Dokumentation der Gesprächskreisveranstaltung „Sport – Gesellschaft – Zukunft“ am Freitag, 15. November 2002 in der Führungs-Akademie des Deutschen Sportbundes in Berlin zum Thema: „Bildung und Erziehung im und durch Sport“ Vorwort Zu dieser Veranstaltung hatte die Führungs-Akademie des Deutschen Sportbundes und die Friedrich-Ebert-Stiftung, vertreten durch ihren Gesprächskreis Sport – Gesellschaft – Zukunft „ eingeladen. Das Ziel war, gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft, Schule, Kommune und organisiertem Sport über Möglichkeiten und Hindernisse von Bildung und Erziehung im und durch Sport zu diskutieren. Grundlage der Veranstaltung bildete das von der Europäischen Union im Herbst 2003 noch auszurufende Jahr der„Erziehung durch Sport“. Diese Kampagne soll 2004 in die Olympischen Spiele in Athen einmünden. Anlass der Veranstaltung war, einmal in Berlin zu prüfen, wie die Ausgangslage ist, welche Defizite erkennbar sind und welche hoffnungsvollen Projekte im Sinne von„best-practice“Beispiele bereits vorhanden sind. Der Ablauf der Veranstaltung gliederte sich in einen eher theoretischen und in einen mehr praxisorientierten Teil. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich entzieht sich der Begriff „Erziehung“ einer einzigen allgemein gültigen Definition. Die Abhängigkeit von ideologischen und wissenschaftstheoretischen Positionen liegt auf der Hand. Unbestritten isst aber, dass der Mensch ein erziehbares Wesen ist. Man geht sicher nicht falsch, wenn man sich in diesem Zusammenhang auf Immanuel Kant beruft, der sagte,„der Mensch sei als unfertiges Wesen geboren und bedürfe folgerichtig der Erziehung“. Zwei Fragen haben den Ablauf der Veranstaltung begleitet: • Welche Nutzen hat der Sport von Bildung und Erziehung? • Wie kann der Sport auf Bildung und Erziehung Einfluss nehmen? Wir wollen unseren Beitrag leisten, die positiven Werte des Sports, insbesondere in Schulen zu verbreitern, weg vom rein kommerziellen Sport und hin zu dem, was Sport in Europa schon immer war: Ein Stück Vielfalt und verbindende Kultur. Schließlich ist der olympische Gedanke ein zutiefst europäischer Gedanke. Siegbert Heid Gesprächskreis “Sport – Gesellschaft – Zukunft“ Johannes Axster Dr. Herbert Dierker Führungsakademie des Deutschen Sportbundes Programmablauf: Soziale Funktionen des Sports – Was kann der Sport leisten? Dr. Andreas Hoffmann, Universität Stuttgart, Institut für Sportwissenschaft, Stuttgart Erläuterungen zum„Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport“ – Maßnahmen und Programme Tilo Friedmann, Leiter des EU-Büros des Deutschen Sportbundes, Brüssel Sport in der Fort- und Weiterbildung Simone Will/ Klaus Schirra, Führungs-Akademie des Deutschen Sportbundes, Berlin Erfahrungen mit der täglichen Sportstunde Martina Bab, Leiterin der 2. Grundschule, Fredersdorf-Vogelsdorf Sport im Rahmen von Jugendsozialarbeit – ein Umsetzungsbeispiel Frank Kiepert-Petersen, VSJ – Verein für Sport und Jugendsozialarbeit Ein Praxisbeispiel aus dem Verein Bernd Mahlke, Berlin Soziale Funktionen des Sports – Was kann der Sport leisten? Dr. Andreas Hofmann Die Annäherung an das Thema erfolgt nicht aus pädagogisch- normativer, theoretischer Perspektive, sondern von einem weiteren, sozialwissenschaftlichen Zugang. Das Thema begleitende, aktue lle Phänomene sind: PISA, Medienschlagzeilen über Jugend, Individualisierungspessimismus, Krise des Ehrenamtes etc. Vieles deutet darauf hin, dass Erziehung, Bildung- anders formuliert: soziale Funktionen- egal ob im Sport oder außerhalb gefragt und notwendig sind. Der Sport scheint nun ein Gesellschaftsbereich zu sein, der für die Erfüllung derartiger Funktionen und Prozesse in besonderer Weise geeignet ist, zumindest deuten die vielfältigen Zuschreibungen, die an ihn erfolgen, darauf hin. Soziale Funktionen des Sports • Beiträge zur Sozialisation • Erziehung zu Fairplay • Förderung der Persönlichkeitsentwicklung • Gewaltprävention • Förderung der Demokratie • Gesundheitsfunktionen • Sozialintegrative Funktion Sport erhält vielfältige Funktionszuschreibungen seitens der - Politik - Sportverbände - Kultusministerien - Sportwissenschaft Einen zusammenfassenden Überblick liefert eine vom BISP in Auftrag gegebene Studie zur „Sozialen Bedeutung und Gemeinwohlorientierung des Sports“, die 2000 von Volker Rittner und Christoph Breuer veröffentlicht wurde. Zitat daraus(S. 26): „Staat und Politik gehen davon aus, dass die Sportvereine die Integration unterschiedlichster Gruppen und Schichten mit beispielhafter Kraft verfolgen,... dass die soziale Integration unterschiedlicher Gruppen und Schichten zu den wichtigsten gesellschaftspolitischen Leistungen es Vereinssports zählt,... dass die Integrationskraft der Vereine nahezu einzigartig sei.“ Überblick 1. Forschungsstand • Persönlichkeitsentwicklung • Soziale Integration • Schulsportforschung 2. Was tut sich(in der Forschung)? 3. Ausblick auf Forschungsprojekte Der Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu dem skizzierten breiten Themengebiet. Hierfür wurden drei Gebiete herausgegriffen, die von besonderem Interesse erscheinen. Zunächst die unterstellten Einflüsse von Sport auf die Persönlichkeit, wozu im weitesten Sinne auch die mit sozialem Lernen, Sozialisation, Erziehung zu Fairplay etc. bezeichneten Prozesse gerechnet werden können. Einen besonderen Stellenwert im Rahmen der sozialen Funktionen des Sports nimmt die der sozialen Integration ein, welche deshalb gesondert thematisiert wird. Und gerade unter der Perspektive eines Erziehungs- und Bildungsauftrages ist natürlich auch der Schulsport eine eigene Betrachtung wert. Nach dem Überblick über den Stand der Forschung wird dann auf einige Entwicklungen hingewiesen, die sich in Bezug auf die Thematik in jüngerer Zeit abzeichnen. In einem letzten, kurzen Abschnitt des Beitrages wird noch kurz skizziert, welche Forschungsprojekte zur Thematik derzeit unter Beteiligung des Autors an der Universität Stuttgart geplant werden bzw. angelaufen sind und damit beispielhaft mögliche Herangehensweisen an diese Thematik aufgezeigt. 1.1. Forschungsstand: Persönlichkeitsentwicklung: • „Blütezeit“ der Forschung 1960er und 1970er Jahre • Danach massive Kritik an Definitionen/ Begriffsbestimmung Theoretischer Fundierung Untersuchungsdesigns Fehlenden Kausalanalysen Fehlenden Längsschnittstudien Sportpsycholo gie: unter dem Label„Sport und Persönlichkeit“ findet eine intensive Auseinandersetzung mit pädagogischen/ psychologischen Wirkungen des Sports statt. Dennoch ist es der empirischen Forschung zur Thematik nicht gelungen, konsistente Befunde zu erheben. Nach einer„Blütezeit“ der sportwissenschaftlichen Persönlichkeitsforschung in den 1960er und 1970er Jahren(Singer, 2000) wurde massive Kritik am theoretischen und methodischen Vorgehen geäußert: Fehlende Begriffsbestimmung, mangelnde Operationalisierung, einseitige theoretische Orientierung inadäquate Untersuchungsdesigns, fehlende Kausalanalysen und fehlende Berücksichtigung des Entwicklungsaspektes(sprich Längsschnittstudien)(Conzelmann, 2001). In Folge dessen stagnierte die Forschung zu dieser Thematik weitgehend. Den bisherigen Stand der Forschung resümiert Conzelmann(2001) zusammenfassend als inkonsistent und gemessen am Umfang der Forschungsaktivitäten unbefriedigend. Es gibt eine Vielzahl von Einzeluntersuchungen zu dieser Thematik, die hier im einzelnen nicht nachgezeichnet werden können. Beispielhaft sei hingewiesen auf: Conzelmann, A.(2001). Sport und Persönlichkeitsentwicklung. Möglichkeiten und Grenzen von Lebenslaufanalysen. Schorndorf: Hofmann. Singer, R.(2000). Sport und Persönlichkeit. In H. Gabler, J. R. Nitsch& R. Singer(Hrsg.), Einführung in die Sportpsychologie: Teil 1 Grundthemen(S. 289-336). Untersuchungsansätze • Sportler versus Nicht-Sportler Es liegen inkonsistente Befunde vor. • Sportler verschiedener Sportarten Hier wurde v.a. der Vergleich zwischen Team- vs. Individualsportler vorgenommen; die Befundlage ist inkonsistent(Erklärungsansätze: Unterschiedliche Sportartenauswahl, unterschiedliche Leistungsniveaus, unterschiedliche Testverfahren...) • Sportler verschiedener Spielpositionen Genauere Analysen, welche nicht nur die Sportart sondern innerhalb der Sportarten unterschiedliche Aufgaben einbeziehen, zeigen die Tendenz, dass Angriffsspieler risikofreudiger, impulsiver, aggressiver und emotional instabiler sind als Abwe hr- bzw. Aufbauspieler. • Persönlichkeit und sportliche Leistungsfähigkeit Zwischen sportlicher Leistungsfähigkeit und allgemeinen Persönlichkeitsmerkmalen bestehen keine generellen Zusammenhänge. Fazit: Uneinheitliche, z.T. gegensätzliche Forschungsergebnisse Wenn wir uns auf die Frage nach den sozialen Funktionen bzw. Wirkungen des Sports zurückbesinnen, so besteht ein zentrales Problem der meisten Forschungsansätze zu Sport und Persönlichkeit darin, dass sie ohnehin nur Zusammenhänge messen, nicht aber die Frage behandeln, ob hier Selektion oder Sozialisation greift. „Charakter“-Entwicklung durch Sport Hypothese: Sport stellt Aufgaben und Hindernisse, erfordert Selbstkontrolle und Kooperation> Hierdurch fördert er Tugenden Studien deuten auf gegenteilige Effekte im Wettkampfsport. Sport soll zur Formung des Charakters, zur Ausbildung positiv bewerteter Persönlichkeitsmerkmale – Fairness, prosoziales Verhalten, u.