STUDIE Adrian Hyde-Price Juni 2025 Die Zukunft der NATO Schweden in der NATO: »Zuverlässig, loyal und engagiert« Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Internationale Zusammenarbeit| Referat Globale und Europäische Politik Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Peer Teschendorf| Europäische Außen- und Sicherheitspolitik peer.teschendorf@fes.de Übersetzung Kathrin Hadeler Design/Layout pertext| corporate publishing www.pertext.de Coverbild picture alliance/ REUTERS| Tom Little Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­gegebenen ­Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. ­Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Juni 2025 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Adrian Hyde-Price Juni 2025 Die Zukunft der NATO Schweden in der NATO: »Zuverlässig, loyal und engagiert« Inhalt Überblick .........................................................  3 Schwedens Bewertung der strategischen Lage ..........................  5 Der Einmarsch in der Ukraine und die Bedrohung durch Russland .......  5 »Es könnte Krieg geben« ..........................................  5 Der russischen Bedrohung begegnen: Schweden und die NATO .........  6 Die drei Kreise der schwedischen S­ icherheitsstrategie ..................  6 Transatlantische Beziehungen und europäische Verteidigungszusammenarbeit .....................................  8 China und die Indopazifik-Region ....................................  9 Der Krieg in der Ukraine, Trump und die Zukunft Europas ................  10 Schweden, die NATO und Nuklearwaffen ...........................  11 Angriffe in der Grauzone und hybride Kriegsführung ..................  11 Zusammenfassung ................................................  13 Literatur ........................................................  14 Überblick »Schweden tritt in eine neue Ära ein««, stellte Außenminister Tobias Billström im Februar 2023 in seiner Rede vor dem Riksdag(dem schwedischen Parlament) fest und führte weiter aus:»Man kann es nicht anders beschreiben. Erneut sind in Europa die Vorzeichen eines umfassenden Krieges zu spüren, und wir erleben die größte Neubewertung unserer Außenpolitik seit unserer Mitgliedschaft in der Europäischen Union«(Billström, 2023). Nach zwei Jahrhunderten der Neu tralität und Bündnisfreiheit durchläuft Schweden mit dem – zeitgleich mit seinem engen nordischen Verbündeten Finnland am 18. Mai 2022 gestellten – NATO-Aufnahmeantrag eine eigene Zeitenwende. Auslöser für diese grundlegende Transformation der schwedischen Sicherheitspolitik war der russische Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Zu nächst hatte die Koalitionsregierung unter Führung der Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Magdalena Andersson zwar betont, die militärische Bündnisfreiheit habe dem Land gute Dienste geleistet und die Regierung beabsichtige nicht, die NATO-Mitgliedschaft zu beantragen(Michalski et al, 2024). Doch nach der Entscheidung Finnlands für einen NATO-Aufnahmeantrag sah die schwedische Regierung keine andere Option, als ihrerseits einen Antrag auf Mitgliedschaft im Bündnis zu stellen. Maßgeblich für diesen Beschluss war die Erkenntnis, dass sich das Land mit dem Rückbau der schwedischen Verteidigungskräfte nach dem Ende des Kalten Krieges militärisch verletzlich gemacht hatte(Oscarsson, 2024; Wyss, 2011). Hinzu kam die Furcht, Schweden könne durch sein Fernbleiben aus dem Bündnis politisch marginalisiert und strategisch ausgeliefert sein. Während Finnland bereits am 4. April 2023 Vollmitglied wur de, blockierten zunächst die Türkei und anschließend Ungarn Schwedens Mitgliedschaft und das Land konnte dem Bündnis erst am 7. März 2024 beitreten. Die Entscheidungen Schwedens und Finnlands für einen NATO-Beitritt zählen zweifellos zu den weitreichendsten geopolitischen Folgen des russischen Einmarschs in der Ukraine. Beide Mitgliedschaften haben auf eigene Weise die Abschreckungsstrategie und die kollektive Verteidigung der Allianz im Nord- und Ostseeraum sowie in der Arktis und im Hohen Norden merklich gestärkt und neue Möglichkeiten einer kohärenten Verteidigungsplanung und militärischen Integration entlang der nordöstlichen Flanke der NATO geschaffen(Friis and Tamnes, 2023). Die Tatsache, dass erstmals seit Ende der Kalmarer Union 1523 nun alle nordischen Staaten demselben Bündnis angehören, eröffnet neue Wege einer umfassenden Sicherheitszusammenarbeit und Verteidigungsintegration in der nordischen ­Re­gion. Der schwedische Außenminister Tobias Billström ­wertete die schwedische Entscheidung über den Beitritt zur Allianz als»wegweisendes Ereignis für unser Land mit tiefgreifenden und unmittelbaren Folgen für die schwedische Außenpolitik«. Der Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO»gehört zu den größten geopolitischen Veränderungen in Europa seit dem Fall der Berliner Mauer« und»trägt zu einer Festigung der europäischen Sicherheitsarchitektur bei. Mit Schweden als Mitglied wird die NATO stärker, Entwicklungen in unserer Nachbarschaft lassen sich besser vorhersehen und unsere Nachbarn werden sicherer sein« (Billström, 2024b). Schwedens Beitrag zum Bündnis setzt sich aus einer Reihe kleiner, aber bedeutender militärischer Nischenkapazitäten in allen Bereichen der Kriegsführung zusammen(Deni, 2023). Dazu gehören eine zum Teil für den Einsatz unter arktischen Bedingungen ausgebildete, 7.000 Personen star ke und mit Leopard-2A-Panzern und CV90 IFV ausgestatte te Armee; mehr als 100 JAS Gripen-Kampfjets für kurze Start- und Landemanöver mit relativ geringem Wartungsbedarf, eine für Einsätze im seichten Brackwasser der Ostsee ausgebildete und mit einigen der weltweit fortschrittlichsten Ausrüstungen(darunter Tarnkorvetten der VisbyKlasse und dieselelektrische U-Boote der Gotland-Klasse) ausgestattete Marine, effiziente Geheimdienste und fortschrittliche Cyberfähigkeiten, eine gut entwickelte und moderne Verteidigungsindustrie und ein Weltraumprogramm, das mit dem Weltraumbahnhof Esrange Europas einzige Startrampe auf dem Kontinent bietet. Der schwedische Verteidigungshaushalt lag 2025 bei 2,4% des BIP(womit das Land Rang 8 bei den Gesamtausgaben im Bündnis ein nimmt) und soll bis 2028 auf 2,6 % steigen(laut aktuellen Plänen, allerdings ist damit zu rechnen, dass sich diese nach dem Bruch in den transatlantischen Beziehungen im Frühjahr 2025 ändern). Schweden ist der Allianz ohne Vorbedingungen beigetreten