ohne Jugendliche Berufsabschluss Handlungsempfehlungen für die berufliche Bildung K u r z g u ta c h t e n Elisabeth M. Krekel, Joachim Gerd Ulrich Bundesinstitut für Berufsbildung 2020 ohne Jugendliche Berufsabschluss Handlungsempfehlungen für die berufliche Bildung Kurzgutachten Elisabeth M. Krekel, Joachim Gerd Ulrich Bundesinstitut für Berufsbildung ISBN: 978-3-86872-109-6 1. Auflage Copyright by Friedrich-Ebert-Stiftung Hiroshimastraße 17, 10785 Berlin Stabsabteilung Redaktion: Marei John-Ohnesorg, Marion Stichler Satz& Umschlag: minus-Design Berlin Druck: Brandt GmbH, Bonn Printed in Germany 2009 INHALT Vorwort 5 Zusammenfassung 7 1. Problembeschreibung 9 1.1 Anteil, Zahl und Kosten der Jugendlichen ohne Berufsabschluss 9 1.2 Entwicklung der Bildungsbeteiligung 10 1.2.1 Duale Berufsausbildung 10 1.2.2 Übergangssystem 11 1.2.3 Schulische Berufsausbildung 12 1.2.4„Altbewerber“ 12 1.3 Die aktuelle Situation 13 2. Hürden auf dem Weg zum Berufsabschluss 14 2.1 Kritische Phasen und Ereignisse im biografischen Werdegang 14 2.1.1 Ende der allgemeinbildenden Schulzeit 14 2.1.2 Der Verbleib unmittelbar nach Schulende 15 2.1.3 Einmündung in das Übergangssystem 15 2.1.4 Abbruch einer bereits begonnenen Berufsausbildung 16 2.2 Individuelle Determinanten von„Ausbildungslosigkeit“ 17 2.2.1 Leistungsmerkmale 17 2.2.2 Familiärer Hintergrund 18 2.2.3 Migrationshintergrund 18 2.2.4 Geschlecht 19 3. Allgemeine Bedingungen für eine Verringerung Des Anteils der Ausbildungslosen 20 3.1 Abbau der quantitativen Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage 20 3.2 Verringerung der qualitativen Divergenzen zwischen Angebot und Nachfrage 22 3.3 Vorausschau auf die zukünftigen Entwicklungen 23 3.3.1 Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise 23 3.3.2 Auswirkungen der demografischen Entwicklung 24 4. Handlungsempfehlungen 25 4.1 Grundsätzliche Überlegungen 25 4.1.1 Überlegungen aus einer Kurzfristperspektive 25 4.1.2 Überlegungen aus der Mittel- und Langfristperspektive 26 4.2 Instrumente zur effizienten Prävention von Ausbildungslosigkeit 27 4.2.1 Etablierung eines Mentorensystems 27 4.2.2 Regionales Übergangsmanagement 28 4.3 Etappen bei der Prävention von Ausbildungslosigkeit 29 4.3.1 Senkung der Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss und Sicherung der Ausbildungsreife 30 4.3.2 Begleitung des Berufsorientierungs- und Berufsfindungsprozesses der Jugendlichen 30 4.3.3 Hilfestellungen bei den Übergängen zwischen verschiedenen Bildungsgängen 31 4.3.4 Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen 31 4.3.5 Unterstützungsangebote für Jugendliche in besonderer Lebenssituation 31 4.4 Kurative Maßnahmen zur Verringerung des Anteils der jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung 32 5. Schlussbetrachtung 33 Glossar 35 Tabellen 42 Literaturverzeichnis 50 Die Autoren 56 4 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Vorwort 5 Vorwort In Deutschland verfügen rund anderthalb Millionen junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 29 Jahren über keinen Berufsabschluss. Somit gelingt es etwa jedem siebten Jugendlichen nicht, die formellen Voraussetzungen für eine qualifizierte Beteiligung am Erwerbsleben zu erwerben. Der Anteil der Ausbildungslosen stagniert bereits seit Jahren auf diesem Niveau. Dass sich Deutschland dies nicht leisten kann und darf, ist zu Recht ein Standardsatz in allen Reden zur Bildungspolitik. Ausbildungslosigkeit ist mit hohen Kosten verbunden – nicht nur für die Betroffenen, welche die sozialen und finanziellen Folgen zu tragen haben. Sie ist auch für die Gesellschaft teuer, und sie wird für die Gesellschaft in Zukunft von Jahr zu Jahr kostspieliger. Denn die negativen Folgen der demografischen Entwicklung sind nun auch bei der Rekrutierung des Fachkräftenachwuchses zu spüren. Die Zahl der Jugendlichen sinkt bereits und wird in absehbarer Zeit stetig weiter sinken, während immer mehr Ältere die Verrentungsgrenze erreichen und aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Der Fachkräftemangel ist somit vorprogrammiert, und er kann nur dann gelindert werden, wenn es gelingt, den Anteil der Jugendlichen mit einer qualifizierten Berufsausbildung zu erhöhen. Dabei ist eine vermehrte Akquise von Abiturienten in die betriebliche Berufsausbildung keine empfehlenswerte Lösung. Denn Deutschland kann sich auch keine sinkende Studierquote und Akademikerzahl leisten. Ziel muss es deshalb sein, den Bildungserfolg bei den nichtstudienberechtigten Schulentlassenen zu verbessern. Doch wie kann dies gelingen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das vorliegende Kurzgutachten. Zunächst wird im ersten Abschnitt die jüngere Entwicklung der beruflichen Bildungssysteme skizziert. Vor diesem Hintergrund wird im zweiten Kapitel untersucht, aufgrund welcher Umstände welchen Gruppen von Jugendlichen die Aufnahme und der Abschluss einer Berufsausbildung misslingen. Als Datenbasis wird primär auf die BIBB-Übergangsstudie zurückgegriffen, einer breit angelegten Repräsentativuntersuchung zum Werdegang von jungen Erwachsenen. Aufbauend auf den analytischen Teil wird im dritten und vierten Kapitel diskutiert, wie der Anteil der Jugendlichen ohne Berufsabschluss in Zukunft verringert werden kann. Wegen der Besonderheiten des zuvor analysierten Datenmaterials erfolgt die Diskussion insbesondere aus einer bildungsbiografischen Perspektive. Dabei wird der Schwerpunkt auf die Prävention von Ausbildungslosigkeit gelegt, während kurative Maßnahmen zur nachträglichen Qualifizierung von jungen Erwachsenen nur relativ kurz abgehandelt werden. Aufgrund der Vorgabe, ein Kurzgutachten zu erstellen, konnten auch andere wichtige Aspekte im Zusammenhang mit der Ausbildungslosigkeit von Jugendlichen keine ausreichende Berücksichtigung finden. Dazu zählen insbesondere bildungsökonomische Betrachtungen darüber, wie teuer der Gesellschaft die Ausbildungslosigkeit ihrer Jugend zu stehen kommt, und welches Kosten-Nutzen-Verhältnis weitere Investitionen zur Verringerung der Zahl der Jugendlichen ohne Berufsabschluss aufweisen. Eine entsprechende Arbeit ist aber vor kurzem von der Bertelsmann-Stiftung vorgelegt worden, auf die an dieser Stelle verwiesen sei. Das Verständnis von und die Verständigung über die Entwicklung der beruflichen Bildungssysteme werden oft dadurch erschwert, dass die in der Bildungsberichterstattung verwendeten Begriffe nicht immer selbsterklärend sind. So werden z.B. zu den„versorgten Ausbildungsstellenbewerbern“ auch Jugendliche gezählt, die weiter auf Ausbildungsplatzsuche sind, und die beiden Wörter„Ausbildungsstellennachfrager“ und„Ausbildungsstellenbewerber“ stellen keine Synonyme dar, sondern bezeichnen unterschiedliche Personenkreise. Dem Gutachten ist deshalb ein Glossar beigefügt, in dem die wichtigsten Begriffe der Bildungsberichterstattung definiert werden. Auf Begriffserläuterungen und auf die Tabellen des Anhangs wird im Text durch ein entsprechendes Symbol a verwiesen. Zum Schluss wollen wir uns bei der Leitung und allen Kolleginnen und Kollegen des Bundesinstituts für Berufsbildung bedanken, die uns durch ihre Anregungen bei der Erstellung dieses Berichts ge- 6 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss holfen haben. Namentlich aus dem Kollegenkreis hervorheben wollen wir Frau Dr. Mona Granato und Herrn Dr. Friedel Schier, die insbesondere für den zweiten Teil des Gutachtens wertvolle Ideen und Vorschläge einbrachten. Unser besonderer Dank gilt aber der FriedrichEbert-Stiftung. Das vorliegende Kurzgutachten geht auf ihre Anregung zurück und ist auch auf ihre Bitte hin entstanden. Eine erste Fassung wurde am 01. April 2009 in einem Fachgespräch in Berlin mit Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen Institutionen intensiv diskutiert. Auch hieraus entstanden wertvolle Anregungen, für die wir dankbar sind. Elisabeth M. Krekel und Joachim Gerd Ulrich Bonn, den 3. Juni 2009 Zusammenfassung 7 Zusammenfassung Seit Jahren schwankt der Anteil der Jugendlichen ohne Berufsabschluss um rund 15%. Die individuellen Ursachen für die Ausbildungslosigkeit sind schlechte Bildungsvoraussetzungen und besondere Lebensumstände auf Seiten der Betroffenen. Ein fehlendes Interesse der Jugendlichen an einer vollqualifizierenden Berufsausbildung spielt dagegen kaum eine Rolle. Fast alle haben nach einem Ausbildungsplatz gesucht. Ein gutes Drittel hat sogar einmal eine Berufsausbildung begonnen, diese aber nicht erfolgreich abgeschlossen. Doch gilt auch in diesen Fällen, dass vor allem Auszubildende mit niedriger schulischer Vorbildung in der Gefahr sind, vorzeitig abzubrechen. Es sind allerdings nicht nur persönliche Gründe auf Seiten der Jugendlichen dafür verantwortlich, dass es bislang nicht gelang, den Anteil der Ausbildungslosen substanziell zu senken. Denn die Zahl der vollqualifizierenden Ausbildungsplätze war in den letzten Jahren viel zu niedrig. Das Ausbildungsangebot des dualen Systems hielt mit der bis Mitte dieses Jahrzehnts stetig steigenden Zahl an Schulentlassenen nicht mit, und die vollqualifizierenden Bildungsangebote des Schulberufssystems reichten nicht aus, um die Lücke zu schließen. Selbst ausbildungsreife Ausbildungsstellenbewerber mussten in wachsender Zahl auf teilqualifizierende Bildungsgänge des sogenannten Übergangssystems ausweichen. Aufgrund des„Staus“ an der„Ersten Schwelle“ standen die Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen vor der Herausforderung, immer längere Zeiträume bis zum möglichen Eintritt in eine Berufsausbildung zu überbrücken. Dies traf insbesondere jene Jugendlichen, die für eine solch anspruchsvolle Aufgabe – sich auf einem Markt zu bewegen, der von nur niedrigen Erfolgsaussichten geprägt ist und den Ausbildungsinteressierten ein hohes Maß an oft langjähriger Frustrationstoleranz abverlangt – die ungünstigsten Voraussetzungen mitbringen: nämlich die Gruppe der Hauptschulabsolventen, die mit 15, 16 oder 17 Jahren bei weitem die jüngsten von allen Schulentlassenen sind, oft aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen, nur über begrenzte Bildungsressourcen verfügen und die Schule oft mit einem bereits angeschlagenen Selbstbild verlassen. Wesentliche Gründe für die unzureichende Bereitstellung an vollqualifizierenden Ausbildungsplätzen sind in den Mängeln der Ausbildungsmarktbilanzierung und der Steuerung der Bildungsströme zu suchen. Seit der Berufsbildungsberichterstattung Mitte der 1970er-Jahre ist es Tradition, jährlich zum Stichtag 30. September Bilanz zu ziehen. Bis dahin sind aber bereits viele erfolglose Ausbildungsstellenbewerber in teilqualifizierende Bildungsgänge des Übergangssystems eingemündet. Diese Jugendlichen zählen zum Bilanzierungsstichtag zu den „versorgten Ausbildungsstellenbewerbern“, auch dann, wenn sie noch auf Ausbildungsplatzsuche sind. Da sie nicht zu den erfolglosen Ausbildungsplatznachfragern gerechnet werden, erschienen die Bilanzen selbst in den Jahren des größten Ausbildungsplatzmangels weitgehend ausgeglichen. Ein unmittelbarer Handlungsbedarf war dann nicht mehr erkennbar, und weitere Maßnahmen schienen auch nicht mehr zweckmäßig zu sein, da sich die Jugendlichen ja bereits in alternativen teilqualifizierenden Bildungsgängen befanden. Das Übergangssystem trug somit in den letzten Jahren nicht nur dazu bei, Jugendliche mit Reifedefiziten weiterzuqualifizieren, sondern hatte auch ganz wesentlich die Funktion, die Ausbildungsmarktbilanz rein rechnerisch zu stabilisieren. Die Möglichkeiten der Absolventen des Übergangssystems, anschließend in vollqualifizierende Berufsausbildung zu gelangen, waren allerdings aufgrund des chronischen Defizits an entsprechenden Plätzen beschränkt, und somit stieg die Zahl der Altbewerber kontinuierlich an. Die Probleme der vergangenen Jahre signalisieren Handlungsbedarf. Dabei sind zwei wichtige Rahmenbedingungen zu berücksichtigen: die aktuelle Wirtschaftskrise und die demografische Entwicklung. Die Wirtschaftskrise wird 2009 aller Voraussicht nach zu einem stärkeren Einbruch des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots führen, so dass kompensatorisch außerbetriebliche 8 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Ausbildungsplätze bereitgestellt werden müssen. Spätestens nach Überwindung der aktuellen Wirtschaftskrise wird aber die demografische Entwicklung zu einer Umkehrung der Marktverhältnisse führen. Denn so deutlich, wie die Zahl der Jugendlichen sinkt, wird die Zahl der in die Verrentung wechselnden Erwerbspersonen wachsen. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe wird deshalb steigen, und die Jugendlichen, die bislang ohne Berufsabschluss zu bleiben drohen, werden auch aus Sicht der Betriebe zunehmend zu einer unverzichtbaren Reserve werden, um den im Kern nicht mehr zu verhindernden Mangel an Nachwuchsfachkräften zumindest abzumildern. Deshalb werden der Druck, aber auch das Engagement der Wirtschaft, die Ausbildungsreife und den Zugang dieser Jugendlichen in Berufsausbildung sicherzustellen, wachsen. Damit eröffnen sich gute Voraussetzungen für eine signifikante Verringerung der Ausbildungslosenquote. Nach den bisherigen Erfahrungen muss hierfür aber eine kontinuierliche individuelle Begleitung der Jugendlichen aus den Haupt- und Förderschulen sichergestellt werden, die über episodische Beratung und punktuelle Kontaktaufnahme weit hinausgeht. Dies gilt insbesondere für sozial benachteiligte Jugendliche. Deshalb sollten in allen Kommunen Mentorensysteme in Kombination mit regionalem Übergangsmanagement etabliert werden. Nur auf diese Weise kann dafür Sorge getragen werden, dass die sozioökonomische Herkunft der Jugendlichen zumindest beim Übergang in die Berufsausbildung kein Hindernis mehr darstellt. Problembeschreibung 9 1. ProblembeschreiBung Die bildungspolitische Debatte um die Verringerung der Zahl der Jugendlichen ohne Berufsabschluss wurde in den vergangenen Jahren vor allem aus einer sozialpolitischen Perspektive geführt. Denn die negativen Folgen der Ausbildungslosigkeit für die Erwerbschancen der Betroffenen sind beträchtlich. So lag das Arbeitslosigkeitsrisiko für Erwerbspersonen ohne abgeschlossene Berufsausbildung im Jahr 2005 bei einer Quote von 26% zweieinhalbmal so hoch wie für die sonstigen Erwerbspersonen (Reinberg/Hummel, 2007). Aber auch für die Gesellschaft sind die Kosten der Ausbildungslosigkeit immens. Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert in einer Studie für die Bertelsmann-Stiftung die Einspar- und Wertschöpfungspotenziale, die bei einer besseren beruflichen Integration der Jugendlichen erzielt werden könnten, für den Zeitraum von 2007 bis 2015 auf über 50 Mrd. Euro. Darunter entfallen gut 29 Mrd. Euro auf die Einsparung von direkten und indirekten Kosten im Zuge einer effizienteren Hinführung zu einer vollqualifizierenden Berufsausbildung und gut 21 Mrd. Euro auf das Einspar- und Wertschöpfungspotenzial durch Nachqualifizierung (Werner/Neumann/Schmidt, 2008). Es ist davon auszugehen, dass die Debatte zu den Jugendlichen ohne Berufsabschluss in Zukunft wohl noch stärker als bislang aus einer bildungsökonomischen Perspektive geführt werden wird. Denn die Folgen der demografischen Entwicklung machen sich inzwischen auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Das a Nachfragepotenzial nach Berufsausbildung im dualen System schrumpft bereits, und dieser Trend wird sich kontinuierlich fortsetzen (große Deters/Ulmer/Ulrich, 2008). Die Sicherstellung des Fachkräftenachwuchses in Deutschland ist damit gefährdet(Bonin u.a. 2007; Bott/Helmrich/ Schade, 2008). Ein Teil der Betriebe hatte im Jahr 2008 bereits Probleme, genügend geeignete Bewerber für ihre Ausbildungsstellen zu finden. So konnte in manchen Berufen und Regionen ein relativ hoher Anteil der angebotenen Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden(Ulrich/Flemming/Granath, 2009a). Dieses Problem wird sich 2009 zwar aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise und des sinkenden a Ausbildungsplatzangebots kurzfristig abschwächen, nach Überwindung der Krise aber umso stärker die Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt bestimmen. Um die negativen Folgen der demografischen Veränderungen zu lindern, stehen im Wesentlichen zwei Strategien zur Verfügung: Einerseits könnte versucht werden, verstärkt studienberechtigte Jugendliche für eine duale Berufsausbildung zu gewinnen. Dagegen spricht aber die Notwendigkeit, mittelund langfristig für einen ausreichenden Akademikernachwuchs zu sorgen. Deshalb ist nicht nur eine höhere Studierquote von Abiturienten, sondern zugleich eine weitere Erhöhung des Abiturientenanteils anzustreben. Somit verbleibt zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses auf der nichtakademischen Ebene nur die Möglichkeit, bisher nicht genutzte „stille Reserven“ zu erschließen. 1 Diese werden von den Jugendlichen gebildet, die bislang ohne Berufsabschluss blieben oder zu bleiben drohen. 1.1 Anteil, Zahl und Kosten der Jugendlichen ohne Berufsabschluss Quote und Zahl der Jugendlichen ohne Berufsausbildung können am verlässlichsten auf Basis des a Mikrozensus geschätzt werden(Beicht/ Ulrich, 2008c). Dabei wird folgende Definition von a Ausbildungslosigkeit angewandt: • Als„ungelernt“ gelten dabei alle Personen ohne Berufsabschluss, jedoch mit Ausnahme derje1 Der Begriff der„Stillen Reserve“ stammt aus der Arbeitsmarktforschung. Er bezieht sich dort auf Personen, die unter bestimmten Umständen für eine Erwerbstätigkeit gewonnen werden könnten, aber gleichwohl in der Arbeitsmarktstatistik nicht als Arbeitslose geführt werden. Wir wollen den Begriff hier in abgewandelter Bedeutung nutzen und die Modifikation dadurch kennzeichnen, dass wir das Attribut nicht in Großschreibung verwenden. 10 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss nigen, die zum Erhebungszeitpunkt eine allgemeinbildende oder berufliche Schule besuchen, an einer Hochschule studieren, Auszubildende sind, an einer Maßnahme der beruflichen Fortund Weiterbildung teilnehmen oder Grundwehrbzw. Zivildienst leisten. Bei diesen Personen wird davon ausgegangen, dass sie noch eine Berufsausbildung abschließen werden. Die nach dieser Formel berechneten Ungelerntenquoten bewegen sich sowohl in der Gesamtgruppe der 20- bis 29-Jährigen als auch in der Untergruppe der 20- bis 24-Jährigen zwischen 14% und 16%. Sie haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Erfolgt anhand der 2007 ermittelten Ungelerntenquote eine Hochrechnung auf die Wohnbevölkerung im Alter von 20 bis 29 Jahren, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 1,45 Millionen Jugendlichen ohne Berufsausbildung(Braun/Helmrich/Schöngen, 2009). Die„stille Reserve“, die zur Erhöhung der Zahl qualifizierter Nachwuchskräfte genutzt werden könnte, hat also eine beträchtliche Größenordnung. 