Abteilung Arbeit und Sozialpolitik Expertisen zur Frauenforschung Mutter- Vater- Kinder- Los Eine Analyse des Geburtenrückgangs aus der Geschlechterperspektive Barbara Stiegler Abteilung Arbeit und Sozialpolitik Expertisen zur Frauenforschung Mutter- Vater- Kinder- Los Eine Analyse des Geburtenrückgangs aus der Geschlechterperspektive Barbara Stiegler ISBN: 3-89892-470-X Herausgegeben vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungsund Beratungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung Abt. Arbeit und Sozialpolitik D – 53170 Bonn Umschlag: Pellens Kommunikationsdesign Druck: bub – Bonner Universitäts-Buchdruckerei Juni 2006 Inhalt 1. Problemstellung........................................................................................................... 5 2. Ein Analyseraster für die Geschlechterperspektive................................................... 7 3. Empirische Befunde zum Geburtenrückgang unter einer kritischen Geschlechterperspektive........................................................................................... 11 3.1 Die amtliche Statistik polarisiert: Geburten sind Frauensache......................................... 11 3.2 Kinderlosigkeit: Statistische Geschlechterdifferenzen zwischen Männern und Frauen... 12 4. Kinderlosigkeit als Ergebnis von Doing Gender Prozessen.................................... 14 4.1 Dualisierung der Geschlechter oder Vielfältigkeit........................................................... 15 4.2 Polarisierung der Geschlechter oder Komplexität........................................................... 17 4.3 Hierarchisierung der Geschlechter oder Egalisierung...................................................... 18 5. Familienpolitische Maßnahmen und Doing Gender Prozesse in der Zukunft....... 19 5.1 Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten von der Steuer und die Förderung................. haushaltsnaher Dienstleistungen................................................................................... 20 5.2 Ausbau und Verbilligung öffentlicher Betreuungsangebote........................................... 21 5.3 Elterngeld mit Lohnersatzfunktion................................................................................ 21 5.4 Die Förderung familienfreundlicher Maßnahmen in Betrieben und Verwaltungen.......... 22 6. Geschlechterpolitische Strategien gegen Kinderlosigkeit...................................... 23 6.1 Strategien gegen die Dualisierung der Geschlechter...................................................... 24 6.2 Strategien gegen die Polarisierung der Geschlechter..................................................... 25 6.3 Strategien gegen die Hierarchisierung der Geschlechter................................................ 26 Literatur 1. Problemstellung Der Geburtenrückgang in Deutschland wird seit geraumer Zeit in Politik und Medien problematisiert und zum Teil skandalisiert. Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern gilt als beschämend: Deutschland liegt mit der Geburtenziffer von 1,34 unter dem europäischen Durchschnitt und nur durch die Erweiterung der europäischen Gemeinschaft durch die osteuropäischen Länder gibt es neben Griechenland, Italien und Spanien noch Länder, die eine niedrigere Geburtenrate haben. Die meisten westlichen Länder haben eine höhere Geburtenrate als Deutschland(EUROSTAT 13/2004: 5). Die einen zeichnen ein düsteres Bild der gesellschaftlichen Entwicklung, sehen die Deutschen als aussterbendes Volk und konstatieren einen schrankenlosen Individualismus. Frank Schirrmacher (2006) sieht die Deutschen in einem„demographischen Ausnahmezustand“ und er prognostiziert das Aussterben des Familiensinns. Neben der Klage über die drohende Schrumpfung der Bevölkerung und die Vereinzelung der zukünftig lebenden Bürgerinnen und Bürger wird auch die Veränderung der Bevölkerungsstruktur, also das Verhältnis von Jungen zu Alten, problematisiert. Infragegestellt wird die Stabilität der Alterssicherungssysteme. Es werden Schreckensmeldungen verbreitet, nach denen im Jahre 2050 nur noch zwei junge, erwerbsfähige Menschen einem/-r alten Rentenbezieher/-in gegenüberstehen. Und die Schrumpfung des Erwerbspersonenpotenzials wird als Bedrohung für die wirtschaftliche Leistung der Bundesrepublik Deutschland interpretiert. Demgegenüber gibt es aber auch entdramatisierende Stimmen, die darauf hinweisen, dass der demographische Wandel schon seit langem stattgefunden hat und sich insbesondere das Verhältnis von Jung zu Alt in der Vergangenheit weit dramatischer entwickelt hat, als es für die Zukunft zu erwarten ist(ver.di 2004). Belege dafür liegen in der Tatsache, dass die Anzahl der Personen, die auf eine Person über 65 Jahren kam, in der Vergangenheit noch viel dramatischer gesunken ist: Im Zeitraum von 1900 bis 1950 ist sie von 12,4 auf 6,9 gesunken, im Zeitraum von 1950 bis 2000 ist sie von 6,9 auf 4,1 gesunken und in den Prognosen wird sie im Zeitraum von 2000 bis 2050 von 4,1 auf 2 sinken. Dennoch ist der Lebensstandard im letzten Jahrhundert deutlich gestiegen und der Sozialstaat konnte sogar ausgebaut werden, was besonders auch den älteren Menschen zugute kam. Das Starren auf die Relationen von Jung zu Alt ist also insofern viel zu einseitig, weil es entscheidende volkswirtschaftliche Variablen außen vor lässt. Wenn man das Ausmaß der Erwerbstätigkeit und den Produktivitätsfortschritt mit berücksichtigt, ist die Versorgung im Alter ein weitaus geringeres Problem, selbst wenn die Sozialversicherungssysteme nicht umgebaut werden. Butterwegge(2003) verweist darauf, dass es eine Demographisierung sozialer Probleme gäbe und meint damit, dass nicht der Geburtenrückgang selbst, sondern die nationalen und globalen Formen sozialer Ungleichheit und Armut als Problem erkannt werden müssen. Die Schieflage in der Einkommens- und Vermögensver teilung führe dazu, dass für viele die Erziehung von Kindern ein Armutsrisiko ist, das sie gar nicht mehr eingehen können. Dass die Geburt eines Kindes auch etwas mit den Geschlechtern und der Geschlechterordnung zu tun hat, wird vor allem in den Lösungen, die zur Zeit diskutiert werden, deutlich. Die Autorinnen und Autoren wie Frank Schirrmacher und Eva Herrmann haben die„Schuldigen“ am Geburtenrückgang ausgemacht: die Frauen. Ihre Emanzipation(Hermann 2006) führe sie von ihrer eigentlichen Bestimmung als Mutter weg. Kinderlosigkeit wird als Irrweg für Frauen gesehen. Auch Schirrmacher plädiert für eine konservative Definition vor allem des Mutterseins. Aus den bio logischen Voraussetzungen der Zeugungsfähigkeit eines Mannes und der Gebärfähigkeit einer Frau wird eine natürliche Ordnung der Geschlechter abgeleitet, die die Definition von Muttersein und Vatersein bestimmt. Die Kernthese dieser Expertise lautet: Der Geburtenrückgang steht in enger Beziehung zur herrschenden Geschlechterordnung. Allerdings wird ein Lösungsansatz gerade nicht im Festhalten an traditionellen Geschlechtervorstellungen und ihnen entsprechenden Regeln und Mechanismen gesehen, sondern vielmehr in deren Überwindung. Dabei wird nicht der Anspruch erhoben, eine erschöpfende Antwort auf die Frage zu finden, warum Frauen und Männer in Deutschland immer weniger Kinder bekommen. Die Entscheidung zu einem Kind ist in der Regel ein hochkomplexer und von vielen Faktoren abhängiger, intimer Prozess und die Frauen und die Männer sind in höchst unterschiedlichen Lebenslagen, wenn sie sie zu treffen haben. Die hier vorgelegte Genderanalyse des Problems soll jedoch zeigen, dass eine Geschlechterperspektive zu veränderten Problemformulierungen, aber auch zu neuen Lösungen führt. Zunächst wird ein Analyseraster vorgestellt, das zwischen traditionellen und alternativen Geschlechterkonstrukten sowie darauf aufbauenden Sichtweisen auf Familie unterscheidet. Die Genderanalyse entspricht einer so genannten Mitgliederorientierung in der Betrachtung der Familie, es geht also um die einzelnen Geschlechtergruppen: Männer und Väter, Frauen und Mütter. Damit steht sie im Kontrast zu einem Ansatz, dem es um die Institution Ehe oder Familie geht. Im Anschluss daran werden auf dem Hintergrund dieses Rasters empirische Befunde über die Kinderlosigkeit analysiert. Eine Genderanalyse untersucht darüber hinaus, wie Strukturen und Mechanismen, die politisch gestaltet werden, die Geschlechterordnung schaffen, an der die Geburtenfrage mit entschieden wird. Deshalb stehen im nächsten Schritt Regelungen, strukturelle Rahmenbedingungen, Leitbilder und Normen, unter denen Männer und Frauen leben, im Vordergrund. Es wird also analysiert, wie das „Gender Doing“ bisher erfolgte. Gender Doing bezeichnet den Prozess, in dem geschlechtsspezifische Lebenssituationen entstehen. Danach werden aktuelle familienpolitische Maßnahmen auf der Basis des Analyserasters diskutiert und gefragt, in welche Richtung die geplanten Maßnahmen Lebenslagen nach bestimmten Geschlechterkonstrukten beeinflussen. Im letzten Kapitel werden Perspektiven entwickelt, die zu einer Abnahme der Kinderlosigkeit führen können, soweit sie in der beschriebenen Geschlechterordnung begründet ist. 2. Ein Analyseraster für die Geschlechterperspektive Eine Analyse und Bewertung des Geburtenrückgangs und der damit verbundenen Probleme basiert auf bestimmten Vorstellungen von Geschlecht bzw. von Familie. Im Folgenden wird dargelegt, welche Definitionen von Geschlecht bzw. Familie sich auf dem Hintergrund des Standes in der Frauenund Geschlechterforschung unterscheiden lassen(vgl. Stiegler 2004). 