Zukunft und Gerechtigkeit Fritz-Erler-Forum Politisches Handeln und Verantwortung Gesine Schwan und Anke Fuchs im Gespräch am 26. März 2007 in Freiburg Veranstaltungsinformation des Fritz-Erler-Forums Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Inhalt Überblick Vorab Begrüßung Helmut Elischer Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Claus Schneggenburger Südwestrundfunk Freiburg Einführung Gernot Erler Mitglied des Bundstages Staatsminister im Auswärtigen Amt Podiumsgespräch: Politisches Handeln und Verantwortung Gesine Schwan Präsidentin der Europa Universität Viadrina Anke Fuchs Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung Moderation Christiane Brehl Südwestrundfunk Fernsehen Filmpräsentation von Annette Wagner- SWR Die Brückenbauerin – Gesine Schwans Liebe zum Leben Reaktionen Programm Presseausschnitt Impressum Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung 70182 Stuttgart, Werastraße 24 www.fritz-erler-forum.de 2 Vorab In Deutschland ist es heute noch immer nicht leicht, trotz der faktischen Gleichberechtigung der Geschlechter, als Frau eine verantwortungsvolle Position einzunehmen und im Arbeitsleben erfolgreich zu sein, vor allem wenn Familie und Beruf vereinbart werden sollen. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass weiblichen Identifikationsfiguren, die ihren eigenen Weg gehen, eine besondere Rolle zufällt. Sie können uns zeigen, wie man Motivation, Verantwortung und Macht einsetzt und wie Frauen mit Erfolg, aber auch mit Rückschlägen umgehen. Das Konzept des Podiumsgesprächs mit Anke Fuchs und Gesine Schwan lehnt sich an die Veranstaltungsreihe„Politikerinnen im Gespräch“ an, die unser Landesbüro nun schon seit einiger Zeit durchführt. Mit der Gesprächsrreihe sollen(weibliche) Wege in die Politik und zwar ganz persönliche, individuelle Wege sichtbar gemacht werden. Ziel der Veranstaltungen ist es, in Zeiten wachsender Politikverdrossenheit Frauen zu präsentieren, die politisch aktiv sind, um damit anderen(Frauen) Mut zum eigenen Engagement zu machen. Um politisches Interesse zu schüren braucht es Vorbilder und Identifikationsfiguren, die zeigen, wie eigenes„Mitmachen“ funktionieren kann. Dabei geht es weniger um konkrete inhaltliche Themen als vielmehr darum, anhand persönlicher Biografien deutlich zu machen, welchen politischen Einfluss Frauen nehmen können, woher sie ihre Motivation nehmen und welchen Erfolg sie haben, aber auch wie sie mit Rückschlägen umgehen oder welche Netzwerke sie nutzen. Gesine Schwan und Anke Fuchs sind Persönlichkeiten mit außergewöhnlichen Lebenswegen. Anke Fuchs als Politikerin, die hohe Ämter bekleidet, Gesine Schwan als Wissenschaftlerin und politische Aktivistin, die sich zuletzt als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin einen Namen machte. Was es bedeutet, in verantwortlicher Position Entscheidungen zu treffen, die vielleicht nicht immer bequem sind oder Meinungen und Positionen zu vertreten, die gewiss nicht jedem gefallen, darüber wissen die beiden einiges zu berichten. Aber sie werden auch benennen können, welche positiven Erfahrungen sie im Umgang mit(politischer) Verantwortung gemacht haben. Wie es ist, etwas bewegen zu können und welchen Gestaltungsspielraum machtvolle Positionen ermöglichen. Helmut Elischer Leiter Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Dr. Christine Arbogast Projektleiterin Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg 3 Politisches Handeln und Verantwortung – Anke Fuchs und Gesine Schwan im Gespräch Zwei große Frauen der deutschen Politik sitzen an diesem Abend auf dem Podium. Anke Fuchs und Gesine Schwan sprechen über politisches Handeln und Verantwortung. Das FritzErler Forum