A N A LYS E Arash Sarkohi April 2026 Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn Deutschland E-Mail: info@fes.de Herausgebende Abteilung Friedrich-Ebert-Stiftung| Referat Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika| Hiroshimastr. 28| 10785 Berlin| Deutschland Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Marcus Schneider| Leiter| Kompetenzzentrum Frieden und Sicherheit im Mittleren Osten- Nordafrika Kontakt/Bestellung info.nahost@fes.de Gestaltung Erifili Arapoglou- enArte Startseite Gestaltung Fotografie von Loredana Sangiuliano/Shutterstock Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. April 2026 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Further publications of the Friedrich-Ebert-Stiftung can be found here: ↗ www.fes.de/publikationen Arash Sarkohi März 2026 Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora Inhaltsverzeichnis Executive Summary .................................................. 3 Einführung .......................................................... 5 Politische Strömungen in der Diaspora ............................... 5 Die Flucht der Linken aus der politischen Praxis ....................... 6 Vom Zentrum an den Rand ......................................... 7 Gründe für die Abkehr von politischer Organisation .................... 8 Hindernisse auf dem Weg zur Bildung politischer Organisationen ........ 9 Die Rolle der linken und progressiven Strömungen in künftigen Bewegungen ........................................... 10 Rückkehr ins Zentrum .............................................. 11 2 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Executive Summary Der Beitrag analysiert die Rolle und den Zustand linker und progressiver Kräfte in der iranischen Diaspora nach der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung 2022. Obwohl diese Protestbewegung schon mit ihrem Slogan und ihrer Genealogie eine progressive Bewegung war und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen angestoßen hat, ist es den entsprechenden politischen Strömungen bislang nicht gelungen, daraus politisches Kapital zu schlagen und handlungsfähige politische Strukturen zu entwickeln. Der Text untersucht die Ursachen dieser Schwäche und argumentiert, dass sie weniger auf mangelnde gesellschaftliche Anschlussfähigkeit als vielmehr auf Defizite in politischer Praxis, Organisation und institutioneller Kontinuität zurückzuführen ist. Auf der Grundlage einer qualitativen, explorativen Analyse von politischen Aktivitäten, Diskursen und Organisationsformen innerhalb der iranischen Diaspora werden zentrale Problembereiche identifiziert – darunter der Generationenbruch zwischen älteren und jüngeren Aktivist*innen, die Flucht aus der praktischen Politik in akademische oder aktivistische Tätigkeiten, Repressionen seitens des iranischen Regimes sowie die negative Bilanz vieler linker Parteien und Organisationen. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass künftige Protestbewegungen in Iran ohne den Aufbau tragfähiger linker und progressiver Strukturen kaum politische Wirkung entfalten können, und betont die Notwendigkeit einer Rückkehr von der diskursiven Marginalität zur organisierten politischen Praxis. Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora 3 Einführung Mehr als drei Jahre nach dem Ausbruch der Frau-LebenFreiheit-Bewegung in Iran muss nüchtern festgestellt werden: Diese Bewegung ist – zumindest prima facie – gescheitert. Das Regime in Teheran hält sich, wenn auch geschwächt, weiterhin an der Macht und geht mit aller Härte gegen die Akteur*innen der Proteste vor. Und doch hat die Bewegung, die für manche gar einen revolutionären Charakter trug, die iranische Gesellschaft nachhaltig verändert. Sie führte zu einem spürbaren Bruch zwischen großen Teilen der Bevölkerung und dem Regime – sichtbar etwa in der niedrigen Wahlbeteiligung bei den folgenden Präsidentschaftswahlen 2024 oder in der Radikalität der Protestbewegung vom Winter 2025/2026, die direkt das Ende der Islamischen Republik zum Ziel hatte. Vor allem aber haben sich die Frauen mit dieser Bewegung Freiheiten erkämpft, die sie nicht einfach wieder hergeben werden. Wer heute durch die Straßen Irans geht – nicht nur in Teheran oder anderen Großstädten –, kann diese Veränderung nicht übersehen. Die Frau-Leben-Freiheit-Bewegung zeichnete sich bereits mit ihrem Slogan und ihrer Genealogie als eine progressive Bewegung aus(Rostampour, 2023). Sie hat die Fundamente der Macht der Islamischen Republik so erschüttert wie kaum eine andere Protestbewegung der vergangenen zwanzig Jahre. Umso erstaunlicher ist es, dass es weg linken und progressiven Kräften nicht gelungen ist, aus ihr politisches Kapital zu schlagen. Das gilt sowohl in Iran selbst als auch – und vor allem – für die Diaspora. Im Zuge der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung und in den darauffolgenden Monaten entstanden in fast allen größeren Städten im Westen kleine Gruppen, die insbesondere Protestaktionen und Demonstrationen organisierten, um die Bewegung in Iran zu unterstützen. Fast alle dieser Zusammenschlüsse ließen sich dem progressiven oder linken Spektrum zuordnen. Doch drei Jahre nach der Bewegung in Iran ist von ihnen meist kaum mehr geblieben als die Namen und inaktive Social-MediaAccounts. Es ist nicht gelungen, diese Gruppen – oder Teile von ihnen – in dauerhafte politische Strukturen zu überführen. Auch haben bestehende linke Parteien und Organisationen es versäumt, im Zuge der Frau-LebenFreiheit-Bewegung neue Mitglieder zu gewinnen oder sich als politische Kraft ins Spiel zu bringen. Woran liegt das? In den meisten Analysen zur Schwäche der iranischen Linken ist viel von Theorie und konzeptionellen Herausforderungen die Rede. Kaum jedoch wird auf die konkrete Situation und den tatsächlichen Zustand der linken und progressiven Kräfte eingegangen. Genau hier setzt dieser Text an: beim Mangel an praktischer Politik und an organisatorischen Strukturen – eine der zentralen Schwächen, mit denen linke und progressive Strömungen heute in Iran konfrontiert sind. Ausgehend davon untersucht dieser Beitrag die