FOKUS AMERIKA Almut Wieland-Karimi 1023 15 th Street NW,# 801 Washington, DC 20005 USA Tel.:+1 202 408 5444 Fax:+1 202 408 5537 fesdc@fesdc.org www.fesdc.org Nr. 4/ 2009 Der grüne New Deal: Neue Energie für die US-amerikanische Wirtschaft Tom Z. Collina und Erica Poff 1 • Dem Vorbild Präsident Roosevelts folgend, reagiert US-Präsident Barack Obama auf die globale Wirtschaftskrise mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, allerdings mit einer Neuheit: Investitionen in grüne Energie, mit anderen Worten einem„grünen“ New Deal. • Die Zukunft gehört der grünen Wirtschaft. Das erste Land, dem es gelingt, wettbewerbsfähige Windturbinen, Solarzellen und Elektrofahrzeuge in Massen zu produzieren, wird in diesen Technologien auf den globalen Märkten führend sein und von der Schaffung von Arbeitsplätzen profitieren. • 15% des US-Konjunkturpaketes in Höhe von 787 Milliarden US-Dollar, d.h. 120 Milliarden USDollar, sind für Investitionen in saubere Energieträger und die Schaffung„grüner Arbeitsplätze“ vorgesehen. • Die grüne Wirtschaftssanierung ist ein völlig neuartiges Unterfangen. Wird sie funktionieren? Die Chancen stehen gut. Grüne Investitionen führen zu Beschäftigungswachstum, da Programme, die zur Senkung der Energiekosten für die Wirtschaft führen, zwangsläufig auch Stellen schaffen werden. • Ein besonderer Faktor bei der Schaffung grüner Arbeitsplätze ist die Geschwindigkeit, mit der gerade die Arbeitnehmer wieder Arbeit finden können, die am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffen sind. Als der US-amerikanische Präsident Barack Obama am 20. Januar seinen Amtseid leistete, erbte er die wohl schwächste US-Wirtschaft seit der Weltwirtschaftskrise 1929. Zwar steht es um die großen Hoffnungen, die man sich vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch hinsichtlich einer totalen Revolutionierung der US-Energieund Klimapolitik durch die Obama-Regierung machte, nun erst einmal nicht allzu gut. Aber genau wie Präsident Roosevelt während der Great Depression, der diese zum Anlass nahm, den New Deal anzukündigen, hat Präsident Obama erkannt, dass eine Krise immer auch eine Chance in sich birgt. Statt sein Energieprogramm auf Eis zu legen, bis sich die Wirtschaft erholt hat, hat er die Energiepolitik zum Kernstück seines Wirtschaftssanierungsprogramms gemacht. Mit diesem kühnen Zug hat er etwas in Gang gesetzt, was einige bereits als einen Green New Deal bezeichnen. FOKUS AMERIKA 4/ 2009 In seinen ersten einhundert Amtstagen hat Präsident Obama mit den“Ausgaben zur Förderung von Technologien im Bereich erneuerbarer Energieträger, die Arbeitsplätze schaffen sowie Bemühungen zum Wandel der Nation hin zu einer CO 2 -armen Volkswirtschaft” neue Schlüsselprioritäten gesetzt. 2 Die wirtschaftliche Herausforderung ist zweifellos gewaltig und die Zahl der Arbeitslosen beängstigend. Seit Oktober 2008 haben rund 3,3 Millionen US-Amerikaner ihre Stelle verloren, so dass die Arbeitslosenrate im März 2009 8,5% erreichte. 3 Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Eigenheimen ist die höchste der letzten fünfzig Jahre, führende Finanzinstitutionen ringen ums Überleben und die US-Automobilindustrie erlebt eine Talfahrt. Mit anderen Worten: Dem Präsidenten wurde eine ganze Menge aufgetischt. Aber all das hat Präsident Obama nicht davon abgehalten, seine Wahlversprechen einer Auseinandersetzung mit dem Klimwandel und der USamerikanischen Abhängigkeit von Erdöl einzuhalten – und das mit Recht. Denn erstens können diese Herausforderungen nicht warten und zweitens wird die Lösung der Energieprobleme dazu beitragen, die US-Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Wie die Leiterin der US-Umweltbehörde( Environmental Protection Agency/ EPA) Lisa Jackson erklärte:„Im Konjunkturpaket des Präsidenten spielen ‚grüne’ Initiativen für die Ankurbelung der Wirtschaft eine entscheidende Rolle.