und hat zugesagt, von Beginn an als»zuverlässiger, loyaler und engagierter NATO-Bündnispartner« aufzutreten, der »ein hohes Maß an Verantwortung in unserer Nachbarschaft übernehmen und zur Sicherheit aller Bündnispartner über den 360-Grad-Ansatz und die Abschreckungs- und Verteidigungsposition der NATO beitragen will«(Billström, 2024a). Im Oktober 2023 präsentierte die schwedische Re gierung ihre Maßnahmen zur Stärkung der Abschreckungsund Verteidigungsfähigkeit der NATO für das kommende Jahr. Dazu gehört die Entsendung eines mechanisierten Bataillons zur Beteiligung an den von Kanada geführten Forward Land Forces in Lettland sowie die Bereitstellung Überblick 3 von sechs Kriegsschiffen für die ständigen maritimen Einsatzverbände der NATO, einer Flotte von 24 JAS GripenKampfjets für die Air-Policing- und Reaktionsbereitschaft der NATO(25 % der gesamten Kampfflugzeugflotte) und zusätzlicher Bodeneinheiten, Sonderkräfte, Marinesoldaten und Militärschiffe,»für weitere sicherheitsfördernde Maßnahmen und Aktivitäten in Friedenszeiten«(Schwedische Regierung, 2024). Im September 2024 wurde Schweden zu dem als Rahmennation für die Stationierung neuer Forward Land Forces in Finnland vorgestellt, die ab 2026 zum Ein satz kommen. Eines der auffälligsten Merkmale der schwedischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist der starke parteiübergreifende Konsens, auf den sie sich stützen kann. Im kleinen Schweden herrscht in politischen Kreisen schon seit langer Zeit die Überzeugung, dass eine einvernehmliche sicherheitspolitischen Strategie die beste Sicherheitsgarantie für das Land bietet. Im März 2024 stellte der damalige Außen minister Tobias Billström in seiner Rede vor dem Riksdag fest,»der Antrag wurde von einer Regierung vorgelegt, und nun bringt eine andere Regierung den Prozess Abschluss. […] Es gibt einen starken und breiten politischen Konsens über die Grundlagen der Sicherheitspolitik Schwedens als NATO-Mitglied. Das macht eine große Stärke unseres Landes aus«(Billström, 2024b). Im zurückliegenden Jahrzehnt nahm die Unterstützung für einen NATO-Beitritt stetig zu. Und nachdem die Schwedendemokraten und die Sozialdemokraten ihr Engagement zugunsten einer militärischen Bündnisfreiheit fallenließen und sich für einen Beitritt zur Allianz aussprachen, bildete sich im Riksdag ein breiter parteiübergreifender Konsens, dem sich nur die linksextreme Vänsterpartiet(Linkspartei) und die Miljöpartiet(Umweltpartei) nicht anschlossen. Auch öffentliche Meinungsumfragen bestätigten die breite Unterstützung für einen NATOBeitritt – und diese Unterstützung bleibt weiterhin stabil (SOM, 2024). Allerdings gibt es anhaltende parteipolitische Unstimmigkeiten, beispielsweise in der Frage, wie die Ausgabensteigerungen finanziert werden(die Sozialdemokraten sind für eine Reichensteuer), welche Bedingungen und Konditionen dem Abkommen zur Verteidigungskooperation mit den Vereinigten Staaten zugrunde liegen und wie sich Schwedens nukleare Abschreckungsstrategie gestalten. Schweden hat ein vielfältiges System aus Thinktanks und Nichtregierungsorganisationen, die sich an der Analyse und Debatte über die schwedische Sicherheits- und Verteidigungspolitik beteiligen. Einige von ihnen arbeiten eng mit den Verteidigungsbehörden zusammen, darunter die schwedische Verteidigungsforschungsagentur FOI, die Försvarshögskolan(Ver­ teidigungsuniversität) und die Königliche Schwedische Akademie für Kriegswissenschaften(KKrVA). Andere Thinktanks beschäftigen sich mit einem breiten Spektrum außenund sicherheitspolitischer Themen, wie zum Beispiel das Schwedische Institut für Internationale Angelegenheiten ( Utrikespolitiska Institutet, UI) sowie spezialisiertere Thinktanks wie das SIEPS(Swedish Institute for European Policy Studies), das SIPRI(Stockholm International Peace Research Institute) und die Folke Bernadotte Academy, eine staatliche schwedische Agentur für Frieden, Sicherheit und Entwicklung. Darüber hinaus gibt es eine Reihe kleinerer Thinktanks mit Verbindungen zu politischen Parteien und Bewegungen, darunter das Olof Palme International Centre(eine Organisation der schwedischen Arbeiterbewegung für internationale Zusammenarbeit), Timbro(ein liberaler Thinktank), das Stockholm Free World Forum( Frivärld), Oikos(mit Verbindungen zu den rechtsextremen Schwedendemokraten) und die älteste und größte Friedensorganisation des Landes, die schwedische Peace and Arbitration Society(SPAS, Svenska Freds- och Skiljedomsföreningen). 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Schwedens Bewertung der strategischen Lage Der Einmarsch in der Ukraine und die Bedrohung durch Russland In Schweden besteht über Parteigrenzen hinweg ein breiter Konsens darüber, dass von Russland eine langanhaltende Gefahr für Schweden, Europa und die regelbasierte internationale Ordnung ausgeht. Dafür fand Verteidigungsminister Pål Jonson im Januar 2023 klare Worte:»Europa steht vor den größten verteidigungs-, außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. U­ nglücklicherweise müssen wir uns auf einen langen Krieg vorbereiten, denn Russlands strategische Zielsetzungen bleiben unverändert«, erklärte er, und ein»russischer Sieg in der Ukraine wäre mit katastrophalen geostrategischen, politischen und militärischen Folgen für uns alle verbunden.«(Jonson, 2023a). Aus schwedischer Sicht geht von Russland eine langanhaltende Gefahr für die Sicherheit in der Region aus. Derartige Sorgen über den Militarismus und die imperialistischen Machtbestrebungen Russlands sind tief in der schwedischen Geschichte verwurzelt und lassen sich bis zum Großen Nordischen Krieg im frühen 18. Jahr hundert zurückverfolgen. Seit einiger Zeit betrachtet die schwedische Regierung den zunehmenden Autoritarismus, Militarismus und die selbstbewusste Außenpolitik des Putin-Regimes mit wachsender Besorgnis. Eine Haltung, die auch Meinungsumfragen in Schweden widerspiegeln, in denen sich weite Teile der Gesellschaft darüber einig sind, dass von Russland die größte Gefahr für die Sicherheit von Schweden und Europa ausgeht. Wie Pål Jonson im März 2023 feststellte,»haben wir es mit einem revisionistischen und zunehmend autoritären Russland zu tun, das alles daransetzt, den Status Quo aus der Ära nach dem Kalten Krieg zu überwinden. Daran gab es von Anfang an keinerlei Zweifel. Putin begann kurz nach seiner Machtübernahme 2000 damit, die Meinungsfreiheit einzuschränken und die staatliche Kontrolle