FACHFORUM A N A LYS E N& KO M M E N TA R E N° 3 ❘ 2007 Nur Zuwächse für Reiche? Die Verteilung der Markteinkommen in Deutschland Stefan Bach und Viktor Steiner A N A LYS E N KO M M E N TA R E Forum Berlin PROJEKT ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 1 GESELLSCHAFTLICHE INTEGRATION FACHFORUM A N A LYS E N& KO M M E N TA R E Impressum: Herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung Forum Berlin Franziska Richter Hiroshimastr. 17 10785 Berlin Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Angela Borgwardt Franziska Richter © Friedrich-Ebert-Stiftung ISBN: 978-3-89892-785-7 Mit dem Projekt Gesellschaftliche Integration bearbeitet die Friedrich-EbertStiftung die großen politischen Herausforderungen, die im Zuge des gegenwärtigen Umbruchs in unserer Gesellschaft entstehen. Dazu gehören Fragen des Strukturwandels der Arbeitswelt und der demografischen Entwicklung oder der Pluralisierung der Lebensformen. Besonders fokussiert werden die neuen Spannungsfelder sozialer Ungleichheit, die zu gravierenden Konflikten führen können und die Gefahr einer dauerhaft„gespaltenen Gesellschaft“ bergen. Im Zentrum steht deshalb die Frage, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden kann und welche Reformimpulse und Handlungsperspektiven dazu erforderlich sind. Das Fachforum als eine tragende Säule des Projekts zielt darauf, die politische und wissenschaftliche Debatte im kritischen Diskurs aufzubereiten und mit neuen Sichtweisen anzuregen. Auf diese Weise soll auch die Arbeit am Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesrepublik analytisch begleitet werden. Das Fachforum basiert auf zwei Kommunikationsformen: In den Fachgesprächen diskutieren Wissenschaftler/innen und Politiker/innen ausgewählte Fragestellungen und Problemfelder wie Armut und soziale Ausgrenzung. In der vorliegenden Publikationsreihe Arbeitspapiere werden profilierte Analysen und Kommentare aus Wissenschaft und Politik zu kontrovers diskutierten Themen gesellschaftspolitischer Integration vorgestellt, wie zum Beispiel sozialwissenschaftliche Konzepte der Teilhabe, Forschungen zum Phänomen der verdeckten Armut oder zur ungleichen Einkommens- und Vermögensentwicklung in Deutschland. Begriffe und unterschiedliche Konzepte sollen geklärt und in einen übergreifenden Zusammenhang eingeordnet werden. Ziel ist die Erarbeitung möglicher Lösungsvorschläge und Handlungsempfehlungen. Franziska Richter Referentin des Projektes„Gesellschaftliche Integration“ 2 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 Nur Zuwächse für Reiche? Die Verteilung der Markteinkommen in Deutschland Stefan Bach und Viktor Steiner Inhalt 1. Einführung 5 2. Datenbasis 6 3. Entwicklung der gesamten Verteilung der Markteinkommen 7 4. Entwicklung und Zusammensetzung der Spitzeneinkommen 11 5. Schlussbemerkung 15 Literatur 17 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 3 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Abstract In diesem Beitrag analysieren wir die Entwicklung der Markteinkommen in Deutschland im Zeitraum 1992 bis 2001. Der Begriff„Markteinkommen“ schließt dabei Erwerbseinkommen(Lohn und Gehalt), Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit sowie Einkommen aus Vermögen ein. Grundlage unserer Untersuchung bildet eine integrierte Datenbasis aus Einkommensteuerstatistik und Sozioökonomischem Panel(SOEP), in der auch die sehr hohen Einkommen vollständig erfasst sind. Die differenzierte Verteilungsanalyse zeigt, dass die Ungleichheit der Markteinkommen in Deutschland in den 1990er Jahren insgesamt moderat zugenommen hat. Während die preisbereinigten Einkommen im Durchschnitt konstant blieben, gab es zwischen 1992 und 2001 nennenswerte Zuwächse für die Bezieher sehr hoher Einkommen: Die obersten 10% der Einkommenspyramide konnten ihr reales Markteinkommen von 1992 bis 2001 um gut 7% steigern. Auf diese Gruppe entfielen im Jahr 2001 mehr als 40% des gesamten Markteinkommens. Die „ökonomische Elite“(Top 