„Gott grüß’ die Kunst!“ Illustrationen und Festschriften der gewerkschaftlich organisierten Drucker, Setzer und Hilfsarbeiterinnen Eine Ausstellung der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, des ver.di-Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie, Berlin-Brandenburg und des Karl-Richter-Vereins e.V. „Gott grüß’ die Kunst!“ Illustrationen und Festschriften der gewerkschaftlich organisierten Drucker, Setzer und Hilfsarbeiterinnen Eine Ausstellung der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, des ver.di-Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie, Berlin-Brandenburg und des Karl-Richter-Vereins e.V. Bonn 2006 Herausgeber: Auswahl der Exponate: Layout: Druck: © Rüdiger Zimmermann Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung 53170 Bonn Michael Bauer und Norbert Wefers Pellens Kommunikationsdesign GmbH, Bonn Media-Print Informationstechnologie GmbH, Paderborn 2006 Historisches Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung Printed in Germany 2006 ISBN 3-89892-493-9 Inhaltsverzeichnis Rüdiger Zimmermann Vorwort 5 Peter Pfister Lithographien von Festschriften und Gedenkblättern des Verbandes der Lithographen und Steindrucker sowie der Senefelder-Gesellschaft – Eine kunsthistorische Betrachtung 7 Rüdiger Zimmermann Eine Odyssee um die Welt: Zur wechselvollen Geschichte der Bestände der Lithographen und Steindrucker 34 Helga Zoller Der Verband der Lithographien, Steindrucker und verwandten Berufe 51 Karl Michael Scheriau Gemeinsam sind wir stark – allein sind wir stärker? Die graphischen Gewerkschaften in Deutschland vor 1933 74 Michael Bauer, Norbert Wefers Beschreibung der Exponate 93 Autorenverzeichnis 108 4 Exponat Nr. 34 Vorwort 5 Im Februar 1997 entschied der Hauptvorstand der Industriegewerkschaft Medien, Druck und Papier, Publizistik und Kunst(IG Medien), seine vollständige Büchersammlung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu übergeben. Bereits einige Jahre vorher war die Entscheidung gefallen, einen Großteil der Aktenbestände der Gewerkschaft an das Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung abzugeben. Seit den späten achtziger Jahren hatte sich die FriedrichEbert-Stiftung zum Zentrum der nationalen und internationalen Gewerkschaftsforschung im graphischen Gewerbe entwickelt, nachdem der Vorstand der Internationalen Graphischen Föderation sich dafür ausgesprochen hatte, seine Materialien vor dem Umzug aus der Schweiz nach Brüssel der Stiftung anzuvertrauen. Unter den von der IG-Medien übernommenen Beständen bilden die illustrierten Sondernummern und Festschriften ein besonders wertvolles Teilsegment. Vor allem die Illustrationen der Lithographen und Steindrucker ragen aus der Sammlung heraus. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurden diese Materialien katalogisiert und für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die „Sichtbarmachung“ bezog sich allerdings nur auf die Titelaufnahmen. In der„Realität“ wurden die kostbaren Exponate bislang nirgendwo in hoher Vollständigkeit gezeigt. Einige ausgewählte Einzelstücke wurden in der Ausstellung„Bewahren für die Zukunft. Schätze aus Archiv, Bibliothek und Karl-Marx-Haus“ aus Anlass der 80-Jahr-Feier der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 16. März bis 8. April 2005 in der Friedrich-Ebert-Stiftung präsentiert. Unter den„Ausstellungsmachern“ bildete sich während der Arbeit am Ausstellungskonzept rasch ein Konsens heraus, die einzigartigen Zeugnisse der Arbeiterkultur der gewerkschaftlich organisierten Lithographen und Steindrucker nochmals in einer eigenen Präsentation zu zeigen und zu würdigen. Michael Bauer und Norbert Wefers waren es, die darauf drängten, die Zeugnisse gewerkschaftlicher Alltagskultur ausstellungsgerecht zu dokumentieren. Als erster Ausstellungsort bot sich die Berliner MedienGalerie im Haus der Buchdrucker geradezu an. Weitere Ausstellungsorte sollen folgen. Im ehemaligen Vorstandsgebäude des Verbands der deutschen Buchdrucker wurden die von den Nationalsozialisten geraubten Bestände aus Gewerkschaftsbibliotheken während des Krieges gelagert. Viele der gezeigten Exponate kehren regelrecht nach über 60 Jahren an den Ort ihres Überlebens zurück. In der Ausstellung werden allerdings nicht nur Exponate der„Künstler“ unter den Arbeiterinnen und Arbeitern im graphischen Gewerbe gezeigt. Zeitungen und Festschriften der Buchdrucker, der Buchbinder und der graphischen Hilfsarbeiter und HilfsarbeiteAlle Beiträge vermitteln ein Bild der ältesten deutrinnen dokumentieren das breite gewerkschaftliche schen Gewerkschaftsströmung, in der neben gewerk6 Spektrum der um Emanzipation ringenden„Mitglieschaftlichen Kämpfen und dem Bemühen um einen der“, die sich bei der Bildung einer Einheitsgewerkhohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad die Festschaft so schwer taten. und Feierkultur in besonderer Blüte stand: Arbeiten, Die im Begleitkatalog abgedruckten Beiträge sind Kämpfen und Feiern waren gleichberechtigte Komnur scheinbar disparat. Der Beitrag von Peter Pfister ponenten des Gewerkschafts- und Alltagslebens. analysiert und bewertet die Graphiken und IllustratioSehen heißt verstehen. Und verstehen heißt sehnen aus kunsthistorischer Sicht. Der Überblick von en. Nur was man weiß, sieht man. Ausstellung und Rüdiger Zimmermann geht der Geschichte der gezeigKatalog möchten den Blick schärfen für das reiche ten Exponate nach, die durch glückliche Fügungen kulturelle Erbe der Gewerkschaften im graphischen Krieg und Faschismus überstanden haben. Der NachGewerbe. Die Veranstalter verbinden mit der gemeindruck des Beitrags von Helga Zoller vermittelt in Form samen Ausstellung jedoch mehr: Sie hoffen, über die einer Chronik die wichtigsten Daten der gewerkschafthistorische Dokumentation hinaus, die aktuelle Dislichen Organisationsgeschichte der Lithographen und kussion anzuregen.„Recht auf Arbeit“, die in Stein Steindrucker, während Karl Michael Scheriau den gemeißelte Forderung einer Lithographie des Jahres schwierigen Weg gewerkschaftlicher Konzentration 1893, weist in diese Richtung. im graphischen Gewerbe bis 1933 nachzeichnet. Bonn, im März 2006 Dr. Rüdiger Zimmermann Lithographien von Festschriften und Gedenkblättern des Verbands der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe sowie der Senefelder-Gesellschaft 7 Eine kunsthistorische Betrachtung Peter Pfister Vorbemerkung Im Zeitalter der digitalen Medien, der graphischen Bearbeitung von Abbildungen am Computer und der Selbstverständlichkeit, Farb- und Schwarz-Weiß-Ausdrucke herzustellen, mag es dem Betrachter vielleicht nicht mehr in den Sinn kommen, welch wechselvolle Entwicklung das Abdrucken von Wort- und Bildbeiträgen früher durchlief. Angefangen vom Holzschnitt über das Gießen von Bleilettern bis hin zu Stichen und Radierungen war es ein langer Weg. Die manuelle Fertigung der Druckstöcke war bei diesen Verfahren ähnlich. Sie mussten geschnitten, gestochen oder geätzt werden, um ihr Bild auf ein anderes Medium zu übertragen. Diese Hochdruck-(Holz- und Linoleumschnitt) und Tiefdruckverfahren(Radierung, Kupfer- und Stahlstich) waren darüber hinaus einer großen Abnutzung des Druckstocks ausgesetzt, in manchen Verfahren war er gar nach der Fertigstellung vernichtet(Farblinoleumschnitt). Mit der Erfindung der Lithographie aber wurde eine neue Drucktechnik entwickelt, welche eine ganz andere Richtung einschlug. Hier wurde das Bild nicht mehr in den Druckstock eingegraben, sondern der Druck basierte auf rein chemischen Grundsätzen. Es verwundert daher nicht, wie selbstbewusst und überzeugt die Lithographen ihre Druckkunst präsentierten, die doch so ganz anders war als die vorher bekannte. Von diesem Selbstbewusstsein zeugen die Werke in dieser Ausstellung, von denen einige nun näher betrachtet werden. Ziel ist es nicht, die Ausstellung in ihrer Gesamtheit zu präsentieren, sondern anhand einiger Werke die stilistischen und ikonographischen Merkmale exemplarisch zu bestimmen. Es empfiehlt sich, die Werke in drei Bereiche aufzuteilen. Diese Gliederung, die sich in der Ausstellung nicht wiederfindet, ist für eine nähere kunsthistorische Betrachtung von Vorteil. Zu Beginn lohnt es sich, die Entwicklung der Lithographie nachzuzeichnen und deren Bedeutung für das Druckereihandwerk und den künstlerischen Druck herauszustellen. Die Lithographie – Entwicklung und kannt, doch wird seine musische Begabung nicht verkunsthistorische Bedeutung schwiegen. 3 8 Er litt unter Geldnöten und musste daher Kosten Um 1797 entwickelte Alois Senefelder(1771-1834) sparen bei dem Vorhaben, seine von ihm verfassten ein Flachdruckverfahren, das er zunächst als„SteinTheaterstücke in gedruckter Form zu verkaufen. Er druck“, später auch als„chemischen Druckerey“ benahm Kontakt zu Druckereien auf und widmete sich zeichnete. 1 schließlich selbst den verschiedenen Druckvorgängen. Grundlage für diese Erfindung war Senefelders Bald beendete er seine Schauspieler-Laufbahn, um Erkenntnis, das fettige Stoffe und Wasser sich abstoeine Druckerei zu eröffnen. Seine ersten Auflagen waßen. ren Notenblätter, die er mit einer kleinen KupferdruckAlois Senefelder hatte ursprünglich nicht vorgepresse herstellte und an Musikhandlungen verkaufte. habt, sich in Druckerkreisen zu etablieren. Er wollte Da der Kupferstich vergleichsweise teuer und aufmit verschiedensten Erfindungen zum gesellschaftwändig in der Herstellung war, experimentierte er lichen Fortschritt beitragen und beteiligte sich auch mit Steinen als Druckmedium, in dem er – dem Kupan der Entwicklung und Verbesserung von Luftfahrzeuferstich ähnlich – ein Tiefdruckverfahren anstrebte. gen, entwickelte Druckerpressen und vieles mehr. 2 1796 gelang ihm schließlich der„mechanische SteinZum Steindruck kam er als Außenseiter. Sein druck“. 4 Vater war Schauspieler und Alois Senefelder war die Über den Vorgang, mittels einer beschriebenen ersten sieben Jahre seines Lebens Mitglied einer WanSteinfläche die Schrift auf eine Kupferplatte zu überdertruppe, die durch das Land zog. Auf Wunsch seines führen und diese dann wie bei einer Radierung zu Vaters studierte er Jura, spielte aber weiter auf Bühätzen, näherte er sich dem Flachdruckverfahren. Er nen, verfasste Theaterstücke und besaß eine gründliche hatte eigens für die Beschriftung des Steins eine fettMusikausbildung. Es ist zwar nichts weiter von seiner haltige Farbe entwickelt, um dieses Vorhaben zu reamusikalischen und schauspielerischen Ausübung belisieren. 5 1 Senefelder, Alois: Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey, München 1818, S. 26 und 27. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde durch Freunde und Unterstützer Senefelders die Bezeichnung„Lithographie“ eingeführt. Vgl. Dolmen, Walter: Die Lithographie, Köln 1982, S. 20. 2 Beispielsweise beteiligte er sich an einem in London ausgeschriebenen Wettbewerb zur Verbesserung der Steuerung von Luftschiffen. Da er ständig Geld für neue Erfindungen benötigte, verkaufte er eine Vielzahl seiner Privilegien und Patente, um den Ertrag in neue Experimente zu stecken. Vgl. Weber, Wilhelm: Aloys Senefelder. Erfinder der Lithographie, in: Grimm, Claus[Hrsg.]: Von Senefelder zu Daumier, Paris 1988, S. 15. 3 1792 wurde das von ihm verfasste Theaterstück„Die Mädchenkenner“ in München veröffentlicht, das ihm einen finanziellen Erfolg bescherte. Vgl. Dohmen, Walter, a.a.O., S. 13 4 Allerdings musste er sich einem urheberrechtlichen„Prioritätsstreit“ aussetzten, da zehn Jahre zuvor erstmals von Simon Schmidt mittels gravierter und geätzter Steine gedruckt wurde. Vgl. Weber, Wilhelm: Aloys Senefelder. Erfinder der Lithographie, a.a.O., S. 13. 5 Vgl. Senefelder, Alois, a.a.O., S. 26. Nach weiteren Experimenten gelangte er schließ- Um den Druckvorgang zu erleichtern und gleichlich zur eigentlichen Idee des chemischen Flachdruck- zeitig zu beschleunigen, entwickelt er eine Stangenverfahrens. Er hatte erkannt, dass die Buchstaben presse, die mittels eines Holzreibers das Blatt gleich9 einer bedruckten Buchseite, wenn das Blatt durch mäßig auf den Stein presste. Senefelder schreibt dazu: verdünntes Gummiwasser gezogen und anschließend„Bey der Stangenpresse geschieht der Druck durch mit dünner Ölfarbe betupft wird, das Gummiwasser eine Stange von 6 bis 10 Schuh Länge, an welcher unabstoßen und die Ölfarbe anziehen. Ein auf diese so ten der Reiber befestigt ist, und die oben an der Feder präparierte Buchseite gepresstes, weißes Blatt über-(einem beweglichen Brette) hängt. Diese ist mit einem nahm die an den Buchstaben haftende Farbe seiten- Fußtritt in Verbindung, und wird damit heruntergeverkehrt. 6 zogen, wodurch denn die Stange mit der gehörigen Dieses Verfahren auf eine polierte Steinplatte überKraft auf den Reiber und vermittelst dessen auf die tragen, ließ ihn schließlich erkennen, dass auch hier Platte drückt.“ 9 nur die vorher mit seiner fetthaltigen Farbe bezeichWurden anfänglich nur Schriftstücke und Noten neten Bereiche die Gummiwasserlösung abstießen, lithographisch hergestellt, so entstanden bald Reprodie später aufgebrachte Druckerfarbe aber annahmen. duktionen von Graphiken berühmter Meister. Doch Die nur mit Gummiwasser behandelten Bereiche stieschieden sich hier die Geister. Denn eine lithographierßen die Druckerfarbe ihrerseits ab und blieben weiß. te Reproduktion einer Radierung blieb eine LithoSenefelder konnte auf diese Weise seitenverkehrte Abgraphie, und manche betrachteten diese Vervielfältidrucke der Steinzeichnung in beliebiger Anzahl hergungen dem Original nicht angemessen oder gar als stellen, ohne dass das Druckergebnis sich verschlechKitsch. 10 terte oder der Druckstock verschlissen wurde. 7 In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beDieses zum Hoch- und Tiefdruck vergleichsweise schäftigten sich dann Künstler wie Adolf Menzel und einfache und schnelle Druckverfahren verbreitete sich Eugène Delacroix mit der Schwarz-Weiß-Lithographie und wurde bald auch in Italien, England und Frankund erhoben dieses Druckverfahren zum eigenstänreich angewandt. 8 digen Kunstwerk. Zugleich entstanden aber auch 6 Die ersten Umdruckverfahren auf Flachdruckbasis gelangen Senefelder um das Jahr 1797. Da er aber selber das Jahr 1798 als Datierung der Erfindung der Lithographie angibt, ist eine auf das Jahr genaue Festlegung nicht möglich. Vgl. Weber, Wilhelm: Aloys Senefelder. Erfinder der Lithographie, a.a.O., S. 14 sowie Senefelder, Alois, a.a.O., S. 27. 7 Senefelder benutzte Solnhofer Kalkschiefer als Druckstein. Vgl. Senefelder, Alois, a.a.O., S. 37. 8 Senefelder unternahm selbst Reisen in diese Länder, um dort Kontakt zu den Lithographen zu halten. Vgl. Weber, Wilhelm: Aloys Senefelder zum 200. Geburtstag, Ausstellungskatalog des Stadtmuseums Offenbach am Main, 13.11. – 12.12.1972, S. 13. 9 Senefelder, Alois, a.a.O., S. 237. Senefelders hölzerne Stangenpresse befindet sich heute im Deutschen Museum in München und wird auf das Jahr 1797 datiert. 10 Vgl. Friedländer, Max J.: Die Lithographie, Berlin 1922, S. 13. Befürchtungen, die Lithographie könnte den Kupfer- war es besonders Henri de Toulouse-Lautrec, der für und Stahlstich oder die Radierung verdrängen. 11 seine Plakate mit den flächigen Farben und geschwun10 1809 hatte Senefelder mit der Entwicklung der genen Formen die Farblithographie einsetzte. 14 Farblithographie einen weiteren Meilenstein in der Im Expressionismus wurde schließlich auch die Druckkunst gesetzt. Dieses Verfahren stellte hohe Animmer wieder schwelende Konkurrenz zwischen den forderungen an den Drucker, da für jede Farbe ein traditionellen Druckverfahren und der Lithographie eigener Stein bearbeitet werden musste. Die optische dadurch geschlichtet, dass die Expressionisten sowohl Wirkung der Farblithographie diente Anfangs der Herdie urwüchsige Kraft des Hoch- und Tiefdrucks als stellung von Reproduktionen einiger Ölgemälde. Die auch die Direktheit der Lithographie in ähnlicher WeiVerbreitung dieser erschwinglichen Wiedergaben von se zu schätzen wussten. 15 bedeutenden Kunstwerken verhalfen der Lithographie Das Besondere an der künstlerischen Verwendung zur weiteren Bekanntheit, auch wenn diese Drucke noch der Lithographie ist ihre vielfältige Verwandlungsfähigdeutlicher als die Schwarz-Weiß-Lithographie in der keit. So lassen sich große Flächen tonig darstellen, die, Kritik der allgemeinen Kunstbetrachtung standen. 12 je nach Körnung des Steines, eine unterschiedliche Erst Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es, die Binnenstruktur aufweisen können. Durch SchabwerkFarblithographie als eigenständiges Kunstwerk zu zeuge lassen sich die Flächen weiter bearbeiten, so dass etablieren. 13 ausdrucksstarke Ergebnisse erzielt werden können. Die französischen Impressionisten um Auguste Ferner sind schnell gezogene Striche in einer großen Renoir und Pierre Bonnard nahmen dieses DruckverAusdrucksstärke möglich, die in ihrer spontanen Wirfahren in ihr Kunstschaffen auf. Für den Jugendstil kung sonst nur einer Originalzeichnung zu eigen ist. 11 Adolf Menzel(1815 – 1905); Eugène Delacroix(1793 – 1863). In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts schuf Henri Daniel Plattel(1803 – 1889) das beredte Werk„Kupferstich und Lithographie raufen“ und thematisierte sehr anschaulich die Kontroverse um die Lithographie in der Druckkunst. Vgl. Grimm, Claus[Hrsg.]: a.a.O., S. 32. 12 Gerade die lithographierten, farbigen Reproduktionen von Ölgemälden wurden als„keine Kunst“,„Kitsch“ oder gar„berüchtigt“ bezeichnet. Vgl. Weber, Wilhelm: Saxa loquuntur. Steine Reden, Band I, München 1961, S. 90. 13 Besonders zu nennen ist der Plakatkünstler Jules Chéret(1836 – 1932), der in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts kunsthistorisch bedeutende Farbplakate lithographierte. Vgl. Schlünder, Inge: Die deutschen Künstler-Steinzeichnungen und die kunstpädagogische Reformbewegung in der Wilhelminischen Ära,(Europäische Hochschulschriften, Reihe XXII), Frankfurt/M. 1973, S. 8. 14 Pierre-Auguste Renoir(1841 – 1919); Pierre Bonnard(1867 – 1947). Ausgehend von japanischen Farbholzschnitten schuf Henri de ToulouseLautrec(1864 – 1901) seine ornamentalen Formen und schätzte zu deren Realisierung besonders die Farblithographie. Vgl. Michalski, Ernst: Die Entwicklungsgeschichtliche Bedeutung des Jugendstils, in: Hermand, Jost[Hrsg.]: Jugendstil, Darmstadt 1989, S.19f. 15 So verhalfen die Expressionisten nicht nur dem Holzschnitt zu einer neuen Blüte, sondern nutzen die eindringliche Wirkung der Radierung, aber auch die Spontaneität der Lithographie für ihr ausdruckvolles Kunstschaffen. Vgl. Adhémar, Jean; Cogniat, Raymond: Europäische Graphik im 20. Jahrhundert, Paris und Hamburg[o. J.], S. 26f. Ebenfalls auf Senefelder geht das Umdruckverwende entstandenen Werke sind zumeist von allegofahren zurück, bei dem die Abbildung auf ein präparischen Figuren bestimmt, wie wir sie vom Historismus riertes Papier aufgebracht und davon ein Abklatsch her kennen, Allegorien, die ein beredtes Zeugnis des 11 auf den Stein übertragen wird. Dieses Vorgehen hat Selbstbewusstseins der Lithographen geben. Dagegen den Vorteil, dass die zu druckende Zeichnung oder wandelt sich das Erscheinungsbild der dem Jugendstil Schrift nicht seitenverkehrt ausgeführt werden muss. zuzuordnenden Darstellungen deutlich. Die Allegorien Senefelders Erfindung bildete die Grundlage für treten in den Hintergrund zurück. Sie sind nicht mehr die modernen Drucktechniken wie beispielsweise den eindeutig zuzuordnen bzw. die dargestellten Figuren Offsetdruck. 16 vermitteln viel mehr ein Stimmungsbild als eine allegorische Aussage. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Die Ausstellung – Stilistische und inhaltliche greift dann auch die vergleichsweise schlichte IkonoBestimmung ausgewählter Werke graphie des Werkbundgedankens Raum. Natürlich wäre es verfehlt, eine gradlinige, kunstBei den in der Ausstellung gezeigten Werken handelt historische Entwicklung in den gezeigten Werken es sich um Festschriften, Jubiläumshefte und Gedenkablesen zu wollen. Einerseits existierten der Historisblätter des Vereins der Lithographen und Steindrucker mus und der Jugendstil nebeneinander, auch wenn sowie der Senefelder-Gesellschaft. Es sind Exemplare sich der Jugendstil avantgardistisch absetzte, andeaus den letzten Dekaden des 19. und den ersten des rerseits lassen die ausgestellten Werke eine gewisse 20. Jahrhunderts. Willkür erkennen, mit der die verschiedenen Künstler Deutlich fällt auf, wie unterschiedlich die Darstelauf die entsprechenden Kunstrichtungen zurückgriflungen geschaffen sind. Von reich ornamentierten und fen. Lediglich mit der stilistischen Aufnahme des illustrierten Abbildungen bis hin zu schlichten, zumeist Werkbundgedankens ist eine Trendwende ablesbar; auf das Wort beschränkten Blättern. die allegorischen Darstellungen sind verschwunden Auch die Bildinhalte der Darstellungen und Illusund die reine Ornamentik des Jugendstils weicht einer trationen variieren deutlich. Die vor der Jahrhundertklareren Gliederung. 16 Der Offsetdruck ist wie die Lithographie ein Flachdruckverfahren und basiert auf dem gleichen Prinzip des Abstoßens von Fett und Wasser. Es handelt sich aber um ein indirektes Druckverfahren, da der Druck zuerst auf eine Gummiwalze und anschließend auf das zu druckende Medium überführt wird. 12 Exponat Nr. 56 Festzeitungen zu Feiern Männergruppe wirkt noch recht standfest, aber auch er singt aus voller Kehle mit. Auffällig sind bei den Festzeitungen, die Feste der Es scheint Nacht zu sein. Die Fensterläden der 13 Lithographenvereine thematisieren, die verschiedenen Häuser sind geschlossen und die Straße ist ansonsten Gattungen der Abbildungen. Die Spannbreite reicht menschenleer. Die drei Männer werfen Schatten, was von ernsten Darstellungen mit allegorischen Merkauf das Licht einer Straßenlaterne schließen lässt, malen zur Geschichte und zum Selbstverständnis der welches die Szenerie beleuchtet. Lithographie bis hin zu einer von der Thematik der Im Vordergrund sind zwei Polizisten zu erkennen, Steindrucker losgelösten, fröhlichen Begebenheit. die das Treiben der drei Nachtschwärmer misstrauisch Auf der Festschrift des Vereins der Lithographen betrachten. Beide scheinen dabei lässig am Bildrand und Steindrucker zu Offenbach vom Dezember 1901 zu lehnen, wobei der rechte mit seinem Helm den finden wir eine solche fröhliche Begebenheit(Exponat Bildrahmen sprengt und darüber hinausragt. Nr. 56). Durch dieses Verfahren wird der Bildausschnitt Auf einer mit groben Pflastersteinen belegten vergrößert, wodurch der Betrachter leichteren Zugang Straße begegnen uns drei Gestalten. Es sind Männer zu dem Geschehen hat. Dennoch verbleibt er in der mittleren Alters. Ihre festliche Kleidung lässt darauf Rolle des Beobachters, verstärkt durch die Haltung schließen, dass sie von einer Feier kommen. Sie sind der Polizisten, die sich zwischen ihm und den sinübermütig und singen lauthals. Zwei Männer haben genden Männern aufgebaut haben. Es wird somit den dritten in ihre Mitte genommen und stützen ihn. keine bildliche Einladung an den Betrachter ausgeAlle drei sind offenbar sehr betrunken. Der rechte hat sprochen, sondern er soll sich an eine Feier erinnern, seinen Kopf in den Nacken geworfen. Seine gebundean der er möglicherweise selber teilgenommen hat. ne Fliege hat sich gelöst, doch es scheint ihm gleichDen unteren Bildaufbau bestimmt eine Schrift, gültig zu sein. Er hat seinen Nachbarn untergehakt. die durch eine besondere Verwendung der Ligaturen Dieser wiederum hat sichtlich die größten Schwierigbestimmt ist und wie mit schneller Feder aufgebracht keiten, sich auf den Beinen zu halten. Er schwenkt wirkt. 17 Gerahmt wird sie von zwei an einer Strange übermütig seinen Hut, wobei er auf die Schulter seines aufgehängten Wimpeln, die jeweils ein stilisiertes, linken Begleiters gesunken ist. Dieser dritte in der neckisch grinsendes Gesicht zeigen. 17 Die Bezeichnung Ligatur stammt aus dem lateinischen ligare(=verbinden) und bedeutet die Verbindung zweier Buchstaben zu einem Druckbild. Sie war eine Besonderheit der gebrochenen Schriften(Frakturschrift) und bezog sich auf Buchstabenkombinationen wie beispielsweise„Fi“,„Li“, „ch“,„ck“, usw. Vgl. Pfister, Peter: Frakturschrift – Eine neue Herausforderung in: Soziale Bewegung online. Veröffentlichungen der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, 2005, S. 42. Abgesehen von dem Schriftzug wird keinerlei diese bildende Kunst durch Senefelders Erfindung Hinweis auf die Vereinigung der Lithographen gegeben. profitiert. 