A N A LYS E Verteidigungsindustrie in Mittelosteuropa Der rumänische Verteidigungssektor: industrielle Kapazitäten, fiskalische Herausforderungen und Potenzial für europäische Zusammenarbeit Claudiu Degeratu 1. Der rumänische Verteidigungssektor: Kontext und Zielsetzung Der neue geostrategische Imperativ in der Schwarzmeerregion Der rumänische Verteidigungssektor befindet sich inmitten des tiefgreifendsten und dringlichsten Wandels seit der Integration des Landes in die euro-atlantischen Strukturen. Das europäische Sicherheitsumfeld, das sich durch Russlands umfassenden Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 verändert hat, wirkte wie ein mächtiger Katalysator, der Bukarests langjährige strategische Einschätzungen bestätigte und eine vollständige Überprüfung seiner Verteidigungsposition erforderte(MApN 2020; Stockholm Interna tional Peace Research Institute 2018). Die offizielle Position Rumäniens identifiziert die Russische Föderation als revisionistischen Akteur, der hybride Kriegsführung einsetzt, um die europäische Ordnung zu untergraben, wobei die Schwarzmeerregion ein Gebiet von kritischer strategischer Bedeutung und Verwundbarkeit ist(CSAT 2020; Binnendijk et al. 2020). Als Reaktion darauf verfolgte die Regierung eine zweigleisige Strategie: die rasche Modernisierung der rumänischen Streitkräfte, um eine vollständige Interoperabilität und eine glaubwürdige Abschreckung innerhalb der NATO zu erreichen, und die parallele Wiederbelebung der verteidigungstechnologischen und-industriellen Basis (DTIB: Defence Technological and Industrial Base) des Lan des(MApN 2020). Diese Strategie stützt sich auf die politi sche Grundsatzentscheidung, den Verteidigungshaushalt ab 2023 auf 2,5% des BIP zu erhöhen, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem vorherigen Ziel von 2% im Jahr 2015 darstellt(Center for European Policy Analysis[CEPA] 2020; GMFUS 2024). Obwohl die Umsetzung dieser Maß nahmen und die Aufnahme dieser Mittel mit Herausforderungen verbunden waren, signalisiert die Verpflichtung Der rumänische Verteidigungssektor 1 einen klaren und nachhaltigen politischen Willen, Ressourcen für die Verteidigungsambitionen des Landes bereitzustellen. Das historische Erbe: Von der Macht des Warschauer Pakts zum Einsatz in der NATO-Ära Der derzeitige Zustand der rumänischen DTIB ist eine direkte Folge ihrer Entwicklung während des Kalten Krieges und ihres späteren Zusammenbruchs(KPMG 2025). Wäh rend der Zeit des Warschauer Pakts baute Rumänien eine große, weitgehend autarke und stark exportorientierte Rüs tungsindustrie auf. Konzipiert nach einem autarken Modell, das auf eine vertikale und horizontale Integration in die nationale Wirtschaft abzielte, war die Industrie so strukturiert, dass sie die rumänische Armee mit im Inland oder unter sowjetischer Lizenz produzierten Systemen ausrüstete und gleichzeitig durch Exporte harte Währung erwirtschaftete (Vasilachi& Vasilachi 2021; Petrescu 2018). Auf dem Höhe punkt seiner Entwicklung gehörte Rumänien zu den zehn größten Waffenexporteuren der Welt, seine Rüstungsindus trie beschäftigte mehr als 220 000 Menschen und deckte einen großen Teil des Bedarfs der Streitkräfte ab(IRIS 2024). In dieser Zeit wurde eine umfangreiche physische In frastruktur für die Herstellung von Kleinwaffen bis hin zu gepanzerten Fahrzeugen und Flugzeugen aufgebaut – ein Erbe, das in Form zahlreicher über das ganze Land verteilter Fabriken fortbesteht(Oprișor 2024). Der Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1989 und die Auflösung des Warschauer Pakts lösten eine „große Verwerfung“ aus, von der sich der staatliche Sektor nie ganz erholte(IRIS 2024). Die Industrie sah sich mit einem multifaktoriellen Schock konfrontiert: dem Zusammenbruch ihrer traditionellen Exportmärkte in den Entwick lungsländern und im Ostblock, einem drastischen Rückgang der Inlandsnachfrage im Zuge der Verkleinerung der rumänischen Streitkräfte und vor allem einem wachsenden technologischen Rückstand, da sich Rumänien neu auf die NATO ausgerichtet hat(Epicenter Network 2024). Die nach den Normen des Warschauer Pakts aufgebaute Industrieproduktion war mit den Interoperabilitätsanforderungen der NATO nicht vereinbar. Dieser Schock war nicht nur ein Marktschock, sondern auch ein grundlegender Schock in Bezug auf Normen und Interoperabilität. Die Kernkompetenz der Industrie – die Herstellung von Ausrüstungen nach sowjetischen Standards – wurde zu einer strategischen Schwachstelle, die ein viel größeres und kostspieligeres Hin dernis für die Modernisierung darstellt als die bloße Suche nach neuen Kunden. In Ermangelung von Investitionskapital und einer Managementkultur, die in der