ROBERT KAPPEL Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas I m fünften Jahr hintereinander kann Afrika südlich der Sahara 1 positive Wachstumsraten des Brutto-sozialprodukts( BSP ) vermelden. Auch die Wachstumsraten des Außenhandels sind seit einigenJahren wieder höher als der Durchschnitt der 80 er Jahre(vgl. Tabelle 1 ). Eine Reihe von Ländern hatte in den letzten vier Jahren sogar Wachstumsraten von mehr als 4 %. Kann man demnach sagen, daß die afrikanischen Länder»die Kurve gekratzt« haben, um eine Frage von Tony Killick ( 1998 )anzuführen? Oder gibt es weiterhin eine »afrika-nische Tragödie« 2 mit steigender Armut? Um es vorwegzunehmen, noch befindet sich Afrika keineswegs auf dem Weg zu»nachhaltigem Wachstum«. 3 Die Wachstumsraten Afrikas in den letzten vier Jahren sind nicht auf Produktivitätszunahmen und auch nicht auf höhere Investitionsquoten, sondern auf günstigere Weltmarktpreise, Abwertungen in den CFA -Ländern, bessere Ernten und das Ende von Bürgerkriegen zurückzuführen. Die weiteren Wachstumsaussichten sind entsprechend pessimistisch zu bewerten. 4 Selbst unter der Annahme sehr günstiger Bedingungen – niedrige Zinsen, Nettokapitalzufluß, stabile Exportpreise, niedrige Inflation und positive Effekte der Weltmarktliberalisierung – wird die Unterentwicklung andauern. Langanhaltende strukturelle Pro1. Afrika südlich der Sahara umfaßt auch die Republik Südafrika, sofern nicht anders angegeben. 2. So Easterly / Levine 1997 . 3 . So Ndulu 1998 ; vgl. auch Fischer et al 1998 . 4 . Vgl. grundlegend Walz 1998 . Tabelle 1: Wachstum und Leistungsindikatoren für Sub-Sahara Afrika, 1980–1997, in% Wachstum des BSP – SSA insg. – SSA ohne Nigeria, Südafrika und CFA-Zone – CFA-Zone Wachstum nach Sektoren – Landwirtschaft – Verarbeitende Industrie – Dienstleistungen und Handel Exportswachstum – SSA insgesamt – SSA ohne Nigeria, Südafrika und CFA-Zone – CFA-Zone 1980–1990 1990–1995 1994 1995 1996 1997 2,8 2,4 3,7 3,8 4,5 4,7 2,9 2,9 3,7 4,2 – – 2,9 1,1 2,1 4,5 5,2 5,7 2,8 1,3 2,6 3,0 – – 4,5 2,4 1,8 2,9 – – 3,6 1,9 3,0 4,1 – – 5,1 2,7 3,7 13,7 8,1 3,0 4,3 3,4 10,5 8,7 – – 6,2 1,8 0,8 25,8 Quelle: nach Killick 1998: 3 , Daten von 1996 aus UNCTAD 1997 ; World Bank; WTO ; Rodrik 1998 a. IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 39 bleme haben Spuren hinterlassen, die fortwirken. Die Wirtschaftswissenschaft spricht hier von Hysteresis. Bedingungen erfolgreicher Entwicklung: Komplexe Zusammenhänge und lange Zeitperspektiven Für die anhaltende Entwicklungskrise Afrikas werden im wesentlichen vier Erklärungsansätze angeboten: ̈ Krieg, Korruption und Klientelismus: Internationale Organisationen, die Gebergemeinschaft und einige Experten sehen in Korruption, politischen Krisen, Konflikten zwischen afrikanischen Ländern, ethnischen Auseinandersetzungen und Bürgerkriegen Gründe für die anhaltende Unterentwicklung Afrikas. 5 Sicherlich spielen diese eine Rolle. Aber der Umkehrschluß ist nicht zulässig: Die Beendigung von kriegerischen Konflikten und politischen Krisen sowie die Beseitigung von Korruption und Klientelismus würden zwar die Möglichkeiten für eine gedeihliche Zukunft Afrikas erheblich verbessern, aber es gibt keinen Automatismus»Entwicklung durch Frieden«. 6 Dies hat vor allem mit den vom zweiten Erklärungsansatz in den Vordergrund gestellten Faktoren zu tun. ̈ Inflexibilitäten: Eine andere Argumentation betont die internen wirtschaftlichen Ursachen von Unterentwicklung. So haben die Weltbank und der Internationale Währungsfonds( IWF ) in zahlreichen Veröffentlichungen vor allem auf die internen Inflexibilitäten verwiesen. 7 Wirtschaftsreformen, die Inflexibilitäten aufbrechen sollten (z. B. staatlich fixierte Wechselkurse oder monopolistische Vermarktungsgesellschaften), sind ins Stocken geraten, zum Teil wegen mangelnder Reformbereitschaft, aber auch, weil sich die strukturellen Probleme als ungleich größer als angenommen erwiesen haben. 8 ̈ Externe Schocks: Als zentrale Faktoren wurden in den letzten Jahren zudem außenwirtschaftliche Restriktionen, wie terms-of-trade-Veränderungen, Wechselkursschwankungen und Nachfrageveränderungen auf dem Weltmarkt, betont. Hinzu kommen Hungersnöte und ungünstige klimatische Bedingungen, auf die afrikanische Staaten kaum Einfluß nehmen können. ̈ Staatsversagen: Der afrikanische Staat nahm seine Rolle als Entwicklungsstaat nicht wahr, obwohl es nicht an Ideen mangelte. Im Zuge der neoliberalen Wende sollte der Staat sich auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konzentrieren, um den Marktkräften zum Durchbruch zu verhelfen. Diese rein angebotsorientierte Politik hat jedoch entscheidende Schwächen 9 , die einerseits im Marktversagen und in der Rolle der Institutionen und andererseits in der Zeitdimension zu suchen sind. 10 Die vier genannten Erklärungsansätze erfassen zentrale Probleme Afrikas, ihr Erkenntniswert ist aber unzureichend. Dies wird besonders deutlich an den jeweiligen politischen Schlußfolgerungen: 1 . Überwindung von politischen Krisen, Kriegen und Korruption. 2 . Interne Wirtschaftsreformen. 3 . Liberalisierung der Märkte. 4 . Good Governance. So notwendig dies alles auch sein mag, es weist keinen Weg zu schnellen Erfolgen. Dies wird deutlich, wenn wir die in Übersicht 1 aufgeführten grundlegenden Bedingungen für Wachstum und Entwicklung betrachten, die aufzeigen, vor welchen komplexen Problemen wir bei der Erfassung ökonomischer Realitäten stehen. Zum einen können die afrikanischen Länder aufgrund der aufgeführten Kriterien nicht nach einem einheitlichen Muster behandelt werden können(wie es bspw. bei den Strukturanpassungsprogrammen geschieht). Zum anderen wird ohne Kenntnis der miteinander verwobenen Faktoren eher wieder nach einfachen Strategien Ausschau gehalten(wie bspw. Grundbedürfnisstrategie, Austeritätsmaßnahmen, Privatisierung von Staatsbetrieben, integrierte ländliche Entwicklung). Diese sind in der Vergangenheit gescheitert und werden auch künftig Fehlleistungen hervorrufen. 5. Vgl. Easterly / Levine 1997 ; Englebert 1998 ; Engel / Mehler 1998 ; Baechler 1998 . 6. Demokratische Regime verfügen zudem offenbar kaum über höhere Wachstumsraten als Länder mit autoritären Regimes, vgl. van de Walle 1998 ; Collier 1997 . 7. Vgl. grundlegend Killick 1995 . 8. Vgl. Rodrik 1998 a. 9. Vgl. Hansohm / Kappel 1994 ; Hibou 1998 . 10. Dem Staat kommt eine weitaus aktivere Rolle zu, wie die Erfolgsmodelle Korea und Taiwan eindeutig zeigen(vgl. Brautigam 1 995 ; weitere Beiträge in Stein 1995 ). Es geht nicht um ein Zurückdrängen, sondern um eine effektive Rolle des Staates im Entwicklungsprozeß(vgl. Evans / Rueschemeyer / Skocpol 1985 ). Es scheint, daß neuerdings auch die internationalen Akteure dem Staat wieder eine aktivere Rolle zubilligen möchten(vgl. World Bank 1997 ; Stiglitz 1998 ). 