Fachhochschulen in der deutschen Hochschullandschaft Wo stehen sie? Wo sollen und wollen sie hin? 1. Einleitung 2. Fachhochschulen in der deutschen Hochschullandschaft 2.1. Zu Profil und Aufgaben der Fachhochschulen 2.2. Zur gegenwärtigen Situation der Fachhochschulen 3. Fachhochschulen in Thüringen 3.1. Zur Entstehung und zum Profil der thüringischen Fachhochschulen 3.2. Entwicklung der Personalstellen und der Studierendenzahlen 3.3. Entwicklung der flächenbezogenen Studienplätze 3.4. Zur Forschung 4. Fazit 2 1. Einleitung Mit dem vorliegenden Material informiert die GEW zum Bereich der Fachhochschulen. Die Thüringer Fachhochschulen werden unter speziellen Gesichtspunkten vorgestellt, dabei wird das„Soll“ und das„Ist“ betrachtet. Darüber hinaus sollen aus GEW-Sicht Probleme im Umfeld der Fachhochschulen benannt und Lösungsansätze aufgezeigt werden. 2. Fachhochschulen in der deutschen Hochschullandschaft 2.1. Zu Profil und Aufgaben der Fachhochschulen 1 25 Jahre nach Gründung der ersten Fachhochschulen sind diese ein unverzichtbarer Bestandteil des differenzierten deutschen Hochschulsystems geworden. Als neuer berufsorientierter Hochschultyp haben sich die Fachhochschulen inzwischen auch in den neuen Bundesländern ein beachtliches Renommee erarbeitet. Nach den Vorstellungen des Wissenschaftsrates sollten perspektivisch bis zu 40% der studierwilligen jungen Menschen ihr Studium an den Fachhochschulen aufnehmen. Im Zusammenhang mit Aussagen der Wissenschaftsratsvorsitzenden Prof. Schipanski 2 deuten neuere Meldungen in diesem Punkt jedoch eine veränderte Auffassung des Wissenschaftsrates an, die in seinen Empfehlungen zur Universität Erfurt und den dort geäußerten Standpunkten zu den Fachhochschulen in Thüringen noch keine Rolle gespielt zu haben scheint(s. hierzu auch Pkt. 2.3.). Der Generalsekretär des Wissenschaftsrates Dr. Benz erklärte auf Nachfragen, daß die 40% nicht mehr „blindlings“ weiterverfolgt werden sollten 3 . Die Fachhochschulen besitzen einen spezifischen Bildungsauftrag. Sie sollen berufsorientiert und damit anwendungsorientiert und besonders praxisnah ausbilden. In diesem Zusammenhang ist die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis in der Lehre- wie vom Gesetzgeber betont- ein herausragendes Merkmal der Fachhochschulen, das ihr ein eigenständiges Profil geben soll 4 . Gesetzliche Grundlage dafür sind das Hochschulrahmengesetz(HRG) und die Hochschulgesetze der Länder. 1 In den folgenden Aussagen stützen wir uns vor allem die„Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Entwicklung der Fachhochschulen in den 90er Jahren“, hrsg. vom Wissenschaftsrat, Köln 1991 2 Prof. Schipanski äußerte sich im Februar 1996 dazu, daß der Wissenschaftsrat eine„neue Vision“ für die Zukunft der Universitäten entwickeln wolle und die Fachhochschulen nicht länger auf Kosten der Universitäten ausgebaut werden sollten. Sie kündigte eine kritische Analyse der Arbeit der Fachhochschulen an. Dies löste Diskussionen aus und führte offensichtlich zu Nachfragen. 