Frauen wandern aus – weibliche Migration aus den Ländern des Südens Marie-Schlei-Verein FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Impressum ISBN 3-89892-513-7 Herausgeber: Friedrich-Ebert-Stiftung Internationale Entwicklungszusammenarbeit Referat Entwicklungspolitik Godesberger Allee 149 53175 Bonn Redaktion: Kirsten Prestin, ips Layout: Pellens Kommunikationsdesign GmbH Fotos: Sepp Spiegl Drucker: bub Bonner Universitätsbuchdruckerei Printed in Germany 2006 Inhalt 3 Vorwort Astrid Ritter-Weil 4 Die globalisierte Frau – Frauen als Migrantinnen auf dem globalen Arbeitsmarkt Dr. Petra Dannecker Universität Bielefeld 8 Warum wandern Frauen aus? Das Beispiel Sri Lanka Ranjini Manuelpillai Agromart Foundation 12 Migrantinnen aus dem Süden in Deutschland Ein persönlicher Erfahrungsbericht Thuweba Diwani Internationales Frauenzentrum Bonn 16 Frauenrechte und Migration Internationale Abkommen zum Schutz von Migrantinnen Jillyanne Redpath Internationale Flüchtlingsorganisation 18 Podiumsdiskussion: Hilfe vor Ort und in Deutschland Strategien für eine geschlechtergerechte Entwicklungs- und Migrationspolitik Moderation: Sigrid Mangold-Wegner 19 Referentinnen FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS Vorwort Die Wahrung und Durchsetzung von Frauenrechten ist ein wichtiges Ziel der Projektarbeit der FriedrichEbert-Stiftung weltweit. In der letzten Zeit ist der Schutz von Frauen und ihren Rechten im Zusammenhang von Migration verstärkt in den Blickpunkt des Interesses gerückt. Mehrere Veranstaltungen der Stiftung zu den Aspekten Frauenhandel, illegale Hausangestellte, Verbrechen an Migrantinnen im Namen der Ehre belegen dies. Aber auch die legale internationale Migration verändert sich in Bezug auf die Zusammensetzung zwischen den Geschlechtern zur Zeit so stark, dass sie unsere Aufmerksamkeit unter dem Aspekt der Frauenrechte verdienen. Im Zuge der ökonomischen Globalisierung und damit einhergehender Mobilität von Arbeitskräften hat die Zahl derer, die nicht in ihren Heimatländern leben, stetig zugenommen. Dabei ist der Anteil von allein ausreisenden Frauen kontinuierlich gewachsen, sodass heute die Mehrheit der Migranten weiblich ist. Ihre Situation unterscheidet sich jedoch von der männlicher Migranten. Meist arbeiten diese Frauen in Haushalten oder anderen prekären Arbeitsverhältnissen, de facto ohne jeglichen Arbeits- und Rechtsschutz. Darüber hinaus honorieren die Gesellschaften in den meisten Herkunftsländern, anders als bei ausreisenden Männern, die Leistung dieser Frauen nicht, sodass sie nach der Rückkehr um gesellschaftliche Akzeptanz zu kämpfen haben. Die Migrationspolitik und selbst die Migrationsforschung war bis in die jüngste Zeit überwiegend genderblind. Mit dieser Tagung wollten die Friedrich-EbertStiftung und ihr Veranstaltungspartner, der MarieSchlei-Verein, der ebenfalls weltweit Frauen bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützt, die Genderaspekte der Migration in die politische Diskussion in Deutschland einbringen. Dabei war es uns wichtig, vor allem Frauen aus den Herkunftsländern der MigrantInnen selbst zu Wort kommen zu lassen, aber auch eine wissenschaftliche wie politische Perspektive zu eröffnen. Mit der Erarbeitung von Strategien für eine geschlechtergerechte Migrationspolitik hat die Tagung zehn Jahre nach der bahnbrechenden Weltfrauenkonferenz in Peking einen Beitrag zur Umsetzung wichtiger Vereinbarungen zum Schutz von Frauenrechten geleistet. Sie sind u.a. im Abkommen gegen jede Form der Diskriminierung von Frauen und im dritten Milleniumsziel„Gleichstellung der Geschlechter“ formuliert. Mit der Zusammenfassung und Veröffentlichung der wichtigsten Tagungsinhalte wollen wir die Ergebnisse auch Interessierten zugänglich machen, die keine Gelegenheit hatten, an der Konferenz teilzunehmen, und alle Initiativen zum Schutz von Menschenrechten, insbesondere von Frauenrechten, unterstützen. Astrid Ritter-Weil Friedrich-Ebert-Stiftung Christa Randzio-Plath Marie-Schlei-Verein 3 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Die globalisierte Frau – Frauen als Migrantinnen auf dem globalen Arbeitsmarkt Petra Dannecker der Migration zeigt, dass Globalisierung für Frauen kein abstrakter Vorgang ist, sondern neue Möglichkeiten, aber auch neue Zwänge und Abhängigkeiten schafft. Die Verschiebungen, Ungleichzeitigkeiten und Brüche der Globalisierungsprozesse, die oft gegenläufige Auswirkungen auf Frauen weltweit haben, werden gerade im Kontext internationaler Migration besonders deutlich. Negierung von weiblicher Migration Globalisierung ist kein geschlechtsneutraler Prozess. Die ökonomischen, politischen und sozialen Prozesse und Phänomene, die die gesellschaftlichen Realitäten weltweit prägen beziehungsweise verändern, zeigen, dass Geschlechterverhältnisse und deren Neuaushandlungen eine wichtige Dimension dieser Transformationen darstellt. Wirtschaftliche Globalisierung, zunehmende globale Vernetzung über neue Formen der Kommunikation und der Medien sowie zunehmende Mobilität sind nur einige Dimensionen, die die Arbeitsund Lebenswelten von Männern und Frauen weltweit, wenn auch sehr unterschiedlich, beeinflussen. Feminisierung der Migration Die geschlechtsspezifische Strukturierung von Globalisierungsprozessen generell und von internationaler Migration im speziellen wurde allerdings bisher – sowohl in öffentlichen Diskussionen als auch wissenschaftlichen Debatten – vernachlässigt. Wird zum Beispiel von internationaler Migration gesprochen, tauchen immer noch Bilder von jungen Männern auf der Suche nach einem besseren Leben fern der Heimat auf. Dies spiegelt sich auch in Statistiken und Untersuchungen wider. Frauen, die migrieren, werden in der Mainstream-Migrationsliteratur immer noch entweder als abhängige Migrantinnen wahrgenommen, die ihren Männern oder Familien in die Fremde folgen oder als Opfer von Frauenhandel. Die Tatsache, dass Frauen in zunehmenden Maße bewusst Grenzen überschreiten, um eigene Lebensentwürfe und Vorstellungen zu realisieren, wird immer noch negiert. Dies ist besonders erstaunlich vor dem Hintergrund, dass die Anzahl der migrierenden Frauen nicht nur kontinuierlich zugenommen hat, sondern sich die Migrationsmuster auch nachhaltig verändert haben. Internationale Migration ist ein Bereich, anhand dessen einerseits die Verwobenheit unterschiedlicher Globalisierungsprozesse sichtbar gemacht und andererseits die geschlechtsspezifische Strukturierung aufgezeigt werden kann. Gerade die Feminisierung Age of Migration Migration, vor allem internationale Migration, ist kein neues, sondern historisch betrachtet ein strukturell gesellschaftliches Phänomen. 