[…] Es ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Wirtschaftswachstum und Umweltschutz zum Wohle aller US-Amerikaner Hand in Hand gehen.“ 4 Investitionen in erneuerbare und alternative Brennstoffe, öffentliche Verkehrsmittel und eine gesunde Umwelt führen letztendlich zu einer nachhaltigen, verbesserten Wirtschaftslage. Warum? Weil die Zukunft in einer grünen Wirtschaft liegt. Das erste Land, dem es gelingt, wettbewerbsfähige Windturbinen, Solarzellen und Elektrofahrzeuge in Massen zu produzieren, wird in diesen Technologien auf dem Weltmarkt führend sein und von der Schaffung von Arbeitsplätzen profitieren. Schmutzige fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas sind zwar vielleicht heute noch preiswerter als erneuerbare Energieträger. Trotzdem ist der Trend unübersehbar: Sie gehören der Vergangenheit an. Der Glaube von US-Präsident Obama an die Beziehung zwischen Wirtschaft und Energie ist wohl nirgendwo so sichtbar wie in dem USamerikanischen Gesetz zur Wirtschaftssanierung und Neu-Investition( American Recovery and Reinvestment Act, bekannter unter dem Namen „ Stimulus Package”). Dieses Konjunkturpaket wurde am 17. Februar 2009 unterzeichnet und ist mit 787 Milliarden US-Dollar das größte dieser Art in der USGeschichte. Ziel des Gesetzes ist die Wiederbelebung der US-amerikanischen Wirtschaft im Zuge der schweren Wirtschaftskrise, und zwar durch Bundesausgaben und Investitionen in allen Bereichen: von Bildung und Wohlfahrt bis hin zu Infrastruktur und Arbeitslosenunterstützung. Durch massive Investitionen hofft die USamerikanische Regierung neue Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende zu erhalten. Der Präsident hat versprochen, dass der Plan drei bis vier Millionen Stellen erhalten oder neu schaffen wird. Das Konjunkturpaket hat einen deutlich grünen Schwerpunkt: 15% des Paketes, d.h. 120 Milliarden US-Dollar, sind für Investitionen in saubere Energieträger und die Schaffung„grüner Arbeitsplätze“ bestimmt. Das Geld wird entweder direkt investiert(93 Milliarden USDollar) oder in Form von Steuergutschriften und Abschreibungen(26,5 Milliarden US-Dollar) gewährt. Das bedeutet, dass 15% aller Gelder des Paketes direkt in Projekte im Bereich von sauberen, erneuerbaren Energieträgern, Energieeffizienz, grüne Verkehrsmittel und Verbesserung der Umwelt fließen. Angesichts des neuen Schwerpunktes auf einer “grünen” Wirtschaft ist nun immer mehr von so genannten“grünen Arbeitsplätzen” die Rede, ein Begriff, der in der Öffentlichkeit nicht nur auf Interesse, sondern auch auf Verwirrung stößt. Laut Obama fallen von den drei bis vier Millionen Stellen des Konjunkturpaketes fast 500.000 in die Kategorie der“grünen Stellen”. Dieses Ziel entspricht dem Wahlversprechen Obamas, innerhalb von zehn Jahren 150 Milliar2 FOKUS AMERIKA 4/ 2009 den US-Dollar zur Schaffung fünf Millionen grüner Stellen zu verwenden. 