3 dpa- Dienst für Kulturpolitk 7/ 96 vom 12.02.1996 4 Empfehlungen des Wissenschaftsrates..., S. 13 3 Absolventen der Fachhochschulen, deren Regelstudienzeit sich einschließlich Praxissemester über acht Semester erstreckt, sollen mit anwendungsbereitem, aktuellem Wissen recht bald(und jung an Jahren) in Wirtschaft und Industrie, in kommunalen und sozialen Bereichen der Gesellschaft wirksam werden und so auch dazu beitragen, in diesen Bereichen für Innovation zu sorgen. Gerade aus diesem Grunde kommt den Fachhochschulen, besonders in der sie umgebenden Region, große Bedeutung zu. Aus der Komplexität des o.g. Bildungsauftrages heraus ergeben sich für die Fachhochschulen wie auch für die Universitäten die vier Aufgabenfelder„Lehre“, „Forschung“,„Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses“ und „Dienstleistungen“(z. B. Weiterbildung, Technologietransfer). In Folge der spezifischen Orientierung der Fachhochschulen gibt es jedoch Unterschiede zwischen den Fachhochschulen und den Universitäten. 2.2. Zur gegenwärtigen Situation der Fachhochschulen Damit die Fachhochschulen jetzt und in Zukunft die ihnen übertragenen Aufgaben und die an sie seitens der Gesellschaft gestellten Erwartungen erfüllen können, ist eine angemessene Ausstattung zu sichern. Leider zeigt sich, daß die Fachhochschulen in den alten und nun auch den neuen Bundesländer für viele Politiker das Modell der„Billig-Hochschulen“ ist, dies ganz besonders in der Frage der Personalstruktur und-ausstattung. Nach der Gesetzeslage ist die Lehre die Hauptaufgabe der Fachhochschulen. In vielen Landeshochschulgesetzen ist inzwischen auch(angewandte) Forschung und Entwicklung(FuE) als Aufgabe der Fachhochschulen definiert, die Regelungen dafür sind jedoch unterschiedlich. Forschung und Entwicklung als Aufgabe wird nicht zuletzt aus der Forderung nach anwendungsorientierter und praxis-naher, auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik basierender Lehre abgeleitet. Dafür sind die personellen Voraussetzungen jedoch meist denkbar schlecht. Dies zeigt sich u. a. darin, daß • Professoren nach der KMK-Vereinbarung von 1992 in der Regel ein Lehrdeputat von 18 Semesterwochenstunden haben, einige alte und neue Bundesländer behalten sich eine Reduzierung auf einen Umfang bis zu 16 Semesterwochenstunden vor 5 ; • wissenschaftlicher Mittelbau, der eine wichtige Stütze für kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit sein könnte, für die Fachhochschulen meist immer noch abgelehnt wird; • der Umfang der Lehrverpflichtung für„Lehrkräfte für besondere Aufgaben“, sofern es sie an den Fachhochschulen überhaupt in nennenswerter Zahl gibt, 5 KMK-Vereinbarung über die Lehrverpflichtung an Hochschulen(ohne Kunsthochschulen) vom März 1992 4 nach dem Willen der KMK deutlich über dem Lehrdeputat der Professoren liegen soll 6 , das heißt, dies sollen in einer Reihe von Fällen 22 Semesterwochenstunden sein. Mit diesem Lehrdeputat liegen die Verpflichtungen der Beschäftigten an den Fachhochschulen deutlich über denen vergleichbarer Beschäftigter an Universitäten. Forschung ist- wie bereits konstatiert- in den meisten Landesgesetzen auch als Aufgabe der Fachhochschulen verankert. In seiner 1995 veröffentlichten Untersuchung zeigt Holtkamp 7 auf, daß Leistungen dafür allerdings von Fach zu Fach, von Fachhochschule zu Fachhochschule und von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich erbracht werden. Dies wird u. a. an der Anzahl der Projekte und ihrer finanziellen Ausstattung deutlich. Beispielsweise hat Holtkamp festgestellt, daß • in der