A N A LYS E Leonid Filin July 2026 Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda: Akteure, Strategien, Methoden Impressum Der_Die Autor_in schreibt unter einem Pseudonym, da die russische Regierung Strafmaßnahmen gegen Dissidenten verhängt hat. Seine_ Ihre Identität ist dem Russlandprogramm der Friedrich-Ebert-Stiftung bekannt. Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn Germany https://www.russia.fes.de info.russia@fes.de Herausgebende Abteilung International Cooperation Department, Russia Program of the FES Inhaltliche Verantwortung und Redaktion Alexey Yusupov Bildnachweise Titelbild: Illustrationen von Freepik.com Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. July 2026 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Leonid Filin July 2026 Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda: Akteure, Strategien, Methoden Inhalt I. Die Macher: Akteure und Institutionen ...............................  4 1. Ursprünge: Polittechnologie der 1990er und 2000er Jahre.............. 4 2. Wladislaw Surkow und die Präsidialverwaltung....................... 4 3. Konstantin Rykows Netzwerk...................................... 5 4.„Rossija Segodnja“/RT: Offensive nach außen ........................ 5 5. Die Konkursmasse der„Wagner“-Gruppe: nach der Trollfabrik........... 6 6. Aram Gabreljanow und die Boulevard-Presse......................... 6 7. German Klimenko: die Verbindungen zwischen Staatsapparat und Medienunternehmen........................................... 6 8. Operation„Doppelgänger“/„Storm-1516“: Auslandsoperationen........ 6 II. Modus Operandi: über Bande spielen ...............................  8 III. Anwendungsfall Deutschland ....................................  10 Die Methoden ....................................................  12 „Authentische Stimmen“,„verkannte Experten“ und„investigativer Graswurzeljournalismus“ .......................................... 12 Die ungehörten Stimmen.......................................... 13 Die anderen Zielgruppen:.......................................... 14 Fazit: Voice of Europa und Propaganda als Steinbruch ..................  16 Einleitung Der Themenkomplex Propaganda steht seit 2022 im starken Fokus der politischen und akademischen Diskussion um hybride Bedrohungen und Resilienz der demokratischen Systeme. Spätestens mit dem„Fall Lisa“ im Januar 2016 wurde in Deutschland deutlich, dass es Zusammenhänge zwischen Entwicklungen in für Verschwörungsideologien anfälligen Milieus der bundesrepublikanischen Gesellschaft und der auswärtigen Informationspolitik der Russländischen Föderation (RF) gibt. Tausende demonstrierten damals an verschiedenen Orten gegen die vermeintliche Entführung und Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens aus einer russischsprachigen Familie in Berlin-Marzahn – sowie gegen eine angebliche Vertuschung durch„Mainstream-Medien“. Russlands Außenminister Sergei Lawrow thematisierte den Fall persönlich. 1 Die Skandalisierung eines frei erfundenen Verbrechens diente sowohl den russischen Staatsmedien als auch zahlreichen „alternativen Medien“ in Deutschland als Katalysator, um Unmut über die Migrationspolitik der damaligen Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie über die westliche Haltung zum Syrien-Krieg zu mobilisieren. Die nahegelegte Schlussfolgerung lautete: Würde der Westen nicht die Gegner Baschar al-Assads unterstützen, gäbe es keine„Flüchtlingswelle“ – und damit weniger Straftaten. Die so ausgelösten Demonstrationen lieferten den russländischen Medien wiederum willkommene Bilder, die zwei zentrale, nach innen gerichtete Propagandathesen untermauern sollten:(1) Der Westen befinde sich in einer tiefen Krise;(2) Russland und sein Präsident genießen in westlichen Gesellschaften zunehmend Sympathie. In Putins Russland hängen innen- und außenpolitische Propaganda weit stärker zusammen, als es auf den ersten Blick erscheint. Das ist umso wichtiger, als sich die Auseinandersetzung mit Propaganda und ihren Folgen in Deutschland oft durch deutsche Akteure vollzieht, die mit den Verhältnissen in Russland und der Funktion der Auslandsberichterstattung kaum vertraut sind. Dieses Papier verbindet beide Dimensionen durch einen gezielten und beispielhaften Blick darauf, wie Akteure, Strategien und Methoden russischer Propaganda beschaffen sind und wie sie innerhalb wie außerhalb Russlands wirken. Dabei wird hier nicht das Ziel verfolgt, eine vollständige Kartierung zu liefern oder sämtliche Fakes inhaltlich zu widerlegen. Gerade die Dokumentation und Überprüfung von Falschmeldungen leisten im deutschsprachigen Raum bereits zahlreiche staatliche und zivilgesellschaftliche Stellen, auf deren Arbeit hier verwiesen sei. 2 Die folgenden Ausführungen liefern vielmehr eine Handreichung für diejenigen, die sich einen Überblick über Produktion, Distribution, Methoden und Effekte der russländischen Propaganda verschaffen wollen. Der Aufbau folgt einer doppelten Perspektive: Zunächst werden die in Russland verankerten Institutionen und Akteure beschrieben, die Propagandainhalte produzieren und verbreiten. Darauf aufbauend werden exemplarische Multiplikatoren und Zielgruppen in Deutschland analysiert, bevor abschließend die Strategien im Umgang mit Propaganda und Desinformation in Deutschland diskutiert werden. Wenn im Folgenden von„Russlands Propaganda“ die Rede ist, darf dies keinesfalls so missverstanden werden, als betreibe im Krieg nur eine Seite Propaganda. Ukrainische, deutsche und US-amerikanische Propaganda existiert ebenso; jenseits generischer Gemeinsamkeiten(Parteilichkeit, Mobilisierung der eigenen Seite, Demobilisierung der Gegenseite, Appelle an geteilte Werte des Publikums) weisen sie je eigene Besonderheiten auf. Ihre Analyse steht hier nicht im Fokus. Wie allerdings klar wird, registriert die russländische Seite diese Unterschiede durchaus – und nutzt sie für eigene Zwecke. Während die westlichen Medien mehr durch Auslassungen oder Relativierungen bestimmter Informationen auffallen, finden wir in den russischen Medien häufiger komplett erfundene und bisweilen sich widersprechende Berichte. Das, was die westlichen Medien auslassen, kann umso effektiver in den Vordergrund gestellt werden. Eine weitere Vorbemerkung vorab: nicht zielführend erscheint es, Putins Russland pauschal mit der Sowjetunion zu vergleichen. Von einer in sich geschlossenen Ideologie – wie beim Marxismus-Leninismus oder einer religiösen Lehre – kann aktuell keine Rede sein. Schlagworte wie „traditionelle Werte“ oder„Russkij Mir“(„Russische Welt“) bleiben bewusst diffus. Für die Propagandapraxis ist das kein Hindernis, sondern erzeugt hohe taktische Flexibilität. 1  Medina Schaubert(2018): Der„Fall Lisa“: Entwicklungen in Hellersdorf-Marzahn, in: BPB.de. 9.10.2018. https://www.bpb.de/themen/migration-integration/ russlanddeutsche/271945/der-fall-lisa/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 2  Andrej Steinberg /Manja Vitter(2022):„Eine Waffe im Informationskrieg“. Demokratiefeindliche Narrative in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. [Berlin].; Julia Smirnova(2024): SDA-Dokumente: Einblicke in Russlands digitale Desinformationsstrategie, in: CeMAS-Blog. 29.10.2024. https://cemas.io/blog/sdadokumente-russlands-desinformationsstrategie Letzter Zugriff: 01.09.2025. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda 3 I. Die Macher: Akteure und Institutionen 1. Ursprünge: Polittechnologie der 1990er und 2000er Jahre Die Sowjetunion verfügte über einen gewaltigen Apparat, der Propaganda in Betrieben, Bildungseinrichtungen und Armeeeinheiten organisierte und weltweit mit loyalen politischen Parteien und Sympathisanten kooperierte. Die Wurzeln der heutigen Kreml-Propaganda nach innen und außen liegen allerdings weniger in sowjetischen Ideologietraditionen als in der postsowjetischen Enttäuschung über den Marxismus-Leninismus. In den 1990er Jahren entstand in Russland eine neue Berufskategorie der so genannten„Polittechnologen“. Anders als agitierende Parteikader schreiben Polittechnologen von Grund auf Wahlprogramme, erfinden Parteien und kreieren Politikerpersönlichkeiten, um sie wählbar zu machen. Der demokratische Wettbewerb um Stimmen mit tatsächlichen Wahlen schuf diesen Markt, das Berufsverständnis dieser Menschen beinhaltete aber von Anfang an eine tiefe Skepsis gegenüber liberalen Prinzipien: Wähler galten primär als manipulierbare Masse, die„nötige“ Marktreformen gefährden könnte. Der ehemalige Dissident Gleb Pawlowski(1951–2023), Gründer der„Stiftung für effektive Politik“(FEP), wurde zum prominentesten Praktiker und Ideologen dieses Ansatzes. 