Frage, warum es den linken und progressiven Kräften in der iranischen Diaspora trotz teilweise günstiger gesellschaftlicher Voraussetzungen und breiter inhaltlicher Anschlussfähigkeit bislang nicht gelungen ist, aus der FrauLeben-Freiheit-Bewegung dauerhafte politische Organisationen und handlungsfähige Strukturen zu entwickeln. Im Zentrum stehen dabei organisatorische, generationelle und praxisbezogene Faktoren, die zur politischen Marginalisierung dieser Strömungen beitragen. Die Analyse dieser Defizite ist nicht nur für das innerlinke Selbstverständnis notwendig. Der Erfolg künftiger Protestbewegungen in Iran hängt auch davon ab, ob im linken und progressiven Spektrum tragfähige politische Strukturen existieren. Viele Beobachter*innen sind sich in der Einschätzung der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung einig, dass ein wesentlicher Grund für ihr Scheitern genau in diesem Mangel lag(Bayat, 2023 und 2024a, Towfigh und Yousefi, 2025, Nikfar, 2025) – im Fehlen jener Strukturen, die einer Bewegung in entscheidenden Momenten Richtung und Kraft verleihen können. Methodisch stützt sich der Text auf eine qualitative, explorative Analyse, die auf langjähriger Erfahrung und Beobachtung politischer Aktivitäten, Organisationsformen und Diskurse der iranischen Opposition im Exil sowie auf der Auswertung von wissenschaftlichen Texten, Essays und öffentlichen Debatten in sozialen Medien beruht. Ziel ist nicht statistische Repräsentativität, sondern die Identifikation wiederkehrender Muster, struktureller Defizite und typischer Handlungsformen innerhalb des linken und progressiven Spektrums. Der Text folgt dabei einem Politikverständnis, das politische Bewegungen als Prozesse begreift, deren gesellschaftliche Wirksamkeit wesentlich von Organisation, institutioneller Verankerung und kontinuierlicher politischer Praxis abhängt. 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Politische Strömungen in der Diaspora “Linke und progressive Strömungen” ist in diesem Beitrag zwangsläufig ein vager Begriff, dessen klare Definition – nicht nur im iranischen Kontext – äußerst schwierig ist. Gemeint sind hier jene Akteur*innen und politischen Gruppierungen, die sich selbst als links oder progressiv bezeichnen. Die iranische Opposition in der Diaspora ist von großer Unübersichtlichkeit geprägt(Rezaee, 2025 ) . Es existieren keine großen, einflussreichen Parteien oder Strukturen mit klarer Organisation und Ideologie. Die einzige Ausnahme bilden die Volksmudschaheddin(MEK) und der von ihnen dominierte Nationale Widerstandsrat. Die in den 1960er Jahren als linksreligiöse, antiimperialistische Guerillabewegung gegründete Organisation präsentiert sich unter der Führung von Maryam Rajavi gern als Alternative zum islamischen Regime. Die MEK betreiben ein Hauptquartier in Albanien und gelten als diszipliniert organisierte Exilgruppe mit militärischen, sektenartigen und undemokratischen Strukturen. Sie pflegen hochrangige Kontakte zur Politik in westlichen Staaten – insbesondere zu neokonservativen Kreisen in den USA, aber auch in Europa –, gelten jedoch sowohl in der iranischen Diaspora als auch in Iran selbst vor allem wegen ihrer undemokratischen Strukturen und ihrer religiös angehauchten Ideologie als äußerst isoliert und einflusslos. Die sogenannten Monarchisten sind keine organisierte Opposition im engeren Sinne. Zwar genießt Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs Irans, einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und ist bei vielen Iraner*innen beliebt, was auch daher rührt, dass zwei wichtige Fernsehanstalten im Ausland(Iran International und Manoto) ihn mehr oder weniger explizit unterstützen. Jedoch ist es Reza Pahlavi bislang nicht gelungen, seine Popularität und finanziellen und medialen Möglichkeiten zum Aufbau parteiähnlicher Strukturen zu nutzen. Heute existieren zwar mehr als vierzig Organisationen und Parteien, die sich im erweiterten Sinne als Anhänger Reza Pahlavis bzw. als Monarchisten bezeichnen; viele davon gibt es jedoch nur auf dem Papier, ihr Einfluss gilt als sehr begrenzt bis nahezu nicht existent. Pahlavi selbst bezeichnet sich als Demokrat und betont, dass er lediglich in der Übergangsphase von der Islamischen Republik zu einer liberalen Demokratie eine Führungsrolle übernehmen wolle. Seine Anhänger*innen und engen Berater sprechen jedoch immer wieder davon, dass Reza Pahlavi auch nach dem Ende der Islamischen Republik als König mit weitreichenden Machtbefugnissen ausgestattet sein soll. In einem„Die Phase der Notlage“ genannten Dokument, das 2025 von engen Berater*innen von Pahlavi veröffentlicht wurde, und das vor allem einen Plan für die Übergangszeit von der Islamischen Republik zu einem neuen politischen System darlegen soll(und keinen Plan dafür, wie das jetzige System gestürzt werden kann), werden die Sonder-Befugnisse von Pahlavi als“der Führer der nationalen Bewegung” detailliert dargelegt: So bestimmt allein er über Zusammensetzung einer “Institution der nationalen Bewegung”, die wiederum als Übergangsregierung fungiert und kommende Wahlen organisieren soll. Auch soll Pahlavi nach diesem Plan die Führung der Exekutive, Judikative und Legislative bestimmen(NUFDI, 2025). Diese Ambiguität in der Rolle Pahlavis zwischen einer demokratischen Figur, die zwar lediglich die Übergangszeit von der Islamischen Republik hin zu einer Demokratie einleiten und führen, andererseits aber einen mit den Befugnissen eines klassischen Diktators ausgestatteten Königs repräsentieren soll, lassen die Anhänger*innen Pahlavis bewusst offen. Die Anhänger*innen der religiös-reformistischen Bewegung in Iran sind in der Diaspora marginalisiert. Ihr Bedeutungsverfall korreliert mit dem politischen Niedergang der Reformbewegung in Iran. Die Vorstellung, das Regime könne von innen heraus und durch Wahlen innerhalb des Systems grundlegend reformiert werden, hat sowohl in Iran als auch in der Diaspora stark an Popularität verloren. Einige ehemalige Reformer – wie Mostafa Tajzadeh in Iran oder Taghi Rahmani in der Diaspora – sprechen heute offen davon, dass das System der Islamischen Republik überwunden werden