1 Es geht ums Ganze, Constanze! Perspektiven für NRW 20. Oktober 2007, Bonn Dokumentation Friedrich-Ebert-Stiftung FrauenMädchenNetz NRW Inhalt Einleitung 4 Berühren – Begehren – Bewegen (Statt eines Impulsvortrags) 5 Fishbowls Frauen in die Waagschale – Recht und Gerechtigkeit 6 Nicht Mangel, sondern Fülle – Zukunft der Bildung und Arbeit für Frauen 8 Wer nicht träumt … Macht ist die Möglichkeit zu handeln – Politik für Frauen 10 Immer in Bewegung – schneller, schöner, total gesund?? 12 Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten der Fishbowls als Ergebnis des Kongresses 14 Abschlussrunde 15 Rahmenprogramm 23 Zwischenruf der Organisatorinnen 26 Pressemitteilung 28 Rückmeldungen 30 Das kann nicht alles gewesen sein … 31 Liste der Mitwirkenden 32 Interessante Links 34 Impressum Herausgeber: Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Gesellschaftspolitische Information Godesberger Allee 149 53175 Bonn © Friedrich-Ebert-Stiftung Autorinnen: Gabriele Bischoff, FrauenMädchenNetz NRW Christine Weinbörner, FrauenMädchenNetz NRW Redaktion: Ursula Clauditz, Friedrich-Ebert-Stiftung Martin Weinert, Friedrich-Ebert-Stiftung Fotos: Stefan Henreich, Düsseldorf Ute Weller, Bonn Grafiken und Layout: Pellens Kommunikationsdesign, Bonn Druck: bub Bonner Universitäts-Buchdruckerei Printed in Germany 2008 ISBN: 978-3-89892-974-5 ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 3 Vorwort Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Frauenförderung ein Schwerpunkt in der nationalen wie internationalen Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung. In den 90er Jahren hat sich in diesem Zusammenhang der Ansatz des Gender Mainstreaming etabliert, indem die Förderung der Chancengleichheit und der Geschlechterdemokratie zu einer Querschnittsaufgabe und die Geschlechterperspektive zum festen Bestandteil eines jeden Arbeitsfeldes wurde. Aber hat sich dieser Wandel des Verständnisses auch in der Gesellschaft vollzogen? Sind Männer und Frauen in allen Lebensbereichen gleichgestellt? Diesen und anderen Fragen widmete sich der Frauenkongress, zu dem die FriedrichEbert-Stiftung und das FrauenMädchenNetz NRW am 20. Oktober 2007 nach Bonn eingeladen hatten. Es geht um Recht und Gerechtigkeit, um Teilhabe und Gleichberechtigung, um Arbeit und Politik, um Kinderbetreuung und Vereinbarkeit, um Gesundheit und Bildung. „Es geht ums Ganze, Constanze!“ Der Kongress sollte das Erreichte sichtbar machen und gleichzeitig neue Ziele formulieren. Es sollten die vorhandenen Organisationen noch besser vernetzt und die Teilnehmerinnen zu gemeinsamen politischen Handeln in einer lebendigen Demokratie motiviert werden. Zudem sollten Perspektiven für Nordrhein-Westfalen erarbeitet und deren Umsetzung in konkreten Projekten angegangen werden. Die Ergebnisse der Diskussionen, Überlegungen und Gespräche sind Ausdruck der Motivation und der Engagementbereitschaft der Beteiligten. Wenn Politik das Bohren dicker Bretter bedeutet, so hoffen wir durch den Frauenkongress und den vorliegenden Dokumentationsband einige Umdrehungen beitragen zu können. Frank D. Karl Leiter der Abteilung Gesellschaftspolitische Information der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. 4 FrauenMädchenNetz NRW Frauengipfel www.frauengipfel-nrw.de Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW e.V. Grabenstr. 13, 45964 Gladbeck Der Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband NRW e.V. Fachgebiet Frauenprojekte Loher Str. 7, 42283 Wuppertal Deutscher Gewerkschaftsbund Bezirk NRW Abteilung Arbeitsmarkt- und Frauenpolitik Friedrich-Ebert-Str. 34-38 40210 Düsseldorf FrauenRat NW e.V. Julius-Doms-Str. 13 51373 Leverkusen FUMA Fachstelle Gender NRW Rathenaustr. 2-4, 45127 Essen LAG Autonome Frauenhäuser NRW Postfach 500349, 44203 Dortmund LAG autonomer Frauen-Notrufe in NRW Ackerstr. 144, 40233 Düsseldorf LAG autonome Mädchenhäuser/ feministische Mädchenarbeit NRW e.V. Robert-Geritzmann-Höfe 99 45883 Gelsenkirchen LAG Lesben in NRW e.V. Ackerstr. 144, 40233 Düsseldorf LAG kommunaler Frauenbüros/ Gleichstellungsstellen NRW Kasernenstr. 6, 40213 Düsseldorf LAG Mädchenarbeit NRW e.V. Robertstr. 5a, 42107 Wuppertal LAG Wildwasser NRW An den Lothen 8, 44892 Bochum Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen und Universitätsklinika des Landes NRW Koordinierungsstelle, c/o FH Köln Ubierring 40, 50678 Köln Netzwerk von Frauen und Mädchen mit Behinderungen NRW Neubrückenstr. 12, 48143 Münster Fachstelle für Frauen und Beruf Die Spinnen e. V. Bäuminghausstr. 46, 45326 Essen Einleitung Das FrauenMädchenNetz NRW ist ein landesweites Bündnis von Organisationen und Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, die mit und für Frauen und Mädchen arbeiten und sich für die Belange von Frauen und Mädchen stark machen. Es besteht seit 2003. Insgesamt sind rund 800 Organisationen und Einrichtungen im FrauenMädchenNetz NRW vertreten. Wir fördern in unseren jeweiligen Arbeitsfeldern und Einrichtungen die qualitative Weiterentwicklung mädchen- und frauenspezifischer Arbeit. In diesem Kontext stellen wir unser Wissen und unsere Fachkompetenz MultiplikatorInnen, Verwaltung und Politik zur Verfügung. Unser Netzwerk hat sich in den letzten fünf Jahren bewährt. Wir sind mit unseren unterschiedlichen Arbeitsbereichen und unseren unterschiedlichen Zielsetzungen und Wertvorstellungen konstruktiv und – wenn nötig – streitbar umgegangen und haben viele Kontakte zu den Frauenpolitikerinnen im Land aufgebaut und erhalten. In dieser Zusammenarbeit ist der Wunsch nach einem umfangreichen Austausch über die Zukunft der Frauenpolitik in NordrheinWestfalen gewachsen. Gleichzeitig war uns klar, dass wir einen Kongress durchführen wollten, der vielen Mädchen und Frauen die Möglichkeit gibt, ihre politischen Visionen und Einschätzungen und ihre Lebensvorstellungen einzubringen. Dies ist uns mit rund 300 Teilnehmerinnen auch gelungen! Zu diesem Erfolg hat maßgeblich die Friedrich-Ebert-Stiftung beigetragen. In einer konstruktiven und vertrauensvollen Kooperation mit dem Netzwerk hat sie den Kongress ausgerichtet. Hierfür danken wir der Stiftung. Bedanken möchten wir und auch bei allen Expertinnen, Moderatorinnen, Beobachterinnen und Vorbereiterinnen, ohne die der Kongress nicht möglich gewesen wäre und die zum größten Teil unentgeltlich ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt haben. Schließlich danken wir allen Teilnehmerinnen für das Interesse, die vielen Beiträge und die positiven Rückmeldungen. All das macht uns Mut, auch weiterhin Frauenpolitik in NordrheinWestfalen voranzutreiben… ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 5 Berühren – Begehren – Bewegen: Viel erreicht und nichts verloren Einstiegsdialog: Moderation: Dr. Barbara Stiegler(Friedrich-Ebert-Stiftung) und Dr. Kerstin Wolff(Archiv der deutschen Frauenbewegung) Dr. Inge von Bönninghausen Der„neue, alte“ Feminismus: Wo stehen wir? Sehr viele waren gekommen – die Mehrheit rückblickend auf mehr als 20 Jahren aktive Frauenbewegung, aber doch auch etliche, die zum heiß begehrten Nachwuchs zählen dürften. Denn es ging tatsächlich ums Ganze in Bonn: um zeitgemäße Bildung, Rechte, Gesundheit und Politik von und für Frauen; um die Forderungen, die wir heute für uns stellen; um die Wege, die wir selbst finden, um sie durchzusetzen. „Ist die emanzipierte Frau nur ein Irrtum?“, fragte die namensgebende Frauenzeitschrift Constanze 1963 noch und meinte dabei: Bürdet sie sich nicht nur noch mehr Arbeit auf? Und vor allem: Mögen Männer sie? Fünf Jahre später brachte die„zweite Welle“ der Frauenbewegung dann wirklich neuen Schwung: „Emanze“ war frau allemal gern, mitunter mit Leidenschaft, Professorinnen begannen die Unilandschaft zu prägen, der eigene Karriereweg und das Recht auf Selbstbestimmung wurden für Frauen zum zentralen Thema. Hat seitdem nun eine Stagnation, gar ein„Rollback“ die Frauen zurückgeworfen? Nein, meinen beide Dialogpartnerinnen. Barbara Stiegler ermahnt zwar dazu, die Brücke zwischen der theoretischen Frauenforschung und praktischen Arbeit im Beruf und Alltag wiederzubeleben. Kerstin Wolff aber lobt vor allem, dass weit mehr Frauen mittlerweile wissenschaftlich arbeiten wollen und auch promovieren, wenn diese auch(trotz feministisch fortschrittlichen Sprachgebrauchs) oft genug die Strukturen und Spielregeln der Institution karrierebedingt bedienen. Barbara Stiegler stellt fest: Den Feminismus an sich gibt es gar nicht, stattdessen individuelle Strömungen und „Wellen“, aber innerhalb dieser werden nach wie vor die richtigen Fragen gestellt. Die Antworten aus den 1970er-Jahren gelten nicht mehr, aber neue Themen kreisen um einen neuen Problemkern, der nach wie vor dringend Antworten bedarf. Kerstin Wolff erinnert daran, dass Erfolgsfrauen, Bankerinnen,„die neue F-Klasse“, häufig zwar nicht zur Frauenbewegung gehören wollen, aber doch zugeben müssen, ihr viel zu verdanken. „Ohne diese hätte es beispielsweise die European Businesswomen nie gegeben.“ Inge von Bönninghausen gibt zu bedenken, dass es kaum noch Verbände gibt, die sich auf„Stammanhänger“ verlassen können. Dass stattdessen die Zeit der Koalitionspolitik, der zeitweiligen Bündnispartner gekommen ist, die bei der Durchsetzung konkreter Ziele helfen können – und das beileibe nicht nur im Feminismus. Zahlreiche Netzwerke übernehmen heute diese Bündnisfunktion(was Amigas ja wohl nur positiv bestätigen können). Einen„Third Wave Feminism“ brauchen wir dafür eigentlich nicht extra zu bemühen … Wenn wir nicht gleich die ganze Gesellschaft ändern wollen, so bleibt die Frustration von vornherein geringer, werden wir mild ermahnt. Stimmt. Als aber aus dem Publikum die Bitte kommt,„die Leidenschaft“ dennoch nicht ganz zu vergessen, da donnert doch der Applaus laut aus allen Ecken. Auszug aus dem Bericht von Susanne Lück, angefertigt für ihren Verein Amigas Netzwerk lesbischer Unternehmerinnen e.V. 6 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Fishbowl: „Frauen in die Waagschale – Recht und Gerechtigkeit“ Expertinnen in der Runde: Planung, Moderation und Beobachtung: Silke Dombrowsky, Historikerin, Bonn Petra Woocker, Rechtsanwältin, Bonn Dr. Barbara Degen, Rechtanwältin, Bonn Dr. Barbara Degen, Rechtanwältin, Bonn Dr. Barbara Stiegler, Friedrich-Ebert-Stiftung Frauen in die Waagschale – Recht und Gerechtigkeit Die Expertinnen Silke Dombrowsky und Petra Woocker haben aus ihrer Erfahrung zum Einstieg je ein Beispiel über eine eigene„Sternstunde der Gerechtigkeit“ erzählt. Silke berichtete von ihrer Seminararbeit zu dem Thema„Vergleich zweier Frauen im 19. Jahrhundert“. Die eine kam aus der Arbeiterbewegung, die andere aus so genannten bürgerlichen Kreisen, beide waren politisch aktiv. Silkes Sternstunde war die eigene Erkenntnis, dass nicht die unterschiedlichen Strömungen in der 1. Frauenbewegung der entscheidende Punkt waren, sondern die Gemeinsamkeiten