Dezember 2007 2020 Analysen, Konzepte, Diskurse für ein soziales Deutschland Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Deutschland im Jahr 2020: Eine freie, solidadirekt rische und kinderfreundliche Gesellschaft mit gleichen Chancen der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Teilhabe unabhängig von Geschlecht und Herkunft; ein E e l i e n be e nd s ig o e D z e i m a o l k e raZukunft für Deutschland tie mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern; Michael Dauderstädt 1 eine nachhaltig wachsende Wirtschaft mit guter Arbeit für alle; ein vorsorgender Sozialstaat, der mehr Bildung und Gesundheit ermöglicht; ein Land, das in Europa und der Welt Verantwortung für Frieden und sozialen Fortschritt übernimmt. Für dieses soziale Deutschland arbeiten wir. • Die Friedrich-Ebert-Stiftung wird im Rahmen des Projekts„Zukunft 2020“ zu den wichtigsten Herausforderungen Antworten entwickeln und vorstellen. 2006 führte die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Umfrage durch, die ein erschreckendes Ausmaß an Zukunftsangst und Verunsicherung in Deutschland enthüllte. 2 Viele Befragte äußerten ein Gefühl der Verarmung und hatten das Vertrauen in die Politik verloren. Woher kommt dieses Bewusstsein? Neben realen Problemen wie niedriges Wachstum, Massenarbeitslosigkeit und staatlicher Finanzschwäche hat die Verarbeitung und Interpretation dieser Themen durch Wissenschaft, Medien und Politik die Stimmung der Hilflosigkeit verstärkt. • Wir wollen Wege in eine soziale und nachhaltige Zukunft für Deutschland aufzeigen Auf einen Blick und dazu passende Strategien und Politiken Deutsche Zukunftsstudien: Profitabler Pessimismus erarbeiten. Trotz Aufschwung herrscht noch • Unsere Analys Z e u n kun d fts K a o n n g z s e t p in te D w eu er t d sc e h n la w n i d r . Zu tief zum Gegen h st a a b n e d n e W in i e ss s e b n r s e c i h te a n ft, g M es e e d lls ie c n ha u f n td Politik im öffentlichen Bewusstsein verankert, lichen Diskurses mit Politik, Gewerkschaften, dass die Herausforderungen der GlobaliWirtschaft, mit Fachleuten und Öffentlichkeit sierung, Demografie und Staatsverschulmachen. dung nur durch weniger Konsum und mehr Arbeit zu bewältigen seien. Mehr Informationen D zu ie V se er m an p st r a o lt fi un ta g b en le u n n P d e P s u s b im lik i a sm us tritt tionen, die Teil d d a ie s s P es ro P j r e o k je t k „ ts Zu si k n u d n , f fi t n 2 d 0 en 20 S “ ie d u e n r te F r riedrichwww.fes.de/zukunft20 E 2 b 0 ert-Stiftung entgegen, das Wege in eine soziale Zukunft für Deutschland weisen will. Pessimistische Zukunftsvisionen hatten in den letzten Jahren Konjunktur in Deutschland. Der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bezweifelte, ob Deutschland noch zu retten sei. 3 Meinhard Miegel, Direktor eines weiteren einflussreichen Instituts(für Wirtschaft und Gesellschaft), spricht von den„geplatzten Wohlstandsillusionen“. 4 Bernd Raffelhüschen, Berater der Regierung, der liberalen Initiative für eine neue soziale Marktwirtschaft und von Versicherungen, sieht in Deutschland einen Flächenbrand und seine Generationenbilanzen als Brandmelder. 5 Auch der Managerkreis der FES spottete„Deutschland – ein Trägheitsmärchen“. 