Technologietransfer nach China Ein unkalkulierbares Risiko für die Länder der Triade Europa, USA und Japan? Margot Schüller Nach dem Studium der Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft in Bielefeld und Paderborn, Sprach- und Forschungsaufenthalt in China (1983-1985), Promotion zur Wirtschaftsreform Chinas 1989; seit 10/1990 Wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Wirtschaft Chinas am GIGA Institut für Asien-Studien; Arbeitsschwerpunkte: Analyse der Wirtschaftsentwicklung Chinas; aktuelle Forschungsthemen und-projekte: Technologietransfer und Industriepolitik in Asien, Innovationssysteme im internationalen Vergleich; Technologiekooperation zwischen der ASEAN und der EU. Impressum ISBN: 978-3-89892-818-2 1. Auflage Copyright by Friedrich-Ebert-Stiftung Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin Stabsabteilung Redaktion: Tobias Austrup, Dr. Max Brändle, Irin Nickel Gestaltung: Werbestudio Zum weissen Roessl, Schäpe Druck: Druckerei Brandt GmbH, Bonn Printed in Germany 2008 Für die Inhalte der vorliegenden Studie ist die Autorin verantwortlich. Fotonachweise: Philip Date, Albo, Michael Shake, Thibault, Albert Lozano, Ramona Heim, Martin Schweizer, Alysins Patrimonio, amridesign, lookata, Manfred Ament Technologietransfer nach China Ein unkalkulierbares Risiko für die Länder der Triade Europa, USA und Japan? Eine Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung von Margot Schüller Mai 2008 I_ Verzeichnisse Inhaltsverzeichnis Tabellenverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis Zusammenfassung und Schlussfolgerungen Einleitung Technologietransfer im internationalen Kontext_ 1 Begriffsdefinition und theoretische Konzepte_ 1.1 Die rechtliche Basis für den internationalen Technologietransfer_ 1.2 Bestimmungen zum internationalen Technologietransfer in China_ 1.3 Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit_ 2 Diskussion der Wettbewerbskonzepte und Indikatoren der chinesischen Wettbewerbsfähigkeit_ 2.1 Triebkräfte der außenwirtschaftlichen Integration Chinas_ 2.2 Wachsende Wettbewerbsfähigkeit durch Übergang von low tech zu high tech im Außenhandel_ 2.3 Chinas industriepolitische Strategien_ 3 Industriepolitik – Varianten und Einfluss globaler Institutionen_ 3.1 Das japanische Vorbild für die Industriepolitik Chinas_ 3.2 Ziele und Instrumente der chinesischen Industriepolitik_ 3.3 Chinas Industriepolitik: Vergleich mit Japan und Südkorea_ 3.4 Chinas Technologiepolitik_ 4 Technologiepolitische Schwerpunkte und Maßnahmen_ 4.1 Rolle des Technologietransfers aus dem Ausland_ 4.2 Entwicklung der chinesischen high tech-Industrien_ 4.3 Innovationskapazität der chinesischen Wirtschaft und langfristige Innovationsplanung_ 4.4 Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie_ 5 Technologieabsorbierung und Lernen in Produktionsnetzwerken_ 5.1 Technologieabsorbierung in der Automobilindustrie_ 5.2 Technologieabsorbierung in der Elektronikindustrie_ 5.3 Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China_ 6 Dialog zum Technologietransfer zwischen der EU und China_ 6.1 Deutsch-chinesischer Dialog zum Technologietransfer_ 6.1.1 Dialog zum Technologietransfer zwischen den USA und China_ 6.2 Dialog zum Technologietransfer zwischen Japan und China_ 6.3 Kooperation zwischen den Triadeländern und sonstigen Akteuren beim Technologietransfer nach China_ 6.4 Strategien ausländischer Unternehmen im Technologietransfer mit China und Empfehlungen_ 7 Geschäftsumfeld für den Technologietransfer_ 7.1 Empfehlungen_ 7.2 Literaturverzeichnis Seite I 11 13 17 17 21 23 27 27 34 40 43 43 45 47 51 55 55 57 59 61 67 67 68 71 75 75 78 80 82 84 87 87 89 93 I_ Verzeichnisse Tabellenverzeichnis Seite 29 30 31 33 36 36 38 39 40 41 41 41 46 50 51 53 58 59 59 60 63 64 65 69 73 90 1_ Die neun Säulen des Global Competitiveness Index und die sie bestimmenden Faktoren 2_ Global Competitiveness Index, 2006/7 und 2005/6 3_ Chinas nationale Wettbewerbsvor- und-nachteile 4_ Growth CI und Technologieindex, 2003 und 2006 5_ Außenwirtschaftliche Verflechtung ausgewählter asiatischer Länder, 1990 und 2004, in% des BIP 6_ Struktur ausländischer Direktinvestitionen in China, nach