ä. – beitragen. Sport stellt die Menschen vor schwierige Aufgaben und Hindernisse, erfordert Kooperation, Selbstkontrolle u.ä. Hierdurch soll er Tugenden fördern, wie Fairness, Mut, Beharrlichkeit, Loyalität und Teamarbeit. Eine positive Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung wird durch bisherige Befunde jedoch eher widerlegt als bestätigt. Entgegen der Erwartung deuten Studien darauf hin, dass der Wettkampfsport sogar eher antisoziales und unfaires Verhalten fördert(vgl. Singer, 2000; Conzelmann, 2001). 1.1. Forschungsstand: Soziale Integration • Integration als Mitglied-Sein • Förderung des sozialen Netzwerkes • Integration von Ausländern Theoretische und empirische Defizite Die Forschung ist gekennzeichnet von einer undifferenzierten Begriffsverwendung, nicht nur innerhalb der Sportwissenschaft und von der zweifelhaften Reduktion auf Mitgliedschaft (Theoriehintergrund Sozialkaptialdebatte von Robert Putnam(2000)); Nachbarschaftshilfen, Gesangs-, Musik-, Sportvereine etc. gelten als Netzwerke zivilen Engagements. Diese repräsentieren horizontale Interaktionsbeziehungen, in denen Normen der Gegenseitigkeit und Kommunikation gefördert sowie der Informationsaustausch erleichtert werden sollen. Hier soll Vertrauen und die Bereitschaft wachsen, sich im öffentlichen Raum zu engagieren. Dementsprechend haben Sportvereine sehr hohe Inklusions- bzw. Integrationskraft. Aber reine Mitgliedschaft ist eine schwache Form des Sozialkapitals. Aussagen zum positiven Zusammenhang von Sportvereinsmitgliedschaft und der Dichte des sozialen Netzes beruhen zum Teil auf älteren Daten(z.B. Schlagenhauf, 1977; Sack, 1985) und können somit in ihrer Aktualität bezweifelt werden. Bei neueren Studien(z.B. Brinkhoff, 1998) handelt es sich vorwiegend um auf Querschnitten beruhenden korrelativen Zusammenhängen zwischen der Sportvereinsmitgliedschaft und Netzwerkmaßen. Sie dürfen jedoch nicht kausal interpretiert werden und lassen keine Aussagen darüber zu, ob es sich hier um Sozialisations- oder Selektionseffekte handelt. Eine neue Studie von Brettschneider& Kleine(2001)(qualitativer Längsschnitt) bringt ernüchternde Ergebnisse. Sportvereine gehören neben den kirchlichen Organisationen nach Heckmann(1987) zu den größten Organisationen von Einwandererkolonien. Es ist jedoch strittig, ob hierdurch ein Beitrag zur Integration in die Gesellschaft geleistet wird. Gerade bei ethnischen Sportvereinen kommt es oft nicht zum Austausch und Aufbau von Beziehungen zu anderen(kulturellen) Gruppen, sondern eher zu einer verstärkten Binnenintegration und Abgrenzung von anderen Gruppen(Klein& Kothy, 1998) 1.1. Forschungsstand: Schulsportforschung • Forschungsstand dürftig(Balz, 1997; Friedrich, 2000) • Fairness nimmt mit höheren Klassen ab, Erfolg und Sieg werden wichtiger(McAfee, 1955; Web, 1969) • Sozialintegrative Funktion des Schulsports – kaum untersucht(Golmina, 1990) • Schulsport kann Sozialverhalten, Schulklima und soziale Sensibilität beeinflussen (Ungerer-Röhrich, 1984; Prohl, 2001) Bei dem Thema„Erziehung und Bildung“ durch Sport liegt es nahe, den Schulsport gesondert zu betrachten. Auch hier steht die Zuschreibung einer Vielzahl pädagogischer-psychologischer Wirkungen und sozialer Funktionen einem Defizit an entsprechenden Forschungsergebnissen gegenüber (Friedrich, 2000). Ein Überblicksartikel„Zur Entwicklung der sportwissenschaftlichen Unterrichtsforschung in Westdeutschland“ von Balz(1997, S. 264) zieht das Fazit, dass es„ein beträchtliches Defizit an Unterrichtsforschung“ gibt, insbesondere an einer„bundes- oder wenigstens länderweiten Bestandsaufnahme für den Schulsport“, nicht zuletzt deshalb, weil angemessene Fördermittel für entsprechende Projekte nicht zur Verfügung gestellt werden. Eine Studie von Golmina(1990) geht der Frage nach, ob ein modifizierter Sportunterricht einen Beitrag zur Integration ausländischer, speziell türkischer Kinder leisten kann. In dieser Studie gelingt es nicht, entsprechende Wirkungen nachzuweisen. Neben einem in Anbetracht des Zieles sehr kurzen Interventionszeitraumes(von acht Wochen) weist die Studie auch theoretische Schwächen hinsichtlich der Definition und Strukturierung der Integration auf. Aus diesen Gründen ist sie nur sehr begrenzt aussagekräftig. Studien von McAfee(1955) und Web(1969) deuten an, dass Fairness im Verlauf der Schulkarriere abnimmt. Prohl(2001) zufolge übt Sport als Medium zur Sozialerziehung einen positiven Einfluss auf das Schulklima sowie das Sozialverhalten der Schüler aus; zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt Kollegin Ungerer-Röhrich, die in einer Unterrichts-Studie eine Verbesserung der sozialen Sensibilität und des Sozialverhaltens erzielen konnte. Zwischen-Fazit „Insgesamt kann man aber doch sagen, dass dem Sport offensichtlich weder eine generelle, noch eine immer nur positive Sozialisationswirkung zukommt, dass jedoch seine differentiellen Sozialisationspotentiale auch noch längst nicht ausgelotet, geschweige denn genutzt sind.“(Singer, 2000, S. 332) 2. Was tut sich(in der Forschung)? • BISP-Studie„Soziale Bedeutung und Gemeinwohlorientierung des Sports(Rittner& Breuer, 2000) • 2004 Jahr der Erziehung durch Sport/ EU-Kommission • DSB/ NOK – Ausschreibung„Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland“ Nachdem deutlich geworden ist, dass die Forschung zum Thema der sozialen Funktionen des Sports einige Defizite aufzuweisen hat, stellt sich natürlich die Frage, was sich in diesem Bereich(aber nicht nur unbedingt in der Forschung) tut. Hier ist der kurze Hinweis auf drei bedeutsame Initiativen angebracht: Das BISP hat 1999 eine Studie in Auftrag gegeben, welche den Forschungsstand zur sozialen Bedeutung und Gemeinwohlorientierung des Sports resümieren sollte. Als Fazit der von ihnen durchgeführten und 2000 publizierten Studie, weisen Volker Rittner und Christoph Breuer nicht nur auf verschiedene Forschungsdefizite hin, sondern regen auch einen jährlichen Sportbericht an, mit dem fortlaufend Entwicklungen, Leistungen und Verdienste des Sports dokumentiert werden sollen. Eine aus dieser Studie resultierende Folgearbeit bzw. vom BISP initiierte Umsetzung der gegebenen Anregungen ist nicht bekannt. Die von der EU-Kommission verfolgte Absicht das Jahr 2004 zum europäischen Jahr der Erziehung durch Sport zu deklarieren stellt eine weitere Initiative dar. Ebenfalls aktuell ist Ausschreibung von DSB& NOK. Leider herrscht auch hier ein sehr enger finanzieller Rahmen. 3. Ausblick auf Forschungesprojekte • „Schulsport aus Schülerperspektive“ im Rahmen der DSB/ NOK-Ausschreibung • „Sport als Sozialisationsfeld“ Identifikation sozialisationsförderlicher Faktoren im Feld des Sports Interventionen(Fortbildungen für Lehrer& Trainer/ Übungsleiter) Da der bisherige Forschungsstand zu den sozialen Funktionen des Sports ja eher unbefriedigend ist, gibt es zwei potentielle Möglichkeiten: Entweder fehlen bisher geeignete Studien und eventuell auch Forschungsansätze, oder – noch schlimmer- Sport ist nicht in der Lage, die ihm zugeschriebenen Funktionen zu erfüllen. Als Pädagoge wehrt man sich dagegen, an die letztere Möglichkeit – zumindest uneingeschränkt – zu glauben. An der Universität Stuttgart werden derzeit folgende Forschungsprojekte geplant, die den Eindruck von einer vielversprechenden Herangehensweise vermitteln: Zum einen hat sich die Universität Stuttgart an der Ausschreibung DSB /NOK beteiligt. Zum anderen geht es um ein zweites, bereits vor der Ausschreibung geplantes und darüber hinausgehendes Projekt, welches unter dem Titel„Sport als Sozialisationsfeld“ steht. Im Rahmen dieses Projektes ist eine grundlegende Forschung geplant, mit der Faktoren des Vereins- und Schulsports identifizieren werden sollen, die sich auf die positive Beeinflussung der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen auswirken können. Anders: Wie muss der Sport sein, damit er gut i.S. von entwicklungsförderlich ist. Darüber hinaus soll durch Interventionen, nämlich durch Fortbildungen von L& T/ ÜL dazu beitragen werden, Schul- und Vereinssport sozialisationsförderlicher zu gestalten. Sport als Sozialisationsfeld Ausgangspunkt: Inkonsistente Befunde plausibel 1. Der Sport ist ausdifferenziert 2. Neue Pluralität und Vielfalt von Entwicklungseinflüssen Eine genauere Betrachtung des Phänomens Sports und seiner gesellschaftlichen Rahmenbedingungen lässt die inkonsistente Befundlage zu den Wirkungen von Sport auf die Sozialisation und die soziale Integration aus zwei Gründen plausibel erscheinen: 1) Es gibt keine eindeutige und allseits akzeptierte Auffassung, was unter Sport überhaupt zu verstehen ist. Die Bedeutung des Begriffs variiert historisch und kulturell, sowie in Abhängigkeit von der Perspektive des jeweiligen Betrachters. Die Ausdifferenzierung des Sports macht die Gegenstandsbestimmung zunehmend schwerer(vgl. bspw. Digel, 1995; Heinemann, 1998; Grupe& Krüger, 1998). Hieraus resultiert eine entsprechende Vielfalt an Zugängen zur Forschungsthematik, die zu inkonsistenten Befunden führt und zum Teil mit fehlenden Begriffsbestimmungen einhergeht. 