Lage ist, sich an einen wettbewerbsorientierten Markt anzupassen, ist der größte Teil der staatlichen Industrie in eine längere Phase des Niedergangs, der technologischen Überalterung und finanzieller Schwierigkeiten eingetreten(KPMG 2025). Dieses historische Erbe ist nicht nur ein Detail im Hintergrund, sondern ein immer noch wirksamer und kontinuierlicher Zwang. Die von der Planwirtschaft geerbte Managementkultur besteht im heutigen staatlichen Sektor fort und räumt weder Innovation noch Effizienz Priorität ein(Sucală 2018). Diese„sowjetische“ Kultur, die sich gegen Veränderungen sträubt und für ein marktwirtschaftliches Umfeld ungeeignet ist, trägt wesentlich zum derzeitigen Defizit an Absorptionskapazität bei, das sich in bürokratischen Verzögerungen und chronischer Unterfinanzierung äußert(IRIS 2024; Epicenter Network 2024). Somit ist diese historische Managementkultur eine direkte Ursache für die derzeitige Unfähigkeit, moderne, groß angelegte Beschaf fungsprojekte zu planen, auszuführen und zu absorbieren, was eine direkte Verbindung zwischen den Fehlern der Vergangenheit und denen der Gegenwart herstellt. Die heutige Industrielandschaft: Ein verzweigtes Ökosystem mit zwei Geschwindigkeiten Die rumänische DTIB lässt sich heute am besten als eine zweigeteilte Struktur verstehen, die zwei unterschiedliche Segmente mit ungleichen Leistungen umfasst. Die zentrale Diagnose dieses Berichts ist, dass zwischen einer kleinen Anzahl privater oder ausländischer Unternehmen, die global wettbewerbsfähig und integriert sind, und einem großen staatlichen Sektor, der stagniert und technologisch veraltet ist, eine akzentuierte Dichotomie zu konstatieren ist(IRIS 2024). Der staatliche Sektor ist gemessen an den Vermögenswerten und der Zahl der Beschäftigten nach wie vor der größte, aber auch der problematischste. Er wird von der nationalen Holdinggesellschaft C.N. ROMARM S.A. beherrscht, die dem Wirtschaftsministerium untersteht und 15 Tochtergesellschaften mit Produktionsstätten kontrol liert, die sich hauptsächlich auf terrestrische Systeme und Munition konzentrieren(IRIS 2024; Epicenter Network 2024). Zu den weiteren bedeutenden staatlichen Unterneh men gehören IAR S.A. Brașov, das auf die Wartung und Modernisierung von Hubschraubern spezialisiert ist, und das Bukarester Mechanische Werk, das sich mit der Herstellung und Wartung von gepanzerten Fahrzeugen befasst (IRIS 2024). In krassem Gegensatz dazu besteht der private und in ausländischem Besitz befindliche Sektor aus agileren, technologisch fortschrittlicheren und global integrierten Unternehmen. Dieses Segment wird angeführt von Schlüsselakteuren wie: Aerostar S.A. Bacău, ein ehemals staatli ches Unternehmen, das privatisiert wurde und sich zu einem nationalen Champion für Wartung, Reparatur und Instandsetzung(MRO: Maintenance, Repair, and Overhaul) in der Luft- und Raumfahrt sowie für die Herstellung von Flugzeugstrukturen entwickelt hat, Damen Galati Shipyard, die größte und produktivste Werft des Landes(im Besitz des niederländischen Konzerns Damen), und Elmet Inter national SRL, die rumänische Tochtergesellschaft des israelischen Unternehmens Elbit Systems, die als wichtiger Integrator fortschrittlicher terrestrischer Systeme fungiert(IRIS 2024). Der Erfolg dieser Privatunternehmen hängt nicht nur von den Kapitalinvestitionen ab, sondern auch von ihren grundlegend unterschiedlichen Geschäftsmodellen, die eine Exportorientierung und die Integration in globale Wertschöpfungsketten beinhalten. Damen baut fast ausschließlich für den Export(Damen o. J., a), Aerostar ist ein Der rumänische Verteidigungssektor 2 wichtiger Zulieferer für Airbus und Boeing(Aerostar S.A. 2024) und Elmet ein regionales Drehkreuz für einen globa len Rüstungsdienstleister(Elmet International o. J.). Eine eingehende Untersuchung der führenden Unternehmen innerhalb der rumänischen DTIB zeigt ein auffälliges Leistungsgefälle zwischen staatlichen Unternehmen und ihren privaten oder ausländischen Pendants. Diese Realität der zwei Geschwindigkeiten – in der einige wenige wettbewerbsfähige Unternehmen neben einer sich abmühenden Mehrheit bestehen – ist das zentrale Merkmal der heutigen rumänischen Verteidigungsindustrie. Der Erfolg privater und ausländischer Unternehmen ist unmittelbar auf modernes Management, Zugang zu den Weltmärkten und nachhaltige Investitionen zurückzuführen und liefert eine klare Blaupause für die notwendigen Reformen im staatlichen Sektor. Staatliche Unternehmen: Das ROMARM-Konglomerat und sein Erbe Das staatliche Segment wird von C.N. ROMARM S.A. dominiert, der Holdinggesellschaft für 15 Tochtergesellschaften im Bereich Landsysteme und Munition. Obwohl