über die Zivilgesellschaft auszubauen. In den vergangenen 15 Jahren investierte das Land umfassend in seine militärischen Kapazitäten und den staatlichen Sicherheitsapparat – mit dem Ergebnis einer größeren Kontrolle über die eigene Bevölkerung und einer verstärkten militärischen Präsenz und Bedrohung für seine Nachbarstaaten. Putin und seine Entourage sind entschlossen, den Großmachtstatus Russlands mit militärischen Mitteln zurückzugewinnen – oder zumindest eine Light-Version des Russischen oder des Sowjet-Reichs (Jonson, 2023b). Auch wenn diese Einschätzung Russlands als langanhaltende strategische Bedrohung für Schweden und Europa im Riksdag, in der öffentlichen Meinung und in der Thinktank-Community breite Unterstützung findet, gibt es auch Kritik an dieser Haltung – insbesondere am linken und rechten Rand des politischen Spektrums. Teile des radikaleren Flügels der schwedischen Friedensbewegung vertreten beispielsweise die Auffassung, Russland sei im Vergleich zur EU und zur NATO»ein ärmeres Land mit einer kleineren Bevölkerung«. Sie geben dem Westen die Schuld für den Krieg in der Ukraine – aus ihrer Perspektive»müssten sich nicht die NATO und die EU, sondern Russland bedroht fühlen«(Friholt, 2024). Allerdings muss betont werden, dass diese prorussische Sichtweise selbst in linksextremen Kreisen nur von einer Minderheit vertreten wird und dass die linksgerichtete Vänsterpartiet (Linkspartei) den russischen Einmarsch in die Ukraine sowie»die willkürliche Kriegsführung und die Angriffe auf die Zivilbevölkerung« in aller Deutlichkeit als»ungerechtfertigt, unzulässig und unhaltbar« verurteilte. Darüber hinaus setzte sie sich für harte Sanktionen gegen Moskau und für eine militärische, wirtschaftliche und humanitäre Unterstützung der Ukraine durch Schweden ein(Vänsterpartiet, 2025). Bei den Rechtspopulisten gab es in Alter nativmedien Kommentare aus den Reihen der Schwedendemokraten(SD), die als Verständnis für russische Interessen gewertet wurden, wovon sich der SD-Vorsitzende Jimmie Åkesson im Namen seiner Partei jedoch schnell distanzierte. Die SD sind zudem um Distanz zu den russlandfreundlicheren rechtsextremen Parteien im Europä­ ischen Parlament bemüht, wo sie von allen schwedischen Parteien die lautstärkste Kritik an Russland übten(Bolin, 2023). Im Anschluss an den russischen Einmarsch in der Ukraine verkündete der SD-Vorsitzende Åkesson, seine Partei werde einen NATO-Beitritt unterstützen, wenn auch Finnland zeitgleich einen Antrag stelle. Seitdem haben sich die Schwedendemokraten für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben und eine aktive Rolle Schwedens innerhalb des Bündnisses eingesetzt. »Es könnte Krieg geben« Da Russland»in absehbarer Zukunft unverändert als ausgesprochen ernstzunehmende Gefahr für uns und unsere Bündnispartner« wahrgenommen wird(Jonson, 2025), gab es einige durchaus öffentlichkeitswirksame Mahnungen an die schwedische Bevölkerung, dass»es Krieg geben könnte«(O’Dell, 2024). Alljährlich im Januar Schwedens Bewertung der strategischen Lage 5 veranstaltet die Nichtregierungsorganisation Folk och Försvar(Volk und Verteidigung) ihre Jahreskonferenz in Sälen mit Vertreter_innen aus der Politik- und Verteidigungselite und etwa 50 zu Verteidigungsthemen arbei tenden zivilgesellschaftlichen Organisationen. Premierminister Ulf Kristersson stellte auf der Konferenz 2024 fest:»Schweden befindet sich nicht im Krieg. Aber es gibt auch keinen Frieden«. Zivilschutzminister Carl-Oskar Bohlin ging einen Schritt weiter und erklärte,»es könnte Krieg geben«. Verteidigungsminister Pål Jonson und der Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte, General Micael Bydén, pflichteten ihm bei und betonten, die schwedische Bevölkerung müsse sich mental auf eine solche Möglichkeit vorbereiten. Im Anschluss schnellten die Aufrufe der Online-Karte der Luftschutzbunker auf der Seite der Zivilschutzbehörde(MSB, Myndigheten för samhällsskydd och bredskap, die Schwedische Katastrophenschutzbehörde) um 3.500 % und die Downloads ei ner Broschüre für den Krisen- oder Kriegsfall mit dem Titel»If Crisis or War Comes« um 900 % in die Höhe. Die schwedische Kinderrechtsorganisation Bris vermeldete ebenfalls einen Anstieg der Anrufe auf ihrer psychologischen Beratungshotline. Auch wenn es keine grundlegende Kritik an dieser Einschätzung der Bedrohungslage des Landes gab, wertete die Vorsitzende der größten Oppositionspartei, Magdalena Andersson, derart drastische Botschaften als»spalterisch« und nicht zielführend (BBC, 2024). Auch wenn die Meinungen zur Aufklärung der Bevölkerung über die Bedrohungslage auseinandergehen, sind sich Politik und Gesellschaft in Schweden doch weitgehend darin einig, dass Europa vor seiner größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg steht und dass von Russland»in absehbarer Zukunft« eine zunehmende und anhaltende Gefahr ausgehen wird(Billström, 2024c). Ganz grundsätzlich setzt sich in Schwe den immer mehr der Eindruck durch, dass die internationale Ordnung eine tiefgreifende und weitreichende strukturelle Transformation erfährt, die sich in einer Zunahme des geopolitischen Wettbewerbs, einer Schwächung der Global Governance und der regelbasierten liberalen Ordnung und dem Aufkommen eines neuen Blocks revisionistischer Kräfte, darunter Russland, China, Iran und Nordkorea, zeigt. Auslöser für diesen Bruch der internationalen Ordnung war Russlands ungerechtfertigter, brutaler und rechtswidriger Einmarsch in die Ukraine. Verteidigungsminister Pål Jonson unterstrich diese Position in einer Rede im März 2023, als er den Einmarsch in die Ukraine als Wendepunkt für Europa bezeichnete, mit»schweren und nachhaltigen Folgen für die europäische Sicherheitslandschaft«. Zudem»müssen wir uns mit den aktuellen strukturellen Veränderungen auseinandersetzen und damit abfinden, dass die Zukunft ungewiss ist. Was immer sie für uns bereithält, die Welt wird nicht mehr so sein wie vor dem 24. Februar 2022. Russlands Krieg gegen die Ukraine wird über viele Generationen Spuren im europäischen Sicherheitsgefüge hinterlassen«(Jonson, 2023b). Der russischen Bedrohung begegnen: Schweden und die NATO Schwedens NATO-Beitritt fällt in eine Zeit, in der das Bündnis selbst eine tiefgreifende Transformation seiner strategischen Ausrichtung, Führungsstrukturen und Militärdoktrin durchläuft. Vor diesem Hintergrund begannen auch die schwedischen Streitkräfte damit, ihre Befehlsstrukturen, Fähigkeiten