Forum Frauen, Männer- Gender Veranstaltungsreihe zu den Themen Jungen, Männer, Väter am 23. Juni 2006 in Stuttgart am 29. Juni 2006 in Heidelberg am 24. Juli 2006 in Stuttgart Veranstaltungsinformation des Fritz-Erler-Forums Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung Überblick Die Gleichberechtigung der Frauen hat sich längst in Alltag und Politik als nicht mehr wegzudenkendes Thema etabliert. Dagegen scheinen die Interessen und Belange der Männer in den Hintergrund gerückt zu werden. In einer Reihe aus drei Podiumsdiskussionen widmete sich das FritzErler-Forum verschiedener Männer-Themen. Das Problem mit den Söhnen – Brauchen wir eine gezielte Förderung für Jungs?, 23. Juni 2006, Haus der Architekten, Stuttgart Vortragsmanuskript Dr. Margitta Kunert-Zier „Mehr als Fußball und Cool-Sein“ Zusammenfassung der Podiumsdiskussion Einladung und Programm Pressebericht Stuttgarter Nachrichten Geschlechtergerechtigkeit aus Männersicht, 29. Juni 2006, Völkerkundemuseum, Heidelberg Zusammenfassung der Podiumsdiskussion Kommentar Dr. Thomas Gesterkamp, taz-Debatte Pressebericht Heidelberger Nachrichten Einladung und Programm „Männer in der Vaterrolle – mehr als die Ernährer?“ Zusammenfassung der Podiumsdiskussion Glosse von Tobias Bücklein „Unfriendly Overtake oder der Angriff der Übermütter“ Einladung und Programm Impressum Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung 70182 Stuttgart, Werastraße 24 www.fritz-erler-forum.de I. „Das Problem mit den Söhnen – Brauchen wir eine gezielte Förderung für Jungs?“ 23. Juni 2006, Haus der Architekten, Stuttgart Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildete ein Vortrags- und Diskussionsabend im Stuttgarter Haus der Architekten. Vor dem Hintergrund zahlreicher Medienberichte und Statistiken, wonach Jungen als Verlierer der Modernisierung und als Bildungsbenachteiligte angesehen werden hielt die Diplom-Pädagogin Dr. Margitta Kunert-Zier einen Impulsvortrag zum Thema. Im Anschluss diskutierten fünf Referenten unter der Leitung der Fernseh-und Rundfunkjournalistin Susanne Babila die Frage, ob es Handlungsbedarf in Sachen Jungenförderung gibt. Vortragsmanuskript Margitta Kunert-Zier, „Mehr als Fußball und Cool-Sein“ Der Fußball spielt im Leben der meisten Jungen und auch der Männer eine bedeutende, Identität stiftende Rolle. Und, wenn inzwischen auch Tränen im Fußball gezeigt werden dürfen: es ist nach wie vor bei Jungen vor allem angesagt, „cool“ zu sein! Fußball gehört zum Lebensinhalt der meisten Jungen. Sie kennen die Regeln, die Stars, und ein Großteil spielt selbst in Vereinen. Das Lieblingsschulfach der meisten Jungen ist der Sport 1 . Nach ihren Wunschträumen gefragt, antworteten 70% der 10-18-jährigen, sie wären gern ein Sportstar 2 . Auf die Frage, was sie am besten können, gaben 80% der Jungen einer 4. Grundschulklasse an: „Fußball spielen“ 3 . Die Fußballweltmeisterschaft eint momentan auf noch nie da gewesene Weise die Jungen- und Männerwelt. Allerdings finden sich auch immer mehr weibliche Fans in den Stadien. Der Mädchen- und Frauenfußball war noch nie so populär. Diese Angleichung der Geschlechter bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Fußball die Mädchen und Jungen, Frauen und Männer nun auch auf der Beziehungsebene mehr zusammenführt: Die Mehrzahl der erwachsenen Männer in Deutschland möchte zumindest keinen weiblichen Fußballfan zur Freundin 4 ! Ich behaupte nun, dass Jungen mehr als Fußball und Cool-Sein brauchen. Was dieses Mehr ist, erschließt sich erst nach einem genauen Blick auf die Jungen und ihre Lebenslagen. 1 Bei Mädchen ist das Lieblingsfach Kunst. Vgl. Nach Zinnecker, Jürgen/Behnke, Imbke/ Maschke, Sabine/Stecher, Ludwig. 2002: null bock& voll busy. Die erste Jugendgeneration des neuen Jahrhunderts. Opladen. S. 135 2 Maschke, Sabine/Stecher, Ludwig. 