Mitmischen! JugendPlanungszelle Eine Projektbeschreibung Dieses Heft wendet sich an zwei verschiedene Zielgruppen. Zum einen an diejenigen, die interessiert daran sind, etwas über die Methode Jugend-Planungszelle zu erfahren – zum Beispiel Lehrer, Multiplikatoren, Kommunalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter, auch interessierte Jugendliche. Dafür gibt dieses Heft einen knappen, aber umfassenden Überblick über die einzelnen Schritte bzw. Bausteine einer Jugend-Planungszelle. Zum anderen wendet es sich an diejenigen, die selbst als Mode-ratoren die Organisation und Durchführung einer Jugend-Planungszelle übernehmen wollen. Dafür sind – in blauer Schrift – zahlreiche Hinweise und Detail-informationen zu den dargestellten Schritten und Bausteinen einer Jugend-Planungszelle aufgeschrieben und im Anhang einige Beispiele ,zum Abgucken’ ergänzt. ©Herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung Büro Dresden Königstraße 6| 01097 Dresden Redaktion: Astrid Günther, Christoph Wielepp Gestaltung: Wolfgang Bosse Fotos: Projekt Druck: Druckhaus Dresden 2. Auflage, 2005 ISBN 3-89892-272-3 Mitmischen! JugendPlanungszelle Eine Projektbeschreibung Inhaltsverzeichnis Zum Projekt Christoph Wielepp ............................................................................................ 6 Vorwort Prof. Dr. Peter C. Dienel .......................................................................................... 7 Teil I – Das Gesamtprojekt im Überblick .......................................................................... 9 Der Ausgangspunkt ............................................................................................................ 9 Was ist eine Planungszelle .................................................................................................. 9 ... für Jugendliche? .............................................................................................................. 10 Ziele ..................................................................................................................................... 10 Phasen ................................................................................................................................. 11 Zeitrahmen ........................................................................................................................... 11 Organisation und Leitung .................................................................................................. 12 Teil II – Informationen zu den Projektphasen ................................................................. 12 A – VORBEREITUNGSPHASE..................................................................................................... 12 Vorbereitungstreffen ........................................................................................................... 13 Hinweise zum Vorbereitungstreffen ................................................................................... 13 Planung der Projektwoche ................................................................................................. 15 Hinweise zur Planung der Projektwoche ............................................................................ 16 Prinzipien ............................................................................................................................ 18 B – PROJEKTWOCHE ............................................................................................................... 19 Bausteine ............................................................................................................................. 19 C – ERSTELLUNG UND ÜBERGABE DES GUTACHTENS ........................................................... 24 Zum Schluss: Wie geht es weiter? ..................................................................................... 25 Anhang ................................................................................................................................... 27 Beispiel A – Themenaufbereitung ........................................................................................... 27 Beispiel B – Fragebogen .......................................................................................................... 27 Beispiel C – Ausschnitt Wochenplanung detailliert ............................................................... 28 Beispiel D – Wochenplan grob ................................................................................................ 29 Beispiel E – Kurzbeschreibung des Projektes .......................................................................... 30 Beispiel F – Referenten-Anschreiben ....................................................................................... 33 Info-Blatt für Jugendliche ....................................................................................................... 34 Presse..................................................................................................................................... 36 Zum Projekt ,Mitmischen!’ Diese Aufforderung beschreibt mit einem Wort, worauf eine demokratische Gesellschaft dringend angewiesen ist: die Bereitschaft sich einzubringen und mitzuwirken. Natürlich gibt es dabei mitunter auch Widerstände zu überwinden, gerade wenn Jugendliche sich auf ihre Art einbringen wollen. Schließlich braucht man Erfahrung für Entscheidungen. Und politische Entscheidungen werden der demokratisch gewählten Mehrheit anvertraut. Wenn diese Entscheidungsträger dann Hilfe brauchen, greifen sie nach dem Rat von Experten. Dieser kommt in der Regel von Wissenschaftlern, ausgewiesenen Fachleuten und – wie Prof. Dr. Dienel in seinem Vorwort schreibt – zunehmend auch von kundigen Bürgerinnen und Bürgern. Warum also nicht auch von kundigen JUNGEN Bürgerinnen und Bürgern? Mit dem Projekt der Jugend-Planungszelle, das wir Ihnen in diesem Leitfaden vorstellen, möchten wir einen Weg aufzeigen, wie JUNGE Menschen in Entscheidungsprozesse einbezogen werden wollen und können. Entstanden ist dieses Projekt aus den Erfahrungen, die wir