besseren Ausstattung sich deutlich die ingenieurwissenschaftlichen Fächer heraushoben; auf sie entfielen zwei Drittel des Aufkommens der etatisierten 8 und knapp die Hälfte der Finanzmittel der nicht etatisierten 9 Projekte; auf das Fach Sozialwesen dagegen beispielsweise nur 6% des Aufkommens der etatisierten und knapp 4% des nicht etatisierten Bereichs; • etwa 70% der an den Fachhochschulen verwalteten FuE-Projekte in nur 4 Ländern durchgeführt wurden, und zwar in Nordrhein-Westfalen 28% Sachsen 18% Baden-Württemberg 13% Niedersachsen 11% • vom Gesamtvolumen aller Forschungsmittel(soweit sie dem Untersuchenden angezeigt worden sind) mehr als zwei Drittel auf die Hochschulen aus nur vier Ländern entfielen, auf Sachsen 27% Nordrhein-Westfalen 19% Baden-Württemberg 11% Niedersachsen 10% 10 In den neuen Bundesländern wirken dabei neben der Personalproblematik u. a. auch die Standortverteilung der Hochschulen aus der Zeit der DDR nach und wie man es verstanden hat, vorhandenes Forschungspotential in die seit 1990 6 ebenda 7 R. Holtkamp: Forschung an Fachhochschulen. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. HISKurzinformation A2/ 95, S. 1 8 Diese Forschungsprojekte stellen den institutionellen Kern der FH-Forschung dar; die Verwaltung der Mittel erfolgt durch die Hochschulen. 9 Darunter werden Forschungsprojekte verstanden, die von den Fachhochschullehrern in Nebentätigkeit bearbeitet werden. Die Hochschule tritt nicht als Mittelverwalterin auf. 10 R. Holtkamp: a. a. O. 5 entstandenen FH einzugliedern. Außerdem spielt in diesem Zusammenhang die Existenz von Industriestandorten eine wichtige Rolle. Letztgenannter Gesichtspunkt zeigt sich z. B. im Bereich der nicht etatisierten Forschung, die die Professoren an den Fachhochschulen durchführen, deutlich. Holtkamp hat als größten finanziellen Förderer der nicht etatisierten Forschung an Fachhochschulen die private Wirtschaft ermittelt, ca. 60% aller Projekte wurden durch sie finanziert(bei den etatisierten Projekten war die Förderung mit öffentlichen Mitteln bedeutsamer). Hinzu kommt, daß knapp 80% der privatwirtschaftlichen Förderung durch Großbetriebe erfolgt. 11 Das diesbezügliche Umfeld in den neuen Bundesländern ist ein gänzlich anderes als in den alten. Meist ist es in vergleichbarer Form überhaupt nicht vorhanden. Auch von daher wird ein Großteil der in den neuen Bundesländern gegründeten Fachhochschulen noch eine gehörige Durststrecke durchlaufen müssen. In seinen Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen in den 90er Jahren orientierte der Wissenschaftsrat 12 auf einen zügigen Auf- und Ausbau dieser Hochschulart in Deutschland(und besonders in den neuen Bundes-ländern) und die Schaffung der Arbeitsbedingungen, die es den Fachhoch-schulen ermöglichen, die an sie gestellten Erwartungen der Gesellschaft in ihren Aufgabenbereichen zu erfüllen. Für die neuen Bundesländer hat er z. B. ange-regt, die Bedingungen für die Wahrnehmung von FuE-Aufgaben der im Haupt-amt an den Fachhochschulen tätigen Professoren zu verbessern. Dazu erachtete er in seinen Empfehlungen u. a. folgendes als erforderlich: • die Bildung von Bereichen mit Forschung und Entwicklung als Schwerpunkt, • ausreichende Labor- und Geräteausstattung, • die Reduzierung des Lehrdeputats forschungsaktiver Professoren(auf Antrag und befristet) • den Einsatz qualifizierter Lehrbeauftragter • den vermehrten Einsatz studentischer Hilfskräfte in der Lehre mit einem Vergütungssatz gleich dem in den Universitäten • die angemessene personelle Ausstattung mit Mitarbeitern; zur Durchführung bestimmter FuE-Projekten sollten auch wissenschaftliche Mitarbeiter eingestellt werden.