6 Daran Dezember 2007 direkt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Eine soziale Zukunft für Deutschland Michael Dauderstädt 1 2006 führte die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Umfrage durch, die ein erschreckendes Ausmaß an Zukunftsangst und Verunsicherung in Deutschland enthüllte. 2 Viele Befragte äußerten ein Gefühl der Verarmung und hatten das Vertrauen in die Politik verloren. Woher kommt dieses Bewusstsein? Neben realen Problemen wie niedriges Wachstum, Massenarbeitslosigkeit und staatlicher Finanzschwäche hat die Verarbeitung und Interpretation dieser Themen durch Wissenschaft, Medien und Politik die Stimmung der Hilflosigkeit verstärkt. Auf einen Blick Trotz Aufschwung herrscht noch Zukunftsangst in Deutschland. Zu tief haben Wissenschaft, Medien und Politik im öffentlichen Bewusstsein verankert, dass die Herausforderungen der Globalisierung, Demografie und Staatsverschuldung nur durch weniger Konsum und mehr Arbeit zu bewältigen seien. Diesem profitablen Pessimismus tritt das Projekt„Zukunft 2020“ der FriedrichEbert-Stiftung entgegen, das Wege in eine soziale Zukunft für Deutschland weisen will. Deutsche Zukunftsstudien: Profitabler Pessimismus Pessimistische Zukunftsvisionen hatten in den letzten Jahren Konjunktur in Deutschland. Der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bezweifelte, ob Deutschland noch zu retten sei. 3 Meinhard Miegel, Direktor eines weiteren einflussreichen Instituts(für Wirtschaft und Gesellschaft), spricht von den„geplatzten Wohlstandsillusionen“. 4 Bernd Raffelhüschen, Berater der Regierung, der liberalen Initiative für eine neue soziale Marktwirtschaft und von Versicherungen, sieht in Deutschland einen Flächenbrand und seine Generationenbilanzen als Brandmelder. 5 Auch der Managerkreis der FES spottete„Deutschland – ein Trägheitsmärchen“. 6 Daran WISO direkt Dezember 2007 Friedrich-Ebert-Stiftung hat selbst der Aufschwung wenig geändert: Horst einer tiefen Krise stecke. 11 Angesichts der offenW. Opaschowski, wissenschaftlicher Leiter der sichtlich vorhandenen Fähigkeit Deutschlands, Stiftung für Zukunftsfragen, stellt in seinem neu- auf den Weltmärkten Absatzerfolge zu erzielen, esten Buch fest:„Die Deutschen werden ärmer.“ 7 hat er immer fragwürdigere Theorien entwickelt Selbst das Wissenschaftszentrum Berlin befürch(pathologischer Exportboom), um seine Hypotet:„Man wird die Zukunftsfähigkeit Deutschthese zu retten, mit der er die Notwendigkeit lands nicht gegen oder ohne die Politik sichern drastischer Kürzungen bei Löhnen und Sozialkönnen, durch sie aber auch nicht.“ 8 transfers begründet. Aber neben ihm gibt es eine Dagegen nehmen sich einige ZukunftsstuFülle von Publikationen, die in der zunehmenden dien aus wirtschaftsnahen Institutionen geradeglobalen Verflechtung und im Aufstieg Chinas zu optimistisch aus. Die Deutsche Bank Research und Indiens nur eine Bedrohung und keine sieht zumindest positive Szenariooptionen. 9 Das Chance sehen. 12 Institut der deutschen Wirtschaft glaubt„Der Sowohl theoretisch wie empirisch ist diese Wohlstand hat Zukunft“. 10 Aber hier muss – wie Sichtweise kaum zu halten. 