Verbrannt, geraubt, gerettet! Bücherverbrennungen in Deutschland Eine Ausstellung der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung anlässlich des 70. Jahrestages Verbrannt, geraubt, gerettet! Bücherverbrennungen in Deutschland Eine Ausstellung der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung anlässlich des 70. Jahrestages Mit Beiträgen von Detlev Brunner, Angela Graf, Erhard Stang, Rüdiger Zimmermann Veröffentlichungen der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Bd. 13 Bonn 2003 Eine Ausstellung in der Friedrich- Ebert-Stiftung Hiroshimastraße 17, 10785 Berlin von Januar bis Mai 2003 Redaktion und Ausstellungsgestaltung: Erhard Stang Herausgeber: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Godesberger Allee 149, 53175 Bonn Fotos/Fotobearbeitung/Fotoauswahl: André Castrup, Gabi Lutterbeck, Bernd Raschke Gestaltung: Hilke Käding, Friedrich-Ebert-Stiftung Pellens Kommunikationsdesign GmbH, Bonn ISSN 1432-7449 ISBN 3-89892-141-7 Inhaltsverzeichnis Dieter Dowe Vorwort............................................................................................................................ 7 Angela Graf April/Mai 1933- Die„Aktion wider den undeutschen Geist“ und die Bücherverbrennungen.............................................................................................. 9 Detlev Brunner 2. Mai 1933- Der Sturm auf die Gewerkschaftshäuser und das Schicksal der Gewerkschaftsbibliotheken............................................................ 23 Rüdige r Zimmermann Berlin- Offenbach- Washington- Bonn(mit Umwegen). Das Offenbach Archival Depot als Durchgangsstation für die Gewerkschaftsbestände der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung..................... 31 Erhard Stang Verzeichnis der ausgestellten Druckschriften............................................................ 47 5 Vorwort Unter den mehr als 700.000 Bänden, die die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn und Trier(Karl-Marx-Haus) derzeit umfasst, befinden sich zahlreiche Bücher, in denen Bibliotheksstempel früherer Besitzer von einer bewegten Vergangenheit in der Zeit vor 1945 zeugen. Neben den Stempeln von Arbeiter- oder Gewerkschaftsbibliotheken finden sich häufig Vermerke wie„NSDAP – Hauptarchiv“ oder„Deutsche Arbeitsfront – Arbeitswissenschaftliches Institut“. Etliche dieser so gekennzeichneten Bücher stammen von Autoren, die von den Nationalsozialisten verfemt wurden und deren Werke bei den Bücherverbrennungen im Mai 1933 auf den Scheiterhaufen landeten. Die Besetzung der Gewerkschaftshäuser und die Verhaftung führender Gewerkschaftsfunktio näre am 2. Mai 1933 ging einher mit der Beschlagnahmung des gewerkschaftlichen Vermögens. Dabei fielen den Nationalsozialisten auch die gewerkschaftlichen Bibliotheken und öffentlichen Arbeiterbüchereien in die Hände. Diese Bestände eigneten sich in der Folge NS-Organisationen an – insbesondere die„Deutsche Arbeitsfront“. In einigen Fällen jedoch – wie zum Beispiel in Düsseldorf – wurden in den Gewerkschaftshäusern erbeutete Schriften bei den wenige Tage später stattfindenden Bücherverbrennungen ins Feuer geworfen- ein Akt kultureller Barbarei. Die Bücherverbrennungen in vielen deutschen Städten am 10. Mai 1933 waren Höhepunkt der „Aktion wider den undeutschen Geist“, die – ursprünglich von der nationalistischen, dann nationalsozialistisch dominierten Deutschen Studentenschaft initiiert – von den Nationalsozialisten propagandistisch unterstützt und vorangetrieben wurde. Auf den Scheiterhaufen landeten die Bücher von Autorinnen und Autoren, die von den neuen Machthabern und ihren Anhängern aus den verschiedensten Gründen als„undeutsch“ verfemt wurden: wegen ihrer politischen Haltung, wegen ihrer jüdischen Herkunft oder einfach nur, weil sie moderne Literatur verfassten. Auf die Bücherverbrennungen folgten offizielle„schwarze Listen“, die zur„Säuberung“ der öffentlichen Bibliotheken und der Sortimente des Buchhandels von unerwünschter Literatur führten. Mit der Ausstellung„Verbrannt, geraubt, gerettet. Bücherverbrennungen in Deutschland“ will die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung an diese Ereignisse erinnern. In der Bibliothek werden die Bestände der damals beschlagnahmten Gewerkschafts- und Arbeiterbibliotheken verwahrt, die nach dem Krieg an die neu erstandenen Gewerkschaften im Westen zurückerstattet wurden und in den letzten Jahren von den Gewerkschaften der Stiftung zur dauerhaften Aufbewahrung übergeben wurden. Die in der Ausstellung gezeigten Exponate stammen zum Teil aus diesen Beständen, zum Teil aber auch aus den der Stiftung zugedachten Nachlässe von Sozialdemokraten und Gewerkschaftern, in deren Bibliotheken die Bücher die NS-Zeit überstanden haben. Bonn, im Januar 2003 Prof. Dr. Dieter Dowe Leiter des Historischen Forschungszentrums der Friedrich-Ebert-Stiftung 7 Titelblatt der sozialdemokratischen Schweizer Wochenzeitschrift"Der Kuckuck" vom 21. Mai 1933 8 April/Mai 1933 – Die„Aktion wider den undeutschen Geist“ und die Bücherverbrennungen Angela Graf „Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ – 1821 lässt der junge Heinrich Heine einen spanischen Moslem diesen Satz auf die Nachricht antworten, dass der katholische Kardinal in Granada den Koran in die Flammen warf. Die nationalsozialistische Herrschaft hat Heines Prophezeiung – sie stammt aus seinem ersten Werk, der Tragödie„Almansor“ – in grausiger Weise umgesetzt. Schon im Mai 1933, nicht einmal vier Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, brannten in Deutschland die Bücherhaufen in deutschen Universitätsstädten, später Leiche nberge in den Konzent rationslagern. Zur Vorgeschichte – antidemokratische Tendenzen in den deutschen Eliten Wer die deutsche Gesellschaft nach dem 31. Januar 1933 betrachtet, der muss feststellen, in welch rasanter Geschwindigkeit sich ein Wandel –„Gleichscha ltung“ genannt – vollzog. Schon am selben Abend eroberten die NSDAP-Anhänger mit bombastisch inszenierten Fackelzügen die Straße, kritische Berichterstattung z.B. im Radio wurde prompt geahndet, am 4. und 6. Februar Presse- und Versammlungsfreiheit beschnitten. Ein so angesehenes gesellschaftliches Gremium wie die„Sektion für Dichtkunst“ der„Preußischen Akademie der Künste“ setzte am 15. Februar ihren Vorsitzenden Heinrich Mann ab und verabschiedete einen Monat später eine Loyalitätserklärung für den NS-Staat. Käthe Kollwitz, Thomas Mann, Ricarda Huch und andere renommierte Schriftsteller verließen die Akademie und viele auch gleich das Land. Wie konnte dies geschehen? Sehr lange schon – nicht erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und in dessen 30er Jahren – zeichnete sich ein großer Teil der„Gebildeten“ und der deutschen Akademiker durch antidemokratische, antiaufklärerische, antisemitische und nationalistische Tendenzen aus(vgl. Strätz 1968, Asendorf 1993). Erinnert sei in diesem Zusammenhang an frühere Aktionen, etwa die Bücherverbrennung von Studenten auf der Wartburg 1817, die unter anderem den „Code Napoléon“ in die Flammen warfen. Erich Maria Remarques Antikriegs-Roman„Im Westen nichts Neues“ war Ziel diverser Diffamierungs-Aktionen von SA- Leuten und des „Kampfbundes für deutsche Kultur“ der NSDAP, mit offener oder heimlicher Billigung des Publikums. Die Weimarer Republik war nicht zuletzt daran zu Grunde gegangen, dass sie von den Eliten nicht gestützt wurde. In Hamburg hatten nationalsozialistische Studenten bereits 1929 den Versailler Vertrag und die Weimarer Verfassung verbrannt(Hans 1991, S. 238). Carl von Ossietzky, dem scharfsinnigen Herausgeber der„Weltbühne“, wurde 1931 als Vertreter einer kritischen Intelligenz der politische Prozess gemacht. Im nationa lsozialistischen Konzentrationslager eingesperrt und schikaniert, half auch die Verleihung des Friedensnobelpreises nicht mehr, sein Leben zu retten; Ossietzky überlebte die schweren Haftfolgen nicht. Entfesselte Kräfte nach den Wahlen im März 1933 Nach den Wahlen vom 5. März 1933, die die Regierungskoalition aus Nationalsozialisten und Kampffront Schwarz-Weiß-Rot zum Sieger machten, setzte ein latenter Machtkampf auch 9 innerhalb der Partei ein. Nun zielte die NS-Führung nicht mehr nur auf ihre politische n Gegner und verfolgte die Ausgrenzung der jüdischen Bürger, sie hatte sich auch gegen ihre eigenen Mitglieder durchzusetzen. Denn die Mobilisierung einer siegestrunkenen Anhängerschaft führte zu mehr oder weniger privaten Aktionen, zu wilden Besetzungen einiger Vorstandsetagen von Verbänden und Firmen, offenen Überfällen auf Juden, Plünderungen und Beschlagnahmungen, Verhaftungen und Folterungen(Asendorf 1993, S. 28). In diesen Tagen schien sich alles zu überschlagen, um Loyalität durch vorauseilenden Gehorsam zu demonstrieren oder sich als Handelnde an die Seite des NS-Staates zu stellen. Nationalsozialistische Parteileitung wie Regierung waren erst langsam im Stande, wieder die Führung zu übernehmen. In diesem Rahmen ist auch die„Aktion wider den undeutschen Geist“ zu sehen. Angestoßen mag sie gewesen sein durch die Vorbereitungen im Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda zur ‚Ausmerzung‘ der ‚undeutschen‘ Literatur und Kunst. Ein ministerieller Auftrag an den Bibliothekar Wolfgang Herrmann, eine Aktion„zur Verbrennung der marxistischen und jüdischen Literatur einzuleiten“(zit. nach Strätz 1968, S. 348), wurde in der zweiten Märzhälfte erteilt. Die dann im April und Mai 1933 reichsweit und gleichzeitig ablaufende Kampagne ist auf die Aktivitäten der Deutschen Studentenschaft(DSt) zurück zu fü hren, des 1919 durch Zusammenschluss der Allgemeinen Studentenausschüsse an den Hochschulen entstandenen studentischen Dachverbands(vgl. Strätz 1968). Dort hatten seit 1931 Vertreter des Nationalsozialistischen Deutschen Studenten-Bundes(NSDStB) die Führung übernommen. Durch Verflechtungen bis hin zur Personalunion waren diese beiden Verbände also eng verbunden. Die formal unabhängige Studentenschaft wehrte sich aber gegen einen offiziellen Zusammenschluss. Seit 1925 nahm sie das Recht auf politische Erziehung der deutschen Studenten für sich in Anspruch. Die studentische„Aktion wider den undeutschen Geist“ Nach dem 30. Januar 1933 drängte der NSDStB auf Übernahme der vollen Macht. In dieser Situation gedachte die DSt, ihre ,unabhängige‘ Führungsrolle zu behaupten und dafür ein deutliches Zeichen zu setzen(Strätz 1968, S. 350/86, vgl. auch Sauder 1983). Sie fand ihr Thema mit der ,Entfernung‘ missliebiger Schriftsteller aus der Preußischen Akademie der Künste und wurde inspiriert durch die schon begonnene Erfassung von ,undeutscher‘ Literatur. – Parallel zur„Aktion wider den undeutschen Geist“ der Studentenschaft schritt dann auch die endgültige ,Säuberung‘ der Akademie zügig voran, bis sie am 7. Mai ihren Abschluss fand. Die gesamte Elite der weltbedeutenden deutschen Schriftsteller war betroffen: Alfred Döblin, Leonhard Frank, Georg Kaiser, Thomas Mann, Alfred Mombert, René Schickele, Fritz von Unruh, Jakob Wassermann, um nur einige zu nennen. An ihre Stelle traten Autoren, deren Werke heute kaum jemand kennt: Will Vesper, Hans Grimm, Erwin G. Kolbenheyer, Agnes Miegel – Hans Johst wurde Nachfolger des Vorsitzenden Heinrich Mann in der Sektion Dichtkunst, Hans Friedrich Blunck sein Stellvertreter. Damit „war für die Schaffenden des deutschen Genius, die von der jüdischen Reklametrommel bisher grell übertönt worden waren, jetzt der gebührende Ehrenplatz geschaffen“(Rühle 1934, S. 83. Hervorhebung im Original). Zunächst taktierte die DSt geheimnisvoll, um eine Einmischung des NSDStB zu verhindern: Ein erstes Rundschreiben wurde am 6. April 1933 versandt. Es informierte über die Bildung eines„Hauptamtes für Presse und Propaganda bei der DSt“ und deutete an, dass ab dem 12. 10 Plakat mit den 12 Thesen„Wider den undeutschen Geist!“. (aus:„Das war ein Vorspiel nur“, S. 188) 11 April mit einer vierwöchigen Aktion bis zum 10. Mai zu rechnen sei, die die„gesamte Studentenschaft und die gesamte deutsche Öffentlichkeit“ erfassen sollte(zit. nach Hans 1991, S. 240). Genauere Hinweise fehlten jedoch noch – evtl. aus Gründen der Konspiration. Der NSDStB erfuhr tatsächlich erst am 11. April von den Planungen und meldete mit einer hastig verbreiteten Eil- Erklärung„selbstverständlich“ seinen Führungsanspruch an(Hans 1991, S. 240). Mit dem Rundschreiben P No 2 vom 8. April wussten alle Bescheid: Folgen sollte in den nächsten Wochen eine„öffentliche Verbrennung jüdischen zersetzenden Schrifttums durch die Studentenschaften der Hochschulen aus Anlass der scha mlosen Hetze des Weltjudentums gegen Deutschland“. Der jüdische Geist habe sich bereits hemmungslos offenbart und insbesondere im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden, diese Literatur sei „auszumerzen“(abgedruckt bei Sauder 1983, S. 74ff.). Am 12. April wurden zum Auftakt die„12 Thesen wider den undeutschen Geist“ veröffentlicht. Dazu lieferte die DSt flankierend Artikel für Zeitungen und Zeitschriften und organisierte Vorträge in der Öffentlichkeit und im Radio. So vorbereitet und propagandistisch begleitet, begann die Sammlung von„zersetzendem Schrifttum“ am 26. April. Die berüchtigten„Feuersprüche“ wurden am 9. Mai versandt als Grundlage für die symbolische Handlung und eine reichseinheitliche Gestaltung der Autodafés. Als Abschluß und Höhepunkt brannten an den Hochschulorten am 10. Mai die öffentlichen Bücherscheiterhaufen. Auf das ,reinigende‘ Feuer als Metapher hinzuarbeiten, wie es die katholische Inquisition kennt, war durchaus gewollt. Listen von unerwünschtem Schrifttum kursierten schon Mitte April 1933, die erste DStZusammenstellung„verbrennungswürdiger“ Titeln erschien in der Berliner„Nachtausgabe“ am 26. April – gerade pünktlich zum Beginn der Sammelaktionen. Wie und wo gesammelt werden sollte, blieb jedoch unklar. In erster Linie zielte man auf private und nicht staatliche Bibliotheken, erst in zweiter Linie auf die öffentlichen Volksbibliotheken(dazu s. weiter unten), zumeist aber auf die belletristische Literatur. Für tabu wurden die Bibliotheken erklärt, die„lediglich als öffentliche Stellen der Sammlung jeglichen Schrifttums zu dienen haben“ (zit. nach Hans 1991, S. 242). Das hieß im Klartext: Hände weg von den öffentlichen wissenschaftlichen Bibliotheken. Gleiches galt für den Buchhandel. Was den Studenten blieb, waren – die Leihbüchereien. Konzertierte Aktion verschiedener Interessengruppen Zu den wohl wollenden Beobachtern der studentischen„Aktion wider den undeutschen Geist“ gehörten die Vertreter des„Verbandes Deutscher Volksbibliothekare“(VDV). Sie hatten in ihrer Fachzeitschrift„Bücherei und Bildungspflege“ nicht erst 1933 offen den Niedergang der deutschen Kultur und Literatur beklagt. So versicherte man gleich auf der ersten Tagung nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler in einer öffentlichen und anbiedernden Erklärung, die Volksbibliothekare kämpften schon seit 1918 mit aller Kraft gegen Schmutz und Schund, sie seien es, die sich schon immer„für die Einheit und Reinheit der deutschen Kultur,[..] gegen Literatentum und Asphaltliteratur für das echtbürtige[sic] Schrifttum“ stark machten (Erklärung... 