3 Seine Selbststilisierung als„graue Eminenz“ und als Zuhörer unzufriedener Stimmen war exemplarisch. Dass Wahlkämpfe primär Werk bezahlter Prozessmanager und weniger echter Freiwilliger und Parteimitglieder waren, trug zum Grundmisstrauen gegenüber demokratischen Institutionen bei. Das von den Entscheidungsträgern, Medien und politischen Kräften Russlands aktiv genutzte Schlagwort„Russische Welt“ geht nachweislich auf polittechnologische Kreise zurück, die es noch in den 1990er Jahren formulierten. 4 2011 beendete die Präsidial­ verwaltung ihre offizielle Zusammenarbeit mit Pawlowski, woraufhin er sich der liberalen Opposition zuwendete. Die von Polittechnologen kultivierte manipulative Herangehensweise – teils genährt durch den vom 3  Gleb Pavlovskij(2005): Vlast‘ i oppozicija. M. 2005.; Cécile Vaissié(2023): They Made Putinism: Gleb Pavlovsky(1951-2023), the Sorcerer’s Apprentice in the Green Jacket, in: Desk Russie. 22.05.2023. https://desk-russie.info/2023/05/22/they-madeputinism-gleb-pavlovsky.html Letzter Zugriff: 01.09.2025. 4  Andrej Perzev(2022):„Stancujem val‘s bol‘oj vojny“ // Meduza. 09.06.2022. https://meduza.io/feature/2022/06/09/stantsuem-vals-bolshoy-voyny Letzter Zugriff: 01.09.2025. sowjetischen Philosophen und Pädagogen Georgij Schedrowitzki(1929-1994) inspirierten Glauben an grenzenloses„Social Engineering“ bei zugleich pessimistischer Sicht auf die beschränkte„Mehrheit“ – prägt bis heute die Propaganda nach innen wie außen; auch wegen personeller Kontinuitäten. 5 Etliche Anhänger von Schedrowitzkis„Methodologischer Schule“ finden sich unter Polittechnologen, Propagandisten und auch Entscheidungsträgern von Russland nach 1991. So ist Sergej Kirijenko, heute stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung, noch seit seiner Komsomol-Zeit eng mit Schedrowitzki-Schülern affiliiert. Während„freie“ Wahlen kaum noch Betätigungsfelder bieten, wechselten viele Polittechnologen in den medien- und propagandapolitischen Bereich; einer der Pioniere, Modest Kolerow, leitet etwa die Nachrichtenagentur „Regnum“(gegründet 2002). 2. Wladislaw Surkow und die Präsidialverwaltung Stand Pawlowski vor allem für kommerzielle Beratung und „Spin“ als Dienstleistung, verkörpert Wladislaw Surkow die Übernahme polittechnologischer Denkmuster in den Staatsapparat. Er bekleidete zahlreiche Spitzenposten(u. a. stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung, Assistent des Präsidenten, Vize-Regierungschef) und reagierte auf die im Kreml aufkommende Angst vor„orangen Revolutionen“ mit einer offensiven Strategie: Spaltung der Opposition, Gründung von Phantomparteien und loyalen Jugendorganisationen wie„Naschi“(„Die Unseren“). 6 Surkow gab sich als Theoretiker der unter Putin etablierten Ordnung 7 und inszenierte die Gegenüberstellung Russland vs.„der Westen“ – nicht ohne auf westliche Philosophen wie Gilles Deleuze zu rekurrieren. 8 Enge Kooperation bestand zwischen Surkow und dem 1992 gegründeten Zentrum für politische Konjunktur 5 Ilja Kukulin; Vitalij Kurennoj(2017): Škola Ščedrovickogo i ee nasledije, in: Polit. ru. 31.03.2017.[https://web.archive.org/web/20201202222913/https://polit.ru/ article/2017/03/31/methodology/] Letzter Zugriff: 01.09.2025. 6  Maya Atwal; Edwin Bacon(2012): The youth movement: Nashi: contentious politics, civil society and party politics, in: East European Politics 2012/3(28). S. 256266. 7  Richard Sakwa(2014): Russian Political Culture Through the Eyes of Vladislav Surkov: Guest Editor‘s Introduction, in: Russian Politics& Law. 2014/5( 46). S. 3-7. 8  Anastasija Karimova(2012): Kremlevskaja bogadel‘nja, in: Kommersant‘‘-Den‘gi. 2012/6. S. 18. 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. (ZPK), 9 offiziell ein privates Unternehmen im Bereich Polittechnologien und Consulting, welches vor allem Aufträge von der Präsidialverwaltung und der Partei „Einiges Russland“ übernahm. Seit 2008 wird das ZPK von Alexei Tschesnakow 10 geleitet, der 2001-2008 den Posten des stellvertretenden Leiters der Verwaltung für die Innenpolitik in der Präsidialverwaltung bekleidete. Bis 2013 war Tschesnakow in den leitenden Gremien von„Einiges Russland“ aktiv. Der sich heute gern als Politikwissenschaftsexperte gebende Tschesnakow koordinierte im Vorfeld der Wahlen die Platzierung von bezahlten Materialien in den Medien. 11 Mit Surkows Arbeit in der Präsidialverwaltung werden Gründungen von Parteien wie„Rodina“ und„Gerechtes Russland“(zur Schwächung der KPRF) sowie „Reptilienfonds“ 12 für scheinbar unpolitische Blogger und Internetstars verbunden. 13 2012 legte ein Leak der Hackergruppe„Anonymous“ offen, dass die 2006 gestartete Online-Plattform„Spasibo, Ewa“(„spasiboeva“) verdeckt staatlich finanziert und für Dmitri Medwedews Wahlkampf genutzt wurde. 14 Für Netznutzer lasen sich Inhalte auf dieser Plattform wie genuine Unterstützungsbeiträge für Medwedew; mehrere heute prominente russischsprachige YouTuber, deren Karrieren dort begannen, bestreiten bis heute, die Geldquellen gekannt zu haben. Die damalige Aktivistin Kristina Potupchik verwendete finanzielle Mittel auch, um die Opposition auf andere Weise zu diskreditieren. Die ProKreml-Jugendbewegung„Naschi“, deren Funktionärin sie war, finanzierte im Jahr 2012 die Kandidatur des berüchtigten Rechtsradikalen Maxim Marzinkewitsch(1984-2020), genannt„Tesak“(„Hackbeil“), für den Koordinationsrat der Opposition – ein Gremium, dem unter anderem Gari Kasparow, Boris Nemzow und Ilja Jaschin angehörten und das den Anspruch erhob, die heterogene außerparlamentarische Opposition zu vertreten. Kristina Potupchik ist heute als Medienunternehmerin tätig und spricht offen über den Aufbau von Netzwerken anonymer Telegram-Kanäle. 15 3. Konstantin Rykows Netzwerk Surkow zeigte sich stets der populären Kultur zugewandt, unter anderem verfasste er selbst Romane und nahm Alben mit bekannten Rockmusikern auf. Schon früh begann er, die Möglichkeiten des Internets für verdeckte Propaganda zu nutzen. Ähnlich wie bei„Spasibo, Ewa“ wurden propagandistische Messages über scheinbar unpolitische Unterhaltungsplattformen verbreitet, die entstehenden Internettrends von Anfang an unter dem Gesichtspunkt der politischen Verwertbarkeit untersucht. Zu den wichtigsten Figuren der Online-Propaganda unter Surkow gehört Konstantin Rykow, 16 der 2007-2011 für „Einiges Russland“ in der Duma saß. Zu dem Zeitpunkt galt er bereits als einer der Väter der russischsprachigen Internetkultur. Zahlreiche Ressourcen, bei denen es um „Gegenkultur“, zynischen Humor, Gaming, Pornografie, Science Fiction und Fantasy ging, wurden von ihm gegründet und kontrolliert. Dazu kamen Nachrichtenportale wie„Dni“ 17 und„Wzgljad“, 18 sowie mehrere Printmedien. Häufig konnten populäre Blogger wie Maxim Kononenko/ Mr. Parker(1971-2024) zu professionellen Journalisten und Redakteuren aufgebaut werden. In Rykows medialem Ökosystem begannen viele Karrieren, die Medien sprachen ein jugendliches und ideologieskeptisches Publikum an. Deutlich erkennbar war die Taktik, die Proteste der Opposition als„uncool“,„peinlich“ und„langweilig“ in den Augen der jungen Generation zu diskreditieren. Projekte wie die 2005 gegründete Mitmachzeitung für die Jugend mit augenzwinkerndem Titel„Re:akzija“(„Re:aktion“) 19 zeigen, dass die Arbeit mit der jungen Generation eine hohe Priorität genoss. Heute ist es um Rykow zwar still geworden, doch sicherlich hat er Pionierarbeit für die Methoden des Propagandaapparats geleistet. Seine Aktivitäten waren jedoch nicht rein propagandistischer Natur, so rühmte er sich 2015 damit, die junge Journalistin Lesja Rjabzewa als„Agentin“ in die Redaktion des liberalen Radiosenders „Echo Moskwy“ eingeschleust zu haben. Später trat Rjabzewa mit ihren„Entlarvungen“ über die liberale Opposition in Kreml-Medien auf. 20 9 https://cpkr.ru. 10 https://chesnakov.ru. 11 Denis Dmitriev; Evgenij Berg(2016): Žurnalisty iz zentral‘ngo ispolkoma. Kak „Edianaja Rossija“ razmeščala zakaznye materialy pered parlamentskimi vyborami 2011, in: Meduza. 