkiye’nin Jeopolitik Ortamı, Küresel Belirsizlikler Döneminde Fırsatları Yönetmek, S. 45–50, www.setav.org/assets/uploads/2025/01/r257.pdf. Ataman, Muhittin(2022): On its 70th anniversary, how do you evaluate TurkeyNATO relations? Contribution in: Shkurti, Gloria Özdemir(ed), Experts Respond: 70 Years of Turkey NATO Relations, S. 5–8, www.setav.org/en/assets/uploads/2022/02/ U001En.pdf(abgerufen am 1. Februar 2025). Aydin-Düzgit, Senam/Kutlay, Mustafa/Keyman, Fuat(2025): Strategic autonomy in Turkish foreign policy in an age of multipolarity: lineages and contradictions of an idea, in: Int Polit, 2025: https://link.springer.com/article/10.1057/s41311-024-00638w#rightslink(abgerufen am 9. Februar 2025). Bloomberg: NATO ally Turkey seeks membership in China-led SCO, Erdogan says, 5 July 2024: www.bloomberg.com/news/articles/2024-07-05/nato-ally-turkey-seeksmembership-in-china-led-sco-says-erdogan(abgerufen am 28. März 2025). CATS Network(2021): Visualizing Turkey’s Foreign Policy Activism, https://www. cats-network.eu/visualisations/visualising-turkeys-foreign-policy-activism(abgerufen am 9. Februar 2025). Ceylan, Fatih/Ildem, Tacan(2021): Turkey Is Grappling with the Aftershocks of Systemic Rivalry, in GMF, Insights on Turkey, www.gmfus.org/news/turkey-grappling-aftershocks-systemic-rivalry(abgerufen am 10. Februar 2025). Coşkun, Alper/ Gabuev, Alexander/ Pierini, Marc/ Siccardi Francesco, and Umarov, Te mur(2024): Understanding Türkiye’s Entanglement With Russia, in: Carnegie Endowment for International Peace International, October 2024, https://carnegieendowment. org/research/2024/10/understanding-turkiyes-entanglement-with-russia?lang=en. Demir, Arın(2022): Rusya-Ukrayna Savaşı| Interview with Sinan Ülgen: Putin, bütün ülkeler egemendir ama bazı ülkeler daha fazla egemendir anlayışına dayanıyor, in: Daktiolo 1984, https://daktilo1984.com/roportajlar/rusya-ukrayna-savasisinan-ulgenputin-butun-ulkeler-egemendir-ama-bazi-ulkeler-daha-fazla-egemendir-anlayisinadayaniyor/(abgerufen am 7. Februar 2025). Duran, Burhanettin(2022a): Increasing Tension in the War(Savaşta Yükselen Tansi yon), in: Sabah, 11 October 2022, www.setav.org/yorum/savasta-yukselen-tansiyon (abgerufen am 6. Februar 2025). Duran, Burhanettin(2022b): The Opportunity Turkey Offers NATO(Türkiye’nin NATO’ya Sunduğu Fırsat), www.setav.org/yorum/turkiyenin-natoya-sundugu-firsat(ab gerufen am 9. Februar 2025). FES Security Radar(2025): Europe—Lost in Geopolitics, Friedrich Ebert Stiftung Vienna, February 2025, www.fes.de/security-radar-2025(abgerufen am 15. Februar 2025). Gisclon Megan(2024): From Article 5 to 360 degrees: Expanding NATO’s Definition of Security over 75 Years, IPC. Göğüş, Sezer Idil 2021: Turkey discusses its relationship with NATO, in: Matthias Dembinski and Caroline Fehl(eds.): Three Visions for NATO. Mapping National Debates on the Future of the Atlantic Alliance, Friedrich-Ebert-Stiftung, https://library. fes.de/pdf-files/iez/18013.pdf. Güler, Mehmet Çağatay(2025): Turkey-Russia Relations: Indirect Constrains within Strategic Cooperation(Türkiye-Rusya İliskileri: Stratejik İş Birliği Altında Dolaylı Kısıtlama), in: SETA Güvenlik Radarı: 2025’te Türkiye’nin Jeopolitik Ortamı,(SETA Security Radar: Turkey’s Geopolitical Environment in 2025) S. 53–59, www.setav.org/ assets/uploads/2025/01/r257.pdf. Güney, Nurşin Ateşoğlu(2022): Rusya-Ukrayna Savaşı Sonrası Türkiye-AB İlişkilerinin Geleceği, SETA, www.setav.org/avrupa-arastirmalari/analiz-rusya-ukrayna-savasisonrasi-turkiye-ab-iliskilerinin-gelecegi(abgerufen am 6. Februar 2025). Ildem, Tacan(2024): Nato’s reflection process on the southern neighbourhood(s), in: EDAM, https://edam.org.tr/Uploads/Yukleme_Resim/pdf-9-05-2024-18-44-45.pdf. Kasapoğlu, Can(2019): Analysis—A Practical Guide for NATO Members to Understand Turkey, in Anadolu Ajansi, 2 December, www.aa.com.tr/en/analysis/analysis-apractical-guide-for-nato-members-to-understand-turkey/1661384(abgerufen