5 Ein Blick auf das Konjunkturpaket erweckt durchaus den Eindruck, als sei der US-Präsident auf dem besten Wege dahin, sein Wahlversprechen einzulösen. Was jedoch so ein„grüner Job” eigentlich ist und wie man ihn definieren kann, ist weitaus weniger klar als der ihn begleitende Optimismus. Was ist ein„grüner” Job? Bei der Definition„grüner Jobs” herrscht die wohl größte Verwirrung darüber, welche Art von Stellen in diese Kategorie fallen. Sind es nur die Arbeitsplätze von promovierten Wissenschaftlern, die Solarzellen bauen und Biokraftstoff aus Algen gewinnen? Oder sind diese Stellen auf Bereiche beschränkt, die direkt die Umwelt im engeren Sinne verbessern(beispielsweise Recycling-Anlagen und Klimaschutzinitiativen)? Und wer kann von sich sagen, in einem grünen Job zu arbeiten? In der Tat gibt es keine einheitliche Definition eines„grünen” Jobs. Hingegen gibt es bestimmte Merkmale grüner Arbeitsplätze, über die sich Wissenschaftler, Politologen und Arbeitgeber einig sind. Raquel Pinderhughes von der San Francisco State University bezeichnet einen grünen Job als“umfassenden Begriff für all diejenigen[Arbeitnehmer], die entweder intellektuell oder durch körperliche Arbeit eine Tätigkeit ausüben, die in irgendeiner Weise mit der Verbesserung der Qualität der Umwelt im Zusammenhang steht.” 6 Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen( United Nations Environmental Programme/UNEP) bietet eine spezifischere Definition und bezeichnet grüne Stellen als“Arbeit in der Landwirtschaft, Herstellung, Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Dienstleisung, die erheblich zum Schutz und zum Erhalt der Umweltqualität beiträgt.“ 7 Die vielleicht einfachste Definition ist diejenige von Robert Pollin vom Political Economy Research Institute, der grüne Jobs als das Ergebnis der“Investitionen, die eine saubere Umwelt[und] Klimaschutz fördern”, betrachtet. 8 Andere wiederum definieren grüne Arbeitsplätze nicht nur auf der Grundlage der Art der Arbeit, sondern auch nach den Arbeitsbedingungen. In seinem Bericht 2008 mit dem Titel„ Green Jobs: Working for People and the Environment“ hat das Worldwatch Institute betont, dass grüne Jobs neben ihrem Umweltbezug auch hinsichtlich Gehalt, Aufstiegschancen, Sicherung des Arbeitsplatzes, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Arbeitnehmerrechten angemessen sein sollten. 9 Diese Merkmale entsprechen der Position des UNEP, dass„die Lebensgrundlage und Würde einer Person eng mit ihrer Stelle zusammenhängen. Eine ausbeuterische, schädliche Beschäftigung, die einem Arbeitnehmer sein Existenzminimum versagt und ihn in die Verarmung zwingt, kann wohl kaum als grün gepriesen werden.“ 10 Daher zeigt sich, dass bei der Antwort auf die Frage, welche Jobs als grün bezeichnet werden können, die Qualität eines Arbeitsplatzes(sowohl seine positiven Folgen für die Umwelt als auch die Arbeitsbedingungen) ausschlaggebend ist. Das ist vielleicht für die Öffentlichkeit nicht immer ganz leicht zu verstehen, da wir in unserem herkömmlichen Denken Jobs entweder nach Berufskategorien oder hierarchischer Stellung einteilen: nach Angestellten oder Arbeitern, nach Privatunternehmen oder öffentlichem Sektor, industrieller oder technologischer Tätigkeit, Kleinbetrieb oder Konzern, usw. Dagegen findet man grüne Jobs quer durch sämtliche Wirtschaftssektoren und auf allen Ausbildungs- und Qualifikationsebenen. Neben dem Begriff des„grünen Jobs” ist derzeit ein noch beliebteres Schlagwort das von den Stellen„grüner Arbeiter”(„green collar workers“). 11 Dabei handelt es sich um eine Untergruppe von grünen Arbeitsplätzen, und zwar„körperliche Tätigkeiten in einer grünen Wirtschaft, die Arbeitnehmern mit geringem Ausbildungsniveau offen stehen.” 12 In der Wahlkampagne 2008 machten die drei führenden US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, Hillary Clinton und John McCain die Aussicht auf die Schaffung von Jobs für„grüne Arbeiter“ zu einem Kernstück ihrer Wahlkampfreden, ganz besonders in traditionellen Arbeiterregionen. Arbeitsplätze für„grüne Arbeiter“ wirken deshalb sehr anziehend, da sie die Vorstellung 3 FOKUS AMERIKA 4/ 2009 wecken, dass diese Stellen schneller und einer größeren Zahl von Arbeitnehmern zur Verfügung stehen, mit anderen Worten, dass sie nicht nur Personen mit hohem Ausbildungsniveau und guten Beziehungen vorbehalten sind.