aus dem Leben einer Frau: Ausbildung, Beruf, Ehe, Kinder, Sexualität usw. Damit hat sich Silkes Verständnis von„Politik“ grundsätzlich gewandelt. Petra Woocker berichtete ein Beispiel aus ihrer Anwaltspraxis. Eine Vorgesetzte mobbte ihre Untergebene, die verletzt war und sich vor Gericht wehrte. Nachdem die Fronten total verhärtet waren und die betroffene Frau durch den Prozess noch einmal neu verletzt wurde, kam es in der Gerichtsverhandlung zu einer überraschenden Wende. Auf einmal begriff die Vorgesetzte, was sie getan hatte und entschuldigte sich. Danach war es möglich einen Vergleich zu schließen, mit dem beide Seiten zufrieden waren. Es schloss sich eine Teilnehmerinnendiskussion an, bei der viele Frauen eigene Geschichten zu den „Sternstunden der Gerechtigkeit“ erzählten; alltägliche Geschichten, aber auch Geschichten aus der Weltpolitik, z. B. Früchteboykott der evangelischen Frauen gegen die Apartheid in Südafrika. Heike Gumpert, ehemalige Frauensekretärin von ver.di Hessen, berichtete von einer Anhörung im hessischen Landtag, bei der es eigentlich schon vorher beschlossene Sache war, das Hessische Gleichberechtigungsgesetz aus den Angeln zu heben. Den mehreren Hundert anwesenden Frauen(Frauenbeauftragte, Frauengruppen, Expertinnen) und vielen Männern, gelang es, durch ihr Auftreten, diesen Prozess zu stoppen. Auch eine Geschichte über Ungerechtigkeit wurde erzählt, bei der die betroffene Frau in Tränen ausbrach. Sie initiierte mit anderen Frauen zusammen in der Konferenzpause eine Unterschriftenaktion. Ein Fazit: Wut und Entrüstung über Ungerechtigkeit (das Aufbegehren) sind ein ebenso wirksames Mittel der Politik wie die Hoffnung auf Gerechtigkeit. ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 7 Die Verallgemeinerungsdebatte wurde sprachlich geführt. Können wir von„Sternstunden“ reden oder sollten wir nicht lieber„Sternschnuppen“ oder „Glühwürmchen“ zu unseren Gerechtigkeitserfahrungen sagen? Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die „Gerechtigkeitskompetenz“. Zwar etwas verschüttet, aber dann umso machtvoller kam sie bei den anwesenden Frauen ans Tageslicht, als Alltagshandeln, als permanenter Ausgleichsprozess, als Beteiligung und Vorantreiben(frauen)politischer Prozesse. Wir machen eigentlich nichts anderes, als immer wieder die gestörten Waagschalen der Gerechtigkeit ins Gleichgewicht zu bringen – so lautete das Resümee. Die Diskussion über die Zukunftsperspektiven kam zögernd in Gang. Die Verarbeitung unserer Gerechtigkeits-/Ungerechtigkeitserfahrungen hätte mehr Zeit gebraucht, um daraus Konsequenzen zu ziehen. Meines Erachtens wäre der nächste Diskussionsschritt die Frage gewesen, nach welchen Kriterien und Wertvorstellungen wir die Waage immer wieder neu justieren. Die Fishbowl-Methode war gut und funktionierte am Vormittag hervorragend. Es standen meist einige Frauen hinter den Stühlen. Die Diskussionspausen wirkten nachdenklich. Nachmittags ging es schwerfälliger zu(die Verdauung? die kurze Zeit? unzufriedenere Frauen? meine Erschöpfung als Moderatorin?). Einige Frauen fühlten sich verantwortlich und redeten immer wieder, andere schwiegen umso nachhaltiger. Diese Spaltung verhinderte bei mir am Nachmittag den Eindruck eines wirklich demokratischen und lebendigen Prozesses. Die Prozessbeobachterin Barbara Stiegler hatte u. a. auf dem Flipchart notiert: 1. Sternstunde der Gerechtigkeit ■ frauengerechte Sprache durchgesetzt ■ Verantwortung des Staates und des EuGH für Gleichberechtigung angemahnt und dabei erfolgreich ■ Gesellschaft erkennt im Gewaltschutzgesetz Positionen der Frauen an ■ „Quoten“regelung im Landesgleichstellungsgesetz NRW ■ Gerechtigkeit ist Zivilcourage und Anerkennung der Würde von Frauen, der Verbindung von Gefühlen und Verstand 2. Wie wirken wir für Gerechtigkeit als Individuen und als Teil einer Gruppe ■ Biographie- und Vorbildforschung ■ Ausübung unserer Definitionsmacht ■ Durchsetzung von Arbeitsteilung in der Familie ■ Sich auf eigene Ressourcen beziehen ■ Ausgrenzungen, auch bei anderen, aushalten ■ Dialektik reflektieren von Streitkultur und dem Wunsch, Gemeinsames zu empfinden 3. Wie füllen wir die Waagschale der Gerechtigkeit ■ Kämpfen mit Wut und Freude, z. B. dem Wunsch, ein Gleichberechtigungsgesetz für die Privatwirtschaft durchzusetzen ■ Antidiskriminierungsbewusstsein stärken ■ Die Ressourcen von Migrantinnen, jungen Frauen, von Frauen mit Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen nutzen und in einem Dialogprozess unterstützen und stärken Insgesamt wurde meine Annahme, Frauen seien die kluge und sensible Avantgarde der politischen Bewegung, bestätigt. Dieser Eindruck hat sich bei mir auch durch die aufmerksame Beobachtung der Justitia-Ausstellung durch viele Teilnehmerinnen und die Diskussion im Plenum bestätigt. 8 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Fishbowl: „Nicht Mangel – sondern Fülle“ Zukunft der Bildung und Arbeit von Frauen! Expertinnen in der Runde: Verena Bruchhagen, Dipl.Pädagogin, Geschäftsführende Leiterin der Frauenstudien Dortmund Prof. Dr. Katrin Hansen, Professorin an der FH Gelsenkirchen im Fachbereich Wirtschaft Prof. Dr. Edeltraud Vomberg, Professorin an der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen Ulrike Wenner, Leiterin Stab Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit Planung, Moderation und Beobachtung: Dr. Ann Marie Krewer, Bildungsreferentin; Mitarbeiterin im Leitungsteam des Frauenbildungshauses Zülpich Carmen Tietjen, Deutscher Gewerkschaftsbund Nordrhein-Westfalen Christine Weinbörner, LAG kommunaler Frauenbüros/ Gleichstellungsstellen Nordrhein-Westfalen Nicht Mangel sondern Fülle – Zukunft der Bildung und Arbeit von Frauen unter diesem Motto zu diskutieren, heißt, verschiedene Spannungsfelder in den Blick zu nehmen: ■ Bildung ist weiblich! Doch reicht dies, um Gesellschaft zu verändern? ■ Frauen verfügen mehr denn je über eine Fülle von Bildung – dennoch mangelt es oft genug an der Möglichkeit, diese in einer angemessenen Erwerbsarbeit umzusetzen. ■ Frauen haben eine Fülle von Arbeit, zu oft mangelt es an adäquater Entlohnung. Die Themenfelder„Bildung und Arbeit“ bieten sich an, auf das Erreichte zu schauen und der Frage nachzugehen: wo müssen Strukturen sich ändern, damit Frauen sich bewegen können – und sich etwas für Frauen bewegt?! Oft starten Frauen mit Leidenschaft in neue Projekte, Vorhaben, Aufgabenstellungen und allzu oft geht die Leidenschaft an der Fülle von Widerständen verloren. Insofern geht es auch darum, Kräfte zu bündeln, um gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen. Das Ziel des Fishbowls liegt darin, uns darauf zu besinnen, woraus die Kraft für gesellschaftspolitisches Handeln gespeist wird: ■ aus unserem Begehren, bestimmte Ziele zu erreichen bzw. aus dem Aufbegehren gegen Missstände ■ aus dem Gefühl von Gemeinsamkeit, gegenseitiger Inspiration und Ermutigung, und aus der Freude an innerer und äußerer Bewegung, auf die wir eine Resonanz erfahren. Diese Resonanz wollen wir auch in diesem Fishbowl (wieder) herstellen. Wir wollen einen Klangraum erzeugen, in dem die Fülle unserer Kompetenzen ins klingen und schwingen kommen. Für den Einstieg in die Diskussion wird jede Expertin zunächst um ein subjektives Statement gebeten: ■ Welcher Motor treibt sie an, ihren beruflichen Weg zu gehen? ■ Welche Schlüsselerlebnisse, welche Vorbilder begleiten Sie? ■ Was hat sich positiv verändert für Frauen? Was wollen Sie noch erreichen? Diese erste Runde zeigt, dass sich die Erfahrungen von Frauen im Bildungssystem und im Erwerbsleben sehr ähneln, auch wenn die Tätigkeitsfelder sehr verschieden sind. Außerdem hat jede Expertin eine andere Frau als Vorbild, Förderin oder„Mutmacherin“, die sie unterstützt hat, ihren(beruflichen) Weg zu gehen. So deutet diese erste Runde schon auf einen Themenschwerpunkt hin, der zur weiteren Strukturverbesse- ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 9 rung für Frauenbildungs- und Erwerbsarbeit von zentraler Bedeutung ist: Bündnisse, Netzwerke, FrauenLern-Lehrstrukturen. In Bezug auf das Bildungssystem wird vor der zunehmenden Intransparenz gewarnt; gesellschaftspolitisch ist eine Polarisierung zwischen bildungsnahen und den sog. bildungsfernen Schichten zu beobachten, an denen die aktuellen bildungspolitischen Diskussionen mit Elite- oder Hochbegabtenförderung, Exzellenz-Initiativen und ausschließlicher Förderung von Modellprojekten vorbeigehen. Es wird gefordert, dass gegenüber dieser Entwicklung das Bildungssystem sich wieder für alle öffnen muss nach Eignung und Neigung und insbesondere die Kompetenzen der Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund in den Blick genommen werden müssen. Hier haben oft auch frauenpolitisch Tätige noch einen blinden Fleck. Für den Bereich der Erwerbsarbeit wird auf die Chance verwiesen, die sich aus der zunehmenden Entstandardisierung von Berufsverläufen für Frauen mit ihren häufig gebrochenen Erwerbsbiografien ergibt. Es gilt, dies für sich selbst und gegenseitig als Stärke und Potential anzuerkennen. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass – aufgrund der Stärke von Frauen – sich immer mehr das„Familienernährerinnenmodell“ durchsetzt, bei dem Frauen nicht nur die komplette Versorgungsarbeit für die Familie übernehmen, sondern gleichzeitig allein für das Einkommen sorgen – eine Entwicklung, die zu noch größeren Mehrfachbelastungen führt und so nicht gewollt sein kann. Einigkeit besteht darin, dass eine Verbesserung für Frauen im Bereich der Erwerbsarbeit sehr engmaschig mit den strukturellen Rahmenbedingungen verknüpft ist. Darüber hinaus muss sich immer noch sehr vieles an der gesellschaftlichen Einstellung zur Männersorgearbeit und zur Frauenerwerbsarbeit ändern. Der Gesamtverlauf der Diskussionen kann aus den Stichworten der Flipcharts(Auszug) rudimentär nachvollzogen werden: ■ Gestaltungsmöglichkeiten anschauen – nicht Grenzen. ■ Genderblick in frühkindlicher Erziehung. ■ Übergänge Bildung – Erwerbsarbeit. ■ Persönliche Kompetenzen besser vermarkten/präsentieren; lebenslanges Lernen aber keine lebenslangen Jobs, Frauen als eigene Arbeitskraft – Unternehmerinnen; Abbau von Standards als Chance. ■ Langfristige und qualitative Bildungsplanung. ■ Genderphilosophie bedeutet realen Ressourcenabbau; Gender kontra feministische Politik. ■ Maßnahmen(förderung): billig geht vor Qualität. ■ Jungen und Männer an Sorgearbeit beteiligen und heranführen; Vereinbarkeitsthematik war noch nie so präsent wie heute! Verantwortung der Wirtschaft; Erziehung von Kleinauf als gesellschaftliche Aufgabe/Gender. ■ Work-Life-Ability – außerberufliche Fähigkeiten anerkennen. ■ Mentoring= Netzwerke/ neue Eliten; soziale Verantwortung derer, die es geschafft haben; Betriebsrätinnen als Patinnen für junge Frauen. Vom „Modell“ in die„Fläche“. ■ Professionelles Gender know how – strukturelle Konflikte in den Blick nehmen. Zu den lebendigen Diskussionen tragen außerdem die Mitdiskutierenden aus den Reihen der Zuhörerinnen bei als: ■ Expertinnen aufgrund ihrer Lebenserfahrungen, ■ Expertinnen aufgrund ihrer Bildungserfahrungen, ■ als Mütter-Expertinnen, als Berufsexpertinnen– ■ also als Expertinnen als Frauen in dieser Gesellschaft. 