(Der Wissenschaftsrat sprach sich allerdings deutlich gegen die Einrichtung von Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter oder Assistenten zur Bewältigung von Lehraufgaben aus.) Nach Meinung des Wissenschaftsrates macht das Lehrdeputat für Fachhochschulprofessoren von 18 Semesterwochenstunden die gesellschaftlich gewünschte Wahrnehmung von FuE-Aufgaben fast unmöglich und läßt auch anwendungsorientierte Lehre in kleinen Gruppen und am Forschungsgegenstand 11 R. Holtkamp: a. a. O. 12 a. a. O. 6 nicht zu. Letzteres ist insbesondere für das Studium in den höheren Semestern sehr wichtig. Aber es deutet sich auch fünf Jahre nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates keinerlei Veränderung der Situation an, obwohl eine Reform im Interesse von Lehre und Studium sowie Forschung dringend notwendig wäre. Zusammenfassung: Für Fachhochschulen soll der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit weiterhin auf der Lehre liegen. Die Partizipation an Forschungs- und Entwicklungstätigkeit ist aber erforderlich, um die Lehre zu fördern und ihre Qualität zu steigern. In diesem Zusammenhang darf es keinen Unterschied zu Universitäten geben. Um wissenschaftlich modern und damit den Anforderungen entsprechend lehren zu können, ist Forschung erforderlich. Das Prinzip der Einheit von Lehre und Forschung als anerkanntes Grundprinzip der wissenschaftlichen Hochschulen(= Universitäten) muß auch an den Fachhochschulen realisiert werden können. Von seiten der Politik sind an den Aufgaben der Fachhochschulen(besser) orientierte Gesetze/ Verordnungen zu schaffen bzw. muß die konsequente Umsetzung vorhandener Regelungen erfolgen. Es muß aber auch für Rahmenbedingungen Sorge getragen werden, die zur Entwicklung/ Konsolidierung der notwendigen Infrastruktur beitragen. Dies bedeutet vor allem • die Reduzierung des Lehrdeputats für das wissenschaftliche Personal; • eine Veränderung der Personalstruktur und-ausstattung, das bedeutet auch, daß an den Fachhochschulen für Lehr- und Forschungsaufgaben ein qualifizierter wissenschaftlicher Mittelbau(als Stammpersonal) und entsprechendes nichtwissenschaftliches Personal zur Verfügung stehen muß; • ausreichende materielle Ausstattung und • für einen Großteil der neuen Bundesländer aufgrund der regionalen Wirtschaftssituation die Schaffung zusätzlicher Möglichkeiten der Forschungsförderung durch die Länder. 3. Fachhochschulen in Thüringen 3.1. Zur Entstehung und zum Profil der thüringischen Fachhochschulen 1991 wurden in Thüringen die ersten drei Fachhochschulen gegründet. Das Thüringer Hochschulgesetz definiert ihre speziellen Aufgaben so:„Die Fachhochschulen erfüllen ihre Aufgaben... durch anwendungsbezogene Lehre und entsprechende Forschung.“ 13 An den Standorten Erfurt, Jena und Schmalkalden bildeten die dort bis dahin existierenden Ingenieurschulen den Grundstock für die neuen Fachhochschulen. 