19 14 Die neckisch grinsenden Gesichter verstärken den Im Vordergrund reitet eine weibliche Figur auf Eindruck einer humoristischen Darstellung, die an die einem Löwen. Sie trägt einen Lorbeerkranz auf ihrem Berliner Milieuzeichnungen Heinrich Zilles erinnert. 18 Haupt und hat mit der Rechten einen Palmzweig erHäufiger als auf diese humoristisch gestalteten hoben. Es sind die Attribute des Sieges und des FrieFestschriften treffen wir in der Ausstellung auf ernstdens. Augrund der Attribute und des Löwen lässt sich hafte Darstellungen, die mit allegorischen Figuren die die weibliche Figur als Bavaria deuten. Sie ist ein Geschichte und die Bedeutung der Lithographie festlich Hinweis darauf, dass Senefelder in München, also in hervorheben. Bayern die Lithographie erfand. 20 Mit ihrer Linken In diesem festlichen Ernst stellt sich die„Festzeihält sie das gemeinsame Wappen der Lithographen tung zum Familien-Abend“ der Lithographen und und Steindrucker. Links die Zeichen der Lithographen Steindrucker zu Trier dar(Exponat 58). mit Lineal, Zeichenfedern, Kreidestift und KreidehalHier ist jede Ausgelassenheit verschwunden. Im ter sowie die Buchstaben„SNE“ für Senefelder. Rechts historistischen Stil wird in diesem Werk die Errunsind eine Lederwalze und ein Druckballen als Symbole genschaft Senefelders für die Kunst dargestellt. der Steindrucker zu erkennen. Das Bild beherrschend ist die Büste des Erfinders Der brüllende Löwe, ein Sinnbild von Kraft und der Lithographie auf einen mit seinem Namen verseMacht schreitet von einem Podest herunter, wobei eine henen Sockel gestellt. Neben dem Sockel steht vor seiner Pranken auf einem Schriftstück ruht – eine einer ionischen Säulenbasis ein geflügelter Siegesgeberedte Darstellung für die Bedeutung, welche die nius. Mit der Linken hat er Senefelder zu Ehren einen Lithographie für die Druckkunst besitzt. Lorbeerkranz erhoben. Mit der Rechten stützt er sich Auch wenn das Werk stilistisch dem Historismus auf ein Wappen, das drei leere Wappenschilde aufweist. zuzuordnen ist, so finden sich, insbesondere bei der Dieses Wappen ist als Zeichen der Malerei zu deuten, Schrift, Einflüsse des Jugendstils wieder. und der Genius bezeugt durch seine Haltung, wie sehr 18 Auch Heinrich Zille(1858 – 1929) hatte eine Lithographenausbildung absolviert. 19 Drei Wappenschilde auf einer Fläche, alternierend 2+ 1 angeordnet, war im Mittelalter das Zunftwappen der Schilderer. Die Berufsbezeichnung „Schilderer“ stand für Schriften- und Kunstmaler. Die Maler verstanden sich nicht wie im heutigen Sinne als Künstler, sondern als Handwerker. Diese Zunft umfasste die drei Berufsgruppen der Schilderer, der Tüncher(für das Bemalen von Wänden) sowie der Anstreicher, die Möbel usw. farbig fassten. Vgl. Seyler, Gustav A.: Berufswappen, in: J. Siebmacher`s großes Wappenbuch, Neustadt an der Aisch, 1976, S. 8 und 10ff. Das älteste Zunftwappen der Schilderer in dieser Gestaltung(14. Jahrhundert) stammt aus Freiburg i.Br. Vgl. ebenda, Tafel 11 im Anhang. Noch heute trägt die Malerinnung(Handwerkskammer der Maler und Lackierer) diese drei Schilde in ihrem Logo. 20 Vgl. die bronzene Kolossalstatue der Bavaria, die Ludwig Schwanthaler(1802 – 1848) kurz vor seinem Tode entwarf und die seit 1850 auf der Theresienwiese vor der Ruhmeshalle in München steht. 15 Exponat Nr. 58 Auf der Festschrift der Senefelder Feier in Lahr Deutlich fallen die drei Wappenschilde der Maleim Breisgau von 1902 zeigt sich der Jugendstil deutrei auf. Dies ist der einzige Hinweis in diesem Werk, 16 licher(Exponat Nr. 57). der die Bedeutung von Senefelders Erfindung wiederWieder sehen wir die Büste Senefelders. Die Ehgibt. rung des Erfinders nimmt zwar großen Raum in der Stilistisch ist das Werk von der reduzierten FormAbbildung ein, doch ist bei der Herangehensweise der gebung des Werkbundgedankens beeinflusst. Die OrErnst gewichen. Fast spielerisch umgibt der Lorbeer namentik ist auf ein Mindestmaß reduziert und ein die Figur. Dieses Zeichen der Ehrerbietung ist nicht Großteil des Werkes ist von einer grob strukturierten als Kranz geflochten, sondern als lebendes Gewächs Fläche bestimmt. mit Früchten dargestellt. Vor ihm spielt eine Muse eine Leier und symbolisiert die Fröhlichkeit des Festes. Im Gegensatz zu Senefelders ernsthaftem Ausdruck wirkt Festschriften mit Jubiläumsdarstellungen sie entrückt und hingebungsvoll. In dieser Darstellung ist es gelungen, eine fröhliche Feier zu beschreiben, Insbesondere bei den Festschriften der Ausstellung, ohne das Andenken Senefelders der Lächerlichkeit welche Jubiläen zur Erfindung des Steindruckes darPreis zu geben. stellen, überwiegt die ernsthafte Gestaltung mit alleGanz anders präsentiert sich die Festschrift der gorischen Mitteln. Senefelder Feier in Kassel von 1920(Exponat Nr. 68). Aus Anlass der„Centralfeier der Lithographie“ in Jugendstil und Historismus sind verschwunden. In München 1896 erscheint auf der Festschrift im tyfetter, moderner Groteske zeigt sich die das Bild bepischen Stil des Historismus ein monumental wirkenherrschende Schrift. Das Arrangement wird klarer des Denkmal Alois Senefelders(Exponat Nr. 45). Die und, obwohl es sich um eine Farblithographie handelt, Büste des Erfinders ist mittig in die Nische eines Bauwirkt die Farbgebung zurückhaltend. werks gestellt und mit Pflanzen geschmückt. Palm- und Die Schrift ist durch ein gestrecktes Bogenfeld Lorbeerzweige sind zu erkennen. Unterhalb der Büsgetrennt, in dem eine Abbildung feiernde Menschen te ist das Wappen der Malerei zu sehen. Fast wie ein zeigt. Es ist Nacht und sie entfachen ein großes Feuer. Grabmal ist das der Renaissance nachempfundene Im Hintergrund sind Feuerwerkskörper entzündet Gebäude in einer parkähnlichen Umgebung eingebetworden. Bestimmt wird die Abbildung von einer riesitet. In den Zwickeln neben dem Nischenbogen sind gen Büste Senefelders, die hinter der feiernden Mendie Jahreszahlen 1796 und 1896 angegeben. Gemeint ge erscheint. Es wird kein Größenvergleich einer rieist vermutlich das hundertjährige Jubiläum von Senesigen, bestehenden Kolossalbüste zu den Feiernden felders erster Verwendung des Steins als Tiefdruckangestrebt. Vielmehr zielt die Darstellung darauf ab, verfahren. den Anlass der Feier zu visualisieren. 17 Exponat Nr. 57 18 Exponat Nr. 68 19 Exponat Nr. 45 Zur Verdeutlichung des Gedenktages stehen auf liefert ist, so kann die Darstellung des Jesuskindes dadem Gesims der vorspringenden Seiten des Denkmals hingehend ausgelegt werden, dass sich eine Abbildung 20 auf Sockeln zwei brennende Feuerschalen. des erwachsenen Jesus aus pietistisch-religiösen GrünIm Vordergrund hat sich links eine Frau niederden ausschließt. gelassen. Sie trägt einen Lorbeerkranz auf dem Haupt Dass es sich bei dem Kind um den jungen Jesus und hält mit der Linken einen Palmzweig. Sie ist jung handelt, kann durch eine Darstellung untermauert und schön. Auch wenn die klassischen Attribute fehwerden, die wir auf einem Heft zur Senefelderfeier len, drängt sich eine Deutung als Bavaria auf, die des von 1907 finden(Exponat Nr. 62). Auf dieser an die Erfinders der Lithographie gedenkt. Wiener Sezession angelehnten Abbildung sind drei Ihr gegenüber hält ein Kind ein Blatt mit der Wappenschilde zu sehen. Oben links der Wappenschild Aufschrift„SAXA LOQUUNTUR“(Steine reden). Sein der Lithographen mit verschiedenen ZeicheninstruNimbus stellt es als Heiligen dar und die Kleidung menten(Kreidestift, Kreidehalter, Pinsel und Lineal) verdeutlicht kirchliche Würde. Es könnte sich um einen sowie die Buchstaben„SNE“ für Senefelder, rechts Schutzheiligen handeln, doch ist eine Deutung nicht daneben der Wappenschild der Steindrucker mit Leunproblematisch. Durch die Figur des Kindes schließen derwalze und Druckballen. 22 In dem Wappenschild sich die Schutzpatrone der Buchdrucker aus, obwohl darunter sehen wir wieder das Kind. Es hat die Arme die Lithographen dem Druckergewerbe angehören. 21 ausgebreitet. In der Linken hält es ein Buch, mit der Naheliegend ist die Vermutung, dass durch das Rechten übt es den für Jesusdarstellungen typischen Kind der junge Jesus von Nazareth abgebildet ist. Segensgestus aus. 23 Schließlich beinhaltet die Losung der Steindrucker den Das Buch beinhaltet hier eine Doppeldeutigkeit. Ausspruch Christi, der von den Pharisäern auf das Einerseits stellt es in Verbindung mit Jesus das Neue Loblied der Jünger angesprochen, in Lucas 19, 40 Testament dar, andererseits ist es auch Symbol für zitiert wird, dass, sollten die Jünger schweigen, die das gedruckte Werk an sich und weist auf die Tätigkeit Steine sprechen würden – saxa loquuntur. Auch wenn der Lithographen hin. dieser Ausspruch von dem erwachsenen Jesus über21 Schutzpatrone der Buchdrucker sind Augustinus, Johannes Evangelista, Johannes von Gott, Katharina von Alexandria und Ludwig IX. Diese Heiligen werden in der Regel aufgrund ihrer Gelehrsamkeit bzw. der Verbreitung von religiösen Schriften mit Büchern oder Schreibutensilien, manchmal auch mit ihren Marterwerkzeugen dargestellt – niemals aber als Kind. 22 Diese beiden Wappenschilde sind auch Teil des Wappens der Lithographen, Steindrucker und Offsetdrucker. 23 Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand sind ausgestreckt. Ring- und Kleiner Finger bleiben angewinkelt. In der christlichen Ikonographie hat dieser Gestus bei Jesusdarstellungen höchste Symbolkraft. Die ausgestreckten Finger deuten nach oben und symbolisieren die Dreieinigkeit Gottes, seines Sohnes Jesu und des Heiligen Geistes. Die zwei angewinkelten Finger weisen nach unten und versinnbildlichen das göttliche und menschliche Dasein Christi. Vgl. Keller, Hiltgart L.: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten, Stuttgart 1991, S. 148f. 21 Exponat Nr. 62 Bezogen auf das Jubiläum der Erfindung der LiBeachtlich und für den Historismus eher untypisch thographie sind in der Ausstellung verschiedene Daten ist die verlaufende Darstellungsweise der einzelnen 22 auf den Festschriften ablesbar. Waren auf dem DenkFormen. Es ist zwar das Innere einer Druckerei wiemal Senefelders die Jahreszahlen 1796 und 1896 dergegeben, doch sind die Konturen des Raumes nicht angegeben, ohne weiter darauf einzugehen, welche erkennbar. Die Treppe verschwindet nebulös in der Erfindung dabei gemeint ist, so findet sich auf der Fläche. Auch der Reiber der Stangenpresse ist nach Festschrift„100 jährige Jubelfeier der Erfindung der oben nicht weiter ausgeführt. Anders hingegen die Lithographie“ ein Putte, der als Veranstaltungsdatum Formen der Außenansicht. Hier sind die architektoder 28. November 1895(Exponat Nr. 44) vorzeigt. nischen Elemente klar durch den runden Ausschnitt Somit wird die Erfindung der Lithographie auf 1795 begrenzt. datiert, was einer historischen Überlieferung entbehrt. Deutlich beruhigter wirkt die Darstellung der Die Darstellung zeigt, ebenfalls im historistischen Stil, „Festzeitung zur Jahrhundertfeier der Erfindung des das Innere einer Druckerei. Wir sehen Senefelders Chemischen Steindrucks“(Exponat Nr. 50). In einem Stangenpresse mit dem Reiber, auf der Presse liegt runden, mit einem Lorbeerkranz versehenen Medailder steinerne Druckstock sowie die Lederwalze, im lon begegnet uns das Portrait Senefelders. Darunter Hintergrund ist ein Tisch mit Blättern bedeckt. An der sind in einem Spruchband sein Name und die JahresStangenpresse sitzt ein junger Mann, der einen Druck zahlen 1799 und 1899 eingegeben. Auffallend ist, dass begutachtet. Anzunehmen ist, dass es sich hierbei um sich die Jahrhundertfeier auf das Jahr 1799 bezieht, die Allegorie des Druckes im Allgemeinen handelt, die, womit auch bei diesem Werk die Angabe nicht mit durch die Erfindung der Lithographie bereichert, den historischen Daten übereinstimmt. lorbeerbekrönt ist. Hinter dieser Figur schreitet die Von rechts nähert sich die Figur der Bavaria, die personifizierte Bavaria mit Palmzweig und Lorbeerlorbeerbekrönt und mit einem Palmzweig in der Linkranz die Stufen herunter. Der erhobene und strahlende ken Senefelder ehrt. Mit der Rechten hält sie das Buch Lorbeerkranz unterstreicht den Siegeszug der Lithoder Malerei, durch das Wappen als solches kenntlich graphie innerhalb des Druckgewerbes. gemacht. Somit wird eindrucksvoll hervorgehoben, Dahinter erhalten wir einen Blick auf eine Außendass die Lithographie einerseits als Wiedergabemediansicht eines mit Säulen verzierten Gebäudes. Durch um von Gemälden dienen kann, andererseits aber das Wappen der Malerei kann es als„Tempel der auch als eigenständiges Kunstwerk zu den Bildenden Malerei“ angesehen werden. Eine Gleichzeitigkeit: Künsten zu zählen ist. während in der Druckerei der Siegeszug der LithograBavaria schreitet auf ein Podest, dessen Inschrift phie für die Druckkunst präsentiert wird, sehen wir, von der Schriftfläche der Festzeitung überdeckt wie außerhalb die Malerei Senefelder ehrt und seiner wird. gedenkt. 23 Exponat Nr. 44 24 Exponat Nr. 50 Unterhalb der Figur ist das gemeinsame Wappen Diese Wappenschilde, die Feuerschale und die der Lithographen und Steinzeichner abgebildet, links Allegorie der Kunst wirken wie die floralen Gestaltunder Wappenschild der Lithographen, rechts der Steingen zweidimensional. Sie verschmelzen zu reiner De25 zeichner. koration, erscheinen fast ornamental. Ganz im GegenGestalterisch fällt bei diesem Werk der Einfluss satz dazu vermittelt die Büste Senefelders mit ihrer des Jugendstils auf. Die Figur der Bavaria, der HinterRäumlichkeit einen naturalistischen Eindruck. Sie ist grund, die Gestaltung des Medaillons und nicht zuletzt fast weiß und hebt sich deutlich aus dem tonig gehaldie Schrift zeigen eine deutliche Hinwendung zu dietenen Umfeld heraus. Hierdurch tritt die weibliche ser Stilrichtung. Figur trotz ihrer flächigen Dominanz gegenüber SeneGanz im Sinne des Jugendstils ist die Festzeitung felder in den Hintergrund. zur 25jährigen Jubiläumsfeier des Deutschen SenefelDieses Hervorheben von besonderen Bildelemenderbundes von 1898 gestaltet(Exponat 46). Es ist beten durch die Verbindung von flächig ornamentalen merkenswert, dass neben dem Jubiläum auch des 127. und räumlich naturalistischen Sequenzen ist eine DarGeburtstags von Senefelder gedacht wird, nicht aber stellungsweise, die in solcher Perfektion nur dem des 100jährigen Bestehens der Lithographie, bezogen Jugendstil zu eigen ist. auf die Angabe, die Senefelder selber macht. 24 Ganz anders erscheint dagegen die Festschrift zu Auch hier ehrt eine Frauenfigur den Erfinder der Senefelders 150. Geburtstag aus dem Jahre 1921(ExLithographie. Das Diadem auf ihrem Haupt mit den ponat Nr. 70). Auf dieser Abbildung steht Alois Senedrei Wappenschilden lässt uns sie als Allegorie der felder im Mittelpunkt ohne dass die Errungenschaften Malerei erkennen. Sie steht mit dem Rücken zum seiner Erfindung allegorisch gepriesen werden. Das Betrachter vor einer brennenden Feuerschale. Mit der Portrait Senefelders ist mittig vor einem grünen HinLinken hat sie einen Lorbeerkranz über die Büste tergrund gesetzt und von einem gekrümmten Eierstab Senefelders erhoben, in der Rechten hält sie einen sowie zwei geschmückten Füllhörnern, die BlumenvaGegenstand, der als stilisierte Malerpalette gedeutet sen tragen, gerahmt. 25 Auf den Vasen sind die Jahreswerden kann. Die beiden Wappenschilde zu ihrer zahlen 1771 und 1921 wiedergegeben und deuten auf Linken zeigen wieder die Utensilien der Steindrucker das Jubiläum, dessen Feierlichkeit bildlich allein durch und Lithographen, doch ist im rechten Schild statt des den Rahmen des Portraits repräsentiert wird. Kreidehalters ein Zirkel beigegeben. 24 Vgl. Senefelder, Alois, a.a.O., S. 27 sowie Anmerkung 7 in dieser Arbeit. 25 Füllhorn und Eierstab sind antiken Vorbildern entnommen und in diesem Werk ihrem eigentlichen Sinn entzogen worden. Das Füllhorn ist ursprünglich – überquellend gefüllt – das Attribut der römischen Glücksgöttin Fortuna. Der Eierstab entstammt der horizontalen, architektonischen Gliederung der griechischen Tempel. 26 Exponat Nr. 46 27 Exponat Nr. 70 Stilistisch sind in diesem Werk verschiedene So auf dem„Gedenkblatt an den Delegirten-Tag Einflüsse erkennbar. Bei dem Portraitrahmen wird des Vereins der Lithographen, Steindrucker& Berufs28 der üppige Rückgriff auf die neoklassizistische ForGenossen Deutschlands“ aus dem Jahre 1893(Exponat mensprache des Historismus deutlich, die sich mit der Nr. 40). Vor einem Portikus, dessen Gebälk auf korinfloral-ornamentalen Gestaltung des Jugendstils verthischen Säulen aufliegt, reitet eine geflügelte Frau bindet. Das flächige Grün des Hintergrundes weist auf einem Löwen. Sie bekrönt sich mit der Linken durch die Formreduktion einen anderen Weg, was selber mit einem Lorbeerkranz, in der Rechten hält den Rahmen formalistisch erscheinen lässt. Das farbisie eine Fahne mit der Losung des Kommunistischen ge Portrait des Erfinders ist zwar ein beeindruckendes Manifestes von Marx und Engels:„PROLETARIER/ Zeugnis der Farblithographie, vermittelt aber einen ALLER LÄNDER/ VEREINIGT EUCH“. Die Frau trägt kitschig-naturalistischen Eindruck. Ohne diese starke eine Phrygische Mütze, was sie als Allegorie der FreiFarbgebung wäre es jedoch in dem wuchtigen Rahmen heit erkennen lässt. 26 Auch wenn vereinzelt die Freiheit verloren und zu einer optischen Nebensache geworgeflügelt dargestellt wird, so sind Flügel und Lorbeerden. kranz die typischen Attribute der Nike, der Siegesgöttin, wodurch hier eine Verschmelzung der Nike und der Freiheit zu einer Person anzunehmen ist. 27 Eine Gedenkblätter mit politischer Aussage siegreiche Freiheit ist demnach zu erkennen, die auf einem Löwen reitet, der ihre Kraft und Macht einVergleichsweise gering ist in der Ausstellung die Anzahl drucksvoll hervorhebt. Der Löwe hat seine Pranke auf an Gedenkblättern, die eine politische Aussage verein Wappenschild gelegt, in dem„ACHTSTUNDENTAG“ mitteln. Auch in diesem Bereich treffen wir auf zumeist und„RECHT AUF ARBEIT“ geschrieben steht. Damit allegorische Darstellungen in Verbindung mit eindeuwird deutlich hervorgehoben, dass diese Forderungen tigen Forderungen der Arbeiterbewegung. nach Reduzierung der Arbeitszeit sowie dem Recht, 26 Die Bezeichnung„Phrygische Mütze“ geht auf den legendären phrygischen König Midas I. zurück, der einen musischen Streit zwischen Apollo und Pan zugunsten des Pan entschied. Von dem entzürnten Apollo mit Eselsohren bestraft, versteckte er diese unter einer Mütze. Fortan galt die Phrygische Mütze als Zeichen des Kampfes gegen die Unterdrückung. Von den Jakobinern wurde diese Kopfbedeckung zur Zeit der Französischen Revolution wiederentdeckt und ist seither ein Attribut der Allegorie der Freiheit. Vgl. Pfister, Peter: Ilse Schütze-Schur – eine vergessene sozialdemokratische Künstlerin des frühen 20. Jahrhunderts, Abbildung des Deckblattes der Maifestzeitung von 1910 in: www.fes.de/archiv/internet/ images/s-schur/mai10-1.jpg. 27 Die berühmte Darstellung„Die Freiheit führt das Volk“(1830) von Eugène Delacroix(1798-1863) zeigt die fahnenschwingende Allegorie in ähnlicher Weise. Jedoch weist diese Figur keine Flügel auf. Mit Flügeln und Phrygischer Mütze erscheint die Allegorie der Freiheit aber auf Darstellungen der Arbeiterbewegung, jedoch ohne das Siegessymbol des Lorbeerkranzes. Vgl. Pohl, Klaus-Dieter: Allegorie und Arbeiter, Osnabrück 1986, S. 166ff und 193ff. 29 Exponat Nr. 40 30 Exponat Nr. 43 Arbeit zu bekommen, mit der siegreichen und mäch- Weniger martialisch, aber in seiner Aussage tigen Freiheit verbunden werden. ähnlich präsentiert sich das„Gedenkblatt an die GeZur Rechten des Löwen sind durch verschiedene neralversammlungen der Bildhauer, Lithographen 31 Attribute die Gegner dieser Forderungen angedeutet: und Steindrucker“ in Nürnberg aus dem Jahre 1895 die Staatsgewalt, symbolisiert durch die Kanone und (Exponat 43). die Lanzettengewehre, sowie das Kapital, dargestellt Auf einem kleinen Hügel vor einem Wäldchen durch reich gefüllte Geldtöpfe. sitzt eine junge Frau. Auch ohne die typischen Attribute Dass diese Forderungen noch nicht durchgesetzt gibt sie sich als Allegorie der Freiheit zu erkennen, da sind, ist daran zu erkennen, dass eine Schlange diese sie mit der Linken auf ihren in der Ferne stehenden Attribute fest umschlingt und dabei die Freiheit geTempel weist. Mit der Rechten stützt sie sich auf ein fährlich anfaucht. Schwert, das unterhalb des Parierknebels mit einem An den Säulen sind zwei große Palmzweige festLorbeerkranz geschmückt ist und somit Siegesgewissgebunden und machen damit deutlich, dass die Fordeheit vermittelt. rungen der Arbeiterbewegung mit friedlichen Mitteln Ein direkt hinter der Allegorie befindliches Denkdurchgeführt werden soll. mal von Karl Marx mit der Losung des KommunistiOberhalb der Freiheit hat sich auf dem wehenden schen Manifestes verdeutlicht, dass der Freiheitskampf Fahnentuch ein Putto niedergelassen und trägt in der Arbeiterbewegung das zentrale Motiv ist. einem lorbeerkranzgeschmückten Medaillon die NaIm rechten Bildrand sind wieder die Attribute der men Ferdinand Lassalle und Karl Marx. 28 Staatgewalt und des Kapitals durch Lanzettengewehre, In diesem, mit seinen neobarocken Anklängen Kanone und Geldsack verdeutlicht. Die züngelnde dem Historismus zuzuordnenden Werk ist auffallend, Schlange und der Dornenbusch vermitteln das Böse wie eine politische Grundhaltung durch Verwendung und Unangenehme, wohingegen das hübsche, den von christlichen Symbolen verdeutlicht wird. Der das Betrachter anblickende Gesicht der Freiheit und der Gute assoziierende, himmlische Bote präsentiert die romantische Wald Sympathie hervorrufen. „Ikonen“ der Arbeiterbewegung, wohingegen die SchlanAm unteren Bildrand sind drei Wappen dargestellt: ge, das christliche Symbol für die Sünde und das Böse, rechts das Wappen der Lithographen und Steindrucker, das Kapital und die Staatsgewalt umschleicht. 29 links das der Bildhauer mit Holzhammer, Meißel und Zirkel zum Maßnehmen. 28 Ferdinand Lassale(1825-1864) legte mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein den Grundstein für die spätere Sozialdemokratie. Karl Marx (1818-1883) gilt als Vordenker der Arbeiterbewegung. 29 Die Verwendung christlicher Symbole zur Verdeutlichung politischer Aussagen ermöglicht keine Aussage über die religiöse Einstellung des Künstlers. Vielmehr stützen sich die Gestalter dieser Darstellungen auf Erkennungsstrukturen, die in der christlich-abendländischen Gesellschaft verwurzelt sind. Besonders in kämpferischen Abbildungen der Arbeiterbewegung werden christliche Symbole angewandt, um die politischen und gesellschaftlichen Gegner zu brandmarken. Vgl. Pohl, Klaus-Dieter, a.a.O., S. 150ff. Sie sind durch ein verknotetes Band verbunden. Natürlich konnten nicht alle in der Ausstellung In ihrer Mitte ist das Wappen der Malerei zu erkennen, gezeigten Werke näher betrachtet werden, da dies den 32 das beide Bereiche als Teile der Bildenden Kunst Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte. Nicht berückhervorhebt. sichtigt wurden die rein humoristischen Darstellungen Dahinter ist in beinahe fotorealistischer Manier sowie wortreiche Titelblätter oder Karikaturen. die Stadtansicht Nürnbergs abgebildet, der Ort, an Es konnte aber gezeigt werden, mit welch unterdem die Generalversammlungen Pfingsten 1885 stattschiedlichen stilistischen und ikonographischen Mitfanden. teln den verschiedenen Inhalten der Abbildungen Stilistisch klingen in diesem Werk Merkmale des Ausdruck verliehen wurde. Jugendstils an, auch wenn Haartracht und Gewand Nicht nur die unterschiedliche Anwendung der der Frauenfigur sowie der Tempel einen griechischFormensprache von Historismus und Jugendstil wurantikisierenden Eindruck hinterlassen. Die dekorative de deutlich, sondern es konnte auch eine Entwicklung Darstellung der Frau sowie die zwar detaillierte, aber zur Formreduktion aufgezeigt werden, wie sie der dennoch flächig reduzierte Erscheinung des Tempels Werkbundgedanke propagiert. entfernen sich deutlich von der Formensprache des Ferner zeigte die besondere Verwendung von Historismus. Allegorien und Symbolen eindrucksvoll das Selbstbewusstsein der Lithographen und Steindrucker, mit dem sie die Bedeutung der Lithographie für die BilSchlussbetrachtung dende Kunst hervorhoben. Auch wenn die Lithographie heute nicht mehr In dieser Abhandlung wurden einige Werke der Ausden Stellenwert besitzt, den sie vor hundert Jahren stellung exemplarisch vorgestellt und stilistisch sowie hatte, so bleibt sie ein unverzichtbarer Wegbereiter inhaltlich bestimmt. für die modernen Druckverfahren und wird darüber hinaus in der Bildenden Kunst weiterhin als ausdruckstarkes Medium verwendet und geschätzt. Literaturauswahl: Adhémar, Jean; Cogniat, Raymond: Europäische Graphik im 20. Jahrhundert, Paris und Hamburg[o. J.]