und Doktrin erstmals seit Ende des Kalten Krieges einer grundlegenden Neuordnung zu unterziehen. Laut General Jonny Lindfors(Chef der schwedischen Armee) ist eine Vergrößerung und Umgestaltung der Verteidigungskräfte aus drei Gründen dringend erforderlich wegen der akuten Bedrohung Schwedens und Europas durch Russland, Schwedens NATO-Mitgliedschaft, in deren Rahmen die nationalen Streitkräfte auch außerhalb der Landesgrenzen zum Einsatz kommen, und einer tiefgreifenden Umwälzung der Kriegsführung, der so genannten»Revolution in Military Affairs«, ausgelöst durch technologische und taktische Innovationen, die erstmals im Ukraine-Krieg zum Einsatz kamen(Lindfors, 2024). Die drei Kreise der schwedischen ­Sicherheitsstrategie Die schwedische Sicherheitspolitik verteilt sich auf die drei konzentrischen Kreise: nationale Verteidigung, nordisch-baltische Zusammenarbeit – mit der unter britischer Führung stehenden multinationalen Eingreiftruppe( Joint Expeditionary Force, JEF) und seit einiger Zeit auch mit Polen – sowie NATO und transatlantische Zusammenarbeit. Schweden ist sich der Tatsache bewusst, dass es – in Übereinstimmung mit Artikel 3 des Nordatlantikvertrags – die Fortentwicklung seiner eigenen Widerstandskraft gegen bewaffnete Angriffe oberste Priorität hat.»Wir können nicht darauf warten, dass jemand anders unserer Sicherheitsprobleme löst«, stellte Major Johan Hellström(Chef des größten Heimwehrbatail lons, des Västerbotten Regiments) fest:»Wir müssen uns selbst darum kümmern, indem wir unsere Totalverteidigung, militärische Verteidigung und Bereitschaft ausbauen«(High North News, 2024). In dieser Hinsicht spielt die Insel Gotland eine entscheidende geopolitische Rolle. Wegen ihrer zentralen Lage in der Ostsee ist sie für NATO-Operationen in der Region von ­vitaler Bedeutung.»Wer die Kontrolle über Gotland hat, hat auch die Kontrolle über die Ostsee«, so General Micael Bydén, Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte (The Times, 2024). Nachdem die Insel nach dem Ende des Kalten Krieges entmilitarisiert wurde, kommt das GotlandRegiment heute erneut zum Einsatz und soll bis 2030 in volle Gefechtsbereitschaft versetzt werden. Die schwedische Verteidigungsplanung beruht auf Fünfjah resberichten der Verteidigungskommission, einem Forum für Beratungen zwischen der Regierung und allen Parteien im Riksdag(Swedish Government, 2024b), das einen brei ten parteiübergreifenden Konsens in Verteidigungsfragen 6 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. befördern soll. Ihr Bericht vom April 2024( Strengthened defence capabilities, Sweden as an Ally Ds2024:6) war der wichtigste seit über einen Jahrzehnt und lieferte einen Überblick über die zentralen Prioritäten für den Zeitraum 2025-2030, darunter der Ausbau der Armee auf drei mecha nisierte Brigaden und eine Infanteriebrigade bei gleichzeitiger Erhöhung der Zahl der Einberufungen und Ausweitung der territorialen Verteidigungseinheiten, der Ausbau der Königlichen Schwedischen Marine, die Stärkung der Luftund Raketenabwehrfähigkeiten und die Erneuerung der zivilen Verteidigung im Rahmen des Konzepts der»Gesamtverteidigung«( Totalförsvaret). Schwedens zweite strategische Priorität besteht in einer Stärkung der regionalen Verteidigungszusammenarbeit und-integration, sowohl mit den nordischen Bündnispartnern(allen voran Finnland) als auch im Rahmen der NB8Initiative(Nordic-Baltic 8).»Es ist kein Geheimnis, dass die se Regierung im Zusammenhang mit dem neuen Sicherheitsumfeld einen klaren Fokus auf Schwedens Nachbarstaaten legen wird«, stellte Außenminister Tobias Billström im Februar 2023 fest.»Die nordische Familie ist weltweit eines der ältesten und engsten regionalen Kooperationssysteme«, fügte er hinzu. Außerdem strebe die Regierung eine vertiefte Zusammenarbeit mit den baltischen Staaten im Rahmen der NB8-Initative an(Billström, 2023; siehe auch Frivärld, 2024). Schwedische Verteidigungsplaner sehen das Land – mit Ausnahme Gotlands – nicht als Frontstaat, sondern als Land, das laut Verteidigungsminister Jonson»dem Bündnis strategische Tiefe gibt« und»die NATO-Staaten im Osten mit dem Atlantik verbinden wird«. Er hob außerdem hervor, dass»wir die Ostseeregion zusammen mit dem Hohen Norden und dem Nordatlantik als ein zusammenhängendes strategisches Gebiet betrachten«(Jonson, 2023b). Eine Kooperation zwischen den Luftstreitkräften der vier nordischen Staaten befindet sich derzeit in Planung. Außerdem gibt es eine Debatte über die Zusammenführung von Mobilisierungs- und Kriegsführungsplänen der verschiedenen Landstreitkräfte(Edström and Ångström, 2024). Auch die maritime Zusammenarbeit in der Region ist mit Finnland und im Rahmen der NATO gut entwickelt, und mit der Aufstellung der CTF Baltic( Commander Task Force Baltic) in Rostock im Oktober 2024 bieten sich Möglichkeiten einer weitaus engeren Zusammenarbeit zwischen der deutschen Marine und den baltischen und nordischen Staaten. Als der polnische Premierminister Donald Tusk im Dezember 2024 zum ersten Mal am NB8-Gipfel teilnahm, schlug er gemeinsame Marinepatrouillen in der Ostsee vor – was Schweden als Zeichen für ein neues Interesse Polens an einer Ausweitung der Verteidigungszusammenarbeit mit seinen nordischen und baltischen NATO-Verbündeten begrüßte. Darüber hinaus strebt Schweden einen neuen sicherheitspolitischen Dialog innerhalb des Ostseerates( Council of the Baltic Sea States, CBSS) an, dem die NB8 sowie Po len und Deutschland angehören. Von besonderer Bedeutung für die Verteidigungszusammenarbeit in der Region ist die unter britischer Führung stehende multinationale Eingreiftruppe JEF, die ausdrücklich als»First Responder« konzipiert wurde, um dann in Aktion zu treten,»wenn die NATO denkt«(Heier, 2019). Schweden war im ­Januar 2025 an der JEF-Operation Nordic Warden zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur in der Ostsee beteiligt. Ebenfalls wichtig ist die JEF wegen ihres Beitrags zum dritten Kreis der schwedischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik – europäische und transatlantische Abschreckungsbemühungen. Diese gelten als wichtigste Ebene der strategischen Abschreckung, weil sie Europa mit den USA und der NATO verbinden. Sogar noch vor dem Antrag auf NATOMitgliedschaft erkannten bisherige Regierungen in Schweden, dass es die NATO und nicht die EU ist, die als zentrale Institution die kollektive Sicherheit in Europa gewährleistet, und dass die transatlantische