es als Instrument für die Industriestrategie der Regierung vorgesehen ist, hat ROMARM als Ganzes mit der Rentabilität und der Modernisierung zu kämpfen(IRIS 2024). Die Daten aus den Jahren 2020 – 2023 zeigen einen schwankenden Umsatz mit einem deutlichen Anstieg 2022, gefolgt von einem Rückgang 2023, was eher auf eine Abhängigkeit von großen und knappen Aufträgen als auf ein stabiles Geschäftsmodell hinweist(IRIS 2024). Die Managementstruktur der Hol ding wurde kritisiert, weil es ihr nicht gelungen ist, wirksame Reformen in den einzelnen Fabriken voranzutreiben, die weiterhin mit einem hohen Maß an Autonomie und Ineffi zienz arbeiten(IRIS 2024; Epicentre Network 2024). Zu den wichtigsten Tochtergesellschaften von ROMARM gehören: → Uzina Mecanică Cugir S.A. & Fabrica de Arme Cugir S.A. : Diese beiden Unternehmen in Cugir bilden das historische Herz der Produktion von Kleinwaffen und Infanteriemunition in Rumänien. Während UM Cugir bis 2023 ein starkes Umsatzwachstum verzeichnete, erlebte die Waffenfabrik einen Rückgang, was die ungleiche Leistung sogar innerhalb desselben Industrieclusters widerspiegelt(IRIS 2024). Ihre Technologie ist weitgehend geerbt und konzentriert sich auf Kaliber des Warschauer Pakts und deren Derivate, obwohl auch einige NATOKaliber hergestellt werden(IRIS 2024). → Sadu Mechanical Plant S.A. : Ein weiterer wichtiger Munitionshersteller, dessen finanzielle Bilanz im Vergleich zu anderen Munitionsfabriken bescheiden war, was auf erhebliche betriebliche Herausforderungen hinweist(IRIS 2024). → Automecanica Moreni S.A. : Der einzige Hersteller von gepanzerten Mannschaftstransportwagen(APC: Armed Personnel Carrier) im Lande, dessen Umsatz nach wie vor äußerst gering ist, was auf das Ausbleiben größerer Aufträge(das letzte große einheimische Projekt war der APC-Prototyp SAUR 2) und die Konzentration auf War tung, Reparatur und Instandhaltung veralteter Flotten zurückzuführen ist(IRIS 2024). Außerhalb von ROMARM ist IAR S.A. Brașov ein wichtiges staatliches Luft- und Raumfahrtunternehmen und ein relevanter Partner des Verteidigungsministeriums bei der Modernisierung der IAR-330 Puma-Hubschrauber(IRIS 2024). Der Umsatz des Unternehmens ist stetig gewachsen und macht es zu einem der leistungsstärksten staatlichen Unternehmen(IRIS 2024). Das Modernisierungsprogramm für das Trainingsflugzeug IAR-99, das für die Ausbildung der F-16-Piloten unerlässlich ist, stößt dagegen auf erhebliche Schwierigkeiten. Obwohl der Auftrag an das staatliche Unternehmen Avioane Craiova in Partnerschaft mit Elbit Systems aus Israel vergeben wurde, kam es bei dem Programm zu erheblichen Verzögerungen, sodass die vertraglichen Lieferfristen überschritten wurden und mehrfach neu verhandelt werden musste(TVR Info 2025a; Aviația Maga zin 2025). Streitigkeiten über die Software-Integration und Zulassungsfragen haben die Auslieferung fertiger Flugzeuge blockiert und verdeutlichen die systemischen Herausforderungen, denen sich komplexe Projekte in der staatlichen Industrie gegenübersehen(G4Media 2025). In der Zwischenzeit zeigen mehrere privatisierte oder mit ausländischem Kapital finanzierte Unternehmen das Potenzial des Privatsektors auf: → Damen Galati Shipyard ( Șantierul Naval Constanța): Diese Werft, die sich im Besitz des niederländischen Konzerns Damen befindet, ist die größte in Rumänien und ein erfolgreiches ausländisches Investitionsmodell. Sie hat einen hohen Produktions-Output, seit 1999 wur den mehr als 450 Schiffe ausgeliefert, darunter 30 Kriegsschiffe für 13 Länder(Damen o. J., b). Das Portfo lio des Unternehmens ist breit gefächert und reicht von Offshore-Patrouillenschiffen bis hin zu komplexen Mari neversorgungsschiffen, die alle für den Exportmarkt gebaut werden(IRIS 2024). Dies zeugt von einem hohen technologischen Niveau und der Integration in eine globale Lieferkette(IRIS 2024). → Elmet International SRL : Elmet, eine Tochtergesellschaft von Elbit Systems(Israel), ist ein wichtiger Tech nologiepartner für fortschrittliche terrestrische Systeme. Sie betreibt in Magurele eine Anlage zur Produktion und Integration von hochentwickelten Geschütztürmen und Waffenstationen, einschließlich derjenigen für den Rad panzer Piranha V der Armee(zum Beispiel UT30 MK2Turm und SPEAR-Mörsersystem)(IRIS 2024; Elbit Sys tems 2023a). Dies ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Modell des Technologietransfers und der lokalen Produktion in Verbindung mit einem großen staatlichen Beschaffungsprogramm. Die folgende Tabelle bietet einen kurzen Vergleich der führenden industriellen Akteure und veranschaulicht das Leistungsgefälle zwischen dem staatlichen und dem privaten Sektor. Der rumänische Verteidigungssektor 3 Profil der wichtigsten Verteidigungsunternehmen in Rumänien Letzte verfügbare Daten, Finanzjahr 2023, sofern nicht anders angegeben Name des Unternehmens C.N. ROMARM S.A.