müsse, damit spürbare Verbesserungen eintreten können. Die religiösen Reformisten haben in Iran immer noch funktionierende Strukturen, in der Diaspora hingegen gibt es keine nennenswerte Organisation dieser Denkrichtung. In der Diaspora existieren zahlreiche Parteien und Organisationen – etwa die„Zusammenkunft der Republikaner“ oder die„Linkspartei” –, die sich selbst als progressiv oder links bezeichnen. Ihre Mitgliedszahlen überschreiten jedoch selten die Marke von fünfzig Personen; in der heutigen politischen und diskursiven Landschaft Irans haben sie, ebenso wie ihre monarchistischen Konterparts, kaum Einfluss. Es gab wiederholt Versuche, diese Parteien und Organisationen in Dachstrukturen zusammenzuführen – die“Zusammenkunft der Republikaner“ ist selbst eine solche Dachorganisation – und dabei auch liberale sowie teilweise monarchistische Gruppierungen einzubinden. Der„Iran Transition Council“ war der prominenteste dieser Versuche. Er wurde nach der Protestwelle von 2018 von einigen“republikanischen” Persönlichkeiten im Ausland gegründet und existiert heute nur noch dem Namen nach. Nicht unerwähnt bleiben sollten zudem Persönlichkeiten, die zumindest zeitweise als politische Figuren in der iranischen Öffentlichkeit Bedeutung und Einfluss erlangt haben. Hervorzuheben sind vor allem Masih Alinejad und Hamed Esmaeilion. Alinejad, die als Markenzeichen stets eine Blume im Haar trägt, begann ihre Laufbahn als Journalistin in Iran und erlangte im westlichen Exil durch Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora 5 ihre Kampagne gegen den Kopftuchzwang für Frauen große Bekanntheit. Im Jahr 2022 bezeichnete sie sich selbst als Anführerin der Protestbewegung in Iran. Ihr Einfluss ist jedoch vor allem medial; sie verfügt weder über ein strukturiertes Netzwerk, noch über eine ausgearbeitete politische Agenda. Esmaeilion erlangte unfreiwillig Bekanntheit, als seine Frau und Tochter im Jahr 2020 beim Absturz einer Passagiermaschine der Ukraine International Airlines über Iran gemeinsam mit 174 weiteren Zivilist*innen ums Leben kamen. Es stellte sich rasch heraus, dass das Flugzeug von iranischen Flugabwehrraketen abgeschossen worden war. Das Regime dementierte zuerst den Abschuss, sprach dann von menschlichen Fehlern, die dazu geführt hätten, dass das Flugzeug als eine sich nähernde Rakete detektiert wurde und verurteilte einzelne niedrigrangige Militärangehörige zu relativ kurzen Haftstrafen. Esmaeilion übernahm eine zentrale Rolle bei den internationalen Bemühungen um Aufklärung und entwickelte sich zu einer der bekanntesten Figuren der Oppositionsbewegung. Im Oktober 2022 und im Zuge der Frau-Leben-FreiheitBewegung organisierte er eine Demonstration zur Unterstützung der Protestbewegung in Iran. Zwischen 80.000 und 100.000 Menschen kamen nach Berlin; es handelte sich um die größte Demonstration in der Geschichte der iranischen Diaspora. Doch auch Esmaeilion vermochte es nicht, über seine Rolle als Menschenrechtsaktivist hinauszuwachsen und nachhaltige politische Strukturen aufzubauen. Während Esmaeilion sich mehrfach als“progressiv” bezeichnet hat, bleibt Alinejad diesbezüglich vage. In den letzten Jahren hatte sie vermehrt Kontakt zu konservativen politischen Kreisen in den USA und Europa. Jenseits der bekannten Persönlichkeiten und der genannten Versuche, politische Organisationen zu etablieren, existieren zahlreiche Initiativen, Kollektive und Gruppierungen, die vor allem nach der Frau-Leben-FreiheitBewegung in westlichen Staaten entstanden sind und auf die im Folgenden näher eingegangen wird. Die Flucht der Linken aus der politischen Praxis Linke und progressive Strömungen spielen im heutigen politischen Raum Irans keine nennenswerte Rolle; weder im Inland noch im Exil, weder in der Gesellschaft noch bei ihrer eigentlichen, potenziellen Zielgruppe. In der Diktatur der Islamischen Republik sind linke und progressive Kräfte, wie auch andere oppositionelle Gruppen, jeder Möglichkeit zur Organisation und zur Teilnahme an der praktischen Politik beraubt worden. Durch brutale Repression wurden sie aus der politischen Sphäre eliminiert. Jede kollektive Bewegung – von der Gründung von Gewerkschaften bis hin zu kleinsten politischen Zirkeln – wird rasch und mit Härte niedergeschlagen. Diktatur und Unterdrückung sind zweifellos zentrale Gründe für das Fehlen linker und progressiver Strömungen in der praktischen Politik. Doch auch im Ausland, fern der unmittelbaren Repression der Islamischen Republik, lässt sich diese Abwesenheit beobachten. Die meisten ehemaligen Aktivist*innen der linken Organisationen – jene Generationen, die die Revolution von 1979 miterlebt haben – sind heute passiv und politisch kaum noch organisiert. Manche von ihnen betrachten sich gar nicht mehr als politisch, sondern ziehen zivilgesellschaftliche, menschenrechtliche oder akademische Tätigkeiten der(Partei)Politik vor. Einige wenige haben sich in Vereinigungen mit großen Namen, aber geringer Mitgliederzahl – meist zwischen 50 und 100 Personen – organisiert, die sich mit ambitionierten Bezeichnungen wie“Partei” oder“Union” schmücken. Doch diese Parteien und alten Strukturen haben in der heutigen politischen und diskursiven Landschaft kaum Einfluss. Ihre Mitglieder stehen mit den jüngeren Generationen, die nach der Revolution geboren wurden, kaum in Kontakt. Der Wirkungskreis solcher Organisationen beschränkt sich weitgehend auf den inneren Kreis ihrer Mitglieder. Ihre politische Aktivität erschöpft sich im Verfassen von Erklärungen oder in der Abhaltung von Tagungen und Podiumsdiskussionen. Diese Beobachtungen finden sich in ähnlicher Form in verschiedenen Ländern, in denen es eine große iranische Diaspora gibt, wieder und verweisen auf ein strukturelles, nicht auf ein lokales oder zufälliges Phänomen. Auch ein Platz, den junge linke und progressive Aktivist*innen in der heutigen politischen Sphäre hätten einnehmen können, ist leer geblieben. Trotz jahrelanger Aufenthalte in westlichen Ländern mit der Möglichkeit freier politischer Betätigung ist es den jüngeren Generationen nicht gelungen, neue Organisationen oder Zusammenschlüsse mit linker und progressiver