2.1. Es gibt verschiedene Dimensionen von Geschlecht: Sex – Desire – Gender Dimensionen von Geschlecht Sex als biologisch definierte Merkmale des Körpers Desire als sexuelles Begehren, sexuelle Aktivitäten Gender bezeichnet die individuelle Praxis gegenüber gesellschaftlich gegebenen Regeln für Frauen und Männer; Erwartungen an Frauen und Männer; Positionen für Frauen und Männer; Identifikationsangebote für Frauen und Männer; bezeichnet die Beziehung zwischen den Geschlechtern und die Muster ihrer Regulierung sowie die institutionelle Verankerung dieser Regeln und die Struktur sozialer Praxis in Organisationen. Die empirisch festgestellten Differenzen zwischen männlichen und weiblichen Individuen, die die Basisdaten in Genderanalysen bilden, entstehen oft aufgrund der einfachen Unterscheidung nach den Körpermerkmalen(„sex“). Sie können aber nicht auf„sex“ zurückgeführt werden. Einfache Ableitungen„die Frauen sind eben so, und die Männer sind eben anders“ sind unzureichend. Die Differenzen, die anhand der körperlichen Differenz(„sex“) festgestellt werden, müssen vielmehr als Ergebnis eines bestimmten„gender“ interpretiert werden. Gender bezeichnet die Aspekte von Geschlecht, die sich als soziales, gesellschaftliches und kulturelles Konstrukt herausbilden. Dabei hat Gender zwei Seiten: Zum einen meint es das soziale Geschlecht, das ein Individuum hat und das als Antwort auf die kulturellen und gesellschaftlichen Mechanismen zu verstehen ist, denen ein Individuum aufgrund seiner Kategorisierung gemäß dem„sex“ unterliegt. Zum anderen meint Gender auch die geschlechterbezogenen Regeln und Mechanismen in Institutionen, die als geschlechtliche in der Regel nicht deklariert sind, die aber indirekt Gender konstruieren. Gender umfasst also auch das Gender Doing, das Institutionen und Organisationen durch ihren Output bewirken. Gender wirkt immer in Kombination mit anderen Merkmalen, die soziale Ungleichheit produzieren. Es differenziert die Gruppen, die über Alter, soziale Klasse und Milieu, Ethnie oder Gesundheit ge bildet werden, noch einmal: In jeder dieser Gruppen gibt es noch einmal eine besondere Ausgrenzung, Einengung oder Problematik – meist für das weibliche Geschlecht, – und eine Privilegierung, – meist für das männliche Geschlecht. Die Trennung von„sex“ und„desire“( Begehren) betont die Tatsache, dass mit den körperlichen Merkmalen noch keine Festlegung auf die Richtung des Begehrens verbunden ist. 2.2 Diese Dimensionen können traditionell und alternativ konstruiert werden. In der traditionellen Perspektive werden diese drei Dimensionen verstanden als l Dual: Es gibt nur 2 Geschlechter. l Polar: Männliches ist Weiblichem entgegengesetzt. l Hierarchisch: Männliches ist Weiblichem überlegen. Diese traditionelle Perspektive führt dann zu folgenden Annahmen über die Geschlechter: Dimensionen von Geschlecht gender desire Traditionelle Geschlechterkonstrukte dual Verhalten, Fähigkeiten und Positionen sind männlich oder weiblich konnotiert. Es gibt nur das Begehren von einem Mann zu einer Frau oder von einer Frau zu einem Mann. polar Typisch männlich ist genau das, was nicht typisch weiblich ist. Die Gegensätze der Geschlechter ziehen sich an. hierarchisch Männliches ist der allgemeine Maßstab, Weibliches die Abweichung. Männer dürfen über weibliche Sexualität verfügen. Sex Es gibt männlich oder Männlich konnotierte Männlich konnotierte weiblich konnotierte Körpermerkmale haben Körpermerkmale sind die Körpermerkmale, die eine den weiblich kon- Norm, weibliche die AbMann und Frau unter- notierten entgegenge- weichung. scheiden. setzte Struktur. Denkbare alternative Geschlechterkonstrukte sind demgegenüber in den Dimensionen Gender, Desire und Sex. l Vielfältig: Es gibt mehr als 2 Geschlechter. l Komplex: Männliches kann Weibliches durchwirken und umgekehrt. l Egalitär: Es gibt keine Über- oder Unterordnung. Diese alternative Perspektiven führen dann zu folgenden Annahmen über die Geschlechter: Dimensionen von Geschlecht Denkbare, alternative Geschlechterkonstrukte gender desire Sex vielfältig statt dual Es gibt Verhaltensweisen und Fähigkeiten sowie gesellschaftliche Positionen jenseits der Männer- und Frauenrolle. Begehren zwischen Personen ist unabhängig vom Geschlecht möglich. Jede Person hat sowohl männlich als auch weiblich konnotierte Körpermerkmale. Zwitter und Transsexualität gelten als normale Formen des Geschlechts. komplex statt polar Jede gesellschaftliche Position hat männliche und weibliche Elemente. Begehren kann im Verlauf des Lebens wechseln. Bisexualität ist normal. Männlich und weiblich konnotierte Körpermerkmale wirken im Zusammenhang miteinander. egalitär statt hierarchisch Männlich Konnotiertes ist weiblich Konnotiertem gleichwertig. Begehren zwischen Personen ist unabhängig vom Geschlecht gleichermaßen akzeptiert. Männlich und weiblich konnotierte Körpermerkmale sind gleichermaßen bedeutsam. Familie und Geschlechtervorstellungen Die verschiedenen Vorstellungen von Geschlecht, in der wissenschaftlichen Diskussion auch Konstruktionen genannt, haben nun, und das ist das Entscheidende, relevante Auswirkungen auf die Sichtweisen auf die Familie. Die folgenden Übersichten zeigen, welche Vorstellungen von Familie auf welchen Geschlechterkonstrukten basieren. Dimensionen von Geschlecht gender desire Sex Sichtweisen auf Familie gemäß den traditionellen Geschlechterkonstrukten dual polar hierarchisch Die Familie mit dem biologischen Vater und der biologischen Mutter ist einzig und allein für die Kinder zuständig. Familie besteht aus einem erwerbstätigen Familienernährer und einer privat arbeitenden Mutter. Mutter und Kinder sind vom Vater als dem Haupt der Familie abhängig. Familie basiert auf dem Begehren eines Mannes nach einer Frau, und zwar lebenslang. Der Mann ist der Begehrende, die Frau die Empfangende. Begehren des Mannes ist natürlich, die Frau ordnet sich ihm unter. Sexualisierte Gewalt in der Familie gilt als privates Problem. Für die Familie ist vor allem die körperliche Funktion des Gebärens (Mutterschaft) konstitutiv. Familie vereint die gegensätzlichen körperlichen Funktionen von Mann und Frau zu einem Kind. Die körperliche Funktion „Gebären“ begründet eine Abhängigkeit, die körperliche Funktion „Zeugen“ dagegen nicht. Legt man hingegen die alternativ möglichen Bestimmungen von Geschlecht zugrunde, kommt man zu völlig anderen Aussagen über die Familie. Dimensionen von Gschlecht gender desire Sex Sichtweisen auf Familie gemäß den alternativen Geschlechterkonstrukten vielfältig statt dual Die Verantwortung für die Kinder wird von vielen Personen und der Gesellschaft getragen. Jedes Familienmitglied kann auch bisexuell oder (phasenweise) homosexuell sein. Biologisch bestimmte Funktionen wie Zeugen und Gebären spielen für die Bildung einer Familie keine entscheidende Rolle. komplex statt polar Es gibt für jede(n) verschiedene Möglichkeiten, private Sorgearbeit und Erwerbsarbeit zu kombinieren. Gleichgeschlechtliche Lebensformen und Elternschaft sind normal und bilden eine Familie. Körperliche Funktionen wie Zeugen und Gebären sind genauso wichtig wie soziale Vaterschaft und Mutterschaft. egalitär statt hierarchisch Es gibt keine finanzielle oder emotionale Abhängigkeit über die Form der Arbeit. Qualität der Beziehung ist entscheidend. Keine Doppelmoral. Biologische Funktionen wie Zeugen und Gebären bringen gleichartige Anforderungen aufgrund der Elternschaft mit sich. 2.3 Geschlecht ist ein analytisches Kriterium zur Erfassung der Beziehungen zwischen geschlechtshomogenen Gruppen. Geschlecht findet sich nie als einzige Zuschreibung, sondern immer in Kombination mit anderen Merkmalen, wie Alter, Ethnie, sozioökonomischer Status oder Gesundheit. Um das Problem des Geburtenrückgangs zu erfassen, ist das Merkmal sozioökonomischer Status von besonderer Bedeutung. Dieses Merkmal betrifft nämlich die viel diskutierte Frage innerhalb der familienpolitischen Strategien nach der horizontalen oder vertikalen Gerechtigkeit. Herstellung von horizontaler Gerechtigkeit bedeutet, dass der Staat die Aufgabe hat, dafür zu sorgen, dass Männer und Frauen mit Kindern gegenüber Männern und Frauen ohne Kinder bei gleichem sozioökonomischen Status nicht benachteiligt werden. Vertikale Gerechtigkeit meint, dass der Staat dafür zu sorgen hat, dass allen Kindern, unabhängig von ihrer Herkunftsfamilie, gleiche Chancen gegeben werden. Bei der Kombination von sozioökonomischen Status und Gender geht es also um die Frage, ob die schon vorhandene Kluft zwischen armen Müttern und reichen Müttern und armen Vätern und reichen Vätern betrachtet wird oder ob diese Differenz innerhalb der Geschlechtergruppen keine Rolle spielt. Ebenso geraten die Lebenschance kleiner Mädchen/ Jungen aus Familien mit einem hohen sozioökonomischen Status und kleinen Mädchen/ Jungen aus Familien mit einem geringen sozioökonomischen Status ins Blickfeld. 2.4 Geschlecht ist ein analytisches Kriterium zur Erfassung von Doing-Gender. Strukturen und Regelungen sind an der Konstruktion von Gender beteiligt. Für die Problematik des Geburtenrückgangs bedeutet es, dass familienpolitische Regelungen und Strategien daraufhin überprüft werden können, in welcher Weise sie die Position als Mann und Frau bzw. Vater und Mutter beeinflussen. 