Investitionsform, in% 7_ Anteil der Unternehmen mit Auslandskapital am Außenhandel Chinas, 1996-2006, in% 8_ Vergleich der Wachstumsraten der chinesischen und der globalen Importe und Exporte, 2000 und 2006, in% 9_ Die zehn größten Handelspartner Chinas, 2006 10_ Die wichtigsten Exportmärkte Chinas, 2006 11_ Die wichtigsten Importländer Chinas, 2006 12_ Chinas Handelsbilanzdefizit mit ausgewählten Ländern, 2006 13_ Japanische Industriepolitik im Wandel 14_ Chinesische Industriepolitik im Wandel 15_ Vergleichende Übersicht der industriepolitischen Rahmenbedingungen in Japan, Südkorea und China 16_ Vergleichende Übersicht industriepolitischer Instrumente Japans, Südkoreas und Chinas 17_ Chinas Technologieimporte aus den Triadeländern 2004 und 2005 18_ Indikatoren der chinesischen high tech-Industrie, 1998-2004 19_ Die wichtigsten high tech-Industriebranchen, 1998-2004, in Mrd. RMB 20_ Eigentumsstruktur in ausgewählten high tech-Industriebranchen, bezogen auf die industrielle Wertschöpfung 2004, in% 21_ Innovationskapazitäten Chinas im Überblick, 2003 und 2005 22_ F&E-Ausgabenstruktur und Akteure 23_ Chinas Patente am EU- und US-Patentamt(erteilte Patente), 1997-2006 24_ Die zehn wichtigsten chinesischen Automobilkonzerne, 2006 25_ Chinas Importe elektronischer Komponenten, 2006 26_ Kosten und Dauer der Erlangung von Patentrechten in ausgewählten Ländern I_ Verzeichnisse Abbildungsverzeichnis Technologietransfer- vom know how zum know everything_ 1 Chinas Wirtschaftswachstum 1996-2006, in%_ 2 Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen nach China, 1990-2006, in Mrd. US$_ 3 Ausländische Direktinvestitionen, 2006 nach Herkunftsländern, in%_ 4 Entwicklung des chinesischen Außenhandels, 1996-2006, in Mrd. US$_ 5 Entwicklung des chinesischen high tech-Außenhandels, 1998-2005, in Mrd. US$_ 6 Chinas high tech-Außenhandel als Anteil am gesamten Außenhandel mit Industriegütern, 1998-2005, in%_ 7 Zusammensetzung des Technologieimports, 2004, in%_ 8 Ausgewählte high tech-Industriebranchen nach Unternehmensgröße, 2004, Anteile an der 9 industriellen Wertschöpfung, in%_ Innovationssystem: Auslösende Faktoren, Komponenten, Subsysteme und Funktionen_ 10 F&E-Ausgaben ausgewählter Länder, 1994 und 2004, in% des BIP_ 11 Von Produkt- und Markenpiraterie betroffene Unternehmen, unterteilt nach Engagement bzw. 12 Nicht-Engagement in China_ Anmeldung von Schutzrechten in China, unterteilt nach Unternehmensgröße/Anzahl der Beschäftigten_ 13 Technologieschützende Maßnahmen der US-Unternehmen, Anteil der befragten Unternehmen, in%_ 14 Seite 17 34 36 37 39 40 40 58 60 61 62 79 80 84 I_ Verzeichnisse Abkürzungsverzeichnis ADI APA APEC APM ASEAN BDI BIP BMZ BPW CAS DPMA DIHK F&E EPO EU EUCC GATS GATT GCI GPA Growth CI IACC IKT IPR KMU MOFTEC MOFCOM MOST METI Ausländische Direktinvestitionen Asien Pazifik Ausschuss der Deutschen Wirtschaft Asia-Pazific Economic Cooperation Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V. Association of South East Asian Nations Bundesverband der Deutschen Industrie Bruttoinlandsprodukt Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Bruttoproduktionswert Chinese Academy of Sciences Deutsches Patent- und Markenamt Deutscher Industrie- und Handelskammertag Forschung und Entwicklung European Patent Office European Union(Europäische Union) European Union Chamber of Commerce in China General Agreement on Trade in Services General Agreement on Tariffs and Trade Global Competitiveness Index Government Procurement Agreement(Abkommen über öffentliche Beschaffung) Growth Competitiveness Index International Anticounterfeiting Coalition Informations- und Kommunikationstechnologie Intellectual Property Rights(geistige Eigentumsrechte) Klein- und mittelständische Unternehmen Ministry of Foreign Trade and Economic Cooperation Ministry of Commerce(ersetzte MOFTEC im Jahr 2003) Ministry of Science and Technology Ministry of Economy, Trade and Industry I_ Verzeichnisse MITI NBS NDRC NIEs OEM QBPC RMB SIPO TNCs TRIMS TRIPS TPRM UN UNCTAD UNIDO USPTO USTR WEF WIPO WTO Ministry of International Trade and Industry_ National Bureau of Statistics(chinesische Statistikbehörde) National Development and Reform Commission