2005: Mädchenleben – Jungenleben: Empirische Einblicke in die Lebensentwürfe von Kindern und Jugendlichen. In: Rose, Lotte/Schmauch, Ulrike(Hg.): 2005: Jungen – die neuen Verlierer? Auf den Spuren eines öffentlichen Stimmungswechsels. Königstein/Ts., S. 159 3 Kunert-Zier/Wambold/Schmitt 2002, als HTML-Version unter google: Abschlussbericht des Modellprojekts Margitta Kunert-Zier/Ursel Schmitt/ Heiko Wambold: Ich weiß wer ich bin, ich weiß, was ich will- geschlechtsbezogenes Soziales Lernen an der Grundschule an der Pestalozzischule Raunheim, August bis Oktober 2000 4 Die Zeit Nr. 25/2006, S. 59). Die „Verlierer“ und die „Normalen“? Von welchen Jungen ist die Rede? Jungen gelten heute –zumindest in den Medien- als die Schwächeren. Bei den Bildungsverlierern, bei Gesundheit, Gewalt und Kriminalität fallen sie durch hohe negative Quoten auf. Bei einem genauen Blick in diese Statistiken stellt sich aber sehr schnell heraus, dass es sich dabei um Jungen aus benachteiligten sozialen Schichten handelt, häufig auch um Jungen mit Migrationshintergrund. Fast ein Drittel der unter 25-Jährigen sind(Enkel-)Kinder von MigrantInnen. Sie stehen auf allen Bildungsstufen schlechter da. Fast jeder zweite junge Türke besucht eine Hauptschule, nur jeder Achte ein Gymnasium. Insgesamt verlassen 11% aller Jungen die Schule ohne Abschluss 5 Galt in den 1980er Jahren das „Bauernmädchen aus dem Bayrischen Wald“ als am meisten gesellschaftlich benachteiligt, so ist es heute der „türkische Junge aus Berlin-Neukölln“ . Für diese Jungen brauchen wir ganz spezifische und frühe Förderung und verstärkte Aktivitäten zu ihrer gesellschaftlichen Integration. Ungleiche Geschlechterverhältnisse – betreffen alle Neben den Phänomenen wie Gewalttätigkeit, Schlechte Noten etc. gibt es andere große Veränderungen in den Geschlechterverhältnissen, die schon seit vielen Jahren Gegenstand der Frauenund Geschlechterforschung sind und die alle Jungen(und Mädchen) betreffen. Mädchen haben seit den 1960 Jahren in der Bildung enorm aufgeholt, was zu grundlegenden Verschiebungen hinsichtlich der Zukunftsorientierungen bei beiden Geschlechtern geführt hat. Mädchen zeigen heute eine hohe Berufs- und Bildungsorientierung bei gleichzeitiger Beibehaltung familienorientierter Lebensperspektiven. Beides, die Berufs- und die Familienorientierung hat bei den Jungen deutlich abgenommen 6 . So verweisen 62% der Mädchen auf die Frage, worauf sie später einmal stolz sein werden, auf Erfolg im Beruf, bei den Jungen sind es nur 44%. Auch beim Stolz auf die Familie oder Bildungsabschlüsse liegen die Mädchen vorn. Die Jungen übertreffen lediglich die Mädchen bei ihrem Wunsch, viel Geld zu verdienen oder im Sport erfolgreich zu sein. Beruf und Familie verlieren bei einer steigenden Anzahl von Jungen als sinnstiftende Lebensziele offenbar deutlich an Attraktivität. Was noch in früheren Generationen klar verteilt war, die Orientierung der Jungen auf den Beruf, die der Mädchen auf die Familie, vertreten nun zunehmend die Mädchen allein. Sie werden deshalb als die „Hüterinnen des bürgerlichen Bildungs- und Familienideals“ bezeichnet 7 . Erfolgswünsche und Interessen beziehen sich bei Jungen gleichzeitig vermehrt auf riskante und grenzüberschreitende Aktivitäten. Mehr als die Hälfte geben in einer Studie an, gern einmal in einem Rennboot oder bei einem Formel 1-Rennen mitzufahren(Mädchen nur 16%). Knapp die Hälfte der Jungen würde schon einmal Auto oder Motorrad ohne Führerschein fahren, bei den Mädchen sind es 28% 8 . Bei diesem Ungleichgewicht zwischen den Lebensentwürfen- und Orientierungen von Jungen und Mädchen, müssen wir uns nicht wundern, dass die Singlehaushalte stetig ansteigen, die Geburten zurückgehen und dass jede zweite Ehe, zumeist auf den Wunsch der Frauen, geschieden wird. Fakt ist, dass die jungen Frauen angesichts der strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt immer mehr zu Konkurrentinnen für Jungen und Männer geworden sind. Welche Folgen hat dies nun für männliche Selbstbilder und Zukunftserwartungen der Jungen? 