IMPULS Yvonne Lott, Svenja Pfahl, Carolin Deuflhard, Ricarda Scholz, Hanna Völkle W  ir erwarten mehr: Zeit für eine ­entschlossene Gleichstellungspolitik! Auf einen Blick Deutschland hat ein zeitpolitisches Gleichstellungs­ problem. Der Gender-Care-Gap liegt unter den Erwerbstätigen bei 8 Stunden, der Gender-WorkingTime-Gap bei 7 Stunden pro Woche. Es ist höchste Zeit für eine entschlossene Gleichstellungspolitik, die Geschlechterungleichheiten wirksam bekämpft. Geschlechtergerechtigkeit darf kein Lippenbekenntnis bleiben – sie muss politische Realität werden. Dies ist die Chance der jetzigen Bundesregierung. Zeitpolitische Gender-Gaps In Deutschland wird viel gearbeitet. Insgesamt ­investieren Frauen durchschnittlich 54 Stunden pro Woche in Erwerbs arbeit und unbezahlte Sorgearbeit, Männer durchschnitt lich 53 Stunden, also eine Stunde weniger(WSI Gender ­Daten Portal 2025). Sorgearbeit, etwa Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Hausarbeit, ist unverzichtbar für das Funktionieren der Gesellschaft und daher ein zentraler Teil der Arbeit, die tagtäglich geleistet wird. Erwerbstätige Frauen arbeiten durchschnittlich aber nicht nur eine Stunde pro Woche mehr als Männer. Sie ­leisten auch den überwiegenden Teil der unbezahlten Sorge­ arbeit. Der Gender-Care-Gap, die Lücke in der Verteilung ­unbezahlter Haus- und Sorgearbeit, liegt bei 8 Stunden. ­Erwerbstätige Frauen leisten im Durchschnitt 8 Stunden mehr Sorgearbeit als erwerbstätige Männer(Lott 2024). Aufgrund von Sorgearbeit bleibt Frauen weniger Zeit für Erwerbsarbeit als Männern(DGB-Index Gute Arbeit 2024). Der Gender-Working-Time-Gap, also die Lücke in der Er werbsarbeitszeit von Männern und Frauen, beträgt 7 Stun den(Lott 2024) und der Anteil der Teilzeitbeschäftigten macht unter den Frauen fast 47 Prozent aus, unter Män nern hingegen knapp 12 Prozent(destatis 2025 b). Zudem unterbrechen Frauen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger als Männer aufgrund von Sorgearbeit. Unter den 25- bis 54-jährigen Eltern mit Kindern unter 6 Jahren sind 83 Prozent der Väter erwerbstätig, aber nur 50 Prozent der Mütter(destatis 2025a).  Wir erwarten mehr: Zeit für eine e­ ntschlossene Gleichstellungspolitik! 1 Die ungleiche Verteilung von Erwerbsarbeit und unbezahl ter Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern hat gravie rende gleichstellungspolitische Folgen. Sie gefährdet die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen und erschwert ihr berufliches Fortkommen. Frauen haben ein höheres Niedriglohnrisiko als Männer(destatis 2023). Insbesonde re in personenbezogenen Dienstleistungsberufen, in denen vorwiegend Frauen arbeiten, sind die Löhne niedrig und der Gender Pay-Gap, also der Verdienstabstand zwischen ­Frauen und Männern, hoch(Pfahl et al. 2025). Der GenderPay-Gap von 16 Prozent wird im Ruhestand durch einen noch größeren Gender-Pension-Gap von 32 Prozent über troffen(Haan et al. 2025). Die ungleiche Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit führt darüber hinaus zu einer hohen Doppelbelastung von ­Frauen. Dies macht auch ein Blick auf die Gesamtarbeits zeiten deutlich: Selbst Frauen in Vollzeit arbeiten durch schnittlich eine Stunde pro Woche mehr als Männer(WSI Gender Daten Portal 2025). Unter den Teilzeitbeschäftig ten sind es sogar knapp 10 Stunden pro Woche, die ­Frauen im Durchschnitt mehr als Männer arbeiten(WSI Gender Daten Portal 2025). Diese Arbeitszeitrealitäten entsprechen