Newly Industrialised Economies Original Equipment Manufacturer Quality Brands Protection Committee Renminbi(chinesische Währung) State Intellectual Property Office(VR China) Transnational Corporations Trade Related Investment Measures(handelsbezogene Investitionsmaßnahmen) Trade Related Intellectual Property Rights(handelsbezogene geistige Eigentumsrechte Trade Policy Review Mechanism United Nations United Nation Conference on Trade and Development United Nation Industrial Development Organisation United States Patent and Trademark Office United States Trade Representative World Economic Forum World Intellectual Property Organisation World Trade Organisation(Welthandelsorgansiation) Zusammenfassung und Schlussfolgerung Zusammenfassung und Schlussfolgerung 1) Der Begriff des Technologietransfers 5) Für die Schlüsselunternehmen in der ist nicht nur sehr vielschichtig, sondern chinesischen Industrie waren staatliche auch mit verschiedenen theoretischen Politikvorgaben und industriepolitische Konzepten und politischen Vorstellungen Förderungen auf zentraler und lokaler verbunden. Mit der wachsenden weltEbene entscheidend für die Verbesserung wirtschaftlichen Bedeutung der Schwelihrer nationalen und internationalen Wettlenländer erhöhen die traditionellen Techbewerbsfähigkeit. Viele der inzwischen nologielieferländer den Schutz innovativer restrukturierten Staatsunternehmen und Produkte und Verfahren im internationalokalen spin offs verfolgen heute verschielen Kontext von Außenhandel und Direktdene Wege der Technologieabsorbierung, investitionen. die auch Unternehmensübernahmen im Ausland einschließen. 2) Obwohl Chinas Wirtschaft seit den letzten zwei Dekaden hohe Wachstums6) Die Triadeländer setzen bei der Techraten aufweist und inzwischen das zweitnologiekooperation, insbesondere beim größte Exportland ist, liegt das Land im Schutz geistiger Eigentumsrechte(Intelinternationalen Vergleich der Wettbelectual Property Rights, IPR), neben bilawerbsfähigkeit noch auf einem hinteren teralen Konsultationen verstärkt auf die Platz. Dies ist insbesondere auf institutioDurchsetzung ihrer Intereressen im Rahnelle Defizite und die relativ geringe Innomen multilateraler Organisationen wie der vationskapazität zurückzuführen. WTO. Allerdings gibt es nach wie vor viele Unterschiede zwischen den Triadeländern 3) Chinas Industriepolitik orientiert sich bei der Frage, wie Chinas Verstöße gegen stark an den erfolgreichen Vorbildern aus IPR behandelt werden sollen, insbesondere der Region, insbesondere an Japan und zwischen den USA und der EU. Neu ist jeSüdkorea, unterliegt seit dem WTO-Beitritt doch die wachsende Bereitschaft der Tria11 jedoch einem starken Anpassungsdruck. deländer, ihre Politik gegenüber China fallWährend diese Länder selbst nach dem weise stärker aufeinander abzustimmen. WTO-Beitritt ihre Industrien vor der ausländischen Konkurrenz noch länger schützen 7) Ausländische Unternehmen aus den konnten, ist dies bei China nicht der Fall. Triadeländern sind in einem unterschiedSo drängen die USA und die EU auf die lichen Maße bereit, Schlüsseltechnologien strikte Einhaltung der WTO-Prinzipien, nach China zu transferieren. Europäische insbesondere, weil die von China ausgeUnternehmen spielen eine Schlüsselrolle hende Herausforderung als höher eingeim Technologietransfer, während japanischätzt wird. sche Unternehmen ihre Zurückhaltung erst unter dem wachsenden Konkurrenz4) Die chinesische Technologiepolitik druck gelockert haben. Auch US-Unterzielt seit Anfang der 1980er Jahre einernehmen waren beim Technologietransfer seits auf die Absorbierung ausländischer eher zurückhaltend und sind durch die Technologien und andererseits auf die strikten Vorschriften ihrer Regierung beim Förderung einer eigenständigen TechnoExport von dual-use- Produkten zusätzlich logieentwicklung. Da die spill-over-Effekte eingeschränkt. beim Technologietransfer mit dem Ausland nicht die erwarteten Ergebnisse zeig8) Zwischen großen und kleinen Unterten, verstärkt die Regierung nunmehr die nehmen aus allen Triadeländern besteht Anstrengungen, technologisch unabhänein Unterschied hinsichtlich der Qualität gig zu werden. ihres strategischen Risikomanagements. Zusammenfassung und Schlussfolgerung Kleinere Unternehmen vernachlässigen oftmals den Schutz ihrer IPR und melden keine Patente in China an. und den illegalen Technologietransfer verhindern können. 