5 Bildungsbericht für Deutschland 2003. Opladen 6 Maschke/Stecher, S. 148 7 Maschke/Stecher, S. 163 8 Maschke/Stecher, S. 160 Coole Traumtänzer Die überwiegende Mehrheit von Jungen – so eine gerade an der Universität Dortmund herausgegebene Studie 9 präsentiert sich dennoch überaus selbstbewusst. Sie finden sich gut aussehend, stark, intelligent und witzig (76%). Die Jungen streben nach Harmonie, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Sportler, Musiker und der eigene Vater sind die großen Vorbilder. Und diese Jungen wünschen sich nicht ebenso starke, witzige und intelligente Partnerinnen, nein: 81% der Jungen möchten vor allem eine zuverlässige, treue und angepasste Partnerin. Die Jungen sind, so ein Kommentar zu dieser Studie, „Coole Traumtänzer“. Sie würden an Selbstüberschätzung leiden und Angst vor starken Mädchen und Frauen haben! Es entsteht der Eindruck, dass die Jungen in hohem Maß das gestiegene Selbstbewusstsein und die hohe Bildungsund Berufsorientierung der Mädchen und damit deren steigende Überlegenheit in vielen Bereichen verleugnen. Dass hier Konflikte zwischen der künftigen Erwachsenengeneration von jungen Frauen und Männern im Privat- wie im Berufsleben vorprogrammiert sind, liegt auf der Hand. Der Soziologe Ulrich Beck hat schon 1986 diese Umbrüche in Geschlechterverhältnissen als den „Jahrhundertkonflikt“ bezeichnet 10 . Interessanter Weise hat sich die Pädagogik aber seither nur in wenigen Ansätzen darum bemüht, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern und deren Verbesserung zum Gegenstand zu machen 11 . Stattdessen wurden zuerst Mädchen gefördert und erst später und in viel geringerem Umfang Jungen in vereinzelt stattfindenden Jungenprojekten oder Gruppen an Schulen oder in Jugendhäusern. Der Blick auf die Geschlechterverhältnisse blieb bei dieser Art des getrennten Agierens und Förderns versperrt. Jungen blieben und bleiben häufig auf ihrer Suche nach neuen und eigenen selbstbestimmten Männlichkeitsbildern von den Erwachsenen allein gelassen. In Gleichaltrigengruppen, unterfüttert von unrealistischen Männerbildern aus den Medien, werden weiterhin traditionelle Männlichkeitsklischees verstärkt. Jungen finden nach wie vor kaum Gelegenheiten, sich jenseits dieser Geschlechterbilder zu orientieren. Sie bleiben dabei auch mit den veränderten Geschlechterverhältnissen und hinsichtlich der notwendigen Auseinandersetzungen mit selbstbewussten und schulisch überlegenen Mädchen sich selbst überlassen. Wenn sie dann in Selbstüberschätzung flüchten und sich auf die Suche nach Mädchen begeben, die sich ihnen anpassen und unterordnen sollen, müssen wir uns nicht wundern. Was Jungen brauchen Angesichts der beschriebenen Veränderungen und aktuellen Herausforderungen brauchen Jungen alle Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit jenseits beschränkender traditioneller Bilder von Männlichkeit. Jungen müssen in der jeweiligen Einzigartigkeit, vor dem Hintergrund ihrer kulturellen und sozialen Herkunft wahrgenommen werden. Sie brauchen Unterstützung bei ihren Such9 http://www.wdr.de/themen/panorama/17/dortmund_jungenstudie/index.jhtml 10 Beck, Ulrich. 1986: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt a.M. 11 Eine Ausnahme bildet meine Studie, die sich diesem Thema ausführlich widmet: Kunert-Zier, Margitta 2005: Erziehung der Geschlechter. Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialp0ädagogischen Feldern. Wiesbaden s. auch: Kunert-Zier, Margitta(2000): Von harten Mädchen und zarten Jungs. Über Geschlechterverhältnisse und Erziehung am Beginn des 21. Jahrhunderts. In: http://www.hbs-hessen.de/pol/kunert10-00.htm bewegungen nach männlicher Identität, die vielfältige Optionen bereithält. Sie brauchen dazu eine sensible und wohlwollende Begleitung auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Geschlechtsbewusste Erwachsene Für die professionell Erziehenden und die Eltern bedeutet dies vor allem Der Abschied von Vorstellungen, wie ein richtiger Junge sein solle Die Einsicht, dass wir nicht wissen, wie Jungen sind Neugier auf die Person, die sich hinter der Fassade oberflächlicher Klischees verbirgt