4 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS Seit den späten 70er Jahren führten neue Dimensionen internationaler Migration dazu, dass Castles und Miller 1993 den Begriff des age of migration prägten. Eine wichtige Dimension, die dieses age of migration charakterisiert, ist zweifelsfrei die zunehmende Migration von Frauen, die Teil der stattfindenden Globalisierungsprozesse ist. Seit den 70erJahren ist die Zahl der Menschen, die außerhalb ihrer Herkunftsländer leben und arbeiten, kontinuierlich gestiegen. Noch nie sind so viele Menschen von so unterschiedlichen geographischen Regionen migriert. Folglich sind nahezu alle Länder auf unterschiedliche Art und Weise in die beobachtbaren Wanderbewegungen involviert. 175 Millionen Migranten weltweit Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass heute weltweit 175 Millionen Menschen nicht in ihren Herkunftsländern leben – Tendenz steigend. ‚Nur‘ 16 Millionen von ihnen sind Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen mussten. Während sich asiatische Schwellenländer, wie Singapur, Taiwan, Südkorea, Malaysia und Thailand zu bedeutenden Aufnahmeländern für Migrantinnen entwickelt haben, haben sich Länder wie etwa Bangladesch, Indonesien und Sri Lanka zu klassischen Entsendeländern heraus kristallisiert. Die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung in den südostasiatischen Ländern führte zu einer ständig steigenden Nachfrage nach unqualifizierten Arbeiterinnen in den exportorientierten Sektoren, wie etwa in der Bekleidungsindustrie. Bedeutender Wirtschaftsfaktor Migration ist für die Entsendeländer durch den Transfer eines Teils der MigrantInnen-Einkommen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. In einigen Ländern, wie Sri Lanka oder den Philippinen werden über 60 Prozent der Deviseneinkünfte von MigrantInnen erwirtschaftet. Aber auch in den Aufnahmeländern tragen die MigrantInnen hauptsächlich zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Neue Migrationszentren Seit den 70er Jahren haben sich neue Migrationszentren herausgebildet. Diese neuen Zentren sind der asiatische und pazifische Raum, der Nahe Osten und die Südspitze von Südamerika. Dazu kommt seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion die ständig steigende Zahl der internationalen Migrantinnen und Migranten aus den osteuropäischen Ländern. Migrationsströme innerhalb Asiens In Asien haben insbesondere die Migrationsbewegungen zwischen den Ländern extrem zugenommen. Während nach dem Zweiten Weltkrieg MigrantInnen aus den südasiatischen Ländern hauptsächlich nach Europa und in die USA migriert sind, bleiben seit den 80er Jahren die Migrationsströme hauptsächlich in der Region. Grobe Schätzungen gehen davon aus, dass im asiatischen Raum mindestens 70 Millionen Menschen außerhalb ihres Herkunftslandes, aber innerhalb der Region leben und arbeiten. Zeitlich befristete Arbeitsverträge Eine weitere neue Dimension der Migration, vor allem der Arbeitsmigration ist, dass die Migration meist zeitlich beschränkt ist. In den meisten Ländern wurden strikte Regulierungen und Kontrollen eingeführt, um zu verhindern, dass MigrantInnen sich auf Dauer niederlassen und politisch und sozial integrieren. Das bedeutet, MigrantInnen dürfen nur in bestimmten Sektoren arbeiten, sie dürfen ihre Familien nicht mitbringen oder es ist ihnen verboten, im Ausland zu heiraten. Die Politik der Aufnahmeländer führte ferner dazu, dass sich ein neues globales Gewerbe herausgebildet hat: das der Rekrutierungs- und Vermittlungsorganisationen. Feminisierung der Migration Im Jahr 2000 waren 49 Prozent der internationalen Migranten Frauen, während es in den 60er Jahren 46,6 Prozent waren. In einigen Regionen und Ländern liegt der Anteil der Frauen weit über 50 Prozent, wie etwa in Europa, in Teilen Asiens, vor allem den Philip5 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG pinen und Lateinamerika. Der geringste Anteil weiblicher Migranten befindet sich in Nordafrika. Dabei migrieren immer mehr Frauen auf der Suche nach neuen Arbeits- und Lebensmöglichkeiten völlig eigenständig und unabhängig. genwärtige Organisation der Sexarbeit und des Frauenhandels auf regionaler und globaler Ebene zu erklären. Nationales Beispiel: Bangladesch Ursachen für die Feminisierung der Migration 1. Exportorientierte Industrialisierung • Steigende Nachfrage nach billigen Arbeitskräften, die nicht mehr über die lokalen Märkte abgedeckt werden können. Sie führt zu einer steigenden Nachfrage nach billigen Arbeitskräften. • Migrantinnen werden bevorzugt, da sie preiswerter sind als lokale Arbeiterinnen oder männliche Migranten. • Die Ansiedlung multinationaler Unternehmen in Asien transportiert eine spezifische ‚transnationale‘ Geschlechterordnung, die weltweit auf der Konstruktion beruht, dass Frauen für die meist mechanischen Arbeiten am Fließband oder an Nähmaschinen besonders geeignet sind. 2. Gestiegene Nachfrage nach Dienstleistungen • In den südostasiatischen Ländern kann die Nachfrage nach Hausangestellten aus dem Ausland, also nach bezahlter reproduktiver Arbeit, durch eine zunehmende Integration lokaler Frauen in alle Wirtschaftssektoren erklärt werden. • Dies führt zu einer Arbeitsteilung, nicht zwischen Frauen und Männern, sondern zwischen Frauen aus verschiedenen ethnischen Gruppen. Bangladeschische Frauen migrieren auf ihrer Suche nach Arbeit vor allem nach Malaysia und in die Staaten des Nahen Ostens. Ihre steigende Zahl in den 90er Jahren hat zu vielen kontroversen Diskussionen im Land geführt. Im Kontext des stattfindenden Islamisierungsprozesses haben dabei insbesondere islamische Organisationen und Medien, unterstützt von den Netzwerken männlicher Migranten, immer wieder Druck auf die jeweiligen Regierungen ausgeübt, um die Migration von Frauen zu verhindern. Widerstand islamischer Organisationen Zweimal waren sie erfolgreich. 1981 und 1997 erließ die Regierung Bangladeschs Gesetze, die die legale Ausreise von Frauen fast unmöglich machten. Interviews mit männlichen Migranten und ihren Organisationen zeigen, dass weibliche Migranten zunehmend als Konkurrenz auf dem regionalen Arbeitsmarkt betrachtet werden. Durch ihre Arbeitsmigration stellen die Frauen auch die nationale Geschlechterordnung in Frage. Das hat zu einer Ausgrenzung der bangladeschischen Migrantinnen geführt. So sind sie zum Beispiel nicht Teil der bangladeschischen Gesellschaft im Ausland oder männlicher Netzwerke. 