STUDIE Joel Linnainmäki Juni 2025 Die Zukunft der NATO Finnland – Vorbereitung auf das Schlimmste Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Internationale Zusammenarbeit| Referat Globale und Europäische Politik Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Peer Teschendorf| Europäische Außen- und Sicherheitspolitik peer.teschendorf@fes.de Übersetzung Dr. Christine Hardung Design/Layout pertext| corporate publishing www.pertext.de Coverbild picture alliance/ Hans Lucas| Martin Bertrand Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­gegebenen ­Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. ­Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Juni 2025 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Joel Linnainmäki Juni 2025 Die Zukunft der NATO Finnland – Vorbereitung auf das Schlimmste Inhalt 1 Einführung .....................................................  3 2 Bedrohungen und Antworten ......................................  4 Russland: Abschreckung der langfristigen Bedrohung ..................  4 China: Ein Hochseilakt ...........................................  5 Die südliche Dimension: Solidarität, aber wenig Handeln ...............  6 3 Der Krieg in der Ukraine: Eine existentielle Frage für die finnische Sicherheit ...........................................  8 4 Systemische Herausforderungen ..................................  10 Die NATO als ein atomares Bündnis: mittelstarke Ambitionen ..........  10 Hybride und asymmetrische Bedrohungen: Das»finnische Modell« als eine Antwort? ...........................  11 Die transatlantische Beziehung: Ruhig bleiben, aber vorbereitet sein ....  12 Die NATO als eine politische G­ emeinschaft: Werte vs. Realismus .......  12 5 Zusammenfassung .............................................  13 Die Bedeutung der Bedrohungen e­ inschätzen .......................  13 Zusammenfassung der vorherrschenden Antworten ..................  14 Literatur ........................................................  15 1 Einführung Seit der Unabhängigkeit 1917 hat Finnland zwei Kriege ge gen die Sowjetunion geführt und Russland immer als seinen größten geopolitischen Problemfall sowie seine hauptsächliche Bedrohung gesehen. Finnlands NATO-Mitgliedschaft hat die Bündnisgrenze verdoppelt, da Russland und Finnland eine Grenze von 1 340 km teilen. Als zweitjüngs ter NATO-Mitgliedstaat bemüht sich Finnland seit April 2023 vor allem um eine volle Integration in das Bündnis. Seine beiden Hauptprioritäten für die nähere Zukunft sind das weitere US-Engagement in der NATO und die Abschreckung Russlands. Finnland ist im Bündnis eine mittelgroße Militärmacht mit etwa 900 000 Reservist_innen und einer Truppenstärke von 280 000 Soldat_innen, mit Westeuropas größter Artillerie sowie einer schlagkräftigen Luftwaffe. Das Land kauft gerade neue F-35A Kampfjets und Mehrzweck-Korvetten. Diese Beschaffungen haben das Verteidigungsbudget zeitweilig über das NATO Ziel von 2 Prozent des BIPs getrieben, aber bis 2027 müssen weitere Entscheidungen getroffen werden. Finnland bereitet sich darauf, dass die neuen Ziele für Verteidigungsausgaben auf 3 bis 3,5 Prozent des BIPs steigen könnten. Die nationale Debatte über die genaue Ausgabenziele ist aber bisher nur eingeschränkt geführt worden. Als ein kleines Land, das weite Teile seines Bestehens existentiellen Sicherheitsbedrohungen ausgesetzt war, ist Finnlands Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik traditionellerweise auf Konsens ausgerichtet. Hitzige öffentliche Debatten über die Politik wurden generell eher vermieden. Der Konsenscharakter finnischer Politik wurde auch im Prozess der NATO-Mitgliedschaft deutlich. Von 200 Mitgliedern des Parlaments stimmte eine überwältigende Mehrheit von 184 für eine Mitgliedschaft, nur 7 waren dagegen. Aber Dis kussionen und Spannungen kommen nun bei den Themen atomare Abschreckung, Militarisierung der Gesellschaft und Finnlands Umgang mit der Trump-Regierung auf. Es gibt nur wenige aber sehr aktive finnische Strateg_in nen, die sich mit der NATO und der Sicherheitspolitik auseinandersetzen. Das Finnische Institut für Internationale Angelegenheiten(Finnish Institute of International Affairs – FIIA) und die National Defence University forschen aktiv und beteiligen sich an der öffentlichen Debatte, so wie es auch einzelne Forscher_innen und Professor_innen an den Universitäten von Helsinki, Tampere and Turku tun. Dennoch fehlen an den meisten Universitäten größere Forschungsprogramme mit dem Hauptfokus auf der NATO. Die Expert_innen des European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats(Hybrid CoE) aus Helsinki nehmen an Diskussionen zu hybriden Bedrohungen teil. Auch ehemalige Minister_innen, Generäl_innen und Botschaf ter_innen beziehen in den öffentlichen Debatten aktiv Stellung. Einführung 3 2 Bedrohungen und Antworten Aufgrund der Geographie des Landes, der historischen Erfahrung und dem aktuellen Krieg in der Ukraine sind die finnischen Strateg_innen vor allem auf die von Russland ausgehende Bedrohung fokussiert. Andere Bedrohungen und Risiken, wie die strategische Abhängigkeit von China oder Terrorismus, werden diskutiert und wahrgenommen, aber sie bleiben im Vergleich marginal. Wie Mikkola et al. (2025) schreiben:»Russland hat sowohl die Möglichkeit als auch den Willen, seine strategischen Interessen durch eine breit angelegte Machtpolitik zu verfolgen.« Vor Russlands Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 richtete sich die Elite- und öffentliche Meinung in Finnland in weiten Teilen gegen eine NATO-Mitgliedschaft. Als in den späten 1990er Jahren die ersten öffentlichen Meinungsum fragen durchgeführt wurden, unterstützten weniger als 30 Prozent der Finn_innen eine Mitgliedschaft. Dies änderte sich radikal nach Russlands Überfall auf die Ukraine. Eine Woche danach war die Unterstützung einer NATO-Mitgliedschaft auf 53 Prozent gestiegen und sie stieg in den folgen den Wochen immer weiter. Dem Wandel der öffentlichen Meinung folgte ein ähnlicher Wandel der Unterstützung ­einer militärischen Ausrichtung in der politischen Elite und unter Akademiker_innen. Tuomas Forsberg nennt diese Neuausrichtung eine»von unten nach oben vorangetriebene Außenpolitik«(Forsberg 2024). Dieser Wandel wurde un terstützt, indem die NATO-Mitgliedschaft als eine Fortführung von Finnlands langem Weg zum Westen seit dem Fall der Sowjetunion dargestellt wurde(Kaarkoski, Häkkinen und Kilpeläinen 2024). Der Wandel der Meinung der Öffentlichkeit und der der ­Elite wurde durch mehrere Faktoren beeinflusst. Russlands offene Forderungen nach einer Einflusssphäre hätten die Souveränität seiner Nachbarn, darunter die der Ukraine und Finnlands, begrenzt. Das hätte letztendlich Finnlands selbsterklärte Politik der»NATO-Option« beendet, die besagte, dass Finnland, sollte es notwendig sein, sich um eine NATO-Mitgliedschaft bewerben könnte(Forsberg 2024). Laut Pesu und Iso-Markku(2024) stellte die dramatische Schwächung von Finnlands Sicherheitslandschaft einen anderen Grund für diesen Wandel dar. Vor 2022 basierte Finnlands Sicherheitspolitik auf einer Mischung von starken konventionellen nationalen Verteidigungskräften, einem Netzwerk von bi-, tri- und minilateralen