40 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas IPG 1/99 Die nachfolgende Übersicht macht deutlich, wo offenbar gravierende Probleme auftreten.Ohne deren Beseitigung werden die Wachstumsraten für Afrika nicht nachhaltig sein. Da die wesentlichen beeinflußbaren Faktoren( II 1-10 ) nur mittel- bis langfristig geändert werden können, und ihre positiven Auswirkungen erst später spürbar werden, kommt es jetzt besonders darauf an, hier verstärkt anzu-setzen. Daß die meisten Länder gerade bei den Faktoren der Gruppe II wenig getan haben, wird auch anhand des Ausnahmefalls Mauritius deutlich. Mauritius hat bereits in den 60 er Jahrenbegonnen, gerade die Faktoren der Gruppe II und III systematisch zu ändern, um damit auch die strukturell wirkenden Faktoren der Gruppe I (wie einseitige Außenhandelsstruktur, kleiner Binnenmarkt) zu beeinflussen. Mauritius hat heute einen Vorsprung von ca. 30 Jahren gegenüber den meisten Ländern des Kontinents, was die Ausstattung mit Humankapital, technischem Niveau, Spar- und Investitionsquote, Effektivität von Institutionen betrifft. 11 In vielen afrikanischen Ländern kommt es langsam zu einem Umdenken bei den politisch leichter veränderbaren Variablen(Gruppe III ). Hier setzt vor allem die Weltbank an. Die Umsteuerungsprozesse gehen aber zu langsam vor sich, sie haben bei weitem nicht die Tiefe und Dynamik erreicht, um das positive Umfeld für einheimische und ausländische Investoren, für die Rückkehr von Fluchtkapital und emigrierten Experten zu schaffen. Staat, Zentralbanken, öffentliche Unternehmen, Privatbanken, Unternehmensverbände, Außenhandelsorganisationen, Marketing-Boards etc. verharren noch vor hohen selbst-errichteten Hürden und festgefahrenen Denkweisen. Nur wenn die inzwischen auch verbesserten Handlungsspielräume der unter III genannten Variablen dynamisch angepackt werden, lassen sich die unter I gefaßten schwerer beeinflußbaren Gegebenheiten auf günstigere Relationen orientieren. Ohne Veränderungen der Indikatoren von II und III werden die meisten afrikanischen Länder weiterhin in struktureller Unterentwicklung und Armut verharren. Bei weiterhin hohem Bevölkerungswachstum ist an einen Abschied vom Krisenkontinent unter den gegebenen Umständen nicht zu denken. Nur wenige Länder werden in die Phase eines Take-Offs eintreten können und auch die Faktoren der Gruppe III verändern. Der Globalisierungsprozeß verstärkt einerseits den Anpassungsdruck, eröffnet aber denjenigen Ländern, die bereit zum Umsteuern sind, auch positive Perspektiven. Vor allem Länder mit einer bereits besseren Ausgangslage sind hier natürlich in einer günstigeren Startposition. Länder ohne Anpassungsbereitschaft werden hingegen noch weiter zurückfallen und auf hohe Entwicklungshilfe angewiesen sein. Die zusätzliche Herausforderung der Globalisierung: verschlechterte Ausgangsbedingungen für Afrika Entnationalisierung engt Entwicklungsoptionen ein Kurz gefaßt läßt sich Globalisierung als zunehmende Integration von Ökonomien, verbunden mit einem weltweiten Liberalisierungsprozeß, verstehen. In diesem Prozeß spielen transnationale Konzerne eine zentrale Rolle. Zudem gibt es eine zunehmende Entkopplung von realer und monetärer Ökonomie(Finanzmärkte). Der Globalisierungsprozeß läßt soziale, ökologische und ökonomische Probleme näher aneinander rücken. Begleitet wird er von einer ungleichzeitigen Entnationalisierung, in deren Gefolge die Interventionsmöglichkeiten der Staaten abnehmen, sowie von einer Tendenz zur Regionalisierung. Zentripetale und zentrifugale Konstellationen treffen aufeinander. Insgesamt ist es ein Prozeß der Zunahme der Intensität und Reichweite grenzüberschreitender Austausch- und Interaktionsprozesse. Dazu gehört auch der kulturelle Austausch. Effiziente Finanzmärkte, Distributionssysteme und verbesserte Kommunikation lassen die Transaktionskosten sinken. Das Neue an der Globalisierung ist die Ausdehnung, Dichte und Stabilität regional-globaler Beziehungsnetzwerke, Selbstwahrnehmung dieser Transnationalität, das globale ökologische Gefahrenbewußtsein, die unausgrenzbare Wahrnehmung transkultureller Anderer im eigenen Leben und die Zirkulation»globaler Kulturindustrien«. 12 Globalisierung ist unrevidierbar. 11. Vgl. zu Mauritius Brautigam 1996 . 12. Vgl. Beck 1997 , S. 31/ 32 . IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 41 Übersicht 1: Einflußfaktoren für wirtschaftliches Wachstum Variable Wirkungen I. Kaum veränderbare Gegebenheiten 1 . Natürliche Gegebenheiten – Klima – Naturressourcen (Ausstattung mit Rohstoffen) – Binnenländer- geografische Lage – Bevölkerungswachstum – Local Entrapment 2. Niedriges Einkommen 3. Ansteckungseffekt (Contagion) 4. Binnenmärkte 5. Terms-of-TradeSchocks 6. Weltzinsniveau 7. Entfernung zu OECD-Ländern nicht oder nur schwer beeinflußbar – Auswirkungen von Wetter, natürlichen Bedingungen auf mögliches Wachstum – Gefahr der Dutch Disease – Hohe Transportkosten, geringere Gewinnmöglichkeiten im Außenhandel – führt bei niedrigem Wirtschaftswachstum zu sinkenden Pro-KopfEinkommen – in einigen Ländern Erschöpfung der lokalen Ökosysteme kann zu positivem Wachstum beitragen;»Catch-up-Hypothese« in der endogenen Wachstumstheorie; ausgelagerte»Werkbank« mit niedrigen Löhnen positiv wie negativ. Nachbarländer mit langsam wachsendem BSP haben negative Ausstrahlungseffekte; jene mit hohen Wachstumsraten strahlen positiv aus Niedrige Economies of Scale; kleine Binnenmärkte behindern Industrialisierung negative Commodity und Income TOT haben negative Auswirkungen, die bis zu Verelendungswachstum reichen können hat in den Jahren von 1970–1990 negativen Einfluß auf Wachstum gehabt hohe Transportkosten, geringe Kommunikationsdichte; komparative Vorteile können nicht voll genutzt werden II. Durch Politik langfristig beeinflußbare Faktoren 1. Spar- und Investitionsquote 2. Verschuldung 3. Kapitalflucht 4. Niveau der technischen Kompetenz 5. Ausstattung mit Humankapital – Wissensakkumulation 6. Transportkosten 7. Infrastruktur Afrika durch extrem niedrige S- und I-Quote negativ im Wachstum behindert; vorrangige Ursache ist makro-ökonomische Unsicherheit (Risiko) entmutigt in- und ausländische Investitionen; Mittel zum Ausbau von Infrastruktur, Hebung des Humankapitals erschwert volkswirtschaftliche Verluste, staatliche Steuereinnahmen reduziert; Einschränkung von Wachstumsmöglichkeiten und staatlichen Investitionen niedrige Gesamtfaktorproduktivitäten; negatives Wachstum von 1960-1995; nur wenige Ausnahmen wie Botswana und Mauritius niedriges Niveau der technischen Kompetenz behindert Wachstum hohe Transportkosten durch unzureichendes Straßennetz und regulierte Märkte