3. Sexarbeit und Frauenhandel • Das Entstehen einer transnationalen Sexindustrie hat zu einer zunehmenden Involvierung von immer mehr Frauen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt in den Bereichen Sexarbeit, Migration und Frauenhandel geführt, die nur schwer zu kontrollieren ist. • Ende der 80er Jahre waren es vor allem asiatische Frauen, die weltweit in diesem Sektor arbeiteten. In den letzten Jahren kamen verstärkt Frauen aus den osteuropäischen Ländern und Afrika hinzu. • Die Konstruktion von Frauen aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen als die„exotischen anderen“ sollte ebenfalls berücksichtigt werden, um die geSchwierige Rückkehr Die Frauen, die im Ausland gearbeitet haben, werden nach ihrer Rückkehr auch in ihrer Heimat ausgegrenzt. Ihre Familien versuchen, den Aufenthalt geheim zu halten und wollen nicht, dass die Betroffenen über ihre Erfahrungen berichten. Trotz dieser Prozesse kann beobachtet werden, dass immer mehr Frauen migrieren beziehungsweise migrieren wollen. Das heißt, dass die gestiegene regionale und globale Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften mit dem Streben vieler Frauen nach Veränderung korrespondiert. Zwar spielen auch ökonomische Gründe 6 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS eine wichtige Rolle für die Migration der Frauen, aber viel weniger als bei den männlichen Kollegen, die oft auf Druck der Familie migrieren müssen. Durch die Berichte der Rückkehrerinnen erfahren auch immer mehr Frauen im ländlichen Bereich von den Arbeitsmöglichkeiten im Ausland. die Migrantinnen, die in Malaysia waren, zeichnen trotz der Arbeits- und Lebensbedingungen ein positives Bild ihres Aufenthaltes – im Gegensatz zu den Männern. Im Gegensatz zu Bangladesch verbietet Malaysia nicht die außerhäusliche Erwerbsarbeit von Frauen unter dem Vorwand der islamischen Geschlechterordnung. Kreditsysteme für Rückkehrerinnen Die Organisation von Migration ist für Frauen weitaus schwieriger als für Männer, da sie nicht mit familiärer Unterstützung rechnen können. So sind sie viel stärker auf Mittelsmänner angewiesen und die Gefahr, dass sie betrogen werden, ist weitaus größer als im Fall der männlichen Migranten. Positiv ist, dass sich zunehmend Kreditsysteme zur Unterstützung von Frauen entwickeln, die den zurückgekehrten Migrantinnen helfen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Veränderte Geschlechterordnung Die zeitlich begrenzte Arbeitsmigration verändert den Blick der Frauen auf die Heimatgesellschaft und die dort vorherrschende Geschlechterordnung. Besonders Die Möglichkeit eigenes Geld zu verdienen ist für die meisten Frauen ein Grund erneut zu migrieren. Und das, obwohl sie meistens fast ihren gesamten Verdienst nach Hause schicken müssen und bei Ihrer Rückkehr alles schon ausgegeben ist. Obwohl Migrantinnen in den Aufnahmeländern wie auch nach ihrer Rückkehr praktisch unsichtbar sind, führt allein schon die Entscheidung für eine Migration zur Herausforderung lokaler Praktiken und der Geschlechterordnung. Die Migrantinnen stellen sowohl das konstruierte weiblich angemessene Verhalten in Frage, als auch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Doch die Frauen werden weiter migrieren, trotz der öffentlichen Diskurse und politischer Einschränkungen. 7 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Warum wandern Frauen aus? Das Beispiel Sri Lanka Ranjini Manuelpillai Land der Migranten Migration ist nicht neu in Sri Lanka. Auf der Route von Schifffahrts- und Handelswegen gelegen, wurde Ceylon, wie Sri Lanka früher genannt wurde, die Heimat vieler Migranten, die heute einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung ausmachen. Aufgrund der mangelnden Integration in die srilankische Gesellschaft haben diese Gruppen immer noch eine eigene Identität. Sri Lanka ist die Heimat vieler Rassen, Religionen und ethnischer Gruppen. Diese Vielfalt hat die inländische und internationale Migration vorangetrieben. In Sri Lanka wandern immer mehr Frauen auf der Suche nach Arbeit aus. Eine große Zahl von ihnen zieht es vor allem in die Länder des Nahen Ostens, wo sie sich als Hausarbeiterinnen verdingen. Das Migrationsphänomen wirft viele Probleme auf, mit denen sich in jüngster Zeit Politiker, Soziologen, staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen des asiatischen Landes befasst haben: • Geldüberweisungen von Migranten sind aufgrund ihres beträchtlichen Volumens zur wichtigsten Deviseneinnahmequelle des Staates geworden • Die Notlage der Frauen, denen keine angemessenen Mittel zur sozialen Absicherung bereit gestellt werden • Die negativen Auswirkungen auf die Familie, vor allem auf die zurückgelassenen Kinder • Die Tatsache, dass der ‚Hausmädchen-Handel‘ ein lukratives Geschäft ist, von dem viele profitieren wollen: Job-Agenturen, die Regierung, Banken und Finanzinstitute, Fluglinien usw. • Die große Zahl an missbrauchten und schlecht behandelten Frauen, die keinen Gewinn aus ihrer Arbeit ziehen. Die hohe Zahl ‚natürlicher Todesfälle‘ während der Beschäftigung • Die Ausbeutung von Frauen in jeder Phase des Migrationsprozesses. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden unter britischer Herrschaft viele südindische Tamilen für die Arbeit auf den Plantagen angeworben. Jetzt bilden sie eine wichtige Minderheit in der Bevölkerung. Es gab auch eine signifikante Auswanderung von Familien der Mittelschicht, meist Tamilen aus Sri Lanka, die nach Malaysia und Singapur ausgewandert sind, um dort in der britischen Verwaltung zu arbeiten. Viele sind dort geblieben und bilden eine klar abgegrenzte Minderheit in der Bevölkerung. Manche sind nach Hause zurückgekehrt. Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1948 begann in den fünfziger Jahren die erste bedeutende Welle internationaler Migration – es waren legale Auswanderungen, vor allem von Familien. Viele Fachkräfte zogen nach England und in andere ehemalige Kolonien. Frauen, die mit ihren Familien migrierten, fanden meistens eine Beschäftigung in ihrem Gastgeberland. Viele gut ausgebildete Frauen, insbesondere Lehrerinnen und Ärztinnen, wanderten auch alleine aus. Fast alle Migranten sprachen Englisch und die gesellschaftliche Integration im Gastgeberland war einfach. Sie konnten ihren Lebensstandard erheblich verbes8 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS sern und sind in dem Land geblieben, auch wenn sie aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe benachteiligt wurden. Migration von ethnischen Minderheiten Die zweite Auswanderungswelle war das Ergebnis ethnischer Konflikte. Viele Familien, auch mit weiblichem Familienoberhaupt, konnten legal auswandern, wie etwa nach Großbritannien, in die USA oder nach Australien. Für unverheiratete Frauen war es schwieriger auszuwandern. Viele sind als illegale Einwanderer oder Flüchtlinge nach Kanada oder Europa migriert. Die meisten Migranten konnten sich nicht in Englisch verständigen. Sie stammten aus einer anderen Schicht als die zu einem früheren Zeitpunkt eingewanderten Fachkräfte. Zudem waren sie Opfer einer Bildungspolitik, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Englischunterricht an staatlichen Schulen abzuschaffen. Diese Bildungs- und Sprachdefizite