13 ThürHG§ 4 Abs. 1 Satz 3 7 Im„Studien-Info 95/ 96 Thüringen“, das vom Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur herausgegeben wurde, wird für die Fachhochschule Erfurt ausdrücklich vermerkt, daß bei der Ausbildung der Studierenden„in nahezu allen Studiengängen... auf langjährige Erfahrungen aus der Zeit der Ingenieurschulen zurückgegriffen werden(kann)“ 14 . Nachfolgend genannte Studiengänge, die zum Diplom(FH) führen, werden von den drei Thüringer Fachhochschulen gegenwärtig im Direktstudium angeboten. Tabelle 1: Studiengänge/ Studienrichtungen an den Fachhochschulen Thüringens FH Erfurt(FHE) Architektur Bauingenieurwesen Betriebswirtschaft FH Jena(FHJ) Betriebswirtschaft FH Schmalkalden(FHS) Betriebswirtschaft Gartenbau Landschaftsarchitektur Restaurierung Sozialwesen Verkehrs- u.Transportwesen Versorgungstechnik Elektrotechnik Feinwerktechnik Maschinenbau Medizintechnik Physikalische Technik Sozialwesen Umwelttechnik Werkstofftechnik Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik Informatik Maschinenbau Wirtschaftsinformatik Wirtschaftsingenieurwesen Wirtschaftsrecht (Modellstudiengang) Die beiden Studiengänge„Restaurierung“ und„Verkehrs- und Transportwesen“ der Fachhochschule Erfurt und der Studiengang„Wirtschaftsrecht“ der Fachhochschule Schmalkalden gehören zu den neuartigen Studiengängen an Fachhochschulen 15 in der Bundesrepublik. Darüber hinaus bieten die Thüringer Fachhochschulen Möglichkeiten der Nachqualifizierung für Absolventen der ehemaligen Ingenieurschulen an. Diesen Absolventen wird damit die Gelegenheit gegeben, über ein Zusatzstudium den Titel„Diplomingenieur(FH)“ verliehen zu bekommen. Die Nachqualifizierung ist zum einen als Direktstudium möglich, zum anderen kann auch ein Fernstudienbrückenkurs absolviert werden. 14 a. a. O., S. 18 15 H. Jahn: Neue Studiengänge an Fachhochschulen. In: hbl Die neue Hochschule 2/ 95, S. 18 f. 8 In allen drei Fachhochschulen wird angewandte Forschung betrieben. Genauere Informationen dazu erfolgen unter Pkt. 3.4. dieses Infos. 3.2. Entwicklung der Personalstellen und der Studierendenzahlen Mit dem neuen Hochschultyp sind in Thüringen leider auch die seit langem kritisierten Verhältnisse aus den westlichen Bundesländern übernommen worden, dies gilt wie bereits gesagt besonders im Hinblick auf die Personal-struktur- und ausstattung. Thüringen hat die Chance ungenutzt gelassen, mit der Etablierung des neuen Hochschultyps im Land diesen Fehler der westlichen Bundesländer zu korrigieren und eine andere Personalstruktur an den Fach-hochschulen zu schaffen, als dies an den Fachhochschulen der westlichen Bundesländer der Fall ist. Zur Wahrnehmung der Aufgaben in Lehre und Forschung ist unbedingt ein wissenschaftlicher Mittelbau notwendig. Dies fordern selbst die Rektoren der Fachhochschulen. Die im Landeshochschulplan vorgesehene Ausstattung für die Fachhochschulen bis 1999 läßt in dieser Richtung jedoch kaum eine Entwicklung erkennen(siehe auch Tabellen 3 und 4). Tabelle 2: Personalstellen an den Fachhochschulen von 1993 bis 1996 16 Stellen Stellen Stellen 1995 1993 1994 ∑ ∑ aG Ang Arb 19 ∑ 17 18 Stellen 1996 aG Ang Arb ∑ FHE 248 FHJ 206 FHS 150 ∑ 604 262 143 112 33 288 151 112 33 296 227 128 109 11 248 131 109 11 251 155 75 69 16 160 80 70 16 166 644 346 290 60 696 362 291 60 713 Tabelle 3: Stellenzuführungen