. 33 Dohmen, Walter: Die Lithographie. Geschichte, Kunst, Technik, Köln 1982. Friedländer, Max J.: Die Lithographie, Berlin 1922. Hermand, Jost[Hrsg.]: Jugendstil, 3. unveränderte Auflage, Darmstadt 1992. Pfister, Peter: Fraktur – Eine neue Herausforderung, in: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung[Hrsg.]: Soziale Bewegung online. Projekte der Friedrich-Ebert-Stiftung und ihrer Partnerorganisationen. Bd. 17, Bonn 2005. Pohl, Klaus-Dieter: Allegorie und Arbeiter. Bildagitatorische Didaktik und Repräsentation der SPD 1890 – 1914, Inaugural-Dissertation, Osnabrück 1986. Senefelder, Alois: Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey, München 1818[Faximiledruck]. Seyler, Gustav A.: Berufsgruppen, in: J. Siebmacher‘s großes Wappenbuch, Band 7, Neustadt an der Aisch 1976. Schlünder, Inge: Die deutschen Künstler-Steinzeichnungen und die kunstpädagogische Reformbewegung in der Wilhelminischen Ära, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe XXII, Bd. 8, Bern und Frankfurt am Main 1973. Weber, Wilhelm: Aloys Senefelder zum 200. Geburtstag, Ausstellungskatalog, Offenbach am Main 1972. Weber, Wilhelm: Saxa loquuntur. Steine reden. Geschichte der Lithographie, Band I, München 1961. Grimm, Claus[Hrsg.]: Von Senefelder zu Daumier. Die Anfänge der lithographischen Kunst, München, New York, London, Paris 1988. Winkler, R. Armin: Die Frühzeit der deutschen Lithographie. Katalog der Bilddrucke von 1796 – 1821, Ausstellungskatalog, München[o. J.]. Websites: Pfister, Peter: Ilse Schütze-Schur – eine vergessene sozialdemokratische Künstlerin des frühen 20. Jahrhunderts, unter: www.fes.de/archiv/internet/schuetze-i.htm, Bonn 2003. Eine Odyssee um die Welt: 34 Zur wechselvollen Geschichte der Bestände der Lithographen und Steindrucker Rüdiger Zimmermann In der Ausstellung„‚Gott grüß’ die Kunst!’ Illustrationen und Festschriften der gewerkschaftlich organisierten Drucker, Setzer und Hilfsarbeiterinnen“ werden schöne und repräsentative illustrierte Sondernummern und Festschriften des ehemaligen„Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe“ gezeigt. Nichts deutet darauf hin, dass die wertvollen Einzelstücke eine spektakuläre„Reise“ hinter sich haben, die sie über Berlin, Offenbach, Washington zurück nach Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Bonn führten. Heute werden die seltenen und kostbaren Bestände in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in einem„sicheren Hafen“ verwahrt. Die meisten der in dieser Ausstellung gezeigten Exponate stammen aus der Bibliothek der ehemaligen Industriegewerkschaft Medien, Druck und Papier, Publizistik und Kunst in Stuttgart. Im Februar 1997 entschied der Hauptvorstand der IG Medien seine vollständige Büchersammlung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu übergeben. Bereits einige Jahre vorher war die Entscheidung gefallen, einen Großteil der Aktenbestände der Gewerkschaft an das Archiv der sozialen Demokratie der FriedrichEbert-Stiftung abzugeben. Seit den späten achtziger Jahren hatte sich die Friedrich-Ebert-Stiftung zum Zentrum der nationalen und internationalen Gewerkschaftsforschung im graphischen Gewerbe entwickelt, nachdem der Vorstand der Internationalen Graphischen Föderation sich dafür ausgesprochen hatte, seine Materialien vor dem Umzug aus der Schweiz nach Brüssel der Stiftung anzuvertrauen. Im folgenden Beitrag soll in knappen Skizzen die Geschichte des abenteuerlichen Weges nachgezeichnet werden, den ein Gutteil der Ausstellungsstücke„gegangen“ ist. Für diese Skizze ist es notwendig, in der gebotenen Kürze auf die Gewerkschaftsgeschichte, die kulturdarwinistischen Strategien der Nationalsozialisten und die Entschädigungspolitik der westlichen Alliierten einzugehen. Die Bibliothek der IG Medien und ihre Altbestände Die Geschichte der Altbestände der Bibliothek der IG Medien ist eng mit der Geschichte der ältesten deutschen Gewerkschaft selbst und eng mit der wechselhaften Geschichte von Gewerkschafts- und Arbeiterbibliotheken in Deutschland verbunden. Die Wurzeln gewerkschaftlichen Engagements der Buchdrucker reichen bis in die Zeit der bürgerlichen Revolution von 1848/49 zurück: Damals begründeten Gewerkschafter versammelten sich im„Graphischen Buchdrucker und Zigarrenarbeiter die ersten gewerkZentralverband“ mit Sitz in Köln, der von dort aus die schaftlichen Organisationen. „Graphische Stimme“ als„Organ der christlich-natio35 1866 konnte der„Deutsche Buchdruckerverband“ nalen Berufsgewerkschaft für Angehörige der graphinach Repressionen und Verfolgungen neu begründet schen und papierverarbeitenden Industrie“ vertrieb. werden. Aber der Buchdruckerverband war nicht die Drucker gehörten zur Avantgarde der deutschen einzige Gewerkschaft der„Papierarbeiter“. Der„VerArbeiterbewegung. Sie hatten Land und Leute gesehen, band der Lithographen und Steindrucker“ zählte ebenmeist im Ausland gearbeitet und nahmen auf den so dazu wie der„Verband der Buchbinder und Papierverschiedensten Ebenen der deutschen Arbeiterbeweverarbeiter“ und der„Verband der graphischen Hilfsgung„Spitzenplätze“ ein. Besonders im Bildungswesen arbeiter und Hilfsarbeiterinnen“. waren Drucker und Schriftsetzer überproportional Arbeitsteilung und berufsständisches Bewusstsein vertreten. Johann Heinrich Wilhelm Dietz 1 , Reichsförderten lange Zeit organisatorische Eigenständigtagsabgeordneter und Verleger der Sozialdemokratie, keiten. Und es dauerte bis zum Jahre 1919, ehe sich hatte ebenso den Druckerberuf erlernt wie Emil Dittdie„Papiergewerkschaften“ im„Graphischen Block“ mer 2 , der als leitender Redakteur der Zeitschriften des zu einer losen Dachorganisation zusammenschlossen. „Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter“ und Die Namen weiterer angeschlossener Gewerkschaften, des„Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentwie der„Zentralverein der Formstecher und Hilfsarlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs“ beiter Deutschlands“, der„Deutsche Photographengewegweisende Markierungen für die Arbeiterbildung hilfen-Verband“, der„Notenstecher-Gehilfenverband“, in der Weimarer Republik setzte. der„Deutsche Xylographen-Verband“ beleuchten Eine Pionierrolle in der Bildungsarbeit nahm der treffend die breitgefächerten Strömungen, die in den Bildungsverband der deutschen Buchdrucker ein. 1924 „großen Strom“ eines einzigen graphischen Dachverwurde auf einer Fachtagung des Bildungsverbandes bandes eingegangen sind. auf Initiative von Bruno Dreßler die Büchergilde GutenAll das hier Gesagte gilt natürlich nur für die berg aus der Taufe gehoben. Sie besteht bis zum heuFreien, sozialdemokratisch orientierten gewerkschafttigen Tag. Die Buchgemeinschaft sollte der Arbeiterlichen Berufsorganisationen. Überzeugte christliche schaft die Möglichkeit geben, preisgünstig kulturell 1 Graf, Angela: J.H.W. Dietz. 1843-1922. Verleger der Sozialdemokratie. Bonn, 1998.(Reihe: Politik und Gesellschaftsgeschichte; 50) 2 Zimmermann, Rüdiger: 100 Jahre ÖTV. Biographien. Die Geschichte einer Gewerkschaft und ihrer Vorläuferorganisationen. Frankfurt am Main, 1996, S. 42-44. hochwertige Bücher zu erwerben. Das GewerkschaftsDarüber hinaus entwickelten sich schon sehr früh unternehmen verstand sich als„Kulturinstitution der bei den Verbandsvorständen Bibliotheken, die den 36 Werktätigen“. 3 Mitarbeitern der Gewerkschaftsvorstände zur VerfüZu den großen kulturellen Gesamtleistungen der gung standen. In der Regel waren die Verbandsvordeutschen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung stände in Hamburg und Berlin ansässig:„Sie samzählt der Aufbau großer Arbeiterbibliotheken. Ihre melten eigene Druckschriften, wie Protokolle der GeBlüte lag vor dem ersten Weltkrieg. Warum war das werkschaftskonferenzen, der Verbandstagungen, der so? Worin lagen die Ursachen? Lag nicht der kulturelle Jahres- und Rechenschaftsberichte, die Jahrgänge Schwerpunkt der Arbeiterbewegung in der Zwischender Gewerkschaftspresse, Parteiliteratur der SPD, stakriegszeit? Die Antwort fällt leicht. Die Demokratisietistische Materialien und andere Drucksachen. Häufig rung nach der Novemberrevolution, die Beteiligung waren die Bibliotheken mit Archiven kombiniert, zum der Arbeiterparteien an lokalen und regionalen VerwalTeil nahmen sie auch Archivfunktionen für die vertungen führte in vielen Fällen dazu, dass Gewerkschaftsbandseigenen Druckerzeugnisse wahr.“ 5 1928 wurden bibliotheken und Arbeiterbibliotheken mit kommunain Deutschland 1.355 Gewerkschaftsbibliotheken mit len Bibliotheken verschmolzen. 847.999 Büchern gezählt. 4 Dennoch: Auch in der ersten deutschen DemoBeim Aufbau der Gewerkschaftsbibliotheken kratie war das Niveau gewerkschaftlicher Bibliotheken spielten die organisierten Arbeiter im graphischen respektabel. Gewerkschaftsbibliotheken wurden auf Gewerbe eine besondere Rolle. Authentisch beschreimehreren Ebenen aufgebaut und betreut. Teilweise ben„Die Bibliothekare“ der Münchener Bibliothek fungierten die einzelnen„Zahlstellen“,„Ortsvereine“ des Verbandes der Deutschen Buchdrucker die Ent„Verwaltungsstellen“ als Träger. Teilweise wurden die wicklung:„Mit dem Beginn der GewerkschaftsbeweGewerkschaftsbibliotheken von den Gewerkschaftsgung wurde es auch ein Bedürfnis der Arbeiterschaft, zusammenschlüssen vor Ort(„Gewerkschaftskartelle“) eine ihren Berufen entsprechende Literatur zu samgetragen, teilweise fungierten als Träger Zusammenmeln; je nach dem Bildungsgrade dieser Berufe mussschlüsse der Gewerkschaftskartelle mit den lokalen te auch dem Verlangen nach anderer als beruflicher sozialdemokratischen Wahl- und Ortsvereinen(„ArLiteratur Rechnung getragen werden und dadurch beiterbibliotheken“). entwickelte sich aus kleinen Anfängen mit der Zeit 3 Bücher, Bilder und Idee. 75 Jahre Büchergilde. Frankfurt am Main, 1999. 4 Braun, Heinz:„Zum Schicksal der Archive und Bibliotheken der deutschen Gewerkschaften“. In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung(IWK). 34(1998) 1, S. 8 5 Ebda. 37 Exponat Nr. 1 eine gute Bibliothek. Zu den Berufen, welche großes schaftlichen Bibliotheken. Die lokalen Festschriften Interesse am Besitz einer eigenen Bibliothek haben, und illustrierten Sondernummern waren sogar noch 38 dürften in erster Linie die Buchdrucker genannt werseltener. Sie finden sich in keiner Nationalbibliographie den.“ 6 verzeichnet und sind in keinem offiziellen BücherverBereits zwei Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges zeichnis nachgewiesen. konnte die Münchner Buchdruckergewerkschaft knapp Über die vielen Bibliotheken auf lokaler Ebene 3.000 Bände mustern. Darunter befanden sich wertder graphischen Arbeiter wissen wir recht gut Bevolle typographische Zeitschriften und ein solider scheid. In zahlreichen Festschriften und in den lokaFundus sozialpolitischer Literatur. Die Stettiner Biblilen Rechenschaftsberichten finden sich viele Details. othek umfasste 1908 über 1.000 Bände(bei 278 Wenig wissen wir über die Zentralbibliotheken der Mitgliedern 7 ), dies war eine Bestandsgröße, über die diversen„Papiergewerkschaften“. Meist kann man die Chemnitzer Kollegen erst 1926 mit Stolz berichten aus den Quellen nur herauslesen, dass es sie gab. Die konnten. 8 Die Ortsgruppe Stuttgart im Bildungsverband Jahresberichte des Vorstandes des Verbandes der der Deutschen Buchdrucker hielt zu ihrer besten Zeit Deutschen Buchdrucker weisen im Durchschnitt jährin der Weimarer Republik 35 laufende Zeitschriften, liche Aufwendungen um 2000 Mark auf. 10 Diese darunter das„Archiv für Buchgewerbe und GebrauchsSumme ist nicht besonders hoch, aber das meiste graphik“, die in Wien herausgegebene„Graphische dürfte eh als Geschenkliteratur in die Bibliothek geRevue“ sowie die„Schweizer graphischen Mitteilungen. flossen sein. Organ für die Interessen der Graphischen Kunst“. 9 Natürlich: In den Gewerkschaftsbibliotheken befand sich viel Dutzendware. In der Regel waren es Beschlagnahmt, verbracht, verbrannt: Romane, die von den erholungsuchenden Arbeitern Die Büchersammlungen der graphischen nach Feierabend„massenhaft“ gelesen wurden. DenGewerkschaften während der Nazi-Zeit noch: Virtuell gesehen befanden sich in den Gewerkschaftsbibliotheken enorme Kostbarkeiten. Es waren Das Schicksal der Bibliotheken der Gewerkschaften die eigenen Verbandsschriften, die„kostbar“ waren, der graphischen Industrie nach der nationalsozialisdenn sie fehlten in den meisten deutschen wissentischen Machtergreifung war eng verflochten mit dem 6 Bücherverzeichnis der Bibliothek. Hrsg.: Verband der deutschen Buchdrucker, Mitgliedschaft München. München, 1912. 7 Reinke, Gustav: Festschrift zum 40-jährigen Bestehen des Vereins Stettiner Buchdrucker 1868-1908. Stettin, 1908. 8 Bücherei der Mitgliedschaft Chemnitz im Verbande der Deutschen Buchdrucker. Bücherverzeichnis. III. Ausgabe. Chemnitz, 1926. 9 Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker: Jahresbericht 1926/27, S. 10-11. 10 Verband der deutschen Buchdrucker: Bericht. Berlin, 1919(1920)-1929(1930). Schicksal der Bibliotheken der übrigen ArbeiterbeweDie nationalsozialistische Literatur zeichnete sich gung. Gewöhnlich wird nationalsozialistische Kulturdurchgängig durch einen irrationalen Zug aus. Ziel politik gegenüber„feindlichen Büchern“ mit Bücherwar es, das geistige Erbe des politischen Gegners und 39 verbrennung gleichgesetzt. Natürlich stimmt das auch. des scheinbar„rassisch“ Unterlegenen zusammenAls„Grundlage für die symbolische Handlung im zutragen und es gleichsam zu beherrschen. Michael Verbrennungsakt“„Gegen Klassenkampf und MateriaKuntz hat diesen Irrationalismus treffend beschrieben: lismus.FürVolksgemeinschaftundidealistischeLebens„The Nazis were motivated by the lust for total control, haltung“ wurden von den Verantwortlichen als erste greed, and the need to replenish state and Nazi coffers. zu verbrennende Schriftsteller Karl Marx und Karl A key element in this onslaught was the seizure of arKautsky genannt. 11 Und Karl Kautsky mit seinen Schriftistic, literacy, and cultural property, ranging from the ten„Was ist Sozialisierung?“,„Richtlinien für ein somerely sentimental to the priceless. This aspect of the zialistisches Aktionsprogramm“ und„Der ArbeiterNazi was not only economic, but also psychological.” 12 schutz besonders die internationale ArbeiterschutzDie Gier am Rauben und Besitzen betraf Kunstgesetzgebung und der Achtstundentag“ kann man und Kulturgüter aller Art: Gemäldesammlungen, Argetrost als Synonym für das Verbrennen gewerkschaftchive, Altare, Bibliotheken, Münzsammlungen. Wählicher Literatur sehen. rend der nationalsozialistischen Herrschaft beschlagDennoch: Das Hauptaugenmerk der„Verbrenner“ nahmten unterschiedliche„Spezialeinheiten“ jedweder galt der Schönen Literatur. Romane aus GewerkschaftsProvenienz. Insgesamt zeigte sich bei diesen Raubverlagen fielen ebenfalls dem Autodafé zum Opfer. Der aktionen das hinlänglich bekannte Bild nationalsoziaprominenteste war vielleicht B. Traven, der mit seinen listischer Herrschaftsausübung. Sich eifersüchtig beRomanen der Büchergilde Gutenberg zu Anerkennung kämpfende Konkurrenzgruppen, unterschiedlichen und Prestige verholfen hatte. Gleichwohl stand die Potentaten von Partei und Staat zur Loyalität verpflichpolitische Gewerkschaftsliteratur bei den Verbrentet, suchten„ihren“ Teil der Beute auf„ihre“ Seite zu nungen nicht im Vordergrund. Die Gewerkschaftsliteschlagen. Oft ging es um hemmungslose persönliche ratur wurde zusammengeraubt und als Trophäe beBereicherung. 13 Oft ging es nur um die„Gier“, den handelt. größten intellektuellen Schatz des niedergeschlagenen Gegners zu besitzen und zu bewahren. 11 Krummsdorf, Juliane: Verbrannt, verboten, verbannt, vergessen? Zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen 1933. Bibliographie zur Schwarzen Liste/Schöne Literatur. 3., überarb. und erw. Aufl., Dresden, 1996, S. 2. 12 Kurtz, Michael J.: Nazi contraband. American policy to the return of European cultural treasures. 1945-1955, New York, 1985, S. 13. 13 Die Arbeit von Nicholas, Lynn H.: Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer Kulturschätze im Dritten Reich. München, 1995 bietet Belegstücke für die verbrecherische Sucht nach persönlicher Bereicherung in Hülle und Fülle. 40 Exponat Nr. 3 Gewerkschaftsbibliotheken im Druckergewerkschaften bibliographiert, sondern sie nationalsozialistischen Interessenkonflikt auch breit gesammelt. 1919 stellte er seine Bibliothek der lokalen Berliner Gewerkschaftsbewegung zur Ver41 Auch die beschlagnahmten Gewerkschaftsbibliotheken fügung. 16 gerieten in den Interessenkonflikt konkurrierender Die DAF unterlag in einem internen Machtkampf NS-Einrichtungen. Im konkreten Fall waren das die und musste auf Veranlassung des Hitler-Stellvertreters, Deutsche Arbeitsfront(DAF) und die NSDAP selbst. Rudolf Hess, ihre Archivbestände mit der SassenbachDie Deutsche Arbeitsfront hatte das Haus des freigeBibliothek nach München geben. In der bayerischen werkschaftlichen Dachverbandes Allgemeiner DeutMetropole wurden sie künftig im„Hauptstaatsarchiv scher Gewerkschaftsbund(ADGB) besetzt und für ihre der NSDAP“ verwahrt. 17 Zwecke in Beschlag genommen. Hier entstand im Januar 1934 das„Parteiarchiv der NSDAP und der DAF“. Archive, Kataloge, Bibliotheken der verbotenen Zentralbücherei der DAF, Library of Congress Arbeiterorganisationen sollten hier erhalten bleiben Mission, Rückführung nach Deutschland und in einer„Reichshalle der NSDAP“ den endgültigen Sieg der Bewegung dokumentieren. 14 Den Verlust, den die DAF durch Abgabe an das NSDAPIm ersten Zugriff hatte sich das Reichsarchiv die Hauptarchiv hatte hinnehmen müssen, suchte ihr Chef, Bibliothek des Bundesvorstands des ADGB und die Robert Ley, durch diverse Anordnungen wettzumachen. Sassenbach-Bibliothek einverleibt. Die Bibliothek JoDiverse Neugründungen und Umgruppierungen bestehann Sassenbachs, ehedem Vorsitzender des„Allgehender DAF-Einrichtungen dienten diesem Ziel. 18 Bemeinen deutschen Sattlervereins“, Gründer und Vorsonders relevant war die Gründung der wissenschaftsitzender der Berliner Volkshochschule und Sekretär lichen Zentralbibliothek der DAF. Die zentrale DAFdes Internationalen Gewerkschaftsbundes, galt als die Bibliothek umfasste u. a. die alte„Zentralbücherei der größte und bedeutendste Arbeiterbibliothek der Welt. DAF“(in Wirklichkeit die Bibliothek des Allgemeinen Der erste Bibliograph gewerkschaftlichen Schriftgutes 15 Deutschen Gewerkschaftsbundes) sowie die Bestände hatte selbstverständlich nicht nur die Literatur der angehäufter Gewerkschaftsbibliotheken bei unterge14 Braun,„Zum Schicksal der Archive...“, a.a.O., S.12. 15 Sassenbach, Johannes: Verzeichnis der in deutscher Sprache vorhandenen gewerkschaftlichen Literatur. Nachtrag zur 4. Ausg. Berlin, 1912. 16 Zu Sassenbachs Biographie s. Scheugenpflug, Otto: Johann Sassenbach. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. Hannover, 1959. 17 Braun,„Zum Schicksal...“, a.a.O., S. 13 f. 18 Zu diesem Komplex s. Braun,„Zum Schicksal...“, a.a.O., S. 16 ff. ordneten Dienststellen der DAF. Trotz Ausscheidens von Volksbildung des Magistrats der Stadt Berlin vom 18. Dubletten wuchs die Bibliothek rasch. Die zusammenJuli 1945 hatte dieser dem Transport der geretteten 42 geraubte Bibliothek umfasste 1938 336.000 Bände. 19 Bücher aus dem alten Haus der Drucker in den Ost1943 begann die DAF mit der Auslagerung ihrer sektor der Stadt zugestimmt. In der Wallstraße im Bibliotheksbestände. Vieles spricht dafür, dass ein OstteilderStadtbezogderFreieDeutscheGewerkschaftsDrittel der Bestände nach Polen verlagert wurden. Der bund sein neues Domizil. Treuhänder in der britischen Hauptbestand überlebte jedoch wie ein Wunder das und amerikanischen Zone hatten dem„Deal“ im Sepkriegerische Inferno im ehemaligen Haus der Deuttember des gleichen Jahres nicht widersprochen. 22 schen Buchdrucker. Das vom Architekten Max Taut Anders sah das der erste nach Berlin entsandte Beentworfene Haus galt als„Perle“ der deutschen Geauftragte der Library of Congress(LoC). werkschaftshäuser. Das Verbandshaus bestand aus Die amerikanische Besatzungsmacht hatte im einem Verwaltungsgebäude und einem fünfstöckigen April 1946 die sogenannte„Library of Congress MisWohnhaus. Es erlitt Kriegsschäden; in den Kellern sion“ ins Leben gerufen, um herrenloses NSDAPüberstanden jedoch die von der DAF zusammengeSchriftgut zu sichern und nach Washington zu verschitragenen und dort ausgelagerten Bestände die Bomcken. Dort sollte es auf amerikanische Bibliotheken bardements auf die Hauptstadt. Die gerettete Bibliothek aufgeteilt werden. Der erste Berliner Beauftragte, Jacob geriet bald in den Interessenstreit der konkurrierenden Zuckerman, interpretierte seine Mission großzügig: In Siegermächte. 20 Zunächst schien die sowjetische BeVerhandlungen mit den innerstädtischen Behörden satzungsmacht alleine über das Schicksal„des Schatund dem neu gegründeten Freien Deutschen Gewerkzes“ zu bestimmen: Früh hatte der Oberste Chef der schaftsbund„sicherte“ Zuckerman über 100.000 BänSowjetischen Militäradministration in seinem Befehl de für die amerikanische Kongressbibliothek. Der junge Nr. 2 die neugegründeten Gewerkschaften zu Treuhänamerikanische Offizier ließ die„erbeuteten“ Buchbedern für das Gesamtvermögen der Deutschen Arbeitsstände über das legendäre Offenbach Archival Depot front eingesetzt. 21 In einem Schreiben der Abteilung in die amerikanische Hauptstadt bringen. 23 19 Ebda, S. 22. 20 Roth, Karl Heinz und Karsten Linne,„Searching for lost archives. New documentation on the pillage of trade union archives and libraries by the Deutsche Arbeitsfront(1938-1941) and on the fate of trade union documents in the postwar era“. In: International Review of Social History. 38 (1993), 2, S. 169 ff. 21 Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR. Sassenbach-Stiftung. Archiv der Gewerkschaftsbewegung. Archivsignatur 3201.38. 22 Ebda. 23„17. April 1946. Appointment of Dr. Jacob Zuckermann[!], Library of Congress Mission Representative, to supervise move of books and other library materials from Berlin to Offenbach”. Siehe Sammlung und Restbestände des vom Einsatzstab Rosenberg geraubten Kulturgutes ab 1946 in Offenbach/Main. Hg. Helmut Keiber. Giessen, 1993 S. 3. Bei der Broschüre handelt es sich im wesentlichen um den Wiederabdruck zweier Monatsberichte des Offenbach Archival Depot aus dem Jahre 1946, die im National Archive in Washington aufbewahrt sind. 43 Exponat Nr. 2 Das Offenbach Archival Depot(OAD) und bombensicheren Ausweichlagern aller Art. Die Soldaten fanden hier geraubte Kulturgegenstände wie 44 Was hatte es nun mit diesem legendären Depot in gesicherte Materialien aus rechtmäßigem deutschen Offenbach auf sich? Wer unterhielt es? Welche FunkBesitz. Vieles stammte aus den verbrecherischen Aktionen erfüllte es? Warum geriet es so schnell in Vertivitäten des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg 26 . gessenheit? In dieser Großsammelstelle geraubter Die geraubten Bücherberge aus nationalsozialisLiteratur wurden von der amerikanischen Besatzungstischen Verstecken wurden unmittelbar nach Kriegsenmacht ca. 4 Millionen Bände unterschiedlichster Prode in ein leerstehendes Gebäude der IG Farben weiter venienz zusammengeführt, um ihren rechtmäßigen nach Offenbach überführt. 