zwangen viele Migranten, insbesondere Frauen, in schlecht bezahlte und illegale Arbeitsverhältnisse. Frauen, die intern vertrieben wurden, waren in besonderem Maße geschlechtsspezifischer Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. Der Zusammenbruch traditioneller Familienstrukturen machte sie umso verletzlicher. Besonders schlimm war die Situation in den Flüchtlingslagern. Binnenmigration von weiblichen Arbeitskräften Hausarbeiterinnen Die Migration von weiblichen Hausangestellten innerhalb Sri Lankas findet seit vielen Jahren statt. Diese Migration ist keine persönliche Entscheidung der Frauen, sondern sie wird von Familie und Gesellschaft beeinflusst. Die Mädchen werden von ihren Familien in die Städte geschickt, um Geld als Hausangestellte zu verdienen. Dieses Einkommen sichert der Familie das Überleben. Alle Haushalte der Oberschicht und der oberen Mittelschicht haben eine oder mehrere im Haushalt lebende Dienstmädchen. Obwohl es in Sri Lanka verboten ist, Kinder unter 16 Jahren zu beschäftigen, arbeiten viele Mädchen in diesem Alter als Angestellte. Meistens kommen die Betroffenen aus ländlichen Gebieten und sind Analphabeten. Sobald sie heiraten, hören sie auf zu arbeiten. Oft müssen sie aber, etwa aufgrund der Arbeitslosigkeit des Ehemanns, wieder eine Beschäftigung aufnehmen. Mit dem Boom der Textilbranche in den 80er und 90er Jahre verließen viele Mädchen ihre Familien, um in Textilfabriken zu arbeiten. Das ‚200 Fabriken Programm‘ für ländliche Gebiete veränderte diesen Migrationstrend nicht wirklich. Internationale Migration von Hausangestellten Temporäre Arbeitsmigration Die bedeutendste Auswanderungswelle aus Sri Lanka begann in den 70er Jahren. Das war eine zeitlich begrenzte Arbeitsmigration, ursprünglich in die reichen Ölstaaten des Nahen Ostens und später auch in andere Industrieländer. Fachkräfte wanderten zusammen mit ihren Familien aus. Weibliche Migranten gab es vor allem in den qualifizierten Arbeitsbereichen des Gesundheitswesens und in Lehrberufen. Migranten aus der Mittelschicht unterscheiden sich deutlich von denen, die als Hausangestellte arbeiten. Sie verfügen über Berufs- und Bildungsabschlüsse und sprechen zumindest Englisch. Meistens erhalten sie eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Nach der Migration von ethnischen Minderheiten, sowohl freiwillig als unfreiwillig, stellte die Migration der weiblichen Hausarbeiterinnen die stärkste Bevölkerungsbewegung da. Die typische weibliche Hausarbeiterin ist zwischen 18 und 40 Jahre alt, verheiratet und hat zwei bis drei Kinder. Die meisten sind nicht länger als acht Jahre zur Schule gegangen. Die jetzige Migration unterscheidet sich von den vorherigen: Die ersten Migrantinnen kamen aus dem städtischen Bereich und waren recht ‚mondän‘. Als sie aus dem Nahen Osten in ihre Heimat zurückkehrten, stellten sie ihren neu erworbenen Reichtum stolz zur Schau. Immer mehr Sri Lankerinnen wollten diesem Beispiel folgen. 9 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Der Anteil der weiblichen Migranten aus Sri Lanka ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Von 1986 bis 2004 verdoppelte sich ihre Zahl: 1986 wanderten insgesamt 14.456 Sri Lankesen aus, davon waren 33 Prozent Frauen. 2004 migrierten insgesamt 213.453 Menschen, der Anteil der Frauen betrug 62,53 Prozent. Ursachen Der Hauptgrund für Migration ist Armut und Arbeitslosigkeit. Der Anteil von Frauen am Arbeitsmarkt ist zwar stetig gestiegen, doch die Arbeitslosenrate der Frauen ist doppelt so hoch wie die der Männer. Frauen stellen 60 Prozent der Erwerbstätigen, verdienen aber nur 33 Prozent des männlichen Gehalts. Die liberalere Wirtschaftspolitik und die freie Marktwirtschaft Sri Lankas nach 1977 begünstigten die Migration. Es entstand eine neue Konsumgesellschaft: Fernseher und Videorekorder wurden als Notwendigkeiten und nicht mehr als Luxus betrachtet. Die individuellen Erwartungen an den Lebensstandard stiegen. Migration war die einzige Möglichkeit, diese Wünsche zu erfüllen. Als die Nachfrage nach Haushaltsangestellten zunahm, durchkämmten Makler und Agenten die ländlichen Regionen auf der Suche nach Frauen. Die meisten Anwärterinnen beherrschten gerade mal ihre Muttersprache und konnten weder schreiben noch lesen. Auch die Nachfrage nach muslimischen Hausmädchen wurde immer größer. Wertewandel und niedrige Ausbildungsanforderungen Die Aussicht auf ein höheres Einkommen veränderte auch die gesellschaftlichen Werte. Während es früher eine Schande war, die Ehefrau arbeiten zu schicken, wurde eine Beschäftigung als Hausangestellte im Ausland jetzt sogar begrüßt. Zudem erfordert Hausarbeit so gut wie keine Ausbildung oder Erfahrung, so dass jede Frau diese Tätigkeit ausüben kann. Arme Frauen sahen in der Beschäftigung im Ausland eine willkommene Gelegenheit, häuslichen Problemen zu entkommen. Viele waren Opfer familiärer Gewalt. Frauen wurden zu den Hauptverdienern und sicherten alleine den Lebensunterhalt der Familie. Ihre Ehemänner lebten in vollkommener Abhängigkeit von den Geldüberweisungen aus dem Ausland. Re-Migration Da viele Frauen trotz ihrer Arbeit den Teufelskreis der Armut nicht durchbrechen konnten, mussten sie erneut migrieren. Oft gab der Ehemann das Geld für unnötige Konsumgüter, Alkohol oder sogar eine Zweitfrau aus. Zudem waren die Frauen oft durch die Vermittlung der Rekrutierungsbüros so verschuldet, dass sie kein Geld zurücklegen konnten. Zu den persönlichen Gründen für die Migration zählen der Bau eines Hauses, der Erwerb von Land, die Ausbildung der Kinder, die Begleichung von Schulden oder die Gründung eines Geschäftes. In den meisten Fällen aber stellen sich diese Wünsche als unerfüllbar heraus. TextilarbeiterInnen Die Migration von Textilarbeitern begann wesentlich später, als die Migration von Haushaltskräften. Im Rahmen des ‚200-Fabriken-Plans‘ siedelte die srilankische Regierung in ländlichen Gebieten neue Fabriken an. In den Werken konnten junge Leute ausgebildet werden. Viele junge Frauen wanderten nach Abschluss ihrer Ausbildung auf die Malediven oder nach Dubai, Südkorea und Singapur aus. Die Unterstützung vom Staat Für die srilankische Regierung ist Migration eine Lösung zur Armutsbekämpfung. Sie fördert die Migration, um wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen. Dabei sind die staatlichen Maßnahmen, die zum Schutz der Migranten getroffen wurden, völlig unzureichend. Für das Aufnahmeland ist es zudem billiger, ausländische Arbeitskräfte anzustellen als enorme Summen in die soziale Infrastruktur, wie in Kinderbetreuung, Krankenpflege, Alten- und Behindertenhilfe zu investieren. Das gilt auch für entwickelte Länder wie Singapur. Migrantinnen ermöglichen es den einheimischen Frauen, Arbeit außerhalb des Hauses anzunehmen und Zeit