20.09.2016. https://meduza.io/feature/2016/09/20/zhurnalisty-iztsentralnogo-ispolkoma. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 12  Für die Bestechung der Medien gedachte Mitteln, der deutsche Begriff geht auf Otto v. Bismarcks 1869 gehaltene Rede. Zwar bezeichnete der preußische Ministerpräsident damit seine Gegner, wandte jedoch selber derartige Methoden massiv ein. 13 Aleksej Glinkin(2019): Kak Kak videoblogery naučilis‘ delat‘ den‘gi i neoždanno stali biznesmenami, in: Sekret Firmy. 13.12.2019. https://web.archive.org/ web/20210515070616/https://secretmag.ru/stories/kak-videoblogery-nauchilisdelat-dengi-i-neozhidanno-stali-biznesmenami.htm. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 14  So ist sie 2023 Mitgründerin der Hochglanzzeitschrift„Moskwitschka“, die sich dem„Lifestyle unter Sanktionsbedingungen“ widmet: https://moskvichka.ru/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 15 Nadežda Strelec(Interview)(2021): Seryj kardinal Telegrama Kristina Potupčik. 16.07.2021https://www.youtube.com/watch?v=LBRRCJxGhyU&t=3338si Letzter Zugriff: 01.09.2025. 4.„Rossija Segodnja“/RT: Offensive nach außen Der 2005 gegründete Sender„Russia Today“, seit 2009 „RT“, gilt international als bekannteste propagandistische 16 https://x.com/rykov. 17 https://dni.ru. 18 https://vz.ru. 19 http://www.reakcia.ru. 20  Operacija„Tik-Tak“: Rykov rasskazal, kak vnedril Lesju Rajbcevu k Venediktovu. „Teper‘„Ėcho“ ždut ugolovki o gosizmene!“ in: Nakanune.ru. 11.12.2015. https:// www.nakanune.ru/news/2015/12/11/22422760/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda 5 Institution Russlands. 21 Nach dem Krieg gegen Georgien 2008 wurde der Sender strategisch neu ausgerichtet: Sein Auftrag bestand nun nicht mehr darin, Russland zu erklären, sondern gezielt die ausländische Öffentlichkeit mit der Moskauer Perspektive auf die Politik ihrer Länder anzusprechen. RT ist Teil des 2013 geschaffenen Medienverbunds„Rossija Segodnja“(„Russland heute“) unter Generaldirektor Dmitrij Kiseljow und Chefredakteurin Margarita Simonjan. Zum Verbund gehören unter anderem RIA Nowosti und„Sputnik“. Im Westen traten Ableger wie Maffick LLC(Los Angeles) und die Nachrichtenagentur Ruptly GmbH(bis vor Kurzem in Berlin) auf, die ihre Inhalte häufig als„Basisjournalismus“ präsentieren und gezielt Zielgruppen ansprechen, die der Politik Wladimir Putins kritisch gegenüberstehen. 5. Die Konkursmasse der„Wagner“-Gruppe: nach der Trollfabrik Kaum weniger bekannt sind die Projekte Jewgenij Prigoschins – von der„Trollfabrik“(offiziell:„Agentur für Internetrecherchen“, seit 2011/2013 in St. Petersburg) bis zu einem Netz von Desinformationsmedien. Einige sind vor allem auf das Ausland gerichtet, andere wie das 2015 gegründete und 2021 von Prigoschin übernommene OnlineMedium„Reedovka“ 22 sind auf Publikum im Inland gerichtet. Diese Ressourcen wurden 2019 im Medienverbund „Patriot“ 23 gebündelt. Nach Kriegsbeginn gewannen Telegram-Kanäle an Gewicht; Prigoschin selbst wurde zum Newsmaker. Inzwischen sind seine Medien offline. Forschungen konstatieren den Untergang von Prigoschins „digitalem Imperium“ und die Verlagerung entsprechender Aufgaben in staatliche Strukturen wie die 2019 gegründete Autonome Non-Profit-Organisation„Dialog“ 24 (ursprünglich für die Bürgerkommunikation des Moskauer Bürgermeisteramts zuständig). 25 6. Aram Gabreljanow und die BoulevardPresse Der russisch-armenische Unternehmer Aram Gabreljanow erhielt 2022 eine„präsidiale Zuwendung“(36 Mio. Rubel, ca. 370.000 Euro) zum Aufbau neuer Medien in den 21  Susanne Spahn sieht es als„Leitmedium“ der Propaganda-Ökosystem, doch die RT hat keineswegs eine Monopolstellung: Susanne Spahn(2023): RT DE – Leitmedium der„Alternativmedien“, in: Gegneranalyse, Zentrum Liberale Moderne. Berlin, 2023. https://gegenmedien.info/fallstudie-4-rtde/#Kap1. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 22 https://readovka.news. 23  Dokumentation: Prigoschins Mediengruppe„Patriot“, in: Russland-Analysen Nr. 464. 31.03.2025. https://www.bpb.de/themen/europa/russland-analysen/nr464/561308/dokumentation-prigoschins-mediengruppe-patriot/. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 24 https://dialog.info. 25  Serge Poliakoff(2025): Nach dem Aufstand: der Untergang von Jewgenij Prigoschins digitalem Imperium, in: Russland-Analysen. Nr. 464. S. 16-20. https:// www.bpb.de/themen/europa/russland-analysen/nr-464/561307/analyse-nach-demaufstand-der-untergang-von-jewgenij-prigoschins-digitalem-imperium. Letzter Zugriff: 01.09.2025. besetzten Regionen Donezk und Luhansk. 26 Seine 2001 gegründete„News-Media-Holding“ machte zuvor vor allem Boulevard: die Wochenzeitung„Schisn“(„Leben“) und das Portal„Life“ waren Flaggschiffe; zeitweise gehörten auch die traditionsreiche Tageszeitung„Iswestija“ und – mit Blick auf Desinformation relevant – der 2017 gegründete Telegram-Kanal MASH dazu. MASH gibt sich investigativ und veröffentlicht regelmäßig kompromittierendes Material zur Opposition – als Versuch, Nawalny-Anhänger mit ihren eigenen Methoden zu bearbeiten. Aus Gabreljanows Medienholding kommt auch Anastasia Kaschewarowa(geb. 1988; auch bekannt als Anastasia Dubnjak/ Anastasia Starostina). Die frühere LDPR-Aktivistin 27 gründete 2018 den Medienverbund„OrdenFeliksa“(u. a. „Daily Storm“,„This is Media“) und war 2019/20 Beraterin von Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodin. Ihre Medien arbeiten gezielt„investigativ“ gegen die Opposition. Diese Medien richten sich an ein eher jüngeres und urbaneres Publikum und versuchen, als eine Art„Contra-Nawalny“ zu wirken. 7. German Klimenko: die Verbindungen zwischen Staatsapparat und Medienunternehmen German Klimenko ist, ähnlich wie Konstantin Rykow, vor allem im Bereich Internet-Propaganda tätig. Der Inhaber des Unternehmens Ventail Limited, zu dem unter anderem das Internetportal LiveInternet 28 gehört, und Gründer des Nachrichtenaggregators MediaMetrics 29 war 2016-2018 Berater des Präsidenten Wladimir Putin für Fragen der Entwicklung des Internets. Klimenkos Aktivitäten umfassen sowohl Propaganda als auch Zensur. 2014 gehörte er zu den Gründern des„Instituts für die Entwicklung des Internets“ (IRI). 30 Klimenko, der sich unter anderem mit den Plänen für ein„souveränes Internet“ nach chinesischem Vorbild beschäftigte, gilt als eng affiliiert mit Wjatscheslaw Wolodin, dem heutigen Sprecher der Duma, Widersacher von Wladislaw Surkow und dessen Nachfolger in der Präsidialverwaltung. 31 26  954 Mln vydeleno na kul‘turnuju integraciju anneksirovannych regionov, in: Radio Svoboda, 02.11.2022 https://web.archive.org/web/20221208075747/https:// www.svoboda.org/a/na-kuljturnuyu-integratsiyu-anneksirovannyh-regionov-vydelili954-mln/32112270.html. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 27  «Я ученица Владимира Вольфовича». Кашеварова рассказала о назначении на пост замруководителя центрального аппарата ЛДПР. “Ja učenica Vladimira Vol’foviča”. Kaševarova rasskazala o naznačenii na post zamrukovoditelja central’nogo apparata LDPR, in: https://360.ru /. 15.11.2022 https:// web.archive.org/web/20230527132621/https://360tv.ru/news/vlast/ja-uchenitsavladimira-volfovicha-kashevarova-rasskazala-o-naznachenii-na-postzamrukovoditelja-tsentralnogo-apparata-ldpr/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 28 https://www.liveinternet.ru/. 29 https://mediametrics.ru/rating/de/month.html. 30 https://xn--h1aax.xn--p1ai/. 31 Sovetnik Putina po internetu: kto on takoj? to možno ponjat‘ pro Germana Klimenko iz interv‘ju„Doždju“ i„Vedomostjam“,in: Meduza, 24.12.2015. https:// meduza.io/feature/2015/12/24/sovetnik-putina-po-internetu-kto-on-takoy. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 6 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. 