Ausrichtung zu gründen. Ihre Verbindung zu den älteren Generationen ist schwach, ihre praktische Erfahrung begrenzt. Der hier sichtbar werdende Generationenbruch ist weniger als bloßer Alterskonflikt zu verstehen denn als Ausdruck fehlender institutioneller Kontinuität und politischer Lernprozesse innerhalb der iranischen Linken. Die jüngeren Generationen linker und progressiver Strömungen wenden sich überwiegend Menschenrechts-, zivilgesellschaftlichen, kulturellen oder akademischen Aktivitäten zu. Viele von ihnen haben in den Bereichen Übersetzung(von westlicher Literatur, Philosophie und Fachliteratur), Forschung und Theoriearbeit beachtliche Leistungen hervorgebracht, doch sind sie meist in abstrakten Diskussionen verhaftet; Themen, die zwar wichtig und notwendig sind, aber im realen politischen Leben Irans kaum Wirkung entfalten. Ihre Antworten richten sich nach akademischen Problemen oder Fragen, die in westlichen Gesellschaften gestellt werden. Dagegen 6 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. tauchen die konkreten Überlegungen, die aus der heutigen iranischen Gesellschaft selbst erwachsen, in ihren Debatten selten auf. Vom Zentrum an den Rand Die Parteien und Organisationen der iranischen Linken haben in weiten Teilen der iranischen Gesellschaft – auch in jenen Schichten, die dem linken und progressiven Denken prinzipiell zugeneigt wären – ihr politisches, intellektuelles und organisatorisches Ansehen verloren. Sie gelten heute vielfach als gescheiterte Institutionen. Die Bilanz eines großen Teils der linken Organisationen, Parteien und Bewegungen seit der Revolution von 1979 ist negativ. Entgegen der gängigen Vorstellung und der Propaganda rechter Kräfte spielten die Linken beim Sturz des Pahlavi-Regimes und beim Sieg der Revolution keine entscheidende Rolle(Talebi, 2018; Bayat, 1987; Abrahamian, 1982 Einige dieser Organisationen – etwa die Tudeh-Partei – unterstützten unter Vorwänden wie dem „Kampf gegen den Imperialismus“ in den ersten Jahren nach der Revolution die Islamische Republik und ihre repressive Politik. Die Mehrheit linker Gruppierungen stellte sich zwar gegen die Islamische Republik, doch ihre Strategien, Taktiken und Programme standen im Widerspruch zu den gesellschaftlichen Realitäten und scheiterten deshalb. Nach der(aus Sicht der Linken) Niederlage der Revolution und der massiven Repression der 1980er Jahre, die in die Massenhinrichtungen von politischen Gefangenen im Sommer 1988 mündeten, unterzogen sich viele linke Organisationen keiner tiefgreifenden, ernsthaften Selbstkritik. Sie distanzierten sich weder klar noch offen von ihren früheren Irrtümern. Ihre Kritik beschränkt sich bis heute auf formelhafte Bekenntnisse oder auf einzelne politische Entscheidungen – eine wirkliche Auseinandersetzung mit ihren ideologischen und konzeptionellen Grundlagen blieb aus. Noch immer sind in ihrer Sprache und Praxis die Spuren jener Denkfehler sichtbar, die einst zu ihren politischen Fehlentscheidungen führten. Die führenden Köpfe dieser Organisationen sind größtenteils dieselben geblieben, die einst schwere politische Fehler begingen – etwa die Unterstützung der Islamischen Republik oder das Errichten innerer autoritärer Strukturen. Ihr Verhalten zeugt von einer Flucht vor Verantwortung, von der Weigerung, Fehler einzugestehen und Konsequenzen zu ziehen – all dies steht im klaren Widerspruch zu einem demokratischen Selbstverständnis. Keine politische Strömung oder Organisation kann ohne einen selbstkritischen Blick, ohne eine gründliche, offene und eindeutige Aufarbeitung ihrer ideologischen und politischen Fehler, ohne Übernahme von Verantwortung – zumindest in Form des Rückzugs der verantwortlichen Figuren – und ohne neue überzeugende politische Konzepte das verloren gegangene Vertrauen und Ansehen wiedergewinnen. Zugleich ist die Repression durch die Islamische Republik – die physische, kulturelle und politische Eliminierung der Opposition durch Hinrichtungen, Folter, Gefängnis, Exil und Zensur – einer der entscheidenden Gründe für die Schwäche der iranischen Linken. In Abwesenheit linker Denker*innen und Kräfte, infolge von Repression und der Einseitigkeit der politischen Landschaft, haben regimetreue oder –nahe Medien in Iran seit Jahren linke und progressive Strömungen massiv angegriffen. Das gibt nicht nur für offizielle Sprachorgane des Regimes wie Kayhan, sondern auch für(wirtschafts-) liberale regimenahe Medien wie“Andishe-ye Pooya” oder “Mehr Nameh”(Sarkohi, F., 2014). Kritik an politischen Denkrichtungen kann zwar notwendig und nützlich sein, doch sind diese Angriffe selten echte Kritik: Sie stützen sich auf falsche oder manipulierte Informationen, auf Desinformationskampagnen der Sicherheitsapparate, auf Geschichtsfälschungen und auf die Reduktion der gesamten Linken auf Erfahrungen wie die Sowjetunion oder Nordkorea(die selbstverständlich kritisch zu hinterfragen sind), während demokratische und erfolgreiche linke Erlebnisse weltweit ignoriert werden (Sarkohi, F., 2018, Sedaghat, 2025). Die linken und progressiven Strömungen wiederum haben aufgrund von Zensur und Ausschluss keine Möglichkeit, sich in den iranischen Medien zu verteidigen. Einflussreiche und reichweitenstarke regimekritische Medien im Ausland, die der monarchistischen Strömung nahestehen(vor allem Iran International und Manoto), stimmen ebenfalls in diesen anti-linken Chor ein(Bajoghli, 2018). In bemerkenswerter Übereinstimmung mit der staatlichen Desinformation verteufeln sie alles, was ihnen als“links” erscheint. In der Geschichtserzählung dieser Oppositionsmedien tragen die Linken in einer vermeintlich „unheiligen Allianz“ mit den Mullahs die Hauptverantwortung für die“Katastrophe von 1979” – gemeint ist die Revolution gegen das Schah-Regime. Die monarchistische Herrschaft vor 1979 wird dort zu einem Paradies verklärt, in dem es weder Armut noch Diktatur gegeben haben soll.