ein gutes Verhältnis zu Jungen zu entwickeln die Jungen mögen, nicht an den ungewünschten Verhaltensweisen ansetzen, sondern an den Stärken der Jungen Geduld Ermöglichen von Freiräumen bei gleichzeitigem zuverlässigem Bindungsangebot. Jungen brauchen nicht nur verlässliche Bindungen zu ihren Eltern, insbesondere auch zum Vater, sondern auch zu Erwachsenen außerhalb der eigenen Familie- insbesondere im Jugendalter. Geschlechtsbewusste Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen, Trainer in Sportvereinen, Pfarrer etc., die Jungen in einer geschlechtersensiblen zugewandten Weise begleiten, können ihnen unterschiedliche Facetten von Männlichkeit aufzeigen und ihnen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung hilfreich sein. Wenn wir darüber hinaus ein weiteres Auseinanderdriften der Lebenswelten von Mädchen und Jungen verhindern wollen, ist es notwendig, geschlechtsbewusst Mädchen und Jungen zu fördern mit dem Ziel einer besseren Verständigung zwischen den Geschlechtern. Dazu ist es notwendig den Perspektivenwechsel auf gelingende Geschlechterbeziehungen zu vollziehen Brücken zwischen den Geschlechtern zu bauen, um ein kooperatives, respektvolles Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen zu fördern keine Jungen- und Mädchenförderung zu betreiben ohne den Blick auf die Geschlechterverhältnisse! Ausblick: Mehr als Fußball und Cool- Sein heißt also, den „ganzen“ Jungen zu sehen, Offenheit zu entwickeln, welche Interessen und Begabungen jenseits der oberflächlichen Erwartungen in jedem Jungen stecken. Dazu gehört auch, die Ängste von Jungen wahrzunehmen: vor Gewalt, vor Ausgelacht- Werden, vor Zurückweisung durch Mädchen, vor Ausgeschlossen-Sein aus Cliquen. Darüber hinaus müssen wir Jungen die Kompetenzen vermitteln, die in Zukunft verstärkt insbesondere auch von Jungen und Männern im Berufs- und im Privatleben erwartet werden: Soziale Kompetenzen, Umgang mit Vielfalt, interkulturelle Kompetenzen, Bildungskompetenzen. Und, wenn wir Geschlechtergerechtigkeit ernst nehmen, müssen wir Jungen darin fördern, Sorge für sich selbst und für andere in ihr Lebenskonzept aufzunehmen. Selbstsorge heißt, mit sich und dem eigenen Körper gut umzugehen statt verstärkt Risiken einzugehen. Jungen sollen lernen, sich selbst anzunehmen und sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu sein. Sie sollen in sich hineinhören können, die eigenen Gefühle wahr- und ernst nehmen. Ein Junge, der mit sich selbst sensibel und sorgsam umgeht, wird dies auch eher bei anderen können. Und dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen und diese auch bewältigen zu können. Bestenfalls wird aus einem solchen Jungen einmal ein liebevoller und engagierter Vater, der sich gern seinen Kindern widmet. Jungen müssen – wie Mädchen auch- lernen, ihre Interessen und Bedürfnisse zu artikulieren. Sie müssen lernen, sich konstruktiv zu streiten und respektvoll mit anderen umzugehen. Jungen aus den anfangs schon beschriebenen besonders risikobelasteten Familien brauchen diese gezielte geschlechtsbewusste Förderung besonders. Ich plädiere deshalb dafür, schon früh eine geschlechtsbewusste Erziehung zu beginnen. Meine Vision ist es, ...dass bereits werdende Eltern auf Fragen einer bewussten Geschlechtererziehung vorbereitet werden, in Kursen, Elternschulen etc. …dass eine bewusste Geschlechtererziehung zum Standard in den Kinderbetreuungseinrichtungen wird …dass Schulen und außerschulische Erziehung und Bildung geschlechtsbewusst qualifiziert und gestaltet werden. Auch Bildungspartnerschaften, wie es der 12. Kinder- und Jugendbericht 12 zwischen den öffentlichen Erziehungs- und –Bildungsinstitutionen einerseits und den Kindern und deren Eltern andererseits zur intensiven individuellen Förderung von Kindern von Anfang an vorsieht, brauchen den geschlechtsbewussten Blick. Sie könnten sowohl für die Jungen als auch für die Eltern eine gute professionelle Hilfe sein, dass Jungen viel mehr lernen als Fußball spielen und Cool-Sein. Erst wenn Jungen wirklich ihr ganzes Spektrum an Gefühlen und Fähigkeiten entfalten können, werden sie richtige Jungen sein. 12 www.dji.de/ 12 _kjb/. Zusammenfassung der Podiumsdiskussion Dass Jungs benachteiligt werden, glaubt auch Ingrid Macher, Rektorin der Rosensteinschule in Stuttgart und eine der Fachreferenten auf dem Podium. Wenn Mädchen Probleme zeigen, sei „ein großer Aufmarsch“ die Folge. Bei Jungs heißt es dagegen eher: „Das schafft er schon alleine.