10 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Fishbowl: „Wer nicht träumt – Macht ist die Möglichkeit zu handeln – Politik für Frauen“ Expertinnen in der Runde: Martina Arndts-Haupt, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Münster Mechthild Eickel, Madonna e.V. Bochum Dr. Kerstin Wolff, Historikerin, Kassel Planung, Moderation und Beobachtung: Cornelia Benninghoven, Ideen, Texte, Moderationen, Köln Ute Fischer, Der Paritätische Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen Elke Fonger, LAG kommunaler Frauenbüros/ Gleichstellungsstellen Nordrhein-Westfalen Der Begriff von Macht ist unter Feministinnen bis heute umstritten: den Nutzen von Macht in Institutionen im Sinne von politischer Einflussnahme vertreten die einen, Furcht vor Mitwirkung am Erhalt des Systems äußern die anderen. Patriarchatskritik, negative Assoziationen bzw. im Sprachgebrauch angewandte Gleichsetzung der Begriffe Macht und Gewalt, Macht als Teilhabe und Weg zu Geschlechtergerechtigkeit, all dies sind Aspekte des feministischen Machtdiskurses. Die Expertinnen diskutierten in einer Gesprächsrunde insbesondere folgende Fragen; aus dem Kreis der Teilnehmerinnen kamen wechselnd Frauen zur Diskussion hinzu. Leitfragen waren: ■ Wie wird Politik für Frauen gemacht? ■ Wie setzen Frauen Fraueninteressen durch? ■ Frauenpolitik als Querschnittsaufgabe ■ Was macht Politik für Mädchen und Frauen attraktiv? ■ Was muss sich verändern, was bedeutet das für NRW? Zum Eingang erfolgten in Anlehnung an den Affidamento-Ansatz der Mailänderinnen Fragen zu den Bereichen Berühren, Begehren, Bewegen. Im Anschluss daran erfolgte eine Diskussion mit den Teilnehmerinnen. Fragen an die Expertinnen 1. Was war Ihr Beweggrund für Ihre Berufswahl bzw. für Ihre heutige Arbeit? 2. Was finden Sie an Politik für Frauen und Mädchen attraktiv? 3. Macht ist die Möglichkeit zu handeln(Hannah Arendt). Nennen Sie ein positives Beispiel: Wie/ wodurch haben Sie in Ihrem Handlungsfeld positive Ergebnisse für Frauen erreicht/bewegt? Wie viel Macht wollen Frauen? Warum tun sich manche Frauen schwer damit? Wo gibt es Vorbilder? 4. Welche Perspektiven in Ihrem Handlungsfeld sind nötig, damit Politik für Frauen erfolgreicher wird? Wie mache ich selbst Politik mit anderen Frauen? In den zwei durchgeführten Fishbowls wurden folgende Aspekte aus der angeregten Diskussion auf Flipcharts festgehalten. Was ist Macht unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen? ■ Frauen müssen sich zusammenschließen Koalitionen schließen Rückkoppelung mit anderen Frauen Punktuelle Zusammenschlüsse zwischen den vielfältigen Frauen ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 11 ■ Strukturen analysieren, die uns ausbremsen ■ Ziele im Auge behalten in einer Struktur, in der viele Interessen eine Rolle spielen Koalitionen eingehen und das Eigene nicht vergessen ■ Ziele sind zuvor zu definieren; wozu Macht ■ Lust und Leidenschaft Frauen sind verschieden in Bezug auf das, was sie wollen. Das darf nicht das Gemeinsame vergessen lassen. Nur das bringt Leidenschaft: Was uns auf den Nägeln brennt; Lust beim Durchschauen von Zusammenhängen und das im Interesse von Frauen nutzen ■ Sozialarbeiterisierung der Frauenpolitik= neue Handlungsfelder erschließen;„Betroffene“ werden (heute) zu Klientinnen; früher ging es um die Politisierung der Problemlage, nicht nur um Hilfe Ressourcenansatz: Frauen entwickeln in jeder Lage auch Kompetenzen Frauen müssen ihr Verhältnis zur Macht neu erfinden. ■ Politisches Handeln braucht Visionen, die erzeugen Leidenschaften, nicht der Pragmatismus Ziel: Nach den Sternen greifen, nicht schon einschränken, bevor es losgegangen ist. Grenze: Wo eigenes Handeln abgeschnitten wird. Visionen sind das„Futter“, um die Verhältnisse auszuhalten; inspirierend auch die Verbindungen zu anderen Frauen. Selbstermächtigung: Ich nehme mir den Raum zu Handeln; das ist nicht die Regel, verändert aber. ■ Es gibt keine gesellschaftliche Macht ohne persönliche Ermächtigung/ persönliche Macht ■ Gerechtes Teilen ■ Verhältnisse sind nicht so, kleine Schritte sind mehr; Macht der kleinen Schritte. Wie können Frauen zu Lebzeiten was erreichen? Agenda aufstellen Frauenthemen werden vermarktet ■ Damit die jungen Frauen sich neu bewegen, Frauen sichtbar machen, Erfolgsgeschichten erzählen ■ Frauen können aus der Position der Ohnmacht in die Position der Macht rücken ■ Institutionelle Macht kann auch machtlos machen Macht hat. Was bedeutet das für NRW? ■ Wir haben in den letzten 20 Jahren viel Macht aufgebaut Heute haben sich die Bedingungen geändert. Eine aktuelle Analyse, die auf die veränderten Bedingungen reagiert, wäre gut. ■ Gute Landschaft von Frauenprojekten ■ Frauen haben eine gewisse Macht und die Verbindung zu den Frauen in der Politik; das wurde aufgebaut. 12 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Fishbowl: „Immer in Bewegung – schneller, schöner, total gesund??“ Expertinnen in der Runde: Ulrike Janz, Autorin und Herausgeberin des Buches:„Lesbische Wechseljahre“ Lesbenzeitschrift IHRSINN, Frauenbuchladen amazonas in Bochum, Tänzerin Dr. phil. Saskia Schottelius, Verein Chikara – Frauen in Bewegung (Karate, Tai Chi, Chi Gong und Selbstbehauptung), Bildungsreferentin, Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin, Bonn Carola Spiekermann, Körperpsychotherapeutin und Supervisorin, Aufbegehren e.V., Trier Planung, Moderation und Beobachtung: Gabriele Bischoff, WIR FRAUEN e.V. und LAG Lesben in Nordrhein-Westfalen e.V. Carola Lehmann; Referentin zu Frauengesundheitsthemen, langjährige Mitarbeiterin im Feministischen Frauengesundheitszentrum Hagazussa Köln und der Koordinationsstelle Frauen und Gesundheit Nordrhein-Westfalen Wenn es ums Ganze geht, kommen wir um die Themen Körper und Gesundheit nicht herum. Auf die Frage, was wir uns wünschen, fällt uns oft als erstes ein: Gesundheit! Wir wollen uns dem Thema zunächst von der individuellen Seite her nähern. Was berührt uns, was bewegt uns – und was haben wir bereits bewegt – und was begehren wir; was wollen wir bewegen beim Thema Gesundheit? Mit dem gewählten Titel: Immer in Bewegung – schneller, schöner, total gesund?? wollen wir den gesellschaftlichen Druck zu Gesundheit und gesundheitsbewusstem Verhalten, sich z. B. mehr bewegen zu sollen, aber auch verallgemeinernde Schönheitsideale in Frage stellen. Und die Folge von: Wer„immer in Bewegung bleibt“, sich schnell auf Neues einstellen kann, wird mit Zufriedenheit, Schönheit und Gesundheit belohnt. Auch die Themen Vielfalt, Körper/-bilder und Frauen/-bilder gehören für uns dazu. Was sagen wir zu dem Druck, den zum Teil sogar ausgesprochenen Forderungen: ■ Beweglich bleiben zu müssen auch im übertragenen Sinne; sich immer wieder schnell neuen Anforderungen stellen zu müssen, beruflichen wie familiären, neuen Rollenanforderungen, neuen Schönheitsidealen… ■ Uns mit Gesundheit und v. a. mit möglichen Krankheiten beschäftigen zu sollen; am besten dran ist, wer auf dem aktuellen Stand der medizinischen Möglichkeiten ist und alle so genannten Vorsorgemaßnahmen nutzt. Oder? Und: wer krankt wird, ist selbst schuld? Bei dem Vitaminmarkt, den ganzen Aufklärungssendungen, der Wellnessbewegung… Was heißt für uns„gesund“ sein? Wo ist individuelle Verantwortung und wo erwarten wir die Hilfe vom Gesundheitssystem? Wohin wollen wir uns mit diesem Thema bewegen und was tragen wir der Politik und dem Gesundheitssystem an? Seit mehr als 30 Jahren geht es der Frauengesundheitsbewegung um Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Sie fordert eine Medizin, die geschlechtsspezifischen Unterschieden gerecht wird und gleichzeitig Stereotypen und normierte Körperwerte hinterfragt. Der erkannte Handlungsbedarf wurde in NRW aufgegriffen mit der Einrichtung der Enquetekommission„Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW“(2001 – 2004) und der Finanzierung der Koordinationsstelle Frauen und Ge- ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 13 sundheit NRW(2000 – 2006), die ihre Wurzeln in der Frauengesundheitsbewegung hat. Beide Stellen haben in gegenseitiger Unterstützung Missstände im Gesundheitssystem aufgezeigt und konkrete Forderungen formuliert, die nach wie vor Gültigkeit haben. Dies wollen wir in Erinnerung bringen! Von den persönlichen Erfahrungen, dem was uns„berührt“ ausgehend, wollen wir daran erinnern, dass es nach wie vor viel zu tun gibt. Im Gesundheitsbereich wurden und werden Interessen von Frauen schnell instrumentalisiert, und womit sich Geld verdienen lässt, das wird nur zögerlich hinterfragt. Neben den Anti-Aging-Angeboten und den Schönheitsoperationen, ist ein aktuelles Beispiel die viel beworbene und diskutierte HPVImpfung von Mädchen vor der Pubertät, die Gebärmutterhalskrebs vorbeugen soll. Und ist die flächendeckende Mammographie-Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs das, was wir wollen? Was ist“Segen“ und was einfach Marktinteresse? Wo sehen wir wirklich Bedarf und was führt eher zu Pathologisierung? www.frauengesundheit-nrw.de www.landtag.nrw.de (Parlament, Enquetekommissionen, Abgeschlossene Kommissionen: Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW) www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_I/I.1/EK/E KALT/13_EK2/aktuelles.jsp 14 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten der Fishbowls als Ergebnis des Kongresses Als übereinstimmende Ergebnisse und Erkenntnisse der vier Fishbowls können festgehalten werden: 1. Vielfalt der Frauen und ihrer Lebenssituationen anerkennen 2. Potentiale und Kompetenzen von Mädchen und Frauen sichtbar machen – strukturelle Defizite benennen 3. Mentoring als Instrument nutzen ■ Eigene soziale Verantwortung: Mentorin werden ■ Vorbilder und Erfolgsgeschichten verbreiten ■ Konkretes Projekt: Betriebsrätinnen als Patinnen 4. Jungen und Männer an der Sorgearbeit beteiligen – Verantwortung der Wirtschaft einfordern 5. Leidenschaft als Kraft nutzen heißt: Dem Begehren und Aufbegehren eine Richtung geben. 6. Die Frauen in Nordrhein-Westfalen sind noch immer gut aufgestellt. Ganz im Gegensatz zu der Bedeutung, die ihnen in der Landespolitik beigemessen wird. Frauen haben auch das Recht auf die Hälfte der vorhandenen Gelder! Fazit Wieder stellt sich heraus: Auch dieser Kongress hat alt bekannte Wahrheiten ans Tageslicht gebracht, womit die Frauen schon vor 25 Jahren wieder begonnen haben. Und deswegen ist es umso wichtiger, Leidenschaft und Begehren wach zu halten und in Politik für Mädchen und Frauen weiter lebendig zu machen. Leidenschaft und Begehren, die aus der persönlichen Begegnung entstehen und erwachsen. ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 15 Abschlussrunde Inge von Bönninghausen, Moderatorin: Aus dem Fishbowl„Recht und Gerechtigkeit“ berichten Barbara Degen und Barbara Stiegler. Welche Relevanz hatte die Diskussion für„das Ganze“, um das es uns ja heute gehen sollte? Barbara Stiegler: Ich war Beobachterin und habe mir deswegen einen Überblick verschaffen können. Ich glaube, die Diskussion um Gerechtigkeit war keine von Juristinnen, war auch keine von Menschen, die irgendwelche Rechtsinstitute diskutieren wollten. Es ging wirklich um die Frage, was ist Gerechtigkeit und an welchen Stellen empfinden wir das? Der Schwerpunkt war die Diskussion um die Frage„Wo sind Ungerechtigkeiten, die uns berühren?“. Und es war sehr deutlich, dass es genau um diesen Berührungspunkt geht und dass Bewegung für Gerechtigkeit auch dann erst entsteht, wenn empfunden wird, dass ein Unrecht da ist. Der Haupttenor war dabei die Frage nach den Ressourcen, also die Diskussion darum, was eigentlich alles schon erreicht ist. Das begann bei Elisabeth Selbert, und es wurden historisch noch mal die Eckpunkte verdeutlicht, die ja auch einen Fortschritt verdeutlichen. Gemäß dem Motto des Kongresses ging es auch immer um diese persönliche Erfahrung mit Gerechtigkeit. Dabei wurde ein sehr schöner Bogen zwischen der Notwendigkeit eines Gleichbehandlungsgesetz für die private Wirtschaft und der subjektiven Definition von Gerechtigkeit gezogen: Wenn eine Frau sagt, sie freut sich, wenn ihr Sohn, der anders ist, auch zu diesem Anderssein steht, dann ist das ihr Beitrag zur Gerechtigkeit. Also, es gab nicht nur die Fixierung auf die normativen Regelungen, sondern eben auch auf das Alltagsleben, in dem auch Gerechtigkeit realisiert werden kann. Ich war auch in der Gruppe, in der über die Macht diskutiert wurde. Da wurde auch deutlich, dass es ein Fehler ist, wenn wir uns negativ definieren. Vielmehr müssen die Ressourcen, die Erfolge ganz genau so ins Visier genommen werden. Das heißt nicht, dass wir uns da ausruhen, sondern dass wir das auch als unsere Stärke empfinden und sehen, wie wir jetzt den nächsten Schritt machen. Barbara Degen: Ja, ich finde, sie hat eine wunderbare Zusammenfassung gegeben, so dass ich eigentlich erschöpft den Mund halten könnte. Was ich an der Diskussion spannend fand, dass sie sich immer in diesen widersprüchlichen Reibungsflächen von Recht und Gerechtigkeit bewegt haben und dass diese Reibungsflächen sich bis in die Sprache fortgesetzt haben: Können wir von Sternstunden der Gerechtigkeit oder sollen wir lieber erst einmal bescheidener von Glühwürmchen der Gerechtigkeit reden? Das hat uns sehr bewegt. Auch diese Reibungsflächen zwischen unserer eigenen Wut auf Ungerechtigkeit und dem, was sich daraus für die Einzelnen und für die Gesellschaft als Bewegungselement ergibt. Das war für mich sehr schön, wie schnell das überall auf dem Tisch lag, sowohl mit den Unrechts- als mit den Rechtserfahrungen und damit wurde das gesamte Spektrum von Frauenhandeln und Frauenerfahrung berührt. 16 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Moderatorin: Barbara, du hast sehr betont, dass es keine Diskussion unter Rechtsgelehrtinnen oder Juristinnen war. Ich mache sehr häufig die Erfahrung, dass im politischen Raum viele Frauen sich aus sehr verständlichen Gründen schwer tun, sich mit Gesetzen zu befassen. Es ist eine Sprache, die den meisten fremd ist. Es heißt dann, das ist reine Paragraphenreiterei. Würdest du nach eurer Diskussion mit dem Blick auf„das Ganze“ und auf die Zukunft sagen, ja, es wäre gut, wenn Frauen, Frauengruppen, aktive Frauen sich mehr um das in Gesetze gegossene Recht kümmern? Barbara Degen: Na ja, wir haben ja gerade von Barbara Stiegler gehört, dass selbst wir als Juristinnen in den Workshops uns auf Abstand gehalten haben, indem wir nicht zu sehr ins Detail gegangen sind. Uns nerven als Juristinnen die Sprache und die Strukturen. Also, wir müssen quasi als feministische Juristinnen die Vielfalt des Frauenlebens entdecken. Wir müssen dieses enge System sprengen und die Rahmenbedingungen angehen. Das Gewaltschutzgesetz oder die Regelungen zu Ehescheidungen haben ganz viel verändert. Gleichzeitig gibt es immer noch die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten. Also, in diesen Widersprüchlichkeiten sich zu bewegen, ist eine ganz schwierige Angelegenheit. Moderatorin: Ich würde Dich, Ann Marie, dann bitten fortzusetzen mit„Nicht Mangel, sondern Fülle – Zukunft der Bildung und Arbeit für Frauen“. Was waren die Schwerpunkte und was kannst Du berichten, wo vielleicht weiterzudenken, weiter zu diskutieren ist, auf„das Ganze“ gesehen? Ann Marie Krewer: Beide Teile des Fishbowl Arbeit und Bildung haben gelebt von der Spannung zwischen diesen beiden Bereichen. Auf der einen Seite können wir eine unglaubliche Erfolgsgeschichte von Bildung lesen, was Frauen – sei es in der schulischen, in der universitären Ausbildung oder auch in der Weiterbildung erreicht haben. Auf der anderen Seite ergeben sich Brüche, sobald sie auf den Arbeitsmarkt kommen mit ihren wunderbaren Qualifikationen. Weitergehend gibt es aber auch ein Spannungsverhältnis zwischen dem akademischen Gender-Diskurs, wo das alles analysiert, theoretisiert ist, wo Untersuchungen erstellt werden, wo statistisch nachgewiesen wird, wie gut Frauen heute ‚aufgestellt’ sind. Diesem Diskurs steht der real-politische Ressourcenabbau gegenüber, der sich in ganz katastrophalen gesellschaftlichen Entwicklungen niederschlägt. Z. B. darin, dass sich das Bildungssystem wieder zunehmend verschließt anstatt dass es sich öffnet für die breiten Bevölkerungsschichten. So wird in„Elite“ investiert und nicht in die Masse oder die Fläche. Die gesellschaftspolitischen Probleme werden immer relevanter, es klafft eine immer größere Schere zwischen Armut und Reichtum, zwischen den Bildungsgewohnten und vor allem den Mädchen aus bildungsferneren Schichten. Hier verschließen sich(Bildungs-) Wege wieder zunehmend. Dies ist noch zuzuspitzen auf die Situation der Mädchen und Jungs, Frauen und Männer mit Migrationserfahrungen, die auf dem deutschen Bildungs- und Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen. Hier verschärfen sich diese Konflikte, verschärft sich die Polarisierung noch weiter. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, im alltäglichen Handeln auf die Gestaltungsperspektiven und die Gestaltungsmöglichkeiten zu schauen, um nicht in Frust zu versinken, der lauten könnte:„Frauen, es ist alles so schrecklich und wir können ja eh nichts tun.“ Es gilt, die beiden Phänomene, die parallel existieren, als ein„sowohl als auch“ in den Blick zu nehmen und nicht als ein„entweder oder“. Insofern kamen wir zu der Forderung, dass sich die Bildungssysteme wieder öffnen: dass statt Eliteförderung Geld in Flächenförderung fließt; dass weggegangen ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 17 wird von einer Modellförderung, bei der Modellprojekte finanziert werden, die irgendwann vorbei und direkt vergessen sind, hin zu einer Regelförderung in vielen Bereichen, die einer breiten Basis zugute kommt. Moderatorin: Da Bildungspolitik nun einer der ganz wenigen Bereiche ist, die so eindeutig landesspezifisch sind, würde ich die Forderungen gerne zurückstellen bis wir zu den Perspektiven für NRW kommen. Da müsste ja die Bildung eine Hauptrolle spielen. Wie war der Verlauf des Gesundheitsbowl? Carola Lehmann: Also, wir hatten zwei sehr unterschiedlich verlaufende Diskussionsrunden und dennoch ging es in beiden um Frauenbilder, um Körperbilder, um Gesundheit, zum Teil auch um Gesundheitspolitik. Wir wollten ja mit den persönlichen Zugängen zu dem Themenfeld beginnen und so ging es schnell um die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem und um die Kommerzialisierung von Gesundheit und Gesundheitsleistungen. Ergebnis war zum einen, dass viele Frauen über ihre Kritik an der Gesundheitsversorgung zu den so genannten Alternativen kommen. Sie wenden sich mit ihren Fragen an Frauengesundheitszentren oder nehmen Naturheilverfahren in Anspruch, weil sie unzufrieden sind mit dem, was ihre ÄrztInnen ihnen anbieten. Und hier kam bald die Kritik an der mangelnden Finanzierung von z. B. alternativen Gesundheitsleistungen – und zugespitzt die Frage: wer kann sich Gesundheit eigentlich leisten? Kritisiert wurde, was die Kassen zahlen, z. B. Mammographie-Screening und HPV-Impfung und vor allem, was sie nicht zahlen, z.B. Naturheilverfahren und Gespräche zur Diagnosestellung. Das System der Zusatzversicherungen wurde zwiespältig beurteilt; einige nutzen es zufrieden, andere kritisierten, dass viele Frauen sich Zusatzversicherungen nicht leisten können. Und auch, dass die Zusatzversicherungen nicht alles zahlen, was individuell gewünscht wird. Zum anderen ging es um Frauenbilder und Körperbilder als etwas ganz Individuelles. Also um die Notwendigkeit der Akzeptanz von Vielfalt – im Gegensatz zur Normierung von z. B. Aussehen oder verallgemeinerten Ratschlägen, sich gesund verhalten zu sollen. Wir hatten ja im Titel dieses übertriebene und eigentlich schon ins Absurde gehende und sich ins Gegenteil verkehrende„immer in Bewegung – total gesund“. In der Diskussion ging es darum, dass es manchmal wichtiger ist, zur Ruhe zu kommen, im eigenen Körper anzukommen statt sich dem Druck zu beugen, diese vielen kommerziellen Angebote zu nutzen, z. B. Sport zu treiben, um gesund zu bleiben. Dass es eher darum geht, die Bewegungsmöglichkeiten zu finden, die einer liegen. Moderatorin: Als ich bei Euch so ein bisschen reingespinkst habe, hast Du gerade vom Vormittag berichtet und da war das Hauptstichwort . Habt ihr Ganzheitlichkeit in erster Linie als eine Wunschvorstellung für Gesundheit gesehen oder lässt sich bei eurem Verständnis von Ganzheitlichkeit auch eine Brücke schlagen beispielsweise zur Gesundheit? Carola Lehmann: Also mit„ganzheitlich“ meinen wir, dass beispielsweise auch Krankheit zum Leben gehört und auch zur Gesundheit, zum Körper. Ganzheitlichkeit ist mehr, als zu funktionieren. Ein wichtiges Stichwort war, dass es gut ist, wenn man mal Zeit hat, krank zu sein und das es oft gerade Selbständige in Existenznöte wirft, wenn sie mal krank sind und sich eine Auszeit nehmen müssen. Aber auch bei vielen Angestellten ist das ja inzwischen so, dass sie sich nicht mehr trauen, krank zu sein. Und es ging darum, dass Medizin häufig als nicht ganzheitlich und eher übergestülpt empfunden wird. 18 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Moderatorin: Und jetzt vielleicht genau, die Brücke? Carola Lehmann: Die Brücke ist vielleicht die, dass es darum geht, dass es unterschiedliche Bedürfnisse gibt. Jeder Mensch ist anders, auch Frauen sind unterschiedlich, und dass man in Kommunikation darüber kommt und darüber bleibt auch bei all der