1933). Weltkrieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit hatten vor allem den Mittelstand in ungekannte Armut gestürzt. Dort aber fanden sich bisher die Bücherleser, die sich mit der modernen existentialistisch fragenden Literatur auseinander setzten. Die 12 Buchproduktion stagnierte, Verleger und Buchhändler standen vor starken wirtschaftlichen Problemen. In dieser Zeit, als man sich den Kauf der Lektüre nicht mehr leisten konnte, strömten die Leser in die zahlreichen gewerblichen Leihbüchereien(vgl. hierzu Barbian 1993, Kast 1989). Dort fanden sie oftmals ein wohlsortiertes Angebot. In den öffentlichen Bibliotheken, die ihre Wünsche nicht befriedigen wollten oder nur vereinzelt konnten, suchten sie schon lange vor 1933 vergeblich nach ihren Lieblingsautoren, etwa nach Büchern des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, der 1930 seine Stimme in der„Deutschen Rede“ gegen die Besorgnis erregenden Veränderungen in Deutschland erhob und dafür von laut randalierenden SA-Leuten verunglimpft wurde(Mälzer 1993, S. A 124). Auch offizielle Stellen agitierten gegen die Leihbüchereien,„jene unscheinbaren, aber verheerend wirkenden Sammlungen ekelhaftester Fäulnisliteratur“(Rühle 1934, S. 84). So konnten hochrangige Vertreter der Volksbibliothekare weiterhin und ungeniert die verhasste Konkurrenz als üble Einrichtungen und Hort von Schmutz und Schund diffamieren. Franz Schriewer, der Leiter der Zentrale für Nordmarkbüchereien in Flensburg, hob durchaus lobend hervor, dass sich z.B. im Sortiment der Berliner Grosso-Buchhandlung Cassirer, einer renommierten Einrichtung, die Leihbüchereien belieferte, und in dem Ausleihbestand der Öffentlichen Bücherei Flensburg nur 355 identische Titel fanden(Schriewer 1933, S. 105). Erklärung und Aufruf des Verbandes Deutscher Volksbibliothekare. (aus: Bücherei und Bildungspflege 13(1933), H. 2, S. 97f.) Eine jetzt notwendige Säuberung der Büchereien falle deswegen gar nicht so sehr ins Gewicht, da man ohnehin wenig Derartiges im Bestand halte.„Wichtiger und schwieriger als die Säuberung ist der Umbau der Büchereien, ihre Zentrierung auf die neuen Aufgaben und das neue Bildungsziel.“(Erklärung... 1933). Endlich aber gebe ihnen die„nationale Revolution[...] den Weg frei, gemeinsam mit allen Kräften um den neuen Menschen im neuen Staate zu ringen“. Obwohl nicht zu verhehlen war, dass die Richtung noch völlig 13 unklar blieb, so wurde salbungsvoll verlangt, es gelte,„die unbewusst in der großen Bewegung wirksamen Kräfte ins Bewusstsein zu heben, und herauszumeißeln, was in der Tiefe in ihnen angelegt und dem Gefühl unmittelbare Gewissheit ist“(Erklärung... 1933). Unterschrieben hatten die Erklärung die NSDAP-Mitglieder und Volksbibliothekare Wilhelm Schuster und Wolfgang Herrmann. Wilhelm Schuster war zu der Zeit Direktor der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, Wolfgang Herrmann derjenige, der den eigentlichen Auftrag des Propagandaministeriums zur Vorbereitung einer Verbrennung unerwünschter Literatur erhalten hatte. Und nicht von ungefähr setzte Wilhelm Schuster schon am 18. März durch, dass die Bestände der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen zügig auf unerwünschte Belletristik durchgesehen und Anstößiges ausgesondert wurde(Protokoll der Leitungssitzung in: Staatsarchiv Hamburg, 614-1/38, HÖB). Strätz bezeichnet Herrmann als nicht eigentlichen Nationalsozialist sondern als ,betont national Gesinnten‘(Strätz 1968, S. 348, FN 9), und J. Hans vermutet in ihm ein faktisches Bindeglied zwischen der DSt, dem Propagandaministerium von Joseph Goebbels und dem für die Bibliotheken zuständigen Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung(Hans 1991, S. 242). Herrmann soll auch die erwähnte Zusammenstellung in der Berliner„Nachtausgabe“ lanciert haben(ebd., Anm. 16 – 21, S. 253), zudem veröffentlichte er am 16. Mai 1933 im„Börsenblatt“ eine Liste von belletristischen Titeln – die erste, die bis zu den ab 1936 erschienenen offiziellen„Schwarzen Listen“ gültig blieb – zusammen mit„Prinzipielle[m] zur Säuberung der öffentlichen Büchereien“(Herrmann 1933). Die„Aktion wider den undeutschen Geist“ – Statuserhalt und Beseitigung lästiger Konkurrenz? Fest an der Seite von Studentenschaft und Volksbibliothekaren standen die Vertreter des Buchhandels. Ihre Interessen sahen auch die Buchhändler – ähnlich wie die Volksbibliothekare, aber eher wirtschaftlich motiviert – besonders durch die weit verbreiteten Leihbüchereien bedroht(vgl. Barbian 1993). Dies scheint Grund genug gewesen zu sein, dass die ersten Hinweise auf künftige verfemte Autoren im„Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ standen, denn erst einmal betraf diese Liste ja die Bestände von Bibliotheken. am 3. Mai erschien im„Börsenblatt“ ein ,Sofortprogramm des deutschen Buchhandels‘ (Börsenbla tt 100[1933], Nr. 101). Pünktlich am 10. Mai listete der Vorstand des Börsenvereins die Namen von 12 Schriftstellern auf, die„für das deutsche Ansehen als schädigend zu erachten sind“. Wohlgemerkt: Die Buchhändler-Vertretung in Übereinstimmung mit der Reichsleitung des Kampfbundes für deutsche Kultur und der Zentralstelle für das deutsche Bibliothekswesen erklärte die Personen – nicht etwa einzelne ihrer Werke – für schädlich!(Börsenblatt, 13. Mai). Damit standen Lion Feuchtwanger, Ernst Glaeser, Arthur Holitscher, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Emil Ludwig, Heinrich Mann, Ernst Ottwalt, Theodor Plivier, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky(mit allen seinen Pseudonymen) und Arnold Zweig als Erste am Pranger. Den Leihbüchereien war die Aktion nicht verborgen geblieben, auch nicht, dass sie die eigentlichen Adressaten der Sammler werden sollten. Ihrem Verband war die„Schwarze Liste“ mit den Autoren übersandt worden – vielleicht durch eine gezielte Indiskretion, jedoch so rechtzeitig, dass die Schriftleitung der„Zeitschrift der Leihbüchereien“ in einer 14 Sonderausgabe am 5. Mai 1933 ihre Mitglieder auffordern konnte, unverzüglich die betreffenden Titel auszusondern und – bitteschön – bereit zu halten oder selbst abzuliefern. – So waren die Betreiber der Leihbibliotheken gar nicht mehr überrascht und hatten genügend Zeit, alles zur Seite zu scha ffen, was möglich war(Graf 1993). „Das Sofortprogramm des deutschen Buchhandels“ (aus: Börsenblatt 10(1933), Nr. 101) Jede Literatur und kulturelle Äußerung war nach Ansicht der Nationalsozialisten gleichzeitig politisch und als Waffe für oder gegen sie anzusehen. Extrem militant erklärte dies Wilhelm Baur, der Vorsteher des Börsenvereins für den Deutschen Buchhandel(und Leiter des NSDAP-Parteiverlages Eher) 1940:„Das Buch ist eine Waffe, Waffen gehören in die Hände von Kämpfern, Kämpfer für Deutschland zu sein, heißt, Nationalsozialist zu sein.“ (Strothmann 1968, S. 7) Im symbolischen Vernichten geächteter Ideen vereinigten sich das Anliegen der Deutschen Studentenschaft, ihren Status und Machtanspruch nicht aufzugeben, mit wirtschaftlichen Interessen des Buchhandels wie den standespolitischen Ansichten der Volksbibliothekare als selbst ernannte Erzieher der Massen. Buc hhändler wie Bibliothekare schlossen sich zusammen im Kampf gegen die Konkurrenz der Leihbüchereien. Insgesamt passte diese ,konzertierte Aktion‘ in das kulturpolitische Konzept der Nationalsozialisten. Konkurrierende staatliche und parteigebundene nationalsozialistische Kulturpolitik Versuc he, die nationalsozialistische Kulturpolitik zu kennzeichnen, alle betreffenden Einrichtungen evtl. auf einem Schaubild darzustellen, sind zum Scheitern verurteilt. Obwohl das zentrale„Führerprinzip“ das wichtigste Element nationalsozialistischer Politik war, so konkurrierte doch eine Vielzahl von Partei- Gremien wie staatlicher Institutionen und Ämter 15 um die Hoheit über die Kultur und um Überwachung der Literaturverbreitung. Die Wirklichkeit hatte mit der Einheit von Staat und Partei, wie sie die Nationalsozialisten ansonsten propagierten, nichts zu tun. Auch auf diesem Gebiet herrschte also die allgemeine Verunsicherung, die die Menschen terrorisierte und einen möglichen Widerstand paralysierte: Rechtssicherheit existierte nicht. Denn wie sich die Menschen auch bemühen mochten, nach den Vorschriften zu leben: Irgend ein Amt oder eine Einrichtung hatte vielleicht weitere Richtlinien in Kraft gesetzt. Einig waren sich alle nur im Bestreben nach Unterdrückung der Bevölkerung. Da gab es von der NSDAP schon seit Anfang 1929 den„Kampfbund für deutsche Kultur“ (KfdK), der Vorträge organisierte, und dessen Mitglieder häufig gewaltsam gegen Kunstwerke vorgingen, so dass sie sich im Laufe der Jahre zu einer Art kultureller SA entwickelten. Gleich im Frühjahr 1933 verlangten sie„eine Verfügung für das ganze Reich, dass das Ausleihen von marxistischer, bolschewistischer und jüdischer Literatur den Büchereileitern verboten wird“(Will Vesper im„Stürmer“, zit. nach Graf/Kübler 1993, S. 78). Der KfdK wurde 1934 zusammengefasst mit dem„Reichsverband Deutscher Bühne“ zur Partei-Dachorganisation„NS-Kulturgemeinde“. Zu den parteiamtlichen Lenkungsstellen gehörte vor allem der„Beauftragte des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“ – eine Bezeichnung der Art, wie sie die Nationalsozialisten liebten –, im Sprachgebrauch meistens„Amt Rosenberg“ genannt nach seinem Leiter Alfred Rosenberg (vgl. Bollmus 1970). Dieser konkurrierte mit seinem Pendant auf staatlicher Seite, dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Im Gegensatz zu Goebbels verfügte Rosenberg jedoch nicht über exekutive Rechte. Die„Parteiamtliche Prüfungskommission“(PPK) war als eine weitere Institution mit Indizierungs- und Zensurvollmacht ausgestattet, hatte jedoch weniger Einfluss als Alfred Rosenberg. Außerdem verfügten diverse Parteigliederungen über Einrichtungen zur Überwachung der Literatur, wie z.B. die„Reichsjugendführung“, der„NSLehrerbund“ oder die Reichspropagandaleitung der NSDAP wie auch die schon erwähnte „NS-Kulturgemeinde“. Nahezu uneingeschränkte staatliche Macht über den Literaturbetrieb konzentrierte sich auf Regierungsseite bei der Abt. VIII(= Schrifttum) des„Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“. Sie war die entscheidende Stelle für Kontrolle und Überwachung, Zensur und Verbote, die die Geheime Staatspolizei(Gestapo) auszuführen hatte. Als eine Unterabteilung existierte die„Reichsschrifttumsstelle“ für Buch-Propaganda. Mit allen publizistischen Werbemitteln sorgte diese für die„förderungswürdige“ Literatur. Als Ausdruck der ständisch ausgerichteten Gesellschaft im ,Dritten Reich‘ war in der Abteilung VIII für die Kulturschaffenden die Reichskulturkammer eingerichtet(Minister Goebbels saß ihr in Personalunion vor) und als ein Teil von ihr die Reichsschrifttumskammer. Vorgeschrieben war die Zwangsmitgliedschaft. Nicht Mitglied in der Reichskulturkammer und der Reichsschrifttumskammer zu sein, bedeutete Berufsverbot. Dort wurden die späteren„Schwarzen Listen“ erarbeitet, u.a. das„Börsenblatt“ herausgegeben und das in„Die Bücherei“ umbenannte Fachblatt der Volksbibliothekare. Die Reichsschrifttumskammer hatte auch die Kontrolle über die Leihbüchereien übernommen – damit verband sich in den Reihen der Konkurrenten die(allerdings vergeblich bleibende) Hoffnung auf eine endgültige Zerschlagung dieser Geschäfte(vgl. Kast 1989). 16 (aus: Hans Hinkel(Hrsg.): Handbuch der Reichskulturkammer. Berlin 1937) Zur„Reichsstelle für das volkstümliche Büchereiwesen“ wurden nach 1933 die früheren Büchereifachstellen(zuständig für öffentliche Bibliotheken) zusammengefasst. Diese Institution unterstand nicht dem Propagandaministerium, sondern dem für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung. Minister Bernhard Rust ließ die Büchereien ab 1934 systematisch überprüfen und konstatierte 1937 zufrieden, dass nun„alle Büchereien im Geiste des nationalsozialistischen Staates“ arbeiten konnten(zit. nach Graf/Kübler 1993, S. 83). Auswahl der Buchanschaffungen wie Be standskontrolle gehörten ausschließlich in ihre Kompetenz. Nach dem Krieg nahmen die Fachstellen ihre Arbeit in den westdeutschen Flächenstaaten wieder auf! In der Leitung einer beim Propagandaministerium angesiedelten, koordinierenden „Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums“ fanden sich der Landesleiter des „Kampfbundes für deutsche Kultur“(Hans Hagemeyer), Heinz Wismann aus der Leitung Abteilung VIII des Propagandaministeriums, der Schriftle iter des Kulturressorts des „Völkischen Beobachters“, Rainer Schlösser, und mit Hellmuth Langenbucher der Schriftleiter des„Börsenblattes“ zusammen. Joseph Goebbels hält die„Feuerrede“ in Berlin Zum Abschluss der vierwöchigen„Aktion wider den undeutschen Geist“ loderten tatsächlich in vielen Universitätsstädten die Feuer. In Berlin waren es nach Berichten 20.000 Bücher, die unter triumphalem Abschreien der Feue rsprüche auf dem Opernplatz gegenüber der FriedrichWilhelms-Universität in die Flammen geworfen wurden(Hans 1991, Mälzer 1993). Auch in den Kategorien der Feuersprüche kommt zum Ausdruck, dass sich das Hauptaugenmerk der Akteure auf die Belletristik richtete. Obwohl auch diese Autoren„verbrannt“ wurden: Mit den Worten„Gegen Klassenkampf und Materialismus. Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung“ wurden von den Verantwortlichen die Schriftsteller Karl Marx und Karl Kautsky genannt(Krummsdorf 1996). Und Karl Kautsky mit seinen Schriften„Was ist 17 Sozialisierung?“,„Richtlinien für ein sozialistisches Aktionsprogramm“ und„Der Arbeiterschutz“ kann man getrost als Synonym für das Verbrennen auch gewerkschaftlicher Literatur sehen. Romane aus Gewerkschaftsverlagen fielen dem Autodafé ebenso zum Opfer. Die politische Gewerkschaftsliteratur wurde in ihrer großen Menge zusammengeraubt und als Trophäe behandelt(vgl. hierzu den Aufsatz von Detlef Brunner in diesem Katalog). Bücherverbrennung in Berlin am 10. Mai 1933. Erst knapp vor Ende der Aktion war Joseph Goebbels – zunächst gar nicht von der eigenmächtig inszenierten Aktion der Deutschen Studentenschaft angetan –, vom Leiter des „Hauptamtes für Aufklärung und Werbung“ der DSt brieflich gebeten worden, auf dem Opernplatz zu sprechen(Brief in:„Das war ein Vorspiel nur...“ 1983). Goebbels sagte zu, die „Feuerrede“ zu halten, und nutzte die Stunde:„Meine Kommilitonen! Deutsche Männer und Frauen! Das Zeitalter eines überspitzten jüdischen Intellektualismus ist nun zu Ende, und der Durchbruch der deutschen Revolution hat auch dem deutschen Weg wieder die Gasse frei gemacht.“ Diese Revolution„verspürt jeder Arbeiter,[...] jeder Jungmann,[...], jeder Bürger, [...] jeder Soldat[...]. Sie habt auch Ihr Studenten verspürt“, so schlug er einen Bogen in das gesamte Volk. Wider besseres Wissen rief behauptete Goebbels:„Die Bibliotheken füllten sich an mit dem Unrat und dem Schmutz dieser jüdischen Asphaltliteraten.“ Und weiter: „Man täusche sich nicht: Revolutionen, wenn sie echt sind, machen nirgends halt![...] Revolutionen sind Durchbrüche neuer Weltanschauungen“(ebd., S. 197f.). Er rief„angesichts der lodernden Flammen der studentischen Jugend zu: Das Alte liegt in Flammen. Es ist eine große, starke und symbolische Handlung, die vor aller Welt dokumentieren soll, hier sinkt die geistige Grundlage der Novemberrepublik zu Boden.