Baden-Württemberg, Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung, hat die beiden renommierten Politikerinnen nach Freiburg in den Schlossbergsaal des Südwestrundfunks eingeladen. Die beiden SPD-Frauen berichten im Rahmen der Reihe„Politikerinnen stellen sich vor“ von ihren Erfahrungen und Erlebnissen in der Politik. Mit diesen Gesprächen sollen weibliche Wege dorthin und zwar ganz persönliche sichtbar gemacht werden – und das gelingt an diesem Abend ganz wunderbar. Einfühlsam moderiert wird dieser Dialog, der einer Zeitreise durch die politische Geschichte der Bundesrepublik gleicht, von der Fernsehjournalistin Christiane Brehl. Der Freiburger Bundestagsabgeordnete und Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, nennt Anke Fuchs in seinem Grußwort ein„klassisches SPDUrgestein“. Sie stammt aus einer sozialdemokratischen Familie. Ihr Vater Paul Nevermann ist Senator und von 1961 bis 1965 erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg. Auch ihre Mutter Grete kämpft nach Ende des 2. Weltkriegs für den Wiederaufbau und den Erfolg der SPD. Anke Fuchs lernt früh: Demokratie kann nur lebendig sein, wenn wir uns engagieren. Mit 19 Jahren tritt sie selbst in die Partei ein. 1968 wird die Volljuristin Referentin für Arbeitsrecht und Sozialpolitik beim DGB. Von 1971 bis 1977 ist sie geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Danach wird die Mutter von zwei Kindern zur beamteten Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung berufen. Zwei Jahre später, 1979, wird sie in den SPD-Parteivorstand, 1980 in den Bundestag gewählt. Aus der beamteten wird eine parlamentarische Staatssekretärin im gleichen Ressort. 1982 ernennt sie Helmut Schmidt zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Doch schon ein halbes Jahr später zerbricht die sozial-liberale Koalition. Ihrer Partei aber dient Anke Fuchs auch weiterhin. Von 1987 bis 1991 leitet sie deren Geschicke als Bundesgeschäftsführerin. Von 1993 bis 1998 gestaltet sie als stellvertretende Vorsitzende die Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion mit. Von 1998 bis 2002 ist sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Ihr lebenslanges soziales Engagement geht aber über die Parteiarbeit hinaus: Seit 1995 ist sie Präsidentin des Deutschen Mieterbundes und 2003 übernimmt sie den Vorsitz der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auch Gesine Schwan entspringt einer politisch sehr engagierten Familie. Zur Zeit des Nationalsozialismus engagieren sich die Eltern in Widerstandskreisen. Im letzten Kriegsjahr verstecken sie ein jüdisches Mädchen. In der Familie gilt das Prinzip: Man hat sich ich in erster Linie um andere zu kümmern und nicht um sich selbst. Der Vater wird nach Kriegsende Schulrat. Die Mutter träumt von einer Frauen- und Friedenspartei. Später sucht 4 sie die Nähe zur Gesamtdeutschen Volkspartei Gustav Heinemanns. Die Familie ist dem Nachbarland Polen stets sehr verbunden. Von 1962 an studiert Gesine Schwan Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Berlin und in Freiburg. Zu Studienaufenthalten reist sie nach Krakau und Warschau. Die Studentenbewegung Ende der 60er Jahre beeinflusst auch die junge Frau. 1970 tritt sie in die SPD ein. Von 1977 an lehrt sie als Professorin für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität in Berlin. Sie wird Mitglied in der Grundwertekommission der SPD. Da sie streitbar und öffentlich die Art und Weise kritisiert, wie die SPD mit kommunistischen Machthabern in Osteuropa umgeht, wird sie 1984 aus dem Gremium ausgeschlossen, 1996 nimmt man sie wieder auf. Bundesweit bekannt wird sie, als sie 2004 für das Amt der Bundespräsidentin kandidiert und Horst Köhler nur erstaunlich knapp