Sicherheitszusammenarbeit das Fundament und Rückgrat der europäischen Sicherheitsordnung bildet. Schweden schloss sich 1994 dem NATOProgramm»Partnerschaft für den Frieden« an und wurde 2014 mit der Unterzeichnung einer sogenannten»Host Na tion Support«-Vereinbarung zum»privilegierten Partner«. Darüber hinaus wertet Schweden die Vereinigten Staaten ausdrücklich als»wichtigsten sicherheits- und verteidigungspolitischen Partner sowohl auf bilateraler als auch auf Ebene der NATO« und setzt sich weiterhin für eine Stärkung der bilateralen Verteidigungszusammenarbeit ein. Es besteht eine umfangreiche rüstungsindustrielle Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. Darüber hinaus schlossen Schweden und die USA im August 2024 ein Abkommen zur Verteidigungskooperation( Defence Cooperation Agreement, DCA), das die schwedische Regierung als»Dreh- und Angelpunkt unserer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten« bezeichnet, der»die Sicherheit sowohl Schwedens als auch der Vereinigten Staaten stärkt« und»einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität in unseren Nachbarstaaten leistet«(Billström, 2024c). Doch das DCA löste auch Kontroversen aus. Die Sozialdemokraten zeigten sich besorgt über die Handlungsfreiheit und den Zugang zu 17 schwedischen Militärbasen und Truppenübungsplätzen, die das Abkommen US-Streitkräften einräumt. Besonders lautstark wurde diese Kritik von der Vänsterpartiet(Linkspartei) und der Miljöpartiet(Umweltpartei) geäußert, die der NATO traditionell skeptisch gegenüberstehen. Im gesamten politischen Spektrum und in der Sicherheitsgemeinschaft in Schweden herrscht ein grundsätzliches Unbehagen darüber, welche Folgen mit den Bemühungen der Trump-Regierung um eine Friedensregelung für die Ukraine, eine Normalisierung der Beziehungen zu Moskau und einen Rückzug aus der europä­ ischen Sicherheitsarchitektur verbunden sein könnten. Die Ironie des Schicksals, dass der schwedische NATO-Beitritt und die Zweifel Trumps am Bekenntnis seiner Regierung zu den Sicherheitsgarantien aus Artikel 5 zeitlich zusam menfielen, ist schwedischen Kommentatoren nicht entgangen und wird in schwedischen Medien umfassend diskutiert. Darüber hinaus äußerte sich die schwedische Medienund Thinktank-Community äußerst kritisch über Trumps Schwedens Bewertung der strategischen Lage 7 diplomatische Angriffe auf Dänemark zum Thema Grönland, mit denen er die Desillusionierung über seinen außenpolitischen Kurs nur weiter befeuerte. Das Swedish Development Forum(FUF) stellt auf seiner Website eine wöchentliche Übersicht über diese Debatten zur Verfügung (siehe beispielsweise FUF 2025). das Fundament der europäischen Sicherheit bildet und die NATO – und nicht die EU – das wichtigste institutionelle Bollwerk der kollektiven Verteidigung ist(siehe zum Beispiel Dahl, 2025; Engberg, 2025; Wieslander and Blomqvist, 2025; Riddervold, 2024). Transatlantische Beziehungen und europäische Verteidigungszusammenarbeit Schweden setzt sich wie andere Mitglieder der NB8 mit Nachdruck für die transatlantische Sicherheitspartnerschaft ein, engagiert sich aber auch für eine Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit in der EU. Seit Mitte der 1990er-Jahre beteiligte sich das Land an fast allen Einsätzen der NATO sowie im Rahmen der GSVP der EU und»sieht keinen Widerspruch zwischen einer Stärkung der EU und einer Stärkung der NATO. Wir wollen uns in beiden Organisationen umfassend engagieren. Wir wollen im Zentrum – nicht am Rand – der GSVP agieren und sind der festen Überzeugung, dass wir uns im Rahmen unserer künftigen NATO-Mitgliedschaft aktiver und konstruktiver in die europäische Verteidigung einbringen können«(Jonson 2023a). Die schwedische Regierung sprach sich für eine »umfassendere und wirksamere Zusammenarbeit zwischen EU und NATO« aus und setzt sich zudem für engere Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien nach dem Brexit ein. Außenministerin Maria Malmer Stenergard stellte 2025 in ihrem Bericht an den Riksdag fest:»Enge Beziehungen zwischen Schweden und dem Vereinigten Königreich sind wichtig, insbesondere mit Blick auf die Sicherheitspolitik. Darüber hinaus bemühen wir uns aktiv um eine Stärkung der Zusammenarbeit auf EU-Ebene und freuen uns auf das Gipfeltreffen EU-Vereinigtes Königreich im Mai«(Malmer Stenergard, 2025). Angesichts einer ausgesprochen wechselhaften und eigenwilligen Strategie der Trump-Regierung mit Blick auf die NATO und die transatlantische Beziehungen konzentriert sich die schwedische Regierung zum einen auf einen Erhalt der Sicherheitsbeziehungen mit den USA – sowohl auf bilateraler Ebene als auch innerhalb der NATO – und zum anderen mit besonderer Dringlichkeit auf die Entwicklung der europäischen Säule der NATO. Die schwedische Regierung will die europäische Verteidigungszusammenarbeit durch eine bessere Verteidigungsintegration stärken, unter anderem im Rahmen der NORDEFCO, der NB8, den JEF und der EU, die»sich noch deutlicher und kohärenter als geopolitischer Akteur positionieren muss«(Jonson, 2023a). Die schwedische Thinktank-Community ist von der Notwendigkeit eines stärkeren und geopolitischeren Europas überzeugt, das mehr Verantwortung für die europäische Sicherheit im Rahmen der gesamten euro-atlantischen Sicherheitsarchitektur übernehmen müsse. Dies lasse sich ihrer Meinung nach am besten über eine enge Zusammenarbeit mit Partnern in Europa und auf der anderen Seite des Atlantiks verwirklichen. Nichtsdestotrotz gibt es auch einen breiten Konsens darüber, dass die transatlantische Säule 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. China und die Indopazifik-Region »Auch wenn die Ukraine ganz oben auf unserer Agenda stehen wird und muss«, so Verteidigungsminister Pål Jonson,»lösen sich andere Probleme im Bereich der europä­ ischen Sicherheit nicht in Luft auf, darunter der verschärfte Wettstreit der Großmächte, ein auf internationaler Ebene immer machtbewusster und aggressiver agierendes China oder die zunehmende Präsenz der Gruppe Wagner in Subsahara-Afrika, um nur einige wenige zu nennen.«(Jonson, 2023a).»Der euroatlantische und der indopazifische Raum sind mehr denn je miteinander verknüpft«, führte er weiter aus(Jonson, 2024; siehe auch von Essen, 2024). Außerdem ging er auf die Unterstützung der russischen Kriegsführung durch China, Iran und Nordkorea ein, die seiner Meinung nach»(…) deutlich macht, dass dieser Krieg welt­ weite Folgen hat und letztlich die regelbasierte Ordnung schwächt. Dies wird besonders augenfällig, wenn man bedenkt, dass zum ersten Mal nordkoreanische Soldaten an Kampfhandlungen auf dem europäischen Kontinent beteiligt sind.