“(Rühle 1934, S. 84f.) Der Deutschlandsender übertrug das Autodafé, auch diese Sendung war keine spontane Reportage, sondern bestellt. Weitere Versuche der DSt, über die Plünderung der Bibliotheken hinaus auch die Hochschulen insgesamt ins Visier zu nehmen – zu diesem Zweck sollten auf dem Campus jeweils Schandpfähle mit den Namen von unliebsamen Hochschullehrern errichtet werden –, wurden energisch gestoppt. Der preußische Kultusminister Rust ordnete an, dass„alle 18 störenden Aktionen“ zu unterlassen seien, denn die„Umgestaltung der Lehrkörper ist die Aufgabe der Staatsregierung“(zit. nach Hans 1991, S. 246). Die Feuersprüche • Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky. • Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner. • Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Förster. • Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud. • Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann. • Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, für verantwortungsbewußte Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard. • Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque. • Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr. • Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky! (zitiert nach Wulf 1966) Hauptziel der„Aktion wider den undeutschen Geist“ – die ,schöne‘ Literatur Trotz der imposanten Veranstaltung in Berlin waren die Sammlungsergebnisse nicht überall so erfolgreich. So waren z.B. in Hamburg überhaupt nur etwa 1.000 Bücher zusammen gekommen. Die Gestapo, bei der viele Hamburger aus eigenem Antrieb selbst Bücher ablieferten, steuerte noch 2.000 bei, dennoch unterscheidet sich diese Zahl weit von der Veranstaltung in Berlin. Um das relativ kleine Häufchen standen in der Hansestadt nur wenige Akteure, keiner der obligatorischen Feuersprüche erklang. Zu allem Überfluss war die Veranstaltung auf den 15. Mai verschoben worden, denn der 10. Mai war schon medienwirksam mit der Eröffnung der neuen NS-Bürgerschaft besetzt. Weil sie dies als unwürdig empfanden, luden am 30. Mai der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband, die„Hitlerjugend“ und der„Bund deutscher Mädel“ zu einer weiteren Bücherverbrennung. 19 Anhand der akribischen Auflistung von Versendung und Veröffentlichung„Schwarzer Listen“ weist J. Hans nach, dass es bei der„Aktion wider den undeutschen Geist“ nicht in allererster Linie um die tatsächliche Vernichtung der inkriminierten Werke gegangen sein kann(vgl. Hans 1991, S. 253). Es gab nur wenige inhaltliche Festlegungen auf bestimmte Titel, so konnte z.B. 1934 noch eine Ausgabe von Karl Marx‘ Kapital im Wöchentlichen Verzeichnis der Deutschen Biblio thek angezeigt werden. Insgesamt richtete sich der Zorn der Nationalisten und Nationalsozialisten wie der konservativ moralisierenden Volksbibliothekare gegen die Moderne. Naturalismus, Stadtliteratur und Avantgarde als Gegenbewegung zu romantisierenden Agrarromanen waren verpönt. Besonders unpassend erschienen den selbst ernannten Hütern des deutschen Kulturgutes natürlich die Unterhaltungsliteratur, Liebesromane und ganz besonders Bücher, die sich mit sexueller Aufklärung beschäftigten. Konsequent stürmten die Berliner Studenten das während des Aufbruches der 20er Jahre von Prof. Magnus Hirschfeld gegründete„Institut für Sexualforschung“ und schleppten„ganze Lastautos voll pornographischer Bilder und Schriften, Akten und Kartotheken“ aus der„Brutstätte der Zersetzung“ weg(Rü hle 1934, S. 84). Tatsächlich sind wohl nur wenige der gesammelten Bücher verbrannt worden und auch nur in Ausnahmefällen Texte aus Universitätsbibliotheken wie in Braunschweig(vgl. Kuhn 1993). Große Mengen der bei Verlagen beschlagnahmten Auflagen inkriminierter Autoren belletristischer Literatur wurden erst gar nicht vernichtet, sondern ins Ausland verschleudert. Auf diese Weise fügten die Nationalsozialisten den Schriftstellern – von denen schon viele Deutschland verlassen hatten – weiteren Schaden zu: Sie konnten ihre Werke, die in den wenigen Exilverlagen neu erschienen, nur noch mit Mühe verkaufen. Von den wissenschaftlichen Werken wurden je 25 auf deutsche Hochschulbibliotheken verteilt. Eine„Beschlagnahme und Vernichtung jüdischer und marxistischer Literatur“ komme„nicht in Frage“, wies Kultusminister Rust Anfang Juni 1933 die Universitäts-, Hochschul- und Akademiebibliotheken in einem Rundschreiben an. Er ordnete lediglich die Beschränkung der Ausleihe an(Hans 1991, S. 247). Die Bücherverbrennung – der Beginn umfassender Ausgrenzungen Zeitgenossen berichteten, dass man in Deutschland die Verbrennungsaktionen selbst nicht als ein großartiges Ereignis wahrgenommen hatte. Dennoch wurde die„Aktion wider den undeutschen Geist“ in der Öffentlichkeit gern als spontane Empörung einer aufgebrachten Studentenschaft für das echte Deutsche dargestellt und in der Forschung lange so angesehen. Allenfalls vermutete man dahinter das Propagandaministerium. Bei genauerem Hinschauen erweisen sich die Wochen nach der Wahl am 5. März 1933 jedoch als Zeit heftig miteinander konkurrierender gesellschaftlicher Kräfte. Auf der Bühne des Geschehens wetteiferten Menschen miteinander, die in Gruppen innerhalb wie außerhalb der NSDAP organisiert waren – manchmal sogar in Personalunion. Es waren Vertreter von Deutschnationalen, der Deutschen Studentenschaft, des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, des „Kampfbundes für deutsche Kultur“, der Volksbibliothekare wie des„Börsenvereins der Deutschen Buchhändler“, die sich in ihrem ,revolutionären‘ Eifer gegenseitig zu überbieten suchten. Erst ganz zuletzt setzte sich Joseph Goebbels an die Spitze der Bewegung. So erscheint die„Aktion wider den undeutschen Geist“ mit ihren Bücherverbrennungen – als abschließendem Höhepunkt und Fanal geplant – eher als„Spektakel“(J. Hans), als 20 symbolhafte Show und publikumswirksam inszeniert – heute würde man es ein ,Event‘ nennen. Eine tatsächliche Vernichtung der Bücher stand jedoch nicht unbedingt im Vordergrund, das Ziel war weiter gesteckt. Denn die Bücherverbrennungen markierten den Beginn einer umfassenden Indizierung une rwünschten Schriftgutes, die ,Säuberung‘ der deutschen Gesellschaft von fortschrittlichen Ideen, von Werken der Weltliteratur, ein Abschotten der Menschen von allem durch die Nationalsozialisten so definierten ,Undeutschen‘. Die Folge war ein anhaltender„Verniemandungsprozeß“(J. Hans), dem hervorragende deutsche Autoren und ihre Werke zum Opfer fielen. Selbst nach dem Ende des nationalsozialistischen ,Dritten Reichs‘ musste noch eine lange und unrühmliche Zeit verstreichen, bis dies hier zu Lande ins Bewusstsein drang. Und die eingangs zitierte Vorhersage von Heinrich Heine hat sich auf beklemmende Weise als wahr erwiesen: Die „verbrannten“ Autorinnen und Autoren wurden mit ihren Ideen ins Exil oder in den – nur selten freiwilligen – Tod getrieben. Literatur: Asendorf, Manfred: Die Bücherverbrennungen 1933: Ausdruck instabiler inne npolitischer Verhältnisse? In: Graf/Kübler 1993, S. 20 – 29 Barbian, Jan-Pieter: Von der Selbstanpassung zur nationalsozialistischen„Gleic hschaltung“. Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler in den Jahren 1933 – 1945. In: Buchhandelsgeschichte[35](1993), Nr. 2, S. B 41 – 55 Bollmus, Reinhard: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970 Brenner, Hildegard: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus. Reinbek b. Hamburg 1963 „Das war ein Vorspiel nur...“ Bücherverbrennung in Deutschland 1933: Voraussetzungen und Folgen. Ausstellung der Akademie der Künste vom 8. Mai bis 3. Juli 1983. Berlin u.a. 1983 Erklärung und Aufruf des Verbandes Deutscher Volksbibliothekare. In: Bücherei und Bildungspflege 13(1933), H. 2, S. 97f. Graf, Angela: Wer rettet das deutsche Buch? In: Graf/Kübler 1993, S. 130 – 136 Graf, Angela; Kübler, Hans-Dieter(Hg.): Verbrannte Bücher – Verbrannte Ideen – Verbrannte. Texte und Materialien zur Ausstellung vom 10. bis 14. Mai 1993, FH(jetzt HAW) Hamburg, FB Bibliothek und Information. Hamburg 1993 Hans, Jan: Die Bücherverbrennung in Hamburg. In: Krause, Eckart u.a.(Hg.): Hochschulalltag im„Dritten Reich“. Berlin, Hamburg 1991, Teil 1, S. 237 – 254 Hoffmann, Wolfgang: Prinzipielles zur Säuberung der öffentlichen Büchereien. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel 100(1933), Nr. 112, 16. Mai 1933, redaktioneller Teil Kast, Raimund: Die Leihbibliotheken im Nationalsozialismus. In: Vodosek, Peter(Hg.): Bibliotheken während des Nationalsozialismus. Wiesbaden 1989 Kuhn, Michael(Zus.st.): Verbrannte Bücher. Verzeichnis der Bücher, die 1933 aus dem Bestand der TH Braunschweig aussortiert und zum größten Teil vernichtet wurden. Braunschweig 1993 21 Krummsdorf, Juliane: Verbrannt, verboten, verbannt, vergessen? Zur Erinne rung an die Bücherverbrennungen 1933. Bibliographie zur Schwarzen Liste/Schöne Literatur. 3., überarb. und erw. Aufl., Dresden, 1996, S. 2. Mälzer, Gottfried: Verbrannte Bücher. In: Aus dem Antiquariat[35](1993), Nr. 4, S. A 121 – 136 Redaktioneller Teil[Erklärung vom 11. Mai 1933]. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel 100(1933), Nr. 110, 13. Mai 1933 Rühle, Gerd: Das Dritte Reich. Dokumentarische Darstellung des Aufbaues der Nation. Das erste Jahr 1933. Berlin 1934 Sauder, Gerhard(Hg.): Die Bücherverbrennung. Frankfurt am Main 1983 Schriewer, Franz: Kampf den Leihbüchereien! In: Bücherei und Bildungspflege 13(1933), S. 100 – 113 Strätz, Hans-Wolfgang: Die studentische„Aktion wider den undeutschen Geist“ im Frühjahr 1933. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 16(1968), H. 3/4, S. 347 – 372 Strothmann, Dietrich: Nationalsozialistische Literaturpolitik. Bonn 1968(Abhandlungen zur Kunst- Musik- und Literaturwissenschaft; 13) Wulf, Joseph: Literatur und Dichtung im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Reinbek b. Hamburg 1966(und öfter) 22 2. Mai 1933- Der Sturm auf die Gewerkschaftshäuser und das Schicksal der Gewerkschaftsbibliotheken Detlev Brunner „Hände hoch, Sie sind verhaftet!“ Mit diesem Ruf stürmten am 2. Mai 1933 gegen zehn Uhr vormittags acht bis zehn bewaffnete SA-Männer das Duisburger Büro des Zentralverbandes der Angestellten. Wie in Duisburg besetzten SA- und SS-Trupps an diesem Tag in ganz Deutschland Gewerkschaftshäuser und Büros der im Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbund(ADGB) und im Allgemeinen freien Angestelltenbund(AfA-Bund) zusammengeschlossenen Freien Gewerkschaften. Die Aktion war am 16. April 1933 auf dem Obersalzberg, dem Feriensitz des„Führers“, zwischen Adolf Hitler und Joseph Goebbels, seit 13. März 1933 Chef des neu geschaffenen„Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“, beschlossen worden. Goebbels notierte am 17. April 1933:„Den 1. Mai werden wir zu einer grandiosen Demonstration deutschen Volkswillens gestalten. Am 2. Mai werden dann die Gewerkschaftshäuser besetzt. Gleichschaltung auch auf diesem Gebiet.[...] Man darf hier keine Rücksicht mehr kennen.“ 1 Am 21. April 1933 legte die Reichsleitung der NSDAP die„Gleichschaltungsaktion“ gegen die Freien Gewerkschaften am 2. Mai 1933 fest. Die Leitung der Aktion sollte in den Händen eines„Aktionskomitees“ unter Führung des späteren Vorsitzenden der„Deutschen Arbeitsfront“(DAF), Robert Ley, liegen; SA und SS sollten die Besetzung der Gewerkschaftshäuser und die„Inschutzhaftnahme“ der führenden Funktionäre durchführen, für die Leitung der einzelnen Verbände waren Kommissare der Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation(NSBO) einzusetzen. 2 Verwüstungen in der Bibliothek der ADGBGewerkschaftsjugend nach einem Überfall von Nationalsozialisten auf das Berliner Gewerkschaftshaus im Februar 1933. (Verein zum Studium sozialer Bewegungen e.V.) 1 Vgl. Joseph Goebbels: Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei, München 1934, S. 299. 2 Vgl. Rundschreiben der NSDAP-Reichsleitung vom 21.4.1933 in: Quellen zur Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung im 20. Jahrhundert, Bd. 4: Die Gewerkschaften in der Endphase der Republik 1930 1933, bearbeitet v. Peter Jahn unter Mitarbeit von Detlev Brunner, Köln 1988, S. 898ff. 23 Zu dieser Zeit, als das gewaltsame Ende der Gewerkschaften schon feststand, war die ADGBSpitze noch um eine Eingliederung in den„nationalen Staat“ bemüht und dachte zusammen mit den Vertretern der Spitzen der christlichen Gewerkschaften und der liberal und national orientierten Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften über die Gründung einer„nationalen“ Einheitsgewerkschaft nach. Die Gewerkschaftsführung versuchte durch eine Anpassungsstrategie den Bestand der gewerkschaftlichen Organisation zu retten und, so die trügerische Erwartung, das Hitler-Regime, dessen baldiges Ende man erhoffte,„überwintern“ zu können. Diese Strategie führte bis zur Selbstverleugnung der eigenen Tradition und der Ideen und Ziele, die bisher formuliert worden waren. Am 9. April 1933 erklärte sich der Bundesausschuss des ADGB bereit, die Gewerkschaften„in den Dienst des neuen Staates zu stellen“, und empfahl sogar die Einsetzung eines Reichskommissars für die Gewerkschaften, „um eine einheitliche Durchführung der von der Regierung geplanten Maßnahmen sicherzustellen“ und„eine geregelte Wirksamkeit der Gewerkschaften wieder zu ermöglichen“. 3 Am 15. April 1933 begrüßte der Bundesvorstand, dass die Reichsregierung den 1. Mai zum gesetzlichen„Feiertag der nationalen Arbeit“ erklärte hatte. Vier Tage später rief der Bundesausschuss sogar dazu auf, sich an diesem nationalsozialistisch umgemünzten Feiertag,„allerorts an der von der Regierung veranlassten Feier festlich zu beteiligen.“ 4 Die„Gleichschaltungsaktion“ am 2. Mai 1933 sollte nach dem Aktionsplan der NSDAP in einer Form vor sich gehen, dass der Arbeiter das Gefühl haben könne, die Aktion richte sich nicht gegen ihn,„sondern gegen ein überaltertes und mit den Interessen der deutschen Nation nicht übereinstimmendes System“. 5 Nach offiziellen Verlautbarungen verlief die Aktion „planmäßig und reibungslos“, in„vorbildlicher Ruhe und Diszipliniertheit“. 6 Auch Goebbels notierte am 3. Mai 1933, es habe keinen„Zwischenfall“ gegeben. 7 In einigen Fällen scheinen sich die SA-Trupps tatsächlich an die Weisungen gehalten zu haben. So hielt Theodor Thomas(1876-1955), ehemals Vorsitzender des Dachdecker-Verbandes und nach der Fusion dieser Gewerkschaft mit dem Baugewerksbund im dortigen Verbandsvorstand für die Branche der Dachdecker zuständig, in seinem Tagebuch am 2. Mai 1933 fest:„Morgens fing es zunächst ganz normal an. Aber um 10 Uhr kam die ‚Besetzung’.[...] Um 11 Uhr zu mir ins Zimmer: Fünf SA SS. Ganz anständig und korrekt- aber stramm militärisch.“ 8 Der ADGBVorsitzende Theodor Leipart(1867-1947) berichtete 1945 rückblickend, der verhaftete Bundesvorstand des ADGB sei von körperlichen Misshandlungen verschont geblieben,„weil es verboten“ gewesen sei, wie die SA-Leute mehrfach„in bedauerndem Tone“ erklärt hätten. 