STUDIE Vom Potenzial zur Wirkung Ergebnisse einer Verbleib- und Evaluationsstudie der Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Abteilung Studienförderung Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Claudia Abay, Rebecca Demars Kontakt ehemalige@fes.de Design/Layout Designbüro Petra Bähner Textierung LWP Kommunikation GmbH Druck und Herstellung AC Medienhaus, Wiesbaden Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES heraus­gegebenen M­ edien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. ­Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Dezember 2025 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. ISBN 978-3-98628-805-1 Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Vom Potenzial zur Wirkung Ergebnisse einer Verbleib- und Evaluationsstudie der Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung Inhalt Vorwort............................................................ 4 Die Begabtenförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung ....................... 8 Das Wichtigste auf einen Blick........................................ 10 Steckbrief der Verbleib- und Evaluationsstudie........................... 12 Kapitel 1: Chancen eröffnen – Wege gestalten........................... 14 Ein klares Ziel: Mehr Bildungsgerechtigkeit........................... 15 Gezielte Förderung kommt an...................................... 16 Motiviert und engagiert ........................................... 22 Kapitel 2: Erfolgreicher Aufstieg....................................... 26 Beruflich motiviert – gesellschaftlich engagiert........................ 27 Breites berufliches Spektrum....................................... 30 Hohe Zufriedenheit mit dem Berufsweg.............................. 33 Qualifiziert und engagiert.......................................... 36 Soziale Mobilität der Stipendiat:innen ............................... 39 2 Friedrich-Ebert-Stiftung Kapitel 3: Aktiv in der Gesellschaft.................................... 42 Verantwortung übernehmen........................................ 43 Gesellschaftspolitisch und sozial überdurchschnittlich aktiv ............. 46 Klarer Wertekompass: Freiheit und soziale Gerechtigkeit................ 49 Kapitel 4: Gut vernetzt .............................................. 50 Gefragte Angebote ............................................... 51 Hohe Bereitschaft, etwas zurückzugeben............................. 54 Aus Förderung wächst Netzwerk.................................... 59 Kapitel 5: Sie wirkt.................................................. 60 Ein Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit............................ 61 Fürs Leben gelernt................................................ 64 Abteilung Studienförderung 3 Vorwort Demokratie erneuert sich durch engagierte Menschen und durch diejenigen, die ihnen gleichberechtige Chancen eröffnen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1925 setzt sich die Friedrich-Ebert-Stiftung für die Förderung von Bildungsgerechtigkeit und die Stärkung von Demokratie ein. Begabte junge Menschen, die durch ihre Leistungen, ihr gesellschaftspolitisches Engagement und ihre Persönlichkeit überzeugen, werden um ihrer selbst willen gefördert. Die Förderung unterstützt junge Menschen dabei, ihre Potenziale zu entfalten und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die vorliegende Verbleibstudie belegt, wie unsere Förderung wirkt und wohin die Wege unserer Stipendiat:innen führen. Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Die große Mehrheit der Geförderten übernimmt berufliche Verantwortung in Bereichen, die für eine demokratische, solidarische und gerechte Gesellschaft von Bedeutung sind. Viele engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich und setzen Impulse, die weit über ihren eigenen Berufsalltag hinausreichen. Die Studie macht damit sichtbar, dass die eingesetzten Mittel wirkungsvoll, nachhaltig und gezielt zur Stärkung unserer demokratischen Kultur beitragen. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung sind die Ergebnisse der Verbleibstudie auch ein politisches Signal: Die Förderung von Bildung, gesellschaftlichem Engagement und demokratischer Handlungskompetenz ist ein wirksamer Beitrag zur Stabilität unserer Demokratie. Sie trägt nachweislich zur Bildungsgerechtigkeit bei, indem sie strukturell benachteiligte Personengruppen adressiert und unterstützt. 4 Friedrich-Ebert-Stiftung Als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied und ehemalige Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung bin ich stolz auf unsere Ehemaligen. Sie fühlen sich dem Netzwerk der Friedrich-Ebert-Stiftung weit über die Förderzeit hinaus verbunden, sind Multiplikator:innen der Sozialen Demokratie und geben ihr Wissen weiter. Mein Dank gilt den Verantwortlichen der Studie, dem Zentrum für Qualitätsanalyse der Technischen Universität Dresden, den Teilnehmer:innen der Befragung und allen Kolleg:innen, die täglich dazu beitragen, dass sich aus Potenzial Wirkung entfaltet. Die Ergebnisse dieser Verbleibstudie machen Mut. Sie zeigen, dass wir mit unserer Förderung Menschen begleiten, die bereit sind, Verantwortung zu tragen, Haltung zu zeigen und unsere Gesellschaft aktiv zu gestalten. Als Friedrich-Ebert-Stiftung werden wir auch in Zukunft unseren Beitrag leisten, damit sie diese Wege gehen können – frei, selbstbestimmt und getragen von den Werten der Sozialen Demokratie. Dr. Sabine Fandrych Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 5 In einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem soziale Ungleichheit zunimmt, Bildungschancen stark vom materiellen und kulturellen Kapital der Herkunftsfamilie abhängen und Förderprogramme für Menschen mit Benachteiligungen politisch zur Disposition gestellt werden, setzt die Studienförderung mit ihrer Arbeit einen wichtigen Kontrapunkt. Mit ihren Stipendien und der ideellen Förderung leistet die Friedrich-Ebert-Stiftung einen relevanten Beitrag zur erfolgreichen akademischen und beruflichen Qualifizierung und trägt nachweislich zur Bildungsgerechtigkeit bei, indem dezidiert auch strukturell benachteiligte Personen und verborgene Talente gefördert werden. Die Grundlage dafür bildet das Auswahlverfahren. Die Ergebnisse belegen, dass es der Stiftung in beeindruckender Weise gelingt, hoch engagierte Bewerber:innen zu gewinnen und auszuwählen. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Zufriedenheit und der späteren Berufslaufbahn der Geförderten. Vor dem Hintergrund der gesellschaftspolitischen Herausforderungen ist jenseits der beruflichen Erfolge die gesellschaftspolitische Verankerung der Geförderten sehr bedeutend. Die ehemaligen Stipendiat:innen sind nachhaltig gesellschaftspolitisch engagiert und stehen für demokratische Grundwerte der sozialen Gleichheit und Freiheit aktiv ein. Die Durchführung von Evaluationen ist heute in fast allen Organisationen gängige und gute Praxis, um die Funktionsweisen von Prozessen, die Durchführung von Projekten und die Erreichung der(selbstgesteckten) Ziele begutachten zu lassen. 