9) Auch wenn ausländische Unternehmen nicht in China produzieren, weil sie das Risiko des Technologietransfers nach China für nicht kalkulierbar halten, können ihre Produkte jedoch als Fälschungen auf dem Weltmarkt bzw. auf dem chinesischen Markt auftauchen. Aus China kommen weltweit die meisten gefälschten Produkte, und zwar in zunehmendem Maße auch technisch anspruchsvolle Produkte mit einem hohen Sicherheitsrisiko (Kfz- und Flugzeugteile). Andererseits ist der chinesische Markt für viele ausländische Unternehmen, z. B. in den Branchen Maschinenbau, Elektronik und Chemie aufgrund rückläufiger Dynamik in den traditionellen Märkten von steigender Bedeutung. Um trotz der großen Risiken den Schutz der eigenen Technologien in China zu erreichen, müssen die ausländischen Unternehmen ihr Schutzrechtmanage12 ment verbessern. 10) Die Risiken beim Technologietransfer treten in den verschiedenen Stadien des Engagements in unterschiedlicher Weise in China auf. Daher muss die gesamte Wertschöpfungskette, einschließlich der Zulieferer, Kunden und Wettbewerber sowie der Beschäftigten in Maßnahmen des Schutzrechtsmanagement eingeschlossen werden, um Marken- und Produktpiraterie wirkungsvoll bekämpfen zu können. 11) Mittel- und langfristig werden sich die Rahmenbedingungen für den Technologietransfer für ausländische Unternehmen in China verbessern, auch weil die Regierung stärker gesetzlich darauf einwirken wird, um die Entwicklung innovativer Unternehmen zu fördern. In den nächsten Jahren jedoch werden die ausländischen Unternehmen noch mit der Frage konfrontiert sein, wie sie am besten den unfreiwilligen Einleitung Einleitung Die Länder der Triade, also Europa, die Technologie in joint venture- Unternehmen USA und Japan, dominieren heute die transferieren oder local-content-Auflagen Weltwirtschaft, doch scheint ihre heraus(lokale Fertigungsanforderungen) erfüllen ragende Stellung in zunehmendem Maße mussten. Andererseits waren die ausländidurch den rasanten ökonomischen Aufschen Unternehmen zu diesem unfreiwilstieg der VR China zukünftig in Frage geligen Technologietransfer bereit, da China stellt zu sein. Die Triadeländer haben seit ein enormes Marktpotential bot. Mitte der 1990er Jahre größere Anteile an der Wertschöpfung der verarbeitenden Die öffentliche Diskussion zum TechnoloIndustrie im globalen Kontext an China gietransfer nach China wird jedoch vor alabgeben müssen. Diese Entwicklung wurlem durch die illegalen Praktiken der copy de von einer Verlagerung von Arbeitsplätcats bzw. der Produkt- und Markenpiraten zen in arbeits- und lohnkostenintensiven beherrscht. Diese sind sowohl auf dem chiBranchen der Triadeländer nach China nesischen Markt als auch im Ausland aktiv begleitet. Das Tempo, mit der sich die inund stellen inzwischen nicht nur für austernationale Arbeitsteilung zugunsten des ländische Unternehmen eine Bedrohung Standortes China vollzieht, beunruhigt dar, sondern auch für innovative chineviele Interessengruppen und Politiker in sische Unternehmen. Dass trotz eines an den Triadeländern. internationalen Standards ausgerichteten gesetzlichen Rahmens für den Schutz geisChina hat im Kontext der sich beschleunitigen Eigentums(IPR) erhebliche Verstöße genden Globalisierung die Chancen nutgegen Patente sowie Geschmacks- und zen und durch eine attraktive StandortpoGebrauchsmuster bestehen, erscheint nur litik ausländische Unternehmen ansiedeln auf den ersten Blick erstaunlich zu sein. bzw. die Bedingungen für eine Integration So ist die Übernahme neuer Normen und in globale und regionale ProduktionsnetzWerte, die sich im Westen auch erst im Ver13 werke schaffen können. Diese Erklärung, lauf einer langen Entwicklung ausgeprägt die auf einer Analyse der ökonomischen haben und im heutigen Rechtsverständnis Globalisierungsprozesse beruht, macht jeder Triadeländer widerspiegeln, ein langdoch nur zum Teil deutlich, warum Chinas wieriger Prozess. Unabhängige Gerichte wirtschaftlicher Aufstieg von den Triadeund