13 Aus der Sicht auch bei Hans-Werner Sinn und anderen – eine Deutschlands als Volkswirtschaft muss es darum bessere Zukunft durch Lohnzurückhaltung und gehen, die Austauschverhältnisse im AußenhanRückbau des Sozialstaats erkauft werden. Der an- del zu erhalten oder zu verbessern. Wenn wir sogeblich aufgeblähte, nicht mehr finanzierbare gar mit wenig Arbeitseinsatz so viel exportieren, deutsche Wohlfahrtsstaat ist der größte gemein- dass wir unseren Importbedarf befriedigen könsame Nenner aller Studien. nen, so ist unser Wohlstand nicht gefährdet, sonEs sind vor allem drei Entwicklungen, die die- dern gesteigert. Eine andere Frage ist die Verteise apokalyptischen Visionen nähren: lung der so erzielten Wohlstandsgewinne. Hier 1. die Globalisierung, haben wir ein Problem, da derzeit die Kapitaleig2. die Demografie und ner überproportional profitieren und auch die 3. die Staatsverschuldung. eingesparte Arbeit in Form von Arbeitslosigkeit Alle drei Entwicklungen sind nicht neu. Eine ungleich verteilt wird. ähnliche Angstwelle rollte schon um 1980 durch 2. Demografie: Steigende Lebenserwartung Deutschland. Auch damals schien die internatio- ist eine gute Sache. Über die Beurteilung einer nale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Die Politik- geringeren Geburtenrate kann man sich eher empfehlungen(etwa das Lambsdorff-Papier von streiten, aber es gibt durchaus Gründe(Ökologie, 1982, das das Ende der sozialliberalen Koalition Ressourcenknappheit, eventuell Jobknappheit), und die Ära Kohl einläutete) forderten damals auch in ihr eher eine positive Entwicklung zu schon ähnlich wie heute eine Reform des Wohl- sehen. Was die Pessimisten umtreibt, ist die Sifahrtsstaates. Ein bisschen Reform gab es in der cherheit der Renten – zumindest in einer Überangekündigten„Wende“ damals auch schon. gangsphase, in der geburtenstarke Jahrgänge in Aber Ende der 1980er Jahre waren die Zweifel den Ruhestand treten. Später sterben auch sie weitgehend vergangen. Dann kamen die deut- und machen Rentnergenerationen Platz, denen sche Einheit, der weitere Ausbau des Wohlfahrts- wieder relativ größere aktive Alterskohorten von staates(z.B. Pflegeversicherung) und eine Stagna- Beitragszahlern gegenüberstehen. Aber selbst in tionsphase mit der Folge weiter steigender Staats- den schlimmsten Szenarien wird die Belastung verschuldung. der wirtschaftlich aktiven Altersgruppe nie dazu Demografie und Globalisierung entwickeln führen, dass ihre reale Kaufkraft und damit ihr sich seit langem teils kontinuierlich, teils in grö- Wohlstand im Vergleich zu früheren Generaßeren Sprüngen, jedoch immer in die gleiche tionen sinken. Die Produktivität wird höchstRichtung: eine zunehmende Alterung der Gesell- wahrscheinlich weiter stärker wachsen als die schaft und mehr internationale ökonomische In- Abgabenquote. Die panischen Generationenbitegration. Gibt es Gründe, alles heute pessimisti- lanzen von Raffelhüschen& Co. hätten wahrscher zu sehen statt anzunehmen, dass Deutsch- scheinlich auch 1960 eine beängstigende impliland die notwendigen Anpassungen auch weiter zite Staatsschuld ergeben. Sie wurde durch eine schaffen wird? entsprechend höhere Steuer- und Abgabenbe1. Globalisierung: Vor allem für Hans-Werner lastung vermieden, ohne dass Deutschland abSinn bildete die verlorene Wettbewerbsfähigkeit gebrannt wäre. 2 den Kern seiner Annahme, dass Deutschland in Wirtschafts- und Sozialpolitik WISO direkt Dezember 2007 3. Staatsverschuldung: Aber auch ohne die durch die Abwertung des US-Dollars und die implizite Staatsschuld sehen die Pessimisten Kursverluste der erworbenen Vermögenswerte schon schwarz, wenn sie nur die explizite Staats(z.B. Blackstone) ständig an Kaufkraft. verschuldung von etwa 1,5 Billionen€(ca. 