10 3. Empirische Befunde zum Geburtenrückgang unter einer kritischen Geschlechterperspektive 3.1 Die amtliche Statistik polarisiert: Geburten sind Frauensache Informationen über den Geburtenrückgang beziehen sich sehr häufig auf die Erfassung der Ferti litätsrate von Frauen. Diese Ziffer gibt Auskunft über die Anzahl der Geburten bezogen auf 1000 Frauen im gebärfähigen Alter(15 bis 49 Jahre). Im Jahre 2003 betrug diese Geburtenziffer für Deutschland 1,34 Kinder pro Jahr, der Durchschnitt in Europa betrug 1,46. Eine vergleichbare Ziffer für Männer gibt es nicht. Fruchtbarkeit ist offenbar kein Maßstab, mit dem Männer gemessen werden können. Die Tatsache, dass der Mann zeugungs- und die Frau gebärfähig ist, spiegelt sich nicht gleichermaßen in der Statistik wider. Die Geburt eines Kindes durch eine Frau steht im Mittelpunkt, die Beteiligung des Mannes wird vernachlässigt. Der Körper, der gebärt, wird aus dem sozialen Kontext herausgenommen und zur Naturtatsache und biologischen Konstante erklärt, die Verknüpfung von Weiblichkeit und Natur wird verstärkt. Die alleinige Betrachtung des Gebärens übersieht die Zeugung und sie erweckt den Eindruck, dass der Körper der Frau eine natürliche Gegebenheit, ein so genanntes vor-soziales Gebilde ist, die letzte Bastion, an der die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen nicht vorbeikommt. Die Vaterschaft, aber auch Nichtbiologisches, wie soziale Mutterschaft, wird dadurch ausgeblendet. Ein Lebensentwurf ohne Kind für Frauen erscheint unnatürlich. Die Geburtenstatistik weist auch eine Ehezentrierung auf, die auf dem traditionellen polaren und dualen Geschlechterkonstrukt(vgl. 2.2) basiert. Es werden nur die Geburtenfolgen der Kinder in einer bestehenden Ehe erfasst. Ein in einer zweiten Ehe geborenes Kind wird als erstes Kind erfasst, auch wenn es bereits die dritte Geburt für die Mutter oder den Vater ist. Bei der Erfassung außer-ehelicher Geburten wird nur der Familienstand der Mutter erhoben, der Familienstand des Vaters wird überhaupt nicht berücksichtigt. Zudem wurde es als peinlich bezeichnet und abgelehnt, im Rahmen der Mikrozensuserhebung eine direkte Frage nach allen leiblichen Kindern sowohl der Männer als auch der Frauen zu stellen. In dieser Form der Erfassung spiegelt sich die Annahme, dass Geburten eine Frauensache, im Rahmen einer Ehe stattfindend und darüber hinaus eine Privat sache sind. In der Ehezentrierung gründen auch weitere Verzerrungen durch die Mikrozensus-Erhebungen: Die Daten beziehen sich auf die im Haushalt lebenden ledigen Kinder zum Erhebungszeitpunkt. Damit werden also nicht nur diejenigen als kinderlos erfasst, die noch keine Kinder haben, sondern auch Frauen, deren Kinder nicht oder nicht mehr im Haushalt leben, etwa Kinder, die nach der Scheidung bei ihrem Vater wohnen. Kritisiert wurden diese Erhebungsmethoden erst in jüngster Zeit von der GFMK in ihrer Sitzung im Mai 2006(vgl. Beschlüsse der Frauen- und Gleichstellungsminister/innenkonferenz vom 18./19.5.06). Der Erfassung derer, die Kinder haben, entspricht auf der anderen Seite die Erfassung der Rate der Kinderlosen. Besondere Aufmerksamkeit wurde in den letzten Jahren der Kinderlosigkeit von gut ausgebildeten Frauen gewidmet. Erste Auswertungen des Mikrozensus kamen zu der Aussage, dass 40% der Akademikerinnen kinderlos bleiben, und diese Zahl erschreckte die Öffentlichkeit. Eine kritische Betrachtung der Hintergründe der Untersuchungen und der Einbezug von Daten aus dem sozioökonomischen Panel korrigiert diese Zahl jedoch erheblich, und zwar auf unter 30%(Schmitt, Wagner 2006). Der nun offenbar erbrachte Beweis der Überbewertung der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen darf aber nicht über die immer noch vorgenommene ausschließliche Orientierung der statistischen Erhebungen an Frauen hinwegtäuschen(vgl. Schmidt/ Winkelmann 2005, Dinklage 2005): Eine solche 11 Konzentration ist Teil des Problems und mit schwergewichtigen Konsequenzen verbunden: Solange die Väter auch in ihrer Unterschiedlichkeit nicht wahrgenommen werden, können sie auch nicht durch Maßnahmen und politische Steuerungen erreicht werden. Das Bemühen, den Geburtenrückgang zu stoppen, ist dann ineffizient, wenn es nur die eine Hälfte der Beteiligten im Auge hat. 3.2 Kinderlosigkeit: Statistische Geschlechterdifferenzen zwischen Männern und Frauen Wird also in der amtlichen Statistik weiterhin die Mutter im Zentrum der Erhebung stehen und damit der Assoziation Frau – Natur – Geburt Vorschub geleistet, so stellen sozialwissenschaftliche Erhebungen ein wenig öfter auch die Frage nach der Beteiligung von Männern und Vätern. Hier basieren die Studien aber auf erheblich kleineren Fallzahlen, was eine Generalisierung erschwert. Zunehmend ab dem Jahre 2000 finden sich repräsentative Befragungen, die explizit auf den Kin derwunsch, die Elternschaft und die Kinderlosigkeit von Männern zielen(Allensbach 2003, Forsa 2004). Eine erste quantitativ und qualitativ arbeitende Studie über Männerleben ist im Jahre 2005 fertiggestellt worden(Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2005). Empirische Untersuchungen, die gezielt nach einer Geschlechterdifferenz fragen, stehen in dem berechtigten Verdacht, die duale Geschlechterordnung zu zementieren statt sie abzubauen. Die Ergebnisse von Studien, die nach der Geschlechterdifferenz fragen, lassen sich aber auch als Effekte einer dualen, polaren und hierarchischen Geschlechterordnung lesen. Damit sind sie als Ergebnisse des Doing Gender der gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse zu verstehen. In diesem Sinn werden im Folgenden die Geschlechterdifferenzen skizziert und sie werden zeigen, dass es in der Realität für viele Männer andere Gründe gibt, warum sie(k)ein Kind haben als für viele Frauen. 3.2.1 Kinderwunsch und Erfahrung mit Kindern ist bei Männern geringer als bei Frauen Nach einer Studie des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung 2005 haben deutsche Männer den europaweitest niedrigsten Kinderwunsch. Sie wünschen im Schnitt nur 1,59 Kinder, bei den Frauen sind es immerhin 1,75. Andere Untersuchungen belegen, dass Männer in ihrem Kinderwunsch auch noch sehr unbestimmt sind. Der Anteil der Männer, die sich überhaupt keine Kinder wünschen, ist relativ hoch: 26,3% der Männer und 14,6% der Frauen schließen Kinder für ihr Leben aus. Lediglich 52% der kinderlosen 18- bis 44-jährigen Frauen und nur 34% der kinderlosen Männer dieser Altersgruppe sind sich sicher, dass sie bestimmt Kinder haben wollen. Auch der Trend zur späten Mutterschaft und Vaterschaft ist für die Kinderlosigkeit bedeutsam. Das Heiratsalter steigt und lag im Jahre 2003 bei Männern im Durchschnitt bei 32 Jahren, bei Frauen bei 29 Jahren. Das Alter der Mutter bei Geburt des ersten(ehelichen) Kindes liegt bei 29,4 Jahren, in den 1960er-Jahren lag dieses Durchschnittsalter bei 25 Jahren. Insbesondere im Westen ist der Verbleib junger Männer im Elternhaus über eine lange Zeitspanne zu beobachten. Sie ziehen später von zu Hause aus und wohnen in der anschließenden Lebensphase zu größeren Teilen als die Frauen alleine. Der lange Verbleib von jungen Männern im„Hotel Mama“ bewirkt, dass sie in dieser Lebensphase auch nicht gewollt Vater werden. 12 Eine Konsequenz ist, dass Männern weitaus mehr als Frauen die Erfahrung fehlt, mit Kindern zu leben. In der so genannten familienintensivsten Phase zwischen 35 und 45 Jahren leben 74% aller Frauen, aber nur 58% aller Männer in einem Haushalt mit mindestens einem Kind. Auch unter den Alleinerziehenden, die insgesamt 20% aller Eltern- und Kindgemeinschaften ausmachen, sind nur 15% Väter. Der Anteil der kinderlosen Männer an allen Männern ist höher als der Anteil der kinderlosen Frauen an allen Frauen(Winkelmann 2005). Die gesellschaftliche Akzeptanz von Kinderlosigkeit ist je nach Geschlecht verschieden: Kinderlosigkeit von Frauen wird seit kurzem angeprangert. Die in den letzten Jahren zu verzeichnenden Dramatisierungen der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen zeugte nicht von einer Akzeptanz dieser Entscheidung. Die Kinderlosigkeit von Männern ist eher unterbelichtet und unwichtig. Weder der„Mangel“ an traditionellen Partnerinnen für Männer mit höherem Einkommen noch der generelle Mangel an einer Partnerin bei den Männern der unteren Schichten wird problematisiert. Damit werden die Schwierigkeiten, die sich auch für Männer aus traditionellen Geschlechterkonstrukten ergeben, verdrängt. 3.2.2 Polarität zwischen Geschlechterrollen als Grund für Verzicht auf Kinder Ein wichtiger Aspekt der Geschlechterordnung wird in den Gründen für die Kinderlosigkeit deutlich: Die traditionelle Ernährerehe, also das konservative Konstrukt von Gender, wirkt als Hemmnis für viele Frauen, sich für eine Mutterschaft zu entscheiden. Dies zeigen die Gründe, die Frauen und Männer, die kinderlos bleiben wollen, angeben: Kinderlose Männer und Frauen unterscheiden sich im Hinblick darauf, ob sie gewollt kinderlos sind oder ob es„sich so ergeben hat“. Carl(2002) unterscheidet bei den gewollt kinderlosen Frauen noch einmal unter denen, die sich schon früh gegen ein Kind entscheiden und für die früh im Leben feststeht, dass sie nicht Mutter werden möchten. Die Spätentscheiderinnen wollen eigentlich Kinder, bekommen aber dann aus den verschiedensten Gründen real keine Kinder und sagen etwa ab dem Alter von 35 Nein zum Kind. Die Entscheidung für ein Kind scheint insbesondere für gut ausgebildete Frauen eine von besonders hohen Ansprüchen gekennzeichnete Entscheidung zu sein: Die Partnerschaft muss sicher sein, und es muss eine finanzielle und berufliche Klarheit herrschen. Eine dritte Gruppe, ebenfalls ein Drittel der von ihr untersuchten Frauen, bilden die Aufschieberinnen, diese Frauen wollen eigentlich ein Kind, aber im Grunde passt es nie und irgendwann ist es dann zu spät. Stark ausgeprägt bei allen diesen letztlich kinderlos bleibenden Frauen ist eine Orientierung an gleichberechtigten Geschlechterbeziehungen, an finanzieller Unabhängigkeit und beruflicher Orientierung, das sind Orientierungen, die zum tra ditionellen Mutterbild und zur Ernährerehe nicht passen. Die Normalbiographie von Frauen, die Kinder gebären, zeigt häufig einen Bruch in der beruflichen Entwicklung. Nur die Hälfte aller Mütter kommen aus der Elternzeit in die Erwerbsarbeit zurück. Studien belegen, dass die Partnerschaft leidet und viele Frauen auf das Hausfrauendasein zurückgeworfen werden, während der Partner sich verstärkt beruflich engagiert. Und die Rückkehrerinnen haben oft mit schlechteren Verdienstchancen zu rechnen und/oder gehen„freiwillig“ in Teilzeitbeschäftigung. All dies lehnen die kinderlos gebliebenen Frauen ab. Viele Kinderlose ohne Kinderwunsch sind mit ihrem Leben zufrieden und schätzen ihre persönliche Freiheit. Männer fürchten vor allen Dingen eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit durch ein 13 Kind, Frauen fürchten berufliche Probleme und sehen ihre berufliche Weiterentwicklung in Frage gestellt. Dieser Unterschied zwischen Männern und Frauen ist erheblich und verweist auf die konservative Geschlechterordnung: Männer gehen wie selbstverständlich davon aus, dass ihre weitere berufliche Entwicklung durch Kinder nicht eingeschränkt wird, sie fürchten allenfalls eine Minde rung von Freizeit und Freiheit in ihren Entscheidungen. Bei Frauen ist sehr eindeutig, dass sie befürchten, dass ein Kind ihrer beruflichen Entwicklung schaden könnte. Eine Untersuchung von Rupp(2005) belegt, dass Partnerinnen von konservativ denkenden Männern, die ihre Partnerin bei Mutter- und Vaterschaft in der Hausfrauenrolle wünschen, eher auf Kinder verzichten. Hier zeigt sich, wie traditionelle Erwartungen von Männern dazu führen, dass Frauen lieber auf Kinder verzichten. 