1.2 Entwicklung der Bildungsbeteiligung Dass es bislang nicht gelang, den Anteil der Ausbildungslosen substanziell zu senken, ist u.a. auf die großen Probleme der vergangenen Jahre zurückzuführen, ein ausreichendes vollqualifizierendes Berufsbildungsangebot bereitzustellen(Ulrich/Eberhard, 2008). Während die Zahl der Schulentlassenen aus demografischen Gründen bis Mitte dieses Jahrzehnts anstieg, verringerte sich gegenüber Anfang der 1990-er Jahre das Ausbildungsplatzangebot im dualen Berufsbildungssystem( Übersicht 1 ): 2005 verließen 703.400 nichtstudienberechtigte Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen – sie bilden die Hauptklientel der dualen Berufsausbildung – und damit 125.400 mehr als 1992. Das a Ausbildungsplatzangebot umfasste jedoch 2005 nur noch 562.800 Plätze, 159.000 weniger als 1992 ( a Tabelle 1 im Anhang). Der Rückgang war vor allem seit Mitte der 1990er- Jahre eine Folge der chronischen Beschäftigungskrise, die bis zum Frühjahr 2006 anhielt(Troltsch/Walden, 2007). Denn mit der stetig sinkenden Zahl an Arbeitsplätzen gingen auch viele Ausbildungsstellen verloren. 1.2.1 Duale Berufsausbildung Spätestens Mitte der 1990- er Jahre entstand innerhalb des dualen Ausbildungssystems eine Versorgungslücke. Sie führte dazu, dass immer mehr Entlassene der allgemeinbildenden Schulen( a Schulentlassene) bei ihrer Ausbildungsplatzsuche erfolglos blieben und zunächst in teilqualifizierende Berufsbildungsgänge auswichen. Im Anschluss daran bemühten sich diese Jugendlichen erneut um eine Ausbildungsstelle und vergrößerten damit den Kreis der aktuellen a Ausbildungsstelleninteressierten. In Folge des „Staus“ beim Übergang in eine Berufsausbildung stieg das a Nachfragepotenzial – definiert als der Umfang der Jugendlichen, die sich an einer dualen Berufsausbildung in einem bestimmten Jahr interessiert zeigten – massiv an und übertraf das aktuell verfügbare Ausbildungsangebot in immer stärkerem Maße(Ulrich, 2008). Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage spiegelte sich jedoch nicht in der offiziellen Ausbildungsmarktbilanz wider. Denn erfolglose Ausbildungsstellen bewerber , die zur Überbrückung in eine Alternative ausweichen (berufsvorbereitende Maßnahme, erneuter Schulbesuch, Jobben), wurden statistisch nicht zu den Ausbildungsplatz nachfragern gerechnet, selbst dann nicht, wenn sie auch noch aus diesen Alternativen heraus weiter einen Ausbildungsplatz suchten. Diese Bewerber galten weder als„unversorgt“ (was ihren Ausbildungswunsch angeht) noch als Teilnehmer auf dem Ausbildungsmarkt(was ihre Suche nach Berufsausbildung angeht). Das tatsächliche Nachfragepotenzial und das Ausmaß des Versorgungsproblems blieben so2 Die Summe der Schulentlassenen in Übersicht 2 ist berechnet aus der Zahl der nichtstudienberechtigten Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen und der Entlassenen aus beruflichen Schulen, sofern sie nicht eine vollqualifizierende schulische Berufsausbildung abschlossen. Das Nachfragepotenzial kann auch retrospektiv nur geschätzt werden(siehe dazu auch Bundesinstitut für Berufsbildung(Hrsg.), 2009). Es ist definiert als die Zahl der Jugendlichen, die sich für einen zeitnahen Beginn einer dualen Berufsausbildung interessieren. Variante 1 bezieht alle Schulentlassenen mit ein, Variante 2 nur Absolventen, die den jeweiligen Bildungsgang mit Abschluss beendeten(vgl. dazu auch große Deters/Ulmer/Ulrich, 2008). Problembeschreibung 11 mit weitgehend latent(Behringer/Ulrich, 1997; Ulrich, 2006). Selbst im größten Krisenjahr 2005 mit dem bis dato niedrigsten Ausbildungsplatzangebot schien das Ausbildungsplatzangebot des dualen Systems mit einem offiziellen Deckungsgrad von 95% fast die gesamte Nachfrage nach dualer Berufsausbildung zu stillen( Übersicht 2 ). Faktisch waren es aber die teilqualifizierenden Bildungsangebote des so genannten a Übergangssystems, welche die Ausbildungsmarktbilanz des dualen Systems auch in kritischer Zeit rechnerisch stabilisierten. Denn das Übergangssystem nahm von Jahr zu Jahr immer mehr erfolglose Ausbildungsstellenbewerber auf. Übersicht 1 Nichtstudienberechtigte Schulentlassene aus allgemeinbildenden Schulen und Ausbildungsplatzangebote 750.000 700.000 Schulentlassene 650.000 600.000 1.2.2 Übergangssystem Die Zahl der Jugendlichen, die in berufsvorbereitende Maßnahmen oder eine Einstiegsqualifizierung einmündeten, ein schulisches Berufvorbereitungsoder-grundbildungsjahr begannen oder sich zum Besuch einer teilqualifizierenden Berufsfachschule entschlossen, bezifferte sich 2005 auf 516.988 und hatte sich gegenüber 1992(249.133) verdoppelt ( a Tabelle 2). Auch die Zahl der Jugendlichen in der elften Jahrgangsstufe der Fachoberschulen und Fachgymnasien stieg stark an(55.609 in 1992; 104.853 in 2005). In vielen Fällen handelte es sich um erfolglose Ausbildungsplatzbewerber mit mittlerem Abschluss, die durch den Erwerb einer Stu550.000 500.000 Ausbildungsplatzangebote 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung dienberechtigung ihre Zugangschancen in das duale Berufsbildungssystem zu verbessern versuchten(vgl. Ulrich/Krekel, 2007). Während die Bildungsgänge des Übergangssystems eine wichtige Funktion bei der zwischenzeitlichen Versorgung erfolgloser Ausbildungsplatzbewerber übernahmen( Übersicht 3 ), Übersicht 2 Entwicklung der Nachfrage nach dualer Berufsausbildung und des Ausbildungsplatzangebots von 1992 bis 2008 2 1.150.000 1.100.000 1.050.000 1.000.000 950.000 900.000 850.000 800.000 750.000 700.000 650.000 600.000 550.000 500.000 Entlassene aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen Nachfragepotenzial Variante 1 Nachfragepotenzial Variante 2 Ausbildungsplatzangebot Offiziell registrierte Nachfrage 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, große Deters/Ulmer/Ulrich(2008), eigene Berechnungen 12 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Übersicht 3 Entwicklung der Bildungsbeteiligung(Anfänger) in dualer Berufsausbildung, im Übergangssystem und in den Schulberufen von 1992 bis 2008 750.000 700.000 650.000 600.000 550.000 500.000 450.000 400.000 350.000 300.000 250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0 Te i l q u a l i f i z i e r e n d e berufliche Bildungsgänge (Übergangssystem) Ausbildungsangebote im dualen System Ausbildungsanfänger im dualen System FOS, FGym Maßnahmen, EQ, BVJ, BGJ, BFS Ausbildungsanfänger Schulberufe 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 FOS=Fachoberschule, FGym=Fachgymnasium, EQ=Einstiegsqualifizierung, BVJ=schulisches Berufsvorbereitungsjahr, BGJ=schulisches Berufsgrundbildungsjahr, BFS=teilqualifizierende Berufsfachschule Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen gerieten sie wegen der relativ geringen Übergangschancen ihrer Absolventen in eine vollqualifizierende Berufsausbildung in heftige Kritik (Greinert, 2007). Als Reaktion differenzierte sich das System stark aus, und neben den bislang üblichen Standardangeboten entstanden neue Varianten wie zum Beispiel die Einstiegsqualifizierung. Tatsächlich führte die Einstiegsqualifizierung zu einer deutlich höheren Übergangsrate in eine vollqualifizierende Berufsausbildung. Insgesamt gesehen waren diese Effekte jedoch Teil eines Nullsummenspiels. Denn das Ausbildungsplatzangebot im dualen System blieb unverändert weit hinter der tatsächlichen Nachfrage der Jugendlichen zurück. Eine generelle Chancenverbesserung der Absolventen des Übergangssystems wäre somit nur zum Preis sinkender Ausbildungschancen für die aktuellen Entlassjahrgänge aus den allgemeinbildenden Schulen möglich gewesen. Die Problemlage verschärfte sich zusehends, auch deshalb, weil das duale Berufsbildungssystem durch den nur begrenzten Ausbau der vollqualifizierenden schulischen Berufsbildung nur wenig entlastet wurde. 1.2.3 Schulische Berufsausbildung Zwar stieg die Zahl der Ausbildungsanfänger in der vollqualifizierenden schulischen Berufsausbildung( a Schulberufssystem) von 100.800 (1992) auf 184.000(2005), doch reichte der Zuwachs bei weitem nicht aus, die stetig wachsende Nachfrage nach dualer Berufsausbildung abzuschöpfen. 1.2.4 „Altbewerber“ Da die Zugangschancen in eine vollqualifizierende Berufsausbildung selbst nach Abschluss eines teilqualifizierenden beruflichen Bildungsgangs begrenzt waren, gab es immer mehr Ausbildungsstellenbewerber, die sich nicht mehr in einer allgemeinbildenden oder beruflichen Schule befanden (so genannte a „Altbewerber“). 2005 meldete die Bundesagentur für Arbeit(BA) für Westdeutschland, dass 242. 700 bzw. 45% der aktuellen Bewerber die Schule bereits im Vorjahr oder in noch früheren Jahren verlassen hatten, 1992 waren es noch 145. 000 bzw. 36% gewesen. Problembeschreibung 13 Bis 2007 stieg der Anteil der Altbewerber weiter bis auf 280. 900 bzw. 51%. In Ostdeutschland wurden Altbewerber erstmalig 1997 statistisch erfasst. Damals waren es 79. 000(35%), 2005 dagegen 99. 200(49%) und 2007 sogar 103. 900 (56%). Insgesamt wurden 2005 in Deutschland 52.000 Altbewerber mehr registriert als 1997 ( a Tabelle 1). 1.3 Die aktuelle Situation Obwohl der Anteil der Altbewerber bis 2006 sogar noch weiter stieg(2006: 385.200), verbesserte sich nach 2005 die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt wieder. Ursächlich war der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt. Er führte dazu, dass 2007 mit 644. 000 Ausbildungsangeboten 81. 200 Angebote mehr registriert wurden als noch 2005. Im Jahr 2008 ging das Angebot zwar leicht um 8.350 auf nunmehr 635. 700 zurück, doch setzte sich die Entspannung fort. Denn die a Ausbildungsplatznachfrage begann aus demografischen Gründen zu sinken, und dieser Prozess wird sich in den kommenden Jahren kontinuierlich fortsetzen(große Deters/Ulmer/Ulrich, 2008). Gleichwohl lag auch 2008 die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Bewerber, die sich zum Stichtag 30. September nicht in Berufsausbildung befanden und die auch noch zu diesem Zeitpunkt nach einem Ausbildungsplatz suchten, mit 84.200 deutlich über der Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsplätze(19.500). Zurzeit ist noch unklar, wie stark sich die Wirtschaftskrise auf das Ausbildungsplatzangebot in den Jahren 2009 und 2010 auswirken wird(vgl. auch Abschnitt 3.3.1). Sollte das Angebot 2009 aber um deutlich mehr als 30.000 Plätze schrumpfen, würden sich die Marktverhältnisse für die Jugendlichen trotz des aus demografischen Gründen sinkenden Nachfragepotentials wieder verschlechtern(Ulrich/Lösch/ Kau, 2009). 14 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss 2. Hürden auf dem Weg zum Berufsabschluss Die Versorgungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt führten dazu, dass die ausbildungsinteressierten nichtstudienberechtigten Entlassenen aus den allgemeinbildenden Schulen immer längere Zeiten bis zum Einstieg in eine duale Berufsausbildung überbrücken mussten(Beicht/Friedrich/Ulrich, 2007). Das durchschnittliche Einstiegsalter stieg auf 19,3 Jahre an, obwohl nur rund 15% der Auszubildenden über eine Studienberechtigung verfügen. Je mehr Zeit aber nach dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule vergeht, desto größer wird die Gefahr, dass die Jugendlichen an einer der Hürden auf dem Weg zu einem Berufsabschluss endgültig scheitern und auf Dauer ausbildungslos bleiben. 2.1 Kritische Phasen und Ereignisse im biografischen Werdegang Im Werdegang der a Jugendlichen ohne Berufsabschluss lassen sich mehrere kritische Phasen und Ereignisse identifizieren, in denen bzw. durch die die Gefahr einer Verfestigung der Ausbildungslosigkeit besonders groß ist: 2.1.1 Ende der allgemeinbildenden Schulzeit Die erste sensible Phase bildet das Ende der allgemeinbildenden Schulzeit. Ein kleinerer Teil der Jugendlichen zeigt sich bereits jetzt„bildungsmüde“ und hegt keinen weiteren Bildungswunsch mehr. Verstärkt handelt es sich um Jugendliche mit weniger guten Schulleistungen, deren Eltern oft ebenfalls weniger gut gebildet sind. Viele von ihnen münden häufig auch längerfristig nicht mehr in eine Ausbildung ein und sind deshalb sehr gefährdet, ohne Berufsabschluss zu bleiben. Etwa jeder zehnte Jugendliche ohne Berufsabschluss hat noch nie – weder zum Ende der allgemeinbildenden Schulzeit noch später – nach einem betrieblichen, schulischen oder sonstigen Ausbildungsplatz gesucht. Dies bedeutet aber auch umgekehrt, dass 90% der Jugendlichen ohne Berufsabschluss irgendwann einmal eine Berufsausbildung beginnen wollten und damit zumindest die motivationalen Voraussetzungen hierfür mitbrachten. Nach den Ergebnissen der BIBB-Übergangsstudie waren 84% der a Schulentlassenen mit maximal Hauptschulabschluss und 77% der Entlassenen mit mittlerem Abschluss bereits zum Ende der allgemeinbildenden Schulzeit auf der Suche nach einer vollqualifizierenden Ausbildungsmöglichkeit(Beicht/Ulrich, 2008b, S. 77ff.). Unter den nicht suchenden Schulentlassenen befanden sich neben den„bildungsmüden“ Jugendlichen vor allem auch besonders leistungsstarke Jugendliche, die einen höheren allgemeinbildenden Schulabschluss anstrebten. Von denen, die bereits zum Ende der allgemeinbildenden Schulzeit nach einer Ausbildungsmöglichkeit gesucht hatten, waren drei Monate nach der Schulentlassung 65%(bei mittlerem Schulabschluss) bzw. 49% (bei maximal Hauptschulabschluss) auch tatsächlich Die nachfolgend aufgeführten Ergebnisse basieren vor allem auf der BIBB-Übergangsstudie, die eine der Datengrundlagen für den zweiten Nationalen Bildungsbericht war. Bei der BIBB-Übergangsstudie handelt es sich um eine Mitte 2006 durchgeführte repräsentative Befragung von rd. 7.000 Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahren. In computergestützten Telefoninterviews gaben die Jugendlichen Auskunft über ihre gesamte bisherige Bildungs- und Berufsbiografie (vgl. Beicht/Friedrich/Ulrich, 2008). Die hier berichteten Ergebnisse basieren vor allem auf den Biografien der Jugendlichen, die bei Verlassen der allgemeinbildenden Schule maximal über einen mittleren Abschluss verfügten. Bei der Identifikation der Ausbildungslosigkeit wurde die gleiche Definition verwendet wie beim Mikrozensus(s.o.). Hürden auf dem Weg zum Berufsabschluss 15 in eine vollqualifizierende Berufsausbildung eingemündet( Übersicht 4 ). 2.1.2 Der Verbleib unmittelbar nach Schulende Eine weitere weichenstellende Bedeutung für den Werdegang kommt der ersten Station rund drei Monate nach Schulende zu. Besonders kritisch ist der Fall, wenn sich die Jugendlichen weder in einer Berufsausbildung noch in einer anderen Bildungsmaßnahme (z.B. des Übergangssystems) befinden, sondern sich zu Hause aufhalten. Wer erst einmal längere Zeit zu Hause geblieben ist, dem fällt eine erneute Bildungsbeteiligung offenbar besonders schwer, da nicht nur die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sinken, sondern oftmals auch resignative Haltungen zunehmen. In ähnlicher Weise gilt dies auch für Jugendliche, die nach der Schule eine Ungelerntentätigkeit aufgenommen haben. Zu den Jugendlichen, die sich bereits drei Monate nach Schulende nicht mehr im Bildungssystem befinden, zählen verstärkt solche, die in großstädtisch geprägten Räumen wohnen, sowie – damit zusammenhängend – Jugendliche mit Migrationshintergrund. 2.1.3 Einmündung in das ÜbergangSsystem Die Folgen für die Jugendlichen, die nach Beendigung der allgemeinbildenden Schulzeit zunächst in das Übergangssystem einmünden(Berufsvorbereitung, Berufsgrundbildung, teilqualifizierende Berufsfachschule, Praktikum, Einstiegsqualifizierung), erscheinen widersprüchlich. Auf der einen Seite sind unter den Teilnehmern am Übergangssystem gehäuft Personen zu finden, die auf Dauer ohne Berufsabschluss bleiben(Beicht/Ulrich, 2008c). Auf der anderen Seite lässt sich nachweisen, dass die Teilnahme am Übergangssystem die weitere Wartezeit bis zur Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung verkürzt(Beicht/ Ulrich, 2008b, S. 289ff.). Die Urteile zur Effizienz des Übergangssystems hängen stark davon ab, welche Vergleichsgruppe herangezogen wird. Sind es Ausbildungsstellenbewerber, welche gerade aktuell die allgemeinbildende Schule verlassen, scheinen die AbÜbersicht 4 Kumulierte Einmündung in eine Berufsausbildung bei nichtstudienberechtigten Schulentlassenen, die bereits bei Schulende nach einem Ausbildungsplatz suchten Mittlerer Schulabschluss 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 92% 95% 88% 81% 84% 87% 65% 78% 69% 49% Maximal Hauptschulabschluss 0 3 6 9 12 15 18 21 24 27 30 33 36 39 42 45 48 51 54 57 60 Monate nach Schulende Lesebeispiel: Rund 15 Monate nach Schulende sind insgesamt 81% der Entlassenen mit mittlerem Abschluss und 69% der Entlassenen mit maximal Hauptschulabschluss in eine Berufsausbildung(betrieblich, schulisch, außerbetrieblich) eingemündet. Quelle: BIBB-Übergangsstudie 2006(Beicht/Ulrich, 2008b, S. 227) solventen des Übergangssystems zum Teil schlechtere Erfolgschancen bei der betrieblichen Ausbildungsplatzsuche zu haben. Werden die Ausbildungschancen der Teilnehmer am Übergangssystem verglichen mit den Jugendlichen, die bis dato lange erfolglos auf Ausbildungsplatzsuche waren, aber nicht die Bildungsgänge des Übergangssystems besucht hatten, so haben die Teilnehmer am Übergangssystem deutlich bessere Chancen und finden rascher einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Dass für die Teilnehmer an Maßnahmen des Übergangssystems ein erhöhtes Risiko der Ausbildungslosigkeit besteht, ist somit nicht unmittelbare Folge der Teilnahme selbst. Die Probleme hängen vielmehr mit den Schwächen der Teilnehmer zusammen: In den Bildungsgängen des Übergangssystems sind verstärkt Jugendliche zu finden, die über ungünstige Bildungsvoraussetzungen verfügen(z.B. Lern- und Motivationsprobleme haben). Dennoch eröffnet das Übergangssystem seinen Teilnehmern signifikant mehr Ausbildungsplatzchancen, als sie zum Beispiel jene Jugendlichen haben, die nach misslungener Ausbildungsplatzsuche aus dem Bildungssystem aussteigen. 16 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Übersicht 5 Verbleib im dritten und fünfzehnten Monat nach Abschluss eines Bildungsganges des Übergangssystems Art des Bildungsgangs Berufsvorbereitung 3. Monat 15. Monat Berufsgrundbildung 3. Monat 15. Monat Berufsfachschule 3. Monat 15. Monat Insgesamt 3. Monat 15. Monat betriebliche Berufsausbildung sonstige Berufsausbildung allgemeinbildende Schule, FOS, Fachgymnasium Übergangssystem, Maßnahme, Praktikum Arbeit, Jobben arbeitslos,-suchend, Warten auf Bildungsgang sonstiges Insgesamt Fallzahl(ungewichtet) 32% 23% 2% 24% 6% 9% 3% 100% 183 35% 31% 3% 18% 7% 6% 1% 100% 142 41% 13% 1% 24% 5% 13% 3% 100% 181 60% 15% 1% 11% 7% 4% 1% 100% 135 41% 13% 1% 24% 5% 13% 3% 100% 407 49% 19% 11% 5% 9% 5% 2% 100% 291 36% 17% 5% 21% 7% 11% 4% 100% 771 47% 22% 5% 11% 8% 5% 2% 100% 568 Anm.: Die Übersicht findet sich auch im Bildungsbericht 2008; vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung(2008, S. 167). Dort wurden die Verbleibsanteile allerdings nicht unter Ausschluss zensierter Fälle berechnet(Personen, für die noch keine drei bzw. 15 Monate nach Beendigung des Bildungsgangs vergangen sind). Durch den Einschluss der zensierten Beobachtungen fallen die Verbleibsanteile rechnerisch niedriger aus, als sie faktisch sind. Die hier vorgenommenen Berechnungen beruhen allein auf jenen Probanden, für die bereits drei oder aber 15 Monate seit Abschluss des Bildungsganges vergangen sind. Quelle: BIBB-Übergangsstudie 2006 Es ist deshalb grundsätzlich richtig, dass erfolglose Ausbildungsplatzbewerber zumindest über teilqualifizierende Bildungsgänge aufgefangen werden. Nach den Ergebnissen der BIBB-Studie befindet sich drei Monate nach Verlassen des Übergangssystems die Hälfte in Berufsausbildung, ein weiteres Jahr später sind es knapp 70%(vgl. auch Übersicht 5 ). Allerdings beziehen sich diese Quoten allein auf jene Jugendliche, die den jeweiligen Bildungsgang des Übergangssystems auch abgeschlossen haben. Es lassen sich aber in allen drei hier unterschiedenen Bildungsgängen substanzielle Anteile von vorzeitigen Abbrechern ausmachen. Die Quoten schwankten innerhalb der BIBB-Studie zwischen 12% beim Berufsgrundbildungsjahr und 27% in der Berufsfachschule (Ulrich, 2008). Das Statistische Bundesamt registrierte 2007 unter den insgesamt 110.252 Entlassenen aus dem Berufsvorbereitungs- und Berufsgrundbildungsjahr lediglich 65.527(59%), welche die Bildungsgänge mit erfolgreicher Teilnahme bzw. erfolgreicher Prüfung beendeten(Statistisches Bundesamt, 2008). Für die Jugendlichen ohne erfolgreichen Abschluss sind die Übergangschancen deutlich schlechter(vgl. auch Heisler, 2008). Somit ist die Gruppe der Jugendlichen, für die trotz des Ausbaus des Übergangssystems mit größeren Schwierigkeiten beim Zugang in Berufsausbildung zu rechnen ist, keinesfalls als eine geringe Größe einzuschätzen. 