harte Sanktionen gegen Rechtsverländern als Bedrohung empfunden wird. letzer bilden wichtige Bestandteile für die Vielmehr wird befürchtet, dass China auch Rechtsdurchsetzung, die in China nur in in technologie- und wissensintensiven Ineinem unzulänglichen Maße existierten. dustrien zu einem bedeutenden KonkurEntscheidend für die Rechtsdurchsetzung renten aufsteigen, Unternehmen aus den in China ist das Verhalten der LokalreTriadeländern verdrängen und Arbeitsplätgierungen, die oftmals intensiver für die ze mit hoher Wertschöpfung nach China Realisierung lokaler Interessen als für die ziehen wird. Da die ordnungspolitischen Umsetzung übergeordneter Regelwerke Vorstellungen der chinesischen Regierung eintreten. sich stark an den Erfolgsvorbildern Japan und Südkorea hinsichtlich der Gestaltung Die vorliegende Studie konzentriert sich der Industriepolitik und insbesondere der auf die Frage, inwieweit die Unternehmen Technologiepolitik orientieren, sind diese aus den Triadeländern durch die chinesiBefürchtungen zumindest zum Teil berechsche Technologiepolitik und die illegalen tigt. Für ausländische Unternehmen bePraktiken der Markenverletzer beeinträchdeutete diese Politik, dass sie im Rahmen tigt werden und welche Auswirkungen der Kooperation mit chinesischen Firmen diese Entwicklung für die globale Posi- Einleitung tionierung der Triadeländer haben wird. wicklung und Innovation, die Rolle des Untersucht werden damit einerseits die Technologietransfers mit dem Ausland, die chinesischen Politikmaßnahmen, die ein Politik zur Durchsetzung des IPR-Schutzes derartiges Vorgehen ermöglichen sowie sowie der Stand der Innovationskapazitäandererseits das Ausmaß des illegalen ten der chinesischen Wirtschaft analysiert. Transfers von Technologie durch Missachtung von IPR. Neben den verschiedenen Das Kapitel 5 zeigt anhand von zwei Formen des illegalen Technologietransfers Schlüsselindustrien, der Automobil- und steht das politisch-soziale Umfeld im ZenElektronikindustrie, wie durch Technolotrum der Betrachtung. gietransfer im Rahmen von joint venture-Unternehmen und mit Hilfe industrieDie Studie beginnt in Kapitel 1 mit eipolitischer Maßnahmen die inländischen ner umfassenden Definition des Begriffes Unternehmen neue Technologien und Ma„Technologietransfer“ und der damit vernagement- know how übernehmen und bundenen theoretischen Konzepte. Weiinternational wettbewerbsfähig werden. terhin wird zunächst ein Überblick über die rechtliche Basis für den internationalen In Kapitel 6 wird die Politik der TriadeTechnologietransfer gegeben. Anschlieländer gegenüber China in Bezug auf ßend werden einige der grundlegenden den Technologietransfer dargestellt. Die Bestimmungen zum internationalen TechAnalyse konzentriert sich auf die Position nologietransfer in China diskutiert. zu Fragen der Produkt- und Markenpiraterie sowie zum unfreiwilligen TechnoloIn Kapitel 2 wird die internationale Wettgietransfer im Rahmen ausländischer Dibewerbsfähigkeit Chinas untersucht, worektinvestitionen. Hierbei wird der Dialog bei der Schwerpunkt auf dem Außenhanzum Technologietransfer zwischen der EU del mit technologieintensiven Im- und Exund China, der deutsch-chinesische Diaporten liegt. So kann der Übergang von log sowie der Politikdialog zwischen Japan low tech zu high tech im Außenhandel als und China auf Gemeinsamkeiten hin unwesentlicher Erklärungsfaktor für Chinas tersucht. Neben der Auswertung von Sehöhere Wettbewerbsfähigkeit angesehen kundärdaten fließen die Erkenntnisse der werden. Der Abschnitt untersucht auch Gespräche der Autorin mit Regierungssteldie Rolle der regionalen und internatiolen, Unternehmensverbänden und einzelnalen Produktionsnetzwerke als Triebkraft nen Unternehmen im Sommer 2006 und der außenwirtschaftlichen Integration ChiFrühjahr 2007 in China und Deutschland 14 nas. Es wird gezeigt, dass die Triadeländer in die Darstellung mit ein. aufgrund ihrer herausragenden Position als Handelspartner auch am stärksten von Das Kapitel 7 analysiert die Strategien Problemen im Technologietransfer betrofausländischer Unternehmen im Technofen sind. logietransfer mit China und gibt Empfehlungen an die Unternehmen aus den TriaDas Kapitel 