«(Jonson, 2025) Als globale Handelsnation sei Schweden laut Pål Jonson auf»gute Handelsbeziehungen mit Partnern in aller Welt angewiesen. Deshalb stehen sichere Seeverbindungen und eine Freiheit der Schifffahrt im Zentrum unserer Sicherheitsinteressen.« Schweden ist Teilnehmer des Shangri-LaDialogs zwischen Verteidigungsminister_innen aus Ländern in der Indopazifik-Region, Nordamerika und Europa und beteiligte sich an maritimen Einsätzen der EU im nordwestlichen Teil des Indischen Ozeans und am Horn von Afrika(einschließlich der Operationen Atalanta und Aspides der EU NAVFOR). Im Jahre 2024 veröffentlichte die Regierung Leitlinien für die verteidigungspolitische Zusammenarbeit mit Ländern im indopazifischen Raum«(Defence Policy D­ irection for Cooperation with Countries in the Indo-Pacific Region) mit strategischen Prioritäten und Maßnahmen für ein verteidigungspolitisches Engagement mit Partnerstaaten in der Region(Schwedisches Verteidigungsministerium, 2024). Schweden zeigt besonderes Inte resse am Ausbau der rüstungsindustriellen Zusammenarbeit, insbesondere mit Ländern wie Japan, Australien, den Philippinen, Singapur und Südkorea. Schwedens Beziehungen zu China gestalten sich ausgesprochen schwierig. In ihrem Bericht an den Riksdag stellte Außenministerin Maria Malmer Stenergard 2025 fest, dass im asiatisch-pazifischen Raum»das größte Wirtschaftswachstum zu erwarten ist« und dass»die Sicherheit Asiens und Europas immer enger miteinander verknüpft sind« (Malmer Stenergard, 2025). In Zukunft wird es für Schwe den eine besondere Herausforderung sein, vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den USA und China den komplexen Balanceakt zwischen»gleichen Handelsbedingungen« mit China und einer Zusammenarbeit zu Themen wie Klimawandel zu meistern. Eine Strategie der Regierung besteht darin, die bilateralen Beziehungen fest in der EU und im transatlantischen Rahmen zu verankern – obgleich noch nicht klar ist, wie sich die Spannungen in diesem trilateralen Verhältnis in ein Gleichgewicht bringen lassen(Zhang, 2024; Börfesson, 2023). Schweden setzt sich mit Nachdruck für den Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien ein. Es strebt zudem eine Ausweitung»seiner Zusammenarbeit mit Japan an, einem wichtigen NATO-Partner mit einem bedeutenden Exportmarkt«. Zur Stärkung der eigenen Präsenz im indopazifischen Raum will Schweden einen in Stockholm ansässigen Gesandten für die Region ernennen, um die Bewältigung des komplexen Balanceakts zwischen Handel, Sicherheit, Demokratie und Menschenrechten zu unterstützen. China und die Indopazifik-Region 9 Der Krieg in der Ukraine, Trump und die Zukunft Europas »Ob es in Europa auch künftig souveräne Staaten gibt, wird auf den Schlachtfeldern der Ukraine entschieden«, ­urteilte Außenministerin Stenergard und fügte hinzu, dass sich»Russland einen Einflussbereich mit Vasallen und Satellitenstaaten sichern will – auch in der Ostseeregion« (Malmer Stenergard, 2025). Russlands Wunsch, eine unab hängige Ukraine im Keim zu ersticken und eine engere Zusammenarbeit des Landes mit der EU und der NATO zu verhindern, verdeutlicht die Angst von Putins Regime vor einer»erfolgreichen, demokratischen und wohlhabenden Ukraine, die der russischen Bevölkerung als schlechtes Vorbild dienen könnte. Denn wenn in der Ukraine ein Wandel möglich ist, dann ist er es auch in Russland«. Entsprechend»würde alles andere als eine strategische Niederlage Russlands in der Ukraine das Regime nur dazu ermutigen, seine erbarmungslose Strategie fortzuführen. Ein Erfolg Russlands würde nur noch weitere Gewalt nach sich ziehen und Länder wie Moldau und Georgien in eine weitaus gefährlichere Lage bringen«, stellte Verteidigungsminister Pål Jonson im März 2023 fest(Jonson, 2023b). Die schwedische Regierung befürchtet, dass Putin nach einem strategischen Sieg in der Ukraine weitere Länder wie Moldau und Georgien sowie EU- und NATO-Staaten in der nordisch-baltischen Region und Osteuropa angreifen könnte. Entsprechend»ist die Unterstützung der Ukrai­ne eine der obersten außenpolitischen Prioritäten der R­ egierung«, so Außenministerin Maria Malmer Stenergard. Sie führte weiter fort, dass»Schweden die Unterstützung der Ukraine als moralische Verpflichtung und unentbehrliche Investition in die Sicherheit Europas und – im weiteren Sinne – in unsere eigene Sicherheit, Unabhängigkeit und Zukunft betrachtet. Schweden wird auch weiterhin und so lange wie nötig politische, humanitäre, militärische und finanzielle Hilfe für die Ukraine leisten.«(Malmer Stenergard, 2025) Diese Strategie stößt in der schwedischen B­ evölkerung auf breite Unterstützung. Über 70 % der Schwed_innen spre chen sich für die Bereitstellung wirtschaftlicher und militärischer Hilfe aus – und liegen damit über dem EU-Durchschnitt(Europäische Union, 2022). Die bisherige schwedi sche Militärhilfe reicht von Panzerabwehrwaffen und CV90 IFV bis hin zu Winterkleidung und medizinischer Versorgung. Im Unterschied zu anderen beitragenden Staaten signalisierte Schweden 2023, es habe keine Einwände gegen den Einsatz seiner Waffen gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet. Schweden erhöhte seine Hilfen für die Ukraine in den einzelnen Kriegsjahren immer weiter und kün digte im Januar 2025 sein bisher größtes Paket mit Militär hilfen an. Im März 2025 verkündete Schweden seine Beteiligung am enhanced Air Policing in Polen zur Stärkung der Luftraumüberwachung und zum Schutz des NATO-Luftraums rund um die für eine Bereitstellung der militärischen und zivilen Hilfen für die Ukraine dringend benötigten Logistikrouten. Schweden will bis zu acht JAS-39-Kampfjets unter NATOKommando entsenden, womit erstmals schwedische Kampfflugzeuge vom Staatsgebiet eines anderen Verbündeten zu Luftüberwachungseinsätzen starten. Darüber hinaus betonte Verteidigungsminister Jonson, Europa müsse an allen künftigen Friedensverhandlungen beteiligt sein und es könne »keine Gespräche über die Ukraine ohne die Ukraine geben.« Die schwedische Regierung unterstrich, Russland dürfe kein Veto über die NATO-Mitgliedschaft haben und die Ukraine müsse weiterhin eine»Beitrittsperspektive erhalten, auch wenn der Beitritt nicht morgen geschehen wird.