Unzureichende Infrastruktur behindert Wachstum und Unternehmertum, führt zu niedriger Produktivität 42 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas IPG 1/99 8. Kommunikation 9. Exportprodukte 10. Einkommensverteilung ohne Verbindung zu internationalen Standards und keine Verbreitung im Land(Ausnahme Teile von Südafrika und Mauritius); nur in den Hauptstädten ausreichende Kommunikation vorhanden hohe Abhängigkeit von wenigen Exportprodukten führt zu eher schwachen Wachstumsimpulsen ungleiche Einkommensverteilung; fehlende Mittelschicht, niedrige Kaufkraft und niedrige I- und S-Quote III. Politisch veränderbare Variablen 1 . Finanzdienstleistungen 2. Entwicklungshilfe 3. Wechselkurse 4. Fiskal- und Geldpolitik 5. Steuerpolitik 6. Öffentliche Dienstleistungen 7. Offene Märkte 8. Institutionen: »Sozialkapital« 9. Illegalität oder Dysfunktionalität 10. Public Coice – Voice oder Exit: Abwanderung von Experten niedriges Niveau der Finanzdienstleistungen und schlecht funktionierende Finanzmärkte haben negativen Einfluß auf Wachstum sollte eigentlich positive Wirkungen zeigen; kann aber zu Dutch-DiseaseEffekten und niedrigen S- und I-Quoten beitragen überbewertete Währungen über langen Zeitraum; realistischer Wechselkurs hat positive makro-ökonomische Auswirkungen kann als»agency of restraint« fungieren und damit positive Auswirkungen haben Besteuerung von Außenhandel mit negativen Wachstumseffekten; Steuersystem insg. unzureichend positiv wie negativ je nach Qualität, meist jedoch unzureichend; zudem Klientelstrukturen haben offenbar positive Wirkungen; in vielen Ländern jedoch Anti-Exportpolitik durch Quoten, Zölle, Steuern, Marketing-Boards informeller institutioneller Rahmen mit hohen Transaktionskosten; Probleme bei Eigentumsrechten, ethnische Spannungen, Klientelismus, Korruption, politische Instabilität etc. führen zu negativen Wachstumseffekten illegale Aktivitäten behindern Wachstum; volkswirtschaftliche Verluste volkswirtschaftliche Kosten, Einschränkung von Wachstumsmöglichkeiten Erstellt auf der Basis von Killick 1998 ; Kappel 1998 b. Drei Dimensionen sind bei jener umfassenden Transformation, die mit dem Namen»Globalisierung« belegt wird, hervorzuheben: ̈ Globalisierung stellt eine inhärente Tendenz moderner kapitalistischer Entwicklung dar. Dieser Prozeß schreitet weiter voran. ̈ Neu ist dabei die Krise des Wohlfahrts- und Interventionsstaates, so auch des Entwicklungsstaates in Afrika. Dieser ging als importierter Staat aus der Kolonialzeit hervor und erfährt im Zuge der Globalisierung und der Liberalisierungs- und Privatisierungsprogramme der Weltbank und des IWF eine doppelte Entnationalisierung. Sie schlägt sich nieder in der Erosion von Währungssouveränität und einer zunehmenden Privatisierung des Staates und auch des Staatsterritoriums durch private Unternehmen(siehe Shell in Nigeria, die Ölindustrie in Angola und Gabun oder die Diamantenfelder in Sierra Leone und Zaire). 13 ̈ Besonders relevant ist die neue Kommunikationsrevolution, die zu einer grundlegenden Veränderung der Bedeutung des Raumes und 13. Vgl. Frynas 1998 ; Misser / Vallée 1997 . IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 43 damit des staatlichen Territoriums führt und auch kriminellen Organisationen ein breites Aktionsfeld eröffnet. 14 Alle drei Aspekte sind miteinander verwoben. Es entstehen Prozesse, in deren Folge»die Nationalstaaten und ihre Souveränität durch transnationale Akteure, ihre Marktchancen, Orientierungen, Identitäten und Netzwerke unterlaufen und querverbunden werden«. 15 Dennoch ist die These, es gebe im Globalisierungsprozeß kaum noch nationale Steuerungsmöglichkeiten, meines Erachtens nicht zu verifizieren. Die Vorstellung von einer »Hyper-Globalisierung« 16 , wonach überall bereits vollständig integrierte globale Märkte bestehen, ist bei weitem überzogen. Es gibt noch keine»Ortlosigkeit von Gemeinschaft, Kapital und Arbeit« 17 . Es bestehen weiterhin nationale Handlungsspielräume, Ökonomien sind trotz zunehmender Globalisierung weiterhin vor allem national ausgeprägt. Dies gilt auch für Afrika. Potentiale einer endogenen Entwicklung sind weiterhin gegeben. Aber sie werden durch die globalen Transformationen in mehrfacher Weise herausgefordert: 18 ̈ Die Verbilligung des Transports, die Intensivierung der Kommunikation und die Integration aller Länder in interdependente Wertschöpfungsketten vermindert die Chancen für eigenständige lokale bzw. auch nationalstaatliche Strategien. Abkopplungsmöglichkeiten gehen verloren, und die traditionelle Importsubstitutions-Industrialisierung läßt sich nicht mehr durchführen. An ihre Stelle treten exportorientierte Strategien und die Beteiligung an internationalen Wertschöpfungsketten, die nicht ohne weiteres zu Akkumulation und Entwicklung führen. 19 Häufig nehmen regionale Ungleichheiten zu, Konvergenz bleibt aus. 20 ̈ Postfordistische Akkumulation reduziert vor allem die Entwicklungsmöglichkeiten von Rohstoffländern, denn neue Technologien verringern tendenziell die Nachfrage nach Rohstoffen. ̈ Ländergruppen, die sich eng an die Zentren andocken können – wie Osteuropa an die EU – haben aller Erfahrung nach bessere Möglichkeiten, Wohlfahrtsgefälle zu reduzieren. 21 Für Afrika stellt sich die Frage, ob eine weitere Abkopplung und die»Tyrannei der Entfernung« von den Kernregionen der Welt droht und somit nur der Tropf der Entwicklungshilfe bleibt. 22 ̈ Andererseits können sich Potentiale für neue lokale Industrien herausbilden, die die lokalen Märkte(mit dem Nachfragepotential von Niedrigeinkommensbeziehern und Mittelschichten) bedienen. Hier hat Afrika ohne Zweifel noch unausgeschöpfte Möglichkeiten. Insgesamt sieht sich Afrika durch seine strukturelle Heterogenität, durch die Marginalisierung im Weltmarkt, durch interne und externe Bedingungen seiner Entwicklung Herausforderungen ausgesetzt, deren Folgen sich mittlerweile kaum noch anders als»Unterentwicklungstragödie« bezeichnen lassen. Möglichkeiten, endogene Entwicklungspotentiale zu mobilisieren, bestehen 23 , sind aber wesentlich schwerer wahrzunehmen als noch vor zwanzig Jahren. Marginalisierung in der internationalen Arbeitsteilung Afrikas Ökonomien sind meistens durch einen hohen Anteil der Exporte und Importe am Bruttosozialprodukt gekennzeichnet. Aber dieser Anteil hat sich in den letzten dreißig Jahren aufgrund hoher Protektion durch Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse sowie aufgrund von Terms-oftrade-Verlusten verringert. 24 1960 war die Einbindung Afrikas in den Weltmarkt größer als 1998 . Aber auch die regionale Außenhandelsverflechtung ist äußerst gering. Wichtigster Handelspartner ist die Europäische Union, die 1980 46 % und 1993 58 % aller afrikanischen Exporte aufnahm. An den Importen hat die EG seit 1975 einen Anteil von mehr als zwei Dritteln. Der Anteil des regionalen Handelsaustausches am Gesamtaußenhandel liegt nach wie vor weit unter 10 %. 