in vielen Kommunen mit dem ,Planspiel Kommunalpolitik – Ohne Jugend ist kein Staat zu machen’ seit Jahren gesammelt haben. Wir möchten Ihnen Mut machen für die Arbeit mit Jugendlichen gerade in der Kommunalpolitik und empfehlen die Jugend-Planungszelle zur Nachahmung. Vielleicht lässt sich diese Methode auch ohne Schwierigkeiten auf andere Ebenen übertragen, z. B. zur Hilfe bei Entscheidungsprozessen an Schulen oder in Vereinen? Wir sind gern bereit, Sie dabei zu unterstützen. Danken möchten wir an dieser Stelle den Moderatoren der ersten Jugend-Planungszellen in Dresden und Zittau, die maßgeblich an der Erarbeitung der Konzeption mitgewirkt haben: Silke Pohl, Katja Gähler, Henning Homann, Robert Fuchs und Albrecht Handke. Ein besonderer Dank gilt Astrid Günther, die nicht nur die ersten Jugend-Planungszellen mitgestaltet hat, sondern auch aus diesen Erfahrungen den vorliegenden Leitfaden erarbeitet hat. Christoph Wielepp Friedrich-Ebert-Stiftung Büro Dresden Vorwort Die Planungszelle ist weitreichenden Zielen verpflichtet: Sie wird unsere Gesellschaft verändern. Sie leistet nämlich zweierlei: Sie befreit die Politik zu langfristigem Denken. Sie erbringt Empfehlungen, die den Regierenden weiterhelfen. Die neuartigen Lösungsvorschläge sind sachgerecht, liegen erkennbar im Gesamtinteresse und sie beschleunigen die Durchführung notwendiger Maßnahmen. Gleichzeitig wird der Bevölkerung so der Zugang zur Rolle des Staatsinhabers, des ‚Bürgers’ eröffnet, zwar jeweils radikal befristet auf 4 Tage, aber mit begründeter Aussicht auf konkrete Wirkung. Die mitarbeitenden Menschen sind von diesem ErnstfallAngebot fasziniert. Von diesem Konzept hat die Jugend-Planungszelle viel übernommen. Sie weicht allerdings mit ihren Ergebnissen und vor allem mit ihren Ausgangsbedingungen, z. B. keine strikte Zufallsauswahl der Teilnehmenden, von dem ursprünglichen Entwurf ab. Dennoch begrüße ich diesen Versuch ausdrücklich. Warum? Die Jugend-Planungszelle wird uns voranhelfen. Die, die heute in Staat und Verwaltung für das Entscheiden zuständig sind, leiden unter einer Wahrnahme-Hemmung, und zwar im Hinblick auf die Innovation Planungszelle.„Noch mehr Bürger? Muss das sein?” Der Baustein ist tabuisiert. Er spricht sich unter den leitenden Damen und Herren nicht rum. Jetzt aber wird er sich mit den Jugendlichen, mit deren Fragen und Rückfragen(und mit deren Leserbriefen) gezielt ins öffentliche Bewusstsein vorarbeiten. Die Planungszelle ist im Kommen. Wichtig ist das aus folgendem Grund: Probleme, die uns betreffen, werden heute auf immer höheren Ebenen entschieden. Und dort kommen die Bürger nicht vor – bisher nicht. Die Planungszelle aber ist erstmalig in der Lage, auch dort förmliche Mitsprachemöglichkeiten zu offerieren. Zur Zeit laufen gerade umfangreiche Planungszellen-Projekte in zwei Bundesländern, und das erste europaweite Problem wird gerade auf der EU-Ebene angefasst. Ich wünsche den jungen Menschen alles Gute und ein offenes Auge für ihre(und unsere) Zukunft. Forschungsstelle Bürgerbeteiligung der Bergischen Universität Wuppertal, 10. Mai 2004 Prof. Dr. Peter C. Dienel Teil I – Das Gesamtprojekt im Überblick Wenn zur Lösung eines Problems Expertenrat von Nöten ist, kommt man meist nicht auf die Idee, Jugendliche zu fragen. Das ist so. Erst recht, wenn es um politische Themen geht. Die hier vorgestellte Jugend-Planungszelle folgt einem anderen Ansatz. Sie ermöglicht Jugendlichen, Experten eines Themas zu werden, das sie selbst betrifft – indem sie Informationen sammeln, diese diskutieren und ihre Bewertungen und Veränderungsvorschläge dazu in Form eines Gutachtens vorlegen. Junge Leute können sich so mit ihrem Wissen und ihren Kompetenzen zu Wort melden. Sie schaffen damit beste Voraussetzungen, sich aktiv in kommunalpolitische Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubringen. Die Jugend-Planungszelle versteht sich insofern als eine Form der Beteiligung Jugendlicher an kommunalpolitischen Entscheidungen. Sie versteht sich aber auch – ähnlich wie das bereits vielfältig praktizierte und publizierte Planspiel Kommunalpolitik 1 – als Methode des aktiven Kennenlernens von Strukturen und Abläufen der Kommunalpolitik. Die methodische Grundlage des Projektes ist die im Sinne der Bürgerbeteiligung bewährte Methode der ,Planungszelle’ nach Peter C. Dienel 2 : durch Zufallsverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger(einer Stadt) sammeln zu einer konkreten Planungsaufgabe umfangreiche Sachinformationen, führen Diskussionen und entwickeln Bewertungen, Vorschläge und Empfehlungen, die sie in Form eines Bürger-Gutachtens dem Auftraggeber der Planungszelle(z. B. einer Stadtverwaltung) als Planungs- und Entscheidungshilfe vorlegen. Planungszellen sind bereits mehrfach in Deutschland, aber auch in Spanien, England, Australien, Österreich und der Schweiz erfolgreich durchgeführt worden. Die Themenpalette umfasste kommunalpolitische sowie landes- und bundespolitische Fragen beispielsweise aus Verkehrspolitik und Stadtplanung, Umweltpolitik, Integration von MigrantInnen oder die (Neu-)Planung von Verwaltungsprozessen in Kommunen. 3 Der Ausgangspunkt der JugendPlanungszelle Was ist eine Planungszelle... 1 Friedrich-Ebert-Stiftung, Büro Dresden(2002): Ohne Jugend ist kein Staat zu machen. Planspiel Kommunalpolitik- Eine Spielanleitung, Dresden, 2., überarbeitete Auflage 2 P. C. Dienel(2002): Die Planungszelle. Opladen, 5., durchgesehene Auflage 3 Mehr Informationen zur Planungszelle: www2.uni-wuppertal.de/fb1/planungszelle 9 | Neu an dem hier vorgestellten Projekt – und nach den Recherchen der Initiatoren bisher einmalig in Deutschland – ist der Ansatz, eine solche Planungszelle ausschließlich mit Jugendlichen durchzuführen. Zu diesem Zweck muss der ursprüngliche Ansatz der Planungszelle leicht abgewandelt werden. Als wesentliche Punkte sind dabei zu nennen: Die Jugend-Planungszelle, wie sie hier in diesem Heft beschrieben wird, bezieht sich thematisch auf kommunalpolitische Fragen. Sie wird nicht unbedingt von Stadtverwaltung oder Stadtrat in Auftrag gegeben, sondern kann von einem Bildungsträger