„Grüne Arbeiter“ werden in einer grün ausgerichteten US-amerikanischen Wirtschaft eine Schlüsselrolle spielen, da die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA immer noch zu einem großen Teil von der herstellenden und arbeitsintensiven Industrie abhängt. Daher kann man mit einer gewissen Sicherheit den Schluss ziehen, dass es zwar Stellen für Solarzellen-Wissenschaftler geben wird, aber auch für Bauarbeiter, Empfangspersonal, Verwalter und Lkw-Fahrer. Ein zentraler und wichtiger Faktor bei der Schaffung grüner Arbeitsplätze ist die Geschwindigkeit, mit der gerade die Arbeitnehmer wieder Arbeit finden können, die am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffen sind. In einem kürzlich erschienenen Bericht der University of Massachusetts-Amherst heißt es, dass„hunderttausende von Arbeitnehmern in den USA bereits den Großteil der Fähigkeiten und Berufe zur Verringerung der globalen Erwärmung und zur Umstellung auf eine saubere Energiewirtschaft besitzen.” 13 Wie jeder weiß, der schon einmal versucht hat, sein Tätigkeitsfeld zu wechseln, sind auf andere Bereiche übertragbare Fähigkeiten entscheidend. „So schafft beispielsweise der Bau von Windenergieanlagen Arbeitsplätze für Blechschlosser, Mechaniker und Lkw-Fahrer und viele andere Berufssparten. Die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden durch nachträglichen Umbau erfordert die Arbeit von Dachdeckern, Isolierern und Elektrikern, um nur einige zu nennen.” 14 Insgesamt prognostiziert der Bericht fünf Schlüsselbereiche, in denen ein einfacher Übergang von einer„verschmutzungsbasierten” hin zu einer grünen Produktion stattfinden wird: Umrüstung von Gebäuden, Massenverkehrsmittel, kraftstoffeffiziente Autos, Wind- und Sonnenenergie und Kraftstoffe aus Biomasse. Das ist besonders für diejenigen US-Bundesstaaten und Regionen eine gute Nachricht, die von jeher Herstellungszentren waren, da sie bereits über die Infrastruktur und Arbeitskräfte verfügen, die sie brauchen, um die grünen Zentren der Zukunft zu werden. Der grüne Wiederaufschwung Amerikas – Wird er gelingen? Auch wenn die US-amerikanische Öffentlichkeit im allgemeinen hinter der Idee grüner Jobs und Investitionen in eine umweltbewusste Wirtschaft steht, ist die grüne Wirtschaftssanierung trotzdem eine noch nie da gewesene Herausforderung. Daher stellt sich die große Frage, wie ein grüner wirtschaftlicher Wiederaufschwung eigentlich aussehen wird. Natürlich kennen wir die Versprechen des US-Präsidenten von Arbeitsplatzbeschaffung und Wirtschaftswachstum, aber wie soll das letztendlich vonstatten gehen und wird das Unterfangen gelingen? In den letzten Monaten haben verschiedene USamerikanische Think-Tanks und führende Wirtschaftsexperten versucht, in Anlehnung an den Konjunktur-Plan(„Stimulus“) Modelle für wirtschaftliche Sanierungspläne zu entwerfen, um das grüne Beschäftigungswachstum prognostizieren zu können. Eines dieser Modelle von einem führenden US-amerikanischen progressiven Think-Tank – dem Center for American Progress( CAP) – legt beispielsweise dar, wie erweiterte Bundesinvestitionen in ein„grünes Sanierungsprogramm” auf dreierlei Weise zur Arbeitsplatzbeschaffung beitragen: durch direkte, indirekte und sekundäre Beschäftigungseffekte. Das Modell geht von der Hypothese eines erweiterten Haushaltsprogramms in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar aus. Dies setzt sich zusammen aus: 50 Milliarden US-Dollar für Steuergutschriften für