67% 2. Mehr arbeiten für die Demografie : Die des Bruttoinlandsproduktes) sehen. In der Tat beiden meist vorgeschlagenen Lösungen fordern zwingt dieser Schuldenberg den Staat, einen geden Aufbau einer kapitalgedeckten Vorsorge und wichtigen Teil seiner Einnahmen für Zinsen aufmehr Arbeit der aktiven Alterskohorte durch zuwenden. Eine Tilgung in größerem Umfang mehr Beschäftigte(zusätzliche Immigration, höerwartet kaum jemand ernsthaft. Wo sie – wie in here Frauenerwerbsquote, niedrigere Arbeitsloeinigen Kommunen – erfolgte, gelang sie durch sigkeit) und längere Arbeitszeit(vor allem auch Verkauf von öffentlichem Vermögen, das dem Lebensarbeitszeit). Mehr Sparen heute hilft aber Staat zwar Geld einbrachte, aber seine Vermöspäter nur, wenn entsprechend investiert wird gensbilanz nicht verbesserte. 14 Aber wäre Deutschund diese Investitionen die Produktivität der land wirklich besser dran ohne diese Schulden? künftigen Angebotserstellung von Gütern und Wäre es etwa besser, wenn Ostdeutschland noch Dienstleistungen erhöhen. Sonst werden die andie DDR-Infrastruktur hätte? gesparten Vermögenswerte in Zukunft nur ein Die deutsche Verschuldung ist auch nicht knappes und teures Angebot vorfinden und ihre gerade exorbitant. Sie liegt nur etwas über dem Kaufkraft entsprechend sinken. Nur steigende Niveau der USA und dem europäischen DurchProduktivität und/oder Arbeitsinput der aktiven schnitt. Eine mehrjährige Wachstumsphase ohne Generation wird den Lebensstandard der Rentner Neuverschuldung drückt die Schuldenquote sichern. Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätspürbar, wie schon der jüngste Aufschwung zeigt. ze für alle Menschen, die heute Arbeit suchen, Wirtschaftswachstum entsteht nicht dadurch, würden das Problem schon weitgehend entschärdass Schulden um jeden Preis vermieden werden, fen. Aber die Entscheidung zwischen Erwerbswie man am Beispiel USA sieht. arbeit und realer Rentenhöhe muss abwägen, wie viel den Menschen die Freizeit und – vielleicht Die üblichen Politikempfehlungen: Aufforderung zur Armut noch wichtiger – die Zeit für Nichterwerbsarbeit, etwa zur Pflege eines alten Verwandten, wert ist. Die Fixierung auf Geldeinkommen und die dafür auf dem Markt erhältlichen Güter und Die angeblich so dramatischen Probleme verblasDienstleistungen blenden andere Komponenten sen aber gegenüber den Maßnahmen, die zu ihmenschlicher Wohlfahrt aus. rer Lösung empfohlen werden, die teils drako3. Sparen gegen die Staatsverschuldung : nisch, teils fragwürdig und oft beides sind. Eine strenge Sparpolitik soll den Haushalt kon1. Kostensenkung in der Globalisierung: solidieren. Im Kern geht es dabei oft um UmverLöhne und Steuern sollen runter, damit unsere teilung. Der Schutz der Schwächeren soll reduExporte noch billiger werden und das Kapital ziert werden. Öffentliche Güter sollen nicht mehr nicht abwandert. Ein noch höherer Exportfrei zugänglich sein, was die Reichen kaum stört, überschuss wäre die Folge, der letztlich eine Eurodie Armen aber ausschließt. Sicher kann so manAufwertung nach sich ziehen würde, wie man sie che Mitnahme vermieden und eine effizientere jetzt schon beobachten kann. Der Ruf nach der Nutzung ermöglicht werden. Ohne Kompensanächsten Runde des Gürtel-enger-schnallens ist tion über das Steuersystem(die den Staatshausdann schon vorprogrammiert; denn jetzt muss halt allerdings wieder