angestoßen und in dessen Verantwortung durchgeführt werden. Die Jugend-Planungszelle versteht sich vor allem als Bildungsprojekt. Das Gutachten entsteht auf Grund von verschiedenen Bildungsprozessen bei den Jugendlichen und dokumentiert die intensive Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Thema. Für das Gutachten der Jugendlichen kann – noch weniger als bei der ,normalen’ Planungszelle – kaum eine verbindliche Garantie gegeben werden, dass es in den kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen vollständig Berücksichtigung findet. Die Jugend-Planungszelle kann mit einer Schulklasse im Rahmen einer Schulprojektwoche durchgeführt werden. Möglich wäre aber auch, die Besucher eines Jugendclubs oder eines Sportvereins als Teilnehmer zu gewinnen. In jedem Falle sind die Jugendlichen dann nicht durch Zufallsverfahren ausgewählt, nehmen also nicht(unbedingt) freiwillig teil und kennen sich bereits. Die Veränderung der ursprünglichen Idee der Planungszelle hin zu einer Jugend-Planungszelle wird von Peter C. Dienel, dem Erfinder der Planungszelle, ausdrücklich begrüßt. ...für Jugendliche? Wozu eine Jugend-Planungszelle? Mit der Jugend-Planungszelle soll die Möglichkeit gegeben werden, Jugendlichen thematisch wichtige Sachkenntnisse über kommunalpolitische Strukturen und Abläufe, Perspektiven und Probleme zu vermitteln, Ziele 10 | die Demokratie- und Entscheidungsfähigkeit und die sachorientierte Kommunikationsfähigkeit Jugendlicher durch den Prozess der Erarbeitung des Gutachtens zu stärken, den unmittelbaren Kontakt zwischen kommunaler Verwaltung bzw. Politik und Jugendlichen zu beleben und zu unterstützen, bürgerfreundliche, innovative und jugendgerechte Lösungen bei kommunalpolitischen Problemen und Entscheidungssituationen durch die Einbeziehung von Empfehlungen aus dem entstandenen Gutachten zu befördern, zu zeigen, dass Jugendliche mit fundierten Kenntnissen und Vorschlägen konstruktiv zu politischen Entscheidungsprozessen beitragen können. Das gesamte Projekt Jugend-Planungszelle kann grob in folgende drei Phasen unterteilt werden: I Vorbereitungsphase II Projektwoche III Erstellung und Übergabe des Gutachtens Insgesamt läuft die Jugend-Planungszelle – von der Idee bis zur Übergabe des Gutachtens – über ca. vier bis fünf Monate. Zur Veranschaulichung des zeitlichen Ablaufes sind hier die einzelnen Abschnitte mit ihrem Zeitaufwand grob dargestellt: Phasen der Jugend-Planungszelle Zeitrahmen Projektwoche selbst: 1 Woche Vorbereitungstreffen Projektwoche: 6 Wochen Idee Vorbereitungstreffen: 6 Wochen Projektwoche 4- 6 Wochen Übergabe: ||||||||||||||||||| | 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Wochen 11 | Die Jugend-Planungszelle wird von mindestens zwei, maximal vier Moderatoren organisiert und in allen drei Phasen des Projektes geleitet. Die Moderatoren sollten sich als Begleiter der Jugendlichen verstehen und mit pädagogischen und methodischen Grundlagen der Arbeit mit Jugendlichen vertraut sein. Wichtig ist, dass die Moderatoren sich untereinander über wesentliche Fragen ihrer Zusammenarbeit einigen, damit aus Kommunikationsproblemen resultierende Pannen während der Arbeit mit den Jugendlichen vermieden werden. Organisation und Leitung Teil II – Informationen zu den Projektphasen A – VORBEREITUNGSPHASE Das Projekt Jugend-Planungszelle hat verschiedene Beteiligte, entsprechend kann der Anstoß dazu aus verschiedenen Richtungen kommen: von den Jugendlichen und ihrem Umfeld, von Lehrerinnen und Lehrern, von Stadtverwaltung und Stadtrat oder von einem Bildungsträger. Wichtig ist, dass es ein Interesse eines dieser Beteiligten am Projekt gibt, das – mit oder ohne konkrete thematische Vorstellungen – zum Ausgangspunkt für weitere Kontakte und Absprachen wird. Entscheidend ist in jedem Falle, rechtzeitig Kontakt zu Vertretern aus Stadtverwaltung und Stadtrat aufzunehmen, um deren Interesse an dem Projekt und seinen Ergebnissen zu erkunden. Ohne die prinzipielle Unterstützung von Stadtverwaltung und Stadtrat kann die Jugend-Planungszelle zwar stattfinden, die Chancen auf eine Wahrnehmung und Umsetzung des entstehenden Gutachtens sind dann aber äußerst gering. Anstoß zum Projekt Voranfrage 12 | Nächster Schritt der Vorbereitungsphase ist die Kontaktaufnahme mit Schulen, um eine Schulklasse der 9. – 12. Klassenstufe zu finden, die an der Jugend-Planungszelle teilnehmen wird. Mit der Lehrerin/dem Lehrer wird dann der Termin für die Projektwoche(4 oder 5 Schultage; jeweils ca. 8 – 14 Uhr) vereinbart. Anschließend sollte ein Ort gesucht werden, der einen großen und mehrere kleine Räume bietet und sich für die Durchführung der Planungszelle eignet. Dies kann z. B. ein Jugendclub sein. Es erweist sich als günstig, den ,klassischen Lernraum’ Schule für dieses Projekt zu verlassen, um – im doppelten Sinne – den Jugendlichen neue, andere DenkRäume zu eröffnen. Etwa sechs Wochen vor dem vereinbarten Termin der Jugend-Planungszelle findet das Vorbereitungstreffen der Moderatoren mit der Schulklasse statt. Es dient verschiedenen Zwecken: dem Vorstellen der Projektidee, der Themenfindung, dem Weitergeben von Informationen über wichtige Abläufe der Projektwoche und dem Kennenlernen von Schülern und Moderatoren. Im Rahmen des Vorbereitungstreffens wird den Jugendlichen das im Anhang als Kopiervorlage angefügte und entsprechend aktualisierte Informationsblatt übergeben. Es enthält alle für die Jugendlichen wichtigen Informationen zur Jugend-Planungszelle. Klasse Termin Ort Vorbereitungstreffen Kopiervorlage: Informationsblatt Hinweise zum Vorbereitungstreffen Es bietet sich an, schon beim Vorbereitungstreffen die Sitzordnung einzuführen, die für die Plenum-Phasen in der Projektwoche bestimmend sein wird: der Stuhlkreis. Er bricht die in Schulen noch immer gängige Form des Frontalunterrichts auf und ist deshalb in manchen Klassen ungewohnt. Er ist aber wesentlich kommunikativer und wird von den Jugendlichen als angenehmer empfunden. Das Bekanntmachen beim Vorbereitungstreffen sollte in lockerer Art und Weise – zum Beispiel durch ein Kennenlern-Spiel – geschehen. Stuhlkreis Kennenlern-Spiel 