(Kahrkhaneh, 2022). Im Einklang mit anti-progressiven Diskursen in Europa und vor allem in den USA führen diese Medien einen propagandistischen Kampf gegen linke“Wokisten”. Linke Stimmen und Persönlichkeiten kommen in den regimekritischen Auslandsmedien selten zu Wort. Diese einseitige Kampagne – sowohl in den Staatsmedien, als auch in den reichweitenstarken oppositionellen Medien – hat das ohnehin negative Bild der Linken in Teilen der Bevölkerung weiter verfestigt. Eine neue Studie zu den neuesten Protestbewegungen im Winter 2025/2026 zeigt z.B. eine Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora 7 eindeutige Berichterstattung bei Iran International und sogar BBC Persia zu Gunsten von Reza Pahlavi(Azar, 2026). Ein weiterer Grund für die ablehnende Haltung mancher Teile der Gesellschaft gegenüber der Linken liegt im mangelnden Demokratieverständnis innerhalb einiger linker Organisationen selbst. Demzufolge ist das demokratische System im Westen unvollkommen und begrenzt, und linke und progressive Kräfte kämpfen – aus einer kritischen Haltung heraus – für dessen Vertiefung und Erweiterung. In einem autoritären Land wie Iran jedoch, das unter einer der finstersten Formen politischer und religiöser Despotie leidet, sind Demokratie und Menschenrechte – selbst in der unvollkommenen Form westlicher Demokratien – ein grundlegendes gesellschaftliches Anliegen. Sie stehen keineswegs im Widerspruch zum Kampf gegen Ausbeutung, Ungleichheit und Diskriminierung(Sarkohi, A., 2018). Das Fehlen demokratischer Strukturen und Werte in Teilen der iranischen Linken – ihre Ablehnung von Demokratie und Menschenrechten als angeblich“bürgerliche” oder “liberale” Konzepte – ist in einem Land, dessen Gesellschaft zutiefst vom Despotismus geprägt ist, nicht nur unvernünftig, sondern auch politisch selbstzerstörerisch. Zwar handelt es sich bei solchen Strömungen um Minderheiten innerhalb der Linken, doch rechte Kräfte überhöhen sie bewusst, um sie als Waffe gegen die gesamte Linke zu benutzen. Diese offen antidemokratische Haltung, ebenso wie jene sogenannten „antiimperialistischen“ Gruppen, die als„Widerstandslinke“ bekannt sind und die Islamische Republik als Gegenentwurf zum US-amerikanischen Imperialismus verteidigen, tragen wesentlich dazu bei, dass sich potenzielle Sympathisant*innen und große Teile der Bevölkerung von der Linken abwenden(Soma, 2022). Auch die mangelnde Transparenz innerer Machtverhältnisse, die autoritären Organisationsstrukturen, der geringe Anteil von Frauen sowie von Angehörigen sexueller, religiöser, sprachlicher und ethnischer Minderheiten innerhalb linker Organisationen sind Gründe dafür, dass diese Bewegungen nur wenig Anziehungskraft auf ihr eigentliches Publikum ausüben. Gründe für die Abkehr von politischer Organisation Das theoretische wie auch praktische Scheitern der iranischen linken Parteien und Organisationen, das daraus resultierende Misstrauen großer Teile der Gesellschaft ihnen gegenüber, sowie die erzwungene Tätigkeit im Exil – fern vom Herzschlag der iranischen Gesellschaft – haben ihre Präsenz in der praktischen Politik nahezu ausgelöscht. Die älteren Generationen linker Aktivist*innen sind heute meist isoliert, passiv oder haben sich auf Menschenrechts-, zivilgesellschaftliche, kulturelle oder akademische Arbeit verlegt. Die jüngeren Generationen, die der Linken und progressiven Ideen zugeneigt waren, sind diesem Beispiel gefolgt. Ihre(oft berechtigte) kritische Haltung gegenüber den bestehenden politischen Organisationen hat sie davon abgehalten, ihnen beizutreten. Doch zugleich ist es ihnen nicht gelungen, eigene politische oder auch nur zivilgesellschaftliche Organisationen von Dauer und Wirkung aufzubauen – sie agieren meist individuell. Linke und progressive Strömungen sind im kulturellen Bereich weiterhin aktiv und produktiv, sie schaffen Inhalte und Diskurse. Doch dieser kulturelle und akademische Einfluss übersetzt sich nicht in politische Wirkung, da es keine handlungsfähige linke oder progressive Organisation im politischen Raum Irans gibt, die diese kulturellen Errungenschaften in politische Kraft umsetzen könnte. In westlichen Demokratien hingegen existiert eine gewisse Arbeitsteilung: die linken und progressiven Kräfte und Bewegungen prägen im besten Falle durch Kultur und Theorie die öffentliche Debatte, und ihnen nahestehenden politischen Organisationen verwandeln diese Impulse in politische Wirkung(Piccio, 2016, Diani und McAdam, 2003, Hutter, Kriesi und Lorenzini, 2019). Soziale Bewegungen üben in diesem Idealfall einen diskursiven aber dennoch realen Druck auf ihnen nahestehenden politische Organisationen aus und setzen so Teile ihre Ziele durch ebendiese Organisationen und Parteien um. Parteien ihrerseits bleiben durch diesen ständigen Kontakt mit sozialen Bewegungen in ständiger Verbindung mit ihrer Basis und behalten so ihre diskursive Aktualität.(Giugni, McAdam, und Tilly, 1999). Soziale Bewegungen verblassen irgendwann ohne eine Verbindung zu politischen Organisationen, und diese erstarren ohne den organischen Kontakt zu sozialen Bewegungen(Tilly und Tarrow, 2015). Eine solche organische Verbindung fehlt den iranischen linken Kräften im Ausland. Politik im praktischen Sinn – politisches Handeln – ist ein organisierter Versuch, die Realität teilweise oder grundsätzlich zu verändern. Effektive Politik kann nur in enger und organischer Verbindung mit einer sozialen Basis entstehen. Eine politische Strömung wird erst dann zu einer realen Kraft, wenn sie nicht nur die“Avantgarde” und die“kulturelle Elite” anspricht, sondern breitere gesellschaftliche Schichten als ihr Publikum begreift (Tarrow, 1998); wenn sie Programme in einer Sprache formuliert, die diese Schichten verstehen; wenn sie auf reale gesellschaftliche Probleme konkrete, umsetzbare Antworten bietet – und nicht bloß leere Parolen, deren Verwirklichung erst nach der“Einführung des Sozialismus” oder der“Abschaffung des Kapitalismus in der ganzen Welt” möglich sein soll. Eine handlungsfähige linke oder progressive Organisation muss ihre großen, allgemeinen Ideale mit den alltäglichen 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Kämpfen der Menschen verbinden(Kitschelt, 1994). Sie sollte Programme entwickeln, die sich auch unter den Bedingungen partieller Macht – etwa mit 20% der Stimmen in einer Wahl oder durch Teilhabe an Regierungsverantwortung – umsetzen