Verteidigungskooperationen, einer funktionierenden Beziehung zu Moskau und der Unterstützung starker multilateraler Institu­tionen. Russlands Großoffensive führte dazu, dass die politischen Eliten in Finnland eine enge Arbeitsbeziehung mit Moskau als nicht länger vertretbar ansahen. Auch würden starke nationale Verteidigungskräfte nicht ausreichen, wenn sich im schlimmsten Falle Russland dazu entschied, Finnland militärisch, auch unter Androhung des Einsatzes von Atomwaffen, vom Rest Europas zu isolieren (Pesu und Iso-Markku 2024). Die vorangegangenen Ansätze, Russlands Bedrohung zu entgegnen, wurden mit anderen Worten nicht mehr als adäquat angesehen und nicht mehr passend zu der deutlich erhöhten Bedrohungslage, die von Russland ausging. Dies wird durch eine von Taloustutkimus durchgeführte Umfrage bestätigt, die belegt, dass die häufigsten Gründe zur Unterstützung einer NATO-Mitgliedschaft für Finn_innen eine größere Sicherheit, Schutz vor Russland und eine gemeinsame Verteidigung im Bündnis sind(Verteidigungsministerium von Finnland 2024a). Russland: Abschreckung der langfristigen Bedrohung Für die finnischen Strateg_innen ist Russland eine langfris tige Bedrohung, die eher durch Abschreckung als durch Beschwichtigung gebannt werden kann(Saari 2023). Die bila terale Beziehung zwischen Finnland und Russland änderte sich durch Russlands Überfall auf die Ukraine 2022 und die damit einhergehende Entscheidung Finnlands für einen Antrag zur NATO-Mitgliedschaft. Zu Beginn des Krieges merkte Präsident Sauli Niinistö an, dass es in der Beziehung zwischen den beiden Ländern kein Vertrauen mehr gebe:»Die Maske ist gefallen und nur das kalte Gesicht des Krieges ist sichtbar.«(Yle News 2022) Saari und Karjalainen (2025) betonen, dass die russische Aggression in der Ukrai ne Teil eines kontinuierlichen Geschehens ist. Westliche Mächte haben keine ausreichend starke Gegenwehr geleistet, als Russland die internationalen Normen erst 2008 in Georgien und dann 2014 in der Ukraine verletzt hat, was Russland ermutigt hat, sie 2022 erneut mit anderen Mitteln zu verletzen(Saari und Karjalainen 2025). Finnland kann nicht sicher sein, solange es Krieg in der ­Ukraine gibt und Russland die territoriale Integrität seiner Nachbarn nicht respektiert(Saari 2024). Russland möchte eine hegemoniale Stellung in seiner Region einnehmen. Seine aggressive Politik bringt es mit sich, dass auch kurzfristige Änderungen der Sicherheitslage möglich sind 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. ­(Verteidigungskräfte Finnlands 2025). Russlands Fernziel ist die Errichtung eines strategischen Einflussbereichs, das in seinem Umfeld Teile des arktischen Meeres, der Ostsee, des Schwarzen Meeres und des Mittelmeeres einbezieht (Verteidigungsministerium von Finnland 2024b). Das be deutet, auch wenn es keine aktuelle militärische Bedrohung Finnlands gibt,»muss es auf eine Anwendung oder Drohung von militärischer Gewalt gegen Finnland vorbereitet sein«. Es besteht das Risiko einer Eskalation des Kriegs in der Ukraine und es ist unwahrscheinlich, dass Russland freiwillig seine expansionistische und revanchistische Politik aufgeben wird, auch wenn der Krieg in der Ukraine endet(Finnische Regierung 2024a). Wie der Krieg in der Ukraine enden wird, hat in dieser Sichtweise einen direkten Einfluss auf Finnlands Sicherheit und Verteidigung. Juha Kukkola merkt an, dass Russlands Entscheidung, seinen Leningrader Militärbereich 2024 wie der aufzubauen, die aktuelle Machtstellung in Finnlands Nachbarschaft mit der Zeit verstärken wird, aber die Umsetzung dieser Pläne wird einige Zeit dauern. Diese Pläne deuten darauf hin, dass Russland die Möglichkeit eines Krieges in dieser Region ab 2030 nicht ausschließt(Kukko la 2024). Russland kann im Moment trotz schwerer Ver luste im Krieg neue Militäreinheiten aufbauen. Wenn der Krieg in der Ukraine zugunsten Russlands ausgeht, wird es in der Lage sein, freigewordene Kräfte in Richtung Nordwesten zu verschieben(Estnischer Auslandsgeheimdienst 2025). Eine Pattsituation am Ende des Krieges oder eine Fortsetzung der Kampfhandlungen würden bedeuten, dass Russland gezwungen wäre, eine große Anzahl seiner Streitkräfte in der Nähe der ukrainischen Grenze zusammenzuziehen. Laut Juha Kukkola ist Russland in der Lage und willens,»Geographie, ökonomische Verbindungen, Geheimdienstinstrumente, Unterwanderung und strategische Bewegungen seiner Streitkräfte« zu nutzen, um schwierige strategische Herausforderungen für seine Gegner gerade unter der Schwelle des Bündnisfalls zu schaffen. Kukkola argumentiert, kleine Länder wie Finnland bedürften Allianzen mit Großmächten, Sammlung von Geheimdienstinformationen, Resilienz und den Willen, auf russische Operationen zu antworten, um diesen Zwangsmaßnahmen zu be gegnen(Kukkola 2023). Dies wird auch ein wichtiges Thema für Finnland in der NATO sein. Russlands Aggression ist nicht auf die Ukraine beschränkt, sondern beinhaltet»feindliche hybride und Sabotage-Operationen in ganz Europa«. Diese Operationen hatten auch Finnland zum Ziel, unter anderem durch die Instrumentalisierung von Migrant_innen an der finnisch-russischen Grenze(Finnische Regierung 2024a). Russland greift auch die kritische Infrastruktur in Finnlands Nachbarschaft an (Verteidigungsministerium von Finnland 2024b). Henri Vanhanen(2024) stellt heraus, dass Finnlands und Schwe dens NATO-Mitgliedschaft den Ostseeraum, die europäische Arktis und die Nordsee in eine strategische Region der NATO zusammengeführt hat. Das bedeutet, dass Nordeuropa»nicht länger als eine Seitenflanke der NATO wahrgenommen werden kann, sondern als einer der Brennpunkte der euro-atlantischen Sicherheit«, da die Region immer stärker ein Hotspot zwischen der NATO und Russland sein wird(Vanhanen 2024). Daraus folgt, dass Russland in der breiten Öffentlichkeit, von politischen Eliten wie auch von Wissenschaftler_innen als die vordringlichste, am gefährlichste und langanhaltende Bedrohung für Finnland und die NATO wahrgenommen wird. Der wichtigste Faktor, der die Sicherheit Finnlands und seiner Nachbarschaft kurzfristig beeinflussen wird, ist das Ergebnis des Kriegs in der Ukraine und der daraus resultierende Status quo in Europa. Finnlands Beziehung zu Russland kontinuierlich verändert, erst durch Russlands aggressive Politik in der Ukraine, seine Forderungen nach einem Einflussbereich, den daraus resultierendem Mangel an Vertrauen in der Beziehung und zuletzt durch Finnlands NATO-Mitgliedschaft. Aus diesen Gründen dienen die hochrangigen diplomatischen Beziehungen zwischen finnischen und russischen Staatschefs nicht mehr als ein Kanal, um bilaterale Sicherheitsthemen zu lösen. Derweil wird es aufgrund von Russlands aggressiver Politik nicht funktionieren, Russland zu beschwichtigen. In absehbarer Zukunft werden die finnisch-russischen Beziehungen hauptsächlich durch Russlands Verhalten geprägt werden und dann durch Finnlands Zusammenarbeit mit seinen Verbündeten in der NATO und der Europäischen Union. Im Militärbereich will Finnland ein glaubwürdiges Abschreckungsszenario gegen Russland aufbauen, indem es in die nationale Verteidigung investiert, stärkere europäische Verteidigungsausgaben unterstützt und regional mit nordischen und