und geographisch) negativ auf. Ebenso bleibt die einseitige theoretische Bezugnahme auf Alfred Thayer Mahan für Leser, die sich näher mit maritimer Strategie auseinandergesetzt haben bzw. dies wollen, etwas unbefriedigend. Insgesamt aber können in aktuellen Debatten über maritime Sicherheit viele der nicht behandelten Themen und Hintergründe schnell erschlossen werden. Der große Vorteil des Buches ist, dass es ein Bewusstsein für eine Dynamik schafft, die jenseits des Horizontes deutscher sicherheitspolitischer Analysen zu liegen scheint. Die Perspektive, dass jüngste Entspannungsprozesse(die in diesem Werk noch nicht berücksichtigt werden konnten) einige der behandelten potentiell konfliktiven Verhältnisse wahrscheinlich und hoffentlich entschärfen können – beispielsweise im chinesisch-japanischen Verhältnis –, beeinträchtigen die Aussagekraft des argumentierenden Buches nicht wesentlich. Marius Müller-Hennig, Friedrich-Ebert-Stiftung, Jakarta RICHARD KOZUL-WRIGHT/ PAUL RAYMENT: The Resistible Rise of Market Fundamentalism Rethinking Development in an Unbalanced World London/ New York 2008 Zed Books, 176 S. B eide Autoren kommen aus dem Umfeld der unctad (United Nations Conference on Trade and Development), die seit Jahren als Hochburg der Kritik am westlich dominierten globalen Kapitalismus bekannt ist. Das Buch erfüllt die entsprechenden Erwartungen. Kozul-Wright und Rayment nehmen sich alle lange herrschenden Paradigmen vor: die Überlegenheit der Marktsteuerung, die allgemeine Vorteilhaftigkeit eines möglichst unregulierten internationalen Handels und Kapitalmarkts, die Hoffnung auf automatische Aufholprozesse in der Weltwirtschaft. Ihre konträre Botschaft lautet: Erfolgreiche Entwicklung braucht Raum für eigene Aufholstrategien mit starken politischen Steuerungsmöglichkeiten. Die simplen Ratschläge der Marktfundamentalisten müssen einer komplexeren Synergie von Staat und Markt weichen, für die es keine»quick fixes« gibt, sondern die in jeder Gesellschaft entsprechend den lokalen Bedingungen entwickelt werden muss. Bliebe es bei dieser wohlgemeinten Botschaft entwicklungsfreundlicher Gutmenschen, so wäre dieses Buch zwar zur Erbauung Gleichgesinnter geeignet, aber für wenig mehr. Aber es liefert erfreulich viele zusätzliche Argumente und Fakten, untermauert mit zahlreichen Tabellen und gestützt auf die Auswertung einer Vielfalt von empirischen Studien. Nach einer einleitenden Darlegung ihrer Grundpositionen untersuchen die Autoren in vier empirisch-analytischen Kapiteln die Geschichte der Globalisierung 146 Rezensionen/Book Reviews ipg 4/2008 vor dem Ersten Weltkrieg, die Wachstumswirkungen von Handel und Finanzströmen, den Zusammenhang von multinationalen Unternehmen, Auslandsinvestitionen und ungleicher Entwicklung sowie den Beitrag der Globalisierung zur weltweiten Einkommenskonvergenz bzw.-divergenz. Danach folgen drei mehr politische Kapitel, in denen sie Konzepte für eine alternative globale Ordnung ausarbeiten, die bessere Bedingungen für erfolgreiche Entwicklung bietet. Das historische Kapitel zeigt, dass die Avantgarde der Industrieländer(Großbritannien, Deutschland, usa etc.) zuerst ihren eigenen Entwicklungsprozess vorantrieb, bevor sie sich dem Weltmarkt öffnete. Der Erfolg des Westens beruht also nicht auf Freihandel, sondern umgekehrt. Diesen Befund überprüfen die Autoren dann für die globale Entwicklung nach 1945. Es zeigt sich, dass Wachstum keineswegs mit der Öffnung der jeweiligen Volkswirtschaften verknüpft ist. Die Integration in den Weltmarkt ist ein zwiespältiger Prozess, der Kosten und Nutzen mit sich bringt und bei dem die Risiken schnell überwiegen, wenn er nicht sorgfältig politisch gemanagt wird. Beeindruckend ist etwa der Vergleich der Entwicklung der Weltmarktanteile beim Handel und bei der Wertschöpfung im Industriesektor. Es ist sattsam bekannt, dass der Welthandel schneller wächst als die Weltproduktion. Vergleicht man aber den Anteil der reichen Länder und verschiedener Entwicklungsländergruppen, so zeigt sich, dass die Industrialisierung für viele Länder zwar Exporterfolge bringt(ihr Anteil an den Weltexporten steigt stark), aber oft weit geringeren Wohlstand(ausgedrückt im Anteil an der globalen Wertschöpfung). Auch die Analyse der globalen