nicht den Wün schen vieler Eltern. So wollen Väter vor allem in den ­ersten Lebensjahren des Kindes kürzer im Job arbeiten, ­während Mütter zu einem späteren Zeitpunkt wieder mehr Zeit in den Beruf investieren wollen(Bujard und Kleinschrot 2024). Damit sich diese Zeitwünsche realisieren lassen, ­brauchen Beschäftigte mehr Kontrolle über die Lage, Dau er und ­Verteilung der Erwerbsarbeitszeit sowie den Ort der Erwerbs­arbeit. Besonders lange und atypische Erwerbsar beitszeiten – etwa abends, nachts oder am Wochenende – erschweren aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erheblich – nicht nur für die Beschäftigten selbst, sondern auch für ihre Partnerinnen bzw. Partner(Lott und Wöhr mann 2023). Wenn Flexibilität bedeutet, dass Erwerbs­ arbeitszeiten unplanbar und unvorhersehbar werden, hat dies negative Folgen für Gesundheit und Vereinbarkeit (Brenscheidt und Wöhrmann 2021), insbesondere für Frau en(Lott 2020). Atypische Erwerbsarbeitszeiten führen da her häufig dazu, dass Frauen ganz aus dem Erwerbsleben gedrängt werden(Deuflhard und Ganault 2025). Um mehr Teilzeitbeschäftigte und insbesondere Frauen für eine Ausweitung ihrer Erwerbsarbeitszeit zu gewinnen, ­bedarf es politischer Maßnahmen, die die Erwerbsfähig keit von Frauen stärken, indem die strukturellen Hürden für eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen beseitigt werden. Zeitpolitische Vorhaben im Koalitionsvertrag Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag den Wech sel von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstar beitszeit und die Einführung steuerfreier Überstundenzu schläge sowie eine steuerliche Begünstigung von Prämien zur Ausweitung der Arbeitszeit prüfen. Ziel ist es, ­Anreize zur Verlängerung der(täglichen) Erwerbsarbeitszeiten zu schaffen, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern und die Sicherung von Fachkräften zu unterstützen. Diese Maßnahmen beruhen jedoch auf der Annahme, in Deutschland werde im internationalen Vergleich zu ­wenig gearbeitet. Die Realität zeigt ein anderes Bild: Im Jahr 2023 erreichen sowohl die Zahl der abhängig Beschäftig ten(42,2 Millionen) als auch die der Erwerbstätigen ins gesamt(46,0 Millionen) historische Höchststände. Auch das gesamte Arbeitszeitvolumen lag auf Rekordniveau: Im Jahr 2023 wurden rund 54,59 Milliarden Arbeitsstunden ­geleistet – deutlich mehr als noch 1991 mit 52,20 Milliarden ­Stunden(Hans-Böckler-Stiftung 2025). Eine weitere Annahme ist, dass längere Arbeitszeiten auto­ matisch zu mehr Wohlstand führen. Doch dieser Zusam menhang lässt sich empirisch nicht belegen – im Gegenteil: Längere Arbeitszeiten wirken sich in vielen Fällen negativ auf die Produktivität aus. Sie erhöhen das Risiko von Feh lern und Unfällen und tragen langfristig zu einem Anstieg krankheitsbedingter Ausfälle bei. Das hat nicht nur gesund heitliche Folgen für die Beschäftigten, sondern führt auch zu einer höheren Belastung für das verbleibende Personal (Arlinghaus 2021). Doch damit nicht genug: Die von der Bundesregierung ­geplanten Maßnahmen drohen – entgegen dem im Koaliti­ onsvertrag formulierten Ziel – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verschlechtern und so den Gender-WorkingTime-Gap und den Gender-Care-Gap zu verschärfen. Letzt lich könnten die geplanten Maßnahmen auch die Demo kratie schwächen. Verschärfung der Gender-Gaps Eine Verlängerung der Erwerbsarbeitszeiten ­benachteiligt insbesondere Frauen, die nach wie vor