Orientierungshilfe für die Bewertung von Inhalten im Internet Orientierungshilfe für die Bewertung von Inhalten im Internet Mathias Keller(im November 2004 Praktikant in der OnlineAkademie der Friedrich-EbertStiftung) hat eine Orientierungshilfe erstellt, mit der ein Beitrag zur Verbesserung der Kompetenz zur inhaltlichen Einordnung der vielfältigen Informationen im Internet geleistet werden soll. Selbstverständlich erheben die folgenden Kriterien keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Formale Kriterien • Sprache und Sorgfalt: Stimmen Grammatik und Rechtschreibung? Ein Vertrag zum Autokauf, in dem es von Rechtschreibfehlern wimmelt, ist nicht besonders vertrauenserweckend. Das gleiche gilt auch für den Wahrheitsgehalt von Auskünften im Internet. Und schließlich: Ist der sprachliche Ausdruck dem Thema entsprechend? • Aktualität: o Wird das Datum der letzten Aktualisierung angeben? Große Sites wie Spiegel.de geben stets das Erstelldatum eines Artikels an. Ist ein Artikel alt, könnte sein Inhalt nicht mehr aktuell sein. Außerdem erkennt man an häufigen Aktualisierungen, ob das Angebot regelmäßig gepflegt wird. o Achtung: Datumsangaben können auch falsch angegeben sein, was den Aussagewert unter Umständen völlig verfälschen kann. o Ist ein Datum nicht angeben, erhält man es unter Umständen über den Quelltext der HTML-Seite. Mit dem Internetexplorer kann der Quelltext beispielsweise über„Ansicht-> Quelltext anzeigen“ eingesehen werden. In dem Dokument bietet sich dann eine Suche mit STRG und F(gleichzeitig drücken) an, um das Datum schnell zu finden. o Führen die angegebenen Links zu ihrem Ziel? Wenn nicht, sind sie(und wahrscheinlich auch die Inhalte) lange nicht gepflegt worden. • Quellenangaben: Greift ein Autor in einem Artikel auf Angaben zurück, die er nicht selbst ermittelt hat, muss er die Quelle angeben. Bei unveränderter Übernahme von Aussagen muss er diese in Anführungsstrichen kenntlich machen. Tut er dies nicht, erweckt er den Verdacht der Unseriösität. Außerdem besteht die Gefahr, dass die übernommene Textstelle falsch verstanden wurde oder bei unzureichender Prüfung seinerseits nicht wahr ist. Eine solche nicht zitierte Übernahme lässt sich natürlich nicht zweifelsfrei erkennen, doch sollte man aufmerksam werden, wenn manche www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 4 Orientierungshilfe für die Bewertung von Inhalten im Internet Passagen oder Aussagen sich von der übrigen Ausdrucksweise unterscheiden. Von Vorteil sind Verweise auf gedruckte Quellen oder wenn das vorliegende Dokument gar selbst in gedruckter Form erhältlich ist. Sollte dies der Fall sein, ist wiederum die gedruckte Fassung einer Prüfung zu unterziehen: Aus welchem Verlag oder welcher Institution stammt es? • Wer ist der Verfasser? o Ist Ihnen der Verfasser bekannt? Ist er eine kompetente Persönlichkeit? Oder arbeitet er für eine bekannte Einrichtung? Finden Sie zum Beispiel Erläuterungen über den Stand des Multikulturalismus in Deutschland auf den Seiten eines Uni-Fachbereichs für Soziologie, sind diese in ihrer Ausgewogenheit wahrscheinlich denen einer Bürgerbewegung gegen eine neue Moschee in der Nachbarschaft vorzuziehen. o Impressum: Kommerzielle und meinungsbildende Websites sind dazu verpflichtet, ein ausführliches Impressum zu erstellen, aus dem die Identität und eine Kontaktmöglichkeit hervorgehen. Ist dies nicht der Fall, sollte man dort keinesfalls etwas kaufen oder Informationen Glauben schenken. Private Internetpräsenzen sollten zumindest eine E-Mail Adresse und Namen angeben. Oder würden Sie einem Unbekannten vertrauen? o Gibt das Impressum einen Namen an, aber keine sonstigen Angaben, können Sie über eine erneute Recherche versuchen, diese Lücke zu füllen. o Wer bietet die Informationen an? Bei uneindeutigen URLs können Sie die Adresse bis zum Länderkürzel(in Deutschland„de“) kürzen und anschließend„Eingabe“ drücken. Dies führt Sie zu der Startseite, auf der meist ein Impressumlink angeboten wird. Beispiel: In der Adresse http://www.fes-online akademie.de/index.php?