Referat Asien und Pazifik Ursachen und Konsequenzen des Hochwassers in Indonesien von H.J. Esderts, Friedrich-Ebert-Stiftung Indonesien Jakarta, 6. Februar 2002 Das„Jahrhunderthochwasser“ von Jakarta bedeutet für viele Betroffene eine zusätzliche Bürde, die für weite Teile der Bevölkerung existenz-bedrohende Formen anzunehmen scheint. weggeschwemmt worden; gelegentlich auch Kinder und alte Menschen, die sich selbst nicht helfen konnten. Zahlreiche Opfer haben den Tod durch Stromschlag gefunden. Mitten in der seit 1997 anhaltenden Wirtschafts- und Sozialkrise wurden weite Teile des Landes von ungewöhnlich starken Regenfällen heimgesucht. Niemand erinnert sich hier an zurückliegende Überschwemmungen dieses Ausmaßes. Besonders betroffen sind die ohnehin bettelarmen Bewohner der an den Flüssen und Kanälen gelegenen slumartigen Siedlungen. Vielen Bewohnern dieser Gebiete wurde vor kurzer Zeit erst die Behausung durch die Stadtverwaltung zerstört, da sie ohne Genehmigung errichtet worden waren. Dies geschah kurz vor dem höchsten Feiertag der Moslems, dem Id ul Fitri Fest. Hoffnungslosigkeit der Betroffenen und Hilflosigkeit der Behörde, die zuvor so übereifrig einen Teil der flussnahen Häuser zerstören ließ, bilden die schlechteste Voraussetzung, um die Katastrophe abzuwenden. Einzig die nachbarschaftliche Hilfe und die Unterstützungsleistungen der NROs setzen positive, jedoch im Vergleich zum Ausmaß der Schäden geringe Signale. Die Verluste gehen weit über Behausung hinaus: Einrichtungen, Bekleidung, Papiere und Unterlagen sind Die Ursachen Wie in weiten Teilen der Welt, so hat auch in Indonesien die drastische Dezimierung der Wälder insbesondere in den Bergen unweit der Hauptstadt wesentlich dazu beigetragen, dass das Wasser dort nicht schwammartig gehalten wird, sondern unter Mitnahme von Erdreich die Flüsse herunter stürzt. Ein Teil der Sedimente bleibt im Fluss und verflacht das Flussbett. Als Folge davon steigt der Fluss über seine Ufer. Strenge Bauvorschriften gegen das Bebauen der Bergregion konnten mit Hilfe korrupter Beamter umgangen werden. Sogar in geschützten Feuchtzonen in Jakartas Norden wurden Baugenehmigungen größeren Umfangs erteilt. Die Wasseraufnahmefähigkeit des Einzugsgebietes wurde dadurch drastisch reduziert. Tiefer gelegene städtische Gebiete sind so eng bebaut und zubetoniert worden, dass das Regenwasser kaum noch versickern kann. Ein ehemals durch die Holländer angelegtes Kanal- und Schleusensystem regelte seit Jahrhunderten den Wasserstand Jakartas, das zu immer- hin 65% niedriger als der Meeresspiegel liegt. Dieses System funktioniert zwar noch, wird aber nicht professionell gehandhabt und kaum gewartet. Hinzu kommt, dass die Kanäle zur„Müllkippe der Stadt“ verkommen, denn städtische und private Müllabfuhr vermeiden gern den langen Weg zur offiziellen JakartaMülldeponie in Bekasi. Der Müll reduziert die Fliessgeschwindigkeit und blockiert gelegentlich die Entwässerung einzelner Stadtgebiete. Die Konsequenzen Zu dem hinreichend in den Medien dargestellten menschlichen Elend muss mit politischen und ökonomischen Konsequenzen gerechnet werden. Zivilgesellschaftliche Gruppen kritisieren insbesondere die Stadtverwaltung und den Gouverneur mit dem Ziel, ihn aus seinem Amt zu vertreiben. Auch die Regierung der Präsidentin Megawati gerät in die Schusslinie der Kritik, da sie nicht den nationalen Notstand ausruft und damit alle verfügbaren Kräfte inklusive der des Militärs zum Einsatz kommen lässt. Ihre TV-wirksamen Auftritte vom städtischen Müllwagen herunter erinnern die Menschen nur zu sehr an die Entscheidung der Stadtverwaltung, für das Budget von zusätzlichen Müllwagen Pkws für die Abgeordneten des Stadtparlaments zu kaufen. Die wirtschaftlichen Schäden sind bisher nicht abschätzbar. Riesige Reisfelder in Westjava sind weggeschwemmt worden. Die jährlich produzierte Menge Reis reicht nicht mehr aus, insbesondere bei Katastrophen dieses Ausmaßes kommt ein erhöhter Importbedarf auf das Land zu. Darüber hinaus leidet die ohnehin schwache Infrastruktur unter der zusätzlichen Belastung: Strassen, Telefon- und Stromleitungen sowie Gebäude bedürfen der Wiederinstandsetzung. Die Kosten dürften enorm sein. Der Wasserstand sinkt, doch nun bedrohen Infektionskrankheiten die Menschen, denn die Versorgung mit Trinkwasser ist in den betroffenen Gebieten nahezu unmöglich geworden. Verantwortlich: Erwin Schweisshelm Friedrich-Ebert-Stiftung Referat Asien-Pazifik schweise@fes.de