44% der kinderlosen Frauen geben als Grund an, dass ihnen der richtige Partner fehlt: Männer, die keine Kinder wollen oder Männer, die die traditionellen Rollen von Frauen erwarten, sind für viele Frauen eben keine„richtigen“ Partner. Die Lebenslagen von kinderlosen Männern und Frauen, die über Faktoren wie Bildung oder Einkommen zu erfassen sind, zeigen erhebliche Unterschiede. Diese lassen sich auch über die traditionellen Vorstellungen von den Geschlechtern, insbesondere deren Polarisierung, erklären. Frauen mit einem höheren Schulabschluss haben eher keine Kinder und leben häufiger ledig oder partnerlos. Frauen mit niedrigerem Schulabschluss haben eher ein Kind und bekommen ihre Kinder auch früher als die gut ausgebildeten Frauen. Bei Männern ist der Zusammenhang genau umgekehrt, je höher das Bildungsniveau der Männer, desto eher haben sie Kinder und auch mehrere Kinder, je niedriger der Schulabschluss, desto eher haben sie kein Kind und bleiben auch dauerhaft kinderlos. Jeder zweite beruflich wenig qualifizierte Mann lebt in einem Haushalt ohne Kind. Interpretiert wird dieser Befund mit den schlechteren Chancen dieser Männer, eine Partnerin zu finden, da eine ver lässliche Übernahme der Ernährerrolle nicht gewährleistet ist. Männer leiden also gerade, wenn sie nicht gut ausgebildet sind, im besonderen Maße unter dem geschlechterhierarchischen Modell des Breadwinner. Gesterkamp(2005) sieht in der„Krise der Kerle“ ein Männerproletariat, das unqualifiziert, in relativer Armut und ohne Partnerin leben muss. Umgekehrt ist der Zusammenhang von Einkommen der Männer und Vaterschaft entsprechend: Je höher das eigene Netto-Einkommen ist, desto geringer ist die Kinderlosigkeit(BgA 2005). 4. Kinderlosigkeit als Ergebnis von Doing Gender Prozessen In diesem Kapitel werden die Regelungen, strukturellen Rahmenbedingungen, Leitbilder und Normen, unter denen Männer und Frauen leben, im Vordergrund stehen. Diese Faktoren bilden Gelegenheitsstrukturen und setzen Anreize, die zu einem bestimmten Verhalten führen können. Es wird danach gefragt, in welcher Weise sie die Lebenslagen nach bestimmten Geschlechterkonstrukten beeinflussen, wie sie die Geschlechterdifferenzen produzieren und reale Ungleichheiten und Hierar chien zwischen Männern und Frauen, aber auch zwischen Männern und zwischen Frauen herstellen. Traditionelle Geschlechtervorstellungen lassen sich als dual, polar und hierarchisiert beschreiben (vgl. 2.2). Daran anknüpfend soll nun der Frage nachgegangen werden, ob die oben beschriebenen Faktoren dazu beitragen, dass sich die Lebensverhältnisse von Menschen als potenziellen und realen Eltern dualisieren, polarisieren und hierarchisieren oder vervielfältigen, komplexer und egalitärer werden. 14 Unter Dualisierung wird in diesem Zusammenhang verstanden, dass ausschließlich die leibliche Mutter und der leibliche Vater für ein Kind zuständig sind, dass heterosexuelle Paare das universelle Modell sozialer Bindung sind und deren Kinder zur Privatsache gemacht werden und vollkommen in die Obhut der beiden Eltern, vornehmlich der Mutter, gegeben sind. Unter Polarisierung wird hier verstanden, dass insbesondere in Bezug auf die Arbeit, die mit einem Kind zusammenhängt, die Elternrollen sich auseinander bewegen und die Mutter für die unbezahlte direkte Sorgearbeit, der Vater für die bezahlte Arbeit zuständig ist. Unter Hierarchisierung wird verstanden, dass materielle, aber auch psychische Abhängigkeiten entstehen, wenn ein Kind geboren wird. 4.1 Dualisierung der Geschlechter oder Vielfältigkeit 4.1.1 Berufsstrukturen dualisieren Als eine Ursache für Kinderlosigkeit wird ein zu enges Zeitfenster für die Geburt eines Kindes bei beiden Geschlechtern angesehen(BMSFSJ 2006): Es stehen subjektiv für viele Männer und Frauen nur 5 bis 8 Jahre zur Verfügung, in denen sie sich für ein Kind entscheiden können, vorher halten sie sich für zu jung und nachher für zu alt. Auch Männer wollen in der Regel ab dem fünfzigsten Lebensjahr keine Kinder mehr, für Frauen ist die„biologische Zeituhr“ spätestens Mitte 40 abgelaufen. Die Erklärung des Geburtenrückganges allein mit dieser„Rush Hour“ des Lebens ist ungenügend (BMFSFJ 2005 c), denn sie vernachlässigt die Genderstruktur in Ausbildungssystemen und Berufssystemen(Krüger 2003): Solange Frauen in Ausbildungsgängen und Berufen verblieben, die mit der traditionellen Mutterrolle vereinbar schienen und ein Ausscheiden für die Kinderbetreuung üblich war und solange Männer in Ausbildungsgängen und Berufen blieben, die einen Ernährerlohn boten, gab es eine Passung von Personen und Strukturen. In den letzten Jahren hat sich jedoch das Bildungsniveau der Frauen noch einmal verbessert und ihre Einmündung in Berufe verändert. Sie besetzen nun auch zunehmend sogenannte Männerberufe und männlich dominierte Positionen. Die Anforderungen an Einsatz, Zeit und Flexibilität, denen die Frauen in diesen Berufen begegnen, haben sich jedoch nicht geändert und sind auf den Mann ohne sonstige Verpflichtungen abge stimmt. So widersprechen für immer mehr Frauen die beruflichen Strukturen einer Mutterschaft, denn ihnen fehlt in der Regel der Mann und Vater, der sich um das Kind/ die Kinder kümmert. Entsprechend bleiben Frauen in Führungspositionen deutlich häufiger kinderlos als Männer in Füh rungspositionen. Auch die jüngste Untersuchung von Frauen in Führungspositionen(BMFSFJ 2006) hat ergeben, dass die wenigsten von ihnen Mütter sind. Positionen, die nach dem Ernährermodell strukturiert sind und die eine Hausfrau und Mutter im Hintergrund voraussetzen, sind für Mütter nicht, für traditionell lebende Väter dagegen bestens geeignet. Ein Beleg für die Widersprüche zwischen der Struktur von Berufen und der Lebenswirklichkeit von Frauen bieten Untersuchungen zur Kinderlosigkeit nach Berufsfeldern. Johanna Schwenk(2006) kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahre 2003 67% aller Journalistinnen und 51% aller Journalisten kinderlos sind. In folgenden Berufsgruppen ist nach Lange(2004) der Anteil der Frauen ohne Kinder sehr hoch: l Promovierte Frauen in geisteswissenschaftlichen Berufen: 67,6% l Frauen in Unternehmensleitungen: 65,2% l Promovierte Lehrerinnen: 61,8% 15 Auch Männer und Frauen auf wissenschaftlichen Nachwuchspositionen sind überwiegend kinderlos(Auferkorte-Michaelis u.a. 2006): Drei Viertel der NachwuchswissenschaftlerInnen an nordrheinwestfälischen Universitäten sind kinderlos, wobei der Anteil der Kinderlosen bei den Wissenschaftlerinnen mit 78% noch höher ist als bei den Wissenschaftlern mit 70,7%. Dass die strukturellen Karrierebedingungen eine Rolle spielen, belegt das Ergebnis der Studie, nach dem die WissenschaftlerInnen mit unbefristeten Stellen eher Kinder haben als solche mit befristeten Stellen. 4.1.2 Nicht-elterliche Kinderbetreuung entschärft Dualisierung In Ländern mit einer höheren Geburtenrate sind Kinderbetreuungsangebote außerhalb der Elternschaft verbreitet. Betrachtet man die in Deutschland vorhandenen Regelungen zur Elternzeit, so stellt man fest, dass auch Vollzeitpflege- und Adoptiveltern in den Genuss der Elternzeit kommen. Das bedeutet, dass nicht nur die biologisch begründete Verwandtschaft, sondern auch eine gewollte Verantwortungsübernahme als Grundlage für die materielle Unterstützung von Kinderbetreuung anerkannt wird. In Großbritannien gibt es sogar ein gemeinschaftliches Recht mehrerer Erwachsener zur Sorge für Kinder. Statt der ausschließlichen Übertragung der Verantwortung an die leiblichen Eltern gibt es also eine vielfältige Verantwortungszuweisung. In Finnland gibt es beispielsweise für diejenigen, die an den kommunalen Betreuungseinrichtungen aus den verschiedensten Gründen nicht teilhaben, eine Beihilfe zur privaten Betreuung, die für Großmütter, Verwandte, aber auch für Tagesmütter bezahlt wird. Auch in Frankreich erstattet der Staat das Tagesmutterentgelt zum Teil. In den finanziellen Unterstützungssystemen sind diese anderen Personen und Orte genau benannt und bieten eine gesellschaftlich anerkannte Alternative zur Mutter-Kind-Betreuung unter drei Jahren. Das Leitbild einer solchen Mehrfachverantwortung ist das der elternreichen Kinder, ein Leitbild, das die Vielfalt anstelle der Dualisierung setzt. Dass es einen Zusammenhang zwischen dem Angebot an Kinderbetreuung und der Fertilität gibt, beweisen die Ergebnisse des DIW in Berlin: In den östlichen Bundesländern beeinflusst eine hohe Versorgung mit Plätzen im Kindergarten und Hortbereich den Übergang zum ersten Kind signifikant positiv, während dies in westlichen Bundesländern allein für die Verfügbarkeit informeller Betreuungsformen zutrifft(Hank u.a. 2003). Dieses Ergebnis ist auch so zu lesen, dass die potenzielle Übergabe von teilweiser Verantwortung für das Kind entweder an kommunale Einrichtungen oder an ein Netz aus Verwandten, Bekannten und auch Nachbarn die Möglichkeit für Männer und Frauen eröffnet, ein Kind zu bekommen. Die Verherrlichung der Kleinfamilie schwächt demgegenüber den Kinderwunsch, denn die Verantwortung, die dann hauptsächlich auf der Mutter lastet, ist für viele zu groß. Auch ein Vergleich von Westdeutschland und Ostdeutschland belegt diese These: Wenn auch die Geburtenrate im Osten nicht höher ist als im Westen, so ist es doch der Kinderwunsch: Westdeutsche Frauen wünschen sich zu 16,6% keine Kinder, in Ostdeutschland sind es nur 5,8%. Auch bei ostdeutschen Männern ist der Kinderwunsch höher als bei westdeutschen Männern. Männer und Frauen in Ostdeutschland entsprechen häufiger als Männer und Frauen im Westen nicht dem traditionellen Geschlechtermodell: Die Bedeutung der Ehe ist geringer, Paare leben häufiger unverheiratet zusammen und haben als Unverheiratete Kinder(Ost: 4,4% aller Paare; West: 1,8%). Nicht-eheliche Geburten sind gegenüber den ehelichen sogar in der Überzahl. 