lassen. Bloße Wiederholung großer Parolen und Utopien, deren Erfüllung an die totale Machtübernahme geknüpft ist, kann keine gesellschaftliche Wirkung entfalten. In modernen Demokratien ist„die ganze Macht” für eine einzelne Strömung ohnehin eine unrealistische Vorstellung. Dass es in Iran kaum linke oder progressive Organisationen gibt, ist unter der Diktatur der Islamischen Republik erklärbar. Unverständlich ist jedoch, dass die politischen Kräfte der Linken im Ausland – sowohl die älteren als auch die jüngeren Generationen – auch nach Jahrzehnten des Lebens in demokratischen westlichen Gesellschaften, frei von der Repression der Islamischen Republik, keine stabilen und wirkungsvollen Institutionen hervorgebracht haben. Die jüngeren Generationen linker und progressiver Aktivist*innen neigen dazu, politische Reinheit, Identitätsbildung anhand abstrakter Begriffe und das Schreiben und Sprechen über Theorien der organisierten politischen Arbeit vorzuziehen. Anstatt kleinere inhaltliche Differenzen auszuhalten, Konsens zu suchen und gemeinsame Nenner zu finden, konzentrieren sie sich auf ideologische Abgrenzung – aus Angst, auch nur minimal von ihren idealen Prinzipien abzuweichen und von ihrer „peer group“ angeprangert zu werden. Daher beschränken sich viele auf individuelle Stellungnahmen, weil diese keiner Abstimmung und Zusammenarbeit bedürfen. Ihre Gruppen überschreiten selten den Rahmen kleiner Zirkel von einigen Dutzend Personen oder zerfallen nach kurzer Zeit wieder(Oghalaia, 2025, Talebi, 2025, Nikfar, 2024, Sreberny-Mohammadi und Mohammadi, 1987). Sie beschäftigen sich vorwiegend mit abstrakten oder identitätspolitischen Fragen; ihre Aufmerksamkeit gilt den „eigenen“, engen Zirkeln, nicht der Gesellschaft insgesamt. Ihre zentrale Frage lautet“Wer sind wir?” statt“Was ist in dieser konkreten Situation zu tun, und welches Programm können wir der Gesellschaft anbieten?”. Diese in der Regel als“Identitätspolitik” bezeichnete Herangehensweise ist nicht nur eine Eigenart linker iranischer Aktivist*innen; sie existiert global und erschwert es linken und progressiven Parteien und Bewegungen, Anschluss an breitere Bevölkerungsschichten zu finden. Identitätspolitik führt zudem häufig dazu, dass linke und progressive Diskurse als eine Art Klebstoff dienen, um verschiedene Gruppen und gesellschaftliche Schichten anhand bestimmter Anliegen zusammenzuführen.(Haider, 2022, Anderson-Connolly, 2019 und Das, 2020). Diese Form des imaginären, theoretischen Radikalismus führt in der Praxis zu politischer Lähmung. Wer nach Adorno überzeugt ist, dass man„in einer falschen Welt nicht richtig leben kann“, für den erscheint jeder Versuch, die Verhältnisse schrittweise zu verbessern, als sinnlos oder gar schädlich. So ersetzt politische Passivität das Handeln; das Beharren auf Maximalforderungen und das Bedürfnis, nur kleine, gleichgesinnte Gruppen zufriedenzustellen, tritt an die Stelle realer politischer Arbeit und gesellschaftlicher Kommunikation. Der theoretische Radikalismus wird zur bequemen Rechtfertigung für Untätigkeit und zum passiven Warten auf die“sozialistische Revolution”. Diese “radikale” Strömung innerhalb der Linken existiert auch im Westen, dem gegenüber stehen jedoch andere Linke, die die reale politische Arbeit zu ihrem Ziel erklärt haben. Dieser Teil, der in westlichen Demokratien den Großteil der Linken ausmacht, fehlt in der politischen Landschaft der ‌iranischen Diaspora. Doch die meisten potenziellen Anhänger*innen linker und progressiver Ideen – insbesondere Minderheiten, Arbeiter*innen, Angestellte und einfache Erwerbstätige – erwarten zu Recht spürbare Verbesserungen ihres Lebens und suchen konkrete realisierbare Lösungen für ihre alltäglichen Probleme. Eine politische Kraft, die die Lösung dieser Probleme an apokalyptische Vorbedingungen knüpft, eine Sprache spricht, die das Volk nicht versteht, und sich in abstrakten akademischen Diskussionen verliert, die nie in praktische Politik übersetzt werden, wird kein Gehör finden(Talebi, 2025). Hindernisse auf dem Weg zur Bildung politischer Organisationen Einer der Hauptgründe, warum in den jüngeren Generationen keine wirksamen und dauerhaften politischen Organisationen entstehen, liegt im Mangel an Erfahrung in praktischer politischer Arbeit. Politisches Handeln hat – wie jede andere Tätigkeit – sein eigenes Handwerk: die Organisation und Leitung von Parteiversammlungen, das Gewinnen von Mehrheiten für Entscheidungen oder Kandidaturen im Vorfeld solcher Sitzungen, die Einigung mit unterschiedlichen Strömungen innerhalb einer Partei, die Fähigkeit, abweichende Meinungen zu ertragen, organisatorische und parteiliche Disziplin, Ausdauer, strategisches und zielgerichtetes Denken, der Umgang mit verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, Redekunst, Medienarbeit und vieles mehr. Diese Fähigkeiten lassen sich nicht allein durch Lektüre von politischen Texten erwerben, sondern nur durch gelebte politische Praxis. In westlichen Demokratien verfügen die meisten Parteien über eigene Jugendorganisationen, in denen die zukünftigen Kader herangebildet werden. Dort üben die Jüngeren die praktische politische Arbeit, stehen in organischer Verbindung zu den älteren Generationen und lernen von deren Erfahrung. Die iranischen politischen Organisationen im Exil – ob links, rechts oder gemäßigt – haben aus Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora 9 verschiedenen Gründen, von denen einige bereits genannt wurden, nicht vermocht, junge politische Kräfte anzuziehen und auszubilden. Ein weiteres Problem bei der Gründung politischer Organisationen in der Diaspora – gleich ob links oder rechts – ist die Frage nach ihrer Funktion und Existenzberechtigung. Jede politische Organisation tritt mit dem Ziel auf, Macht zu erringen oder an der Gestaltung des politischen Raums teilzuhaben. Iranische politische Kräfte im Ausland besitzen jedoch keine Möglichkeit, direkt im Innern des Landes politisch zu agieren. Wenn sie sich nicht auf bloße “Erklärungsmaschinen” reduzieren wollen, die Stellungnahmen zu politischen Ereignissen abgeben, müssen sie sich einer grundlegenden Frage