Privatbetriebe und Hauseigentümer für die Umrüstung ihrer Gebäude und erneuerbare Energieprojekte, vier Milliarden für Bundeskreditbürgschaften und 46 Milliarden für Direktausgaben in sechs Bereichen grüner Investitionen: Umrüstung von Gebäuden zur Verbesserung der Energieeffizienz, Ausbau der Massenverkehrsmittel und des Güterzugnetzes, „intelligente Stromnetze“( smart grids), Windenergie, Sonnenenergie und Biokraftstoff der nächsten Generation. Das Modell zeigt dann, wie Investitionen in grüne Industrien multiplikatorische Effekte in anderen Beschäftigungsberei4 FOKUS AMERIKA 4/ 2009 chen haben und zwar mit einer unvergleichbar höheren Geschwindigkeit als bei Investitionen in anderen Industriezweigen(insbesondere der Ölindustrie oder beim Haushaltsverbrauch in Form von Steuerrückvergütungen). Anhand von Beispielen für die Entwicklung von grünen Beschäftigungssektoren erklärt der CAP Bericht diese drei Effekte folgendermaßen: Der direkte Effekt sind Stellen, die beispielsweise im Baugewerbe oder der Herstellung geschaffen werden, darunter der Umbau von Gebäuden zur Verbesserung der Energieeffizienz oder der Bau und Verkauf von Windturbinen. Indirekte Folgen sind hingegen Dienstleistungsstellen zur Lieferung der Werkstoffe zum Umbau von Gebäuden oder Bau von Windturbinen wie Holz oder Stahl. Dann gibt es noch die so genannten Sekundäreffekte, Stellen im Einzel- und Großhandel, die für die Arbeitnehmer im Baugewerbe, der Herstellung und der Dienstleistungsbranche geschaffen werden, die dann ihr Geld für andere Güter in der Wirtschaft ausgeben. 15 Insgesamt schafft der grüne Sanierungsplan in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar fast zwei Millionen direkte, indirekte und sekundäre Arbeitsplätze. Die Zahl wird mit zwei weiteren Modellen verglichen, in denen 100 Milliarden US-Dollar entweder für Neuinvestitionen in der Ölindustrie oder für den Haushaltskonsum ausgegeben werden. Diese schaffen maximal jeweils 543.000 und 1,7 Millionen Stellen. Mit anderen Worten: Die Ausgaben für grüne Sanierungsprogramme führen zum weitaus größten Beschäftigungswachstum. 16 Nicht nur das CAP-Modell ist zu dem Schluss gekommen, dass Investitionen in die grüne Industrie ein ungeheures Potential für Beschäftigungswachstum bergen. In seinem Bericht vom Februar stellt das World Resources Institute fest, dass„durchschnittlich jede Milliarde US-Dollar, die in unser grünes Sanierungsszenario investiert wird, 30.100 Stellen schafft und der Wirtschaft 450 Millionen US-Dollar pro Jahr an Energieeinsparungen beschert.” Hingegen liegt das Beschäftigungspotential einer investierten Milliarde US-Dollar in die herkömmlichen Industriezweige wie nicht-grüne Infrastrukturprojekte oder vorübergehende Steuerkürzungsinitiativen nur bei jeweils 25.200 bzw. 7.000 Stellen pro Jahr. 17 Weniger ist mehr Der Hauptgrund, warum sich grüne Investitionen so positiv auf das Beschäftigungswachstum auswirken, ist, dass Programme, die die Energiekosten für die Gesamtwirtschaft senken, aus zweierlei Gründen einen Netto-Beschäftigungszuwachs zur Folge haben: Erstens sind die energieintensiven Sektoren wie Stromerzeugung und Fahrzeugkraftstoffe, die derzeit noch öl- und erdgasabhängig sind, weniger beschäftigungsintensiv und stärker importabhängig als andere Industriezweige der USA. Zudem sind diese sowohl für die Anbieter als auch für ihre Verbraucher kostenaufwendiger. Der Übergang zu einer Wirtschaft mit saubereren, landeseigenen Kraftstoffen schafft nicht nur Stellen, sondern sie führt Ausgaben, die vormals für Energie notwendig waren, anderen Gütern und Dienstleistungen zu und kurbelt durch den Beschäftigungszuwachs die