8. Operation„Doppelgänger“/„Storm-1516“: Auslandsoperationen In Deutschland wurde zuletzt viel über russische Versuche berichtet, mittels sogenannter„Doppelgänger“-Medien Fake-News zu Kandidaten vor Wahlen zu verbreiten. Die Durchführung der Operation„Storm-1516“ wird der Moskauer„Agentur für soziale Projektierung“(Social Design Agency) 32 um den Polittechnologen Ilja Abaschidse zugeschrieben. 33 Auch hier gibt es wiederkehrende Elemente: eine sich als NGO ausgebende Struktur mit einem konspirativen Image, die sich zugleich offen der Teilnahme am„Informationskrieg“ rühmt. Die Social Design Agency kam auch während der Parlamentswahlen 2026 in Ungarn auf der Seite von Viktor Orbán zum Einsatz, allerdings ohne Erfolg. 32 https://sp-agency.ru/. 33  Scott Shane(2018): How Unwitting Americans Encountered Russian Operatives Online, in: NYT. 18.02.2018. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda 7 II. Modus Operandi: über Bande spielen Im Mai 2016 kam es in Houston, Texas, beinahe zu Zusammenstößen: Im Netz rief eine Gruppe namens„Heart of Texas“ zu einer Demonstration gegen„Islamisierung“ auf – exakt am selben Ort, Tag und zur gleichen Uhrzeit, an dem auch eine Kundgebung der„Muslims of America“ angekündigt war. Beide Organisationen verfolgten gegensätzliche Agenden; beide existierten real jedoch nicht. Es handelte sich um Internet-Fakes, die – nach Erkenntnissen der Behörden – aus Russland gesteuert wurden. 34 Dies war nicht der einzige Versuch, mit ScheinGruppen politische Konflikte in den USA eskalieren zu lassen. 35 Im Verlauf des US-Wahlkampfs erhielten laut Facebook 146 Millionen Nutzer Inhalte in ihren Newsfeeds, die von Russland aus verbreitet worden waren; 470 unauthentische Konten und Websites wurden identifiziert. 36 Viele User glaubten, eine inneramerikanische Debatte zu verfolgen – tatsächlich agierten zahlreiche Akteure unecht. Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Fall der Influencerin „Jenna Abrams“ , der rund 70 000 Twitter-Nutzer folgten – eine fiktive Person aus der St. Petersburger„Trollfabrik“(siehe Kapitel I). Bemerkenswert:„Jenna Abrams“ startete mit unpolitischen Themen, zeigte sich keineswegs russlandfreundlich und gewann zunächst Follower aus dem Lager der Trump-Gegner, ehe der Fokus Schritt für Schritt auf die Diffamierung eben dieser Gegner wechselte. Leitmedien in den USA und im Ausland zitierten sie wiederholt. 37 Gegenüber dem oppositionellen Portal Meduza sagte ein anonymer Mitarbeiter der Trollfabrik kurz nach der Enttarnung von„Jenna“:„Our goal wasn‘t to turn the Americans toward Russia[…] Our task was to set Americans against their own government: to provoke unrest and discontent, and to lower Obama’s support ratings.“ 38 34  Johannes Kuhn(2017): Hauptsache Chaos, in: SZ. 2. 11.2017 https://www. sueddeutsche.de/politik/usa-hauptsache-chaos-1.3732678. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 35  Johannes Kuhn(2017): Manipuliert, mit Grüßen aus Sankt Petersburg, in: SZ. 02.11.2017 https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/propaganda-im-us-wahlkampfmanipuliert-mit-gruessen-aus-st-petersburg-1.3732249. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 36  Simon Hurtz(2017): Mit dieser Frau narrten russische Trolle Menschen auf der ganzen Welt, SZ. 03.11.2017. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jenna-abrams-mit-dieser-frau-narrten-russische-trolle-menschen-auf-der-ganzenwelt-1.3734062. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 37  Sam Zelitch(2017): Who—or What—Is Jenna Abrams?, in: PEN America. 01.12.2017. https://pen.org/who-or-what-is-jenna-abrams/? Letzter Zugriff: 01.09.2025. 38  Ben Collin, Joseph Cox(2017): Jenna Abrams, Russia’s Clown Troll Princess, Dieses Beispiel ist lehrreich für das Verständnis der heutigen russischen Propagandaarbeit: Adressiert werden unterschiedliche Lager – oft mit diametral entgegengesetzten Zielen. Im Vordergrund steht nicht die Werbung für Russland, sondern die Erosion von Vertrauen im Lager des Gegners: Demoralisierung, Misstrauen, Apathie. Methoden, die im US-Wahlkampf sichtbar wurden, wurden zuvor im Inland erprobt. Influencer, die vermeintlich unverfängliche Themen bedienen und im entscheidenden Moment politische Statements absetzen, waren ein Kernprinzip des Projekts„Spasibo, Ewa“, das Kristina Potupchik aus den„Reptilienfonds“ finanzierte und koordinierte(siehe Kapitel I). Auch die Aufhetzung rivalisierender Gruppen ist im Inland eingeübte Praxis. So kursierte 2013/14 auf diversen Kanälen die griffige Formel„[Alexej] Nawalny ist ein Projekt des Kremls“ – gezielt adressiert an oppositionelle Milieus, die Nawalny bei der Moskauer Bürgermeisterwahl in Betracht zogen. Zunächst verbreitete die Partei„Gerechtes Russland“ die Behauptung; 39 anschließend veröffentlichte Anastasija Kaschewarowa auf dem damals Aram Gabreljanow gehörenden Portal LifeNews(siehe Kapitel I) einen langen„investigativen“ Text. Kurz danach verschwand der Artikel – was die„Enttarnungs“-Gerüchte weiter befeuerte. 40 Der Kreml wirkte in dieser Erzählung keineswegs„gut“ – der eigentlich Leidtragende war jedoch Nawalny, der in den Augen potenzieller Unterstützer diskreditiert wurde. Dass russische Propaganda gezielt Lager anspricht, in denen keine Sympathie für Putins Regime zu erwarten ist, zeigt der Fall der in den USA lebenden Influencerin Katya Kazbek (alias Jekaterina Dubowizkaja). 41 Sie präsentiert sich zugleich als Queerfeministin wie auch als Anhängerin Stalins und Maos. Die 1986 geborene Tochter des Unternehmers Juri Dubowizki/Dubovitsky wurde zunächst als linke Autorin und Chefredakteurin des Online-Magazins„Supamodu“ bekannt. 42 Später Duped the Mainstream Media and the World, in: The Daily Best. 11.02.2017. 39 Nikolaj Levičev(2013): Dejstvija Naval‘nogo soglasovany s mėrijej, in: Izvestija. 04.09.2013.https://iz.ru/news/556493#ixzz2du2JJa3h. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 40  Anna Ul‘janva, Svetlana Rejter, Michail Rubin, Farida Rustamova(2014): „Projekt Kremlja“: po kom udarjat publikacija LifeNews o Naval‘nom, in: RBK. 6.11.2014. 41 https://x.com/kazbek. 42  Natalia Antonova(2021): Alexey Navalny& the digital footprint of Katya 8 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. verbreitete sie gezielt staatliche Narrative über die russische Opposition im Allgemeinen und Alexej Nawalny im Besonderen. Kazbek konnte Nawalny gegenüber einer links-progressiven westlichen Öffentlichkeit als gefährlichen Rechtsradikalen framen und gleichzeitig für konservative russische Medien(u. a. RT, Zargrad.tv) kolumnieren. So wurde hier erst Vertrauen durch Kritik an Nawalny aufgebaut, um ihn dann zu unterminieren: Sie fokussierte stark auf rassistische Äußerungen Nawalnys aus früheren Jahren, während teils radikalere Aussagen aus dem Pro-Putin-Lager systematisch ausgeblendet wurden – mit dem Effekt, Nawalny als„den radikalsten Rechten“ der russischen Politik erscheinen zu lassen. Es wäre ein Fehler, russische Propaganda ausschließlich dort zu verorten, wo inhaltliche Übereinstimmung mit der Politik der gegenwärtigen Führung vermutet wird. Offenkundig zielt sie auch – und häufig gerade – auf Kreise, die Wladimir Putin kritisch gegenüberstehen. Der propagandistische Apparat Russlands richtet sich gezielt an politische Lager und Milieus mit konträren Wertvorstellungen – an jene, die als ideelle oder überzeugte Gegner des Kremls gelten. Im Westen hingegen wird seine Wirkung meist nur in den Bereichen untersucht, in denen offene oder latente Putin-Sympathien vermutet werden. Eine Studie von Samantha Bradshaw und Amelie Henle(Stanford University) verweist auf eine hohe Beteiligung inauthentischer Accounts an innerfeministischen Debatten; erkennbares Ziel war unter anderem, Konflikte bei Großdemonstrationen gegen Trump zu verschärfen. 43 Jede derart befeuerte Eskalation kann zur allgemeinen Destabilisierung genutzt werden – und dient zugleich der innenpolitischen Propaganda als Beleg für die Zerrissenheit von Putins Gegnern, den Niedergang westlicher Staaten und die moralische Krise westlicher Gesellschaften. Kazbek, in: nataliaantonova.substack. 23.02.2021. https://nataliaantonova.substack. com/p/alexey-navalny-and-the-digital-footprint. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 43  Samantha Bradshaw, Amelie Henle(2021): The Gender Dimensions of Foreign Influence Operations, in: International Journal of Communication. 