6 Friedrich-Ebert-Stiftung Die nun vorliegenden Ergebnisse der Verbleib- und Evaluationsstudie beweisen die besonderen Stärken der FriedrichEbert-Stiftung und bieten die Chance, innezuhalten und (selbst-)reflektierend auf die eigene Arbeit zu blicken. Mit Blick auf die vergangenen Jahre ist dies ein Anlass für Dankbarkeit und Stolz und gleichzeitig ein Ansporn, uns in der Auswahl engagierter junger Menschen weiterhin für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit einzusetzen. Damit verbunden ist zugleich die Hoffnung, dass sich bei der Lektüre en détail und diskursiven Reflexion neue und kreative Ideen für die Zukunft entwickeln. Prof. Dr. Dorothée de Nève Professorin für das politische und soziale System Deutschlands und den Vergleich politischer Systeme, Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Politikwissenschaft Vorsitzende des Auswahlausschusses der Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 7 Die Begabtenförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung Bereits seit über 100 Jahren engagiert sich die Friedrich-Ebert-Stiftung für Bildungsgerechtigkeit und Demokratie. Die Vergabe von Stipendien ist 1925 ihr Gründungsauftrag gewesen. Die Abteilung Studienförderung unterstützt talentierte und zugleich engagierte junge Studierende und Promovierende sowie seit 2024 auch Auszubildende. Ein besonderes Augenmerk der Förderung liegt auf der Unterstützung von Gruppen, die im deutschen Bildungssystem strukturell benachteiligt sind: insbesondere Erstakademiker:innen, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Zudem setzt sich die Studienförderung dafür ein, mehr Studierende und Promovierende in den MINT-Fächern sowie an Fachhochschulen zu unterstützen. In die Auswahl aufgenommen werden begabte junge Menschen, die durch ihre Leistungen, ihr gesellschaftliches Engagement und ihre Persönlichkeit überzeugen. Rund 2.700 Studierende und Promovierende fördern wir jährlich aus den Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt(BMFTR) und des Auswärtigen Amtes(AA). Über 24.000 Stipendiat:innen haben unsere Förderung schon durchlaufen. Die aus Mitteln des Auswärtigen Amtes(AA) finanzierte Förderung internationaler Stipendiat:innen unterstützt ausländische Wissenschaftler:innen, Studierende und Promovierende. Sie prägt das internationale Profil der Abteilung Studienförderung sowie die globale Ausrichtung der Stiftung und steht im Einklang mit unserem Ziel einer solidarischen internationalen Gemeinschaft. 8 Friedrich-Ebert-Stiftung Die Abteilung Studienförderung versteht sich gleichermaßen als Unterstützerin und Partnerin der Geförderten. Neben der finanziellen Förderung erhalten unsere Stipendiat:innen eine umfassende ideelle Unterstützung aus persönlicher Beratung, Betreuung und einem vielfältigen Bildungs- und Vernetzungsangebot. Eingebettet sind sie dabei in ein enges Netzwerk aus ehemaligen Geförderten, Vertrauensdozent:innen, politischen Partner:innen und Mitarbeiter:innen. Die Förderung eröffnet damit vielfältige Chancen, ermutigt dazu, Verantwortung zu übernehmen, eigene Potenziale zu entfalten, sich persönlich weiterzuentwickeln und die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. So übernehmen denn auch viele Ehemalige bedeutende Rollen in Gesellschaft, Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Politik und stärken dadurch unsere Demokratie. Der Stiftung bleiben sie oft eng verbunden – auch deshalb, weil unser Engagement nicht mit dem Abschluss von Ausbildung oder Studium endet. Auch nach dem Stipendium unterstützen und ermutigen wir unsere Ehemaligen zum aktiven Einsatz in Politik, Ehrenamt oder Initiativen für eine demokratische Gesellschaft. So fördern wir nicht nur Einzelne, sondern immer auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Judith Illerhues Leiterin Abteilung Studienförderung Abteilung Studienförderung 9 Das Wichtigste auf einen Blick Seit ihrer Gründung im Jahre 1925 engagiert sich die Friedrich-Ebert-Stiftung aktiv für Bildungsgerechtigkeit und Demokratieförderung. Die Abteilung Studienförderung unterstützt hierzu talentierte und zugleich engagierte junge Studierende, Promovierende sowie seit 2024 erstmals auch Auszubildende, die ein ausgeprägtes gesellschaftspolitisches Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Eingebettet in ein enges Netzwerk aus ehemaligen Geförderten, Vertrauensdozent:innen, politischen Partner:innen und Mitarbeiter:innen der Stiftung werden die Stipendiat:innen materiell und ideell gefördert. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, junge, talentierte und engagierte Menschen zu fördern, insbesondere jene, die auf ihrem Lebens- und Bildungsweg strukturell benachteiligt werden. Die Förderung soll ihnen ermöglichen, faire Bildungsergebnisse zu erreichen, ihre berufliche Zukunft selbstbestimmt zu gestalten und gesellschaftlich wirksam zu werden. Die Intention dieser Studie ist es, den Verbleib der ehemaligen Stipendiat:innen, insbesondere den beruflichen Lebensweg, nachzuvollziehen. Welchen Einfluss hat die Förderung durch Stipendien und politische Bildungsangebote auf diese Lebenswege? Was funktioniert gut, was kann noch besser werden? Die Ergebnisse der Studie belegen die Wirkung der Förderung und zeigen, dass diese → zu mehr Bildungsgerechtigkeit beiträgt, da sie vor allem Erstakademiker:innen, Frauen und Menschen mit Einwanderungsgeschichte fördert; → die Geförderten beim Übergang in den Beruf unterstützt, der in eine erfolgreiche Berufslaufbahn mündet: mit sehr hoher beruflicher Zufriedenheit und volladäquaten Beschäftigungen; → zu einer höheren sozialen Mobilität führt: 53 Prozent der ehemaligen Stipendiat:innen sind im Vergleich zu ihren Eltern beruflich aufgestiegen; → das langfristige gesellschaftspolitische Engagement und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung fördert: Der Stiftung gelingt es, hoch engagierte Personen als Stipendiat:innen zu gewinnen und sie in ihrem Engagement zu bestärken – auch über die Zeit der Förderung hinaus; → sich in den starken Werteorientierungen der (ehemaligen) Geförderten widerspiegelt, die den Wertekompass der Sozialen Demokratie tragen; → tragfähige Netzwerke in die Friedrich-EbertStiftung hinein und darüber hinaus schafft. So wollen beispielsweise über 50 Prozent der Ehemaligen als Mentor:innen wirken, ihr Wissen als Expert:innen, Berater:innen für spezielle Themen oder als Referent:innen weitergeben. 10 Friedrich-Ebert-Stiftung „Das Stipendium war eine Anerkennung und eine zusätzliche Motivation, das Studium ernst zu nehmen und mich für die Gesellschaft einzusetzen. Mein Stipendium fiel in die Zeit der deutschen Einheit. Die Begegnungen mit ostdeutschen Studenten, die die Ebert-Stiftung unmittelbar nach dem Mauerfall bereits organisiert hat, sind für mich unvergesslich. Dass junge Menschen mit Migrationshintergrund Abitur machen und studieren, war in meiner westdeutschen Generation noch keineswegs selbstverständlich. Die Stiftung hat mit ihrer Begabtenförderung dazu beigetragen, dass sich an den Universitäten mehr und mehr die gesellschaftliche Wirklichkeit spiegelt.“ Dr. Navid Kermani , Schriftsteller „Die FES ist für mich ein wichtiges Forum für fruchtbaren Austausch mit Gleichgesinnten. Dank eines Stipendiums konnte ich in einer schwierigen beruflichen und persönlichen Situation als junge Mutter mit ausgelaufener Assistentenstelle meine Promotion fortsetzen und erfolgreich abschließen. Das wäre ohne die Förderung wahrscheinlich nicht möglich gewesen und wer weiß, wie sich mein Leben dann entwickelt hätte. Eine solche Solidarität bereits in einem frühen Stadium des Lebens zu erfahren, treibt mich an, selbst solidarisch zu sein. Denn die finanzielle Unterstützung junger Menschen in Studium und Promotion fördert die Chancengleichheit bei der Bildung und stärkt damit die Demokratie.