IMPULS Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa Vereinigtes Königreich – öffentliche ­Medien am Abgrund Tom Chivers Der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Vereinigten Königreich steht vor einer existenziellen Krise. Die rasanten ­Veränderungen in der Medienlandschaft haben zu tiefgreifenden Änderungen der Mediengesetzgebung, der Regulierung und der Unternehmensstrategien der Rundfunk­ anstalten geführt. Zugleich haben diese Bemühungen auch Widersprüche in der Auffassung britischer Politiker:innen und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten bezüglich der Ziele des öffentlich-rechtlichen Rundfunks offenbart. In der sinkenden Attraktivität der öffentlichen Medien im Vereinigten Königreich zeigen sich die Folgen der routinemäßigen politischen Einmischung in die Finanzierung, Regulierung und Steuerung dieser Organisationen. Dieser Bericht gibt einen Überblick über die ­Entwicklungen im öffentlichrechtlichen Rundfunk im ­Vereinigten Königreich der vergangenen fünf Jahre und beschreibt, wie wichtige politische Debatten in den kommenden fünf Jahren über das Über­ leben – oder das endgültige Scheitern – der öffentlichen Medien im Vereinigten Königreich entscheiden werden. Kontext und Zweck – die„Ökologie“ der ­öffentlich-rechtlichen Medien im Vereinigten Königreich Die moderne Ära der britischen öffentlich-rechtlichen Medien 1 macht sich am Communications Act 2003 und der Schaffung der gesetzlichen Medienaufsichtsbehörde Ofcom fest. Zu den Aufgaben von Ofcom im Bereich Medien und Telekommunikation gehört die Regulierung der fünf benannten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (PSBs) im Vereinigten Königreich – BBC, ITV, Channel 4, Channel 5 und der walisischsprachige Sender S4C 2 – durch 1  In diesem Bericht wird der Begriff„öffentlich-rechtliche Medien“(Public Service Media – PSM) verwendet, um Organisationen, Vorschriften und Grundsätze zu bezeichnen, die darauf abzielen, audiovisuelle Medieninhalte für öffentliche Zwecke in Fernseh-, Radio- und Onlineformaten bereitzustellen. Der Begriff„öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten“(Public Service Broadcasters – PSBs) wird hingegen verwendet, um die fünf britischen Rundfunkunternehmen zu bezeichnen, die offiziell als Hauptproduzenten von PSM-Inhalten und-Diensten benannt sind. 2  S4C= Sianel Pedwar Cyrm(wörtlich: Kanal 4 Wales). Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Vereinigtes Königreich 1 die Festlegung von Quoten und Anforderungen für die Bereitstellung öffentlich-rechtlicher audiovisueller Inhalte, z. B. Nachrichten, Kinderprogramme oder Originalinhalte, die in Regionen des Vereinigten Königreichs außerhalb Londons produziert werden. Ofcom ist verpflichtet, der britischen Regierung da­ rüber Bericht zu erstatten, inwieweit die PSBs die in der Gesetzgebung festgelegten übergeordneten Ziele des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erfüllt haben. Bis das Me­ diengesetz 2024, verabschiedet von der vorherigen konser vativen Regierung(siehe dazu weiter unten), diese Ziele ­erheblich reduzierte und einschränkte, beinhaltete der ­Auftrag der PSBs eine umfassende Liste von Genres und idealen Ergebnissen, die eng mit dem demokratisierenden Ethos des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verbunden ­waren. Dazu zählten: → frei empfangbare Dienste und Programme, die den ­Bedürfnissen und Interessen aller Zuschauer:innen ­entsprechen; → Förderung des„bürgerlichen Verständnisses und einer fairen und fundierten Debatte über Nachrichten und ­aktuelle Ereignisse“; → Bereitstellung von Bildungsprogrammen und Programmen zu Wissenschaft, Religion, sozialen Themen und Fragen von internationaler Bedeutung; → Sicherstellung, dass„kulturelle Aktivitäten im Vereinigten Königreich und ihre Vielfalt durch Drama, Comedy, Musik und andere kreative Künste widergespiegelt, ­unterstützt und gefördert werden“ … → … die Gemeinschaften, Kulturen und Identitäten des Vereinigten Königreichs widerspiegeln; → Bereitstellung hochwertiger und origineller Programme für Kinder und Jugendliche(vgl. legislation.gov 2003). Der Communications Act gewährt den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auch Vorteile, wie die reservierte Nutzung des Rundfunkfrequenzspektrums oder(für die BBC und S4C) Garantien für öffentliche Finanzierung. ­Dieser„Zuckerbrot und Peitsche“-Ansatz