belasten würde) führt das die Aufwertung durch weitere Lohnsenkungen nur zu einer geringeren Nachfrage der ärmeren kompensiert werden. Aber der Außenhandel Bevölkerung. Sie dämpft eventuell das Wachstum dient nicht der Vollbeschäftigung, sondern der und verringert die Staatseinnahmen. Gerade Ermöglichung von Importen. Vollbeschäftigung Deutschland hat sich so in den letzten Jahren durch Exportwachstum wäre nur um den Preis prozyklisch immer tiefer ins Defizit gespart. Und massiver Wohlstandsgeschenke an das Ausland wozu? Eine echte Entschuldung würde künftige herzustellen. China macht diesen Unsinn vor: Generationen nur in dem Maß entlasten, wie das Seine durch Importverzicht aufgehäuften giganfrei gesetzte Kapital produktiv investiert würde. tischen Devisenreserven verlieren inzwischen Geschieht dies nicht, würde es die Vermögens3 WISO direkt Dezember 2007 Friedrich-Ebert-Stiftung preise nach oben treiben. Künftige Generationen müssten in diesem Fall die mit den Vermögenspreisen wachsenden Renditeerwartungen mit niedrigeren Reallöhnen befriedigen. Zukunft für Deutschland: Sozialer Optimismus Der Pessimismus ist profitabel. Die Probleme sind anscheinend immer nur zu lösen, wenn die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer werden – durch weniger Einkommen und/oder weniger Freizeit. Das ist ökonomischer Unsinn, denn Wachstum, das nur auf der Nachfrage einer immer schmaleren Schicht von Reichen gründet, ist nicht nachhaltig. Das ist aber auch politisch nicht mehr zu verkaufen. Die Welle liberaler Propaganda hat den Zenith ihrer Glaubwürdigkeit überschritten. Aber der Gegenentwurf darf nicht nur die Gesinnung sozialer Gerechtigkeit atmen, er muss auch die Verantwortung für handfeste wirtschaftliche Entwicklung übernehmen. Das FES-Zukunftsprojekt arbeitet an diesem Gegenentwurf. Sein wirtschaftspolitischer Ansatz konzentriert sich auf die realen Schlüsselgrößen der Wohlstandsentwicklung: Arbeit und Produktivität. Aber er berücksichtigt, dass Arbeit mehr ist als Erwerbsarbeit. Freizeit, Zeit für Sorgearbeit und menschliche Arbeitsbedingungen sind gleichwertige Bestandteile von Wohlfahrt. Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, zwischen diesen Komponenten abzuwägen. Abzuwägen ist ebenfalls, inwieweit auch Menschen, die aufgrund von Alter, Behinderung oder anderen Belastungen weniger produktiv sind, zur Erwerbsarbeit angehalten werden sollen. Unser Ansatz geht davon aus, dass Produktivität Wohlstand mehrt, aber nur dann, wenn jenseits von Preiseffekten und unmenschlicher Intensivierung der Arbeit der reale Output pro Arbeitsstunde quantitativ und/oder qualitativ steigt. Gute Arbeit ist im Zweifelsfall die produktivere Arbeit. Produktivität, deren Wertschöpfung auf der Ausplünderung des Verbrauchers durch schlechte Qualität und vermachteten Märkte beruht, ist nicht sozial. Für die Steigerung der sozialen Produktivität sind öffentliche und private Investitionen in Menschen, Anlagen und Infrastruktur, Innovation und Strukturwandel nötig. Unser Ansatz sucht einen Wachstumspfad, bei dem die ärmeren Menschen durch Integration ins Beschäftigungssystem und höhere Produktivität mehr zur Wertschöpfung beitragen und so das Einkommen erzielen, um mehr zu konsumieren. Wir vermuten weder dogmatisch, dass der Staat alles besser kann, noch, dass er alles schlechter macht als der Markt und private Unternehmen. Wir sehen Steuern und Abgaben nicht als Enteignung, sondern als den notwendigen Preis für eine effiziente Versorgung mit öffentlichen Gütern und eine angemessene Risikovorsorge. Anstrengungen, um die Produktivität zu verbessern, sind sowohl im Staat wie in der Wirtschaft nötig und erhöhen im Erfolgsfall immer den gesellschaftlichen Wohlstand. Soziale Produktivität ist auf eine intelligente Arbeitsteilung zwischen Staat, Markt, Bürgergesellschaft und Familie(nicht nur den Frauen!) angewiesen. 