0,001% der Einkommensbezieher) – die 650 einkommensstärksten Personen mit einem Durchschnittseinkommen von 15 Millionen Euro – konnte ihr Markteinkommen im Untersuchungszeitraum real um etwa ein Drittel steigern, die 65 Superreichen sogar um über 50%. Das heißt: Hohe reale Einkommenszuwächse gab es nur bei den Reichen. Das Markteinkommen der ökonomischen Elite unterscheidet sich vom Einkommen der Durchschnittsbürger aber nicht nur durch seine Höhe, sondern auch durch seine Zusammensetzung. Im Jahr 2001 erzielte diese Gruppe fast 70% ihres Markteinkommens aus unternehmerischer Tätigkeit, knapp 27% aus Vermögen. Nur rund 5% stammten aus Erwerbseinkommen(Lohn und Gehalt), während dieser Anteil im Bevölkerungsdurchschnitt mehr als 80% betrug. Die Erwerbseinkommen sind bei der ökonomischen Elite zwischen 1992 und 2001 zwar deutlich gestiegen(von knapp 2% auf über 5%), was vor allem auf die Zunahme von ManagerGehältern zurückzuführen ist. Doch im Vergleich mit anderen OECD-Ländern – wie Frankreich oder den USA – ist in Deutschland der Anteil von Lohn und Gehalt an den sehr hohen Markteinkommen nach wie vor relativ gering. 4 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? 1. Einführung In der Vergangenheit wurde in internationalen Studien vor allem die Verteilung der Erwerbseinkommen(Lohn und Gehalt) untersucht. 1 Dagegen stand die Entwicklung der Markteinkommen 2 vergleichsweise wenig im Fokus wissenschaftlicher Studien. Neuere empirische Analysen auf der Basis der Einkommensteuerstatistik zeigen 3 , dass in den USA in den letzten beiden Jahrzehnten die Ungleichheit in der Verteilung der Markteinkommen deutlich zugenommen hat. Diese wachsende Ungleichheit ist vor allem auf Veränderungen im obersten Einkommensbereich – und hier wiederum zum Großteil auf den starken Anstieg der Managergehälter – zurückzuführen. Die gleiche Tendenz, wenn auch deutlich schwächer ausgeprägt, zeigt sich nach neueren Untersuchungen in Großbritannien und Kanada, während in den meisten europäischen Ländern keine vergleichbare Entwicklung festzustellen ist. 4 Für Deutschland haben empirische Studien zur Einkommensverteilung ergeben, dass die Ungleichheit der Markteinkommen in den 1990er Jahren moderat zugenommen hat. 5 Dieser Anstieg der Einkommensungleichheit wurde zu einem erheblichen Teil durch die Entwicklung in Ostdeutschland in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung verursacht. Dabei erhöhte sich das Markteinkommen des obersten Prozents(Top 1%) der Einkommensbezieher bis Ende der 1990er Jahre nur geringfügig. 6 Die Ungleichheit der Markteinkommen hat erst nach 2002 deutlich zugenommen, was überwiegend mit dem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in Zusammenhang gebracht wird. Bisherige Studien basieren entweder auf allgemeinen Haushaltsbefragungen, bei denen die sehr hohen Einkommen überhaupt nicht oder nur sehr unvollständig erfasst werden, oder auf Daten, die nur einen Teil der Gesamtpopulation enthalten. 7 Aufgrund der eingeschränkten Datenbasis der vorliegenden Verteilungsanalysen ergibt sich häufig nur ein unvollständiges und möglicherweise auch verzerrtes Bild der Entwicklung und Konzentration der Einkommen. Diesem Defizit wollten wir begegnen, indem wir unserer Analyse der Einkommensverteilung eine integrierte Datenbasis zugrundelegten. Die dabei gewonnenen Ergebnisse werden in vorliegendem Beitrag dargestellt. 8 1 Vgl. z.B. Gottschalk/Danzinger 2005, Autor/Katz/Kearney 2005. 2 Das Markteinkommen umfasst Erwerbseinkommen(Lohn und Gehalt) sowie Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit und aus Vermögen. 3 Vgl. Piketty/Saez 2003, Dew-Becker/Gordon 2005. 4 Vgl. die zusammenfassende Darstellung für einige Länder in Piketty/Saez 2006. 5 Vgl. Becker/Hauser 2003, Becker/Hauser 2004, Frick/Goebel/Grabka 2005, Frick/Grabka 2005, Sachverständigenrat 2007. 6 Vgl. Bach/Corneo/Steiner 2007, Dell 2005. 