Interkultureller Dialog Islamische und westliche Welt Buchpräsentation, Podiumsdiskussion, politisches Kabarett und Karikaturausstellung am 28. April 2006 in Biberach an der Riß Veranstaltungsinformation des Fritz-Erler-Forums Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung 2 Überblick Begrüßung Helmut Elischer Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Buchvorstellung Prof. Dr. Michael von Hauff Universität Kaiserslautern Impulsvortrag Politische Beteiligung und Integration von Migrantinnen und Migranten Martin Gerster Mitglied des Bundestags, Innenausschuss Podiumsdiskussion mit: Meri Bodrozic Dipl. Sozialwissenschaftlerin Stabsstelle Ausländerbeauftragte der Landesregierung Moderator Uwe Jauß Politikredaktion Schwäbische Zeitung Deutsch-türkisches Kabarett Senay Duzcu, Eröffnung Karikaturausstellung: „Die Türkei auf dem Weg nach Europa“ Impressum Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung 70182 Stuttgart, Werastraße 24 www.fritz-erler-forum.de 3 Islamische und westliche Welt Das Verhältnis von islamischer und westlicher Welt stand im Mittelpunkt der Veranstaltung des Fritz-ErlerForums Baden-Württemberg in der Biberacher Volkshochschule. Wie aktuell die Themen Integration und Kooperation sind, zeigte sich an den zahlreichen ZuhörerInnen, die zu der Buchpräsentation mit Podiumsdiskussion und anschließender Ausstellungseröffnung gekommen waren. In dem Buch berichten zwanzig Autoren mit unterschiedlichen Schwerpunkten über die Beziehungen zwischen dem Islam und der westlichen Welt. Professor Michael von Hauff, Mitherausgeber und Professor an der Uni Kaiserslautern, begründete seine Motivation für dieses Buch in dem Anliegen, den„Entfremdungsprozess“, der seit dem 11. September zwischen dem Islam und dem Westen begonnen habe, umzukehren. Dabei räumte Hauff aber auch ein, dass man„noch weit von politischen Konfliktlösungen entfernt“ sei, obwohl es in manchen Bereichen bereits eine Annäherung gegeben habe. Ökonomisch, so Hauff, fühlten sich einige islamische Länder durch das westliche Wirtschaftsmodell„an die Wand gedrückt“. Darin sieht er den Grund für den Terrorismus. Um dem entgegenzuwirken, brauche es mehr gegenseitiges Vertrauen und den Aufbau von gemeinsamen Institutionen. Martin Gerster, Mitglied des Bundestags und Innenausschusses, betonte, dass Deutschland ein„Einwandererland“ sei und daher auf Einwanderer angewiesen. Integration sei daher zu fördern, aber auch einzufordern. Eine essentielle Bedingung für eine erfolgreiche Integration stellt für Gerster die Anerkennung der freiheitlichdemokratischen Grundordnung dar. Ein weiterer zentraler Punkt ist das Erlernen der deutschen 4 Sprache. Gerster begrüßte das im letzten Jahr erlassene Zuwanderungsgesetz und machte sich für die derzeit gültige Abschiebepraxis stark:„Nicht alle können hier bleiben“. Die gebürtige Kroatin Meri Bodrozic von der Stabsstelle des Ausländerbeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg bilanzierte: „Als Einwanderungsland verändern wir uns und wir müssen uns auch verändern“. Kritik kam einstimmig zum deutschen Bildungssystem. Es werde zu früh selektiert, die Schulen stellten eine zu hohe „Kontakthürde“ dar, hieß es. Unterschieden wurde dabei zwischen„dörflicher Hauptschule“ und „Hauptschulen an Brennpunkten“. Bodrozic macht das Bildungssystem auch für die hohe Arbeitslosenquote unter den ausländischen Mitbürgern verantwortlich – obwohl rund 70 Prozent den Abschluss schaffen. Gerster lobte dagegen die Erfolge der bundesweit eingerichteten Sprachkurse. Dr. Hans-Peter Biege, Kulturdezernent der Stadt Biberach und Leiter der Volkshochschule, führte als Beispiel für erfolgreiche Integration das Einwanderungsland Amerika ins Feld. Er beklagte die„Ghettobildung“ in Deutschland und die oft fehlenden Karrierechancen für in Deutschland lebende Ausländer. Auch Biege zog das Fazit:„Wir werden uns öffnen müssen“. In der Diskussion wurde das Kernproblem nochmals aufgegriffen: wie integriert man sich, wenn man keine Perspektive hat? Meri Bodrozic lobte das Interesse an diesem Thema und ermutigte die Bürgerinnen und Bürger mehr über dieses Thema zu sprechen:„Wir müssen darüber sprechen – nicht nur die Politiker“. Die türkische Kabarettistin Senay Duzcu widmete sich ironisch in ihrer Aufführung dem Thema„Integration“. Zum Abschluß wurde die Karikaturausstellung „Die Türkei auf dem Weg nach Europa“ von Erdogan Karayel und Korkut Bötercene eröffnet. 5 Karikatur-Ausstellung: Die Türkei auf dem Weg nach Europa – Integration aus europäischer Perspektive Erdogan Karayel ist Grafiker und Karikaturist, in Istanbul geboren und lebt seit elf Jahren in Deutschland. Er absolvierte die Kunstakademie der Marmara Universität in Istanbul. Viele Jahre entwarf er Karikaturen für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften wie Politika, Demokrat, Carsaf, Ses. In seiner Karriere, in der er die Karikatur und Werbegrafik in Einklang brachte, gewann er in verschiedenen nationalen und internationalen Wettbewerben insgesamt 34 Preise. Für seine Herangehensweise erhielt er zuletzt in Japan den weltweit unter Karikaturisten ausgeschriebenen Citation-Preis. In Deutschland gibt er die deutschtürkische Satirezeitschrift DON QUICHOTTE heraus. Dem Biberacher-Publikum wurden Karikaturen zum Thema„Die Türkei auf dem Weg nach Europa – Integration aus europäischer Perspektive“, die von der Satirezeitschrift DON QUICHOTTE im Rahmen eines Wettbewerbs prämiert wurden, gezeigt. 6 Senay Duzcu Deutsch-türkisches Kabarett Senay ist die erste weibliche und einzige türkische Stand-up-Comedian in Deutschland. Für sie ist es wichtig, die Kulturunterschiede aus Sicht einer türkischen Frau zu zeigen und deren Zweideutigkeit auf witzige Art und Weise zu präsentieren. Senay improvisiert sehr oft ihre Auftritte und macht so jeden Besuch zu einem einmaligen Erlebnis. Es gelingt ihr mit Humor vor dem Hintergrund der gelebten Realität der Interkulturalität die politische Auseinandersetzung zu diesem Thema aufzulockern, ohne deren Bedeutung herabzuwerten. Vielmehr eröffnet ihre herzerfrischende Ironie so manche neue, ungewohnte Sichtweise und bringt Bewegung in scheinbar eingefahrene und unverrückbare Positionen in dieser Auseinandersetzung. Senay Duzcu ist ehemalige Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ihr Credo:„Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“ www.senay.tv