14. Wie bspw. Radio der Tausend Hügel in Ruanda oder die täglichen Berichte des Bürgerkriegsführers Charles Tylor über Satellitenfernsehen im liberianischen Bürgerkrieg, oder die Rolle der Video-Kultur für die Bildung von Jugendorganisationen im Konflikt Sierra Leones; vgl. Bach 1997 ; Bayart / Ellis / Hibou 1997 ; Reno 1997 . 15. Beck 1997 , S. 28/ 29 . 16. Perraton / Goldblatt / Held / McGrew 1998 , S. 134 . 17. Beck 1998 ; vgl. Kappel 1995 . 18 . Vgl. Hein 1997 und 1998 . 19. Vgl. Gereffi 1995 ; Schui 1997 . 20. Vgl. grundlegend Myrdal 197 4; Krugman / Venables 1995. 21. Vgl. Vobruba 1997 . 22. Vgl. Langhammer 1996 ; Krugman 1991 . 23. Vgl. Collier / Gunning 1997 . 24. Vgl. Hansohm / Kappel 1994 ; Hibou 1996 ; Rodrik 1998 b. 44 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas IPG 1/99 Afrikas Ökonomien weisen immer noch das typische koloniale Spezialisierungsmuster auf: Ausfuhr von landwirtschaftlichen, mineralischen und fossilen Rohstoffen und Einfuhr von Investitionsgütern, Maschinen, Fertigwaren, Mineralöl und Nahrungsmitteln. Zahlreiche strukturelle Benachteiligungen existieren gerade bei dieser Exportund Importstruktur(vgl. Übersicht 2 ). Nur Übersicht 2: Einteilung Afrikas nach Außenhandelsorientierung Ländergruppen Exportproduktions-Zonen/ Länder mit standardisierter Produktion Länder mit Importsubstitutions-Industriealisierung Rohstoffexportierende Länder – Öl Rohstoffexportierende Länder – Mineralien Länder mit landwirtschaftlicher Exportproduktion Länder mit besond. Vorteilen durch EU -Präferenzordnungen(Zucker / Bananen / Fleisch) Länder mit Nischenproduktion Länder mit Dienstleistungsexporten (Tourismus) Global Commodity Chains – Original Equipment Manufacturing – Original Brandname Manufacturing Länder-Beispiele Mauritius Südafrika Zimbabwe Nigeria, Gabun, Kongo, Angola Liberia, Guinea, Togo, Kongo, (Zaire), Zambia, Namibia, Südafrika Côte d’Ivoire, Ghana Mauritius, Swaziland, Botswana strukturelle Vorteile/Nachteile Erfolg durch Export; hohe Importabhängigkeit von Investitionsgütern und Vorprodukten; geringe Linkages: hängt aber von Wirtschaftspolitik d. Regierung ab Schaffung eines Binnenmarktes; hohe Importabhängigkeit von Investitionsgütern, hoher Protektionismus; Gefahr unproduktiver Produktion; zugleich Basis für Exportproduktion Dutsch Disease; Votatilität der Preise, sinkende Einkommenselastizität der Nachfrage; niedrige Kopplungseffekte; Exportproduktion als Basis für industrielle Entwicklung Dutch Disease; Volatilität der Preise, sinkende Einkommenselastizität der Nachfrage; niedrige Kopplungseffekte, Exportproduktion als Basis für industrielle Entwicklung Preise instabil, geringe Preiselastizität der Nachfrage; TOT -Schocks Verfestigung einseitiger Produktionsstrukturen; Industrialisierung z.T. vorangekommen Kenia, Senegal Senegal, Namibia, Seychellen, Botswana Mauritius nur Südafrika – – Ethnic food und ethnic art; Verknüpfung zu lokalen Produzenten eher stark unterschiedliche starke Verknüpfung mit lokaler Ökonomie(zwischen Enklaven d. Massentourismus und lokal eingebunden Tourismus) Fertigprodukte, Markenartikel, profitabel, benötigt qualifizierte Beschäftigte, hohe Produktivität, Qualität Fertigprodukte, Markenartikel, profitabel, benötigt qualifizierte Beschäftigte, hohe Produktivität, Qualität; lokales Kapital, lokale Märkte Anmerkung: Einige der aufgeführten Länder fallen in mehrere Kategorien(wie Senegal). IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 45 wenige Länder konnten die sogenannte»Holländische Krankheit« 25 vermeiden. Nur sehr wenige Länder sind in globale Wertschöpfungsketten eingebunden. Einige haben in Nischen reüssiert. Die Lomé-Konvention 26 verstärkt ihrerseits einseitige strukturelle Abhängigkeiten durch Subventionsfonds für landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe. 27 Für die meisten Länder Afrikas ist die Außenhandelsstruktur mitsamt der Abhängigkeit von einem oder zwei Produkten seit ca. 30 Jahren fast unverändert geblieben. Die Verhandlungsergebnisse der Uruguay-Runde und die Gründung der WTO und ihre Auswirkungen auf Afrika werden unterschiedlich bewertet. Einige Autoren sehen für Afrika Handelsverluste durch den Verlust der Präferenzen und Termsof-trade-Verluste aufgrund höherer Nahrungsmittelpreise. Andere sehen Wohlfahrtsgewinne. 28 Berücksichtigt man die Effekte der Liberalisierung der WTO und die der Lomé-Handelsbeschlüsse, die Liberalisierung der Meistbegünstigungstarife, die Senkung der Präferenzen und die Reduktion von Subventionen, sowie die Agrarliberalisierung und auch die Beendigung des Multifaserabkommens während der nächsten zehn Jahre, so zeigt sich, daß die Handelsperspektiven für die meisten Ländern nicht positiv zu bewerten sind. 29 Die Beschlüsse der Uruguay-Runde heben die asymmetrischen Entwicklungstendenzen kurz- und mittelfristig nicht auf. Erst durch große Anstrengungen ließen sich die meist negativen Folgen verringern. 30 Besonders deutlich wird die Krise der außenwirtschaftlichen Beziehungen Afrikas an der Entwicklung der gesunkenen bzw. stark schwankenden»commodity terms of trade«( TOT ) und der Income TOT . Sinkende Preise für die Rohstoffe gingen einher mit sinkenden Gesamtausfuhren (von 1980-1994 ) und auch Importen. 1993 lagen die Ein- und Ausfuhren unterhalb des Niveaus von 1980 , was u.a. auf den Ölpreisverfall und die sinkenden Öleinnahmen Nigerias, Gabuns, Angolas usw. zurückzuführen ist. Länder mit hohen Anteilen an Rohstoffexporten und landwirtschaftlichen Produkten werden auch zukünftig von TOT -Schocks betroffen sein. Die TOT -Schocks beeinträchtigten das Wirtschaftswachstum erheblich. Sie waren mitverantwortlich für den ökonomischen Niedergang des Kontinents. Der mit den Schocks verbundene Rückgang der Exporte führte zu einer massiven Reduzierung der Importe, was Produktionsengpässe verursachte. Da Afrika auf die Importe von Maschinen, Fabriken, Vorprodukten etc. angewiesen ist, sind sinkende TOT besonders gravierend. Exporte können unter solchen Umständen nur dann ausgedehnt werden, wenn zuvor die zur Kapazitätsausweitung erforderlichen Importe finanziert werden können. 