unterliegt. Seit 2005 koordiniert sie für die Bundesregierung die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Ihre enge Verbundenheit zu Polen spiegelt sich auch in ihrem Amt als Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt(Oder), das sie seit 1999 innehat. Ihre Verdienste um Bildung und Völkerverständigung wurden mit mehreren Auszeichnungen und Preisen gewürdigt. Was verbindet die beiden Politikerinnen mit der Stadt Freiburg, dem Ort, an dem sie heute zusammentreffen, möchte Christiane Brehl zu Beginn des Gesprächs wissen. Für Gesine Schwan ist es die Stadt, in der sie ein schönes Studienjahr verbracht hat. Anke Fuchs ist als Präsidentin des Deutschen Mieterbundes stolz auf Freiburg, weil ein Bürgerentscheid verhindert hat, dass der Bestand der städtischen Wohnungen an einen privaten Investor verkauft wird. Dann wendet sich das Gespräch den Wegen zu, auf denen die beiden Frauen in die Politik gelangt sind. Anke Fuchs erzählt von den Parteiversammlungen, zu denen die Eltern sie schon als kleines Mädchen mitgenommen haben.„Die Reden meines Vaters kannten wir Kinder bald genau. Wir haben dann dafür gesorgt, dass an den richtigen Stellen geklatscht wurde“, erzählt die Hanseatin, die eigentlich Richterin werden wollte. Doch dann kommt alles ganz anders. Sie wird Referentin beim DGB.„Und plötzlich begann eine Karriere, ohne dass ich mich versah“, erzählt Anke Fuchs. Mit ihren„zwei Kindern unterm Arm“, wie sei es selbst beschreibt, wird sie als einzige Frau unter 34 Männern in den Vorstand der IG Metall berufen. Das sei durchaus eine schwierige Zeit gewesen. 5 Gesine Schwan erlebt das politische Engagement der Eltern ebenfalls früh – und manchmal leidet sie darunter.„Wenn meine Mutter in die Stadt gefahren war, um sich mit ihren politischen Freunden zu treffen, setzte ich mich an der Straßenbahnhaltestelle in den Rinnstein und wartete. Immer wenn eine Straßenbahn ankam, hoffte ich auf sie – meistens vergebens.“ Als Jugendliche geht sie auf Distanz zur Gesamtdeutschen Volkspartei, der die Mutter anhängt. Gesine Schwan ist diese Politik nicht handfest genug. Nach dem Abitur will die junge Frau, die aus einer Pädagogenfamilie kommt, selbst Lehrerin werden.„Es kam dann ein bisschen anders, aber am Ende ist daraus eine Hochschullehrerin geworden“, sagt sie. Zu ihrer Zeit in der Grundwertekommission der SPD und den damaligen Differenzen hat Gesine Schwan heute noch eine klare Haltung:„Vor der Folie des Nationalsozialismus stand für mich außer Frage, dass man nie zustimmen darf, wenn man nicht dieser Meinung ist.“ Und ihr fehlt zu dieser Zeit die Distanz ihrer Partei zu den kommunistischen Regimen im Osten. Auch Anke Fuchs kann sich an diese aufgeregten Zeiten noch gut erinnern und auch daran, dass sie ihre heutige Gesprächspartnerin damals„schon als problematisch“ wahrgenommen hat. Gehört sie damals selbst doch eher zu denen, die sich von der Öffnung gegenüber den kommunistischen Staaten eine Verbesserung des politischen Klimas erhoffen. Dennoch empfindet sie manche Debatten in jenen Tagen als „sehr überzogen“. Das Gespräch zeigt schnell: Die beiden Politikerinnen haben in der SPD stets unterschiedliche Funktionen und Rollen eingenommen. In der Gewerkschaft muss man die Mehrheit haben. Anke Fuchs erlernt in der IG-Metall das Handwerk der Argumentation. In Gesprächsund Verhandlungsrunden muss sie Überzeugungsarbeit leisten. Diese Erfahrung nutzt sie dann in den unterschiedlichsten Gremien der SPD. Gesine Schwan sagt über sich selbst:„Ich war immer in der Partei, aber nicht von der Partei.“ Deshalb kritisiert sie die SPD auch öffentlich.„Das war die einzige Chance Einfluss zu nehmen“, urteilt sie auch heute. Christiane Brehl hakt nach:„Wie erging es einer Frau damals, wenn sie Kritik übte?