2) Die Ausdifferenzierung& Individualisierung der Gesellschaft führt zu neuer Vielfalt und inhaltlicher Pluralität von Entwicklungseinflüssen. Der Einfluss einer einzelnen Sozialisationsagentur – wie bspw. Sport – nimmt damit zwangsläufig ab. Die Verlagerung der Perspektive hat zur Folge, dass nicht die Veränderung des Menschen sondern die Rolle im Sozialisationsprozess über pädagogischen Wert des Sports entscheidet. Ansatz: Kann Sport mit dem ihm eigentümlichen Regeln und Bedingungen als entwicklungsförderlich bezeichnet werden? 1) Systemanalyse 2) Analyse der Wahrnehmung und Bewertung des Systems 3) Analyse der Einflussfaktoren Kann Sport bzw. welche Art des Sports mit den ihr eigentümlichen Regeln und Bedingungen als entwicklungsförderlich bezeichnet werden? Folgende Herangehensweisen sind denkbar: • Systemanalyse(„objektiv“, strukturell-soziologisch)- die Analyse der objektiven Bedingungen bedarf der Ergänzung. Sie vernachlässigt den Einfluss des Rezipienten bei der Wahrnehmung und Bewertung des sportlichen Settings. • Positionen und Einflussmöglichkeiten des Individuums nach dem„Modell der produktiven Realitätsverarbeitung“(Hurrelmann, 1998)- diese Perspektive berücksichtigt, dass nicht allein die objektiven Bedingungen des Sportssystems für eventuelle Auswirkungen auf das Individuum relevant werden, sondern auch dessen Perzeption und Evaluation des Systems. Gefragt wird, welche Normen, Anforderungen etc. das Individuum im System wahrnimmt und welche Relevanz diese subjektiv besitzen. Daraus kann dann gefolgert werden, welcher Einfluss überhaupt plausibel anzunehmen ist. Hierbei interessiert dann natürlich auch, von welchen Bedingungen und Faktoren die entsprechende Wahrnehmung und Bewertung abhängig ist. Studie: Schul- und Vereinssport, Analyse der Wahrnehmung und Bewertung sowie potentieller Einflussfaktoren sowie Interventionen in Form von Fortbildungen Fazit • Großer Bedarf für soziale Funktionen des Sports • Forschungsdefizite • Neue Herangehensweisen ausprobieren • Projekte sollten evaluiert werden Welches Fazit lässt sich ziehen? Gesellschaftliche Veränderungen und eine Vielzahl von Phänomenen deuten darauf hin, dass großer Bedarf an Erziehung bzw. allgemeiner sozialen Funktione n des Sports besteht. Hinsichtlich tatsächlicher Leistungen besteht Unsicherheit aufgrund großer Forschungsdefizite. Diese lassen sich zum Teil – ebenso wie das Scheitern mancher Praxisprojekte – mit einer falschen Herangehensweise und Erwartungshaltung erklären: Es kann nicht darum gehen, Brandlöscher-Aufgaben zu übernehmen. Neue Herangehensweise müssen sich auf das Sportsystem konzentrieren. Man könnte natürlich auch sagen, interessanter Forschungsansatz, aber warum sollen wir da viel Geld reinstecken, investieren wir es doch lieber in die Praxis. Dadurch gehen Hinweise auf mögliche Fehlinvestitionen verloren – siehe Forschungsstand und Stimmen zur Integration von Ausländern durch Sport. Deshalb: Möglichst immer, v.a. aber bei großen Projekten ist eine vernünftige Begleitforschung(3-5% der Projektsumme) angezeigt. Nachträglicher Kommentar von Dr. Hoffmann zur Diskussion im Anschluss an die Vorträge: Zum Thema Begleitforschung/ Evaluation: Es wurde ja mehrfach die Begleitforschung von Projekten ange sprochen, die wünschenswert ist, für die aber das Geld natürlich selten da ist. Ich möchte noch einmal die Bedeutung der Evaluation unterstreichen: Zum einen hilft sie- im schlimmsten Falle- uneffektive Projekte zu identifizieren, im Normalfall kann eine gute Begleitforschung Verbesserungspotentiale aufzeigen und so auch zu einer effektiveren Verwendung von Projektgeldern beitragen. Zum anderen ist vielfach der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit bzw. Nützlichkeit von Projekten bzw. die Planung einer entsprechenden Begleitforschung Voraussetzung für die (weitere) Förderung von Projekten. Deshalb ist die Einstellung 100% der Projektgelder in"die Sache" zu stecken, anstatt sie für wissenschaftliche Studien"zu verschwenden", die vielfach vorhanden is t, zu kurz gedacht. Eine Durchführung von solchen Begleitforschungsprojekten aus Universitätsmitteln ist in der Regel zudem nicht durchführbar, da hier bereits in den letzten Jahren massiv Mittel gekürzt wurden und weitere Kürzungen beabsichtigt sind, obwo hl die deutsche Hochschullandschaft im internationalen Vergleich ohnehin bereits unterdurchschnittlich gefördert wird. Zum Thema Forschungsausschreibung des DSB/ NOK zum Schulsport: Auf die Ausschreibung für eine"Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland" von DSB und NOK wurde mehrfach hingewiesen. Frau Helmke hat hierzu angemerkt, dass es ja nun an der Sportwissenschaft sei, entsprechende Ergebnisse im Verlauf der nächsten zwei Jahre zu produzieren. Dies möchte ich um einen Hinweis ergänzen: Die begrüßenswerte Initiative und Ausschreibung sieht vor, den gesamten Schulsportbereich, mit Sportunterricht, ausserunterrichtlichem Sport, Schülerperspektiven, Lehrerperspektiven, Sportstätten, programmatischen Grundlagen, dem bisherigen Forschungsstand etc. repräsentativ für ganz Deutschland zu erfassen und hierfür die notwendigen Untersuchungen durchzuführen. Eine grobe Abschätzung der hierfür erforderlichen Personal- und Sachmittelausstattung ergibt jedoch ein mehrfaches der Summe, welche von DSB und NOK bereit gestellt werden kann. Auch hier müssen also, ähnlich wie bei dem von Herrn Friedmann vorgestellten EU-Programmen zusätzliche Ressourcen eingebracht werden. In Anbetracht der knappen Kassen und der beabsichtigen weiteren Mittelkür zungen sind von Seiten der Universitäten Mittel für derartige(große) Untersuchungen kaum noch aufzubringen. Es ist also nicht so, um diesem falschen Eindruck vorzubeugen, dass hier alle notwendigen(finanziell- materiellen) Voraussetzungen bereits gegeben sind, die für den Erfolg der ausgeschriebenen Studie vonnöten sind. Auch die Notwendigkeit der Unterstützung und Kooperation seitens der Kultusbehörden und Schuleinrichtungen wird die ausführenden Wissenschaftler- wer auch immer dies sein wird- noch vor manche Aufgabe stellen, welche den Erfolg der Untersuchungen mitbeeinflusst. 2004: Europäisches Jahr der Erziehung durch Sport Tilo Friedmann Übersicht: • Hintergrund+ Heute • Ziele+ Ablauf • Beispiele+ Tipps Hintergrund: Sport+ Europa relativ neues Thema 1952: Vertrag über EGKS tritt in Kraft,„Montanunion“ 1974: EuGH Urteil:„Sport wirtschaftliche Tätigkeit“ 1993: EU- Büro des deutschen Sports 1995: Bosman Urteil 1997: Vertrag von Amsterdam, Erklärung zum Sport 1998: Sports Unit/ Europäische Kommmission 2000: Vertrag von Nizza, Erklärung zum Sport 2002: 20 /24 Abteilungen der Kommission: Sport! Hintergrund, II • 1997:„Pack Bericht“ über die Rolle der Europäischen Union im Bereich des Sports: „… fordert dazu auf, ein“Europäisches Jahr für den Sport” auszurufen.