&scr=themen&t_id=2 löschen Sie bis von der rechten Seite bis zum„de“. Übrig bleibt http://www.fes-online akademie.de. o Bestehen vielleicht Interessenkonflikte zwischen Informations-Anbieter und Werbebetreibenden(wenn die Site unter anderem durch Werbung finanziert wird). o Top-Level-Domains(z.B.„de“ für Deutschland) wie„gov“ für amerikanische Verwaltungsbehörden oder„edu“ für Bildungseinrichtungen suggerieren eher Glaubwürdigkeit, als dass sie es tatsächlich tun, weil bei der Antragstellung für eine Top-Level-Domain die Identität der Betreiber der Domain nicht geprüft wird. www.fes-online-akademie.de Seite 2 von 4 Orientierungshilfe für die Bewertung von Inhalten im Internet • Findet sich ein Copyright? Bei Funden von hohem urheberrechtlichem Wert ist das Fehlen eines Copyrights unwahrscheinlich. Der Grund könnte die Vergesslichkeit eines Fälschers sein, auch an dieser Stelle zu manipulieren. • Außenwirkung der Internetpräsenz: Macht sie durch ihr optisches Auftreten und die Gestaltung der Inhalte einen„guten Eindruck“, oder springen Ihnen blinkende Laufzeichen und Popups entgegen? Dieses Kriterium kann in manchen Fällen schon ausschließend sein. Umgekehrt muss ein ansprechendes Äußeres noch lange nicht für Glaubwürdigkeit stehen. Zum Beispiel schmückt sich die rechtsradikale Deutsche Volksunion(DVU) mit einer sehr ansprechenden Startseite. • Verlinkt der gefundene Text selbst auf andere Publikationen? Wissenschaftlich erstellte Hypertexte müssen sich entweder durch Links auf andere zitierwürdige Quellen absichern oder Angaben zur verwendeten Literatur machen. Auch bei nichtwissenschaftlichen Texten kann dieses Merkmal ein gutes Indiz sein. • Wie viele Links zeigen auf eine zu beurteilende Site? Je mehr(vor allen Dingen Ihnen bekannte Sites) es sind, desto mehr andere Anbieter halten das Angebot mit hoher Wahrscheinlichkeit für empfehlenswert und damit glaubwürdig. Stammt ein Link auf das zu bewertende Dokument vielleicht aus einer glaubwürdigen Quelle wie einer universitären Linkliste? Um die Zahl der Links und die Verlinkenden herauszufinden, können Sie mit vielen Suchmaschinen eine sogenannte„Rückwärtssuche“ durchführen. Mit Google beispielsweise müssen Sie in das Suchfeld alle Zeichen zwischen den Anführungsstrichen angeben:„link: http://beispielseite.de“. Die Trefferliste gibt ausschließlich Sites an, die auf „http://beispielseite.de“ verlinken. Inhaltliche Kriterien • Ist die Darstellung ausgewogen? Oder vermissen Sie einen Standpunkt, der im Zusammenhang mit dem Thema eigentlich zu erwarten gewesen wäre? • Trennung von Wertung und Information: Versucht der Autor eine Trennung von Fakten und Wertung, um dem Leser zu ermöglichen, sich selbst ein Urteil zu bilden? • Welche Interessen und Motive werden verfolgt? Beschreibt beispielsweise ein Pharmaunternehmen eines seiner Medikamente, liegt es auf der Hand, dass Nebenwirkungen untertrieben und positive Wirkungen übertrieben werden könnten, um den Verkauf nicht zu hemmen. www.fes-online-akademie.de Seite 3 von 4 Orientierungshilfe für die Bewertung von Inhalten im Internet Ein Ratschlag zum Ende: Selbst wenn Sie alle Empfehlungen positiv beantworten können, ist die Korrektheit nicht hundertprozentig gewährleistet. Bei Unsicherheit über den Wahrheitsgehalt, die Vollständigkeit, die Aktualität und das eigene Verständnis des Gelesenen sollte man das Zweifelhafte mit einer weiteren Suche bestätigen oder widerlegen. Eine letzte Möglichkeit ist die Kontaktaufnahme mit dem Verfasser. Dies sollte man besonders dann tun, wenn die Informationen später von Ihnen in einem wichtigen Zusammenhang verwendet werden. Selbst glaubwürdige Anbieter im Netz vergessen immer wieder ein wichtiges Detail oder verfälschen einen ursprünglichen Sachverhalt. Mathias Keller war im November 2004 Praktikant der OnlineAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Er studiert Politikwissenschaften, Geschichte und Informatik. www.fes-online-akademie.de Seite 4 von 4