2.1.4 Abbruch einer bereits begonnenen Berufsausbildung Hinzu kommt, dass selbst bei denjenigen, die den Übergang in eine vollqualifizierende Berufsausbildung schaffen, der erfolgreiche Abschluss der Berufsausbildung keineswegs sicher ist. Rund 20% aller Ausbildungsverträge werden vorzeitig gelöst, und 5% der Teilnehmer an der Abschlussprüfung bestehen selbst nach Wiederholung die Prüfung nicht(Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2008, S. 145 und S. 151). Allerdings sind Vertragslösungen nicht automatisch Abbrüche; denn ein Teil der vorzeitigen Vertragslöser setzt die Ausbildung in einem anderen Betrieb fort(Schöngen, 2003). Nach den Ergebnissen der BIBB-Übergangsstudie führen letztlich knapp 12% der betrieblichen Auszubildenden und 19% der Auszubildenden in einem Schulberuf den jeweiligen Bildungsgang nicht erfolgreich zu Ende ( Übersicht 6 ). Eine wichtige Ursache ist in beiden Ausbildungsformen, dass den Jugendlichen der Beruf nicht zusagte. Darauf verwiesen 51% der betrieblichen Ausbildungsabbrecher und 44% der Schulberufsabbrecher. 26% der schulischen und 12% der betrieblichen Auszubildenden ohne Abschluss empfanden die Ausbil- Hürden auf dem Weg zum Berufsabschluss 17 dung als zu schwierig. Bei vielen betrieblichen Ausbildungsabbrechern(56%) lieferten Probleme mit den Ausbildern, Kollegen, Lehrern, Mitschülern bzw. anderen Auszubildenden den Anlass, die Ausbildung vorzeitig zu beenden. In der schulischen Ausbildung sind solche Konflikte deutlich seltener(27%) die Ursache(Beicht/Ulrich, 2008a). Für etwa 31% der schulischen und 20% der betrieblichen Ausbildungsabbrecher war die Aussicht auf eine andere, bessere Qualifizierungsmöglichkeit der Grund, die Berufsausbildung vorzeitig zu beenden. In den meisten Fällen fehlten aber die Anschlussperspektiven. Deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche dauerhaft ungelernt bleiben, bei einem Abbruch der Ausbildung sehr stark an. Ein vorausgegangener Ausbildungsabbruch ist einer der wichtigsten biografischen Ursachen für einen fehlenden Berufsabschluss. Immerhin 37% aller Jugendlichen ohne Abschluss konnten eine Berufsausbildung beginnen, haben diese aber nicht erfolgreich beendet. Darunter finden sich verstärkt Jugendliche mit schwachen Abschlusszeugnissen der allgemeinbildenden Schulen, mit Migrationshintergrund und aus Familien mit ungünstigem sozioökonomischem Status. Zudem sind unter ihnen gehäuft junge Mütter zu finden. Tatsächlich stellt die Geburt eines Kindes unter den bisherigen Verhältnissen einen wesentlichen Risikofaktor dar, ohne Berufsabschluss zu bleiben. Übersicht 6 Kumulierte Wahrscheinlichkeit, dass eine angetretene Berufsausbildung nicht erfolgreich zu Ende geführt wird 20% 18% schulische Berufsausbildung 16% 14% 12% 10% 8% betriebliche 6% Berufsausbildung 4% 2% 0% 0 3 6 9 12 15 18 21 24 27 30 33 36 Monate nach Ausbildungsbeginn Lesebeispiel: Rund 24 Monate nach Ausbildungsbeginn haben gut 14% der Teilnehmer an einer schulischen Berufsausbildung diese wieder abgebrochen. Quelle: BIBB-Übergangsstudie 2006 Bei immerhin 19% der Jugendlichen ohne Berufsabschluss leben eigene Kinder im Haushalt. Es sind weit überwiegend junge Frauen, verstärkt mit schwachen Schulabschlüssen und selbst aus schwierigen familiären Verhältnissen stammend, auf die dies zutrifft. 2.2 Individuelle Determinanten von„Ausbildungslosigkeit“ Neben kritischen Phasen und Ereignissen, bei denen die Wahrscheinlichkeit steigt, dauerhaft ohne Berufsabschluss zu bleiben, lassen sich individuelle Merkmale auf Seiten der Jugendlichen identifizieren, die mit einem unterschiedlich hohen Risiko der Ausbildungslosigkeit einhergehen. 2.2.1 Leistungsmerkmale Die Wahrscheinlichkeit, ohne Berufsabschluss zu bleiben, vergrößert sich für Jugendliche sehr deutlich, wenn ihre schulischen Bildungsvoraussetzungen ungünstig sind. 32% der Jugendlichen ohne Berufsabschluss verließen bereits die allgemeinbildende Schule ohne Schulabschluss. Weitere 38% hatten höchstens einen Hauptschulabschluss geschafft. Dabei wirkt sich nicht nur ein fehlender oder ein niedriger Schulabschluss(Sonderschule, Hauptschule) negativ aus, sondern auch relativ schlechte Noten auf dem Schulzeugnis. 62% der Berufsausbildungslosen hatten eine Durchschnittsnote im Abgangszeugnis der allgemeinbildenden Schule von allenfalls 3,0 oder schlechter erreicht. 3 Es sind unter den Ausbildungslosen im Alter von 20 bis 24 Jahren aber auch relativ viele schulisch höher qualifizierte Jugendliche zu finden. 30% verfügen immerhin über einen mittleren Abschluss und 38% über eine mittlere Note im Schulabschlusszeugnis von 2,9 oder besser( Übersicht 7 ). Dass so viele Jugendliche mit mittlerem Schulabschluss bislang ohne Berufsabschluss verblieben, 18 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Übersicht 7 Merkmale der Jugendlichen ohne Berufsabschluss Abschluss der allgemeinbildenden Schule kein Hauptschulabschluss Hauptschulabschluss mittlerer Abschluss Durchschnittsnote im Abschlusszeugnis Notendurchschnitt besser als 3,0 Notendurchschnitt 3,0 bis 3,9 Notendurchschnitt 4,0 und schlechter Sozioökonomischer Status der Eltern Eltern(z.T.) ohne Schul- oder Berufsabschluss Vater ohne qualifizierte berufliche Tätigkeit Migrationshintergrund Persönliche Lebenssituation mit eigenen Kindern im gemeinsamen Haushalt lebend Bisherige Bemühungen auf dem Weg zum Berufsabschluss noch nie eine Berufsausbildung gesucht Berufsausbildung gesucht, aber nie gefunden Berufsausbildung begonnen, aber abgebrochen 32% 38% 30% 38% 51% 11% 60% 57% 39% 19% 10% 53% 37% Quelle: BIBB-Übergangsstudie 2006 ist aber nur zu einem Teil alarmierend. Denn unter ihnen gibt es relativ viele, die zunächst die Fachoberschule oder das Fachgymnasium besuchten. Von den Jugendlichen ohne Berufsausbildung zählen insgesamt 17% zu diesem Verlaufstyp. Von den Jugendlichen ohne Berufsabschluss, die Fachoberschulen oder Fachgymnasien besucht hatten, hatten drei Viertel einen Hoch- bzw. Fachhochschulreifeabschluss erworben. Sie„sind damit keinesfalls zu den ‚typischen’ Ausbildungslosen zu rechnen. Häufig sind hier Jugendliche mit guten Schulnoten auf dem Abgangszeugnis der allgemeinbildenden Schule vertreten sowie relativ viele junge Männer. Diese Gruppe lässt aufgrund ihrer guten Leistungsvoraussetzungen am ehesten erwarten, dass in einigen Jahren doch noch ein Berufsabschluss erreicht wird“(Beicht/Ulrich, 2008c, S. 11). 2.2.2 Familiärer Hintergrund Relativ ungünstig dürften allerdings die Perspektiven der Jugendlichen ohne Berufsabschluss sein, die aus schwierigeren sozialen Verhältnissen stammen. Wie für die Allgemeinbildung, so gilt auch für die berufliche Bildung, dass die Qualifikation der Eltern mit den Ausbildungschancen der Kinder korreliert: Verfügen Vater und Mutter sowohl über einen Schul- als auch einen Berufsabschluss, bleiben Jugendliche seltener ungelernt. Dies hängt nur zum Teil damit zusammen, dass gut gebildete Eltern ihre Kinder während der Schulzeit besser unterstützen, diese deshalb bessere Schulabschlüsse erreichen und wegen ihrer höheren Qualifikation auch bessere Ausbildungsmarktchancen haben(Beicht/ Friedrich/Ulrich, 2007). Ein weiterer Grund ist, dass höher gebildete Eltern auch ganz unmittelbar bei der Berufswahl und Ausbildungsplatzsuche effizientere Hilfe leisten. Diese besteht nicht selten allein darin, dass ein qualifiziert erwerbstätiger Elternteil seine Netzwerke aus der Arbeitswelt nutzt, um seinem Kind den Zugang zu Ausbildungsbetrieben zu erleichtern(Schank, 2008, S. 22ff.). Bei rund 60% der Jugendlichen ohne Berufsabschluss verfügte zumindest ein Elternteil nicht über eine abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung, bei 57% ging der Vater zum Untersuchungszeitpunkt keiner qualifizierten Erwerbstätigkeit nach(Beicht/Ulrich, 2008c, S. 8). Oft stammen die betroffenen Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund. 2.2.3 MigrationsHintergrund Insgesamt 39% der Jugendlichen ohne Berufsabschluss haben einen Migrationshintergrund. Insbesondere dann, wenn die Jugendlichen noch im Ausland geboren und sich erst ab dem sechsten Lebensjahr oder noch später in Deutschland aufhielten, steigt das Risiko dauerhafter Berufsausbildungslosigkeit. Darüber hinaus ist die Benachteiligung der Jugendlichen mit Migrationshintergrund weitgehend über ihre im Schnitt niedrigere schulische Qualifikation und den niedrigeren sozioökonomischen Status ihrer Herkunftsfamilien erklärbar. Zudem dürfte eine große Rolle spielen, dass ihre Eltern selbst nur über wenige soziale und berufliche Netzwerke verfügen, um ihren Kindern bei der Ausbildungsplatzsuche zu helfen(Boos-Nünning, 2009).„Es ist verbreitete Praxis, dass Kinder von Belegschaftsmitgliedern beim Selektionsverfahren bevorzugt behandelt werden, 3 Nach den jüngsten Auswertungen des Mikrozensus 2007(vgl. Braun/Helmrich/Schöngen, 2009) beträgt die Quote der Jugendlichen ohne Berufsabschluss unter den 20-29-jährigen Personen ohne Schulabschluss 84,5%(Männer: 81,6%, Frauen: 87,8%), unter den 20-29-jährigen Personen mit Hauptschulabschluss 30,8%(Männer: 26,4%, Frauen: 37,6%) und bei den 20-29-jährigen Personen mit mittlerem Schulabschluss 9,6%(Männer: 9,0%, Frauen: 10,6%). Bei der Interpretation dieser schulabschlussbezogenen Quoten ist zu berücksichtigen, dass die schulische Vorbildung zum Untersuchungszeitpunkt und nicht beim(erstmaligen) Verlassen der allgemeinbildenden Schule das Kriterium zur Einteilung der drei Teilgruppen bildete. Hürden auf dem Weg zum Berufsabschluss 19 indem ihnen etwa beim Einstellungstest ein Bonus gewährt wird. Von dieser internen Netzwerkrekrutierung profitieren offenbar ebenfalls deutsche Jugendliche häufiger als ausländische.(…) Einige Äußerungen lassen vermuten, dass ausländische Mitarbeiter diesem Netzwerk nur bedingt angehören bzw. nur eingeschränkt davon profitieren, weil sie nicht im gleichen Ausmaß wie ihre deutschen Kollegen über die notwendigen Beziehungen zu maßgeblichen leitenden Angestellten in den Personalabteilungen oder zu Betriebsratmitgliedern verfügen“(Schaub, 1991, S. 128). Nach der Beobachtung Schaubs sind deshalb ausländische Jugendliche verstärkt auf institutionalisierte Unterstützungssysteme angewiesen. Doch seien die Betriebe gerade gegenüber solchen Bewerbern, die über diese Wege an sie herangetragen würden, betont vorsichtig. Die Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind zudem auch selbst seltener in Organisationen eingebunden, von denen ein chancenfördernder Effekt auf einen Übergang in Berufsausbildung ausgeht(Beicht/Friedrich/Ulrich, 2007). Dazu zählt z.B. die Mitgliedschaft bei der örtlichen Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk oder ähnlichen Organisationen. Über solche Mitgliedschaften werden oft einflussreiche soziale Netzwerke geknüpft, abgesehen davon, dass sie auch für den Erwerb von überfachlichen Kompetenzen förderlich sind und eine positive symbolische Wirkung bei Bewerbungen haben. Ein spezifischer Chancennachteil insbesondere türkischer und arabischer Jugendlicher ergibt sich durch die Konzentration ihrer Wohnorte auf großstädtische Räume, in denen in Folge von Pendlern eine sehr starke Konkurrenz um die verfügbaren Ausbildungsplätze vorherrscht. Großstadtjugendliche zeigen sich dagegen regional weniger mobil bei ihrer Ausbildungssuche. Gleichwohl lässt sich über diese und alle anderen hier genannten Aspekte nicht vollständig erklären, warum gerade Jugendliche türkisch oder arabischer Herkunft seltener Zugang in eine Berufsausbildung finden. Es wird in der Fachöffentlichkeit zurzeit sehr intensiv darüber diskutiert, ob sich in den nicht weiter aufklärbaren Gründen„Diskriminierung“ widerspiegelt oder nicht(Seibert/Solga, 2005; Kalter, 2006; Imdorf, 2007). Das methodische Problem besteht zumeist darin, dass zwar unterschiedliche Chancen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund festgestellt werden, dass aber zu wenig Untersuchungen vorliegen, wie und nach welchen Kriterien Arbeitgeber rekrutieren. Studien von Akman u.a.(2005) oder von Imdorf(2007) deuten jedoch darauf hin, dass manche Betriebe bei der Auswahl ihrer Bewerber Aspekte berücksichtigen, die nicht allein mit deren Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Bei Akman u.a.(2005) war es allein der ausländische Name des Bewerbers, der sich nachteilig auswirkte, bei Imdorf(2007, S. 418) waren es Aspekte wie„Teampassung“ oder„Rücksichtnahme auf die Kundschaft“, welche die Chancen von Bewerbern ausländischer Herkunft minderten. Wie eine Repräsentativbefragung der bei der BA gemeldeten a Ausbildungsstellenbewerber des Jahres 2006 ergab, hatten 30% der türkischen bzw. arabischen Ausbildungsstellenbewerber des Öfteren das Gefühl, wegen ihrer Herkunft(z.B. Nationalität) oder wegen ihres Geschlechts benachteiligt zu werden. Bei Aussiedlern waren es 25% und bei den Deutschen ohne Migrationshintergrund 3%(Eberhard/ Granato/Ulrich 2007, S. 14). 2.2.4 Geschlecht Junge Frauen haben innerhalb des dualen Berufsbildungssystems signifikant schlechtere Chancen, obwohl sie im Schnitt über die besseren Schulzeugnisse verfügen. Die Ursache ist allerdings weniger in geschlechtsspezifischer Diskriminierung der Arbeitgeber als in der einseitigen Ausrichtung der Berufswünsche junger Frauen auf die Dienstleistungsberufe zu suchen. Da diese Berufe gerade von leistungsstarken Jugendlichen sehr stark umworben sind, reichen bisweilen selbst relativ gute Schulleistungen nicht aus, um in der Bewerberschlange eine aussichtsreiche Position einnehmen zu können. Die jungen Frauen gleichen die geringeren Erfolgschancen innerhalb des dualen Systems jedoch durch ihre starke Beteiligung im Schulberufssystem weitgehend aus(Beicht/Ulrich, 2008b). Sofern junge Frauen nicht ein eigenes Kind zu betreuen haben, besteht für sie deshalb grundsätzlich kein höheres Risiko, ausbildungslos zu bleiben, als für junge Männer. Es ist sogar umgekehrt so, dass junge Männer unter den Ausbildungslosen häufiger(52%) als junge Frauen (48%) vertreten sind. 4 Und unter den Schulabgängern mit Migrationshintergrund scheinen insbesondere bei den männlichen Jugendlichen die Probleme zuzunehmen, einen Ausbildungsplatz zu finden(Friedrich, 2009; Diehl/Friedrich/Hall, 2009). 4 Dies hängt jedoch auch damit zusammen, dass es in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen merklich mehr Männer als Frauen gibt(Statistisches Bundesamt, 2007a). 20 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss 3. Allgemeine Bedingungen für eine Verringerung des Anteils der Ausbildungslosen 3.1 Abbau der quantitativen Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage Eine grundlegende Voraussetzung für die Verringerung des Anteils der Ausbildungslosen ist, dass genügend vollqualifizierende Berufsausbildungsplätze bereitstehen. Dies war jedoch in den vergangenen Jahren nicht der Fall. Denn der Ausbildungsmarkt war durch ein massives quantitatives Ungleichgewicht gekennzeichnet, da das Ausbildungsplatzangebot im dualen System mit der stetig steigenden Nachfrage nicht Schritt hielt( Übersicht 8 ). Auch wurden nicht genügend außerbetriebliche oder schulische Berufsausbildungsplätze zur Kompensation bereitgestellt, so dass selbst ausbildungsreife Jugendliche auf die teilqualifizierenden Bildungsgänge des Übergangssystems verwiesen wurden. Dieses Ausbildungsplatzdefizit wurde zugleich nicht ausreichend transparent. Die bisherige a Ausbildungsmarktbilanzierung suggeriert selbst in Zeiten eines größeren Ausbildungsplatzmangels weitgehend ausgeglichene a Angebots-Nachfrage-Relationen und damit einen ausreichenden Versorgungsgrad. Denn Bilanz wird stets erst dann gezogen(Ende September), wenn die meisten erfolglosen Bewerber bereits in das Übergangssystem oder sonstige Alternativen eingemündet sind und auf diese Weise„versorgt“ wurden. Da diese Jugendlichen nicht mehr als Ausbildungsplatznachfrager mitgezählt werden(selbst dann nicht, wenn sie zum Stichtag der Bilanzierung weiter auf Ausbildungsplatzsuche sind), wird die Nachfrage der Jugendlichen viel zu niedrig ausgewiesen und entspricht so statistisch weitgehend dem Angebot. Ein unmittelbarer Handlungsbedarf ist dann Ende September nicht mehr erkennbar, und weitere Maßnahmen scheinen auch nicht mehr zweckmäßig zu sein, da sich die Jugendlichen ja bereits in alternativen teilqualifizierenden Bildungsgängen befinden. Hinzu kommt, dass die Angaben zur Entwicklung der Einmündungszahlen in die Bildungsgänge des Übergangssystems und der Schulberufe erst mit einer einjährigen Verspätung vorliegen(vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2009, S. 31). Angesichts dieser Bilanzierungspraxis droht sich somit Jahr für Jahr eine Fehlsteuerung der Bildungsströme zu wiederholen, und längere Warte- und Überbrückungszeiten im Übergangssystem sind damit vorprogrammiert. Denn eine zeitnahe Versorgung von im dualen Ausbildungssystem erfolglosen Ausbildungsplatzbewerbern mit vollqualifizierenden Berufsausbildungsangeboten außerbetrieblicher( a Ausbildung, außerbetrieblich) oder schulischer Art( a Schulberufssystem) kann nur dann erfolgen, wenn zum Bilanzierungsstichtag der tatsächliche Grad der Unterversorgung erkennbar ist und die Jugendlichen nicht bereits in teilqualifizierende Alternativen umgelenkt worden sind. 5 Eine Änderung der Bilanzierung, die auf diese Weise seit den Anfängen der Berufsbildungsberichterstattung in den 1970er-Jahrem vorgenommen wird, 6 käme allerdings einem Paradigmenwechsel 5 Es ist bezeichnend, dass in Ostdeutschland – wo das Übergangssystem weniger stark ausgebaut ist – in den letzten Jahren stets auch höhere Anteile unter den gemeldeten Bewerbern in eine vollqualifizierende Ausbildungsstelle einmündeten( a Tabelle 3). Aufgrund der fehlenden Alternativen im Übergangssystem blieben die Ungleichgewichte auf dem ostdeutschen Ausbildungsmarkt in einem stärkeren Maße sichtbar, und es war bislang Usus, dass für die noch unversorgten Bewerber Ende September bis Ende Dezember mehrere Tausend vollqualifizierende Ausbildungsplätze aus dem Bund-Länder-Programm Ost und aus ergänzenden Länderprogrammen zur Verfügung gestellt wurden. Dieser Mechanismus trug dazu bei, dass zwar die Marktbilanz zum Stichtag 30. September in jedem Jahr ungünstiger als in Westdeutschland ausfiel, dass aber zugleich stets mehr gemeldete Bewerber in eine vollqualifizierende Berufsausbildung einmündeten, als dies in Westdeutschland der Fall war – trotz eines mit Abstand geringeren betrieblichen Ausbildungsplatzangebots. 