27 Wortwörtlich trafen in Besitzern übereignet zu werden. Meist handelte es Offenbach in kürzester Zeit tausende Tonnen Bücher sich um jüdische Bibliotheken, die der Einsatzstab ein. Nach schwierigen Verhandlungen gelang es den Reichsleiter Rosenberg(ERR) zusammengeraubt hatArchivaren und Historikern in amerikanischer Unite. Allerdings befanden sich auch geraubte Bestände form, Offenbach ab Mai 1946 zum zentralen Depot für aus Arbeiterbibliotheken in dem Depot. 24 die amerikanische Zone(Hessen, Bayern, Bremen, Gegen Ende des Krieges kam es in den Vereinigten Nordwürttemberg/Nordbaden, amerikanischer Sektor Staaten zu verschiedenen Initiativen, kulturelle Güter in Berlin) zu machen. Der Sammelauftrag des Offenbach durch den Vormarsch der westlichen Alliierten nicht Archival Depot bezog sich ausdrücklich auf Bücher, in Mitleidenschaft zu ziehen. Unterschiedliche BemüKunstgegenstände waren davon nicht betroffen. Zur hungen auf staatlicher Ebene mündeten in der Grünbesten Zeit arbeiteten im Jahr 1946 176 Mitarbeiter dung der amerikanischen Monuments, Fine Arts and an den Offenbacher Bücherbergen. Archives Section(MFA&A). In Wirklichkeit handelte es sich um einen kleinen Kreis fachlich ausgebildeter Offiziere – von der kämpfenden Truppe meist missSkrupel in Washington, Freude in Düsseldorf trauisch beäugt –, der trotz verschwindend kleiner Zahl unglaublich viel für die Rettung der Kulturgüter Über die genauen logistischen Abläufe der Überführung tat. 25 Rasch nach Überschreitung der deutschen Grender Gewerkschaftsmaterialien wissen wir nicht Bezen stieß die MFA&A auf eine Fülle von Verstecken scheid. Dennoch lässt sich in groben Zügen ein Bild 24 Weber, Franz Konrad:„Die Rückführung der in den Jahren 1938 bis 1945 verschleppten österreichischen Bücherbestände“. In: Biblios, 28(1979) 1, S. 29-31. 25 Poste, The development …. a.a.O., S. 114. 26 Siehe zu den Aktivitäten Manasse, Peter M.: Verschleppte Archive und Bibliotheken. Die Tätigkeit des Einsatzstabes Rosenberg während des Zweiten Weltkrieges. St. Ingbert, 1997. Siehe auch Vries, Willem de: Kunstraub im Westen 1940-1945. Alfred Rosenberg und der„Sonderstab Musik“. Frankfurt am Main, 2000. entwerfen: Über die Infrastruktur des Offenbach Aris estimated that approximately 60.000 books and chival Depot wurden Teile der zusammengeraubten pieces of other library material will be found to have DAF-Bücherei nach Washington verbracht. Die aktive marks of labor union ownership or may reasonably 45 Rolle Zuckermans bei der Verbringung dieser Bücher be assumed to have come from such collections. I have in die USA war offensichtlich von Anfang an umstritdirected that the material from any union library be ten. 28 In Washington selbst kamen die Bücher in einem segregated from the material being distributed to the ziemlich chaotischen Zustand an. 29 Unter den Biblioparticipating American research libraries. Although theksverantwortlichen wuchs rasch der Zweifel, ob facilities are not available here to reassemble the madie Gewerkschaftsbücher in Washington am richtigen terial belonging to a particularly library, it is possible Platz seien. Auch auf der Leitungsebene der Library that the newly established German labor unions would of Congress stellten sich Skrupel ein. Luther H. Evans, welcome the return of this materials for their collections Chefbibliothekar der LoC, persönlich machte sich zum and be willing to sort this material after its arrival.” 30 Anwalt der Rückführung der deutschen GewerkschaftsDer Chefbibliothekar bat gleichzeitig um logistimaterialien. In einem Memorandum an den Major sche Unterstützung durch die Armee bei der ungewöhnGeneral Daniel Noce, Chief der Civil Affairs Division, lichen Rückführaktion. Die bibliothekarische Diskusstellte der Leiter der größten Bibliothek der Welt bereits sion wurde in der Kongressbibliothek auf hohem, ver1948 unumwunden fest:„In 1946, the military authoantwortungsbewusstem Niveau geführt. Man sei in rities transferred the Deutsche Arbeitsfront Library to keiner Weise an unrechtmäßig erhaltenem Gut interesthe Library of Congress Mission to Europe for distribusiert. Die Bücherrückgabe an die deutschen Gewerktion through our Cooperative Acquisitions Project. schaften wurde als wichtige Aktion zur Unterstützung After its arrival here, it was found that this library der jungen deutschen Demokratie gesehen. Diese Ancontained a great deal that had been confiscated from sicht teilten uneingeschränkt die hohen Militärs, die various labor union libraries following the dissolution diese ungewöhnliche Aktion unterstützten. 31 Künftigof the unions by the former German Government. It hin wurde in der internen Sprachregelung die Ver27 Pomerenze, Seymour:„Offenbach Reminiscences“, In: Spoils of War, Nr. 2, 15. Juli 1996. S. 18-20. 28 Rothe/Linne,“Searching for lost…”, a.a.O., S 171. 29 Mündliche Mitteilung an den Verfasser von A.R.L. Gurland, der als jüdischer Emigrant in jener Zeit als wissenschaftliche Aushilfskraft in der LoC arbeitete. 30 Roth/Linne,„Searching for lost...“, a.a.O., S. 203 f. 31 Brief von Major General Daniel Noce an den Chefbibliothekar der LoC:„The courtesy and cooperation of the Library of Congress in making available for return to German trade unions this material from their former library is deeply appreciated both by the Department of the Army and by American Military Government authorities in Germany.” Library of Congress, Records in the European Mission& Cooperative Acquisitions Project, Box 7. bringung der Gewerkschaftsbücher in die USA als vorgefühlt. Hier in Düsseldorf zog als Sekretär der „Irrtum“ angesehen, der von einem kleinen, überforehemalige Vorsitzende des Holzarbeiterverbandes und 46 derten Arbeitsstab begangen wurde. 32 SPD-Reichstagsabgeordnete Fritz Tarnow die Fäden. Ungefähr 40.000 Gewerkschaftsbände blieben in Tarnow(1880-1951) hatte bereits als junger Autodidakt den Vereinigten Staaten„hängen“. Man kann die Bi„Aufsätze, Flugblätter, Agitationsschriften und gebliotheken nur erahnen, in denen sie sich heute befinschichtliche Broschüren geschrieben“. 34 Die Bildungsden: die Hoover Institution on War, Revolution and und Kultureinrichtungen der deutschen GewerkschafPeace an der Stanford University, die Labadie Collecten waren Tarnow„Lebensuniversität“ gewesen. tion in der Harlan Hatcher Library an der University „Wir haben natürlich“ – schrieb er stolz im Oktoof Michigan in Ann Arbor oder die Marthin P. Catherber 1948 an die Bundesvorstände –„mit Freuden wood Library an der Cornell University in Ithaca im zugegriffen; und nunmehr ist die Sendung auch in Bundesstaat New York. Zuckerman hatte Wert auf Frankfurt eingetroffen.“ Plastisch beschrieb der pragtechnische Literatur gelegt, solche gab es unter den matische Holzarbeiter, was auf die Gewerkschaften deutschen Gewerkschaftsveröffentlichungen genug. wartete:„Es sind zwei Waggons mit 60.000 Büchern War kein entsprechender Stempel vorhanden, waren in 387 Kisten und einem Gesamtgewicht von über Hilfskräfte kaum in der Lage, sie als eindeutigen Ge24.000 Kilo. Es macht uns einige Mühe, diesen großwerkschaftsbesitz zu verifizieren. Gemeinsam mit der en Segen hier unterzubringen. Vorläufig wissen wir Stuttgarter Weltkriegsbücherei(der späteren Bibliothek nicht, was in den Kisten eigentlich drin ist, und es für Zeitgeschichte) und der„Reichspatentamt Collecwird ja auch eine Riesenarbeit sein, die Bücher zu tion“ wurden die zu identifizierenden Gewerkschaftsordnen.“ Dennoch hatte„der Macher“ bereits klare materialien an den Sitz des Gewerkschaftsbundes der konzeptionelle Vorstellungen im Kopf, wie die Verteivereinten Zonen nach Düsseldorf zurückgeschickt. 33 lung zu bewerkstelligen sei:„Wenn die Vermutung Die hochherzige Rückgabeaktion traf die Gewerksich bestätigt, dass es sich zum großen Teil um alte schafter der Westzonen nicht völlig unvorbereitet. Im Gewerkschaftsbibliotheken handelt, wird ja zweckSommer 1948 hatte das Office of Military Government mäßigerweise den einzelnen Verbänden das zurückfor Germany(US) bei den deutschen Gewerkschaftern gegeben werden müssen, was ihnen dabei zukommt.“ 35 32“It was recognized that a limited staff, working under pressure and handling a very large number of collections, would inevitably make some errors.” Library of Congress, Box 398: Acq. 5-7-32: Seized Documents 1945-1954. 33 Reynolds, Robert D.: Returning things is always a hassle: Library and archival issues growing out of the debate over restitution of captured War Documents 1945-1953. Papers written for archival course 611 at the University of Maryland, 1988. Für die Überlassung seiner Abschlussarbeit bin ich meinem Freund Robert D. Reynolds vom George Meany Memorial Archives, Silver Spring, Maryland, aufrichtig dankbar. 34 Schulze, Rainer:„Fritz Tarnow“. In: HolzArbeiterbuch. Die Geschichte der Holzarbeiter und ihrer Gewerkschaften. Köln, 1993, S. 146. 35 DGB-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Nachlass Richard Seidel. Meinem Kollegen Klaus Mertsching bin ich für diesen zentralen Quellenhinweis besonders dankbar. In Düsseldorf ging man mit den Bücherbergen pragDie Druckergewerkschaft war der eigentliche„Gewinmatisch und effektiv um. Zunächst wurde Literatur, ner“ der amerikanischen Bücherrückführaktion. Von bei der ein Herausgeber(„Körperschaft“) ersichtlich 127 Kisten gingen 92 nach Stuttgart. Der Reichtum 47 war, den gewerkschaftlichen Nachfolgeorganisationen dieser Bestände ist auch heute noch beeindruckend. zugeordnet und entsprechend gepackt. Diese Aufgabe Interne Listen der Library of Congress dokumentieren war im Januar 1949 getan. Die verbliebene, nicht zuden chaotischen Charakter der Büchersammlung in geordnete Literatur wurde„aufgelistet“. Für die„FeinWashington. Um so höher muss die Ordnungsarbeit sortierung“ bat Tarnow Richard Seidel um Hilfe. in Düsseldorf gewertet werden. Der gelernte Lithograph(geb. 1882) hatte seit 1926 als Redakteur an der„Gewerkschaftszeitung“ gearbeitet. Als Vorsitzender des Arbeiterkulturkartells Andere Wege nach Stuttgart und Bonn Berlins und Mitglied des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit war er für die„Sortierarbeit“ In Stuttgart in der neuen Zentrale der Industriegewerkbesonders prädestiniert. 36 Aus Seidels Feder stammschaft Druck und Papier wurden die neuen„Schätze“ ten eine Reihe größerer Abhandlungen zur Theorie systematisiert und der interessierten Öffentlichkeit zur und Praxis der deutschen und internationalen GewerkVerfügung gestellt. Eine Reihe hochqualifizierter wisschaftsbewegung, mit denen er sich viel Achtung ersenschaftlicher Arbeiten zeugt von der intensiven Nutworben hatte. 37 Fritz Tarnow hatte mit Sicherheit den zung der Bestände. 38 Vielleicht wird der Wert der richtigen Mann ausgesucht. Seidel ließ Kurztitellisten Bestände am besten durch die Festschrift zum 125jäherstellen und ordnete die Bücher, die er in der Regel rigen Bestehen der Industriegewerkschaft Medien selbst kannte, der in Gründung befindlichen DGB- dokumentiert. Helga Zoller, die langjährige Archivarin Bibliothek, den Landesbezirken, den Gewerkschafts- und Bibliothekarin der IG Medien, hat in dieser Jubischulen oder den Einzelgewerkschaften zu. Seidel läumsausgabe gemeinsam mit anderen Kolleginnen hatte seine Aufgabe im Sommer 1950 erfüllt. Von den und Kollegen über 40 Beiträge zur facettenreichen Einzelgewerkschaften ging der„Löwenanteil“ an die Vorgeschichte der Mediengewerkschaft verfasst 39 . Die Industriegewerkschaft Druck und Papier in Stuttgart. meisten der historischen Artikel sind auf der Basis der 36 Handbuch des Vereins Arbeiterpresse. Hrsg. vom Vorstand des Vereins Arbeiterpresse. 4. Aufl. 1927, S. 200. 37 Die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland. Amsterdam, 1927. Die Gewerkschaften nach dem Kriege. Berlin, 1925. Der kollektive Arbeitsvertrag in Deutschland. Berlin, 1921. Die Gewerkschaften in der Revolution. Berlin, 1920. Gewerkschaften und politische Parteien in Deutschland. Berlin, 1928. 38 Beier, Gerhard: Schwarze Kunst und Klassenkampf. Geschichte der Industriegewerkschaft Druck und Papier und ihrer Vorläufer seit dem Beginn der modernen Arbeiterbewegung. Bd. 1: Vom Geheimbund zum königlich-preussischen Gewerkverein(1830-1890). Frankfurt am Main, 1966. 39„Aus Gestern und Heute wird Morgen: ans Werk – der Weg ist noch weit, aber er lohnt sich“. Hrsg. von der Industriegewerkschaft Medien, Druck und Papier, Publizistik und Kunst aus Anlaß ihres 125jährigen Bestehens. Stuttgart, 1992. in Stuttgart überlieferten Quellenbestände entstanden. In der„Sassenbach-Bibliothek“, die über die BiDer Beitrag Helga Zollers„Der Verband der Lithograbliothek beim Hauptvorstand des Deutschen Gewerk48 phen, Steindrucker undverwandten Berufe“istindiesem schaftsbundes in Düsseldorf unter das Dach der FriedKatalog erneut abgedruckt. Der Neudruck steht ganz in rich-Ebert-Stiftung gelangte, gab es ebenfalls kostbader Tradition gewerkschaftseigener Geschichtsschreire Einzelstücke der Buchdrucker, Buchbinder, Lithobung: Die Sprache ist klar, auf Fußnoten wird verzichtet, graphen und der graphischen Hilfsarbeiter und-arnur die wichtigsten Fakten werden präsentiert. beiterinnen. Auch aus diesem Bestand findet sich das Der Großteil der Exponate der Ausstellung„‘Gott eine oder andere Exponat in der Ausstellung. grüß’ die Kunst!’ Illustrationen und Festschriften der Nicht nur Menschen habe ihre eigene Geschichte, gewerkschaftlich organisierten Drucker, Setzer und auch Bücher und ganze Bibliotheken. Die ausgestellten Hilfsarbeiterinnen“ gehören zu den Beständen, die Exponate des„Verbands der Lithographen, Steindrueine lange Irrfahrt hinter sich haben. Wir wissen allercker und verwandten Berufe“ zeugen in erster Linie dings nicht, welche Einzelstücke genau den„langen vom hohen künstlerischen Niveau einer hochqualifizierWeg“ gegangen sind. Es finden sich unter den Ausstelten Berufsgruppe, die – wie Helga Zoller es ausdrücklungsstücken auch Materialien anderer Provenienz. te –„der Kunst zu sehr verbunden“ war,„um rechtNach 1945 spendeten zum Beispiel viele Kollezeitig eine Gewerkschaft zu gründen“. 41 ginnen und Kollegen Gewerkschaftspublikationen, die Jedes einzelne Exponat vermittelt jedoch noch sie über die Nazizeit gerettet hatten,„ihrer“ Gewerkeine andere Botschaft. Einen„Raub der Europa“ – wie schaft. Von diesen Geschenken profitierte natürlich Lynn H. Nicholas ihr Buch über das Schicksal europäiauch die Druckergewerkschaft. Über die amerikanische scher Kulturschätze nannte, darf es nicht mehr geben. Besatzungszone hinaus erfolgten regionale und lokale Zur Abwehr rechtsradikaler und fremdenfeindlicher Restitutionen geraubter Bestände an die IG Druck und Strömungen gehören individuelle Tugenden: Mut, ZiPapier auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene. Die Hervilcourage und ein festgeprägtes demokratisches Werkunft dieser Materialien ist heute nicht mehr erkennbar. tesystem. Zum Erhalt und Ausbau demokratisches Darüber hinaus befinden sich Teile der berühmten Strukturen bedarf es allerdings auch festgefügter Or„Sassenbach-Bibliothek“ heute in der Bibliothek der ganisationen: Starke Gewerkschaften mit ihren großFriedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, andere Teile der en demokratischen und kulturellen Traditionen sind ehemals größten gewerkschaftlichen Privatbibliothek Garanten dafür, dass es eine„Wiederholung“ nicht werden in der Stiftung Archiv der Parteien und Masmehr geben wird. senorganisationen der DDR in Berlin verwahrt. 40 40 Über den„westdeutschen“ Weg der Sassenbach-Bibliothek s. Zimmermann, Rüdiger: Graue Literatur aus deutschen Gewerkschaftsbibliotheken. Ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft/[Text der Begleitbroschüre: Rüdiger Zimmermann und Rainer Gries]. Bonn, 2003, S. 38. 41„Aus gestern und Heute wird Morgen...“(a.a.O.), S. 83. 49 Exponat Nr. 5 50 Exponat Nr. 11 Der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufen Helga Zoller 51 (Nachdruck aus„Aus Gestern und Heute wird Morgen: ans Werk – der Weg ist noch weit, aber er lohnt sich/ Dieter Schuster und Helga Zoller“. Stuttgart, 1992) Der Kunst zu sehr verbunden … „Zu den Arbeitern, unter den der Organisationsgedanke rasch Wurzeln schlug, gehören die Lithographen und Steindrucker nicht.“ Dieser Satz taucht mehrfach in den vom späteren ‚Verband der Lithographen und Steindrucker‘ herausgegebenen Selbstdarstellungen auf. Beklagt wurde dabei, daß recht frühe Ansätze zur Schaffung einer Gewerkschaftsorganisation(so 1873 als ‚Deutscher Senefelderbund‘)„ohne Not und zwingenden Grund versumpften“. Aufgrund des mangelnden Interesses der Kollegen an den Lithographiesteinen und den Steindruckpressen blieb sie nur als Unterstützungsverein am Leben. Ähnlich wie die Buchdrucker des 17. und 18. Jahrhunderts empfanden sich die Lithographen und Steindrucker noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein als Fachleute besonderen Ranges, mehr als Künstler oder der Kunst verbunden denn als abhängig Beschäftigte. Der Steindruck, die Lithographie, ist ein Druckverfahren, das auf einem chemischen Prozess wechselseitigen Abstoßverhaltens von Fett und Wasser beruht. Dieses Verfahren wurde um 1798 von Alois Senefelder erfunden. Er schrieb und zeichnete erstmals mit fetthaltiger Kreide oder Tusche auf den„Lithographiestein“, der aus kohlesaurem Kalkschiefer bestehen muß und hauptsächlich in Solnhofen in Bayern gefunden wird. Dieser so bearbeitete Stein wurde somit unmittelbar zur„Druckform“, wobei die fetthaltigen Stellen die Farbe annehmen und Feuchtigkeit abstoßen, die freigebliebenen Stellen die Farbe abstoßen und demnach beim Druck auf dem Papier freibleiben. ... um rechtzeitig eine Gewerkschaft zu gründen Die Erfindung Senefelders leitete eine Entwicklung ein, die es, leichter als im Buchdruck und – durch technische Weiterentwicklungen – in zunehmend besserer Qualität, ermöglichte, zum Beispiel Noten, Handschriften und Bilder in Massenauflagen zu reproduzieren. Mit wenigen Unterbrechungen kannte dieses Gewerbe bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nur Wachstum und Aufschwung. Selbst die Erfindung der Steindruckschnellpresse in den siebziger Jahren hatte nur in Einzelfällen negative Auswirkungen für den Arbeitsmarkt der Lithographen und Steindrucker, die es insgesamt immer verstanden, durch Eine gemeinsame Organisation mit den gezielte Einzelaktionen ihre Arbeitsbedingungen und Unternehmern? 52 die Höhe ihrer Löhne zu verbessern. Umsatzsteigerungen durch wachsende Nachfrage sorgten lange für 1871 Das hundertste Geburtsjahr von Alois Senefelder, Ausgleich. Der Widerstand der Prinzipale, der Unterdes Erfinders der Lithographie und des Steindrucks, nehmer, gegen entsprechende Forderungen der Gebot Anlass zu Zusammenkünften und Feiern vielfältihilfen hielt sich in Grenzen. ger Art. Gedanken wurden laut, mit den Buchdruckern Doch Ende der achtziger Jahre trat eine Sättigung einen gemeinsamen Verband zu schaffen. Es gab aber des Marktes ein. Außerdem wurde der amerikanische auch Stimmen, die die Bildung eines gemeinsamen Markt durch eine Schutzzollpolitik verschlossen. Die Verbandes mit den Unternehmern ins Auge fassen Arbeiter begannen zu spüren, dass sie zusätzlich zu wollten, Bestrebungen, die schon während der Revolugenerellen Konjunkturschwankungen und-rückschlätion von 1848 in Berlin, Hamburg und an anderen gen in einer Branche beschäftigt waren, deren Produkte Orten eine Rolle gespielt hatten. Invaliden-, Krankennicht zum lebensnotwendigen Bedarf zählten, sondern und Reisekassen waren als Ergebnis teilweise noch in erster Linie den(entbehrlichen) Luxusartikeln zuimmer existent. zurechnen waren. Die Bestrebungen in den Reihen In Nürnberg nutzten die Gehilfen die Feierlichkeider Lithographen und Steindrucker, endlich auch eine ten des Jahres, um ohne Streik Lohnerhöhungen und gewerkschaftliche Organisation nach dem Vorbild der den Acht-Stunden-Tag für Lithographen und den Buchdrucker zu schaffen, nahmen parallel dazu konNeun-Stunden-Tag für Steindrucker durchzusetzen. krete Formen an. Das Werk gelang erst Weihnachten 1890 mit dem Gründungskongress des„Vereins der Lithographen, Im Clinch Steindrucker und verwandten Berufe“ in Magdeburg. Es sollte jedoch noch anderthalb Jahrzehnte dauern, 1872 Als Reaktion auf ihre vorjährigen Zugeständnisbis durch Überwindung von Kontroversen und interse an die Gehilfen gründeten die Nürnberger Steinnen Spannungen eine von einheitlicher Zielrichtung druckereibesitzer einen Verein mit der Zielsetzung, geprägte Organisation zusammengewachsen war. In vom neunstündigen Normalarbeitstag wieder loszudieser Organisation fanden nicht nur Lithographen kommen. Als erstes Mittel führten sie ein so genannund Steindrucker, sondern auch die Chemigraphen, tes„schwarzes Buch“ ein, mit dem sie sich gegenseidie Licht- und Kupferdrucker, die Formstecher und tig über Leistungen und Verhalten ihrer Arbeiter Tapetendrucker und – zeitweise – die Hilfsarbeiter und unterrichten wollten. Außerdem verpflichteten sie sich Hilfsarbeiterinnen ihre gewerkschaftliche Heimat. gegenseitig bei einer Konventionalstrafe, nur Arbeiter einzustellen,„die sich die vollste Zufriedenheit des bisherigen Arbeitgebers erworben“ hatten. Die GehilEs kam zur Gründung des ‚Deutschen Senefelderfen verhielten sich daraufhin so, dass kein Arbeitgeber bundes‘ mit eindeutig gewerkschaftlichen Zielen. Er „zufrieden“, geschweige denn„vollst zufrieden“ sein schuf sich ein eigenes Organ, den ‚Senefelderbund‘. 53 konnte, und verlangten von ihren Arbeitgebern eine Zu einer zielgerichteten gewerkschaftlichen Arbeit schriftliche Lossagung von dieser„Verpflichtung“. Die kam es jedoch nicht. Zerstrittenheit und Mitgliedergute Konjunktur der Gründerjahre, die Angst, ihre schwund verhinderten dies. besten Arbeiter zu verlieren, zwang die Unternehmer nach zehn Streiktagen zum Nachgeben. Ohne dass es auch nur annähernd eine gewerkUnterstützungsverein schaftliche Organisation gab, bildeten die Unternehmer in Berlin eine ‚Vereinigung der Steindruckereibesitzer 1878 Im Juni, als noch niemand an ein Inkrafttreten Berlins‘, mit der Intention, Maßregeln zu schaffen, die des die Gewerkschaftsarbeit für über ein Jahrzehnt dazu angetan waren, Lohnsteigerungen aufzuhalten. behinderten ‚Sozialistengesetztes‘ dachte, änderte der Als innerhalb der Vereinigung„schwarze Listen“ die ‚Senefelderbund‘ seine Satzung:„Der Deutsche SeneRunde machten, wurden auch die Gehilfen lebendig. felderbund ist die Vereinigung der Lithographen und Am 19. Dezember tagte eine gemeinsame VerSteindrucker Deutschlands, welche durch die auf Gesammlung der Berliner Lithographen und Steindrucker, genseitigkeit beruhenden zentralisierten Hilfskassen an der 500 bis 600 Personen teilgenommen haben die Unterstützung seiner Mitglieder bezweckt“, lautesollen. Die Gründung eines Vereins wurde beschlossen, te nun der Paragraph 1. Das Streben nach materieller eine Kommission mit der Ausarbeitung der Statuten Besserstellung der Mitglieder wurde aus der Satzung beauftragt. Die Unternehmer reagierten darauf mit gestrichen. Der Antrag dazu war aus Berlin gekomder Drohung, aus der gemeinsam geführten Krankenmen. kasse auszutreten. Diese Vorgehensweise entsprach den Ergebnissen des mehrjährigen Willensbildungsprozesses und des inneren Zustandes der Organisation. Als UnterstütGewerkschaftsgründung – mehr nicht! zungskasse blieb der ‚Senefelderbund‘ während der Zeit des Sozialistengesetzes weitgehend unbehelligt. 1873 Nach mehreren Aufrufen der Nürnberger Kolle1885 In Berlin waren mittlerweile 270 Steindruckgen wurde für Ende November zu einem allgemeinen schnellpressen im Einsatz. Die Arbeitsbedingungen Kongreß nach Würzburg eingeladen. Wichtige lokale hatten sich dadurch für Lithographen, aber vor allem Vereine blieben jedoch fern: Berlin und Leipzig. Beide für Steindrucker rapide verschlechtert. Bei der Firma traten später bei. Friedberg& Silberstein brach ein Streik aus. Verlangt wurden bessere Behandlung, Lohnerhöhung und Zu- schläge für Überstunden. Der Kampf musste ergeb1889 In Hamburg entstand ein Fachverein ledignislos abgebrochen werden, brachte aber einen Prozess lich für„Lithographen“. Es war das erste Mal, dass 54 in Gang, der zur Gründung eines ‚Fachvereins der Lithographen eine separate Interessenvertretung für Steindrucker und Lithographen‘ führte, dem bald 600 sich beanspruchten. Ein‘Fachverein der Steindrucker’ Mitglieder angehörten, darunter viele Mitglieder des folgte wenig später. ‚Senefelderbundes‘. Unter den Bedingungen des Sozialistengesetzes erwies sich nur die Gründung von lokalen Fachvereinen als möglich, die auch gewerkSonderbündeleien schaftliche Aufgaben wahrnehmen konnten. 