an die Fachhochschulen bis 1999 20 1996 1997 1998 1999 ∑ FHE 8 8 2-+ 18 FHJ 3 9 15 15+ 42 16 Quellen: Freistaat Thüringen, Landeshaushaltspläne 1993, 1994, 1995, 1996, Einzelplan 15 17 aufsteigende Gehälter 18 Angestellte 19 Arbeiter 20 Quelle: Der Thüringer Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Stellenabbau, Stellenaufbau und Stellenumbau im Hochschulbereich. Ohne Datum 9 FHS 6 4 5 5+ 20 ∑ 17 21 22 20+ 80 Tabelle 4: Vorgesehene Personalstruktur und-ausstattung im Jahr 1999 21 Prof. üwP 22 Relation Prof: üwP nwP 23 Relation wP 24 : nwP ∑ (2):(3) (2+3):(5) (1)(2)(3) (4)(5) (6) (7) FHE 157 20 1: 0,12 129 1: 0,73 306 FHJ 142 30 1: 0,2 118 1: 0,69 290 FHS 84 8 1: 0,1 88 1: 0,96 180 ∑ 383 58 1: 0,15 335 1: 0,76 776 Tabelle 5: Entwicklung der Studierendenzahlen(gesamt) und der Studienanfängerzahlen 1991 bis 1995(real) und bis 2005(prognostisch) 1991 25 1992 26 1993 27 1994 28 1995 29 2000 30 2005 30 FH E FH J FH S FH ∑ Studierende Stud.-Anf.. Studierende Stud.-Anf. Studierende Stud.-Anf. Studierende Stud.-Anf. 600 600 273 252 203 191 1.076 1.043 1.217 828 796 679 537 285 2.550 1.792 2.045 1.068 1.316 686 889 413 4.250 2.167 2.521 768 1.871 522 1.161 461 5.553 1.751 2.897 736 2.194 438 1.248 274 6.339 1.448 4.009 4.343 Die Angaben im oberen Teil der Tabelle 5 für die Jahre 1991 bis 1995 sind die realen Studierenden- und Studienanfängerzahlen 31 . Die Angaben im unteren Teil der Tabelle 5 sind Prognosen des Landes im Landeshochschulplan. Die realen Studienanfängerzahlen verzeichneten ihren stärksten Anstieg 1993 und waren dann bis 1995 rückläufig. Dies hat seine Ursache in der Nachqualifizierung, die rückläufig war bzw. wieder weggefallen ist, aber auch in Zulassungsbeschränkungen 32 . Letztere müssen allerdings auch wieder über die 21 Anlagen zum Landeshochschulplan Thüringen(Entwurf), S. 37 ff. 22 übriges wissenschaftliches Personal 23 nichtwissenschaftliches Personal 24 wissenschaftliches Personal 25 Thüringer Landesamt für Statistik, Statistisches Jahrbuch 1993 26 Thüringer Landesamt für Statistik, Statistisches Jahrbuch 1994 27 Thüringer Landesamt für Statistik, Statistisches Jahrbuch 1995 28 Thüringer Landesamt für Statistik, Statistischer Bericht 1995: Studenten und Personal an den Hochschulen in Thüringen 1994/ 95 29 laut Auskunft des Statistischen Landesamtes Thüringen vom Februar 1996 30 Anlagen zum Landeshochschulplan Thüringen(Entwurf), S. 28 31 Die Studienanfänger sind die Studierenden im 1. Hochschulsemester. 32 Landeshochschulplan Thüringen(Entwurf), Erfurt, den 28.12.95, S.33 f. 10 Einrichtung neuer Studiengänge/ Studienrichtungen überwunden werden, will man die prognostizierten Anfängerzahlen im Jahr 2005 annähernd erreichen. Die(Gesamt-)Studierendenzahlen haben sich seit der Gründung der Fachhochschulen bis zum Studienjahr 1995/ 96 gesteigert. Allerdings haben sich die jährlichen Steigerungsraten verringert.