9 Dennoch kam es auch auf der SA-Wache in der Berliner Parochialstraße, in der der ADGBBundesvorstand zunächst 24 Stunden festgehalten wurde, zu Misshandlungen, vo n den Schmähreden und Beleidigungen(„Leipart das Schwein!“) ganz zu schweigen. Andernorts gingen die Schergen der SA und SS noch weit brutaler vor. Es kam zu Folterungen bis hin zum Mord, dem in Duisburg die vier Gewerkschaftsfunktionäre Johann Schlösser, Julius Birck, Michael Rodenstock und Emil Rentmeister zum Opfer fielen. Sie waren von SA3 Vgl. ebenda, S. 881f. 4 Beide Aufrufe in: Gewerkschafts-Zeitung, 43. Jg., Nr. 16, 22.4.1933, S. 241f. 5 Vgl. Rundschreiben der NSDAP-Reichsleitung vom 21.4.1933 in: Quellen, Bd. 4, S. 899f. 6 Vgl. z.B. die Meldungen des Wolffschen Telegraphen Büros(WTB) Nr. 1039 und Nr. 1042 v. 2.5.1933, Nr. 1044 und Nr. 1048 v. 3.5.1933, in: Bundesarchiv Berlin(BArchB) R 43 II/531, Bl. 63f.; vgl. auch Nationalzeitung, 3.5.1933. 7 Vgl. Elke Fröhlich(Hrsg.): Die Tagebücher des Joseph Goebbels, München 1987, S. 416. 8 Vgl. Tagebuchnotiz Thomas’ v. 2.5.1933 in: Quellen, Bd. 4, S. 917. 9 Vgl. Theodor Leipart: Die deutschen Gewerkschaften im Mai 1933, Manuskript, Juni 1945, in: Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisation der DDR im Bundesarchiv(SAPMO-BArch) NY 4402/7. 24 Männern erschlagen worden. 10 Diese Mordtaten wurden vertuscht, wie die Nazi-Führung überhaupt bemüht war, die Vorgänge in der Öffentlichkeit zu verharmlosen. So sollte die offizielle Angabe von 50 Verhaftungen reichsweit die Verhältnisse verschleiern, denn es waren tatsächlich mehrere hundert Verhaftete. Allein in den Kreisen Essen und DuisburgHamborn waren über 50 Gewerkschaftsfunktionäre in Haft genommen worden. 11 Von der Polizei war am 2. Mai 1933 keine Hilfe zu erwarten. Die vom ADGB-Bundesvorstand herbeigerufene Polizei rückte sofort wieder ab, nachdem sie„die uniformierten SA-Männer bei ihrer Arbeit erblickte“. 12 Sie handelte entsprechend der Anweisung des preußischen Innenministers Hermann Göring, der die Oberpräsidenten, Landräte und Regierungspräsidenten angewiesen hatte, der Aktion der NSDAP gegen die Gewerkschaften am 2. Mai„mit polizeilichen und sonstigen staatlichen Mitteln nicht entgegenzutreten“. 13 Gegen die führenden Gewerkschaftsfunktionäre wurde der unhaltbare und nicht beweisbare Vorwurf erhoben, sie hätten Gewerkschaftsgelder veruntreut. 14 Doch waren es die Nazis, die das zerstörten, was mit„Arbeitergroschen“ jahrzehntelang aufgebaut worden war. Am 2. Mai 1933 besetzen SA-Männer das Berliner Gewerkschaftshaus am Engelufer. Der Terror der Nazis gegen die Arbeiterorganisationen begann nicht erst am 2. Mai 1933. Bereits im Laufe des Jahres 1932 häuften sich die Anschläge auf Funktionäre, Mitglieder und 10 Vgl. Tatort Duisburg 1933 – 1945. Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus, hrsg. v. Rudolf Tappe und Manfred Tietz, Essen 1989, S. 79ff. 11 Vgl. Der Ruhr-Arbeiter. Kampfzeitung der Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation, zweite MaiAusgabe 1933. 12 Vgl. Theodor Leipart: Die deutschen Gewerkschaften im Mai 1933, Manuskript, Juni 1945, in: SAPMOBArch NY 4402/7. 13 Zitiert nach Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands bis zur Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte, hrsg. u. bearb. v. Herbert Michaelis und Ernst Schraepler, Bd. 9: Das Dritte Reich. Die Zertrümmerung des Parteienstaates und die Grundlegung der Diktatur, Berlin 1964, Dokument 2272, S. 632. 14 Vgl. dazu Beate Dapper/Hans-Peter Rouette: Zum Ermittlungsverfahren gegen Leipart und Genossen wegen Untreue vom 9. Mai 1933, in: IWK 20(1984) 4, S. 509-535. 25 Einrichtungen der Arbeiterbewegung. Nach der Machtübertragung auf die NSDAP und ihre deutschnationalen Partner am 30. Januar 1933 und in der Folge des Reichstagsbrandes in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 wurde der terroristische Druck gegen die Arbeiterorganisationen verschärft. 15 Am 20. März 1933 lagen dem ADGB-Bundesvorstand aus 200 Orten Meldungen über Nazi-Überfälle auf Gewerkschaftseinrichtungen und –funktionäre vor. Zum Stand vom 5. April 1933 waren in über vierzig Orten Gewerkschaftshäuser und Gewerkschaftsbüros durch SA, SS oder auch Polizei besetzt. Die Proteste und die hilflosen Versuche des ADGB-Bundesvorstandes, bei staatlichen Stellen und beim Reichspräsidenten selbst die Räumung der Gewerkschaftshäuser von den SAHorden und die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse zu erreichen, fruchteten wenig. In jenen Fällen, in denen die gewerkschaftlichen Einrichtungen wieder frei gegeben wurden, verblieben SA-Wachen in den Häusern. Die Gewerkschaften wurden verpflichtet, ihre Räume und Büros„nur zu rein gewerkschaftlichen und sozialpolitischen Zwecken“ zu nutzen, keinerlei Verbindung zu politischen Organisationen aufzunehmen oder sich gar selbst in parteipolitischer Hinsicht zu betätigen. 16 Die häufig betrunkenen SA- und SS-Trupps zertrümmerten in den besetzten Gewerkschaftshäusern Büroinventar, brachen Geldschränke auf und wandelten die gewerkschaftlichen Immobilien in SA-Heime um. Die Zerstörungswut machte auch vor den gewerkschaftlichen Bibliotheken und Archiven nicht halt. Ende 1928 existierten insgesamt 1.335 Bibliotheken bei ADGB-Ortsausschüssen bzw. gewerkschaftlichen Zahlstellen mit einem Gesamtbestand von 847.999 Bänden. 17 Der Metallarbeiter-Verband unterhielt ein eigenes Bibliotheksnetz. Von 554 befragten Verwaltungsstellen besaßen im Jahre 1922 90 eigene Bibliotheken mit insgesamt 55.869 Bänden. 18 Schätzungen gehen davon aus, dass 1933 bis zu 2.500 Arbeiterbibliotheken(Gewerkschaften und SPD) mit einem Bestand von circa 1,5 Millionen Bänden existierten. 19 Neben den der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit dienenden Bibliotheken unterhielten der ADGB-Bundesvorstand wie auch die Vorstände der Mitgliedsgewerkschaften wissenschaftliche Bibliotheken, meist als Präsenzbibliotheken, darunter die größten beim Deutschen Werkmeisterverband mit 45.000 Bänden im Jahre 1929 und beim Deutschen Metallarbeiter-Verband mit 31.000 Bänden im Jahre 1931. 20 Eine der bedeutendsten gewerkschaftlichen Leihbibliotheken war die 1907 gegründete Leipziger Zentralbibliothek mit einem Bestand von etwa 10.000 Bänden im Jahre 1933, darunter Raritäten wie alte Drucke und Erstausgaben deutscher Klassiker. Als SA und SS das Leipziger Volkshaus am 9. März 1933„unter klingendem Spiel“ besetzten, wurde die Bibliothek beschlagnahmt. Die„undeutschen“ oder„marxistischen“ Titel wurden ausgesondert und öffentlich auf dem Leipziger Messplatz verbrannt. 21 Verbrennungen von Büchern aus Gewerkschaftsbibliotheken fanden schon vor dem reichsweit inszenierten Autodafé am 10. Mai 1933 statt. Als am 11. März 1933 die Zentrale 15 Zu den Terrorüberfällen vgl. Quellen, Bd. 4, Dokumente 127, 182, 185, 195, 198 und 211. 16 Vgl. z.B.„Sachsen gibt Gewerkschaftshäuser frei – aber marxistische Wühlarbeit wird nicht gestattet“, in: Leipziger Neueste Nachrichten, 26.3.1933, vgl. auch Gewerkschafts-Zeitung Nr. 14, 8.4.1933, S. 220f. 17 Vgl. Jahrbuch 1928 des ADGB, Berlin 1929, S. 176. 18 Vgl. Das Büchereiwesen in den Ortsverwaltungen des DMV, Stuttgart 1922, S. 6. 19 Vgl. Heinz Braun: Zum Schicksal der Archive und Bibliotheken der deutschen Gewerkschaften nach 1933, in: IWK 34(1998) 1, S. 1-36, hier S. 8 sowie Horst Gebauer: Arbeiterbibliotheken in Leipzig, in: Leibibliotheken, Arbeiterbibliotheken, Bücherhallen. Hrsg.: Stadt- und Bezirksbibliothek Leipzig, Leipzig 1989, S. 31-44, hier S. 37. 20 Angaben nach Braun, Zum Schicksal, S. 8. 21 Vgl. Leipziger Neueste Nachrichten, 10.3.1933; Gebauer: Arbeiterbibliotheken in Leipzig, S. 35f.; ADGBVorstand an Reichspräsident Hindenburg, 5.4.1933, in: Quellen, Bd. 4, S. 873ff., hier S. 875. 26 des Bergbauindustrieverbandes in Bochum von den SA-Besatzungen zweier LKWs gestürmt und besetzt wurde, wurde die Bibliothek des Verbandes(10.000 Bände 1926) nach Angaben des verhafteten und 1935 im Lager Esterwegen ermordeten Verbandsvorsitzenden Fritz Husemann(geb. 1873) zwar nicht„in nennenswertem Maße“ geschädigt, jedoch aus den Handbibliotheken der einzelnen Abteilungen wurden Bücher zusammen mit Druckschriften auf dem Hofe des Verbandshauses verbrannt. Wissenschaftliche Abhandlungen„lagen zerrissen und zertreten auf dem Fußboden“. 22 Nach einem weiteren Bericht hausten die Besetzer im Verwaltungsgebäude des Bergarbeiterverbandes„wie die Vandalen. Kein Schrank und kein Fach blieb ungeöffnet. Die Akten flogen haufenweise zum Fenster hinaus; Setz- und Druckmaschinen wurden zerstört.“ 23 In Dresden verkauften Nazis im März 1933 20.000 Kilo Akten und Bücher der Gewerkschaften als Altpapier an Altwarenhändler. Sie sollten eingestampft werden. Aus den Leipziger Räumen des Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe, des Personen- und Warenverkehrs wurden nach Mitteilungen des ADGB-Bundesvorstandes vom 5. April 1933„sämtliche Akten, Bücher, Archive usw.“ entfernt und,„wie an den Brandstellen in den Höfen zu erkennen ist, verbrannt“. 24 Bei der Besetzung des Gewerkschaftshauses am 2. Mai 1933 wurden in Düsseldorf„marxistische Schriften“ beschlagnahmt und zusammen mit Fahnen der„Eisernen Front“ auf dem Marktplatz„in Gegenwart einer großen Menschenmenge“ verbrannt. 25 Auch in Aschersleben wurde ge werkschaftliches Schriftgut„unter dem Gejohle einer Menschenmenge“ dem Scheiterhaufen übergeben. 26 Beschlagnahmen von Büchern, Archiv- und Schriftgut fanden bei nahezu allen Besetzungen von Gewerkschaftshäusern statt. 27 Doch keineswegs alles fiel der Vernichtung durch die Nazis anheim. Den größeren Teil der Bestände eigneten sich die Nationalsozialisten an. Dabei gab es Konkurrenzen zwischen den einzelnen Nazi-Organisationen sowie staatlichen Stellen. 28 Am 24. Mai 1933 ordnete Walter Schuhmann, zunächst NSBO-Kommissar für den ADGB, dann„Führer des Gesamtverbandes der Deutschen Arbeiterverbände“ innerhalb der Pseudogewerkschaft„Deutsche Arbeitsfront“, an, dass die Büchereien der Gewerkschaftsverbände„sofort von allen marxistischen Schriften zu reinigen“ seien. Verantwortlich dafür war der Bibliothekar des Gesamtverbandes der Deutschen Arbeiterverbände, Pg. Trode, der für„die Reinigung“ systematisch zu sorgen hatte. 29 Doch im weiteren Verlauf bestimmte nicht die DAF, sondern die NSDAP über das Schicksal der beschlagnahmten Bücherbestände. Im Januar 1934 wurde in dem Komplex des ehemaligen Sitzes des ADGB-Bundesvorstandes in der Inselstraße 6 das„Parteiarchiv der NSDAP und 22 Vgl. Sachdarstellung des Bergarbeiterführers und Reichstagsabgeordneten Fritz Husemann zu den Übergriffen der SA in Bochum am 11. und 12. März 1933, auszugsweise in: Udo Wichert: 11.3.1933 – Der Modellfall Bochum, in: Manfred Scharrer(Hg.): Kampflose Kapitulation. Arbeiterbewegung 1933, Reinbek bei Hamburg 1984, S. 218ff. Vgl. auch Bochumer Anzeiger und General Anzeiger, 13.3.1933. 23 Vgl. Hans Mugrauer:„Deutschland erwache“ – Rückblick auf die Vorgänge um die Vernichtung der Weimarer Republik, u.a. in: Udo Wichert: 11.3.1933 – Der Modellfall Bochum, in: Scharrer(Hg.): Kampflose Kapitulation, S. 223ff. 24 Vgl. ADGB-Vorstand an Reichspräsident Hindenburg, 5.4.1933, in: Quellen, Bd. 4, S. 873ff., hier S. 875. 25 Vgl. Nationalzeitung, 3.5.1933. 26 Vgl. Die Besetzung der Gewerkschaftshäuser durch die Faschisten am 2. Mai 1933. Dokumente und Erinnerungen. Arbeitsmaterial zusammengestellt aus den Beständen des Zentralen Gewerkschaftsarchivs und ergänzt aus den Gewerkschaftsarchiven Halle und Leipzig von Heinz Braun und Barbara Merten, o.O. März 1983, S. 33. 27 Zu weiteren Beispielen vgl. Quellen, Bd. 4, S. 873ff. 28 Ausführlicher dazu Braun, Zum Schicksal, S. 10ff. 29 Vgl. Rundschreiben an sämtliche Amtswalter der NSBO und des Gesamtverbandes der Deutschen Arbeiterverbände, 24.5.1933, gez. Walter Schuhmann, in: DGB-Archiv in AdsD, Bestand Zentralverband der christlichen Textilarbeiter, 5/DGCM 14. 27 der DAF“ eingerichtet. Diesem Archiv wurden unter anderem das Archiv und die Bibliothek des ADGB-Bundesvorstandes(1919: 6.700 Bände) sowie die Bibliothek Sassenbach(ca. 9.000 Bände) einverleibt. Das von der DAF beschlagnahmte ehemalige ADGB-Bundeshaus in der Berliner Inselstraße 6 enthielt das„Parteiarchiv der NSDAP und der DAF“. Hier wurden unter anderem das Archiv und die Bibliothek des ADGB-Bundesvorstandes sowie die Bibliothek Sassenbach untergebracht. (Verein zum Studium sozialer Bewegungen e.V.) Johannes Sassenbach(1866-1940), ab 1891 Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Sattlervereins, später Mitglied der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und seit 1922 Sekretär, ab 1927 Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, war nicht nur Verleger und Publizist, sondern auch der erste Bibliograph gewerkschaftlichen Schriftgutes. 30 Sassenbach hatte eine„der größten und übersichtlichsten Privatbüchereien“ Berlins zusammengetragen und diese 1927 dem Berliner Ortsausschuss des ADGB als Studienbibliothek überlassen. 1931 erwarb der Ortsausschuss die Bibliothek. 31 Im Oktober 1934 wurde das NSDAP-Parteiarchiv nach München verlegt, 13.000 Bände Bibliotheksgut, darunter die Bibliothek Sassenbach sowie 1.900 Bände Zeitungen, wurden an den neuen Archivsitz verbracht. Der Leiter der DAF, Robert Ley, der das„Archiv der DAF“ aus dem Parteiarchiv herauslösen wollte, konnte sich nicht durchsetzen. Der DAF verblieben 30 Vgl. Johann(!) Sassenbach: Verzeichnis der in deutscher Sprache vorhandenen gewerkschaftlichen Literatur, 4. Ausgabe, Berlin 1910; zu Sassenbach vgl. Johannes Sassenbach: Erinnerungen. Faksimile, hrsg. von der Johannes-Sassenbach-Gesellschaft, Berlin 1999, sowie den darin enthaltenen Aufsatz von Daniela Münkel: Johannes Sassenbach. Ein vergessener Gewerkschaftsführer?!, S. 11-39. 31 Vgl. Braun, Zum Schicksal, S. 10. 28 in Berlin lediglich die„Bücherei der DAF“ in der Inselstraße, die vermutlich aus der Bibliothek des ADGB-Bundesvorstandes bestand, sowie diverse gewerkschaftliche Akten, darunter Sitzungsprotokolle der Generalkommission aus dem Ersten Weltkrieg. In den Folgejahren wuchs die Zentralbücherei der DAF durch„Übernahmen“ von Gewerkschaftsbibliotheken aus den besetzten Gebieten, darunter dem Sudetenland. Auch private Bibliotheken, darunter jene des emigrierten Nationalökonomen und Statistikers René Robert Kuczynski(1876-1947), eignete sich die DAF-Bibliothek an. 32 Nach Kriegsende gelangten Teile der früheren Gewerkschaftsbibliotheken wieder in den Besitz der Gewerkscha ften. Der Hauptbestand der„Zentralbücherei“ der DAF hatte den Krieg unbeschadet in Berlin im Magazin überstanden. Aus diesem Bestand erhielt der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund(FDGB), Berlin, nach offiziellen Angaben vom Dezember 1948 300.000 Bände. Weitere 100.000 bis 150.000 Bände beschlagnahmte die amerikanische Besatzungsmacht, um sie der Library of Congress in Washington zu übergeben. 1948 gab die Library of Congress etwa 60.000 Bände Gewerkschaftsliteratur an den Deutschen Gewerkschaftsbund(DGB) zurück. Im Oktober 1953 erhielt der DGB-Vorstand in Düsseldorf nochmals 20 Kisten mit Bibliotheksgut, das, zwischengelagert in der Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek, nunmehr ihren eigentlichen Besitzern zurückgegeben wurde. Darunter befanden sich auch acht Kisten„Bibliothek Sassenbach“ und zwei Kisten„Gewerkschaft Leipzig“. 