“ Dr. Christine Fuchsloch , Präsidentin des Bundessozialgerichts Abteilung Studienförderung 11 Steckbrief der Verbleib- und Evaluationsstudie der Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) durchgeführt vom Zentrum für Qualitätsanalyse(ZQA) der TU Dresden Steckbrief Auftrag Verbleib- und Evaluationsstudie der Studienförderung einschließlich Befragung der aktuellen und ehemaligen Stipendiat:innen der FES Durchführung Projektleitung: Dana Frohwieser Prof. Dr. Karl Lenz Grundgesamtheit → Alle aktuell Geförderten in der Grundund Promotionsförderung → Alle ehemaligen Stipendiat:innen ab dem Geburtsjahr 1950 Online-Befragung: 30.10.2024–02.12.2024 Validierende Fokusgruppengespräche: 01–02/2025 Die vorliegende Publikation nimmt gezielt den Verbleib der Stipendiat:innen in den Fokus. Sie analysiert, wen die Stiftung für ein Stipendium gewinnt, wie dieses genutzt wird und wie sich die ehemaligen Stipendiat:innen auf ihrem weiteren Lebensweg entwickeln. Verfahren In die Studie wurden alle Stipendiat:innen der Stiftung ab dem Geburtsjahrgang 1950 einbezo gen. Im Mittelpunkt stand eine standardisierte Onlinebefragung von ca. 2.300 aktuell geförder ten Studierenden und Promovierenden und rund 14.100 ehemaligen Geförderten als Vollerhebung. Das Erhebungsinstrument, basierend auf den langjährigen Erfahrungen des ZQA mit Absolventenstudien, wurde unter Nutzung früherer Befragungen der Stiftung in enger Abstimmung mit der Abteilung Studienförderung erstellt. Bei den aktuell Geförderten konnte eine Netto-Rücklaufquote von 49 Prozent und bei den Ehemali gen von 34 Prozent erzielt werden. Zusätzlich wurden sechs Fokusgruppengespräche zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen durchgeführt. Zusammenfassung Um neben Gesamtergebnissen auch Aussagen über Veränderungen in der Arbeit der Studienförderung und ihrer Wirkungen machen zu können, wurden Kohorten gebildet. Für die Bildung der Förderkohorten wurde der Beginn der Förderung verwendet. Für die 1970er und 1980er Jahre wurden dabei jeweils zehn Jahre zusammengefasst; aufgrund des einsetzenden Anstiegs der Gefördertenzahlen im Weiteren dann jeweils fünf Jahre. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse auch differenziert nach sozialen Merkmalen(z. B. Geschlecht, soziale oder regionale Herkunft), Studienmerkmalen(z. B. Fächergruppe) und nach der Art der Förderung (z. B. Grund-, Promotionsförderung) betrachtet. Zu einigen Themenfeldern wurden nur die ehemaligen Geförderten befragt. 12 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 13 Kapitel 1: Chancen eröffnen – Wege gestalten So erreicht die Friedrich-Ebert-Stiftung die Studierenden und Promovierenden. 14 Friedrich-Ebert-Stiftung Ein klares Ziel: Mehr Bildungsgerechtigkeit In Deutschland sollte jede und jeder studieren können – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder dem Bildungsgrad der Eltern. Das ist der Anspruch. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Zu mehr Bildungsgerechtigkeit beizutragen, ist deshalb eines der wichtigsten Ziele der Friedrich-Ebert-Stiftung, ganz im Einklang mit ihrem Leitbild ↗ www.fes.de/ueber-uns/ueber-diefriedrich-ebert-stiftung/unser-selbstverstaendnis und Gründungsauftrag. Soziale Demokratie kann ihre Wirkung nur entfalten, wenn alle Menschen ungeachtet ihrer sozialen und kulturellen Herkunft die gleichen Chancen erhalten. Deshalb fördert die Stiftung begabte und engagierte junge Menschen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf diejenigen, die bei ihrem Hochschulzugang vor strukturellen Herausforderungen stehen. Denn auch im Jahr 2025 gibt es an den deutschen Universitäten und Hochschulen noch Bevölkerungsgruppen, die vergleichsweise unterrepräsentiert sind. Deswegen fördert die Friedrich-Ebert-Stiftung vorrangig folgende Fokusgruppen: → Erstakademiker:innen → Frauen → Studierende/Promovierende mit Einwanderungsgeschichte Eine zweite Fokussierung betrifft die Ausweitung der Förderung auf bislang in der Studienförderung der FES weniger beachteten Gruppen von Studierenden und Promovierenden. Die Stiftung hat eine starke Tradition vor allem in den Universitäten, und dort im sozialwissenschaftlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen oder geisteswissenschaftlichen Bereich. Um den Anteil dieser bisher in der Förderung unterrepräsentierten Gruppen zu erhöhen, legt die Friedrich-EbertStiftung besonderes Augenmerk auf: → Studierende/Promovierende an Fachhochschulen und → Studierende/Promovierende in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik(MINT). Info Eine Einwanderungsgeschichte ist dann vorhanden, wenn die Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben wurde und die betroffene Person oder zumindest ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurde. Als internationale Studierende gelten alle, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben haben und zum Studium nach Deutschland gekommen sind. Abteilung Studienförderung 15 Gezielte Förderung kommt an Das zeigt die vorliegende Studie deutlich. Sie analysiert die Entwicklung und Wirkung der Förderung durch die Friedrich-Ebert-Stiftung über mehrere Generationen von Stipendiat:innen hinweg. Vor allem die Förderung der Bildungsgerechtigkeit bei bislang unterrepräsentierten Gruppen gelingt gut, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der Erstakademiker:innen-Anteil ist mit 47 Prozent in der Friedrich-Ebert-Stiftung deutlich höher als unter den Studierenden generell (42 Prozent). Insbesondere zu Beginn des Jahr tausends gab es einen starken Anstieg, danach stabilisierte sich die Quote zwischen 45 und 47 Prozent. Bezüglich des Rückganges der Erstakademiker:innen-Quote im Vergleich zu den 1970er- und 1980er-Jahren ist zu berücksichti gen, dass sich seitdem die Bildungsqualifikationen der Elterngenerationen erheblich verändert haben. Nach den Kindern der Generation, die maßgeblich von der Bildungsexpansion profitiert haben, sind schon die Enkelkinder an den Hochschulen angekommen, wobei das Qualifikationsniveau der Generationen weiter angestiegen ist. Beim Geschlecht liegt die Quote der Stipendiatinnen mit 51 Prozent ähnlich hoch wie der aktu elle Frauenanteil unter den Studierenden in Deutschland. In den vergangenen Jahren konnte der Anteil kontinuierlich ausgebaut werden bis zum Erreichen der Gleichverteilung mit der Förderkohorte 2020–2024. Der Anteil der Geför derten mit Einwanderungsgeschichte ist seit 15 Jahren stetig auf inzwischen 29 Prozent angewachsen und liegt deutlich über dem aller Studierenden in Deutschland(17 Prozent). Die Friedrich-Ebert-Stiftung leistet also einen deutlichen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit und sozialer Mobilität. Noch nicht ganz erreicht ist dagegen die breite Verteilung in der Hochschullandschaft. Jedoch steigen die Quoten in allen Fällen auch hier. Bei den Studienrichtungen dominieren Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften(RWS). Der Anteil an Geförderten aus MINT-Studienrichtungen stieg in den vergangen 20 Jahren deut lich auf mittlerweile 20 Prozent an. Der Anteil der