1 Michael Dauderstädt ist Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. 2 Vgl. Gero Neugebauer„Politische Milieus in Deutschland. Die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung“, Bonn 2007, S. 28 ff. 3 Hans-Werner Sinn„Ist Deutschland noch zu retten?“, München 2003(4. Auflage). 4 Meinhard Miegel„Die deformierte Gesellschaft“, Berlin-München 2002, S. 256 ff. 5 Christian Hagist, Bernd Raffelhüschen, Olaf Weddige„Brandmelder der Zukunft – Die Generationenbilanz 2004“(http://www.vwl.uni-freiburg.de/fakultaet/fiwiI/publikationen/142.pdf). 6 Ulrich Pfeiffer(Federführung)„Deutschland in den nächsten 30 Jahren: die Zukunft gestalten. Positionspapier zum Kongress des Managerkreises“, Berlin 2001, S. 13. 7 Horst W. Opaschowski„Minimex. Das Zukunftsmodell einer sozialen Gesellschaft”, Gütersloh 2007, S. 57ff. 8 Jürgen Kocka(Hrsg.)„Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Sozialwissenschaftliche Essays. WZB-Jahrbuch 2006, Berlin 2007, S. 20. 9 Deutsche Bank Research„Deutschland im Jahr 2020. Neue Herausforderungen für ein Land auf Expedition“(www.dbresearch.de/PROD/ DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000209842.pdf). 10 Institut der deutschen Wirtschaft(Hrsg.)„Vision Deutschland. Der Wohlstand hat Zukunft“ Köln 2005. 11 Vgl. Sinn, a.a.O., S. 57ff. 12 Vgl. stellvertretend für viele Apokalyptiker Gabor Steingart„Weltkrieg um Wohlstand: Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden“, München 2006. 13 Für eine ausgezeichnete Kritik aus unverdächtiger Ecke(Institut der deutschen Wirtschaft) siehe Jürgen Matthes„Weltkrieg um Wohlstand und pathologischer Exportboom? Warum Deutschland auch weiterhin von der Globalisierung profitiert.“ Köln 2007. 14 Es sei denn, die privaten Käufer wären bereit(gewesen), mehr zu zahlen, als der zu erwartende Einkommensstrom(der dem Staat ja künftig entgeht) wert ist. 4 Impressum:© Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeber: Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung Godesberger Allee 149 53175 Bonn Fax 0228 883 398 www.fes.de/wiso ISBN: 978-3-89892-835-9 WISO direkt Dezember 2007 Friedrich-Ebert-Stiftung preise nach oben treiben. Künftige Generationen müssten in diesem Fall die mit den Vermögenspreisen wachsenden Renditeerwartungen mit niedrigeren Reallöhnen befriedigen. Zukunft für Deutschland: Sozialer Optimismus Der Pessimismus ist profitabel. Die Probleme sind anscheinend immer nur zu lösen, wenn die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer werden – durch weniger Einkommen und/oder weniger Freizeit. Das ist ökonomischer Unsinn, denn Wachstum, das nur auf der Nachfrage einer immer schmaleren Schicht von Reichen gründet, ist nicht nachhaltig. Das ist aber auch politisch nicht mehr zu verkaufen. Die Welle liberaler Propaganda hat den Zenith ihrer Glaubwürdigkeit überschritten. Aber der Gegenentwurf darf