16 Ostdeutsche Frauen sind häufiger alleinerziehend als westdeutsche(7,5% zu 5,8%). Während 15% der 30- bis 34-jährigen Männer im Osten in einer Lebensgemeinschaft unverheiratet mit Kind leben, sind es im Westen nur 4%. Auch ist die gesellschaftliche Verantwortung für die Kleinkinderziehung mehr akzeptiert als im Westen. Eine andere Abweichung von der heterosexuellen Paarzuständigkeit von Vater und Mutter für das Kind ist die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft bzw. die Regenbogenfamilie. In ihr leben homosexuelle Eltern mit Kindern zusammen. Sie unterliegen einer typischen Form der Diskriminierung, nämlich dem Verschweigen und Unsichtbarmachen. Es gibt bis heute keine gesicherten Daten über die Anzahl von Regenbogenfamilien, die Angaben schwanken zwischen 700.000 Paaren und 47.000 Paaren(Wegener 2005). Nach dem Mikrozensus leben in jeder achten gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft Kinder, die überwiegend aus früheren heterosexuellen Beziehungen stammen. Auch diese Kinder sind von der Dualisierung der Geschlechter in der Dimension„Desire“ betroffen, gelten ihre Familien doch eher als randständig und unnormal. Die Anerkennung sozialer Elternschaften, jenseits von Ländergrenzen, sexueller Orientierung, auch jenseits der Ehe ist ein Schritt gegen die Dualisierung der Geschlechter und könnte sich im Sorgerecht, in der finanziellen Absicherung, in steuerlichen Vergünstigungen und im Adoptions- und Erbschaftsrecht niederschlagen. Ein Zulassen der Vielfalt von Verantwortlichkeiten für Kinder wird den Wunsch zu Kindern eher verstärken als vermindern. 4.2 Polarisierung der Geschlechter oder Komplexität Welche Faktoren führen nun zu einer Polarisierung von Vätern und Müttern in Bezug auf Arbeit? Am extremsten polarisieren die soziokulturellen Leitbilder der Ernährer- und der Mutterrolle: Sie sehen nämlich vor, dass spätestens dann, wenn ein Kind vorhanden ist, der Vater für die finanzielle Sicherung von Mutter und Kind sowie die eigene zuständig ist, während die Mutter für die gesamte Haus- und Sorgearbeit, für das Kind, den Vater und für sich zuständig wird. Der vor allem in Westdeutschland immer noch verbreitete Mutter-Mythos(Vinken 2001), gekennzeichnet durch Dauerpräsenz, Symbiose mit dem Kind, Selbstaufopferung und Rückzug aus der Öffentlichkeit, polarisiert die Geschlechter extrem. Auch die neuere Formulierung der„Vollzeit-Eltern“, in der Regel VollzeitMüttern, bedeutet nicht viel anderes. Diese kulturellen Leitbilder polarisieren sowohl im Hinblick auf die finanzielle Selbstständigkeit, den sozialen Raum, in dem Mann oder Frau sich bewegen, aber auch im Hinblick auf die Beziehungsnähe zum Kind. Am deutlichsten werden die Schranken, die diese kulturellen Leitbilder noch aufbauen, wenn Paare versuchen, gegen diese Leitbilder zu leben(Rühling u.a. 2004). Das Leben der hier untersuchten jungen Paare, die dem traditionellen Leitbild nicht entsprechen wollen, zeigt sehr deutlich die kulturellen Einlassungen des polarisierten Geschlechtermodells in Unternehmenskulturen, Zeitarrangements und infrastrukturelle Angebote. Die Unternehmenskultur wird als männlich geprägt charakterisiert, wenn die Leitbilder dem volltags zur Verfügung stehenden, flexibel in Ort und Zeit einsetzbaren Mann entsprechen. Die Anwe senheitspflichten, die Mentalität, dass man nur bei Vollzeitarbeit voll engagiert sein kann, und die Anforderungen an die Flexibilität können von einem Vater, der sich um sein kleines Kind kümmern möchte, nicht erfüllt werden. So kommt es dann vielfach zu der Polarisierung, dass Männer, wenn sie Väter geworden sind, mehr Stunden arbeiten, als sie gearbeitet haben, als sie noch nicht Vater 17 waren, während den Müttern nach der Elternzeit Aufhebungsverträge angeboten werden, die sie mit einer finanziellen Entschädigung für den Erwerbsarbeitsplatz überhaupt abfinden sollen. Polarisierend wirkt es auch, wenn die Vereinbarkeitsfrage immer nur als Frage und Problem der Mütter angesehen wird. Das führt dazu, dass Frauen als Mütter„alles unter einen Hut bringen müssen“, was mit zunehmender Kinderzahl immer schwieriger wird, so dass nur noch 15% aller Frauen, die 3 und mehr Kinder haben, volltags erwerbstätig sein können. Wenn sich gegenwärtig die Hälfte aller jungen Mütter mit Kindern unter drei Jahren unfreiwillig vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen fühlen und sich 2/3 von ihnen eine Teilzeitbeschäftigung wünschen, so zeigt es, dass sie „unfreiwillig“ polarisiert werden. Noch ist die Klage der Väter über ihre spezifische Form der Betrof fenheit von der Polarisierung nicht sehr hörbar, wenn auch die so genannte Familienorientierung jüngerer Männer zuzunehmen scheint. Veränderungen in den Unternehmenskulturen, Zeitmanagements sind bislang aber sehr rudimentär. 4.3 Hierarchisierung der Geschlechter oder Egalisierung Die Hierarchisierung im Geschlechterverhältnis bei Elternschaft bedeutet, dass sich Vater oder Mutter voneinander finanziell abhängig machen, Unterhaltsansprüche aneinander haben und die so ziale Sicherung in Krankheit und Alter durch abgeleitete Rechte erwerben. Die alte Regelung des Erziehungsurlaubs, insbesondere die Dauer von drei Jahren, hat zu einer Re-Traditionalisierung der hierarchischen Geschlechterverhältnisse geführt und die Frage des Nachwuchses zu einer Frage für den weiblichen Lebenslauf gemacht. Die Veränderungen dieses Gesetzes im Jahre 2001 brachten Flexibilisierungen, die die Hierarchisierung ein wenig zurücknehmen. Die zeitliche Entzerrung folgt einem Modell der Doppelversorger, bleibt aber weiterhin mit hohen finanziellen Verlusten verknüpft. Die Teilzeitoption fördert Kontinuität der Erwerbsarbeit und damit eine Ent-Hierarchisierung, lässt sich jedoch nur dann nutzen, wenn anderweitige Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und die finanzielle Basis ausreicht. Dem gegenüber sind das Ehegattensplitting und die abgeleiteten Rechte des/der nicht-erwerbstätigen Partners/Partnerin in den Sozialversicherungen Regelungen, die die Hierarchisierung im Geschlechterverhältnis stützt. Steuerlich werden diejenigen am meisten begünstigt, die eine Abhängigkeit von Unterhalt und abgeleitete Versorgungsansprüche in Kauf nehmen. Die mangelhafte Passung rechtlicher Regelungen und struktureller Angebote ist ein weiteres hierarchisierendes Moment: Es fehlen lückenlose Übergänge, zum Beispiel vom Erziehungsurlaub in Kinderbetreuungseinrichtungen, und ganz besonders fehlt es an Kinderbetreuung in der Schulzeit. Immer wieder muss die fehlende öffentliche Betreuung durch private Arbeit ausgeglichen werden. Die Lücken, die Öffnungszeiten oder die mangelnde Übermittagsbetreuung in Schulen lassen, müssen von den Eltern gefüllt werden, und sie setzen einen Zwang zur privaten Organisation der Betreuung. Gleichzeitig werden prekäre Arbeitsverhältnisse unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze unterstützt, eine Ausdehnung von Mini-Jobs und Ich-AGs wird staatlich gefördert. Damit vermehren sich Arbeitsformen, die eine finanzielle Absicherung durch eine zweite Person voraussetzen. Sie sind gerade für Mütter nicht ideal, da sie ihre Abhängigkeit vom Partner und die Hierarchisierung im Geschlechterverhältnis verstärken und keine gleichberechtigte Existenzsicherung für beide Partner ermöglichen. 18 5. Familienpolitische Maßnahmen und Doing Gender Prozesse in der Zukunft Der beobachtbare Geburtenrückgang ist, so wurde im letzten Kapitel gezeigt, auch auf dem Hintergrund von Doing Gender Prozessen der verschiedenen politischen Maßnahmen, geschaffenen Strukturen, aber auch normativen Orientierungen zu begreifen. Nun soll der Frage nachgegangen werden, ob und wenn ja, in welcher Weise die zur Zeit geplanten familienpolitischen Strategien Veränderungen in der Geschlechterordnung bewirken werden. Familienpolitische Maßnahmen dienen nicht etwa direkt nur der Förderung von Geburten, sie sollen jedoch immer einen Anreiz für das Leben mit Kindern setzen. Das Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung kommt in einer Analyse der unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas(Kröhnert 2005) zu dem Ergebnis:„Insgesamt lässt sich sagen, dass die Kinderzahlen dort hoch liegen, wo nicht nur die Frauen emanzipiert sind, sondern die ganze Gesellschaft es ist. Wo nämlich die Berufstätigkeit von Frauen akzeptiert wird, wo sich auch Väter um Kleinkinder kümmern, wo Beziehungen ohne Trauschein und außereheliche Kinder als normal gelten.