MINT-Studierenden in Deutschland liegt bei 37 Prozent. Die Stipendien an Fachhochschulen auszubauen , bleibt ein wichtiges Ziel. Allerdings hat sich der Anteil seit 2015 hier bereits verdoppelt. Grafiken(S. 17): Quelle der Vergleichsdaten Geschlecht Statistisches Bundesamt, Genesis 21311-01: Deutsche und ausländische Studierende im Wintersemester 2024/25 nach Hochschularten und Ländern Bildungshintergrund Quelle der Vergleichsdaten: 22. Sozialerhebung 2023: 28 Einwanderungsgeschichte Quelle der Vergleichsdaten: 22. Sozialerhebung 2023: 32 Studienfächer Statistisches Bundesamt, Genesis 21311-04: Deutsche und ausländische Studierende und Studienanfänger:innen im Wintersemester 2024/2025 nach Fächergruppen, eigene Berechnung Hochschultyp Statistisches Bundesamt, Genesis 21311-01: Deutsche und ausländische Studierende im Wintersemester 2024/25 nach Hochschularten und Ländern, eigene Berechnung 16 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 17 18 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 19 20 Friedrich-Ebert-Stiftung „Das Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung war für mich weit mehr als eine finanzielle Unterstützung. Es war ein Gefühl von Vertrauen: Jemand glaubte an mich, an meinen Weg, an mein Potenzial. Dieses Vertrauen hat meine persönliche und akademische Entwicklung entscheidend geprägt. Als jemand, der in seiner Familie der Erste war, der ein Studium aufgenommen hat, bedeutete die Förderung noch etwas anderes: Sie gab mir auch durch die ideelle Unterstützung und das breite Netzwerk Sicherheit, einen Weg gehen zu können, den vor mir niemand gegangen war. Und sie gab auch meiner Familie das Gefühl, dass dieser Weg richtig und möglich ist. Die FES hat mich motiviert, mich politisch und gesellschaftlich noch stärker einzubringen. Das Bewusstsein dafür, dass Engagement nicht nur eine Option, sondern ein Beitrag zu Gerechtigkeit und demokratischer Teilhabe ist, wurde während meiner Stipendienzeit entscheidend geprägt. Die Förderung hat mir ermöglicht, Verantwortung zu übernehmen – für andere, für die Gesellschaft und für die Werte, die uns als Sozialdemokrat:innen verbinden.“ Adis Ahmetović, Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, Außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion „Wegweisend“ – das war mein FES-Stipendium. Das denke ich heute sogar noch mehr als damals. Ich weiß noch, wie glücklich ich war. Durch die FES konnte ich einen nagenden Zweifel überwinden: ob ich an einer Universität überhaupt richtig bin. Inzwischen weiß ich, dass solche Zweifel typisch sind für Erstakademiker:innen wie mich. Der Austausch innerhalb des FES-Netzwerkes hat mich beflügelt und lange über die Studienzeit hinaus geprägt. Unter uns Stipendiat:innen sind ernstzunehmende Ideen und Initiativen entstanden: Der Impuls zur Gründung von „Europa macht Schule“ zum Beispiel, eine echte Erfolgsgeschichte, die gerade 20-jähriges Jubiläum feiert.“ Prof. Dr. Inken Heldt , Professur für das Politische System der Bundesrepublik Deutschland und Politische Bildung, Universität Passau, Vertrauensdozentin der Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 21 Motiviert und engagiert Warum bewerben sich junge, engagierte Menschen um ein Stipendium bei der Friedrich-Ebert-Stiftung? Von den aktuellen Stipendiat:innen nennt eine deutliche Mehrheit Ausrichtung und Zielsetzungen der Stiftung als Gründe für die Bewerbung. Über 90 Prozent der Stipendiat:innen haben sich auch deshalb beworben, weil sie zur geförderten Gruppe von Menschen mit gesellschaftspolitischem Engagement gehören. Für einen ähnlich hohen Anteil war die politische Orientierung der Stiftung mitentscheidend. Die Ausrichtung auf besonders förderungswürdige Fokusgruppen spielt ebenfalls eine große Rolle: Rund 70 Prozent der Stipendiat:innen fühlten sich dadurch angesprochen. Für viele besonders wichtig sind auch die ideellen Förderangebote der FES , wie Seminare oder die Unterstützung beim Auslandsstudium. Mehr Informationen dazu gibt es auch in Kapitel 4 22 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 23 „In meiner Familie bin ich der Erste, der ein Studium absolviert hat. Gerade in Deutschland hängt der Bildungsweg immer noch viel zu oft vom Elternhaus ab. Und genau deshalb ist das Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung für Erstakademiker:innen so wichtig. Es bietet nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern ein wirklich herausragendes Unterstützungsnetzwerk, das den Einstieg in die akademische Welt erleichtert und Orientierung gibt. Im Einklang mit unserem sozialdemokratischen Leitbild einer Gesellschaft der Freien und Gleichen hilft es jungen Menschen, die sich den Weg ins Studium nicht ohne Weiteres zutrauen oder überhaupt leisten können, diesen Schritt zu gehen. Darüber hinaus fördert die FES nicht nur die akademische Entwicklung, sondern auch das persönliche gesellschaftliche Engagement und eine selbstbestimmte kritische Haltung. Diese Mischung aus Bildung und politischer Auseinandersetzung war für mich von unschätzbarem Wert.“ Tim Klüssendorf , Mitglied des Deutschen Bundestages, Generalsekretär der SPD „Die Förderung durch die Friedrich-Ebert-Stiftung war für mich weit mehr als eine finanzielle Unterstützung. Sie hat mir ermöglicht, mich voll auf mein Jurastudium zu konzentrieren und gleichzeitig in der Hochschulgruppe sowie auf zahlreichen Seminaren Freundschaften zu knüpfen, die bis heute bestehen. Mein politisches Engagement war bereits ein wichtiger Teil meines Lebens, aber die ideelle Förderung hat mir den Raum gegeben, meine Überzeugungen zu vertiefen und noch aktiver Verantwortung in der Kommunalpolitik zu übernehmen. Besonders jungen Frauen mit Migrationshintergrund möchte ich Mut machen, sich zu bewerben. Unser Weg ist oft mit Hürden verbunden, die nicht immer für jeden sichtbar sind – ein Stipendium kann diese Hürden deutlich verringern und den Weg ebnen.“ Pelin Şentürk , Rechtsanwältin und Doktorandin 24 Friedrich-Ebert-Stiftung „Das Promotionsstipendium war für mich eine Art Lebensrettung. Ende der 1990er-Jahre galt in Deutschland die Regel, dass ausländische Studierende nach dem Abschluss in ihr Herkunftsland zurückkehren müssen. Damals befand sich mein Heimatland Algerien im Bürgerkriegszustand. Sechzehn Jahre nach meiner Ankunft in Deutschland – damals ohne Deutschkenntnisse – erhielt ich eine Professur an der Universität Marburg. Ohne das Stipendium wäre dieser Weg kaum denkbar gewesen. Ich gehöre wahrscheinlich zu den ersten Professor:innen aus dem arabischen Raum. Die Förderung ermöglicht Menschen aus nicht privilegierten oder marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen den Zugang zu Bildung und damit zu gesellschaftlicher Teilhabe. Sie schafft Chancen, wo sonst Barrieren bestünden, und trägt durch die Vielfalt ihrer Stipendiat:innen aktiv zu mehr Diversität im akademischen Raum bei. Gleichzeitig stärkt die Stiftung demokratische Werte, indem sie kritisches Denken, gesellschaftliches Engagement und Verantwortungsbewusstsein fördert.