33 Am 10. Mai 1933, dem Tag der Bücherverbrennungen, wurde das Vermögen der SPD beschlagnahmt. Am selben Tag trat der erste Kongress der DAF in Berlin zusammen. Die Nazis hatten sich des Vermögens der Gewerkschaften bereits am 2. Mai 1933 bemächtigt. An diesem Tag hatten die Gewerkschaften die Verfügung über ihre zahlreichen Einrichtungen, Büros, Häuser und auch über ihre Archive und Bibliotheken verloren. Wie viele Bücher aus den früheren Gewerkschaftsbibliotheken durch die Kulturbarbarei der Nazis oder durch spätere Kriegseinwirkung insgesamt vernichtet wurden, ist nicht bekannt. Die beachtlichen Reste des„gedruckten Gedächtnisses“ der Gewerkschaften stehen heute in der Bibliothek des Bundesarchivs Berlin bzw. der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv(SAPMO), in die die Bestände der FDGBZentralbibliothek Anfang 1993 eingebracht wurden, sowie in der Bibliothek der FriedrichEbert-Stiftung, in die 1995 Archiv und Bibliothek des DGB integriert wurden, der Öffentlichkeit zur Verfügung. 32 Vgl. ebenda, S. 21f. 33 Zur Bestandsgeschichte der von den Nazis geraubten Gewerkschaftsbibliotheken nach 1933 bzw. 1945 vgl. neben Braun, Zum Schicksal: Karl Heinz Roth/Karsten Linne: Searching for Lost Archives. New documentation on the pillage of trade union archives and librarys by the Deutsche Arbeitsfront(1938 – 1941) and on the fate of trade union documents in the postwar era, in: International Review of Social History, 38 (1993), S. 163-207; Leslie Irlyn Poste: The development of United States protection of libraries and archives in Europe during Word War II, Diss. Chicago 1959; außerdem: Berichte über Sichtung und Verteilung der aus den USA zurückgegebenen Bibliotheksbestände, 1949-1951, in: AdsD, NL Richard Seidel. 29 Schreiben von Fritz Tarnow an die Vorstände der DGB-Gewerkschaften vom 23. Oktober 1948. (Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, DGB-Archiv) 30 Berlin- Offenbach- Washington- Bonn(mit Umwegen). Das Offenbach Archival Depot als Durchgangsstation für die Gewerkschaftsbestände der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Rüdiger Zimmermann Zur Ausgangslage Das Interesse an„lost art“, an scheinbar oder tatsächlich„verloren“ gegangenen Kunstwerken, Archiven und Büchern hat in den letzten Jahren explosionsartig zugenommen. Indikatoren dafür gibt es viele. Verzeichnete die erste Auflage der„Beutekunst“ von Peter Bruhn im Jahr 1997 1153 Titel, dokumentiert die jüngste Literaturzusammenstellung des ehemaligen Bibliothekars am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin 4037 Titel. 34 Die Gründe für das exponentielle Wachstum der einschlägigen Literatur liegen auf der Hand. Der Zusammenbruch der vordergründig so fest gefügten Systeme der alten Comecon-Länder hat die politische Landschaft radikal und nachhaltig verändert. Vorher nicht für möglich erachtete Recherchen können seit der großen politischen Wende durchgeführt werden. Das ganze Ausmaß der Verwerfungen von Raub, Beschlagnahme, Verbringung und Vernichtung kultureller Güter während des letzten Weltkriegs kann neu beleuchtet werden. Und: Wissenschaft ist auch von Interessen geleitet. Die Chance, verloren gegangene Kunst- und Kulturgüter wieder„zurück“ zu bekommen, hat viele Museen, Archive und Bibliotheken beflügelt, intensive Nachforschungen anzustellen, und Gegenveröffentlichungen provoziert, genau diese Ansprüche„abzuwehren“. Der Diskurs wird mit Unterstützung staatlicher und quasistaatlicher Institutionen und Einrichtungen in Europa und den Vereinigten Staaten geführt. Die Diskussionen sind hart, politisch und alles andere als wertfrei. 35 Warum bekommen holländische Einrichtungen ihre Bibliotheken nicht zurück, die die Nationalsozialisten geraubt und anschließend sowjetische Trophäenkommissionen in die Sowjetunion verbracht haben? Und warum sind genuin russisch-jüdische Kultgegenstände nach 1945 nicht der Sowjetunion zurückgegeben worden, sondern wurden in die USA transferiert? Die Diskussion, oft polemisch unter dem Stichwort„Beutekunst“ geführt, fand in den Massenmedien breiten Widerhall. Allerdings drehte sich das mediale Echo in der Regel nicht um das Schicksal großer Bibliotheken. Vielmehr machte sich das Interesse an dem legendären„Bernsteinzimmer“, dem wieder aufgetauchten„Schatz des Priamus“ oder der Rückführung des Domschatzes von Quedlinburg fest. Auch in der Wissenschaftsszene überwogen die spektakulären Themen. Die Rückführung von 100.000 Bänden aus Georgien nach Deutschland fand dabei eher geringes Interesse. 36 Wenn überhaupt, dann drehte sich die öffentliche bibliothekarische Berichterstattung um den Verbleib wertvoller Inkunabeln und Handschriften. Das lebendige Interesse an verlorener 34 Siehe Bruhn, Peter:„Beutekunst“. Bibliographie des internationalen Schrifttums über das Schicksal des im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee in Deutschland erbeuteten Kulturgutes(Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände) 1990-2000. – 3., wiederum verm. und verb. Aufl. – Berlin, 2000. 35 Die Artikel in der Internetzeitschrift Spoils of War. International Newsletter, Nr. 1(1995) ff. bieten für die These Belegstücke in Hülle und Fülle.(http://www.lostart.de/forum/spoilsofwar.php3?nummer=1) 36 Kolasa, Ingo:„A splendid gesture. Chronology of a restitution”. In: Spoils of War, Nr. 3(December 1996) S. 53-56. 31 Kunst 37 und die weltweiten Bemühungen um gerechte Lösungen haben nahezu verdeckt, dass es bereits in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg atemberaubende Aktionen gab, zusammengeraubte Büchergebirge den legitimen Besitzern zurückzugeben. In der Regel handelte es sich um Bestände, die die siegreichen westlichen Alliierten in zahlreichen Ausweichquartieren und Verstecken vorfanden. Bücher wurden an einer Stelle in Offenbach zusammengeführt. Buchstäblich tausende Tonnen von Büchern wurden in Offenbach am Main(Offenbach Archival Depot)„umgeschlagen“. Zu Recht wurde die Aktion als„the biggest book-restitution operation in library history“ 38 beschrieben. Nicht immer ging es dabei gerecht zu, aber oft genug. Die nationalsozialistischen Machthaber hatten diese Bibliotheken in Deutschland, West- und Osteuropa planlos und planvoll zusammengeraubt, um ihren Überlegenheitsanspruch zu dokumentieren. Die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung besitzt tausende von Büchern aus Gewerkschaftsbibliotheken, die durch das Offenbach Archival Depot ge laufen sind und heute nach einer spektakulären Odyssee wieder der allgemeinen Nutzung überregional zur Verfügung stehen. In einem Beitrag über die„Handreichung vom Februar 2001 zur Umsetzung der Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der Kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ lässt der Bremer Autor Jürgen Babendreier die französische Tageszeitung „Liberation“ zu Wort kommen:„Ein halbes Jahrhundert nach dem Krieg geht es eher darum, Geschichte zu schreiben, als Kunstwerke wiederzugeben, die niemand mehr verlangt“. 39 Die folgenden Ausführungen verstehen sich als ein solcher„Geschichtsbeitrag“, der jedes Denken in„Wiedergutmachungskategorien“ unterlässt. Knapp sollen Aufbau und Bestände deutscher Gewerkschaftsbibliotheken vor 1933 skizziert und ihr unterschiedliches Schicksal während des 3. Reichs beleuchtet werden. Zwei unterschiedliche Ströme gewerkschaftlicher Literatur sollen untersucht und ihr Weg in die Bonner Stiftungsbibliothek aufgezeichnet werden. Arbeiter- und Gewerkschaftsbibliotheken Zu den großen kulturellen Gesamtleistungen der deutschen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zählt der Aufbau großer Arbeiterbibliotheken. Ihre Blüte lag vor dem ersten Weltkrieg. Warum war das so? Worin lagen die Ursachen? Lag nicht der kulturelle Schwerpunkt der Arbeiterbewegung in der Zwischenkriegszeit? Die Antwort fällt leicht. Die Demokratisierung nach der Novemberrevolution, die Beteiligung der Arbeiterparteien an lokalen und regionalen Verwaltungen führten in vielen Fällen dazu, dass Gewerkschaftsbibliotheken und Arbeiterbibliotheken mit kommunalen Bibliotheken verschmolzen. Dennoch: Auch in der ersten deutschen Demokratie war das Niveau gewerkschaftlicher Bibliotheken respektabel. Gewerkschaftsbibliotheken wurden auf mehreren Ebenen aufgebaut und betreut. Teilweise fungierten die einzelnen„Zahlstellen“,„Ortsvereine“ und 37 Als gutes Beispiel kann die Veröffentlichung von Lynn H. Nicholas, Nicholas H.: Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer Kunstwerke im Dritten Reich. – München, 1995 dienen. 38 Poste, Leslie I.:„ Books Go Home From the Wars“,. In: Library Journal, 73(1948), 1. Dec., S. 1704. 39 Babendreier, Jürgen:„Wie finde ich NS-verfolgungsbedingt entzogenes Bibliotheksgut? Bibliotheken an die Hand genommen und angefasst“. In: Bibliotheksdienst, 35(2001), H. 9, S. 1150. 32 „Verwaltungsstellen“ als Träger. Teilweise wurden die Gewerkschaftsbibliotheken von den Gewerkschaftszusammenschlüssen vor Ort(„Gewerkschaftskartelle“) getragen, teilweise fungierten als Träger Zusammenschlüsse der Gewerkschaftskartelle mit den lokalen sozialdemokratischen Wahl- und Ortsvereinen(„Arbeiterbibliotheken“). Darüber hinaus entwickelten sich schon sehr früh bei den Verbandsvorständen Bibliotheken, die den Mitarbeitern der Gewerkschaftsvorstände zur Verfügung standen. In der Regel waren die Verbandsvorstände in Hamburg oder Berlin ansässig:„Sie sammelten eigene Druckschriften, wie Protokolle der Gewerkschaftskonferenzen, der Verbandstagungen, die Jahres- und Rechenschaftsberichte, die Jahrgänge der Gewerkschaftspresse, Parteiliteratur der SPD, statistische Materialien und andere Drucksachen. Häufig waren die Bibliotheken mit Archiven kombiniert, zum Teil nahmen sie auch Archivfunktionen für die verbandseigenen Druckerzeugnisse wahr.“ 40 Lokaler Bibliothekskatalog der Berliner Transportarbeiter. Gewerkschaftsbibliotheken waren eine„Welt für sich“. Sie besaßen eine Fülle von Quellen, die in keiner anderen öffentlichen Bibliothek zu finden waren. Gleichzeitig versorgten die Bibliotheken ihre Mitglieder mit schöner Literatur und Unterhaltungsliteratur. Ihre Bedeutung für die gewerbliche Arbeiterschaft kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Arbeiterbibliotheken galt der besondere Hass der nationalsozialistischen Schlägerorganisationen. 1928 wurden in Deutschland 1.355 Gewerkschaftsbibliotheken mit 847.999 Büchern gezählt. 41 Über die vielen Bibliotheken auf lokaler Ebene wissen wir recht gut Bescheid. In zahlreichen Festschriften und in den lokalen Rechenschaftsberichten finden sich viele Details. Wenig wissen wir über die Zentralbibliotheken der diversen Einzelgewerkschaften. Meist 40 Braun, Heinz:„Zum Schicksal der Archive und Bibliotheken der deutschen Gewerkschaften“. In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung(IWK). – (1998) 1, S. 8 41 Ebda. 33 kann man aus den Quellen nur herauslesen, dass es sie gab. Die Jahresberichte des Vorstandes des Verbandes der Deutschen Buchdrucker z.B. weisen im Durchschnitt jährliche Aufwendungen um 2000 Mark auf. 42 Die Zentralbibliothek des Dachverbandes ADGB verfügte über einen Erwerbungsetat, der etwa einem Universitätsbibliothek Greifswald entsprach. 43 Drittel des Etats der Beschlagnahmt, Verbracht, Verbrannt: Die Büchersammlungen der Gewerkschaften während der Nazi-Zeit Gewöhnlich wird nationalsozialistische Kulturpolitik gegenüber„feindlichen Büchern“ mit Bücherverbrennung gleichgesetzt. Natürlich stimmt das auch. Als„Grundlage für die symbolische Handlung im Verbrennungsakt“,„Gegen Klassenkampf und Materialismus. Für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung“ wurden von den Verantwortlichen als erste zu verbrennende Schriftsteller Karl Marx und Karl Kautsky genannt. 44 Und Karl Kautsky mit seinen Schriften„Was ist Sozialisierung?“,„Richtlinien für ein sozialistisches Aktionsprogramm“ und„Der Arbeiterschutz“ kann man getrost als Syno nym für das Verbrennen gewerkschaftlicher Literatur sehen. Dennoch: Das Hauptaugenmerk der„Verbrenner“ galt der Schönen Literatur. Romane aus Gewerkschaftsverlagen fielen dem Autodafé zwar ebenfalls zum Opfer. Gleichwohl stand die politische Gewerkschaftsliteratur bei den Verbrennungen nicht im Vordergrund. Die Gewerkschaftsliteratur wurde zusammengeraubt und als Trophäe behandelt. Die nationalsozialistische Literaturpolitik zeichnete sich durchgängig durch einen irrationalen Zug aus. Ziel war es, das geistige Erbe des politischen Gegners und des scheinbar„rassisch“ unterlegenen zusammenzutragen und es gleichsam zu beherrschen. Michael Kuntz hat diesen Irrationalismus treffend beschrieben:„The Nazis were motivated by the lust for total control, greed, and the need to replenish state and Nazi coffers. A key element in this onslaught was the seizure of artistic, literacy, and cultural property, ranging from the merely sentimental to the priceless. This aspect of the Nazi was not only economic, but also psychological.” 45 Die Gier nach Rauben und Besitzen betraf Kunst- und Kulturgüter aller Art: Gemäldesammlungen, Archive, Altäre, Bibliotheken, Münzsammlungen. Während der nationalsozialistischen Herrschaft beschlagnahmten unterschiedliche„Spezialeinheiten“ jedweder Provenienz. Insgesamt zeigte sich bei diesen Raubaktionen das hinlänglich bekannte Bild nationalsozialistischer Herrschaftsausübung. Sich eifersüchtig bekämpfende Konkurrenzgruppen, unterschiedlichen Potentaten von Partei und Staat zur Loyalität verpflichtet, suchten„ihren“ Teil der Beute auf„ihre“ Seite zu schlagen. Oft ging es um hemmungslose persönliche Bereicherung. 46 Oft ging es nur um die„Gier“, den größten intellektuellen Schatz des niedergeschlagenen Gegners zu besitzen und zu bewahren. 42 Verband der deutschen Buchdrucker: Bericht, Berlin, 1919(1920) – 1929(1930) 43 Zimmermann, Rüdiger: Spezialbibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Nordrhein-Westfalen. Assessorarbeit.- Köln: Bibliothekar-Lehrinstitut, 1977, S. 71. 44 Krummsdorf, Juliane: Verbrannt, verboten, verbannt, vergessen? Zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen 1933. Bibliographie zur Schwarzen Liste/Schöne Literatur. 3., überarb. und erw. Aufl., Dresden, 1996, S. 2. 45 Kurtz, Michael J.: Nazi contraband. American policy to the return of European cultural treasures, 1945-1955, New York, 1985, S. 13. 46 Die Arbeit von Nicholas, Lynn H.: Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer Kulturschätze im Dritten Reich. München, 1995 bietet Belegstücke für die verbrecherische Sucht nach persönlicher Bereicherung in Hülle und Fülle. 34 Gewerkschaftsbibliotheken im nationalsozialistischen Interessenkonflikt Auch die beschlagnahmten Gewerkschaftsbibliotheken gerieten in den Interessenkonflikt konkurrierender NS-Einrichtungen. Im konkreten Fall waren das die Deutsche Arbeitsfront (DAF) und die NSDAP selbst. Die Deutsche Arbeitsfront hatte das Haus des freigewerkschaftlichen Dachverbandes Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund(ADGB) besetzt und für ihre Zwecke in Beschlag genommen. Hier entstand im Januar 1934 das Parteiarchiv der NSDAP und der DAF. Archive, Kataloge, Bibliotheken der verbotenen Arbeiterorganisationen sollten hier erhalten bleiben und in einer„Reichshalle der NSDAP“ den endgültigen Sieg der Bewegung dokumentieren. 