1886 Auch in Leipzig wurde ein ‚Fachverein der Auch in Berlin entstand neben dem bestehenden geLithographen, Steindrucker und deren Hilfsarbeiter‘ meinsamen Fachverein ein reiner ‚Fachverein der gegründet. Dresden folgte nur geringfügig später. Lithographen‘, weil diese glaubten, in einer gemeinsamen Organisation mit den Steindruckern nicht zu ihrem Recht zu kommen. Die ‚Graphische Presse’ Zu Weihnachten kamen in Hannover Delegierte aus dem gesamten damaligen Reich zusammen, um 1888 Mit Unterstützung des Leipziger Fachvereins die Gründung einer zentralen Gewerkschaftsorganigründete der Steindrucker Conrad Müller von Schkeusation vorzubereiten. ditz aus die ‚Graphische Presse‘, eine Zeitung, die sich als Bindeglied zwischen Lithographen und Steindruckern im ganzen damaligen deutschen Staatsgebiet Eine zentrale Organisation erweisen sollte. Conrad Müller war ein Opfer des Sozialistengesetzes. Wegen des Verdachts auf Verbreitung 1890 In Leitelshain – nicht weit von Leipzig gelegen sozialdemokratischen Schrifttums hatte er drei Monate – brach bei der Firma Etzold& Kießling ein Streik aus. Haft verbüßt. An seinen Wohnort und an seinen ArEinem Kollegen war gekündigt worden, weil er sich beitsplatz in Leipzig konnte er nicht mehr zurückkehum die gewerkschaftliche Organisierung im Bereich ren. In einem Holzstall konnte er eine Handpresse bemüht hatte. Der Streik ging verloren, weil sich geaufstellen. Zusammen mit kleineren Gelegenheitsaufnügend Streikbrecher einfanden. Die daran Beteiligten trägen sollte die ‚Graphische Presse‘ auch seine wirtkonnten für lange Zeit auch woanders keine Arbeit schaftliche Existenz sichern. Die Anfänge des Blattes finden. Erstmals hatte eine Firma flächendeckend an waren zwar von großen finanziellen Nöten überschatalle deutschen Druckereien eine Namensliste aller tet, doch langsam und stetig konnte die Auflage geStreikenden geschickt. steigert werden. 55 Exponat Nr. 13 Nach einjähriger intensiver Vorarbeit wurde zu tragssatzes wurde die Gewährung einer ReiseunterWeihnachten in Magdeburg der ‚Verein der Lithostützung beschlossen. Der Vorsitzende Otto Sillier 56 graphen, Steindrucker und verwandten Berufsgenoswurde gegen ein Monatsgehalt von 150 Mark fest ansen‘ gegründet. Daran beteiligt waren 33 Delegierte, gestellt. die Mitglieder aus 50 Städten vertraten. Zum VorsitIm Juli brach in Brandenburg ein 17 Wochen zenden wurde Otto Sillier gewählt. Berlin wurde zum währender Arbeitskampf um höhere Löhne und besSitz bestimmt. Man setzte, was später als Fehleinschätsere Arbeitsbedingungen aus, der sich wegen streikzung gewertet wurde, auf die Attraktivität eines niedbedingter Auftragsverlagerungen auf die Städte Berlin, rigen Beitrages, der nur 15 Pfennig pro Woche betraDresden, Gera und Lobberich ausdehnte. Durch Streikgen sollte. Dafür entstand ein Recht auf Bezug der brecher ging auch dieser Kampf verloren. Die junge ‚Graphischen Presse‘ und auf Streik- und GemaßreOrganisation hatte noch nicht die innere Kraft und geltenunterstützung. Stabilität erreicht, um rechtzeitig und wirkungsvoll 1891 Wenige Monate nach Aufnahme seiner Tägegensteuern zu können. tigkeit konnte der Verein 37 Zahlstellen mit 2.768 Mitgliedern vorweisen, am Jahresende erreichte er 3.604 Mitglieder. Beitragserhöhung und Austritte Die brotlosen Künstler … 1892 Am 6. November wurde in Berlin am Senefelder Platz das Senefelder-Denkmal enthüllt. Die arbeitslosen Lithographen und Steindrucker stifteten einen Kranz mit der Inschrift:„Ihrem verehrten Altmeister Alois Senefelder – die arbeitslosen Kollegen, welche trotz Deiner großen Erfindung keinen ‚lohnenden Erwerb‘ finden können und brotlos umherirren.“ 1893 Auf der ersten Generalversammlung zu Ostern in Berlin wurde versucht, das Unterstützungswesen weiter auszubauen, zum Beispiel durch Schaffung einer Arbeitslosenunterstützung. Angesichts der dazu notwendigen Beitragsaufstockung fand dieser Antrag keine Mehrheit. Unter Beibehaltung des Bei1894 Die vorjährigen Streikerfahrungen und die des laufenden Jahres – so bei der Firma Wezel& Naumann in Leipzig – zwangen dazu, ab November den Beitrag um 5 Pfennig zu erhöhen. Dies hatte den Austritt zahlreicher Mitglieder zur Folge. 1895 Die nach Nürnberg einberufene Generalversammlung brachte(noch) nicht den Durchbruch zur Schaffung einer Arbeitslosenunterstützung. Vielmehr wurde dahingehend argumentiert, dass das Unterstützungswesen überhaupt geeignet sei,„der mit vielen Mühen geschaffenen Kampfesorganisation ihre Ideale zu entrücken“. Es wurde beschlossen, den ‚Senefelderbund‘ zur Einführung von Arbeitslosenunterstützung aufzufordern und ihn gleichzeitig zu ersuchen, die Reiseunterstützung allein dem Verein zu überlassen. Letzteres gelang nicht. Der ‚Senefelderbund‘ führte zwar eine Arbeitslosenunterstützung ein, behielt denzuschläge und die Festsetzung eines Mindestlohnes. aber die Reiseunterstützung bei. Nicht zuletzt aufgrund organisatorischer Mängel fiel Erstmals wurde beschlossen, auch Hilfsarbeitein vielen Bereichen der insgesamt sechswöchige Ar57 rinnen als Mitglieder aufzunehmen. Männliche Hilfsbeitskampf in sich zusammen und war damit verloren. arbeiter konnten von Anfang an als„verwandte BeIn der Folge war auch die Berliner Lokalorganisation rufsgenossen“ aufgenommen werden. Damit verbungefährdet. Dazu soll der Berliner Chronist zitiert werden war eine Namensänderung der Organisation in den:„Die Zahl der Mitglieder ging stark zurück. Die ‚Verein der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen‘. Schulden, die der Kampf dem Verbande einbrachte, Der 1890 gegründete‘Verband der Formstecher, mußten bezahlt werden von denen, die trotz alledem Tapeten-, Wachstuch- und Linoleumdrucker’ beschloss aushielten. Ich will lieber keine Mitgliedszahlen aus den Beitritt zum Verein. Wenig später sagte er sich jener Zeit angeben, und auch keine Zahlen der Verwieder los, was später von einem Berufsangehörigen sammlungsbesucher. Es war die Zeit der tiefsten Er(Formstecher) folgendermaßen begründet wurde:„Die niedrigung!“ Unzufriedenheit unserer Kollegen gegen die größere Die Ereignisse in Berlin waren für viele LithograOrganisationsform hatte ihre Ursache wohl hauptsächphen der Anlass, nach einer eigenständigen Organisalich darin, dass die Interessen der kleineren Branchen tion zu rufen: der ‚Verband der Lithographen, Kartoin dem größeren Verband infolge des Fehlens der Grupgraphen und graphischen Zeichner‘ wurde als Konkurpeneinteilung nicht genügend gewahrt wurden.“ Die renzorganisation gegründet, der sich später in ‚LithoFormstecher fanden 1909 endgültig zur Lithographengraphenbund‘ umbenannte. 1907 trat er wieder zum und Steindruckerorganisation zurück, die Tapetendrugemeinsamen Verband mit den Steindruckern über. cker schlossen sich dem Fabrikarbeiterverband an. Verlorener Streik in Berlin 1896 Die Gewinnsituation der Branche war gut. Die Postkarte mit vielen Variationen hatte ihren Siegeszug angetreten und sorgte, auch neben anderen Produktentwicklungen, für Umsatzsteigerungen. In Berlin wurde zur Durchsetzung eines lokalen Tarifvertrages gerüstet. Der Forderungskatalog umfasste die achtstündige Arbeitszeit für Lithographen, die neunstündige für Steindrucker, Feiertagsbezahlung, ÜberstunArbeitslosenunterstützung 1898 Die nach Frankfurt einberufene Generalversammlung gab grünes Licht für die Einführung der Arbeitslosenunterstützung als gewerkschaftliche Aufgabe des Vereins. Dadurch bedingt wurde der Beitrag auf 40 Pfennig erhöht. Damit wurde die Konkurrenzsituation zum ‚Senefelderbund‘ zunächst verschärft. Nahezu zeitgleich wurden erste Grundlagen für die spätere Verschmelzung der„reinen Gewerkschaftsorganisation“ und der„reinen Unterstützungsorganisation“ gelegt. Die Generalversammlung beschloss außerdem, die Zuständigkeit auch für die männlichen Hilfsarbeidie Zuständigkeit für die Hilfsarbeiterinnen des Lithoter zu übertragen. Damit ergab sich die künftige Ent58 graphie- und Steindruckereigewerbes auf den kurz wicklung als reine Facharbeiterorganisation. zuvor gegründeten ‚Verband der Buch- und SteinWeiter fasste die Generalversammlung konkrete druckerei-Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen‘ zu überBeschlüsse mit dem Ziel, gemeinsam mit dem ‚Senefeltragen. Der vor 1895 bestehende Name wurde wieder derbund‘ eine einheitliche Organisation zu schaffen. angenommen. Eine fachtechnische Zeitschrift 1899 Um den Bedürfnissen vieler Mitglieder nach beruflicher Weiterbildung entsprechen zu können, wurde die ‚Graphische Rundschau‘ als fachtechnische Beilage zur ‚Graphischen Presse‘ begründet. 1901 Die nach Halle einberufene Generalversammlung konnte mit Befriedigung feststellen, dass die Organisation sich von den erlittenen Rückschlägen gut erholt hatte. Die Versammlung erklärte sich bereit und willens, mit den jeweiligen Arbeitgeberorganisationen Tarifgemeinschaften einzugehen. Dabei ging es vornehmlich darum, über bestehende Betriebs- oder Lokaltarife hinaus zu zentralen Tarifen zu kommen. Bei gleichzeitigem Ausbau des Unterstützungswesens wurde der Beitrag auf 50 Pfennig erhöht. Erstmals zentrale Tarifverträge 1903 Die in Dresden tagende Generalversammlung entsprach dem Wunsch des ‚Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen‘, ihm Juristische Hürden 1905 Eine kombinierte Generalversammlung beider Organisationen billigte die inzwischen ausgearbeiteten Statuten für eine Verschmelzung. Die neue und stärkere Organisation mit dem Namen ‚Deutscher Senefelder-Bund‘ mit fast 15.000 Mitgliedern hätte ihre Arbeit ungestört aufnehmen können, wenn nicht einige Mitglieder des alten ‚Senefelderbundes‘ die demokratisch gefassten Beschlüsse angefochten hätten. So wurden die Organisationen de jure zunächst noch einmal getrennt. Auf dem Prüfstand der Tarifpolitik kam die gewonnene Stärke dennoch voll zum Tragen. Nachdem der ‚Verein Deutscher Steindruckereibesitzer‘ noch im Vorjahr das Ansinnen der Gehilfenorganisation nach Schaffung eines zentralen Tarifs zurückgewiesen hatte, nutzte diese die einsetzende gute Konjunktur, um – unterstützt durch Arbeitskampfmaßnahmen – städteweise ihre Forderungen einzureichen. Dies veranlasste die Gegenseite dann doch, ihre Position zu überdenken. In Berlin gelang es sogar durch Bestreikung der drei größten Betriebe, mit dem dortigen ‚Verein Chromolithographischer Kunstanstalten‘ einen Tarifvertrag 59 Exponat Nr. 16 abzuschließen. Das war die Revanche für die bittere Zwischen den dargelegten Positionen gab es letztGehilfenniederlage im Jahr 1896. Es gelang vor allem, lich keine Kompromisslinie mehr. Die Verhandlungen 60 das Ergebnis in allen Betrieben durchzusetzen. wurden abgebrochen. Beide Seiten stellten sich auf Arbeitskampf ein. Arbeitskampf um zentralen Tarif 1906 Der ‚Verein Deutscher Steindruckereibesitzer‘ bot den Abschluss eines zentralen Tarifs an. Sein Angebot lag allerdings unter den Normen, die in der Mehrzahl der Betriebe bereits üblich waren. So sollte nach dem Angebot der Unternehmer die wöchentliche Arbeitszeit für Lithographen 51 bzw. 48 Stunden ab 1908 und für Steindrucker 54 Stunden betragen, dies bei fünfjähriger Laufzeit des Tarifs. Auch der angebotene tarifliche Mindestlohn lag weit unter dem, was selbst in der hintersten Provinz üblich war. Er erlaubte zudem die Anwendung auf alle in den Berufen Tätige. Außerdem verlangten die Unternehmer, dass durch lokale Tarifabschlüsse erreichte bessere Arbeitsbedingungen zugunsten dieses allgemeinen deutschen Tarifs aufgegeben werden müssten. Die gewerkschaftliche Gehilfenvertretung bestand auf einer dreijährigen Laufzeit des Vertrages und der sofortigen Einführung der achtstündigen täglichen Arbeitszeit für Lithographen und der neunstündigen für Steindrucker. Die Mindestlöhne sollten für die beiden ersten beiden Jahre nach der Lehrzeit festgelegt, danach mit dem Unternehmer frei ausgehandelt werden können. Die Forderung lag zwischen 4,50 und 7 Mark über dem Angebot der Unternehmer. Aussperrung, um Gewerkschaft zu zerschlagen Die Unternehmer gründeten am 31. März einen ‚Schutzverband Deutscher Steindruckereibesitzer‘, dessen Programm darauf ausgerichtet war, die Gehilfenorganisation zu zerschlagen. Jeder einzelne Lohnkampf sollte mit Aussperrung beantwortet werden. So traten auch Unternehmer dem ‚Schutzverband‘ bei, die dem ‚Verein Deutscher Steindruckereibesitzer‘(noch) nicht angehörten und die noch sehr rückständige Arbeitsverhältnisse in ihren Betrieben hatten. Auch ihnen wurde der„Schutz der Organisation“ versprochen. Die Position der Unternehmer wurde zunächst gestärkt durch den Umstand, dass 31 Mitglieder des früheren ‚Senefelderbundes‘ gegen die Vereinigung dieser Unterstützungsorganisation mit dem ‚Verein der Lithographen und Steindrucker‘ prozessierten und inzwischen bis zur zweiten Instanz Recht bekommen hatten. Angesichts der sich zuspitzenden tariflichen Auseinandersetzung beantragten diese Mitglieder nun die Beschlagnahmung der Gelder des früheren ‚Senefelderbundes‘. Dies wurde durch eine gerichtliche Verfügung eingeleitet. Als die Lithographen und Steindrucker in verschiedenen größeren Städten in den Streik traten, verfügte der ‚Schutzverband‘ die Aussperrung der organisier- ten Gehilfen in anderen Städten, um sie mit dem Slogan wurde ein Lehrlingsregulativ erreicht, wonach auf je „Austritt aus dem Verband oder Aussperrung“ einzuein bis drei Steindruckereigehilfen und je ein bis vier schüchtern. Dies brachte jedoch keinen Erfolg in ihrem Lithographen nicht mehr als ein Lehrling ausgebildet 61 Sinne. Als nächste Maßnahme verfügten sie für den werden durfte. Bei der Festsetzung des Mindestlohnes 19. Mai die allgemeine Aussperrung in den Betrieben einigte man sich auf den Mittelwert zwischen dem des ‚Schutzverbandes‘. Zuvor hatten sie der GewerkUnternehmerangebot und der gewerkschaftlichen schaft erklärt, zu Verhandlungen nur bereit zu sein, Forderung. wenn alle ausständigen Arbeiter ihre Arbeit wieder Vor allem war mit dem Abkommen die Anerkenaufnähmen. Dies kam jedoch nicht in Frage und somit nung der Organisation als wirtschaftliche Interessenwar die erste Aussperrung im Steindruckgewerbe vertretung der Gehilfen verbunden. Auf der Grundlaperfekt. ge des zentralen Abkommens konnten in zahlreichen Die Unternehmer versuchten in einer massiven Städten lokale Tarifverträge durchgesetzt werden, die Kampagne, die Arbeitnehmer zu verunsichern und zu erhebliche Verbesserungen brachten. spalten. Sie verwiesen auf die gesperrten Gelder und Der ‚Schutzverband Deutscher Steindruckereinahmen die Kündigungen gegen alle Mitglieder zurück, besitzer‘ als von da an für die Beziehungen zu den die nur den ‚Senefelderbund‘ als reinen UnterstütArbeitnehmern zuständiger Teil des ‚Verbandes Deutzungsverein erhalten wissen wollten. scher Steindruckereibesitzer‘ nahm aber schon bald, entsprechend seiner ursprünglichern Zielsetzung, seine Bemühungen wieder auf, die GehilfenorganisaJetzt erst recht tion zu unterminieren. Bei den Gehilfen zündete die Parole:„Jetzt erst recht.“ Das notwendige Geld wurde durch Sonderbeiträge aller noch arbeitenden Mitglieder und mit Hilfe der anderen Gewerkschaften aufgebracht. Zehneinhalb Wochen dauerte der von beiden Seiten mit großer Erbitterung geführte Kampf. Am 11. August endeten die Verhandlungen mit einem Abkommen, das den Forderungen der Gehilfen weitgehend entgegenkam. Die Frage der Arbeitszeit konnte befriedigend geregelt werden, ebenso die der Feiertagsbezahlung. Ähnlich wie beim Buchdruckerverband Endlich Klarheit 1907 Nach zwei außerordentlichen Generalversammlungen zu Ostern und im September, bei denen der ‚Verein der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe‘ und der‘Senefelderbund’ noch einmal getrennt agierten, wurde zwei Jahre zuvor als gemeinsame Organisation der ‚Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe(Deutscher Senefelder-Bund)‘ gegründet. Die Vereinigung war juris- tisch nicht mehr anfechtbar. Eine Gewerkschaft mit Lehrlingsabteilung dem am besten ausgebauten Unterstützungssystem in 62 Deutschland war entstanden. Diese Selbsteinschätzung Beschleunigt wurde die Bildung der Lehrlingsabteilung dürfte kaum zu widerlegen sein. durch die massive Einflussnahme der Unternehmer, Die Kläger gegen die Vereinigung gründeten die die Auszubildenden der(gelben) ‚Unterstützungsver‚Unterstützungsvereinigung Senefelder‘, die von den einigung Senefelder‘ zuzuführen. Es gelang innerhalb Unternehmern mit 10.000 Mark pro Jahr subventioeines Jahres, eine nennenswerte Zahl von Lehrlingen niert wurde. als Mitglieder zu gewinnen. Das Jahr 1907 brachte auch die WiedervereiniDer 1899 gegründete ‚Deutsche Photographengung mit dem ‚Lithographenbund‘, der sich 1896 Gehilfen-Verband‘ schloss sich dem Verband an. abgespalten hatte. Die Internationale nach Berlin Der 6. Kongress des ‚Internationalen Bundes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe‘(ILB) in Kopenhagen beschloss, sein Sekretariat von London weg„auf den Kontinent zu verlegen“. Der ILB war 1896 in London gegründet worden. Jetzt wurde der Sitz nach Berlin verlegt und der deutsche Vorsitzende, Otto Sillier, zu seinem Sekretär gewählt. Seit der Zeit wurde ein regelmäßiges ‚Bulletin‘ des ILB herausgegeben. 1908 Eine Lehrlingsabteilung innerhalb des Verbandes wurde geschaffen mit dem Zweck,„allen Lehrlingen während ihrer Lehrzeit in der beruflichen, geistigen und körperlichen Ausbildung behilflich zu sein durch fachliche Ausbildungskurse, wissenschaftliche Belehrung in Wort und Schrift und Pflege der Geselligkeit“. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, wurde eine besondere Zeitung, die ‚Graphische Jugend‘, geschaffen. Erneut Streik und Aussperrung 1911 Es war 1906 noch nicht gelungen, paritätische Organe zur Überwachung des Tarifs und zur Regelung strittiger Fragen zu vereinbaren. Die Jahre 1908 und 1909 waren durch wirtschaftliche Krisen gekennzeichnet gewesen. Die Unternehmer im ‚Schutzverband‘ nutzten dies, um durch einseitige Auslegung des Tarifs und sonstige ihnen zur Verfügung stehende Maßnahmen die Entwicklung fortschrittlicher Arbeitsbedingungen in ihren Betrieben zu vereiteln. Bei Streiks in einzelnen Betrieben wurde„das gesamte internationale Streikbrechergesindel zusammengeschleppt“, wie es in einer späteren Verbandsschrift heißt. Angesichts der großen Unruhen in der Mitgliedschaft beschloss der Zentralvorstand des Verbandes, „einen größeren Lohnkampf zu wagen.“ Es sollten angemessene Erhöhungen der Mindestlöhne und vor allem eine Verkürzung der Arbeitszeit für Steindrucker (die eine längere tarifliche Arbeitszeit hatten als die 63 Exponat Nr. 23 Lithographen) angestrebt werden. Begründet wurde Ergebnis erzielbar. Die Arbeitszeit für Steindrucker die Forderung vor allem mit den technischen Entwickwurde um eine auf 53 Stunden wöchentlich verkürzt. 64 lungen im Steindruck- und Offsetbereich, die den Vor allem war es auch jetzt nicht gelungen, SchiedsArbeitern an den Maschinen eine immer höhere Arinstanzen zu vereinbaren. beitsintensität abverlangten. In einer Nachbetrachtung durch den VerbandsZunächst wurden die Unternehmer in Leipzig um vorstand heißt es:„Die Streikbrecher und die ‚Gelben‘ Bewilligung der Forderungen ersucht. Als auch die unseres Berufs haben uns ebenso Abbruch getan, wie Verweigerung von Überstunden nicht zur Verhanduns der Mangel genügender Verständigung mit den lungsbereitschaft führte, sprachen sich die Lithoanderen graphischen Berufsgruppen geschadet hat. graphen und Steindrucker in Leipzig mit überwältiFerner haben wir wahrgenommen, wie die große Masgender Mehrheit für den Streik aus. se der Kollegenschaft sich viel zu wenig an den AufIn dieser Situation kam es zu einer ersten Vergaben der Organisation beteiligt. Dadurch bleibt der handlung auf zentraler Ebene unter Beteiligung der Masse auch die Verschiebung des Kräfteverhältnisses Leipziger Lohnkommission. Das Minimalangebot der zwischen Arbeiter- und Unternehmensorganisation Unternehmer veranlasste den Verband, in weiteren fremd. Der Masse kommt auch der ständige Fortschritt Städten zu Urabstimmungen aufzufordern. Insgesamt in der Technik, der die Arbeitsverhältnisse verändert, waren 2.500 Kollegen in die Arbeitskampfmaßnahmen Unsicherheit im Arbeitsverhältnis schafft und damit einbezogen, als der‘Schutzverband’ die Aussperrung das Solidaritätsgefühl lockert, viel zu unklar zum Bealler Verbandsmitglieder verfügte. Davon waren dann wusstsein... Es muss immer wieder versucht werden, weitere 2.300 Mitglieder betroffen. auch die Machtgrenzen der Gewerkschaft aufzuzeiDie Unternehmer setzten vor allem darauf, durch gen...“ rosige Versprechungen und Bestechung die Einmütigkeit der Verbandsmitglieder zu unterminieren. Ihre „Angebote“ liefen bei genauer Prüfung auf VerschlechIndustriegewerkschaft schaffen! terungen geltender Verträge hinaus. 1913 Auf der Generalversammlung in Stuttgart wurde über das Thema„Schaffung eines graphischen Indus„Machtgrenzen der Gewerkschaft aufzeigen...“ trieverbandes“ sehr intensiv diskutiert. Die überwiegende Mehrheit der Delegierten waren sich einig 1912 Der am 23. September des Vorjahres begonnene darin, den Zusammenschluss der vier graphischen Arbeitskampf mit Streik und Aussperrung konnte erst Gewerkschaften nach Kräften zu fördern. Allerdings mit Vertragsabschluss am 23. Januar beendet werden. brachten viele Delegierte auch zum Ausdruck, dass Es war nach der langen Dauer kein befriedigendes ein Zusammenschluss ohne die Buchdrucker sinnlos sei. Der ‚Verband der Deutschen Buchdrucker‘ aber des Jahres 1915 auf etwa drei Prozent. Die Anzahl sollte seine Reserviertheit gegenüber der Schaffung der Beitrag leistenden Mitglieder war von über 15.000 eines Industrieverbands noch bis 1933 nicht aufgevor dem Krieg auf etwa 8.000 gesunken. 