“ Prof. Dr. Rachid Ouaissa , Professor für Politik des Nahen und Mittleren Ostens am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien(CNMS) der Philipps-Universität Marburg und Leiter dieses Fachgebiets, Mitglied des Auswahlausschusses der Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 25 Kapitel 2: Erfolgreicher Aufstieg Stipendat:innen zeigen ein hohes berufliches und gesellschaftspolitisches Engagement 26 Friedrich-Ebert-Stiftung Beruflich motiviert – gesellschaftlich engagiert Die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt die Stipendiat:innen an einem zentralen Punkt – mitten in der Qualifizierung für ihren weiteren Weg durchs Leben. Jetzt entscheiden sie über ihre beruflichen Möglichkeiten und Ziele – und dies tun sie sehr bewusst und mit großem Engagement. Die Kohorte der Jahre 2020–2024 belegen: 67 Prozent der Stipendiat:innen sind kurz nach Beendigung des Studiums bereits in den Beruf gestartet, ob als Angestellte oder Selbstständige. 15 Prozent arbeiten an ihrer Promotion, 13 Prozent studieren noch oder haben eine weitere Ausbildungsphase hinzugenommen. In den mittleren Kohorten zwischen 1995 bis 2014 stehen nahezu alle Absolvent:innen voll im Berufsleben, meist als Angestellte, aber auch mit zunehmender Erfahrung als Selbstständige oder Freiberufler:innen, hierzu gehören auch politische Mandate. Selbst im Rentenalter sind viele ehemalige Stipendiat:innen noch beruflich aktiv: Aus den Jahrgängen 1968–1979 bringen sich noch 31 Prozent in selbstständiger oder freier Tätigkeit ein, 17 Prozent sind angestellt. Abteilung Studienförderung 27 28 Friedrich-Ebert-Stiftung „Mit dem Stipendium der FES habe ich plötzlich eine enorme Verantwortung gespürt, die Menschen nicht zu enttäuschen, die Erwartungen an mich gestellt haben und mich gefördert haben. Die Förderung hat mir geholfen, mich fit zu machen für eine Aufgabe, bei der ich etwas gesellschaftlich Wichtiges leisten kann. Davon zehre ich bis heute.“ Dr. Kai Gniffke , Intendant des Südwestrundfunks(SWR) „Das Promotionsstipendium der FES hat erheblich zu meiner Persönlichkeitsentwicklung beigetragen, mich im Einsatz für eine solidarische Gesellschaft bestärkt und mir ermöglicht, meine persönlichen und beruflichen Ziele zu verfolgen. Heute leite ich gemeinsam mit einer Freundin ein kleines Planungsbüro, das sich auf den gemeinnützigen Wohnungsbau spezialisiert hat mit dem Ziel, bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum für möglichst viele Menschen zu schaffen. Die FES hat mir dies – auch als Frau – in einem noch immer männerdominierten Berufsfeld ermöglicht.“ Sabine Wolf , Dr. sc ETH, Dipl.-Ing. Abteilung Studienförderung 29 Breites berufliches Spektrum Bei der Berufswahl zeigen die Stipendiat:innen ein breites Spektrum: 54 Prozent arbeiten im Öffentlichen Dienst, rund 14 Prozent bei Vereinen, Verbänden oder den Kirchen. Ein knappes Drittel ist in die freie Wirtschaft gegangen. Je nach gewählter Studienrichtung zeigen sich klare Unterschiede: Die Stipendiat:innen aus dem MINT-Bereich arbeiten zu 52 Prozent im privaten Sektor, die aus den Geisteswissenschaften dagegen zu 65 Prozent im Öffentlichen Dienst. Im Einzelnen sind die meisten Stipendiat:innen aktuell mit einem Anteil von jeweils rund 19 Prozent in Hochschule/Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft tätig. Weitere 9 Prozent entfallen jeweils auf Verbände/Vereine und den Bereich Gesundheit/ Soziales. Insgesamt sind damit drei Viertel aller ehemaligen Stipendiat:innen in diesen fünf Bereichen tätig – mit zu erwartenden Präferenzen bei den Fächergruppen. 80 Prozent der Mediziner:innen arbeiten später im Berufsfeld Gesundheit und Soziales. Bei den MINT-Fächern ist die Wirtschaft das wichtigste Tätigkeitsfeld. 30 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 31 „Das Stipendium finanzierte mein Forschungsprojekt, sodass ich drei Jahre konzentriert arbeiten konnte; dabei knüpfte ich Freundschaften und Kooperationen in der Stipendiat:innen-Gruppe und erhielt fächerübergreifende Impulse, die mir noch immer zugutekommen. Die Wertschätzung und Unterstützung der FES(zum Beispiel durch die Einladung zu Veranstaltungen, die Gelegenheit, eigene Veranstaltungen zu planen oder auch in Publikationen wie der NG/FH schreiben zu dürfen) hat mich motiviert, mein Selbstbewusstsein gestärkt und mir geholfen, mich als Autorin und Wissenschaftlerin zu finden.“ Prof. Dr. Jasmin Siri , Vertretung der Professur für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU München, Mitglied des Auswahlausschusses der Friedrich-Ebert-Stiftung 32 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Hohe Zufriedenheit mit dem Berufsweg Adäquate Tätigkeiten Um festzustellen, ob eine Tätigkeit für den erworbenen Hochschulabschluss„angemessen“ ist, wird erfasst, ob die berufliche Position(Positionsadäquanz) und das Niveau der Arbeitsaufgaben(Niveauadäquanz) der erworbenen Qualifikation entsprechen bzw. die beruflichen Aufgaben dem studierten Fach(Fachadäquanz). Eine Erwerbstätigkeit ist …. →„volladäquat“, wenn sowohl die Positions-, Niveau- und Fachadäquanz gegeben ist und ein Hochschulabschluss auch als notwendig erachtet wird, →„vertikal adäquat“, wenn nur die Positions- und Fachadäquanz gegeben sind, →„horizontal adäquat“, wenn nur Fachadäquanz vorliegt, und →„inadäquat“, wenn keines dieser Kriterien zutrifft. Die ehemaligen Stipendiat:innen sind nach ihrem Studium bzw. ihrer Promotion beruflich erfolgreich. Das gilt sowohl nach subjektiven Kriterien – sie kommen im Berufsleben da an, wo sie sich wohlfühlen – als auch nach objektiven Kriterien wie dem Gehalt. Aus ihrer eigenen Perspektive sagen 88 Prozent, dass sie mit ihrer aktuellen bzw. der letzten Tätigkeit zufrieden sind. Lediglich vier Prozent verneinen dies. Zudem entspricht für die meisten ihre Tätigkeit auch ihrer erreichten Qualifikation und Ausbildung: 81 Prozent finden sie vollstän dig angemessen. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt dabei der Anteil derjenigen, die volladäquat beschäftigt sind. Das spiegelt sich auch in der Vergütung: Jede:r dritte Stipendiat:in verdient zwischen 4.000 und 6.000 Euro brutto pro Monat, fast die Hälfte (48 Prozent) sogar mehr als das. Das mittlere Einkommen(Median) liegt ebenfalls bei 5.000 bis 6.000 Euro, Erstakademiker:innen und Stu dierende mit Einwanderungsgeschichte erreichen erfreulicherweise ähnliche Einkommensstufen. Promovierte, genauer diejenigen mit Promotionsförderung, verdienen entsprechend ihrer höheren Qualifikation etwas mehr. Allerdings gibt es zwischen den Geschlechtern noch einen deutlichen Gender Pay Gap. Abteilung Studienförderung 33 34 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 35 Qualifiziert und engagiert Im Vergleich zu den Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss insgesamt ist von den Stipendiat:innen der Friedrich-Ebert-Stiftung mit rund 70 Prozent ein noch höherer Anteil mit hochkomplexen Tätigkeiten befasst: Sie sind in Forschung und Entwicklung, im Wissenschaftsbereich oder übernehmen Führungsaufgaben in Unternehmen. Der ebenfalls etwas höhere Anteil in den einfachen Tätigkeiten liegt fast ausschließlich an den jüngeren Jahrgängen: Aus der Kohorte 2020–2024 geben noch 13 Prozent eine Helferund Anlerntätigkeit an, sie starten gerade in ihr Berufsleben. Mit wachsendem Abstand zum Studium verschwindet diese Tätigkeitsform. Helfer- und Anlerntätigkeiten sind typischerweise einfache, wenig komplexe(Routine-)Tätigkeiten, für die in der Regel keine oder nur geringe spezifische Fachkenntnisse erforderlich sind. Normalerweise wird kein formaler beruflicher Bildungsabschluss bzw. lediglich eine