“Kulturelle Identität und Werte in Europa” Résumé der Veranstaltung am 12.10.2005 Europabüro Brüssel 38, rue du Taciturne B-1000 Brüssel Tel.+32 2 234 62 80 Fax+32 2 234 62 81 fes@fesbrussels.org www.fesbrussels.org “Geeint in Vielfalt” Das Motto der EU „Geeint in Vielfalt“ bezieht sich nicht nur auf die EU als politisches Gebilde, in dem 25 Mitgliedstaaten, die Europäische Kommission und das Europäische Parlament miteinander agieren, sondern es ist vielmehr der Versuch, eine Balance zwischen den kulturellen Gemeinsamkeiten aller Europäer und den vielen Besonderheiten, die die Geschichte, Traditionen und Gesellschaften in den 25 Mitgliedstaaten der EU prägen, zu schaffen. Diese Besonderheiten sind es, die Europa und das gemeinsame kulturelle Erbe bereichern. Im Vertrag steht: die EU„ leistet einen Beitrag zur Entfaltung der Kulturen der Mitgliedstaaten unter Wahrung ihrer…Vielfalt sowie gleichzeitiger Hervorhebung des gemeinsamen kulturellen Erbes.“ (Art 151) Kulturelle Vielfalt wird also nicht nur toleriert, sondern wird darüber hinaus als zentrales Element im europäischen Einigungsprozess begriffen. tiven Referenden über den europäischen Verfassungsvertrag in Frankreich und den Niederlanden im Mai und Juni diesen Jahres resultierten nur in geringem Maße aus dem Text selbst, sondern waren zum Teil wohl auch Ausdruck der Befürchtung, die EU könnte in Zukunft Traditionen und nationale Identitäten zerstören. In die Debatte um gemeinsame Werte floss ein Misstrauen gegenüber den neuen Mitgliedstaaten ein, die angestammte Plätze und Ansprüche der alten Mitglieder in Frage stellen könnten. Noch stärker wird bei vielen Diskussionen der Aspekt des gemeinsamen Kulturraums in der Frage um die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei betont. Neben wirtschaftlichen Bedenken, wird auch die Frage nach kulturellen Gemeinsamkeiten laut, die dazu führte, dass viele Menschen in der EU einen möglichen Beitritt der Türkei zurzeit kritisch sehen. Dadurch wird deutlich, welche Bedeutung verbindende kulturelle Elemente und gemeinsame Werte für die EU haben. „Kulturelle Identität und Werte“ „EU-Programme“ Traditionell ist die kulturelle Identität des Menschen, woher er stammt, oder welchem bestimmten Milieu er zuzurechnen ist auch Heimat genannt. Namen, Daten, Symbole, Erinnerung, Diskurs sind nur einige der konstitutiven Elemente.„Kulturelle Identität“ ist all das, was eine Nation im Hinblick auf grundlegende Werte, Fähigkeiten und Gewohnheiten kennzeichnet. Seit der letzen großen Erweiterung der EU ist die Frage nach den gemeinsamen kulturellen Werten und einer gemeinsamen europäischen Identität in das Zentrum der europäischen Diskussion gerückt. Die negaDie EU versucht die Gemeinsamkeiten ihrer Mitglieder zu betonen. Dies ist eng mit dem Begriff europäischer Bürgerschaft verbunden, die jeder EU-Europäer neben seiner Nationalität automatisch besitzt und ist zunächst eine Beschreibung und Zusammenfassung von Rechten, die Unionsbürger haben. Zur Kulturpolitik der Europäischen Union gehört auch, den Begriff der Gemeinsamkeiten mit Leben zu füllen und ihn zu einem Konzept eines verantwortungsbewussten, aktiven Europäers zu formen, um ein Zu1 No. 3/2005 “Kulturelle Identität und Werte in Europa” Résumé der Veranstaltung am 12.10.2005 Europabüro Brüssel 38, rue du Taciturne B-1000 Brüssel Tel.