7 Zu ersteren zählen Studien auf Basis des Sozioökonomischen Panels(SOEP), einer vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung durchgeführten Haushaltsbefragung, oder der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe(EVS) des Statistischen Bundesamtes. Letztere basieren auf den Mikrodaten der Einkommensteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes, die nur die zur Einkommensteuer veranlagten Personen enthalten. Durch die Einkommensteuerstatistik werden Personen im untersten Einkommensbereich nur sehr unvollständig erfasst. Aber auch Personen, die nur Lohnsteuer zahlen, keine weiteren Einkünfte haben und keine höheren Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend machen, geben häufig keine Steuererklärung ab(„reine Lohnsteuerfälle“). 8 Der Beitrag basiert auf Bach/Corneo/Steiner 2007 und Bach/Steiner 2007. ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 5 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? 2. Datenbasis Die neue integrierte Datenbasis wurde geschaffen, indem Mikrodaten aus der Einkommensteuerstatistik und dem Sozioökonomischen Panel(SOEP) aus den Jahren 1992, 1995, 1998 und 2001 mittels eines statistischen„Matching“-Verfahrens verknüpft wurden. 9 Diese Datenbasis(ITR-SOEP) 10 bildet die Gesamtpopulation ab, und zwar alle in Deutschland lebenden Personen über 20 Jahre sowie Kinder und Jugendliche mit nennenswertem Markteinkommen – insgesamt knapp 64 Millionen Personen im Jahr 2001. Sie enthält somit verlässliche Information zur gesamten Einkommensverteilung, d.h. einschließlich ihres untersten und obersten Bereichs. In der Einkommensteuerstatistik werden insbesondere alle Einkommensbezieher des obersten 1%-Perzentils 11 erfasst. Dadurch kann auch die Verteilung innerhalb dieses Perzentils analysiert werden, was auf alleiniger Basis des SOEP aufgrund der zu geringen Fallzahlen und großen Stichprobenfehler in diesem Bereich nicht möglich ist. Das SOEP wiederum erfasst als repräsentative Bevölkerungsstichprobe auch Personen mit sehr geringem Einkommen. Entsprechend erhalten wir durch die Verknüpfung dieser beiden Datensätze ein repräsentatives Bild der gesamten Verteilung der Markteinkommen sowie Aufschluss über deren Veränderung im zeitlichen Verlauf. Das verwendete Einkommenskonzept ist das auf der Personenebene gemessene Markteinkommen(brutto, vor Steuern und Sozialabgaben) mit den drei Komponenten • Einkommen durch Lohn und Gehalt(einschließlich Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung sowie unterstellter Sozialbeiträge für die Beamten), • Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit und • Vermögenseinkommen(ohne Veräußerungsgewinne, die aufgrund ihres volatilen Charakters nicht berücksichtigt werden). Staatliche Transfers – einschließlich Sozialversicherungsrenten und staatlicher Pensionen sowie Betriebsrenten – werden nicht in die Definition des Markteinkommens einbezogen. 12 Betrachtet wird also das reale, preisbereinigte Bruttoeinkommen. 13 9 Beim verwendeten Matching-Verfahren werden die beiden Datensätze über gemeinsame Matching-Variablen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Hochrechnungsfaktoren in den beiden Datensätzen mittels Methoden der linearen Programmierung integriert, wobei ein Abstandsmaß bezüglich der gemeinsamen Matching-Variablen minimiert wird. Vgl. Bach/Corneo/Steiner 2007, Appendix 2. 10 Zur Einkommensteuerstatistik vgl. z.B. Zwick 2001, zum SOEP Haisken-DeNew/Frick 2005; vgl. dazu auch Bach/Corneo/Steiner 2007, Chapter 3.1. 11 Perzentile teilen eine Variable(z.B. das Einkommen) entsprechend der Rangfolge ihrer Werte in 100 Teile und zerlegen die Verteilung in gleich große Teile(1%-Segmente). 12 Vgl. zur genauen Abgrenzung des Markteinkommens sowie zum Vergleich der aggregierten Einkommenskomponenten aus der integrierten Datenbasis und der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Bach/Corneo/Steiner 2007, Kapitel 3.2 und Anhang 1. 13 In unserer Untersuchung wird das reale, anhand des Indexes der Verbraucherpreise deflationierte Bruttoeinkommen(zu Preisen von 2000) analysiert. 