“ • 2000: Kommissarin Reding:„Europäisches Jahr des Sports“ • STOP: Gemeinschaft besitzt keine Kompetenz für Sport! • EU- Vertrag beinhaltet Kompetenz für Bildung/ Erziehung. • „2004 – Jahr der Erziehung durch den Sport“ Heute • „Gemeinsame Position“ von Rat, EP, EK • Verabschiedung im EP für Dezember vorgesehen • Europäische Kommission: • –koordiniert+ managt 2004 • –beruft Expert+ Advisory Group • –erarbeitet Förder- und Auswahlkriterien • –formuliert Text für Aufruf • –entscheidet über endgültige Projektauswahl • 2004: Ziel+ Rahmen stehen Ziele 2004 • Förderung des Austauschs vorbildlicher Verfahren für die Rolle, die der Sport in den Bildungssystemen zur Förderung der sozialen Eingliederung benachteiligter Gruppen spielen kann; • Herstellung eines besseren Gleichgewichts zwischen geistiger und körperl icher Betätigung im Schulleben durch Förderung des Sports im Rahmen der schulischen Aktivitäten; • Berücksichtigung der Probleme, die sich jungen Sportlern und Sportlerinnen, die sich im Wettkampfsport betätigen, auf ihrem Bildungsweg stellen; Ablauf(Stand 14.11.02) • Ein Aufruf(April 2003) für zwei Fristen: Sept. 2003 – April 2004+ Mai – Dezember 2004 • Zeit bis Einsendeschluss: max. 52 Tage • Nationale Gremien: Vorauswahl • regional/ national/ grenzüberg reifend: max. 50% Förderung • europäisch: max. 80% Förderung • Ø Förderung pro Projekt: 30.000 Euro • insgesamt 180 Projekte aus 15 Mitgliedstaaten Gleiches Ziel – anderer Weg Europa bietet bereits Möglichkeiten • LEONARDO- berufliche Bildung • SOCRATES- allgemeine Bildung Comenius: Schule Erasmus: Hochschule Grundtvig: Erwachsene Beispiele • „Weg ins Leben“/ LEONARDO • Handelsschule für Leistungssportler+ Fußballakademie/ A Praktika bei Fußball Bundesliga Vereinen: Management, Werbung, Marketing • „Berufsvorbereitung im Fach Sportmanagement“ • „Job and Sports“/ LEONARDO • Amt für Beschäftigungsförderung+ Stadtsportbund Göttingen • Sport: Medium zur Integration benachteiligter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt • E, F, SL, I, D • Lokaler Trägerverbund: Schule, Sport, Jugendberufshilfe • P.E.T.S. project/ Grundtvig • „Participating in Education through Sport“ • Develop a learning package for disadvantaged adults who have dropped out of the education system, using sport as a medium for developing basic skills and promoting lifelong learning at European level. attract adult sports spectators/players, using sport interest to reinvest in pers onal/social development • Lettland, Griechenland, UK, Norwegen, Dänemark • „Preparing Tomorrow’s Leaders“/ Erasmus • EU – Canada: Universities Luton+ Alberta • Ausbildungsmodule für Sporttourismus • CD ROM/ Comenius • didaktisches Konzept für Basketball und Handball • Belgien, Portugal, Niederlande, Tschechien • Zielgruppe: Lehrer, Schüler, Vereine, lokale Stellen Tipps: • Ernennen Sie einen„2004“ Experten! • Bezug zu Bildung/ Erziehung und Sport? • Wo liegt das Problem, die Herausforderung? • Was ist Ziel/ Produkt Ihres Projekts? • regional/ national/ grenzüberschreitend /europäisch? • Partner: Sport/ Bildung/ kommunale Stellen…? • Wie setzt sich Ihre Kofinanzierung zusammen? • Beginnen Sie morgen! Bildung im und durch Sport- Herausforderungen für den organisierten Sport und seine Bildungseinrichtungen Simone Will Bildung und Erziehung ist ein Thema, dass auch innerhalb des Sports während der letzten Jahre an Bedeutung gewonnen hat. Hinter dieser Überschrift verbirgt sich letztlich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des organisierten Sports. Bildung im und durch Sport sind heute vielfältig benutzte Schlagworte, nicht zuletzt auch durch das für 2004 geplante„Europäische Jahr der Erziehung durch Sport“. 1. Begriffsverständnis Zur Begriffsklärung ist folgende Unterscheidung wichtig: • Bildung durch Sport= implizite Bildungschancen • Bildung im Sport= explizite Bildungschancen Bildung durch Sport steht für die impliziten Bildungschancen, die der Sport bereithält. Dabei wird insbesondere gerne und oft auf die durch den Sport vermittelten Wertvorstellungen wie Toleranz, Leistungsorientierung, Ausdauer und Gerechtigkeit hingewiesen. Diese Werteerziehung geschieht nebenbei durch Modelllernen und Vorbilder. Davon war im ersten Beitrag auch schon sehr fundiert die Rede. Bildung im Sport dagegen steht für die expliziten Bildungschancen im organisierten Sport im Sinne von Lehrgängen, Seminaren, Aus- und Weiterbildungen in Sportpraxis und Vereinsmanagement. Diese Unterscheidung ist wichtig und richtig, es gilt jedoch, das Verständnis von Bildung durch Sport an späterer Stelle noch weiter zu fassen. 2. Zahlen& Fakten zum organisierten Sport • In Deutschland existieren 87.000 Sportvereine mit nahezu 27 Millionen Mitgliedern • Lediglich in ca. 14% der Sportvereine wird auf hauptamtliche Kräfte zurückgegriffen. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um geringfügig beschäftigte Personen. • Insgesamt arbeiten rund 2,5 Millionen Bürger in Deutschland in Ihrer Freizeit in Sportvereinen. Der Einsatz der bezahlten Mitarbeiter konzentriert sich allerdings auf die Verbandsebene und einen relativ kleinen Kreis von Großvereinen, wenn man den Bereich der nebenberuflichen Übungsleiter einmal ausklammert. 3. Haupttätigkeitsfelder im Bereich des organisierten Sports liegen in der: • Vereinsführung, Vereinsmanagement und Verwaltung • Sportpraxis(Übungsleiter und Schieds- und Kampfrichter) • Jugendarbeit 4. Veränderte Rahmenbedingungen für Vereine und Verbände • Gestiegene Ansprüche der Vereinsmitglieder • Verschärfte Konkurrenz durch kommerzielle Sportanbieter • Nachfrage nach neuen Formen der Freiwilligenarbeit Diese Entwicklungen führen zu einem erhöhten Professionalisierungsdruck im Umgang mit Mitgliedern und Mitarbeitern.Gestern war die Welt noch in Ordnung, heute haben wir es mit zurückgehenden öffentlichen Zuschüssen zu tun, und die lebenslange(unhinterfragter) Mitgliedschaft hat sich gewandelt in gestiegene Ansprüche, Erwartungen und schnellere Trends. Vor allem aber haben sich auch die Rahmenbedingungen für Vereine geändert. Gestiegene Ansprüche der Vereinsmitglieder – überall wird auf die Bedeutung der Qualität hingewiesen – und die verschärfte Konkurrenz durch kommerzielle Sportanbieter sind zwei wichtige Trends. Damit ist Freiwilligenarbeit aufwendiger und anspruchsvoller geworden. Trotz der immer wieder zu hörenden sorgenvollen Klagen(auch) der Sportvereine, dass es an Nachwuchs für die ehrenamtliche Arbeit mangelt, zeigen empirische Studien ein nach wie vor ungebrochenes Engagement der Bevölkerung im Ehrenamt. Jedoch die Formen ehrenamtlicher Arbeit haben sich geändert. Mittlerweile werden Tätigkeitsmöglichkeiten bevorzugt, die einen begrenzten und flexiblen Einsatz ermöglichen und thematisch zum Teil in anderen Bereichen liegen(z.B. Umwelt, Ausländerintegration etc.). Diese Entwicklungen erfordern eine professionellere Bemühung um freiwillige Mitarbeiter. In den meisten Sportvereinen hat sich längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Sicherung eines qualitativ hochwertigen Angebots eine entsprechende Befähigung der Mitarbeiter voraussetzt. Das wichtigste Kapital von Sportorganisationen sind die Mitarbeiter!!! 5. Bildung im Sport: Das Ausbildungssystem des DSB Der Sport verfügt über ein • ausgereiftes und qualitativ vorzeigbares internes Aus- und Fortbildungssystem • mit einer leistungsfähigen Bildungsstruktur, die flächendeckend über die Bundesrepublik verteilt ist. • Die Rahmen-Richtlinien geben wesentliche Orientierungen über Aufbau und Struktur der verschiedenen Qualifizierungsmaßnahmen. Das verbandliche Ausbildungssystem des DSB ist weltweit einzigartig; es ist eine Form von freiwilliger Erwachsenenbildung; Sport als größter Bildungsanbieter in Deutschland mit dem durchgängigsten System; dabei ist zu bedenken, dass der DSB in der Regel nicht selbst als Ausbildungs-Veranstalter in Erscheinung tritt. Er schafft nur den Rahmen, damit andere, nämlich die Mitgliedsorganisationen(LSB, Fachverbände, Stadt-, Bezirks-, Kreisverbände) tätig werden können. Ausnahmen betreffen den hauptberuflichen Diplomtrainer(seit 1974 an der Trainerakademie in Köln) und den DSB Sportphysiotherapeuten. Die Vereinsmanager A Ausbildung findet an der Führungs-Akademie statt. Der DSB sieht im verbandlichen Ausbildungswesen die Wahrnehmung satzungsgemäßer Aufgaben: Ausbildung als Sicherung des gesellschaftspolitischen Anspruchs des organisierten Sports und der damit verbundenen Verantwortung für ein qualitativ gesichertes Angebot. Die Notwendigkeit, ein eigenständiges, verbandliches Ausbildungswesen im DSB zu stabilisieren und auszubauen, erhält zunehmend an Bedeutung: • wegen der erwartenden verbandlichen Entwicklung und der damit verbundenen Nachfrage nach qualifizierten Kräften • wegen nachgefragten Beratungen und Hilfen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Ausbildungs- und PE-Konzepte durch Mitgliedsorganisationen • wegen der kaum noch überschaubaren Entwicklung sportspezifischer Profilbildungen durch externe, zum teil kommerzielle Ausbildungsinstitutionen und der hierbei permanent gefragten und geforderten Position des DSB Rahmenrichtlinien(RR) sind ein wichtiges Steuerungsinstrument des DSB. Sie schaffen einen verbindlichen Rahmen, gewähren aber notwendige Freiheit für die Mitgliedsorganisationen. Sie sollen die Gleichwertigkeit und Vergleichbarkeit der Ausbildungsabschlüsse sichern – die letzten RR stammen vom November 1998(DIN A5 Broschüre im Umfang von 96 Seiten vormals 29 Seiten). Die Etablierung des verbandlichen Ausbildungswesens lässt sich bis 1959 zur ückverfolgen als im Rahmen der Breitensportaktion„Zweiter Weg“ erstmals bei einem Bundestag des DSB ein Übungsleiter-Programm beschlossen wurde, auf dem später die Richtlinien für eine einheitliche ÜL-Ausbildung aufbauten. Die Rahmenrichtlinien wurden 1977, 1984 und 1990 nach Beschlüssen des Hauptausschusses fort- geschrieben; parallel dazu sind Lehrmaterialien für die Ausbildungen entstanden: ÜL-briefe, Lehrbriefe für den Organisationsleiter- heute VM; später dann Planungshilfen für den ÜL. 6. Entwicklungen im verbandlichen Ausbildungswesen Ausweitung • der Ausbildungsgänge • der Tätigkeitsbereiche • der