65 ben. Später wurden vor allem beim Lichtdruck weibliche Hilfskräfte in Facharbeitertätigkeiten eingewiesen. In den übrigen Zuständigkeitsbereichen des Technische Entwicklung beobachten! Verbandes blieb dieses Problem begrenzt. Erst gegen Ende des Krieges milderte der ‚SchutzDer Verbandstag beauftragte auch den Vorstand, eine verband Deutscher Steindruckereibesitzer‘ seine technische Sammelstelle einzurichten und vorhandeBlockadepolitik gegenüber der Gewerkschaft. Teuene und neu auftauchende Druckverfahren zu regisrungszulagen mussten während der ganzen Kriegszeit trieren. Außerdem sollte eine Statistik über Offsetmadurch lokale Aktionen durchgesetzt werden, weil die schinen erstellt werden, um nachzuweisen, was und Unternehmer auf zentraler Ebene sich zu einer solchen wie viel an diesen Maschinen geleistet und inwieweit Durchsetzung nicht in der Lage sahen oder sehen Flachdruckpressen dadurch überflüssig würden. wollten. Die Anerkennung als Tarifpartei und die Schaffung von paritätischen Tarifämtern war in erster Linie ein Kriegsbedingungen Ergebnis der Revolution vom November 1918. In einer „Grundsätzlichen Stellungnahme“ verpflichteten sich 1914-1918 Der Ausbruch des ersten Weltkrieges führbeide Parteien zum rechtsgültigen Abschluss von te auch hier zu einschneidenden Verringerungen der Tarifverträgen und zur Errichtung eines gemeinsamen gewerkschaftlichen Leistungen. Die KrankenunterArbeitsnachweises. Außerdem verpflichtete sich die stützung wurde abgeschafft, die Arbeitslosen-, InvaArbeitgeberseite, Sonderorganisationen auf Arbeitliden- und Witwenunterstützungen reduziert und nehmerseite(gelbe Verbände) nicht mehr zu unterteilweise sogar aufgehoben. Dafür wurde der Kreis stützen. der Empfangsberechtigten erweitert. So wurden auch In dem Zusammenhang waren auch Vereinbadie Familien eingezogener Mitglieder unterstützt. rungen getroffen worden, die für Kriegsteilnehmer die Für die Dauer des Krieges wurden Umfang und Einstellung an ihren alten Arbeitsplätzen sichern Erscheinungsweise der ‚Graphischen Presse’ eingesollten und für Kriegsverletzte die bestmögliche Wieschränkt. dereingliederung in das Berufsleben. Im November 1914 betrug die Arbeitslosigkeit unter den Mitgliedern nahezu 22 Prozent, durch vermehrten Einzug zum Heeresdienst sank sie im Verlauf Die schwierige Nachkriegszeit Politik des Vorstandes während der Kriegsjahre und die Arbeit der Redaktion der ‚Graphischen Presse‘ 66 1919 Im Mai fanden fünftägige Verhandlungen zur wurde mit großer Mehrheit gebilligt. Der Errichtung Schaffung eines zentralen Tarifvertrages für das Lides Rätesystems wurde eine Absage erteilt und damit thographie- und Steindruckgewerbe statt. Das Ergebdie Bestrebungen des kommunistisch geführten ‚Granis wurde in einer Urabstimmung von den Mitgliedern phischen Blocks‘ missbilligt. Gebilligt wurde die gegebilligt und erfüllte mit Genugtuung: Feste Grundplante Errichtung eines Betriebsrätesystems und die löhne mit Ortszuschlägen bis zu 25 Prozent; tägliche damit verbundenen Mitbestimmungsrechte der ArArbeitszeit von acht und Samstags von sieben Stunden, beitnehmer in den Betrieben. Die Schaffung des ‚Graan den Vorabenden vor hohen Feiertagen von vier phischen Bundes‘ als Verbindungsstelle der vier graStunden; erstmals Urlaub von vier bis neun Tagen je phischen Gewerkschaften„als ersten Schritt zu einem nach Betriebszugehörigkeit. einheitlichen Industrieverband“ fand auch eine große Portraitfotografen, die während des ganzen Kriegs Mehrheit. Hochkonjunktur gehabt hatten, traten nach seiner 1920 Zwei kleinere Verbände, der ‚Verband der Beendigung vermehrt in den Verband ein, um gewerkNotenstecher‘ und der ‚Deutsche Xylographenverschaftlichen Schutz zu bekommen. band‘, schlossen sich dem ‚Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe‘ an. Zersplitterung des Berufsstandes? Mit Bedauern nahm der Verband anlässlich seines Verbandstages im November zur Kenntnis, dass mit Unterstützung des ‚Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes‘(ADGB) und ohne vorherige Verständigung mit betroffenen Einzelgewerkschaften der ‚Zentralverband der Film- und Kinoangestellten‘ gegründet wurde, dem die Fotografen der Filmindustrie zugeschlagen wurden. Dies begünstige die Zersplitterung eines Berufsstandes. Dieser erste Verbandstag nach sechs Jahren verlief trotz Auftretens von durch die politischen Umwälzungen bedingten oppositionellen Kräften friedlicher als bei den meisten anderen Gewerkschaften. Die Brand im Leipziger Gewerkschaftshaus Im Verlauf des so genannten„Kapp-Putsches“ wurde das Volkshaus in Leipzig von einer wildgewordenen Soldateska in Brand gesteckt. Das historische Material aller dort ansässigen Gewerkschaftsbüros ging unwiederbringlich verloren. Auch die Technische Zentrale des Lithographenverbandes, die dort ihren Sitz hatte, wurde vollständig zerstört. Sie wurde in Berlin am Sitz des Verbandes neu eingerichtet. Das Volkshaus selbst wurde von Leipziger Gewerkschaftsmitgliedern aus Eigenmitteln durch Spende je eines Tagesverdienstes wieder aufgebaut. 67 Exponat Nr. 25 Dem Verband gelang es, in den meisten seiner reich zählten. Sie konnten es sich nicht verkneifen, zentralen Tarifverträge die 47-Stunden-Woche durchdarauf hinzuweisen, dass das Arbeitslosenproblem 68 zusetzen. der Buchdrucker zumindest teilweise auch dadurch gelöst werden könnte, dass jeder Buchdrucker, wie tariflich vorgeschrieben, auch tatsächlich nur eine Arbeitszeitverkürzungen unter Beschuss Druckmaschine bediene. Die Offsetfrage wurde durch Festlegung der jeweiligen Zuständigkeit zwischen den 1921 Arbeitszeiten von unter 48 Stunden pro Woche Verbänden vorläufig gelöst, dennoch kam es immer gerieten zunehmend in das Visier der Unternehmerwieder zu Konflikten. Schwieriger gestaltete sich die organisationen aller Bereiche. Die ‚Deutsche ArbeiAbgrenzungsproblematik in der Tiefdruckfrage. Auch tergeber Zeitung‘ bezichtigte Unternehmer, die tariflich zwischen den beiden internationalen Berufssekretaeine kürzere Arbeitszeit akzeptiert hatten als die geriaten kam es in beiden Fragen zu erheblichen Meisetzliche, des„schnöden Verrats“. Der Verband rief nungsverschiedenheiten. seine Mitglieder zur Wachsamkeit auf. Der ‚Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe‘ nahm auch diese Fragen zum Anlass, auf die Notwendigkeit der Schaffung eines Offset, Tiefdruck – wer ist zuständig? Industrieverbandes hinzuweisen, der letztlich wegen der zögerlichen Haltung der Buchdrucker nicht zum Nach dem ersten Weltkrieg hielten Offset- und TiefTragen kommen sollte. druckmaschinen zunehmend auch Einzug in Betrieben, die zuvor nur Hochdruckverfahren angewandt hatten. Damit ergaben sich Abgrenzungsprobleme zwischen Galoppierende Inflation dem ‚Verband der Deutschen Buchdrucker‘ und dem ‚Verband der Lithographen, Steindrucker und ver1922 Anfang August fand der 11. Verbandstag in wandten Berufeæ, die ein erhebliches KonfliktpotenNürnberg statt. Er stand im Zeichen der galoppierenden zial in sich bargen. Nach Meinung der Steindrucker Inflation. Als wöchentlicher Beitrag wurde der tarifliche wollten die Buchdrucker die Besetzung der Offset- und Stundenlohn im Lithographie- und SteindruckgewerTiefdruckmaschinen für ihre Mitglieder beanspruchen, be festgesetzt. Er betrug 45 Mark im Oktober und 90 um der zunehmenden Arbeitslosigkeit in ihren Reihen Mark im November – um 1923 kaum nachvollziehbare Einhalt zu gebieten. Die Steindrucker selbst hatten zu Höhen zu erreichen. der Zeit günstigere Arbeitsmarktchancen, aber auch nicht so gute, um die tarifliche Zuständigkeit für Arbeitsplätze aufzugeben, die traditionell zu ihrem Be- Wer ist Angestellter? des Jahres folgten die Unternehmer dem allgemeinen Trend, eine weitergehende Verlängerung der Arbeits1923 „Die allgemeine Verbrüderung, die nach der zeit zu verlangen. Der Gesetzgeber hatte inzwischen 69 Revolution 1918 stattfand, führte dazu, dass sich fast durch die neue Arbeitszeitordnung vom 21. Dezember alle Menschen als ‚Arbeiter‘ fühlten. Diese Stimmung die rechtliche Grundlage geschaffen. hat schnell umgeschlagen“ – so heißt es im Geschäftsbericht 1922 bis 1924. Anlass für dieses Resümee waren die BestrebunRelativ gute Arbeitszeitregelung gen von Teilen der Kartholithographen und Kupferstecher, den Verband zu verlassen und den Angestell1924 Nach Bekanntwerden des vom Buchdruckervertenstatus zuerkannt zu bekommen. Das führte zu band nach einer Aussperrung angenommenen Schiedsunerfreulichen Auseinandersetzungen mit dem ‚Bund spruchs in Sachen Verlängerung der Arbeitszeit forder Technischen Angestellten und Beamten‘(Butab), derte der ‚Schutzverband Deutscher Steindruckereider der ‚Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbesitzer‘ bei einem nicht ausgelaufenen Tarif eine bände‘(AfA) angeschlossen war. Erst 1925 konnte der gleiche Regelung. Streit zu Gunsten des Verbandes beigelegt werden. Diese konnte durch geschicktes Taktieren abgefangen werden dergestalt, dass zwar den Unternehmen das Recht zugestanden wurde, bei entsprechenden Sparmaßnahmen wirtschaftlichen Bedürfnissen unverweigerbare Mehrarbeit bis zu 53 Stunden pro Woche anzuordnen. Im zweiten Halbjahr war es wegen der rasenden Diese musste aber mit einem Zuschlag von 20 Prozent Geldentwertung nicht mehr möglich, die ‚Graphische zusätzlich zum Stundenlohn entlohnt werden. AußerPresse‘ regelmäßig erscheinen zu lassen. In dieser dem konnte noch fixiert werden, dass bei erfolgter Situation wurde beschlossen, das Verbandsorgan zur Kurzarbeit oder Entlassungen kein wirtschaftliches Abonnementzeitung zu machen. Dies begann im DeBedürfnis zur Anordnung von Überstunden bestehe. zember 1923 mit 1.600 Abonnenten. Im Verlauf eines Damit hatten die Lithographen und Steindrucker Jahres konnte diese Zahl bei etwa 17.000 Mitgliedern in der Überstundenfrage das unter damaligen Bedinauf 12.500 gesteigert werden. gungen bestmögliche Abkommen erzielt. Die BuchWährend des Jahres musste in vielen Bereichen drucker konnten schon 1925 ein gleichwertiges Abauf die tarifliche 47-Stunden-Woche verzichtet werden, kommen abschließen und damit wieder Boden gutund die gesetzliche Arbeitszeit trat damit in Kraft. machen. Angesichts der inflationären Entwicklung waren die gewerkschaftlichen Kampfmittel erschöpft. Gegen Ende Publikationspolitische Offensive Wöchentliche Arbeitszeitverkürzung 70 1925 In Tarifverhandlungen für das Lithographie- und 1928 Vom 28. Juli bis 14. August fand der 14. VerSteindruckgewerbe gelang es, zum tariflichen Acht- bandstag in Jena statt. Zur Tarifpolitik wurden folgende Stunden-Tag zurückzukehren ohne die Verpflichtung, dringliche Forderungen aufgestellt:„Verkürzung der bei Bedarf Überstunden leisten zu müssen. wöchentlichen Arbeitszeit, Verringerung der Zahl der Der Verbandstag in Köln – Mitte August – beschloss, Überstunden, Einschränkung der Lehrlingszahl in die ‚Graphische Presse‘ allen Mitgliedern wieder kos- Berufen, in denen die Arbeitslosigkeit Massenerscheitenlos zukommen zu lassen. Auch die fachtechnische nung wird, paritätische Kontrolle der LehrlingsausZeitschrift ‚Graphische Technik‘, das Nachfolgeorgan bildung. Erweiterung des Ferienanspruches und der fachtechnischen ‚Graphischen Rundschau‘, wurde Einführung des Krankenlohnes. Zur Verteidigung und allen Mitgliedern aus ihrem Beitrag zur Verfügung Aufrechterhaltung der bisherigen Errungenschaften, gestellt. Die etwa 3.500 Lehrlinge erhielten statt der insbesondere der Feiertagsbezahlung, sind alle ver‚Graphischen Presse‘ die ‚Graphische Jugend‘. fügbaren Kräfte anzuspannen.“ Der Vollbeitrag wurde mit wöchentlich 2 Mark festgesetzt. Der tarifliche Mindestlohn im ersten Gehilfenjahr betrug 27 Mark. Die danach frei zu vereinInternationaler Widerstandsfonds barenden Durchschnittslöhne lagen zwischen 48 und 59 Mark. 1929 Die zwei Jahre zuvor vorgebrachten Vorbehalte 1926 Auf Beschluss des vorjährigen Verbandstagegen die Wahl Berckmanns zum Internationalen ges wurde eine Jugendleiterkonferenz nach Saalfeld Sekretär erfuhren nur zu bald ihre Bestätigung. Die einberufen, die ein„Programm für die Erziehung internationale Arbeit lag brach. Um die Durchführung unserer Jugend“ beschloss, welches das auf der ersten des für September 1929 angesetzten ordentlichen Jugendleiterkonferenz 1914 verabschiedete ablöste. Kongresses des ‚Internationalen Lithographenbundes‘ 1927 Im November wurde ein außerordentlicher sicherstellen zu können, wurde der Holländer Hans Kongress des ‚Internationalen Bundes der LithoRoelofs zum Interimssekretär bestellt. Der Kongress graphen‘ einberufen. Dies war notwendig geworden, fand in Prag statt. Es wurde beschlossen, einen interum einen Internationalen Sekretär zu wählen als nationalen Widerstandsfonds zu gründen, in den jede Nachfolger für den im Vorjahr verstorbenen Belgier Organisation pro Mitglied und Jahr 50 Pfennig einzuFrançois Poels. Die Wahl fiel – gegen den Widerstand zahlen hatte. der deutschen Delegation, die mangelnde Fremdsprachenkenntnisse monierte – auf den Belgier Berckmanns. Flucht in die Sachwerte 3. Setzmaschinen, die für Flach- und Tiefdruckzwecke arbeiten, gehören zum Organisations- und Wie viele Gewerkschaften jener Jahre es taten, kaufte Tarifgebiet der Buchdrucker. 71 auch der ‚Verband der Lithographen, Steindrucker Diese Vereinbarung wurde in der Folge von den jeund verwandten Berufe‘ ein eigenes zentrales Büroweiligen internationalen Kongressen und nationalen gebäude. Nach den Erfahrungen der Inflationszeit Verbandstagen beschlossen. Frühere Vereinbarungen sollte damit vor allem„wertbeständiges“ Vermögen wurden damit gegenstandslos. geschaffen werden. Die Arbeitsvermittlung, der sogenannte„Arbeitsnachweis“, wurde auf Druck der Unternehmer dem Massenarbeitslosigkeit und Lohnabbau Verband entzogen und in die staatliche Arbeitsvermittlung eingegliedert. Dies war eine wichtige VerschlechDurch die mit dem New Yorker Börsenkrach eingeterung der Manteltarifbestimmungen, die nur unzuleitete Wirtschaftskrise mit nachfolgender extremer reichend durch einen zwölften Ferientag bei über Steigerung der Arbeitslosigkeit musste der Beitrag um zehnjähriger Betriebszugehörigkeit wettgemacht wer2 Mark erhöht werden, dies vor allem, um den von den konnte. der Arbeitslosenversicherung ausgesteuerten Mitgliedern noch eine Unterstützung gewähren zu können. Ein Jahr später musste diese Unterstützung aufgehoOffset- und Tiefdruckfrage gelöst ben werden. Schwieriger noch gestaltete sich auch in den 1930 Durch Verhandlungen zwischen dem ‚InternaBereichen der Lithographen und Steindrucker der tionalen Lithographenbund‘ und dem ‚Internationalen Kampf gegen den von den Unternehmern verfochtenen Buchdruckersekretariat‘ wurde in der Offset- und Lohnabbau von zehn Prozent. Einmal noch gelang es, Tiefdruckfrage Übereinstimmung erzielt: den Tarifvertrag unverändert zu verlängern. 1. Bildherstellung und Offsetdruck gehören in die 1931 Die Unternehmer forderten fünfzehnprozenZuständigkeit von Verbänden der Lithographen, tigen Lohnabbau und Verschlechterung der wichtigsSteindrucker und verwandten Berufen und werden ten Bestimmungen der Manteltarife. Der Verband dort tariflich geregelt. setzte als Forderung Verkürzung der Arbeitszeit bei 2. Beim Tiefdruck bleibt die Zuständigkeit für die Lohnausgleich und Änderung der LehrlingsbestimBildherstellung beim Organisations- und Tarifgemungen dagegen. biet der Lithographen und Steindrucker, der Druck Durch Schiedsspruch wurde die Feiertagsbezahaber gehört zum Organisations- und Tarifgebiet lung, die 30 Jahre lang unumstritten war, im Sinne der Buchdruckerverbände. der Unternehmer verschlechtert. Bei der Forderung nach Lohnabbau von 15 Prozent stand für den Verband prozentige Verringerung der Löhne, Senkung der die Frage: tariflicher Lohnabbau oder tarifloser ZuÜberstundenzuschläge um die Hälfte, Reduzierung 72 stand. Die Löhne wurden um einen festen Markbetrag, des Urlaubsanspruchs.“ In mühseligen Verhandlungen abhängig von der Höhe des Wochenlohnes, reduziert, konnte die Lohnreduzierung abgewendet werden und was auf eine Kürzung zwischen zwei und sechs Prozent im Vergleich zu anderen Tarifbereichen – z.B. der hinauslief. Buchdrucker – hielten sich die Verschlechterungen in Nach der Notverordnung der Reichsregierung Grenzen.„An den Forderungen der Unternehmer vom Juni verwiesen die Unternehmer auf die„ungünsgemessen hat der 30 Wochen kreißende Berg ein tige Lage“ ihrer Betriebe, um damit die Forderung Mäuslein geboren“, hieß es in der abschließenden nach weiteren Lohnkürzungen zu untermauern. Dem Betrachtung der‘Graphischen Presse’. wurde großer Widerstand entgegengesetzt. Der VerZum Ausklang des in jeder Hinsicht politisch sehr band forderte seine Mitglieder zur Ablehnung des bewegenden Jahres forderten die Unternehmer nochSchiedsspruches auf, der eine fünfprozentige Lohnmals einen Lohnabbau von zehn Prozent. Die Versenkung bringen sollte. Dieser Sachstand wurde handlungen wurden durch den Schlichter auf die überholt von einer weiteren Notverordnung, die die zweite Hälfte des Januar 1933 vertagt. Festsetzung auf den Stand vom 10. Januar 1927 ver1933 Wir wissen aus einem erhalten gebliebenen fügte, was durchschnittlich eine Reduzierung um zwölf Rundschreiben, dass der am 27. Januar 1933 gefällte Prozent bedeutete. Nicht nur nebenbei soll hier darauf Schiedsspruch angenommen wurde, über seine Inhalte hingewiesen werden, dass diese Notverordnung auch liegt nichts vor. eine Reduzierung der Leistungen der ArbeitslosenverWeitere Materialien, die Aufschluss über Ereigsicherung, der Krankenversicherung und der Renten nisse innerhalb des Verbandes bis zum Zeitpunkt der bedeutete. Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 1932 Nach Verfügung der Notverordnung liefen geben können, liegen nicht vor. Die Verwüstung der die Tarife zum 31. Mai 1932 aus. Vor allem der‘SchutzBüroräume des‘Verbandes der Lithographen, Steinverband Deutscher Steindruckereibesitzer’ wollte aus drucker und verwandten Berufe’ ist photographisch der weiterhin steigenden Not erneut Kapital schlagen. festgehalten. Seine Forderungen lauteten unter anderem:„Fünf- 73 Exponat Nr. 28 Gemeinsam sind wir stark – allein sind wir stärker? 74 Die graphischen Gewerkschaften in Deutschland vor 1933 Karl Michael Scheriau Vorspann Ein Blick auf die deutschen Gewerkschaften zum Ausgang des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts zeigt, dass in völlig unterschiedlichen Branchen völlig unterschiedliche Formen gewerkschaftlicher Organisation existieren bzw. existierten. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Organisationen der Gewerkschaften in Deutschland noch lange keine endgültige Form und Struktur gefunden haben. Auch heute noch gibt es die kleinen, hochspezialisierten Fachverbände, wie die Deutsche Orchestervereinigung(DOV), Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger(GDBA, gegründet 1873) oder die Gewerkschaft der Verkehrsflugzeugpiloten(Cockpit). Hier gibt es sogar einen neuen Trend zu kleineren Fachgewerkschaften, wie die erst wenige Jahre alte Unabhängige Flugbegleiter Organisation(UFO). Immer noch existieren die großen Betriebs- bzw. Berufsgewerkschaften der Eisenbahner(Transnet), Polizisten (GdP) oder Lehrer und Erzieher(GEW). Die Branchengewerkschaften(IG Metall, NGG) könnten innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes inzwischen als kleine Minderheit angesehen werden, wenn die IG Metall nicht so viele Mitglieder vereinen würde. Stattdessen ist seit einigen Jahren neben dem Trend zu kleineren Fachverbänden auch ein Trend zu branchenübergreifenden Großorganisationen zu beobachten, deren Mitglieder wenig oder gar keinen berufsfachlichen oder tariflichen Bezug zueinander haben. Dazu gehören die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) oder die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie(IG BCE). Für den Erfolg einer Gewerkschaft gab und gibt es offensichtlich kein allgemeinverbindliches Organisationsmodell. Entscheidend war und ist die Frage, unter welchen konkreten Bedingungen man mit welcher gewerkschaftlichen Zielsetzung arbeitet. Wer heute darüber diskutiert, ob die derzeitigen Organisationsformen noch den aktuellen Bedingungen angemessen sind, für den ist ein Blick in die gewerkschaftliche Vergangenheit sinnvoll, um Klarheit über die Gründe des Erfolges einzelner Organisationsmodelle zu erlangen. In diesem Artikel werden die vier graphischen Gewerkschaften in Deutschland vor 1933 vorgestellt, die als Berufsgewerkschaften innerhalb einer relativ großen Industrie lange Zeit zu den erfolgreichsten Gewerkschaften Deutschlands gehörten. Expansion des graphischen und maschinen kamen seit Mitte des 19. Jahrhunderts papierverarbeitenden Gewerbes um 1900 Hilfsarbeiter in großer Zahl in den Drucksälen zum Einsatz. Gab es 1848 schätzungsweise 10.000 Buch75 Der im 19. Jahrhundert entstehende Bedarf nach Printdruckergehilfen 2 in ganz Deutschland, führte die techmedien wäre ohne die stürmische technische Entwicknische Entwicklung vorübergehend sogar zu einem lung überhaupt nicht zu decken gewesen. Die NachRückgang der Gehilfenzahl 3 . Dieser ging allerdings vor frage nahm stärker zu als die Steigerung der Produkallem zu Lasten der Drucker, während die Setzer bis tivität. Aus diesem Grund stieg die Zahl der Beschäfzum ausgehenden 19. Jahrhundert nicht von der techtigten in der graphischen Industrie und dem papiernischen Entwicklung betroffen waren und deshalb von verarbeitenden Gewerbe in Deutschland innerhalb der vermehrten Nachfrage profitierten. Bis 1898 stieg weniger Jahrzehnte um ein Vielfaches. Als Beispiel die Zahl der Gehilfen dann sprunghaft auf 33.102 4 . seien hier nur die Beschäftigtenzahlen der Jahre 1895 Insgesamt stand im Buchdruckgewerbe einem Anstieg und 1907 angegeben. der Beschäftigtenzahl von 65,8% zwischen 1895 und Zwischen 1895 und 1907 stieg die Zahl der Be1907 nur eine Steigerung der Lehrlingszahl um 11,5% triebe im polygraphischen Gewerbe 1 von 33.772 auf gegenüber. Damit nahm der Anteil der Lehrlinge nicht 41.386 um 22,55%. Die Beschäftigtenzahlen nahmen nur gegenüber der Gesamtbeschäftigtenzahl ab sonvon 280.776 auf 439.777 um 56,63% zu, während die dern auch gegenüber der Zahl der Facharbeiter. Lehrlingszahlen nur von 28.148 auf 29.628 um 5,26% In der Papierherstellung, den Buchbindereien und zunahmen. Hinter den Lehrlingszahlen verbergen sich Kartonagefabriken war der Arbeitsplätzezuwachs allerdings völlig unterschiedliche Entwicklungen. überwiegend auf ungelernte Kräfte zurückzuführen. Der Anstieg der Beschäftigtenzahlen in den BuchEinem Anstieg der Beschäftigtenzahl um 51,02% stand druckereien enthält sowohl den Anstieg der Anzahl eine Steigerung der Lehrlingszahl um 1,71% gegender Facharbeiter(Gehilfen) als auch den gleichzeitigen über. In Buchbindereien und Kartonagefabriken ging Zuwachs der Hilfsarbeiter im Buchdruck. Erst durch die Lehrlingszahl sogar zurück. die Einführung der Schnellpressen und der Rotations1 Zum polygraphischen Gewerbe zählten die Buchdruckereien, Stein- und Zinndruckereien, Kupfer- und Stahldruckereien, Farbendruckereien, photographische Anstalten, Papierfabrikation, Buchbindereien und Kartonagefabriken, Schriftgießereien, Schriftschneidereien und Holzschnitt. Buchhandel und Verlage wurden in obigen Zahlen nicht berücksichtigt. Quelle: W. Krahl; Der Verband der Deutschen Buchdrucker in der Zeit von 1888-1916. Zweiter Band; Berlin, 1933, 3. Teil, S. 175. Angaben nach der reichsamtlichen Betriebs- und Berufsstatistik von 1895 und 1907. 2 Siehe W. Krahl; 1866-1916. Der Verband der Deutschen Buchdrucker. 50 Jahre deutsche gewerkschaftliche Arbeit mit einer Vorgeschichte. Erster Band; Berlin, 1916; S. 217. 3 1868= ca. 9.000 Gehilfen, siehe W. Krahl 1916, S. 439. 4 W. Krahl 1933, 3. Teil, S. 149. Dem Zuwachs der Beschäftigtenzahlen im poly- als auch schon als Lokalgewerkschaften Tarifverhandgraphischen Gewerbe entsprach das schnelle Wachslungen und Arbeitskämpfe führten. 76 tum ihrer Gewerkschaftsorganisationen. Im 19. JahrErst mit der Aufhebung des Koalitionsverbotes hundert hatten sich in Deutschland vier Gewerkschaften durch die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes des graphischen und papierverarbeitenden Gewerbes 1869 war eine einheitliche gesetzliche Grundlage gegründet, die sich der„Generalkommission der Gegeschaffen, die die Verfolgung des Ziels vereinheitliwerkschaften Deutschlands“ respektive dem späteren chter Arbeitsbedingungen in ganz Deutschland ermögAllgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund(ADGB) lichte. Mit dem Buchdruckertarif von 1873 hatte der anschlossen. Buchdruckerverband das Ziel von 1848 6 , den Flächentarif, erreicht, wenn auch nur für den Teilbereich der Satzherstellung. Verband der Deutschen Buchdrucker Obwohl der Buchdruckerverband sich weitgehend aus politischen Auseinandersetzungen heraushielt und Die deutschen Buchdrucker konnten auf eine mehrere sich einer eindeutigen Anlehnung an die sozialistische hundert Jahre alte gemeinsame Tradition der ZunftPartei enthielt, wurde der Verband am 5.3.1879 nach organisation, der Unterstützungskassen und auch der dem sächsischen Vereinsgesetz aufgelöst. Allerdings eigenständigen Gehilfenvereinigungen zurückblicken. auf Initiative des damaligen Präsidenten Richard HärDies erleichterte die Bemühungen, eine einheitliche tel war schon am 21.11.1878 in Leipzig der Unternationale Organisation zu gründen, als es Deutschland stützungsverein der Deutschen Buchdrucker gegrünals Nationalstaat noch gar nicht gab. Auf dem Buchdet worden, der seinen Sitz in Stuttgart nahm, wo er druckertag vom 20. bis 22. Mai 1866 wurde von den die Verbandstätigkeit mitsamt dem geretteten Ver34 Delegierten der lokalen und regionalen Buchdrubandsvermögen praktisch ungebrochen fortsetzen ckervereine aus 84 Druckorten der Deutsche Buchkonnte. Auf Druck der preußischen Regierung verlegte druckerverband gegründet. Diese Gründung knüpfte der Unterstützungsverein seinen Sitz 1888 nach Beran die Organisationsbestrebungen der Buchdrucker lin. Nach der Nichtverlängerung des Sozialistengesetzes von 1848/1849 an 5 und war vorerst nur ein Kartelltrat der Verband der Deutschen Buchdrucker mit verband eigenständiger Lokalvereine, die sowohl die Wirkung vom 1.1.1893 an die Stelle des UnterstütFunktion von Unterstützungsvereinen wahrnahmen zungsvereins. 5 Siehe auch K. M. Scheriau; Vor 150 Jahren: Gründung des Gutenbergbundes; in: BzG 1/99, S. 3-13 und K. M. Scheriau; Kunstgenossen und Kollegen. Entstehung, Aufbau, Wirkungsweise und Zielsetzung der Gewerkschaftsorganisation der deutschen Buchdrucker von 1848 bis 1933; Berlin, 2000; S. 21-39. 