6 Allerdings waren die Probleme schon damals bekannt. So wurde darauf verwiesen, dass es sich bei der auf diese Weise ermittelten Nachfrage um eine Größe handelt,„die gemessen an den eigentlichen Ausbildungswünschen der Betroffenen eher zu niedrig – da unter den Ausbildungsplatzsuchenden bei den Arbeitsämtern diejenigen nicht mehr enthalten sind, die ihren Ausbildungswunsch wegen mangelnden Angebots schon aufgegeben haben – als zu hoch ist“(Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft 1977, S. 25). Allgemeine Bedingungen für eine Verringerung des Anteils der Ausbildungslosen 21 gleich. So bemisst der Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland den Grad seiner Zielerreichung an der bisherigen Ausbildungsmarktbilanz. Als versorgt gelten somit auch jene, die wegen fehlender Ausbildungsplätze bis Ende September in teil qualifizierende Ausbildung umgelenkt werden. 7 Die Konzentration der Zieldefinition allein auf die Versorgung mit voll qualifizierender Berufsausbildung würde aber ein quantitatives Ungleichgewicht zwischen Bildungsangebot und-nachfrage aufzeigen, das mit den Mitteln, die dem Ausbildungspakt im Rahmen des Nachvermittlungsgeschäfts zur Verfügung stehen, nicht auszugleichen wäre. 8 Zudem droht eine Bilanz, die sich am Defizit an vollqualifizierenden Ausbildungsplätzen im dualen Berufsbildungssystem orientiert, größere bildungspolitische Kontroversen darüber auszulösen, von welcher Seite und in welcher Form das Angebotsdefizit kompensiert werden kann und sollte. Um die Ausbildungschancen der Jugendlichen zu verbessern und den Druck von der Wirtschaft zu nehmen, weitgehend allein für ausreichendes Ausbildungsplatzangebot im dualen System sorgen zu müssen, hat der Gesetzgeber 2005 die Möglichkeit geschaffen, Jugendliche gegebenenfalls auch über schulische Berufsbildungsgänge zur Kammerprüfung zu führen(§ 43 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes). Die Entscheidung hierüber obliegt den Landesregierungen im Benehmen mit ihren Landesausschüssen für Berufsbildung; die Regelung ist allerdings bis 2011 befristet. Die Wirtschaft hat auf diesen„Systembruch“ (Lakies/Nehls 2007, S. 230) nur zurückhaltend reagiert, da sie ein Konkurrenzverhältnis zwischen der schulischen und betrieblichen Ausbildungsvariante mit nachteiligen Folgen zu Lasten der Betriebe fürchtet. Zu einer breiten Nutzung dieses neuen Instrumentes ist es bislang nicht gekommen. Die staatlichen Institutionen stehen in einem Dilemma: Auf der einen Seite besitzen sie zwar die gesetzgeberische Rahmenkompetenz. Auf der anderen Seite müssen sie – sollen die besonderen Vorzüge des dualen Systems erhalten bleiben – auf die systemischen Gestaltungswün1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 Übersicht 8 Zahl der vollqualifizierenden Bildungsangebote in dualen und Schulberufen je 100 Schulabsolventen aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen (ohne Abiturienten) 105 100 95 Schulische und duale Angebote insgesamt 90 85 80 75 70 65 60 Duale Angebote 55 50 Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen sche der Wirtschaft Rücksicht nehmen. Im Rahmen des Ausbildungspaktes, der seine selbst gesteckten Ziele bislang stets erreichte und somit durchaus erfolgreich war, haben die staatlichen Institutionen zusammen mit der Wirtschaft die bisherige Praxis der Marktbilanzierung beibehalten. Gleichwohl ist ein unzureichendes Angebot an vollqualifizierenden Berufsausbildungsmöglichkeiten unterhalb der akademischen Ebene als Hauptursache dafür zu benennen, dass es in den vergangenen Jahren nicht gelang, den Anteil der Jugendlichen ohne Berufsabschluss zu senken. Es mutet deshalb fast schon wie ein Erfolg an, dass die Quote der Jugendlichen ohne Berufsabschluss in dieser Zeit nicht substanziell gestiegen ist. Hier ist jedoch darauf zu verweisen, dass die 7 Von den 620.209 gemeldeten Ausbildungsstellenbewerbern des Berichtsjahres 2007/08 galten 605.730 als versorgt. Von diesen 605.730 Jugendlichen waren 311.969(52%) in eine/r Berufsausbildungsstelle eingemündet bzw. weiter verblieben, 130.105(21%) in teilqualifizierenden Bildungsgängen(Schule, Praktikum, Fördermaßnahmen) und 43.383(7%) in Erwerbstätigkeit bzw. in gemeinnützigen/sozialen Diensten. Bei 120.273 Personen(20%) war der Verbleib nicht bekannt(Bundesagentur für Arbeit, 2008). 81.846 der 605.730 versorgten Bewerber waren auch noch zum Bilanzierungsstichtag auf Ausbildungsplatzsuche. 8 Den größten Anteil am Ergebnis des Nachvermittlungsgeschäfts haben Verbleibsformen außerhalb einer vollqualifizierenden Berufsausbildung. Der Bestand von 14.479 unversorgten Bewerbern Ende September 2008 konnte bis Ende Januar 2009 um 8.522 Personen reduziert werden. Von diesen 8.522 Personen waren 2.005(24%) in eine Berufsausbildungsstelle eingemündet bzw. in dieser verblieben, 3.044(36%) in teilqualifizierenden Bildungsgängen (Schule, Praktikum, Fördermaßnahmen) und 650(8%) in Erwerbstätigkeit. Bei 2.637 Personen(31%) war der Verbleib nicht bekannt(Bundesagentur für Arbeit, 2009a). 22 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Anteilsberechnung der Jugendlichen ohne Berufsabschluss als Warnsignal für Fehlentwicklungen nur bedingt geeignet ist. Denn die Berechnung reagiert nicht sensibel auf Jugendliche, die wegen fehlender Ausbildungsplätze auf das Übergangssystem ausweichen und dort teilqualifiziert werden: Diese Jugendlichen werden – da sie sich noch im Bildungssystem befinden – per definitionem nicht zu den Ausbildungslosen gezählt. 3.2 Verringerung der qualitativen Divergenzen zwischen Angebot und nachfrage 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 Der immer größere Zustrom von Jugendlichen in das Übergangssystem entfachte neben den ernüchternden Ergebnissen der PISA-Studien eine intensive Debatte in der Öffentlichkeit über den Grad der a Ausbildungsreife der Jugendlichen (Ulrich/Ehrenthal, 2007). Die Ausbildungsbetriebe erhielten zwar immer mehr Bewerbungen, die Eignung( a Berufseignung) der Ausbildungsstellenbewerber schien aber eher zu sinken. Nach Ansicht der Betriebe spielt die Verbesserung der schulischen Voraussetzungen der Ausbildungsplatzbewerber neben dem eigenen Personalbedarf eine zentrale, wenn nicht die zentrale Rolle für die Stabilisierung und Steigerung ihrer Ausbildungsbereitschaft. In einer 2004 durchgeführten Befragung von rund Übersicht 9 Verbleib der gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber(in%) 60,0 Einmündungen in eine Berufsausbildungsstelle 50,0 40,0 A u s b i l d u n g s s t e l l e n b e w e r b e r, 30,0 die in Alternativen (z.B. erneuter Schulbesuch, Jobben, Praktikum) 20,0 oder unbekannt verbleiben 10,0 Unversorgte Bewerber Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen 2.000 Unternehmen gingen hochgerechnet etwa 500.000 bzw. knapp 47% aller befragten Betriebe und Unternehmen davon aus, dass sie bei einer verbesserten Bewerberqualifikation„starke bis sehr starke Effekte für ihren eigenen Betrieb erwarten und mehr Ausbildungsplätze anbieten würden als bisher“(Troltsch/Krekel, 2006, S. 14). In dieselbe Richtung verwiesen auch die Resultate einer 2005 durchgeführten Umfrage unter knapp 500 Berufsbildungsexperten unterschiedlicher Herkunft. Hier ging die überwiegende Mehrheit davon aus, dass die Leistungen der Jugendlichen in den klassischen Kulturtechniken(Rechnen, Lesen, mündlicher und schriftlicher Ausdruck) in den letzten 15 Jahren gesunken sind(Eberhard, 2006). Zugleich zeigten sich fast alle Fachleute davon überzeugt, dass die Anforderungen in den Ausbildungsberufen in den letzten 15 Jahren signifikant gestiegen sind. Demnach hat sich in den letzten Jahren das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auch in qualitativer Hinsicht(steigende Anforderungen, aber gesunkene Ausbildungsreife) vergrößert. Die Ergebnisse der Betriebs- und Expertenbefragungen verweisen somit auf einen großen Handlungsbedarf, zumal die Ursachen für den geringeren Reifegrad vor allem auch in veränderten familiären Sozialisationsbedingungen gesehen werden. Dennoch würde es zu kurz greifen, allein über das qualitative Ungleichgewicht die wachsende Zahl der Einmündungen in das Übergangssystem zu rechtfertigen. Die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit signalisieren vielmehr eine zweifache Problemlage. Auf der einen Seite zeigt die Verbleibsstatistik zu den gemeldeten Ausbildungsstellenbewerbern, dass in den vergangenen Jahren sehr viele ausbildungsbereite Jugendliche trotz vorhandener Ausbildungsreife keinen Zugang in Berufsausbildung fanden und in diesem Sinne nicht a vermittelbar waren. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der spezifischen Eigenheit dieser Sta- Allgemeine Bedingungen für eine Verringerung des Anteils der Ausbildungslosen 23 tistik. Denn die Bundesagentur ist gehalten, nur diejenigen der bei ihr Rat suchenden Personen als „Ausbildungsstellenbewerber“ zu zählen, die„im Berichtsjahr individuelle Vermittlung in eine betriebliche oder außerbetriebliche Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen nach dem BBiG wünschen und deren Eignung dafür geklärt ist bzw. deren Voraussetzungen dafür gegeben sind“(Bundesagentur für Arbeit, 2008). Liegt aber„Eignung für einen Beruf vor, so ist immer auch Ausbildungsreife gegeben“(Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs, 2006, S. 64). Dies bedeutet, dass nicht jeder Ratsuchende mit Ausbildungswunsch bei der Bundesagentur den Status eines Ausbildungsstellenbewerbers erhält. Zugleich ist der Anteil der registrierten Ausbildungsstellenbewerber, die in eine Berufsausbildungsstelle einmündeten, in den vergangenen Jahren erheblich gesunken, während immer mehr Bewerber in Alternativen verblieben( Übersicht 9 und a Tabellen 2 und 3). Auf der anderen Seite registrierte die Bundesagentur für Arbeit aber auch eine wachsende Zahl von Jugendlichen, die zunächst in Fördermaßnahmen zur Ausbildungsreife hingeführt werden mussten und in der Regel zunächst nicht den Status eines „Bewerbers“ zugesprochen bekamen( a Tabelle 2). Somit ist bislang beides zu beklagen: zu viele Jugendliche, die trotz vorhandener Ausbildungsreife keinen Ausbildungsplatz finden, als auch zu viele Jugendliche, die bei Verlassen der allgemeinbildenden Schule nicht über die individuellen Voraussetzungen zur Aufnahme einer Berufsausbildung verfügen. 3.3 Vorausschau auf die zukünftigen Entwicklungen Maßnahmen zur Verringerung des Anteils der Jugendlichen ohne Berufsabschluss müssen sich an den künftigen Marktverhältnissen innerhalb des dualen Ausbildungssystems orientieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn mit deutlichen Veränderungen gerechnet werden muss. Zwei Entwicklungen werden die künftigen Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt wesentlich bestimmen: zum einen die aktuelle Wirtschaftskrise, welche das Ausbildungsplatzangebot in den Jahren 2009 und 2010 beeinträchtigen wird, und zum anderen die demografische Entwicklung, die mittelfristig zu einer Umkehrung der Marktverhältnisse führen wird. 3.3.1 Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise In welchem Ausmaß die aktuelle Wirtschaftskrise einen Einbruch des Ausbildungsplatzangebots verursachen wird, ist zurzeit noch unklar. Im letzten Vermittlungsjahr 2008 wurden bundesweit 635.675 Ausbildungsplatzangebote im dualen System registriert. Der Bundesagentur für Arbeit wurden bis Ende Mai 2009 20.523 betriebliche Lehrstellen weniger gemeldet als im Vorjahreszeitraum(Bundesagentur für Arbeit, 2009b). Diese Zahlen lassen eine genauere Prognose der gesamten Angebotsentwicklung bis Ende September 2009 aber noch nicht zu. Nach den Ergebnissen von PROSIMA, einem ökonometrischen Modell zur Vorausschätzung der zukünftigen Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt(Kau/Lösch, 2005), ist für 2009 unter günstigen Annahmen mit einem Rückgang des Angebots um rund 38.000 auf knapp unter 600.000 zu rechnen, bei sehr ungünstiger Entwicklung allerdings sogar um 76.000 auf knapp 560.000(Ulrich/ Lösch/Kau, 2009). Eine aktuelle Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung(Schöngen/ Walden, 2009) beziffert den zu erwartenden Rückgang auf 50.000 – wobei sich 20% der Betriebe in Hinblick auf ihr tatsächliches Ausbildungsverhalten noch unschlüssig zeigten. Insbesondere in den export- und konsumabhängigen Branchen und in den kleinen und mittelgroßen Unternehmen aus Industrie und Handel droht ein größerer Rückgang. Erwartet wird, dass die Gesamtzahl der neuen Ausbildungsverträge in Westdeutschland um 9% und in Ostdeutschland um 4% sinkt. Unternehmensbefragungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages(2009) kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Da viele Unternehmen in diesem Jahr auch schon Ausbildungsentscheidungen für 2010 treffen, wird die Wirtschaftskrise auch auf das kommende Jahr ausstrahlen, selbst wenn sich die Lage zum Jahresende hin wieder bessern sollte. 24 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss 3.3.2 Auswirkungen der demografischen Entwicklung Der demografische Wandel berührt inzwischen auch den Ausbildungsmarkt, und das Nachfragepotenzial nach dualer Berufsausbildung sinkt bereits deutlich( a Tabelle 4). Daraus resultiert ein Puffer, der die negativen Folgen der Wirtschaftskrise bis zu einem gewissen Grade zu kompensieren vermag. Bei Rückgängen des Ausbildungsangebots im Jahr 2009 um knapp 30.000 auf 604.000 und um weitere 26.000 im Jahr 2010 auf knapp 578.000 würden sich die Ausbildungschancen der Jugendlichen zumindest nicht verschlechtern. Nach Überwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind deshalb die Voraussetzungen für einen raschen Abbau des Ungleichgewichts von Ausbildungsplatzangebot und-nachfrage sehr gut. Dies gilt umso mehr, als auch der Ersatzbedarf der Betriebe in Folge einer stetig wachsenden Zahl von aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Personen wachsen wird. Aus den demografischen Veränderungen erwächst eine Scherenöffnung( Übersicht 10 ), welche die Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt umkehren und in ein Ungleichgewicht zu Lasten der Betriebe überführen wird. Die deutliche Abnahme des Nachfragepotenzials wird sich auch in den Jahren danach fortsetzen. Zwar verlassen 2011 und 2013 in bevölkerungsreichen Bundesländern doppelte Abiturientenjahrgänge die allgemeinbildenden Schulen, doch bringt dies allenfalls regional, kaum jedoch auf Bundesebene substanzielle Nachfragesteigerungen mit sich(große Deters/Ulmer/Ulrich, 2008). Übersicht 10 Entwicklung der Jahrgangsstärken der 16-Jährigen und der 60-Jährigen von 2006 bis 2020(Angaben in Tsd.) 1.300 1.200 1.100 1.000 Zahl der 60-Jährigen 900 16-Jährige 800 700 Quelle: Statistisches Bundesamt: Variante 1 – W1 der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 Handlungsempfehlungen 25 4. Handlungsempfehlungen 4.1 Grundsätzliche Überlegungen Während mit einer kurzfristigen Verschlechterung der Übergangschancen in betriebliche Berufsausbildung gerechnet werden muss, von der insbesondere westdeutsche Jugendliche betroffen sein werden, werden sich mittel- und langfristig die Eintrittschancen in das duale System bundesweit deutlich verbessern. Daraus ergeben sich zwei unterschiedliche Überlegungen. 4.1.1 Überlegungen aus einer Kurzfristperspektive Die eine Überlegung bezieht sich auf die Art und Weise, wie kurzfristig die Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise aufgefangen werden könnten: Sollte das Ausbildungsplatzangebot in 2009 tatsächlich sehr deutlich unter die 600.000-er Grenze fallen, wird es mit den bisherigen Instrumenten zwar möglich sein, erfolglose Ausbildungsstellenbewerber kurzfristig aufzufangen und die Zahl der am 30. September unversorgten Bewerber auf dem Stand wie 2008 zu halten. Das teilqualifizierende Übergangssystem und die Instrumente des Ausbildungspakts sind flexibel genug, auf entsprechende Nachfrageüberhänge rasch zu reagieren. Hierzu müssten keine größeren Kapazitäten bereitgestellt werden als zwei Jahre zuvor, zumal die Zahl der Jugendlichen ja bereits schrumpft. Der Übergang in eine vollqualifizierende Berufsausbildung würde damit aber selbst für ausbildungsreife Schulabgänger spürbar verlängert. Eine Beschleunigung des Übergangs in eine Berufsausbildung wäre bei einem Angebotsrückgang um mehr als 30.000 betriebliche Plätze nur durch einen intensivierten kompensatorischen Einsatz von vollqualifizierenden außerbetrieblichen Berufsausbildungsstellen möglich, die verstärkt in den alten Ländern bereitgestellt werden müssten. Dabei sind Plätze mit einem hohen Praxisanteil an realer Arbeitserfahrung gegenüber rein schulischen Bildungsgängen vorzuziehen(Gentner/Reschke, 2007). Könnten etwa unter Einschluss der zusätzlich bereitgestellten Plätze rund 515.000 Angebote in den alten Ländern(2008: 519.088) und rund 100.000 in den neuen Ländern und Berlin(2008: 116.587) realisiert werden, würden sich die Ausbildungschancen im Westen wie im Osten trotz eines immer noch gegebenen Angebotsrückgangs von bundesweit über 20.000 deutlich verbessern. • Um aber 515.000 Angebote in Westdeutschland erzielen zu können, müssten dort gegebenenfalls rd. 40.000 außerbetriebliche Ausbildungsplätze mehr zur Verfügung gestellt werden als im Jahr 2008 – sofern das betriebliche Ausbildungsplatzangebot im Westen, wie in der BIBBBetriebsbefragung(Schöngen/Walden, 2009) befürchtet, tatsächlich um 9% zurückgeht. • Im Osten wäre dagegen, um 100.000 Angebote zu schaffen, keine Steigerung des außerbetrieblichen Ausbildungsvolumens erforderlich – sofern sich der Rückgang des betrieblichen Angebots auf 4% beschränkt, wie es sich aus der Betriebsbefragung andeutet. Hier könnte im Gegenteil der in den letzten Jahren bereits eingeleitete Abbau an außerbetrieblichen Plätzen weiter fortgesetzt werden. Denn der demografische Effekt ist hier bereits sehr stark. Um konsequenter als bislang außerbetriebliche Kompensationsangebote bei drohendem betrieblichen Ausbildungsplatzmangel bereitzustellen, wäre es allerdings erforderlich, von der bisherigen Bilanzierungspraxis abzuweichen und den Versorgungsbedarf nicht an der Restgröße von Bewerbern zum Ende des Berichtsjahres zu bemessen, die nach der Einmündung in vollqualifizierende Berufsausbildung oder in das Übergangssystem bzw. in Praktika und Erwerbstätigkeit übrig bleiben. Doch welches wären die Merkmale eines effizienteren Bilanzierungs- und Steuerungssystems in vollqualifizierende Berufsausbildung? Die Bedarfe an vollqualifizierenden Ausbildungsplätzen müssten einerseits eindeutig, andererseits vorzeitiger als zum 30. September quantifiziert werden. Beides kann durch das Vermittlungssystem VerBIS 26 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss der Bundesagentur für Arbeit erreicht werden, da dieses System sowohl regionalisiert als auch unterjährig einen sehr guten Überblick über den Vermittlungsstatus von Ausbildungsstellenbewerbern zu liefern vermag, die die nötige Reife mitbringen bzw. für eine Ausbildung vorgesehen werden können. Noch unvermittelte Ausbildungsstellenbewerber, die bis kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres keinen vollqualifizierenden Ausbildungsplatz gefunden haben, müssen spätestens zu diesem Zeitpunkt nach ihren Prioritäten gefragt werden. Sind sie weiterhin an einer vollqualifizierenden Berufsausbildung interessiert, müssen ihnen auch entsprechende Angebote unterbreitet werden. Reichen die betrieblichen Angebote nicht aus, müssen Angebote in vollqualifizierenden Berufsfachschulen oder bei außerbetrieblichen Bildungsträgern bereitgestellt werden. Da die Jugendlichen betriebliche Angebote wegen des unmittelbaren Bezugs zur Arbeitswelt und der höheren Ausbildungsvergütung bevorzugen, ist die Gefahr eines Attentismus auf Seiten der Jugendlichen mit Aussicht auf die alternative Versorgungsmöglichkeit durch nichtbetriebliche Ausbildung relativ gering. 