3 untersucht Chinas indusdeländern für best practice. Schwerpunkt triepolitische Strategien. Zunächst werden bilden dabei deutsche Unternehmen und die verschiedenen industriepolitischen Verbände, die in China TechnologietransVarianten vorgestellt und der Einfluss glofer durchführen. Die Analyse und die baler Institutionen wie der WTO auf die Empfehlungen werden ebenfalls durch ErGestaltung der Industriepolitik aufgezeigt. kenntnisse der Autorin aus den Interviews Anschließend wird am Beispiels Japans mit deutschen, japanischen und US-amedargestellt, welchem Vorbild Chinas Inrikanischen Unternehmensverbänden und dustriepolitik folgt. Abschließend werden EU-Experten ergänzt. Abschließend werdie Unterschiede zu westlichen Industrieden Empfehlungen an die Unternehmen staaten und daraus resultierende Konfliktgegeben, die sich auf die verschiedenen potenziale im internationalen Kontext disPhasen ihres Engagements in China beziekutiert. hen. In Kapitel 4 steht Chinas Technologiepolitik im Mittelpunkt. Hierbei werden die Rahmenprogramme für TechnologieentAn dieser Stelle möchte sich die Autorin bei Makbule Top herzlich für ihre Unterstützung bei der Feldforschung in Beijing Einleitung und Shanghai im Jahr 2006 sowie für ihre Literaturrecherchen und deren Auswertung bedanken. Mein Dank gilt auch den verschiedenen europäischen, deutschen, US-amerikanischen und japanischen Verbänden und Unternehmen, mit denen die Autorin Informationsgespräche im Sommer 2006 und im Frühjahr 2007 führen konnte. Dieser Informationsaustausch hat wesentlich zur besseren Einschätzung der Dimensionen des Technologietransfers zwischen den Triadeländern und China beigetragen. Da es sich beim Technologietransfer um ein sehr sensibles Thema handelt, wird auf den ausdrücklichen Wunsch der Befragten weder der Name des Interviewpartners noch der des Unternehmens bzw. der Name der staatlichen oder privaten Institution genannt. Bedanken möchte sich die Autorin auch bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, die diese Studie initiiert und finanziert hat. 15 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext Technologietransfer im internationalen Kontext 1.1 Begriffsdefinition und theoretische Konzepte Der Begriff des Technologietransfers ist sehr vielschichtig und beinhaltet in seiner einfachsten Form die Übertragung von Wissen und seine Anwendung. Rouach(2003: 25) unterteilt den Transfer von Technologie in mehrere Formen und Stufen, wobei die verschiedenen Variablen Einfluss haben, wie schnell und wie intensiv sich die Übertragung von Mindestinformationen bis hin zu Schlüsseldetails vollzieht. Ausgehend von der Stufe der einfachen technischen Beratung(eines Sub-Contractors) und der anschließenden know how-Vermittlung (mit technischer Unterstützung sowie Übertragung von Anwendungen), geht es weiter zu gemeinsamen Forschungsaktivitäten zwischen Unternehmen. Hierbei ist es das Ziel, die Konzepte und Anwendungen zu vermitteln( know why). In der Endphase geht es um die Übertragung von Schlüsseltechnologien bzw. Geschäftsgeheimnissen, also einem vollkommenen Wissenstransfer( know everything), der einen„Boomerang“-Effekt für das Unternehmen auslösen könnte, das Technologie übertragen hat(siehe Abbildung 1). Abbildung 1: Technologietransfer – vom know how zum know everything Anmerkung zu den Variablen des Technologietransfers: Transferformen: 1 Kontrolle über Transfer, 2 Beziehungen, 3 Lernfähigkeit, 4 Geschwindigkeit, 5 Transferkontrolle; Transfertiefe: a Technische Hilfe, b know how, c know why, d know everything, e Bommerang Quelle: Erstellt nach Rouach 2003: 25. 