(Ursachen siehe oben). Beim Anstieg der(Gesamt-) Studierendenzahlen zählen die Studienfachwechsler; die Studierendenanzahl im 1. Fachsemester ist aufgrund der Studienfachwechsler im allgemeinen höher als die Studierendenanzahl im 1. Hochschulsemester. Alle Prognosen(siehe zum Beispiel GEW-Info siehe zum Beispiel GEW-Info Nr. E 4/1995„Die Thüringer Hochschulen und ihre Studierenden- zur Entwicklung der Studierendenzahlen“) weisen auf einen weiteren Anstieg der Studierendenzahlen an den Fachhochschulen hin. 3.3. Entwicklung der flächenbezogenen Studienplätze Um das Angebot an flächenbezogenen Studienplätzen erweitern zu können, beabsichtigt das Land, bis 1999 eine Fachhochschule in Nordthüringen und nach 1999 eine weitere Fachhochschule in Ostthüringen zu errichten 33 . Der Wissenschaftsrat empfiehlt, daß das Land diese Pläne konsequent verfolgt 34 . Derzeit laufen die Planungen für die Fachhochschule Nord. Bis zum Jahr 2005 soll sich die Entwicklung der flächenbezogenen Studienplätze an den einzelnen Fachhochschulen wie folgt gestalten: Tabelle 6: Entwicklung der flächenbezogenen Studienplätze im Bereich der Fachhochschulen bis zum Jahr 2005 35 FH Erfurt FH Jena FH Schmalkalden FH Nord FH Ost ∑ 1993 985 674 537 0 0 2.196 1994 1.431 911 551 0 0 2.893 1999 2.850 2.800 1.500 300 0 7.450 2005 3.300 3.200 1.750 1.000 550 9.800 33 Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates: Stellungnahme zur Aufname der Universität Erfurt in das Hochschulbauverzeichnis des Hochschulbauförderungsgesetzes. Drs. 2273/ 95, Köln 25.10.1995, S. 69 34 Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates: Stellungnahme zur Aufname der Universität Erfurt in das Hochschulbauverzeichnis des Hochschulbuförderungsgesetzes, Drs. 2273/ 95, Köln 25.10.1995, S. 69 35 Landeshochschulplan Thüringen(Entwurf). Erfurt, den 28.12.95, S. 40 11 Bei einer im Landeshochschulplan(Entwurf) geplanten Gesamtzahl von 30.750 flächenbezogenen Studienplätzen für Thüringen für das Jahr 2005 36 betrüge damit der Fachhochschulanteil 31,9%(in der Stellungnahme des Wissenschaftsrates sind 28% vermerkt), 1995 waren es 17,4% 37 . Auf ein ernstzunehmendes Problem macht der Wissenschaftsrat in diesem Zusammenhang aufmerksam: Er hat eingeschätzt, daß der Finanzbedarf insbesondere für den Ausbau der vorhandenen Fachhochschulen vermutlich höher sein wird als die vom Land veranschlagten 355 Millionen DM bis zum Jahre 2005. 38 Hingewiesen werden soll in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die Probleme bezüglich der Personalausstattung. Im Bereich der flächenbezogenen Studienplätze ist im Vergleich von 1994 und 1999(ohne die geplanten Studienplätze für die Fachhochschule Nord) ein Wachstum von 2.893 auf 7.150 flächenbezogene Studienplätze(Steigerung um 147,1%) geplant. Im personellen Bereich soll die Steigerung im gleichen Zeitraum 20,5% betragen. Dies be-deutet Überlast, die auf jeden Fall zu schwierigen Studienbedingungen und damit verbundenen Problemen, z. B. Verlängerung von Studienzeiten und höheren Abbrecherquoten, führen kann und bestimmt auch wird. 3.4. Zur Forschung Der Landeshochschulplan Thüringen(Entwurf) weist eine Auswahl an Forschungsprojekten der drei Fachhochschulen aus. Die dafür insgesamt eingeworbenen Drittmittel(in DM) sind in Tabelle 7 dargestellt(nach Angaben der Hochschulen). Tabelle 7: Entwicklung der Drittmitteleinwerbung an den Fachhochschulen von 1991- 1995 39 : FH Erfurt FH Jena FH Schmalkalden ∑ 1991 20.000 1992 537.000 1993 45.000 3.105.000 1.245.000 4.395.000 1994 648.000 3.909.000 1.243.000 5.800.000 1995 4.598.000 260.000 In den Jahren 1993 und 1994, für die die Angaben der Fachhochschulen zu den eingeworbenen Drittmitteln vollständig