2021/15. 45964618. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda 9 III. Anwendungsfall Deutschland Spricht man in Deutschland über den Einfluss Russlands auf die Politik, stehen meist zwei Parteien im Mittelpunkt: die Alternative für Deutschland(AfD) und das Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit(BSW). Doch auch in Deutschland wirkt die oben beschriebene Methode; die Reichweite russischer Propaganda ist keineswegs auf diese beiden Kräfte beschränkt. Zudem existieren innerhalb von AfD und BSW durchaus unterschiedliche Positionen zu Russland, Putin und dem Ukraine-Krieg. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Konsolidierung „unzufriedener“ Milieus entlang dreier Themen vollzogen: Migrationspolitik der Großen Koalition, Klimapolitik, insbesondere der forcierte Umstieg auf erneuerbare Energien, und die Pandemiemaßnahmen ab 2020/21. Die Bezüge zu russischen Interessen sind evident: Der Anstieg der Geflüchteten stand im Zusammenhang mit dem Syrienkrieg, in dem westliche Staaten gegen Putins Verbündeten Assad agierten. Die Energiewende gefährdete Russlands Status als führender Exporteur fossiler Energien. Während der Pandemie vernetzten sich unterschiedliche Strömungen stärker, nutzten gemeinsame Plattformen – Verbindungen, die auch im Kontext des Ukraine-Krieges fortwirken. 44 Russische Medien wie RT sowie offen pro-russische Kanäle fungierten für diese drei Themen und die daran interessierten Zielgruppen als wichtige Kommunikationsplattformen. Sie lieferten„Belege“ für bestehende Weltbilder, boten Räume zur Vernetzung und trugen zur Mobilisierung bei. Zwischen RT und deutschen Medien wie dem Magazin Compact oder dem Kanal KenFM und seinem Nachfolgerprojekt Apolut 45 entstand eine Symbiose: Inhalte zirkulierten, Interviewpartner wurden ausgetauscht. Manche Plattformen traten technisch modern auf, andere – wie die„Internet-Zeitung“ – wirkten bewusst altmodisch. Während Compact oder KenFM mittlerweile ein eindeutig rechtes Image haben und für viele damit diskreditiert sind, existiert eine Reihe von Medien im deutschsprachigen Raum, deren politische Verortung schwieriger ist. Diese fungieren immer wieder als Plattform für russische Narrative. Sie selbst betonen ihre Distanz zum klassischen „Links-Rechts-Schema“, präsentieren sich als neutrale Diskussionsforen mit„Tiefgang“ und bieten Publikationsmöglichkeiten für Autor:innen, die sich marginalisiert fühlen. Zu nennen sind: NachDenkSeiten (2003 noch als klar linkes Projekt gestartet), Rubikon/ Manova(2017 gegründet, 2023 umbenannt), Overton(2022 vom Westend Verlag gegründet). Auch das 1996 gegründete Online-Magazin Telepolis lässt sich – mit Einschränkungen – dieser Kategorie zuordnen. Über Jahre erfüllte die Plattform jedoch eine wichtige Funktion als Ort, an dem putinkritische Materialien erschienen und Narrative der russischen Propaganda aufgegriffen, diskutiert und weiterverbreitet wurden. Viele Artikel enthielten jedoch äußerst fragwürdige Quellen und wurden gelöscht. Ähnliche Projekte finden sich im deutschsprachigen Ausland: der Schweizer InfoSperber 46 oder die österreichische Plattform TKP.at. 47 Würde man jedoch alle Autor:innen dieser Medien pauschal als„Handlanger der russischen Propaganda“ brandmarken und sämtliche dort veröffentlichten Inhalte abwerten, beginge man einen Fehler – und erfüllte womöglich sogar ein von Russland erwünschtes Propaganda-Ziel. Allgegenwärtiges Misstrauen, das in Hexenjagden umschlägt, führt selbst zu Demoralisierung und Zersetzung. Die deutsche Medienwissenschaftlerin Lisa Schwaiger warnt entsprechend vor einer inflationären Nutzung wertender Begriffe: „Einerseits stellt sich die Frage, ob von der Verwendung des«Fake-News»-Begriffes als Kampfbegriff durch die Medien selbst gesprochen wird, oder ob andererseits die Annahme besteht, dass diese Nachrichtenmedien desinformative Inhalte verbreiten. Außerdem stellt sich die Frage, ab wann ein Medium überhaupt als«Fake44  Nina Pilz(2025):„The Invention of a Pandemic“ – Conspiracist Argumentation in the German Alternative Newspaper Demokratischer Widerstand, in: Michael Butter et al.(Hrsg.): Populism and Conspiracy Theory Case Studies and Theoretical Perspectives. London/New York, 2025. S. 154-180, hier S. 156. 45  https://apolut.net/impressum Letzter Zugriff: 01.09.2025. 46  https://www.infosperber.ch/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 47  Tobias Graf; Thomas Winkelmüller(2024): Hauptsache dagegen, in: Datum. 5/2024 https://datum.at/hauptsache-dagegen Letzter Zugriff: 01.09.2025. 10 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. News»-Medium bezeichnet werden kann, erscheint es doch eher unwahrscheinlich, dass Nachrichtenmedien ausschließlich Falschnachrichten verbreiten. Auch der Begriff der Desinformation selbst muss differenziert betrachtet werden. Wie im vorigen Kapitel definiert, impliziert Desinformation vor allem die absichtliche Verbreitung empirisch falscher, aktueller Nachrichten[...] Verschwörungstheorien können zwar ebenso empirisch falsch sein, die Absicht der Verbreitung einer Falschnachricht muss allerdings nicht unbedingt gegeben sein. So ist es auch potentiell möglich, dass Verbreiter_innen von Verschwörungstheorien zumindest selbst davon überzeugt sind, dass einschlägige Theorien die Wahrheit abbilden und die Menschheit darüber aufklären wollen. Auch greift es zu kurz, Verschwörungstheorien per se im rechten politischen Spektrum anzusiedeln – selbst wenn einschlägige Verschwörungstheorien existieren, die vor allem in rechten Milieus Anklang finden. Vor allem das Thema «Desinformation» brachte eine eindeutig negative Konnotation hinsichtlich alternativer Medien. Diese werden – im negativen Sinne – als Gegenpol zum professionellen Journalismus betrachtet, der sich an journalistische Standards hält. Der ursprüngliche Gedanke einer Kritik- und Kontrollfunktion gegenüber politischen und auch medialen Eliten wäre allerdings durchaus legitim und noch viel mehr ein wesentlicher Aspekt demokratischer Gesellschaften.“ 48 Und dennoch: Was in Medien wie Rubikon oder Overton geschieht, lässt sich mit dem Prinzip der stufenweisen Geldwäsche vergleichen – nur angewandt auf Informationen. Botschaften aus RT werden in Form von Kommentaren „unangepasster Köpfe“ recycelt, Fakes mit geprüften Informationen vermischt, diskreditierte Autoren und Quellen rehabilitiert. Einige Journalist:innen beenden ihre Mitarbeit aus Unzufriedenheit mit der Redaktionslinie, doch insgesamt wird ein Resonanzraum gepflegt, in dem einschlägige Inhalte zirkulieren. Der Verschwörungsforscher Michael Butter spricht von einem„veritablen Zitierkartell“: Durch Querverweise und gegenseitige Interviews steigt die Sichtbarkeit von Autor:innen und Medien. Die Einstufung als„unseriöse Verschwörungstheoretiker“ wird innerhalb des Resonanzraums durch gegenseitige Anerkennung kompensiert. Auch Autor:innen, die selbst keine Falschinformationen verbreiten, vermeiden es, die„Zugpferde“ dieser Alternativmedien anzugreifen. 49 48  Lisa Schwaiger(2022): Gegen die Öffentlichkeit: Alternative Nachrichtenmedien im deutschsprachigen Raum. Bielefeld. 2022. S. 79. 49  Michael Butter(2019): Die Methode Ganser, in: Republik. 13.04.2019. https:// www.republik.ch/2019/04/13/die-methode-ganser Letzter Zugriff: 01.09.2025. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda 11 Die Methoden „Authentische Stimmen“,„verkannte Experten“ und„investigativer Graswurzeljournalismus“ Medienkonsumenten sind daran gewöhnt, Berichterstattung vom Ort des Geschehens als qualitativ höherwertig wahrzunehmen. Dies trägt nicht selten zur Romantisierung journalistischer Arbeit bei. Zum Standardrepertoire kritischer Medienhaltung gehört es zugleich, den Einfluss von Redaktionsleitungen, Medieneigentümern und politischen Entscheidungsträgern zu hinterfragen – was wiederum eine Romantisierung des„Basisjournalismus“ fördert: die Vorstellung, Aktivist:innen ohne journalistische Ausbildung könnten durch unmittelbare Beobachtungen und Selbstdokumentationen„authentischere“ Einblicke bieten als professionelle Medien. Im aktuellen Konflikt nutzen beide Seiten den Nimbus des„Authentischen“ in besonderem Maße. Als Argument gegen Zweifelnde gilt stets, was Augenzeugen, Betroffene oder„einfache Menschen“ berichten.