für gesellschaftliche Aktivitäten zu haben. Durch 10 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS die niedrigen Löhne können sich auch Familien der Mittelschicht Haushaltshilfen leisten. Die Beschäftigung einer ausländischen Haushaltsangestellten verleiht ihnen ein gewisses Maß an Prestige und erhöht ihren sozialen Status. Probleme und Lösungsvorschläge Beratung Die Frauen, die auswandern wollen, müssen besser beraten und auf ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet werden. Die meisten Migrantinnen verlassen ihre Heimat, ohne die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Aufnahmeländern zu kennen. Die Beratung sollte auch Alternativen zur Migration bieten. Auch in den Heimatländern sind die Arbeitsbedingungen der beiden großen Migrantinnengruppen, Haushalts- und Fabrikarbeiterinnen, nicht zufriedenstellend. Ihre Beschäftigungsverhältnisse werden nicht durch Arbeitsgesetze wie etwa zu Mindestlöhnen geregelt. Das heißt, sie werden auch in ihrem eigenen Land ausgebeutet. Eine Verbesserung der lokalen Arbeitsbedingungen würde viele davon abhalten, sich in anderen Ländern eine Beschäftigung zu suchen. Erforderlich ist zudem die strikte Einhaltung und Erweiterung bereits bestehender Gesetze und eine strengere Kontrolle der Jobvermittler. Schutz vor Missbrauch Migrantinnen sind häufiger Opfer von Misshandlungen als männliche Wanderarbeiter. Zu den Misshandlungen gehören die Beschlagnahme von Pässen bei der Ankunft, Isolation, willkürliche Lohnkürzungen sowie sexueller Missbrauch durch den Arbeitgeber oder auch Jobagenten. Viele Frauen kehren in psychisch labilem Zustand nach Hause zurück. In den meisten Golfstaaten etwa erstreckt sich die Gesetzgebung nicht auf weibliche Haushaltsangestellte. Sie arbeiten in Haushalten, die nicht als Arbeitsstätten gelten, und für private Arbeitgeber, deren Haushalte keiner Arbeitsaufsicht unterliegen. Insofern wird Haushaltsangestellten der Status eines ‚ordentlichen Arbeitnehmers‘ verweigert. Zudem bietet ihnen keine andere nationale Gesetzgebung Schutz. Aufwertung des Ansehens von Haushaltsangestellten Die Arbeit von Hausangestellten wird gesellschaftlich als ‚Frauenarbeit‘ definiert, denn Frauen können diese Aufgaben angeblich instinktiv und problemlos ohne Training erledigen. Arbeit im Haushalt, zum Beispiel Aufräumen, Kochen, Putzen, die Pflege von jungen oder betagten Familienmitgliedern, liegt nicht auf einer Ebene mit einer ordentlichen, bezahlten Beschäftigung. Es gibt keinen Rechtsschutz für eine Beschäftigung, die weder einen Namen hat noch als wirkliche Arbeit angesehen wird. Die mangelnde Fähigkeit mit Geld umzugehen, verhindert eine erfolgreiche Reintegration der Rückkehrerinnen. Dies führt zur erneuten Migration. Hier besteht ein Beratungsbedarf, damit die Frauen lernen, zu sparen und besser mit Geld umzugehen. Staatliche Intervention Die Regierung Sri Lankas schaltete sich in den Migrationsprozess ein, indem sie 1976 im Arbeitsministerium die Abteilung ‚Foreign Employment Unit‘(FEU) einrichtete, um die Jobagenturen und Rekrutierungsbüros besser zu kontrollieren. Eine Registrierung durch das ‚Sri Lanka Bureau of Foreign Employment‘ (SLBFE) ist seit 1986 gesetzlich vorgeschrieben. Zahlreiche gesetzliche Maßnahmen wurden in die Wege geleitet, um die Ausbeutung von MigrantInnen zu reduzieren. Das SLBFE-Büro hat Beschwerden von Hausangestellten dokumentiert und die Berichte über Misshandlungen veröffentlicht. Dadurch wurden potenzielle MigrantInnen für das Thema sensibilisiert. Die Sri Lankerinnen wandern in die ganze Welt aus. An erster Stelle stehen Länder im Nahen Osten, wie Saudi Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. In Asien gehören Singapur und Malaysia dazu sowie Südkorea. In Europa sind es Griechenland, Großbritannien, Italien und Zypern. In Afrika gehören zu den Aufnahmeländern Uganda, Kenia und Südafrika. Auch die Malediven im indischen Ozean sind ein Zielland. 11 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Migrantinnen aus dem Süden in Deutschland Ein persönlicher Erfahrungsbericht Thuweba Diwani meines Schwagers folgend, schrieb ich mich in einen deutschen Sprachkurs beim Goethe-Institut in Nairobi ein. Im August 1998 dann machte ich meine erste Reise außerhalb Afrikas und flog über Israel nach Deutschland. Wanderlust… Meine Reise nach Deutschland wurde nicht durch ein trauriges oder dramatisches Ereignis ausgelöst. Ich bin weder vor einem Krieg noch vor einer Naturkatastrophe geflüchtet und ich suchte weder Ruhm noch Reichtum. Ich bin aus purer Neugierde nach Deutschland gereist. Ich wollte die Welt für mich entdecken. Seit meiner Kindheit träumte ich von fernen Ländern und Regionen und als sich die Gelegenheit bot – eine meiner Schwestern ist mit einem Mann verheiratet, der in Deutschland lebte – packte ich sie beim Schopfe. Ich dachte mir, ich könnte Europa erleben und gleichzeitig einen Magisterabschluss erlangen, um dadurch meine beruflichen Perspektiven zu verbessern. Aufbruch nach Deutschland… 1996 machte ich meinen Abschluss an der Egerton University in Kenia in Pflanzenkunde. Danach arbeitete ich ungefähr ein Jahr lang, bevor ich mich entschloss, diese Gelegenheit wahrzunehmen. Dem Rat Die ersten Eindrücke in Deutschland… Nach einer langen, ermüdenden Reise landete ich auf dem Frankfurter Flughafen und erfuhr als erstes, dass mein Gepäck nach London befördert wurde. Nach vielen Formalitäten durfte ich schließlich mit einer kleinen, mit Dokumenten voll gestopften Handtasche den Zoll passieren. Zum Glück fand ich gleich meinen Schwager und wir fuhren zusammen nach Düsseldorf, wo er mit meiner Schwester lebt. Als ich mich ins Auto setzte und wir los fuhren, war mein erster Gedanke: „Seltsam! Es ist erst Sonnenuntergang und ich bin schon so müde!“ Dann begriff ich, dass es bereits 21 Uhr war, und mir dämmerte es im buchstäblichen Sinne. Auch nach sieben Jahren in Deutschland muss ich gestehen, dass ich mich immer noch nicht an die jahreszeitlichen Schwankungen des Tageslichts gewöhnt habe. Ich gerate immer noch durcheinander. Chancen… Nach einem holprigen Anfang(der Ausstellung eines Studentenvisums, der Gewöhnung an das Klima, der Suche nach Freundschaften), fand ich mein Gleichgewicht und fing damit an, einige der Möglichkeiten, die Deutschland bietet, auszuschöpfen. Dazu gehören: • Die Möglichkeit, meine Bildung und meine Karriere voranzutreiben. Nach wie vor profitiere ich von der Expertise der deutschen Wissenschaftler im Bereich der tropischen Agroökologie. • Die Chance, die deutsche Sprache zu lernen und zu üben, bis ich sie fließend sprechen konnte. Dies wiederum machte es möglich, dass ich viele neuen Freundschaften schließen und Bekanntschaften machen konnte. 