« (Breaking Defense, 2025) Mit Blick auf die Zukunft war Schweden an den von Großbritannien und Frankreich geführten Gesprächen über eine »Koalition der Willigen« beteiligt, um bei Bedarf eine Friedenstruppe für die Ukraine bereitzustellen und die europäischen Stabilisierungsbemühungen zu unterstützen. Sowohl Premierminister Ulf Kristersson als auch Außenministerin Maria Malmer Stenergard signalisierten die Bereitschaft zur Entsendung von Mitgliedern für eine mögliche Friedenstruppe. Allerdings hob die Außenministerin auch die Notwendigkeit hervor, zunächst»einen gerechten und dauerhaften Frieden auszuhandeln, der das Völkerrecht achtet, die Ukraine achtet und vor allem sicherstellt, dass sich Russland nicht nur zurückziehen und neu aufstellen darf, um in ein paar Jahren erneut die Ukraine oder ein anderes Land anzugreifen.« Sie fügte hinzu:»Wenn wir einen solchen Frieden geschaffen haben, müssen wir ihn auch verteidigen und zu diesem Zweck ist unsere Regierung zu allen Maßnahmen bereit.«(CBS, 2025) Allerdings warnten einige Mitglieder der Thinktank-Community, Trumps Friedenplan würde»eine Niederlage der Ukraine und Europas vorprogrammieren« und keine angemessenen Sicherheitsgarantien für die Ukraine bieten, wodurch er die»Glaubwürdigkeit der NATO untergräbt und die europäische Sicherheitsordnung zerrüttet«(Wessler 2025). Katarina Engberg, Autorin beim Thinktank SIEPS, stellte außerdem fest, da die Ukraine»keine kurzfristigen Aussichten auf eine NATO-Mitgliedschaft« habe, bestehe die beste Lösung darin, dass Europa der Ukraine bilaterale Sicherheitsgarantien bietet und sie gleichzeitig schrittweise in die EU integriert(Engberg, 2025: 24-5). Insgesamt 10 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. herrscht ein breiter Konsens darüber, dass sich die transatlantischen Beziehungen seit der Wiederwahl Trumps deutlich verschlechtert haben und die NATO in eine tiefe und möglicherweise zerstörerische Krise geraten ist(Riddervold, 2024). Diese Entwicklung hat(insbesondere im linken politischen Spektrum) antiamerikanische Ressentiments befeuert und Zweifel sowohl an der Entscheidung über den NATO-Beitritt als auch an der bilateralen Verteidigungszusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten hervorgerufen. Diese Kritik richtete sich speziell gegen das Abkommen zur Verteidigungskooperation(DCA) mit den Vereinigten Staaten, das dem US-Militär umfassenden Zugang zu 17 schwedischen Militäranlagen gewährt, die zum Teil ausschließlich von den USA genutzt werden. Trotzdem gibt es auch gemäßigtere Stimmen, die davon ausgehen, dass Europa noch mindestens ein Jahrzehnt auf die militärischen Fähigkeiten der USA angewiesen sein wird, die Verteidigungsausgaben erhöhen und mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit und Verteidigung übernehmen muss(Dahl, 2025; Wieslander and Blomqvist, 2025). Schweden, die NATO und Nuklearwaffen Besonders umstritten im sicherheitspolitischen Diskurs der schwedischen Öffentlichkeit und der Thinktanks ist das Thema Nuklearwaffen(Juntunen and Rosengren 2024). Schweden hat sich seit dem Ende seines Nuklearwaffenprogramms 1968 stets für Nichtverbreitung und nukleare Abrüstung eingesetzt. Diese Haltung ist bei Teilen der Sozialdemokraten und anderer linker Parteien noch immer weit verbreitet und tief im Wissenschaftsbetrieb und in der Kulturelite verwurzelt. Dies war auch der Grund, warum sich sowohl die Vänsterpartiet als auch die Miljöpartiet kritisch zur Entscheidung über den NATO-Betritt geäußert und Kontroversen über das Abkommen zur Verteidigungskooperation(DCA) mit den Vereinigten Staaten ausgelöst haben. Es gibt eine mächtige Anti-Nuklearwaffen-Lobby, angeführt von Organisationen und Thinktanks wie der Svenska Freds(SPAS), dem Alva Myrdal Centre on Nuclear Disarmament an der Universität Uppsala, der Folke Bernadotte Academy und SIPRI. Auch die schwedischen Medien widmeten sich dem Thema, unter anderem in Dagens Nyheter( 29. Januar 2025) und in der OnlineZeitschrift Kvartal(11. März 2025) – allerdings vor allem mit Blick auf die allgemeine Frage einer grundsätzlichen Ablehnung von Nuklearwaffen. Bisher gab es so gut wie keine grundlegende öffentliche Auseinandersetzung mit den strategischen und verteidigungspolitischen Implikationen einer nuklearen Abschreckung und Nuklearstrategie in Schweden. Allerdings beschäftigte sich die Sicherheitsgemeinschaft mit Fragen der nuklearen Abschreckung, zum Beispiel die schwedische Verteidigungsakademie und die Königliche Schwedische Akademie für Kriegs­ wissenschaften(Lundin and Sahl, 2025). Die Regierung war bemüht, die Kontroversen über das Thema zu begrenzen, indem sie betonte, dass Schweden zwar»die strategische Abschreckung der NATO unterstützt« und»einen NATO-Mitgliedsantrag ohne Einschränkungen gestellt hat«(d.h. ohne die Stationierung von Nuklearwaffen auf schwedischem Territorium ausdrücklich auszuschließen), sich die Regierung aber»weiterhin für Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung engagiert« und»sich auch künftig aktiv an der Stockholm-Initiative für nukleare Abrüstung beteiligen wird«. Außenminister Billström fügte hinzu, dass»es wie in den anderen nordischen Staaten in Friedenszeiten keinen Anlass für Nuklearwaffen oder ständige Militärstützpunkte auf schwedischem Staatsgebiet gibt«(Billström, 2023). Aller dings stellte Premierminister Ulf Kristersson im März 2023 fest, dass»sich dies in einer Kriegssituation vollkommen anders verhält« und»völlig vom Fortgang der Ereignisse abhängen würde. Im absoluten Worst-Case-Szenario müssen die demokratischen Staaten in unserem Teil der Welt letztlich auch in der Lage sein, sich gegen Länder zur Wehr zu setzen, die uns mit Nuklearwaffen bedrohen könnten«. Nichtsdestotrotz, so betonte er, müsse eine solche Entscheidung von der schwedischen Regierung und nicht von den Vereinigten Staaten getroffen werden.