baltischen Verbündeten zusammenarbeitet, um die regionalen Verteidigungspläne und Ziele für militärische Fähigkeiten der NATO umzusetzen. Für Finnland ist es elementar wichtig, dass die NATO ihren Fokus einer gemeinsamen Verteidigung und Abschreckung gegenüber Russland beibehält. Beschwichtigung wird nicht als eine gangbare, alternative Strategie angesehen. Auf ökonomischer Ebene hat Finnland das Kappen von Handelsbeziehungen mit Russland und sowohl die Ausweitung existierender Sanktionen wie auch die Verbesserung der Wirksamkeit dieser unterstützt. Die offensichtlichen Bemühungen der Trump-Regierung, die diplomatischen und ökonomischen Beziehungen zu Russland wiederaufzunehmen, wird dieses Herangehen infrage stellen und ein Problem für die NATO- und EUStaaten darstellen. China: Ein Hochseilakt Finnland hat traditionell eine pragmatische Beziehung zu China unterhalten, die durch stabile politische Beziehungen, Handel und Vorhersehbarkeit gekennzeichnet waren. Kommunikation und Treffen zwischen den Staatschefs haben eine wichtige Rolle im bilateralen Dialog gespielt. Finnland erkannte die Volksrepublik China im Januar 1950 an und war das erste westliche Land, das 1952 und 1953 einen Bedrohungen und Antworten 5 Handelsvertrag mit der Volksrepublik unterzeichnet hat (Kallio 2020). Nach dem Tian’anmen-Massaker 1989 war Finnland das erste westliche Land, das einen Minister in die Volksrepublik entsandte(Karppanen 2022). Finnland und China unterzeichneten 2017 eine Erklärung zu einer»zu kunftsorientierten neuartigen kooperativen Partnerschaft«, die während des Staatsbesuchs von Präsident Stubb trotz Finnlands Eintritt in die NATO und Chinas wachsender enger Beziehungen zu Russland erneuert wurde(Büro des Präsidenten der Republik Finnland 2024a). Im Laufe der 2020er wurden den finnischen Strateg_innen immer stärker die Risiken und Herausforderungen der Beziehung im Hinblick auf die Sicherheit, die Risikominimierung, die strategische China-Russland-Partnerschaft und die Rivalität zwischen China und den USA bewusst(Kristeri 2024; Kopra et al. 2023; Wigell et al. 2022). Jyrki Kallio (2020) merkt an, dass die Hochphase der ökonomischen Beziehungen zwischen Finnland und China in den frühen 2000er Jahren und die politische in den späten 2010er en dete. Der Überschwang ist einem Balanceakt gewichen, in dem fundamentale Abhängigkeiten kritisch analysiert werden müssen, während zugleich die ökonomischen Verbindungen wie auch die notwendigen politischen Beziehungen aufrechterhalten werden(Kallio 2020). Wissenschaftler_in nen sehen im Großen und Ganzen wachsende geopolitische und ökonomische Risiken in der Beziehung zwischen Europa und China. Diese Risiken zu steuern bedeutet, grundlegende Abhängigkeiten aufzuzeigen, Wertschöpfungsketten zu diversifizieren und die Produktion in die ­Region oder ins Inland zurück zu verlagern. Die Beteiligung chinesischer Handelsschiffe an Kabel- und Pipelinezerstörungen in der Ostsee hat unter finnischen Wissenschaftler_innen große Besorgnis hervorgerufen so wie auch den Verdacht einer möglichen chinesisch-russischen Kooperation bei hybriden Operationen gegen den Westen. Die russische und chinesische Flotte haben auch gemeinsame Militärübungen in der Ostsee durchgeführt (Yle News 2024a). Laut Matti Puranen(2022) hat die Kom munistische Partei Chinas(KPCh) in Finnland auch Einfluss- und Geheimdienstnetzwerke mit dem Ziel aufgebaut, die finnische Sicht zu beeinflussen, die lokalen Eliten zu kooptieren und die örtlichen chinesischen Communities zu überwachen. Bisher hat Finnland versucht, diese Vorkommnisse und seine Sicherheitsbedenken durch den Dialog und in Kooperation mit Beijing zu lösen. Finnlands vormaliger Präsident Sauli Niinistö(Regierungszeit 2012–2024) schlug sogar vor, dass China dabei helfen könnte, um Russlands Einverständnis zu einem möglichen Abkommen mit der Ukraine zu garantieren(Helsinki Times 2025a). Die Regierung von Premierminister Petteri Orpo sieht China als einen»wichtigen Handelspartner« mit dem Finnland »funktionierende Beziehungen unterhalten« wird. Finnland möchte»die strategischen Abhängigkeiten von China reduzieren« und drängt China, den Druck auf Russland zu erhöhen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden(Finnische Regierung 2023). Laut einem Regierungsbericht zur Außen- und Sicherheitspolitik wird Finnlands China-Politik jetzt»auch von unseren Mitgliedschaften in der Europäischen Union und der NATO beeinflusst« sein(Finnische Regierung 2024a). Linnainmäki(2024) merkt an, dass chinesische Aktivitäten, wie Cyber- und andere Arten von Spionage, gemeinsame Militärübungen mit Russland und ökonomische Unterstützung für Russlands Krieg in der Ukraine, die euro-atlantische Sicherheit direkt betreffen und daher von Interesse für die NATO sind. Finnland wird gezwungen sein, seine ChinaPolitik innerhalb der NATO auszutarieren zwischen seinem vorrangigen Interesse die NATO auf eine Abschreckung von Russland zu fokussieren, den US-amerikanischen Interessen im Hinblick auf ihre Rivalität mit China, dem Anliegen der NATO-Partner in der indo-pazifischen Region und einer Antwort auf Chinas direkte Aktivitäten in Europa. Die NATO kann und sollte keine Hauptrolle bei der Abschreckung Chinas im Indo-Pazifik spielen, aber eine glaubwürdige Abschreckung in Europa kann helfen, die Legitimierung der NATO für die Vereinigten Staaten aufrecht zu erhalten ­(Linnainmäki 2024). Daraus folgt, dass Finnlands Beziehungen mit China, die lange auf der Grundlage von hochrangigen bilateralen Gesprächen zwischen den Staatschefs stattfanden, im Kontext der Europäischen Union und der NATO langsam multilateraler werden. China wird ein wichtiger Handelspartner bleiben, aber die Beziehung ist immer stärker durch die Risiken im Zusammenhang mit ökonomischer Sicherheit und der Sicherheitspolitik charakterisiert. Die südliche Dimension: Solidarität, aber wenig Handeln Finnland und Schweden erhielten einen Crashkurs in der Politik des Bündnisses, als die Türkei und Ungarn die Zustimmung zu ihrer NATO-Mitgliedschaft verzögerten. In den folgenden Verhandlungen forderte die Türkei Garantien von Finnland und Schweden, dass sie ihre Positionen zu Terrorismus im Bündnis unterstützen würden, dass sie bei der Rücküberführung von kurdischen Personen, die die Türkei als feindlich ansieht, in ihr Heimatland kooperieren würden und dass sie ihre Politik gegenüber kurdischen Akteuren in Syrien ändern würden. Wie wichtig die Konsensbildung im Bündnis ist, ist eine Lehre der trilateralen Gespräche, die so schnell nicht vergessen werden wird. Trotz der jüngsten Erfahrung bleibt die südliche Dimension ein marginales Thema in finnischen Studien zur NATO. Solidarität mit den Verbündeten zu ihrer Bedrohungswahrnehmung auszudrücken, ist eine grundlegende Voraussetzung für ein erfolgreiches Bilden von Koalitionen. Daraus folgt die große Unterstützung der finnischen Strateg_innen für den 360-Grad-Ansatz der NATO zur Abschreckung und Verteidigung, der alle Bedrohungen des Bündnisses aus allen Richtungen beinhaltet. Laut Linnainmäki(2024) teilt Finnland die Bedenken der südlichen Verbündeten zu den 6 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. russischen Aktivitäten im Mittleren Osten und Westafrika und versteht ihre Befürchtungen im Hinblick auf den Terrorismus. Obwohl die NATO nur begrenzte Mittel hat, um auf diese Bedrohungen zu reagieren, sollte eine stärkere EUNATO-Kooperation forciert werden. Finnland hat zudem ­Erfahrungen damit, mit hybriden Bedrohungen an der eigenen Grenze umzugehen(Linnainmäki 2024). Finnland er kennt an, dass Terrorismus eine prominente und bleibende Bedrohung für viele NATO-Verbündete vor allem in Südeuropa ist und bleiben wird. Die offiziellen Dokumente zur Außen- und Verteidigungspolitik erkennen Terrorismus als eine»große Bedrohung für NATO-Verbündete und EU-Mitgliedsstaaten« an(Finnische Regierung 2024a; Verteidi gungsministerium von Finnland 2024b). Finnland strebt als neuer Bündnispartner an, Solidarität und Engagement im Hinblick auf die Sicherheit seiner südlichen Verbündeten zu zeigen. Als kleines Land verfügt Finnland jedoch über begrenzte Ressourcen und Fähigkeiten. Särkkä et al.