“(S.289). Damit wird deutlich, dass gesellschaftliche Strukturen, Leitbilder und Familienbegriffe auf der einen Seite das Leben als Mann oder Frau prägen, andererseits aber einen Bezug zur Kinderzahl haben. In den Ländern, in denen Leitbilder gelebt werden, die von der Egalität von Mann und Frau ausgehen, und das bezieht sich auf die Berufstätigkeit von Frauen und die Betreuungsverpflichtungen für Kleinkinder für Väter, dort wo andere Familienformen zugelassen sind, also die Ehe nicht zur Grundvoraussetzung gemacht wird und wo die nicht-ehelichen Beziehungen und so genannte außereheliche Kinder normal sind, wird offenbar die Entscheidung, Kinder zu bekommen, für Männer und Frauen erleichtert. Hinzu kommt die Beobachtung, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Anteil unter 3-jähriger Kinder, die Betreuungseinrichtungen besuchen, und der Zahl der Kinder je Frau gibt(Kröhnert u.a. 2006). Mit diesen Erkenntnissen sind die wesentlichen Kriterien beschrieben, unter denen im Folgenden die neuen familienpolitischen Maßnahmen untersucht werden sollen. 1. Verstärken sie einen engen Familienbegriff und damit die Dualisierung der Geschlechterrollen im Hinblick auf die Fürsorge für die Kinder oder basieren sie auf einem erweiterten Begriff, der Netzwerke, Wahl-Verwandtschaften, temporäre Verbindlichkeiten gegenüber Betreuungsbedürftigen einbezieht, und insbesondere die gesellschaftliche Verantwortung für die Entwicklung der Kinder betont? 2. Verstärken sie die Polarisierung in den Elternrollen, verstärken sie also das Breadwinner-Modell bzw. das weibliche Zuverdiener-Modell oder betonen sie die Egalität der Elternrollen: Fördern sie eine neue Verantwortung für den Vater, der sowohl ein erfolgreicher Mann als auch ein liebevoller Vater sein kann und haben sie auf der anderen Seite eine neue Selbstverständlichkeit für die Mutter, erwerbstätig zu sein und kleine Kinder zu haben. Werden neue Geschlechterbilder unterstützt, statt der polaren Vater- und Mutterdefinition komplexe Formen von Vater- und Mutterschaft, aber auch komplexe Formen der Kombination zwischen Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit für Männer und für Frauen? 3. Verstärken sie die Hierarchie zwischen den Geschlechtern, indem sie ökonomische und psychische Abhängigkeiten im Fall von Vaterschaft oder Mutterschaft vorsehen? 19 4. Verstärken die Maßnahmen die sozioökonomische Kluft zwischen Frauen der oberen Schichten und der unteren Schichten und zwischen Männern der oberen Schichten und der unteren Schichten, zwischen Vätern der oberen Schichten und Vätern der unteren Schichten und zwischen Müttern der oberen Schichten und Müttern der unteren Schichten oder tragen die Maßnahmen dazu bei, dass auch die sozioökonomische Kluft innerhalb der Geschlechtergruppen verringert wird. Gibt es eine Perspektive der Umverteilung zwischen den Männern und Frauen in den sozioökonomischen Schichten im Hinblick auf Egalisierung? Die Diskussion verschiedener familienpolitischer Maßnahmen wie Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten, Ausbau öffentlicher Betreuungsangebote, Elterngeld und familienfreundliche Maßnahmen in Betrieben wird zeigen, dass die Maßnahmen in sich recht unterschiedliche Wirkungen haben. Es bleibt der politischen Debatte und Entscheidung überlassen, welche Wirkungen im einzelnen am meisten erwünscht sind. 5.1 Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten von der Steuer und die Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen Diese Strategie entspricht einem weiteren Familienbegriff, weil die Kinderbetreuungskosten Kosten sind, die durch Betreuungs- und Erziehungsarbeit von anderen als von der Mutter oder dem Vater entstehen. Hiermit wird eingeräumt, dass die Väter und Mütter entweder gesellschaftlich organisierte Infrastruktureinrichtungen oder aber haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Bei der Frage nach dem Umverteilungseffekt sieht es jedoch so aus, dass die Steuervergünstigungen nur von denen in Anspruch genommen werden können, die überhaupt Steuern bezahlen. Ein Drittel aller Väter und Mütter zahlen jedoch keine Steuern, sind also weder betroffen noch begünstigt. Eine solche Transferleistung schafft also nicht die Kluft innerhalb der sozioökonomischen Geschlechtergruppen ab. Andererseits besteht die Hoffnung, dass mit der Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen auch wiederum Menschen in Arbeit kommen und ein neuer Markt geschaffen wird. Das DIW(2006) kommt in einer Analyse jedoch zu dem Ergebnis, dass die steuerliche Absetzbarkeit keinen nennenswerten Arbeitsmarkteffekt haben wird: Nicht-qualifizierte Langzeitarbeitslose werden diese haushaltsnahen Dienstleistungen kaum anbieten können, weil die Bedarfe der Haushalte nicht dem qualitativen Angebot dieser nicht-qualifizierten Langzeitarbeits losen entsprechen. Darüber hinaus sind die Bedarfe der Haushalte auch quantitativ nicht so, dass jemand dort ganztägig arbeiten kann. Das DIW verspricht sich deswegen mehr von Dienstleistungspools, die festangestellte, qualifizierte Arbeitskräfte den Haushalten zur Verfügung stellen. Dienst leistungspools bedürfen jedoch einer zusätzlichen staatlichen Förderung. In der neuesten Studie der Bosch-Stiftung(2006) wird die Familie als Unternehmen definiert und analysiert. Es wird davon ausgegangen, dass die Haushalte mehr Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt anbieten könnten, wenn die Zahl der Erwerbsarbeitsstunden der Frauen sich erhöht. Die Erwerbsarbeitsstunden der Männer werden als unelastisch bezeichnet. Als Folge der Erhöhung des Arbeitsangebotes aus den Familien werde die Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen wachsen und damit wiederum neue Arbeitsplätze und Arbeitschancen geschaffen werden. Eine solche Betrachtung der Familie greift, was neue Geschlechterbilder angeht, zu kurz: Es wird nur auf die Erwerbsarbeit der Mütter gesetzt, und die Angleichung ihrer Arbeitszeiten an die„Normalarbeitszeiten“ der Väter gefordert. Damit sind keine neuen Geschlechterbilder auf Seiten der Männer angedacht. Die Fragen, welche Normalerwerbsarbeitszeiten es für Väter und für Mütter kleiner Kinder geben 20 sollte, wie viel Zeit Väter und Mütter mit ihrem Kind verbringen sollen, welche Arbeiten sie selber als einzelne und welche sie zusammen leisten sollten, werden nicht gestellt. Die volle Erwerbsarbeitszeit des Vaters wird zu einer Naturtatsache, der sich dann die Frage der Müttererwerbsarbeit als Frage nach Vollerwerbsarbeit oder Teilzeitarbeit anschließt. Die so gestaltete Ausdehnung der Müttererwerbsarbeit ist ein Konzept, das die Polarisierung der Geschlechter in hausarbeitende Frau und erwerbsarbeitenden Mann reduziert und damit auch die Hierarchisierung zwischen Vätern und Müttern bzgl. der ökonomischen Eigenständigkeit ein wenig rückgängig macht. Es verstärkt jedoch die Hierarchie innerhalb der Frauengruppe: Billig entlohnte, in der Regel Frauen, werden den besser verdienenden Müttern und Vätern zu Diensten sein, gleichzeitig selbst aber nicht in der Lage sein, haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Für sie ist die Veränderung traditioneller Geschlechterrollen mangels finanzieller Ressourcen nicht über ein solches Modell zu lösen. 5.2 Ausbau und Verbilligung öffentlicher Betreuungsangebote Diesem Konzept liegt ein erweiterter Familienbegriff zugrunde, der insbesondere die gesellschaftliche Verantwortung für die Entwicklung der Kinder betont. Damit entschärft sich die Dualisierung von Vater und Mutter einerseits und gesellschaftlicher Verantwortung andererseits. Nicht nur die leiblichen Eltern gelten als zuständig für die Kinder. Gleichzeitig ist der Ausbau einer Betreuungsinfrastruktur auch ein Beitrag zum Abbau der ökonomischen Hierarchie zwischen den Geschlechtergruppen. Alle Maßnahmen nämlich, die bei den Chancen der Kinder ansetzen, verringern die ökonomischen Hierarchien innerhalb der Geschlechtergruppen: Wenn die Söhne und Töchter gering verdienender Mütter und Väter frühkindlich gefördert werden, in qualitativ gut ausgestatteten Kinderbetreuungseinrichtungen, Kindertagesstätten, Grund- und weiterführenden Schulen unterrichtet werden, wenn also ihre Herkunft nicht mehr ausschlaggebend ist für ihre weitere Zukunft, dann wird auch Armut nicht weitervererbt. Die staatliche Förderung von solchen Infrastrukturangeboten ist also ein Beitrag zur vertikalen Gerechtigkeit, der die Kluft zwischen Armen und Reichen verringert, zumindest in der nächsten Generation. Die Gebührenfreiheit ist sicherlich für viele arme Familien eine Notwendigkeit, damit die Kinder die Infrastruktureinrichtungen besuchen. Die Gebührenfreiheit verliert für reiche Väter und Mütter ihre Anreizfunktion. Gebührenfreiheit für alle wirkt im Sinne der vertikalen Gerechtigkeit, sie kompensiert die finanziellen Belastungen für Väter und Mütter im Vergleich zu ähnlich verdienenden kin derlosen Männern und Frauen. Es ist eine politische Frage, die immer begrenzten Mittel für die Infrastruktureinrichtungen entweder für den Ausbau oder aber für die Gebührenfreiheit auszugeben. Stellt man die Chancengleichheit der Kinder an erster Stelle, so würde das zu einem weiteren Ausbau und der Gebührenfreiheit für die ärmeren Familien führen. 