« »Schweden entscheidet über schwedisches Territorium« (Euractiv 2024). Angriffe in der Grauzone und hybride Kriegsführung In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland machte der Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte, Micael Bydén, deutlich, dass Schweden aktuell nicht mit der unmittelbaren Gefahr eines direkten militärischen Angriffs Russlands rechne, jedoch ausgesprochen besorgt sei»über andere Aktionen wie Desinformation, Verleumdungskampagnen und Cyberangriffe, also andere nicht-militärische Provokationen«(RND, 2024). Verteidi gungsminister Jonson stellte fest, dass»Russland hybride Angriffe auf Schweden und viele andere Länder unternimmt«, und»wir davon ausgehen müssen, dass von Russland in absehbarer Zukunft weiterhin eine sehr ernstzunehmende Gefahr für uns und unsere Verbündeten ausgehen wird«(Jonson, 2025). Laut Jonson sehe sich das Putin-Re gime in»einem Existenzkampf gegen den Westen« und führe diesen Krieg daher auch mit allen verfügbaren Mitteln, einschließlich hybrider und asymmetrischer Bedrohungen. Die mit dem russischen Angriff auf die Ukraine verbundenen Kosten werden, unabhängig vom Ausgang des Konflikts»Russland wirtschaftlich und militärisch schwächen. Seinen gegen den Westen gerichteten Militäreinheiten fehlt es zum großen Teil an Personal und Ausrüstung. Russlands militärische Fähigkeiten werden daher in absehbarer Zukunft begrenzt sein, sodass wir davon ausgehen können, dass Russland versuchen wird, seine politischen Ziele mit nichtlinearen Methoden zu erreichen. Dazu könnten Informationskampagnen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und politischen Entscheidungsfindung, Erpressung und Sabotage gehören. Russland hat zudem wiederholt mit dem Einsatz von Nuklearwaffen gedroht« (Jonson, 2023b). Der Krieg in der Ukraine, Trump und die Zukunft Europas 11 In der Ostseeregion gibt es besonders eindeutige Beispiele für Angriffe in der Grauzone, darunter die Beschädigung kritischer Unterwasserinfrastrukturen(wie Glasfaserkabel und Energieleitungen), die Störung von GPS-Signalen, Luftraumverletzungen und der Einsatz der russischen Geisterflotte zur Umgehung von Sanktionen, Spionage und Sabotage (Ålander, 2025; Ålander und Oksanen, 2024). Die Leiterin des schwedischen Nachrichtendienstes( Säpo, die Säkerhetspolisen), Charlotte von Essen, verwies im März 2025 auf diese Gefahr und stellte fest,»dass die russische Risikobereitschaft angesichts der Drohungen, Sabotageakte auch in Schweden durchzuführen, zugenommen hat«(SÄPO, 2025). Die schwedische Marine engagiert sich derzeit aktiv in der Seeüberwachung und trägt damit sowohl zur NATO-Operation Baltic Sentry(mit der Bereitstellung von bis zu drei Kriegsschiffen und einem Radaraufklärungsflugzeug) als auch zur JEF-Operation Nordic Warden unter britischer Führung bei. 12 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Zusammenfassung Schweden war als jüngstes NATO-Mitglied seit seiner Mit gliedschaft im Bündnis darum bemüht, sich als»zuverlässiger, loyaler und engagierter Verbündeter« zu positionieren, der bereit und in der Lage ist, einen Beitrag zum 360-GradAnsatz für Abschreckung und Verteidigung zu leisten. In der schwedischen Gesellschaft und Politik besteht ein breiter Konsens darüber, dass von Russland die ernstzunehmend­ ste und langanhaltendste Gefahr für Schweden und Europa ausgeht. Ein direkter militärischer Angriff auf schwedisches Territorium könne zwar nicht ausgeschlossen werden, gelte derzeit allerdings nicht als größte Bedrohung. Die größten Sorgen bereiteten russische Angriffe in der Grauzone und hybride Aktivitäten in der Ostseeregion,»feindliche Aktionen, die auf eine Destabilisierung unserer Gesellschaften abzielen, wie Cyberangriffe, Desinformation und die Sabotage kritischer Infrastrukturen«(Malmer Stenergard, 2025). Es ist eine Zunahme der Intensität und Frequenz derartiger Maßnahmen zu beobachten. Schweden setzt sich mit Nachdruck für die transatlantische Sicherheitszusammenarbeit ein und zeigt sich zutiefst ­besorgt über den Kurs und das impulsive Handeln der Trump-Regierung. Außerdem unterstützt Schweden die EU als»wichtigste außenpolitische Plattform« des Landes, vertritt allerdings die Auffassung, dass sich an der europäischen Verteidigungszusammenarbeit auch Nicht-EUMitglieder(wie Großbritannien und Norwegen) beteiligen und einen Beitrag zur Stärkung der europäischen Säule der NATO leisten sollten. Französische Pläne einer auf die EU ausgerichteten strategischen Autonomie Europas sieht das Land daher skeptisch. Schweden stand mit seinem Engagement für glaubwürdige Sicherheitsgarantien und eine dauerhafte NATO-Beitrittsperspektive immer fest an der Seite der Ukraine – allerdings ohne jemals öffentlich auf die genauen Inhalte einer solchen Perspektive einzugehen. Die schwedische Regierung signalisierte bereits ihre Bereitschaft, sich nach dem Konflikt und sobald der Frieden gesichert ist an einer Stabilisierung der Lage in Europa und einer Friedenstruppe in der Ukraine zu beteiligen. Das Thema Nuklearwaffen hat nach wie vor Potential für Kontroversen in der sicherheitspolitischen Debatte, was bisher allerdings keinerlei Einfluss auf Schwedens entschlossenes Engagement für die NATO und die transatlantische Sicherheitspartnerschaft hatte. 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April 2024. https://kinacentrum. se/publikationer/new-developments-in-nato-china-relations-and-their-potential-impact-on-swedens-future-relations-with-china. Literatur 15 Über den Autor Prof. em. Adrian Hyde-Price ist Forscher am Institut für Politikwissenschaften der Universität Göteborg und am dortigen Centre for European Research(CERGU). Sein Forschungsschwerpunkt sind die Außenbeziehungen ­Europas und hier insbesondre die Rolle von Macht und ­internationaler Ordnung in Europa. Die Zukunft der NATO – Länderstudie Schweden Die NATO ist seit ihrer Gründung die zentrale Sicherheitssäule der deutschen und europäischen Verteidigungspolitik. Seit dem Ende des Kalten Krieges durchlief sie eine Reihe interner Transformationen und Neuausrichtungen, ausgelöst durch die Entwicklungen im internationalen Sicherheitsumfeld und durch den Druck seiner Mitgliedsstaaten. Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine das Selbstverständnis der NATO als zentraler Garant der kollektiven Sicherheit gestärkt hat, müssen mit dem Wechsel der US-Administration Anfang 2025 erneut grundlegende Fragen geklärt werden. Welche Rolle werden die USA zukünftig für Europas Sicherheit übernehmen und wie können die europäischen Nationen darauf reagieren? Diese Publikation ist Teil der Studie»Die Zukunft der NATO«, in der die verschiedenen Debatten zur Allianz und den aktuellen Sicherheitsherausforderungen in 11 Mitgliedsstaaten und 3 Nicht-Mitgliedsstaaten zusammengefasst und analysiert werden. Diese Länderstudien sind Grundlage für eine zusammenfassende Publikation, um mögliche Antworten auf die offenen Fragen zu finden und mögliche Zukünfte der NATO zu entwerfen. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie hier: ↗ fes.de