(2024) merken an, dass dies für die Ko operation mit Verbündeten, auch mit dem Süden, eine Priorisierung strategischer, militärischer und wirtschaftlicher Interessen und Bedürfnisse bedeutet(Särkkä et al. 2024). Demnach wird Finnland bestimmte Gelegenheiten auswählen, um sein Engagement für den 360-Grad-Ansatz zu sig nalisieren, beispielsweise indem es an den gemeinsamen Friedensmissionen der NATO jenseits seiner direkten Nachbarschaft teilnimmt und die bilaterale Verteidigungskooperation mit einigen südlichen Verbündeten vertieft. Dadurch hofft Finnland, Vertrauen und Solidarität aufzubauen und Unterstützung für seine eigenen Anliegen, vor allem die akute und fortlaufende Bedrohung des Bündnisses, die Russland darstellt, zur erhalten. Bedrohungen und Antworten 7 3 Der Krieg in der Ukraine: Eine existentielle Frage für die finnische Sicherheit Finnische Wissenschaftler_innen und Thinktanks sehen das Ergebnis des Kriegs in der Ukraine und das laufende Engagement der USA in der NATO auf kurze bis mittlere Sicht als die zwei wichtigsten Faktoren für Finnlands Sicherheit. Finnlands prinzipienbasierte Unterstützung der Ukraine basiert teilweise auf seiner eigenen historischen Erfahrung während des Winterkriegs(1939–1940) und des Fortsetzungskriegs (1941–1944) gegen die Sowjetunion. Finnlands Ziel ist eine souveräne, unabhängige und demokratische Ukraine, die sich an westlichen Werten und Sicherheitsstrukturen ausrichtet. Finnland unterstützt eine Mitgliedschaft der Ukraine in der Europäischen Union und in der NATO und hat ein Abkommen zu einer Sicherheitskooperation mit der Ukraine unterzeichnet(Büro des Präsidenten der Republik Finnland 2024b). Die öffentliche Unterstützung in Finnland für die Ukraine ist weiterhin hoch(Verteidigungsministerium von Finnland 2024a). Zu Beginn der großangelegten russischen Invasion 2022 hat Finnland die historische Entscheidung ge fällt, zum ersten Mal Militärhilfe für einen kriegsführenden Staat zu leisten, obwohl Finnland zu diesem Zeitpunkt nicht durch die Artikel-5-Garantien der NATO geschützt war. Laut Minna Ålander(2024) lehnte Finnland eine»Finnlan disierung«, eine Auferlegung von Neutralität für die Ukraine als einer permanenten Lösung des Krieges, stark ab. Forsberg und Pesu(2016) definieren Finnlandisierung als eine Politik, die den sowjetischen Interessen während des Kalten Krieges mit dem Ziel entgegenkam, die Unabhängigkeit zu erhalten. Es war, mit anderen Worten, eine Überlebenspolitik, die einem Land aufgezwungen wurde, das ­gerade zwei aufeinanderfolgende Kriege gegen einen mächtigen Nachbarn verloren hatte, der seinen Willen auch mit Gewalt durchsetzen würde. Finnland hatte keinerlei wirksame Schutzmechanismen gegen die Sowjetunion. Das Vereinigte Königreich und Frankreich waren durch den Zweiten Weltkrieg deutlich geschwächt. Deutschland, die europäische Macht mit einem grundsätzlichen Interesse an Finnland, war zerstört, geteilt und besetzt. Die Vereinigten Staaten waren in Nordeuropa nicht präsent und hatten kein Interesse daran, die Sowjets so nah an ihrem Staatsgebiet herauszufordern. Finnlandisierung bedeutete keine Kapitulation vor allen sowjetischen Forderungen, aber es schränkte Finnlands Souveränität und den Raum für die Außenpolitik de facto ein(Forsberg und Pesu 2016). Die Finnlandi sierung hatte auf lange Sicht auch einen korrumpierenden Effekt auf die Innenpolitik. Enge Beziehungen zur sowjetischen Botschaft und dem Kremls wurde eine Notwendigkeit für alle etablierten politischen Parteien und Spitzen­ politiker_innen des Landes(Ålander 2024). Die Situation der Ukraine kann nicht mit Finnlands Situation nach dem Zweiten Weltkrieg verglichen werden. Die Ukraine ist ein großes europäisches Land mit beinahe 40 Millionen Einwohner_innen. Nach drei Jahren Krieg ist sie nicht gezwungen zu kapitulieren und erhält weiterhin, wenn auch unzureichende, finanzielle und militärische Hilfe vom Westen. Die geographische Lage der Ukraine bedeutet darüber hinaus, dass eine Verlagerung des Landes in den Einflussbereich Russlands für die gemeinsame Verteidigungsplanung der NATO schwerwiegende militärische Konsequenzen mit sich bringen würde. Saari und Karjalainen(2025) weisen darauf hin, dass der Krieg mit der weiter gefassten europäischen Sicherheitsarchitektur zusammenhängt. Der Ausgang des Krieges wird die Einflussbereiche als neue europäische Norm entweder bestätigen oder verwerfen(Saari und Karjalainen 2025). Während des Krieges hat sich Finnland für einen prinzipienbasierten Ansatz ausgesprochen(Sky News 2022). Prä­ sident Alexander Stubb hat häufig betont, dass Selenskyj vier Elemente braucht, um Frieden zu schließen: Land, ­Sicherheitsgarantien durch die USA oder die NATO, einen Wiederaufbau der Ukraine und Kriegsverbrechenstribunale für von Russen begangene Gräueltaten(Pelli 2024). Im Nachgang der Bemerkungen von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zu den US-Verbündeten, dass die Ukraine kein NATO-Mitgliedstaat werden oder zu ihren Grenzen von vor 2014 zurückkehren würde, sowie das erste Telefon gespräch zwischen Putin und Trump zeigen, dass dieser prinzipienbasierte Ansatz null und nichtig geworden ist (Riley et al. 2025). Die finnischen Strateg_innen spüren ein Unbehagen mit der Art, in der die Vereinigten Staaten die Möglichkeit ­einer NATO-Mitgliedschaft der Ukraine vor dem Beginn von ­Friedensverhandlungen unilateral verworfen haben. Europäische NATO-Verbündete versuchen seither eine neue Taktik zu entwickeln, um eine Rolle bei den bevorstehenden Friedensverhandlungen zu spielen. Tuomas Forsberg (Yle News 2025a) zeigt, dass diese Wendung ernsthafte Zweifel am US-Engagement bei der Abschreckung und der gemeinsamen Verteidigung der NATO aufkommen lässt, die in der offiziellen Verteidigungspolitik Finnlands berücksichtigt werden müssen. Die Wende in der US-Politik zwingt die auf eine gemeinsame Verteidigung ausgerichteten Verbündeten, das Verhältnis zwischen der propagierten Abschreckung Russlands und dem Aufrechterhalten des USEngagements für die eigene Sicherheit und Verteidigung neu auszutarieren. Finnland beruhigt sich auf kurze Sicht 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. damit, dass Minister Hegseth das Versprechen für ein weiteres US-Engagement an der gemeinsamen Verteidigung der