Interkultureller Dialog Islamische und westliche Welt Buchpräsentation mit Hintergrundgespräch und politischem Kabarett am 05. Mai 2006 in Konstanz Veranstaltungsinformation des Fritz-Erler-Forums Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung Überblick Begrüßung Helmut Elischer Friedrich-Ebert-Stiftung, Stuttgart Buchvorstellung Prof. Dr. Michael von Hauff Universität Kaiserslautern Impulsvortrag Politische Beteiligung und Integration von Migrantinnen und Migranten Peter Friedrich Mitglied des Bundestags Podiumsdiskussion mit: Elke Cybulla Integrationsbeauftragte der Stadt Konstanz Ismail Yumusaklar Vertreter der islamischen Gemeinde Moderatorin Prof. Beate Bergé FH Konstanz Deutsch-türkisches Kabarett Senay Duzcu Impressum Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung 70182 Stuttgart, Werastraße 24 www.fritz-erler-forum.de Ein beständiges Voneinander Lernen Das Bild des Islamismus in der westlichen Welt ist vielschichtig und in ständigem Wandel. Themen wie Einwanderung und Integration gewinnen immer mehr an Bedeutung und haben zunehmenden Einfluss auf die Politik Deutschlands. Ute Vogt und Prof. Dr. Michael von Hauff haben aus diesem Grund das Buch „Islamische und westliche Welt“ herausgegeben, in dem zwanzig Autoren mit unterschiedlichen Schwerpunkten das Beziehungsgeflecht zwischen islamischer und westlicher Welt analysieren. Das Fritz-Erler-Forum Stuttgart hatte Anfang Mai nach Konstanz zur Buchpräsentation und anschließender Podiumsdiskussion geladen, zu der sich über 100 Interessierte einfanden. Prof. von Hauff gab eine kurze Übersicht der Buchbeiträge und Bundestagsmitglied Peter Friedrich berichtete von der Arbeit des Bundestags in Bezug auf die Einbürgerungsdebatte und finanzielle Defizite in diesem Sektor. Elke Cybulla, Integrationsbeauftragte der Stadt Konstanz und Ismail Yumusaklar, in Deutschland aufgewachsener Türke, schilderten die lokale Situation und das Zusammenspiel von islamischer und „westlicher“ Welt in Konstanz. Keiner widersprach, dass die Problematik auf ein altes, aber nie endgültig gelöstes Problem des Zusammenlebens in einer gemeinsamen Gesellschaft zurückgeht. Es ist kein wirkliches„Miteinander“, sondern eher ein„Nebeneinander“. Dies wird nicht nur in punkto Religion deutlich. Die Sitten, Gebräuche und jeweiligen Traditionen sind oftmals völlig unbekannt – auf beiden Seiten. Professor von Hauff, der viel im arabischen Raum unterwegs war, bestätigte dies:„Westliche Manager, die dort eingesetzt werden, bewegen sich schnell nur noch in ihren Kreisen“. Gemeint sind damit die Hotels, Sportplätze etc..„Fehlendes Wissen über andere“, so Hauff weiter, „kann schnell zu Missverständnissen und Vorurteilen führen“. Hinzu kommen noch fehlende oder nur mangelhafte Sprachkenntnisse. Dies wird als größter„Integrationshemmer“ in Deutschland gesehen. Die Konsequenz ist, dass Jugendliche ohne ausreichende Deutschkenntnisse keinen entsprechend hohen Schulabschluss schaffen und entsprechend schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Peter Friedrich kritisierte, dass der Bund zwar bereit ist, Geld zu investieren, damit gewährleistet wird, dass schon im Kindergarten die sprachliche Förderung von Einwanderern geregelt ist, es aber bei manchen Ländern und Kommunen an Ansprechpartnern an den ausführenden Stellen fehle. Für die ausländischen Mitbürger stellt ihre Sprache jedoch auch einen Teil ihrer Identität dar und kann deshalb nicht ohne weiteres einfach aufgegeben werden. Im Rahmen der anschließenden Diskussion wurde hauptsächlich die schlechte Finanzierung von Sprachförderungsprojekten an Kindergärten und Schulen beklagt. Ismail Yumusaklar wies nochmals auf den Konstanzer TürkischDeutschen Arbeitskreis hin, wobei nicht nur die gegenseitigen Glaubenseinrichtungen besucht werden, sondern auch eine gute Betreuung von neuen Mitbürgern organisiert ist. Das Fazit, auf das sich die Podiumsgäste einigten war: Die Aufnahme fremder Kulturen ist eine Bereicherung unseres Lebens und ein beständiges voneinander lernen. Senay Duzcu, ehemalige Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung und einzige türkische weibliche Stand-Up Comedian in Deutschland, verarbeitete die Ergebnisse der Diskussion in einer Kabarett-Aufführung anschließend am Beispiel von Alltagssituationen.