Geoghegan’s enthusiasm for the European way of life and his American optimism help to balance my German gloom and pessimism. I therefore endorse his call to»help European social democracy« by spending dollars in Europe. Thomas Greven, Kennedy-Institut, fu Berlin TIM JACKSON: Prosperity without Growth London 2009 Earthscan, 286 pp. I n den vergangenen Jahren kam in der politischen Diskussion der ketzerische Gedanke auf, dass es zukünftig kein Wachstum mehr geben könne und die Frage, ob wir es überhaupt brauchen. Auch in Deutschland gab es eine Reihe von Publikationen, die sich dieser Frage widmeten, zuletzt Meinhold Miegel mit seinem 2010 erschienenen Buch Exit. Wohlstand ohne Wachstum. Das Buch von Tim Jackson mit dem gleichen Titel(auch ohne Fragezeichen!) erschien bereits 2009. Dass es 2010 zweimal neu aufgelegt wurde, zeigt die Aktualität des Themas. Als Commissioner der britischen Sustainable Development Commission und Professor of Sustainable Development an der Universität von Surrey hat sich Jackson mit dem Thema viele Jahre beschäftigt. Das Buch ist verständlich geschrieben und hat mit 12 aufeinander aufbauenden Kapiteln eine klare Struktur. In den Mittelpunkt stellt der Autor die Frage: Wie kann Wohlstand in einer Welt mit begrenzten Ressourcen und mit einer Bevölkerung, die in einigen Jahrzehnten mehr als 9 Milliarden erreichen wird, aussehen? Seine Hypothese, dass weiteres Wachstum in der gegenwärtigen Form unverantwortlich sei, begründet er detailliert und überzeugend. Wohlstand ohne Wachstum sei jedoch möglich; allerdings wäre ein anderes Verständnis von Wohlstand erforderlich. Eine Stärke des Buches liegt in der unvoreingenommenen Analyse gängiger Argumente der Wachstumsbefürworter. Dass Wachstum zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse führt, bestreitet Jackson nicht. Anhand mehrerer Grafiken belegt er, dass sich mit einem höheren bip pro Kopf die Größen Lebenserwartung, Kindersterblichkeit und auch Bildung tendenziell verbessern. Das Einkommen als Maßstab für Lebensqualität werde jedoch dadurch vermindert, dass nicht unser absolutes Einkommen für die subjektive Zufriedenheit maßgeblich sei, sondern der Vergleich mit den Einkommen der Leute um uns herum. Daraus ergibt sich das Phänomen, dass wenn alle reicher werden, das individuell steigende Einkommen seine Bedeutung für den sozialen Status verliert. Das Ganze wird zu einem Null-Summen-Spiel. Damit lasse sich das Paradox(»life 156 Rezensionen/Book Reviews ipg 3/2011 satisfaction paradox«) erklären, dass zunehmender materieller Reichtum nicht zu mehr Zufriedenheit führt(S. 53). Diesen Zusammenhang hatte schon Karl Marx beschrieben: Man kann mit einem kleinen Haus zufrieden sein, solange die umgebenden Häuser ebenfalls klein sind. Aber wenn sich neben dem kleinen Haus ein Palast erhebt, schrumpft das kleine Haus zur Hütte zusammen( mew 1959: S. 411). Der Grund für die Faszination von Menschen an Waren liege nicht in deren physischen Eigenschaften, sondern in ihren sozialen Funktionen hinsichtlich Status und Prestige. Das fünfte Kapitel widmet Jackson der Frage, ob sich Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung entkoppeln lassen. Dazu äußert er sich sehr pessimistisch: Die Hoffnung, durch eine Entkopplung ökologisch verträgliches Wachstum zu ermöglichen, bezeichnet er als einen unrealistischen Mythos. Zwar habe eine relative Abkopplung(z. B. Wachstum ist 10 Prozent, Emissionen steigen nur um 5 Prozent) zumindest in den oecd -Ländern in den letzten Jahrzehnten funktioniert. Erforderlich sei eine absolute Entkopplung, die jedoch nicht stattfinde: Trotz rückläufiger Energie- und co 2 -Intensität