“ Ein Ungleichgewicht entsteht nach Auffassung der Rektorin auch dadurch, dass die fleißigeren Mädchen öfter gelobt werden, „da knicken die Jungs weg“. Für Ingrid Macher steht fest: „Jungs sind nicht mehr die, die sie mal waren.“ Der Grund: „Die Vorbilder fehlen.“ Der mangelnden Sozialkompetenz der in hohem Maße ausländischen Schüler begegnet die Stuttgarter Rosensteinschule mit regelmäßigem Benimm-Training. Das zeigt in der Schule durchaus seine Wirkung, doch für Margitta Kunert-Zier haben es die Jungs generell oft noch nicht erkannt, dass es ein Zugewinn sein kann, Sozialkompetenzen zu lernen. Die Zahl der Bildungsverlierer hat sich nach Meinung von Christine Rudolf, Mitglied des Landtags Baden-Württemberg, in den vergangenen Jahren erhöht und betroffen waren vor allem Jungs. Die Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt seien absehbar. „Es wird kommen, dass Frauen wegen ihrer besseren Bildung verstärkt in Führungspositionen rücken“, ist auch Kunert-Zier überzeugt. Reiner Bocka, Bildungsreferent der Akademie der Jugendarbeit Baden-Württemberg und freiberuflicher Sozialtrainer, empfindet es als Fortschritt, dass die Probleme von Jungen zu einem echten Diskussionsthema geworden sind. In der Politik dagegen, so die Einschätzung von Christine Rudolf, müsse das Problem erst richtig ankommen – passende Antworten seien noch nicht gefunden. Gravierende Auswirkungen von mangelnder Bildung und Sozialkompetenz erlebt Tobias Merckle, Diplom-Sozialpädagoge und Geschäftsführer des Vereins Prisma e. V., in seiner Arbeit mit straffälligen Jugendlichen. „Jugendliche bleiben im Gefängnis sich selbst überlassen“, erklärt er. „Sie leben in einer Subkultur, in der Gewalt als Maßstab gilt.“ Anerkennung und Liebe haben viele in ihrer Kindheit und Jugend nicht erfahren. Merckle bemüht sich, die Gaben und Fähigkeiten der Jugendlichen zu fördern. „Wer Autos knackt, kann auch etwas. Das gilt es umzudrehen“, führt er aus. Aus der negativen Subkultur müsse für diese Jugendlichen etwas Positives geschaffen werden. Dass den Schulen ein immer größerer Erziehungsauftrag zufällt, davon ist Rektorin Macher überzeugt. Im Elternhaus fehlen die Strukturen, die Kinder bleiben sich selbst überlassen. „Sie kommen ohne Frühstück und in der falschen Kleidung in die Schule, weil sich die Eltern nicht um sie kümmern“, bilanziert Macher. Aus dem Publikum vertreten in diesem Zusammenhang Besucher die Meinung, dass der Schulerfolg von Jungen auch mit männlichen Grundschullehrern zusammenhänge – in der Mehrzahl unterrichten an Grundschulen aber Lehrerinnen. Dadurch fehlen in den Schulen – und auch den Kindergärten – die männlichen Rollenvorbilder. Als eine Ursache der Benachteiligung von Jungen macht Margitta Kunert-Zier auch die Frauenbewegung aus. „Da sind Fronten aufgebaut worden, die nicht gut sind“, glaubt sie. Jetzt müssten Brücken gebaut werden zwischen Frauen und Männern, die andere Ansprüche haben. „Wir Frauen haben seit 30 Jahren für Rechte gekämpft und haben nicht gesehen, dass die Jungs benachteiligt wurden“, stellt sie fest. Text: Ulrich Bethscheider-Kieser ÐÎÑÙÎßÓÓ Ú±®«³ Þ·´¼«²¹ «²¼ ײ²±ª¿Ê»®¿²­®ò ïêíë îëðë Ü¿­ Ю±¾´»³ ³·¼»² ͆¸²»² P Þ®¿«½¸»² ©·® »·²» ¹»¦·»´» Ú†®¼»®«²¹ º® Ö«²¹­á Ú±Ú®¿²¦·­µ¿ Õ®¿«º³¿²² ñ Í«®»® Ò¿½¸®·½¸»² Þ·» ³»´¼»² Í·» ­·½¸ ­½¸®·º¿²ò ß²³»´¼»¾»­«²¹»² ©»®¼»² ²·½¸ª»®­¿²¼ Ê»®¿²­«²¹­±®Ø»·µ» Ô·­­ Û×ÒÔßÜËÒÙ Ú± Øò Ô·­­ Þ¿¼»²óɁ®»³¾»®¹ II. „Geschlechtergerechtigkeit aus Männersicht“ 29. Juni 2006, Völkerkundemuseum, Heidelberg Zusammenfassung der Podiumsdiskussion Das klassische männliche Rollenbild ist brüchig geworden, aber dennoch sollen Männer Männer bleiben: Sie sollen einerseits Karriere machen und ihren Familien wirtschaftlichen Wohlstand ermöglichen, gleichzeitig aber auch gute Väter und verständnisvolle Partner sein, die ihren Anteil an der Hausarbeit leisten. Ein Spagat, der Anlass zur Diskussion bietet. Unter dem Motto „Geschlechtergerechtigkeit aus Männersicht“ setzten sich vier Fachleute im Heidelberger Völkerkundemuseum mit dem Thema auseinander. „Sind Männer angesichts dieser Herausforderungen in der Krise?