“ Die Antwort von Anke Fuchs ist kurz und überrascht nicht:„Ich habe im Rahmen der Debatte meine Meinung gesagt.“ Dann erzählt sie von ihrer Zeit als beamtete Staatssekretärin in Bonn. Noch heute lautet ihr Urteil:„Das ist das Beste, was man werden kann.“ Ihrem Mann erzählt sie damals staunend:„Du, die tun da, was ich sage.“ Angenehm empfindet sie es, 6 in dieser Position trotzdem nicht ganz vorne zu stehen. Und obwohl sie später noch Ministerin sein wird, spricht von jenen Tagen als ihrer effektivsten Zeit, in der sie am meisten bewirkt. Mutterschaftsurlaubs-, Künstlersozialkassen- und Schwerbehindertengesetz: diese sozialen Neuerungen bringt sie damals auf den Weg. Gesine Schwan spricht von einer„sehr interessanten Erfahrung“, die sie macht, nachdem sie Willy Brandt öffentlich kritisiert hat. Sie wird zur Dissidentin in der SPD. Peter Glotz wirft ihr in einem Aufsatz vor, sie sei antikommunistisch aus Identitätsangst. Gesine Schwan bleibt trotzdem Parteimitglied. Doch ihr Standbein, wie sie es nennt, hat sie viele Jahre woanders – in ihrer wissenschaftlichen Arbeit und im Privatleben. Erst 2004 mit ihrer Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin tritt sie als SPD-Politikerin wieder in die Öffentlichkeit. Es wird für sie zum Vorteil, so lange eine Außenseiterin gewesen zu sein.„Ich bin nicht abhängig von der Parteimeinung und das hat der SPD in der Situation gedient“, sagt die Politikwissenschaftlerin. Gesine Schwan glaubt, dass sie und die Partei das überraschend gutes Ergebnis bei dieser Abstimmung ihrer Unabhängigkeit verdanken. Interessante Erfahrungen macht die Kandidatin in dieser Zeit mit den Medien.„Wegen der Bewerbung wurden meine Reden plötzlich mit großem Interesse wahrgenommen. Man wollte wissen, wer ist denn die da“, erinnert sich Gesine Schwan. Es ist gut, dass sie nicht aus dem Nichts in die Öffentlichkeit hinein katapultiert wird. Ihre Erfahrungen aus den 70er und 80er Jahren empfindet sie als hilfreich.„Man muss lernen, mit der Öffentlichkeit umzugehen“, urteilt auch Anke Fuchs, die immer versucht Kinder, Familie und Privates aus den Medien heraushalten. Sie kleidet sich bewusst dezent.„Ich will, dass die Leute über das reden, was ich sage und nicht über das, was ich trage“, sagt sie. Bis heute hat sie der„BildZeitung“ kein Interview gegeben – und das ist ihr wichtig. Neben Medien und Öffentlichkeit spielen die Faktoren Machtwille und Solidarität in jeder politischen Karriere eine entscheidende Rolle. Anke Fuchs will bei den Landtagswahlen in Niedersachsen 1984 für die SPD um das Amt der Ministerpräsidentin kandidieren. Die Genossen und Genossinnen des Landesverbandes haben sie dazu aufgefordert. Doch plötzlich verlangt Gerhard Schröder Ministerpräsident in Hannover zu werden. Anke Fuchs muss eine bittere Pille schlucken. Obwohl sie schon mehrere Monate durch Niedersachsen getingelt ist, fällt die Wahl auf Schröder. Die Politikerin kommentiert diese Niederlage auf ihre Art:„Wäre ich damals angetreten, wären 7 wir schon vier Jahre vorher an die Macht gelangt.“ Den Kampf gegen Seilschaften muss Gesine Schwan nicht kämpfen.„Da war ich dann glücklicherweise doch nie aktive Politikerin“, urteilt sie. Anke Fuchs versucht noch ein zweites Mal Ministerpräsidentin zu werden. Bei der Wahl des ersten sächsischen Landtags nach der Wiedervereinigung im Oktober 1990 kandidiert sie gegen Kurt Biedenkopf. Anke Fuchs erreicht mit der SPD 19,1 Prozent der Stimmen. Das ist das bis heute beste Ergebnis ihrer Partei in Sachsen.„Spannend war dieser Wahlkampf“, sagt sie.„Und ein Dienst an der Demokratie.“ Und Gesine Schwan fügt hinzu:„Dieser Zugang erleichtert es einem, wenn man mal nicht gewinnt.