17 Eine detaillierte und international verwendete Definition des Begriffs„Technologietransfer“ liefert die United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD)(UNCTAD 2001: 5-6). Sie definiert Technologie als das systematische Wissen über die Herstellung eines Produktes, die Anwendung eines Verfahrens oder Bereitstellung einer Dienstleistung. Im Mittelpunkt steht das Wissen, das für die Schaffung und Bereitstellung von Produkten oder Dienstleistungen erforderlich ist, nicht das Endprodukt bzw. die Dienstleistung als solche. Das Wissen umfasst nicht nur das technische Wissen, auf dem das Endprodukt basiert, sondern auch die organisatorische Kapazität, um die Inputs zu einem Endprodukt bzw. einer Dienstleistung zusammenzuführen. Darüber hinaus geht es um die unternehmerische Erfahrung und das professionelle know how. Als Technologietransfer werden von der UNCTAD(2001: 6-7) der Prozess und die Transaktionsformen definiert, durch die eine kommerzielle Technologie übertragen wird. Dies kann, muss aber nicht, im Rahmen rechtlich bindender Verträge geschehen. Mögliche Transaktionsformen sind die Bereitstellung von(UNCTAD 2001: 7): • know how und technischem Wissen in Form von Feasibilitätsstudien, Plänen, Diagrammen, Modellen, Anweisungen, Leitlinien, Formeln, allgemeinem oder detailliertem Ingenieurdesigns, Spezifikationen und Ausrüstungen; von Personalausbil- 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext dung sowie Dienstleistungen, die technische Beratung und Managementpersonal involvieren; • technischem Wissen für die Installati on, Operation und das Funktionieren von Fabriken und Anlagen sowie schlüsselfertigen Projekten; • technischem Wissen für die Anschaf fung, die Installation und die Nutzung von Maschinen, Ausrüstungen, Zwischenprodukten und/oder Rohmaterialien, die durch Kauf, Pacht oder auf anderem Wege erworben wurden; und • technischen Inhalten industrieller und technischer Kooperationsvereinbarungen. Kapitalgütern und Lizenzen, um technische Beratung oder OEM-Arrangements. 1 Allerdings weist die UNCTAD(2001: 1213) darauf hin, dass diese Unterscheidung an Bedeutung verloren hat, da zunehmend auch zwischen konkurrierenden Unternehmen strategische Allianzen mit Entwicklung und Anwendung neuer Technologien gebildet werden. Zusätzlich zum Transfer von Wissen im Rahmen von Aktivitäten der TNCs gibt es noch eine Vielzahl anderer Kanäle, über die eine Wissensübertragung erfolgen kann. Dazu zählt Li Hua(2004: 26): • kooperative Forschungsarrangements, Wie diese Auflistung zeigt, umfasst der Begriff des Technologietransfers zwei verschiedene Wissensebenen, und zwar das • Wissenschafts- und Technologiekonferenzen, • Austausch von wissenschaftlichimplizite und das explizite Wissen. Das technischem Personal, implizite Wissen( tacit knowledge) ist das individuelle Erfahrungswissen eines Menschen. Dieses personengebundene Wissen wird nur im Augenblick der Anwendung • Bildung und berufliche Ausbildung von Ausländern, • Förderprogramme der Regierung, offenbar und ist nicht dokumentiert. Da• öffentlich zugängliche Literatur gegen ist das explizite Wissen in verschiedenen Formen dokumentiert(z. B. Patenten, Bedienungsanleitungen, Bauplänen) und nicht an die Person gebunden, sonwie Zeitschriften, Bücher, Artikel, • Exporte von high tech-Produkten und Kapitalgütern, dern auf alle Beteiligten mit dem Zugang • Handelsmessen und Ausstellungen, zu diesem Wissen transferierbar(Gabel • Rekonstruktion von Produkten 2001). Gerade die Übertragung impliziten ( reverse engineering) und Wissens ist es, die den Technologietransfer 18 schwierig gestaltet, denn es fehlen die für • Industriespionage. den Transfer von explizitem Wissen bestehenden Mechanismen. Zu diesem Schluss Diese Liste weist auf ein weiteres Merkkommt beispielsweise Li Hua(2004: xi-xii) mal des Technologietransfers hin, nämin seiner Untersuchung des Transfers von lich, dass dieser beabsichtigt bzw. unbeManagement- know how in sino-ausländiabsichtigt oder freiwillig bzw. unfreiwillig schen Unternehmen des Bausektors. erfolgen kann. Der Technologietransfer ist in der Regel Teil einer geplanten Strategie Im direkten Transfer von Technologie zwivon Unternehmen, durch die bestimmschen Industrie- und Entwicklungslänte Produktionsprozesse in andere Länder dern spielen transnationale Unternehmen ausgelagert oder Produkte an die dortige (TNCs) eine Schlüsselrolle. Der Transfer Marktnachfrage angepasst werden solerfolgt entweder internalisiert durch Tochlen. Im Gegensatz zu diesem freiwilligen terunternehmen, die im Eigentum der Technologietransfer steht der unfreiwilliMuttergesellschaft stehen bzw. von ihr kontrolliert werden, oder externalisiert durch andere Unternehmen. Während im ersten Fall Direktinvestitionen im Vordergrund stehen, geht es beim externalisier1_ Hierbei liefern Unternehmen als original equipment manufacturer Teile von Produkten an andere Unternehmen, die diese Teile dann in ein Endprodukt einbauen und unter ihrem Markennamen absetzen. Möglich ist ten Technologietransfer beispielsweise um Minderheitsbeteiligungen an joint venture-Unternehmen, Franchising, Verkauf von auch, dass Zulieferer Teile herstellen und selbst in einem Produkt einbauen und unter ihrem eigenen Namen verkaufen. http://searchitchannel.techtarget.com/ sDefinition/0,,sid96_gci214136,00.html. 