6 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? 3. Entwicklung der gesamten Verteilung der Markteinkommen Die Entwicklung der Einkommensverteilung wird in Tabelle 1 durch verschiedene Maßzahlen beschrieben. Neben dem Verhältnis zwischen dem Durchschnitts- und dem Medianeinkommen 14 sind als summarische Ungleichheitsmaße der Gini-Koeffizient sowie die Entropie-Maße ausgewiesen. 15 Das reale Durchschnittseinkommen blieb in Deutschland von 1992 bis 2001 konstant, das Medianeinkommen sank aber um fast 25%. 16 Entsprechend vergrößerte sich im Verhältnis der Abstand zwischen Mittelwert und Median deutlich, was einen Anstieg der Einkommensungleichheit anzeigt. Die Verteilung der Markteinkommen auf die Einkommens-Dezile 17 zeigt klar, dass die Hälfte der Gesamtpopulation über keine oder nur geringe Markteinkommen verfügt. Mehr als 40% des Markteinkommens entfielen 2001 auf die obersten 10% der Einkommensbezieher. Zudem ist der Anteil dieser Gruppe am Gesamteinkommen im Beobachtungszeitraum erheblich gestiegen. Die wachsende Ungleichheit bei den Markteinkommen zeigt sich auch anhand der anderen, in Tabelle 1 ausgewiesenen summarischen Ungleichheitsmaße. Die stärkste Zunahme ergibt sich beim GE(2)-Maß, das sensitiv auf einen Anstieg der Ungleichheit im oberen Einkommensbereich reagiert. Diese Tendenz spiegelt sich auch in der Entwicklung des Verhältnisses von 90%-Perzentil und Median (P 90/50) wider – hier zeigt sich von 1992 bis 2001 eine Steigerung von über 40%. 18 Innerhalb des obersten Einkommens-Dezils zeigt sich ein deutliches Wachstum bei den absoluten Spitzeneinkommen: P 99,999/90 stieg im Beobachtungszeitraum um rund 10%, während z. B. P 95/90 unverändert blieb. 14 Das Durchschnittseinkommen(arithmetischer Mittelwert) ergibt sich aus der Summe der Einzelwerte, die durch die Anzahl der Einzelwerte geteilt wird; der Durchschnittswert ist relativ stark beeinflusst von extremen Werten(„Ausreißern“). Das Medianeinkommen wird errechnet, indem Einzeldaten der Größe nach geordnet werden; der Wert, der genau in der Mitte liegt(über ihm und unter ihm liegen genau gleich viele Werte) heißt Median. Das Medianeinkommen ist somit das Einkommen, das die unteren 50% der Einkommensbezieher maximal erzielen. 15 Diese Maßzahlen, die unterschiedliche Charakteristika der Verteilung betonen, sind z.B. beschrieben in Becker/Hauser 2003, Formelanhang, sowie in Hauser/Wagner 2002: 311−370. 16 Da nicht erwerbstätige Personen(z.B. Rentner oder Arbeitslose) nur mit ihren Vermögenseinkommen in die Berechnung eingehen, ist das Medianeinkommen relativ niedrig; es lag im Jahr 2001 bei 10.000 Euro. In den neuen Bundesländern ist der Median des realen Markteinkommens im Beobachtungszeitraum noch deutlich stärker gesunken als in Westdeutschland, nämlich von gut 13.000 Euro im Jahr 1992 auf knapp 8.300 Euro im Jahr 2001, vgl. Bach/Corneo/Steiner 2007, Tabelle 4. Dies ist primär auf den starken Rückgang der Erwerbstätigkeit in Ostdeutschland aufgrund hoher Arbeitslosigkeit und Frühverrentung zurückzuführen. 17 Werden Daten in zehn gleich große Teile aufgeteilt, ergeben sich Dezile(Zehntel). Das unterste Dezil(die untersten 10%) heißt 1. Dezil, das oberste 10. Dezil. 18 P 90/50 setzt also das Einkommen, über dem die 10% der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen liegen, ins Verhältnis zum mittleren Einkommen, das die Verteilung der Einkommensbezieher genau in zwei Hälften teilt. ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 7 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Tabelle 1: Verteilung der Markteinkommen 1 in Deutschland, 1992-2001- integrierte Datenbasis Durchschnittseinkommen in Preisen von 2000 2 Arithmetisches Mittel in Euro Median in Euro Relative Differenz in% Gini-Koeffizient 3 Verallgemeinerte Entropie-Maße 3,4 GE(0) GE(1) GE(2) Perzentil-Verhältnisse 90/ 50 95/ 90 99/ 90 99,9/ 90 99,999/ 90 Dezil- bzw. Perzentil-Anteile in% 1.