seien die co 2 -Emissionen seit 1970 um 80 Prozent gestiegen. Emissionen seien heute 40 Prozent höher als in 1990, dem Jahr des Kyoto-Protokolls. Seit 2000 betrage der jährlich Anstieg 3 Prozent. Kann durch ökologisch orientierte Investitionen des Staates die Wirtschaft auf einen»grünen« Weg gebracht werden? Die zur Überwindung der Finanzkrise staatlicherseits durchgeführten Investitionsprogramme seien tatsächlich zu einem erheblichen Teil(15,6 Prozent) auf Umweltschutz ausgerichtet gewesen(S. 111). Dieser Ansatz sei zwar richtig, stelle aber noch keine Lösung dar(vgl. S. 114, 118). Defizite sieht Jackson in der Wirtschaftstheorie. Man brauche eine neue Makroökonomie(S. 123). Die gegenwärtige Praxis, Ausgaben für die Beseitigung von Umweltschäden und Unfälle positiv in das Bruttoinlandsprodukt einzurechnen, sei unsinnig(S. 125). Dagegen werde die positive Wertschöpfung der Hausarbeit nicht berücksichtigt, ebensowenig der Verlust an Naturressourcen. Hier ist anzumerken, dass sich seit Anfang des Jahres 2011 die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages»Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« der Aufgabe widmet, eine Alternative zum Bruttoinlandsprodukt als Messmethode für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand zu entwickeln. Könnte man durch einen Umstieg auf weniger ressourcenintensive und mehr arbeitsintensive Sektoren(»Cinderella economy«) die Wirtschaft stabil halten? Jacksons Einschätzung: Dies würde vermutlich zu Wachstumseinbußen führen, doch letztlich wisse man das nicht(S. 133). Einfacher sei es, die vorhandene Arbeit gleichmäßiger zu verteilen, was zu kürzeren Arbeitszeiten und mehr Freizeit für die jetzigen Beschäftigten führen würde(S. 134). Im Kapitel 7 greift er das Thema der sozialen Funktion von Waren wieder auf. Wenn der Wunsch nach immer mehr Waren und Dienstleistungen nicht auf einem physischen Bedarf, sondern auf psychosoziale Gründe zurückzuführen ist, wird auch ein Mehr nie genug sein(S. 147). Der Konsumismus mit seinen ipg 3/2011 Rezensionen/Book Reviews 157 perversen Anreizen für einen ökologisch nicht tragfähigen Statuswettbewerb werde zu einem»eisernen Käfig«(S. 87). Zwar gäbe es vereinzelt Trends, von der Fokussierung auf materielle Güter wegzukommen; doch die soziale Logik des Konsumismus müsse auf breiter gesellschaftlicher Ebene überwunden werden. Da soziale Ungleichheit Stress und soziale Schäden erzeuge, müsse diese überwunden werden(S. 154). In Kapitel 10 fragt Jackson nach der Rolle der Regierungen bei der Schaffung einer ökologisch verträglichen Wirtschaft. Deren Aufgabe sei es, individuelle Freiheiten mit dem Gemeinwohl in Ausgleich zu bringen. Da Individuen kurzzeitorientiert denken und handeln, müsse der Staat im Sinne des langfristigen Gemeinwohls eingreifen. Eine besondere Aufgabe sieht er dabei in der Eindämmung der Auswüchse des Konsumismus, der ständigen Suche nach Neuheiten bei Produkten und Services(S. 161, 163). In Kapitel 11 formuliert er seine Vorschläge für einen Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft in drei Kategorien: 1) Grenzwerte für Ressourcenverbrauch und Emissionen setzen und eine ökologische Steuerreform. 2) Eine ökologisch orientierte makroökonomische Lehre, neue Berechnungsmethode für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und Investitionen in Umweltschutz, Finanzmarktreform. 