“ fragte Moderatorin Dr. Christine Arbogast in die Runde. Nach Ansicht von Thomas Gesterkamp sind sie es durchaus. Die Krise der Männer zeigt sich für ihn gleich doppelt: wirtschaftlich und privat. Denn mit der zunehmend besseren Bildung der Mädchen könne es in Zukunft durchaus passieren, dass die Frauen die Rolle des Ernährers übernehmen, da der Mann als ewiger Praktikant nicht als Zukunftsmodell geeignet ist. Schlimmer noch, wenn der Mann von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Männer merken nicht, dass es auch andere Felder des Engagements gibt – allen voran die Familie. Das liegt für Dr. Harald Seehausen, Diplom-Pädagoge und Sozialforscher beim Deutschen Jugendinstitut, unter anderem daran, dass „viele Jugendliche nicht auf die doppelte Lebensführung mit Beruf und Familie vorbereitet werden“. Auch Vätern müsse eine zweite Perspektive eröffnet werden. Seehausen nennt als Beispiel eine Bank, in der ein Väternetzwerk aufgebaut wurde, in dem Telearbeit und Kinderbetreuung miteinander vereint werden können. Allerdings kennt Seehausen auch zahlreiche Beispiele, in der Männer wegen ihrer Teilzeitarbeit gemobbt wurden. Nach Ansicht von Seehausen müssen die sozialen Kompetenzen in Arbeitswelt und Freizeit neu bewertet werden. Dem gegenüber stehen allerdings strukturelle Vorgaben in der Arbeitswelt. „Wenn Männer nicht genug verdienen, passt das nicht ins Rollenbild“, erklärt Dr. Frank Mentrup, Arzt und Landtagsabgeordneter der SPD. Gleichberechtigung beginnt für Mentrup schon in früher Kindheit. Um Kindern echte Entwicklungschancen zu geben, müsse nicht erst in der Schule, sondern bereits vor dem dritten Lebensjahr eine entsprechende Betreuung angeboten werden. Dazu gehöre auch, dass Männer in Erziehungsberufen tätig sind – woran es in der Realität allerdings oft mangelt. Denn Berufe im sozialen Umfeld sind zumeist schlecht bezahlt und bieten kaum Entwicklungschancen. Daher seien die Vorbehalte bei Männern groß, in klassischen Frauenberufen, wie beispielsweise dem des Erziehers, tätig zu werden. Geschlechtergerechtigkeit wirkt bis in die Gesundheit der Menschen – ein Thema, das auch das Publikum bewegt. Mehrere Besucher kritisieren, dass Männer beispielsweise bei Vorsorgeuntersuchungen benachteiligt werden und Gesundheitsberichte nur für Frauen erstellt werden. Viele Männerinitiativen, so die Kritik aus dem Publikum, finden mit ihren Forderungen in der Politik kein Ge- hör. „Die Gesundheit hängt mit intakten sozialen Netzen zusammen“, weiß Michael Kasten, Diplom-Soziologe und freiberuflicher Gendertrainer. „Hier haben Männer ein Defizit.“ Wenn Jungen lernen, alleine mit Problemen fertig werden zu müssen, dann reagieren sie auf gesundheitliche Probleme ignorant. Unterschiede für Mann und Frau sieht Kasten bis ins hohe Alter, wenn Männer und Frauen im Pflegeheim leben. „Dort gibt es Freizeitangebote nur für Frauen“, weiß Kasten. „Was fehlt, ist die Sensibilität für die Bedürfnisse aller Menschen.“ Text: Ulrich Bethscheider-Kieser ܱ²²»®­îçò Ö«²· îððêô ïç ˸® ÊJÔÕÛÎÕËÒÜÛÓËÍÛËÓ Ø¿«°®¿A» îíëô êçïïé Ø»·¼»´¾»®¹ Ú±®«³ Ú®¿«»²ô Ó<²²»® › Ù»²¼»® »·² б¼·«³­¹»­°®<½¸ ¦«³ ̸»³¿ ïêíë îêðî ß²³»´¼«²¹ ¾·­ îéò Ö«²· îððꫲ»® Ú¿¨æ ðéïï ñ îì èí çì ëðô Ó¿·´æ Í·»¹´·²¼»òر°º¸¿«»®àº»­ò¼»ô ±¼ò б­©»¹ Ù»­½¸´»½¸»®¹»®»½¸»· ¿«­ Ó<²²»®­·½¸ ·² Ø»·¼»´¾»®¹ ¿³ îçòðêòîððê Þ·» ­½¸®»·¾»² Í·» ·² Þ´±½µ­½¸®·ºÚ®·»¼®·½¸óÛ¾»®«²¹ Ú®·®´»®óÚ±®«³ Í·»¹´·²¼» ر°º¸¿«»® É»®¿­®¿A» îì éðïèî Í«®Ê±®óñÆ«²¿³» Í®¿A» ÐÔÆ Ñ®ÛóÓ¿·´ Ì»´ò Ü¿«³ ñ ˲»®­½¸®·º ÊJÔÕÛÎÕËÒÜÛÓËÍÛËÓ Û×ÒÔßÜËÒÙ Ù»­½¸´»½¸»®¹»®»½¸»·¿«­ Ó<²²»®­·½¸îçò Ö«²· îððêô ïç ˸® Ê*´µ»®µ«²¼»³«­»«³ Ø»·¼»´¾»®¹ Þ¿¼»²óɁ®»³¾»®¹ III. „Männer in der Vaterrolle – mehr als die Ernährer? “ 24. Juli 2006, Generationenhaus Stuttgart-Heslach Zusammenfassung der Podiumsdiskussion Der dritte Teil der Veranstaltungsreihe, zu dem die Friedrich-Ebert-Stiftung in das Generationenhaus in Stuttgart-Heslach eingeladen hatte, widmete sich der Frage „Männer in der Väterrolle – mehr als die Ernährer?