„Stimmen vor Ort“ und das„mit eigenen Augen Gesehene“ werden herangezogen, um politische Positionen zu legitimieren. Einige Vertreter dieses Genres haben inzwischen beträchtliche Bekanntheit erlangt. Besonders hervorzuheben ist Alina Lipp , deren Tätigkeit bereits Gegenstand mehrerer Dokumentarfilme war. Lipps zentraler Bezugspunkt ist das Versprechen von Authentizität und Glaubwürdigkeit. Sie beherrscht die russische Sprache, hat familiäre Bindungen nach Russland und ist regelmäßig vor Ort präsent. Ihre Biografie verleiht ihr zusätzlich symbolisches Kapital: Sie war einmal Mitglied bei Bündnis90/Die Grünen, teilte einst die Werte vieler ihrer heutigen Kritiker und kann ihre heutige Position als Ergebnis einer„Wandlung“ oder„Läuterung“ darstellen. Ihre Sympathie für Russland beschreibt sie als antifaschistisch motiviert – eine Haltung, die auch von ehemaligen Mitstreitern als ehrenwert beansprucht wird. Über Lipps Kanäle werden zweifellos zahlreiche Falschmeldungen weitergegeben. Da es sich um Weiterleitungen handelt, sieht sie sich jedoch nicht verpflichtet, auf Widerlegungen oder Dementis zu reagieren. Ihre besondere Wirksamkeit als„Spreader“ und Multiplikatorin verdankt sich jedoch nicht primär diesen Weiterleitungen, sondern ihrem eigenen Content, der Follower anzieht. Als Vorsitzende des Vereins„Freunde der Krim Deutschland e.V.“ 50 verspricht Lipp, exklusiv und nahbar das zu zeigen, „was die deutschen Mainstreammedien verschweigen“. Es geht in ihren Videos um Gespräche mit Menschen auf der Krim, die ihr Alltagsleben genießen, um russische Soldaten, die erklären, sie kämpften„gegen Faschisten“, um Besichtigungen von Gebäuden, die durch ukrainischen Beschuss zerstört wurden. Diese Inhalte suggerieren Realitätsnähe und„unterdrückte Wahrheit“. Dabei ist es nicht so, dass westliche Medien diese Aspekte per se leugnen würden. Sie schenken lediglich der Perspektive jener Ukrainer:innen weniger Aufmerksamkeit, die sich 2014 und 2022 bewusst auf die Seite Russlands stellten. Genau da setzt Lipp an. Ein weiteres Beispiel ist Sergey Filbert , Funktionär des Verbands der Russlanddeutschen in Hessen(VdRDiH). 51 Er betreibt Kanäle wie„DruschbaFM“ 52 und„Golos Germanii“, 53 veröffentlicht zudem Beiträge im„Berliner Telegraph“ 54 sowie in der„Komsomolskaja Prawda“. 55 Seine Aktivitäten richten sich damit sowohl an die deutschsprachige Öffentlichkeit, an die russischsprachige Community in Deutschland als auch an Zielgruppen in Russland. Filbert inszeniert sich als jemand, der die „wirkliche Lage“ in Deutschland kenne – im Gegensatz zu den„verzerrenden“ Darstellungen der etablierten Medien. Er tritt als„Stimme aus dem Volk“ auf und vermittelt die Botschaft, dass„einfache Deutsche“ die Politik ihrer Regierung nicht unterstützen und vielmehr für„Frieden“ eintreten – ein Wunsch, den er zugleich mit den „einfachen Russen“ parallelisiert. 56 Die gesellschaftlichen Zustände in Deutschland und der EU zeichnet er dabei 50  https://www.krimfreunde.eu/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 51  Nicht zu verwechseln mit putinkritischen Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen(IDRH) https://idrh-hessen.de/. 52  https://www.youtube.com/channel/UCSQJpXRkiYEnDeHFoMNGfww Letzter Zugriff: 01.09.2025. 53  https://www.youtube.com/@Sergeyf617/posts Letzter Zugriff: 01.09.2025. 54  https://berliner-telegraph.de/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 55  https://radiokp.ru/people/sergey-filbert Letzter Zugriff: 01.09.2025. 56  Die Rhetorik,„zwei befreundete Völker würden von äußeren Mächten gegeneinander aufgehetzt“, gehört zum festen Repertoire russischer Propaganda – sowohl in Anwendung auf die Ukraine als auch mit Blick auf Deutschland. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass Sergey Filbert gemeinsam mit dem AfDPolitiker Rainer Rothfuß im Vorstand des Vereins Druschba Global e.V.(https:// druschba-global.org/) sitzt. sitzt. Ironisch wirkt dabei der biografische Hintergrund von Rothfuß: Heute tritt er als Fürsprecher eines„Friedens mit Russland“ auf, begann sein politisches Engagement jedoch in konservativen Organisationen, die klar den Hardlinern des Kalten Krieges zuzurechnen sind – etwa der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte(IGFM). Bei deren Gründung 1972 war übrigens auch Gleb Rahr, der Vater eines weiterer späterer prominenter Verteidiger Putins, Alexander Rahr beteiligt. 12 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. in maximal alarmistischen Farben. Das Narrativ lautet: Das„wahre Ausmaß“ realer wie auch fiktiver Probleme werde von den„Mainstream-Medien“ verschwiegen. Die Kombination aus Naivität und der Geste des investigativen„Aufdeckers“ prägt den Content von Alina Lipp und Sergey Filbert gleichermaßen. Sie erzeugen den Eindruck eines Triumphs der Alltagserfahrung über die „Kasuistik von Experten und Politikern“: Man„glaubt den eigenen Augen“ und„lässt sich nichts vormachen“. Wenn Lipp russische Politiker interviewt, wird dies ebenfalls als mutiger Journalismus von unten inszeniert – und zugleich als glaubwürdiger Einblick in das,„was in Russland wirklich passiert“. Neben solchen„Basisjournalist:innen“ agieren Akteure wie Thomas Röper , Betreiber des Blogs Anti-Spiegel 57 (wohnhaft in Russland), oder Georg Spöttle , 58 der in Ungarn lebt. Beide erfüllen eine propagandistische Doppelfunktion: Sie treten in Russland bzw. Ungarn als vermeintliche Experten für deutsche Politik und Medien auf, produzieren zitierfähigen Content – und dieser findet anschließend in Deutschland Verbreitung. Der Unterschied zu internationalen Stimmen wie Henry Kissinger, John Mearsheimer, Jeffrey Sachs oder Harald Kujat ist offenkundig: Deren Aussagen mögen umstritten sein und teilweise im Sinne der russischen Politik wirken – doch ihre fachliche Kompetenz und Expertise steht nicht in Frage. Röper und Spöttle hingegen erklären sich selbst zu Experten bzw. werden von russischen oder ungarischen Medien entsprechend eingeführt. Spöttle behauptet zudem, Veteran der deutschen Geheimdienste zu sein – eine schwer überprüfbare Behauptung, die seiner Rolle im Publikum jedoch zusätzliche Aura und Bedeutung verleiht. Mitunter wird auch auf hochtrabende Namen bei Herausgeberinstitutionen gesetzt, um Glaubwürdigkeit zu simulieren. So erscheint das rechtsradikale Portal „Unser Mitteleuropa“ laut Impressum als Publikation des„European Institute for Policy Research and Media Networking“ mit Sitz in Hongkong. Recherchen zeigen jedoch: Es handelt sich schlicht um eine Briefkastenfirma. 59 der Russlanddeutschen in der Bundesrepublik. Dabei wird sowohl an reale Diskriminierungserfahrungen angeknüpft als auch gezielt Angst geschürt. 60 Ein Beispiel ist der im Juni 2022 gegründete V erein VADAR e. V.(Vereinigung zur Abwehr der Diskriminierung und Ausgrenzung Russlanddeutscher und russischsprachiger Mitbürger in Deutschland) 61 unter dem Vorsitz des ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme . Daneben existieren weitere Organisationen und Medien, die spezifisch die Russlanddeutschen oder breiter die russischsprachige Community adressieren: etwa der Internationale Konvent der Russlanddeutschen um Heinrich Groth, das Netzwerk„Russlanddeutsche für die AfD NRW“, 62 der Kulturverein Tolstoi e. V. aus Chemnitz sowie Medien wie die Berliner Tageszeitung 63 und der Berliner Telegraph . Die Zeitung„Aussiedlerbote“ 64 gibt sich nach außen vergleichsweise neutral; ihr Herausgeber Eugen Geptin formuliert in sozialen Medien jedoch deutliche Anti-Establishment-Positionen. „Deutschland soll auf keinen Fall mit Russland kooperieren, denn dann schließt sich ganz Europa dieser Kooperation an. Das Establishment würde dadurch die Macht in Europa verlieren. Also muss Deutschland, das Zentrum von Europa, arm gemacht werden. Wem nützt schon ein armer Kooperationspartner?“ 65 Die Redaktion des zweisprachigen „Berliner Telegraph“ (Deutsch und Russisch) hat ihren Sitz in Chemnitz. Redakteur Aleksandr Boyko ist nicht nur Mitbegründer des Vereins Tolstoi e. V., sondern auch Mitarbeiter von Martin Kohlmann, Rechtsanwalt und Vorsitzender der rechtsradikalen Partei „Pro Chemnitz/Freie Sachsen“ . 