(Holding) Wichtigste Rüstungsprodukte Gepanzerte Fahrzeuge, Munition, Artillerie, Kleinwaffen Umsatz (Jahr) 495,1 Mio. RON (2023) Mitarbeiter (Jahr) ~ 7000 (geschätzt für die Gruppe) Eigentümer Staat (100%) Technologisches Niveau Erbe aus WarschauerPakt-Zeiten/ Umwelt Cugir Mechanical Plant S.A. IAR S.A. Brașov Aerostar S.A. Bacău Şantierul Naval Damen Galați Elmet International SRL Carfil S.A. Sadu Mechanical Plant S.A. Kleinwaffen, Munition, Komponenten MRO& HubschrauberUpgrades, Flugzeugkomponenten MRO F-16, Nachrüstung von Militärflugzeugen, Flugzeugstrukturen Marineplattformen (Fregatten, Korvetten, Patrouillenboote), Unterstützungsschiffe Geschütztürme, Waffenstationen, Mörsersysteme, Systemintegration Granatwerfer, Munition, Pyrotechnik Infanterie-Munition 229,3 Mio. RON (2023) 427,5 Mio. RON (2023) 506,3 Mio. RON (2023) 389,2 Mio. € (2021) 109,9 Mio. € (2021) 96,6 Mio. RON (2023) 50,7 Mio. RON (2023) 916 (2023) Staat (ROMARM) ~ 1200 (geschätzt) Staat (72%) 1846 (2023) Privat (71% rumänisch) 1700 (2021) ~ 400+ (geschätzt) Privat (DamenGruppe, Niederlande) Privat (Elbit Systems, Israel) ~ 300 (geschätzt) Staat (ROMARM) ~ 500 (geschätzt) Staat (ROMARM) Erbe aus WarschauerPakt-Zeiten Mittel Fortgeschritten Fortgeschritten Fortgeschritten Erbe aus WarschauerPakt-Zeiten Erbe aus WarschauerPakt-Zeiten Flaggschiff­ programme/ Produkte Panzer TR-85-M1, Transportpanzer SAUR 2, Artilleriemunition AK-Gewehre, NATO- und Warschauer-PaktMunition Nachrüstung von IAR-330 Puma SOCAT; Nachrüstung von IAR-99 SM F-16-Wartungszentrum; Zulieferer für Airbus/Boeing Fregatten der SIGMA-Klasse; Patrouillenboote für globale Seestreitkräfte UT30 MK2-Turm; SPEAR-Mörser für Piranha V AG-7/AG-9Granatwerfer; Mörsergeschosse Kleinmunition (NATO und Warschauer Pakt) Quelle: Eigene Ausarbeitung auf der Grundlage von Daten von IRIS(2024), Aerostar S.A.(2024), Damen(o. J., b; 2022) und Elbit Systems(2023a) Tabelle 1 Exporttätigkeit (Schlüsselmärkte) Asien, Afrika, Naher Osten (historisch) Zivile Märkte (USA); einige mili tärische Exporte Begrenzte Rüstungsexporte Europa, Nordamerika, Asien(zivil und militärisch) Weltweit (Niederlande, Pakistan, etc.) Regionales Drehkreuz von Elbit Systems Begrenzt Begrenzt Der rumänische Verteidigungssektor 4 2. Eingehende Sektoranalyse: Stärken, Lücken und Cluster Rumäniens DTIB-Fähigkeiten konzentrieren sich auf mehrere Schlüsselsektoren. Sie weisen jeweils unterschiedliche Merkmale, führende Unternehmen und kritische Lücken auf, die mit der neuen nationalen Strategie angegangen werden sollen: Landsysteme: → Fähigkeiten: Zu den Stärken gehört die Produktion von Kleinwaffen(AK-Gewehre und-Pistolen), Infanteriemuni tion und Panzerabwehrgranatwerfern(AG-7, AG-9)(IRIS 2024). Der Sektor verfügt auch über beträchtliche Erfah rung bei der Wartung, Reparatur und Instandsetzung von gepanzerten Fahrzeugen aus der Sowjet-Ära wie dem T-55(modernisiert als TR-85-M1) und Radpanzern(TABSerie)(International Institute for Strategic Studies 2024). → Lücken: Die kritischste Lücke ist das Fehlen einer inländischen Konstruktion und Produktion moderner schwerer gepanzerter Plattformen nach NATO-Standards(Panzer, Schützenpanzer). Dies wird teilweise durch Lizenzpro duktion und-integration behoben, wie das GDELS Piranha V-Programm zeigt, bei dem UM Bukarest für die Montage zuständig ist und Elmet International den Geschützturm und die Waffensysteme integriert(ROMARM 2022). Luft- und Raumfahrt: → Fähigkeiten: Die Hauptstärke ist die Wartung, Reparatur und Instandhaltung(MRO) für militärische und zivile Flugzeuge. Aerostar bietet komplexe Wartungsarbeiten auf industriellem Niveau für F-16-Kampfflugzeuge sowie für Verkehrsflugzeuge an(IRIS 2024; Aerostar S.A. 2024). IAR Brașov ist auf Hubschrauber(IAR-330 Puma) und das Trainingsflugzeug IAR-99 spezialisiert(IRIS 2024). → Lücken: Es gibt keine nennenswerten Kapazitäten für die inländische Entwicklung und Massenproduktion von modernen Kampf- oder Transportflugzeugen. Der Sektor ist weiterhin auf ausländische Partner angewiesen, wenn es um die Modernisierung von Plattformen und fortschrittliche Technologien geht. Marine: → Fähigkeiten: Es bestehen starke Kapazitäten für den Bau komplexer und vielfältiger Marineplattformen, darunter Offshore-Patrouillenschiffe(OPVs), Korvetten, Fregatten und spezielle Unterstützungsschiffe(IRIS 2024). Die Damen-Werft in Galati ist eine hocheffiziente Produktionsstätte, die in eine globale Unternehmensstruktur integriert ist(Damen, o. J., b). → Lücken: Während die Konstruktion von Schiffskörpern eine Stärke ist, lässt die Integration fortschrittlicher Marinekampfsysteme(Radar, Sensoren, Raketensysteme) zu wünschen übrig. Diese hochwertigen Komponen ten werden in der Regel von spezialisierten westlichen Zulieferern bezogen. Das Scheitern des Vertragsabschlusses für Mehrzweck-Korvetten unterstreicht die Herausforderungen der inländischen Beschaffung und Integration von Marinesystemen(Overt Defense 2023; The Defense Post 2023). Munition und Propeller: → Fähigkeiten: Die ROMARM-Tochtergesellschaften sind seit Langem in der Lage, eine breite Palette ungelenkter Munition herzustellen, darunter Artilleriegeschosse(zum Beispiel 122 mm, 152 mm), Mörsergeschosse und Rake tengeschosse(122 mm GRAD) nach Warschauer-PaktStandards(IRIS 2024). → Lücken: Die kritischste strategische Lücke – die in der nationalen Strategie für die Verteidigungsindustrie 2024 anerkannt wird – ist das völlige Fehlen inländischer Produktionskapazitäten für Hochleistungstreibladungen und-sprengstoffe(TNT, RDX) nach der Schließung der Făgăraș-Anlage(rumänische Regierung, 2024). Dadurch ist Rumänien bei der Munitionsproduktion vollständig von Importen(zum Beispiel aus Serbien) abhängig, was eine große Schwachstelle darstellt. Die Wiederbelebung dieser Kapazitäten wurde in der Strategie zu einer der obersten Prioritäten erklärt(IRIS 2024). Die Analyse dieser Sektoren zeigt, dass der unmittelbarste und skalierbarste Beitrag Rumäniens zur europäischen Verteidigung nicht in der Entwicklung neuer Hightech-Plattformen liegt, sondern in der Nutzung seiner profitablen industriellen Basis für die Massenproduktion wichtiger Materialien und in der Stärkung seiner Rolle als MRO-Drehscheibe. Der Rückstand bei Forschung und Entwicklung sowie bei der Entwicklung von Plattformen ist erheblich. Gleichzeitig decken sich die vorhandenen Stärken in der Munitionsproduktion und und bei Wartung, Reparatur und Instandhaltung(MRO) perfekt mit dem dringenden Bedarf Europas. Dies wurde durch den Konflikt in der Ukraine deutlich, der massive Engpässe in den Munitionsbeständen und einen hohen Bedarf an MRO von weit verbreiteten westlichen Plattformen offenbart hat(Center for Strategic and International Studies 2025; Europäische Kommission 2024). Da her ist eine Strategie, die darauf abzielt, Rumänien in ein europäisches Arsenal für Artilleriegeschosse und das wichtigste MRO-Zentrum für den südöstlichen Quadranten der NATO umzuwandeln, ein gangbarerer und strategisch relevanterer Weg für die Wiederbelebung der DTIB. 3. Systemische Zwänge: Die Herausforderung der Absorptionsfähigkeit Trotz des starken politischen Willens und der aufgestockten Finanzmittel stehen die Modernisierung des Verteidigungssektors in Rumänien und die Wiederbelebung der Verteidigungsindustrie vor einer ganzen Reihe tief verwurzelter, landesspezifischer Herausforderungen. Diese BeDer rumänische Verteidigungssektor 5 schränkungen – Industriestruktur, Humankapital und bürokratische Prozesse – führen zusammengenommen zu einer erheblichen„Absorptionskapazitätslücke“, die das Hauptri siko für die Erreichung der strategischen Ziele des Landes darstellt. Dies sind keine separaten Probleme, sondern miteinander verbundene Komponenten einer einzigen systemischen Herausforderung. Diese Verflechtung führt zu einem Teufelskreis: Eine ineffiziente Industriekultur schreckt von Investitionen ab, was dazu führt, dass die lokale Industrie bei Direktvergaben von Aufträgen durch die Regierung umgangen wird, was wiederum die Schwäche der Industrie perpetuiert. Gleichzeitig macht der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften Investitionen zu einem Risiko und behindert die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Talente anziehen und binden könnten. Das Dilemma der staatlichen Unternehmen: Überwindung von Schwerfälligheit und Unterfinanzierung Das Kernproblem der rumänischen Industrie liegt in den staatlichen Unternehmen, insbesondere in den 15 Tochter gesellschaften der Holding C.N. ROMARM S.A. Diese Unternehmen leiden unter einem generationenlangen Erbe unzureichender Investitionen, was dazu führt, dass weithin veraltete Werkzeugmaschinen und Produktionsverfahren aus der Zeit des Kalten Krieges eingesetzt werden(Kearney 2025). Dieser technologische Rückstand wird durch eine anhaltende„sowjetische“ Managementkultur verstärkt, die sich gegen Veränderungen sträubt, ineffizient ist und sich nicht für ein wettbewerbsorientiertes, marktorientiertes Umfeld eignet(Sucală 2018; Epicenter Network 2024). Die im Jahr 2000 eingerichtete Holdingstruktur hat es weitge hend versäumt, signifikante Umstrukturierungen durchzusetzen oder Leistungssteigerungen