NATO abgegeben hat(Hanska 2025). Um das Worst-Case-Szenario in der Ukraine zu verhindern, muss der Westen, laut Tyyne Karjalainen(2024), seine frühe ren Restriktionen militärischer Unterstützung, wie für den Einsatz bestimmter Waffenarten, aufgeben. Finnland ist aktiv an den von Franzosen und Briten geleiteten Gesprächen zur Schaffung einer europäischen Friedenstruppe beteiligt, hat aber eine Entsendung von Kräften für die Operation ausgeschlossen(Yle News 2025b). Die finnische Regierung hat ihre langjährige Opposition gegen die gemeinsame Schuldenfinanzierung einer europäischen Verteidigung aufgegeben, solange Finnland auch ein Begünstigter ist(Helsinki Times 2025b). Helsinki hat zudem vorgeschlagen, Ver teidigungsprojekte durch die Europäische Investitionsbank (European Investment Bank – EIB) zu finanzieren, aber diese Initiative stößt aufgrund von Taxonomie-Regeln für eine nachhaltige Finanzierung auf Widerstand(Finnische Regierung 2024c). Der Krieg in der Ukraine: Eine existentielle Frage für die finnische Sicherheit 9 4 Systemische Herausforderungen Wissenschaftler_innen weisen darauf hin, dass Finnlands Rolle in der NATO und seine Reaktion auf die systemischen Herausforderungen des Bündnisses durch die Identität und Geographie des Landes beeinflusst werden. Hanna Ojanen(2024) verbindet die offizielle außenpolitische Doktrin Finnlands, der wertebasierte Realismus, mit der heimischen Debattenkultur. Sie argumentiert, dass aber der außenpolitische Konsens in einer immer gefährlicheren und unsichereren Welt nicht länger Finnlands Interessen dient. Iro Särkkä(2023) verzeichnet drei Ebenen der außenpolitischen Identität Finnlands in Folge der NATOMitgliedschaft: europäisch, nordisch und transatlantisch. Laut Särkkä basieren diese drei Identitäten auf den gleichen Normen, darunter eine Unterstützung der Demokratie und der Menschenrechte. Die Herausforderung für Finnland wird sein, bei Themen wie der atomaren Abschreckung, hybrider Bedrohungen und der Beziehung zu den Vereinigten Staaten eine neue Balance zwischen diesen einander überlappenden Identitäten zu finden. Matti Pesu(2024a) charakterisiert Finnlands Position in der NATO als eine beginnende nordisch-atlantische Ausrichtung nach Schweden, Norwegen, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Diese Ausrichtung zeigt sich an der Aufnahme von Finnland in den regionalen Verteidigungsplan der NATO für Nordeuropa und ins Joint Force Command Norfolk(JFC) in den Vereinigte Staaten. Für Peso basiert die Hinwendung zu den nordischen und atlantischen Staaten auf der Geographie Finnlands als OstseeStaat, als arktisches Land, als Frontstaat mit Grenze zu Russland und seiner Lage an der Peripherie im Vergleich zu den westlichen Hauptverbündeten(Pesu 2024). Diese Aus richtung wird voraussichtlich Finnlands Positionierung im Bündnis beeinflussen. Andererseits hängt die Dauer dieser Ausrichtung vor allem von der Politik der Trump-Regierung gegenüber der NATO generell und speziell Nordeuropas ab. Die finnische Befürwortung einer NATO-Mitgliedschaft ist gleichbleibend hoch(82% im Dezember 2024)(Verteidi gungsministerium von Finnland 2024a). Die Eckpunkte von Finnlands NATO-Politik wurden als Teil des Regierungsberichts zur Finnischen Außen- und Sicherheitspolitik(2024) und dem Verteidigungsbericht der Regierung(2024) durch das po litische Spektrum hinweg anerkannt. Einzelne Themen wie die atomare Abschreckung und das Verteidigungsbudget wurden wiederholt in der öffentlichen Debatte diskutiert, haben aber den politischen Konsens nicht deutlich geschwächt. In akademischen Kreisen und den Thinktanks werden mehr Debatten über eine Militarisierung von Finnlands Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik geführt(z. B. Kaarkoski, Häkkinen und Kilpeläinen 2024), aber dies hat sich noch nicht auf die öffentliche Debatte übertragen. Der breite Konsens zur NATO in der Politik und den Eliten gibt der Regierung politischen Spielraum, um das Profil des Landes im Bündnis zu definieren. Die NATO als ein atomares Bündnis: mittelstarke Ambitionen Pesu und Iso-Markku(2024) sehen Russlands Säbelrasseln in der Ukraine als einen der Haupttreiber für Finnlands NATO-Beitrittsgesuch(Pesu und Iso-Markku 2024). Finn land hat historisch gesehen keinerlei Erfahrung mit nuklearer Planung, war aber bisher ein aktiver Unterstützer des Atomwaffensperrvertrags. Während der NATO-Beitrittsgespräche hat Finnland keine Beschränkungen für seine volle Teilnahme an der nuklearen Planung der NATO auferlegt. Finnland war eines der ersten Länder, die den Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag(NVV) unterschrieben haben. Zwischen 2012 und 2014 hat Finnland die Gespräche für einen Mittleren Osten ohne Massenvernichtungswaffen geleitet und zuletzt hatte es den Vorsitz des Vorbereitungskomitees für die Konferenz zur Revision des Atomwaffensperrvertrags(NVV) 2026 inne(Pesu und Juntunen 2023). Als ein NATO-Mitglied will Finnland»seinen Atom-IQ erhöhen«, indem sich mit Informationen zu Atomwaffen und den damit verbundenen Strategien auseinandersetzt. Matti Pesu und Tapio Juntunen(2023) haben einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten einer Beteiligung Finnlands an der nuklearen Planung der NATO erarbeitet. Auf Grundlage ihrer Definition kann Finnlands heutiger Ansatz als einer mit mittelstarken Ambitionen charakterisiert werden. Finnland beteiligt sich an der Arbeit der Nuklearen Planungsgruppe(Nuclear Planning Group – NPG) und wird auch konventionelle operationale Beiträge leisten, wie sich an der Beteiligung finnischer Kampfjets an der nuklearen militärischen NATO-Übung Steadfast Noon zeigt(Yle News 2024b). Die öffentliche Meinung ist gespalten zwischen einer generellen Unterstützung für die atomare Abschreckung der NATO und der Ablehnung, Atomwaffen in Finnland zu stationieren oder sie durch finnisches Staatsgebiet transportieren zu lassen(University of Helsinki 2023). Das finni sche Atomenergiegesetz verbietet die Stationierung oder Transport von Atomwaffen auf finnischem Staatsgebiet. 10 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Nach der Aufnahme Finnlands in die NATO gibt es eine politische Debatte, ob eine Reform des Gesetzes einen Verzicht auf diese Einschränkungen beinhalten sollte. Veli-Pekka Tynkkynen argumentiert etwa, dass aufgrund der Feindseligkeit der Trump-Regierung gegenüber Europa die nordischen und baltischen Staaten in Erwägung ziehen sollten, ihre eigene atomare Abschreckung gemeinsam mit Polen zu etablieren(Kapper 2025). Bisher bleibt dies die Sichtweise einer Minderheit. Jyri Lavikainen(2024) meint, dass Chinas Aufstieg als zweite Nation, die atomar auf Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten steht, die USamerikanischen Ressourcen beanspruchen und dadurch die Abschreckung in Europa schwächen wird, außer das nukleare Potenzial der NATO wird gestärkt und die europäischen Verbündeten investieren stärker in die konventionelle Abwehr(Lavikainen 2024). Die Regierung hat bis her entschieden, die Beschränkung der Atomwaffen nicht aufzuheben, was dazu beiträgt, eine unübersichtliche innenpolitische Debatte zu vermeiden und den aktuellen politischen Konsens zu Finnlands NATO-Politik zu erhalten. Wenn die Umsetzung der