“ Eine bedeutsame Gemeinsamkeit dieser beiden bemerkenswerten Frauen wird deutlich: Sie fühlen sich ihr ganzes Leben lang mitverantwortlich für das Gelingen der Demokratie. Im Kampf um das niedersächsische Ministerpräsidentenamt zeigt Gerhard Schröder recht unverblümt seinen Machtwillen. Da drängt sich die Frage auf: Verhalten sich Männer und Frauen in der Politik grundsätzlich unterschiedlich?„Männer genieren sich weniger sich selbst darzustellen“, befindet Anke Fuchs.„Und sie haben gelernt Konkurrenz auszuschalten.“ In den 70er und 80er Jahren gelingt das den Frauen in der Partei nicht.„Wir waren uns nie einig, wer die Nummer eins sein soll. Wenn wir einen Pressetermin hatten, dann sind immer alle 30 gekommen“, erinnert sich Anke Fuchs. Das weibliche Alphatier fehlt. Die Juristin muss außerdem die Erfahrung machen, dass Frauen untereinander nicht sehr solidarisch sind. Zwar kennt auch Gesine Schwan das Schneewittchenprinzip, wie sie es nennt. Gemeint sind damit Frauen, die„die Beste und Schönste im ganzen Land“ seien wollen. Mit denen hat auch die Politikwissenschaftlerin schlechte Erfahrungen gemacht hat. Grundsätzlich aber ist sie überzeugt, dass Solidarität unter Frauen wichtig ist und dass es sie gibt.„Es ist nicht günstig, den Weg der Männer nachzugehen“, sagt Gesine Schwan.„Es geht nicht darum, sich zu profilieren, sondern darum, in der Sache weiterzukommen.“ Sie ist überzeugt, dass Politik heute einen anderen Stil braucht als den des Alphatiers. Vertrauen müsse in die Politik zurückkehren. Sie verlangt nach Politikern und Politikerinnen, die gute Konzepte überlegen, erarbeiten und argumentativ dahinter stehen. Nur dann werde es gelingen, junge Frauen für politische Arbeit zu gewinnen. Für die hat sie auch gleich eine Empfehlung parat:„Sie sollen ihrem eigenen Weg folgen und nicht einer Vorgabe nacheifern.“ Anke Fuchs hält es für wichtig, dass sich die Parteien reformieren und fordert:„Wir müssen überlegen, was wir jungen Frauen an Gremienarbeit zumuten.“ Die Arbeit im Kreis- und Landesvorstand macht sie zu Hamburger Tagen manchmal selbst mürbe. Selbst ihre eigenen Kinder fühlen sich als junge Erwachsene im SPD-Ortsverein fremd.„Heute packen junge 8 Leute die Dinge an, die sie selbst betreffen und das tun sie meist in Bürgerinitiativen“, glaubt Gesine Schwan. Hier weiß sie sich mit Anke Fuchs einig.„Junge Menschen engagieren sich dort, wo sie die Zustände am meisten stören. Wenn wir klug sind, fangen wir sie als Sozialdemokraten auf.“ Gesine Schwan ist überzeugt, dass sich Politik verändern muss und verändern wird. „Wir werden auf kooperative Netzwerkarbeit angewiesen sein. Das Alphatier, das sagt‘Ich bin der Chef, ich kann das und die anderen können es nicht’, hat sich überlebt. Das ist nicht der Stil, mit dem wir künftig Politik machen werden.“ Doch nicht nur die Politik muss sich ändern.„Die jungen Menschen müssen darauf kommen, dass wir ohne Strukturen und Parteien auch nicht weiterkommen“, befindet Anke Fuchs zum Abschluss des Gesprächs. Im Anschluss an die Gesprächsrunde wurde das Filmportrait von Annette Wagner„Die Brückenbauerin – Gesine Schwans Liebe zum Leben“ gezeigt. 9 Stimmen zum Podiumsgespräch „Vieles hat mich am meine eigenen Intentionen erinnert, die mich bewegen im politischen Raum zu arbeiten. Bei beiden ist das Vorbild des Elternhauses eindrücklich.“ Eva Schneider-Borgmann, Deutscher Frauenrat „Beides sind gut ausgebildete Frauen. Und ohne fachliche Kompetenz geht es nicht. Es reicht nicht, nur politisch zu sein.“ Renate Buchen, SPD-Fraktionsvorsitzende im Freiburger Gemeinderat „Gesine Schwan und Anke Fuchs drücken die Spannung großartig aus, die man in der Politik aushalten muss. Gesine Schwan ist überzeugt: Du musst nicht jeden Kompromiss eingehen. Anke Fuchs sagt: Wenn du Politik gestalten willst, brauchst du Mehrheiten – und die bekommst du durch Kompromisse. Sie zeigen: Wer bei sich selbst bleibt, kann glaubwürdig in der Politik sein.