- 5. Dezil 6. Dezil 7. Dezil 8. Dezil 9. Dezil 10. Dezil Insgesamt Top 1% Top 0,1% Top 0,01% Top 0,001% Top 0,0001% 1992 20.044 12.915 55,2 0,581 1,386 0,696 3,991 3,60 1,27 2,23 7,34 118,44 5,41 8,28 11,96 15,59 19,98 38,78 100 11,20 4,18 1,62 0,55 0,16 1995 19.767 11.761 68,1 0,586 1,460 0,699 4,953 4,01 1,29 2,15 6,62 111,42 4,08 8,12 12,26 15,99 20,54 39,00 100 10,64 3,85 1,55 0,59 0,20 1998 19.808 10.615 86,6 0,598 1,492 0,741 6,678 4,55 1,28 2,23 7,01 127,92 3,43 7,58 11,75 15,88 20,84 40,53 100 11,60 4,38 1,83 0,72 0,24 2001 20.028 9.790 104,6 0,606 1,481 0,760 7,474 5,09 1,28 2,24 7,06 130,05 3,02 7,02 11,35 15,89 21,01 41,62 100 11,98 4,56 1,90 0,75 0,24 1995 1998 Index 1992= 100 98,6 91,1 123,3 100,8 105,3 100,4 124,1 111,4 101,2 96,5 90,2 94,1 75,4 98,1 102,5 102,6 102,8 100,6 100 95,0 92,2 95,6 107,3 125,4 98,8 82,2 156,9 102,9 107,6 106,4 167,3 126,3 100,2 99,8 95,6 108,0 63,5 91,5 98,2 101,8 104,3 104,5 100 103,5 104,9 112,6 130,5 152,3 2001 99,9 75,8 189,4 104,3 106,9 109,2 187,3 141,3 100,4 100,4 96,2 109,8 55,9 84,8 94,9 101,9 105,6 107,3 100 106,9 109,2 117,3 135,4 153,0 1 Lohneinkommen(einschließlich Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen), Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit, Vermögenseinkommen ohne Veräußerungsgewinne, ohne öffentliche Renten, Pensionen und Sozialtransfers. 2 Deflationiert mit dem Verbraucherpreisindex. 3 Ohne Fälle mit keinem oder negativem Einkommen. 4 GE(0) ist die durchschnittliche logarithmische Abweichung; GE(1) ist der Theil-Index; GE(2) ist die Hälfte des quadrierten Variationskoeffizienten. Quelle: Bach/Corneo/Steiner(2007), Table 3. 8 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Der Anteil der Bezieher eines sehr hohen Einkommens(Top 1%) am gesamten Markteinkommen ist zwischen 1992 und 2001 leicht angestiegen(von 11,2% auf knapp 12%); dies entspricht prozentual ungefähr dem Wachstum des obersten Dezils(rund 7%). Die Einkommensstärksten(Top 0,001% der Einkommensbezieher) erzielten dagegen einen wesentlich kräftigeren Zuwachs. Diese Gruppe, die 650 Personen umfasst und hier als„ökonomische Elite“ bezeichnet wird, konnte ihren Anteil am gesamten Markteinkommen im Beobachtungszeitraum um ein gutes Drittel(von 0,55% auf 0,75%) steigern. Noch beeindruckender ist der Anstieg des Markteinkommens der„Superreichen“(Top 0,0001% der Einkommensbezieher). Diese kleine Gruppe von 65 Personen konnte ihren Anteil am gesamten Markteinkommen seit 1992 um gut 50% erhöhen(von 0,16% auf 0,24%). Für die Jahre ab 2002 stehen bisher nur die Ergebnisse des SOEP zur Verfügung(Tabelle 2). Demnach hat die Ungleichheit der Markteinkommen bis 2004 weiter zugenommen, was vor allem auf die gestiegene Arbeitslosigkeit, schwache Lohnentwicklung und höhere Gewinn- und Vermögenseinkommen zurückzuführen ist. Allerdings sind die Spitzeneinkommen im SOEP nicht oder nur unvollständig erfasst. Aktuellere Erhebungen der Einkommensteuerstatistik, die inzwischen im Rahmen einer Geschäftsstatistik jährlich erstellt wird, werden genauer zeigen, inwieweit sich die hier aufgezeigten Trends bei den Spitzeneinkommen in den letzten Jahren fortgesetzt haben. ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 9 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Tabelle 2: Verteilung der Markteinkommen 1 in Deutschland von 1992 bis 2004(SOEP-Stichproben A bis F) Durchschnittseinkommen in Preisen von 2000 2 Arithmetisches Mittel in Euro Median in Euro Relative Differenz in% Gini-Koeffizient 3 Verallgemeinerte Entropie-Maße 3,4 GE(0) GE(1) GE(2) Perzentil-Verhältnisse 90/ 50 95/ 90 99/ 90 99,9/ 90 99,999/ 90 Dezil- bzw. Perzentil-Anteile in% 1.