in ihren Tochtergesellschaften zu veranlassen, die weiterhin mit einem hohen Maß an Autonomie und Ineffizienz arbeiten(IRIS 2024). Diese strukturelle Schwäche macht den staatlichen Sektor zu einem unattraktiven Partner für ausländische Investoren und zu einem erheblichen Engpass im Ökosystem der Rüstungsproduktion. Die Krise des Humankapitals: eine existenzielle Bedrohung für industrielle Ambitionen Ein schwerwiegender und sich rasch verschärfender Mangel an Humankapital stellt eine unmittelbare Bedrohung sowohl für die Streitkräfte als auch für die Verteidigungsindustrie dar und erfordert dringend Aufmerksamkeit. Das Militär hat offen zugegeben, dass es erhebliche Probleme gibt, Soldaten zu rekrutieren und bei der Armeee zu halten, und dass keine ausreichend ausgebildeten Reservisten vorhanden sind(IRIS 2024). Dieses Problem spiegelt sich in der industriellen Basis wider und wird dort noch verstärkt. Die Belegschaft in der staatlichen Verteidigungsindustrie altert rapide, wobei das Durchschnittsalter bei etwa 50 Jahren liegt(Epicentre Network 2024). Dies deutet auf eine drohende„demografische Lücke“ hin, bei der eine Genera tion erfahrener Arbeitskräfte in den Ruhestand geht, ohne dass eine ausreichend qualifizierte Kohorte sie ersetzen kann. Allgemeinere nationale Trends verschärfen dieses branchenspezifische Problem noch weiter: → Qualifikationsdefizite : Rumänien leidet unter akutem Fachkräftemangel auf nationaler Ebene, insbesondere in technischen Bereichen und Berufsfeldern. Das Bildungssystem – insbesondere die technische und berufliche Bildung – ist unterfinanziert und schlecht auf die Bedürfnisse der modernen Industrie abgestimmt, was dazu führt, dass es den Absolventen an praktischen, anwendbaren Fähigkeiten fehlt(IRIS 2024). → Brain Drain : Durch die Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte und Ingenieure nach Westeuropa sind dem Land wichtige Talente abhanden gekommen, sodass es schwierig ist, qualifiziertes Personal in Hochtechnologiesektoren wie dem Verteidigungssektor anzuwerben und zu halten(Weltbank 2025). Diese Krise des Humankapitals ist nicht nur ein Problem für die Industrie, sondern auch eine Schwachstelle für die nationale Sicherheit: Ohne qualifizierte Techniker kann Rumänien die moderne westliche Ausrüstung, die es erwirbt, nicht unabhängig bedienen. In der globalen Perspektive der Verteidigungsindustrie wird das Talentmanagement als kritischer Erfolgsfaktor gesehen, ein Bereich, in dem Rumänien vor systemischen Herausforderungen steht(Deloitte 2023; PwC 2024). Bürokratische Engpässe: Reform des Beschaffungswesens und Verbesserung des Haushaltsvollzugs Das rumänische Beschaffungswesen im Verteidigungsbereich stellt ein erhebliches Hindernis dar. Die Tendenz der Regierung, sich auf G2G-Verträge(Government-to-Govern ment) zu verlassen – insbesondere auf den Mechanismus der US Foreign Military Sales(FMS) –, ist ein zweischneidiges Schwert(IRIS 2024). G2G-Verträge bieten einen schnel len, transparenten und korruptionsarmen Weg zum Erwerb erstklassiger militärischer Ausrüstung, übergehen dabei aber oft die einheimische Industrie und bieten nur minimale Möglichkeiten für die lokale Produktion, den Technologietransfer oder langfristige Unterstützungsleistungen(IRIS 2024). Ein Beispiel dafür ist der Erwerb von F-16-Flugzeu gen aus Portugal, der keine Offset-Vereinbarung oder Verträge über industrielle Zusammenarbeit beinhaltete(Romania Energy Center 2016), im Gegensatz zum Piranha VProgramm, das eine umfangreiche lokale Produktion vorsah(ROMARM 2022). Der Rechtsrahmen für industrielle Zusammenarbeit (Offset) wurde kürzlich durch die Dringlichkeitsverordnung 124/2023 reformiert. Diese ersetzt das automatische OffsetSystem durch einen gezielteren, durch„wesentliche Sicherheitsinteressen“ gerechtfertigten Ansatz(IRIS, 2024). Obwohl diese Änderung die rumänischen Rechtsvorschriften an die EU-Richtlinien anpasst, hängt ihre Wirksamkeit nun vollständig von der Fähigkeit der neuen Durchführungsstelle – der Rumänischen Agentur für technologische und industrielle Zusammenarbeit bei Sicherheit und VerteiDer rumänische Verteidigungssektor 6 digung(ARCTIS: Agenției Române de Cooperare Tehnologică și Industrială pentru Securitate și Apărare) – ab, solide Pläne für die industrielle Zusammenarbeit in Groß aufträgen auszuhandeln und durchzusetzen. Die Geschichte bürokratischer Verzögerungen und annullierter Ausschreibungen(zum Beispiel das Programm für multifunktionale Korvetten, bei dem Missverständnisse zwischen dem französischen Schiffsbaukonzern Naval Group und der Werft von Konstanza( Șantierul Naval Constanța) dazu führten, dass der Vertrag nicht unterzeich net wurde(Overt Defence 2023; The Defence Post 2023)) deutet darauf hin, dass die Beschaffung von Verteidigungsgütern nach wie vor ein risikoreicher und wenig effizienter Prozess ist, der potenzielle Industriepartner abschrecken kann(IRIS 2024). 