hilft, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten für die Übernahme nichtkommerzieller Verpflichtungen zu entschädigen, und stellt sicher, dass die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für alle Zuschauer:innen im Vereinigten Königreich weitreichend verfügbar und zugänglich sind. Das britische PSM-Modell wird daher als„gemischte Ökologie“ beschrieben(Ofcom 2018), in der öffentlich finanzierte, öf fentlich-rechtliche und kommerzielle sowie öffentlich regulierte Rundfunkanstalten gemeinsam eine große Auswahl an frei empfangbaren Inhalten für öffentliche Zwecke anbieten, die einen Mehrwert für die britische Gesellschaft, Kultur und Demokratie schaffen. Es wird weiter argumentiert, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Vereinigten Königreich eher in einen„Wettbewerb um Qualität“(Chivers/Allan 2022) als in einen direkten Wettbewerb um Finanzmittel oder Zuschauer:innen eintreten, wodurch die individuellen Aufgabenbereiche der einzelnen Rundfunkanstalten klarer und effektiver werden. Finanzierung – Tod durch tausend Schnitte Zwar haben viele Faktoren das empfindliche Gleichgewicht der britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunklandschaft gestört, doch ist die zusammenbrechende Finanzbasis der größte Faktor für den Rückgang der öffentlich-rechtlichen Rundfunkproduktion im Vereinigten Königreich. Die Haupteinnahmequelle der BBC in Höhe von 5,9 Milliarden Pfund(6,75 Milliarden Euro, Geschäftsjahr 2024) ist die Fernsehgebühr, die von britischen Haushalten erhoben wird, die Livefernsehen schauen oder den Onlinedienst iPlayer der BBC nutzen. Die Fernsehgebühr ist eine eigenständige Haushaltsabgabe, die unabhängig von anderen Haushaltsrechnungen oder-gebühren ist und im Auftrag der BBC von der TV Licensing Authority erhoben wird – die auch Sanktionen bei Nichtzahlung durchsetzt. Die Höhe der Rundfunkgebühr wird von der britischen ­Regierung festgelegt und beträgt derzeit 174,50 Pfund (199,57 Euro) pro Jahr. Im Jahr 2024 machte die Rundfunk gebühr 65 Prozent(3,8 Milliarden Pfund – 4,35 Milliar den Euro) der Einnahmen der BBC aus. Kommerzielle Einnahmen, beispielsweise aus dem Verkauf der IP-Rechte an BBC-Inhalten, gewinnen jedoch langsam an Bedeutung für das Gesamteinkommen der BBC. Seit 2010 sind die öffentlichen Einnahmen der BBC real um fast 40 Prozent gesunken, nachdem die Regierung in aufeinanderfolgenden Finanzierungsvereinbarungen die Rundfunkgebühr entweder eingefroren oder unterhalb der Inflationsrate gehalten hatte(Voice of the Listener and ­Viewer 2024). Infolgedessen hat die BBC ihre Investitionen in Kernbereiche wie Nachrichten und Lokalradio drastisch reduziert – was zu einem Rückgang der einst treuen ­Zu­h­ örerschaft um 27 Prozent geführt hat(House of Com mons Public Accounts Committee 2024) – und schätzungs weise 1.000 Programmstunden aus dem Fernseh­programm ge­strichen. Hinzu kommt, dass ein kleiner, aber wachsender Teil der britischen Bevölkerung die Zahlung der Fernsehgebühren eingestellt hat, unter anderem aufgrund der Lebenshaltungskosten, der Ablehnung der Rundfunkgebühren und der BBC selbst oder weil die Haushalte einfach kein Livefernsehen mehr schauen oder die Dienste der BBC nicht mehr nutzen(The Guardian 2025). Die Nutzung von Live fernsehen oder BBC-Diensten ohne Zahlung einer Fernsehgebühr kann zu einer Strafverfolgung und sogar – im Falle einer entschiedenen Weigerung zu zahlen – zu einer ­Freiheitsstrafe führen, obwohl solche Fälle selten sind. Die ­Kriminalisierung der Nichtzahlung hat dennoch erhebliche Kritik und Widerstand hervorgerufen, nicht zuletzt weil ­viele der wegen Nichtzahlung verfolgten Personen sich in einer prekären oder schwierigen Lage befinden (The Guardian 2024). Die kommerziell finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender des Vereinigten Königreichs – ITV, Channel 4 und Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Vereinigtes Königreich 2 Channel 5 – sind ebenfalls mit finanziellen Herausforde rungen aufgrund des Ausgabenrückgangs für Fernsehwerbung konfrontiert. Obwohl ihre Einnahmen trotz allem weitgehend stabil geblieben sind, ist ihr Beitrag zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Vereinigten Königreich eingebrochen, sodass die BBC nun der wichtigste(und in einigen Fällen einzige) Anbieter vieler zentraler öffentlichrechtlicher Programmgenres ist. Zwischen 2010 und 2023 sind die Investitionen der britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in den Programmbereichen Bildung (–68 Prozent), Kunst(–60 Prozent), Religion und Ethik (–50 Prozent) sowie den Kinderprogrammen(–38 Prozent) eingebrochen. 