31 Die TOT -Schocks zeigen sich auch in den Schwankungen der Einkommen der Bevölkerung. Die Wachstum und Entwicklung behindernden »commodity TOT « sind nicht nur Ausdruck einer von Afrika kaum beeinflußbaren Preisbildung, sondern auch Ausdruck einer fehlgeleiteten Handelspolitik, die Exporte besteuerte und Exportdiversifizierung nicht gerade stimulierte. Industrieunternehmer und Farmer wurden durch die Besteuerung ihrer Produkte, durch die Überbewertung der Währungen und auch durch staatliche Aufkauf- und Exportmonopole daran gehindert, sich den Anforderungen des Weltmarktes anzupassen. Geringer Zufluß privaten Auslandskapitals In den letzten Jahren haben die Zuflüsse privaten Kapitals in die Entwicklungsländer erheblich zugenommen. Die privaten Geldtransaktionen stiegen 25. Der Begriff»holländische Krankheit« wurde geprägt, als in Holland Erdgas entdeckt und ausgebeutet wurde. Die steigenden Exporteinnahmen führen zu einer Aufwertung der Währung, was die nicht expandierenden Exportsektoren benachteiligt. Das Phänomen des »Dutch Disease« ist in aller Schärfe allerdings nicht in Holland aufgetreten(weil es sich um eine sehr stark diversifizierte Ökonomie handelt), sondern in den Rohstoffländern der Dritten Welt. 26. Die Lomé-Konvention ist ein Vertrag von heute 71 Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks( AKP ) und der Europäischen Union. Sie hat zum Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung der AKP -Staaten durch Handelskooperation, Entwicklungshilfe und Ausgleichsfonds für landwirtschaftliche und mineralische Rohstoffe zu fördern(vgl. Kappel 1998 a). 27. Vgl. Kappel 1998 c. 28. Vgl. Amjadi / Reinke / Yeats 1996 ; vgl. Rodrik 1998 a und 1998 b. 29 . Vgl. Nunnenkamp 1998 ; Kappel 1996 . 30. Vgl. Rodrik 1998 a; Wang / Winters 1998 . 31. Vgl. Berthélemy 1996 ; grundlegend Rweyemamu 1992 . 46 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas IPG 1/99 von ca. 65 Milliarden Dollar im Jahre 1986 auf ca. 244 Milliarden Dollar in 1996 an. Bei ausländischen Direktinvestitionen gab es eine Zunahme von ca. 25 Milliarden Dollar im Jahre 1960 auf 110 Milliarden Dollar im Jahre 1996 . Allerdings profitierte Afrika davon nicht. Der Kontinent ist weitgehend ohne Bedeutung für Privatkapital. So ist die Entwicklungshilfe mit ca. 18 Milliarden Dollar pro Jahr( 1990-1996 ) ungleich höher als die durchschnittlichen privaten Kapitalzuflüsse mit ca. 2 Milliarden Dollar(ohne Südafrika). Nimmt man Südafrika hinzu, verschieben sich die Gewichte ein wenig zugunsten privater Kapitalzuflüsse. Ca. 90 % aller Portfolio-Investitionen in Afrika fließen nach Südafrika. Neuerdings betonen Finanzinstitutionen, daß es auch für das übrige Afrika ermutigende Anzeichen gibt. Von einem neuen Zufluß an Geldern profitieren Côte d’Ivoire, Botswana, Ghana, Kenia, Mauritius, Zambia und Zimbabwe. Zusätzlich zu den Finanzplätzen Johannesburg, Lagos und Nairobi haben sich Börsen in Lusaka, Kampala, Windhoek und Abidjan etabliert. Was die direkten Auslandsinvestitionen( ADI ) betrifft, so beträgt Afrikas Anteil(ohne Südafrika) seit Jahren weniger als 2 %. Im Durchschnitt der Jahre 1986-1994 beliefen sich die ADI in Afrika (einschließlich Nordafrika) auf ca. 3 Milliarden Dollar jährlich. Die Investitionszuflüsse konzentrierten sich auf die ölexportierenden Länder Angola, Kongo, Kamerun, Gabun und Nigeria. Von den als am wenigsten entwickelten eingestuften Ländern( 32 von 48 ) haben zahlreiche überhaupt keine ADI zu verzeichnen. In fast allen Ländern handelt es sich meist um kleinere Investitionen. Sektorale Schwerpunkte der ausländischen Investitionstätigkeit liegen im extraktiven Sektor(Öl und Bergbau), knapp 20 % entfallen auf die verarbeitende Industrie. Wenngleich diese Aussage generell gilt, haben einige Länder mit kleinen Märkten und ohne Rohstoffexporte ein positives Umfeld für ADI geschaffen(bspw. Lesotho, Swaziland, Mauritius, die Seychellen). Zudem gibt es durchweg einen Stimmungswandel zugunsten von ADI . Während die TätigTabelle 2: Ressourcenzufluß ins sub-saharische Afrika* 1990–1996 1990 Gesamter Ressourcenzufluß$ Mrd. 100,6 Nettozuflüsse an privatem Kapital Alle Entwicklungsländer 44,4 $ Mrd. – davon sub-saharische 0,3 Afrika$ Mrd. – Anteil SSA ** in% 0,7 Netto-Direktinvestitionen Alle Entwicklungsländer 24,5 – davon Sub-Saharisches 0,9 Afrika – Anteil SSA ** in% 3,7 Anteil der Netto-Direkt0,3 investitionen am BIP in Afrika in% 1991 122,5 56,9 0,8 1,4 33,5 1,6 4,8 0,6 * einschließlich Südafrika** SSA = sub-saharisches Afrika Quelle: World Bank 1997 c 1992 146,0 90,6 – 0,3 – 43,6 0,8 1,8 0,3 1993 212,0 1994 207,0 1995 237,2 1996 284,6 157,1 – 0,5 – 67,2 1,6 2,4 0,6 161,3 5,2 3,2 83,7 3,1 3,7 1,2 184,2 9,1 4,9 95,5 2,2 2,3 0,8 243,8 11,8 4,8 109,5 2,6 2,4 0,8 IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 47 keit von transnationalen Konzernen früher als Teil der afrikanischen Probleme angesehen wurden, werden sie heute als wichtiger Partner zur Lösung der Probleme umworben. Liberale Investitionsgesetze, Exportproduktionszonen und freier Gewinntransfer gehören zum Förderinstrumentarium. 32 Besonders erwähnenswert ist der Fall Nigeria, das in einigen Wirtschaftsbereichen durch den Rückzug des Staates einem hemdsärmeligen Kapitalismus Vorschub geleistet hat. 33 Einerseits können sich nun die Marktkräfte frei entfalten – wie in Anambra-State, Enugu und Abia, wo industrielle Kerne entstanden sind. 34 Andererseits breiten sich kriminelle Wirtschaftsaktivitäten aus, an denen auch Staatsbeamte beteiligt sind. Aber gerade im korruptesten Land Afrikas wird am stärksten investiert. Multinationale Konzernen – wie Shell, Elf, Agip – fühlen sich anscheinend in ihren Rohstoffenklaven wohl. Shell hat sich eine eigene Infrastruktur, eigene Sicherheitsorgane, Schulen und soziale Einrichtungen geschaffen. 35 Die Investitionsneigung nigerianischer Unternehmer hingegen ist sehr niedrig, Kapitalflucht hoch. Auch in anderen Ländern zeigen sich Sonderphänomene, die man am besten mit der Privatisierung von Staatseigentum umschreiben kann. Teilweise handelt es sich um»informelle« Investitionen, die am Staat vorbei durchgeführt werden. Berühmt-berüchtigt sind die Verhältnisse in Sierra Leone, wo ausländische Unternehmen Diamanten – unter Umgehung des Staates – produzieren und exportieren. In vielen anderen Ländern gibt es solche Investitionen an zerfallenden Staaten vorbei, wie in Zaire bzw. Kongo zur Zeit Mobutos und auch Kabilas. Zahlreiche Unternehmen investieren also in Ländern mit unsicheren politischen Verhältnissen in ihre eigene Infrastruktur und bauen eine Schutztruppe auf, um Sicherheit für die ökonomischen Aktivitäten zu gewährleisten. Steuern zahlen diese Unternehmen nicht. 36 Die Diskussionen in zahlreichen Ländern zeigen, wie stark die Investitionsneigung ausländischer Anleger vom Vertrauen abhängt. In einigen Ländern ist dieses offenbar vorhanden, in vielen anderen fehlt es jedoch. 