47 Im ersten Zugriff hatte das Reichsarchiv die Bibliothek des Bundesvorstands des ADGB und der Sassenbach-Bibliothek einverleibt. Die Bibliothek Johann Sassenbachs, ehedem Vorsitzender des„Allgemeinen deutschen Sattlervereins“, Gründer und Vorsitzender der Berliner Volkshochschule und Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, galt als die größte und bedeutendste Arbeiterbibliothek der Welt. Der erste Bibliograph gewerkschaftlichen Schriftgutes 48 hatte 1919 seine Bibliothek der lokalen Berliner Gewerkschaftsbewegung uneigennützig zur Verfügung gestellt. 49 Die DAF unterlag in einem internen Machtkampf und musste auf Veranlassung des HitlerStellvertreters Rudolf Hess ihre Archivbestände mit der Sassenbach-Bibliothek nach München geben. In der bayerischen Metropole wurden sie künftig im„Hauptstaatsarchiv der NSDAP“ verwahrt. 50 Große Teile dieses Bestandes blieben erhalten und gelangten in das Offenbach Archival Depot. Dies war ein Strang, der nach„Offenbach“ führte. Der andere Weg gewerkschaftseigener Bücher nach Offenbach verlief über die Zentralbücherei der DAF und die Library of Congress Mission. Auch dieser Weg soll kurz beschrieben werden. Zentralbücherei der DAF und Library of Congress Mission Den Verlust, den die DAF durch Abgabe an das NSDAP-Hauptarchiv hatte hinnehmen müssen, suchte ihr Chef, Robert Ley, durch diverse Anordnungen wettzumachen. Verschiedene Neugründungen und Umgruppierungen bestehender DAF-Einrichtungen dienten diesem Ziel. 51 Besonders relevant war die Gründung der wissenschaftlichen Zentralbibliothek der DAF. Die zentrale DAF-Bibliothek umfasste u.a. die alte „Zentralbücherei der DAF“(in Wirklichkeit die Bibliothek des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes) sowie die Bestände angehäufter Gewerkschaftsbibliotheken bei untergeordneten Dienststellen der DAF. Trotz Ausscheidens von Dubletten wuchs die Bibliothek rasch. Die zusammengeraubte Bibliothek umfasste 1938 336.000 Bände. 52 1943 begann die DAF mit der Auslagerung ihrer Bibliotheksbestände. Vieles spricht dafür, dass ein Drittel der Bestände nach Polen verlagert wurde. Der Hauptbestand überlebte jedoch wie ein Wunder das kriegerische Inferno: In der Immelmannstraße, dem wunderschönen 47 Braun,„Zum Schicksal der Archive...“, a.a.O., S.12. 48 Sassenbach, Johann: Verzeichnis der in deutscher Sprache vorhandenen gewerkschaftlichen Literatur. Nachtrag zur 4. Ausg. Berlin, 1912. 49 Zu Sassenbachs Biographie s. Scheugenpflug, Otto: Johann Sassenbach. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, Hannover, 1959. 50 Braun,„Zum Schicksal...“, a.a.O., S. 13 f. 51 Zu diesem Komplex s. Braun,„Zum Schicksal...“, a.a.O., S 16 ff. 52 Ebda., S. 22. 35 Jugendstilgebäude der verbotenen Druckergewerkschaft, lag der Bücherschatz verborgen. Die gerettete Bibliothek geriet bald in den Interessenstreit der konkurrierenden Siegermächte. 53 Zunächst schien die sowjetische Besatzungsmacht alleine über das Schicksal„des Schatzes“ zu bestimmen: Früh hatte der Oberste Chef der Sowjetischen Militäradministration in seinem Befehl Nr. 2 die neugegründeten Gewerkschaften zu Treuhändern für das Gesamtvermögen der Deutschen Arbeitsfront eingesetzt. 54 In einem Schreiben der Abteilung Volksbildung des Magistrats der Stadt Berlin vom 18. Juli 1945 hatte dieser dem Transport der geretteten Bücher aus dem alten Haus der Drucker in den Ostsektor der Stadt zugestimmt. In der Wallstraße im Ostteil der Stadt bezog der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund sein neues Domizil. Treuhänder in der britischen und amerikanischen Zone hatten dem„Deal“ im September des gleichen Jahres nicht widersprochen. 55 Anders sah das der erste nach Berlin entsandte Beauftragte der Library of Congress(LoC). Haus des Verbandes der deutschen Buchdrucker. Das vom Architekten Max Taut entworfene Haus galt als„Perle“ der deutschen Volkshäuser. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8. November 1924. Das Gewerkschaftshaus bestand aus einem Verwaltungsgebäude und einem fünfstöckigen Wohnhaus. Es erlitt Kriegsschäden. In den Kellern„überlebten“ indes die von der Deutschen Arbeitsfront zusammengeraubten Bücher. Von hier erfolgte via Offenbach der Transport der Gewerkschaftsbücher in die USA. Das renovierte Haus in der Dudenstraße wird heute von der Gewerkschaft Ver.di genutzt. Die amerikanische Besatzungsmacht hatte im April 1946 die sogenannte„Library of Congress Mission“ ins Leben gerufen, um herrenloses NSDAP-Schriftgut zu sichern und nach Washington zu verschicken. Dort sollte es auf amerikanische Bibliotheken aufgeteilt werden. Der erste Berliner Beauftragte, Jacob Zuckerman, interpretierte seine Mission großzügig: In Verhandlungen mit den innerstädtischen Behörden und dem neu gegründeten Freien Deutschen Gewerkschaftsbund„sicherte“ Zuckerman über 100.000 Bände für die amerikanische Kongressbibliothek. Auch diese gewaltige Büchersendung hat einen„Umweg“ 53 Roth, Karl Heinz und Karsten Linne:„Searching for lost archives. New documentation on the pillage of trade union archives and libraries by the Deutsche Arbeitsfront(1938-1941) and on the fate of trade union documents in the postwar era“. In: International Review of Social History, 38(1993), 2, S. 169 ff. 54 Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR. Sassenbach-Stiftung. Archiv der Gewerkschaftsbewegung. Archivsignatur 3201.38. 55 Ebda. 36 über das Offenbach Archival Depot genommen. 56 Formal handelte es sich zwar um Bücher, die von einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation betreut wurden, rechtmäßige Eigentümer waren indes die deutschen Gewerkschaften. Auch die amerikanische Administration hatte sich nach kurzem Zögern auf den Standpunkt gestellt, Kulturgüter nicht als„Reparationsmasse“ anzusehen. Deutlich unterschied sie sich hierbei von der sowjetischen und französischen Sicht der Dinge. 57 Zuckerman hatte damit im Grunde genommen seine Kompetenz überschritten, als er die Bücher nach Offenbach in das dort errichtete Archival Depot verbrachte, wo sie kurze Zeit später nach Washington, DC verschifft wurden. Das Offenbach Archival Depot(OAD) Was hatte es nun mit diesem legendären Depot in Offenbach auf sich? Wer unterhielt es? Welche Funktionen erfüllte es? Warum geriet es so schnell in Vergessenheit? In dieser Großsammelstelle geraubter Literatur wurden von der amerikanischen Besatzungsmacht ca. 4 Millionen Bände unterschiedlichster Provenienz zusammengeführt, um ihren rechtmäßigen Besitzern übereignet zu werden. Meist handelte es sich um jüdische Bibliotheken, die der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg zusammengeraubt hatte. Allerdings befanden sich auch geraubte Bestände aus Arbeiterbibliotheken in dem Depot. 58 Die Geschichte des Offenbach Archival Depot hat in der deutschen bibliothekarischen Literatur und in der wissenschaftlichen Diskussion eine erstaunlich geringe Rolle gespielt 59 Intensiver haben sich ausländische Wissenscha ftler mit der legendären Sammel- und Verteilungsstelle auseinandergesetzt. Dies ist kein Wunder, ist doch die Geschichte vieler holländischer, französischer und belgischer Bibliotheken eng mit der Restitution aus dem Offenbacher Depot verbunden. 60 Gegen Ende des Krieges kam es in den Vereinigten Staaten zu verschiedenen Initiativen, kulturelle Güter durch den Vormarsch der westlichen Alliierten nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Unterschiedliche Bemühungen auf staatlicher Ebene mündeten in der Gründung der amerikanischen Monuments, Fine Arts and Archives Section(MFA&A). In Wirklichkeit 56 „17. April 1946. Appointment of Dr. Jacob Zuckermann[!], Library of Congress Mission Representative, to supervise move of books and other library materials from Berlin to Offenbach”. Siehe Sammlung und Restbestände…, a.a.O., S. 3. 57 Grimsted, Patricia Kennedy:„Displaced archives and restitution problems on the eastern front in the aftermath of the Second World War“. In: Contemporary European History, 6 (1997), 1, S. 27 ff. 58 Weber, Franz Konrad:„Die Rückführung der in den Jahren 1938 bis 1945 verschleppten österreichischen Bücherbestände“. In: Biblios, 28(1979) 1, S. 29-31. 59 Bei der Broschüre Sammlung und Restbestände des vom Einsatzstab Rosenberg geraubten Kulturgutes ab 1946 in Offenbach/Main. Hg. Helmut Keiber. Giessen, 1993 handelt es sich im Wesentlichen um den Wiederabdruck zweier Monatsberichte des Offenbach Archival Depot aus dem Jahre 1946, die im National Archive in Washington aufbewahrt sind. Siehe auch Festschrift aus Anlass des einjährigen Bestehens. Hrsg. Offenbach Archival Depot, Offenbach, 1947[Im Besitz des Stadtarchivs Offenbach]. Eine populäre Darstellung findet sich bei Weinberger, Anton Jakob:„Thorarollen, meterhohe Bücherstapel, wertvolle Handschriften. Im Offenbacher Archival-Depot wurden jüdische und deutsche Kulturgüter gesammelt“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung,(1992) Nr. 209, S. 38. 60 Hougewoud, S. F. J.:„The nazi looting of books and its American ‚antithesis’. Selected pictures from the Offenbach Archival Depot’s photographic history and its supplement”. In: Studia Rosenthaliana, 26(1992) 1/2, S. 158-192. Die bibliothekswissenschaftliche Dissertation von Leslie Irlyn Poste, The development of United States protection of libraries and archives in Europe during World War II, Diss. Chicago, 1959 ist streckenweise der Augenzeugenbericht eines Handelnden. Poste war der einzige ausgebildete Bibliothekar in der amerikanischen Monuments, Fine Arts and Archives Section(MFA&A), die sich um die Restitution der geraubten Sammlungen bemühte. 37 handelte es sich um einen kleinen Kreis fachlich ausgebildeter Offiziere – von der kämpfenden Truppe meist misstrauisch beäugt-, der trotz verschwindend kleiner Zahl unglaublich viel für die Rettung der Kulturgüter tat. 61 Rasch nach Überschreitung der deutschen Grenzen stieß die MFA&A auf eine Fülle von Verstecken und bombensicheren Ausweichlagern aller Art. Die Soldaten fanden hier geraubte Kulturgegenstände wie gesicherte Materialien aus rechtmäßigem deutschen Besitz. Vieles stammte aus den verbrecherischen Aktivitäten des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg(ERR). 62 Der ERR war im Juli 1940 begründet worden und arbeitete in enger Kooperation mit der deutschen Wehrmacht. In Konkurrenz zu anderen von diversen Nazipotentaten legitimierten „Räuberbanden“ durchkämmte der Einsatzstab in Ost- und Westeuropa systematisch Bibliotheken, Archive und Museen, um Kulturgegenstände zu rauben. Hitler selbst hatte dem Einsatzstab im März 1942 einen Freibrief erteilt, die Requirierungen für die geplante„Hohe Schule“ vorzunehmen. Die„Hohe Schule“ sollte aus einem System verteilter Bibliotheken bestehen, um die„aktuelle geistige Kriegsführung“ 63 gegen alle Gegner des Nationalsozialismus zu stützen. Als erster Zweig der„Hohen Schule“ wurde bereits im März 1941 das„Institut zur Erforschung der Judenfrage“ in Frankfurt am Main gegründet. Als die ersten Luftangriffe Frankfurt erreichten, lagerten die Verantwortlichen des Instituts 1,3 Millionen Bände und Kunstgegenstände in die nähere Umgebung der Mainmetropole aus. Der vorrückenden amerikanischen Armee fielen in Frankfurt selbst 130.000 Bände in die Hände. Diese wurden provisorisch in der ehemaligen Rothschild Bibliothek(dem heutigen Jüdischen Museum) eingelagert. Die Rothschild Bibliothek diente als einer der vielen collecting points, die das MFA&A angelegt hatte. Als die Bibliothek durch permanente Bücherlieferungen aus diversen Verstecken und Schutzräumen überquoll, wurden die Bücher in ein leerstehendes Gebäude der IG Farben weiter östlich nach Offenbach überführt. 64 5. Stock des Offenbach Archival Depot. Hunderttausende von Büchern warten 1946 auf ihre„Identifizierung“. Das ganze Ausmaß kultureller Verwüstung der Nazi-Herrschaft wird sichtbar. (Allgemeen Rijksarchief Den Haag, Archiv Graswinckel inv.nr. 21[13]) Wortwörtlich trafen in Offenbach in kürzester Zeit tausende Tonnen Bücher ein. Nach schwierigen Verhandlungen gelang es den Archivaren und Historikern in amerikanischer Uniform, Offenbach ab Mai 1946 zum zentralen Depot für die amerikanische Zone(Hessen, 61 Poste, The development …. a.a.O., S. 114. 62 Siehe zu den Aktivitäten Manasse, Peter M.: Verschleppte Archive und Bibliotheken. Die Tätigkeit des Einsatzstabes Rosenberg während des Zweiten Weltkrieges, St. Ingbert, 1997. Siehe auch Vries, Willem de: Kunstraub im Westen 1940-1945. Alfred Rosenberg und der„Sonderstab Musik“. Frankfurt am Main, 2000. 63 Siehe Hoogewouud,„The Nazi looting...“, a.a.O., S. 160 f. 64 Pomerenze, Seymour:„Offenbach Reminiscences“, In: Spoils of War, Nr. 2, 15. Juli 1996, S. 18-20. 38 Bayern, Bremen, Nordwürttemberg/Nordbaden, amerikanischer Sektor in Berlin) zu machen. Der Sammelauftrag des Offenbach Archival Depot bezog sich ausdrücklich auf Bücher, Kunstgegenstände waren davon nicht betroffen. Von Juli 1945 bis Februar 1946 gab es keine Restitution an die rechtmäßigen Besitzer. Als wenig später der sprachkundige Archivar Seymour J. Pomerenze die Leitung des Depots übernahm, änderte sich dieses Defizit schlagartig. Er verzichtete sofort auf eine Detailkatalogisierung durch das völlig überforderte Personal. Gleichzeitig konnte er binnen Jahresfrist den Stab der amerikanischen und deutschen Mitarbeiter von 6 auf 140 Personen erhöhen. Pomerenze ließ unkonvent ionell durch Augenschein ersichtlich zusammengehörige Kollektionen erstellen und drängte auf rasche Wiedergutmachung. Bereits im März 1946 konnten 81.620 Bücher per Schiff und 143.660 Bücher per Bahn nach Frankreich verschickt werden. Während eines einzigen Jahres konnte auf diese Weise die unglaubliche Zahl von nahezu 2,5 Millionen Bücher„behandelt“ werden. 65 Über 1, 9 Millionen Bücher waren im März 1947 zurückgegeben worden, ca. 300.000 Bände hatten keinen Besitzvermerk, über 200.000 hatten zwar einen Besitzstempel, die rechtmäßigen Besitzer waren indes nicht mehr zu ermitteln. Zur besten Zeit arbeiteten im Jahr 1946 176 Mitarbeiter an den Offenbacher Bücherbergen. Pomerenzens Nachfolger, Isaac Bencowitz, verfeinerte 1947 das Recherchesystem: Er setzte Arbeitsgruppen hochqualifizierter„Stempelsucher“ ein, die zeitweise bis zu 30.000 Bände täglich identifizierten. 66 Während des Rechercheprozesses strömten unablässig Bestände aus den collecting points aus Berlin, Büdingen, Frankfurt am Main, Gießen, Nürnberg, Reichelsheim, Schloß Banz, Pommersfelde, Wallau, Waidenfeld, Wiesbaden, Bremen und anderen Städten nach Offenbach in das OAD. 67 „Stempelsucher“ im Offenbach Archival Depot an der Arbeit. Bis 30.000 Bände täglich wurden grob geprüft, um die Bücher den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Unter diesen Materialien befanden sich auch Materialien aus der Bibliothek des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin. (National Archives, Washington RG 260-PHOAD-II-19) Bencowitz arbeitete mit ehrenamtlichen jüdischen Helfern zusammen, die der osteuropäischen und der hebräischen Schrift mächtig waren. Phasenweise waren außerdem 21 Verbindungsoffiziere aus 11 Staaten in Offenbach akkreditiert, um die Rückführaktionen zu steuern. 