3 Der Rückgang der öffentlich-rechtlichen Medienproduktion gefährdet die grundlegende Rechtfertigung für staatliche Eingriffe in den Medienmarkt – die Bereitstellung von sozial wertvollen und demokratisch notwendigen Medieninhalten, die von kommerziellen Anbietern nicht produziert würden. Governance und demokratische Kontrolle – öffentlicher Dienst ohne öffentliche ­Legitimität Der Zusammenbruch der Finanzierung und Investitionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hängt eng mit dem ­völligen Fehlen einer echten demokratischen Rechenschaftspflicht für die Führung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder der Ofcom im Vereinigten Königreich zusammen. ITV und Channel 5 sind private Unternehmen mit begrenzten PSM-Verpflichtungen, dennoch setzen sich beide beharrlich dafür ein, diese zu reduzieren und gleichzeitig ihre Vorteile als ausgewiesene PSBs zu behalten(The Guardian 2011). Die Tendenz von Ofcom, die Interessen der Rundfunkanstalten zu unterstützen, anstatt die Interessen der Bürger:innen zu verteidigen, ist eine langjährige Folge seines Gründungszwecks als wettbewerbsfördernde Regulierungsbehörde(vgl. Livingstone et al. 2007). Die Governance-Regelungen für die öffentlich-rechtlichen Sender Channel 4 und S4C sind keineswegs transpa renter oder demokratischer gestaltet. Die nicht-geschäftsführenden Direktor:innen von Channel 4 werden von Of com in Abkommen mit der britischen Regierung ernannt, die auch den/die Vorsitzende:n von Ofcom bestimmt. Lord Michael Grade, der derzeitige Vorsitzende von Ofcom, ist ein ehemaliger Fernsehmanager und Mitglied des House of Lords. Er war als nicht gewählter konservativer Abgeordneter tätig, bevor er unter dem konservativen Premierminister Boris Johnson zu Ofcom berufen wurde. Der Vorsitzende von S4C und die nicht-geschäftsführenden Vorstandsmit glieder werden alle von der britischen Regierung ernannt: Weder das Senedd(walisisches Parlament) noch die dezentrale walisische Regierung haben Aufsichtsbefugnisse über den walisischsprachigen Sender. 4 Die Royal Charter der BBC, die als Verfassung der BBC dient, besagt, dass die BBC„in allen Angelegenheiten unabhängig sein muss(...) insbesondere in Bezug auf redaktionelle und kreative Entscheidungen“(Secretary of State for Culture, Media and Sport 2016: 4). In Wirklichkeit war die BBC schon immer dem Einfluss des Staates und der Politik unterworfen, vor allem durch die Befugnisse der Regierung, die Bedingungen der Royal Charter festzulegen, die Höhe der öffentlichen Finanzierung zu bestimmen und wichtige Persönlichkeiten in den BBC-Vorstand zu berufen (Mills 2020). Die konservative Regierung von 2019 bis 2024 führte kontinuierlich eine Kampagne gegen die BBC durch, indem sie Ernennungen und Finanzierungen politisierte. Im Jahr 2021 ernannte sie Richard Sharp, einen Großspender der konservativen Partei und Direktor eines rechtsgerichteten Thinktanks, zum Vorsitzenden der BBC. Dies folgte auf ­einen langwierigen„Luftkrieg“, in dem Regierungsvertreter:innen ultrakonservative Kandidat:innen dazu aufforderten, die vermeintliche linke Ausrichtung der BBC einzudämmen(Chivers 2021). Eine anonyme Quelle der BBC ­betonte die Bedeutung des Vorsitzenden als Kanal für ­undurchsichtige Einflussnahmen der Regierung und sagte über Sharp:„Was auch immer man von Bankern halten mag, er ist sehr kundenfreundlich, und unser größter ­Kunde ist die Regierung“(zitiert nach The Guarding 2021). Sharp trat im April 2023 als Vorsitzender der BBC zurück, nachdem ein Bericht finanzielle Interessenkonflikte mit dem ehemaligen Premierminister Boris Johnson aufgedeckt hatte, der ihn in dieses Amts berufen hatte (BBC News 2023). Die Regierung ernannte außerdem Robbie Gibb – ­einen ehemaligen Spin-Doctor der konservativen Premierministerin Theresa May – zum nicht-geschäftsführenden Direktor der BBC. Nicht-geschäftsführende Direktor:innen haben nur eine beratende Funktion, aber Gibb wurde wiederholt vorgeworfen, sich in die Berichterstattung der BBC einzumischen. Ein ehemaliger BBC-Nachrichtenchef beschrieb Gibb als„aktiven Agenten der Konservativen Partei“, der kritische Berichterstattung über die konservative Regierung zensiert