Profilbildungen • der Lehrinhalte • der Einstiegsmöglichkeiten • auf berufliche Ausbildungsgänge • in Richtung“Qualitätsmanagement“ Ausweitung der Ausbildungsgänge: Die neuen RR benennen insgesamt 15 Ausbildungsgänge auf(wie bisher) vier Lizenzstufen; die Ausweitung der Ausbildungsgänge betrifft insbesondere die neuen parallelen Ausbildungsmöglichkeiten auf der ersten und zweiten Lizenzstufe. ÜL C, B, Fachübungsleiter C, Trainer C, B,.A, Diplomtrainer, ÜL Prävention, ÜL Rehabilitation, Jugendleiter, DSB-VM C, B, A; DSB Sportphysiotherapeut, Sportassistent und Vereinsassistent, 1. Lizenzstufe:- ÜL C(Tätigkeit im Breitensport/ Gestalt ung sportartübergreifender Bewegungsangebots)+ Fachübungsleiter C+ Trainer C: Sportartorientierung 2. Stufe:(B-Lizenz): Trainer, ÜL, Fachübungsleiter+ zwei gesundheitsbezogene Ausbildungsgänge„Sport in der Prävention“ und„Sport in der Rehabilitation“ angeboten+ DSB VM+ Sport-Assistentin(Gruppenhelfer, Trainerasssitentin) bzw. Vereinsassistentin (Betreuer, Kampfrichter) etc.. Ausweitung der Tätigkeitsbereiche: gesundheitsorientierte Betätigung; Assistentin sollen Übergang von Mitglied zu Mitarbeit erleichtern etc. Ausweitung in der Profilbildung: innerhalb der einzelne Ausbildungen: Jugendliche, Ältere etc.; bei Rehabilitation: Diabetes, Krebsnachsorge, Herzsport etc. Ausweitung der Lehrinhalte: Ausweitung der Einstiegsmöglichkeiten: bspw. Jugendleiter, muss nicht mehr 16 sein und 18 für Lizenz, sondern 13-17 j. Jugendliche dürfen schon Ausbildungsteile besuchen Ausweitung auf berufliche Ausbildungsgänge: Hinweise zur strukturellen Einordnung der Aus-, Fort- und Weiterbildung für hauptamtliche Mitarbeiter; also den zwischen Verband und Hochschulen angesiedelten beruflichen Erstausbildungen und beruflichen Fortbildungen. Ausweitung in Richtung„QM“: Vor allem auch Bemühungen seitens des DSB die Sicherung einer Mindestqualität zu garantieren: Einrichtungs-, Programm-, Durchführungs- und Erfolgsqualität; Leitfaden entwickelt, mit denen die Ausbildungsträger selbst eine Art Qualitätsmanagementsystem einrichten sollen(Evaluation!)- Qualiätsmanagement sehr erfolgreich bei Gütesiegel„Sport pro Gesundheit“, 3.500 zertifizierte Vereinsanagebote 7. Struktur des DSB Ausbildungswesens’ Lizenzstufe 1. 2. 3. 4. Sportpraxis Trainer C Fachübungsleiter ÜL C Trainer B Fachübungsleiter ÜL B ÜL Prävention ÜL Rahabilitation Trainer A Diplomtrainer/in Jugend Jugendleiter Therapie Sportphysiotherapeut Vereinsführung/verwaltung DSB-VM C DSB-VM B DSB-VM A Es handelt sich um 15 Ausbildungsgänge auf 4 Lizenzstufen. Die Ausbildungsgänge zum DSB Vereinsmanager besuchen jährlich ca. 900 Personen Lizenzstufe C, 55 Personen Lizenzstufe B und etwa 40 Personen plus Teilnehmer von Ausbildungsgängen in Kooperationen mit dem DSB. 8. Besonderheiten des verbandlichen Ausbildungssystems • Autonomie der Mitgliedsorganisationen • Option der Ausbildungen Der DSB ist„nur“ Koordinator. Autonomie der Mitgliedsorganisationen: Der Begriff Rahmenrichtlinien verweist darauf, dass die DSB-Mitgliedsorganisationen als Anbieter von Ausbildungen innerhalb eines Rahmen ihre Curricula gestalten(sollen). Noch mehr und grundsätzlich gilt jedoch: Die Mitgliedsorganisationen sind bei der Umsetzung der RR, die sie selbst mitbeschlossen haben, autonom. Der DSB muss sich um Akzeptanz bei den Fachverbänden und LSB bemühen. Aber was kann er wirklich dagegen tun, wenn sich einzelne Verbände nicht an die RR halten? Ist er dann mächtig oder ohnmächtig? Tatsächlich hat der DSB kaum Sanktionsmöglichkeiten, den Verbänden die Durchführung von Ausbildungen zu untersagen Option der Ausbildungen Wer eine Lizenz erwirbt, tut dies freiwillig, weil er in Zukunft im Verein in irgendeiner Funktion mitarbeiten möchte oder dies ohne Lizenz längst tut. Der Einstieg in das Lizenzwesen ist nahezu voraussetzungslos; der Mitgliedsausweis ist Eintrittskarte. Die verbandliche Ausbildung ist also insoweit optional, als in aller Regel die(ehrenamtlichen) Tätigkeiten im Verein, zu der die Ausbildungslehrgänge qualifizieren wollen, auch ohne sie ausgeübt werden können. Insgesamt wird deutlich, dass der DSB„nur“ Koordinator für die Ausbildung ist. 9. Positionierung des organisierten Sports in der beruflichen Erstausbildung und Fortbildung Zahlreiche berufliche Aus- und Fortbildungsangebote : • Masterprogramme • Universitäten/Fachhochschulen • IHK-Sportfachwirt • Sport- und Fitnesskaufmann/-kauffrau Im weiten Feld sportberuflicher Qualifizierung hat sich der DSB bislang nur vorsichtig eingemischt. Eine Ausnahme ist der/die Sport- und Fitnesskaufmann/-frau, ein neuer Ausbildungsberuf für die kaufmännische Dienstleistung in der Sportbranche. Die Kaufmänner und Kauffraue n können die Vereine beim Aufbau von modernen Organisationsstrukturen unterstützen und das Ehrenamt entlasten. Der Ausbildungsberuf ist für größere Vereine und Verbände mit Geschäftsstelle und Hauptamtlichkeit interessant, für Bildungseinrichtungen, Olympiastützpunkte, Bundesleistungszentren etc. Hier sind jetzt 18% aller auszubildenden Institutionen aus dem organisierten Sport. Kooperationen wie mit der FH Remagen dienen zur Anerkennung der VM Lizenz; IHKSportfachwirte erhalten eine Anerkennung der B-Lizenz und erhalten die Möglichkeit zur Teilnahme am A-Lehrgang. 10. Effektivität traditioneller Weiterbildungsmaßnahmen • Seit längerem kritische Diskussionen in der beruflichen Qualifikationsforschung • Selbstorganisationsfähigkeit, Umgang mit komplexen Problemlagen, kommunikative Kompetenzen etc. sind zunehmend Schlüsselkompetenzen im Beruf • ... lassen sich in der traditionellen Weiterbildung aber nur begrenzt vermitteln • „Lernen im sozialen Umfeld“,„Lernen am Arbeitsplatz“,„Lernen im Team“ als die effektiveren Lernarrangements 11. Wissensgesellschaft- Was bedeutet das für die Bildung? • Eine Basisausbildung reicht nicht mehr für das ganze Berufsleben • Lebenslanges Lernen wird zur Pflicht für jedes Individuum • Bildung wird flexibler werden müssen • Bildungsferne und benachteiligte Gruppen bedürfen der besonderen staatlichen Unterstützung Die Menge des vorhandenen Wissens wird immer größer. Gleichzeitig wird die Halbwertzeit des Wissens immer kürzer. D.h. Wissen muss permanent aktualisiert werden=> Eine Basisausbildung reicht nicht mehr aus. 12. Bildung durch Sport: Lernen im sozialen Umfeld des Sports • ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter lernen in ihrem alltäglichen Handeln, wenn sie neue, ungewohnte Situationen mit unstrukturierten Problemlagen meistern • Lernelemente aus der sportlichen Betätigung In den letzten Jahren ist verstärkt eine dritte, weniger formalisierte und doch sehr wirkungsvolle Säule der Bildung in den Mittelpunkt gerückt. Es geht hier um das, was ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter im Sport in ihrem alltäglichen Handeln lernen, wenn sie bspw. neue, für sie ungewohnte Situationen mit unstrukturierten Problemlagen meistern müssen. Diese Form des Kompetenzerwerbs enthält Chancen und Herausforderungen für den Sport. In der beruflichen Qualifikationsforschung diskutiert man seit geraumer Zeit immer offener über die begrenzte Effektivität traditioneller Weiterbildungsmaßnahmen. Im beruflichen Bereich werden personale und soziale Kompetenzen wie Selbstorganisationsfähigkeit, Umgang mit komplexen Problemlagen oder kommunikative Kompetenzen immer wichtiger. Dabei setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Kompetenzen wie Selbstorganisationsfähigkeit, Umgang mit komplexen Problemlagen oder kommunikative Kompetenzen über formale Qualifizierungsmaßnahmen nur sehr begrenzt vermittelt werden können. Analysen zur Wirkung von(beruflichen) Qualifizierungsmaßnahmen haben deutlich gemacht, dass diese nur begrenzt für den erfolgreichen Wiedereinstieg in den Beruf geeignet sind. Es gibt eine Re ihe von Lernelementen, die sich aus der sportlichen Betätigung selbst ergeben. Beispiele hierfür sind etwa der Umgang mit dem Spannungsverhältnis zwischen Individualität und Kooperation bei Teamsportarten, der Umgang mit Widersprüchen und Konflikten. Das besondere am„Lernen im sozialen Umfeld“ – so der theoretische Fachbegriff – ist der direkte Bezug zur Verwertung. Das ermöglicht Menschen den Zugang zu Themen, den sie auf abstrakten Lernebenen(z.B. in formalen Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen) nicht finden würden. Das Umfeld schafft Sinn und Motivation. Wesentliches Merkmal des Lernens im sozialen Umfeld ist auch die Freiwilligkeit der Tätigkeit und damit des Lernens. Solche Lernarrangements sind hoch effektiv. Auch die Tätigkeit in der Führung und dem Management von Vereinen gibt ein soziales Umfeld ab, in dem diese Kompetenzen erworben oder zumindest erhalten werden. In Sportorganisationen lernen Menschen im alltäglichen Handeln(und in Weiterbildungsveranstaltungen). Dabei geht es um das große Thema„Führung“, um das sich Einbringen in den Ausbau des Gemeinwesens, um fachliche Themen wie Finanzen, Steuern, Gesundheit und Prävention, um Team- und Konfliktfähigkeit und andere soziale Kompetenzen, um Konkurrenz und Kooperation und vieles mehr. Im sozialen Umfeld von Sportorganisationen lernen Menschen – zusammengefasst- viel für ihre Lebensbewältigung und den Umgang mit anderen. Viele der so erworbenen Kompetenzen helfen ihnen aber auch ganz konkret und unmittelbar bei ihrer fachlich-beruflichen Tätigkeit weiter. Alle diese Prozesse des Kompetenzerwerbs laufen ab. Sie werden aber bislang kaum bis gar nicht bewusst reflektiert oder gar aktiv gestaltet. Der Kompetenzerwerb im sozialen Umfeld des Sports bleibt vielen Zufälligkeiten überlassen oder wird gar nicht erkannt. Wie aber kann der Sport diese Selbstlernprozesse initiieren und unterstützen? 