66 Über den Berliner Telegraph werden Inhalte von RT und Sputnik(siehe Kapitel I) weiterverbreitet. Gegenüber der Zeitung„Aussiedlerbote“ inszeniert sich Boyko als Kämpfer gegen„Totalitarismus“, geht jedoch auf die Vorwürfe seiner Die ungehörten Stimmen Russische Propaganda knüpft zwar häufig an die Empörung über sogenannte„Wokeness“ in westlichen Gesellschaften an— zugleich spricht sie aber gezielt die Sprache der Betroffenheit. Warnungen vor einer angeblichen „Diktatur der Minderheiten“ werden flankiert von Appellen gegen Russophobie oder vom Engagement für die Belange 57  https://anti-spiegel.ru/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 58  https://www.youtube.com/@georgspottle9281 Letzter Zugriff: 01.09.2025. 59  Mitteleuropa, Hongkong und ein Neonazi, in: Stoppt die Rechten. 23.09.2022. https://www.stopptdierechten.at/2022/09/23/mitteleuropa-hongkong-und-ein-neonazi/. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 60  Zu den Bemühungen der rechtsradikalen Kreise um die Russlanddeutsche vgl: Ewgeniy Kasakow: Zwischen Stigmatisierung und Propagandabeschallung, in: analyse& kritik. 07.05.2022.https://www.akweb.de/politik/rausslanddeutschestigmatisierung-russland-deutsche-rechte/. Letzter Zugriff: 01.09.2025; Nikolai Klimeniouk(2018): Nationalismus und Rassismus bei„Russlanddeutschen“?, in. bdp. de, 18.01.2018 https://www.bpb.de/tremismus/dossier-rechtsextremismus/260496/ nationalismus-und-rassismus-bei-russlanddeutschen/. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 61  https://vadar-ev.de/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 62  https://russlanddeutsche-afd.nrw/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 63  https://www.berlinertageszeitung.de/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 64  https://aussiedlerbote.de/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 65 https://www.facebook.com/AfD.Sachsen/photos/muslimische-asylbewerberk%C3%B6nnen-bis-zu-vier-frauen-und-ihre-kinder-nachdeutschl/1422813411181172/?_rdr Letzter Zugriff: 01.09.2025. 66  Lars Wienand, Jonas Mueller-Töwe, Jan-Hendrik Wiebe(2025): Russisches Magazin aus Chemnitz: Ist das die dubioseste Zeitschrift Deutschlands?, in: T-online. 11.01.2019 https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_85056570/-berlinertelegraph-so-dubios-ist-die-russische-zeitung-aus-chemnitz.html. Letzter Zugriff: 01.09.2025. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda 13 Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten inhaltlich nicht ein. 67 Ein Muster, das russische Propaganda konsequent nutzt, ergibt sich aus der ungleichen Darstellung ziviler Opfer in westlichen Medien. Während über die Opfer auf ukrainischer oder israelischer Seite häufig ausführlich berichtet wird – oft mit Fokus auf individuelle Biografien – bleiben die getöteten Zivilisten auf der russisch/prorussischen oder arabisch-palästinensischen Seite häufig namenlos, erscheinen nur als anonyme Zahlen. Diese Asymmetrie eröffnet der russischen Propaganda eine Angriffsfläche, die gezielt bespielt wird. Medienprojekte wie Redfish/Red positionieren sich so als vertrauenswürdige Quellen für Menschen, die den Eindruck haben, dass ihr eigenes Leiden und ihre Verlusterfahrungen in westlichen Medien nicht gehört oder nicht anerkannt werden. Ein zentrales Beispiel im linken Spektrum war lange der Narrativ um die Brandkatastrophe im„Haus der Gewerkschaften“ in Odessa am 2. Mai 2014. Dort kamen 42 Anti-Maidan-Demonstranten bei einem Feuer ums Leben; prorussische Medien stilisierten dies zu einer gezielten Verbrennung bei lebendigem Leib. Die Inaktivität ukrainischer Behörden und das Ausbleiben einer transparenten Aufklärung und Strafverfolgung der Verantwortlichen verstärkte die Wirkung dieses Verschwörungsnarrativs. Der Leipziger Filmemacher Wilhelm Domke-Schulz produzierte dazu den Dokumentarfilm„Remember Odessa“ und beklagte die„Verschweigung der Wahrheit“ durch deutsche Medien. 68 Später wurde er selbst mit dem Vorwurf konfrontiert, seine Arbeit sei von Alexander Malkewitsch, einem mit der Wagner-Gruppe in Verbindung gebrachten russischen Medienmanager und Politiker 69 und dem russischen„Zentrum für die Erhaltung der nationalen Werte“ unterstützt worden. 70,71 Nach dem Ende der Wagner-Gruppe ist der zuvor sehr aktive Alexander Malkewitsch weitgehend von der Bühne verschwunden. Die Mythologisierung der Odessa-Ereignisse vom 2. Mai 2014 hat jedoch längst ein Eigenleben entwickelt. Unterstützer von Wilhelm Domke-Schulz handeln in der Überzeugung, für das Gedenken an 67 Denis Lupekin; Aleksandr Bojko(2019):„To, čto sejčas proishodit w Gemanii – posledstvija Kemnitza“, in: Aussiedlerbote. 18.01. 2019 https://aussiedlerbote. de/2019/01/alexandr-boiko-to-chto-seichas-proishodit-v-germanii-posledstvijachemniza/. Letzter Zugriff: 01.09.2025. 68  Frank Schumann(2019): Dokumentarfilm»Remember Odessa« ist für keinen Verleiher in der BRD von Interesse. Ein Gespräch mit Wilhelm Domke-Schulz, in: junge Welt. 25.10.2019. 69  Die US-Regierung hat Malkewitsch zur Fahndung ausgeschrieben: https:// rewardsforjustice.net/de/rewards/alexander-malkevich. 70  https://web.archive.org/web/20200325111501/https://fznc.world/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 71  Artur Weigandt, Ivan Ruslyannikov(2023): Deutschland – Drei Lautsprecher für Putin, in: Welt. 18.02.2023. die Opfer„faschistischer Gewalt“ einzutreten. Dabei wird die Erzählung tradiert, die die Rolle rechtsradikaler Kräfte im Anti-Maidan-Spektrum verschweigt und gleichzeitig die Bedeutung solcher Kräfte innerhalb des Maidan überzeichnet. Ein wichtiger Multiplikator war der ukrainische Flüchtling Oleg Muzyka, der jahrelang als„authentische Stimme“ des Anti-Maidan in Deutschland auftrat und eine gewisse Resonanz erzielte. 72 Einer seiner Unterstützer war der seit 1991 in Deutschland lebende Schriftsteller Saadia Isakov. 73 Für die linke Tageszeitung junge Welt interviewte Isakov 2018 den ehemaligen Außenminister der Regierung Wiktor Janukowytschs, Leonid Koschara. 74 Isakovs Mitinverwiever war Wladimir Sergijenko, ebenfalls Autor der jungen Welt. Sergijenko arbeitete jedoch bereits seit 2017 für den oben erwähnten AfD-Abgeordneten Ulrich Oehme und gründete 2021 gemeinsam mit ihm das Institut für Gesellschaftsforschung gGmbH(IfG). 75 2024 wurde Sergijenko schließlich von der Bundesrepublik im Zusammenhang mit Spionagevorwürfen ausgebürgert. 76 Wichtig ist aber, dass er sich lange Zeit zwischen linken und rechten Kontexten bewegen konnte – und dadurch maßgeblich zur Etablierung des Narrativs von der „faschistischen Ukraine“ beitrug. Die anderen Zielgruppen: Es wäre falsch, die Anschlussfähigkeit und Wirkung russischer Propaganda ausschließlich auf Rechtsradikale, antiimperialistisch-sowjetnostalgische Linke, die russischsprachige Community oder den harten Kern der Verschwörungsgläubigen zu beschränken. Ihre Spuren lassen sich auch an ungewöhnlichen Stellen finden – etwa in kostenlosen Esoterik-Anzeigenblättern oder auf scheinbar unverfänglichen Websites zu Themen wie„kritische Tiermedizin“. 77 72  Zu der Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gegenüber Muzyka[Musyka] vgl.: Julian Röpcke(2020): Ist dieser Berliner Aktivist ein Kreml-Agent? Angeblich linke Organisation hält enge Kontakte zu Rechtsextremen und mutmaßlichen KremlMedien, in: Bild. 25.09.2020; Ulrich Heyden(2020): Offener Brief von Oleg Musyka an„Bild”-Journalist Julian Röpcke, in: NachDenkSeiten. 09.10.2020 https://www. nachdenkseiten.de/?p=65663 Letzter Zugriff: 01.09.2025. 73  Frank Schumann, Saadi Isakov, Oleg Muzyka, Lilia Bersuch(2019): Brennendes Gewissen Der 2. Mai 2014 in Odessa und die Folgen. Fünf Jahre danach. Berlin, 2019. 74  Saadi Isakov, Wladimir Sergijenko(2018): Zerstörung der Vielfalt kann zum Kollaps führen“. Über den Konflikt in der Ukraine, die Rolle Russlands und Irrtümer des Westens. Ein Gespräch mit Leonid Koschara, in: junge Welt. 14.06.2018. https:// www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/334099.zerst%C3%B6rung-dervielfalt-kann-zum-kollaps-f%C3%BChren.html Letzter Zugriff: 01.09.2025. 