habe(The Guardian 2022a). Gibb soll auch an den Bemühungen der BBC beteiligt gewesen sein, ihre Nachrichten- und Dramaberichterstattung zu ändern, um die aufständische rechte Partei Reform UK zu beschwichtigen, deren führende Persönlichkeiten(einschließlich ihres Vorsitzenden Nigel Farage) versprochen haben, die Fernsehgebühren abzuschaffen(Byline Times 2025). Im Jahr 2022 kündigte die konservative Kulturminis terin Nadine Dorries eine zweijährige Einfrierung der Fern sehgebühren an, was bis 2027 zu einem voraussichtlichen Verlust von 2,2 Milliarden Pfund(2,52 Milliarden Euro) an Einnahmen für die BBC führen würde. Dorries behauptete, diese Vereinbarung über die Fernsehgebühren sei„die letzte“, was offenbar die Pläne der Regierung bestätigt, die öf3  Analyse der Branchendaten von Ofcom durch den Autor. 4  Im Jahr 2023 untersuchte ein unabhängiges Expertengremium im Auftrag der walisischen Regierung Methoden zur Übertragung von Rundfunkbefugnissen an Wales. Im Jahr 2025 lehnte die walisische Regierung jedoch die Umsetzung der Empfehlungen ab. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Vereinigtes Königreich 3 fentliche Finanzierung der BBC mittels Fernsehgebühren zu beenden(The Guardian 2022b). Im Jahr 2024 mischte sich die Regierung durch die Halbzeitüberprüfung der ­Royal Charter der BBC, einem neuen Mechanismus für ­politische Einflussnahme, der durch die Charta von 2016 eingeführt wurde, weiter in die angeblich unabhängige ­redaktionelle Entscheidungsfindung der BBC ein(Department for Culture, Media and Sport 2024). Später im Jahr 2024 kündigte die Regierung eine offizielle Überprüfung der BBC-­Finanzierung an, an der ein„Expertengremium“ aus Vertreter:innen der kommerziellen Medien und lautstarken Gegner:innen der Fernsehgebühren beteiligt war (Gov.uk 2024). Die Diskussionen dieses Gremiums wurden nie ­veröffentlicht. Und obwohl das Gremium von der neu gewählten Labour-Regierung wieder abgeschafft wurde, verdeutlichte diese Maßnahme die undemokratische, unverantwortliche und sporadische Herangehensweise des Vereinigten Königreichs an die Politikgestaltung im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks(Media Reform Coalition 2024a). Die Regierungen greifen nach Belieben direkt in die Unabhängigkeit und Führung der öffentlich-recht­ lichen Rundfunkanstalten ein, während das Parlament keine Möglichkeit hat, Ernennungen und Finanzierungsentscheidungen anzufechten. Die britische Öffentlichkeit ist machtloser Zuschauer in der undurchsichtigen Welt der Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und politischen Drohungen, die das Verhältnis zwischen der Regierung und der BBC prägen. Die Rolle und Bedeutung der Öffentlichkeit in den öffentlich-rechtlichen Medien wird von den Politiker:innen entweder bequem ignoriert oder durch Strohmänner vertreten. Wettbewerb und Digitalisierung – von ­Weltmarktführern zu Juniorpartnern Die demokratische Kluft zwischen der britischen Öffentlichkeit und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wird durch die abnehmende Nutzung und Relevanz von Rundfunkformaten für die Art und Weise, wie das Pub­ likum Medieninhalte findet und darauf zugreift, noch ­deutlicher. Im Jahr 2018 machten Rundfunkinhalte(einschließ lich Livefernsehen und aufgezeichneter oder On-DemandWiedergaben) 71 Prozent der Sehdauer des britischen ­Publikums aus. Bis 2024 war dieser Anteil auf 56 Prozent gesunken, während die Nutzung von Streaming-Video-onDemand-Diensten(SVoDs, z. B. Netflix oder Amazon ­Prime) und Video-Sharing-Plattformen(z. B. YouTube) im gleichen Zeitraum fast um das Doppelte gestiegen war. 5 Ungefähr 70 Prozent der britischen Haushalte haben min destens ein SVoD-Abonnement, wobei Netflix, Amazon ­Prime und Disney+ drei Viertel dieser Abonnements in Großbritannien ausmachen(Media Reform Coalition 2025). Während die BBC und ITV nach wie vor die meistgesehenen Livefernsehsender sind, sind YouTube und Netflix mittlerweile die am zweit- und vierthäufigsten genutzten audiovisuellen Dienste des britischen Publikums(Ofcom 2025a: 23). Diese Trends sind bei jüngeren Zuschauer:innen noch ausgeprägter: Die unter 35-Jährigen verbringen mehr Zeit mit dem Anschauen von SVoD- und Video-Sharing-Inhalten als mit dem Fernsehen, und die Fernsehsender der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden von Netflix und YouTube als erste Wahl der jüngeren Zuschauer:in nen für