12 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS • Die Chance, durch meine neuen Freunde die deutsche Kultur kennen zu lernen und in ihr leben zu können. • Die Chance, andere Menschen über mein Land und meine Kultur zu informieren. Manchmal bin ich eine Kulturübersetzerin. • Die Chance, mein Land und auch Afrika als Ganzes aus einem anderen Blickwinkel von außen zu betrachten(hier lernte ich erst recht, was Afrika zu bieten hat und wie vielfältig es ist). • Die Chance, Freundschaften mit Afrikanern aus anderen Teilen des Kontinents zu schließen. In Deutschland sind mehr afrikanische Nationalitäten vertreten als in meinen beiden Heimatländern (Kenia und Tansania) zusammen. • Die Möglichkeit, mich selbst zu entdecken und mich ohne die Einschränkungen einer recht konservativen Familie und Kultur auszudrücken. • Die Chance, in andere europäische(Belgien, Niederlande, Frankreich, Italien) und afrikanische Länder(Elfenbeinküste) zu reisen. Herausforderungen… Auch wenn die Möglichkeiten die Herausforderungen, denen ich begegnet bin, übersteigen, muss ich noch immer große Herausforderungen und Hindernisse bewältigen. Dazu gehören: • Die große Komplexität der deutschen Ordnung, der Regeln und Normen(sowohl der geschriebenen als auch der ungeschriebenen). Ich wünsche mir, es gäbe eine Art Handbuch in dem steht, was man darf und nicht darf. • Die Tatsache, dass ich aus einer Kultur des Sprechens stamme und mich an eine Kultur des geschriebenen Wortes gewöhnen muss. • Die„ich mache es selbst und schnell“-Kultur. • Die verhältnismäßig lange Zeit, die es dauert, bleibende Kontakte und feste Freundschaften zu schließen(ich brauchte dazu ungefähr zwei Jahre) und das daraus entstehende Gefühl der Zurückweisung. Dies führt zu großer Einsamkeit und in manchen Fällen dazu, dass man sich Freunde nur unter Menschen gleicher Herkunft sucht, oder eine unbefriedigende oder missbräuchliche Beziehung aufrechterhält, nur um nicht alleine zu sein, das heißt nicht über den eigenen Horizont zu schauen. • Der Kampf gegen Vorurteile. Das Gefühl, die Menschen sehen nur meine Hautfarbe, die sie mit der Unfähigkeit, bestimmte Dinge zu tun oder erreichen, gleichsetzen. Man muss doppelt so hart arbeiten, um sich zu beweisen und Anerkennung zu erhalten. Auch wenn man sichtbar ist, wird man nicht gesehen. • Die Tatsache, dass mein erster Hochschulabschluss (in Kenia erworben) als minderwertig angesehen wurde und manchmal immer noch wird. • Gesteigerte Sensibilität gegenüber vermeintlichen rassistischen Bemerkungen und eine daraus erwachsende, sich steigernde Wut. • Nach einem langen Aufenthalt in Deutschland ein Fremder im eigenen Land und in der eigenen Kultur zu werden. Mechanismen… Jedes Mal, wenn ich einem anderen Migranten in Deutschland begegne, teilen wir uns unweigerlich unsere Erfahrungen mit, die positiven und die schmerzhaften. Ich bin vielen verbitterten Menschen begegnet, und ich bin froh, dass ich meine positiven Erfahrungen mit ihnen teilen konnte. Meine ersten beiden Jahre in Deutschland waren die schwierigsten. Ich lebte ein völlig anderes Leben als zu Hause. In Kenia liebte ich es, mit Freunden auszugehen oder sie einfach zu Hause zu empfangen. Ich war immer sozial eingebunden und pflegte Interessen jenseits von Arbeit und Freundschaften. Das Einzige, was ich hier weiterhin tat, war zu lesen. Ich war niedergeschlagen und verlor meine ganze Kreativität. Ich hörte auf, Gedichte zu schreiben, eine Beschäftigung, die ich sehr genieße. Ich hatte das unterstützende Netzwerk von Freunden zu Hause verloren und hier noch kein neues aufgebaut. Der Wendepunkt kam, als ich bei der Bewerbung um ein Stipendium beim Katholischen Akademischen Austauschdienst(KAAD), der jetzt mein Studium fördert, Bekanntschaft mit der Katholischen Hochschulgemeinde(KHG) machte. Durch sie sowie durch andere Aktivitäten während meines Magisterstudiums und meiner Promotion an der Uni Bonn kam ich in Kontakt mit dem Internationalen Frauenzentrum(IFZ) in Bonn, wo ich an verschiedenen Aktivitäten beteiligt bin, einschließlich der Präsentationen zum Thema„Frau13 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG en in Afrika“. Ich habe auch gute Freunde kennen gelernt, mit denen ich mich unterhalten kann und ins Kino gehe. Leben statt Überleben schlag folge ich noch immer. Mein anderer Ratschlag lautet: Alle Menschen sind gleich, egal welcher Hautfarbe und Herkunft. Behandle dich und die anderen mit Respekt, halte den Kopf hoch und lasse dich nicht durch Negatives von deinem Ziel abhalten. Mein Ratschlag an alle, die für einen längeren Aufenthalt nach Deutschland kommen ist, die Dinge, die ihnen zu Hause Freude machten, nicht zu vergessen. Die Dinge, die das Leben wirklich lebenswert machen. Mein allererster Freund in Deutschland riet mir:„Hör auf zu überleben und fang zu leben an“. Diesem RatSchlussfolgerung… Im Allgemeinen würde ich sagen, dass meine Zeit in Deutschland in jeder Hinsicht sehr fruchtbar war. Ich verfolge weiterhin meine Ziele und Träume und freue mich, neue Orte zu entdecken, wenn meine Zeit in Deutschland zu Ende ist. 14 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS Menschenrechte und Migration Internationale Abkommen zum Schutz von Migrantinnen Jillyanne Redpath Die Frage, die ich heute erörtern möchte, lautet, inwieweit internationale, Migration betreffende Rechtsabkommen auf die Bedürfnisse von Migrantinnen eingehen. Migrantinnen fallen oft unter die Kategorie von hochqualifizierten Arbeitskräften, oder sind in den niedriger qualifizierten Bereichen der Hauswirtschaft tätig, in denen nur geringe gesetzliche Grundlagen und Durchsetzungsmöglichkeit ihrer Rechte bestehen, und ihr Interessenschutz vom guten Willen ihres Arbeitgebers abhängt – vor allem wenn ihr Status ungeregelt ist. Für viele Frauen ist Migration eine erfolgreiche und ermächtigende Erfahrung. Doch die traurige Realität besteht für andere aus grausamer Ausbeutung und Missbrauch. Es wird oft festgestellt, dass Migrantinnen einer doppelten Verletzlichkeit ausgesetzt sind: sowohl als Migrantin als auch als Frau. Es gibt nicht ein einziges umfassendes internationales Abkommen, welches die Rechte von Migranten oder Migrantinnen regelt. Doch dies bedeutet nicht, dass sie nicht geschützt sind, in der Tat berühren alle elementaren Menschenrechtsabkommen die Bedürfnisse von Migrantinnen, insbesondere der Teil der Gesetze, der auf Frauen, Migranten und Arbeitskräfte anwendbar ist. Der offensichtlichste Anfangspunkt einer Debatte um Menschenrechte und Migrantinnen ist die Internationale Konvention zum Schutz der Menschenrechte von allen Wanderarbeitnehmern und ihren Familienmitgliedern(Migrant Workers Convention, MWC). Die MWC ist das umfassendste Menschenrechtsabkommen, das sich mit Migration befasst. Wie der Name bereits nahe legt, ist es sowohl auf Wanderarbeiter als auch auf ihre Familienmitglieder anwendbar, und behandelt den ganzen Migrationsprozess von der Abreise, der Überfahrt und dem Aufenthalt im Gastland bis hin zur Rückkehr. Wichtig ist ebenfalls, dass die MWC ausdrücklich sowohl für legale als auch für illegale Migranten gilt. Die MWC basiert auf Menschen„Die UN-Konvention über Rechte von Migrantenarbeiter ist zwar das umfassendste Rechtsinstrument für Migranten, aber es berücksichtigt nicht die Geschlechterfrage.