3) Veränderung der sozialen Logik: Arbeitszeitreduzierung, Abbau sozialer und wirtschaftlicher Ungleichgewichte und Überwindung der Konsumismus-Kultur. Im Schlusskapitel fasst Jackson seine Ergebnisse zusammen: Die Gesellschaft ist mit einem schwerwiegenden Dilemma konfrontiert. Wachstum zu begrenzen, riskiert den ökonomischen und sozialen Kollaps; weiterhin Wachstum anzustreben, riskiert den ökologischen Kollaps(S. 167). Änderungen sind in dreifacher Hinsicht notwendig: Zuerst müssen die ökologischen Grenzen festgelegt werden. Zweitens muss die Wirtschaftslehre eines unbegrenzten Wachstums korrigiert werden. Drittens muss die zerstörerische soziale Logik des Konsumismus überwunden werden(S. 204). Er stellt fest: Wir können ökologische Grenzen nicht verschieben und die menschliche Natur nicht ändern. Aber soziale Normen und Werte sind veränderbar. Ja, Wohlstand ist möglich, auch ohne Wachstum. Das ist die positive Grundaussage von Tim Jackson. Indem er auf den bisher weitgehend tabuisierten Aspekt der psychosozialen Wurzeln des Konsumismus und des Wachstumsmythos hinweist, bietet er eine Erklärung für die Schwierigkeit, ein Verständnis von ökologisch nachhaltigem Wohlstand zu entwickeln. Hoffnungsfroh macht das noch nicht. Die Politik wird es allein nicht richten können. Denn selbst für eine weise, weitsichtige und dem langfristigen Allgemeinwohl verpflichtete politische Führung(die wir nicht haben) wäre es keine leichte Aufgabe, den Spagat zwischen den ökologischen Erfordernissen und der ökonomischen Stabilität zu gewährleisten. In einer auf Wachstum, Konsum und Innovation fixierten Welt einem Politiker zu empfehlen, den Wählern eine Schrumpfung der Wirtschaft 158 Rezensionen/Book Reviews ipg 3/2011 und einen Verzicht auf die neuesten Errungenschaften der Konsumgüterindustrie vorzuschlagen, entspräche der Empfehlung, seinen Abschied aus der Politik zu nehmen. Jackson weist überzeugend nach, dass herkömmliche Konzepte(mehr alternative Energie, mehr Umweltschutz etc.) zwar nützen, aber insgesamt nicht reichen werden, um Wachstum ökologisch verträglich zu machen. Nur wenn sich auf breiter Ebene ein neues Verständnis von Wohlstand durchsetzt, wird es gelingen, die Ökonomie stabil und gleichzeitig in ökologischen Grenzen zu halten. Jacksons Verdienst ist es, diesen Zusammenhang deutlich gemacht zu haben. Helmut Zell, Remagen HEINRICH BERGSTRESSER: Nigeria: Macht und Ohnmacht am Golf von Guinea Frankfurt a. M. 2010 Brandes& Apsel, 268 S. JOHN CAMPBELL: Nigeria: Dancing on the Brink Lanham, md , 2010 Rowman& Littlefield, 216 S. A frikas Riese ist zugleich sein Sorgenkind: Nigeria, das bei Weitem bevölkerungsreichste Land des Kontinents, wird nicht nur als Paradebeispiel des»Ressourcenfluchs« gesehen, nach dem Ölreichtum direkt mit Armut und Unterentwicklung zusammenhängt. Auch ethnisch-religiös geprägte Konflikte lassen den westafrikanischen Staat in einem düsteren Licht erscheinen. Manch einer hat schon das Gespenst von Al Quaida-Aktivitäten im muslimisch geprägten Norden des Landes gezeichnet. Zwar gibt es dafür keine Belege, aber als hätte Nigeria noch nicht genügend Probleme, gerät es zunehmend in den Fokus von Anti-Terrorismus-Experten. Abgesehen von seiner Rolle als Energielieferant besitzt Nigeria nicht nur auf dem Kontinent, sondern als achtgrößter Staat der Erde auch weltweit eine natürliche Schwerpunktlage. Doch seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 haben überwiegend Militärdiktaturen die Geschicke Nigerias gelenkt und die kurzen demokratischen Phasen waren mehr Schein als Sein. Das Ende der Militärdiktatur im Jahr 1999 läutete nicht nur die bislang längste formaldemokratische Phase im Land ein, es beendete auch den Paria-Status, unter dem Nigeria zunehmend litt. Unter Präsident Olusegun Obasanjo feierte es mit einem internationalen Schuldenerlass und der»New Partnership for Africa’s ipg 3/2011 Rezensionen/Book Reviews 159