- 5. Dezil 6. Dezil 7. Dezil 8. Dezil 9. Dezil 10. Dezil Insgesamt Top 1% Top 0,1% Top 0,01% Top 0,001% Top 0,0001% 1992 1995 1998 2001 2004 1995 1998 2001 2004 Index 1992= 100 18.389 11.628 58,1 0,566 18.563 10.441 77,8 0,579 18.529 9.196 101,5 0,581 19.018 8.735 117,7 0,591 18.378 7.357 149,8 0,605 100,9 89,8 133,8 102,3 100,8 79,1 174,5 102,7 103,4 75,1 202,5 104,4 99,9 63,3 257,7 107,0 1,417 0,591 0,653 1,513 0,620 0,686 1,520 0,619 0,639 1,510 0,636 0,681 1,588 0,666 0,712 106,7 104,8 105,1 107,3 104,6 98,0 106,6 107,6 104,3 112,1 112,5 109,1 3,92 4,49 5,23 5,81 6,87 114,4 133,2 148,2 175,1 1,26 1,30 1,27 1,26 1,27 102,9 100,6 100,1 100,6 1,87 1,86 1,97 1,99 1,94 99,5 105,1 106,5 103,9 3,77 4,12 3,00 3,17 3,24 109,1 79,5 84,0 85,8 -------- 5,42 8,63 12,81 16,65 21,28 35,20 100 21,27 6,58 1,51 4,19 8,22 12,83 16,99 21,58 36,20 100 22,01 6,76 1,32 3,76 7,84 12,74 16,89 22,13 36,65 100 22,21 6,30 1,03 3,35 7,13 12,26 16,94 22,64 37,67 100 22,86 6,79 1,09 2,53 6,36 11,73 17,32 23,40 38,66 100 23,37 6,78 1,08 77,2 95,2 100,2 102,0 101,4 102,8 100 103,5 102,8 87,9 69,3 90,8 99,4 101,4 103,9 104,1 100 104,4 95,8 68,2 61,8 82,6 95,7 101,7 106,4 107,0 100 107,5 103,2 72,2 46,6 73,7 91,5 104,0 109,9 109,8 100 109,9 103,1 71,5 1 Lohneinkommen(einschließlich Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen), Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit, Vermögenseinkommen ohne Veräußerungsgewinne, ohne öffentliche Renten, Pensionen und Sozialtransfers. 2 Deflationiert mit dem Verbraucherpreisindex. 3 Ohne Fälle mit keinem oder negativem Einkommen. 4 GE(0) ist die durchschnittliche logarithmische Abweichung; GE(1) ist der Theil-Index; GE(2) ist die Hälfte des quadrierten Variationskoeffizienten. Quelle: Bach/Corneo/Steiner(2007), Table 3. 10 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? 4. Entwicklung und Zusammensetzung der Spitzeneinkommen Um zu den obersten 10% der Einkommensbezieher zu gehören, war im Jahr 2001 bereits ein(reales) Markteinkommen von 50.000 Euro ausreichend(Tabelle 3). Viele Personen an dieser Einkommensgrenze dürften sich noch der Mittelklasse zurechnen. Das durchschnittliche Markteinkommen im obersten Dezil betrug im Jahr 2001 83.400 Euro. Um unter die obersten 1% der Einkommensbezieher zu kommen, war 2001 ein Markteinkommen von knapp 112.000 Euro erforderlich – bei einem Durchschnittseinkommen in dieser Gruppe von knapp 240.000 Euro. Weit schwieriger war es, die Zugehörigkeit zur ökonomischen Elite zu erreichen: Bei diesen 650 Personen (Top 0,001% der Einkommensbezieher) lag das niedrigste Markteinkommen 2001 bei knapp 6,5 Millionen Euro. Das Durchschnittseinkommen betrug in dieser Gruppe 15 Millionen Euro, was ungefähr dem 1.500-fachen des Medianeinkommens entspricht. Ein Mitglied der ökonomischen Elite konnte sich aber noch relativ arm fühlen im Vergleich zu den 65 Superreichen Deutschlands, die im Jahr 2001 über ein Durchschnittseinkommen von knapp 50 Millionen Euro verfügten. Tabelle 3: Markteinkommen 1 der Spitzenverdiener in Deutschland(n 1 000 Euro zu Preisen von 2000 2 ) 1992 Arithmetisches Mittel aller Markteinkommen Median aller Markteinkommen Durchschnittseinkommen Top 10% Top 1% Top 0,1% Top 0,01% Top 0,001% Top 0,0001% Niedrigstes Einkommen Top 10% Top 1% Top 0,1% Top 0,01% Top 0,001% Top 0,0001% 20,0 12,9 78 225 838 3.252 11.083 31.438 47 104 341 1.401 5.510 18.360 1995 19,8 11,8 77 210 762 3.067 11.721 39.051 47 102 312 1.211 5.258 19.697 1998 2001 1995 1998 Index 1992= 100 19,8 20,0 98,6 98,8 10,6 9,8 91,1 82,2 80 230 868 3.618 14.280 47.230 83 240 914 3.811 14.981 48.152 99,2 93,7 90,9 94,3 105,8 124,2 103,3 102,3 103,7 111,2 128,9 150,2 48 108 339 1.385 6.179 25.456 50 112 352 1.471 6.482 26.256 101,4 97,9 91,5 86,5 95,4 107,3 103,8 103,6 99,3 98,9 112,1 138,6 2001 99,9 75,8 107,3 106,8 109,1 117,2 135,2 153,2 107,1 107,6 103,1 105,0 117,6 143,0 1 Lohneinkommen(einschließlich Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen), Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit, Vermögenseinkommen ohne Veräußerungsgewinne, ohne öffentliche Renten, Pensionen und Sozialtransfers. 2 Deflationiert mit dem Verbraucherpreisindex. Quelle: Bach/Corneo/Steiner(2007), Table 3. ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 11 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Das Markteinkommen der ökonomischen Elite(Top 0,001% der Einkommensbezieher) unterscheidet sich vom Einkommen der Durchschnittsbürger aber nicht nur durch die Höhe, sondern auch durch seine Zusammensetzung(Tabelle 4). Im Jahr 2001 erzielte diese Gruppe nur rund 5% ihres gesamten Markteinkommens aus Löhnen bzw. Gehältern, während dieser Anteil im Bevölkerungsdurchschnitt mehr als 80% und bei den obersten 1% der Einkommensbezieher immerhin noch ein Drittel betrug. Fast 70% des Markteinkommens der ökonomischen Elite entfällt auf Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit, im Vergleich zu durchschnittlich 42% beim obersten 1% der Einkommensbezieher. Die Vermögenseinkommen haben im Jahr 2001 knapp 27% zum gesamten Markteinkommen der ökonomischen Elite beigetragen. In absoluten Zahlen verteilt sich das durchschnittliche reale Markteinkommen dieser Gruppe in Höhe von knapp 15 Millionen Euro im Jahr 2001 auf rund 800.000 Euro Lohneinkommen, 10 Millionen Euro Einkünfte aus unternehmerischer Tätigkeit und 4 Millionen Euro Vermögenseinkommen. Verglichen mit anderen OECD-Ländern ist der Anteil der Lohneinkommen an den sehr hohen Einkommen in Deutschland gering. In den USA betrug er bei den obersten 0,01% der Einkommensbezieher im Jahr 1998 45%, in Frankreich waren es 22%. 19 Der entsprechende Wert für Deutschland lag bei rund 9%. Für Deutschland lässt sich zudem feststellen, dass im Jahr 2001 nach dem Kriterium der überwiegenden Einkommensart nur 4% der ökonomischen Elite als Manager, knapp 55% als Unternehmer und rund 17% als Rentiers klassifiziert werden können. 20 19 Vgl. Piketty/Saez 2003 für die USA, für Frankreich vgl. Piketty 2003. Diese Studien weisen jedoch nur das 0,01%-Perzentil aus und nicht das 0,001%-Perzentil, das unserer Definition der ökonomischen Elite entspricht. 20 Vgl. Bach/Corneo/Steiner 2007; die Abgrenzung erfolgte dabei nach dem Kriterium, ob mindestens 90% des gesamten Markteinkommens auf eine der drei Einkunftsarten Lohneinkommen, unternehmerische Tätigkeit, Vermögenseinkommen entfiel. 12 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Tabelle 4: Komponenten der Markteinkommen 1 der Spitzenverdiener in Deutschland in den Jahren 1992 und 2001(in%) Arithmetisches Mittel Top 10% Top 1% Top 0,1% Top 0,01% Top 0,001% Top 0,0001% 2 Arithmetisches Mittel Top 10% Top 1% Top 0,1% Top 0,01% Top 0,001% Top 0,0001% 2 Insgesamt Lohneinkommen 1992 100 84,2 100 72,7 100 36,6 100 15,0 100 5,8 100 1,9 - 2001 100 83,1 100 73,3 100 42,1 100 22,9 100 11,6 100 5,2 - Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit Zusammen Gewerbe- Freiberufbetrieb licher Tätigkeit 11,3 7,4 3,8 21,3 13,3 8,0 49,4 31,2 18,2 64,1 50,1 14,0 71,3 67,1 4,2 76,4 75,6 0,8 -- 11,4 7,0 4,4 19,7 11,5 8,2 41,8 24,3 17,5 52,0 40,3 11,7 60,5 57,0 3,5 68,3 67,3 1,0 -- Vermögenseinkommen Zusammen Zinsen, Di- Vermietung, videnden Verpachtung 4,6 3,4 1,2 6,0 4,6 1,4 14,0 11,2 2,9 20,9 18,2 2,8 22,8 21,0 1,9 21,7 20,8 0,8 -- 5,5 4,2 1,4 6,9 5,3 1,6 16,1 13,0 3,1 25,2 22,1 3,0 27,9 26,1 1,8 26,6 25,8 0,7 -- 1 Lohneinkommen(einschließlich Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen), Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit, Vermögenseinkommen ohne Veräußerungsgewinne, ohne öffentliche Renten, Pensionen und Sozialtransfers. 2 Keine Angaben aus Geheimhaltungsgründen. Quelle: Bach/Corneo/Steiner(2007), Table 3. ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 13 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Im Zeitraum 1992 bis 2001 ist der Anteil der Lohneinkommen im obersten Einkommensbereich deutlich gestiegen, bei der ökonomischen Elite(Top 0,001% der Einkommensbezieher) von knapp 2% auf über 5%(Abbildung 1). Diese Tendenz ist allerdings kein deutsches Spezifikum. Auch für die USA ist in neueren Studien ein zunehmendes Gewicht des Lohneinkommens an der Spitze der Einkommenspyramide festgestellt worden. 