13 | Nach diesem Einstieg wird den Jugendlichen die bereits beschriebene Idee des Projektes vorgestellt – auch der Zielpunkt: die Entstehung und Übergabe eines Gutachtens, in dem die Bewertungen und Vorschläge der Jugendlichen zum gewählten Thema enthalten sind. An dieser Stelle ist es wichtig klar zu stellen, dass es keine Garantie für die vollständige Umsetzung der im Gutachten festgehaltenen Vorschläge der Jugendlichen geben kann. Hier bietet sich ein Verweis auf andere Gutachten an, die zum Beispiel über den Zustand von Häusern, Brücken, Bäumen erstellt werden: auch hier haben die Gutachter selbst kaum Einfluss darauf, wie mit dem Gutachten umgegangen wird. Sie geben lediglich Empfehlungen ab. Wichtig ist, bei den Jugendlichen keine überzogenen Erwartungen aufzubauen, sie aber auch nicht zu demotivieren. Und sinnvoll ist es, hier bereits darauf zu verweisen, dass Vertreter des Stadtrates, also des Gremiums, das letztlich über die zentralen Fragen der Stadtpolitik entscheidet, in die Projektwoche einbezogen werden – in der Hoffnung, dass sie daraufhin den Empfehlungen der Jugendlichen mehr Bedeutung beimessen und sie in ihren Entscheidungen berücksichtigen. Die Festlegung des Themas der Projektwoche sollte sehr sorgfältig überlegt werden. Praktiziert wurde bisher die Variante, die Schüler selbst ein Thema bestimmen zu lassen. Dafür eignet sich die Methode der Kartenabfrage: Unter der Überschrift„Wenn ich Bürgermeister von... wäre, würde ich zuerst...” schreiben die Jugendlichen auf Karten jeweils max. zwei Stichworte /Gedanken zu Problemen, die in ihrer Stadt dringend gelöst werden sollten. Diese Karten werden an einer Pinnwand gesammelt, im Dialog mit den Schülern thematisch sortiert(Clustern) und mit Überschriften bezeichnet. Die Jugendlichen erhalten anschließend die Möglichkeit, mit Klebepunkten oder Stiften jeweils das Thema zu kennzeichnen, das sie persönlich für das wichtigste halten. Das Thema mit den meisten Punkten(oder – falls sich ein Gleichstand ergibt – eine Kombination aus zwei Themen) wird zum Thema der Jugend-Planungszelle. Zwei weitere mögliche Varianten der Themenwahl könnten sein: a) In Absprache mit der Stadtverwaltung werden den Jugendlichen anstehende Planungsverfahren genannt, die sich zur Bearbeitung in der Jugend-Planungszelle eignen und aus denen die Jugendlichen per Abstimmung auswählen. b) Es wird nur ein Planungsverfahren vorgeschlagen, welches die Jugendlichen direkt als Thema für ihre Jugend-Planungszelle übernehmen. Idee und Zielpunkt des Projektes Umsetzung garantiert? Thema der Planungszelle ... freie Wahl durch Kartenabfrage Wichtiger Hinweis: Für die hier beschriebene Version der JugendPlanungszelle sollte das Thema ein kommunalpolitisches sein. Für landes- bzw. bundespolitische Themen müsste der hier verwendete lokal verankerte Ansatz entsprechend abgewandelt werden. ... Auswahl eines Themas ... Übernahme eines Themas 14 | Bei diesen beiden Varianten fungiert die Stadtverwaltung zwar nicht direkt als Auftraggeber des entstehenden Gutachtens, es ist aber unbedingt notwendig, den Jugendlichen genau mitzuteilen, warum die Planung ansteht, was konkret geplant werden muss, welcher finanzielle Rahmen für die Umsetzung des Vorhabens zur Verfügung steht und – vor allem – wann konkret die Umsetzung erfolgen soll. Nach der Einigung auf ein Thema der Jugend-Planungszelle werden die Jugendlichen nun über wichtige Abläufe der Projektwoche informiert: zentrale methodische Bausteine, Tagesbeginn und-ende, Verpflegung, Anwesenheit von Pressevertretern... Nachdem das Vorbereitungstreffen durchgeführt wurde, beginnt die intensive Planungsund Konzeptionsarbeit der Moderatoren, die vor allem darin besteht, das Thema der Jugend-Planungszelle aufzubereiten, einen detaillierten Wochenplan zu erstellen, eine Kurzbeschreibung des Projektes zur Weitergabe an Referenten etc. zu erarbeiten, Ortstermine zu vereinbaren und Referenten einzuladen, den organisatorischen Rahmen der Projektwoche zu schaffen und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Planung der Projektwoche 15 | Hinweise zur Planung der Projektwoche Die Planung der Projektwoche lässt sich – wie vorn beschrieben – in verschiedene Planungsschritte aufteilen, die in dieser Reihenfolge von den Moderatoren abgearbeitet werden sollten. Zunächst muss das vereinbarte Thema der Jugend-Planungszelle aufbereitet werden. Zentrale Leitfragen dabei können sein: Welche inhaltlichen Facetten gehören zum Thema? Welche notwendigen Informationsgrundlagen gehören dazu bzw. müssen beschafft werden? Welchen Informationsbedarf haben die Moderatoren selbst noch zum Thema? Welche Zuständigkeiten gibt es(sachlich, politisch,...)? Welche Konfliktparteien oder unterschiedlichen Interessen stehen sich gegenüber? Gibt es bereits vorhandene Lösungsmodelle, von denen man lernen könnte? Wichtig ist bei der Themenaufbereitung, den Informationsstand und das aktuelle Nutzerverhalten der Jugendlichen zu erfragen, denn die Projektwoche soll ja möglichst direkt am Wissensstand der Jugendlichen anknüpfen und vorhandene Informationslücken schließen. Dafür bietet es sich an, unter den Teilnehmern der Jugend-Planungszelle in der Phase der Planung der Projektwoche eine Abfrage per Fragebogen durchzuführen (Fragebögen über Klassenlehrer/in in die Klasse geben, ausfüllen und zurückgeben lassen). Anhand der bis dahin gesammelten Informationen kann nun eine Konzeption des Wochenablaufs erstellt werden. Als praktikabel erwies sich dabei eine tabellarische Form. Darin werden alle Phasen der Projektwoche mit einer konkreten Bestimmung von Zeit, Zielstellung, Inhalt, Methode, Sozialform, benötigtem Material und Rolle der Moderatoren festgehalten. Parallel zur Erstellung des Wochenplans wird eine Kurzbeschreibung des Projektes entworfen, die in knapper Form über Methode und Ziele der Planungszelle, das Thema, zentrale Arbeitsschritte, Termin und Ort der Projektwoche sowie über Kontaktmöglichkeiten zu den Moderatoren informiert. Thema aufbereiten Beispiel A Beispiel B Wochenplan Beispiel C Beispiel D Kurzbeschreibung des Projekts Beispiel E 16 | Die genaue Planung