+32 2 234 62 80 Fax+32 2 234 62 81 fes@fesbrussels.org www.fesbrussels.org sammengehörigkeitsgefühl zwischen Menschen aus 25 Nationen zu schaffen. Der Erhalt kultureller Vielfalt und die Förderung kulturellen Schaffens geschieht auf vielfältige Weise und überschneidet sich auch mit anderen Politikbereichen, denn es geht auch um Kultur als Beruf, um Arbeitsplätze, um Strukturpolitik, um Urheberrechtsschutz, um Förderung von Kreativität, um Zugang der Bürger zur Kultur, um Bildung und Sprache, um eine aktive Zivilgesellschaft und vieles mehr. Diese Politik wird zum einen mit rechtlichen Mitteln, Richtlinien, Verordnungen, Entscheidungen, und zum andren mit Finanzierungsprogrammen umgesetzt. Kultur 2000 trägt mit einem Fördervolumen von knapp 560 Mio.€ für den Zeitraum von 2000-2006 zur Förderung eines gemeinsamen Kulturraums bei. Es fördert die Zusammenarbeit zwischen den Kulturschaffenden, den Kulturakteuren und den Kulturinstitutionen der Mitgliedstaaten. Das Programm zielt auf die Förderung des kulturellen Schaffens, der transnationalen Verbreitung der Kultur und des Austauschs von Künstlern, Kulturschaffenden sowie anderen Kulturakteuren und ihrer Werke ab. Außerdem bekräftigt es die Rolle der Kultur bei der wirtschaftlichen Entwicklung und der sozialen Integration sowie der Bürgergesellschaft. Der Antrag auf Fortführung dieses Programms durch Kultur 2007 wurde vom Europäischen Parlament angenommen. sueller Werke zu unterstützen und die sprachliche und kulturelle Vielfalt in Europa zu fördern. Auch die Aufwertung des europäischen audiovisuellen Erbes, die Entwicklung der audiovisuellen Industrie in Regionen mit geringer audiovisueller Produktionskapazität, kleinem Sprachgebiet oder geringer geographischer Ausdehnung sowie die Nutzung der neuen Technologien wird angestrebt. Beide Programme beinhalten den Versuch, kulturelle Vielfalt zu erhalten und gleichzeitig, durch die Vernetzung der Akteure in diesem Bereich, verbindende Elemente zu schaffen. Das Parlament sieht die Notwendigkeit, in einer EU der 25 verstärkt die gemeinsamen Werte und die verbindenden kulturellen Elemente zu betonen. Das bestehende Mistrauen zwischen den Menschen in den alten und den neuen Mitliedstaaten sollte so schnell wie möglich abgebaut und überwunden werden. Die Erkenntnis, dass aus gemeinsamen Werten auch gemeinsame Ziele erwachsen können, sollte uns auch helfen, die bestehenden Unklarheiten über die Gestalt und den Weg der Europäischen Union – institutionell und geographisch – zu überwinden. Gegenseitiges Kennenlernen und die Erkenntnis, das uns mehr eint als trennt, sind dazu ein wichtiger Schritt. Media Plus zielt mit einem vom Parlament vorgeschlagenen Volumen von 1,5 Mrd.€ für den Zeitraum von 2007-2013 im Wesentlichen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen der EU und insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen zu verbessern, den grenzüberschreitenden Umlauf europäischer audiovi„Kunst als Ausdruck kultureller Identität“ Der Künstler und seine Werke zählen zu den entscheidenden Elementen kultureller Identität, denn im künstlerischen Prozess geht es vielfach darum, existierende, aber vielleicht noch diffuse, unbenannte Fakto2 No. 3/2005 “Kulturelle Identität und Werte in Europa” Résumé der Veranstaltung am 12.10.2005 Europabüro Brüssel 38, rue du Taciturne B-1000 Brüssel Tel.