Wirtschaft an. Daher hat eine energieeffiziente Wirtschaft einen Doppeleffekt: Sie erlaubt es den Menschen, ihr Geld für andere Dinge als Energie auszugeben und schafft gleichzeitig langfristige, nachhaltige Beschäftigung. Darüber hinaus erschließt die Konzentration auf inländisch produzierte, alternative und erneuerbare Energieträger einen ganzen neuen Sektor mit Arbeitsplätzen, von denen US-Präsident Obama im Wahlkampf versprochen hat, dass diese nicht ausgelagert werden. Eine sorgfältige Analyse des Konjunkturpaketes zeigt, dass alle Elemente gegeben sind, die für Beschäftigungswachstum und multiplikatorische Effekte notwendig wären. Der Kongress hat 600 Millionen US-Dollar für Schulungsmaßnahmen von 70.000 Arbeitnehmern für Stellen in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz zugewiesen. 18 Um die Ziele des so genannten Weatherization Assistance Program ( WIR)(Zuschüsse an Privathaushalte für Maßnahmen zur besseren Isolierung und Wetterfestigkeit von Wohnungen) zu erreichen, welches mit fünf Milliarden US-Dollar aus dem Konjunkturpaket finanziert wird, müssten 375.000 5 FOKUS AMERIKA neue Stellen zum Umbau von mehr als einer Million Wohnungen geschaffen werden. Laut WIR würden die Energieeinsparungen dieser Millionen von Wohnungen in anderen Bereichen ausgegeben werden, wodurch wiederum weitere Stellen geschaffen würden und die Wirtschaft noch weiter angekurbelt würde. Darüber hinaus würden Initiativen für ein umweltfreundlicheres Verkehrssystem wie der Bau eines Hochgeschwindigkeitszugnetzes und eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrssystems auch eine große Zahl von Arbeitskräften erfordern und fast 300.000 Stellen schaffen. 19 Dies sind nur einige wenige der vielen grünen Investitionsprogramme, und es scheint in der Tat, dass US-Präsident Obama mit seinem Zielwert von 500.000 grünen Jobs eher zu bescheiden gewesen ist. Eine grüne Zukunft ist möglich Es wird Monate dauern, bis ein signifikantes Beschäftigungswachstum als Folge des Konjunkturpaketes sichtbar sein wird, aber es gibt gute Gründe, optimistisch zu sein. Grüne Jobs sind vielfältig, durch grüne Schulungsmaßnahmen werden Chancen für diejenigen geschaffen, die es bisher schwer hatten, eine Stelle zu finden sowie für die neue Generation „grüner“ Arbeitnehmer. Zudem kann auf eine bestehende Infrastruktur und eine Arbeitnehmerschaft zurückgegriffen werden, die bereits über nützliche Qualifikationen und Fertigkeiten verfügt und die sofort in einem neuen Aufgabenbereich eingesetzt werden kann. Und die Jobs sind per Definition gute Stellen. Wenn, wie das UNEP sagt, die Lebensgrundlage und Würde des Menschen mit seiner Stelle verbunden ist, könnte das Konjunkturpaket und die Hoffnung auf eine grüne Wirtschaft auf der Grundlage „grüner“ Jobs sowohl die Wirtschaft als auch die Stimmung der US-Amerikaner erheblich verbessern. 4/ 2009 Die hier dargestellte Position der Autoren spiegelt nicht zwangsläufig die Position der FES wider. Washington, DC – 14. Mai 2009 6 FOKUS AMERIKA 4/ 2009 Ungefähre Ausgaben für Grüne Programme im US-amerikanischen Konjunkturprogramm 2009 Gesamtbetrag Amerikanisches Konjunkturprogramm 2009 Gesamtbetrag Zuwendungen für grüne Maßnahmen Transportinfrastruktur Öffentliche Verkehrsmittel Herstellung im Inland Erneuerbare Energien Fahrzeuge mit alternativem Kraftstoff Forschung und Entwicklung Schulungsprogramme für Arbeitnehmer Steuergutschriften und Vergünstigungen für grüne Maßnahmen Energieeffizienz Intelligentes Stromnetz(„ Smart Grid“) 787 Milliarden US$ Ca. 120 Milliarden US$ oder 15,2% des Gesamtpaketes 29 Milliarden US$ oder 3,68% des Gesamtpaketes 17,7 Milliarden US$ oder 2,24% des Gesamtpaketes 2 Milliarden US$ oder 0,25% des Gesamtpaketes 6 Milliarden US$ oder 0,76% des Gesamtpaketes 300 Millionen US$ oder 0,038% des Gesamtpaketes 410 Millionen US$ 600 Millionen US$ oder 0,05% des Gesamtpaketes 26,49 Milliarden US$ oder 3,36% des Gesamtpaketes 26,134 Milliarden US$ oder 3,32% des Gesamtpaketes 11 Milliarden US$ oder 1,39% des Gesamtpaketes 7 1 Tom Collina ist Exekutivdirektor, Erica Poff wissenschaftliche Mitarbeiterin von 2020 Vision, einer gemeinnützigen Organisation zur Lösung globaler Herausforderungen an der Schnittstelle Umwelt, Energie und Sicherheit. www.2020vision.org 2 „Obama’s first 100 days show strong push for clean energy,” International Business Times, 29.4.2009. http://www.ibtimes.com/articles/20090429/obamashifts-nation-clean-energy-on-first-100-days.htm 3 U.S. Department of Labor, Bureau of Labor Statistics. http://www.bls.gov/news.release/pdf/empsit.pdf 4 „U.S. EPA Makes Stimulus Plan Predictions”. Storm Water Solutions. 19. 2. 2009 http://www.estormwater.com/U-S-EPA-MakesStimulus-Plan-Predictions-newsPiece17618 5 Walsh, Bryan.„What is a Green-Collar Job, Exactly?”. Time Magazine. 26.5.2008. http://www.time.com/time/health/article/0,8599,1 809506,00.html 6 Badger, Emily.„What Shade of Green Best Suits the Economy?”. Miller-McCune. 22.1.2009 http://www.miller-mccune.com/article/whatshade-of-green-best-suits-the-economy 7 „Green Jobs: Towards Decent Work in a Sustainable, Low-Carbon World”. United Nations Environment Programme. 9.2008. Seite 3 f. 8 Badger, Emily.„What Shade of Green Best Suits the Economy?”. Miller-McCune. 22.1.2009. http://www.miller-mccune.com/article/whatshade-of-green-best-suits-the-economy 9 Renner, Michael, Sean Sweeney and Jill Kubit. „Green Jobs: Working for People and the Environment”. Worldwatch Report 177. Worldwatch Institute. Washington, D.C., 2008. Seite 8. 10 „Green Jobs: Towards Decent Work in a Sustainable, Low-Carbon World”. United Nations Environment Programme. 9.2008. Seiten 3 f. 11 „ Blue” and„ White collar“ sind informelle Begriffe in Amerika, mit denen zwischen verschiedenen sozioökonomischen Stufen in der US-amerikanischen Arbeitnehmerschaft unterschieden wird.„ Blue collar jobs” sind im allgemeinen körperliche Tätigkeiten in der Herstellung, im Gewerbe, in der Industrie, beispielsweise der Automobilindustrie etc., die oft mit Stundenlohn entgolten werden, während mit„ white collar jobs” die Stellen von Angestellten mit höherem Ausbildungsniveau und Monatsgehalt bezeichnet werden, die meist in einem Büro tätig sind. 12 Badger, Emily.„What Shade of Green Best Suits the Economy?”. Miller-McCune. 22.1.2009 http://www.miller-mccune.com/article/whatshade-of-green-best-suits-the-economy 13 Pollin, Robert and Wicks-Lim, Jeannette.„Job Opportunities for the Green Economy: A StateBy-State Picture of Occupations that Gain from Green Investments.” Political Economy Research Institute, University of Massachusetts, Amherst. June 2008.http://www.peri.umass.edu/green_jobs/ 14 „Millions of U.S. Workers Stand to Gain from Green Industries”. Alternet. 9.6.2008 http://www.alternet.org/environment/87231/ 15 „Green Recovery: A Program to Create Good Jobs and Start Building a Low-Carbon Economy”. Center for American Progress. 9.2008. Seite 9. 16 Ibid., S. 10 f. 17 Houser, Trevor, et. al.„A Green Global Recovery? Assessing US Economic Stimulus and the Prospects for International Coordination”. World Resources Institute. PB09-3. 2.2009 Seite 5. 18 „Clean Energy and the Economic Recovery: Summary of Economic and Environmental Benefits of the American Recovery and Reinvestment Act”. Environment America. 19 Ibid.