“ Jillyanne Redpath rechten, die in den sechs anderen wesentlichen Menschenrechtsabkommen behandelt werden, und legt diese in einer auf die speziellen Bedürfnisse von Migranten ausgerichteten Art aus. Kurz gesagt, im Kontext von legalen als auch illegalen Wanderarbeitern, bekräftigt sie unter anderem nochmals den Grundsatz der Nicht-Diskriminierung und das Recht 15 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG der Achtung der kulturellen Identität, fordert in Bezug auf Lohn und Arbeitsbedingungen keine Schlechterstellung gegenüber den eigenen Staatsbürgern, sie sieht einen effektiven Schutz durch den Staat vor Gewalt und Erniedrigung vor, und betont den Anspruch von Migranten auf diplomatische Unterstützung. In Bezug auf Migranten mit legalem Status sieht sie unter anderem Gleichbehandlung mit Staatsbürgern am Arbeitsplatz vor, sowie Bildung und Schulungsmaßnahmen, medizinische Versorgung und soziale Dienste. Im Bezug auf Familien fordert sie, dass Staaten Maßnahmen treffen, die geeignet sind, um die Zusammenführung von Familien der ausländischen Arbeitnehmer zu erleichtern sowie ein Bleiberecht für Angehörige im Falle des Todes oder von Ehescheidungen. Somit antwortet sie auf eine Reihe der Herausforderungen, von denen wir im Laufe des Tages gehört haben, welchen Migrantinnen gegenüber stehen. Die MWC ist ein großer Fortschritt hinsichtlich des Schutzes von Wanderarbeitern und befasst sich mit einer Reihe ihrer Bedürfnisse. Es ist beachtenswert, dass die MWC die Anwendbarkeit aller Rechte sowohl auf Männer als auf Frauen vorsieht; sie spricht nicht gezielt geschlechterspezifische Bedürfnisse an. Jedoch kann man im Kontext mit den sechs verbleibenden wesentlichen Menschenrechtsabkommen herauslesen, dass viele dieser Bedürfnisse erwähnt sind. Die Abkommen mit der meisten Relevanz sind der Internationale Pakt über Bürgerliche und Politische Rechte sowie der Internationale Pakt über Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte, sowie die Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau. Der Zeitmangel erlaubt es lediglich, diese Rechte zu betonen, die unserer heutigen Diskussion am sachdienlichsten sind, aber es ist wichtig daran zu erinnern, dass die in den Menschenrechtsabkommen ausgedrückten Rechte für alle Menschen gelten, ob Staatsbürger oder Ausländer, Männer oder Frauen. Jedes dieser Instrumente beinhaltet Nicht-DiskriminierungsKlauseln auf den Grundlagen von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder anderer Einstellung, nationaler oder sozialer Herkunft, Besitz, Geburt oder anderem Status. Zusätzlich beinhalten diese Instrumente das Recht auf Freiheit von Sklaverei, Folter, inhumaner und erniedrigender Behandlung – Rechte, die im Zusammenhang mit Frauenhandel und Frauenschmuggel eine große Rolle für Migrantinnen spielen. Im Kontext des Arbeitsplatzes sind eine Reihe von Rechten relevant, miteingeschlossen die gleiche Entlohnung für Männer und Frauen bei gleicher Arbeit. Wenn man die Menschenrechtsabkommen zusammengenommen studiert, ist es offensichtlich, dass das internationale Recht hinreichend Schutz für Migrantinnen gewährleistet. Zum Schluss möchte ich das Zusatzprotokoll zur Vorbeugung, Abschaffung und der Bestrafung von Menschenhandel, insbesondere von Frauen und Kindern, hervorheben, das die UN Konvention gegen transnationales organisiertes Verbrechen ergänzt(das Protokoll). Wir haben alle von den Grausamkeiten gehört, denen viele Migrantinnen im Prozess des Menschenhandels ausgesetzt sind. Dieses Protokoll ist kein Menschenrechtsabkommen, aber es verlangt von Staaten eine Reihe von Maßnahmen, die indirekt die Rechte von Migrantinnen fördern. Zum Beispiel fordert es Staaten dazu auf, Menschenhandel und die Involvierung in diesen Prozess als Straftat zu behandeln sowie es eine Reihe von Maßnahmen anordnet, die zu ergreifen sind, um Menschenhandel vorzubeugen und zu bekämpfen, sowohl als unilaterale Maßnahme von Staaten als auch in Kooperation mit anderen. Im Zusammenhang mit Opferschutz fordert das Protokoll von Staaten,„in dem Ausmaß, das unter inländischem Recht möglich ist“, die Intimsphäre und die Identität des Individuums zu schützen, und in„entsprechenden Fällen“ Unterstützung in Gerichtsverfahren zu gewähren. Zusätzlich verlangt das Protokoll von Staaten,„Maßnahmen zu ergreifen“, um durch die Bereitstellung von geeigneter Unterbringung, medizinischer, psychologischer und materieller Hilfe sowie einem Arbeitsplatz, Bildungsund Ausbildungsmöglichkeiten für die physische, „Die Rechte zum Schutz der Migranten müssen besser bekannt sein und die internationalen Verpflichtungen müssen in nationales Gesetz umgewandelt werden.“ Jillyanne Redpath 16 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG FRAUEN WANDERN AUS seelische und soziale Genesung von Opfern zu sorgen. Während die Sprache bezüglich des Opferschutzes etwas mehrdeutig ist, ist die Freizeichnungsklausel von Artikel 14 eine Anmerkung wert, sie sieht vor, dass nichts aus dem Zusatzprotokoll zum Menschenhandel die Rechte, Verbindlichkeiten und Pflichten von Staaten unter internationalem Humanitätsgesetz, Menschenrechtsgesetz und in anwendbaren Fällen Flüchtlingsgesetz beeinträchtigen soll. Ein Überblick über internationale Abkommen zeigt, dass dort ein hinreichender Schutz der Rechte von Migrantinnen besteht. Die Herausforderung liegt in ihrer Umsetzung, besonders im Kontext von Migrantinnen in ordnungswidrigen Situationen. In der Tat ist die Wirkung internationaler Standards zum Schutz der Rechte von Migrantinnen nur so effektiv wie diese Normen in Gesetzgebung, Politik und Praxis auf nationaler Ebene Anwendung finden. Dies erfordert den politischen Willen dazu. Abschließend möchte ich ein paar Maßnamen empfehlen, welche von Staaten ergriffen werden können, um die Respektierung der Menschenrechte von Migrantinnen zu fördern. Obwohl nicht vollständig, können sie zur Stärkung der Position von Migrantinnen beitragen und sicherstellen, dass Migration eine positive Erfahrung für das Herkunftsland, den Zielort und die Migrantin selbst darstellt. • Zuallererst sollten relevante internationale Abkommen ratifiziert und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen in inländisches Recht aufgenommen werden. • Doch die Aufnahme allein ist nicht ausreichend. Es sollten Mechanismen in