am 9. Februar 2025). Kasapoğlu, Can(2024): NATO Is Not Ready for War: Assessing the Military Balance between the Alliance and Russia, Hudson Institute, www.hudson.org/security-alliances/nato-not-ready-war-assessing-military-balance-between-alliance-russia-can-kasapoglu(abgerufen am 8. Februar 2025). Kasapoğlu, Can/Ülgen, Sinan(2018): Operation Olive Branch: A Political-Military Assessment, EDAM, www.edam.org.tr/wp-content/uploads/2018/03/Operation-OliveBranch-Update2.pdf(abgerufen am 9. Februar 2025). Kemal Kirişçi(1994): The End of the Cold War and Changes in Turkish Foreign Policy Behaviour, Foreign Policy, Vol. 18, No. 3–4, S. 1–43. Özdemir, Gloria Shrkurti(ed.)(2021): Experts respond. 70 Years of Turkey-NATO Relations, www.setav.org/en/assets/uploads/2022/02/U001En.pdf(abgerufen am 8. Februar 2025). Poyrazlar, Elcin(2024): Turkey carves its own course in NATO, in: Politico, 8 July,(abgerufen am 8. Mai 2025). Soylu, Ragıp(2022): Turkey supplied laser-guided missiles to Ukraine, in: Middle East Eye, www.middleeasteye.net/news/turkey-supplied-laser-guided-missiles-ukraine (abgerufen am 6. Februar 2025). Ülgen, Sinan(2024): Türkiye and Russia: An Unequal Partnership, in: Carnegie Endowment for International Peace, https://carnegieendowment.org/research/2024/10/ turkiye-and-russia-an-unequal-partnership?lang=en(abgerufen am 5. Februar 2024). Ülgen, Sinan& Umarov, Temur(2024): Transatlantic Policies on China: Is There a Role for Türkiye?, in: Carnegie Endowment for International Peace, https://carnegieendowment.org/research/2024/10/transatlantic-policies-on-china-is-there-a-role-forturkiye?lang=en(abgerufen am 8. Februar 2025). Üzümcü, Ahmet/ İldem, Tacan/Ceylan, Fatih(2021): NATO’suz Türkiye, EDAM, 18 February, https://edam.org.tr/Uploads/Yukleme_Resim/-30-09-2023-15-12-27.pdf (abgerufen am 9. Februar 2025). Yalçın, Hasan(2017): S 400, in: Takvim 10 August, www.setav.org/s-400. Yesiltas, Murat(2022): On its 70th Anniversary, How Do You Evaluate Turkey-NATO Relations? in: Shkurti, Gloria Özdemir(ed.), Experts Respond. 70 Years of Turkey-NATO Relations, S. 20–23, www.setav.org/en/assets/uploads/2022/02/U001En.pdf(abgerufen am 1. Februar 2025). Literatur 11 Über die Autorin Dr. Hürcan Aslı Aksoy ist die Leiterin des Centrums für angewandte Türkeistudien(CATS) an der Stiftung Wissenschaft und Politik(SWP) in Berlin. Sie war zuvor wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politik und ­Gesellschaft des Nahen Ostens an der Friedrich-Alexander Universität und Junior Visiting Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen(IWM) in Wien. Die Zukunft der NATO – Länderstudie Türkei Die NATO ist seit ihrer Gründung die zentrale Sicherheitssäule der deutschen und europäischen Verteidigungspolitik. Seit dem Ende des Kalten Krieges durchlief sie eine Reihe interner Transformationen und Neuausrichtungen, ausgelöst durch die Entwicklungen im internationalen Sicherheitsumfeld und durch den Druck seiner Mitgliedsstaaten. Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine das Selbstverständnis der NATO als zentraler Garant der kollektiven Sicherheit gestärkt hat, müssen mit dem Wechsel der US-Administration Anfang 2025 erneut grundlegende Fragen geklärt werden. Welche Rolle werden die USA zukünftig für Europas Sicherheit übernehmen und wie können die europäischen Nationen darauf reagieren? Diese Publikation ist Teil der Studie»Die Zukunft der NATO«, in der die verschiedenen Debatten zur Allianz und den aktuellen Sicherheitsherausforderungen in 11 Mitgliedsstaaten und 3 Nicht-Mitgliedsstaaten zusammengefasst und analysiert werden. Diese Länderstudien sind Grundlage für eine zusammenfassende Publikation, um mögliche Antworten auf die offenen Fragen zu finden und mögliche Zukünfte der NATO zu entwerfen. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie hier: ↗ fes.de