vorliegen, betrug die Steigerung 32%, ein Zeichen für die Leistungsfähigkeit der Forschenden trotz problematischer Forschungsbedingungen an den Fachhochschulen. Unter den gegebenen Bedin36 ebenda 37 Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates: Stellungnahme zur Aufname der Universität Erfurt... S. 7 38 Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates: Stellungnahme zur Aufname der Universität Erfurt... S. 69 39 Landeshochschulplan Thüringen. Entwurf. Erfurt, den 28.12.95, S. 63 ff. 12 gungen der Personalausstattung und-struktur bestehen praktisch große Schwierigkeiten, Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Gang zu bringen und durchzuführen. Derzeitig laufende Forschungsprojekte funktionieren u. a. nur deshalb, weil sie zum Teil von den an die Fachhochschulen Thüringens berufenen Professoren aus dem vorangegangenen Wirkungsfeld mitgebracht wurden und nun hier fortgeführt werden. Nach§ 4 Abs. 1 Satz 4 ThürHG obliegt es dem Land,„im Zusammenwirken mit den Fachhochschulen durch entsprechende Maßnahmen die Forschungsmöglichkeiten der Fachhochschulen auszubauen und Möglichkeiten zur Förderung eines wissenschaftlichen Nachwuchses für diesen Hochschulbereich schrittweise zu entwickeln“. Die ist besonders wichtig, da es in den neuen Bundesländern durch die kaum vorhandene Industrieforschung an Zentren für den Wissenschaftstranfer fehlt und man diesbezüglich sehr hohe Erwartungen an die Fachhochschulen stellt. Die personellen Voraussetzungen sind für die Forschung jedoch unzureichend, Anforderungen können gegenwärtig nur durch enormen Einsatz der Lehrenden und Forschenden kompensiert werden(s. dazu auch„thüringer zeitschrift für bildung, erziehung und wissenschaft“ der GEW, Heft 12/ 95, S.6 f.). Hier hat das Land Nachholbedarf, der allerdings kaum mit den geplanten 80 Stellenzuführungen bis 1999 abgedeckt werden dürfte. Wenn Leistungen in Lehre und Studium(mit steigenden Studierendenzahlen) sowie Forschung erwartungsgemäß erfüllt werden sollen, muß das Land den Fachhochschulen auch eine aufgabengerechte Personalstruktur und-ausstattung mit einem wissenschaftlichen Mittelbau gewährleisten. Für die Forschung gibt es außerdem zu wenig industrielles Umfeld, mit dem Kooperation und Forschungsförderung vereinbart werden könnte. Erschwerend für die Forschung wirkt außerdem, daß die vom Land erstellten Richtlinien zur Forschungsförderung an den Fachhochschulen nur sehr bedingt greifen und damit die Drittmittelfähigkeit nur sehr wenig erhöhen helfen. 4. Fazit Neben allgemeinen Informationen zum Hochschultyp„FH“ sollten auch die Thüringer Fachhochschulen näher vorgestellt werden. Auch wollten wir deren Probleme aus GEW-Sicht benennen. Fachhochschulen sind ein Hochschultyp, der aus einer ganzen Reihe von Gründen sowohl für Studierende und die Wissenschaft, aber auch für die Finanz- und Hochschulpolitik interessant ist. Nur kann man ihn nicht verklären, wie es besonders aus den Reihen der Politik oft erfolgt. Es gibt aus hochschul- und wissenschaftspolitischer Sicht eine ganze Reihe Defizite, deren Benennung in der Öffentlichkeit zwar zunehmend klarer 13 erfolgt, an deren Lösung sich die Verantwortlichen jedoch meist nur relativ zögerlich(bis überhaupt nicht) beteiligen. Meinungen, Infos,... an: stangner@orakel.erfurt.thur.de