68 Die Wiedergutmachungsaktionen waren mit erheblichen völkerrechtlichen Implikationen verbunden, denn die Entscheidung, Materialien aus russisch-jüdischem Besitz 65 Festschrift aus Anlass des einjährigen Bestehens, a.a.O., unpag. 66 Hougewoud,„The Nazi Looting...“, a.a.O., S. 168. 67 Festschrift aus Anlass des einjährigen Bestehens, a.a.O., unpag 68 Poste, The development…a.a.O., S. 367. 39 nicht in die Sowjetunion zu transferieren, sondern jüdischen Organisationen weltweit zu überlassen, bedeutete faktisch eine Neuinterpretation existierender völkerrechtlicher Normen. Die Arbeiterbewegung auf der Strecke? Die Arbeiterbewegung hatte natürlich keine„Verbindungsoffiziere“ in Offenbach. Dennoch kam es zu kleineren Rückführaktionen an die SPD und die KPD. In Einzelfällen gab das Depot verstreute Materialien an diverse deutsche Gewerkschaften ab. 69 Zur Politik der Offenbacher Verantwortlichen gehörte es, ohne„wenn und aber“ Materialien an deutsche Einrichtungen zu übergeben, wenn der Besitz rechtmäßig war. Bü cher aus dem„Munich Central Collecting Point“ trafen in Offenbach im Jahre 1947 erst ziemlich spät ein. 70 Darunter müssen sich große Teile der Sassenbach-Bibliothek befunden haben. Allerdings kam es nicht zu einer Restitution an die deutschen Gewerkschaften. Die„große Politik“ verhinderte eine Rückgabeaktion. Gemäß der amerikanischen Besatzungsphilosophie“ zogen sich die Militärbehörden früh aus der administrativen Alltagsarbeit zurück. Das traf auch auf das OAD zu. Nicht nur amerikanische Soldaten wurden abgezogen, auch deutsche Hilfskräfte wurden entlassen. Im Dezember 1947 war der Stab auf 41 Mitarbeiter zusammengeschrumpft. Ende 1948 arbeiteten nur noch 19 Deutsche im Depot. 71 Viel Arbeit blieb liegen. 1948 übergab die amerikanische Besatzungsmacht die nicht verteilten Bücher an das Land Hessen. Offiziell handelte es sich dabei um 286.610 Bände. Die Souveränität des westdeutschen Separatstaates warf ihre Schatten voraus. 1948 regelten die Militärbehörden peinlich genau, wie die Deutschen zu verfahren hatten. Im Befehlston ergingen an den Hessischen Ministerpräsident Details:„You will be responsible for return to their owners of publicly-owned books and archives belonging to state, municipal or other institutional libraries and archives located in the American and British zones.” 72 Der hessische Staat seinerseits verteilte die Bücher an hessische Bibliotheken. Im September 1953 erfüllte die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt den ursprünglichen Auftrag der amerikanischen Besatzungsmacht. Der Antifaschist Professor Hanns Wilhelm Eppelsheimer, 1933 von den Nazis in Darmstadt aus seinem Amt gejagt, nahm als Direktor den Wiedergutmachungsauftrag von Anfang an sehr ernst. Völlig überraschend bekam der Dachverband der deutschen Gewerkschaften Post aus der Mainmetropole. In einem Schreiben an den Deutschen Gewerkschaftsbund in Düsseldorf teilte die Bibliothek mit: In den Magazinen der Bibliothek befänden sich Kisten der Bibliothek Sassenbach und andere Materialien, die die Frankfurter Bibliothek wieder ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben wolle. 73 Die zuständige Fachreferentin, Dr. Anni Binder, teilte der DGB-Spitze in Düsseldorf haargenau alle Fakten mit:„Diese Bestände wurden bei der Auflösung des Archival Depot Offenbach im Auftrag des Hess. Ministeriums für Kultur und Unterricht an uns zur treuhänderischen Aufbewahrung übergeben. Wir bitten Sie, über 69 Ebda., S. 374 u. 385. 70 Ebda., S. 386. 71 Ebda., S. 379. 72 Responsibility for certain categories of books now held in the Offenbach archival depot. National Archives of the United States, RG/260/OMGUS. Für die entsprechenden Kopien aus dem OMGUS-Bestand bin ich Herrn Ruppel vom Stadtarchiv Offenbach dankbar. 73 Arbeitsbilder. Dokumente zwischen Symbolik und Alltag. Hrsg. von Willy Buschak. Hamburg, 1990, S. 18. 40 diese Bestände zu verfügen und sie im März(spätestens innerhalb von 4 Wochen) gegen Abgabe einer entsprechenden Vollmacht und Quittung abholen zu lassen.“ 74 Im Oktober 1953 trafen in Düsseldorf 20 Kisten ein. Beim Hauptvorstand des DGB wurden die Kisten grob gesichtet. Der Transport hatte nach einer Notiz der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt folgende„Zusammensetzung“:„Bibliothek Sassenbach 8 Kisten(statt 6), Gewerkschaftsfahnen 6 Kisten, Gewerkschaft Berlin 2 Kisten, Gewerkschaft Leipzig 2 Kisten, Bücher aus Gewerkschaftseinrichtungen 2 Kisten.“ Teile der Bücher verblieben in Düsseldorf, die anderen Bestände wurden auf die übrigen Mitgliedgewerkschaften verteilt, die diese zum Aufbau ihrer weiteren Spezialbestände nutzten. Zwanzig Jahre nach der nationalsozialistischen Machtergreifung und einem abenteuerlichen Umweg über das Offenbach Archival Depot waren die geraubten Bücher wieder ihrem rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben worden. In der Bundesrepublik Deutschland nahm davon kaum einer Notiz. Die öffentliche Diskussion drehte sich zwischen „Wirtschaftswunder“ und Wiederaufrüstung um andere Themen. Skrupel in Washington, Freude in Düsseldorf Wie war es in der Zwischenzeit den gewerkschaftseigenen Büchern„ergangen“, die in der Zentralbücherei der DAF zusammengetragen und nach 1945 von den Besatzungsmächten aufgeteilt wurden? Über die genauen logistischen Abläufe wissen wir nicht Bescheid. Dennoch lässt sich in groben Zügen ein Bild entwerfen: Über die Infrastruktur des Offenbach Archival Depot wurden Teile der zusammengeraubten DAF-Bücherei nach Washington verbracht. Die aktive Rolle Zuckermans bei der Verbringung dieser Bücher in die USA war offensichtlich von Anfang an umstritten. 75 In Washington selbst kamen die Bücher in einem ziemlich chaotischen Zustand an. 76 Unter den Bibliotheksverantwortlichen wuchs rasch der Zweifel, ob die Gewerkschaftsbücher in Washington am richtigen Platz seien. Auch auf der Leitungsebene der Library of Congress stellten sich Skrupel ein. Luther H. Evans Chefbibliothekar der LoC persönlich machte sich zum Anwalt der Rückführung der deutschen Gewerkschaftsmaterialien. In einem Memorandum an den Major General Daniel Noce, Chief der Civil Affairs Division, stellte der Leiter der größten Bibliothek der Welt bereits 1948 unumwunden fest:„ In 1946, the military authorities transferred the Deutsche Arbeitsfront Library to the Library of Congress Mission to Europe for distribution through our Cooperative Acquisitions Project. After its arrival here, it was found that this library contained a great deal that had been confiscated from various labor union libraries following the dissolution of the unions by the former German Government. It is estimated that approximately 60.000 books and pieces of other library material will be found to have marks of labor union ownership or may reasonably be assumed to have come from such collections. I have directed that the material from any union library be segregated from the material being distributed to the participating American research libraries. Although facilities are not available here to reassemble the material belonging to a particularly library, it is possible that the newly established German labor unions would welcome the return of this materials for their collections and be willing to sort this material after its arrival.” 77 74 DGB-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Organisation, Handakten. 75 Rothe/Linne,“Searching for lost…”, a.a.O., S 171. 76 Mündliche Mitteilung an den Verfasser von A.R.L. Gurland, der als jüdischer Emigrant in jener Zeit als wissenschaftliche Aushilfskraft in der LoC arbeitete. 77 Roth/Linne,„Searching for lost...“, a.a.O., S. 203 f. 41 Der Chefbibliothekar bat gleichzeitig um logistische Unterstützung durch die Armee bei der ungewöhnlichen Rückführaktion. Die bibliothekarische Diskussion wurde in der Kongressbibliothek auf hohem, verantwortungsbewusstem Niveau geführt. Man sei in keiner Weise an unrechtmäßig erhaltenem Gut interessiert. Die Bücherrückgabe an die deutschen Gewerkschaften wurde als wichtige Aktion zur Unterstützung der jungen deutschen Demokratie gesehen. Diese Ansicht teilten uneingeschränkt die hohen Militärs, die diese ungewöhnliche Aktion unterstützten. 78 Künftighin wurde in der internen Sprachregelung die Verbringung der Gewerkschaftsbücher in die USA als„Irrtum“ angesehen, der von einem kleinem überforderten Arbeitsstab begangen wurde. 79 Historischer Blick in die Library of Congress. Die im Jahre 1800 aus der Taufe gehobene Kongressbibliothek nahm im Laufe ihrer Geschichte viele Einzelsammlungen auf. Teilweise kamen diese Materialien in chaotischem Zustand an. Die größte Bibliothek der Welt setzte sich während des 2. Weltkrieges für einen umfänglichen Schutz europäischen Kulturgutes ein. 1948 entschied die Bibliotheksleitung, die nach Washington verbrachten Gewerkschaftsbibliotheken den westdeutschen demokratischen Gewerkschaften zurückzugeben. (Conaway, James: America’s library: the story of the Library of Congress, 18002000.- New Haven[u.a.]: Yale Univ. Press, 2000.- S. 94) Ungefähr 40.000 Gewerkschaftsbände blieben in den Vereinigten Staaten“hängen”. Man kann die Bibliotheken nur erahnen, in denen sie sich heute befinden: die Hoover Institution on War, Revolution and Peace an der Stanford University, der Labadie Collection in der Harlan Hatcher Library an der University of Michigan in Ann Arbor oder der Marthin P. Catherwood 78 Brief von Major General Daniel Noce an den Chefbibliothekar der LoC:„The courtesy and cooperation of the Library of Congress in making available for return to German trade unions this material from their former library is deeply appreciated both by the Department of the Army and by American Military Government authorities in Germany.” Library of Congress, Records in the European Mission& Cooperative Acquisitions Project, Box 7. 79 “It was recognized that a limited staff, working under pressure and handling a very large number of collections, would inevitably make some errors.” Library of Congress, Box 398: Acq. 5-7-32: Seized Documents 1945-1954. 42 Library an der Cornell University in Ithaca im Bundesstaat New York. Zuckerman hatte Wert auf technische Literatur gelegt, solche gab es unter den deutschen Gewerkschaftsveröffentlichungen genug. War kein entsprechender Stempel vorhanden, waren Hilfskräfte kaum in der Lage, sie als eindeutigen Gewerkschaftsbesitz zu verifizieren. Gemeinsam mit der Stuttgarter Weltkriegsbücherei(der späteren Bibliothek für Zeitgeschichte) und der „Reichspatentamt Collection“ wurden die zu identifizierenden Gewerkschaftsmaterialien an den Sitz des Gewerkschaftsbundes der vereinten Zonen nach Düsseldorf zurückgeschickt. 80 Die hochherzige Rückgabeaktion traf die Gewerkschafter der Westzonen nicht völlig unvorbereitet. Im Sommer 1948 hatte das Office of Military Goverment for Germany(US) bei den deutschen Gewerkschaftern vorgefühlt. Hier in Düsseldorf zog als Sekretär der ehemalige Vorsitzende des Holzarbeiterverbandes und SPD-Reichstagsabgeordneter Fritz Tarnow die Fäden. Tarnow(1880-1951) hatte bereits als junger Autodidakt„Aufsätze, Flugblätter, Agitationsschriften und geschichtliche Broschüren geschrieben“. 81 Die Bildungsund Kultureinrichtungen der deutschen Gewerkschaften waren Tarnow„Lebensuniversität“ gewesen. Fritz Tarnow(1880-1951). Gelernter Tischler; seit 1906 hauptamtlicher Funktionär im Deutschen Holzarbeiterverband(DHV). Von 1920 bis 1933 Vorsitzender im Hauptvorstand des DHV. 1928 bis 1933 SPD-Abgeordneter im Deutschen Reichstag. Von 1929 an Sekretär der Internationalen Union der Holzarbeiter. Mai 1933 Flucht in die Niederlande, später Emigration in die skandinavischen Länder. 1946 Rückkehr nach Deutschland.. Der ehemalige Leiter des„Literarischen Büros“ der Holzarbeitergewerkschaft spielte beim demokratischen Wiederaufbau der deutschen Gewerkschaften und bei der Rückführung der Gewerkschaftsbestände aus Washington eine wichtige Rolle. Er organisierte die Verteilung der Bücher auf die Einzelgewerkschaften und die gewerkschaftlichen Bildungseinrichtungen. Im Bild: Vortrag in der DGB-Bundesschule Oberursel 1951 kurz vor seinem Tod. (DGB-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung) „Wir haben natürlich“ – schrieb er stolz im Oktober 1948 an die Bundesvorstände-„mit Freuden zugegriffen; und nunmehr ist die Sendung auch in Frankfurt eingetroffen.“ Plastisch beschrieb der pragmatische Holzarbeiter, was auf die Gewerkschaften wartete:„Es sind zwei Waggons mit 60.000 Büchern in 387 Kisten und einem Gesamtgewicht von über 24.000 Kilo. Es macht uns einige Mühe, diesen großen Segen hier unterzubringen. Vorläufig wissen wir nicht, was in den Kisten eigentlich drin ist, und es wird ja auch eine Riesenarbeit sein, die 80 Reynolds, Robert D.: Returning things is always a hassle: Library and archival issues growing out of the debate over restitution of captured War Documents 1945-1953. Papers written for archival course 611 at the University of Maryland, 1988. Für die Überlassung seiner Abschlussarbeit bin ich meinem Freund Robert D. Reynolds vom George Meany Memorial Archives, Silver Spring, Maryland aufrichtig dankbar. 81 Schulze, Rainer:„Fritz Tarnow“. In: HolzArbeiterbuch. Die Geschichte der Holzarbeiter und ihrer Gewerkschaften, Köln, 1993, S. 146. 43 Bücher zu ordnen.“ Dennoch hatte„der Macher“ bereits klare konzeptionelle Vorstellungen im Kopf, wie die Verteilung zu bewerkstelligen sei:„Wenn die Vermutung sich bestätigt, dass es sich zum großen Teil um alte Gewerkschaftsbibliotheken handelt, wird ja zweckmäßigerweise den einzelnen Verbänden das zurückgegeben werden müssen, was ihnen dabei zukommt.“ 82 In Düsseldorf ging man mit den Bücherbergen pragmatisch und effektiv um. Zunächst wurde Literatur, bei denen ein Herausgeber(„Körperschaft“) ersichtlich war, den gewerkschaftlichen Nachfolgeorganisationen zugeordnet und entsprechend gepackt. Diese Aufgabe war im Januar 1949 getan. Die verbliebene, nicht zugeordnete Literatur wurde „aufgelistet“. Für die„Feinsortierung“ bat Tarnow Richard Seidel um Hilfe. Der gelernte Lithograph(geb. 1882) hatte seit 1926 als Redakteur an der „Gewerkschaftszeitung“ gearbeitet. Als Vorsitzender des Arbeiterkulturkartells Berlins und Mitglied des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit war er für die„Sortierarbeit“ besonders prädestiniert. 83 Aus Seidels Feder stammten eine Reihe größerer Abhandlungen zur Theorie und Praxis der deutschen und internationalen Gewerkschaftsbewegung, mit denen er sich viel Achtung erworben hatte. 