9 Die erforderlichen Schritte zur Schaffung von vollqualifizierenden Ersatzangeboten können nur auf kommunalen Bildungs- und Vermittlungskonferenzen geklärt werden. 4.1.2 Überlegungen aus der Mittelund Langfristperspektive Spätestens nach dem Ende der Wirtschaftskrise werden die oben beschriebenen demografischen Entwicklungen die Ausbildungsmarktverhältnisse umkehren(Grünert/Lutz/Wiekert, 2007; große Deters/Ulmer/Ulrich, 2008). Die Betriebe werden sich häufiger und rascher als in früheren Jahren bereit zeigen, auch leistungsschwächeren Schulabsolventen eine Ausbildungschance einzuräumen, sofern noch ausreichende Aussichten auf eine erfolgreiche Durchführung der Ausbildung gegeben sind. Diese Tendenzen ließen sich 2008 bereits in Ostdeutschland beobachten. 10 Angesichts des drohenden Nachwuchsmangels an Fachkräften wird die Wirtschaft aber zugleich massiv den Druck erhöhen, über geeignete Programme möglichst früh alle Schulentlassenen zur Aufnahme einer Berufsausbildung zu befähigen und heranzuführen. Die demografischen Veränderungen und Umkehrung der Ausbildungsmarktverhältnisse werden auch die Rahmen- und Arbeitsbedingungen für die Bildungsgänge des Übergangssystems verändern. Es sollte deshalb nicht der Versuch unternommen werden, auf Basis der bisherigen Kritik am Übergangssystem über Reformen nachzudenken, ohne die künftigen Entwicklungen in die Überlegungen einzubeziehen. Die bisherige Kritik am Übergangssystem entzündete sich an der mangelnden Transparenz, einer unzureichenden inneren Konsistenz und den beschränkten Übergangsquoten seiner Teilnehmer in vollqualifizierende Berufsausbildung ebenso wie an den hohen Kosten(Euler, 2005; Greinert, 2007; Baethge/Solga/Wieck, 2007; Neß, 2007; Bertelsmann-Stiftung, 2008; BIBB-Hauptausschuss, 2009). Die Rahmenbedingungen der letzten Jahre in Form eines chronischen Angebotsdefizits an vollqualifizierenden Berufsausbildungsplätzen ließen größere Erfolge des Übergangssystems allerdings kaum zu. Selbst aus der Beobachtung, dass in Folge konzeptioneller Neuerungen bestimmte Bildungsgänge des Übergangssystems erfolgreicher sind als andere, lassen sich keine zwingenden Schlüsse zur Richtung und zum Ausmaß der Reformerfordernisse ableiten – jedenfalls solange nicht, wie der Gesamteffekt des Übergangs in vollqualifizierende Berufsausbildung in Folge fehlender Ausbildungsplätze weitgehend einem Nullsummenspiel gleichen musste. Dies wird sich jedoch in den kommenden Jahren ändern. Zahl und Anteil der Jugendlichen, die nach dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule in das Übergangssystem einmünden, werden sinken. Zugleich ist damit zu rechnen, dass sich die Teilnehmerstruktur im Übergangssystem verändern wird und letztlich fast ausschließlich auf jene Jugendlichen konzentriert, welche nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule tatsächlich noch nicht die erforderliche Ausbildungsreife mitbringen und/oder aus eigenem Antrieb am Erwerb eines besseren schulischen Bildungsabschlusses 9 Ein drohender Attentismus könnte zudem durch entsprechende Zuschneidungen der Fördervoraussetzungen verhindert werden(z.B. Nachweis einer bestimmten Zahl vorausgegangener Bewerbungen). 10 Der demografische Effekt in Ostdeutschland ist so kräftig, dass sich die dortigen Betriebe auch für 2009 – ungeachtet des in Folge der Wirtschaftskrise sinkenden Ausbildungsplatzangebots – auf weiter wachsende Probleme bei der Rekrutierung von Ausbildungsstellenbewerbern einstellen müssen. Erstmalig in einem Maimonat gab es 2009 in Ostdeutschland fünf Regionen, in denen die Bundesagentur für Arbeit weniger gemeldete Bewerber als gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen registrierte(Bundesagentur für Arbeit, 2009b). In Stralsund z.B. entfielen rechnerisch auf 100 gemeldete betriebliche Stellen nur noch 98 Bewerber(zum Vergleich Mai 2005: 202), in Rostock 98(Mai 2005: 222) und in Dresden nur noch 78(Mai 2005: 174). Handlungsempfehlungen 27 interessiert sind. Da das Interesse der Wirtschaft in Folge des drohenden Nachwuchsmangels an den Absolventen des Übergangsystems wachsen wird, dürften sich auch die Bewerbungschancen derjenigen Absolventen des Übergangssystems verbessern, die erst durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen die Eignung für eine bestimmte Berufsausbildung erwerben. Die zu erwartende Verbesserung der Ausbildungsmarktverhältnisse bedeutet jedoch nicht, dass kein Handlungsbedarf mehr besteht. Die Ergebnisse der BIBB-Übergangsstudie deuten gerade bei den benachteiligten Jugendlichen auf sensible Phasen und Ereignisse hin, in denen die Gefahr groß ist, dass hier die Weichen in eine dauerhafte Ausbildungslosigkeit gestellt werden. Es gibt Jugendliche, die bis zur Einmündung in eine Berufsausbildung der kontinuierlichen, systematischen Begleitung bedürfen, zumal die Eltern dies oft nicht in ausreichendem Maße zu leisten vermögen. Möchte man die Partizipation dieser Jugendlichen an Berufsausbildung sicherstellen, muss eine intensive und nachhaltige, bereits während der Schulzeit einsetzende individuelle Unterstützung erfolgen, die sich gegebenenfalls auch bis zum Abschluss der Berufsausbildung erstreckt. Darüber hinaus müssen die reintegrativen Maßnahmen für jene Jugendlichen ohne Berufsabschluss intensiviert werden, die sich bereits weit im dritten Lebensjahrzehnt befinden. 4.2 Instrumente zur effizienten Prävention von Ausbildungslosigkeit 4.2.1 Etablierung eines Mentorensystems Das deutsche Ausbildungssystem mit seinem weitgehend marktgesteuerten Zugang unterhalb der akademischen Ebene bringt es mit sich, dass die weitaus höchsten Hürden ausgerechnet vor jenen Jugendlichen aufgebaut werden, die für deren Überwindung die ungünstigsten Voraussetzungen mitbringen(Gaupp/Lex/Reißig, 2008). Denn die Aufgabe, sich auf einem Markt zu bewegen, der bisweilen von nur niedrigen individuellen Erfolgsaussichten geprägt ist und den Ausbildungsinteressierten ein hohes Maß an oft langjähriger Frustrationstoleranz abverlangt, geht in Deutschland zuerst an jene Gruppe unter den Jugendlichen, die mit 15, 16 oder 17 Jahren bei weitem die jüngsten von allen Schulabgängern sind(etwa im Vergleich zu den Abiturienten), oft aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen, nur über begrenzte Bildungsressourcen verfügen und die Schule oft mit einem bereits angeschlagenen Selbstbild verlassen(Knigge, 2009). Dass gerade sie an bestimmten Stellen zu scheitern und irgendwann zu resignieren drohen, vermag nicht zu verwundern. Sich bei sehr geringen Erfolgsaussichten lange Zeit auf einem schwierigen Ausbildungsmarkt zu bewegen, wäre selbst für leistungsstärkere Abiturienten eine große(und wohl oft auch zu hohe) Herausforderung, obwohl diese bei Schulende ja bereits das 19. oder 20. Lebensjahr erreicht haben. Es wäre deshalb naiv zu glauben, dass die Jugendlichen mit den ungünstigeren Voraussetzungen all diese Hürden weitgehend auf sich gestellt zu überwinden vermögen. Soll der Zugang dieser Jugendlichen in vollqualifizierende Berufsausbildung gesichert werden, sind eine kontinuierliche Beobachtung ihres individuellen Entwicklungsstands und eine aktive Begleitung ihres Werdegangs durch feste, also möglichst nicht wechselnde Bezugspersonen erforderlich. Aktive Begleitung bedeutet, dass über punktuelle und reaktive Informationsaustausche hinaus gegebenenfalls auch emotionale und motivationale Unterstützung zu leisten ist und Interventionen notfalls auch ohne Aufforderung des Jugendlichen erfolgen(Hofmann-Lun u.a., 2007). In diesen Aufgaben spiegeln sich jene Arbeiten, die oft von Eltern geleistet, zu oft aber auch nicht geleistet werden. Wie die Ergebnisse der BIBB-Übergangsstudie zeigen, stammen die Jugendlichen mit niedriger schulischer Vorbildung aber oft aus keinen privilegierten Verhältnissen und sind somit allein aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt. Ihre Eltern verfügen oft selbst nicht über eigene Ausbildungserfahrungen innerhalb des deutschen Bildungssystems, weil sie entweder keinen Beruf erlernt oder erst als Erwachsene nach Deutschland gekommen sind. Damit können diese Eltern aber ihren Kindern nicht in dem Maße mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie dies Eltern vermögen, die selbst eine qualifi- 28 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss zierte Berufsausbildung in Deutschland durchlaufen haben(Schittenhelm, 2006). Die BIBB-Übergangsstudie macht weiterhin deutlich, dass es in den meisten Fällen nicht am fehlenden Wunsch der Jugendlichen liegt, dass sie (bislang) keinen Berufsabschluss erreichten. Grundsätzlich wissen Jugendliche um die Wichtigkeit einer Berufsausbildung und streben diese auch an. Deshalb kann damit gerechnet werden, dass die Jugendlichen auf Unterstützungs- und Begleitungsangebote positiv reagieren. Dies gilt insbesondere für Förder- und Hauptschulabsolventen(Prager/ Wieland, 2005). Somit sollte insbesondere diesen Jugendlichen bereits während der Schulzeit eine feste Bezugsperson zur Seite stehen, die dazu beiträgt, dass die Jugendlichen die Schule mindestens mit einem Hauptschulabschluss beenden. Nach den Erfahrungen des Leiters des Ausbildungswesens eines großen deutschen Automobilkonzerns wird gerade„bei leistungsschwächeren Bewerbern(...) häufig zunächst ein sehr selbstbewusstes Auftreten beobachtet. Gleichzeitig ist jedoch eine relativ geringe Kenntnis über eigene Stärken und Schwächen festzustellen.(…) Zudem ist gerade bei Leistungsschwächeren eine große Sehnsucht nach Geborgenheit zu verzeichnen. Eine entsprechende Berücksichtigung bei der Betreuung beeinflusst den Lernerfolg deutlich positiv“(Laux, 2007, S. 55). Mit dem Gesetz zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente wurde im neuen§ 421s des Sozialgesetzbuchs III(SGB III) die Möglichkeit geschaffen, „Maßnahmen zur individuellen Begleitung und Unterstützung förderungsbedürftiger Jugendlicher durch Berufseinstiegsbegleiter“ zu finanzieren,„um die Eingliederung des Jugendlichen in eine berufliche Ausbildung zu erreichen(Berufseinstiegsbegleitung). Unterstützt werden sollen insbesondere das Erreichen des Abschlusses einer allgemeinbildenden Schule, die Berufsorientierung und-wahl, die Suche nach einem Ausbildungsplatz und die Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses. Die Begleitung beginnt in der Regel mit dem Besuch der Vorabgangsklasse der allgemeinbildenden Schule und endet ein halbes Jahr nach Beginn einer beruflichen Ausbildung. Sie endet spätestens 24 Monate nach Beendigung der allgemeinbildenden Schule. Der Träger hat mit Dritten, die Schüler derselben Schule bei der Berufsorientierung und-wahl unterstützen, und mit den Arbeitgebern in der Region eng zusammenzuarbeiten“(Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2008, S. 26). Das Programm beschränkt sich allerdings zunächst„zum Zweck der Erprobung“ auf 1.000 ausgewählte allgemeinbildende Schulen. 4.2.2 Regionales Übergangsmanagement In§ 421s SGB III wird auf zwei Steuerungsgrößen verwiesen, deren Existenz und Verschränkung für eine erfolgreiche Verbesserung des Übergangs in vollqualifizierende Berufsausbildung von großer Bedeutung sind: • auf der übergeordneten Ebene eine systematische Planung und Abstimmung der kommunalen Bildungsangebote in Form eines regionalen Übergangsmanagements, und • auf der Einzelfallebene eine bildungsbiografisch sinnvolle Ausrichtung und Umsetzung der Bildungsangebote im Zuge der persönlichen Begleitung des jeweiligen Jugendlichen. Ist zugleich ein der Nachfrage entsprechendes Angebot an vollqualifizierenden Berufsausbildungsplätzen vorhanden, dürfte die Effizienz eines solchen zweigleisigen Steuerungsmechanismus als sehr hoch eingeschätzt werden. Die Stadt Iserlohn hat eine kreative Umsetzung dieses kombinierten Ansatzes entwickelt. Dabei ist es sicherlich kein Zufall, dass sich ausgerechnet der Stadtkämmerer dafür stark machte, mit allen Hauptschülern der Stadt Verträge abzuschließen, die den Jugendlichen einerseits den Zugang zu einer vollqualifizierenden Berufsausbildungsstelle, weiterführende Schule oder Arbeit rechtlich einklagbar garantiert, anderseits die Jugendlichen dafür aber auch verpflichtet, regelmäßig die Schule zu besuchen, keine Drogen zu nehmen, nicht gewalttätig zu werden und an Veranstaltungen zur Berufsorientierung teilzunehmen(Stadt Iserlohn, 2008). Damit wird den Jugendlichen zum einen verdeutlicht, dass sie„gebraucht“ werden, und zum anderen, dass sie durch eigene Anstrengung ihr berufliches Schicksal wesentlich mitbestimmen können. Rund 30 engagierte ältere Mentoren („Joblotsen“) helfen den Jugendlichen beim Übergang in die Berufsausbildung. Hier entsteht ein neues Modell der Intergenerationen-Kooperation, das die demografischen Veränderungen konstruktiv aufgreift und den immer zahlreicheren Älteren (die sich ebenfalls länger„gebraucht“ fühlen) Handlungsempfehlungen 29 ebenso nützt wie den Jugendlichen, die bei all den auf sie zukommenden Herausforderungen nicht alleine stehen. Die aktive Unterstützung des Einstiegs von benachteiligten Jugendlichen in eine vollqualifizierende Berufsausbildung ist aus Sicht der Stadt Iserlohn preisgünstiger als die passive Hinnahme des Einstiegs der Jugendlichen in eine „Hartz IV-Karriere“(Kowalski, 2009). Bei einem dezentralen Steuerungsmodell des Übergangsgeschehens unter Mitwirkung der Kommunen dürfte sich zugleich auch manches Steuerungsproblem auf der übergeordneten Ebene entschärfen. Dass die„Maßnahmen des Übergangssystems kaum noch zu überschauen sind“ (BIBB-Hauptausschuss, 2009, S. 1), ist für übergeordnete Planungen ein großes Problem; die Mannigfaltigkeit kann aber auf der untergeordneten Ebene durchaus auch Spielräume für flexible Problemlösungen vor Ort eröffnen. Zudem können die„in der Bildung vielfach beklagte Zersplitterung von Zuständigkeiten und mangelnde Kooperation der verschiedenen Akteure(...) am ehesten auf der kommunalen Ebene überwunden werden“ (Hebborn, 2009, S. 5). Bedarfe und Lösungswege zur Sicherstellung des Fachkräftenachwuchses sollten weitgehend dezentral diagnostiziert werden; die Aufgabe der übergeordneten Ebenen muss es gegebenenfalls sein, anhand der Rahmenbedingungen dafür zu sorgen, dass die Lösungswege auch beschritten werden können(Weinheimer Initiative, 2007, S. 12). Die Etablierung eines regionalen Übergangsmonitorings setzt allerdings die Verfügbarkeit eines effizienten Informationssystems voraus, das zeitnah zu den jeweiligen Entscheidungszeitpunkten eine ausreichende statistische Transparenz über die Bildungsnachfrage und-ströme sicherstellt(vgl. auch Bertelsmann Stiftung, 2007). Zudem gilt auch auf regionaler Ebene, dass es beim Zusammentreffen der verschiedenen Institutionen vor Ort„nicht nur um die Interessen und Bildungswünsche von jungen Menschen auf der Suche nach Ausbildung“ geht,„sondern auch um die Wahrung institutioneller Interessen und ordnungspolitischer Positionen sowie um die Verteilung von Ressourcen“ (Fitzen/Lehmpfuhl/Manitius, 2009, S. 15; vgl. auch Ahrens, 2009). Dieser Aspekt darf beim Netzwerkaufbau nicht unberücksichtigt bleiben, denn eine effiziente Arbeit ist nur dann zu erwarten, wenn sich die Kooperationspartner ungeachtet ihrer divergierenden Interessen auf ein gemeinsames Ziel einigen können und die Nichterreichung dieses Ziels als ähnlich nachteilhaft empfinden(MöhringLotsch/Spengler, 2009). 4.3 Etappen bei der Prävention von Ausbildungslosigkeit Teilaufgaben und Etappen eines regionalen Über• und für Jugendliche in besonderer Lebenssitugangsmanagements in Kombination mit dem Aufation spezifische Unterstützungsangebote zu bau eines Mentorensystems sind: unterbreiten. • die Zahl der Jugendlichen, welche die allgeZu jeder einzelnen dieser Teilaufgaben wurden in meinbildenden Schulen ohne Hauptschulabden vergangenen Jahren verschiedene Initiativen schluss verlassen, zu verringern, und einen und Programme entwickelt, um ihre Bewältigung zu ausreichenden Grad der Ausbildungsreife sifördern. Beispiele hierfür sollen nachfolgend kurz cherzustellen, vorgestellt werden. Allerdings agieren die meisten Programme und Initiativen nicht flächendeckend, • den Berufsorientierungs- und Berufsfindungsund stehen in der Regel nicht untereinander in Verprozess der Jugendlichen zu begleiten, bindung. Die Probleme benachteiligter Jugendliche konzentrieren sich aber oft nicht auf einen ein• Hilfestellungen bei den Übergängen zwischen zigen Aspekt, so dass punktuelle Unterstützungsallgemeinbildender Schule, teilqualifizierenden leistungen zwar innerhalb ihres Aufgabensegments beruflichen Bildungsgängen und vollqualifizieeffizient sein können, gleichwohl allein nicht zum render Berufsausbildung zu leisten, gewünschten Ziel des Abschlusses einer Berufsausbildung führen. Ein einigendes Band, das gegebe• die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu senken nenfalls auch bei fehlenden externen Unterstütbzw. diese – sofern nicht vermeidbar – zu bezungsmöglichkeiten eigeninitiativ Unterstützung gleiten, leistet, kann somit auch hier nur von einem persönlichen Mentor geknüpft werden. 30 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss 4.3.1 Senkung der Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss und Sicherung der Ausbildungsreife Wie die jüngsten Ergebnisse des Mikrozensus zeigen, ist das Risiko der Berufsausbildungslosigkeit für Jugendliche, die auf Dauer ohne Schulabschluss bleiben, mit rund 85% sehr hoch(vgl. auch Solga, 2004; Hillmert, 2006). Dass in Deutschland immer noch knapp 8% der Jugendlichen die allgemeinbildende Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, gilt deshalb zu Recht als eine viel zu hohe Quote. Es ist aber zu berücksichtigen, dass z.B. von den 75.897 Abgängern ohne Hauptschulabschluss des Jahres 2006 39.322(52%) aus Förderschulen stammen, von denen wiederum 26.216 einen Abschluss für Lernbehinderte erreichten. Die Möglichkeiten zur Verringerung der Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss sind also begrenzt. Die Zahl der Hauptschüler, die diese Schulform ohne Abschluss verließen, bezifferte sich nur auf 21.893. Gleichwohl bedeutete dies auch, dass rund jeder achte Entlassene aus einer Hauptschule das Ziel dieses Bildungsgangs nicht erreichte(Statistisches Bundesamt, 2007b). Wichtige Voraussetzungen zur Verringerung des Anteils der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss bereits während der allgemeinbildenden Schulzeit bestehen insbesondere in der individuellen Stärkung der Bildungswünsche. Dies heißt zum einen, den subjektiven Nutzen eines Abschlusses für den Jugendlichen durch den Nachweis von auch den Jugendlichen überzeugenden Anschlussperspektiven aufzeigen zu können(wie dies in Iserlohn durch die Ausbildungsgarantien geschieht), und auf der anderen Seite, auf die spezifischen Lernumweltbedürfnisse der Jugendlichen einzugehen. Leistungsschwächere Schüler scheuen Unterrichtseinheiten, in denen die Lerninhalte stark abstrahiert sind, und reagieren deutlich positiver auf einen Schulalltag, der konkretoperationale Lernerfahrungen ermöglicht. Hierzu zählt zum Beispiel ein dualisierter Schulalltag, der neben dem herkömmlichen Unterricht an einzelnen Wochentagen auch regelmäßige Praxistage und damit Arbeits- und Lernerfahrungen in Betrieben vorsieht(vgl. auch Michel, 2007; Richter, 2007). 