audiovisuelle Inhalte weit übertroffen(Ofcom 2025b: 18–19). Für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkan stalten im Vereinigten Königreich stellt das eine äußerst prekäre Situation dar. Ihr Kernpublikum für öffentliche Dienstleistungen im Fernsehen und Radio besteht aus einer schrumpfenden, älteren Bevölkerungsgruppe, während jüngere Zuschauer:innen – von denen die zukünftige Nut zung, Finanzierung und politische Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten abhängt – überwiegend soziale Medien, Videoportale und SVoD-Dienste nutzen, was bedeutet, dass sie weitaus weniger wahrscheinlich eine Verbindung zu den Inhalten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Vereinigten Königreich aufbauen (Ofcom 2025b: 17). Die britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, Ofcom und die verschiedenen Regierungen haben außerordentlich langsam auf das beschleunigte Wachstum der Online-Medien-Technologien reagiert. In den 2000er Jahren führten die britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die„digitale Umstellung“ im Fernsehbereich an, während Channel 4 und die BBC mit 4oD im Jahr 2006 und BBC iPlayer im Jahr 2007 Pioniere im Bereich Videoon-Demand-Dienste waren. Reed Hastings, Mitbegründer von Netflix, hat der BBC sogar zugeschrieben, den Weg für SVoD als Zukunft des Fernsehens„geebnet“ zu haben. In letzter Zeit haben sich die britischen öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten jedoch nur mehr passiv an der Entwicklung von sozialen Netzwerken, Video-Sharing und algorithmischen Inhaltsempfehlungen beteiligt und haben Schwierigkeiten, einen eindeutigen öffentlichen Mehrwert auf gewinnorientierten digitalen Plattformen zu artikulieren. Auf Plattformen wie X/Twitter und Instagram müssen Versuche, öffentlich-rechtliche Nachrichten als unabhängig und vertrauenswürdig zu positionieren, mit einem hohen Maß an Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber„Mainstream“-Nachrichtenanbietern kämpfen, was durch öffentliche Interventionen von Plattformbesitzern wie Elon Musk oft noch verstärkt wird. Der wohl größte Misserfolg der britischen öffent­lichrechtlichen Medien in den vergangenen zehn Jahren bestand im Fehlen jeglicher Versuche, öffentliche Alterna­ tiven zu den Monopolen der Big Tech zu schaffen. Durch die Entwicklung von Social-Media- oder Video-SharingPlattformen als öffentliche Dienste hätten die britischen öffentlich-rechtlichen Medien digitale Medieninstitutionen etablieren können, die ausschließlich im öffentlichen Interesse agieren, statt das Feld gewinnorientierten Unternehmen zu überlassen, die auf der Ausbeutung von Nutzerda5  Zuschauerstatistiken aus den Berichten„Ofcom Media Nations“ von 2018(S. 21) und 2025(S. 18). Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Vereinigtes Königreich 4 ten und der Verschärfung politischer Polarisierung basieren (Jay 2024). Stattdessen haben schrumpfende Budgets und sinkende Fernsehzuschauerzahlen die britischen öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten dazu gezwungen, Juniorpartner der dominierenden globalen Medienunternehmen zu werden. Zunehmend sind sie auf die größten Streaming- oder sozialen Plattformen angewiesen, um sicherzustellen, dass ihre Inhalte ein breites Publikum erreichen, oder um PSM-Inhalte gemeinsam zu produzieren und zu finanzieren(Ofcom 2025b: 25). Das hat nicht nur zu ei nem allmählichen Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten geführt, sondern auch dazu, dass das Publikum nicht mehr erkennt, wann eine erfolgreiche oder einflussreiche Sendung ursprünglich von einer britischen öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalt produziert wurde(JIGSAW/ Ofcom 2020: 39). Das Mediengesetz 2024: Mehr Anreize, ­weniger Sanktionen Seit Mitte der 2010er Jahre ist klar, dass die öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten ernsthaft in ihrer Fähigkeit, ihren öffentlichen Nutzen aufrechtzuerhalten, bedroht sind, wenn der politische Rahmen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Vereinigten Königreich nicht radikal über­ arbeitet wird. 6 Im Juli 2019 teilte Ofcom der Regierung mit, dass neue Gesetze erforderlich seien, um die Nachhaltigkeit der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu unterstützen, insbesondere durch die Ausweitung des Prominenzrahmens – Vorschriften, die sicherstellen, dass die Dienste der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in den elektronischen Programmführern, die zur Navigation und zum Zugriff auf Fernsehkanäle verwendet werden, ­prominent angezeigt werden –, damit„intelligente“ Fern­ seher, Streaming-Sticks und andere immer beliebter werdende digitale Geräte in das System einbezogen werden ­(Ofcom 2019). Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten begrüßten diese Vorschläge zur Stärkung ihrer Sichtbarkeit für das Publikum in den digitalen Medien und forderten die Politiker:innen auf, schnell zu handeln. Doch erst Mitte 2022 veröffentlichte die Regierung schließlich ein„Weiß buch“, in dem sie ihre Pläne zur Reform der Gesetzgebung für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten darlegte ­(Department for Digital, Culture, Media& Sport 2022). In diesem Papier wurden auch umfassende Deregulierungen des gesamten PSM-Rahmens vorgeschlagen. Der im Communications Act von 2003(siehe oben) definierte Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien sollte umfassend über­ arbeitet werden, wobei die Regierung ohne Beweise behauptete, dass die ursprüngliche Liste der Genres und Ziele „veraltet“ und„sich überschneidend“ sei(Media Reform Coalition 2023). Das Weißbuch schlug auch die Privatisierung von Channel 4 vor, wobei der Verkauf dem britischen Finanzmi nisterium schätzungsweise rund 1 Milliarde Pfund(1,14 Mil liarden Euro) einbringen würde – obwohl Branchenanalysen darauf hindeuteten, dass dies auch einen Verlust von 2 Mil liarden Pfund(2,29 Milliarden Euro) an wirtschaftlichem Wert durch die Beendigung der PSM-Verpflichtungen von Channel 4 nach sich ziehen würde(Ampere Analysis 2022). Die Privatisierung wurde von der Rundfunkbranche, zivil­ gesellschaftlichen Gruppen, vielen Politiker:innen und der breiten Öffentlichkeit einhellig abgelehnt. Doch die Regierung suchte weiterhin nach potenziellen Käufer:innen, bis sie den Verkauf Anfang 2023 letztlich aufgab. Als der Mediengesetzentwurf schließlich im Juni 2023 im Parlament eingebracht wurde, hatten die öffent lich-rechtlichen Rundfunkanstalten fast fünf Jahre lang auf eine stärkere Präsenz auf digitalen Plattformen gewartet. Außerdem wurde ihnen die verlockende Aussicht auf eine Verringerung der Bandbreite an Genres und Zielen in Aussicht gestellt, die Ofcom von ihnen verlangen würde. In der Praxis bedeutet dies, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mehr„Zuckerbrot“ in Form erweiterter regulatorischer Vorteile erhalten würden, während sie gleichzeitig weniger„Peitsche“ von Ofcom zu spüren bekämen, ­sodass sie ihre Investitionen in öffentlich-rechtliche Inhalte weiter zurückfahren könnten. Obwohl das Citizens’ Forum for PSM, eine kleine Koalition der Zivilgesellschaft, bei ­Abgeordneten und Minister:innen Lobbyarbeit betrieb, um die Einschränkung des PSM-Auftrags rückgängig zu machen, setzten sich auch die Rundfunkanstalten dafür ein, dass der Gesetzentwurf ohne Verzögerung verabschiedet wurde. Der für die Förderung des Gesetzentwurfs zustän­ dige Minister lehnte es sogar ab, öffentliche Stellung­ nahmen oder Expertengutachten zur Information des ­Parlaments anzunehmen. Somit stellt das Mediengesetz 2024, das im Juli 2024 buchstäblich wenige Stunden vor der Auflösung des Parlaments für die Parlamentswahlen verabschiedet wurde, eine völlige Umkehrung der traditionellen Begründung für öffentlich-rechtliche Medien dar. Anstatt klare Grundsätze und wertvolle Vorteile festzulegen, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten den britischen Bürger:innen bieten sollten, legt die britische Gesetzgebung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk nun den Schwerpunkt auf den Schutz der Rentabilität und Marktposition willkürlich benannter Rundfunkunternehmen, die noch weniger Anforderungen für die Bereitstellung öffentlich-rechtlicher Rundfunkdienste für das britische Publikum erfüllen müssen. Die Überprüfung der Königlichen Charta der BBC: Wer entscheidet über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Bis Dezember 2027 muss die britische Regierung die König liche Charta der BBC erneuern. Während der jüngsten 6  Diese wachsende existenzielle Krise wurde im FES-Briefing 2020 zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Vereinigten Königreich ausführlich beschrieben(siehe Freedman 2020). Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Vereinigtes Königreich 5 Überprüfung der Charta in den Jahren 2015 bis 2016 stie ßen die Debatten über die Zukunft der BBC auf großes öffentliches Interesse, doch der politische Entscheidungsprozess der damaligen konservativen Regierung war zutiefst undemokratisch und stark politisiert. Viele erwarteten, dass die derzeitige Labour-Regierung kooperativer mit der BBC umgehen würde. Doch die Beziehungen zwischen der neuen Regierung und der BBC haben sich schnell abgekühlt. Untersuchungen zur Berichterstattung der BBC über den Krieg im Gazastreifen haben eine systematische Benachteiligung palästinensischer Positionen aufgezeigt. Doch die Kulturministerin der Labour-Partei, Lisa Nandy, hat ihren Zorn auf widerlegte Vorwürfe einer antiisraelischen Berichterstattung konzentriert(Centre for Media Monitoring 2025). Nandy hat auch eine bewusst vage Haltung zur künftigen Finanzierung der BBC eingenommen, indem sie eine allgemeine Besteuerung ausschloss und gleichzeitig mit„zwei­ stufigen“ Modellen liebäugelte, wie der Einführung von Werbung oder Abonnements bei gleichzeitig reduzierter öffentlicher ­Finanzierung(The Times 2025). Neben den dringenden Herausforderungen, denen sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der neuen Medienlandschaft gegenübersehen, könnte die bevorstehende Überprüfung der Charta zu einem Brennpunkt für viele hartnäckige Krisen in der britischen Gesellschaft werden, wie zum Beispiel den Vertrauensverlust in öffentliche Institutionen und die Fragmentierung der so­ zialen und politischen Kommunikation, die nicht zuletzt durch oligarchisch dominierte Medien und Technologieplattformen ­vorangetrieben wird. Genau diese Art von Krisen sollte ein vertrauenswürdiges, robustes und demokratisches öffentlich-rechtliches Rundfunkwesen helfen zu ­lösen. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Vereinigten Königreich – und insbesondere der BBC – ­fehlen jedoch die Mittel oder die Motivation, diesen ­wesentlichen Zweck zu erfüllen. Die Bewältigung dieser existenziellen Fragen muss daher mit einer Demokratisierung der öffentlich-rechtlichen Medien selbst einhergehen, beginnend mit einer Neuorganisation des bevorstehenden Überprüfungsprozesses der Charta als ein gutes Beispiel für die direkte öffentliche Beteiligung an der Politikgestaltung im Bereich der öffentlichrechtlichen Medien. Auch die Führung und die Arbeitsweise der BBC sollten demokratisiert werden, um der allgegenwärtigen staatlichen und politischen Einmischung, die die grundlegende Unabhängigkeit der BBC untergraben hat, ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Die Umwandlung der BBC in eine genossenschaftliche Organisa­tion – die sich im Besitz der britischen Öffentlichkeit als„Mitglied“ befindet und von dieser kontrolliert wird und die sich aktiv und direkt an der Führung der BBC beteiligt – wäre eine ra­di­kale, aber wirksame Reform, um dies zu erreichen(Hind et al. 2025). Update November 2025 – Versagen der BBC öffnet Tür für ­politischen Coup Die Begriffe„BBC“ und„Skandal“ sind selten weit vonei­ nander entfernt. Während der endgültige Text für diese Analyse vorbereitet wurde, wurde die BBC von einer weiteren großen Krise auf höchster Management- und Führungsebene erschüttert. Ein interner BBC-Bericht über redaktionelle Versäumnisse wurde geleakt, in dem unter anderem ein prominenter Fall von schlampig bearbeiteten Aufnahmen der Rede Donald Trumps vor den Unruhen im Kapitol am 6. Januar 2021 detailliert beschrieben wurde. Während die BBC-Führung mit ihrer Reaktion ins Straucheln geriet, starteten die vehement gegen die BBC eingestellten Zeitungen des Vereinigten Königreichs eine ­heftige Kampagne, um die BBC anzugreifen und ihre ­vermeintliche institutionelle Voreingenommenheit anzuprangern. Der Druck war groß genug, um sowohl den Nachrichtenchef als auch den Generaldirektor der BBC, Tim Davie, zum Rücktritt zu zwingen. Ersten Berichten zufolge spielte Robbie Gibb, das von den Konservativen ernannte BBC-Vorstandsmitglied, eine Schlüsselrolle bei der Organisation eines beispiellosen Putsches des BBCVorstands gegen diese beiden wichtigen Persönlichkeiten (The Guardian 2025b). Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels könnte diese Affäre bereits verpufft sein oder sich zu einer noch größeren Krise für die BBC ausgeweitet haben. Die unmittelbaren Reaktionen zeigen jedoch, wie sich die Fronten für die bevorstehenden Debatten über die künftige Königliche Charta der BBC abzeichnen. Beide Seiten haben diese Ereignisse zum Anlass genommen, die BBC als nicht repräsentativ und institutionell unregierbar zu verurteilen. Während die eine Fraktion die unerschütterliche linke und großstädtische Ausrichtung der BBC-­ Kultur anprangert, macht die andere die übermäßige ­Rolle politischer Einmischung und unternehmerischer Selbsterhaltung dafür verantwortlich, wie die BBC mit großen öffentlichen Skandalen umgeht und diese zu ­lösen versucht. Vor allem aber ist der Skandal ein weiteres Beispiel dafür, dass wichtige Debatten über die BBC – ob es sich nun um demütigende Skandale oder technokratische Entscheidungsprozesse handelt – ausschließlich als Konflikte zwischen verschiedenen Teilen der fest verwurzelten politischen und medialen Elite Großbritanniens ausgetragen werden. Während rivalisierende Politiker:innen, Persönlichkeiten der Rundfunkbranche und große Medienkonzerne darüber streiten, welche Vision der BBC ihrer Meinung nach„die Öffentlichkeit“ am meisten wünscht, bleibt die britische Öffentlichkeit selbst ein passiver und machtloser Zuschauer. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Vereinigtes Königreich 6 Fazit: Demokratisierung oder Untergang Nach Jahrzehnten der Kürzungen, politischen Angriffe und Deregulierung steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Vereinigten Königreich am Abgrund. Kleinteilige Reformversuche, die darauf abzielen, den Status quo des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu„bewahren“, werden weder dessen Zukunft sichern noch die demokratische Kluft zwischen den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und den Bürger:innen, denen sie dienen sollen, beseitigen. Befürworter:innen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf der ganzen Welt können auf viele internationale Beispiele zurückgreifen, um die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer fragmentierten, polarisierten und konzentrierten globalen Medienlandschaft zu stärken. Die dänische Kultursteuer auf Streaming-Dienste könnte den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine Chance bieten, den finanziellen Aderlass bei inländischen Inhalten zu bekämpfen. Die Verteidiger:innen der BBC betrachten diese Form des Rundfunkbeitrags mit großem Interesse als mögliche Alternative zur äußerst unpopulären Fernsehgebühr. Die Dezentralisierung des Rundfunks(wie im Baskenland und in Flandern) oder sogar die Föderalisierung(wie in Deutschland) bieten ebenfalls eine Möglichkeit, die ­Entscheidungsmacht darüber, wer öffentliche Medien ­produziert, finanziert und regelt, auf mehrere Ebenen zu verteilen. Aber selbst mit diesem Arsenal an fortschrittlichen Lösungen stellt sich die Frage, ob die bevorstehenden Debatten die Öffentlichkeit in die Lage versetzen werden, ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen zu artikulieren. Welche Mechanismen werden es ermöglichen, dass diese Forderungen Einfluss auf die zukünftige Stellung und den Zweck des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nehmen? Oder werden diese Prozesse von den üblichen Verdächtigen und Interessengruppen vereinnahmt werden? Wenn die britische Öffentlichkeit weiterhin keine aktive oder direkte Rolle dabei spielt, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk in ihrem Namen organisiert wird, dann werden die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Vereinigten Königreich ihre öffentliche Legitimität verlieren, die sie benötigen, um ihren grundlegenden Zweck als unabhängige, universelle und vertrauenswürdige Organisationen für das öffentliche Wohl aufrechtzuerhalten. Literaturverzeichnis Ampere Analysis(2022): Channel 4 Privatisation: A Potential Disaster for the UK Independent TV Sector?, https://www.ampereanalysis. com/insight/channel-4-privatisation-a-potential-disaster-for-the-ukindependent-tv-sector(26.11.2025). 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Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Abteilung Analyse, Planung und Beratung Kontakt Dr. Johannes Crückeberg Johannes.Crueckeberg@fes.de Bildnachweis Titelillustration: Till Lukat Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­ gegebenen ­Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. ­Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Januar 2026 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Vereinigtes Königreich 8