84 Fritz Tarnow hatte mit Sicherheit den richtigen Mann ausgesucht. Seidel ließ Kurztitellisten erstellen und ordnete die Bücher, die er in der Regel selbst kannte, der in Gründung befindlichen DGB-Bibliothek, den Landesbezirken, den Gewerkschaftsschulen oder den Einzelgewerkscha ften zu. Seidel hatte seine Aufgabe im Sommer 1950 erfüllt. Von den Einzelgewerkschaften ging der„Löwenanteil“ an die Industriegewerkschaft Druck und Papier in Stuttgart. Die Druckergewerkschaft war der eigentliche„Gewinner“ der amerikanischen Bücherrückführaktion. Von 127 Kisten gingen 92 nach Stuttgart. Der Reichtum dieser Bestände ist auch heute noch beeindruckend. Interne Listen der Library of Congress dokumentieren den chaotischen Charakter der Büchersammlung in Washington. Um so höher muss die Ordnungsarbeit in Düsseldorf gewertet werden. Bei erster Durchsicht waren den amerikanischen Verantwortlichen auch Bücher aus jüdischem Besitz aufgefallen. Sie sollten in den USA aussortiert werden. Dennoch: Als die Bücher im Rheinland eintrafen, befand sich auch hebräische Literatur unter der Gewerkschaftsliteratur. Diese gab der Bundesvorstand des DGB an die jüdische Gemeinde Düsseldorf weiter. 150 Bände der Israelitischen Kultusgemeinde Wien konnten 1955 an die rechtmäßigen Besitzer nach Österreich zurückgegeben werden. 85 Die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung als sicherer Hafen Wie kamen die Bücher, die so unterschiedliche Wege gegangen waren, nach Bonn in die Bibliothek der Friedrich- Ebert-Stiftung? In den späten sechziger Jahren hatte die der Sozialdemokratie nahestehende Stiftung das Archiv der sozialen Demokratie aus der Taufe gehoben. 86 Innerhalb des Archivs existierten eine Bibliothek und ein eigentliches Archiv. Bewusst war dieser altertümliche Name gewählt worden. Er erinnerte an emanzipatorische 82 DGB-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Nachlass Richard Seidel. Meinem Kollegen Klaus Mertsching bin ich für diesen zentralen Quellenhinweis besonders dankbar. 83 Handbuch des Vereins Arbeiterpresse. Hrsg. vom Vorstand des Vereins Arbeiterpresse. 4. Aufl. 1927, S. 200. 84 Die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland. Amsterdam, 1927. Die Gewerkschaften nach dem Kriege. Berlin, 1925. Der kollektive Arbeitsvertrag in Deutschland. Berlin, 1921. Die Gewerkschaften in der Revolution. Berlin, 1920. Gewerkschaften und politische Parteien in Deutschland. Berlin, 1928. 85 Adunka, Evelyn: Der Raub der Bücher. Plünderung in der NS-Zeit und Restitution nach 1945. Wien, 2002, S. 151. 86 Nach der vertraglichen Übernahme der Bibliotheks- und Archivbestände beim Parteivorstand der SPD durch die FES im Juli 1969 begann die„eigentliche“ Arbeit des Archivs der sozialen Demokratie. Siehe Zimmermann, Rüdiger: Das gedruckte Gedächtnis bewahren: Die Geschichte der Bibliotheken der deutschen Sozialdemokratie. Bonn, 2001, S. 49 f. 44 Bestrebungen des frühen 19. Jahrhunderts. Die neutrale Namensgebung sollte Weichen stellen und Gewerkschaften und Sozialdemokratie gleichermaßen einladen, ihre historischen Materialien der Stiftung zu überlassen. Mitte der sechziger Jahre war es dem Vorstandsvorsitzenden Alfred Nau und dem Vorstand der Friedrich- Ebert-Stiftung trotz großer Bemühungen aber nicht gelungen, deutsche Gewerkschaftsvorsitzende zu motivieren, ihre Büchersammlungen in die Obhut der neuen Zentralbibliothek zu geben. Die Diskussionen über„Kernaufgaben“ innerhalb der Gewerkschaften führten in Bibliotheksund Archivfragen zu einem gewissen Gesinnungswandel. Beginnend mit der ehemaligen Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden, gaben ab 1978 Gewerkschaftsorganisationen sukzessiv ganze Spezialbibliotheken an die Friedrich-Ebert-Stiftung ab. Die Transaktionen wurden von entsprechenden bilateralen Verträgen begleitet. Die Liste der„Abgeber“ ist lang: die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Industriegewerkschaft Medien, die Gewerkschaft Textil und Bekleidung, die Deutsche Angestelltengewerkschaft. Viele Regionalorganisationen kamen hinzu. Größter„Brocken“ war indes die komplette Übernahme der Bibliothek beim Hauptvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Jahr 1995. Über 120.000 Bände wechselten von Düsseldorf nach Bonn. Mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnten die Bestände restlos digital erfasst und allen Interessierten über die entsprechenden infrastrukturellen Netze zur Verfügung gestellt werden. In allen übernommenen Bibliotheken befand sich eine Fülle von Materialien, die einerseits über das Münchener NSDAP-Hauptarchiv, den Munich Collecting Point nach Offenbach und von dort über den Umweg der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt nach Düsseldorf und andererseits via Offenbach und Washington nach Deutschland zurückgebracht wurden. Niemand nahm bislang von der hochspannenden Bestandsgeschichte dieser Teilsammlungen so recht Notiz. In keiner Veröffentlichung wurde ihr Schicksal bislang beschrieben. Im bibliothekarischen Alltag gehen die Bücher ohne Aufsehen„über die Theke“. Erst das neuentfachte Bewusstsein und die intensive Diskussion über„Beutekunst“ und„Spoils of War“ haben die Recherchen innerhalb der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung angestoßen. Ende gut, alles gut? Die Frage bleibt: Sind alle Bestände, die über Offenbach nach Deutschland kamen, wieder in Bonn„vereinigt“ worden? Die Antwort ist einfach. Sie lautet: Nein. Das meiste wurde gerettet. Dennoch: Nicht alle Gewerkschaftsorganisationen gingen mit den geretteten Büchern pfleglich um. Bibliotheken von Einzelgewerkschaften, Landesorganisationen und Bildungsstätten des DGB und seiner angeschlossenen Gewerkschaften wurden aufgelöst und verstreut. Ihr Schicksal ist oft unklar. Für die Geschichte der ÖTV und ihrer Vorläufergewerkschaften recherchierte der Chefredakteur des ÖTV-Magazins, Dieter Schneider, vergeblich nach einem unveröffentlichten Manuskript des ehemaligen Vorsitzenden der freigewerkschaftlichen Eisenbahnergewerkschaft Louis Brunner, das Zeugen in den fünfziger Jahren noch im Hause der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands in Frankfurt am Main gesehen hatten. 87 Niemand wusste etwas über das Schicksal des Textes. 87 Mündliche Mitteilung Dieter Schneiders an den Verfasser. 45 Diese frustrierende Suche blieb kein Einzelfall. Andere Bestände verschwanden ebenfalls sang- und klanglos. Niemand hat die Bücher gezählt, die in Bonn heute nach einer unglaublichen Odyssee in den Magazinen verwahrt werden. Grobe Schätzungen belaufen sich auf 30.000 Bände. Sie sind heute in den nationalen Datenbanken wohl erschlossen und stehen der nationalen und internationalen Forschung uneingeschränkt zur Verfügung. Ist das Kapitel damit abgeschlossen? Ist die Geschichte verloren gegangener Bücher für die Bonner Bibliothekare und Bibliothekarinnen damit beendet? Die Antwort fällt differenziert aus. Jedes einzelne Gewerkschaftsbuch ist für sich nicht„kostbar“. Erst die Kollektion und das geschlossene Ensemble machen Gewerkschaftssammlungen so wertvoll. Bücher sind in der Regel keine Unikate. Lückenergänzungen sind möglich. Hier unterscheidet sich der Alltag der Bibliothekare von der von Kunsthistorikern und Kunsthistorikerinnen zu leistenden Arbeit. Der Mikrofilm bietet heute noch für die Forschung viele zusätzliche Möglichkeiten. Die große Zeit des Mikrofilms ist noch nicht beendet. Mit der ehemaligen Bibliothek des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes(FDGB) in OstBerlin wurden schon zu DDR-Zeiten Verfilmungsprojekte initiiert, um Lücken zu schließen. In dieser Bibliothek wurden die Bestände aus der ehemaligen DAF-Bücherei verwahrt, die im sowjetischen Sektor Berlins verblieben waren. Die Kooperation war stets schwierig und blieb auf vereinzelte Projekte beschränkt. Mit der Nachfolgeeinrichtung Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv(SAPMO) hat die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung viele erfolgreiche Verfilmungsprojekte von Gewerkschaftszeitschriften realisiert, die beiden Einrichtungen zum Vorteil dienten. Gleichwohl: Viele Zeitschriften und Zeitungen der deutschen Gewerkschaftsbewegung sind in Deutschland nicht mehr zu finden. Viele müssen als verschollen gelten, dennoch geht die Suche weiter. In Frankreich, den USA, Polen und Russland hat die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung gesucht oder suchen lassen. Nicht immer waren die Ergebnisse ermutigend. Bücherverbrennungen, der Sturm auf die Häuser der Arbeiterbewegung, Ausraubung der Bibliotheken, Rettung der Bestände. Keine Aktion darf isoliert und für sich alleine gesehen werden. Die Friedrich-Ebert-Stiftung fühlt sich dem Schicksal der„bedrohten“ und „verfolgten“ Bücher in besonderem Maße verpflichtet. Ihre Anstrengungen zur Sicherung des demokratischen Erbes der deutschen Arbeiterbewegung gehen weiter. 46 Verzeichnis der ausgestellten Druckschriften Erhard Stang (Wenn nicht anders ausgewiesen, stammen alle Exponate aus der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung) Aandehullet/ Red.: Hans Bendix.- Kopenhagen: Henrik Koppel, Heft 1(Oktober 1933) [Bibliothek und Archiv der Arbeiterbewegung Kopenhagen] Anthologie jüngster Lyrik/ hrsg. von Willi Fehse und Klaus Mann. Geleitw. von Rudolf G. Binding.- Neue Folge.- Hamburg: Enoch, 1929.- 169 S. Abt,... Die Revolution in Baden und die Demokraten: vom revolutionären Standpunkt aus beleuchtet / von Abt.- Herisau: Schläpfer, 1849.- 174 S. Barbusse, Henri Das Feuer: Tagebuch einer Korporalschaft/ Dt. Übertr. von L. von Mayenburg.- Zürich: Rascher, 1920.- 408 S. Becher, Johannes R. Der Bankier reitet über das Schlachtfeld: Erzählung.- Wien: Agis-Verl., 1926.- 91 S. Bernhard, Georg Wirtschaftsparlamente: von den Revolutionsräten zum Reichswirtschaftsrat.- Wien[u.a.]: Rikola-Verl., 1923.- 141 S. Böhmert, Carl Victor Vortrag über das Verhältnis von Arbeiter und Arbeitgeber gehalten in der gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Zürich am 1. Dezember 1867.- Zürich: Meyer& Zeller, 1868. 31 S. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel Leipzig: Börsenverein der deutschen Buchhändler zu Leipzig, 2. Mai 1933.- 31. Mai 1933 [Staatsbibliothek Berlin] Brass, August Der Freiheitskampf in Baden und in der Pfalz im Jahre 1849: seine Ursachen, seine Entwickelung und sein Ausgang vom politischen wie vom militärischen Standpunkte beleuchtet.- St. Gallen: Scheitlin nd Zollikofer, 1849.- 91 S. Brecht, Bertolt Bertolt Brechts Hauspostille: mit Anleitungen, Gesangsnoten und einem Anhang.- Berlin: Propyläen-Verl., 1927.- 156 S. Döblin, Alfred Berlin Alexanderplatz: Die Geschichte vom Franz Biberkopf.- 1.- 10. Aufl.- Berlin: Fischer Verl., 1929.- 528 S. 47 Dönniges, Wilhelm Die deutsche Verfassungsfrage und die deutschen Einzelstaaten: ein Wort an die Nationalversammlung, die Fürsten und die Landstände deutscher Nationen.- München: Kaiser H. 2 und 3 zsgebunden 2.- 1848.- 20 S. 3.- 1848.- 36 S. Einigkeit/ Organ des Verbands der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter.- Hamburg: Diermeier, Januar 1932 Erenburg, Il'ja Grigor'evic Der zweite Tag: Roman.- 1.- 5. Tsd..- Berlin: Malik, 1933.- 355 S. Feuchtwanger, Lion Der jüdische Krieg: Roman.- Berlin: Propyläen-Verl., 1932.- 477 S. Foerster, Friedrich Wilhelm Mein Kampf gegen das militaristische und nationalistische Deutschland: Gesichtspunkte zur deutschen Selbsterkenntnis und zum Aufbau eines neuen Deutschland.- Stuttgart: Verl. "Friede durch Recht", 1920.- 262 S. Frankfurt am Main: die Stadt des deutschen Handwerks; ein Bildbuch/ hrsg. von Franz Lerner.- Frankfurt am Main: Kichler, 1936.- zahlr. Ill. [Stadtarchiv Offenbach] Glaeser, Ernst; Weiskopf, Franz Carl Der Staat ohne Arbeitslose: drei Jahre"Fünfjahresplan". Mit einem Nachw. von Alfred Kurella.- Berlin: Kiepenheuer, 1931.- VIII, 198 S. Goll, Claire Ein Mensch ertrinkt: Roman.- Leipzig[u.a.]: Tal, 1931.- 219 S. Goll, Yvan Germaine Berton, die rote Jungfrau.- Berlin: Verl. Die Schmiede, 1925.- 77 S. (Aussenseiter der Gesellschaft; 5) Graf, Oskar Maria Bolwieser: Roman eines Ehemannes.- München[u.a.]: Drei-Masken-Verl., 1931.- 359 S. 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Plivier, Theodor Der Kaiser ging, die Generäle blieben: ein deutscher Roman.- 1.- 12. Tsd.- Berlin: Malik-Verl., 1932.- 347 S. 52 53 54 Remarque, Erich Maria Der Weg zurück.- Berlin: Propyläen-Verl., 1931.- 368 S. Roßmäßler, Emil Adolf ein Wort an die deutschen Arbeiter:(Im Einvernehmen mit dem Leipziger Central-Comité verfasst).- Berlin: Jonas, 1863.- 16 S. Sinclair, Upton Der Industriebaron.[Autoris. Übers. aus dem amerikan. Ms. von Hermynia zur Mühlen]. Berlin: Malik-Verl., 1925.- 72 S.-(Malik-Bücherei; 18) Die Socialdemokratie vor dem Deutschen Reichstage: Entwurf eines Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie nebst Motiven und Anlagen. Hamburg: Verl. d. Genossenschafts-Buchdr., 1878-1881.- H. 1-6 Die Solidarität/ Organ d. Zentralverbandes der Nahrungs- und Genussmittel- Industriearbeiter Deutschlands(Mitglied d. Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften). – Düsseldorf, Mai 1931 Toller, Ernst Der entfesselte Wotan: eine Komoedie.- 4.- 8. Tsd.- Potsdam: Kiepenheuer, 1924.- 60 S. Toller, Ernst Hoppla, wir leben!: ein Vorspiel und fünf Akte.- Potsdam: Kiepenheuer, 1927.- 141 S. Toller, Ernst Justiz- Erlebnisse.- Berlin: Laub, 1927.- 146 S. Toller, Ernst Nationalsozialismus: eine Diskussion über den Kulturbankrott des Bürgertums zwischen Ernst Toller und Alfred Mühr.- Berlin: Kiepenheuer, 1930.- 35 S. Toller, Ernst Die Rache des verhöhnten Liebhabers oder Frauenlist und Männerlist: ein galantes Puppenspiel in zwei Akten frei nach einer Geschichte des Kardinals Bandello.- Berlin: Cassirer, 1925.- 61 S. Toller, Ernst Das Schwalbenbuch.- 16.- 20. Tsd.- Potsdam: Kiepenheuer,[1924].- 58 S. Toller, Ernst Tag des Proletariats: Requiem den gemordeten Brüdern; Zwei Sprechchöre.- Potsdam: Kiepenheuer, 1925.- 22 S. Toller, Ernst Die Wandlung: das Ringen eines Menschen.- Potsdam: Kiepenheuer, 1919.- 94 S. (Der dramatische Wille; 3) Tucholsky, Kurt Deutschland, Deutschland ueber alles: ein Bilderbuch. Montiert von John Heartfield. 1.- 20. Tsd..- Berlin: Neuer Dt. Verl., 1929.- 231 S.: Ill. 55 Tucholsky, Kurt Fromme Gesänge/ von Theobald Tiger.- 1.- 6. Tsd.- Charlottenburg: Lehmann, 1919. 117 S. Tucholsky, Kurt Rheinsberg: ein Bilderbuch für Verliebte. Bilder von Kurt Szafranski.- 51.- 60. Tsd. Berlin Charlottbg.: Juncker,[ca. 1922].- 95 S.: Ill..-(Orplid-Bücher; 3) Tucholsky, Kurt Rheinsberg: ein Bilderbuch für Verliebte. Bilder von Kurt Szafranski.- Berlin: Juncker, [ca. 1928].- 110 S.: Ill. Tucholsky, Kurt Schloss Gripsholm.- 1.- 18. Tsd.- Berlin: Rowohlt, 1931.- 221 S. Tucholsky, Kurt Träumereien an preußischen Kaminen/ von Peter Panter. Bilder von Alfons Woelfle. 1.- 3. Tsd.- Charlottenburg: Lehmann, 1920.- 87 S.: Ill. Tucholsky, Kurt Die verkehrte Welt: in Knüttelversen dargestellte/ von Kaspar Hauser.- Berlin: Vereinigung Internat. Verl.-Anstalten, 1922.- 19 S.: Ill. Wegner, Armin T. Das Geständnis: Roman.- 4. und 5. Aufl.- Dresden: Sibyllen-Verl., 1922.- 284 S. Wolff, Theodor Vollendete Tatsachen 1914-1917.- Berlin: Kronen-Verl., 1918.- 256 S. Zech, Paul Die Geschichte einer armen Johanna.- Berlin: Dietz, 1925.- 192 S. Zweig, Arnold Junge Frau von 1914: Roman.- Berlin: Büchergilde Gutenberg, 1932.- 251 S. Zweig, Stefan Sternstunden der Menschheit: fünf historische Miniaturen.- 201.- 250. Tsd.- Leipzig: Insel-Verl.,[ca. 1930].- 78 S.-(Insel- Bücherei; 165) 56