der Projektwoche und die Erstellung der Kurzbeschreibung des Projektes sind Voraussetzung für die nun folgende Vereinbarung von Ortsterminen bzw. die Einladung von Referenten. Dafür sollten mindestens vier Wochen vor der Projektwoche an die entsprechenden Einrichtungen bzw. Personen schriftliche Anfragen verschickt werden, die genaue Angaben zu Zeit, Länge und Inhalt der Ortsbegehung/des Referates und die genannte Kurzbeschreibung enthalten. Die nächste Aufgabe der Moderatoren besteht nun darin, den organisatorischen Rahmen für die Projektwoche zu schaffen, das heißt, das notwendige(Moderations-)Material zu besorgen, die benötigten technischen Geräte(wie zum Beispiel Aufnahmegeräte, Kassetten, Fotoapparat...) zu organisieren und verbindliche Absprachen bezüglich der zu nutzenden Räume und der Verpflegung während der Projektwoche zu treffen. Die Moderatoren sollten nicht versäumen, langfristig über die Einbeziehung bzw. Information von Vertretern der Presse nachzudenken. Zu entscheiden ist dabei, ob bereits beim Vorbereitungstreffen Presse anwesend sein sollte, was sich einerseits für eine langfristige Berichterstattung über das gesamte Projekt anbietet, andererseits aber das ohnehin ,voll gepackte’ Vorbereitungstreffen überfrachten könnte. Als sinnvoll erwiesen sich zwei weitere Varianten: Pressevertreter werden zum einen für einen konkreten Termin in den ersten Tagen der Projektwoche eingeladen, um sich ein Bild über Methode und Arbeitsschritte der Jugend-Planungszelle zu machen. Und sie werden zum anderen zu einer Pressekonferenz am letzten Tag der Projektwoche eingeladen, in der die Jugendlichen selbst die einzelnen Arbeitsschritte und Ergebnisse des Projektes vorstellen. Referenten einladen Beispiel F organisatorischen Rahmen schaffen Pressearbeit 17 | Die Jugend-Planungszelle funktioniert auf der Basis folgender grundlegender Prinzipien, die sich an der Methode der Planungszelle orientieren und bei der Projektumsetzung unbedingt berücksichtigt werden müssen: Die Jugendlichen arbeiten im Projekt weitgehend selbstbestimmt. Die Moderatoren verstehen sich als Begleiter der Jugendlichen und als Koordinatoren der einzelnen Arbeitsphasen. Sie sollten die Aussagen der Jugendlichen nicht bewerten, sondern inhaltlich eine möglichst neutrale Position einnehmen. Mit der Methode Jugend-Planungszelle soll den Jugendlichen ein Freiraum gegeben werden, in dem sie ihr Thema frei von(schulischen) Hierarchien bearbeiten können. Aufgabe der Moderatoren ist es darum auch, sich bereits im Vorfeld der Projektwoche mit den Lehrern bzw. Aufsichtspersonen der jugendlichen Teilnehmer darüber zu einigen, wie der Aufsichtspflicht entsprochen werden kann, ohne dass der Freiraum der Schüler bei der inhaltlichen Arbeit eingeschränkt wird. Die Jugendlichen sind keiner vorgegebenen Meinung verpflichtet, verschiedene Meinungen dürfen nebeneinander stehen. Extremistische und menschenverachtende Positionen werden nicht geduldet. Im Verlaufe der Projektwoche wechseln immer wieder Arbeitsphasen in Kleingruppen mit Arbeits- bzw. Präsentationsphasen im Plenum. Ein wichtiges Prinzip dabei ist, den ständigen Wechsel der Zusammensetzung der Kleingruppen zu ermöglichen. Alle themenbezogenen Aussagen der Jugendlichen werden auf Karten oder Plakaten schriftlich festgehalten, um sie für die Erstellung des Gutachtens verwenden zu können. Prinzipien 18 | B – PROJEKTWOCHE Zielpunkt der Jugend-Planungszelle ist die Erstellung eines Gutachtens zu einem vereinbarten Thema. Demzufolge besteht die Hauptaufgabe der Jugendlichen darin, Grundlagen für die Erstellung des Gutachtens zusammenzutragen. Das heißt: 1. Informationen sammeln, 2. diese analysieren und diskutieren, 3. die Ergebnisse der Analyse und Diskussion bewerten, 4. Veränderungsvorschläge erarbeiten. Im Folgenden werden diese vier und weitere ergänzende Bausteine beschrieben, die – in der genannten Reihenfolge – Inhalt der Jugend-Planungszelle sein sollten: 1. Informationen sammeln Ortsbegehungen und Reportagen in Gruppen mit Aufnahmegeräten(zum Beispiel Besuch von Einrichtungen, Interviews mit Mitarbeitern und Nutzern), Internet-Recherchen, Experten-Referate(zum Beispiel von Verwaltungsmitarbeitern, Fachleuten...), Politikerstatements(zum Beispiel von Vertretern des Stadtrates, evtl. auch vom [Ober-]Bürgermeister). Bausteine der Projektwoche Informationen sammeln... Für die Ortsbegehungen und Reportagen sollten sich die Jugendlichen selbst – in den bereits eingeteilten Gruppen(max. 8 Jugendliche pro Einrichtung) und mit Hilfe der Moderatoren – Leitfragen erarbeiten. Die Mitarbeiter wurden ja bereits vorab durch Anschreiben über den Besuch der Jugendlichen informiert. (Falls auch Nutzer befragt werden sollen – im Falle von Jugendclubs also andere Jugendliche – müsste dafür möglicherweise extra ein Termin vereinbart werden.) Für die Reportagen erhalten die Gruppen jeweils leihweise ein Aufnahmegerät mit Mikrofon, das sie vor dem Besuch der Einrichtungen ausprobieren sollten. 19 | Per Internet-Recherche können sich die Jugendlichen zusätzlich über die besuchten Einrichtungen informieren. Es ist wichtig, im Anschreiben für die Experten-Referate genau zu formulieren, welche Inhalte im Referat thematisiert werden sollen und darauf hinzuweisen, dass die Redezeit 15 Minuten betragen und die Präsentation und Formulierung der Inhalte möglichst jugendgemäß sein sollte. Diese Punkte sind wichtig, damit alle Jugendlichen den Ausführungen der Referenten folgen können, denn alle sollen anschließend zum Gutachten beitragen. Lange, unverständliche und abschweifende Referate dienen nicht dem Projekt. Als sinnvoll hat sich erwiesen, auch für die Politikerstatements kurze Redezeiten zu vereinbaren(ca. 5 min), auf deren Einhaltung einer der Jugendlichen achtet. Inhalte der Statements sollten die jeweiligen Positionen bzw. Argumentationen der Stadtratsfraktion zum Thema oder geplante Anträge bzw. Initiativen sein. Nach den Statements sollten die Jugendlichen mit den Politikern ins Gespräch kommen – dafür können an den vorangegangenen Tagen der Projektwoche bereits Fragen an einer Pinnwand gesammelt werden. 