nicht nur die Gesinnung sozialer Gerechtigkeit atmen, er muss auch die Verantwortung für handfeste wirtschaftliche Entwicklung übernehmen. Das FES-Zukunftsprojekt arbeitet an diesem Gegenentwurf. Sein wirtschaftspolitischer Ansatz konzentriert sich auf die realen Schlüsselgrößen der Wohlstandsentwicklung: Arbeit und Produktivität. Aber er berücksichtigt, dass Arbeit mehr ist als Erwerbsarbeit. Freizeit, Zeit für Sorgearbeit und menschliche Arbeitsbedingungen sind gleichwertige Bestandteile von Wohlfahrt. Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, zwischen diesen Komponenten abzuwägen. Abzuwägen ist ebenfalls, inwieweit auch Menschen, die aufgrund von Alter, Behinderung oder anderen Belastungen weniger produktiv sind, zur Erwerbsarbeit angehalten werden sollen. Unser Ansatz geht davon aus, dass Produktivität Wohlstand mehrt, aber nur dann, wenn jenseits von Preiseffekten und unmenschlicher Intensivierung der Arbeit der reale Output pro Ar A be n its a st l u y n s d e e n q , u K an o ti n ta z ti e v p u t n e d , /o D de is r k q u u r al s it e ativ ste f i ü gt r . G e u i t n e A s r o be z it ia is l t e im s D Zw e e u ife t l s sf c al h l l d a ie n p d roduktivere Arbeit. Produktivität, deren Wertschöpfung auf der Ausplünderung des Verbrauchers durch schlechte Qualität und vermachteten Mä P r u k b te lik b a er t u io h n t e , i n s : t nicht sozial. Für die Steigerung de • r so W zi a a s le w n ir P D r e o u d t u sc k h ti l v an it d ät sc s h in u d lde ö n ff ( e W nt IS li O ch d e ire u k n t d ) pri • vat V e o I r n so v r e g s e ti n ti d o e n r e S n oz in ial M sta e a n t sc – hen, Anlagen und Infras Z t u ru k k u t n u f r t , de In s n S ov zi a a t l i s o ta n ate u s n ? d (W S I t S r O uk d t i u re rw kt a ) ndel nö • tig. E U in n e s e e u r r A o n pä sa is t c z h s e u E ch in t k e o i m ne m n e W ns a p c o h li s t t ik um fü s r p m fa e d h , r bei de W m ac d h i s e tu ä m rm u e n r d en Ge M re e c n h s t c ig h k e e n it d (W ur IS ch O d In ir t e e k g t r ) atio • n i Z n u s sa B m es m ch en äf . t L ig e u b n en g . ss L y e s r t n e e m n. u B n ildu h ng ö s h s e y r s e te P m ro in duktiv e i n tä e t r E m in e w h a r nd zu er r un W gs e g rt e s s c e h ll ö sc p h fu af n t g beitragen und s (D o o d k a u s m E e i n n t k a o ti m on m d e e n s N e e rz tz ie w le e n rk , B u i m ldu m ng e ) hr zu ko • nsu Z m uk ie u r n e f n t . des Sozialstaats – Sozialpolitik W (W ir IS v O er D m is u k t u e r n s) weder dogmatisch, dass der Sta • at a Z l u le k s u b n e ft ss d e e r s k S a o n z n ia , l n st o a c a h ts , d – a B ss es e c r h a ä ll f e ti s g s u c n h g le schter m u a n ch d t A a rb ls ei d ts e m r a M rk a t r p k o t li u ti n k d (W p I r S i O va D te isk U u n rs te ) rnehmen. Wir sehen Steuern und Abgaben nicht als • Zukunft des Sozialstaats – Bildungs- und Enteignung, sondern als den notwendigen Preis Familienpolitik(WISO Diskurs) für eine effiziente Versorgung mit öffentlichen • Sozialstaatsstrategie und Beschäftigung im Gütern und eine angemessene Risikovorsorge. europäischen Vergleich(WISO Diskurs) Anstrengungen, um die Produktivität zu verbessern, sind sowohl im Staat wie in der Wirtschaft Veranstaltung: nötig und erhöhen im Erfolgsfall immer den ge• Qualität für die Kleinen – Investition in