stellen: Welchen Zweck erfüllen sie nach ihrer Gründung tatsächlich? Die Unterstützung der Bewegungen im Innern Irans gehört zu den zentralen Aufgaben und Daseinsgründen demokratischer iranischer Kräfte im Ausland. Eine organische, sinnvolle Verbindung zu diesen inneriranischen Bewegungen herzustellen und praktikable politische Projekte zu entwickeln und umzusetzen – das sind die wesentlichen Herausforderungen, vor denen die linken und progressiven Kräfte im Exil stehen(Bayat, 2024b). Politische Akteur*innen in der Diaspora leben in demokratischen Ländern und sind frei von der direkten Repression der Islamischen Republik. Doch ein erheblicher Teil von ihnen, vor allem aus den jüngeren Generationen, reiste zumindest bis zum Aufkommen der Frau-LebenFreiheit-Bewegung noch regelmäßig nach Iran, hat dort nahe Angehörige und bleibt daher von der Repression des Regimes mittelbar betroffen. Viele Iraner*innen im Ausland meiden aus Angst vor Verfolgung bei einer Einreise oder Angst vor Repressionen gegen ihre Verwandten offene politische Betätigung. Doch jede politische Organisation braucht sichtbare Akteur*innen, die sie in der Öffentlichkeit repräsentieren. Auch die sozialen Medien und die digitale Sphäre spielen – bei aller positiven Wirkung, etwa durch das Brechen der Zensur und die Überwindung räumlicher Barrieren – eine bedeutende Rolle bei der politischen Passivität der Opposition im Ausland. Vor dem Aufkommen der sozialen Netzwerke war der Kontakt zwischen den politischen Kräften innerhalb und außerhalb Irans sehr begrenzt. Wer im Ausland politisch wirken wollte, musste für eine wahrnehmbare Präsenz ein Mindestmaß an Organisation, Koordination und öffentlicher Aktivität aufbauen. Heute betrachten manche bereits die bloße Präsenz in sozialen Medien und das Äußern von Meinungen online als politische Tätigkeit. Zwar sind die sozialen Netzwerke für die Kommunikation und den Austausch mit der breiten Öffentlichkeit notwendig, und sie haben die Distanz zwischen Innen und Außen verringert – doch Politik lässt sich nicht auf virtuelle Präsenz reduzieren. Wirksame Politik hat ihre Füße auf dem Boden der Realität. Sie entsteht in enger Verbindung mit den gesellschaftlichen Schichten, deren Leben sie verändern will. Erst durch reale politische Bewegung, durch Organisierung und Handeln, wird Politik zu einer Kraft, die die Wirklichkeit verändert. Die Rolle der linken und progressiven Strömungen in künftigen Bewegungen Die Frau-Leben-Freiheit-Bewegung hat unter der iranischen Opposition – gleich ob rechts, links oder gemäßigt – eine bemerkenswerte Unruhe und Aktivität ausgelöst. Diese Bewegung hat jedoch bislang, aus vielfältigen Gründen, nicht zu nachhaltigen organisatorischen Veränderungen innerhalb der Opposition geführt. Obwohl klar war, dass die Unzufriedenheit in der Bevölkerung in Iran aufgrund von grundlegenden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen in naher Zukunft zu neuen Wellen des Protests führen wird, haben es linke und progressive Kräfte in der Diaspora versäumt, in der Zeit relativer politischer Ruhe inIn einem autoritären Land wie dem Iran jedoch, das unter einer der finstersten Formen politischer und religiöser Despotie leidet, sind Demokratie und Menschenrechte – selbst in der unvollkommenen Form westlicher Demokratien – ein grundlegendes gesellschaftliches Anliegen. Iran, im Ausland politische Strukturen aufzubauen. Die neuen Proteste im Winter 2025/2026, die als Protest gegen die sich rapide verschlechternde wirtschaftliche Lage begannen und sich schnell zu Protesten gegen das ganze Regime ausweiteten, wurden mit bisher ungekannter Brutalität niedergeschlagen. Die Zahl der Toten liegt nach aktuellen Schätzungen zwischen 7 und 20 Tausend, Tendenz steigend. Diese Proteste haben erneut das Fehlen einer organisierten Opposition mit linker/progressiver Einstellung deutlich gemacht. Zumal bei diesen Protesten im Gegensatz zu der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung auf den Straßen Irans neben den Bekannten Parolen(Nieder mit dem Diktator) auch viele Parolen zu Gunsten von Reza Pahlavi zu hören waren. Die Gründe dafür mögen unterschiedlich sein und es kann davon ausgegangen werden, dass nicht alle jene, die Pahlavis Namen gerufen haben, als seine Anhänger*innen bezeichnet werden können, sondern vor allem ihre totale Opposition zum System der Islamischen Republik zum Ausdruck bringen wollten. Dennoch offenbart sich hier die Leerstelle einer progressiven politischen Alternative zur Islamischen Republik einerseits und zu diktatorisch-monarchistischen Strömungen andererseits: Wenn in der Opposition nur eine klare, bekannte Alternative existiert(Pahlavi), wird bei Protesten eben dieser Name gerufen. Dabei deutet vieles darauf hin, dass die Werte und Programme der demokratisch-linken und progressiven 10 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Strömungen in der iranischen Gesellschaft über eine breite soziale Basis verfügen: von den Berichten der Sicherheitsapparate des Regimes über die“Verbreitung sozialistischer Ideen” bis hin zu halbwegs verlässlichen Umfragen, die zeigen, dass Strömungen wie die Sozialdemokratie beachtliche Zustimmung finden. Nach der GAMAAN Umfrage aus dem Jahr 2018 wäre in einer freien Wahl eine(imaginäre) sozialdemokratische Partei mit 20% nach einer Partei der Anhänger der konstitutionellen Monarchie(24%) die zweitstärkste Partei (Maleki, 2022). Diese Zahlen sind umso erstaunlicher, weil es in der Geschichte Irans nie eine große sozialdemokratische Partei mit diesem Namen existiert hat. Auch gibt es kaum bekannte politische Persönlichkeiten, die sich offen Sozialdemokrat nennen. Doch diese Zahlen sind nur prima facie überraschend. Die zentralen Forderungen weiter Teile der iranischen Gesellschaft – nach Demokratie und Menschenrechten, sozialer und ökologischer Gerechtigkeit, der Beseitigung aller Formen von Diskriminierung und friedlicher Zusammenarbeit mit der Welt – decken sich weitgehend mit den Zielen und Werten der linken und progressiven Strömungen. Schon der Hauptslogan der jüngsten Bewegung,“Frau, Leben, Freiheit” steht sowohl in seiner Herkunft als auch in seiner Bedeutung in enger Verbindung zu linken und progressiven Ideen. Deshalb bemühten sich rechte Kräfte rasch darum, sich von diesem Slogan zu distanzieren und ihn durch Parolen wie“Mann, Vaterland, Wohlstand” zu ersetzen. Die Monarchisten lehnen spätestens seit der Protestbewegung 2025/2026 die Parole„Frau, Leben, Freiheit“ offen ab. Pahlavi selbst hat jüngst die Parole aus seinen Social-Media-Accounts entfernt. Es gibt vermehrt Berichte, dass bei Pro-Pahlavi Demonstrationen in der Diaspora nur Parolen zu Gunsten von Pahlavi wie“Javeed Shah”(Ewig lebe der König) toleriert werden und Parolen wie„Frau, Leben, Freiheit“ oder sogar“Nieder mit dem Diktator”(gemeint ist Ali Khamenei) als“ablenkend” oder zu“links” geächtet wurden. Bedeutende Teile der Gesellschaft sind den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Programmen der Linken und Progressiven zugewandt. Doch es fehlt an Organisationen, die dieses Potenzial in politische Wirkung umsetzen könnten. Die Frau-Leben-FreiheitProtestbewegung hat die schmerzliche Leerstelle und zugleich die dringende Notwendigkeit handlungsfähiger linker und progressiver Institutionen sichtbar gemacht. Sie hat erneut gezeigt: Selbst wenn gesellschaftliche Bedingungen günstig und große Teile der Bevölkerung empfänglich für linke und progressive Werte sind, bleiben diese ohne Organisation ungenutzt. In den vergangenen drei Jahren haben sich innerhalb der iranischen Opposition zunehmend antidemokratische und gar faschistische Tendenzen gezeigt. Ein beachtlicher Teil der monarchistischen Opposition, die sich durch die aktuelle Protestbewegung gestärkt fühlt, lehnt mittlerweile offen linke, progressive und liberale Werte ab und erklärt die Linken offen als Feind, der nach der erfolgreichen “nationalen Revolution” zu Güsten von Pahlavi auch gewaltsam unterdrückt und beseitigt werden müsse. Die progressiven Kräfte müssen diesen Strömungen – nicht nur im theoretischen und diskursiven Raum, sondern auch praktisch durch Programm und Organisation – entgegentreten, wenn sie verhindern wollen, dass sich nach dem Sturz des jetzigen Regimes ein neuer reaktionärer Machtblock an dessen Stelle setzt. Rückkehr ins Zentrum Der Zustand der iranischen Opposition im Ausland – ob rechts, links oder gemäßigt – gleicht einem Boot, das in einem stillstehenden Meer reglos treibt. Von Zeit zu Zeit entsteht im Innern Irans eine Bewegung, deren Wellen und Stürme dieses unbewegte Boot in Bewegung setzen. Die linken und progressiven Kräfte im Exil können solche Bewegungen nicht selbst hervorbringen; ihr Ursprung liegt ausschließlich im Innern des Landes. Doch diese Kräfte könnten – in den Zwischenzeiten, wenn das Meer wieder still ist – selbst aktiv bleiben: sich organisieren, ihre Verbindungen nach innen vertiefen, neue Konzepte und Programme entwickeln. So könnten sie Segel errichten, die es ihnen ermöglichen, beim nächsten Aufbruch, wenn das Meer wieder tobt, den Wind der Bewegung zu nutzen, ihre Energie zu verstärken und zu lenken. Gelingt ihnen das, könnten sie ihr Boot näher an das nächste Ziel bringen: den Aufbau von politischen Strukturen die in enger Verbindung mit dem Innern des Landes stehen, einen Teil der iranischen Bevölkerung vertreten – jene, die den Programmen der Linken und Progressiven zugeneigt sind – und damit einen Schritt hin zu einem weiter entfernten Ziel machen: der Schaffung einer demokratischen Alternative und eines demokratischen Übergangs nach der Islamischen Republik. Wirksame linke und progressive politische Institutionen sind wie Segel, die geschaffen und aufgerichtet werden müssen. Die vorangegangene Analyse zeigt, dass die Schwäche der linken und progressiven Kräfte weniger aus einem Mangel an gesellschaftlicher Resonanz resultiert als aus einem Defizit an Organisation, politischer Praxis und institutioneller Selbstreflexion. Die Fähigkeit, die gegenwärtigen Schwächen zu erkennen, sich den beschriebenen Herausforderungen zu stellen und sie ernsthaft zu analysieren, ist eine Grundvoraussetzung für den Aufbau und die Institutionalisierung solcher Strukturen – und damit für eine bedeutsame, wirksame Präsenz der linken und progressiven Kräfte in der politischen Sphäre Irans. Nur eine solche Präsenz kann diese Kräfte wieder vom Rand ins Zentrum führen. Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora 11 Quellen Abrahamian, E.(1982). Iran Between Two Revolutions. Princeton University Press. Anderson-Connolly, R.(2019). A Leftist Critique of the Principles of Identity, Diversity, and Multiculturalism. Lexington Books. Azar, M.(2026). Bais in Media on 2025/2026 protests.(auf Persisch) Online verfügbar unter: https://www.instagram.com/p/DUSwBQdjb8C/?img_index=1. Bayat, A.(1987). Workers and Revolution in Iran. Zed Books Ltd., UK. 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Er war lange der koordinierende Referent der SPDBundestagsfraktion im Bereich Menschenrechte. Sarkohi publiziert auf Deutsch, Englisch und Persisch zur iranischen Kultur, Gesellschaft und Politik und übersetzt Literatur ins Persische zur Publikation in Iran. Vom Zentrum zum Rand: Über den Zustand der iranischen Linken in der Diaspora Der Beitrag untersucht die Rolle und den Zustand linker und progressiver Kräfte in der iranischen Diaspora nach der„Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung von 2022. Er fragt, warum es diesen Strömungen trotz gesellschaftlicher Dynamik bislang nicht gelungen ist, dauerhafte politische Strukturen zu entwickeln. Auf Grundlage einer qualitativen Analyse identifiziert der Text zentrale Problembereiche, darunter den Generationenbruch zwischen Aktivist*innen, die Abwendung von praktischer Politik, die Auswirkungen staatlicher Repression sowie strukturelle Defizite innerhalb bestehender Organisationen. Der Beitrag argumentiert, dass die Schwäche weniger auf mangelnde gesellschaftliche Anschlussfähigkeit als auf Defizite in politischer Praxis, Organisation und institutioneller Kontinuität zurückzuführen ist und betont die Bedeutung tragfähiger Strukturen für die Wirksamkeit künftiger Protestbewegungen in Iran. Further information on this topic can be found here: ↗ fes.de