einjährige(geregelte) Berufsausbildung vorausgesetzt. Fachlich ausgerichtete Tätigkeiten setzen fundierte Fachkenntnisse und Fertigkeiten voraus, die meist im Rahmen einer zwei- bis dreijährigen Berufsausbildung, durch Abschluss an einer Berufsfach- bzw. Kollegschule oder eine entsprechende Berufserfahrung erworben werden. Komplexe Spezialistenätigkeiten sind mit Spezialkenntnissen und-fertigkeiten verbunden: höhere Anforderungen an das fachliche Wissen, gehobene Fachund Führungsaufgaben sowie Planungsund Kontrolltätigkeiten. Basis ist meist eine Meister- oder Technikerausbildung bzw. ein gleichwertiger Fachschul- oder Hochschulabschluss, häufig auch entsprechende Berufserfahrung und/oder informelle berufliche Ausbildung. Hoch komplexe Tätigkeiten erfordern ein hohes Kenntnis- und Fertigkeitsniveau: Entwicklungs-, Forschungsund Diagnosetätigkeiten, Wissensvermittlung sowie Leitungs- und Führungsaufgaben innerhalb eines(großen) Unternehmens. Voraussetzung ist in der Regel eine mindestens vierjährige Hochschulausbildung mit Abschluss und/oder eine entsprechende Berufserfahrung, manchmal auch eine Promotion bzw. Habilitation. Klassifikation nach Bundesagentur für Arbeit(gekürzt) Grafik(S. 35): Quelle der Vergleichsdaten Mikrozensus Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen zu den Erhebungszeiträumen 2016, 2018, 2019 und 2022(gemittelte Werte, Annahme der Konstanz der beruflichen Stellung im Zeitverlauf). Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung Bildung in Deutschland 2024: Tab. F5-7web; eigene Berechnung 36 Friedrich-Ebert-Stiftung „Dank des Promotionsstipendiums der Friedrich-EbertStiftung konnte ich im Rahmen mehrerer Auslandsaufenthalte in Kanada mit besonderen Analysemethoden arbeiten. Diese Erfahrungen ermöglichten es mir, einen eigenständigen inhaltlichen Schwerpunkt in meiner Forschungsarbeit zu setzen, der prägend für meinen beruflichen Weg war. Die enge Verbindung zur Stiftung und ihrem starken Netzwerk halte ich bis heute aufrecht – aktuell durch mein Engagement im Vorstand von FES-Ehemalige e.V. und als Vertrauensdozent.“ Dr. Stefan Mitzinger, Referent beim Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten, Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 37 „Die Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung hat mir zu einem frühen Zeitpunkt im Studium neue Netzwerke eröffnet, zu denen ich anders keinen Zugang bekommen hätte. Besonders wertvoll war für mich die ideelle Förderung. Im Verlauf hat mir die Promotionsförderung einen wichtigen Auslandsaufenthalt ermöglicht und das Gelingen meiner Promotion wesentlich beschleunigt. Ich wäre ohne die Förderung der Friedrich-Ebert-Stiftung nicht da, wo ich heute bin!“ Univ.-Prof. Dr. med. Anne Flörcken , Oberärztin, Medizinische Klinik m. S. Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin 38 Friedrich-Ebert-Stiftung Soziale Mobilität der Stipendiat:innen Im Vergleich mit der Stellung ihrer Eltern zeigt sich bei den Stipendiat:innen eine klare Verschiebung zugunsten der hochkomplexen Tätigkeiten. Während die Elterngeneration bei fast der Hälfte höchstens im Bereich der Helfer- und fachlichen Tätigkeiten beschäftigt war, sind von den Stipendiat:innen über 87 Prozent mit komplexen bis hochkomplexen Tätigkeiten betraut. Im Mittel sind rund 53 Prozent der Absolvent:innen im Vergleich zu ihren Eltern beruflich aufgestiegen. Besonders auffällig ist dieser Effekt bei denjenigen, deren Eltern relativ einfache Tätigkeiten ausüben: → Von den Stipendiat:innen, deren Eltern das Anforderungsniveau Helfer- und Anlerntätigkeit aufwiesen, haben 63 Prozent ihre berufliche Stellung auf das Anforderungsniveau der hochkomplexen Tätigkeit und weitere 18 Prozent auf das der komplexen Spezialistentätigkeit verbessern können. → Vom Anforderungsniveau fachlich ausgerichtete Tätigkeit haben sich mit 67 Prozent sogar noch mehr zum Niveau der hochkomplexen Tätigkeit verändert. Bedenkt man dabei, dass in den jüngeren Kohorten viele noch am Beginn ihrer Laufbahn stehen, so zeigen diese Zahlen einen enormen Einfluss auf die soziale Mobilität der Stipendiat:innen. Abteilung Studienförderung 39 40 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 41 Kapitel 3: Aktiv in der Gesellschaft Stipendiat:innen setzen sich ein 42 Friedrich-Ebert-Stiftung Verantwortung übernehmen Die Friedrich-Ebert-Stiftung fördert gezielt Menschen, die sich in der Gesellschaft einbringen. Dieses Engagement zu unterstützen und zu verstetigen, ist ein zentrales Anliegen. Fast zwei Drittel der Ehemaligen zeichneten sich vor der Förderung durch ein hohes Engagement aus. Ein weiteres Viertel sah sich zumindest im mittleren Bereich. Durch die Stipendien können die Befragten zudem ihren Einsatz in der Gesellschaft erhöhen: Annähernd jede und jeder Dritte bezeichnete ihn als sehr hoch. Die finanzielle und ideelle Unterstützung schafft also den notwendigen Freiraum , um sich aktiv einzubringen. Die Ehemaligen geben, befragt nach dem aktuellen Einsatz, ein geringeres Engagement an. Nach der Förderung stehen sie meist Vollzeit im Berufsleben, gründen eine Familie oder haben Sorgeaufgaben. Entsprechend weniger Zeit bleibt für zusätzliche Aktivitäten. Rund 58 Prozent bezeichnen sich aber weiterhin als aktiv. Abteilung Studienförderung 43 44 Friedrich-Ebert-Stiftung „Gern erinnere ich mich zurück an die vielen mutmachenden Gespräche mit den anderen Stipis zu Hochs und Tiefs in der Promotionszeit und über unser gesellschaftspolitisches Engagement in Partei, Verein oder der Hochschule. Engagement ist so wichtig für unsere Gesellschaft! Heute gehört Engagementforschung zu meinen Forschungsschwerpunkten.“ Prof. Dr. Andrea Walter , Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie, HSPV NRW, Mitglied des Auswahlausschusses der Friedrich-Ebert-Stiftung „Ich habe die ersten 18 Jahre in einer Diktatur gelebt, in einem Unrechtsstaat. Ich habe die schwierigen Jahre der Transformation danach erlebt: von Konfusion, Unverständnis, Arbeitslosigkeit, Frustration bis zu grenzenloser Freude und Dankbarkeit – alles war dabei, in jeder Familie. Jetzt Teil einer demokratischen Gesellschaft sein zu können, ist für mich ein besonderer Wert. Wir sehen ja gerade sehr deutlich, was passiert, wenn man demokratische, freiheitliche Ordnungen in Frage stellt und versucht, einzuschränken, zu beschädigen, zugunsten einzelner umzubauen. Für mich war das„Ob“ nie eine Frage, nur das „Wie“: Wie will ich mich engagieren, mit wem etwas erreichen? Das Stipendium hat Türen aufgemacht in Netzwerke, die ich sonst nicht hätte. Gleichgesinnte mit gleicher Freude am Engagement. Es motiviert mich jedes Mal wieder, es ist irgendwie noch besser als ein„perpetuum mobile“: ich gebe Energie und Freude hinein und es kommt vervielfacht zurück!“ Dr. Antje Draheim , Juristin, Coachin/Beraterin, Staatssekretärin a. D., Mitglied des Auswahlausschusses der Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 45 Gesellschaftspolitisch und sozial überdurchschnittlich aktiv Ehemalige Stipendiat:innen der FriedrichEbert-Stiftung bringen sich in ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft ein – und das meist in deutlich stärkerem Ausmaß als dies in der Gesamtbevölkerung der Fall ist. Der Deutsche Freiwilligensurvey erfasst das Engagement der Menschen in Deutschland: Hier zeigt sich eine stärkere Beteiligung von fast 14 Prozent vor allem im Sport, alle anderen Bereiche sind deutlich weniger gefragt. Die Ehemaligen der Friedrich-Ebert-Stiftung engagieren sich für vielfältige Ziele – und oft in Bereichen, die einen breiteren gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern: Mehr als jede:r Vierte ist politisch aktiv, jede:r Fünfte setzt sich für soziale Belange ein, und 17 Prozent sind in Gewerkschaften und anderen beruflichen Interessenvertretungen organisiert. 