unternehmen ähneln. Gewerkschafter haben unter der Militärregierung erbitterten Widerstand geleistet und massiv gelitten. Einige ihrer Exponenten haben mittlerweile den Sprung in die Institutionen geschafft und setzen sich dort weiter für einen echten politischen Wandel ein. Der überaus populäre Gouverneur von Edo State, Adams Oshiomole, ist dafür genauso ein Beispiel wie der Vorsitzende der nigerianischen Wahlkommission, Attahiru Jega. Zwar war die nigerianische Gewerkschaftsbewegung schon stärker, aber wer sie gänzlich aus den Augen verliert, wird der Realität des Landes nicht vollständig gerecht. Thomas Mättig, Landesvertreter Friedrich-Ebert-Stiftung Nigeria ULRICH BRAND: Post-Neoliberalismus? Aktuelle Konflikte. Gegen-hegemoniale Strategien Hamburg 2011 vsa Verlag, 220 S. D as Buch versammelt Beiträge, die der Autor zwischen 2007 und 2010 in diversen Zeitschriften und Sammelbänden publiziert hat. Sie alle versuchen – unter dem Überbegriff»Post-Neoliberalismus« – aktuelle gesellschaftliche Brüche mit dem Neoliberalismus fassbar zu machen. Wobei Post-Neoliberalismus – etwa im Gegensatz zum Postfordismus – eben nicht als neue Phase des Kapitalismus verstanden werden will, sondern als strategische Auseinandersetzung mit sich verändernden politischen, ökonomischen und kulturellen Entwicklungen. Gerade in dieser – auf den ersten Blick eher vagen – Begriffsdefinition sieht Brand eine besondere Stärke. Jedenfalls glaubt er damit»nicht nur emanzipatorische Praxen, sondern auch die Weltbank, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen ( undp ) oder sozialistische ›Dritte Wege‹[…] als post-neoliberal« erfassen zu können. Das Buch versteht sich als Teil der kritischen Deutungen in der aktuellen Krise. Ein in der Tradition von Antonio Gramsci gedachter Hegemoniebegriff erzeugt eine umfassende Kritik an sozio-ökonomischen Verhältnissen wie eben der Macht von Kapital und Vermögen oder an»kulturellen Verhältnissen«. Der erste Teil des Buches gibt Einschätzungen zu aktuellen»multiplen Krisen«. Überlegungen zu unterschiedlichen und ungleichzeitigen Krisendynamiken stehen im Mittelpunkt. Es werden dabei einige zentrale Dimensionen der Krise und ihrer Bearbeitung analysiert, Ansatzpunkte und Vorschläge präsentiert und diskutiert. Auf Überlegungen zur Rolle des Staates(etwa bei Entwicklungen im Bereich der ökologischen Krise oder der Umweltpolitik, folgt ein Beitrag zur »Rolle der Linken« und schlussendlich generelle Überlegungen zu Rolle und Zukunft der Sozialdemokratie. ipg 3/2011 Rezensionen/Book Reviews 163 Der zweite Teil präsentiert gegenwärtige Entwicklungen im Bereich der ökologischen Krise bzw. der sozial-ökologischen Politik. Besonders lesenswert scheint hier der Beitrag zum»Grünen New Deal«. Dieser wird als zentrales Projekt verstanden, um die aktuelle, multiple Krise zu überwinden. Des Weiteren wird anhand von Biodiversität dargestellt, inwiefern Wissen eine wachsende Rolle in der jüngeren Entwicklung des Kapitalismus spielt, welche Rolle dem Institut des»geistigen Eigentums« dabei zukommt beziehungsweise wie dabei mit dem Begriff»Biopiraterie« Politik betrieben wird. Im dritten Teil des Buches werden Alternativen aufgezeigt. Dabei wird auf neuere entwicklungspolitische Diskussionen oder den Begriff der»Gemeingüter« eingegangen. Es folgt ein Plädoyer, wie konkret emanzipatorische sozial-ökologische Politik die bestehenden Ansätze weitertreiben und vertiefen könnte. Abschließend versucht der Autor zu zeigen, wie kritische Theorien – zentral sind Ansätze der Internationalisierung in der Tradition von Marx, Gramsci und Poulantzas – dazu beitragen können, den neoliberalen/ imperialen Globalisierungsprozess sowie seine aktuelle Krise besser zu verstehen und gegenhegemoniale Handlungsoptionen zu entwickeln. Ein Manko des Buches soll jedoch nicht verschwiegen werden: In der Tradition kritischer deutscher Wissenschaftler verwendet der Autor streckenweise eine mühsame, oft strikt theoriegeleitete Sprache. Sprach- und Formulierungsungetüme wie»globaler Konstitutionalismus des disziplinierenden Neoliberalismus« oder »fossilistisch-kapitalisitische Produktions- und Lebensweise« wenden sich an einen engen Kreis von»Eingeweihten«, schrecken aber den durchschnittlich interessierten Leser ab. Und das ist schade, denn das Buch versteht sich explizit als Beitrag gegen politische Resignation. Ein zweiter, mehr genereller Einwand – gleichzeitig auch als Anregung gedacht: Das Thema und der Begriff»Post-Neoliberalismus« wecken mehr Neugier, als es eine(durchaus verdienstvolle) Zusammenstellung von Artikeln und Beiträgen zufriedenstellend bedienen könnte. Eine eigenständige Publikation»Post-Neoliberalismus«(ohne Fragezeichen!) vom selben Autor – allenfalls mit einem leserfreundlichen Lektorat – hätte alle Voraussetzungen für eine breite Leserschaft. Bis dahin muss man sich wohl mit den Teilveröffentlichungen des Autors zum Thema begnügen. Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass er – etwa auch in seiner Funktion als sachverständiges Mitglied der aktuellen Bundestagsenquete-Kommission zu»Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« –»die beginnende Diskussion um die konkreten Ursachen, Formen und Effekte von Wirtschaftswachstum, die Bedeutung für unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche und soziale Gruppen, für den Staat und für die Handlungsfähigkeit insbesondere der Gewerkschaften, die Rolle von Weltmarkt und tief verankerten Lebensweisen, Fragen einer ›Post-Wachstums‹-Gesellschaft und gerechter Transformation« auch weiterhin aktiv mitgestaltet. Stefan Brocza, Universität Wien 164 Rezensionen/Book Reviews ipg 3/2011