5.3 Elterngeld mit Lohnersatzfunktion Mit der Idee des Elterngeldes soll die Erziehungsleistung für mindestens ein Jahr mit 2/3 des Nettolohnes, nach oben gekappt und mit einer Mindestsumme versehen, honoriert werden. Das bewirkt eine relative Kontinuität des Einkommens für Vater und/oder Mutter in den unteren und mittleren Einkommensklassen im ersten Jahr der Elternschaft und bietet einen besonderen Anreiz für die Väter, weil ihnen zwei Extra-Monate reserviert werden. Diese Maßnahme orientiert sich an neuen Geschlechterbildern, die Polarisierung zwischen Vater und Mutter wird, zumindest was das Leitbild angeht, abgeschwächt, der Vater wird auch im ersten 21 Lebensjahr des Kindes als teilweise betreuende Person definiert. Ob der Polarisierung aber auch real entgegengewirkt wird, ist abzuwarten: Immerhin gibt es bei relativ höherem Gehalt des Vaters auch relativ höhere Lohnersatzleistungen, allerdings nur bis zu einer Obergrenze. So bleibt die Frage, ob die 68% des Männerlohnes zusammen mit einem niedrigeren Frauenlohn für das erste Jahr zum Halten des Lebensstandards ausreichen. Das Elterngeld verstärkt andererseits aber die übliche Verantwortung von Vater und Mutter, denn es steht das Leitbild dahinter, dass im ersten Jahr des Kindes vor allem die Mutter(oder der Vater) die Betreuung übernehmen sollen, die Dualisierung für die erste Zeit der Elternschaft gegenüber der gesellschaftlichen Verantwortung wird verstärkt. Das Elterngeld wurde in Schweden im Rahmen einer umfassenden Gleichstellungspolitik eingeführt, um die finanzielle Unabhängigkeit besonders für die Mütter zu sichern. Es diente dort vor allem dem Abbau der Geschlechterhierarchie im Sinne der einseitigen Abhängigkeit von Müttern. Ausreichende Infrastrukturangebote, Möglichkeiten zur Arbeitszeitverkürzung für Eltern, die Förderung eines neuen Vaterbildes und Gleichstellungspläne in der privaten Wirtschaft waren bereits vorhanden. Das lohnabhängige Elterngeld nutzt im jetzigen Zeitpunkt in Deutschland denjenigen besonders, die einen gesicherten Arbeitsplatz haben und relativ viel verdienen. Es ist zu fragen, ob solche originären Leistungen vom Staat, ohne dass eine Notlage vorliegt, gezahlt werden können. Gleichzeitig verfestigt das lohnabhängige Elterngeld die Ungleichheit zwischen den reichen Vätern und den armen Vätern und den reichen Müttern und den armen Müttern. Die sozioökonomische Hierarchie innerhalb der Geschlechtergruppen wird nicht angetastet, vielmehr sogar noch verschärft, denn es profitieren von dem Modell des Lohnersatzes mit der Deckelung bei 1800,–€ vor allem die Bezieher und Bezieherinnen mittlerer und höherer Einkommen. Insbesondere im Vergleich zum Status Quo haben sie teilweise eine bis zu 82-prozentige Absicherung. Nicht erwerbstätige Väter und Mütter und geringfügig verdienende Väter und Mütter werden durch das geplante Elterngeld voraussichtlich über weniger Nettoeinkommen als im Status Quo verfügen, vor allem, wenn man die Kürzung um 22 Monate mit berechnet(Kaltenborn 2005). Das Elterngeld dient zwar dem Ziel, die Polarisierung der Geschlechter abzubauen, betrachtet man aber die mangelnde Passung der Infrastruktureinrichtungen, so wird dieser Effekt jedoch stark minimiert: Im Durchschnitt sind nur für 9% aller Kinder Krippenplätze ab dem ersten Lebensjahr vorhanden. Die Frage bleibt weiterhin offen, wer die Kinder in den zwei darauf folgenden Jahren bis zum Eintritt in den Kindergarten oder, wenn dieser auch nur halbtags geöffnet wird, noch darüber hinaus betreut. An dieser Stelle ist der Bruch vielleicht stärker als vorher, denn der Anreiz für die Väter, die Kinder zu betreuen, besteht ja in der Lohnersatzleistung. Wenn es dann notwendig wird, die Kleinkinder ohne jede finanzielle Unterstützung zu betreuen, liegt es nahe, dass dieses sehr viel eher den Müttern zugemutet wird. 5.4 Die Förderung familienfreundlicher Maßnahmen in Betrieben und Verwaltungen Nach einer Untersuchung von Lindeke u.a.(2006) gibt es ein breites Spektrum von familienfreundlichen betrieblichen Maßnahmen. Zu den häufigsten zählen Arrangements bzgl. der Arbeitszeit und des Arbeitsortes, Freistellungsregelungen aus familiären Gründen, Hilfen bei der Organisation der Kinderbetreuung, Maßnahmen während der Elternzeit zum Erhalt der Qualifikation und Maßnah men mit dem Ziel, die Rückkehr in den Betrieb zu unterstützen. 22 Neue Geschlechterbilder werden dann unterstützt und die Dualisierung der alten ein wenig aufgehoben, wenn alle diese Maßnahmen nicht als Aktionen gesehen werden, die spezifische weib liche Lebensumstände kompensieren sollen, sondern wenn die Väter, egal in welchen betrieblichen Funktionen und Positionen, genauso angesprochen werden wie die Mütter. Das bedeutet, dass die Verkürzung der Arbeitszeit und die Verlagerung des Arbeitsortes insbesondere auch für Väter angeboten wird, dass Teilzeitarbeit in Führungspositionen und Teleheimarbeit für Männer mit kleinen Kindern gedacht ist. Die gesellschaftliche Verantwortung für die Kinderbetreuung wird von den Betrieben ernst genommen, die ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Hilfe bei der Organisation der Kinderbetreuung geben, entweder indem sie Vermittlungsagenturen zur Verfügung stellen, oder aber indem sie sich selber auch finanziell an den Betreuungskosten beteiligen bzw. selber Plätze für die Kinder zur Verfügung stellen. Familienfreundliche Maßnahmen widersprechen manchmal gleichstellungspolitischen Maßnahmen, etwa wenn nach der Elternzeit immer wieder Aufhebungsverträge angeboten werden und diese mit attraktiven Abfindungen gekoppelt sind. Auch die Förderung der Teilzeitarbeit beschränkt sich in der Regel auf Beschäftigte ohne Karriereabsichten und wirkt damit stabilisierend für die Geschlechterhierarchie. Kriterien für gleichstellungsorientierte Familienfreundlichkeit können sein: 1. Die Maßnahmen werden nicht nur Frauen und Müttern abgeboten. Auch für hochqualifizierte Männer müssen die Angebote familienfreundlicher Arbeitszeiten und-orte gelten. 2. Die Unterbrechungszeiten werden möglichst gering gehalten. 3. Arbeitszeiten und-orte für Mütter und Väter müssen so gestaltet sein, dass nicht eine traditionelle Rollenverteilung oder ein Rollentausch(wenn im Falle einer hochqualifizierten Mutter der Vater die Betreuungsarbeit übernimmt) erfolgt. 4. Eine rein betriebswirtschaftliche Begründung für familienfreundliche Maßnahmen scheint gefährlich. Die PROGNOS AG hat eine Rendite familienfreundlicher Maßnahmen von bis zu 25% ausgerechnet. Es besteht die Gefahr, dass Maßnahmen wieder rückgängig gemacht werden, wenn sich eine solche Rendite nicht einstellt. Eine rein betriebswirtschaftliche Behandlung des Problems fragt auch nach der Rendite bestimmter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: Die Hochqualifizierten schneiden dabei immer besser ab und die Niedrigqualifizierten sind eher austauschbar. Betriebe müssen auch die gesellschaftliche Verantwortung für die nachwachsende Generation zu einem Teil übernehmen, damit Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuungsarbeit auch für die weniger rentablen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gemacht werden. 6. Geschlechterpolitische Strategien gegen Kinderlosigkeit Es ist in der Tat zu fragen, ob es überhaupt ein gesellschaftliches Problem ist, wenn die Geburtenraten sinken und die Bevölkerung schrumpft. Es gibt keine natürliche Bevölkerungsgröße. Kinder sind weder Humankapital der Gesellschaft, auf die diese ein Recht hätte, noch sind sie nur Privatsache der Eltern. Die Entscheidung, Kinder zu bekommen, ist eine höchst individuelle, und da diese Entscheidung immer häufiger zum Projekt von zwei gemacht wird, wird sie auch komplizierter. Je nachdem, wie viel die Erfahrungen, die aus dem Leben mit Kindern erwachsen, wertgeschätzt werden, kann es vernachlässigt oder aber auch als wesentlich angesehen werden, wenn die Zahl der erwachsenen Menschen schrumpft, die mit Kindern zusammen leben. 23 Das alte Argument, Politik habe wenigstens die Möglichkeiten zu schaffen, dass Menschen ihre Kinderwünsche realisieren können, scheint angesichts der niedrigen Kinderwünsche der Deutschen kaum noch eine Berechtigung zu haben. Fehl schlagen wird auch eine einseitige Orientierung an den Frauen oder das Beschwören alter Familientraditionen bzw. der Kraft der Frauen(Schirrmacher). Eine nachhaltige Familienpolitik, die auch die Geburtenrate beeinflussen möchte, muss um so mehr Geschlechterpolitik sein und sich dezidiert auf die Geschlechterverhältnisse beziehen: Je mehr die Geburt eines Kindes Männer und Frauen als Väter und Mütter dualisiert, polarisiert und hierarchisiert, desto mehr wird das Kind zum Problem im Geschlechterverhältnis. Politische Gegenstrategien müssen also statt der Dualisierung eine Vielfältigkeit von Verantwortlichkeiten, statt der Polarisierung verschiedene Mischformen von Sorgearbeit und finanzieller Sicherungsarbeit und statt Hierarchisierung eine gleichberechtigte finanziell unabhängige Partnerschaft ermöglichen. 6.1 Strategien gegen die Dualisierung der Geschlechter Das Familienbild erweitern: Verantwortete Elternschaft muss durch mehrere Personen gestützt werden, die Pflege und Betreu ung übernehmen. Verwandtschaften, Wahl-Verwandtschaften, Freunde und Bekannte als Teile eines Betreuungsnetzwerkes müssen anerkannt sein, elternreiche Familie statt kinderreiche als Leitbild formuliert werden. Esping-Anderson(2006) resümiert,„um die Familie zu retten, brauchen wir paradoxerweise eine Politik der Ent-Familialisierung. Wir müssen Praktiken einführen, die traditionellerweise von den Familien selbst erbrachte Leistungen nach und nach übernehmen und externalisieren“(S.58). Die Beschränkung auf die Kleinfamilien ist zu eng: Fürsorge und Unterstützung kann auch in Freundschaften und homosozialen sowie heterosozialen Beziehungen wichtig werden. Wahlverwandtschaften und die Dezentrierung der Paarbeziehungen stehen an(Roseneil 2005). Die Zentrierung auf die Frauen als Mütter aufgeben: Wenn Bertram(2005) als nachhaltige Familienpolitik einen intelligenten Mix aus Zeitoptionen, Infrastrukturangeboten und Geldtransfer anbietet, um den unterschiedlichen Lebensentwürfen allein der Frauen gerecht zu werden, begrenzt er seinen Blick letztlich wieder. Wie die Rolle der Familienernährer, der erwerbsorientierten Väter sich in Zukunft ändern könnte, wird außen vorgelassen. Ein neues Leitbild würde Mütter nicht alleine für die Sorgearbeit und Väter nicht alleine für die finanzielle Sicherung von Mutter und Kind zuständig lassen. Für beide gäbe es einen Mix aus Sorge arbeit und finanzieller Sicherung. Für Mütter würde das bedeuten, einen Mix aus: l Sorgearbeitsanteil des Vaters bzw. Partners /der Partnerin l Sorgearbeitsanteil des Staates l Sorgearbeitsanteil sozialer Netze l eigenem Sorgearbeitsanteil l Anteil an der finanziellen Sicherung des Kindes l eigener finanziellen Sicherung. 