2. Informationen analysieren und diskutieren Festhalten der Informationen auf Karten und Plakaten Sortieren, Herstellen von Zusammenhängen, Diskutieren ... analysieren und diskutieren Diese Phase läuft hauptsächlich in Gruppen ab. Hier ist es wichtig, dass die Jugendlichen selbständig arbeiten, dafür aber sehr klar formulierte Aufgabenstellungen erhalten. Zielpunkt der Gruppenarbeit ist immer das Aufbereiten und Diskutieren von Informationen in der Art, dass die Ergebnisse an einer Pinnwand festgehalten werden – so, dass sie für die jeweils anderen Gruppen nachvollziehbar und verständlich sind. 20 | 3. Informationen bewerten Präsentation und eventuell nochmalige Diskussion der Informationen im Plenum Ergänzen von Kommentaren(zum Beispiel: ,Was finden wir gut? Was finden wir schlecht?’) Hier geht es darum, dass die Ergebnisse der Gruppenarbeit im Plenum präsentiert werden, wobei es – wie eben beschrieben – auf Nachvollziehbarkeit und Transparenz für alle ankommt. Nach der Präsentation werden die entstandenen Plakate von jedem Jugendlichen durch Bewertungen und Kommentare ergänzt. Bewährt hat sich dabei die Unterscheidung nach den Fragestellungen: ,Was finden wir gut?’(auf grüne Karten schreiben) und ,Was finden wir schlecht?’(auf rote Karten schreiben). ... bewerten Hinweis: Die eindeutige Zuordnung der Karten-Farben zu den Fragestellungen erleichtert es den Jugendlichen, sich zwischen den vielen Plakaten zu orientieren und auch an den folgenden Projekttagen noch nachvollziehen zu können, was im einzelnen gemeint war. Außerdem hilft die farbliche Unterscheidung, bei der Erstellung des Gutachtens die Entstehungszusammenhänge zu rekonstruieren. 4. Veränderungsvorschläge entwickeln Entwickeln und Diskutieren von eigenen Vorschlägen, Empfehlungen zur Veränderung des Ist-Standes. Vor diesem Baustein der Jugend-Planungszelle könnte – so der zeitliche Rahmen es zulässt – eine Phantasiereise /Spinnphase eingeschoben werden. Die Jugendlichen werden auf diese Weise für einen Moment von den zuvor analysierten und diskutierten(harten) Realitäten weg geführt und betreten dabei gedanklich ungewohnte Pfade. Das kann ihnen helfen, im nächsten Schritt Vorschläge und Empfehlungen für die Veränderung dieser Realitäten zu finden. Die Vorschläge und Empfehlungen werden wiederum auf Karten geschrieben und den bereits erwähnten Pinnwänden(auf denen bereits die Informationen und grünen und roten Karten festgehalten sind) zugeordnet. Sinnvoll ist es, für diesen Schritt die Fragestellung ,Was sollte wie verändert werden?’ zu verwenden und dabei konsequent mit einer weiteren Karten-Farbe zu arbeiten, zum Beispiel mit Gelb. ... Vorschläge entwickeln 21 | Und nicht zu vergessen: Am Beginn der Projektwoche sollten sich die Jugendlichen zunächst mit dem Haus/ Club, in dem die Projektwoche stattfindet, vertraut machen. Sie sollten über den Wochenablauf informiert werden und sich anschließend gemeinsam mit den Moderatoren auf Verhaltensregeln für die Projektwoche einigen bzw. Sanktionsmaßnahmen bei Verstoß vereinbaren. Sinnvoll ist es auch, in dieser Phase eine Erwartungsabfrage durchzuführen, in der die Jugendlichen auf Karten ihre Vorstellungen und Wünsche zu Arbeitsatmosphäre, Ergebnissen etc. festhalten. Einstieg Wichtiger Bestandteil der Jugend-Planungszelle sind außerdem regelmäßige Feedback-Runden, in denen jedem Jugendlichen Gelegenheit gegeben wird, sich zum bisher Erlebten zu äußern. Diese Runden stellen den Moderatoren zugleich die Aufgabe, den weiteren Verlauf der Projektwoche entsprechend zu verändern(zum Beispiel in Bezug auf Gruppenzusammensetzungen, Vertiefung eines Themas...). Feedback-Runden Genau so wichtig sind aber auch Spiele, die als Auflockerung und nicht-themenbezogene Interaktion der Gruppe immer wieder eingebaut werden sollten. Spiele Die Arbeit der Jugendlichen als Gutachterinnen und Gutachter ist mitunter sehr anstrengend. Deshalb ist es notwendig, im richtigen Moment Spiele zur Auflockerung von Körper und Geist einzubauen. Es bieten sich dabei vielfältige Aktions-, Konzentrations- und Kommunikations-Spiele aus dem klassischen Repertoire für die Arbeit mit Jugendgruppen an(Hinweise auf Spielesammlungen finden sich unter: www.spielaktionen.de). 22 | Als inhaltliche Zusammenfassung und Abschluss der Projektwoche hat es sich bewährt, am letzten Projekttag eine Pressekonferenz durchzuführen. Hier können die Jugendlichen selbst Informationen über Ablauf und Ergebnisse der Projektwoche weitergeben und mit den Vertretern der Presse ins Gespräch kommen. Außerdem sollte am letzten Projekttag genug Zeit bleiben, die Erstellung des Gutachtens vorzubereiten und die Übergabe mit einer pressewirksamen Aktion der Jugendlichen zu planen. Pressekonferenz 23 | C – ERSTELLUNG UND ÜBERGABE DES GUTACHTENS Ziel der Planungszelle ist, das entstandene Gutachten den Verantwortungsträgern in Verwaltung und Politik als Empfehlung für Planungen und Entscheidungen zu übergeben. Zunächst muss aus allen entstandenen Karten und Plakaten ein schriftliches Gutachten erstellt werden. Erstrebenswert ist es, das Gutachten durch die jugendlichen Gutachterinnen und Gutachter selbst erstellen zu lassen. Bisher wurde es jedoch immer von den Moderatoren erstellt und dann den Jugendlichen als Entwurf vorgelegt, so dass sie ihre Korrekturen bzw. Veränderungswünsche noch vor der Fertigstellung einbringen konnten. Wichtig ist, dass die Karten- und Plakataufschriften möglichst unverändert übernommen werden(außer extremistischen oder diskriminierenden Aussagen). Originale Passagen müssen entsprechend gekennzeichnet werden, so dass sie sich von Erläuterungen und Anmerkungen im Gutachten deutlich unterscheiden. Insgesamt sollte das Gutachten so aufgebaut sein, dass nicht nur die Ergebnisse der Jugend-Planungszelle dargestellt werden, sondern für Außenstehende nachvollziehbar wird, wie die Ergebnisse entstanden sind, wer daran beteiligt war und was wichtige Bausteine und Prinzipien des Projektes waren. Es bietet sich an, das Gutachten mit Fotos von der Projektwoche aufzulockern. Die Übergabe des Gutachtens an Stadtrat und Stadtverwaltung sollte