“ Gabi Rolland, Freiburger SPD-Stadträtin und Mitglied im Landesvorstand „Diese beiden Frauen sind authentisch. Das Gespräch motiviert, sich politisch zu engagieren.“ Walter Rubsamen, Leiter des Amts für Öffentliche Ordnung, Freiburg 11 Veranstaltungsort: SWR-Freiburg, Schlossbergsaal Kartäuserstraße 45 79102 Freiburg www.swr.de Anfahrt Sie erreichen den SWR am besten per Straßenbahn (Linie 1, Haltestellen „Schwabentorring“ oder „Bürgerwehrstraße“) oder zu Fuß. Die günstigste Parkmöglichkeit für PKW besteht in der Schwabentorgarage, Kartäuserstraße, 350 Meter vom SWR Studio entfernt. Im SWR Studio Freiburg bestehen keine Parkmöglichkeiten für private PKWs. Koordination: Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung Werastraße 24, 70182 Stuttgart Sieglinde.Hopfhauer@fes.de Tel.: 0711/ 24 83 94-40 Fax: 0711/ 24 83 94-50 www.fritz-erler-forum.de SWR Fernsehen – die Porträtreihe „Menschen unter uns“ Jeden Dienstagabend um 23 Uhr zeigt die Redaktion „Religion, Kirche, Gesellschaft“ 30-minütige Porträts ungewöhnlicher Menschen. In der Reihe „Menschen unter uns“ gehen die Autorinnen und Autoren Lebenswegen nach, in denen sich ethische und religiöse Fragestellungen exemplarisch widerspiegeln. Der Arbeitsalltag prominenter Personen wie Bischöfin Margot Käßmann oder Karl Kardinal Kasper interessiert dabei ebenso wie die Sozialarbeit eines ehemals drogenabhängigen christlichen Streetworkers oder der Schulalltag in einem islamischen Gymnasium. Die Geburt einer Tochter mit Down-Syndrom ist für ein Elternpaar erst Schicksalsschlag – dann Chance zur Veränderung. Die Entscheidung einer Familie, ihre Mutter nicht traditionell auf dem Friedhof beizusetzen, sondern ihre Asche vom Ballon aus zu verstreuen, steht für das aktuelle Bedürfnis nach neuen Trauerritualen. Nah dran und respektvoll zugleich – das zeichnet die Reihe aus. „Die Brückenbauerin – Gesine Schwans Liebe zum Leben“ ist ein sehr persönliches Prominentenporträt. Es zeigt die Unipräsidentin aus Frankfurt/Oder von bislang unbekannten Seiten: mit ihren engagierten Studenten und ihrem Team an der „Viadrina Universität“ – und zu Hause in Berlin mit ihrem Ehemann Peter Eigen, dem Begründer der weltweiten Anti-Korruptions-Initiative „Transparency International“, und ihrer Familie. Ihr Glaube hat Gesine Schwan Trost und Halt in Lebenskrisen gegeben. Gleichzeitig verpflichtet er sie auch zu sozialem und politischem Engagement, dazu, „gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen“. „Menschen unter uns“ – immer dienstags um 23 Uhr im SWR-Fernsehen 27. 03. 2007 Walter Sittler – Star und Zweifler 03. 04. 2007 Die Unberührbaren. Indiens Kastenlose wehren sich 10. 04. 2007 Wie die Liebe weiterlebt. Partnerschaft nach dem Schlaganfall 17. 04. 2007 Was glaubst denn du? Kinder fragen, hoffen, beten Hinweise zum aktuellen Programm unter www.swr.de/menschen-unter-uns Kontakt zur Redaktion: 0711-929-2771 oder 07221-929-2802 EINLADUNG Politisches Handeln und Verantwortung Gesine Schwan und Anke Fuchs im Gespräch 26. März 2007, 18.00 Uhr SWR Freiburg Schlossbergsaal Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Das Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet am Montag, 26. März 2007 Schlossbergsaal des SWR 79102 Freiburg, Kartäuserstraße 45 in der Reihe Zukunft und Gerechtigkeit Veranst.