und Beispiele, die sie mit relativ leicht verdaulichem Zahlenmaterial würzen, um ihre politische Botschaft zu vermitteln. Ihre Sprache ist durchweg scharfzüngig. Dazu passen die verwendeten Quellen, die aus den Anmerkungen am Ende des jeweiligen Kapitels ersichtlich werden. Es handelt sich überwiegend um Zeitungen und Zeitschriften, im Internet verfügbare Texte sowie Veröffentlichungen von kritischen Nichtregierungsorganisationen. Diese Auswahl verwundert nicht, denn Reimon ist als Journalist bzw. Buchautor tätig. In Wien unterrichtet er politische Kommunikation, während Weixler als Pressesprecher der Grünenfraktion im Europäischen Parlament in Brüssel arbeitet. Ihr gewohntes Publikum besteht also weder aus Experten noch aus Studenten der Politik- oder Wirtschaftswissenschaft. Die würden aus dem Buch wohl nur wenig Neues erfahren, sondern könnten darin allenfalls spannende Illustrationen weitgehend bekannter Zusammenhänge entdecken oder Punkte ausmachen, die zum Widerspruch reizen. Einer breiteren Leserschaft bietet der Band hingegen einen längst nicht erschöpfenden, aber leicht verständlichen Einstieg in die europäische Politik, der zum Weiterlesen anregt. Axel Biallas, Leipzig STEVE WOOD/ WOLFGANG QUAISSER: The New European Union. Confronting the Challenges of Integration Boulder/ London 2008 Lynne Rienner Publishers, 253 S. D ie Europäische Union hat sich gerade im Laufe der letzten Jahre erheblich verändert. Die Zahl ihrer Mitgliedstaaten hat sich nahezu verdoppelt. An inneren und äußeren Herausforderungen mangelt es nicht, auch wenn in dieser Beziehung die Lage nicht viel anders ist als zu früheren Zeiten. Denn an Herausforderungen, realen oder vermeintlichen, um Veränderungen in den Politiken und Institutionen der eu zu begründen, hat es der eu eigentlich selten gefehlt. Nur die Natur der Herausforderungen hat sich geändert. Insofern ist ein Buch, das sich die Aufgabe stellt, in überschaubarem Rahmen diese neue eu im Kontext ihrer aktuellen Herausforderungen zu analysieren und darzustellen, sicher ein verdienstvolles Unterfangen. Im vorliegenden Fall haben sich zwei Autoren dieser Aufgabe gewidmet, die beide viel über Osteuropa und die eu gearbeitet haben. Vor allem Wolfgang Quaisser vom Osteuropainstitut(früher München, jetzt Regensburg) ist den Lesern der ipg aus mehreren Beiträgen im Laufe der letzten Jahre bekannt. Sein Koautor Steve Wood ist Australier, was der Analyse einen kritischen Außenblick verleiht. Tatsächlich deckt das Buch einen großen Teil der mit der europäischen Integration verbundenen Fragen ab. Es beginnt mit einer knappen Beschreibung der 178 Rezensionen/Book Reviews ipg 2/2008 Geschichte, der Institutionen und der offenen Fragen und Herausforderungen. Die fünf Hauptkapitel behandeln danach die politische Ökonomie von Vertiefung und Erweiterung, das Verhältnis von Staaten und Gesellschaften im Zuge der Europäisierung, die wichtigsten Gemeinschaftspolitiken, die globale Rolle der eu und ihre Nachbarschaftspolitik. Ein abschließendes Kapitel versucht einen Ausblick in Form einer Szenarioanalyse. Obwohl der Leser im Zuge der Lektüre eine Menge nützlicher Informationen und Positionen geboten bekommt, irritieren doch eine Reihe von Schwächen auf verschiedenen Ebenen. Trotz der breiten Palette von Themen vermisst man aber wichtige Politikfelder. So ist die gesamte dritte Säule der Innen- und Justizpolitik bedenklich unterbelichtet. Europol, Schengen, Prüm sowie die Asyl- und Einwanderungspolitik werden, wenn überhaupt, nur am Rande behandelt. Ähnliches gilt für die Entwicklungspolitik, obwohl ansonsten Außenbeziehungen eine gewichtige Rolle spielen. Die Beziehungen zu den akp -Staaten bleiben ebenso unerwähnt wie die Kooperation mit Lateinamerika oder Süd- und Südostasien. Aber auch da, wo Themen mehr Platz gewidmet wird, wirkt die Behandlung oft eklektisch. Häufig übernehmen die Autoren