37 Die Folge ist, daß viele ausländische Investoren sich außer in den Rohstoffsektoren vor allem in spekulativen und kurzfristigen Aktivitäten sowie im Handel engagieren. In einer kürzlich erstellten Analyse über Investitionsrisiken weisen lediglich vier Länder des sub-saharischen Afrika ein gutes Investitionsklima auf: Südafrika, Mauritius, Botswana und Namibia. In einigen Ländern hat sich die Lage zwar verbessert, Investitionsrisiken haben sich verringert, aber eine grundlegende Umkehr zeichnet sich noch nicht ab 38 . Auch das Niveau der internen Nettoinvestitionen liegt unterhalb der meisten anderen Kontinente. Zudem läßt sich hier ein Rückgang feststellen. Der Anteil der Bruttoinvestitionen am BSP fiel von 27 %( 1971-75 ) bzw. 30 %( 1976-81 ) auf 17 % ( 1985-97 ). Im gleichen Zeitraum sank die gesamtwirtschaftliche Bruttoersparnis von 19 % auf knapp 16 %( 1994 ). Als Ursachen für die geringe Investitionstätigkeit ausländischer und lokaler Unternehmen sind zu nennen: ̈ hohe Inflation und ein beständiges Schwanken der Wechselkurse ̈ die während der letzten Jahre stark gesunkenen terms of trade ̈ eine extrem ungleiche Einkommensverteilung, die oft mit politischer Instabilität einhergeht, ̈ die mangelnde Verläßlichkeit der Investitionsanreize ̈ die hohe Schuldenlast, die dazu führt, daß notwendige Investitionen in Infrastruktur und Bildung unterbleiben, ̈ mangelnde Sicherheit. Braindrain und Kapitalflucht Kapitalflucht und Braindrain sind Folge und Bestandteil des generellen Unterentwicklungssyndroms. Beides verstärkt sich im Zuge der Globalisierung. Von der Weltbank wurde die Kapitalflucht während der 80 -Jahre auf mehr als 32. Vgl. UNCTAD 1995 a und 1995 b. 33. Vgl. Bass / Kappel 1997 . 34. Vgl. Brautigam 1997 . 35 . Vgl. im Detail Frynas 1998 . 36 . Vgl. Reno 1997 ; Bayart / Ellis / Hibou 1997 ; Misser / Vallée 1997 . 37 . Vgl. grundlegend Humphrey / Schmitz 1998 ; Bittner 1998 . 38 . Paul Collier et al. weisen darauf hin, daß die Risiken in vielen Ländern Afrikas meist etwas überschätzt werden, vgl. CDC / CSAE 1998 : 11 ; Collier / Hoeffler / Pattillo 1998 : 17 ; Marchés Tropicaux 30.1.1998 , S. 211-213 . 48 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas IPG 1/99 40 Milliarden Dollar geschätzt. Neuere Schätzungen von Collier / Hoeffler / Pattillo( 1998 ) zeigen, daß ca. 40 % des afrikanischen PortfolioKapitals außerhalb des Kontinents angelegt wurde. Die zunehmende Interdependenz in der Weltwirtschaft drückt sich nicht nur in der Internationalisierung der Märkte für Kapital, Waren und Dienstleistungen aus, sondern schließt auch immer stärker den Arbeitsmarkt mit ein. Aus sehr vielen afrikanischen Ländern ist die akademische Elite emigriert. Ingenieure, Ärzte, Professoren, Handwerker, Lehrer und viele Kulturschaffende haben Afrika den Rücken gekehrt und sind nun vor allem in Europa, in den Ölförderländern des Nahen Ostens und den USA tätig. Die Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen UNDP schätzt das Ausmaß des Braindrains für Ende der 80 er Jahre auf ein Drittel aller Akademiker Afrikas. Für den Sudan wird die Emigration sogar auf die Hälfte aller akademisch ausgebildeten Ingenieure veranschlagt. Zwischen 1985 und 1990 sollen ca. 60.000 Ärzte, Ingenieure und Universitätsangehörige den Kontinent verlassen haben. Seit 1990 sollen es jährlich im Durchschnitt ca. 23.000 sein, davon etwa die Hälfte aus Nigeria. Allein in den USA befinden sich ca. 21.000 nigerianische Ärzte und Forscher (Stand 1995 ). Es heißt, die Zahl der emigrierten nigerianischen Akademiker sei höher als die Zahl der in Nigeria verbliebenen Akademiker. 39 Fazit Insgesamt zeigt sich, daß die meisten Länder Afrikas im Globalisierungsprozeß eher noch weiter ins Abseits geraten sind. Die strukturellen Schwächen Afrikas Einen wirtschaftlichen Aufholprozeß wird es in Afrika auf absehbare Zeit nicht geben können. Vielmehr wird der Kontinent auch in Zukunft von der weltweiten Entwicklung abgekoppelt bleiben, solange seine grundlegenden strukturellen Schwächen weiter bestehen. Schlechte Infrastruktur In den letzten zehn Jahren hat sich die Energieversorgung, die Versorgung mit Wasser und Strom verschlechtert, Telefone und Transport funktionieren heute schlechter denn je. Die häufig katastrophale Infrastruktur ist ein zentrales Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas. Man könnte sagen, in Afrika werden Informationen bis heute mit der Trommel weitergegeben. Es dauert alles sehr lange, d.h. es ist teuer, relevante Informationen zu erhalten. Daß einige afrikanische Länder tatsächlich»schon bald über die modernste Kommunikationstechnologie der Welt verfügen« 40 , dürfte eine vergebliche Hoffnung sein. Länder mit hoher Analphabetenrate, mangelnder technischer Kompetenz und wenig innovativen Regierungen werden schon bei Investitionen von 2-3 Milliarden Dollar pro Jahr passen müssen, bzw. von ausländischen Privatinvestoren abhängig sein. Zwar gibt es viele Ideen, wie bspw. die der»Regional African Satellite Communications Organization«(Rascom), die einen »Urknall der Kommunikationstechnik in Afrika« versprechen, aber wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist, wird sich zeigen, wenn der geplante afrikanische Telekommunikationssatellit im Jahr 2000 in Betrieb gehen soll. 41 Zwar haben die meisten Länder inzwischen Internet-Zugang, aber die Zahl der privaten und institutionellen Nutzer ist sehr gering(und zudem in manchen Staaten auch staatlich reglementiert). Außerhalb Südafrikas finden sich weniger als fünftausend Internet-Server 42 Die Gefahr weiterer Abkopplung muß nach der derzeitigen Dynamik auf den globalen Kommunikationsmärkten als weitaus höher eingeschätzt werden, als die Möglichkeit zum Norden aufzuschließen. Die Transportkosten sind – vom Öltransport und anderen Massengütern abgesehen – in Afrika wesentlich höher als in anderen Ländern der Dritten Welt. Die Exportmöglichkeiten sind dadurch stark eingeschränkt. Die prohibitiven Transport39. Vgl. Jumare 1997 , S. 115 . 40. Brüne / Jakobeit 1997 , S. 77 . 41 . Vgl. dazu den Beitrag von Dirk Asendorpf»Die Leos kommen«, in Die Zeit, 25.6.1998 ; grundlegend Brüne / Jakobeit 1996 ; Oshikoya / Hussain 1998 . 42. Vgl. Oshikoya / Hussain 1998 , S. 119 . IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 49 kosten wirken stärker als die nicht-tarifären Handelsbarrieren 43 und sind so ein wichtiger Grund für die mangelnde Attraktivität Afrikas für ausländische Direktinvestitionen, vor allem von Unternehmen, die Fertigwaren und industrielle Produkte herstellen. Auch die Bildung nationaler Märkte wird erschwert. Schwache Industrielle Basis Die schwache industrielle Basis ist eine ungünstige Voraussetzung für Afrikas Weltmarktintegration und für regionalen Handelsaustausch. 