Unterschiedlichkeit und gemeinsame Anknüpfungspunkte findet, um gemeinsam zu kämpfen. Letztendlich also: Keine Angst vor Differenzen. Moderatorin: Ich ahne schon, dass Differenz ein wichtiges Stichwort sein könnte für einen nächsten Kongress. Vorher aber ist Cornelia dran. Cornelia Benninghoven: Das ist kein schlechtes Stichwort. Wenn ich die Überschrift aufgreife„Macht ist die Möglichkeit zu handeln“, dann gab es in den Fishbowls keinen Widerspruch dazu, sondern eher eine Umformulierung, die Macht als Ermächtigung zum Handeln versteht. Im Eingangsgespräch im Plenum hatte Inge von Bönninghausen heute Morgen den Unterschied gemacht zwischen Koalitionspolitik und Stammespolitik. Wir haben im Fishbowl hier weitergedacht: Wie geht das, wenn eine„leidenschaftliche“ Bewegung Politik, also konkret Politikerinnen ermächtigen, beauftragen, aber auch kontrollieren will? Funktioniert die Rückkopplung mit den Frauen in den Institutionen, in machtvollen Positionen? Es gab dazu eine interessante Schlussbemerkung einer deutsch-französischen Teilnehmerin: Haben Frauen versucht die Macht zu gewinnen aus dem„Malheur“ heraus? Haben sie sich also Positionen erarbeitet aus der Frauenbewegung heraus, anknüpfend an„Schwäche“- an Gewalterfahrungen, am Thema Abtreibung oder anderen unangenehmen Themen? Das muss ja kein Makel sein, aber man muss dann auch wahrnehmen, dass daraus Macht entstanden ist. Die jetzt schwindet, möglicherweise. Auch weil sich keine Leidenschaft mehr für Themen entfaltet. Kerstin Wolff aus Hessen hat gesagt, dass wir in Nordrhein-Westfalen da seien, ich sage das jetzt etwas platt, wo sie vor vier Jahren waren: Es gibt bestimmte Orte nicht mehr, es gibt auch andere Regeln in der Politik. Die Frage, ob wir alle da noch mitspielen können und wenn ja, wie, haben wir leider auch nicht geklärt. Aber wir haben festgestellt, dass diese Spielregeln sich verändert haben, dass die Politikstile sich verändert haben. Und jetzt für andere Strukturen zu brennen, zu mobilisieren, ist schwer. Moderatorin: Mit brennen meinst Du Leidenschaft? Cornelia Benninghoven: Mit Leidenschaft Themen bewegen. Ich habe das Gefühl, es geht darum, an ganz vielen Stellen sich einzumischen. Können wir dafür nicht brennen, sind das zu viele Themen? Das ist noch ein offenes Buch. Aber vielleicht gibt es dazu aus dem Kreis der Teilnehmerinnen Ergänzungen. Barbara Stiegler: Einen kleinen Disput gab es noch an der Stelle: Brauchen wir eigentlich Visionen oder ist es nicht besser, pragmatisch auf Bündnisse mit kleinen Schritten zu setzen? Beides ist ausgeführt worden. Es gab viele Vertreterinnen, die gesagt haben, wir brauchen die Visionen, das ist das, was uns leidenschaftlich macht, was uns motiviert, was uns stärkt. Und die andere Fraktion hat dann gesagt, ja gut, aber wir können nicht immer alles, wir müssen in kleinen Schritten gehen, das ist dann auch schon ein Erfolg. Moderatorin: Mir scheint das Verbindende zu sein, dass es bei jedem Einzelthema Spannungen und Brüche gab. Alle haben betont, dass es wichtig ist, die Unterschiedlichkeit, die Vielheit zu beachten. Wenn ich ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 19 versuche, auf das Ganze des heutigen Tages zu sehen, dann sehe ich zwei Spannungsfelder: das eine erstreckt sich zwischen Visionen, die wir dringend brauchen und den notwendigen kleinen Schritten; das andere Spannungsfeld liegt zwischen dem Wunsch nach Gemeinsamkeit und der Anerkennung von Unterschiedlichkeit. Auf diesem Hintergrund praktisch politisch zu handeln, wird nicht einfach werden. Ann Marie Krewer: Wir haben uns mit einer sehr konkreten Perspektive beschäftigt unter dem Stichwort: Lernen aus Unterschiedlichkeit bzw. Unterschiedlichkeit als Potential begreifen. Es gibt die Mentorinnenmodelle , die vielfach in akademischen Zusammenhängen und für Frauen in Führungspositionen gut funktionieren. Solche Modelle können und müssen noch viel flächendeckender installiert werden; zum Beispiel, Mentorinnenmodelle für Schülerinnen. Oder anwesende Betriebsrätinnen haben sich schon verständigt, dass sie eine Initiative auf den Weg bringen wollen, um für Auszubildende Mentorinnenprogramme aufzulegen. Zu den Funktionen dieser Modelle wurde angemerkt, dass sie beidseitig wirken müssen; die älteren Frauen müssen auch bereit sein, etwas von den Jüngeren zu lernen – womit gleichzeitig der Generationendialog lebendig gehalten wird. Dies sind Möglichkeiten, um konkrete Schritte zur vorhin angesprochenen Öffnung von Bildungsund Ausbildungsstrukturen zu gehen. Außerdem können hier diejenigen Frauen„genutzt“ werden, die mittlerweile vielfach an Positionen sitzen, an denen sie etwas bewirken können. Es gilt, an deren gesellschaftspolitische Verantwortung anzuknüpfen. Ein zweites Stichwort in diesem Zusammenhang war„Vernetzung“; wenn diese Mentorinnennetze sich untereinander wieder zusammenschließen, entsteht ein wirklich breites Netz von Ansprechfrauen und von wechselseitigen Unterstützungssystemen. Als drittes haben wir auf das landespolitische Feld geschaut. Wir stehen in der Mitte der Wahlperiode hier in NRW: 2009 haben wir Kommunalwahlen, 2010 Landtagswahlen. Bundestagswahlen sind in 2009, aber wir haben länderspezifisch geschaut. In Nordrhein-Westfalen muss ganz viel Geld in die Hand genommen werden, das in die Sozialstrukturen und die frauenspezifischen Strukturen – z.B. Beratungsstrukturen – investiert werden muss. Diese Strukturen sind mit hoher Kompetenz und viel Einsatz aufgebaut worden und sterben langsam aus mit der Generation derjenigen, die sie aufgebaut haben. Wenn die Stellen wegfallen, sind die Projekte weg. Da wird immer mehr an den Ressourcen gekappt, denn der politische Wind weht – wie wir alle wissen – gerade anders. In Vorwahlzeiten können wir also mit einem professionellen Gender-Blick, der ja mittlerweile von vielen Fachfrauen vertreten werden kann, die politischen Programme lesen und interpretieren, um so über unseren politischen Einfluss eine Veränderung der politischen Landschaft zu erreichen. Moderatorin: Ich habe noch mal eine Nachfrage an Kerstin zu der Entwicklung in Hessen. Da standen sie 2003 vor der Situation, alles noch einmal neu denken zu müssen und die eigenen Ziele neu zu besprechen. Ich hatte den Eindruck, dass es nicht nur zum Nachteil war. Es wurde eben gesagt, dass zum Beispiel manche Beratungsprojekte so langsam vor sich hin sterben oder weg sind, wenn die Generation derer, die sie aufgebaut haben, nicht mehr da ist. Wäre das auch ein Moment, sich hinzusetzen und neu zu überlegen, welche Beratungen sind heute nötig? Welche Ziele haben Frauenberatungsstellen? Also habt Ihr darüber auch gesprochen, dass die eigene Zielfindung auch noch mal Thema sein müsste? 20 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Kerstin Wolff: So dezidiert haben wir darüber nicht gesprochen. Ich selbst komme nicht aus der Frauenberatung, aber ich gehe davon aus, dass die Einrichtungen kontinuierlich an ihren Zielen arbeiten und diese den veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Sonst gäbe es die Einrichtungen lange nicht mehr. Ann Marie Krewer: Wir haben darüber gesprochen, dass die jüngeren Frauen mit großer Selbstverständlichkeit in die Frauenstrukturen hineinwachsen, diese gar nicht in Frage stellen, möglicherweise nicht im Blick haben, dass das gefährdete Projekte, gefährdete Strukturen sind. Hier könnte vielleicht mehr dokumentiert und sichtbar gemacht werden, welche und wie viel Kompetenz vorhanden ist und so darauf hingewirkt werden, dass diese Kompetenzen eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung erfahren; dass diese Arbeit genauso wertvoll ist wie der Manager-Posten in einem Unternehmen. Damit schließt sich ein Kreis bis hin zum Thema„gesellschaftlicher Wert von Frauenarbeit“, wo noch vieles zu erreichen ist. Moderatorin: Danke. Gab es im Umfeld Gesundheitspolitik Perspektiven für NRW bzw. für die Arbeit, die politische Arbeit in NRW? Carola Lehmann: Unser Ansatz war zu gucken, was berührt mich ganz besonders an dem Thema. Es gab die Enquete-Kommission für die Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW, es gab die Koordinationsstelle Frauen und Gesundheit NRW, die wurde 2006 von der jetzigen Landesregierung abgewickelt. Die Kommission und die Koordinierungsstelle haben eine Vielzahl von Missständen aufgezeigt und ganz konkrete Forderungen für das Land NRW formuliert. Die sind nach wie vor gültig. Der Enquete-Bericht ist ein dickes Buch und die Koordinationsstelle hat eine ganze Reihe von Veröffentlichungen zu verschiedensten Themen geschrieben. Das müssen wir nicht neu schreiben. Was wir vielleicht neu erfinden müssen – und darum sind wir heute hier – das ist die Bewegung dahinter. Weil es die Enquete-Kommission nicht mehr gibt, die Koordinationsstelle und mit ihr das Netzwerk Frauen und Gesundheit NRW nicht mehr gibt, müssen wir fragen: Wer gibt jetzt den Schub? Es gibt eine neue Landesregierung, einen neuen Gesundheitsminister und die müssen sich nicht mehr damit befassen, weil durch das Streichen der Finanzierung auch der Schub zunächst weg gebrochen ist. Deshalb haben wir heute ganz bewusst so einen individuellen Ansatz gewählt, um zu gucken, was uns an dem Thema noch oder wieder berührt. Sind wir noch unzufrieden? Was machen wir damit? Es muss noch ganz viel passieren. Wie können wir das in politisches Handeln umsetzen, das ist die spannende Frage. Moderatorin: Da wird es jetzt wirklich spannend. Was Du beschrieben hast, was alles da ist. Die Enquete, die Berichte und, und, und. Jetzt habt Ihr die individuelle Unzufriedenheit thematisiert und sagt, aus Unzufriedenheit entsteht Energie. Wo sind jetzt die Energiegeladenen, die sich die Enquete unter den Arm klemmen und damit bei dem neuen Gesundheitsminister auf der Matte stehen? Also wie bekommen wir das vorhandene Wissen verkoppelt mit der Energie, die aus individueller Unzufriedenheit entsteht? Das wäre nötig für eine NRW-Perspektive. Carola Lehmann: Dafür ist der Kongress ein Zeichen, weil er ja daraus entstanden ist, dass die noch be- ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 21 stehenden Organisationen im FrauenMädchen Netz NRW gesagt haben, wir können das Erreichte nicht sterben lassen, sondern wir müssen weiter in Kommunikation bleiben. Wir müssen uns weiter vernetzen, auch wenn Strukturen gestrichen worden sind. Vernetzung ist da ein wichtiges Stichwort. Wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die es nach wie vor ja gibt. Barbara Degen: Es gibt einen Zwischenbereich zwischen diesem individuellen Wutgefühl, diesen Erfolgserlebnissen und dem politischen Handeln im traditionellen Sinne. Für mich ist dieses Schlüsselwort dazwischen „Frauenräume“. Wir haben in dem Fishbowl Gerechtigkeit herausgearbeitet, dass es Situationen und Raumsituationen gibt. Wobei ich jetzt Raum nicht so eng sehen will, sondern auch, wenn Frauengruppen irgendwo da sind, wenn sie sich zusammensetzen, wenn sich irgendwas anfängt von der individuellen Frau zu bewegen in eine größere Kategorie. Wie wohltuend das ist, wenn auf einmal einerseits gestritten wird über unterschiedliche Positionen und andererseits aber dann ein Einklang entstehen kann. Cornelia Benninghoven: Was ich jetzt sage, gibt nicht nur die Fishbowl-Debatten wieder. Ich persönlich habe zwei Dinge im Kopf behalten: Das eine war der Begriff der hegemonialen Männlichkeit – und dass es nicht nur die herrschenden Männer gibt, die bestimmen, wo es lang geht. Sondern es gibt Männer wie Frauen, die unter diesen Strukturen mehr schlecht als recht existieren. Das würde ich gerne verknüpfen mit dem Netzwerkgedanken. Ich bewege mich in meiner Arbeit sowohl im so genannten Sozialmilieu wie in dem der so genannten Business- oder Führungsfrauen oder denen, die sich dafür halten. Was mir auffällt, sind die schwer aushaltbaren Parallelgesellschaften, die wir haben. Damit meine ich nicht nur die der Migranten und uns. Es gibt auch relativ wenig Durchlässigkeit zwischen z. B. dem sozialem Milieu und dem Ingenieursmilieu. Ich will jetzt nicht lange darüber philosophieren, warum das so ist. Ich will aber Mut machen, denn im Ingenieurinnen- oder Unternehmerinnenmilieu gibt es Themen, die ich für brennend halte für uns alle, auch wenn sie trocken klingen – zum Beispiel das Thema Ehegattensplitting. Ich treffe dauernd auf Unternehmerinnen, die sagen: Das gehört weg. Es gibt gemeinsame Themen. Mit Sicherheit das Bildungsthema, mit Sicherheit das Gesundheitsthema und sicherlich auch noch weitere Themen. Barbara Degen: Wir brauchen aber auch Geld und ich denke, uns ist Geld genommen worden in NRW. Und was ist mit diesen Ressourcen, mit diesen staatlichen Mitteln, die weggenommen worden sind? Es wäre gar nicht schlecht, mal eine kleine Analyse der Budgets zu machen und wenn wir da eine Differenz feststellen, dann: Frauen ran an die Töpfe, weil Macht hat auch was mit Geld zu tun! Moderatorin: Wir haben noch zehn Minuten. Ich möchte noch drei Meldungen einbeziehen. Renate Jansen(Publikum): Ich habe keine Frage, sondern ich habe eine Anmerkung. Wir hatten ja gerade ganz kurz das Thema Nachwuchs und da klang so ein bisschen durch, dass uns in den Frauenprojekten der Nachwuchs fehlt. Wir in der Mädchenarbeit machen die Erfahrung, dass es an den Universitäten ein hohes Interesse bei den Studentinnen an Mädchenarbeit gibt. Wir haben viele Nachfragen, was Praktikantinnen angeht, was Diplomarbeiten angeht, also viel- 22 Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW leicht sollten wir dann mal Frauenprojekte und Mädchenprojekte ein bisschen näher zusammenrücken und gucken, wie wir dann mit der Nachwuchsförderung gemeinsam was machen können. Ann Marie Krewer: Ich will an das Stichwort„EnqueteKommission“ anknüpfen. Im Fishbowl„Arbeit und Bildung“ wurde in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Europäischen Union hervorgehoben. Hier hat Ulrike Wenner von der Bundesagentur für Arbeit sehr deutlich gemacht, dass die wesentlichen Impulse dafür, was sich auf dem Arbeitsmarkt und in arbeitsmarktpolitischen Programmen für Frauen verbessert hat, von EU-Vorgaben ausgegangen sind. Unsere Bundesregierungen denken eigentlich:„Wir machen hier doch schon ganz tolle Sachen in Deutschland“, wenn sie dann jedoch der EU-Kommission berichten – was sie müssen – stellt sich heraus: Im europäischen Vergleich sind wir eher Schlusslicht, was Frauenpolitik, Sozialpolitik oder Bildungspolitik angeht. So ist die Europäische Union ein Machtfaktor, der unbedingt ins Blickfeld zu nehmen ist. Auf das Beispiel„Bildungssysteme“ hat Katrin Hansen von der FH Gelsenkirchen hingewiesen: In den skandinavischen Ländern sind unglaublich gute Beispiele zu finden; mit solchen Beispielen und mit Vorgaben, die die EU macht, kann Druck auf lokalpolitischer und auf Landes-Ebene ausgeübt werden. Barbara Degen: Ja, der viel gescholtene Rechtsbereich bietet doch Einiges an Ansatzpunkten. Erstaunlicherweise zum Beispiel haben wir gemerkt, dass nicht nur Angela Merkel im Moment gelobt wird, sondern vor allem das Gewaltschutzgesetz als eine der guten Meilensteine und wir würden als Trainerinnen sagen, auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 hat es in sich. Da steckt ein Potential drin, was auch ausgeschöpft werden kann. Wenn ich das anwende, müssten eigentlich wieder über rechtliche Verpflichtungen neue Geldmittel fließen oder neue Vernetzungsmöglichkeiten entstehen. Moderatorin: Vielen Dank Barbara, das ist jetzt die Antwort auf meine erste Frage an Dich, ob es nicht auch gut wäre, die aktiven Frauen dazu zu ermuntern, sich mit Gesetzen zu befassen. Ich hatte genau das AGG im Blick. Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du, obwohl es heißt„Perspektiven für NRW“ auf die Bedeutung der EU hingewiesen hast. Gerade wenn wir, wie heute Vormittag, von den Wellen der Frauenbewegungen sprechen, würde ich mir wünschen, nicht nur auf Europa, sondern noch darüber hinaus zu gucken. Ich finde, dass wir insgesamt zu wenig nach Afrika, Asien, Osteuropa gucken. Damit möchte ich mich dann bei allen bedanken für die Aktivität in den Fishbowls, für die spannende Diskussion in den letzten eineinhalb Stunden und diesen ganzen rundum gelungenen Tag. Ich wünsche euch eine gute Heimfahrt, einen schönen Sonntag und gebe das Wort ab. Lydia Klettke: Liebe Frauen, kommt gut nach Hause und bis zum nächsten Kongress. Vielen Dank. ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 23 Rahmenprogramm INFOKASTEN„JUSTITIA IST EINE FRAU“ Die Ausstellung„Füllhorn, Waage, Schwert – Justitia ist eine Frau“ ist einmalig in Deutschland und führt durch 23.000 Jahre Gerechtigkeitsgeschichte aus Sicht der Frauen. Sie wird gefördert durch das BMFSFJ und die Gerda-Weiler-Stiftung. Schirmherrschaft hat das Haus der Frauengeschichte e.V., Bonn(HdFG). Konzept und Leitung: Dr. Barbara Degen , konzept@justitia-ausstellung.de Wissenschaftliche Begleitung: Prof. Dr. Annette Kuhn , Haus der Frauengeschichte e.V., wissen@justitia-ausstellung.de Presse/PR/Infos: Cordula Dienst , Journalistin, info@justitia-ausstellung.de Ausstellungsmanagement: Eva Degen , org@justitia-ausstellung.de Internet-Homepage: www.justitia-ausstellung.de Ist Gerechtigkeit feminin oder Warum ist Justitia eine Frau? – Eine Antwort in 12 Tafeln in der Galerie der Friedrich-Ebert-Stiftung Eine Licht durchflutete Galerie, annähernd 300 neugierige, politisch aktive Frauen aus ganz NRW, die auf einem Kongress über Frauenpolitik diskutieren und arbeiten – nahezu ideale Bedingungen, um eine Ausstellung zum Thema Frauen und Gerechtigkeit zu präsentieren. Wo, wenn nicht in diesem Rahmen, ließe sich die Frage aufwerfen, ob Frauen nicht am Ende die gerechteren Menschen sind? Warum sonst ist Justitia eine Frau? Antwort auf diese Frage versucht die Wanderausstellung„Füllhorn, Waage, Schwert – Justitia ist eine Frau“ zu geben. Auf 12 Tafeln führt sie durch 23.000 Jahre Gerechtigkeitsgeschichte aus Sicht der Frauen. Dieser frauengeschichtliche Blick eröffnet überraschende Einsichten, neue Fragen und anregende Diskussionen. Idee und Konzept der Justitia-Ausstellung stammen von Dr. Barbara Degen, Juristin und mit denen aus anderen Zeiten, wie sehen Frauen heute Gerechtigkeit, wie haben Frauen damals Gerechtigkeit empfunden und gelebt? Diese Frage war der Anlass für Barbara Degen, sich mit den historischen Frauengestalten der Gerechtigkeitsgeschichte zu beschäftigen und ihnen den Raum zu geben, der ihnen gebührt. Unter der wissenschaftlichen Leitung der Bonner Frauenhistorikerin Prof. Dr. Annette Kuhn, Vorsitzende des HdFG e.V., wirft B. Degen einen eigenen Blick in die Räume der Gerechtigkeit – von matriarchalen Zeiten über die ägyptische Gerechtigkeitsgöttin Ma’at und die griechischen Göttinnen Themis, Demeter und Athene. Sie zeigt Kaiserinnen wie Livia und Theodora und fragt nach der Beziehung zwischen Muttergöttinnen und Maria und deren Rolle in dem jeweiligen historischen Gerechtigkeitsdiskurs. Außerdem würdigt sie das Wirken der großen Gerechtigkeitsdenkerinnen in der Geschichte wie Hildegard von Bingen, Christine de Pizan, Olympe de Gouges, Flora Tristan und Hedwig Dohm. Bis zu der heutigen Zeit kämpfen Frauen um „gleiche Rechte“, um die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung, wie es Art. 3 Abs. 2 des Grundgesetzes formuliert. Sie bewegen sich damit in einer eigenen historischen Gerechtigkeitstradition, in der sie das Allgemeinwohl für beide Geschlechter definieren. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Unrechtssystem des Faschismus und den Gerechtigkeitshoffnungen der Gegenwart. 24 Die 12 Tafeln der Ausstellung Tafel 1: Tafel 2: Tafel 3: Tafel 4: Tafel 5: Tafel 6: Tafel 7: Tafel 8: Tafel 9: Tafel 10: Tafel 11: Tafel 12: Die Räume der Gerechtigkeit – Ein Grundriss (ab 21 000 v. Chr.) In Ruhe und in Bewegung – Die ägyptische Gerechtigkeitsgöttin Ma’at (4000 v. Chr. – 1 Jh. n. Chr.) Die Natur der Gerechtigkeit – Der geschützte Ort (Griechenland 3. Jt. v. Chr. – 3. Jh. n. Chr.) Ich bin Justitia – Gerechtigkeit ist Frauenstärke in kultureller Vielfalt (Rom 8. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.) Im Zentrum der Weisheit – Gerechtigkeit wird eine Tugend (Das frühe Mittelalter 4. Jh. – 11. Jh. n. Chr.) Wisse die Wege – Frauen als Baumeisterinnen der mittelalterlichen Welt (11. – 14. Jh.) Die Stadt der Frauen – Christine de Pizan, eine Poetin der Gerechtigkeit(1365 – 1430) Das Verdienst der Frauen – Frauen klären über Recht und Gerechtigkeit auf (15. – 18. Jh.) Mann kannst Du gerecht sein? – Eine Frau stellt dir diese Frage (Revolutionszeiten 18./19. Jh.) „Schwestern verreißt eure Ketten! – Menschenrechte haben kein Geschlecht“ (1850 – 1933) Justitia weint – Prophetinnen, Zeuginnen, Angeklagte (Der deutsche Faschismus) Die Luft, die uns trägt, die Erde, die uns verbindet – Die weltweite Suche nach Gerechtigkeit(ab 1946) Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Der Deutsche Faschismus hat sich verheerend und katastrophal auf die Hoffnungen auf Gerechtigkeit ausgewirkt.„Justitia weint“, so beschreibt es die Ausstellung. Sie zeigt, dass wir uns in unseren Gerechtigkeitsvorstellungen von dieser Zeit immer noch nicht ganz erholt haben:„Die fast völlige Vernichtung von gesellschaftlich tradierten Gerechtigkeitsund Mütterlichkeitsvorstellungen verstört und belastet die politische Kultur, unsere Erinnerungen und die Demokratievorstellungen bis heute.