+32 2 234 62 80 Fax+32 2 234 62 81 fes@fesbrussels.org www.fesbrussels.org ren dieser Identität in Bilder, Worte oder Formen zu fassen. Dabei können diese Werke wiederum selbst Katalysator für das Entstehen oder die weitere Entwicklung kultureller Identität werden. Wohl selten wurde die Bedeutung der Kunst für die Herausbildung der kulturellen Identität eines ganzen Landes augenfälliger als in Belgien 1830. Während eine Aufführung der Oper„die Stumme von Portici“ von Daniel Auber im Brüsseler Théâtre de la Monet wird am 25.08. ein Volksaufstand ausgelöst, der die Unabhängigkeitserklärung Belgiens am 04.10.1830 zur Folge hatte. Junge deutsche Künstler, wie z.B. Ivan Baschang und Volker Schrank, greifen in ihren Werken Alltäglichkeiten auf, die Teil unserer kulturellen Identität sind. Durch die universelle Sprache der Kunst vermitteln sie dem Betrachter- unabhängig seiner Herkunft- dieselbe Botschaft. Die Kunst kann daher auch als Vermittler angesehen werden, um kulturelle Differenzen zu überwinden und Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Wir haben aber auch vielfach erlebt, wie die Kunst andererseits bewusst und zielgerichtet eingesetzt werden kann, um die kulturelle Identität einer Gruppe zu stärken und andere zu diskreditieren, wie Künstler oft skrupellos und höchst eigensüchtig der Propaganda dienen. Gerade das Unbehagen an der Instrumentalisierung der Kunst durch die politisch Mächtigen wie auch die Mechanismen der Macht, die wirksam sind, kulturelle Identität zu beeinflussen, sind Themen, denen wir in der Kunst der Gegenwart häufig begegnen. Die Massenmedien, allen voran das Fernsehen, stehen im Zentrum eines Geschehens, das sich ohne ihre Existenz überhaupt nicht ereignen würde. Sie bilden heutzutage eine funktionale Voraussetzung für die politische Willensbildung, das Marktgeschehen und das kulturelle Leben. Mit ihrer Berichterstattung vermitteln die Massenmedien eine Vorstellung davon, was wichtig und richtig ist, sie beeinflussen die Ansichten darüber, was die Mehrheit denkt und meint, was sie fordert und verurteilt. Real und relevant ist, was der Journalist als real und relevant darstellt. Sobald es sich um Bilder handelt gilt, schon die Wahl eines Bildausschnitts ist Interpretation. Dank Wir danken Jürgen Ditthard, Mitarbeiter im Sekretariat des Ausschusses für Kultur und Bildung im Europäischen Parlament, Dr. Matthias Bullinger, Leiter der Agentur BildKultur, und Friederike Klatt für Ihre wertvollen Beiträge zu unserer Veranstaltung. Volker Schrank und Ivan Baschang danken wir für die Leihgabe ihrer Zyklen Stars der Wahrheit und Metropolitan . Die Werke haben viele unserer Gäste zu interessanten Gesprächen angeregt. 3 No. 3/2005 “Kulturelle Identität und Werte in Europa” Résumé der Veranstaltung am 12.10.2005 Europabüro Brüssel 38, rue du Taciturne B-1000 Brüssel Tel.+32 2 234 62 80 Fax+32 2 234 62 81 fes@fesbrussels.org www.fesbrussels.org Links Europäische Kommission: DG Bildung und Kultur: http://www.europa.eu.int/comm/dgs/educat ion_culture/index_de.htm Europäisches Kulturportal: http://www.europa.eu.int/comm/culture/por tal/index_de.htm Kultur 2000: http://www.europa.eu.int/comm/culture/eac /index_en.html Media Plus: http://www.europa.eu.int/comm/avpolicy/m edia/index_en.html Europäisches Parlament Ausschuss für Kultur und Bildung: http://www.europarl.eu.int/committees/cult _home.htm Sonstige Agentur Bildkultur: http://www.bildkultur.de/ Volker Schrank: http://www.volkerschrank.de/ Ivan Baschang: http://www.kunststiftung.de/net/artist.php? key=10406 No. 3/2005 ViSdP: Dr. Ernst Stetter, Leiter des Europabüros der Friedrich-Ebert-Stiftung, Brüssel Das„Thema aus Brüssel“ ist eine Teamarbeit des Europabüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brüssel. 4