“ Unter der Moderation des Journalisten Dr. Thomas Gesterkamp diskutierten vier Referenten über die Rolle des Mannes in der Familie und die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Journalist Ralf Ruhl erlebt diese Problematik in extremer Form: Während seine Familie in Freiburg lebt, arbeitet er in Göttingen. Um Beruf und Familie einigermaßen zu vereinen, arbeitet Ruhl nur Teilzeit. Zwei Tage pro Woche ist er in Göttingen tätig, einen Tag im heimischen Büro in Freiburg – dazwischen liegen Familientage und stundenlange Pendlerreisen zwischen dem Norden und dem Süden der Republik. „Durch den Teilzeitjob herrscht knappes Geld im Familien-Etat“, erklärt Ruhl. Mit der Neuregelung des Elterngeldes und der Einführung der Vätermonate ist nach seiner Meinung das Bild des Vaters, der sich zuhause um die Familie kümmert, mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Ruhl hält es für möglich, dass sich 20 Prozent der Männer stärker um den Familienalltag kümmern. Jedoch sei es in der derzeitigen angespannten wirtschaftlichen Lage eine Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinen und Wege zum Kind zu finden. Dass immer mehr Männer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie suchen, davon ist Rainer Volz überzeugt. Der DiplomSozialwissenschaftler und Leiter des Zentrums für Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat in einer großen Männerstudie der beiden christlichen Kirchen herausgefunden, dass für viele Männer der Beruf wichtig ist, sie aber auch aktiv an der Erziehung der Kinder beteiligt sein wollen. Volz ist überzeugt: „Wir haben den neuen Mann ausgemacht.“ Unter den in der Studie befragten Männern hat Volz die Pragmatiker definiert, die traditionelle und moderne Seiten geschickt kombinieren und beide gut zusammenbekommen. Als „unsichere und formbare Sucher“ bezeichnet Volz jene, die weder die eine Seite, noch die andere konsequent leben – diese Gruppe mache in Deutschland 40 Prozent der Männer aus. Mit ihrem Engagement in der Familie treffen Männer aber bisweilen auf Hürden. „Frauen lassen sich die Definitionsmacht im Haus nicht nehmen“, so Volz. Der Mann werde im Haushalt häufig zum Assistenten oder schlechten Schüler der Frau. Während sich Männer durchaus mit der Doppelrolle arrangieren könnten, würden von Frauen partnerschaftliche Verhaltensweisen im Haushalt zwar gewünscht, aber dennoch nicht als männlich angesehen. Uneinigkeit besteht oft in der Bewertung von Familienarbeit. So ist es nach Meinung der Podiumsgäste in vielen Familien strittig, ob Haushaltsabrechnung, Steuerbescheid oder Autowaschen ebenfalls zur Familienarbeit dazugezählt werden. „Viele sind stärker in traditionellen Formen verhaftet, als man sich das selbst zugesteht“, ist Volz überzeugt. Ergun Can, Stadtrat in Stuttgart und Mitbegründer des Inländer-Stammtischs, kennt die Wirkung der Rollenverteilung in Deutschland und in der Türkei. In Migrantenfamilien, so seine Einschät- zung, seien Mütter dominant in der Familie. Die Väter gelten vor allem dann als Macht, wenn es um Problemen oder Konflikte geht. Wenn Probleme in der Partnerschaft nicht mehr gelöst werden können, kommt es oft zur Scheidung – mit gravierenden Konsequenzen für die Väter, wie mehrere Gäste aus dem Publikum anmerken. Ein Besucher erinnert daran, dass auch nach einer Scheidung die Vaterschaft nicht endet und bemängelt, dass viele Väter in dieser Lebenssituation keinerlei Unterstützung bekommen. Für Ralf Ruhl ist es in einer Partnerschaft entscheidend, welchen Beitrag jeder für das