-Nr. 1635 1304 ein Podiumsgespräch anlässlich der Filmpräsentation „Menschen unter uns“ Politisches Handeln und Verantwortung – Gesine Schwan und Anke Fuchs im Gespräch Gesine Schwan und Anke Fuchs sind Persönlichkeiten mit außergewöhnlichen Lebenswegen. Anke Fuchs als Politikerin, die hohe Ämter bekleidet, Gesine Schwan als Wissenschaftlerin und politische Aktivistin, die sich zuletzt als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin einen Namen machte. Was es bedeutet, in verantwortlicher Position Entscheidungen zu treffen, die vielleicht nicht immer bequem sind oder Meinungen und Positionen zu vertreten, die gewiss nicht jedem gefallen, darüber wissen die beiden sicher viel zu berichten. Aber sie werden auch benennen können, welche positiven Erfahrungen sie im Umgang mit (politischer) Verantwortung gemacht haben. Wie es ist, etwas bewegen zu können und welchen Gestaltungsspielraum machtvolle Positionen ermöglichen. Im Gespräch mit Gesine Schwan und Anke Fuchs interessiert uns, auch und gerade anhand persönlicher Biografien und Hintergründe, welchen politischen Einfluss Frauen nehmen können, woher sie ihre Motivation nehmen und welchen Erfolg sie haben, aber auch wie sie mit Rückschlägen umgehen. PROGRAMM Montag, 26. März 2007 18:00 Begrüßung Helmut Elischer Leiter Fritz-Erler-Forum BadenWürttemberg, Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung Einleitung Gernot Erler Mitglied des Bundestages Staatsminister im Auswärtigen Amt Podiumsgespräch mit Gesine Schwan Präsidentin der Europa-Universität Viadrina und Anke Fuchs Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung Moderation: Christiane Brehl Südwestrundfunk Fernsehen – SWR Baden-Württemberg Aktuell gegen 19:30 Filmpräsentation Die Brückenbauerin – Gesine Schwans Liebe zum Leben Ein Film von Annette Wagner für die Reihe „Menschen unter uns“ im Südwestrundfunk – SWR Anschließend informelles Gespräch bei einem kleinen Imbiss. SIE SIND HERZLICH EINGELADEN Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung, die Sie bitte als Eingangsberechtigung mitführen. Prof. Dr. Gesine Schwan Seit 1999 Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Seit 2005 Koordinatorin der Bundesregierung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit. 2004 Kandidatin von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen für das Amt der Bundespräsidentin. Mitglied der SPD-Grundwertekommission. 1993 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und 2002 des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Fragen der Demokratie, des Sozialismus, zur politischen Ideengeschichte sowie zur Deutschlandund Europapolitik. Gernot Erler Seit 1987 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2005 Staatsminister im Auswärtigen Amt. Von 1998 bis 2005 koordinierte er als stellvertretender Fraktionsvorsitzender die internationale Arbeit in der SPD-Bundestagsfraktion. Bis 2005 Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-russische zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit. Präsident der Südosteuropa-Gesellschaft. Anke Fuchs Seit 2003 Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung. 1998 – 2002 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Seit 1995 Präsidentin des Deutschen Mieterbundes. 1993 – 1998 Stellv. Vorsitzende der SPDBundestagsfraktion. 1987 – 1991 Bundesgeschäftsführerin der SPD. 1982 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. 1980 Mitglied des Bundestages und parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. 1979 Mitglied des SPD-Parteivorstandes. 1977 beamtete Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung. Christiane Brehl Journalistin und Moderatorin beim Südwestrundfunk Fernsehen in der Redaktion Baden Württemberg Aktuell. Studium von Politik, Anglistik und Geschichte in Bonn und Washington. Viele Jahre als Journalistin im Hörfunk und Fernsehen tätig und seit 2001 Nachrichtenmoderatorin.