Finanzströme ist ernüchternd, vor allem im Lichte der Asienkrise. Neben geringen und volatilen Wachstumseffekten heben die Autoren die Konzentration des gesamten Integrationsprozesses auf einige wenige Länder hervor. Im Ergebnis sind seit 1950 die Pro-Kopf-Einkommen der meisten Entwicklungsländer relativ zu denen der oecd -Länder gesunken – mit der wichtigen Ausnahme von Ostasien. Zu all diesen Aspekten liefert das Buch gutes Datenmaterial, das allerdings meist nicht weiter zurück als bis 2001 oder 2003 reicht, so dass die Effekte der letzten Rohstoffpreishausse, die das Bild wieder etwas zugunsten der Entwicklungsländer verändert haben dürften, nicht berücksichtigt sind. Der zweite Teil des Buches widmet sich Überlegungen einer entwicklungsförderlichen Weltordnung. Er ist unterm Strich weniger beeindruckend. Am konkretesten sind noch die Überlegungen zu einem globalen Marshallplan. Sicher wäre eine Welt von demokratischen, sozial verantwortlichen Staaten, die ernsthaft die Entwicklung ihrer Länder vorantreiben wollen und dazu einerseits die notwendigen öffentlichen Investitionen unternehmen und andererseits den privaten Akkumulationsprozess in produktiven(statt spekulativen oder luxuskonsumtiven) Bahnen halten, wahrscheinlich die beste aller möglichen Welten. Und sicher ist auch, dass eine einseitig auf Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung ausgerichtete Weltordnung keinen optimalen Rahmen für diese Strategie darstellt. ipg 4/2008 Rezensionen/Book Reviews 147 Aber so sehr man – oder zumindest der Rezensent – diesen Konzepten zuneigen kann, so bedauerlich ist an dieser Stelle eine gewisse politökonomische Blindheit der Autoren, die wahrscheinlich auch von ihrer Position bei der unctad herrührt. Die Interessen vieler Eliten in den Entwicklungsländern bleiben außerhalb ihres Analyserahmens. Häufig handelt es sich um Staatsklassen, die ihre Volkswirtschaften eher ausplündern als entwickeln. Mehr Markt könnte hier wünschenswerten Druck erzeugen, scheitert aber meist an fundamentalen Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen. In Rentenökonomien funktionieren in der Regel weder der wünschenswerte Profit-Investitions-Export-Nexus noch die Demokratie, da Renten kaum investiert, sondern klientelistisch verteilt werden. Auf diesen Sachverhalt wird zwar kurz auf S. 182 ff in einem Abschnitt über Ungleichheit eingegangen, aber er bleibt relativ abstrakt und bezieht sich generell auf den wachsenden Reichtum der reichsten Einkommensgruppen und deren Tendenz, sich Vermögensrenten anzueignen statt produktive Investitionen durchzuführen. Ob sich die reichen Eliten der armen Länder im Rahmen eines Marshallplans zu einem anderen Verhalten bringen lassen, darf man wohl bezweifeln. Michael Dauderstädt, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn DANI RODRIK: One Economics, Many Recipes: Globalization, Institutions, and Economic Growth Princeton/ Oxford 2007 Princeton University Press, 278 p. D ani Rodrik’s latest book is a collection of articles written between 2000 and 2006 on various facets of development and globalization. Like most of his work, this book is an inspiring contribution to the persistently lopsided discourse on development economics. Notwithstanding the numerous setbacks encountered by standard recipes of economic orthodoxy in the last one and half decades, well-established interests in the industrialized countries continue to nurture the basic prescriptions of what was once called the Washington Consensus for development and industrialization. The struggle against this mighty imperative to privatize, liberalize, and deregulate, promulgated relentlessly by the Washingtonbased protagonists of»the Consensus,« saw a couple of windows of opportunity to come up with more sophisticated and balanced ideas that would – for a change – also serve the interests of the people in developing and transition countries, and not only the elites, as is usually the case. In fact, today we can observe some degree of institutional learning in the direction of a more flexible and country-specific approach to development strategies. There are a number of good reasons for this marginal change in orthodox reasoning. One is the stunning eco148 Rezensionen/Book Reviews ipg 4/2008