nuklearen Strategie der NATO in Konflikt mit der nationalen Gesetzgebung käme, würde das Gesetz voraussichtlich einer genauen Überprüfung unterzogen werden. Hybride und asymmetrische Bedrohungen: Das»finnische Modell« als eine Antwort? Bei der Debatte unter finnischen Expert_innen zu Russlands hybriden Operationen gegen das Land liegen zwei Bedrohungen im Fokus: Die Instrumentalisierung von Migrant_in nen und die Kabel- und Pipelinebeschädigungen in der Ostsee, die durch zwei von oder nach Russland fahrenden Frachtschiffen ausgelöst wurden. Die russischen Behörden und Schleuser_innen haben 2023 damit begonnen, Mig rant_innen an die finnischen Grenzübergänge zu transpor tieren. Zuvor hatte der russische Grenzschutz, der Teil des Inlandsgeheimdienstes FSB(Federalnaja sluschba besopasnosti Rossijskoi Federazii) ist, alle Versuche von Migrant_in nen unterbunden, die finnisch-russische Grenze ohne gültige Visa-Dokumente zu erreichen. Die plötzliche Änderung des Verhaltens, die Kontrolle des Grenzschutzes durch den FSB, eine ähnliche Vorgehensweise 2015–2016 und Russ lands Versprechen, beizeiten auf die NATO-Mitgliedschaft Finnlands zu reagieren, führte bei den Behörden, den Politiker_innen und den Wissenschaftler_innen zu der Schluss folgerung, dass dies eine aktive russische hybride Operation war(Lavikainen 2023). Die Situation stabilisierte sich, als Finnland unilateral alle Grenzübergänge auf seiner Seite der finnisch-russischen Grenze schloss und eine Gesetzgebung verabschiedete, um Migrant_innen von einem illegalen Übertritt abzuhalten(Finnische Regierung 2024b). Geographisch ist Finnland eine in der nordöstlichen Ecke Europas eingeschlossene Insel. Das Land hängt für die ­Sicherheit seiner Versorgung und des Handels sehr stark von der Ostsee ab. Etwa 96 Prozent von Finnlands Impor ten werden über die Ostsee transportiert. Im Verlauf von 18 Monaten gab es fünf Vorfälle in der Ostsee, bei denen Handelsschiffe an der Unterwasser-Infrastruktur Schäden verursacht haben. Jukka Savolainen vom Europäischen Kompetenzzentrum für die Bekämpfung Hybrider Bedrohungen merkt an, dass es sich bei der Vielzahl von derartigen Vorfällen in so kurzer Zeit unmöglich nur um Unfälle gehandelt haben kann. Savolainen betont, dass die Schwierigkeit, solche Vorfälle einem staatlichen Akteur zuzuschreiben, ein Teil feindlicher hybrider Operationen ist, aber es sei offensichtlich, dass»irgendjemand etwas tut«(Kuuskoski 2025). Finnland hat auf den Verdacht, dass Russland Operationen gegen die Unterwasser-Infrastruktur durchführe, deutliche Reaktionen gezeigt. Dazu gehörten die Festsetzung eines Handelsschiffes, das im Verdacht stand, die Infrastruktur beschädigt zu haben, und die Einleitung eines Rechtsverfahrens gegen die Crew und die Reederei. Diese Art mit solchen Vorfällen wird das»finnische Modell« genannt. Finnland hat auch die verstärkte Wachsamkeit durch die NATOOperation Baltic Sentry begrüßt, die die Beobachtung der Schiffsbewegungen intensivierte und eine Entschlossenheit der NATO Russland gegenüber signalisierte, um es von jeglicher militärischen Bedrohungen in der Ostsee abzuschrecken(Büro des Präsidenten der Republik Finnland 2025). Eine Schwäche des»finnischen Modells« ist, dass es auf freiwilliger Kooperation des Schiffs und seiner Crew beruht, in nationale Gewässer einzulaufen. Joel Linnainmäki vertritt den Standpunkt, dass es so etwas wie die perfekte Sicherheit nicht gibt. Wenn ein staatlicher Akteur böswillige Absichten hat, wird er immer neue Wege finden, um Schaden anzurichten. Doch die Maßnahmen der nationalen Regierungen, der EU und der NATO werden die Kosten solcher Aktionen für die Reedereien als Betreiber und Besitzer der Schiffe, die unter Verdacht stehen, Infrastruktur zu zerstören, in die Höhe treiben wie auch für die Crews, die für eine sichere Fahrt verantwortlich sind(Freyborg 2025). Die finnischen Strateg_innen meinen, dass die Antwort auf hybride und asymmetrische Bedrohungen sowohl einer nationalen Resilienz als auch kohärenter EU- und NATO-Strategien bedarf. Im Vorfeld des NATO-Gipfels in Washington 2022 drängte Finnland darauf, dass hybride Bedrohungen in der Abschlusserklärung erwähnt werden sollten. Dazu gehörte eine Bekräftigung der Überzeugung der Verbündeten, dass hybride Bedrohungen sich zu einem bewaffneten Angriff auswachsen könnten und damit eine gemeinsame Verteidigungsantwort der NATO nach Artikel 5(Bündnisfall) hervorrufen könnten. Die Rolle der NATO wird vor allem darin bestehen, die nationalen Behörden zu unterstützen, das Bewusstsein für die Situation aufrechtzuerhalten, Geheimdienstinformationen bereitzustellen und die militärische Abschreckung gegen die Gegner zu betreiben. Die Baltic Sentry Operation soll beispielsweise ein strategisches Signal zur Abschreckung durch die NATO Russland gegenüber sein gemäß dem Konzept für Abschreckung und Verteidigung des euroatlantischen Raums(Concept for Deterrence and Defense of the Euro-Atlantic Area – DDA). Systemische Herausforderungen 11 Die transatlantische Beziehung: Ruhig bleiben, aber vorbereitet sein Die Vereinigte Staaten sind die einzige transatlantische Macht, die Finnland glaubwürdige Sicherheitsgarantien gegen Russland bieten kann. Finnland erachtet das anhaltende US-Engagement, die kollektive Verteidigung der NATO und die US-amerikanische Militärpräsenz in Nordeuropa als essentiell für seine Sicherheit. Finnland sieht in den Vereinigten Staaten seinen»wichtigsten strategischen Partner und Verbündeten«(Finnische Regierung 2024a). Präsident Alexander Stubb hat betont, dass Finnland in den Vereinigten Staaten als Förderer der Sicherheit gesehen wird und dass es keinen Grund gibt, alarmiert zu sein. Laut Stubb besteht der beste Weg das US-Engagement für Europa zu erhalten, nicht darin zu fragen, was die USA für Europa tun können, sondern was Europa für die USA tun kann(Helsingin Sanomat 2025). Trumps Präsidentschaft belastet jedoch das Vertrauen der Bevölkerung in die Vereinigten Staaten. Nur 33 Prozent der Finn_innen glauben, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines Angriffs Finnland oder andere NATO-Bündnispartner verteidigen würden(Kansanen 2025). Juhana Aunesluoma betont, dass Donald Trump zusätzlich eine Bedrohung für die amerikanische Demokratie darstellt, und sieht Europa als einen ideologischen Konkurrenten. Eine Balance zu finden zwischen den Werten und dem Realismus, wird die Aufgabe im Umgang mit der neuen US-Regierung sein. Europa sollte so realistisch wie möglich bei der Analyse der sich verändernden transatlantischen Beziehung sein, wobei es eine funktionierende Beziehung mit den Vereinigten Staaten aufrechterhalten sollte. Johanna Vuorelma betont, dass dies nicht bedeutet, dass Finnland seine Werte oder traditionelle Beziehungen aufgeben sollte, zum Beispiel mit Dänemark in der Debatte über Grönland(Myllymäki 2025). Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten signalisiert, dass Europa zwar Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen muss, die USA aber weiterhin zur NATO stehen(Riley et al. 2025). Pesu und Wallenius(2025) beschrei ben drei Pläne für Finnland auf seiner Suche nach Stabilität. Plan A ist eine Fortführung der transatlantischen Beziehungen und das US-amerikanische Engagement in der NATO. Da dieser Plan aber immer brüchiger wirkt, ist Plan B eine Investition in eine Verteidigungskooperation mit den wichtigsten europäischen Partnern, allen voran den nordischen Ländern, dem Vereinigten Königreich und Frankreich. Das beinhaltet, eine intensivere EU-NATO-Kooperation zu unterstützen sowie die Rolle der Europäischen Union bei der Verteidigung zu stärken. Wenn die europäische Abschreckung und die gemeinsame Verteidigung zusammenbrechen sollten, so könnte Finnland, laut Pesu und Wallenius(2025), als ein letztes Mittel und nur widerwillig die Möglichkeit eruieren, sich an Russland anzunähern. Sie beschreiben nicht, was dieses Worst-Case-Szenario beinhalten würde oder ob es in der Praxis eine realistische politische Lösung wäre. Es müsste jedoch vermutlich eine vorherige Annäherung zwischen Russland und den Vereinigten Staaten geben. Die NATO als eine politische ­Gemeinschaft: Werte vs. Realismus Bradley Reynolds(2023) merkt an, dass während Finnland eine Aufnahme in die NATO aus praktischen Sicherheitsgründen beantragte, viele in Finnland dies auch als einen letzten Schritt auf dem langen und anstrengenden Weg in Richtung westlicher Sicherheitsinstitutionen und ihrer wertebasierten Gemeinschaft ansehen. Im Kalten Krieg war Finnland ein»neutraler« Staat, jedoch im Einflussbereich der Sowjetunion. Nach dem Kalten Krieg näherte sich Finnland mit seinem Beitritt zur Europäischen Union Westeuropa an, aber militärisch blieb es neutral. Aus dieser Perspektive ist die Rolle der NATO als eine politische und als Wertgemeinschaft ein wichtiger Bestandteil für Finnland. Finnland und Schweden mussten die Grenzen dieser beiden Dimensionen während ihrer Beitrittsverhandlungen mit der Türkei und Ungarn selbst erfahren. Während der öffentlichen Debatten zu Finnlands Antrag auf Mitgliedschaft im Frühjahr 2022 strich Li Andersson, die damalige Vorsitzende der Partei Linksbündnis(2022), die Spannungen zwischen den Werten der NATO und der Politik einiger ihrer Mitgliedsstaaten, wie der Vereinigten Staaten, Ungarn und der Türkei heraus. Anderson betonte, dass Finnland aktiv seine vorige wertebasierte Außenpolitik verfolgen könnte und sollte, auch wenn das zu Spannungen mit einigen Mitgliedsstaaten, darunter den Vereinigten Staaten, führen würde. Matti Pesu(2024b) stellte heraus, dass Finnlands offizielle außenpolitische Doktrin des wertebasierten Realismus Finnlands Bewusstsein seiner begrenzten Kapazitäten reflektiere und die Notwendigkeit, mit anderen Ländern zu kooperieren, die nicht seine westlichen Werte teilten. Durch die Geschichte Finnlands zieht sich der Umgang mit Großmächten als»Spoilern« und schwierigen Akteuren, so wie die Sowjetunion. Diese Erfahrung wird Finnland dabei helfen, pragmatische Beziehungen mit jenen Ländern auch innerhalb der NATO zu unterhalten, die Finnlands liberale Einstellungen nicht teilen. Seit Donald Trump hinterm Resolute Desk im Weißen Haus sitzt, gibt es in Finnland eine immer lauter geführte Debatte darüber, wie Werte und Realismus in der Beziehung zu den Vereinigten Staaten austariert werden können. Bisher ist dies in der Diskussion über Grönland deutlich geworden. Finnland hat Dänemark unterstützt, aber es hat die TrumpRegierung nicht öffentlich für ihre aggressive Herangehensweise kritisiert. Der ehemalige Außenhandelsminister Pertti Salolainen betont, dass Finnland seit Jahrzehnten vorgeworfen wird, Russland zu beschwichtigen. Die Frage ist, ob das Land sich jetzt gegenüber der Trump-Regierung»finnlandisieren« wird(Pilke 2025). Der Experte Risto E. J. Pent tilä sieht Trump als einen»Trotzkisten«, in dem Sinne, dass er versucht, die MAGA-Ideologie weltweit zu exportieren (Kajander 2025). Das wird eine Herausforderung sein. Finn land wird die NATO vor allem als das Hauptforum für den transatlantischen Dialog zu Themen, die die Sicherheit der Verbündeten betreffen, bewahren wollen. 12 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. 5 Zusammenfassung In diesem letzten Abschnitt werde ich zusammenfassen und einschätzen, wie die finnischen Strateg_innen die Be drohungen der NATO und die Antworten bewerten, um diese Bedrohung abzuwehren, wie oben ausgeführt wurde. Die Bedeutung der Bedrohungen e­ inschätzen Für die finnischen Strateg_innen stehen Finnland und der NATO einem schwierigen und immer gefährlicherem Bedrohungsszenario gegenüber. Russland wird als eine direkte und bleibende Bedrohung nach dem Ende des Krieges in der Ukraine nicht verschwinden. Chinas strategische Partnerschaft mit Russland und sein fragwürdiges Vorgehen Taiwan gegenüber sind der Grund für Spannungen mit der NATO. Die südliche Flanke erlebt eine reale, wenn nicht sogar existentielle Bedrohung durch Terrorismus und die Energiesicherheit. Russlands atomares Säbelrasseln und Chinas wachsende nukleare Kapazitäten müssen vom Bündnis wachsam beobachtet werden. In der Tabelle 1 wird die finnische Debatte zu diesen Bedrohungen zusammenfassend dargestellt, angesichts der Spannungsintensität zwischen der Bedrohung und der NATO und dem möglichen Risiko eines Krieges. Für Finnland geht die größte Bedrohung von Russland aus und das wird auch so bleiben. In nationalen Debatten wird der Krieg in der Ukraine aufgrund der historischen Erfahrungen Finnlands und seiner langen gemeinsamen Grenze mit Russland oft mit existenziellen Worten beschrieben. Die Spannungen zwischen der NATO und Russland sind aufgrund von Russlands Krieg in der Ukraine und seiner feindlichen hybriden Aktionen gegen den Westen hoch. Das Risiko eines Krieges wird eher mäßig hoch eingeschätzt. Es gibt keine akute Kriegsbedrohung zwischen Finnland und Russland oder der NATO und Russland, aber die Möglichkeit eines Krieges kann nicht ausgeschlossen werden. Die Intensität der Spannungen und das Risiko eines Krieges hängen zum Teil auch davon ab, wie der Krieg in der Ukraine endet, wie auch vom zukünftigen US-Engagement für die Sicherheit Europas. Wissenschaftler_innen sind der Meinung, falls Russland es schaffen sollte, die Ukraine seinem Willen zu unterwerfen, es wahrscheinlich seine aggressive imperialistische Politik fortsetzen wird. Das würde sowohl die Spannungen verstärken als auch das Kriegsrisiko erhöhen. Ein weiteres und glaubwürdiges US-Engagement in der NATO würde im Umkehrschluss die Kriegsgefahr reduzieren, da Russland bisher die Artikel-5-Verpflichtungen(Verpflichtungen im Bündnisfall) der NATO nicht direkt testen wollte. Die Spannungen mit China sind in den letzten Jahren langsam gewachsen und werden als mittel eingestuft. Die Spannungslinien laufen entlang der Wirtschafts- und Handelspolitik, den Beziehungen zwischen den USA und China, Taiwan, Menschenrechtsfragen und der strategischen Partnerschaft mit Russland. Gemeinsame chinesisch-russische Militärübungen und die Beteiligung von chinesischen Schiffen an den Kabel- und Pipelinezerstörungen in der Ostsee werfen ernstzunehmende Fragen zum Ausmaß ihrer Beziehung auf. Wissenschaftler_innen meinen, dass Finnland seine pragmatischen Beziehungen zu China aufrechterhalten sollte, aber es kann den wachsenden US-Druck auf die NATO nicht ignorieren, ihr Vorgehen gegenüber China oder Chinas Aktionen im euro-atlantischen Raum zu verschärfen. Trotz der