ca. vier bis sechs Wochen nach dem Ende der Projektwoche erfolgen – entweder im Rahmen einer öffentlichen Präsentation des Projektes und seiner Ergebnisse, zu der Vertreter aus Politik und Verwaltung eingeladen werden, oder im Rahmen einer Sitzung des Stadtrates bzw. des zuständigen Ausschusses. Wichtig ist, dass alle Beteiligten, also auch die Referenten, Vertreter der Schule und weitere mitwirkende Einrichtungen das Gutachten erhalten. Um die Chancen der Wahrnehmung und Umsetzung des Gutachtens optimal vorzubereiten, können bereits im Vorfeld der Projektwoche verschiedene Übergabe und Aktion planen Gutachten erstellen 24 | kommunalpolitische Gremien und Organe über das Projekt und das entstehende Gutachten informiert werden. In jedem Falle aber sollte für die Übergabe des Gutachtens eine breite Öffentlichkeit erreicht werden. Dafür bietet sich ein öffentliches Forum an, zu dem Vertreter der Stadtverwaltung, des Stadtrates, aber auch der im Gutachten angesprochenen Einrichtungen und interessierte Bürger eingeladen werden. Auch hier sollten die Moderatoren noch einmal die organisatorische Verantwortung übernehmen. Um öffentlichkeitswirksam auf das Projekt und seine Ergebnisse aufmerksam zu machen, könnten die Jugendlichen direkt vor der Übergabe eine kleine Aktion durchführen, bei der sie auf Transparenten, mit Luftballons, T-Shirts oder in anderer Art auf ihr Projekt und ihre Veränderungsvorschläge hinweisen. Wie die Aktion genau aussehen wird, sollte auf den Ideen und organisatorischen Aktivitäten der Jugendlichen beruhen. Die Moderatoren verstehen sich hier wieder als deren Begleiter. Übergabe Aktion Zum Schluss Wie geht es weiter? Wenn die Jugend-Planungszelle als ein Lern- und Beteiligungsprojekt zu verstehen ist, muss auch die Frage nach den Folgen gestellt werden. Ob sich Kontinuität aus dem sachbezogenen Lernen bzw. aus der mit dem Gutachten vorbereiteten Beteiligung von Jugendlichen an kommunalpolitischen Entscheidungen ergibt, hängt ab von verschiedenen Rahmenbedingungen. Zwei sind dabei unverzichtbar: bei den jungen Leuten das Interesse und die Bereitschaft zum ,Mitmischen’, bei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung das Bewusstsein, dass Jugendliche aus ihrer Perspektive zu politischen Themen etwas beitragen können. Erfahrungsgemäß gehört beides zu einem wirklich tragfähigen Ansatz der Beteiligung – dafür legen manche Städte in Deutschland bereits positive Beispiele vor. Wie geht es weiter? 25 | Noch Fragen? Dann wenden Sie sich bitte an die Friedrich-Ebert-Stiftung Büro Dresden Königstraße 6 01097 Dresden Tel.(0351) 8 04 68 03 Fax(0351) 8 04 68 05 E-Mail DRNmail@fes.de ANHANG Beispiel A – Themenaufbereitung Bei einer Jugend-Planungszelle im Februar 2004 in Zittau(Ostsachsen) kristallisierten sich im Vorbereitungstreffen zwei Themen heraus, die den Jugendlichen gleichermaßen wichtig waren: einerseits Freizeit- und Kulturangebote für Jugendliche und andererseits die aktuelle Lehrstellensituation. Die Moderatoren hatten also die Aufgabe, zur Vorbereitung der Projektwoche zu erkunden, welche Freizeit- und Kulturangebote es in Zittau gibt, wer die Träger dieser Angebote sind, wer dafür in der Stadtverwaltung die Verantwortung trägt und welche Förderstrukturen existieren, aber auch wer zur Lehrstellensituation in Zittau aussagefähig ist bzw. welche Aktivitäten aktuell dazu unternommen werden. Beispiel B – Fragebogen Welche Freizeitangebote gibt es? Nutzt du sie? ...... Wie oft? ... Was machst du dort? Wie gefällt es dir? ...... 27 | Beispiel C – Ausschnitt Wochenplanung detailliert Montag Zeit Ziel Inhalt Methode Sozialform Material Rolle der TeamerInnen 7.45 – 8.30 Uhr 10 Kontakt Begrüßen Spiel Plenum min aufneh- und Vor- Namensmen stellen schilder Kreppband, Stifte leitend 20 organi- Zeitplan Visua- Plenum min sato- für die lisierung, rischen vier Tage, HausRah- Haus be- rundgang men sichtigen klären Pinnwände erläuternd 10 Regeln min vereinbaren Regeln vorschlagen und abstimmen (auch Vereinbarungen bei Verstößen treffen) kurz diskutieren und visualisieren Plenum Pinnwände einleitend und moderierend 28 | Beispiel D – Wochenplan grob Montag: Seminareinstieg Bestandsaufnahme zu den Freizeitangeboten in Dresden-Kleinzschachwitz Erarbeitung von Leitfragen für Interviews Besuch von fünf Jugendclubs in Kleingruppen Dienstag: Aufbereitung der Ergebnisse vom Vortag in Kleingruppen Präsentation der Ergebnisse im Plenum und Kritikphase Referat zu Freizeitangeboten der Schule Diskussion des Referates in Kleingruppen und Ergebnispräsentation im Plenum Mittwoch: Referat zu Strukturen der Jugendpolitik und Trägerlandschaft in Dresden Diskussion des Referates in Kleingruppen und Ergebnispräsentation Referat zur sozialräumlichen Jugendhilfeplanung im Stadtteil Diskussion der Referate in Kleingruppen Plenumsdiskussion mit Vertretern des Jugendhilfeausschusses im Dresdner Stadtrat Donnerstag: Referat zu Möglichkeiten der Beteiligung von Jugendlichen an kommunalpolitischen Entscheidungen in Dresden Diskussion des Referates in Kleingruppen Plenumsdiskussion über Projektergebnisse mit dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden Auswertung des Gesprächs in Kleingruppen Freitag: Zusammenfassung der Ergebnisse der Vortage in Kleingruppen und Diskussion im Plenum Absprachen zur Erstellung und Übergabe des Gutachtens Auswertung der Projektwoche im Plenum 29 | Beispiel E – Kurzbeschreibung des Projektes Hiergeblieben!? – Was hält Jugendliche in Zittau? Projekt der Friedrich–Ebert–Stiftung, Büro Dresden in Zusammenarbeit mit dem Referat Kinder- und Jugendarbeit der Stadtverwaltung Zittau und der Park-Mittelschule Zittau im Februar 2004 Planungszellen in Kürze Planungszellen sind Gruppen von Bürgerinnen und Bürgern, die nach einem Zufallsverfahren ausgewählt und(meist von der Stadtverwaltung) beauftragt worden sind, zu einer konkreten Planungsaufgabe Vorschläge, Empfehlungen und Bewertungen zu erarbeiten, die in Form eines Gutachtens der auftraggebenden Stelle als Entscheidungshilfe vorgelegt werden. Mittlerweile spricht man daher bei diesem Beteiligungsverfahren auch von einem„Bürgergutachten”. Im Januar 2003 wurde in Dresden erstmalig eine Planungszelle ausschließlich für Jugendliche durchgeführt. Aus der besonderen Form der Jugend-Planungszelle ergeben sich einige wichtige Abweichungen vom ursprünglichen Ansatz: Es existiert kein ,Auftraggeber’ für die Jugend-Planungszelle. Die Initiatoren bemühen sich, dass das Gutachten als Empfehlung der lokalpolitischen Entscheidungshilfe dient und inspirierend in den Verwaltungsprozess einfließt. Die Jugend-Planungszelle wird im Rahmen einer Projektwoche durchgeführt. Die TeilnehmerInnen sind Schüler(also nicht nach Zufallsverfahren ausgewählt), die sich bereits aus dem Klassenverband kennen. Die Schüler erarbeiten anhand von Ortsbegehungen, visualisierten Vorträgen, Unterlagen und Experteninterviews ein thematisches Gutachten zu einem kommunalpolitischen Thema, das sie sich selbst gewählt haben. 