13. Die drei Säulen der Bildung 14. Für den Sport bedeutet diese Zielsetzung • zu wissen, welche Kompetenzen wo im Sport erworben werden können. • den Kompetenzerwerb z.B. im Verein als bewusste Gestaltungsaufgabe zu erkennen. • die Lernumgebung, also die Vereinsstruktur lernförderlich zu gestalten. • zu fragen, wer eigentlich welche Kompetenzen erworben hat oder erwerben will (PE). • die Entwicklung von Unterstützungsleistungen, die Selbstlernprozesse fördern, zu intensivieren. „Erfahrungen mit der täglichen Sportstunde“ Marina Bab Ich bin seit 8 Jahren Rektorin an der 2. G Fredersdorf- Vogelsdorf im Land Brandenburg. Unsere Schule liegt im Norden von Fredersdorf. Hier bildet sie den Mittelpunkt der Orte Altlandsberg, Neuenhagen, Petershagen und Bruchmühle, denn nur wenige Kilometer sind diese Ortschaften von Fredersdorf-Nord entfernt. Auf dem Schulgelände befinden sich eine Turnhalle, eine eigene Schonung – ein kleines Wäldchen, das für Sport und Spiel genutzt wird und eine Sportanlage im Freien, die der Schule erst neu im Schuljahr 1999/2000 übergeben wurde. Der Schulsport ist für die Institution Schule das Instrument der Verantwortungswahrnehmung für den Aufgabenbereich Körper und Bewegung, Spiel und Sport. In Spiel und Sport ereignet sich das pädagogisch Bedeutsame vordergründig in und durch Bewegung, womit zugleich die Körperlichkeit der Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise angesprochen wird. Darauf beruhen die Sonderstellung und die Unverzichtbarkeit dieses Aufgabenbereiches in der Schule. Schulsport in der Brandenburger Grundschule ist jedoch in seinen pädagogisch bedeutsamen Wirkungen nicht auf die körperliche und die motorische Dimension der Entwicklung beschränkt, sondern versteht sich als wichtiger Ansatzpunkt ganzheitlicher Bildung und Erziehung. Die Bewegungen, um die es im Sport in der Grundschule geht, aktualisieren auch immer soziale Dimensionen, Motive, Kognitionen und Wertvorstellungen. Insofern verdienen die Unterrichts- und Erziehungsprozesse in diesem wichtigen Altersbereich nachdrücklich das Attribut„ganzheitlich“. Neben den Erkenntnissen der Sportwissenschaft sollten auch die Erkenntnisse der Grundschulpädagogik und –didaktik sowie der Kreativitätsforschung mit einbezogen werden. (Der israelische Professor Reuven Dohen, Doktor für Sondererziehung, Psychologie und Mathematik hat in seinen Untersuchungen eine direkte Verbindung zwischen dem Gleichgewichtssinn von Kindern und deren intellektuellen Fähigkeiten nachgewiesen. Für den Lernforscher war das der Schlüssel zu seiner revolutionären Methode, nach der aus fast jedem Kind ein besserer Schüler gemacht werden kann, wenn Turnübungen nach eigenem Rhythmus, sehr oft mit geschlossenen Augen, im Alter von fünf bis sieben Jahren ausgetragen werden. Bei seinen Untersuchungen kristallisierte sich heraus, dass Kinder, deren Gleichgewichtssinn gut ausgeprägt war, leichter lesen und schreiben lernten als andere. Doch ein Kind, das sich nicht genügend bewegt, kann später nicht nur unter Lernschwierigkeiten, sondern auch ganz allgemein unter großen sozialen Konflikten leiden.) • Folgende Gründe sprechen deshalb für eine bewegungsfreudige Ausgestaltung des Schullebens: • Die außerschulische Bewegungswelt und das Bewegungsleben der Kinder und Jugendlichen haben sich zum Teil drastisch verändert. • Einsichten in die Zusammenhänge von Bewegung und Gesundheit sowie von Bewegung und Lernen sind gewachsen. • Zwischen dem Umfang und der Qualität von Bewegung, Spiel und Sport in der Schule und der Bewegungssicherheit von Kindern und Jugendlichen besteht ein direkter Zusammenhang. Wer sich häufig bewegt, macht vielfältige Bewegungserfahrungen. Wer sich geschickt bewegt, verletzt sich nicht so leicht. Es gibt eine Reihe von wichtigen Funktionen, die Bewegung in der kindlichen Entwicklung erfüllt. Einige davon sind so zum Beispiel: • Bewegung erschließt die Welt. • Bewegung ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit der Umwelt, mit Geräten und Materialien. • Bewegung erschließt nachhaltig Körpererfahrungen • Kinder drücken sich durch Bewegung aus • Bewegung eröffnet den Zugang zu anderen Menschen • Kinder gestalten und verändern durch Bewegung ihre Umwelt • Bewegung macht kräftig und ausdauernder. • In der Bewegung können sich Kinder miteinander vergleichen. Gesundheitserziehung und Sicherheitserziehung lassen sich ohne eine optimale Bewegungsförderung in der Schule nicht oder nur unzureichend realisieren. Kinder und Jugendliche sollen ermutigt werden sich mehr zu bewegen, häufiger zu spielen und Sport zu treiben, auch ohne Anleitung und nach selbstgestalteten Verhaltensregeln. Nahezu alle Schüler(96%) nennen, wenn man sie nach ihrem Lieblingsfach befragt, das Fach Sport. Dies ist sicher nicht nur der Tatsache zuzuschreiben, dass es in diesen Stunden keine Klassenarbeiten und keine Hausaufgaben(obwohl manchmal erteilen auch Sportlehrer Hausaufgaben) gibt. Sportunterricht findet oft im Freien statt bzw. in großen und geeigneten Räumen. Es sind somit in aller Regel gute Möglichkeiten vorhanden, dass Kinder ihrem natürlichen Bewegungsdrang, der trotz veränderter Kindheit, durch zunehmende Technisierung und damit verbundene Bewegungseinschränkung und Kommunikationsarmut, als Grundbedürfnis immer noch vorhanden ist. Dieser Bewegungsdrang wird oft durch nicht jedem Schüler gerechte Sitzmöbel noch verstärkt. Unterricht soll Schüler bewegen und das im doppelten Sinn. Lehrer müssen lernen bewegungsorientierte Unterrichtsinhalte zu planen, d. h. Bewegungspausen in allen Unterrichtsfächern müssen organisiert werden. Zu wahren Explosionen des Bewegungsdranges kam es regelmäßig vor und in den Hofpausen. Da wurde ziellos gerannt und getobt und es kam häufig zu Unfällen. Seitdem in unserer Schule jede Klasse über eine Spielkiste, deren Inhalt unsere Schüler mitbestimmen konnten, verfügt, findet Bewegung in geordneten Bahnen statt und die Zahl der verletzten Schüler(während der Hofpausen) haben sich verringert. Spiele, die funktionieren sollen, brauchen Regeln. Über diese müssen sich Kinder beim freien Spiel verständigen. Altbewährte Spiele lassen sich durch Regelveränderungen modernisieren – oft wurde so ein„ganz neues“ Spiel erfunden. Weil Sporttreiben bzw. Spielen sonst wenig Spaß bringt, werden Regeln hier eher anerkannt und geachtet. Jeder von uns kennt die Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen und deren alarmierende Ergebnisse. Jedes 6. Kind ist zu dick, nahezu 60% unserer Kinder und Jugendlichen leiden an Haltungsschwäche bzw. unter teilweise enormen Bewegungseinschränkungen. Um so befremdlicher ist das Vorgehen einiger Bundesländer, welche die 3 Sportstunden wöchentlich gemindert oder längst abgeschafft haben. In Brandenburg gibt es noch 3 Wochenstunden Sport laut Stundentafel. Dies sollte auch so bleiben – das wäre Minimum – besser wäre eine Stundenerweiterung! Wir würden 5 Stunden, also täglich 1 Sportstunde als erstrebenswert erachten. An unserer Schule sind wir, so denke ich, auf dem besten Weg. Unser Beitrag zur Bewegungs- und Gesundheitserziehung Bewegter Tages- und Wochenablauf (mit) Sportunterricht Zusätzlicher Sportstunde Bewegtem Unterricht Bewegten Pausen Bewegtem Schulleben Hier wird der Sportunterricht ausschließlich durch ausgebildete Fachlehrer unterrichtet bzw. vertreten. Wir sind der Meinung, dass in den regulären Sportstunden Grundsteine für die sportliche Betätigung in der Freizeit gelegt werden. Unsere Schüler werden an ihren sportlichen Standorten abgeholt, durch Beachtung ihrer Befindlichkeiten und durch Vermittlung von positiven Erlebnissen zum Sporttreiben geleitet. Stets fließen in die Benotung Anstrengungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und Kampfgeist ein. Kein Schüler sollte auf dem Zeugnis eine schlechtere Note als„3“ erhalten. Im Schuljahr 2000/2001 haben wir in den Jahrgangsstufen 1 und 2 mit Zustimmung des Staatlichen Schulamtes mit der Durchführung einer zusätzlichen Sportstunde begonnen. Ziele dieser zusätzlichen