44 Allerdings gibt es inzwischen auch einige Lichtblicke – wenngleich nur bei wenigen Produkten und in wenigen Ländern. Dabei handelt es sich nicht nur um Bohnen, Blumen und Mangos – also wiederum Agrargüter –, sondern auch um Textilien, Kunsthandwerk, Verkauf von Design und Tourismus. Und überraschenderweise läßt sich aus Nigeria vermelden, daß dort einige Softwareexperten für internationale Computerfirmen tätig sind. Niedrige Produktivität Niedrige Produktivität stellt schon seit Jahrzehnten ein besonderes Problem afrikanischer Ökonomien dar. In vielen Ländern ist die Arbeitsproduktivität gesunken und der Abstand zu Ländern in Asien und Lateinamerika größer geworden. Das Wachstum der Gesamtfaktorproduktivitäten ist im Durchschnitt der letzten 25 Jahre sogar negativ. Folge der niedrigen Produktivitäten sind niedrige »rates of return«. Allerdings gibt es auch Länder mit Fortschritten in der Produktivitätsentwicklung wie bspw. Mauritius und Botswana. Niedrige Arbeits- und Gesamtfaktorproduktivitäten haben zur Folge, daß Afrika eine der teuersten Produktionsregionen der Welt ist, obwohl die Lohnkosten niedrig sind. Der Kontinent kommt deshalb auch kaum als ausgelagerte Werkbank in Frage. Aktivitäten in der Landwirtschaft, im Handwerk, in der Industrie und auch in der staatlichen Administration und im Dienstleistungsbereich. Im Gegensatz zu anderen Entwicklungsländern taten die afrikanischen Staaten in der Vergangenheit sehr wenig, um den technologischen Rückstand zu reduzieren.»Many African countries have not developed any science and technology policy«. 45 Wenn Afrika Wirtschaftswachstum auf Dauer erreichen will, muß es verstärkte Anstrengungen zur Hebung der Qualität, der technischen Ausbildung und Forschung und auch der beruflichen Bildung unternehmen. Hier kommt es vor allem auf ein Umdenken der Entscheidungsträger, aber auch der internationalen Gebergemeinschaft an. Hohes Bevölkerungswachstum und zunehmende Urbanisierung Afrika wird sich im Verlaufe der nächsten 20 Jahre stark urbanisieren. In fast allen Teilen Afrikas wird die Mehrheit der Bevölkerungen in Städten leben. Das Bevölkerungswachstum reduziert sich im Durchschnitt zwar geringfügig. Nachhaltiger Erfolg hängt aber von Familienplanungsprogrammen bei gleichzeitiger Wohlstandssteigerung ab. Verschuldung Von Bedeutung ist nach wie vor die Verschuldungsproblematik der meisten afrikanischen Länder. Die Gesamtschulden Afrikas südlich der Sahara waren Ende 1997 auf ca. 260 Milliarden Dollar angewachsen. Die gängigen Daten zeigen immer noch ein erschreckendes Bild: alle kritischen Grenzen sind überschritten, der Schuldendienst verschlingt einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Bruttoersparnisse und begrenzt so die Investitionstätigkeit. Geringe technologische Kompetenz Das extrem niedrige Niveau der»human resources« ist das zentrale Hindernis für produktive 43. Vgl. Amjadi / Reinke / Yeats 1996 . 44. Vgl. Lall / Stewart 1996 ; Wangwe 1995 . 45 . Abiodun 1998 , S. 23 . 50 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas IPG 1/99 Tabelle 3: Entwicklung der Gesamtfaktorproduktivitäten 1965–1990 Land Sub-Saharisches Afrika Botswana Côte d’Ivoire Ghana Kamerun Kenia Mali Nigeria Senegal Tanzania Tschad Zaire Zambia Zimbabwe Südostasien Korea Indonesien Bevölkerungswachstum in% 2,9 3,7 3,9 2,7 1,8 3,8 2,3 2,8 3,2 3,2 2,2 2,0 2,7 3,0 1,9 1,7 2,2 Wachstum des Pro-Kopf BSP in% – 0,2 – 7,9 – 0,7 – 0,7 – 1,5 – 1,3 – 1,8 – 2,1 – 0,3 – 0,3 – 0,6 – 3,0 – 1,9 – 1,0 – 5,3 – 7,3 – 4,3 GFP = Gesamtfaktorproduktivitäten. GFP geben die Geschwindigkeit der Produktivitätsfortschritte wieder. Quelle: nach Thorbecke 1995: 120 f. Wachstum der GFP in% – 0,4 – 6,4 – 0,7 – 0,8 – 2,5 – 0,2 – 1,2 – 1,3 – 0,6 – 0,7 – – 4,3 – 3,1 – 0,5 – 2,4 – 4,9 – 2,7 Endogene Entwicklungspotentiale als einziger Lichtblick In der Diskussion zur Lage Afrikas wird häufig davon ausgegangen, daß die Rentenorientierung der Staatsklasse Hauptursache von Armut, Unterentwicklung und Marginalisierung sei. So begründen jedenfalls Vertreter der neo-liberalen Schule die Krise afrikanischer Gesellschaften. Renten würden vor allem aus der Besteuerung des internationalen Handels, des Agrarsektors, aus der Kreditvergabe zu negativen Realzinsen und der Abschöpfung der Differenz zwischen Parallelwechselkurs und offiziellem Wechselkurs gezogen. Nutznießer der Rentenabschöpfung seien vor der Liberalisierung der Märkte ausländische Investoren und die mit ihnen verbundenen heimischen Unternehmer, Marketing-Boards, sowie öffentliche Unternehmen gewesen. Nach der Strukturanpassung profitierten vor allem inländische Unternehmen und Banken. Die Weltbank, der IWF und bilaterale Geber forderten daher»Good Governance« und Reformen, die die staatlichen Institutionen leistungsfähiger machen sollen. Sicherlich wird es ohne diese Reformschritte keine Lösung der afrikanischen Krise geben. Aber die bisherigen Maßnahmen im Rahmen von Strukturanpassungsprogrammen haben in den meisten Ländern lediglich zu einem Austausch der traditionellen Elite durch eine neue technokratische Elite geführt. 46 Institutionelle Reformen sind kaum vorangekommen, z. T. kam es sogar zu einer Schwächung der Institutionen. Gerade was Afrika betrifft, wird es einer langen Transformation bedürfen, um die institutionellen Bedingungen für Entwicklung(institutionelle Kreditwürdigkeit, Vertrauen und konstitutionelle Sicherheit) herzustellen. 47 46. Vgl. Sindzingre 1996 . 47. Vgl. North 1995 . IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 51 Auch die wirtschaftstheoretische Argumentation hinter den Strukturanpassungsprogrammen greift zu kurz. Exportsteigerung stellt per se keinen Weg zur Entwicklung dar. Vielmehr zeigt sich, daß Rohstoffexporte strukturelle Verzerrungen befördern, die nicht leicht zu überwinden sind. Auch die sogenannten»Trickle-down«- und »Spillover«-Effekte steigenden Außenhandels werden meist überschätzt. Die große Schwäche dieses Ansatzes ist, daß er die Einbindung Afrikas in die globale Ordnung und in die internationalen Strukturprozesse nicht systematisch reflektiert. Schaubild 1 zeigt schematisch die Austauschbeziehungen zwischen unterschiedlich verdichteten Wirtschaftsräumen. Es unterscheidet sogenannte industrielle Kerne(die OECD -Welt) und unterschiedlich weit abgelegene Randgebiete. Für die dem Kern am nächsten gelegene Randzone A zeigt es die Möglichkeit auf, daß sich ein neuer, nachgeordneter Kern – ein sogenannter»Randkern« – entwickelt. In den Kategorien dieses Schemas gesprochen, werden die meisten Länder Afrikas vorerst keine Randkerne bilden, die sich an die OECD-Welt»andocken« können. Afrika ist aller Voraussicht nach auch in der Zukunft der Rand, der nur schwach mit den Kernen Europa, Nordamerika und Japan verbunden ist. Eine geographische Nähe, wie z. B. des Mittelmeers und Osteuropas zur EU oder Mexikos zu den USA ist nicht vorhanden. Der Globalisierungsprozeß verstärkt diese Ausgrenzung. 