den Großteil der ­unbezahlten Sorgearbeit übernehmen. Mit der Einfüh rung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit wären länge re Erwerbsarbeitszeiten, am Tag bis zu 13 Stunden inklu sive Pause, möglich. Wer tagsüber arbeitet und abends ­weiter pflegt, betreut oder versorgt, kann kaum zusätzliche Erwerbsstunden leisten. Hingegen haben Männer täglich mehr zeitliche Spielräume, ihre Erwerbsarbeitszeiten aus zuweiten, da sie deutlich weniger unbezahlte Sorgea­ rbeit erbringen. Die Verlängerung der täglichen Erwerbsarbeitszeiten hät te zwei gravierende Nachteile: Zum einen würde die ohne hin hohe Doppelbelastung vieler Frauen durch Beruf und ­Familie weiter zunehmen – mit dem Risiko, dass sie sich ganz aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen(müssen). Be sonders betroffen wären insbesondere Frauen in personen bezogenen Dienstleistungsberufen, für die sich aus der in tensiven Interaktionsarbeit ein hohes Maß an Arbeitsbelas tungen ergibt(DGB-Index Gute Arbeit 2024). Zum anderen  Wir erwarten mehr: Zeit für eine e­ ntschlossene Gleichstellungspolitik! 2 müssten Frauen zusätzlich mehr unbezahlte Sorgearbeit übernehmen, wenn ihre Partner deutlich länger erwerbs­ tätig sind. Beides schwächt die Erwerbsbeteiligung von Frauen und führt gerade nicht zu einer Ausweitung ihrer ­Erwerbsarbeitszeiten, wie von der Bundesregierung beab sichtigt. Der finanzielle Anreiz für die Aufstockung der Erwerbs­ arbeitszeiten für Teilzeitbeschäftigte, der im Koalitions vertrag ebenfalls vorgesehen ist, ist unwirksam oder in Hinblick auf die dadurch steigende Doppelbelastung gar ­riskant, wenn gleichzeitig Maßnahmen für eine gleiche ­Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit ausbleiben. Auf die strukturellen Barrieren für die Aufstockung der Erwerbs­ arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten deuten aktuelle Zah len hin: Nur 16 Prozent der Teilzeitbeschäftigten wären ­bereit, ihre Arbeitszeit aufzustocken, wenn eine Prämie ge zahlt würde(Stegmaier et al. 2025). Eine Fragmentierung der täglichen Erwerbsarbeitszeit – etwa durch eine längere Unterbrechung für Sorgearbeit am Tag mit anschließender Wiederaufnahme der Arbeit am Abend, wie sie durch eine Flexibilisierung der wöchent­ lichen Erwerbsarbeitszeit gefördert würde, ist zudem nicht vereinbarkeitsförderlich, sondern im Gegenteil mit einer ­erhöhten Belastung verbunden(Backhaus und Lott 2025). Insbesondere im Pflege- und Gesundheitssektor, in dem geteilte Arbeitsschichten häufig vorkommen, ist bekannt, dass die Fragmentierung des Erwerbsarbeitstages negative (gesundheitliche) Folgen für die Beschäftigten haben kann (Sardadvar und Reiter 2023). Die tägliche Arbeitszeitgrenze ist daher eine unverzicht­ bare Arbeitsschutzmaßnahme. Sie entspricht auch den ­Bedürfnissen der Beschäftigten. Zwei Drittel halten eine tägliche Arbeitszeitgrenze für wichtig(Stegmaier et al. 2025) und die Mehrheit möchte nicht am Abend arbeiten (DGB-Index Gute Arbeit 2025). Eine gerechte Zeitpolitik muss diese Realität ernst nehmen – und verlässliche Tages strukturen stärken, statt zeitliche Entgrenzung zu fördern. Schwächung der Demokratie Eine Politik, die an den Bedürfnissen und Wünschen der Beschäftigten vorbeigeht, verschärft nicht nur Verein­ barkeitsprobleme, sondern gefährdet auch das ­Vertrauen in demokratische Institutionen. Die Corona-Pandemie hat dies deutlich gemacht: Viele Frauen wurden mit der ­Doppelbelastung aus Beruf und