75 https://firmeneintrag.creditreform.de/09128/3030372345/IFG_INSTITUT_ FUER_GESELLSCHAFTSFORSCHUNG_GGMBH Letzter Zugriff: 01.09.2025. 76  Russischen Pass verschwiegen: Berliner Gericht bestätigt Ausbürgerung von ExAfD-Mitarbeiter, in: Tagespiegel. 28.06.2024. https://www.tagesspiegel.de/berlin/ russischen-pass-verschwiegen-berliner-gericht-bestatigt-ausburgerung-von-ex-afdmitarbeiter-11924744.html Letzter Zugriff: 01.09.2025. 77  https://kritische-tiermedizin.de/ Letzter Zugriff: 01.09.2025. 14 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Darüber hinaus existiert eine breite Schicht von Multiplikatoren, die man als Kritiker des Neoliberalismus bezeichnen könnte: Anlageexperten, Finanzinfluencer oder Ökonomen, die im libertären Sinne den Sozialstaat kritisieren und sich als Stimmen betrogener Leistungsträger inszenieren. Ihre Botschaft ist geprägt von apokalyptischen Warnungen: drohende Enteignungen, Börsencrashs, Inflationswellen, ein kommendes Lastenausgleichsgesetz oder totale Überwachung. Ihrem Publikum rechnen sie die Kosten von Migrations- und Klimapolitik, Antidiskriminierungs- und Integrationsmaßnahmen sowie der Unterstützung der Ukraine vor. 78 Ein exemplarisches Beispiel ist Dominik Kettner , 79 der mit apokalyptischen Szenarien Werbung für seinen Edelmetallhandel betreibt. Kettner organisiert Webinare und Konferenzen, unter anderem mit Thilo Sarrazin, sowie bekannten Referenten wie Paul Brandenburg, Max Otte und Ernst Wolff. In seinen Werbevideos erklärt er nicht nur die angeblichen Vorzüge von Gold und Silber, sondern spricht auch vom„Scheitern der EU-Politik gegenüber Russland“ und deren Folgen – und schlägt damit eine direkte propagandistische Brücke. 80 78  Max Gilbert(2023): Wie einige Finanz-Youtuber Verschwörungstheorien bedienen, in: BR.de, 17.03.2023 https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/wie-einigefinanz-youtuber-verschwoerungstheorien-bedienen,TYgEitl]Letzter Zugriff: 01.09.2025. 79  https://www.youtube.com/@KettnerEdelmetalle Letzter Zugriff: 01.09.2025. 80  Sebastian Dalkowski(2024): Wie ein Goldhändler mit Verschwörungstheorien Geld verdient, in: Handelsblatt. 17.12.2024 https://www.handelsblatt.com/finanzen/ maerkte/devisen-rohstoffe/gold-wie-ein-goldhaendler-mit-verschwoerungstheoriengeld-verdient-01/100093250.html. Letzter Zugriff: 01.09.2025. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda 15 Fazit: Voice of Europa und Propaganda als Steinbruch Die jüngsten Auseinandersetzungen um das Netzwerk „Voice of Europe“ zeigen, wie fließend die Grenzen zwischen Propaganda und direkten Kontakten zu politischen Akteuren – einschließlich Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern – sein können. Zugleich wird deutlich, dass Russland ein anhaltendes Interesse an der Koordination und Konsolidierung einschlägiger Kräfte über die Grenzen von Nationalstaaten und politischen Lagern hinweg verfolgt. Das Portal unter diesem Namen existierte seit 2017; damals wurden als Sitz der Redaktion die Niederlande angegeben. Seit 2023 wird es in neuer Aufmachung von Prag aus betrieben, seit 2024 offenbar von Kasachstan aus. 81 Durch die systematische Übersetzung von Texten aus rechten und rechtsradikalen Medien in verschiedene europäische Sprachen trug„Voice of Europe“ zur transnationalen Vernetzung dieser Milieus bei. Inzwischen sprechen die Behörden von direkten Kontakten zu Politikerinnen und Politikern – nicht nur aus den Reihen der AfD und anderer rechter Parteien, sondern auch zu bekannten Mitgliedern des BSW. Bezeichnend ist dabei, dass nicht russische, sondern ukrainische Staatsbürger als Vermittler und Koordinatoren agierten: der Oligarch Wiktor Medwedtschuk sowie der ehemalige Abgeordnete der ukrainischen Werchowna Rada der„Oppositionsplattform“, Oleg Woloschin (Voloshin), gemeinsam mit dessen belarussischer Ehefrau Nadia Sass. Im Fall von„Voice of Europe“ geht es damit nicht mehr nur um Propaganda und Desinformation, sondern auch um Bestechungsvorwürfe und Kontakte zu Personen, die in Spionagefälle verwickelt sind. 82 Russische Propaganda investiert vergleichsweise wenig Ressourcen, um Zielgruppen von etwas gänzlich Neuem zu überzeugen. Stattdessen knüpft sie an bereits vorhandene Gedanken an, bedient bekannte Feindbilder und verstärkt verbreitete Ängste. Ziel ist es weniger, Putin oder Russland zu loben, als vielmehr die Politik der Kontrahenten als gescheitert, als widersprüchlich, nicht zweckdienlich und undemokratisch darzustellen. So entsteht ein„Steinbruch“ von Argumenten, zusammengesetzt aus echten und vermeintlichen Fakten, Beispielen und Narrativen. Daraus können alle mit ihren Regierungen Unzufriedenen schöpfen – unabhängig von den Gründen ihrer Unzufriedenheit. Umgekehrt wächst der Verdacht, jede Form organisierter Proteste sei ein Produkt russischer Einflussnahme. Auch dieser Reflex trägt zur Destabilisierung bei. Bekannte, aber selten beachtete Tatsachen werden propagandistisch als„enttarnte Geheimnisse“ präsentiert; Fake News werden mit echten Meldungen vermischt. Ziel ist nicht in erster Linie, Sympathie für Russland oder Putin zu schaffen, sondern vielmehr ein Klima aus Misstrauen, Verunsicherung und Desorientierung. Propaganda ist wirksam, aber nie allmächtig. Kritik an der Arbeit etablierter Medien – sofern sie nicht in Verschwörungserzählungen abgleitet –, Kompetenz in der Überprüfung von Quellen und Sensibilität im Umgang mit Informationen, die das eigene Weltbild zu bestätigen scheinen, bleiben entscheidende Faktoren. Sie können die Wirkung von Propaganda zwar nicht vollständig neutralisieren, aber erheblich einschränken. Sich jedoch allein auf Fact-Checking oder Debunking zu verlassen, wäre kurzsichtig – denn eines der Ziele von Propaganda besteht gerade darin, möglichst viele Ressourcen in Abwehrreaktionen zu binden. Dringend abzuraten ist auch von sogenannten„Contra-Fakes“ oder„Gegen-Trolling“, die zwar kurzfristige Effekte erzielen, langfristig aber zur allgemeinen Erosion von Vertrauen beitragen. Ebenso fragwürdig, sowohl vom rechtsstaatlichen als auch vom taktisch-pragmatischen Standpunkt, erscheint die Einfrierung der Privatkonten von Medienmachern bei bundesdeutschen Banken. Derartige Praktiken treffen unbeteiligte Angehörige, erfolgen ohne gerichtliche Beschlüsse, schaffen Märtyrer und sind gefährlich nahe an der Anwendung der russländischen Gesetze gegen so genannte„ausländische Agenten“. 81  Elena Crisan(2024):„Voice of Europe“: Russische Propagandaseite wieder online, in: Profil. Letzter Zugriff: 12. 04.2024. 82  Jonas Mueller-Töwe, Lars Wienand(2025): Wagenknechts Kanal zum Kreml, in: T-online.de, Letzter Zugriff: 17.11.2025. https://www.t-online.de/nachrichten/ deutschland/innenpolitik/id_100999026/buendnis-sahra-wagenknecht-bswkontakte-nach-russland.html. 16 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Handreichung zu Wirkungsweisen der modernen russischen Propaganda: Akteure, Strategien, Methoden → Die Medien haben eine enorme Rolle bei der Festigung von Wladimir Putins Macht innerhalb des russischen Staates gespielt. Die Kontrolle über die Medienlandschaft zu erlangen, gehörte zu seinen ersten Prioritäten, nachdem er 1999 an die Macht gekommen war. → Jüngste Entwicklungen haben jedoch immer deutlicher gemacht, wie bedeutend die Rolle der Medien bei der Gestaltung der russischen Außenpolitik ist. Im Westen wird heftig darüber debattiert, wie auf„russische Fakes“ und „russische Propaganda“ zu reagieren ist. Quer durch das politische Spektrum beziehen Menschen ihre Informationen aus Quellen, die offen oder oft verdeckt mit dem russischen Staat verbunden sind. → Dieser Aufsatz untersucht die Strukturen, Akteure, Methoden, Inhalte und Zielgruppen der russischen Propaganda. Er bestreitet nicht, dass auch die Gegenseite Propaganda in großem Umfang einsetzt, sondern identifiziert vielmehr die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden. Anhand konkreter Beispiele zeigt er die Folgen auf, die die gezielte Verbreitung von Desinformation bereits hervorgebracht hat, und erörtert Methoden, ihr entgegenzuwirken. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de