zu bestimmten Fragen weitgehend die Analyse von Dritten, ohne dass deutlich wird, warum sie unter der Fülle möglicher Sichtweisen gerade jene auswählen. Nun kann man sicher nicht erwarten, dass jemand in allen Bereichen eines so komplexen Themenfeldes wie der eu gleichmäßig tiefschürfend gearbeitet hat. Aber das Buch leidet darunter, dass bestimmte Fragen scheinbar zufällig recht breit und/oder tief behandelt werden, andere dagegen eher oberflächlich und knapp. Warum haben die Autoren zum Beispiel ausgerechnet eine Analyse von Emmannoulidis zur Überwindung der Verfassungsvertragskrise ausführlich über zwei Seiten(70–72) mit einer detaillierten Darstellung von fünf Optionen übernommen, obwohl sie kurz darauf(72) feststellen, dass das Ergebnis des Gipfels vom Juni 2007 keiner dieser Optionen entsprach, sondern einen Mix darstellt? Gelegentlich bestimmen anscheinend auch vorgefasste oder schlicht übernommene Positionen die Einschätzung und Analyse, obwohl sie auch im Lichte der selbst präsentierten Fakten wenig überzeugen – ganz zu schweigen bei Heranziehung anderer Argumente und Evidenz. So dominiert etwa bei der Darstellung der ökonomischen Probleme und des europäischen Sozialmodells(42ff.) eine weit verbreitete Kritik am Wohlfahrtsstaat, die sich fast ausschließlich auf André Sapir stützt. So wird ein Widerspruch zwischen Gleichheit(»equity«) und Effizienz (»efficiency«) unterstellt und vermutet, dass höhere Staatsausgaben oder Lohnkosten Aufholprozesse stören. Gleichzeitig wird das nordische Modell vorgestellt, das offensichtlich diesen Widerspruch gelöst hat. Die harsche Kritik am kontinentalen Modell blendet weitgehend makroökonomische Erklärungen seiner schlechten Performance aus und überschätzt die Leistungen des angelsächsischen Modells. Zum uneinheitlichen Gesamteindruck des Buches trägt auch bei, dass der Leser das Gefühl nicht loswird, dass hier Teilanalysen aus zeitlich verstreuten Arbeitsipg 2/2008 Rezensionen/Book Reviews 179 phasen ohne gründliche Redaktion des ganzen Werkes zusammengestellt wurden. Bestimmte Kapitel(z. B. das zur Nachbarschaftspolitik) wurden anscheinend schon 2006 beendet, andere im zweiten Halbjahr 2007. So ist weder auf der zentralen Eingangskarte der eu (angeblicher Stand 2007) noch in der Tabelle(6.1) der Nachbarländer auf S. 157 der Tatsache Rechnung getragen, dass Montenegro seit Juni 2006 ein selbständiger Staat ist. Und warum befindet sich der Abschnitt zur Verteilung der Stimmen in der eu (81–83) im Kapitel über die wichtigsten Politikfelder und nicht da, wo er hingehört, nämlich im vorherigen Kapitel, wo Institutionen und Entscheidungsprozesse behandelt werden? Die teils sehr spekulative Szenarioanalyse am Schluss des Buches greift kaum systematisch auf die Befunde zurück, die in der gesamten vorherigen Untersuchung zusammengetragen wurden. Redaktionelle Mängel stören auch immer wieder im Kleinen. So gibt es im Einleitungskapitel zwei sehr nützliche tabellarische Übersichten, die erste über die sechs Erweiterungen(wo man auch noch die Erweiterung um die ddr hätte erwähnen können), die zweite über die wichtigsten Vertiefungsschritte. In dieser zweiten tauchen überflüssigerweise die beiden letzten Erweiterungen noch einmal auf, allerdings nur sie und nicht die anderen. An vielen Stellen werden detailliert die Ansichten und Handlungen einzelner prominenter Politiker wiedergegeben, während sonst über weite Strecken eine strukturelle Sichtweise dominiert. Man sollte nicht versuchen, die großen Linien eines historischen und kontinentalen Integrationsprozesses nachzuzeichnen, und sich gleichzeitig im aktuell scheinbar Wichtigen verlieren, das bis zur Drucklegung dann doch überholt ist. Es ist schade, dass ein großer Wurf so unter handwerklichen Fehlern leidet. Michael Dauderstädt, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 180 Rezensionen/Book Reviews ipg 2/2008