48 . Trotz dieser ungünstigen räumlichen Ausgrenzung besitzt Afrika ein gewisses Maß an Spielräumen für endogene Entwicklung. 49 Dazu gehört vor allem der rasch fortschreitende Urbanisierungsprozeß, der bessere Chancen für Wirtschaftswachstum – wegen Skalenökonomien, Marktnähe, niedrigerer Transportkosten und leichterer Kommunikation – bietet. Transaktionskosten sinken. Die Herausbildung industrieller»Cluster«, die Modernisierung des informellen Sektors, die Hebung des Kompetenzniveaus und der Spar- und Investitionsquote geben die Richtung an. Die neuen Wachstumstheorien sehen in der Wissensakkumulation und Innovation, in der Humankapitalbildung, in der Arbeitskräftespezialisierung und im Arbeitskräftewachstum entscheidende Determinanten für Wachstum. Diese Theo48. Das Kooperationsmodell von Lomé hat die bereits bestehenden Asymmetrien zwischen der EU und Afrika eher noch verstärkt; vgl. Kappel 1998 c. 49. Vgl. theoretisch Krugman 1991 und 1996 ; Krugman / Venables 1994 ; Kappel 1995 . Schaubild 1: Schematische Raumstrukstur der Weltwirtschaft Erläuterung: RK= Randkern 52 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas IPG 1/99 rien erklären Wachstum als einen Prozeß des »learning by doing«, der von der Imitation zur eigenständigen Innovation fortschreitet. 50 Sie machen deutlich, daß die Wachstumsrate der Ökonomie langfristig unter anderem vom Anteil der im Forschungssektor eingesetzten qualifizierten Arbeit abhängt. 51 Afrika hat bei all dem einen großen Nachholbedarf: Die formale und die nichtformale Ausbildung weisen beide niedrige Standards auf. Dies bedeutet aber auch, daß durch Ausbildungs- und Forschungsanstrengungen ein bislang völlig ungenutztes Kapital mobilisiert werden kann. Die Frage ist allerdings, warum sich ein ganzer Kontinent bislang so eindeutig dieser Erkenntnis verschließt. Politikwissenschaft, Soziologie und Ethnologie weisen in diesem Zusammenhang auf die sogenannte»Economy of Affection«, auf Familien- und Überlebensstrategien, traditionelle Wertemuster, Eifersucht über den Erfolg anderer, usw. hin. Angeführt werden auch die Rentenmentalität der Bürokratie und»die unterschiedlichen kulturellen Normen hinsichtlich der Äußerung von Kritik«. 52 Zusammenfassung Afrika hat im Globalisierungsprozeß größere Probleme zu bewältigen als je zuvor in seiner Geschichte. Kolonialismus und Post-Kolonialismus sind geradezu harmlose Vorspiele der Probleme, die durch Globalisierung entstehen. Liberalisierung und Strukturanpassungsprogramme haben die Umwälzung des Kontinents weiter vertieft, ohne daß sie zu anhaltendem Wirtschaftswachstum geführt hätten. Globalisierung fördert die doppelte Entnationalisierung des Staates, die Schwächung seiner Institutionen und damit der Potentiale eines Entwicklungsstaates. Dieser Effekt trifft zusammen mit den von jeher bestehenden Strukturschwächen Afrikas: fehlende Eigentumsrechte, Rentenorientierung der Staatseliten, politische Instabilität,»informelle Wertemuster«. 53 Die Strukturanpassungsprogramme verstärken die Auswirkungen der Globalisierung, ohne das Potential zur Wahrnehmung der mit ihr verbundenen Chancen nachhaltig zu aktivieren. Zwar wird der Rentenstaat geschwächt, aber der Aufbau neuer leistungsfähiger Institutionen wird nicht entscheidend vorangetrieben. Die Erwartung, daß das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre nicht unbedingt einen Wendepunkt in der Entwicklung der afrikanischen Krise markiert, wird sowohl durch wachstumstheoretische als auch durch raumtheoretische Überlegungen bestärkt. Es fehlt die Nähe zu den OECD Märkten, es fehlt die Produktpalette, und hohe Transport- und Kommunikationskosten lassen eine verbesserte Weltmarktintegration Afrikas als mittelfristig aussichtslos erscheinen. Komparative Vorteile bestehen bei den traditionellen Export- und einigen Nischenprodukten. Positive Wirkungen für das Wirtschaftswachstum durch Direktinvestitionen transnationaler Konzerne, Portfolioinvestitionen und verbesserte Information und Kommunikation erweisen sich bei näherem Hinsehen als trügerische Hoffnungen. Eher wird sich eine weitere Marginalisierung einstellen. Wachstumseffekte entstehen kaum, und die asiatischen, russischen und lateinamerikanischen Krisen werden Afrikas Perspektiven nicht begünstigen. Möglicherweise werden sie sogar zu erhöhtem Wettbewerbsdruck beitragen, dem die meisten Unternehmen in Afrika nicht gewachsen sind. Dennoch gibt es Lichtblicke: Einige Länder – wie Mauritius oder Botswana – haben trotz ungünstiger Voraussetzungen durch eine kluge Wirtschaftspolitik die»holländische Krankheit« vermieden, haben die Investitions- und Sparquote stark erhöht, die Bildungsanstrengungen verstärkt und die technische Kompetenz angehoben. Hier besteht eine Möglichkeit der anderen Länder, zu lernen. In den sich stark vergrößernden urbanen Agglomerationen können Wachstumszentren entstehen. Eine sich allmählich herausbildende Mittelschicht, die nicht gewillt ist auszuwandern, kann – wie Indien zeigt – tendenziell einen Schub für institutionelle Reformen, für Bildungsreformen, für mehr Demokratie und für wirtschaftliche Investitionen geben. Je weniger ungleich die Einkommensverteilung, und je größer demnach 50. Vgl. Romer 1988 ; Lucas 1988 . 51 . Wilhelm 1996 , S. 16 . 52 . Dettmer 1998 , S. 258 ; vgl. auch Trenk 1991 ; Hillebrand 1994 ; Hyden 1996 ; Bates 1981 . 53. Vgl. Hillebrand 1994 . IPG 1/99 Die anhaltende Unterentwicklung Afrikas 53 die Nachfrage nach lokal produzierten Gütern ist, desto eher läßt sich industrialisieren. Die OECD -Welt kann durch wenige Maßnahmen einen nicht unerheblichen – aber auch nicht zu überschätzenden – Beitrag zur Minderung der Unterentwicklung leisten. Hierzu gehören Schuldenreduzierung und effizientere Entwicklungshilfe. Was hingegen Handel und Investitionen betrifft, sind die Möglichkeiten bei dem jetzt vorhandenen Niveau der Entwicklung Afrikas und den Risiken weitgehend ausgeschöpft. Die entscheidende Variable für die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit afrikanischer Staaten im Globalisierungsprozeß wird es sein, die endogenen Potentiale zu entfalten, d.h. sich der ersten beiden oben genannten Faktoren anzunehmen. Entwicklungshilfe wird hierfür noch über einen längeren Zeitraum benötigt. Erst auf relativ lange Frist ist damit zu rechnen, daß in erfolgreichen Reformländern der Kapitalzufluß sich eher aus kommerziellen Krediten und Investitionen sowie zurückkehrendem Fluchtkapital zusammensetzen kann. ̇ Literatur Abiodun, Adigun Ade( 1998 ): Human and institutional capacity building and utilization in science and technology in Africa, in African Development Review 10,1,1998 , S. 10-51 . 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