4.3.2 Begleitung des Berufsorientierungs- und Berufsfindungsprozesses der Jugendlichen Viele Jugendliche empfinden die Phase der Berufsorientierung und Ausbildungsplatzsuche weniger als Herausforderung denn als stark belastend. Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Befragung von a Ausbildungsstellenbewerbern im Jahr 2006 fühlten sich 59%„sehr unsicher“, wie es mit ihnen weitergeht. Bei einem starken Grad an emotionaler Verunsicherung werden aber rationale Such- und Lösungsstrategien zum Teil durch Verdrängungsmechanismen ersetzt, welche die Problemlage eher noch verschärfen als verringern. Deshalb besteht ein wesentlicher Teil der Begleitung von Jugendlichen in der Beobachtung und Kontrolle der emotionalen Verfassung und des Verhaltens der Jugendlichen. Darüber hinaus gilt es, die Jugendlichen bereits in der allgemeinbildenden Schule frühzeitig mit der Aufgabe der Berufswahl vertraut zu machen(vgl. auch Bertelsmann Stiftung, 2009). Die demografische Entwicklung wird auch hier positive Effekte erwirken, da die Wirtschaft sich aus Eigeninteresse heraus noch stärker bemühen wird, frühzeitig den Kontakt mit den Schulen zu suchen. Das Berufsorientierungsprogramm der Bundesregierung, das zertifizierte Praktika im Umfang von 80 Stunden insbesondere für Hauptschüler vorsieht und das Teil der Qualifizierungsinitiative ist, zielt bereits in diese Richtung. Insbesondere dem Handwerk soll damit die Chance eingeräumt werden,„das benötigte Fachkräftepotenzial vorzeitig zu entdecken und zu fördern“(Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2009, S. 23). Handlungsempfehlungen 31 4.3.3 Hilfestellungen bei den Übergängen zwischen verschiedenen Bildungsgängen Wie die BIBB-Übergangsstudie zeigt, stellen die Zeiten, in denen die Jugendlichen Übergänge zwischen allgemeinbildender Schule, teilqualifizierenden beruflichen Bildungsgängen und vollqualifizierender Berufsausbildung finden müssen, besonders sensible Phasen dar. Zudem ist hier die Gefahr groß, dass die institutionelle Verbindung zum Jugendlichen verloren geht, da die eine Bildungsinstitution keinen Kontakt mehr und die mögliche nächste Institution noch keinen bindenden Kontakt zum Jugendlichen hat. Deshalb kommt gerade an diesen Nahtstellen den Mentoren eine wichtige Klammer- und Verbindungsfunktion zu, indem sie auch in diesen kritischen Zeiten den Kontakt zum Jugendlichen halten und am Übergang in die nächste Bildungs- oder Erwerbsstation mitwirken. Dabei sollten die Mentoren aber durch ein übergeordnetes Steuerungssystem unterstützt werden. Im Rahmen der BMBF-Förderinitiative„Regionales Übergangsmanagement“ werden zurzeit in 27 Städten und Landkreisen Erfahrungen gesammelt, wie die verschiedenen Akteure und Bildungsangebote vor Ort vernetzt werden können, um den Übergang von der allgemein bildenden Schule in die berufliche Bildung systematisch zu gestalten(vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2009, S. 29). 4.3.4 Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen Immerhin fast zwei Fünftel der Jugendlichen ohne Berufsabschluss haben irgendwann einmal eine Berufsausbildung zumindest begonnen. Wie die BIBB-Übergangsstudie zeigte, sind von der Gefahr eines Ausbildungsabbruchs wiederum insbesondere jene Jugendlichen betroffen, die aus schwierigeren Verhältnissen stammen(Beicht/Ulrich, 2008a). Auch hier wäre es von großem Nutzen, stünde den Jugendlichen eine vertraute und feste Bezugsperson bei, die ihnen hilft, etwaige Konflikte und Krisen während der Ausbildungszeit zu reflektieren und zu bewältigen(Deuer, 2006; Innovationskreis berufliche Bildung, 2007, S. 23; Bessey/Backes- Gellner, 2008). In diese Richtung stößt eine Initiative, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und dem Bundesverband Freier Berufe Ende 2008 zur Prävention von Ausbildungsabbrüchen geschaffen hat. Bereits in einem frühen Stadium sollen ehrenamtliche Mentoren, gewonnen aus dem Kreis des Senior Experten Services, von einem Abbruch gefährdete Auszubildende begleiten(Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2009, S. 25). 4.3.5 Unterstützungsangebote für Jugendliche in besonderer Lebenssituation Zu den Jugendlichen in besonderer Lebenssituation, die einer spezifischen Unterstützung auf dem Weg zum Berufsabschluss bedürfen, zählen vor allem junge Frauen, die frühzeitig Mutter werden. Hilfe ist hier nicht nur im Interesse der jungen Mütter angebracht. Vielmehr ist sie – wie anhand des oben aufgezeigten Zusammenhangs zwischen der Ausbildungslosigkeit der Jugendlichen und ihrer Eltern deutlich wurde – auch im Interesse der späteren Ausbildungschancen der Kinder dieser jungen Mütter(Albert/Schmidt/ Specht, 2008, S. 6). Mit den besonderen Schwierigkeiten, die junge Frauen mit Kind beim Durchlaufen einer Berufsausbildung haben, setzte sich 2008 der Hauptausschuss des BIBB auseinander. Er verabschiedete am 27. Juni 2008 erstmals eine Empfehlung zu einer Teilzeitberufsausbildung, für die mit der BBiG-Novellierung im Jahr 2005 eine gesetzliche Grundlage geschaffen wurde (Voss, 2008). Danach soll durch Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit eine Möglichkeit eröffnet werden, Berufsausbildung und Kinderbetreuung besser miteinander zu vereinbaren. 32 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss 4.4 Kurative MaSSnahmen zur Verringerung des Anteils der jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung Für viele junge Erwachsene ohne Berufsabschluss ist es aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters, ihrer familiären oder finanziellen Situation nur schwer möglich, noch eine„normale“ Ausbildung zu absolvieren. Hier sind daher speziell auf den Personenkreis der jungen Ungelernten zugeschnittene Nachqualifizierungswege notwendig. Besonders geeignet dürften Konzepte einer abschlussbezogenen beruflichen Nachqualifizierung in berufsbegleitender, modularer Form mit Vorbereitung auf die Externenprüfung sein. Denn viele der jungen Erwachsenen ohne beruflichen Abschluss verfügen über Arbeitserfahrungen und berufliche Kompetenzen, die sie allerdings oft in wechselnden und unsicheren Arbeitsverhältnissen erworben haben(vgl. auch Solga, 2005). Bei diesem Personenkreis handelt es sich insgesamt „um eine sehr differenzierte Personengruppe, sehr unterschiedliche Lebenslagen, geprägt von diskontinuierlichen Bildungs- und Erwerbsverläufen sowie von ‚Patchworkbiografien’“(Granato, 2008). Ein modularer Aufbau ermöglicht es, in flexibler Weise an unterschiedliche Vorkenntnisse, berufliche Erfahrungen und informell erworbene Kompetenzen anzuknüpfen. Beispielsweise kann auch eine abgebrochene Ausbildung auf diese Weise fortgesetzt und beendet werden. Es lassen sich somit die sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der jungen Menschen ohne Ausbildung berücksichtigen. Die zwischen 1995 und 2001 durchgeführten Modellversuche des Bundesinstituts für Berufsbildung zur berufsbegleitenden Nachqualifizierung haben gezeigt, dass Nachqualifizierungsmaßnahmen für lernungewohnte junge Erwachsene erfolgreich sein können. Dabei wurden Module für eine Reihe von Ausbildungsberufen entwickelt und erprobt(Gutschow, 2006). Die Ergebnisse der BIBB-Modellversuchsreihe führten zu einer Reihe von Folgeaktivitäten, und die Anwendung bzw. Weiterentwicklung von Nachqualifizierungskonzepten werden seit dem Jahr 2008 im Rahmen der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung mit den Programmen„JOBSTARTER CONNECT“ bzw.„Perspektive Berufsabschluss“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Ein wesentliches Ziel der Förderinitiative„Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung“ als Teil des Programms„Perspektive Berufsabschluss“ ist es, bereits im Vorfeld den individuellen Qualifizierungsbedarf mit dem regionalen Fachkräftebedarf abzustimmen und somit die Nachqualifizierung als ein weiteres Mittel zur Bekämpfung des drohenden Mangels an Nachwuchsfachkräften zu erproben. Die berufsbegleitende modulare Nachqualifizierung ist jedoch bislang nicht Teil einer bundesweiten Regelförderung geworden (vgl. auch Gutschow 2006); angesichts der künftigen demografischen Entwicklungen bedarf die Förderinitiative, die zurzeit auf einige regionale Vorhaben beschränkt ist, deshalb dringend einer Ausweitung in der Fläche. Für einen Teil der bereits seit längerer Zeit Ausbildungslosen käme auch noch eine klassische berufliche Erstausbildung in Betracht. Allerdings sind in den vergangenen Jahren die Chancen als„Altbewerber“ auf einen Ausbildungsplatz nicht besonders gut gewesen(vgl. Ulrich/Krekel, 2007), und sie haben sich auch zuletzt, wie die jüngsten Ergebnisse der a BA/BIBB-Bewerberbefragung 2008, zeigen, nicht grundlegend verbessert(Beicht/Eberhard, 2009). Der Ausbildungsbonus – die ab Herbst 2008 vorgesehene staatliche Fördermöglichkeit für Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsstellen mit Altbewerbern besetzen(vgl. Troltsch/Gericke/ Saxer, 2008; Troltsch/Gericke/Simon, 2009) – zeitigte bislang nur relativ begrenzte Effekte. Bis Ende April 2009 wurden 14.053 Anträge bewilligt; vom angestrebten Ziel, bis 2010 rund 100.000 zusätzliche Plätze für Altbewerber zu gewinnen, ist diese Zahl noch relativ weit entfernt. Schlussbetrachtung 33 5. Schlussbetrachtung Die Besonderheit des deutschen Berufsbildungssystems mit seinem weitgehend marktgesteuerten Zugang führt dazu, dass Selektionsmechanismen des Beschäftigungssystems und des Arbeitsmarktes bereits im Bildungssektor greifen. Dies bedeutet aber, dass in Deutschland nicht nur ein effizientes Berufsbildungssystem eine wesentliche Voraussetzung für ein aufnahmefähiges Beschäftigungssystem darstellt, sondern dass umgekehrt ein funktionierendes Beschäftigungssystem auch die Voraussetzung für ein aufnahmefähiges Berufsbildungssystem ist. Die chronische Beschäftigungskrise der vergangenen Jahre erzeugte deshalb einen großen Effizienzverlust für den beruflichen Bildungssektor. Die in Deutschland praktizierte Bilanzierung der Versorgung in der beruflichen Bildung scheint jedoch darauf ausgerichtet zu sein, an der weitgehenden Aufnahmefähigkeit des dualen Berufsbildungssystems grundsätzlich keine größeren Zweifel aufkommen zu lassen. Obwohl es in den vergangenen Jahren nie gelang, ein ausreichendes Angebot für alle ausbildungsreifen Jugendlichen bereitzustellen, wurden weitgehend ausgeglichene Bilanzen errechnet – so auch im vergangenen Jahr, als aus dem Ergebnis der Bilanzierung die Aussage ableitet wurde, es habe mehr Ausbildungsplatzangebote als-nachfrager gegeben. Selbst im größten Krisenjahr 2005, als das Ausbildungsangebot seinen niedrigsten Stand erreichte, wurde eine leichte Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt verkündet, weil mehr erfolglose Ausbildungsstellenbewerber in Übergangsmaßnahmen eingemündet waren und die offizielle Zahl der erfolglosen Nachfrager damit leicht gesunken war. Interpretiert werden kann diese Praxis der Ausbildungsmarktbilanzierung als Folge eines im Grundsatz nicht gelösten(Verteilungs-)Konflikts darüber, ob das betriebliche Ausbildungsplatzangebot für eine Versorgung der an betrieblicher Ausbildung interessierten Bewerber ausreichend zu sein hat und wer – sollte das Angebot nicht ausreichen – die Kosten zusätzlich einzurichtender Plätze übernimmt. Dieser Verteilungskonflikt spiegelte sich in einer unter den Akteuren chronisch strittigen und somit letztlich diffusen Interpretation der Ausbildungsmarktverhältnisse. Ein effizientes Handeln zur raschen Versorgung aller ausbildungsinteressierten Jugendlichen mit vollqualifizierender Ausbildung wurde dadurch allerdings verhindert. Die massiv steigenden Einmündungszahlen in das Übergangssystem ließen sich insofern rechtfertigen, als die Gründe weitgehend personalisiert wurden. Den erfolglosen Ausbildungsstellenbewerbern, die vom Übergangssystem abgefangen wurden, wurde nicht nur statistisch unterstellt, keine Ausbildungsplätze im dualen System nachgefragt zu haben, sondern es wurde in der Öffentlichkeit auch eine intensive Debatte über die Ausbildungsreife dieser Jugendlichen geführt. Darüber hinaus wurde eine Diskussion über die Effizienz des Übergangssystems angefacht, obwohl die Übergangsquoten aus teilqualifizierenden Bildungsgängen in vollqualifizierende Berufsausbildung angesichts des viel zu niedrigen Angebots kaum höher ausfallen konnten. Deshalb ist es nicht unbedingt zielführend und zum Teil eher eine Ablenkung von den eigentlichen Problemen, über Reformen des Übergangssystems zu reflektieren, so lange es nicht genügend vollqualifizierende Ausbildungsplätze gibt. Der(Verteilungs-)Konflikt wird sich zwar über das Jahr 2009 hinaus fortsetzen. Allerdings wird er sich durch die demografische Entwicklung und die zu erwartende Umkehrung der Ausbildungsmarktverhältnisse von einem Anbieter- zu einem Nachfragermarkt stark abkühlen und an Bedeutung verlieren. Eine solche Abkühlung ließ sich bereits in den beiden letzten Jahren im Zuge der Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt beobachten. Die bildungspolitische Debatte zur Lage auf dem Ausbildungsmarkt und zum künftigen Handlungsbedarf wurde weniger ideologisch geführt als in den vergangenen Jahren, und das Problem der erfolglosen Ausbildungsstellenbewerber, die in Alternativen verbleiben, erhielt einen höheren Stellenwert, wie nicht zuletzt im Berufsbildungsberichts 2009 erkennbar wird(Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2009). Zugleich begann sich auch der Status der weniger leistungsstarken Jugendlichen vom„leidigen Versorgungsfall“ hin zu einer wertvollen, kaum verzichtbaren„Ressource“ zu verändern. Es ist deshalb kein Zufall, dass gerade in jüngerer Zeit Maßnahmen und Kon- 34 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss zepte des Übergangsmanagements entwickelt werden, welche über Mentorenprogramme die Nähe zum Jugendlichen suchen. Begleitend wurden Initiativen und Programme in Gang gesetzt, um zu einer besseren und transparenteren Bildungsrechnung zu gelangen, unter anderem auch auf kommunaler Ebene. Zu nennen sind beispielsweise die Initiativen zum Aufbau eines bundesweiten Indikatorensystems für eine integrierte Ausbildungsberichterstattung, das aktuellere Daten zur Entwicklung der Bildungsbeteiligung des Übergangs- und Schulberufssystems ermöglichen soll(Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2009, S. 31), sowie der Pilotversuch zur Etablierung eines kommunalen Bildungsmonitorings(Hetmeier u.a., 2009). Sollten sich im Zuge der Wirtschaftskrise die Ausbildungsmarktverhältnisse allerdings wieder deutlich verschlechtern, ist auch mit einem zwischenzeitlichen Rückfall in die alten Konflikt- und Deutungsrituale zu rechnen. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts aber sind die demografischen Effekte so stark, dass der Einfluss der Konjunktur auf die Höhe des Ausbildungsplatzangebots abnehmen wird und eine Umkehrung der Marktverhältnisse weitgehend sicher erscheint. Als die Ausbildungsmarktkrise 2005 ihren Höhepunkt erreichte, veröffentlichte das Bundesinstitut für Berufsbildung einen Sammelband zur Lage in der beruflichen Bildung. Der Band trug den Titel:„’Wir brauchen hier jeden, hoffnungslose Fälle können wir uns nicht erlauben.’ Wege zur Sicherung der beruflichen Zukunft in Deutschland“. Das Zitat im Buchtitel stammte vom Finnen Jukka Sarjala, der damit die Bildungsphilosophie des PISA-Siegers Finnland umschrieben hatte. Auf Deutschland übertragen wirkte die Behauptung damals wie ein frommer Wunsch aus einer Sonntagsrede, eingedenk des Problems, dass hier – wie es ein Mitautor formulierte,„zahlreiche Jugendliche(...) durch Maßnahmekarrieren“ vagabundieren und„noch vor dem Einstieg in Beruf und Arbeit die Erfahrung(machen), dass sie nicht gebraucht werden“(Euler, 2005). Doch die Zeiten werden sich ändern. Die nun anstehenden demografischen Veränderungen im nächsten Jahrzehnt werden es mit sich bringen, dass auch in Deutschland aus dem ehemals frommen Wunsch bitterer Ernst wird. Tabellen 35 Glossar Altbewerber Angebots-Nachfrage-Relation Ausbildung, außerbetriebliche Als Altbewerber werden jene bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten a Ausbildungsstellenbewerber bezeichnet, welche die allgemeinbildende oder berufliche Schule bereits vor dem laufenden a Berichtsjahr verlassen haben. Ob sich diese Jugendlichen tatsächlich schon einmal für einen früheren Ausbildungsbeginn beworben haben, spielt dabei keine Rolle. Als Altbewerber werden somit z.B. auch jene Bewerber gezählt, die zunächst den Wehr- und Zivildienst abgeleistet haben und sich nun erstmalig um einen Ausbildungsplatz bemühen. Auch Auszubildende, die aus der laufenden Ausbildung heraus nach einer neuen Ausbildungsstelle suchen, sind demnach Altbewerber. Umgekehrt werden aber jene Bewerber nicht zu den Altbewerbern gerechnet, die sich zwar bereits einmal erfolglos für einen früheren Ausbildungsbeginn beworben hatten, im a Berichtsjahr aber zur Überbrückung eine Schule besuchten. Im Zuge der a BA/BIBB-Bewerberbefragungen werden als Altbewerber dagegen jene gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber definiert, die bereits einmal für einen früheren Ausbildungsbeginn nach einer Ausbildungsstelle gesucht haben. Indikator der a Ausbildungsmarktbilanz der Berufsbildungsberichterstattung, berechnet als Zahl der a Ausbildungsplatzangebote je 100 Ausbildungsplatznachfrager. Die Validität der traditionellen(alten) Berechnung ist unzureichend, da insbesondere die a Ausbildungsplatznachfrage unzureichend erfasst ist. In jüngerer Zeit wurden deshalb erweiterte Berechnungen vorgenommen, bei denen in den Umfang der Nachfrage auch jene Ausbildungsstellenbewerber eingerechnet werden, die in Alternativen verblieben sind(wie z.B. erneuter Schulbesuch oder Jobben), aber von dort aus weiter nach einer Ausbildungsstelle suchen. Mit außerbetrieblicher Ausbildung wird jene Form der Berufsausbildung gemäß Berufsbildungsgesetz(BBiG) und Handwerksordnung(HwO) bezeichnet, die überwiegend öffentlich finanziert wird und der Versorgung von Jugendlichen mit Marktbenachteiligungen, mit sozialen Benachteiligungen, mit Lernschwächen bzw. mit Behinderungen dient. Außerbetriebliche Ausbildung wird nach dem Sozialgesetzbuch(SGB II und III), im Rahmen der Bund-LänderProgramme Ost sowie über(ergänzende) Länderprogramme durchgeführt. Maßgeblich für die Zurechnung zur außerbetrieblichen Ausbildung ist die Finanzierungsform und nicht der Lernort. Überwiegend öffentlich finanzierte Ausbildung, die in Betrieben stattfindet, zählt demnach zur außerbetrieblichen Ausbildung. 