4. Der Weg in die Zukunft: Integrierte europäische Zusammenarbeit Der effektivste Weg für Rumänien besteht darin, seine Verteidigungsindustrie in die europäischen Lieferketten zu integrieren und externe Partnerschaften zur Bewältigung in terner Herausforderungen zu nutzen. Indem es sich als zuverlässiger und kosteneffizienter Partner für Produktion, Montage und Support etabliert, kann Rumänien die Technologie, das Kapital und das Management-Know-how anziehen, die es braucht, um seine verteidigungstechnologische und-industrielle Basis(DTIB) neu zu beleben, seine militärischen Fähigkeiten zu verbessern und einen bedeutenden Beitrag zur kollektiven Sicherheit Europas zu leisten. Zur Umsetzung dieser Strategie sollte ein klarer Fahrplan entwickelt werden, der sich auf konkrete Optionen mit hohem Potenzial konzentriert, die auf der Grundlage ihrer strategischen Auswirkungen und ihrer Durchführbarkeit zu priorisieren sind. Eine wichtige Priorität ist die Behebung des kritischen Munitionsmangels in Europa. Hier bietet sich eine kurzfristige und wirkungsvolle Möglichkeit, eine gemeinsame Produktion von 155-mm-Artilleriegeschossen aufzubau en und dabei die bestehende industrielle Infrastruktur zu nutzen. Diese Initiative steht im Einklang mit den wichtigsten nationalen Prioritäten und den verfügbaren EU-Finanzierungsmechanismen. Darüber hinaus besteht mittelfristig die strategische Notwendigkeit, die größte Schwachstelle der rumänischen Industrie zu beseitigen: die fehlende einheimische Produktion von Treib- und Sprengstoffen. Um eine vollständig souveräne Munitionsversorgungskette zu gewährleisten, ist die Errichtung einer neuen Großanlage für Treibladungspul ver im Rahmen strategischer Partnerschaften unabdingbar, ein Vorhaben, das starke politische Unterstützung genießt. Im Bereich der Landsysteme sollte der Schwerpunkt auf der Schaffung hochwertiger regionaler Wartungs-, Reparatur- und Instandsetzungszentren(MRO) liegen. Mit der nationalen Beschaffung neuer Kampfpanzer und der zunehmenden Zahl dieser Plattformen in der Region ist die Einrichtung eines regionalen MRO- und Modernisierungszentrums für schwere Panzer mittelfristig zu einer strategischen Notwendigkeit geworden. Darüber hinaus bestehen ähnliche Optionen für Langstreckenartillerie. Die Einrichtung eines regionalen Unterstützungszentrums für Raketenartilleriesysteme würde nicht nur die nationalen Bataillone unterstützen, sondern auch den nahen Verbündeten dienen und eine wichtige Hightech-Unterstützungseinrichtung schaffen. Neben der Wartung gibt es mittelfristig auch die Möglichkeit, wieder in die Produktion von Landsystemen einzusteigen. Dazu gehört die Lizenzproduktion von Schlüsselkomponenten für moderne europäische Schützenpanzer, die die Notfallkapazität der europäischen Partner erhöhen und gleichzeitig einen bedeutenden Technologieund Kompetenztransfer ermöglichen würde. Darüber hinaus kann Rumänien seine Erfahrungen mit alten Flugabwehrsystemen nutzen und eine entscheidende Fähigkeitslücke der NATO schließen, indem es seine Produktion von Kurzstrecken-Luftabwehrsystemen(SHORAD) moderni siert. Dies könnte möglicherweise die Lizenzfertigung neuer Systeme oder ihrer Komponenten beinhalten. Die Sektoren Luft- und Raumfahrt und Marine bieten besondere Möglichkeiten für eine groß angelegte Ent wicklung. In der Luft- und Raumfahrt bildet eine nationale, auch im internationalen Maßstab hervorragende Einrich tung den Grundstein für eine kurzfristige Erweiterung zu einem regionalen Zentrum für Wartung, Reparatur und Instandsetzung(MRO) der F-16-Flotten. Diese Entwicklung verbessert nicht nur die nationalen Fähigkeiten, sondern verwandelt sie auch in einen strategischen Vorteil für das Bündnis, indem sie die wachsende Zahl von Betreibern in Mittel- und Osteuropa unterstützt und die Vorwärtsverteidigung der NATO stärkt. Im Marinesektor bietet die Beteiligung Rumäniens am europäischen Patrouillenkorvetten-Projekt PESCO in Verbindung mit der dringenden Notwendigkeit, die eigene veraltete Flotte zu ersetzen, langfristig eine bedeutende Chance. Die nationalen Werften verfügen über die moderne Infrastruktur, die erforderlich ist, um einen wirksamen Beitrag zu diesem großen europäischen Programm zu leis ten, insbesondere im Bereich des Rumpfbaus. Dieses Potenzial wird durch die europäische Initiative zur Einrichtung eines regionalen Zentrums für maritime Sicherheit am Schwarzen Meer, für das sich Rumänien als