30 | Ziele der Jugend-Planungszelle Vermittlung von thematisch wichtigen Sachkenntnissen sowie kommunalpolitischen Perspektiven, Problemen und Konflikten an die Jugendlichen; Stärkung der Demokratie- und Entscheidungsfähigkeit sowie der sachorientierten Kommunikationsfähigkeit bei den Jugendlichen im Prozess der Erarbeitung des Gutachtens; Beförderung von bürgerfreundlichen, innovativen und jugendgerechten Lösungen bei kommunalpolitischen Problemen und Entscheidungssituationen durch Einbeziehung von Empfehlungen aus dem entstandenen Gutachten. Thema der Jugend-Planungszelle In einem Vorbereitungstreffen entschieden die Jugendlichen der Klasse 9b der Park-Mittelschule, im Projekt das Thema ‚Freizeitangebote und Arbeitsmarkt- bzw. Ausbildungssituation in Zittau’ zu bearbeiten. Methodik der Jugend-Planungszelle Vielfältige Informationsbeschaffung(Experten, Politiker, Verwaltungsmitarbeiter, Ortsbegehungen) Ständige Diskussion der Informationen in Kleingruppen, um dem Einzelnen Reflexions-, Ausdrucks- und Identifikationschancen einzuräumen Problemanalyse, Bewertung und Erarbeitung verschiedener Optionen Erarbeitung eigener Lösungsvorschläge und Erstellung des Gutachtens öffentliche Übergabe des Gutachtens als Empfehlung und Entscheidungshilfe an Kommunalpolitik und Verwaltung 31 | Ablauf der Projektwoche Montag, 2. 2. 2004: Ortsbegehungen: Besuch von Freizeiteinrichtungen in Zittau und Interviews mit MitarbeiterInnen Dienstag, 3. 2. 2004: Präsentation und Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Ortsbegehungen, Referate zu Schwerpunkten der Jugendhilfe und zur Arbeitsmarktund Ausbildungssituation in Zittau Mittwoch, 4. 2. 2004: Gespräch mit Vertretern der Zittauer Stadtratsfraktionen, Erarbeitung von Empfehlungen Donnerstag, 5. 2. 2004: Zusammenfassung des Erarbeiteten, Beginn der Erstellung des Gutachtens Projektleitung Für weitere Informationen zum Projekt wenden Sie sich bitte an die Moderatoren der Jugend-Planungszelle. 32 | Beispiel F – Referenten-Anschreiben Landeshauptstadt Dresden Jugendamt Frau Müller 01001 Dresden Dresden, den 28. 11. 2002 Mitmischen!? – Ein Gutachten von Jugendlichen zu Freizeitangeboten in Dresden Sehr geehrte Frau Müller, die Friedrich-Ebert-Stiftung bereitet derzeit ein Lern- und Beteiligungsprojekt mit Jugendlichen der 65. Mittelschule in Dresden-Kleinzschachwitz vor, welches unter dem Titel ,Mitmischen!?- Ein Gutachten von Jugendlichen zu Freizeitangeboten in Dresden’ stehen wird. Mit Rückgriff auf eine besondere Methode der Beteiligung von Bürgern, der Planungszelle, werden vier Moderatoren vom 13. bis 17. 1. 2003 eine Projektwoche mit Schülern durchführen. Als deren Ergebnis wird ein Gutachten erstellt, das Bewertungen, Vorschläge und Empfehlungen der Jugendlichen zu Freizeitangeboten in Kleinzschachwitz enthalten wird und Verantwortungsträgern der Stadt Dresden als Planungs- und Entscheidungshilfe dienen kann. Unsere Anfrage an Sie ist, ob Sie im Rahmen dieser Projektwoche am Mittwoch, dem 15. 1. um 10 Uhr für ein kurzes Referat(max. 15 min) zu folgenden inhaltlichen Schwerpunkten zur Verfügung stehen würden: Welche Jugendfreizeiteinrichtungen oder Projekte im Stadtteil Kleinzschachwitz sind im Kinder- und Jugendhilfeplan der Stadt Dresden erwähnt? Welche Konzepte der Jugendarbeit werden generell in Dresden gefördert und wie werden sie gefördert, welche werden nicht gefördert? In welcher Form arbeitet das Jugendamt mit dem Jugendhilfeausschuss zusammen? Bezüglich der Gestaltung Ihres Referates und mit Rücksicht auf die Komplexität der Inhalte möchten wir Sie darum bitten, Ihre Ausführungen in einer für die Diskussion in Kleingruppen geeigneten Form zu visualisieren(Folie, Plakat oder Handzettel) und in einer jugendgemäßen Sprache zu formulieren. Wir legen diesem Schreiben eine Kurzbeschreibung des Projektes bei. Für weitere inhaltliche und organisatorische Absprachen stehen wir Ihnen zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen ... 33 | Info-Blatt für Jugendliche Mitmischen! – Eine Jugend-Planungszelle in... Wenn zur Lösung eines Problems Expertenrat notwendig ist, kommt man selten auf die Idee, Jugendliche zu fragen. Das ist so, erst recht, wenn es um politische Themen geht. Das muss nicht so bleiben! Junge Leute können auch Experten sein und ihre Ideen und Empfehlungen denen in die Hand geben, die zu entscheiden haben. Wie das geht? Hier steht es: Projektwoche WANN? WO? in WORÜBER? vom bis zum Thema jeweils 8- 14 Uhr WER MACHT MIT? Du und Deine Klasse Moderatoren Referenten, Politiker Pressevertreter WAS PASSIERT? Ihr werdet zu Eurem Thema viele Informationen sammeln- zum Beispiel durch Interviews, Ortsbegehungen, Referate, Diskussionen. Ihr werdet diese Informationen in kleinen Gruppen diskutieren, bewerten und gemeinsam eigene Veränderungsvorschläge entwickeln. Für Spaß, ausreichend Pausen, Essen und Trinken wird gesorgt. Am Ende werden alle Eure Aussagen in einem Gutachten zusammengestellt und den Politikern und der Stadtverwaltung übergeben. Falls Du noch Fragen hast, melde Dich bitte bei den Moderatoren unter... 34 | 35 | Sächsische Zeitung, 17. Januar 2003 36 | 37 | Sächsische Zeitung, 2. Oktober 2002 38 | Morgenpost, 11. Januar 2003 Dresdner Wochenkurier, 16. Dezember 2002 39 |