Projekt Familie leistet. Wichtig sei es, die Beiträge des anderen wertzuschätzen. „Gegenseitige Wertschätzung findet bei vielen Paaren nicht statt, weil sie überlastet sind“, so Ruhl. Michael Kasten, DiplomSoziologe und freiberuflicher Gendertrainer, brachte es auf den Punkt: Eltern sollten darauf achten, „dass die Kinder ein lebendiges Bild vom Vater und Mann bekommen“. Dazu passt auch die Einschätzung eines vierfachen Vaters, der sich aus dem Publikum zu Wort meldet. Er ist der Meinung, dass jeder selbstverantwortlich einen Beitrag in der Familie leisten kann – egal, wie viel Zeit dafür aufgewendet wird und wie sich die politischen Rahmenbedingungen darstellen. Text: Ulrich Bethscheider-Kieser Glosse Tobias Bücklein,„Unfriendly Overtake oder der Angriff der Übermütter (aus: Der Marathonpaps und andere Glossen von Tobias Bücklein, Exklusivvertrieb über www.vaetershop.de ) Wer ist der natürliche Feind des Jungvaters? Der Chef? Die Gattin? Die Schwiegermutter? Auch. Gewiss. Aber für den täglichen Kampf mit diesen Vorgenannten sind wir ja bestens gerüstet. Völlig unvorbereitet und wehrlos jedoch finde ich mich immer wieder gegenüber den Angriffen wildfremder Frauen: Es geschieht auf offener Straße, am helllichten Tag, im Supermarkt, auf dem Spielplatz oder im Bus. Ja, vor allem im Bus. Zum Beispiel neulich: Nichtsahnend und friedlich bummle ich mit Tochter Elise(6) und Sohn Oskar(½) Richtung Haltestelle. Plötzlich stürzt aus weiter Ferne ein weibliches, mir völlig unbekanntes Wesen durch die Menschenmenge, bahnt sich zielbewusst den Weg in meine Richtung, die Adleraugen stier auf den Kinderwagen gerichtet, und drückt endlich mit einem Seufzer der Erleichterung meinem Jüngsten den Schnuller in den Mund. „Das war knapp“, sagt sie, ohne sich vorzustellen. „Er wollte eben anfangen zu weinen.“ Ich freue mich in Zeiten sozialer Kälte natürlich über hilfsbereite Mitmenschen. Und so sage ich brav Danke und will verdattert den Bus besteigen. „Darf ich mal?“, ertönt da die Stimme einer älteren Dame. Sie hat bereits das Vorderrad des Joggers ergriffen und zerrt ihn über die Busschwelle. „Der Kleine wird ja sonst völlig durchgeschüttelt!“ „Wollen Sie ihm nicht das Jäckchen ausziehen? Es ist im Bus doch viel zu heiß für ihn!“, erkundigt sich nun freundlich die Zweizentner-Frau, neben der meine Stammhalterin inzwischen den letzten freien Platz ergattert hat. „Setzen Sie sich doch neben mich und nehmen Sie Ihre Tochter auf den Schoß. Dann kann sie mehr sehen“, ergänzt sie noch. Ich lehne angesichts ihrer Fleischmassen dankend ab. „Nun tun Sie doch dem Kind den Gefallen“ tönt es da durch den Bus. Und nach kurzer Zeit skandiert der Chor der Fahrgäste: „Auf den Schoß! Auf den Schoß!“ Nun gibt es kein Halten mehr: Während die Frau mit den Adleraugen Elises Haar zu einem perfekten Französischen Zopf flicht, erzählt sie mir, dass sie selber drei Kinder großgezogen hat. Die ältere Dame beginnt Oskar zu wickeln(„Stoffwindeln sind ohnehin gesünder“). Die Zweizentner-Frau hat Elise inzwischen auf ihren Schoß gezwungen und näht Flicken auf die dünnen Stellen ihrer Latzhose. Mit letzter Kraft gelingt es mir den Halteknopf zu drücken. „Ich muss leider aussteigen“, lüge ich in Notwehr und zerre meine Tochter und ihren brüllenden Bruder auf die Straße. Während ich erleichtert den Inhalt der Wickeltasche vom Gehsteig auflese, schließt sich hinter mir endlich die Tür vor der tobenden Meute. „Die Fingernägel müsste man auch mal wieder schneiden!“, ruft mir die Busfahrerin noch hinterher. Ó±²îìò Ö«´· îððê Í«®ïêíë íððî ß²³»´¼«²¹ ¾·­ îðò Ö«´· îððꫲ»® Ú¿¨æ ðéïï ñ îì èí çì ëðô ÛóÓ¿·´æ Í·»¹´·²¼»òر°º¸¿«»®àº»­ò¼» ±¼»® б­©»¹ Ó<²²»® ·² ¼»® Ê¿»®®±´´» Š ³»¸® ¿´­ ¼·» Û®²<¸®»®á îìò Ö«´· îððê ·² Í«®Þ·» ­½¸®»·¾»² Í·» ·² Þ´±½µ­½¸®·ºÊ±®óñÆ«²¿³»æ Í®¿A»æ Ú®·»¼®·½¸óÛ¾»®«²¹ Ú®· Û®´»® Ú±®«³ Í·»¹´·²¼» ر°º¸¿«»® É»®¿­®¿A» îì éðïèî Í«®ÐÔÆ ñ Ñ®ÛóÓ¿·´æ Ì»´òæ Ü¿«³ ñ ˲»®­½¸®·º Û×ÒÔßÜËÒÙ Ó<²²»® ·² ¼»® Ê¿»®®±´´» Š ³»¸® ¿´­ ¼·» Û®²<¸®»®á Í«®Ù»²»®¿»²¸¿«­ Ø»­´¿½¸ îìò Ö«´· îððêô ïè ˸® Þ¿¼»²óɁ®»³¾»®¹