die Zukunft sellschaftlichen Wohlstand. Soziale ProduktiviAnsätze für eine nachhaltige Qualitätsentwicklung tät ist auf eine intelligente Arbeitsteilung zwischen in S K ta in a d t, er M ta a g r e k s t s , tä B tt ü e r n gergesellschaft und Familie E (n rw ic a h c t hs n e u n r e d n e ta n g F e r s a w u e e r n k ! s ) ta a t n t g a e m wi M es o e n n t . ag, den 11. Februar 2008, 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr in Berlin 1 Michael Dauderstädt ist Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. 2 Vgl. Gero Neugebauer„Politische Milieus in Deutschland. Die Studie der F E ri i e n d e ric n hÜ Eb b e e rt r -S b t l i i f c tu k ng z “ u , r Bo Z n u n k 2 u 00 n 7 f , t S. d 2 e 8 r ff d . eutschen Außenbezie3 Hans-Werner Sinn„Ist Deutschland noch zu retten?“, München 2003(4. A h u u fl n ag g e e ). n finden Sie unter: www.fes.de/kompass2020 4 Meinhard Miegel„Die deformierte Gesellschaft“, Berlin-München 2002, S. 256 ff. 5 Christian Hagist, Bernd Raffelhüschen, Olaf Weddige„Brandmelder der Zu N ku e n b f e t – n D e ie in G e en m erat z io u n s e a n m bil m an e z n 20 f 0 a 4 s “ se (h n tt d p: e // n ww B w e .v it w r l a .u g ni„ fre D ieutschburg.de/fakultaet/fiwiI/publikationen/142.pdf). land in den internationalen Beziehungen – Ziele, Instru6 Ulrich Pfeiffer(Federführung)„Deutschland in den nächsten 30 Jahren: die Zukunft gestalten. Positionspapier zum Kongress des Managerkreises“, Berlin 2001, S. 13. mente, Perspektiven“ von Jochen Steinhilber wird in 7 Horst W. Opaschowski„Minimex. Das Zukunftsmodell einer sozialen Gese r l u lsc n h d aft 3 ”, 0 Gü T t e e i r l s s lo tu h d 20 ie 0 n 7, S ü . b 57 e ff r . Deutschlands Ziele, Rolle und 8 Jürgen Kocka(Hrsg.)„Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Sozialwissenschaftliche Essays. WZB-Jahrbuch 2006, Berlin 2007, S. 20. Strategien in den internationalen Beziehungen infor9 Deutsche Bank Research„Deutschland im Jahr 2020. Neue Herausforderungen für ein Land auf Expedition“(www.dbresearch.de/PROD/ DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000209842.pdf). miert. Szenarien veranschaulichen, welche Entwicklung 10 Institut der deutschen Wirtschaft(Hrsg.)„Vision Deutschland. Der Wohlstand hat Zukunft“ Köln 2005. das Politikfeld oder die Region in den kommenden 11 Vgl. Sinn, a.a.O., S. 57ff. 12 Vgl. stellvertretend für viele Apokalyptiker Gabor Steingart„Weltkrieg um W 15 oh J ls a ta h n r d e : n W n ie e M h a m ch e t u n n k d ö Re n ic n h t t e u . m neu verteilt werden“, München 2006. 13 Für eine ausgezeichnete Kritik aus unverdächtiger Ecke(Institut der deutschen Wirtschaft) siehe Jürgen Matthes„Weltkrieg um Wohlstand und pathologischer Exportboom? Warum Deutschland auch weiterhin von der Globalisierung profitiert.“ Köln 2007. 14 Es sei denn, die privaten Käufer wären bereit(gewesen), mehr zu zahlen, als der zu erwartende Einkommensstrom(der dem Staat ja künftig entgeht) wert ist. Impressum www.fes.de/zukunft2020 4 Impressum:© Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeber: Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik Ansprechpartner: E-Mail: zukunft2020@fes.de der Friedrich-Ebert-Stiftung Godesberger Allee 149 53175 Bonn Fax 0228 883 398 www.fes.d D e r. / M w i i c s h o ael Dauderstädt ISBN: 978-3-89892-835-9 Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik