Kommentar
 NUTZUNG DES INTERNETS IM US‐WAHLKAMPF 2008: OBAMAS WEB 2.0
 Das
Internet
wurde
im
Wahlkampf
der
Demokraten
in
einer
bisher
einmalig
breiten
und
 kreativen
 Weise
 für
 die
 Wahlwerbung,
 die
 Darstellung
 des
 Präsidentschaftskandidaten
 und
 für
 die
 Spendensammlung
 genutzt.
 Die
 Wahlkampfmaschinerie
 Obamas
 war
 beispiellos
 und
 übertraf
 alles,
 was
 man
 an
 technologischen
 Neuerungen
 aus
 früheren
 Wahlen
kannte.
 Es
 liegen
 noch
 keine
 umfassenden
 Analysen
 zum
 Internet‐Wahlkampf
 des
 Obama‐ Teams
 vor.
 Die
 FES
 in
 Washington
 hat
 jedoch
 bereits
 eine
 Studie
 dazu
 in
 Auftrag
 gegeben,
die
Anfang
2009
veröffentlicht
wird.
 Einige
Beispiele
zu
Obamas
Web
2.0
Wahlkampf:
 Jim
 Kitchens,
 Spezialist
 für
 politische
 Kommunikation
 in
 Orlando/Florida,
 berichtete
 einer
 Gruppe
 von
 deutschen
 Wahlkampfbeobachtern
 von
 einer
 fast
 unglaublichen
 Innovation
der
Obama‐Kampagne:
Er
sei
registrierter
Demokrat
und
habe
am
Vortag,
an
 einem
der
ersten
Frühwahltage
in
Florida,
seine
Stimme
abgegeben.
Am
Abend
habe
er
 ein
E‐mail
von
der
Obama‐Kampagne
mit
der
Botschaft
erhalten:
Vielen
Dank,
Jim,
dass
 du
schon
gewählt
hast.
Bitte
sprich
die
folgenden
drei
deiner
Nachbarn
(John
X,
Frank
Y,
 Susan
 Z)
 an,
 auch
 bereits
 jetzt
 zu
 wählen.
 Die
 drei
 Genannten
 seien
 auch
 registrierte
 Demokraten,
 so
 dass
 die
 Partei
 Zugang
 zu
 ihren
 Daten
 und
 Namen
 hatte.
 Außerdem
 hatte
sie
Einsicht
ins
Wählerverzeichnis,
so
dass
sie
von
Jims
Wahl
wussten.
 Für
 iPhones
 und
 Blackberrries
 gab
 es
 eigene
 Anwendungen
(„applications“)
 zum
 Herunterladen,
 die
 alle
 Wahlkampfveranstaltungen
 in
 der
 engeren
 Umgebung
 auflisteten
 und
 ständig
 aktualisierten,
 die
 neuesten
 Umfragen
 veröffentlichten
 und
 natürlich
live
darüber
berichteten,
was
ihr
Kandidat
gerade
sagte
oder
tat.
Auch
erhielt
 man
in
den
Bundesstaaten,
in
denen
Frühwahlen
möglich
waren,
SMS
und
E‐mails,
die
–
 mit
 persönlicher
 Anrede
 –
 aufriefen,
 schon
 vor
 dem
 4.
 November
 wählen
 zu
 gehen.
 Zudem
 schrieben
 Ted
 Kennedy,
 Hillary
 Clinton,
 Michelle
 Obama
 und
 Barack
 Obama
 täglich
 Emails
 an
 über
 13
 Millionen
 EmpfängerInnen.
 Noch
 in
 der
 Wahlnacht
 bedankte
 sich
 Obama
 bei
 seinen
 WählerInnen
 und
 UnterstützerInnen
 per
 Email
 für
 den
 historischen
Wahlsieg.
 www.fesdc.org Ferner
 wurden
 in
 den
 Obama
 Headquarters
 in
 den
 Einzelstaaten
 weitere
 kreative
 Neuerungen
 im
 Internetwahlkampf
 der
 Demokraten
 koordiniert.
 Auf
 der
 Webseite
 von
 Barack
 Obama
(www.barackobama.com)
 konnte
 man
 als
 Freiwilliger
 lokale
 Telefonanrufe
von
Zuhause
aus
für
Obama
machen.
Dazu
wurden
Telefonnummern
von
 registrierten
 Demokraten
 und
 anderen
 Interessierten
 in
 der
 Umgebung
 veröffentlicht.
 Diese
 konnte
 man
 anwählen
 und
 dann
 direkt
 für
 Obama
 Wahlwerbung
 betreiben.
 Ein
 Briefing
 zu
 den
 Themen
 und
 Schlüsselpositionen
 war
 nicht
 notwendig,
 denn
 die
 Webseite
 lieferte
 entsprechende
„Versatzstücke“
 zur
 Gesprächsführung
 und
 den
 Themen/Positionen
des
Kandidaten
gleich
mit.
Nach
dem
Gespräch
konnte
der
Anrufer
 seine
 Eindrücke
 online
 eingeben
 und
 hinweisen,
 ob
 der
 Erreichte
 offen
 für
 die
 Positionen
 der
 Demokraten
 war,
 sich
 als
 Republikaner
 herausstellte
 oder
 unentschlossen
schien.
Diese
Daten
wurden
dann
vom
Wahlkampfteam
Obamas
zentral
 ausgewertet,
 so
 dass
 Interessierte
 oder
 Unentschlossene
 mit
 einem
 weiteren
 Anruf
 rechnen
 konnten,
 Republikaner
 aber
 nicht
 mit
 einem
 zweiten
 Anruf
„genervt“
 wurden.
 Diese
 Form
 der
 Telefonwerbung
 sparte
 den
 Demokraten
 nicht
 nur
 Geld
 und
 Personal,
 sondern
war
durch
den
persönlichen
Charakter
der
Ansprache
auch
sehr
viel
wirksamer
 als
Telefonanrufe
„vom
Band“,
die
die
McCain‐Kampagne
weitgehend
nutzte.
 Die
 intensive
 Nutzung
 des
 Internets
 endete
 für
 die
 Demokraten
 und
 den
 designierten
 Präsidenten
 Obama
 aber
 nicht
 mit
 der
 Wahl
 am
 4.
 November
 2008.
 Das
 Online‐ Netzwerk
 wird
 fortgeführt
 und
 breite
 Bevölkerungsschichten
 sollen
 auch
 in
 den
 politischen
Willensbildungsprozess
eingeschlossen
werden.
Das
Obama‐Team
verschickt
 dazu
nicht
nur
regelmäßig
Emails
mit
Updates
zur
Besetzung
von
Schlüsselpositionen
in
 der
 künftigen
 Administration,
 sondern
 hat
 auch
 eine
 Webseite
 für
 den
 Transitionsprozess
 eingerichtet
(http://change.gov/).
 Auf
 dieser
 können
 US‐ BürgerInnen
beispielsweise
ihre
Meinung
zur
Reform
des
Gesundheitssystems
abgeben.
 Die
 Antworten
 werden
 nach
 den
 am
 häufigsten
 genannten
 Worten
 ausgewertet
 und
 diese
Daten
sollen
in
die
Formulierung
von
Politik
direkt
einfließen.
 Almut
Wieland‐Karimi
/
Knut
Panknin
 9.
Dezember
2008
–
Washington,
DC
 www.fesdc.org