24 Für Väter gäbe es einen Mix aus l Sorgearbeitsanteil der Mutter bzw. der Partnerin/des Partners l Sorgearbeitsanteil des Staates l Sorgearbeitsanteil sozialer Netze l eigenem Sorgearbeitsanteil l Anteil an der finanziellen Sicherung des Kindes l eigener finanziellen Sicherung. Die gesellschaftliche Verantwortung für die Erziehung und Bildung stärken Eine gute Infrastruktur mit qualitativ hochwertigen und flexiblen Kinderbetreuungsangeboten, wie sie in Ostdeutschland immer noch eher gegeben ist, entschärft auch die Risiken, die mit dem Status der/des Alleinerziehens einhergehen, denn diese Infrastruktur vermittelt, dass Kinder gesellschaftlich aufgehoben sind und nicht nur auf die Mutter und den Vater angewiesen sind. 6.2 Strategien gegen die Polarisierung der Geschlechter Die am Arbeitsmann orientierte Arbeitskultur in Betrieben und Unternehmen sollte verändert und die Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen für Väter und Mütter so lange reduziert werden, wie sie kleinere Kinder haben. Vätern und den Müttern könnten flexible Arbeitszeiten und-orte nach den Bedürfnissen, die aus der Betreuung entstehen, angeboten werden. Diese Strategie würde eine echte Wahlfreiheit der Eltern herstellen, und Wahlfreiheit nicht als individuellen Akt unter den herrschenden Bedingungen proklamieren. Wahlfreiheit gibt es nur, wenn Realoptionen offen stehen: Wenn also Vater oder Mutter vor der gleich realen Frage stehen, ob sie ihr Baby betreuen wollen oder nicht. Im Moment ist das nicht gegeben, Elternzeiten nehmen die Mütter und das ist normal (95% aller Elternzeit-nehmenden Eltern sind Frauen), Elternzeit-nehmende Väter sind Exoten im Betrieb. Wenn das aber nicht selbstverständlich ist, gibt es nur eine eingeschränkte Wahlfreiheit für Väter: Sie verdienen in der Regel mehr, also ist die Verdiensteinbuße größer und sie müssen sich gegen traditionelle Geschlechterbilder wehren, gegen Häme und Unterstellungen, wenn sie die Sorgearbeit wichtiger nehmen als die Erwerbsarbeit. Für Mütter ist die Wahlfreiheit aber ebenso eingeschränkt. Ihre Option im Job zu bleiben, setzt voraus, dass das Kind betreut wird. Väter stehen jedoch in der Regel nicht zur Verfügung, Krippenplätze sind zumindest im Westen rar und so bleibt ihnen vielleicht noch die Schaffung von Betreuungsnetzwerken und häufig der Rückzug aus der Erwerbsarbeit für längere Zeit. So lange darüber hinaus die Strukturen der Ausbildungs- und Berufssysteme, die nach Geschlecht„sortieren“ und für Frauen immer noch Berufe bieten, die allenfalls einen Zuverdienst bieten, erhalten bleiben, so lange ist keine Wahlfreiheit vorhanden. Echte Wahlfreiheit wird aber die Entscheidung für ein Kind erleichtern. 25 6.3 Strategien gegen die Hierarchisierung der Geschlechter Das familiale Zusammenleben muss in seiner Verschränktheit mit der Erwerbsarbeit wahrgenommen werden und aus der ausschließlichen Privatheit befreit werden. Appelle an Väter und Mütter, doch eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zu praktizieren, nützen nicht viel, so lange die Rahmenbedingungen in der Erwerbsarbeit nicht verändert werden. Der erhöhte Erwerbsarbeitseinsatz junger Väter beruht in der Regel nicht auf einer Verweigerung der Kinderbetreuung, sondern eher auf der hohen materiellen Anforderung, die auf die Kleinfamilie zukommt, wenn das Geld der Mutter ausbleibt oder stark reduziert wird, gleichzeitig aber die Kosten für das Baby hinzukommen. Die Bildungswege, die immer mehr junge Menschen über lange Jahre hinweg gehen, müssen fle xibler werden. Statt eines Nacheinander von Ausbildung und Elternschaft sollte es ein Nebeneinander geben können, so wie es in der ehemaligen DDR möglich war, eine Ausbildung und ein Studium und Elternschaft zu verbinden. Auch eine relative Sicherheit, nach dem Abschluss der Ausbildung oder des Studiums eine bezahlte Arbeit zu bekommen, ist erforderlich, damit Männer und Frauen ihre Wünsche nach Kindern erfüllen können. Diese Sicherheit ist heute in Deutschland für viele junge Männer und Frauen nicht vorhanden. Arbeitsplatzsicherheit und eine Perspektive, den eigenen Lebensunterhalt verdienen zu können, werden dazu beitragen, dass sich Männer und Frauen eher für Kinder entscheiden können. Wenn eine auch nur über ein Jahr dauernde Arbeitslosigkeit aber schon in die relative Armut führt und Kinder nicht mehr mit einem eigenständigen finanziellen Beitrag unterhalten werden können, wird das den Mut zum Kind nicht stärken. Die Hierarchie unter der Gender-Perspektive bezieht sich aber nicht nur auf die Hierarchie zwischen Männern gegenüber Frauen, sondern auch auf die Hierarchie, die Frauen untereinander und Männer untereinander, insbesondere in ihrer ökonomischen Position haben. Deswegen kann Familienpolitik, die auch Geschlechterpolitik ist, nicht nur an eine gerechte Verteilung von Ressourcen zwischen Familien, die auf dem selben sozioökonomischen Level leben, zielen, vielmehr muss sie auch an eine Umverteilung von Familien, die reich sind, an Familien, die arm sind, denken. Nicht die Höhe der Summen für den Familientransfer in Deutschland, sondern deren Struktur ist problematisch: Familienpolitik fördert in vielen Bereichen Familie, ohne auf die sozioökonomische Situation zu achten. Arme Kinder brauchen jedoch eine gute kostenlose Infrastruktur, um sie aus den Lebensverhältnissen ihrer Eltern zu befreien. Kinder reicher Eltern haben das nicht so nötig. l Gute Infrastruktureinrichtungen können für besser verdienende Väter und Mütter kostenpflichtig, für weniger verdienende Väter und Mütter kostenlos sein. l Direkte finanzielle Unterstützung können für besser verdienende Väter und Mütter geringer aus fallen als für weniger verdienende Väter und Mütter. l Steuerentlastungen für Familien sind nur für diejenigen, die überhaupt Steuern bezahlen, attraktiv, weniger verdienende Väter und Mütter zahlen keine Steuern, für sie bieten Steuerentlastungen dann auch keine zusätzliche Hilfe. 26 Resümee Die hier vorgelegte Gender Analyse des Geburtenrückganges sollte exemplarisch zeigen, dass sich aus dieser Perspektive neue Problemstellungen, aber auch neue Lösungsmöglichkeiten ergeben. Eine Gender Analyse bezieht sich einerseits auf das Gewordensein von Lebensverläufen und Strukturen gemäß der herrschenden Geschlechterordnung: Bei der Analyse des Geburtenrückganges fin det man durchaus Länder, deren Geschlechterordnung weniger dual, polar und hierarchisch sind und deren Geburtenrate weitaus höher ist als in Deutschland. Eine Gender Analyse bezieht sich aber auch auf aktuelle Maßnahmen und deren Folgenabschätzung. Hier zeigt sich, dass einzelne Maßnahmen in unterschiedlicher Weise die Geschlechterordnung verändern und es einer politischen Diskussion und Entscheidung bedarf, welche Prioritäten gesetzt werden. Zuletzt werden die geschlechterpolitischen Strategien identifiziert, die sich aus der Analyse ergeben: Eine Erweiterung des Familienbildes und Veränderung des Vater- und Mutterbildes, die gesellschaftliche Verantwortung für Erziehung und Bildung der Kinder, aber auch eine Veränderung von Arbeitsanforderungen bei Vater- und Mutterschaft sowie gesicherte Existenzmöglichkeiten für Väter und Mütter sind Orientierungen, die zu einer höheren Bereitschaft führen können, sich für ein Kind zu entscheiden. 27 Literatur Auferkorte-Michaelis, Nicole, Metz-Göckel, Sigrid, Wergen, Jutta, Klein, Annette(2006): Junge Elternschaft und Wissenschaftskarriere, HDZ Dortmund, http://www.hdz.uni-dortmund.de/index. php?id=40#JungeElternschaft, Zugriff am 6.6.06 Bertram, Hans(2005): Nachhaltige Familienpolitik, Care und kindliche Entwicklung. Impulspapier zur Initiative lokaler Bündnisse für Familie. August 2005 Bertram, Hans, Rößler, Wiebke, Ehlert, Nancy(2005): Nachhaltige Familienpolitik. 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Über den Wert der in privaten Haushalten geleisteten hauswirtschaftlichen Arbeit und deren gesellschaftliche Organisation, Mai 1997 Die verborgene Armut der Frauen, Januar 1998 Die verborgenen Schätze der Frauen. Über die Aufwertung der Qualifikationen aus der Familienar beit in der Erwerbsarbeit, Februar 1998 Heim zur Arbeit. Telearbeit und Geschlechterverhältnis, November 1998 Frauen im Mainstreaming. Politische Strategien und Theorien zur Geschlechterfrage, Dezember 1998 Mutter, Kind und Vater Staat. Geschlechterpolitische Aspekte des Erziehungsgehalts, April 1999 Welcher Lohn für welche Arbeit? Über die Aufwertung der Frauenarbeit, Dezember 1999 Wie Gender in den Mainstream kommt – Konzepte, Argumente und Praxisbeispiele zur EU-Strategie des Gender Mainstreaming, August 2000 GENDER MACHT POLITIK – 10 Fragen und Antworten zum Konzept Gender Mainstreaming, September 2002 Gender Mainstreaming – Postmoderner Schmusekurs oder geschlechterpolitische Chance? Argumente zur Diskussion, September 2003 Geschlechter in Verhältnissen – Denkanstöße für die Arbeit in Gender Mainstreaming Prozessen, November 2004 Antidiskriminierung – Erschöpfung in der Geschlechterpolitik?, September 2005 http://www.fes.de/aspol Frauen- und Geschlechterpolitik Veröffentlichungen 31 Zur Autorin: Dr. Barbara Stiegler, Dipl.-Psychologin, Dipl.-Pädagogin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Arbeit und Sozialpolitik, Bonn. Arbeitsschwerpunkt: Frauenforschung 32 ISBN 3-89892-470-X