Kinderbetreuung allein ­gelassen – und haben sich in der Folge enttäuscht von ­politischen Institutionen abgewandt(Hövermann und ­Kohlrausch 2022). Eine Ausweitung der Arbeitszeiten birgt daher auch demo kratiepolitische Risiken. Die Verfügbarkeit von arbeitsfreier Zeit und politische Mitwirkung stehen in einem engen Zu sammenhang: Wer über arbeitsfreie Zeit verfügt, hat bes sere Chancen, sich politisch zu engagieren, an Versamm lungen teilzunehmen, sich in der Kommunalpolitik einzu bringen oder eigene inhaltliche Schwerpunkte zu setzen (Völkle 2024). Schon heute bleibt vielen Beschäftigten, insbesondere Frauen, jedoch kaum Zeit für gesellschaftliches oder politi sches Engagement(Lott et al. 2025). Die ungleiche Vertei lung von arbeitsfreier Zeit benachteiligt vor allem Frauen in ihrer Möglichkeit zur demokratischen Teilhabe. Eine weite re zeitliche Belastung würde diese Schieflage verstärken – zulasten von Teilhabe, Vertrauen und demokratischer Be teiligung. Konkrete Maßnahmen für eine geschlechter- und sorgegerechte Zeitpolitik Menschen brauchen eine Politik, die Zeitgerechtigkeit schafft – durch eine faire Verteilung von Erwerbs- und Sor gearbeit zwischen Frauen und Männern. Dafür ist eine doppelte Umverteilung von Erwerbsarbeit und unbezahl ter ­Sorgearbeit notwendig. Frauen müssen die Möglichkeit haben, mehr am Arbeitsmarkt teilzunehmen, und Männer müssen mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden können. Dies ist der Auftrag der neuen Bundesregierung. Zu begrüßen ist daher die im Koalitionsvertrag geplan te Ausweitung der Partnermonate beim Elterngeld, um die Beteiligung von Vätern zu stärken – auch wenn diese, wie alle Vorhaben, unter dem Finanzierungsvorbehalt steht. Umso wichtiger ist es, dass die Ausweitung der Partnermo nate nicht durch eine Arbeitszeitpolitik konterkariert wird, die auf die Verlängerung von(täglichen) Erwerbsarbeits­ zeiten setzt. Erforderlich sind weitere kurz- und mittelfristige Maßnah men, die Partnerschaftlichkeit fördern – durch eine ge schlechtergerechte Verteilung von Erwerbsarbeit und un­ bezahlter Sorgearbeit. Dazu zählen insbesondere Maßnahmen, die pflegende ­Angehörige entlasten, wie vom unabhängigen Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf(2023) vorgeschla gen. Dafür müssen das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz zu einem einheitlichen Gesetz zusammen geführt werden, das Angehörigen verlässliche und flexible Rahmenbedingungen bietet. Zentral ist dabei die Einfüh rung eines steuerlich finanzierten Familienpflegegeldes mit Rechtsanspruch auf Freistellung, finanzieller Absicherung und Rückkehrrecht auf den ursprünglichen ­Arbeitsplatz. Darüber hinaus ist der Ausbau der Infrastruktur für die Betreuung von Pflegebedürftigen unverzichtbar. So wird ­Sorgearbeit endlich auch in der Pflege konsequent unter stützt und anerkannt. Seit 2019 gilt im Teilzeit- und Befristungsgesetz ein An spruch auf zeitlich begrenzte Teilzeitarbeit, die sogenannte Brückenteilzeit. Diese Regelung sollte dringend ausgewei tet werden. Sie ist entscheidend, um Teilzeitbeschäftigten  Wir erwarten mehr: Zeit für eine e­ ntschlossene Gleichstellungspolitik! 3 und vor allem Frauen die Aufstockung der Erwerbsarbeits zeiten zu ermöglichen und gleichzeitig die Planbarkeit für Arbeitgeber _innen zu verbessern. Da Frauen überdurchschnittlich häufig in kleinen und mittelständischen Unter nehmen beschäftigt sind, sollten die geltenden Schwellen werte im Teilzeitrecht dringend abgeschafft werden(Wis senschaftlicher Beirat für Familienfragen 2024). Zudem müssen individuelle Arbeitszeitwünsche bei der Rückkehr in längere Arbeitszeiten stärker berücksichtigt und eine ­flexiblere Anpassung sowie Inanspruchnahme der Brücken teilzeit während ihrer Laufzeit gewährleistet werden. Tarifverträge sind ebenfalls ein zentraler Hebel für mehr Zeitgerechtigkeit im Arbeitsleben. In tarifgebundenen ­Betrieben und Branchen profitieren Beschäftigte von bes seren Löhnen und Arbeitsbedingungen(Lübker und Schul ten 2024). Viele Tarifverträge berücksichtigen die unter schiedlichen Zeitbedarfe in verschiedenen Lebensphasen – etwa bei der Pflege von Angehörigen oder nach der Geburt eines Kindes. Besonders wirkungsvoll sind tarifliche Re gelungen, die Beschäftigten Wahlmöglichkeiten eröffnen: etwa zwischen einem Lohnzuwachs oder zusätzlichen frei en Tagen(Mellies et al. 2025). Sie stärken die Vereinbar keit von Familie und Beruf auf betrieblicher Ebene. Umso ­dringlicher es, dass die Bundesregierung die Tarifbindung konsequent stärkt. Schlussendlich bedarf auch eines weiteren Ausbaus der ­Betreuungsinfrastruktur. Gerade in der Kinderbetreuung ist in den vergangenen Jahren schon viel geschafft worden. An diese Erfolge kann die jetzige Bundesregierung anknüp fen. Notwendig ist der bedarfsgerechte Ausbau der insti tutionellen Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen. Denn Zeitpolitik allein wird hier nicht ausreichen. Eine zu kunftsfähige Zeitpolitik erfordert die enge Verzahnung von Arbeits-, Wirtschafts- und Gleichstellungspolitik. Das Optionszeitenmodell(Jurczyk und Mückenberger 2020) ist ein konkretes zeitpolitisches Konzept, das in ­Zusammenarbeit mit Vertreter _ innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft weiterentwickelt wurde. Es verbindet Erwerbs- und Sorgearbeit, indem es Ziehungs rechte für persönliche Zeitbudgets definiert. So soll mehr Menschen ermöglicht werden, Erwerbsarbeit mit familiä ren, persönlichen, zivilgesellschaftlichen oder politischen Aufgaben zu vereinbaren. Diese Konzepte fördern eine selbstbestimmte und lebens phasenorientierte Arbeitszeitgestaltung. Nur auf diese Wei se können ein geschlechter- und sorgegerechtes Zusam menspiel von Erwerbsarbeit und Familie bzw. Privatleben langfristig gestärkt und echte Geschlechtergerechtigkeit ­erreicht werden . Gute Zeitkonzepte gibt es längst: Zeit sie umzusetzen Zeitpolitik muss langfristig gedacht werden und der Reali tät Rechnung tragen, dass sich Zeitwünsche und ­-bedarfe im Lebensverlauf der meisten Beschäftigten verändern ­(Bujard und Kleinschrot 2024). Dafür braucht es Arbeits zeitmodelle, die Beschäftigten mehr Kontrolle über Dau er, Lage und Verteilung ihrer Arbeitszeit sowie über den ­Arbeitsort ermöglichen. Orientierung bieten dabei Konzep te wie das Wahlarbeitszeitgesetz oder das Optionszeiten modell. Das Wahlarbeitszeitgesetz ist Teil des vom Deutschen ­Juristinnenbund e.V.(2021) vorgeschlagenen Gleichstel lungsgesetzes in der Privatwirtschaft. Ein solches Wahl arbeitszeitgesetz sieht vor, die Vor-Ort-Akteure in den ­Unternehmen darauf zu verpflichten, eigenverantwortlich ver­einbarkeits- und gesundheitsförderliche Arbeitsarran gements für das eigene Unternehmen zu entwickeln und ­umzusetzen(Lott et al. 2025).  Wir erwarten mehr: Zeit für eine e­ ntschlossene Gleichstellungspolitik! 