Sportstunden sind: • sportlich interessierten Schülern/innen eine weitere Möglichkeit zum Sporttreiben eröffnen • durch vielseitige und vertiefende Ausbildung Talente entwickeln oder Begabungen entdecken • Freude an der Bewegung erhalten und weiterentwickeln • Sporttreiben als Quelle des Wohlbefindens erfahren • Kennen lernen des eigenen Körpers und seiner Reaktion • Gesundheit und Fröhlichkeit gehören zusammen • Miteinander spielen ist wichtiger als gegeneinander • Schüler/innen bei ihren Interessen abholen • die Bewegungsfreude ausnutzen, um sportliche Betätigung in der Freizeit anzubahnen • das Heranführen bzw. das Bekannt machen mit spezifischen Sportarten Von den Fachlehrern wurde noch extra für jede Jahrgangsstufe eine kleine Konzeption mit Ziel und Inhalt erarbeitet. Die Freude der Kinder an sportlicher Betätigung, ihr Drang nach Bewegung und ihr Eifer bieten die besten Voraussetzungen für einen emotional ansprechenden und entwicklungsfördernden zusätzlichen Unterricht. Dies sollte noch einmal altersspezifisch herausgefiltert und weiter entwickelt werden. Ein Mehr an Bewegung kann ein Mehr an Selbstvertrauen und Anerkennung unterstützen. An den zusätzlichen Sportstunden können alle Schüler der 2. G Fredersdorf-Vogelsdorf, in der jeweiligen Jahrgangsstufe, teilnehmen.Vor Aufnahme in die Schule sind die Erziehungsberechtigten umfassend über die sportliche Orientierung zu informieren und zu beraten. Die sportliche Förderung der Kinder bedeutet auch, dass Anforderungen in besonderem Maße an Kinder und Eltern gestellt werden. Verstärkter Sportunterricht verlangt mehr Zeit und Engagement von Kindern und Eltern. In der Regel wird pro Jahrgangsstufe der zusätzliche Sportunterricht angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig. Es besteht die Möglichkeit zum Halbjahr und Ende eines Schuljahres eine Teilnahme zu beenden. Die angestrebte Förderung dauert in der Regeln vom 1. bis zum 6. Schuljahr und umfasst insgesamt 8 Stunden. Die Schüler haben über der laufenden Stundentafel zu erteilenden Unterricht hinaus folgende zusätzliche Sportstunden: Klassen 1 und 2 Klassen 3 und 4 Klassen 5 und 6 zusätzlich 1 Wochenstunde Sport zusätzlich 1 Wochenstunde Sport zusätzlich 2 Wochenstunden Sport Die zusätzlichen Sportstunden sind gleichwertige Bestandteile der Stundentafel und sind dementsprechend bei der Erstellung des Stundenplanes zu berücksichtigen. Insbesondere ist auf eine gleichmäßige Verteilung der Sportstunden über die ganze Woche zu achten. Der Sportunterricht wird ausschließlich von Fachlehrern erteilt. Die Stunden ab Klasse 5 können zur Erweiterung des Angebots im Sportunterricht in Kooperationsmaßnahmen zwischen Schule und Verein mit Trainern/Übungsleitern durchgeführt werden. Schüler/innen, die die zusätzlichen Sportstunden besuchen, sollen verstärkt an regionalen und überregionalen Wettkämpfen teilnehmen. Anzahl der freiwilligen Teilnehmer an den zusätzlichen Sportstunden für die jeweiligen Schuljahre und Jahrgangsstufen: Schuljahr 2000/2001: Jahrgangsstufe 1(2 Klassen) von 42 Schülern= 32 Schüler Jahrgangsstufe 2(2 Klassen) von 36 Schülern= 29 Schüler Schuljahr 2001/2002(Erweiterung in die Jahrgangs stufe 3): Jahrgangsstufe 1(2 Klassen) von 40 Schülern= 30 Schüler Jahrgangsstufe 2(2 Klassen) von 40 Schülern= 29 Schüler Jahrgangsstufe 3(2 Klassen) von 42 Schülern= 27 Schüler Schuljahr 2002/2003(Erweiterung in die Jahrgangsstufe 4): Jahrgangsstufe 1(2 Klassen) von 39 Schülern= 31 Schüler Jahrgangsstufe 2(2 Klassen) von 40 Schülern= 39 Schüler Jahrgangsstufe 3(2 Klassen) von 41 Schülern= 34 Schüler Jahrgangsstufe 4(2 Klassen) von 49 Schülern= 28 Schüler Die Zahlen beweisen uns letztendlich, dass unser Ziel von Eltern und Schülern angenommen und verstanden wurde und das Bedürfnis nach sportlicher Betätigung verstärkt wurde. An unserer Seite haben wir starke Partner. Unsere Schule hat mit 9 Vereinen Kooperationsverträge, d. h. Kooperation Sportverein/Sportverband und Schule abgeschlossen, die uns auf unserem Weg treu begleiten. • Kooperationspartner benennen • Erfolge nennen Die 2. Grundschule hat sich nicht nur dem Sport zugewandt, sondern wir sind auch eine Integrationsschule.„Integration“ – gemeinsamer Unterricht mit behinderten Kindern. An unserer Schule lernen sprachbehinderte, lernbehinderte, körperbehinderte Kinder, Kinder mit einer zentralen Fehlhörigkeit und Kinder mit Erziehungshilfe(verhaltensauffällig). Derzeit sind es 25 Schüler/innen. Wie man weiß, ist es keine leichte Aufgabe für die Lehrerinnen, den weiten Bogen verschiedener Lernformen zu spannen und dabei die Balance zu finden zwischen Offenheit des Lernens auf der einen und Strukturiertheit des Lernens auf der anderen Seite. Auch sollen sie den Entwicklungsstand der einzelnen Kinder und das hier und dort vorhandene Bedürfnis nach besonderer Unterstützung beachten. Und das gerade bei diesen Kindern. Auch hier zeigt sich, dass im Spiel und im Sport, in der Bewegung – Anstrengung und Konzentration Spaß machen – und diese Freude greift die Schule auf. Von den 18 Schüler/innen in den Jahrgangsstufen 1 – 4 mit ihren verschiedenen Behinderungen nehmen 16 Schüler/innen an der zusätzlichen Sportstunde teil. Noch einmal kurz zusammengefasst: Unser Weg 1. Baustein Zusätzliche Sportstunden in den Jahrgangsstufen 1 – 6 Hier werden Grundlagen gelegt bzw. grundlegende Bedürfnisse geweckt bzw. vertieft. Bewegung, Spiel und Sport gehören zum täglichen Schulalltag. 2. Baustein Bewegung, Spiel und Sport werden Bestandteil des Schullebens. Bewegte Pausen Bewegter Unterricht Bewegtes Schulleben 3. Baustein Bezüge zum außerschulischen Sport unserer Schüler/innen müssen hergestellt, erhalten und ausgebaut werden. Kooperationsverträge – Vereinsarbeit Unsere Wünsche • Einführung der zusätzlichen Sportstunden in allen Jahrgangsstufen • Erweiterung auf zwei Zusatzstunden Sport in den Jahrgangsstufen 3 und 4 mit dem Ziel –„Täglich eine Stunde Sport“ • Sponsoren für Sport- und Spielgeräte, damit die Pausen noch bewegter werden • Unterstützung bei der Anschaffung von geeigneten Sitzmöbeln um dynamisches Sitzen zu ermöglichen • Sportwissenschaftliche und erziehungswissenschaftliche Begleitung bzw. Betreuung unserer Sportprofilierung • Schulen, die dieses Projekt aufgreifen und mit uns in einen Erfahrungsaustausch treten • Schüler/innen, die während ihrer Grundschulzeit eine sportliche Betätigung finden, an der sie Freude haben und die sie in ihrer Freizeit fortführen möchten • Einen Schulträger, der finanzielle Mittel für die dringend benötigte Turnhallenerweiterung zur Verfügung stellen kann • Zuständige Ministerien, die begreifen mens sana in corpore sano Zu einem gesunden Tagesablauf gehört der Wechsel von geistiger und körperlicher Arbeit – Geist und Körper müssen in gleichem Maß gefördert und gefordert werden. Sport erzieht/stärkt den Willen, diszipliniert und das wirkt sich auch auf andere Bereiche positiv aus. Denn nur in einem gesunden Körper wohnt ein Gesunder. Sport im Rahmen von Jugendsozialarbeit – ein Umsetzungsbeispiel Frank Kiepert-Petersen Fahrplan: 1. Ein paar Vorbemerkungen(Zum Rahmen) a. Bedeutung von Sport in der Jugendsozialarbeit b. Sportbezogene Jugendsozialarbeit im Vorfeld von Sportvereinen c. Projekte und Träger(VSJ – eine Initiative der Sportjugend Berlin) 2. Zwei Beispiele aus sportbezogener Jugendsozialarbeit vorstellen a.Klettern im SportJugendClub b. Helfer/in beim Streetball und daran ausgewählte konzeptionelle Aspekte der Verbindung von Bildung und Sport erläutern). 3. Zusammenfassung: 3 Thesen 1. Zum Rahmen- Ein paar Vorbemerkungen zur sportbezogenen Jugendsozialarbeit a. Welche Bedeutung hat der Sport für Sozialarbeit? In der Jugendsozialarbeit des VSJ wird Sport wird als(Kern-)Medium genutzt. Warum ist Sport für Sozialarbeit sehr geeignet? 1. Sport hat eine hohe Attraktivität bei Kindern und Jugendlichen; es besteht eine hohe Bindungskraft der Sportvereine. Jeder 2te ist/ war irgendwann mal Mitglied in einem Sportverein. 2. Sport ist aufgrund seiner hohen Attraktivität geeignetes Medium für(fast) alle, und gerade für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, bei denen der Körper oft als einzige Ressource noch zur Verfügung steht. Sport ist der Ansatzpunkt, diese Kinder und Jugendlichen überhaupt zu erreichen. Positive Selbstwertgefühlerfahrungen im Sport können auf andere Felder übertragen werden. 3. Sport fördert soziale Integration. Sport erreicht alle Schichten und Kulturen; überall gelten nahezu die gleichen Regeln. Im Sport selbst ist Integrationspotential vorhanden. b. Wie ist sportbezogene Jugendsozialarbeit einzuordnen? Sozialarbeit findet im Vorfeld von Sportvereinen statt: • Die Sportvereine mit ihren ehrenamtlichen Betreuern, Helfern, Übungsleitern, Trainern und Funktionsträgern leisten eine unbestrittene präventive Arbeit für eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen. • Bei sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen mit stark abweichendem Verhalten stoßen die Sportvereine allerdings tendenziell an strukturelle und personelle Grenzen ihrer Problemlösungskapazität.