“( Tafel 11) Heute sind wir auf der„weltweiten Suche nach Gerechtigkeit“. Wir versuchen, die Welt – auch mit den Mitteln des Rechts – friedlicher zu machen ( Tafel 12). Eine demokratische Gerechtigkeitskultur zwischen den Geschlechtern ist hierbei der wichtigste Baustein. Frauen wie die Anwältin Schirin Ebadi sind hier Vorreiter: erstmalig wurde 2003 der Friedensnobelpreis an sie als muslimische Rechtsanwältin für Menschenrechte vergeben. Damit wurden auch die weltweiten Bemühungen von Frauen um eine gerechtere Welt gewürdigt. „Die zwölf Tafeln der Ausstellung zeigen, dass selbst in den tyrannischen Zeiten unserer Geschichte, z.B. während der Hexenverfolgungen und im Faschismus, die Sehnsucht und die Hoffnung auf eine friedliche, gewaltfreie und liebevolle Welt nie verschwunden sind. Wir brauchen diese Hoffnung, ebenso wie wir alle Fähigkeiten der Frauen in der Politik und ihre Mütterlichkeit brauchen. Und wir hoffen auf eine Welt, in der diese Mütterlichkeit auch für mehr Männer zu einer erstrebenswerten Eigenschaft wird.“ ( Zitat Dr. Barbara Degen) ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 25 Markt der Möglichkeiten Buch am Dreieck FrauenBuchLaden Blücherstraße 3, 40477 Düsseldorf Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW e.V. Grabenstraße 13, 45964 Gladbeck LAG kommunaler Frauenbüros/ Gleichstellungsstellen NRW Kasernenstraße 6, 40213 Düsseldorf Der Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband NRW e.V. Fachgebiet Frauenprojekt, Loherstraße 7, 42283 Wuppertal FrauenRat NW e.V. Julius-Doms-Straße 13, 51373 Leverkusen FUMA e.V. Fachstelle Gender NRW Rathenaustraße 2–4, 45127 Essen Infobörsen für Frauen Lindenstraße 20, 50674 Köln LAG Autonome Frauenhäuser NRW Postfach 500349, 44203 Dortmund LAG autonomer Frauen-Notrufe in NRW Ackerstraße 144, 40233 Düsseldorf LAG autonome Mädchenhäuser/ feministische Mädchenarbeit NRW e.V. Robert-Geritzmann-Höfe 99, 45883 Gelsenkirchen LAG Lesben in NRW e.V. Ackerstraße 144, 40233 Düsseldorf LAG Mädchenarbeit NRW e.V. Robertstraße 5a, 42107 Wuppertal Bundeskampagne„Standpunkte“ (zu Gewalt gegen Frauen) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend LAG Wildwasser NRW An den Lothen 8, 44892 Bochum Musikalische Begleitung: Avenue Swingtet 26 Zwischenruf der Organisatorinnen Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Christine Weinbörner Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld Nicht kleckern, Klotzen! Beauftragt vom Frauen MädchenNetz NRW, nicht in Resignation zu verfallen, sondern einen Perspektivenkongress zu organisieren, trafen sich seit Herbst 2005 vier Frauen aus unterschiedlichen Institutionen. In Erinnerung an einen legendären Kongress autonomer Frauen 1986 in der Zeche Carl, an dem 350 Frauen teilgenommen hatten, wollten wir Ähnliches auf die Beine stellen. Unsere Ansprüche waren nicht gerade gering: natürlich sollten heute auch die eher traditionellen Frauenverbände angesprochen werden, die Politikerinnen interessiert werden, die Migrantinnen nicht ausgeschlossen werden, und auch„Wo bleiben die Mädchen“, die ständige Mahnung der LAG Mädchenarbeit, schwang immer mit. Alte Gegensätze zwischen autonomen Projekten und Institutionenfrauen, Heteras und Lesben sollten überwunden bleiben und der Brückenschlag in die nachfolgende Generation erfolgen. Jahrzehnte professioneller Arbeit im Frauenbereich hatten auch die eigenen Ansprüche an die Rahmenbedingungen eines Kongresses erhöht. Das ursprünglich vorgesehene inhaltliche Konzept mit dem FrauenMädchenNetz abzustimmen, war noch einfach. Für die damals noch vorgesehenen neun Arbeitskreise zuständige Expertinnen zu finden, ebenfalls(„großer“ Vorbereitungskreis). Die erdrückende Frage nach den notwendigen Ressourcen führte dann, typisch für Frauen, zu einer Strategie: Wer kennt wo jemanden, die umsonst etwas für den Kongress beisteuern kann(Räumlichkeiten, Geld, personelle Unterstützung)? Ich hatte den Auftrag, verschiedene Stiftungen anzufragen, ob sie einen Zuschuss für eine (selbstverständlich heutzutage bezahlte) Hauptreferentin ermöglichen könnten. So viel zum Kleckern. Wenige Tage später traf ich auf einer Fachtagung Barbara Stiegler, eine langjährige Wegbegleiterin und Vordenkerin der Frauenpolitik, und fragte vorsichtig nach einem Zuschuss der Friedrich-Ebert-Stiftung an. Sie verwies uns auf Ursula Clauditz, die zuständige Mitarbeiterin der FES. Dort trafen wir auf eine Frau, die den Gang durch ihre Institution vortrefflich zu nutzen wusste, um unsere Idee verwirklichen zu helfen. Begeistert von den schon vorhandenen Vernetzungsstrukturen unseres Frauen- und MädchenNetzes, stellte sie die Räume der FES einschließlich Konferenztechnik und Catering zur Verfügung. Auch die Vorbereitungstreffen bekamen ab Januar 2007 nun einen repräsentativeren Rahmen. Denn inzwischen hatten wir, auf Initiative der LAG Mädchenarbeit, einen zusätzlichen Auftrag: Den Ansatz der Mailänderinnen„Berühren, Begehren, Bewegen“ zum Leitsatz aller inhaltlichen Arbeit zu machen. Mit sanfter Hand und ohne sich in die inhaltliche Arbeit einzumischen, brachte Ursula Clauditz uns neue Methoden der Großgruppenmoderation näher. Aus den geplanten neun Arbeitsgruppen wurden vier Fishbowls, deren Vorbereitung jeweils ein Team von Fachfrauen übernahm. Ich selber hatte Gelegenheit, anlässlich eines anderen Kongresses der FES die mir bis dahin nur theoretisch bekannte Moderationsmethode zu beobachten und konnte von da an, selbst zutiefst überzeugt, auch die Skeptikerinnen dafür gewinnen. Unvergesslich der Workshop zu„Berühren, Begehren, Bewegen“ im August 2007, wo Veranstalterinnen und Referentinnen ganztägig den Ansatz des Affidamento der Mailänderinnen mit ihrer eigenen Biografie, aber auch mit den Themen in den geplanten Fishbowls in Verbindung brachten. Skepsis und Unterschiede in der„großen Vorbereitungsgruppe“ waren ebenso erkennbar wie Gemeinsamkeiten, aber die Energien gingen von da an in dieselbe Richtung. Für mich war die Vorbereitung dieses Kongresses ein aufregender Prozess: Eine Wiederbegegnung mit etlichen politischen Weggefährtinnen, ein Los-lassen meiner manchmal zwanghaften Kontrollsucht hin zu einem vertrauensvollen Sich-Verlassen-Können auf die Anderen, ein(nochmaliger) Klärungsprozess ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 27 eigener Erfahrungen und Positionen durch intensive Diskussionen, eine liebevolle Akzeptanz für diejenigen, die anders denken und fühlen. Wir haben fast zwei Jahre gebraucht, um diesen Kongress auf die Beine zu stellen. Die konstruktiven Auseinandersetzungen in den Vorbereitungstreffen, das Beisteuern von Erfahrungen durch andere Frauen, die logistische Unterstützung durch die FES und das kulturelle Rahmenprogramm und nicht zuletzt die Teilnehmerinnen haben bei mir dazu geführt, dass der Tag der Veranstaltung selbst von mir wie auf einer tragenden Woge erlebt wurde. Danke an Euch alle! Gabriele Bischoff Redakteurin der WIR FRAUEN und Geschäftsführerin der LAG Lesben in NRW Gut zwei Jahre haben die Vorbereitungen für den Constanze-Kongress für mich gedauert. Viele Vorgespräche mit engagierten Frauen, die schon vor 20 Jahren Frauenkongresse organisiert haben und nun zwischen„Autonomie“ und„Institutionalisierung“ hin und her schwanken und sich positionieren, genau wie ich. Jedes Planungsgespräch war eine absolute Bereicherung und machte Lust auf die Auseinandersetzung, auf die Bilanzierung, auf das Formulieren von Forderungen, wohin die„Bewegung“ noch gehen muss, wohin sie noch genauer schauen muss. Viele Ideen wurden zwischendurch diskutiert, vertieft und wieder verworfen. Das Ringen der Einzelnen mit sich, ihren Erfahrungen und Erwartungen war ausgesprochen spannend! Auch mal loslassen und zu bemerken, dass viele Köchinnen mitnichten den Brei verderben, sondern viele gute Zutaten den Kongress bereicherten. Aus ehemals neun Themen haben sich vier herauskristallisiert und sie haben das Ganze beleuchtet: Macht – Gerechtigkeit – Bildung – Gesundheit. Weil wir jedem Thema viele Komponenten zur Seite gestellt haben, Zusammenhänge aufgezeigt haben und die Vielfalt zugelassen haben. Selten blockierte ein„Ja, aber…“ den Diskussionsprozess, Bedenken wurden formuliert und besprochen. Diese Wertschätzung, diese Erfahrungen und auch die Themen nehme ich gerne wieder mit in meine frauenpolitische Arbeit als Redakteurin der WIR FRAUEN und Geschäftsführerin der LAG Lesben in NRW. 28 Pressemitteilung FrauenMädchenNetz NRW Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW 22. Oktober 2007 „Es geht ums Ganze, Constanze! Perspektiven für NRW“ Annähernd 300 Frauen trafen sich am 20. Oktober in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn zum Kongress„Es geht ums Ganze, Constanze!“ um Perspektiven für NRW zu entwickeln. Eingeladen hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung und das FrauenMädchenNetz NRW. Das FrauenMädchenNetz NRW ist ein landesweites Bündnis von Organisationen und Einrichtungen, die mit und für Frauen und Mädchen arbeiten und sich für die Belange von Frauen und Mädchen stark machen. Insgesamt sind rund 800 Organisationen und Einrichtungen im FrauenMädchenNetz NRW vertreten. In den Einrichtungen und Organisationen wird für und mit Mädchen und Frauen in verschiedenen Lebensphasen und Lebenslagen gearbeitet. Wir fördern in unseren jeweiligen Arbeitsfeldern und Einrichtungen die qualitative Weiterentwicklung mädchen- und frauenspezifischer Arbeit. Mit dieser Veranstaltung wurde deutlich, dass es nach wie vor eine lebendige und kraftvolle Frauenbewegung in Nordrhein-Westfalen gibt, die auf gefestigte Strukturen im Land und vor Ort zurückgreifen kann. Allerdings gingen aufgrund einer rigiden Kürzungspolitik der derzeitigen Landesregierung auch wichtige Bereiche der Infrastruktur für Frauen verloren. So z.B. die Fachstellen Frau und Gesundheit, die wesentliche Aspekte der Gesundheitsversorgung für Frauen bearbeitet haben. Ebenso die Regionalstellen Frau und Beruf NRW, die eine anerkannte Beratungs-, Bildungs- und Vermittlungsarbeit für Frauen geleistet haben. Den Frauenhäusern wurde eine für die Arbeit dringend notwendige Personalstelle gestrichen. Eine zentrale Forderung war deshalb die Rücknahme der Kürzungen durch die Landesregierung und der Ausbau notwendiger zukunftsorientierter Investitionen in die Infrastruktur für Frauen und Mädchen In vier Arbeitsgruppen wurden die Themen diskutiert, die die Frauen zur Zeit am meisten berühren: ■ Frauen in die Waagschale – Recht und Gerechtigkeit ■ Nicht Mangel, sondern Fülle – Zukunft der Bildung und Arbeit für Frauen ■ Wer nicht träumt… – Macht ist die Möglichkeit zu handeln – Politik für Frauen ■ Immer in Bewegung – schneller, schöner, total gesund?? Die Expertinnen und Teilnehmerinnen der Arbeitsgruppen kamen zu folgenden Ergebnissen: ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 29 ■ Im Recht ist vieles erreicht, Ungerechtigkeit ist dennoch eine alltägliche Erfahrung von Frauen. Um dieses zu ändern bietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 viele Potentiale zur gerechteren Ausgestaltung von Frauenalltag. ■ Die Bildungsgeschichte der heutigen Frauengeneration ist eine Erfolgsgeschichte, die sich nicht in der beruflichen Lebensplanung von Frauen bzw. ihren Chancen auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt. Die Bildungssysteme müssen sich für die unterschiedlichen Altersgruppen von der Elementarerziehung bis zum lebenslangen Lernen öffnen. Dazu muss in NRW noch viel Geld in die Hand genommen werden, um Modellprojekte in die Fläche zu bringen und allgemeine Standards zu setzen. ■ Bildungs- und arbeitsmarktpolitisch ist trotz der Erfolge noch viel zu tun; ein Hebel liegt darin, politische Entscheidungsprozesse zu beeinflussen, um die Rahmenbedingungen immer weiter zu verbessern. Der zweite, wichtige Hebel, den Frauen in der Hand haben, ist die immer stärkere Vernetzung – auch über Struktur- und Fachgrenzen hinaus. Konkret können z. B. Mentoring-Programme die immer breitere Schere zwischen Bildungseliten und bildungsfernen Bereichen schließen helfen. Denn der Genderaspekt darf sich nicht auf akademische Diskurse beschränken, sondern muss in Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik umgesetzt werden. ■ Im Gesundheitsbereich sind die Defizite ausführlich im Landesbericht der Enquete-Kommission„Zukunft einer frauengerechten Gesundheitsversorgung in NRW“(2001–2004) und von der Koordinationsstelle Frauen und Gesundheit NRW (2000–2006) beschrieben worden. Die Koordinationsstelle ist seit März 2006 geschlossen und die Kategorie Geschlecht im Gesundheitswesen von NRW kein Thema mehr! Frauen stecken viel Zeit in die Gesundheitsvorsorge, die heute zunehmend privat finanziert werden muss. Das ist eine Schande vor dem Hintergrund wachsender Frauen- und Kinderarmut. ■ Macht ist die Möglichkeit zu handeln, fällt aber schwer, wenn die Spielregeln und Politikstile sich zu Lasten der Frauenthemen verändert haben. ■ Unterschiedlichkeit und Vielheit sind Voraussetzung(nicht nur in der Frauenpolitik), um die nötige Spannung für gemeinsames Handeln in gelassenen Koalitionen zu ermöglichen. ■ Einen neuen Feminismus brauchen wir nicht, denn seit 40 Jahren werden die richtigen Fragen gestellt und die notwendigen Antworten im jeweiligen Kontext gegeben. Es fehlt allerdings an deren Umsetzung. ■ Alle brauchen Ziele, die uns leidenschaftlich machen! Denn elementare Forderungen wie Existenzsicherung, Unversehrtheit, Gleichberechtigung, sind allenfalls „anreformiert“, im Bereich der Existenzsicherung sind deutliche Rückschritte zu verzeichnen. Deshalb muss gesellschaftspolitisch noch sehr viel getan werden. Das FrauenMädchenNetz NRW wird den begonnenen Diskurs weiterführen und an die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker herantragen. Denn: Es geht ums Ganze, Constanze! 30 Rückmeldungen Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Ich möchte mich bei Ihnen für den gelungenen Kongress bedanken. Der Tag war informativ, die Inhalte und die Form(auch wenn mir die deutsche Übersetzung für „fishbowl“ – der Begriff war mir fremd – fehlte) für mich, die ich mich bisher mit Frauenfragen nicht sehr beschäftigte, interessant. Vermutlich wird dieser Tag meine weitere ehrenamtliche Arbeit in ver.di nachhaltig beeinflussen. Herzliche Grüße Hanne Huxoll Es war eine gute Veranstaltung, bitte mehr davon! Ich habe noch eine Frage, bzw. Bitte: Im letzten Forum wurden Bilder an die Leinwand projiziert. Ein Bild hat mir besonders gefallen: eine Skulptur einer fröhlichen nackten runden Frau die auf einer Bank(?) sitzt und ein lachendes Gesicht zeigt. Wahrscheinlich eine Arbeit einer Künstlerin. Wie kann ich an dieses Bild kommen, könnt Ihr mir einen Hinweis geben oder mir das Bild zukommen lassen? Herzlichen Dank Barbara Locher-Otto Ein Fazit des Fachtages hat mich besonders angesprochen: Noch nie waren Frauen so umfassend gebildet wie heute. Häufig starten sie mit großer FrauenLeidenschaft ins berufliche Leben und scheitern zeitweise an den Möglichkeiten. Hier gilt es sich im Arbeits- und Bildungsbereich, insbesondere unter feministischen Aspekten weiter zu vernetzen, außerdem die Bereitschaft zu stärken, auf Unterschiede zu gucken und diese zu akzeptieren. Bewährte feministische Konzepte mit einem offenen Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen können ein/e gute/r Ratgeber/ Ratgeberin sein. Susanne Kaltwasser Den jüngeren Frauengenerationen scheint das Bewusstsein für die Fragilität der erkämpften Strukturen verloren gegangen zu sein. Es gilt deren scheinbare Sicherheit zu irritieren, gerade auch um neue Kräfte freizusetzen. Aktuell gilt es, die veränderten Bedingungen und Ziele der Frauenbewegung zu definieren und die Fülle der unterschiedlichen Strömungen zu bündeln, um erstarkt in eine zeitgemäße Auseinandersetzung zu gehen. Christiane Vogelgesang Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen in der FES noch einmal ganz herzlich zu danken für die tolle mentale, moralische und materielle Unterstützung, die Sie mit der Friedrich-Ebert-Stiftung bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung „Es geht ums Ganze, Constanze! Perspektiven für NRW“ des FrauenMädchenNetzes NRW vergangenen Samstag geleistet haben! Die„Fishbowl-Variante“ zur Gestaltung des Informations- und Erfahrungsaustausches in den Foren war für mich eine interessante neue Erfahrung, die ich – mit einigen Abstrichen – für wiederholenswürdig bzw. weiter verfolgenswert halte. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass die Tagung eine gelungene Mischung aus Rückblick auf relevante Entwicklungen,„Wunden-Lecken“ und Freude über das Erreichte, Standortbestimmungen, Aufzeigen von Knackpunkten, Kontroversen und Strategieansätzen bot, auf deren Basis es sich chancengleichheits-politisch weiterarbeiten lässt – in NRW und darüber hinaus, denn NRW war schließlich mal„Zugpferd“, Motor und Impulsgeberin in frauen-/chancengleichheitspolitischen Fragen! Als kleines Dankeschön übermittle ich Ihnen mit den beigefügten Dokumenten zwei Produkte aus meiner„Kollektion“, mit denen ich BA intern wie BA-extern Erreichtes, Bedenkens- und Beachtenswertes aufzuzeigen versucht, auf dem wir weiter aufbauen können und sollten. Vielleicht ergeben sich für Sie daraus ja auch noch Anknüpfungspunkte – ebenso, wie aus unserem Internet-Angebot zum Thema Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, das sich Ihnen über diesen Link direkt erschließt: http://www.arbeitsagentur.de/nn_29310/Dienststellen/ RD-NRW/RD-NRW/A10-Fachdienste/Allgemein/caChancengleichheit-am-Arbeitsmarkt-Eingangsseite.html Also alles in allem: Ihnen und allen sichtbaren und unsichtbaren Gastgeberinnen und Gastgebern des Kongresses aufrichtigen Dank! Es war„zum Wiederkommen“. In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich rheinaufwärts aus der Landeshauptstadt in die Bundesstadt und freue mich auf und über die Fortsetzung unseres Zusammenwirkens. Ulrike Wenner Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen Leiterin Stab Chancengleichheit am Arbeitsmarkt(CA) ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 31 Das kann nicht alles gewesen sein FrauenMädchenNetz NRW, info@frauenbueros-nrw.de Konzept für einen kontinuierlich stattfindenden„Constanze – Salon“ 1. Der Salon sollte für alle Beteiligten anregend und stärkend sein und deshalb auch Spaß machen, gemäß der Grundlagen unseres Kongresses„Berühren – Begehren – Bewegen“ 2. Der Salon sollte mindestens einmal im Jahr stattfinden. 3. Damit möglichst Frauen aus dem gesamten Land NRW daran teilnehmen können, soll der Salon in Form einer Matinee am Sonntagmorgen ab 11.00 Uhr – verbunden mit einem Brunch bzw. Frauenfrühstück – angeboten werden. 4. Er soll jeweils in Kooperation mit anderen Frauenorganisationen bzw. Frauenverbänden stattfinden, die dann sowohl thematisch als auch organisatorisch in die Vorbereitung einbezogen werden. 5. Die Orte sollen entsprechend wechseln, jedoch wenn möglich, zentral in Bahnhofsnähe sein. Es sollen angenehme Räumlichkeiten sein, die Grundlage für eine gute Atmosphäre sein können. 6. Der Salon sollte für alle interessierten Frauen offen sein. Die Beteiligung von Frauen sollte deshalb über Organisationsgrenzen hinaus möglich sein. 7. Einladungen erfolgen über Mails – ebenso auch die Anmeldungen. 8. Es wird eine Vorbereitungsgruppe gebildet, die zusammen mit den Kooperationspartnerinnen die jeweiligen Veranstaltungen vorbereitet. Die Vorbereitungsgruppe arbeitet zunächst 1 bis 2 Jahre. 9. Finanziert werden die Veranstaltungen weitgehend über Teilnehmerinnenbeiträge Themenvorschläge und Kooperationswünsche werden gerne entgegengenommen. 32 Liste der Mitwirkenden Friedrich-Ebert-Stiftung| FrauenMädchenNetz NRW Dr. Patricia Aden FrauenRat NW Frauenrat-nw@t-online.de Martina Arndts-Haupt Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Münster arndtshm@stadt-muenster.de Cornelia Benninghoven Journalistin benninghoven@cb-itm.de Heidi Berger FrauenRat NW heidi.berger@web.de Gabriele Bischoff LAG Lesben in NRW lesben-nrw@4w4.net Dr. Inge von Bönninghausen Journalistin boenninghausen@netcologne.de Verena Bruchhagen Diplom-Pädagogin vbruchhagen@fb12.uni-dortmund.de Ursula Clauditz Friedrich-Ebert-Stiftung Dr. Barbara Degen Rechtsanwältin Barb.Deg@freenet.de Silke Dombrowksy Historikerin M.A. s-sky@gmx.de ES GEHT UMS GANZE, CONSTANZE!| DOKUMENTATION 33 Mechthild Eickel Madonna e. V. eickel@madonna-ev.de Ute Fischer Der Paritätische Wohlfahrtsverband NRW ute.fischer@paritaet-nrw.org Elke Fonger LAG kommunaler Frauenbüros/ Gleichstellungsstellen NRW elkefonger@frauenbueros-nrw.de Prof. Dr. Katrin Hansen FH Gelsenkirchen Fachbereich Wirtschaft katrin.hansenq@fh-gelsenkirchen.de Ulrike Janz Autorin ulrikejanz@web.de Lydia Klettke Fachstelle für Frauen und Beruf- Die Spinnen e. V. frauundberuf@diespinnen.de Dr. Ann Marie Krewer Frauenbildungshaus Zülpich info@frauenbildungshaus-zuelpich.de Carola Lehmann Bildungsreferentin carola.lehmann@gmx.net Dr. Saskia Schottelius Karatelehrerin team@chikara-frauen.de Carola Spiekermann Psychotherapeutin, Supervisorin carola.spiekermann@aufBegehren.com Dr. Barbara Stiegler Friedrich-Ebert-Stiftung barbara.stiegler@fes.de Carmen Tietjen DGB Landesbezirk NRW carmen.tietjen@dgb.de Beate Vinke LAG Mädchenarbeit in NRW e. V. lag@maedchenarbeit-nrw.de Prof. Dr. Edeltraud Vomberg FH Niederrhein Fachbereich Sozialwesen edeltraud.vomberg@online.de Christine Weinbörner Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld c.weinboerner@krefeld.de Ulrike Wenner Leiterin Stab Chancengleichheit am Arbeitsplatz ulrike.wenner@arbeitsagentur.de Dr. Kerstin Wolff Historikerin wolff@addf-kassel.de Petra Woocker Rechtsanwältin mail@kanzlei-woocker.d 34 Interessante Links www.diespinnen.de www.fes.de www.frauenmaechennetz-nrw.de www.frauennrw.de www.frauenberatungsstellen-nrw.de www.frauenbueros-nrw.de www.frauenrat-nw.de www.frauen-info-netz.de www.frauennotrufe-nrw.de www.gendernrw.de www.lakofnrw.fh-koeln.de www.lesben-nrw.de www.maedchenhaus-nrw.de www.maedchenarbeit-nrw.de www.netzwerk-nrw.de www.nrw.dgb.de www.paritaet-nrw.org www.wildwasser-lag.de ISBN: 978-3-89892-974-5