gewachsenen Spannungen wird das Risiko eines Krieges zwischen der Bewertung der Ansichten finnischer Strateg_innen zu Bedrohungen, die die NATO betreffen Tabelle 1 Bedrohung Spannungsintensität Kriegsrisiko Russland Stark Mittel(steigend) China Mittel Niedrig Süden Niedrig Zu vernachlässigen Atomwaffen Russland: Mittel China: Niedrig, aber steigend Niedrig/ zu vernachlässigen Zusammenfassung 13 Bewertung der vorherrschenden Antworten der finnischen Strateg_innen zu Schlüsselfragen, die die Zukunft der NATO betreffen. Tabelle 2 Thema Antwort Russland China NATO Ukraine Abschreckung vs. kooperative Sicherheit? Starker Fokus auf eine langfristige Abschreckung. Verpartnern vs. Einhegung? Eine pragmatische Partnerschaft unterhalten, aber Risiko reduzieren und US-Interessen respektieren US Hegemonie vs. Europäisierung? Aufrechterhaltung der US-Hegemonie, indem in die europäische Verteidigung investiert wird. Gemeinsame Verteidigung vs. globale NATO? Einen starken Fokus auf die gemeinsame Verteidigung setzen. Wertebündnis vs. Interessenbündnis? Werte bewahren, aber nicht um den Preis von wichtige Sicherheitsanliegen. Alle-dabei oder Schnell-raus? Alle-dabei, aber ohne die Abschreckung durch die NATO aufzugeben. NATO und China als gering eingestuft und könnte sogar als zu vernachlässigen gesehen werden, wäre da nicht die Großmachtkonkurrenz zwischen den Vereinigten Staaten und China. Die Südflanke der NATO erlebt reale und glaubwürdige Bedrohungen, wie etwa durch Terrorismus und Energiesicherheit. Trotz des Kriegs in Gaza und dem Machtwechsel in Syrien wird von finnischen Wissenschaftler_innen das Spannungsniveau an dieser Stelle als niedrig eingestuft im Hinblick auf die militärische Abschreckung durch die NATO. Ebenso wird das Risiko eines Krieges oder Konflikts, in den die NATO gezogen werden könnte, als zu vernachlässigen eingestuft. Atomwaffen stellen ein komplexes Sicherheitsthema für die NATO dar. Russlands atomares Säbelrasseln in der Ukraine hat bei den finnischen Strateg_innen große Be fürchtungen ausgelöst und die Spannungen werden als mittelstark angesehen. Für Finnland ist die weitere Existenz einer glaubwürdigen atomaren Abschreckung durch die NATO elementar und die USA sollten im Zentrum dieser stehen. Trotz der atomaren Drohungen Russlands hat es Abstand davon genommen, in der Ukraine Atomwaffen einzusetzen. Da der praktische Einsatz solcher Waffen das Kriegsgeschehen nicht beeinflussen würde und es ein eindeutiges internationales Tabu der Nutzung von Atomwaffen gibt, wird das tatsächliche Risiko eines Krieges als gering eingestuft. Zusammenfassung der vorherrschenden Antworten Die finnischen Strateg_innen halten es im klassischen ­Sinne für essenziell wichtig,»die Amerikaner drin und die Russen draußen« zu halten. Um die von Russland ausgehende langfristige Bedrohung aufzuhalten, muss die NATO ihren aktuellen Fokus auf die konventionelle Abschreckung und die gemeinsame Verteidigung beibehalten, anstatt sich an globalen Expeditionseinsätzen oder dem Krisenmanagement zu beteiligen, wie finnische Wissenschaftler_ innen b­ etonen. Um das US-Engagement in der NATO zu halten, muss laut den Wissenschaftler_innen auf die Kritik der Trump-Regierung an europäischen Verbündeten reagiert werden, indem der europäische Pfeiler der NATO gestärkt wird Finnland ist ein starker und prinzipienfester Unterstützer der Ukraine. Forscher_innen glauben, dass es wichtig ist, das Recht der Ukraine auf einen Antrag zur NATO-Mitgliedschaft zu bewahren und die gemeinsamen Zusagen einzuhalten, die die NATO der Ukraine 2008 in Bukarest 2024 und in Washington gegeben hat. Dies liegt nicht zuletzt an der Unterstützung der Ukraine für Finnlands Mitgliedschaftsantrag im Frühjahr 2022 und der Befürchtung, dass Russland ein Veto gegen eine NATO-Erweiterung einlegen könnte. Die meisten Wissenschaftler_innen wollen j­edoch keine Schritte unternehmen, die Finnlands Sicherheit oder die gemeinsame Verteidigung der NATO deutlich schwächen würden, wie etwa finnische Truppen als Teil von Friedensverhandlungen in die Ukraine zu entsenden. Dies trifft auch darauf zu, wie Finnland die NATO-Werte gegenüber den-Interessen sieht. Für die finnischen Strateg_innen ist die Rolle der NATO als einer euro-atlantischen Gemeinschaft geteilter Werte wichtig. Doch es gibt eine Zurückhaltung, diese Werte zu verteidigen, wenn dies mit einem hohen Preis an zentralen Sicherheitsinteressen verbunden ist, wie dem weiteren US-Engagement in der NATO. Die finnischen Strateg_innen hoffen zuletzt darauf, eine pragmatische Beziehung zu China zu unterhalten. Zugleich gibt es wachsende Stimmen, die für eine Reduzierung des Risikos in strategischen Wirtschaftsbereichen und aus Respekt für wichtige US-Interessen plädieren. Das bedeutet wahrscheinlich, dass Finnland willens ist, eine allmähliche Verschärfung des Tons und der Politik durch die NATO ­China gegenüber unterstützen wird, solange dies keine ­Verlagerung des Fokus des Bündnisses weg von den gemeinsamen Verteidigungsaufgaben in Europa bedeutet. 14 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Literatur Ålander, Minna(2024): Why Finland thinks Finlandization is a bad idea for Ukraine. (Warum Finnland meint, dass eine Finnlandisierung eine schlechte Idee für die Ukraine ist.) Atlantic Council. Link: www.atlanticcouncil.org/blogs/ukrainealert/why-­ finland-thinks-finlandization-is-a-bad-idea-for-ukraine/. Anderson, Li(2022). Ajatukseni Suomen Nato-jäsenyydestä. Link: https://liandersson. fi/ajatukseni-suomen-nato-jasenyydesta/. 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Seine jüngsten Forschungsarbeiten befassen sich mit der Bündnispolitik der NATO, der Verteidigungszusammenarbeit in den nordischen Ländern, außenpolitischen Denkschulen in Finnland und den Auswirkungen geoökonomischer Risiken auf die Sicherheit und Versorgung in Finnland und der Europäischen Union. Während der Regierungszeit 2019–2023 war er als Sonderberater des Außenministers Pekka Haavisto tätig. Die Zukunft der NATO – Länderstudie Finnland Die NATO ist seit ihrer Gründung die zentrale Sicherheitssäule der deutschen und europäischen Verteidigungspolitik. Seit dem Ende des Kalten Krieges durchlief sie eine Reihe interner Transformationen und Neuausrichtungen, ausgelöst durch die Entwicklungen im internationalen Sicherheitsumfeld und durch den Druck seiner Mitgliedsstaaten. Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine das Selbstverständnis der NATO als zentraler Garant der kollektiven Sicherheit gestärkt hat, müssen mit dem Wechsel der US-Administration Anfang 2025 erneut grundlegende Fragen geklärt werden. Welche Rolle werden die USA zukünftig für Europas Sicherheit übernehmen und wie können die europäischen Nationen darauf reagieren? Diese Publikation ist Teil der Studie»Die Zukunft der NATO«, in der die verschiedenen Debatten zur Allianz und den aktuellen Sicherheitsherausforderungen in 11 Mitgliedsstaaten und 3 Nicht-Mitgliedsstaaten zusammengefasst und analysiert werden. Diese Länderstudien sind Grundlage für eine zusammenfassende Publikation, um mögliche Antworten auf die offenen Fragen zu finden und mögliche Zukünfte der NATO zu entwerfen. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie hier: ↗ fes.de