46 Friedrich-Ebert-Stiftung „Das Stipendium war für mich eine große Bestärkung, vor allem im Hinblick auf mein politisches Engagement. Insbesondere die Workshops und Seminare waren sehr wertvoll und haben mir über das klassische Studium hinaus wertvolle Impulse gegeben. Ich möchte, dass meine Kinder auch in Zukunft das Privileg erleben dürfen, in einer echten Demokratie leben zu dürfen. Dass sie immer ihre freie Meinung äußern dürfen und in Freiheit leben können. Den Mut, dafür laut zu werden und mich aktiv einzusetzen, konnte ich auch dank des Stipendiums entwickeln. Denn wenn andere an einen glauben, fällt es viel leichter, auch selbst an sich zu glauben.“ Natascha Sargorski , Autorin, Speakerin& Geschäftsführende Gesellschafterin Abteilung Studienförderung 47 „Ein besonders prägendes Erlebnis war für mich das Jubiläum„100 Jahre Friedrich-Ebert-Stiftung“, bei dem ich als Stipendiat und Gesprächspartner ausgewählt wurde. In einer Podiumsdiskussion mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und weiteren beeindruckenden ehemaligen Stipendiat:innen durfte ich über die Gestaltung einer sozialen Demokratie sowie über meine eigenen demokratischen Vorstellungen sprechen. Meine Motivation, mich politisch und gesellschaftlich zu engagieren, entspringt meinem Erleben sozialer Ungerechtigkeit und meinen eigenen Rassismus-Erfahrungen. Wir haben heute das Privileg, unsere Demokratie aktiv mitzugestalten – und wir tragen Verantwortung für diejenigen, die keine Stimme haben.“ Mouataz Alshaltouh , Schauspieler 48 Friedrich-Ebert-Stiftung Klarer Wertekompass: Freiheit und soziale Gerechtigkeit Der Wertekompass der Sozialen Demokratie wird von den Stipendiat:innen der FriedrichEbert-Stiftung in hohem Maße mitgetragen. Die Zustimmung zu den beiden Wertemustern soziale Gerechtigkeit und Freiheit ist mit 79 Prozent bzw. 76 Prozent fast gleich stark ausgeprägt – mit einer über die Jahre weiter steigenden Tendenz: In der aktuellen Kohorte 2020–2024 stehen rund 87 Prozent für soziale Gerechtigkeit ein, beim Wertemuster Freiheit sind es 81 Prozent. Die zentralen Werte der Sozialen Demokratie motivieren also gerade die jungen Menschen verstärkt. Abteilung Studienförderung 49 Kapitel 4: Gut vernetzt Wie die Stiftung ihre Stipendiat:innen unterstützt 50 Friedrich-Ebert-Stiftung Gefragte Angebote Die Friedrich-Ebert-Stiftung stellt ihren Stipendiat:innen verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung: von Seminaren bis zur individuellen Beratung. Da die Angebote für die älteren Förderkohorten nicht vergleichbar sind, stehen hier die Ehemaligen ab 2014 und die aktuellen Stipendiat:innen im Fokus. Diese Gruppe hat die Angebote gerne wahrgenommen und oft besucht – individuelle Förderung wie Mentoring kommt dabei ähnlich gut an wie stipendiatische Arbeitskreise oder Seminare. Die individuelle Betreuung durch die Abteilung Studienförderung ist insbesondere für diejenigen wichtig, die sich im deutschen Hochschulsystem nicht ohne weiteres auskennen. Daher nutzen nicht deutsche Staatsangehörige sowie Studierende mit Einwanderungsgeschichte das Angebot überdurchschnittlich häufig. Die Stiftung kann diese Studierenden hier ganz konkret unterstützen. Manche Bedeutung tritt erst in der Rückschau klar hervor: Dies gilt zum Beispiel für die gesellschaftspolitischen Seminare der Stiftung. Während immerhin jede:r Zweite aktuelle Stipendiat:in sie sehr oder eher nützlich findet, fällt die Bewertung mit etwas zeitlichem Abstand noch einmal deutlich positiver aus: Über 85 Prozent empfanden sie als nützlich. Nicht deutsche Stipendiat:innen profitierten wiederum nach ihrer Einschätzung besonders davon. Abteilung Studienförderung 51 52 Friedrich-Ebert-Stiftung „Ich bin der FES sehr dankbar für das Stipendium während meiner Studienzeit. So hatte ich neben den fachlichen Schwerpunkten auch Zugang zur Demokratiebildung und Netzwerken, die mich heute noch weiterbringen.“ Felix Heinrichs , Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach „Das Stipendium ist nach wenigen Jahren vorbei, ehemalige Stipendiatin werde ich zum Glück immer bleiben. Ich kann ohne Übertreibung sagen: Mein Studium wäre ohne das Stipendium der FES nicht das Gleiche gewesen. Die ideelle Förderung durch Seminare und mein bis heutes wachsendes Netzwerk ehemaliger Stipendiat:innen prägen mein berufliches und persönliches Leben.“ Katharina Junge, Leiterin CEO-Kommunikation, Deutsche Bahn AG Abteilung Studienförderung 53 Hohe Bereitschaft, etwas zurückzugeben Die Vernetzung und die Einbindung ehemaliger Geförderter in das Netzwerk ist ein zentrales Anliegen der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ein Großteil der Ehemaligen hat ein hohes Interesse an einer Beteiligung und Vernetzung nach dem Abschluss der Förderung. Viele empfinden ein starkes Zugehörigkeitsgefühl und große Dankbarkeit. Sie schätzen den offenen, vertrauensvollen Umgang innerhalb der Stiftung sowie das Bewusstsein, mit Ehemaligen weltweit verbunden zu sein. Mehr als jede:r Dritte empfiehlt die Förderung gerne weiter und wirbt dafür. Für eine konkrete Beteiligung eröffnet das gute Chancen, und diese gilt es auszubauen: Viele Ehemalige können sich in Zukunft eine aktivere Mitarbeit vorstellen. So wäre rund die Hälfte bereit, als Mentor:in, Referent:in bei Veranstaltungen oder als Expert:in oder Berater:in für spezielle Themen mitzumachen. Besonders hoch ist die Motivation für ein späteres Engagement bei der Stiftung übrigens bei einem Teil derjenigen, die von der Förderung besonders profitiert haben: Nicht deutsche Ehemalige und diejenigen mit Einwanderungsgeschichte erklären noch deutlich häufiger ihre Bereitschaft. 54 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 55 „Als Stipendiatin erlebte ich während Studium und Berufseinstieg ein starkes Netz aus lokaler Unterstützung. Die FES-Büros in Jakarta, Singapur, Manila und Delhi standen mir als verlässliche Ansprechpartner zur Verfügung, eröffneten wertvolle Einblicke und Kontakte vor Ort. Hierdurch konnte ich Praktika, Forschungsaufenthalte, meine Promotion in Soziologie sowie die Habilitation in Entwicklungsforschung erfolgreich realisieren. Das fortwährende„Ermöglichen“ der Stiftung prägt noch heute mein Engagement für Studierende und Partner weltweit.“ Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge , Direktorin des German Institute of Development and Sustainability(IDOS) und Professorin für Globale Nachhaltige Entwicklung an der Universität Bonn 56 Friedrich-Ebert-Stiftung „Als ich in die Studienförderung aufgenommen wurde, konnte ich nicht ahnen, wie sehr ich im Netzwerk Gleichgesinnte und viele enge Freund:innen finden werde, sogar jetzt noch nach 15 Jahren im Netzwerk. Das FES-Netzwerk ist für mich eine Heimat, die überall sein kann, weil es überall Leute aus dem Netzwerk gibt, auf die man bauen kann. Ohne das Stipendium hätte ich weder Auslandsaufenthalte noch Praktika in anderen Städten gewagt. Was ich jetzt bin, wäre ich nicht ohne die FES.