6 Siehe K. M. Scheriau; Vor über 150 Jahren. Der erste Flächentarif für das deutsche Buchdruckgewerbe; in: BzG 2/99, S. 3-13 Am Buchdruckerverband fallen zwei Dinge beder gesetzlichen Sozialversicherungen vorweggenomsonders auf: Die föderalistische Verbandsorganisation men. Allerdings hatten die Unterstützungsleistungen war Ausdruck eines ausgeprägten lokalen und regiovor allem auch den Sinn, die Position des Verbandes 77 nalen Selbstbewusstseins, das verstärkt wurde durch gegenüber den Arbeitgebern zu stärken. Die Gemaßreden Aufbau von beruflichen Spezialorganisationen geltenunterstützung wurde nur selten als echte Streik(Sparten), die die berufsspezifische Interessenvertreunterstützung gewährt, da Arbeitskämpfe seit 1891 tung innerhalb des Verbandes ausübten. Andererseits praktisch nur noch auf lokaler oder betrieblicher Ebebetrieb der Verband von Anfang an eine zentralistische ne stattfanden, um einzelne Arbeitgeber zur Einhaltung Tarifpolitik 7 . Diese wurde unterstützt von einem umdes Tarifes zu zwingen. Die Gemaßregeltenunterstütfangreichen zentralisierten Unterstützungssystem. zung hatte den Sinn, Arbeitgebern, die den Tarif nicht Auf der Ebene der Tarifpolitik kann der Buchdrueinhalten wollten, die Arbeitskräfte zu entziehen. Buchckerverband mit Fug und Recht als Erfinder der Sodruckergehilfen, von denen verlangt wurde, unter Tarif zialpartnerschaft bezeichnet werden. Im Anschluss zu arbeiten, konnten mit Zustimmung des Verbandes an den ersten Buchdruckertarif entwickelte er gemeindie Annahme der Arbeit verweigern bzw. ihre Arbeitssam mit dem ebenfalls reichsweit vertretenen Arbeitstelle kündigen. Mit der Arbeitslosenunterstützung geberverband(Deutscher Buchdrucker-Verein) das („Ortsunterstützung“) wurde verhindert, dass verheiSystem der Tarifgemeinschaft. Nach dem Arbeitskampf ratete und deshalb an den Ort gebundene arbeitslose zu Beginn der 1890er Jahre und einigen Jahren der Buchdrucker ihre Arbeitskraft als Lohndrücker anbie„Tarifanarchie“ wurde diese Tarifgemeinschaft 1896 ten mussten. Mit der Wanderunterstützung(Viatikum) als paritätisch besetzte, quasi neutrale Instanz zur für junge und in der Regel unverheiratete Gehilfen Aushandlung von Tarifen und der Vermeidung von konnte der lokale Arbeitsmarkt entlastet werden. Mit Arbeitskämpfen neu installiert und blieb bis 1922 der Kranken- und Invalidenunterstützung wurde ein bestehen. Zentrales Anliegen des Buchdruckerverbanstarker Anreiz geboten, dem Verband beizutreten und des war neben der Regelung von Lohn und Arbeitszeit sich an seine Regeln zu halten. die Begrenzung der Lehrlingsausbildung, um auf diVon einem vorübergehenden Rückgang in den ese Weise die Arbeitsplatzkonkurrenz einzuschränken. 1870er Jahren und einem kurzfristigen Rückgang Dieses Ziel wurde mit der seit 1896 tariflich festgelegten 1892/93 infolge des großen Arbeitskampfes um den „Lehrlingsstaffel“ erfolgreich umgesetzt. 9-Stunden-Tag abgesehen, nahm die Mitgliederzahl Mit dem zentralisierten Unterstützungswesen ständig zu. Dem Buchdruckerverband war es bis zum wurden zum Teil die Aufgaben des späteren Systems Beginn der 1930er Jahre gelungen, nicht nur eine 7 Neben dem reichsweit gültigen Buchdruckertarif gab es ab 1913 den zentralen Schriftgießertarif. Mehrheit, sondern mit über 90% fast die Gesamtheit Buchbinder, Portefeuiller, Album-, Etuis-, Cartonnagender Gehilfen unter seiner Tarifpolitik zu vereinen. Arbeiter, Liniierer usw. und deren Hilfsarbeiter“ ge78 gründete Kartellverband bestehender Vereine hatte dauerhaften Bestand. 1889 wurde die Aufzählung der Verband der Buchbinder und Berufe aus dem Namen gestrichen. Die Organisation Papierverarbeiter Deutschlands hieß nun vorübergehend„Unterstützungsverband der Vereine der in Buchbindereien und verwandten GeDie ersten lokalen Buchbinderorganisationen nach schäftszweigen beschäftigten Arbeiter“ 11 . Nach der der Aufhebung des Zunftzwanges bildeten sich in den Nichtverlängerung des Sozialistengesetzes beschloss 1860er Jahren. Einige von ihnen waren mit Delegierder vierte ordentliche Verbandstag 1893 die Umwandten auf dem Allgemeinen deutschen Arbeiterkongress lung in einen Zentralverband, dessen Mitglieder nicht 1868 vertreten, der von den Lassalleanern v. Schweitmehr die Lokalvereine, sondern die Einzelpersonen zer und Fritzsche einberufen worden war. waren. Im Jahre 1900 wurde der Name erneut geänDer auf dem„Ersten deutschen Kongress der dert in„Deutscher Buchbinderverband“ 12 . Nach dem Buchbinder“ vom 13.4.-15.4.1873 gegründete„Ver1. Weltkrieg fand im Jahre 1919 die letzte Umbenenband der Buchbinder und verwandten Geschäftszweinung in„Verband der Buchbinder und Papierverarge“ existierte bis 1878. Die Organisation orientierte beiter Deutschlands“ statt. sich an„einer straffen Berufszentralisation nach Art Von 1885 bis 1933 war der Buchbinderverband des Buchdruckerverbandes“ 8 . Der Verband erreichte in der Regel die zweitstärkste der vier graphischen einen Höchststand von ca. 1.000 Mitgliedern 9 und Gewerkschaften Deutschlands. 1913 lag der Organiwurde am 18.12.1878 durch Erlass der königlichen sationsgrad bei 31% 13 . Von einem kurzfristigen Anstieg Kreishauptmannschaft in Leipzig aufgelöst. am Anfang der 1920er Jahre abgesehen, lag der OrgaErst der am 4.4.1885 in Offenbach unter dem nisationsgrad in den 1920er Jahren bei ca. 35,7% 14 . Namen„Unterstützungs-Verband der Vereine 10 der 8 E. Kloth 1910; Geschichte des Deutschen Buchbinder-Verbandes. Erster Band; Berlin; S. 140. 9 Siehe Deutscher Buchbinderverband(DBV)(Hg.) 1914, Der Deutsche Buchbinder-Verband. Seine Entstehung, sein Wirken und seine Erfolge. 1885-1914; Berlin; S. 11. 10 Siehe DBV(Hg.) 1914, S. 11. 11 E. Kloth 1913; Geschichte des Deutschen Buchbinder-Verbandes. Zweiter Band; Berlin; S. 187. 12 DBV(Hg.) 1914, S. 11. 13 Siehe W. Krahl 1933, Dritter Teil, S. 182. 14 Siehe Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands(VdBP)(Hg.); Der Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands; Berlin,; S. 6 f. Die Zahl der Beschäftigten in den vom VdBP organisierten Branchen wurde für 1925 mit 140.000 angegeben. Die Mitgliederzahl des VdBP betrug 49.958. 79 Exponat Nr. 29 Seit 1891 nahm der Verband auch Frauen auf. Jahren sowohl die Gründung eigenständiger lokaler Die Zahl der weiblichen Mitglieder nahm von 245 Vereinigungen als auch teilweise der Anschluss an be80 (1891) auf 16.596(1913) zu und erreichte damit noch stehende Organisationen, wie z.B. der Buchbinder-, vor dem 1. Weltkrieg rund 50% der Mitgliedschaft. Sattler-, Riemer- usw. Gewerkschaft in Kassel, deren Nach dem 1. Weltkrieg stieg der Frauenanteil im BuchBevollmächtigter der Steindrucker Haupt war. Der binderverband auf nahezu 70%, was fast exakt dem 1873 gegründete Deutsche Senefelder-Bund gehörte Frauenanteil im Gewerbe entsprach. zu den wenigen Gewerkschaften, die unter dem SoziaVor dem 1. Weltkrieg konnte der Buchbinderverlistengesetz nicht verboten wurden. 1878 hatte sich band im Jahre 1913 mit 130 Tarifverträgen einen der Senefelder-Bund von einer Gewerkschaft in eine ersten Höhepunkt seiner Wirksamkeit erreichen. DieOrganisation von Unterstützungskassen umgewandelt, se Tarifverträge erfassten 2.018 Betriebe mit 32.600 die erst 1905 mit mehreren Tausend Mitgliedern im Beschäftigten. 1926 war die Zahl der Tarifverträge 1890 gegründeten Verband der Lithographen, Steinzwar auf 62 gesunken, diese erfassten aber nunmehr drucker und verw. Berufe aufging. Zu den unmittel7.600 Betriebe mit 101.300 Beschäftigten 15 . baren Vorläufern dieses Verbandes gehörte der 1869 gegründete Hirsch-Duncker’sche„Gewerkverein der Maler, Koloristen, Lithographen, Steindrucker usw.“ Verband der Lithographen, Steindrucker und aus Neuruppin 16 . verwandten Berufe In noch stärkerem Maße als beim Buchdruckerverband waren die Mitglieder des LithographenverZu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand mit der bandes in Klein- und Kleinstbetrieben aber nur in Erfindung von Steindruck und Lithographie durch wenigen größeren Betrieben beschäftigt. Der SteinAlois Senefelder eine Technik, die vor allem den stetig druck war noch am Ende des 19. Jahrhunderts sehr wachsenden Bedarf nach qualitativ hochwertigen Illusstark geprägt von der Arbeit an den Handpressen. trationen bediente, der von den traditionellen TechAnders als im Buchdruckerverband war die Mitgliedniken Kupferdruck, Stahlstich und Xylographie nicht schaft wesentlich heterogener und umfasste neben bewältigt werden konnte. der Vielzahl kleiner und traditionsreicher BerufsgrupHatten sich die Lithographen und Steindrucker pen, wie zum Beispiel Kupferdrucker, Xylographen zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch bestehenden und Notenstecher, auch moderne Berufe, wie zum lokalen Kassen und Vereinen wie z. B. der KupferdruBeispiel die Chemigraphen und Photographen. Die cker in Leipzig angeschlossen, begann in den 1860er Photographengehilfen hatten 1899 einen eigenen 15 Siehe VdBP(Hg.) 1928, S. 12. 16 Siehe H. Müller; Die Organisationen der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe. Erster Band; Berlin, 1917; S. 488 81 Exponat Nr. 30 82 Exponat Nr. 32 Verband gegründet, der sich im Jahre 1908 dem LithoLithographenverband sein Bestreben dahin gerichtet, graphenverband anschloss. eine zentrale Tarifpolitik zu betreiben. Es gab in den Der Lithographenverband stand auch ungelernten 1920er Jahren nur drei Reichstarife: den Tarifvertrag 83 Arbeitern offen. Deren Organisierung in den Steindrufür das Lithographen- und Steindruckergewerbe(der ckereien überließ man jedoch ab 1902 dem Hilfsarseit 1919 für allgemeinverbindlich 21 erklärt wurde), beiterverband. Obwohl der Verband auch Kolleginnen den Tarifvertrag für die Chemigraphen, Kupfer-, Lichtoffenstand, scheinen die weiblichen Mitglieder die und Tiefdrucker sowie den Tarifvertrag für das FormZahl 364(1896) nie überschritten zu haben 17 . stichgewerbe. Der Anteil der Firmen, die nicht den 1891 hatte der Verband 4.021 Mitglieder. Erst mit Unternehmerverbänden angehörten, lag in allen Brandem Jahr 1900 begann ein kontinuierlicher Anstieg chen deutlich unter 10%. Der Anteil der den Tarif nicht bis auf den Vorkriegshöchststand von 17.504(1909). anerkennenden Firmen lag sogar noch darunter, da 1913 lag der Organisationsgrad bei 82% 18 . Am 31.3. der Verband gegenüber diesen Firmen mit Kampf1928 hatte der Verband 18.833 Mitglieder. Angesichts maßnahmen oder auch nur mit deren Androhung eine von nur 1.458 Nichtmitgliedern unter den von der „unterschriftliche Anerkennung“(das heißt praktisch Statistik erfassten Berufsgenossen lag der OrganisaÜbernahme als Haustarif) durchsetzen konnte. tionsgrad deutlich über 90% 19 . Ein bis 1933 nicht gelöstes Tarifproblem stellten 1906 hatte der Verband in einem zehneinhalbdie Stein-, Offset- und Tiefdruckabteilungen in Buchwöchigen Arbeitskampf, in dessen Verlauf es zur Ausdruckereien dar. Der Buchdruckerverband, der sonst sperrung von 4.000 Lithographen kam, seine Durcheine strikte Abgrenzungspolitik gegenüber berufsfremsetzungsfähigkeit bewiesen. Noch vor dem 1. Weltkrieg den Tätigkeiten verfolgte, beanspruchte für diese Abübernahm der Verband die Institution der Tarifgeteilungen die Tarifhoheit. Der Lithographenverband meinschaft, wie sie von den Buchdruckern seit 1896 wollte sie dagegen nicht abgeben. betrieben wurde. In den Tarifbereichen der LithograDer Lithographenverband hatte ein umfassendes phen und der Chemigraphen bestanden die Tarifämter, Unterstützungssystem, das in weiten Teilen dem des mit Geschäftsführern aus dem Gehilfenkreis, noch bis Buchdruckerverbandes ähnlich war. Der Gesamtkas1925 20 . Ähnlich dem Buchdruckerverband hatte der senbericht des Verbandsvorstandes für die Jahre 1925 17 Siehe die Mitgliedertabelle bei W. Krahl 1933, 3. Teil, S. 182. 18 W. Krahl 1933, 3. Teil, S. 182. 19 Siehe Verband der Lithographen, Steindrucker und verw. Berufe VdLS(Hg.), Berichte und Protokoll vom Verbandstag in Jena 1928, S. 27. 20 Siehe R. Burkhardt; Ein Kampf ums Menschenrecht. Hundert Jahre Tarifpolitik der Industriegewerkschaft Druck und Papier und ihrer Vorgängerorganisationen seit dem Jahre 1873; Stuttgart, 1974; S. 76 f. 21 Die Allgemeinverbindlichkeitserklärung durch die Regierung bedeutet, dass der Tarif als Zwangstarif auch in Firmen gilt, die nicht dem Arbeitgeberverband angehören. 22 Siehe VdLS(Hg.), Berichte und Protokoll vom Verbandstag in Jena 1928, S. 59. bis 1927 weist auch eine ähnliche Struktur der Anteile Seit 1889 hatte es örtliche Vorläuferorganisationen an den Gesamtausgaben auf, wie sie beim Buchdrugegeben. Berliner Vorläufer waren der„Verein der Ar84 ckerverband zu beobachten war. Die Krankenunterbeiterinnen an Buch- und Steindruck-Schnellpressen“ stützung stellte mit 18,647% den größten Posten, (später„Zahlstelle I“) und der wenig später gegründegefolgt von der Arbeitslosenunterstützung mit 15,3% te„Interessenverein der Buchdruckerei-Hilfsarbeiter und der Invaliden- und Witwenunterstützung mit für Berlin“(später„Zahlstelle II“) 23 . Die im größeren 9,612%. Den mit weitem Abstand geringsten Posten Verein organisierten Frauen weigerten sich bis 1908, stellte die Streikunterstützung mit 0,627% 22 . sich mit dem„Interessenverein“ zu einer gemeinsamen Berliner Unterorganisation zusammenzuschließen. Die Schriftführerin des Berliner„ArbeiterinnenverVerband der graphischen Hilfsarbeiter und eins“, Paula Thiede, wurde zur ersten Vorsitzenden -arbeiterinnen Deutschlands des Verbandes gewählt. Innerhalb des„Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes“ und der vorherigen Auf dem Kongress vom 30.5.-1.6.1898 in Berlin wur„Generalkommission“ war der Hilfsarbeiterverband de die Gewerkschaft unter dem ersten Namen„Verband die einzige Einzelgewerkschaft, in der Frauen in hauptder in Buchdruckereien und verwandten Gewerben amtlichen Funktionen die Gewerkschaftspolitik maßbeschäftigten Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen“ gegrüngeblich bestimmten. det. 1902 wurde der Name in„Verband der Buch- und Die Mehrzahl der Mitglieder stammte aus dem Steindruckerei-Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen“ umBuchdruckgewerbe und nur gut 20 Prozent aus dem gewandelt, nachdem der Lithographenverband sich Steindruckgewerbe 24 . Noch deutlich darunter lag die bereit erklärt hatte, neben der schon von Beginn an Zahl der in Schriftgießereien beschäftigten Mitglieder, gewährten Zuständigkeit für die Hilfsarbeiterinnen im denen sich der Verband erst durch einen Beschluss Steindruckgewerbe auch die Zuständigkeit für die des 7. Verbandstages im Jahre 1920 öffnete. Der OrHilfsarbeiter abzugeben. 1920 fand die Umbenennung ganisationsgrad der im Buchdruck beschäftigten in„Verband der graphischen Hilfsarbeiter und-arbeiHilfsarbeiter und-arbeiterinnen lag 1913 bei 52% 25 . terinnen“ statt. Die höchste Mitgliederzahl erreichte der Verband mit 23 Siehe H. Zoller; Der Verband der graphischen Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen; in: IG Medien(Hg.) 1992; Aus gestern und heute wird morgen; Stuttgart, 1992; S. 103. 24 Am Ende des Jahres 1913 lag der Anteil bei 21%, Ende 1930 lag er bei 22,5%. Siehe Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen(Hg.), Verwaltungs- und Rechenschaftsbericht für 1913, S. 23(eigene Berechnung) und Verband der graphischen Hilfsarbeiter und -arbeiterinnen Deutschlands(VgHA) Geschäftsbericht 1930, S. 56. 25 Nach W. Krahl 1933, Dritter Teil, S. 183. 50.155 im Jahre 1922. Durch die Wirtschaftskrise über eine Fortführung des Manteltarifvertrages im 1923 verlor der Verband allerdings ca. 35% seiner Jahre 1911 kam es zu einer Erneuerung mit ÄnderunMitgliedschaft. Bis zur Weltwirtschaftskrise stieg die gen unter Vermittlung des Tarifamtes der Deutschen 85 Mitgliedschaft nur noch auf 41.111 im Jahre 1928. Die Buchdrucker 28 . Mit diesem neuen Vertrag näherten Zahl der Frauen im Verband überstieg im Jahre 1903 sich die Hilfsarbeiter im Aufbau ihrer Tariforganisaerstmals die der Männer und erreichte, von der Austion den Strukturen der Tarifgemeinschaft der deutnahmesituation der Kriegsjahre abgesehen, in den schen Buchdrucker an. Streitfragen wurden von da 1920er Jahren einen Anteil von bis zu 67,8%(1922). an von den Schiedsgerichten der Tarifgemeinschaft In der Tarifpolitik standen die Hilfsarbeiter immer und dem Tarifamt entschieden. im Schatten des Buchdruckerverbandes. Die GehilfenorDer Hilfsarbeiterverband kündigte die„Allgemeiganisationen der Buchdrucker sowie der Lithographen nen Bestimmungen“ im Sommer 1918. Die Bemühunund Steindrucker bezogen zwar die Hilfsarbeiter in gen um einen Reichstarifvertrag waren aber trotz der ihre Arbeitskämpfe mit ein, ohne jedoch deren FordeVermittlung durch das Tarifamt bis 1920 erfolglos. rungen zur Sprache zu bringen 26 . Andererseits proNeben den vom Manteltarif betroffenen Städten konnfitierten die Hilfsarbeiter im Buchdruckgewerbe insote der Hilfsarbeiterverband bis zum Jahre 1920 über fern vom Buchdruckertarif, als zum Beispiel die Ar120 örtliche Tarifverträge abschließen 29 . Vom 1. Janubeitszeit der Hilfsarbeiter relativ schnell der der Gear 1921 bis zur Auflösung der Tarifgemeinschaft der hilfen angeglichen wurde. Deutschen Buchdrucker am 31.12.1922 wurden die Seit 1907 hatten der Hilfsarbeiterverband und Hilfsarbeiter aufgrund einer Einigung im November der Deutsche Buchdrucker-Verein einen zentralen 1920 mit ihrem Tarifvertrag praktisch Mitglieder der Manteltarif geschlossen(„Die allgemeinen BestimmunTarifgemeinschaft der Deutschen Buchdrucker. Nach gen über Obliegenheiten, Arbeitszeit und Entlohnung deren Auflösung kamen ab 1923 Tarifverträge für die des Buchdruckhilfspersonals“), der allerdings nur in Hilfsarbeiter im graphischen Gewerbe fast nur noch den 16 Städten 27 Gültigkeit hatte, in denen lokale Hilfsdurch die Drohung des Diktattarifs durch einen Schiedsarbeitertarife zwischen den Tarifparteien geschlossen spruch des Reichsarbeitsministeriums zustande 30 . worden waren. Nach dem Scheitern der Verhandlungen 26 Siehe H. Zoller 1992, S. 107 f. 27 J. Blach; Die Arbeits- und Lohnverhältnisse im Deutschen Buchdruckgewerbe 1914 bis 1925; Halberstadt, 1926; S. 192 f. H. Zoller spricht dagegen davon, dass es 1907 in 17 Städten Lokaltarife für die Hilfsarbeiter gab, die in 765 Betrieben galten. In den gleichen 17 Städten hätte der Buchdruckertarif in 1.657 Betrieben gegolten. Siehe H. Zoller 1992, S. 108. 28 Siehe J. Blach 1926, S. 193. Das Tarifamt wurde häufiger als Schlichtungsinstanz oder Vermittler angerufen, so z. B. im Jahre 1900 im österreichischen Buchdruckgewerbe und anläßlich eines Arbeitskampfes im deutschen Buchbindergewerbe. Siehe W. Krahl 1933, 1. Teil, S. 342. 29 Siehe die Rede des Vertreters des Hilfsarbeiterverbandes auf der 10. Generalversammlung des Buchdruckerverbandes in: VdDB(Hg.) 1920, Protokoll der 10. Generalversammlung, S. 149. 30 Siehe J. Blach 1926, S. 194 f. Vergebliche Bemühungen um einen ab. Ihre Vorstände sahen die Interessen der BeschäfIndustrieverband tigten des graphischen Gewerbes in der Arbeit des 86 Graphischen Bundes am besten gewahrt. Bis 1933 waren alle Bemühungen fehlgeschlagen, aus den vier graphischen Gewerkschaften einen einheitlichen Industrieverband zu schaffen. Schon auf Hintergründe der Ablehnung und der Halberstädter Gewerkschaftskonferenz von 1891 Befürwortung des Industrieverbandes sprach sich der Buchdruckerverband gegen die Bildung von Unionen der Zentralvereine verwandter BerufsDie Arbeitsplätze der Buchdrucker wurden nicht durch zweige aus 31 . Das weiteste Entgegenkommen war die Angehörige anderer Berufe streitig gemacht. Zwischen im November 1919 erfolgte Gründung des Graphischen Buch- und Steindruck bildete sich eine nahezu konBundes, der der Zusammenarbeit auf organisatorikurrenzfreie Arbeitsteilung heraus. Für die Buchdruschem und tariflichem Gebiet dienen sollte. Die ebencker gab es keine externe Arbeitsplatzkonkurrenz, da falls gedachte Schaffung eines graphischen Industriees keine anderen Handwerks- oder Industriezweige verbandes, die als Zielbestimmung sogar in der Satzung gab, die ihre Arbeit hätten verrichten können. Das stand, scheiterte im November 1922 bei der von der gleiche traf weitgehend auf die Lithographen und Generalversammlung des Buchdruckerverbandes Steindrucker zu. Der Erhalt dieser exklusiven Arbeitsangesetzten Urabstimmung mit 62,05% Gegenstimmen marktsituation war deshalb von Anfang an die zenbei einer Wahlbeteiligung von 74,6% 32 . trale Zielsetzung der Gehilfenorganisationen. Der Buchbinderverband und der Verband der Die hochqualifizierte Ausbildung stellte einen Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe weiteren Schutzfaktor für die Gehilfen dar. Da weder drängten stärker auf eine Zusammenlegung und hieldie Technik noch andere Berufe die Arbeitsplätze ten dies auch für möglich 33 , wenn nur der Buchdrugefährdeten, bestand die einzige Bedrohung(abgeseckerverband seine Verwaltungsstruktur änderte und hen von konjunkturellen Schwankungen) in einer über vor allem zentralisierte. Dagegen lehnten nicht nur den Bedarf hinausgehenden Lehrlingsausbildung. Mit der Buchdrucker- sondern auch der Hilfsarbeiterverder tariflichen Beschränkung der Lehrlingsausbildung band diese Verschmelzung zum damaligen Zeitpunkt war es sowohl dem Buchdrucker- als auch dem Litho31 Siehe P. Umbreit; 25 Jahre Deutscher Gewerkschaftsbewegung 1890-1915; Berlin, 1915; S. 22 ff 32 VdDB(Hg.) Jahresbericht 1922, S. 9, 10 und 64. 33 So berichtete der Hauptvorstand des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe schon in seinem Bericht an die Generalversammlung in Stuttgart, 1913, dass Lithographenverband und Buchbinderverband der Bildung eines Graphischen Industrieverbandes positiv gegenüberstünden, während Buchdrucker- und Hilfsarbeiterverband einen solchen Zusammenschluss ablehnten. Siehe VdLS(Hg.) 1913, Berichte an die General-Versammlung in Stuttgart, S. 10. graphenverband gelungen, das Arbeitskräftepotenund Arbeitnehmer mit übereinstimmenden Arbeitszial zu begrenzen. marktinteressen war die Begründung des FlächentaDer Erfolg des Buchdrucker- und des Lithograrifes für ganz Deutschland möglich. Diese Überein87 phenverbandes hinsichtlich ihres Organisationsgrastimmung in Verbindung mit den besonderen Bedindes hatte mehrere Ursachen. Beide Verbände organigungen der Branche machten eine jahrzentelange sierten die hochqualifizierten und gut verdienenden Politik des„Tariffriedens“ erstrebenswert. Sie ermögFacharbeiter, nach denen eine ständig wachsende lichte mit dem„Tarifamt“ sogar die Schaffung einer Nachfrage bestand und die deshalb besonders durchunabhängigen, praktisch neutralen Institution des setzungsfähig waren. Gleichzeitig beschränkten sie sich Interessenausgleichs und der Konfliktlösung. auf den Kernbereich der gewerkschaftlichen Tätigkeit, Ganz anders sah es dagegen beim Hilfsarbeiternämlich die für alle Mitglieder erkennbare Wahrnehverband aus, dessen tarifliche Durchsetzungsfähigkeit mung der Interessenvertretung als Arbeitsmarktkartell. im Verhältnis zu den drei anderen„freien“ GewerkDie weitgehende Neutralität in(partei)politischen Ausschaften deutlich zurückfiel. Für die ungelernten Areinandersetzungen verhinderte eine politische Spalbeitskräfte, die durch die Entwicklung der Druck- und tung und ermöglichte Organisationsgrade von über Gießereitechnik in großer Zahl im Buch- und Steindruck 90%. Das(unter anderem auf Grund ihrer hohen Löhzum Einsatz kamen, war ein Schutz ihrer Arbeitsplätne) leistungsfähige Unterstützungswesen förderte einerze dagegen kaum zu erreichen. Zwar erlangten erfahseits die Durchsetzungsfähigkeit und war gleichzeitig rene Hilfskräfte im Laufe ihrer Tätigkeit einen Fundus Anreiz, den Verbänden beizutreten. an branchenspezifischen Qualifikationen. Die BuchDen Facharbeitergewerkschaften standen gut drucker selbst aber achteten eifersüchtig darauf, dass organisierte und kooperationsbereite Arbeitgeberverdie Qualifikationen der Hilfsarbeiter nicht so weit einigungen gegenüber. Dem Interesse der Facharbeigingen, dass sie zu einer Bedrohung für die Arbeitster an der Kontrolle des Arbeitsmarktes entsprach das plätze der Facharbeiter wurde. So konnten auch erInteresse der Arbeitgeber an einer Kartellisierung des worbene Teilqualifikationen nicht zu einem Schutz vor Marktes für Druckprodukte. Die Beschränkung des der Austauschbarkeit gegen andere Hilfskräfte führen. Arbeitskräfteangebotes unter paritätischer Kontrolle Dementsprechend hoch ist die in den Rechenschaftsstellte auch für die Arbeitgeber einen Schutz vor so und Geschäftsberichten des Vorstandes des Hilfsargenannter Schmutzkonkurrenz dar. Nur durch die beiterverbandes dokumentierte Fluktuation 34 der MitExistenz reichsweiter Organisationen der Arbeitgeber gliedschaft. 