4 Literatur Arlinghaus, Anna(2021): Lange Arbeitszeiten gefährden physische und psychische Gesundheit. Argumente für eine Arbeitszeitverkürzung aus arbeitswissenschaftlicher Sicht. In: WISO Wirschaftsund Sozialpolitische Zeitschrift 45(1/22). Backhaus, Nils; Lott, Yvonne(2025): Arbeitszeitfragmentierung und Work-Life-Balance – Zeitliche Belastungen im Spannungsfeld von Geschlecht und Elternschaft. In: sozialpolitik.ch 1, S. 1–33. https://doi.org/10.18753/2297-8224-7038 Brenscheidt, Frank; Wöhrmann, Anne(2021): Anforderungen der Arbeitszeitflexibilität. 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Juni 2025). https://iab-forum.de/ mehr-anreize-mehr-flexibilitaet-mehr-arbeit-wie-beschaeftigte-aufdie-plaene-der-neuen-bundesregierung-reagieren-wuerden →  Wir erwarten mehr: Zeit für eine e­ ntschlossene Gleichstellungspolitik! 5 Literatur Unabhängiger Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf(2023): Zweiter Bericht des unabhängigen Beirats für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Berlin. Völkle, Hanna(2024): Zusammenhalt und Teilhabe: Zeitpolitische Strategien fürs Ehrenamt. In: Zeitpolitisches Magazin 45, S. 33–36. https://zeitpolitik.org/wp-content/uploads/2024/12/ZPM45_1224.pdf Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen(2024): Leitideen und Rechtsrahmen für eine familiengerechte Arbeitswelt. Wissen schaftlicher Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin. WSI Gender Daten Portal(2025): Zeitaufwand für bezahlte und u­ nbezahlte Arbeit 2022. Hans-Böckler-Stiftung. Düsseldorf. https://www.wsi.de/de/sorgearbeit-14618-zeitaufwand-fuerbezahlte-und-unbezahlte-arbeit-20122013-14913.htm Über die Autorinnen Yvonne Lott ist Leiterin des Referats Geschlechterforschung am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der ­Hans-Böckler-Stiftung. Svenja Pfahl ist Geschäftsführerin des sozialwissenschaftlichen ­ Forschungs- und Beratungsinstitutes SowiTra in Berlin. Carolin Deuflhard war Doktorandin im Berliner Exzellenzcluster„Contestations of the Liberal Script“(SCRIPTS) und ist am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung tätig. Ricarda Scholz leitet das Projekt„Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten“ des DGB Bundesvorstands. Hanna Völkle ist Senior Expert mit Schwerpunkten auf Vielfalt, ­Chancengleichheit und Digitalisierung bei EAF Berlin. Über das Netzwerk„Gerechte Zeiten“ Diese Publikation wurde durch eine Autorinnengruppe des Netzwerks„Gerechte Zeiten“ der Friedrich-Ebert-Stiftung erarbeitet. Das Netzwerk versteht sich als Plattform für den Austausch und die ­Entwicklung ­geschlechtergerechter(Arbeits-)Zeitpolitik. Das ­ Netzwerk bringt ­Expert _ innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften zusammen und will progressive Impulse in die gesellschafts­politische Debatte einbringen. Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Analyse, Planung und Beratung Referat Politische Beratung und Impulse Kontakt Vanessa Kiesel vanessa.kiesel@fes.de Bildnachweis picture alliance/ Ikon Images/ Maxim Usik| Maxim Usik Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. (FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­ge­ gebenen ­Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. P­ ublikationen der FES dürfen nicht für Wahl kampfzwecke verwendet werden. September 2025 © Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. ISBN 978-3-98628-761-0 Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen  Wir erwarten mehr: Zeit für eine e­ ntschlossene Gleichstellungspolitik! 6