Gang gesetzt werden, die die Durchführung der Gesetzgebung sichern, unabhängige Kontrolle miteingeschlossen. • Die Rechte und Verpflichtungen von Migrantinnen sollten sowohl von denen, die inländisches Recht ausführen als auch von den Migrantinnen selbst gekannt werden. Dies erfordert die hinreichende Verbreitung von Wissen über diese Rechte und Verpflichtungen von Migrantinnen durch die Herkunftsals auch die Zielländer, sowie eine entsprechende Schulung für Amtspersonen. • Zwischenstaatliche Organisationen und die Zivilgesellschaft müssen eine Schlüsselrolle in der Arbeit mit Regierungen und Migrantinnen spielen, um den Schutz ihrer Rechte und die Respektierung ihrer Pflichten zu erreichen. • Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sammlung geschlechtsspezifischer Statistiken im Migrationzusammenhang, damit die Politik auf die Realität der Migrantinnen eingehen kann. Ebenso besteht Bedarf an„Gender Mainstreaming“ in die Migrationspolitik und verwandte Politikfelder. • Zum Abschluss – weltweite, regionale und bilaterale Kooperationsforen spielen eine Schlüsselrolle dabei, das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Migrantinnen und aufeinander abgestimmte Reaktionen von den Sender-, Durchgangs-, und Empfängerländern zu erhöhen. „Zwischenstaatliche Organisationen und die Zivilgesellschaft müssen eine Schlüsselrolle in der Arbeit mit Regierungen und Migrantinnen spielen, um den Schutz ihrer Rechte und die Respektierung ihrer Pflichten zu erreichen.“ Jillyanne Redpath 17 FRAUEN WANDERN AUS FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Podiumsdiskussion: Hilfe vor Ort und in Deutschland Strategien für eine geschlechtergerechte Entwicklungs- und Migrationspolitik Moderation: Sigrid Mangold-Wegner • Sprachtraining für Migrantinnen In Entsendeländern, wie etwa Sri Lanka, sollten bereits in der Schule englische Sprachkenntnisse vermittelt werden. Die Frauen sollten besser auf ihre Tätigkeit im Ausland vorbereitet werden. • Sprachförderung im Aufnahmeland Auch im Aufnahmeland muss eine Sprachförderung erfolgen. • Kontrolle der Rekrutierungsbüros Die Rekrutierungsbüros und Jobvermittler müssen von der Regierung besser überwacht und kontrolliert werden. • Besserer Schutz nach dem Auslandsaufenthalt Frauen sollten Wiedereingliederungsprogramme angeboten werden. • Größeres Engagement der Medien Die Medien sollen verstärkt über die Erfahrungen der Frauen im Ausland berichten. Gefahren und Chancen darstellen. • Stärkeres Engagement von Nichtregierungsorganisationen NGOs müssen sich verstärkt für die Rechte und den Schutz der Migrantinnen einsetzen. • Verbesserung der Nationalen Migrationspolitik Ausländer- und Asylpolitik muss im Sinne einer besseren Integration von Migrantinnen geändert werden. • Networking unter Migrantinnen ausbauen Zum Austausch von Erfahrungen, Weitergabe von Informationen usw. sollen Netzwerke ausgebaut werden. Lokale NGOs, die sich für die Rechte von Migrantinnen einsetzen, sollen verstärkt eingebunden werden. • Veränderung der Gesetzlichen Rahmenbedingungen Nicht nur die Aufnahmeländer, sondern auch die Regierungen in den Entsendeländer sowie NGOs müssen sich für die Rechte von Migrantinnen stark machen. • Öffentliche Diskussionen mit den Betroffenen Öffentliches Bewusstsein – etwa zum Problem der ‚Mutterlosen Gesellschaft‘ – soll geschaffen werden. • Mindestlohn, Arbeitsschutz, Implementierung der Gesetze Regierungen und NGOs müssen Druck ausüben, um zum Beispiel Mindestlohn und einen besseren Arbeitsschutz durchzusetzen. • Migrantinnen als Partner Migrantinnen sollten in den Aufnahmeländern als Partnerinnen und handelnde Akteurinnen betrachtet werden. • Unabhängige Aufenthaltsgenehmigung Frauen sollten eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, die unabhängig von ihren Ehemännern ist. Kinder sollten mitreisen dürfen. • Geschlechtsspezifische Statistiken Statistiken müssen den Geschlechteraspekt stärker berücksichtigen, es müssen Gender-Analysen erstellt werden. 18 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Kurzbiographien FRAUEN WANDERN AUS Dr. Petra Dannecker ist wissenschaftliche Assistentin an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld. Ihr Forschungsschwerpunkt ist Entwicklungssoziologie. Sie erstellte unter anderem eine Regionalanalyse zur Migration in Asien. Weitere Arbeitsbereiche sind die Geschlechterverhältnisse in den Ländern des Südens, Industrialisierungsprozesse und Migration. Sie habilitiert sich mit einem Projekt: „Die Entstehung von translokalen Räumen durch die„Feminisierung“ der Arbeit und Migration im Zuge von Globalisierungsprozessen“. Thuweba Diwani ist Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Assistentin an der Universität Bonn. Ihr Spezialgebiet ist die Agrarökologie. Die 33-jährige Kenianerin kam 1998 nach Deutschland. In Kenia besuchte sie die Egerton University, wo sie ihren Hochschulabschluss in Pflanzenkunde machte. Diwani versteht sich als „kultureller Übersetzer“ und hat schon in zahlreichen Vorträgen über die Frauen Afrikas sowie über die politische Situation ihres Landes berichtet. Jillyanne Redpath ist Juristin und Referentin für Rechtsfragen in der Abteilung„Internationales Migrationsrecht und Rechtsangelegenheiten“ der ‚International Organization for Migration‘(IOM) mit Sitz in Genf. Die Organisation gibt jährlich einen Bericht zur weltweiten Migration heraus und führt Hilfsprogramme für Migranten durch. IOM ist keine UN-Organisation, hat aber einen Beobachterstatus bei der UN-Vollversammlung und arbeitet sehr eng mit vielen UN-Organisationen zusammen. Ranjini Manuelpillai ist Mathematikerin und Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie arbeitet als Finanzberaterin der Stiftung ‚Agromart Outreach Foundation‘ in Sri Lanka mit Sitz in Colombo. Seit 15 Jahren arbeitet der Marie-Schlei-Verein mit Agromart zusammen und unterstützt Ausbildungsprojekte für Frauen im ländlichen Raum. Zudem ist die Sri Lankerin Vorstandsmitglied von ‚Agromart Microfinance‘, einer NGO, die Kleinkredite an Frauen vergibt. Von 1995-2000 war Manuelpillai stellvertretende Generaldirektorin der ‚Bank of Ceylon‘ in Colombo. 19 www.fes.de Die Friedrich-Ebert-Stiftung als 1925 gegründete älteste politische Stiftung in Deutschland ist eine private und gemeinnützige Institution, die den Ideen der sozialen Demokratie verpflichtet ist. Sie trägt den Namen des ersten demokratisch gewählten deutschen Staatspräsidenten, Friedrich Ebert, und führt sein Vermächtnis der politischen Gestaltung von Freiheit, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit fort. Diesem Auftrag entspricht die Stiftung im In- und Ausland mit ihren Programmen zur politischen Bildung, internationalen Zusammenarbeit sowie zu Studienförderung und Forschung. ISBN 3-89892-513-7