36 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Ausbildungsmarktstatistik Ausbildungsstellenmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit(BA) Ausbildungsmarktbilanz der Berufsbildungsberichterstattung Ausbildungslosigkeit Ausbildungsplatzangebot Betriebliche Ausbildungsplätze, die mit einer staatlichen Prämie bezuschusst werden, zählen in der Regel nicht zu den„überwiegend öffentlich finanzierten“ Ausbildungsplätzen. Auch die regulären Ausbildungsverhältnisse des öffentlichen Dienstes werden nicht der außerbetrieblichen Ausbildung zugerechnet. Sie sind zwar öffentlich finanziert, richten sich aber in der Regel nicht an die oben genannten Zielgruppen. Der Begriff der Ausbildungsmarktstatistik wird in Deutschland als Synonym für zwei unterschiedliche Statistiken verwendet. Bei der einen handelt es sich um die a Ausbildungsstellenmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit(BA) und bei der anderen um die a Ausbildungsmarktbilanz der offiziellen Berufsbildungsberichterstattung der Bundesregierung. Die Ausbildungsstellenmarktstatistik spiegelt die Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt aus der Perspektive der Beratungsund Vermittlungsdienste der Bundesagentur für Arbeit(BA) wider. Zentrale Größen sind die a gemeldeten Ausbildungsstellen und die a gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber einschließlich ihrer Merkmale(gemeldete Stellen: betrieblich, außerbetrieblich, Ausbildungsberuf; gemeldete Bewerber: z.B. Geschlecht, Alter, schulische Vorbildung, Nationalität, Schulabgangsjahr, Berufswunsch). Von besonderer Bedeutung für die Bewertung der Marktverhältnisse sind die Statistiken zu den noch unbesetzten Plätzen und zum Verbleib der gemeldeten Bewerber bzw. zur Art der Erledigung des Vermittlungswunschs. Die Einschaltung der Berufsberatung durch die Betriebe und Jugendlichen ist freiwillig, deshalb kann die Ausbildungsstellenmarktstatistik nur einen Teil des gesamten Ausbildungsmarktgeschehens abbilden. Dennoch liefert die Ausbildungsstellenmarktstatistik der BA sehr wertvolle Hinweise zum Verständnis des Marktgeschehens, insbesondere auch zum Verbleib von Ausbildungsstellenbewerbern, die nicht in eine Berufsausbildungsstelle einmünden. Zudem wird sie unterjährig geführt, so dass bereits vor Abschluss des Berichtsjahres am 30. September Trends erkennbar sind, in welche Richtung sich der Ausbildungsmarkt bewegen wird. Kernstück der Ausbildungsmarktbilanz der Berufsbildungsberichterstattung ist die Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung(BIBB) über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September. Diese Daten werden zusammen mit Teilinformationen aus der Ausbildungsstellenmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit(BA) zur Berechnung von a Ausbildungsplatzangebot und a Ausbildungsplatznachfrage herangezogen. Siehe Jugendliche ohne Berufsabschluss. Das Ausbildungsplatzangebot wird in Anlehnung an§ 86 (2) des Berufsbildungsgesetzes(BBiG) als Summe der Zahl der zwischen dem 01. Oktober und 30. September neu abgeschlossenen(und Ende September noch bestehenden) Ausbildungsverträge und der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) zur Vermittlung angebotenen, aber am 30. September Glossar 37 Ausbildungsplatzangebot, latentes Ausbildungsplatznachfrage Ausbildungsplatznachfrage, latente Ausbildungsreife noch unbesetzten a Ausbildungsstellen definiert. Im Angebot sind sowohl Plätze für eine betriebliche als auch für eine a außerbetriebliche Ausbildung enthalten. Als latentes Ausbildungsplatzangebot werden jene Ausbildungsplätze bezeichnet, die die Betriebe nicht der Bundesagentur für Arbeit gemeldet haben und die die Betriebe nicht besetzen konnten(vgl. Ulrich, 2006). Die Ausbildungsplatznachfrage wird als Summe der Zahl der zwischen dem 01. Oktober und 30. September neu abgeschlossenen(und Ende September noch bestehenden) Ausbildungsverträge und der Zahl der Ende September bei der Bundesagentur für Arbeit(BA) zur Vermittlung gemeldeten, aber am 30. September noch suchenden a Ausbildungsstellenbewerber definiert. Strittig ist, wer zu den am 30. September noch Ausbildungsplätze suchenden Personen zu rechnen ist. Bislang wurden nur a „unversorgte“ Ausbildungsstellenbewerber hinzugerechnet. Am 30. September noch Ausbildungsplätze suchende Bewerber, die sich aus alternativen Verbleibsformen(z.B. Maßnahmen, Arbeitsverhältnissen, Schulbesuchen) weiter um einen Ausbildungsplatz bemühen und gegenüber der Bundesagentur für Arbeit ihren Vermittlungswunsch aufrechterhalten, wurden bislang nicht in die Zahl der Ausbildungsplatznachfrager eingerechnet. Als latente Ausbildungsplatznachfrage wird jener Teil der Ausbildungsplatznachfrage bezeichnet, der in der offiziellen Statistik zur Ausbildungsplatznachfrage nicht enthalten ist. Die latente Ausbildungsplatznachfrage besteht aus zwei unterschiedlichen Teilen. Der erste Teil kann grundsätzlich sichtbar gemacht werden, da er sich aus dem Kreis der am 30. September noch Ausbildungsplätze suchenden Bewerber zusammensetzt, die sich aus alternativen Verbleibsformen(z.B. Maßnahmen, Arbeitsverhältnissen, Schulbesuchen) weiter um einen Ausbildungsplatz bemühen und gegenüber der Bundesagentur für Arbeit ihren Vermittlungswunsch aufrechterhalten. Der zweite Teil besteht aus erfolglosen Ausbildungssuchenden, die an einer Ausbildungsstelle im dualen System interessiert, aber nicht als Ausbildungsstellenbewerber bei der Bundesagentur für Arbeit registriert waren(vgl. Ulrich, 2006). Nach dem Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland kann eine Person dann„als ausbildungsreif bezeichnet werden, wenn sie die allgemeinen Merkmale der Bildungs- und Arbeitsfähigkeit erfüllt und die Mindestvoraussetzungen für den Einstieg in die berufliche Ausbildung mitbringt. Dabei wird von den spezifischen Anforderungen einzelner Berufe abgesehen, die zur Beurteilung der a Eignung für den jeweiligen Beruf herangezogen werden( a Berufseignung). Fehlende Ausbildungsreife zu einem gegebenen Zeitpunkt schließt nicht aus, dass diese zu einem späteren 38 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Ausbildungsstellen, gemeldete Ausbildungsstellen, unbesetzte Ausbildungsstellenbewerber, gemeldete Ausbildungsstellenbewerber, mit Alternative zum 30.09. Ausbildungsstellenbewerber, unversorgte Ausbildungsstellenbewerber, versorgte Zeitpunkt erreicht werden kann“(Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland, 2006, S. 13). Vom Begriff der Ausbildungsreife ist der der a Vermittelbarkeit zu unterscheiden. So ist möglich, dass a Ausbildungsstellenbewerber zwar ausbildungsreif sind und auch über die berufliche Eignung verfügen, aber nicht vermittelbar sind. Als gemeldete Ausbildungsstellen werden jene Ausbildungsplätze bezeichnet, die Betriebe, Praxen, Verwaltungen und außerbetriebliche Bildungsträger der Bundesagentur für Arbeit melden, um diese Stellen mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit besetzen zu können. Als unbesetzt gelten bei der Bundesagentur für Arbeit jene a gemeldeten Ausbildungsstellen, die bis zum Ende des a Berichtsjahres am 30. September nicht besetzt und nicht storniert wurden und somit noch für Ausbildungsstellenbewerber zur Verfügung stehen. Ausbildungsstellenbewerber sind ausschließlich Jugendliche, die sich als an einer Ausbildungsvermittlung interessierte Personen bei der Bundesagentur für Arbeit(BA) melden. Sie werden aber von der BA nur dann als„gemeldete Ausbildungsstellenbewerber“ geführt, wenn sie für die Aufnahme einer Berufsausbildung als geeignet befunden werden bzw. (im Falle von Sonderausbildungsgängen für förderbedürftige Jugendliche) für die Aufnahme einer Berufsausbildung vorgesehen sind. Ratsuchende ohne entsprechende Eignung werden somit auch nicht als„Ausbildungsstellenbewerber“ geführt, sondern im Rahmen der Benachteiligtenförderung betreut. Als Ausbildungsstellenbewerber mit Alternative zum 30.09. werden die bei der Bundesagentur für Arbeit(BA) a gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber bezeichnet, die bis zum Ende des a Berichtsjahres am 30. September in Arbeit, Maßnahmen, Praktika, schulische Bildungsgänge oder sonstige Alternativen vermittelt werden konnten, für die die Vermittlungsbemühungen aber weiter laufen. Diese Bewerber werden wegen ihres alternativen Verbleibs zu den a versorgten Ausbildungsstellenbewerbern gezählt, auch wenn sie weiter auf Ausbildungsplatzsuche sind. Als unversorgte Ausbildungsstellenbewerber gelten die bei der Bundesagentur für Arbeit a gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber, die bis zum Ende des a Berichtsjahres am 30. September weder in Ausbildung noch in Arbeit, Maßnahmen, Praktika, schulische Bildungsgänge oder sonstige Alternativen vermittelt werden konnten und für die die Vermittlungsbemühungen weiter laufen. Als versorgte Ausbildungsstellenbewerber gelten die bei der Bundesagentur für Arbeit a gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber, die bis zum Ende des a Berichtsjahres am 30. September entweder in eine vollqualifizierende Ausbil- Glossar 39 Ausbildungsstelleninteressierte Ausbildungsstellensuchende Ausbildungsverträge, neu abgeschlossene zum 30. September BA/BIBB-Bewerberbefragungen Berichtsjahr dung oder aber in Arbeit, Maßnahmen, Praktika, schulische Bildungsgänge oder sonstige Alternativen vermittelt werden konnten. Als versorgt gelten auch diejenigen alternativ vermittelten Bewerber, die weiter auf Ausbildungsplatzsuche sind, sowie alle Bewerber, die sich nicht mehr meldeten und für die die Vermittlungsbemühungen deshalb eingestellt werden mussten. Die Gesamtzahl aller an einer dualen Ausbildung interessierten Jugendlichen – unabhängig von ihrer Eignung und Herkunft und unabhängig davon, ob sie aktiv nach einem Ausbildungsplatz suchen oder nicht. Die Gesamtzahl aller Ausbildungsplätze suchenden Jugendlichen – unabhängig von ihrer Eignung und Herkunft. Die Gesamtzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wird im Rahmen der BIBB-Erhebung zum 30. September ermittelt. Die BIBB-Erhebung zum 30. September wird jährlich auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) in Zusammenarbeit mit den für die Berufsausbildung zuständigen Stellen durchgeführt. Berücksichtigt werden alle Ausbildungsverträge, die zwischen dem 1. Oktober des Vorjahres und dem 30. September des laufenden Jahres neu abgeschlossen und nicht vorzeitig wieder gelöst wurden. Die Meldungen über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge werden bis Ende November von den zuständigen Stellen an das BIBB übermittelt. Erste Auswertungsergebnisse liegen bereits Mitte Dezember vor. Die Vertragszahlen werden differenziert für Einzelberufe auf der Ebene der Arbeitsagenturbezirke erhoben. Anschlussverträge werden hierbei gesondert erfasst. Sie werden im Gegensatz zur Berufsbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes(StBA) nicht zu der Gesamtsumme der Neuabschlüsse hinzugerechnet, da die Anschlussverträge in der Regel eine Ausbildungsdauer von 24 Monaten unterschreiten. Die Daten der BIBB-Erhebung zum 30. September werden mit den Daten der Bundesagentur für Arbeit verbunden, um hierüber das a Ausbildungsplatzangebot und die a Ausbildungsplatznachfrage zu errechnen und somit zu einer a Ausbildungsmarktbilanz zu gelangen. Repräsentative Stichprobenbefragungen von bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten a Ausbildungsstellenbewerbern im Umfang von mehreren Tausend Probanden. Die beiden letzten BA/BIBB-Bewerberbefragungen wurden Ende 2006 und zum Jahreswechsel 2008/2009 durchgeführt. Das Berichtsjahr im Rahmen der Berufsbildungsberichterstattung umfasst den Zeitraum vom 01. Oktober des Vorjahres bis zum 30. September des aktuellen Kalenderjahres. Das Berichtsjahr 2008 begann also am 01.10.2007 und endete am 30.09.2008. 40 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Berufseignung Jugendliche ohne Berufsabschluss Mikrozensus Nachfragepotenzial Schulabsolventen Schulabgänger Schulberufssystem Nach dem Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland kann eine Person„dann für einen Ausbildungsberuf, eine berufliche Tätigkeit oder Position als geeignet bezeichnet werden, wenn sie über die Merkmale verfügt, die Voraussetzungen für die jeweils geforderte berufliche Leistungshöhe sind, und der(Ausbildungs-)Beruf, die berufliche Tätigkeit oder die berufliche Position die Merkmale aufweist, die Voraussetzung für berufliche Zufriedenheit der Person sind“(Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland, 2006, S. 15). Als Jugendliche ohne Berufsabschluss gelten alle Personen, die zum Beobachtungszeitpunkt noch keine Berufsausbildung abgeschlossen haben – jedoch mit Ausnahme derjenigen, die zum Beobachtungszeitpunkt eine allgemeinbildende oder berufliche Schule besuchen, an einer Hochschule studieren, Auszubildende sind, an einer Maßnahme der beruflichen Fort- und Weiterbildung teilnehmen oder Grundwehrbzw. Zivildienst leisten. Bei diesen Personen wird davon ausgegangen, dass sie noch eine Berufsausbildung abschließen werden. Der„Mikrozensus ist die amtliche Repräsentativstatistik des Statistischen Bundesamtes über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt, an der jährlich 1% aller Haushalte in Deutschland beteiligt sind(laufende Haushaltsstichprobe). Der Mikrozensus dient der Bereitstellung statistischer Informationen über die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung sowie über die Erwerbstätigkeit, den Arbeitsmarkt und die Ausbildung. Er schreibt die Ergebnisse der Volkszählung fort. Insgesamt nehmen rund 390.000 Haushalte mit 830.000 Personen am Mikrozensus teil“(Braun/ Helmrich/Schöngen, 2009). Die Zahl der a Ausbildungsstelleninteressierten, die sich im Laufe eines Berichtsjahres am zeitnahen Beginn einer dualen Berufsausbildung interessiert zeigen. Schulabsolventen sind nach der Definition der Kultusministerkonferenz(KMK) Jugendliche aus allgemeinbildenden Schulen mit Schulabschluss bzw. Jugendliche, die den Bildungsgang einer beruflichen Schule mit Erfolg vollständig durchlaufen und damit das Ziel des Bildungsgangs erreicht haben. Nach der Definition der Kultusministerkonferenz(KMK) sind Schulabgänger Jugendliche, die die allgemeinbildenden Schulen ohne Schulabschluss bzw. die beruflichen Schulen ohne erfolgreichen Abschluss beendet haben. Unter dem Begriff des Schulberufssystems sind vollqualifizierende Berufsausbildungen innerhalb und außerhalb von BBiG/HwO-Berufen in Berufsfachschulen sowie in Gesundheitsschulen zusammengefasst. Schulentlassene Übergangssystem Vermittelbarkeit Glossar 41 Abweichend zu den Abgrenzungen der Kultusministerkonferenz werden hier Schulentlassene als Summe der a Schulabgänger und der a Schulabsolventen definiert. Nach der Definition des Nationalen Bildungsberichts 2006 zählen zum beruflichen Übergangssystem„(Aus-)Bildungsangebote, die unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen bzw. zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss führen, sondern auf eine Verbesserung der individuellen Kompetenzen von Jugendlichen zur Aufnahme einer Ausbildung oder Beschäftigung zielen und zum Teil das Nachholen eines allgemein bildenden Schulabschlusses ermöglichen“ (Konsortium Bildungsberichterstattung, 2006, S. 79). Die Begriffsverwendung des Übergangssystems wird oft als euphemistisch kritisiert, da es sich nicht um ein echtes System handele(vgl. Greinert, 2007). Tatsächlich ist nicht eindeutig festgelegt, welche Bildungsangebote im Einzelnen dem Übergangssystem zuzuordnen sind. Im Nationalen Bildungsbericht 2008(Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008) werden teilqualifizierende Berufsfachschulen, das schulische Berufsvorbereitungs- und vollzeitschulische Berufsgrundbildungsjahr, berufsschulischer Unterricht für Schüler ohne Ausbildungsvertrag,„sonstige schulische Bildungsgänge“ sowie die berufsvorbereitenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit genannt(einschließlich der Einstiegsqualifizierung und des inzwischen ausgelaufenen Jugendsofortprogramms). Nicht einbezogen sind die Fachoberschule und das Fachgymnasium, da beide Schulformen zum Erwerb der Studienberechtigung führen. Allerdings trifft dies auch auf die Höheren Handelsschulen zu, die unter den teilqualifizierenden Berufsfachschulen subsumiert und damit zum Übergangssystem gezählt werden. Zudem werden insbesondere Fachoberschulen von einem substanziellen Teil der Jugendlichen mit mittlerem Abschluss als Ausweichalternative nach erfolglosen Ausbildungsplatzbewerbungen genutzt. Vielen dieser Jugendlichen geht es weniger darum, nach dem Erwerb der Fachhochschulreife zu studieren, als über diesen Abschluss ihre Erfolgsaussichten im dualen System zu verbessern. Insofern sollten die Fachoberschulen und auch die Fachgymnasien bei der Abhandlung des Übergangssystems zumindest am Rande mitberücksichtigt werden. Nach dem Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland ist eine Person vermittelbar,„wenn bei gegebener beruflicher Eignung ihre Vermittlung in eine entsprechende Ausbildung oder berufliche Tätigkeit nicht durch Einschränkungen erschwert oder verhindert wird. Solche Einschränkungen können marktabhängig und betriebs- bzw. branchenbezogen bedingt sein, sie können aber auch in der Person selbst oder ihrem Umfeld liegen“(Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland, 2006, S. 16). 42 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Tabelle 1 Entwicklung der Bildungsangebote, der Jahrgangsstärken nachfragerelevanter Gruppen und der Nachfrage nach dualer Ausbildung in Deutschland von 1992 bis 2008 1992 Angebote im dualen System und Schulberufssystem 822.603 Ausbildungsangebote im dualen Berufsbildungssystem 721.825 – Zum 30. September besetzte Ausbildungsangebote 595.215 – Zum 30. September unbesetzte Ausbildungsangebote 126.610 Ausbildungsangebote im Schulberufssystem 100.778 – In Berufsfachschulen in Berufen gemäß BBIG/HwO 3.697 – In Berufsfachschulen in Berufen außerhalb BBiG/HwO 49.503 – In Gesundheitsberufen 47.578 Schulentlassene allgemeinbildender und berufl. Schulen 988.595 Schulentlassene aus allgemeinbildenden Schulen 759.737 – Nichtstudienberechtigte Schulentlassene 578.054 ohne Hauptschulabschluss 63.303 mit Hauptschulabschluss 206.627 mit mittlerem Abschluss 308.124 – Studienberechtigte Schulentlassene 181.683 Schulentlassene aus beruflichen Schulen 228.858 – Berufsvorbereitungsjahr 28.195 darunter: mit bestandener Prüfung 16.085 – Berufsgrundbildungsjahr 33.460 darunter: mit bestandener Prüfung 16.322 – Berufsfachschule(ohne Berufsausbildungsabsolventen) 96.123 darunter: mit bestandener Prüfung 74.105 – Fachoberschule 45.251 darunter: mit bestandener Prüfung 41.121 – Fachgymnasium 25.829 darunter: mit bestandener Prüfung 22.988 Gemeldete Bewerber aus früheren Schulentlassjahren(„Altbewerber“) . Mit Schulentlassung aus dem Vorjahr . Mit Schulentlassung im Vorvorjahr oder noch früher . Ausbildungsplatznachfrage nach offizieller Berechnung 608.190 Zum 30.09. erfolgreiche Ausbildungsnachfrager 595.215 Zum 30.09. unversorgte Ausbildungsstellenbewerber 12.975 Ausbildungsinteressierte Jugendliche(Schätzung) Variante 1: Unter allen Schulentlassenen+ Altbewerbern 703.063 Variante 2: Nur erfolgreiche Absolventen+ Altbewerber 610.970 1993 764.365 655.857 570.120 85.737 108.508 4.100 54.982 49.426 1.007.723 779.737 594.170 69.165 215.151 309.854 185.567 227.986 33.474 18.022 30.903 14.703 96.217 72.919 43.265 39.634 24.127 20.979 . . . 