34 Für das Ende des Jahres 1913 verzeichnet die Mitgliederstatistik bei insgesamt 15.934 Mitgliedern 4.986 Eintritte und 4.638 Abgänge. Für das Jahr 1930 kamen auf einen Bestand von 38.985 Mitgliedern 5.156 Eintritte und 7.178 Abgänge. Siehe VgHA(Hg.) Verwaltungs- und Rechenschaftsbericht 1913, S. 23 ff und Geschäftsbericht 1930, S. 56. Der Buchbinderverband, dessen Mitgliedschaft ja So unbefriedigend es für den einen oder anderen ebenfalls mehrheitlich aus Hilfsarbeitern und Frauen sein mag: Wer unter Solidarität selbstloses Eintreten 88 bestand, konnte trotz relativ geringen Organisationsfür den gesamten Arbeiterstand und dabei wieder vor grades eine sehr erfolgreiche Tarifpolitik betreiben. allem für die Schwächsten versteht, dem stellt sich der Im Gegensatz zum Hilfsarbeiterverband hatte der Buchdruckerverband als eine Gruppe von hochbezahlBuchbinderverband allerdings den Vorteil, als einzige ten Egoisten dar. Aber ein solches Verständnis ist wohl Gewerkschaft alle Angehörigen seines Tarifbereiches eher karitativ als gewerkschaftlich. Untereinander zu vertreten. waren die Buchdrucker solidarisch bis zur Selbstaufgabe. Wie ihre Unterstützungsaktionen für andere Gewerkschaften zeigten, standen sie auch den übrigen Never change a winning Team Arbeitnehmern keineswegs gleichgültig gegenüber. Sie hatten allerdings für ihre Gruppe eine GewerkSo ähnlich muss wohl das Grundverständnis der orgaschaftsform gewählt, die einerseits dem Selbstverständnisierten Buchdrucker gewesen sein. Der Buchdrunis einer relativ homogenen und traditionsbewussten ckerverband, der eine sich zwar zunehmend differenGruppe entsprach und deshalb auch von fast allen zierende Mitgliedschaft, aber dafür die längste TradiBuchdruckern getragen werden konnte, und die gleichtion der standesmäßigen Abkapselung gegenüber anzeitig das bestmögliche Ergebnis für die Gruppe erderen Berufen hatte, lehnte den Zusammenschluss zielen konnte. eindeutig und unmissverständlich ab. Dies war nicht J. Kocka vermutet, dass bei den Druckern und nur konsequent hinsichtlich der Tradition, sondern Setzern„Arbeitsplatznähe und Postulatstradition“ jene auch hinsichtlich seiner Fähigkeit, in seinem Organi„organisierbare Handlungsfähigkeit“ 35 erzeugt habe, sationsbereich zuletzt über 90% der Beschäftigten zu die den Buchdruckerverband auszeichnete. Aus der organisieren. Ein Zusammenschluss mit dem LithoArbeitsplatznähe zu den Hilfsarbeitern entstand aber graphenverband hätte nur in dem damals noch sehr keine gemeinschaftliche Organisation sondern orgakleinen Grenzbereich des Tief- und Offsetdruckes einen nisatorische Abgrenzung. Für die gemeinschaftliche Vorteil hinsichtlich einer Vereinheitlichung gebracht. Organisation der Drucker und Setzer trotz unterschiedEin Zusammenschluss musste also als nicht sonderlich licher Betroffenheit von der technischen Entwicklung nutzbringend erscheinen. Der durch die Größe der Orund unterschiedlicher Interessen dürfte also in erster ganisation zunehmende Verhandlungs- und VerwalLinie die gemeinsame Postulatstradition ausschlaggetungsaufwand musste dagegen abschreckend wirken. bend gewesen sein. 35 J. Kocka; Arbeitsverhältnisse und Arbeiterexistenzen. Grundlagen der Klassenbildung im 19. Jahrhundert; Bonn, 1990; S. 514 Dass mit dem Hilfsarbeiterverband ausgerechnet Dass mit dem Lithographenverband und dem die schwächste Gewerkschaft einen Zusammenschluss Buchbinderverband ausgerechnet zwei erfolgreiche im Industrieverband ablehnte, erscheint deshalb nur und eigenständig existenzfähige Verbände, deren Mit89 auf den ersten Blick unlogisch. Die Mitgliedschaft arbeiglieder in keinem Konkurrenzverhältnis zu den Buchtete zu fast 80% mit den Mitgliedern des größten und druckern standen, den Zusammenschluss befürworstärksten Verbandes, den Buchdruckern, Hand in Hand teten, lässt sich mit der völlig anderen Entstehungsin den gleichen Betrieben und an den gleichen Maschigeschichte und auch der gänzlich anderen Mitgliedernen. Bei Hilfsarbeiter- und Buchdruckerverband gab struktur erklären. es die größte Nähe der tariflich zu regelnden SachverDie Lithographen und Steindrucker hatten ebenhalte mit den gleichen Arbeitgebern. Eine gemeinsame falls eine den Buchdruckern ähnliche OrganisationsGewerkschaft hätte den Organisations- und Verhandform aufgebaut, die ebenfalls von fast allen Berufsgelungsaufwand insgesamt deutlich verringern können. nossen getragen wurde und in der Lage war, das bestVon allen graphischen Gewerkschaften hätte der Hilfsmögliche Ergebnis für ihre Mitglieder zu erreichen. Die arbeiterverband aus einem solchen Zusammenschluss Mehrheit der Mitglieder des Lithographenverbandes den größten Vorteil ziehen können. gehörte jedoch modernen Berufen an, die zwar ebenso Die Ablehnung lässt sich wohl nur aus eben gewie bei den Buchdruckern eine hohe berufliche Qualifirade der Schwäche des Hilfsarbeiterverbandes erkläkation erforderten, aber erst im Zuge der industriellen ren, die ihn in ein Abhängigkeitsverhältnis zum BuchRevolution entstanden waren. Offensichtlich hatte die druckerverband gebracht hatte, der diese Vereinigung extrem heterogen zusammengesetzte Mitgliedschaft, ablehnte. Diese Ablehnung erklärt sich nicht nur durch ob mit oder ohne jahrhundertealte Tradition, keine Beden jahrhundertealten Standesdünkel der„Kunstgerührungsängste gegenüber anderen Berufsgruppen. nossen“. Die Buchdrucker hatten ein fast optimales Im Buchbinderverband stellten die Angehörigen Verhältnis von Organisationsergebnis und Verteilung des traditionellen, zünftigen Buchbinderhandwerks der Organisationskosten erreicht. Mit den Hilfsarbeinur eine relativ kleine Minderheit dar. Die Mehrheit tern hätte sich die organisationsinterne Differenzierung bestand aus ungelernten Arbeitskräften, dazu noch um eine Sparte fortgesetzt, die nicht in der Lage war, mehrheitlich Frauen, die in den erst relativ neuen alle Berufsangehörigen dem Verband zuzuführen. Für Fabriken der Branche arbeiteten. Die Erfahrung, eine die Buchdrucker hätte die Vereinigung zum damaligen erfolgreiche Gewerkschaft aus eigener Kraft aufbauen Zeitpunkt keinerlei Vorteile gebracht. Dem Hilfsarbeizu können, ohne von einem traditionellen und traditerverband blieb nichts anderes übrig, als sich mit den tionsverhafteten Facharbeiterverband in der Gewerkspärlichen Angeboten der Hilfestellung und Kooperaschaftsarbeit behindert zu werden, hat anscheinend tion zu begnügen. genügend Selbstbewusstsein entstehen lassen, ein Zusammengehen mit anderen Verbänden zu wagen. Mitgliederentwicklung der graphischen Gewerkschaften im ADGB Jahr VdDB 90 VBPD VdLS VgHA gesamt davon Frauen gesamt davon Frauen 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1913 1920 1925 1930 * 1929 11.423 16.560 20.510 29.587 44.476 61.938 68.915 73.002 79.340 90.389 1.569 2.589 4.690 11.725 17.861 28.706 33.377 81.487 49.958 * 58.574 691 3.767 6.759 13.499 16.596 56.965 33.102 * 39.870 1.025 1.226 4.278 6.156 15.010 16.723 16.533 18.952 18.307 21.170 1.752 8.086 15.891 15.934 39.993 37.793 38.985 k.A. 4.435 9.034 8.572 26.087 24.967 24.272 Quellen: VBPD(Hg.) 1914, S. 12; VBPD(Hg.) 1926, Der Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands und sein soziales Wirken, Berlin S. 9; VBPD (Hg.) Jahresberichte 1918-1929. VdLS(Hg.) Berichte an den Verbandstag 1928, S. 47; Berichte an den Verbandstag 1931, S. 25, S. 32 f. Bis 1890 nur Senefelder-Bund, ab 1905 nur VdLS. VgHA(Hg.) Rechenschaftsbericht über 1922, 2. Umschlagseite; VgHA(Hg.) Jahresberichte bis 1930. Bestand jeweils zum Jahresschluß. Betriebe und Beschäftigte im polygraphischen Gewerbe Deutschlands 1895 und 1907 Branche Betriebe insgesamt Beschäftigte insgesamt Lehrlinge ** 91 1895 1907 1895 1907 1895 1907 Buchdruckereien Stein- und Zinndruckereien Kupfer- und Stahldruckereien Farbendruckereien Photogr. Anstalten Papierfabrikation Buchbindereien und Kartonnagenfabriken Schriftgießereien, Schriftschneidereien u. Holzschnitt Insgesamt 6.303 2.733 185 317 4.936 3.862 14.847 589 33.772 8.948 2.521 119 707 7.224 4.408 16.826 633 41.386 80.942 22.805 853 6.794 11.901 85.104 134.208 34.512 1.306 14.725 17.705 122.758 67.805 108.167 4.572 280.776 6.396 439.777 14.512 3.339 94 464 1.816 555 6.814 *** 554 28.148 16.181 3.371 76 773 1.176 827 6.668 556 29.628 Quelle: W. Krahl 1933, 3. Teil, S. 175. Angaben nach der reichsamtlichen Betriebs- und Berufsstatistik von 1895 und 1907 ** Die Lehrlinge sind schon in der Gesamtzahl der Beschäftigten enthalten. *** Ohne Holzschnitt VBPD Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands VdLS Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe VgHA Verband der graphischen Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen Deutschlands VdDB Verband der Deutschen Buchdrucker 92 Exponat Nr. 36 Beschreibung der Exponate Michael Bauer und Norbert Wefers 93 Nr. Titel 1 Gutenberg : Organ für das Gesamtinteresse der Buchdrucker und Schriftgießer Deutschlands. – [Trebnitz: Hellwig] 1.1848, Nr. 1. 2.(13. Mai.) 2 Deutscher Buchdruckertag : Bericht der ständigen Kommission über den ersten Deutschen Buchdruckertag. – Flensburg 1.1866 3 Der Correspondent : Wochenschrift für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer/ hrsg. unter Mitwirkung des Fortbildungsvereins für Buchdrucker in Leipzig. – Leipzig 1.1863; Nr. 1(1. Januar) 4 Graphische Presse : Organ für die Interessen der Lithographen, Steindrucker, Lichtdrucker, Notenstecher, Notendrucker und verwandte Berufe. – Schkenditz-Leipzig: Müller 1.1888, Nr. 1(1. April) 5 Solidarität : Organ für die Interessen aller im graphischen Beruf beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. – Berlin:[Teske] 1.1895, Nr. 1(14. Juli) 6 Allgemeine Deutsche Buchbinder-Zeitung : Organ für Buchbinder, Portefeuiller, Leder-, Album-, Cartonnagen und Etuis-Arbeiter etc./ hrsg. vom Unterstützungsverein der Buchbinder u. verwandten Berufsgenossen zu Berlin. – Berlin 1884, Probenr.(November) 7 Die graphische Welt : deutsche Faktoren-Zeitung; Central-Organ für die Interessen der Faktoren in Buchdruckereien, Schriftgiessereien und verwandten Zweigen; Organ für die Faktoren-Vereine Deutschlands. – Berlin 1.1896, Nr. 1(9. Mai) 8 Graphische Jugend : Monatsblätter der graphischen Lehrlingsabteilung. – Berlin: Sillier 1.1908, Nr. 1(Mitte April) 94 9 Ein Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte der Leipziger Buchdruckergehülfen : 1862-1887; Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens des Vereins Leipziger Buchdruckergehülfen. – Leipzig, 1887. – 36 S. 10 Lokalverein : Festschrift zum 50jährigen Stiftungsfeste des Lokalvereins Hannover für Buchdrucker und Schriftgiesser: 29. und 30. April 1899;[1849-1899. – S.l.]: Wasserkampf,[1899]. – 108 S.: Ill. 11 Tafellied zum Johannisfest am 17. Juni 1900 in Ratzeburg / Buchdrucker-Verein in Lübeck. – Lübeck: Schmidt,[1900. – 1] Faltbl. 12 Lieboldt‘sche Begräbnis-Casse : Denkschrift zum Hundertjährigen Bestehen der Lieboldt‘schen Begräbnis-Casse für Buchdrucker und deren Ehefrauen zu Leipzig: 1802-1902. – Leipzig: Naumann,[1902]. – 15 S. 13 Verband der Deutschen Buchdrucker/ Mitgliedschaft : Johannis-Fest der Mitgliedschaft Kiel des Verbandes der Deutschen Buchdrucker am 25. Juni 1904 im Hotel Zur Perle. – Kiel,[1904. – 1] Faltbl. 14 Verband der Deutschen Buchdrucker/ Mitgliedschaft : Fest-Schrift zum 25. Stiftungs-Fest der Mitgliedschaft Chemnitz/ Verband der Deutschen Buchdrucker: am 20. und 21. Januar 1906;[1881-1906]. – Chemnitz: Müller,[1906]. – 56 S.: Ill. 15 Verband der Deutschen Buchdrucker/ Mitgliedschaft : Festschrift zur 25jähr. Gründungsfeier der Mitgliedschaft Zwickau des Verbandes der Deutschen Buchdrucker: 1883-1908. –[Zwickau, 1908]. – 77 S. 16 Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Organisation der Buchbinder und verwandten Berufszweige in Hamburg-Altona : 1883-1908. – Hamburg: Auer,[1908]. – 94 S.: Nebent.: Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Zahlstelle Hamburg des Deutschen Buchbinderverbandes 95 Exponat Nr. 42 17 Deutscher Buchbinder-Verband/ Zahlstelle : Festschrift zum 25jähr. Bestehen des Fachvereins der in Buchbindereien und verwandt. Berufs96 zweigen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen von Leipzig und Umgegend: ein Beitrag zur Entwicklung der Buchbinderorganisation Leipzig. – Leipzig-Reudnitz: Zahlstelle des Dt. Buchbinderverb.,[1909]. – 71 S. Nebent.: Festschrift zum 25jähr. Bestehen des Fachvereins der Buchbinder in Leipzig 18 Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer : Festprogramm zum fünfzigjährigen Stiftungsfest/ Verein der Berliner Buchdrucker u. Schriftgießer: 1862-1912. – Berlin: Graph. Kunstdr., Feyl, 1912. – 12 S. 19 Verein Leipziger Buchdrucker- und Schriftgießer-Gehilfen : Programm zum 52. Stiftungsfest am 7. März 1914/ Verein Leipziger Buchdrucker- und Schriftgießer-Gehilfen: Konzert und Ball im Krystallpalast Leipzig.... – Leipzig: Koppe,[1914. – 10] S. Nebent.: 52. Stiftungsfest/ Verein Leipziger Buchdrucker- und Schriftgießer-Gehilfen 20 Gedächtnisfeier zu Ehren der im Weltkriege gefallenen lieben Mitglieder am 16. Mai 1920... / Mitgliedschaft Würzburg, Verband der Deutschen Buchdrucker. – Würzburg,[1920. – 8] S. 21 Verband der Deutschen Buchdrucker/ Ortsverein : 50 Jahre Hildesheimer Ortsverein im Verbande Deutscher Buchdrucker. –[Hildesheim, 1921]. – 32 S.: Ill. 22 Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands/ Zahlstelle : 40 Jahre Berufs-Organisation der Zahlstelle Dresden des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands: 1885-1925; Jubiläumsfeier. –[Dresden, 1925]. – 12 S. Nebent.: Festschrift und Programm/ Zahlstelle Dresden, Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands 23 Maschinensetzerklub : Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum des Maschinensetzerklubs Lübeck: 1900-1925. – Lübeck: Meyer,[1925]. – 14 S. Nebent.: 25 Jahre Maschinensetzerklub Lübeck 24 Maschinensetzerverein für Ostpreussen : Festschrift zum 25jährigen Bestehen des Maschinensetzervereins für Ostpreussen, Sitz Königsberg Pr. im Verbande der Deutschen Buchdrucker: 1901/ 1926. –[Königsberg, 1926. – 10] Bl.: Ill. Nebent.: 25 Jahre Maschinensetzerverein für Ostpreussen 97 Exponat Nr. 47 25 Maschinensetzervereinigung Rheinland-Westfalens/ Bezirk Barmen-Elberfeld : Festschrift zum 25jährig. Bestehen der Maschinensetzervereinigung Bez. Elberfeld-Barmen, 98 Verband der Deutschen Buchdrucker: 18. September 1926. –[S.l., 1926]. – 43 S.: Ill. 26 Maschinensetzerverein : 25 Jahre Maschinensetzerverein Wiesbaden: 1902-1927. –[Wiesbaden, 1927]. – 8 S. 27 Verband der Deutschen Buchdrucker/ Ortsverein : Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum des Ortsvereins Tilsit, Verband der Deutschen Buchdrucker. – [Tilsit], 1928. – 44 S. Nebent.: 60 Jahre Ortsverein Tilsit, Verband der Deutschen Buchdrucker 28 Homa, Heinrich Fr. 60 Jahre Verein der Buchdrucker und verwandter Berufe in Bielsko, Schlesien: 1868-1928/ [Heinrich Fr. Homa]. – Bielsko: Verl.„Ognisko“, Verein der Buchdrucker und verwandter Berufe in Bielsko, 1928. – 66 S. 29 Verband der Deutschen Buchdrucker/ Ortsverein : 60 Jahre Ortsverein Speyer a. Rh. im Verband der Deutschen Buchdrucker: 1868-1928; ein kurzer Rückblick;[Festschrift. – Speyer], 1928. – 16 S. 30 Typographischer Klub : 25 Jahre Typographischer Klub Chemnitz, Ortsgruppe im Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker. –[Chemnitz, ca. 1928]. – 31 S.: Ill. 31 Helmholz, Carl 50 Jahre Typographia: Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser; 1879-1929/ [verf.: Carl Helmholz. – Berlin, 1929]. – 39 S.: Ill. Nebent.: Festschrift zur Fünfzig-Jahr-Feier der„Typographia“ Berlin 32 Schmiedel, Robert Artur 25 Jahre Leipziger Korrektorenverein im Verband der Deutschen Buchdrucker: ein Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte/ verf. von Robert Artur Schmiedel. –[Leipzig, ca. 1929]. – 24 S.: Ill. 33 Wolf, Ludwig Fünfzig Jahre Deutsche Buchdrucker-Berufsgenossenschaft: 1885-1935/[Ludwig Wolf]. – München: Univ.-Buchdr. Wolf,[1935]. – 69 S.: Ill., graph. Darst. 99 Exponat Nr. 52 100 Exponat Nr. 60 34 Das Putz-Holz : heiteres Organ für alle Ungeputzen; zur Erinnerung an die Senefelder-Feier des Fortbildungs-Vereins u. Senefelder Bund. – Leipzig, 1876. – 1 Faltbl.: Ill. 101 35 Deutscher Senefelder-Bund : Festzeitung zum 11. Stiftungsfest des Senefelderbundes: Frankfurt a. M. am 8. Februar 1885. –[S.l., 1885]. – 1 Faltbl.: Ill. 36 Wespenstiche& Krötengift : zum Sommerfest des Personals der lith. Kunstanstalt Wezel& Naumann; 10. September 1887. –[S.l., 1887. – 16] S.: Ill. 37 Graphia : Fest-Zeitung zur Gutenberg-Feier des Vereins Graphia Crimmitschau: Sonntag, den 23. Juni 1889; Organ zur Unterhaltung und Belehrung.... –[Crimmitschau, 1889]. – 1 Faltbl.: Ill. 38 Zur Jubiläumsfeier des Steindruckers Robert Draugelat am 19. April 1890 : 1865-1890. –[S.l., 1890]. – 1 Faltbl. 39 Die graphische Post / hrsg. vom Fachverein der Lithographen, Steindrucker und deren Hilfsarbeiter von Leipzig und Umgegend. –[S.l.], 1890. – 1 Faltbl.: Ill. 40 Verein der Lithographen, Steindrucker und Berufsgenossen Deutschlands : Gedenkblatt an den Delegirten-Tag des Vereins der Lithographen, Steindrucker& Berufs-Genossen Deutschlands am 1ten April 1893. – Berlin: Sillier, Janiszewski,[1893.- 6] S.: Ill. 41 Graphische Ätze : Festzeitung zur 123. Geburtstags-Feier Alois Senefelders, den 3. November 1894. –[S.l., 1894]. – 1 Faltbl.: Ill. 42 Fest-Zeitung der Lithographen und Steindrucker zu Frankfurt a. M., den 31. März 1895. – [Frankfurt, 1895. – 7] S.: Ill. 43 Gedenk-Blatt an die Generalversammlungen der Bildhauer, Litografen und Steindrucker u. v. B. Deutschlands in Nürnberg : Pfingsten 1895. – Nürnberg: Leist,[1895. – 6] S.: Ill. 44 100jährige Jubelfeier der Erfindung der Lithographie : Dresden, 28. Nov. 1895. – [Dresden, 1895. – 5] S.: Ill. 45 Festschrift zur Centenarfeier der Lithographie München . –[S.l., 1896. – 10] S.: Ill. 102 46 Deutscher Senefelder-Bund : Fest-Zeitung zur 25jährigen Jubiläumsfeier des Deutschen Senefelder-Bundes: verbunden mit der 127. Geburtstagsfeier unseres Altmeisters Alois Senefelder; Leipzig, den 5. November 1898. – [S.l., 1898]. – 1 Faltbl. 47 Tropfbier : humorist. Festzeitung für die Senefelderfeier; Samstag, den 26. Novbr. 1898. – [S.l., 1898]. – 1 Faltbl.: Ill. 48 Humoristische Zeitung : herausgegeben zur Familien-Feier der Lithographen und Steindrucker, Frankfurt a. M., 12. Februar 1899. –[Frankfurt, 1899. – 6] S.: Ill. 49 Männer-Gesangverein Senefelder : X. Stiftungsfest des Männer-Gesangvereins Senefelder. –[Berlin, 1899. – 6] S.: Ill. 50 Festzeitung zur Jahrhundertfeier der Erfindung des chemischen Steindrucks : am 2. Dezember 1899/ veranstaltet von der Mitgliedschaft Berlin des Deutschen Senefelder Bundes. –[Berlin, 1899]. – 1 Faltbl. 51 Festzeitung zur 129. Geburtstagsfeier unseres Altmeisters Alois Senefelder : Leipzig, d. 3. November 1900. –[S.l., 1900. – 8] S.: Ill. 52 Verein der Lithografen und Steindrucker : Festschrift Senefelder-Feier des Vereins der Lithografen u. Steindrucker Offenbach a. M.. – [Offenbach a. M., 1900. – 10] S.: Ill. 53 Verein der Lithografen und Steindrucker : Festschrift Senefelder-Feier des Vereins der Lithografen u. Steindrucker Offenbach a. M.. – [Offenbach a. M., 1900]. – Beil. 54 Festblatt zum Herren-Abend der Berliner Litografen im Saale des Dresdner Garten am 2. Febr. 1901. –[Berlin, 1901. – 10] S.: Ill. 55 Verein der Lithographen, Steindrucker und Berufsgenossen Deutschlands : Festschrift zur IV. ordentlichen General-Versammlung des Vereins der Lithographen, Steindrucker u. Berufsgenossen Deutschlands u. zum 10. Stiftungsfeste der Filiale Halle a. S.: 18. August 1901. – [Halle, 1901. – 6] S.: Ill. Exponat Nr. 65 103 56 Verein der Lithografen und Steindrucker : Festschrift/ Verein der Lithografen& Steindrucker Offenbach a. M.. –[Offenbach a. M.], 1901. – 104 [7] S.: Ill. 57 Festschrift Senefelderfeier, Lahr i. B. : 15. November 1902. –[S.l., 1902. – 8] S.: Ill. 58 Verband der Lithographen, Steindrucker und Verwandten Berufe/ Zahlstelle : Festzeitung zum Familienabend der Lithographen, Steindrucker u. Verw. Berufsgenossen zu Trier: Sonnabend, den 7. Februar 1903. – Trier: Lintz,[1903. – 8] S: Ill. 59 Graphisches Allotria der Lichtdrucker in Frankfurt a. M. : 7. November 1903/ die Zahlstellen in Frankfurt a. M.. –[S.l., 1903]. – 1 Faltbl.: Ill. 60 Festzeitung zur Senefelderfeier, Offenbach a. M. . –[Offenbach a.M.], 1904. –[6] S.: Ill. 61 Gedenkblatt zur Senefelderfeier Leipzig 1905 . –[Leipzig, 1905]. – 1 Faltbl.: Ill. Weitere beteiligte Körperschaften: Deutscher Senefelder-Bund/ Mitgliedschaft 62 Senefelder-Feier München : Ehrenabend anläßlich der zur XV. Generalversammlung berufenen Delegierten des Deutschen Senefelder-Bundes; 1907. –[S.l., 1907. – 8] S.: Ill.+ Beil. 63 Goldhagen, M. Flug- und Gedenkblatt zur Senefelder-Feier 1907: die mannigfachen Schicksale des Deutschen Senefelder-Bundes von der Empfängnis bis zu seinem schauerlichen Ende am 29. September 1907 zu München; nach historisch-authentischen Quellen/ berichtet von M. Goldhagen. –[S.l., 1907]. – 1 Bl.: Ill. 64 Unterstützungsverein Senefelder : Fest-Zeitung des Unterstützungsverein Senefelder, Mitgliedschaft Frankfurt a. M.: erstes Familien-Fest; Sonntag, den 13.XII.1908. –[Frankfurt a/M, 1908. – 12] S.: Ill. 65 Fest-Zeitung zur Senefelder-Feier am 15. November... / Verband der Lithographen, Steindrucker und Verwandten Berufe(Deutscher Senefelder-Bund), Zahlstelle Glogau. –[Glogau, ca. 1910. – 9] S.: Ill. Exponat Nr. 67 105 66 Senefelderfeier 1913 : Rekrutenabschiedsfeier 1913 Elberfeld. –[S.l., 1913. – 4] S.: Ill. 106 67 Festzeitung für die Senefelder-Feier : Mannheim, 9.11.19. –[S.l., 1919. – 10] S.: Ill. 68 Fest-Zeitung Senefelderfeier Kassel : 13. November 1920/ Verband d. Litografen, Steindrucker und Verwandten Berufe. –[S.l., 1920. – 16] S.: Ill. 69 Verband der Lithographen, Steindrucker und Verwandten Berufe(Deutscher Senefelder-Bund) / Gruppe Chemigraphen: Vortragsfolge zur Festversammlung anläßlich des 25jährigen Bestehens der Gruppe Chemigraphen im Verband der Lithographen, Steindrucker u. Verwandte Berufe. – Berlin, 1921. – 1 Faltbl. 70 Festschrift zum 150. Geburtstag des Erfinders der Lithographie Alois Senefelder / Verband der Lithographen und Steindrucker, Zahlstelle Karlsruhe. –[Karlsruhe, 1921. – 17] S.: überw. Ill. 71 Verband der Lithographen, Steindrucker und Verwandten Berufe(Deutscher Senefelder-Bund)/ Mitgliedschaft : Festschrift 150 zum 150. Geburtstag des Altmeisters Aloys Senefelder u. 30jährigen Jubiläum des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und Verwandten Berufe Deutschlands, Mitgliedschaft Köln a. Rh.; 13. November 1921. –[Köln, 1921. – 9] Bl.: Ill. 72 Senefelderfeier 1924 / Verband der Lithographen, Steindrucker und Verwandten Berufe Deutschlands, Mitgliedschaft Köln a. Rh.. –[Köln, 1924. – 12] S.: Ill., graph. Darst. 73 Graphischer Ulk 1924 / Verb. d. Lith. u. Steindr. u. v. Ber. München. –[München, 1924. – 12] S.: Ill. 74 Fest-Schrift zur Senefelderfeier am 29. Nov. 1924 /[Verband der Lithographen, Steindrucker und Verw. Berufe, Zahlstelle Bremen. – Bremen, 1924. – 14] S.: zahlr. Ill. Nebent.: Senefelderfeier am Sonnabend, den 29. Nov. 1924 im Museumssaal Domshof Exponat Nr. 74 107 Autorenverzeichnis 108 Peter Pfister (1964) Kunsthistoriker, Sachbearbeiter im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Dr. Karl Michael Scheriau (1952) Schriftsetzer, Graphiker, Diplom-Sozialökonom, ehrenamtliche Mitarbeit in der gewerkschaftlichen Bildung Dr. Rüdiger Zimmermann (1946) Leiter der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung Helga Zoller (1938-1992) Leiterin des Archivs beim Hauptvorstand der IG Medien ISBN 3-89892-493-9