Sitz beworben hat, noch verstärkt. Dieses Zentrum kann als zusätzlicher Katalysator für die Entwicklung des nationalen Marinesektors dienen. Künftiges Wachstum sollte der Zusammenarbeit Vorrang einräumen, indem es sich auf den Aufbau von Fähigkeiten in Sektoren mit hohem Potenzial und disruptiven Tendenzen konzentriert. Der nationale Erwerb moderner unbemannter Luftfahrzeugsysteme(UAV) wird die Grundlage für die mittelfristige Integration in europäische Drohnenprogramme bilden. Es wird erwartet, dass diese Programme die Herstellung von Komponenten, die Montage und Wartung, Reparatur und Instandsetzung umfassen werden, was erhebliche Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern bietet. Gleichzeitig sollte eine langfristige Initiative darauf abzielen, ein Kompetenzzentrum für C4ISR(Command, Control, Communications, Computers, Intelligence, SurveilDer rumänische Verteidigungssektor 7 lance, and Reconnaissance – vernetzte Gefechtsführung) und Cybersicherheit einzurichten. Diese Initiative könnte den robusten zivilen IT-Sektor Rumäniens nutzen, um eine wichtige nationale Verteidigungspriorität anzugehen, wobei der Schwerpunkt auf Software-Entwicklung und Systemintegration für Verteidigungsanwendungen liegen würde. Wenn Rumänien diese Möglichkeiten strategisch nutzt, wird es nicht nur seine nationale Verteidigungsindustrie wiederbeleben, sondern auch seine Rolle als wichtiger Faktor für die kollektive Sicherheit in Europa stärken. Ein Beispiel für diese Art der verstärkten Kooperation bietet das Engagment der deutschen Firma Rheinmetall. Die Firma hat ihre industrielle Präsenz in Rumänien verstärkt und entwickelt sich von einem Zulieferer zu einem führenden lokalen Hersteller. Unter anderem wurde ein lokales Produktionsnetzwerk aufgebaut. Dieses Netzwerk umfasst Partnerschaften mit Uzina Automecanica Moreni für die Fahrzeugmontage, mit Interactive Software SRL für fortschrittliche digitale Architekturen und mit MarcTel-SIT für spezialisierte Kommunikationssysteme. Diese Kooperationen werden durch die Gründung des Rheinmetall Centre of Excellence weiter verstärkt, das den Transfer von kritischem Know-how durch modernste Simulatoren unterstützt. Ein weiterer wichtiger Teil der Expansion von Rheinmetall in Rumänien ist die Gründung von Rheinmetall Victoria SA im November 2025, einem Joint Venture mit Mehrheitsbeteiligung, das sich mit globalen Engpässen bei Treibstoffen befasst. Darüber hinaus hält Rheinmetall eine Mehrheitsbeteiligung von 72,5% an Rheinmetall Automecanica(Mediaș). Anfang 2026 nahm das Unternehmen auch seinen strategischen Wartungsstandort in Satu Mare in Betrieb, der als Einrichtung für die Reparatur von Kampfschäden (Battle Damage Repair, BDR) konzipiert ist, um die Ein satzbereitschaft der militärischen Ausrüstung entlang der Ostflanke der NATO sicherzustellen. Ende 2025 bestätigte CEO Armin Papperger, dass diese Investitionen darauf abzielen, Rumänien in den Kern der Verteidigungsökosysteme der NATO und der EU zu integrieren und so langfristige technologische Souveränität und Einsatzbereitschaft auf dem Schlachtfeld zu gewährleisten. Referenzen Aerostar S.A.(2024), Regelmäßige Berichte, https://www.aerostar.ro/ raportari-curente/ https://www.aerostar.ro/raportari-curente Aviatia Magazin(1. 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Bis 2024 war er Berater im Senat, dem„Oberhaus“ des rumänischen Parlaments. Er hat in verschiedenen leitenden Positionen im rumänischen Verteidigungsministerium gearbeitet. Von 1997 bis 2010 hatte er verschiedene leitende Positionen inne, darunter die des Generaldirektors für Verteidigungs- und Planungspolitik, der für die NATO- und EU-Angelegenheiten zuständig war. Außerdem war er Leiter der Abteilung für Verteidigung der stän digen rumänischen Delegation in der NATO-Zentrale in Brüssel. Sein Fokus liegt auf Fragen der internationalen Beziehungen, der nationalen und internationalen Sicherheit, der NATO und der EU sowie auf Studien über totalitäre Regimes. Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Referat Europäische Union/Nordamerika(EUN) Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Herausgeber: Dr. Ernst Hillebrand und Stefan Pantekoek Lektorat: Eckard Schuster Kontakt stefan.pantekoek@fes.de Bildnachweis S. 1: Moleng24/Tymofii Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­ gegebenen ­Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. ­Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. April 2026 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. ISBN 978-3-98628-852-5 Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Abteilung Internationale Zusammenarbeit Der rumänische Verteidigungssektor 10