587.879 570.120 17.759 724.457 625.171 1994 731.391 622.234 568.082 54.152 109.157 4.296 53.732 51.129 1.043.953 804.020 615.459 72.245 219.289 323.925 188.561 239.933 41.845 26.720 30.302 21.566 99.975 74.675 43.469 39.739 24.342 21.098 . . . 587.052 568.082 18.970 1995 733.020 616.988 572.774 44.214 116.032 4.644 58.067 53.321 1.098.692 840.527 634.792 75.998 226.754 332.040 205.735 258.165 46.353 29.952 32.091 23.117 111.272 84.004 40.966 36.724 27.483 23.803 . . . 597.736 572.774 24.962 1996 732.127 609.274 574.327 34.947 122.853 6.787 62.263 53.803 1.133.154 871.552 657.197 78.239 232.893 346.065 214.355 261.602 52.711 32.383 29.012 20.703 113.590 85.917 39.463 35.114 26.826 23.236 . . . 612.785 574.327 38.458 762.697 666.598 804.300 702.236 834.623 727.846 1997 746.431 613.381 587.517 25.864 133.050 14.550 73.797 44.703 1.171.823 894.906 676.257 80.486 235.575 360.196 218.649 276.917 58.130 36.794 31.469 22.452 118.931 87.680 40.271 35.306 28.116 23.996 290.073 146.380 143.693 634.938 587.517 47.421 873.064 760.030 Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen. Absolventen allgemeinbildender und beruflicher Schulen: Schätzung für 2008. Tabellen 43 Tabellen 1998 772.587 635.933 612.529 23.404 136.654 15.619 76.816 44.219 1.188.577 904.637 686.210 82.968 236.154 367.088 218.427 283.940 60.100 37.777 30.895 21.578 124.184 90.863 40.026 34.805 28.735 24.456 302.969 151.707 151.262 648.204 612.529 35.675 1999 791.886 654.454 631.015 23.439 137.432 14.553 78.691 44.188 1.203.754 917.669 689.021 83.761 235.086 370.174 228.648 286.085 58.840 36.151 30.924 21.524 126.629 90.962 40.423 34.803 29.269 24.928 316.736 154.516 162.220 660.380 631.015 29.365 2000 790.480 647.383 621.693 25.690 143.097 13.281 87.081 42.735 1.228.034 918.748 685.274 86.602 229.434 369.238 233.474 309.286 63.012 37.113 32.604 22.475 135.698 96.220 48.579 35.277 29.393 24.533 307.779 151.133 156.646 645.335 621.693 23.642 2001 786.810 638.771 614.236 24.535 148.039 12.830 91.709 43.500 1.224.957 910.784 691.786 88.881 230.980 371.925 218.998 314.173 63.761 35.425 32.216 22.254 133.912 93.664 54.230 39.900 30.054 25.358 300.419 144.329 156.090 634.698 614.236 20.462 2002 749.594 590.328 572.323 18.005 159.266 12.207 101.158 45.901 1.244.258 918.997 689.770 85.314 232.412 372.044 229.227 325.261 67.607 38.422 32.156 22.361 139.055 96.876 56.070 43.253 30.373 25.910 304.369 140.056 164.313 595.706 572.323 23.383 2003 748.758 572.474 557.634 14.840 176.284 13.466 115.022 47.796 1.277.131 929.806 702.649 84.092 239.129 379.428 227.157 347.325 71.013 39.365 35.831 24.147 148.535 104.325 59.706 46.048 32.240 27.732 327.216 147.054 180.162 592.649 557.634 35.015 2004 768.436 586.374 572.980 13.394 182.062 17.033 118.202 46.827 1.326.798 945.381 714.789 82.212 240.015 392.562 230.592 381.417 73.877 41.941 38.855 25.943 167.499 118.548 65.669 50.151 35.517 30.685 338.856 150.938 187.918 617.556 572.980 44.576 2005 746.751 562.816 550.180 12.636 183.935 16.194 120.246 47.495 1.348.641 939.279 703.436 78.152 231.596 393.688 235.843 409.362 74.040 40.633 39.701 26.305 190.052 133.268 69.173 52.349 36.396 31.856 342.060 156.876 185.184 590.668 550.180 40.488 2006 777.423 591.540 576.153 15.387 185.883 16.656 119.397 49.830 1.367.252 946.766 696.817 75.897 228.967 391.953 249.949 420.486 72.260 39.720 43.933 29.229 196.466 136.063 70.179 52.246 37.648 32.692 385.248 171.789 213.459 625.606 576.153 49.453 2007 825.899 644.028 625.885 18.143 181.871 14.764 116.575 50.532 1.364.138 942.129 677.587 70.494 220.636 386.457 264.542 422.009 67.721 37.127 42.531 28.400 192.335 132.164 72.470 52.963 46.952 39.980 384.967 161.852 223.115 658.472 625.885 32.587 2008 . 635.675 616.259 19.416 . . . . 1.330.124 909.783 638.695 65.988 206.860 365.847 271.088 420.341 65.025 35.527 41.312 27.544 192.885 132.645 72.255 52.645 48.865 41.606 320.450 128.580 191.870 630.728 616.259 14.469 891.819 774.159 904.516 784.002 913.542 780.745 911.754 774.356 921.921 786.147 958.165 817.650 995.694 850.827 1.009.701 860.203 1.040.418 888.876 1.026.305 879.353 961.754 819.196 44 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Tabelle 2 Entlassene aus allgemeinbildenden Schulen, Ausbildungsangebote im dualen System und Verbleib der in Deutschland an beruflicher Bildung interessierten Jugendlichen von 1992 bis 2008 Schulentlassene allgemeinbildender und berufl. Schulen Schulentlassene aus allgemeinbildenden Schulen Schulentlassene aus beruflichen Schulen Angebote im dualen System und Schulberufssystem Ausbildungsangebote im dualen Berufsbildungssystem Ausbildungsangebote im Schulberufssystem Einmündungen in vollqualifizierende Berufsausbildung Einmündungen in das duale Berufsbildungssystem Einmündungen in das Schulberufssystem – In Berufsfachschulen in Berufen gemäß BBIG/HwO – In Berufsfachschulen in Berufen außerhalb BBiG/HwO – In Gesundheitsberufen Einmündungen in teilqualifizierende schulische Berufsbildungsgänge Schüler im Berufsvorbereitungsjahr Schüler im Berufsgrundbildungsjahr(Vollzeit) Berufsfachschüler(Grundbildung) im 1. Ausbildungsjahr Fachoberschüler in der 11. Klasse Fachgymnasiasten in der 11. Klasse Erwerbstätige ohne Ausbildungsvertrag in der Berufsschule Arbeitslose ohne Ausbildungsvertrag in der Berufsschule Eintritte in Fördermaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit Eintritte in berufsvorbereitende Fördermaßnahmen Eintritte in Einstiegsqualifizierung(im Kalenderjahr) Vermittlungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit Gemeldete Ausbildungsstellenbewerber insgesamt – Einmündung in Berufsausbildungsstellen – Alternativer Verbleib(ohne weiteren Vermittlungswunsch) – Alternativer Verbleib(mit weiterem Vermittlungswunsch) 1) – Weder Einmündung noch alternativer Verbleib(„unversorgt“) – Verbleib nicht bekannt 2) 1992 988.595 759.737 228.858 822.603 721.825 100.778 595.215 100.778 3.697 49.503 47.578 37.156 31.325 110.252 23.194 32.415 10.356 24.232 70.400 541.793 340.139 143.071 8.845 12.975 36.763 1993 1.007.723 779.737 227.986 764.365 655.857 108.508 570.120 108.508 4.100 54.982 49.426 46.464 31.589 119.574 25.225 31.496 10.540 25.375 72.690 . 569.722 340.901 157.982 9.923 17.759 43.157 1994 1.043.953 804.020 239.933 731.391 622.234 109.157 1995 1.098.692 840.527 258.165 733.020 616.988 116.032 1996 1.133.154 871.552 261.602 732.127 609.274 122.853 568.082 109.157 4.296 53.732 51.129 572.774 116.032 4.644 58.067 53.321 574.327 122.853 6.787 62.263 53.803 51.734 34.869 130.156 29.204 32.924 10.066 28.650 55.512 37.924 131.925 32.129 33.756 13.415 30.163 65.198 39.966 140.418 36.888 34.648 17.821 31.691 85.521 . 96.354 . 107.086 . 626.327 356.058 187.702 12.073 18.970 51.524 670.075 366.255 209.781 14.110 24.962 54.967 716.792 377.896 228.770 17.889 38.458 53.779 1997 1.171.823 894.906 276.917 746.431 613.381 133.050 587.517 133.050 14.550 73.797 44.703 66.364 40.229 141.320 39.769 34.948 7.150 42.524 110.523 . 772.424 404.324 231.035 20.025 47.399 69.641 1) Von 1992 bis 1997 liegen nur Angaben aus Westdeutschland und Berlin(West) vor. 2006 erfolgte die Umstellung von COMPAS auf VerBIS; die Daten für 2007 und 2008 sind deshalb mit den Angaben bis 2005 nicht vergleichbar. 2) Von 1992 bis 1996 liegen nur Angaben aus Westdeutschland und Berlin(West) vor. 2006 erfolgte die Umstellung von COMPAS auf VerBIS; die Daten für 2007 und 2008 sind deshalb mit den Angaben bis 2005 nicht vergleichbar. Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen. Tabellen 45 1998 1.188.577 904.637 283.940 772.587 635.933 136.654 1999 1.203.754 917.669 286.085 791.886 654.454 137.432 2000 1.228.034 918.748 309.286 790.480 647.383 143.097 2001 1.224.957 910.784 314.173 786.810 638.771 148.039 2002 1.244.258 918.997 325.261 749.594 590.328 159.266 2003 1.277.131 929.806 347.325 748.758 572.474 176.284 2004 1.326.798 945.381 381.417 768.436 586.374 182.062 2005 1.348.641 939.279 409.362 746.751 562.816 183.935 2006 1.367.252 946.766 420.486 777.423 591.540 185.883 2007 1.364.138 942.129 422.009 825.899 644.028 181.871 2008 1.330.124 909.783 420.341 . 635.675 . 612.529 136.654 15.619 76.816 44.219 631.015 137.432 14.553 78.691 44.188 621.693 143.097 13.281 87.081 42.735 614.236 148.039 12.830 91.709 43.500 572.323 159.266 12.207 101.158 45.901 557.634 176.284 13.466 115.022 47.796 572.980 182.062 17.033 118.202 46.827 550.180 183.935 16.194 120.246 47.495 576.153 185.883 16.656 119.397 49.830 625.885 181.871 14.764 116.575 50.532 616.259 . . . . 66.806 68.606 72.787 75.810 79.496 79.284 80.559 77.667 71.907 62.077 . 40.856 39.677 41.236 40.495 43.204 49.216 48.079 50.137 47.937 46.031 . 143.085 141.692 149.624 151.653 161.615 178.254 194.966 202.869 202.129 189.892 . 41.630 43.971 45.687 47.550 51.115 54.364 57.494 58.644 61.302 59.783 . 35.158 37.552 38.602 40.656 43.082 44.274 44.531 46.209 47.477 57.245 . 6.221 5.524 9.087 8.316 6.918 7.699 7.160 5.050 5.338 4.607 . 44.356 47.241 49.499 55.015 60.928 62.730 64.223 64.693 66.460 62.540 . 128.145 . 796.566 416.383 235.291 30.055 35.675 79.162 137.618 . 802.648 419.858 241.313 30.172 29.365 81.940 145.130 . 770.348 399.891 248.998 32.890 23.642 64.927 154.192 . 737.797 385.524 255.020 35.477 20.462 41.314 182.997 . 711.393 347.569 260.422 41.185 23.383 38.834 162.692 . 719.571 338.524 263.602 46.703 35.015 35.727 164.227 6.227 736.109 363.558 257.684 48.372 44.084 22.411 157.250 29.065 740.961 361.893 265.365 55.036 40.504 18.163 155.516 36.957 763.097 365.603 k.A. k.A. 49.487 44.749 148.819 37.233 733.971 321.193 139.537 98.218 32.660 142.363 . . . 620.209 282.130 121.481 81.846 14.479 120.273 46 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Tabelle 3 Offizielle Ausbildungsmarktbilanz zum Stichtag 30. September, Verbleib der gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber und Alter der Ausbildungsanfänger in West- und Ostdeutschland von 1992 bis 2008 1992 Angebots-Nachfrage-Relation nach alter Definition 1 Alte Länder 122,6 Neue Länder und Berlin 101,5 Anteil der gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber, die in einer vollqualifizierenden Berufsausbildungsstelle verblieben, in% Alte Länder 59,8 Neue Länder und Berlin 71,4 Anteil der gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber, die Ende September in Alternativen oder sonstig verblieben, in% Alte Länder 35,6 Neue Länder und Berlin 22,4 Anteil der gemeldeten Ausbildungsstellenbewerber, die Ende September zu den unversorgten Bewerbern zählten, in% Alte Länder 2,9 Neue Länder und Berlin 0,9 1993 114,7 98,8 56,0 71,0 37,3 27,7 3,5 2,0 1994 107,9 99,7 51,7 70,6 40,5 27,0 3,8 0,9 1995 105,3 96,6 50,3 65,5 44,5 28,5 4,1 2,9 1996 102,1 91,4 49,3 61,1 45,6 31,6 4,8 6,6 1997 98,8 89,8 48,5 61,6 45,9 32,3 5,9 6,7 1 Eine Definition der alten und erweiterten Angebots-und Nachfrage-Relation(ANR) befindet sich im Glossar. Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen. Tabellen 47 1998 100,1 91,9 1999 100,8 93,7 2000 102,1 94,3 2001 102,4 94,7 2002 100,9 93,1 2003 98,2 91,2 2004 96,4 89,9 2005 96,2 91,9 2006 95,9 89,7 2007 98,6 94,6 2008 101,3 98,7 49,0 48,4 48,5 48,8 44,9 42,8 45,8 44,7 47,9 41,4 43,2 59,7 60,9 59,6 59,9 57,6 56,9 58,1 59,1 50,9 50,7 53,6 45,6 47,0 48,2 48,9 48,8 52,4 52,8 48,6 49,9 46,1 54,4 31,7 34,8 34,7 36,5 36,3 37,8 37,3 35,0 35,4 41,1 44,1 4,0 3,4 2,7 2,4 2,7 4,4 5,6 5,4 5,9 4,2 2,1 5,5 4,3 3,9 3,7 4,6 5,9 6,9 5,5 8,0 5,1 3,2 48 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Tabelle 4 Schätzung der Entwicklung der Jahrgangsstärken nachfragerelevanter Gruppen und des Nachfragepotenzials nach dualer Ausbildung in Deutschland von 2005 bis 2020 Deutschland Schulentlassene allgemeinbildender und berufl. Schulen Schulentlassene aus allgemeinbildenden Schulen Nichtstudienberechtigte Schulentlassene Studienberechtigte Schulentlassene Schulentlassene aus beruflichen Schulen Berufsvorbereitungsjahr Berufsgrundbildungsjahr Berufsfachschule(ohne Berufsausbildungsabsolventen) Fachoberschule Fachgymnasium Ausbildungsinteressierte Jugendliche(Schätzung) Variante 1: Unter allen Schulentlassenen+ Altbewerbern Variante 2: Nur unter erfolgreichen Absolventen+ Altbewerbern Alte Länder Schulentlassene allgemeinbildender und berufl. Schulen Schulentlassene aus allgemeinbildenden Schulen Nichtstudienberechtigte Schulentlassene Studienberechtigte Schulentlassene Schulentlassene aus beruflichen Schulen Berufsvorbereitungsjahr Berufsgrundbildungsjahr Berufsfachschule(ohne Berufsausbildungsabsolventen) Fachoberschule Fachgymnasium Ausbildungsinteressierte Jugendliche(Schätzung) Variante 1: Unter allen Schulentlassenen+ Altbewerbern Variante 2: Nur unter erfolgreichen Absolventen+ Altbewerbern Neue Länder und Berlin Schulentlassene allgemeinbildender und berufl. Schulen Schulentlassene aus allgemeinbildenden Schulen Nichtstudienberechtigte Schulentlassene Studienberechtigte Schulentlassene Schulentlassene aus beruflichen Schulen Berufsvorbereitungsjahr Berufsgrundbildungsjahr Berufsfachschule(ohne Berufsausbildungsabsolventen) Fachoberschule Fachgymnasium Ausbildungsinteressierte Jugendliche(Schätzung) Variante 1: Unter allen Schulentlassenen+ Altbewerbern Variante 2: Nur unter erfolgreichen Absolventen+ Altbewerbern 2005 2006 2007 2008 2009 1.348.641 939.279 703.436 235.843 409.362 74.040 39.701 190.052 69.173 36.396 1.367.252 946.766 696.817 249.949 420.486 72.260 43.933 196.466 70.179 37.648 1.364.138 942.129 677.587 264.542 422.009 67.721 42.531 192.335 72.470 46.952 1.330.124 909.783 638.695 271.088 420.341 65.025 41.312 192.885 72.255 48.865 1.281.737 873.054 604.835 268.219 408.683 60.910 39.803 188.727 70.750 48.492 1.009.701 860.203 1.040.418 888.876 1.026.305 879.353 961.754 819.196 916.603 780.034 1.074.179 731.621 554.729 176.892 342.558 47.818 34.692 177.169 54.978 27.901 1.101.924 746.100 556.385 189.715 355.824 48.407 38.629 184.305 55.640 28.843 1.118.871 757.174 559.809 197.365 361.697 46.260 37.608 180.910 58.739 38.180 1.110.550 746.594 541.060 205.534 363.956 45.710 36.889 181.967 59.500 39.890 1.094.485 735.448 520.255 215.193 359.037 44.301 36.046 179.022 59.500 40.167 792.523 672.434 824.580 702.100 831.469 710.503 798.132 679.062 782.418 666.677 274.462 207.658 148.707 58.951 66.804 26.222 5.009 12.883 14.195 8.495 217.178 187.770 265.328 200.666 140.432 60.234 64.662 23.853 5.304 12.161 14.539 8.805 245.267 184.955 117.778 67.177 60.312 21.461 4.923 11.425 13.731 8.772 219.574 163.189 97.635 65.554 56.385 19.315 4.423 10.918 12.755 8.975 215.837 186.776 194.836 168.850 163.622 140.134 187.252 137.606 84.580 53.026 49.646 16.609 3.757 9.705 11.250 8.326 134.185 113.357 Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Bundesinstitut für Berufsbildung, eigene Berechnungen. Bis 2007 Ist-Zahlen. Tabellen 49 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 1.243.747 848.942 580.610 268.332 394.805 58.093 37.252 183.056 68.448 47.957 1.254.139 876.110 560.288 315.822 378.029 55.285 34.950 175.182 66.287 46.325 1.224.839 858.328 561.334 296.994 366.511 53.960 34.123 169.090 63.797 45.541 1.260.668 896.026 570.513 325.513 364.642 53.941 33.917 169.360 63.456 43.968 1.195.386 832.467 562.702 269.765 362.919 54.324 33.776 168.850 63.237 42.733 1.190.178 829.672 556.919 272.753 360.506 54.595 33.654 166.459 63.016 42.783 1.185.753 828.349 550.149 278.200 357.404 54.390 33.213 163.588 62.785 43.429 1.166.299 811.714 543.677 268.037 354.585 54.100 33.101 161.832 62.437 43.114 1.138.566 788.303 523.037 265.266 350.263 53.345 32.156 159.602 62.355 42.805 1.122.353 779.954 517.203 262.751 342.399 52.487 31.847 154.867 60.861 42.336 1.091.713 755.312 502.931 252.381 336.401 51.638 30.893 152.051 60.298 41.521 879.360 747.985 859.154 731.293 837.672 711.331 842.903 716.955 820.406 695.096 815.146 691.004 806.648 683.584 794.075 673.214 773.090 654.152 758.398 641.938 738.354 623.562 1.081.343 729.203 502.560 226.643 352.140 43.350 34.495 174.719 58.739 40.838 1.107.778 765.923 485.323 280.600 341.855 42.408 32.943 168.301 57.760 40.443 1.072.481 738.229 485.491 252.738 334.252 41.830 32.532 163.091 56.238 40.561 1.115.413 781.487 489.946 291.541 333.926 41.998 32.326 163.846 56.129 39.627 1.043.444 711.666 478.172 233.494 331.778 41.914 32.018 163.468 55.803 38.575 1.031.723 703.551 469.901 233.650 328.172 41.625 31.813 160.901 55.259 38.575 1.023.116 699.773 462.700 237.073 323.343 40.860 31.289 157.654 54.715 38.825 1.002.448 682.523 457.433 225.090 319.925 40.664 31.093 155.767 54.063 38.338 976.597 661.468 438.823 222.645 315.129 39.815 30.148 153.426 53.954 37.785 961.523 654.232 433.375 220.857 307.291 38.864 29.840 148.669 52.540 37.377 931.375 630.140 419.070 211.070 301.235 38.109 28.802 145.876 51.887 36.562 762.069 649.550 751.879 641.840 734.480 625.688 742.514 634.242 717.708 610.365 708.393 602.591 697.421 593.247 684.784 582.632 665.166 564.769 651.256 553.521 631.420 535.254 162.404 119.739 78.050 41.689 42.665 14.743 2.757 8.337 9.709 7.119 117.291 98.435 146.361 110.187 74.965 35.222 36.174 12.877 2.008 6.881 8.527 5.882 107.275 89.452 152.358 120.099 75.843 44.256 32.259 12.130 1.591 5.999 7.560 4.979 103.192 85.643 145.255 114.539 80.567 33.972 30.716 11.944 1.591 5.514 7.327 4.340 100.388 82.713 151.942 120.801 84.530 36.271 31.141 12.410 1.758 5.382 7.434 4.158 102.698 84.731 158.455 126.121 87.018 39.103 32.334 12.970 1.841 5.558 7.757 4.209 106.753 88.413 162.637 128.576 87.449 41.127 34.061 13.530 1.924 5.933 8.070 4.604 109.227 90.337 163.852 129.191 86.244 42.947 34.661 13.436 2.008 6.065 8.375 4.776 109.291 90.581 161.969 126.835 84.214 42.621 35.134 13.530 2.008 6.176 8.402 5.020 107.924 89.383 160.830 125.722 83.828 41.894 35.108 13.623 2.008 6.198 8.321 4.959 107.142 88.416 160.338 125.172 83.861 41.311 35.166 13.530 2.091 6.176 8.411 4.959 106.934 88.308 50 Krekel, Ulrich: Jugendliche ohne Berufsabschluss Literaturverzeichnis Ahrens, Daniela(2009): Von der Bewältigung der ersten Schwelle zur Exklusionskarriere? 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Dr. Joachim Gerd Ulrich ist Mitarbeiter des Arbeitsbereichs 2.1„Berufsbildungsangebot und-nachfrage, Bildungsbeteiligung“ im Bundesinstitut für Berufsbildung. 2020 Analysen, Konzepte, Diskurse für ein soziales Deutschland Deutschland im Jahr 2020: Eine freie, solidarische und kinderfreundliche Gesellschaft mit gleichen Chancen der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Teilhabe unabhängig von Geschlecht und Herkunft; eine lebendige Demokratie mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern; eine nachhaltig wachsende Wirtschaft mit guter Arbeit für alle; ein vorsorgender Sozialstaat, der mehr Bildung und Gesundheit ermöglicht; ein Land, das in Europa und der Welt Verantwortung für Frieden und sozialen Fortschritt übernimmt. Für dieses soziale Deutschland arbeiten wir. • Die Friedrich-Ebert-Stiftung wird im Rahmen des Projekts„Zukunft 2020“ zu den wichtigsten Herausforderungen Antworten entwickeln und vorstellen. • Wir wollen Wege in eine soziale und nachhaltige Zukunft für Deutschland aufzeigen und dazu passende Strategien und Politiken erarbeiten. • Unsere Analysen und Konzepte werden wir zum Gegenstand eines breiten gesellschaftlichen Diskurses mit Politik, Gewerkschaften, Wirtschaft, mit Fachleuten und Öffentlichkeit machen. Mehr Informationen zu Veranstaltungen und Publikationen, die Teil dieses Projekts sind, finden Sie unter www.fes.de/zukunft2020