21 Bei dieser Entwicklung spielt die starke Erhöhung der Entlohnung von Top-Managern eine wesentliche Rolle. Abbildung 1 Anteil der Lohneinkommen bei hohen Einkommen, 1992-2001 in% des gesamten Markteinkommens 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 1992 Top 1% 1995 Top 0.1% Top 0.01% Top 0.001% 1998 2001 1992 1995 1998 2001 Top 1% 36,6 40,7 41,7 42,1 Top 0.1% 15,0 17,5 21,0 22,9 Top 0.01% 5,8 6,1 9,2 11,6 Top 0.001% 1,9 1,7 3,3 5,2 1) Income from business activity, wage income, capital income, exclusive public and private pensions. 21 Kopczuk/Saez 2004, Dew-Becker/Gordon 2005. 14 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? 5. Schlussbemerkung Während in den angelsächsischen Ländern bereits in den letzten Jahrzehnten die Einkommensungleichheit stark zugenommen hat, ist diese Tendenz in Deutschland relativ neu. Unsere Untersuchung der Entwicklung der Markteinkommen hat gezeigt, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland im Zeitraum 1992 bis 2001 insgesamt moderat zugenommen hat. Dies wurde auch bereits in früheren Studien festgestellt, doch bieten die hier präsentierten Ergebnisse – aufgrund der integrierten Datenbasis – neue Erkenntnisse zur Entwicklung im obersten Einkommensbereich. Das durchschnittliche reale Markteinkommen ist zwischen 1992 und 2001 konstant geblieben, aber für die Bezieher hoher und höchster Einkommen gab es in diesem Zeitraum nennenswerte Zuwächse. Für die Jahre ab 2002 liegen für Deutschland noch keine verlässlichen Ergebnisse vor. Doch ist in den letzten Jahren die Arbeitslosigkeit weiter gestiegen und die gesamtwirtschaftliche Lohnquote deutlich gesunken, während der Anteil der Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit und Vermögen am gesamten Volkseinkommen zugenommen hat. 22 Die Krise auf dem Arbeitsmarkt und die Einkommensentwicklung in den letzten Jahren 23 deuten somit darauf hin, dass sich die Ungleichheit und Konzentration der Markteinkommen, die für den Zeitraum 1992 bis 2001 herausgearbeitet wurde, in den Folgejahren noch verstärkt hat. 22 Vgl. Bach/Corneo/Steiner 2007, Tabelle 1. 23 Diese Einschätzung bestätigen auch Daten des SOEP zur Entwicklung der Jahreseinkommen bis 2004. ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 15 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Angaben zu den Autoren Dr. Stefan Bach Wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Leiter der Forschungsabteilung „Staat“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung(DIW) Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind empirische Finanzwissenschaft, insbesondere Besteuerung, Mikrosimulationsmodelle. Prof. Dr. Viktor Steiner Univ.-Prof. für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Empirische Wirtschaftsforschung an der Freien Universität Berlin und Leiter der Forschungsabteilung„Staat“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung(DIW) Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Empirischen Finanzwissenschaft und Sozialpolitik. 16 ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 STEFAN BACH/ VIKTOR STEINER NUR ZUWÄCHSE FÜR REICHE? Literatur Autor, David H./Katz, Lawrence F./Kearney, Melissa S.(2005): Trends in U.S. Wage Inequality: Re-Assessing the Revisionists. National Bureau of Economic Research(NBER), Working Paper No. 11627, Cambridge, Mass. Bach, Stefan/Corneo, Giacomo/Steiner, Viktor(2007): From Bottom to Top: The Entire Distribution of Market Income in Germany, 1992−2001. 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ARBEITSPAPIER N° 3 I 2007 19 www.fes.de/integration Arbeitspapier N° 1 Peter Bartelheimer Politik der Teilhabe Ein soziologischer Beipackzettel Arbeitspapier N° 2 Irene Becker Verdeckte Armut in Deutschland Ausmaß und Ursachen Arbeitspapier N° 3 Stefan Bach und Viktor Steiner Nur Zuwächse für Reiche? Die Verteilung der Markteinkommen in Deutschland Die Arbeitspapiere finden Sie auch als pdf-Format unter www.fes.de/integration/inhalt/fach.htm A N A LYS E N KO M M E N TA R E ISB 2 N 0 : 978-3A 89 R 8 B 9 E 2 I T 78 S 5 P A 7 P I E R N° 3 I 2 0 0 7 PROJEKT GESELLSCHAFTLICHE INTEGRATION