(Beispiel: ÜL ist nicht ausgebildet für sozialpädagogische Beratung hinsichtlich Drogen, Gewalt, Missbrauch, familiäre Konflikte, Berufsorientierung, Vermittlung an zuständige Stellen) • Daher ist es sinnvoll, im Vorfeld von Sportvere inen, professionelle Hilfe durch Projekte der sportbezogenen Jugendsozialarbeit anzusiedeln, die zusätzliche Aufgaben in der sozialpädagogischen Betreuung„schwieriger“ Klientel übernehmen. Die Finanzierung dieser Arbeit erfolgt aus Jugendhilfetöpfen. c. Was macht der VSJ? Zu den Jugendsozialprojekten des VSJ zählen • Mobile Teams incl. Kiez-Sport-Projekte • SportJugendClubs • MädchenSportZentren • Kick-Sport gegen Jugenddelinquenz Projekte wurden auf Initiative der Sportjugend Berlin Anfang 90er Jahre im Rahmen von „Jugend mit Zukunft“ ins Leben gerufen und 1996 in den Trägerverein VSJ überführt. Ein paar Aspekte zum VSJ – eine Initiative der Sportjugend Berlin: • Jugendprojekte im Vorfeld der Sportvereine, • Zielgruppe: In erster Linie vereinsungebundene und sozial benachteiligte in schwierigen Lebenslagen, in sozialen Brennpunkten • Ziel ist es, die gesellschaftliche Eingliederung benachteiligter zu unterstützen. 2. Zwei Beispiele aus der sportbezogenen Jugendsozialarbeit 1. Kletterangebot im SJC/ MädchenSportZentrum A.) Angebotsformen • Freizeitsport: offenen und selbstorganisiert – spontan angeleitet – offene Gruppen zu festen Zeiten – Produkte(Turniere, Events) = Erfahrungs- und Bildungsräume B.) Ganzheitliche Mischung der Vermittlung von Fachkenntnissen • Klettertechnik • Materialkunde • Sicherheitsbewusstsein soziale Kompetenzen • Verantwortung übernehmen • Vertrauen entwickeln • Leistungsbereitschaft • Zuverlässigkeit • Kooperationsbereitschaft • Es wird ganzheitlich gelernt(Erziehungs- und Bildungsgehalte sind zum Te il im Klettern selbst angelegt und/ oder werden durch Anleitung und Setting erworben) C.) Vorfeldfunktion: Heranführen an ehrenamtliches Engagement • Ausprobieren=>(regelmäßig) Mitmachen=> Aufgaben übernehmen=> Helferausbildung=> Honorarkraft/ ÜL=> Lizenzausbildung=> ÜL im Verein „ Über 7 Stufen kannst Du gehen“ ÜL Lizenzausbildung Mitglied im Sportverein Helferausbildung Aufgaben übernehmen Mitmachen Ausprobieren <----------- Sozialarbeit---------------------------------------><-----------Sportverein--------> 2. Helfer/in beim Streetball- Team: Angebote des Streetball- Teams: Points – Turniere – Nights – School-Finals-Berlin – Helferausbildung – Service(Beratung/Verleih) A.) Vorfeldfunktion: Heranführen an ehrenamtliches Engagement (siehe oben) B.) Ganzheitliche Mischung der Vermittlung von Fachkenntnissen • Regeln, Normen, Werte(im Sport selbst angelegt) • FairPlay(Inszenierung Courtwatcher und kein Schiedsrichter) • Ausdauer • Weltanschauung sozialen Kompetenzen • Unterstützung Affektkontrolle • Konfliktfähigkeit • Kompetenz zur sozialen Integration, Teamfähigkeit, • Kooperationsbereitschaft, • Verantwortung übernehmen, • Zuverlässigkeit 3. Drei zusammenfassende Thesen: Bildung und Erziehung im und durch Sport im Rahmen von Jugendsozialarbeit • Sport(in der Sozialarbeit) bietet Erfahrungs- und Bildungräume. • Ganzheitlich werden Fachkenntnisse und soziale Kompetenzen vermittelt. • Ein Ziel ist das Heranführen an ehrenamtliches Engagement. Jugendsozialarbeit im Sportverein – Beispiele aus der Praxis Bernd Mahlke Bei dem SC Eintracht Innova Berlin e.V. handelt es sich um einen Großsportverein in Berlin –Hellersdorf mit einem breiten Angebot an Freizeit- und Leistungssport(z.B. Herrenmannschaft in der 1. Volleyball – Bundesliga). Der Verein ist hervorgegangen aus dem BSV Eintracht Mahlsdorf und schon seit langem an der Einbindung kind- und jugendgerechter Angebote über den normalen Vereinsbetrieb hinaus interessiert. SportJugendClub Schon lange hegte der Vorstand beim ehemaligen BSV Eintracht Mahlsdorf(heute SC Eintracht Innova Berlin e.V.) den Wunsch nach einer sportorientierten Einrichtung für Kinder und Jugendliche. 1997 übernahm Eintracht Mahlsdorf als erster Sportverein die Trägerschaft für eine Jugendfreizeiteinrichtung und errichtete in den Räumlichkeiten der 17. Kita eine offene Einrichtung für Kinder und Jugendliche, die dort ihren sportorientierten Interessen nachgehen können. In den ersten drei Jahren wurde intensiv umgebaut, investiert und neue Sportstätten errichtet. Dieses Jahr feiert der Sportjugendclub sein 5 jähriges Bestehen. Die Angebote für Mädchen und Jungen reichen von Sportkursen über große Events bis zur Projektarbeit in den verschiedensten Bereichen, von Computerspielen, Internetsurfen, Fahrradwerkstatt, vielfältigsten Ballsportarten, pädagogisch betreuter Hausaufgabenhilfe bis hin zum AerobicKurs. Selbst Kurse für Kleinkindturnen werden in der Einrichtung angeboten. Vor 2 ½ Jahren konnte mit aktiver Unterstützung des Vereins eine multifunktionale Beachanlage für Handball und Volleyball eingeweiht werden. Diese Beachanlage nutzen schon viele Sportler aus Hellersdorf, um die unterschiedlichsten Turniere im Beach-Handball, Beach-Volleyball und auch der neuesten Trendsportart, dem Tamburello-Spiel, durchzuführen. Der Sportjugendclub ist stets bemüht, den aktuellen Trends gerecht zu werden und den Kindern und Jugendlichen immer wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten anzubieten. Hoch im Kurs stehen auch Tischtennis, Billard- und Dart-Turniere, die regelmäßig organisiert werden. In der Ferienzeit werden Ausflüge zu den verschiedensten Attraktionen ins Umland und ein erweitertes Kursangebot geboten. Viele Sportler erfreuen sich außerdem an den organisierten Kursen für Step-Aerobic, Fitness, Kraftsport und gesundheitsorientierte Rückenschule. Auch Erwachsene nutzen diese Angebote im selbst geschaffenen multifunktionalen Fitnessbereich. Der hinausreichenden sportorientierten Jugendarbeit wird auch Rechnung getragen, da auf der Sportanlage„Am Rosenhang“ Handball und Fußball vom SportJuge ndClub Hellersdorf angeboten wird. Der Bereich der ehemaligen Kita wurde weiter ausgebaut, um die vielfältigen Sportangebote mit weiteren Räumlichkeiten zu versehen. Eine bewährte sportliche Tradition sind die regelmäßig stattfindenden Streetball-, Handballund Soccer-Nights in der„Grundschule am Weiher“, die freitags von 22.00 bis 04.00 Uhr durch das Team des SportJugendClub Hellersdorf und seinen fleißigen Helfern organisiert werden. Der SportJugendClub mit seinen z.Zt. 2 Betreuern erhält Unterstützung durch die Sportjugend Berlin, die Sportarbeitsgemeinschaft und das Jugendamt Hellersdorf und den Trägerverein SC Eintracht Innova. Die Kooperation mit vielen Jugendclubs, der Sportjugend Berlin, dem Bezirk und anderen sozialen Trägern ließen den SportJugendClub zu einer festen Größe in Hellersdorf werden. Die Ziele der SportJugendClubs sind verschiedener Art. Neben sozialen Gesichtspunkten wie der Kinder- und Jugendförderung sollen auch Talente entdeckt und für den Sport begeistert werden. Integratives Boxsportzentrum Die Turnhalle einer geschlossenen Grundschule in Hellersdorf steht seit 1999 leer. Statt weiter als Anziehungspunkt für Zerstörungswut und Agression zu dienen, soll sie für eine sinnvolle Nutzung bereit gestellt werden. Eintracht Boxring, die Boxsportabteilung des SC Eintracht Innova Berlin e.V., bemüht sich erfolgreich um die Halle als Standort für ein Boxsportzentrum im Sinne von„Boxen statt Gewalt“. Der integrative Ansatz des Boxsportzentrums wirkt in zweierlei Hinsicht. Es geht um die Integration von gewaltbereiten Jugendlichen in sportliche Aktivitäten und damit verbundene Regeln und um die Vermittlung von verantwortlichem Handeln innerhalb eines menschlichen Zusammenhalts, dem Verein. Integration bezieht sich darüber hinaus auf andere Sportarten und generationsübergreifend auf den Stadtteil. Allen Bewohnern, die Spaß an sportlichem Engagement haben, sollen Trainingszeiten und Sportangebote, wie Gymnastik, Fitness und Ballsport eingeräumt werden. Für die Umsetzung mobilisiert Eintracht Boxring die Unterstützung zahlreicher Sponsoren und Förderer. Der Verein beantragt Fördermittel bei der Bürgerjury des Quartierfonds und bekommt den höchsten Betrag für ein Einzelprojekt innerhalb des Fonds zugesprochen. Über die Hälfte der Gesamtkosten des Boxsportzentrums werden über Sponsorengelder abgedeckt. Die Instandsetzungsarbeiten werden mit großzügiger Unterstützung der beteiligten Bauunternehmen durchgeführt. Heute ist das Boxsportzentrum ein wichtiger Bestandteil der Jugendsozialarbeit in BerlinHellersdorf. Es genießt bei den Jugendlichen, den behördlichen Stellen und allen Unterstützern einen hohen Stellenwert und blickt in eine finanziell schwierige aber inhaltlich positive Zukunft.