“ Dr. Carsten Schwäbe , Volkswirt und Politikwissenschaftler, Projektleiter am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung „Den stets offenen und spannenden Austausch mit anderen Stipendiat:innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und mit vielfältigen Hintergründen empfand ich als unendlich bereichernd. Daraus sind einige unheimlich wertvolle Freundschaften entstanden. Die gegenseitige Stärkung und Unterstützung waren einfach großartig, es fühlte und fühlt sich bis heute wie eine Familie an. Mich motiviert der Wunsch, die Demokratie weiter zu demokratisieren und zugleich die transformative Kraft und Macht der Zivilgesellschaft zu spüren. Besonders toll ist es auch, inspirierenden Verbündeten zu begegnen, die für das gleiche Anliegen kämpfen. Dank der ideellen Förderung konnte ich an wertvollen Seminaren teilnehmen, relevante Kompetenzen für mein Engagement gezielt weiterentwickeln und mein Selbstbewusstsein stärken.“ Dr. Carolina Tobo Tobo , Beraterin und Trainerin Abteilung Studienförderung 57 58 Friedrich-Ebert-Stiftung Aus Förderung wächst Netzwerk Auch nach dem Ende der Förderung bleibt die Friedrich-Ebert-Stiftung mit den ehemaligen Stipendiat:innen im Kontakt und bietet ihnen weiterhin Unterstützung. Rund zwei Drittel der Ehemaligen bewerten die Angebote der Fachabteilungen positiv und nehmen Hinweise zu interessanten Veranstaltungen aktiv wahr. Das Begrüßungsseminar für neue ehemalige Stipendiat:innen stößt bei den Geförderten ebenfalls auf Interesse. Die Internationalen Ehemaligen empfinden die Unterstützung ihrer wissenschaftlichen Arbeit als besonders nützlich. Abteilung Studienförderung 59 Kapitel 5: Sie wirkt Die Friedrich-Ebert-Stiftung fördert die Entwicklung ihrer Stipendiat:innen 60 Friedrich-Ebert-Stiftung Ein Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit Die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt Stipendiat:innen bei Studium, Promotion und Ausbildung – finanziell und ideell mit zahlreichen flankierenden Angeboten. Für viele Ehemalige war dies von entscheidender Bedeutung für ihren Lebensweg. Zwar gehören die Geförderten zu den besonders motivierten Studierenden und Promovierenden, die ihre Ziele oft engagiert verfolgen. Ohne Förderung wäre ein erfolgreiches Studium bei vielen der Stipendiat:innen jedoch weniger selbstverständlich gewesen. So sagen 56 Prozent derjenigen, die bereits aus Akademiker:innenhaushalten kommen, dass sie auch ohne Stipendium erfolgreich studiert hätten. Unter den Erstakademiker:innen meinen dies mit 44 Prozent aber deutlich weniger. Auch nicht deutsche Ehemalige glauben im Vergleich zu denjenigen mit deutscher Staatsangehörigkeit seltener, dass sie das Studium ohne die Förderung erfolgreich abgeschlossen hätten. Abteilung Studienförderung 61 62 Friedrich-Ebert-Stiftung „Die Studienförderung der FES hat mir den Freiraum gegeben, mein politisches Engagement mit meinem Mathematikstudium und meiner anspruchsvollen Promotion zu verbinden. Ohne diese Unterstützung hätte ich viele wertvolle Erfahrungen und Begegnungen nicht sammeln können. Die Förderung war für mich eine echte Bereicherung – fachlich, persönlich und gesellschaftlich – für die ich noch heute dankbar bin.“ Dr. Julia Plehnert , Büroleiterin der Ministerin, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Vertrauensdozentin der Friedrich-Ebert-Stiftung „Als junge Frau mit Migrationsbiografie, Arbeiterinnenkind und Erstakademikerin gab es viele Gründe, sich an einer Universität nicht sofort zugehörig zu fühlen. Ich erinnere mich auch genau daran, wie diese Gefühle verschwanden, als ich das Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung erhalten habe. Dass ich nicht nur ein politischer Kopf bin, sondern auch die Visionen dahinter in aktive Politik und Einflussnahme geltend machen kann, habe ich der FES zu verdanken. Die Stiftung ist ein Ort, an dem sich ein neues„Wir“ entwickeln kann. Trotz unterschiedlicher Biografien, Werdegänge und Themen, die wir alle in die Stiftung bringen, gibt es etwas, das alle eint: Es ist der Mut zu einer sozialeren Zukunft und der Wille, diese Zukunft gemeinsam zu gestalten.“ Tannaz Falaknaz , Moderatorin und Expertin für Diversity und Frauen in der Politik Abteilung Studienförderung 63 Fürs Leben gelernt Die Stiftung begleitet und unterstützt den Lebensweg der Stipendiat:innen in vielerlei Hinsicht. Aber wie bewerten die ehemaligen Stipendiat:innen den Einfluss der Förderung im Nachhinein? Die Befragung zeigt, dass es für die meisten ein ganzes Paket positiver Auswirkungen gibt. Das gilt zunächst auf der persönlichen Ebene: Über drei Viertel der Ehemaligen sind überzeugt, durch die Stiftung wertvolle Impulse für ihre Persönlichkeitsentwicklung erhalten zu haben. Jeweils rund 70 Prozent sind dadurch stärker engagiert oder haben neue Themenfelder für sich entdeckt. Und auch beruflich haben sich die meisten weiterentwickelt: Über 70 Prozent übernehmen mehr Verantwortung im Beruf. Mehr als 60 Prozent konnten durch die Förderung ihre beruflichen Ziele erreichen. Vor allem aus den Fokusgruppen kommt hier eine hohe Zustimmung. Frauen fühlen sich in ihrem Engagement gestärkt und sehen sich auch politisch klarer positioniert. Erstakademiker:innen und Studierende mit Einwanderungsgeschichte sagen etwas häufiger, dass ihnen die Förderung geholfen hat, sich beruflich zu verwirklichen. Ehemalige ohne deutsche Staatsangehörigkeit verdanken der Stiftung nach eigenem Empfinden in fast jeder Hinsicht noch mehr. 64 Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Studienförderung 65 66 Friedrich-Ebert-Stiftung „Das Stipendium ermöglichte mir Zugang zu spannenden Netzwerken, exzellenten Bildungsformaten und hochkarätigen politischen Veranstaltungen. Zudem gab es mir die finanziellen Freiräume, um mich auf mein Studium und mein gesellschaftliches Engagement fokussieren zu können. Als Halbwaise, ohne lebende Großeltern und ohne vermögende Eltern war die Finanzierung der Lebenshaltungskosten für mich immer ein Thema, insbesondere während des Masterstudiums. Durch das Stipendium war es mir möglich, mich in meiner Freizeit zu engagieren, Netzwerke zu bilden und wertvolle Erfahrungen außerhalb des Studiums zu sammeln. Davon profitiere ich bis heute. Die Förderung der FES besteht aus einem ideellen Teil und – je nach Einkommenssituation – einer finanziellen Förderung. Die ideelle Förderung der FES(Seminare, Veranstaltungen, Job-Börsen, Netzwerktreffen etc.) basiert auf der Vermittlung demokratischer Werte. Gefördert werden nicht nur die Menschen mit den besten Noten. Meiner Erfahrung nach wird vielmehr auf den Hintergrund der Bewerberinnen und Bewerber geschaut – und darauf, wie sie sich in unsere Gesellschaft über ihr Engagement einbringen. Ich halte es gerade in diesen Zeiten für unverzichtbar, dass Arbeit für Gemeinschaft und Zusammenhalt durch ein Stipendium gewürdigt und gefördert wird. Und dass eben nicht der Geldbeutel darüber entscheidet, ob junge engagierte Menschen eine akademische Laufbahn einschlagen können oder nicht.“ Elisabeth Kaiser , Mitglied des Deutschen Bundestages, Staatsministerin und Beauftragte des Deutschen Bundestages für Ostdeutschland beim Bundesminister der Finanzen Abteilung Studienförderung 67