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext ge Technologietransfer, der in erster Linie eine Folge industriepolitischer Eingriffe des Empfängerlandes beim Technologietransfer ist und der die Beziehungen zwischen Technologiegeber und-nehmer verzerrt. Diese politische Dimension des Technologietransfers wurde bereits Anfang der 1960er Jahre im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Aufholprozess von Entwicklungsländern diskutiert. Technologietransfer fand als politischer Leitbegriff bereits auf der ersten Welthandelskonferenz ( UNCTAD 1) Erwähnung und erhielt auf den Folgekonferenzen eine wachsende Bedeutung(Stoll 1994: 12-16; Li-Hua 2004: 2325). Im Rahmen der UN-Forderungen nach einer„Neuen Weltwirtschaftsordnung“ im Jahre 1974 spielte der Technologietransfer aus den Industrie- in die Entwicklungsländer eine wichtige Rolle. Hierbei wurde u. a. diskutiert, wie durch öffentliche Entwicklungshilfe der Mangel an industrieller Technologie in Entwicklungsländern kompensiert werden könnte und welche Lizenzgebühren angemessen wären. derungen der Industrieländer nach stärkerem Schutz ihrer Technologien fanden im Zusatzabkommen des WTO-Regelwerks Eingang, und zwar in Form handelsbezogener Investitionsmaßnahmen( trade-related investment measures, TRIMS) sowie handelsbezogener Aspekte geistigen Eigentums( trade-related aspects of intellectual property rights, TRIPS). Der Technologietransfer hat jedoch nicht nur eine politische Dimension, sondern ist auch Gegenstand verschiedener wachstums- und aussenhandelstheoretischer Ansätze, von denen hier einige in kurzer Form vorgestellt werden. Die wachstumstheoretischen Ansätze versuchen, die Bestimmungsgründe für das unterschiedliche Wachstum von Ländern zu erklären. Hierbei existieren zwei Hauptrichtungen: die neoklassische und die postkeynsianische Wachstumstheorie. Der Hauptunterschied zwischen beiden Erklärungsansätzen liegt in den Annahmen über die Stabilität des kurz- und langfristigen Gleichgewichts. In den 1980er Jahren führte der wirtschaftTechnologie spielt sowohl in der neoklasliche Aufstieg Japans, aber auch einer Reisischen Wachstumstheorie als auch im he südostasiatischer Länder und ÖkonoZusammenhang mit der Entwicklung der mien, zu einer veränderten Einschätzung „Neuen Wachstumstheorie“ eine Schlüsdarüber, ob Technologietransfer in die selrolle. Als wohl bekanntester Vertreter Entwicklungsländer tatsächlich im Rahder neoklassischen Wachstumstheorie vermen der Entwicklungskooperation geförwies Robert Merton Solow bereits Ende dert werden sollte. Der Erfolg der Länder der 1950er Jahre auf Technologie als wichin Ostasien wurde(vorwiegend) auf klastigsten Inputfaktor für das gesamtwirt19 sische Elemente des Technologietransfers schaftliche Wachstum neben Arbeit und wie Lizenzen, joint venture-Unternehmen, Kapital. Um die bei Annahme sinkender Lohnveredlungsproduktion, aber auch Skalenerträge von Arbeit- und Kapitalinz. T. auf den Einsatz illegaler Mittel wie puts erreichte Grenze des Wachstums zu Produktpiraterie, zurückgeführt. In der überwinden, ist technologischer Fortschritt internationalen Diskussion stand in den unentbehrlich. Die Herkunft der TechnoloFolgejahren einerseits die Frage, wie die gie bzw. des technischen Fortschritts wurnationale Position auf globalen Märkten de allerdings in diesem Ansatz von Solow durch Technologiepolitik gestärkt werden nicht erklärt, sondern als von außen(exokann. Andererseits wurde aufgrund des gen) vorgegeben betrachtet. wachsenden Wettbewerbsdrucks durch die emerging markets, insbesondere in Asien, vor allem in den USA gefordert, den internationalen Handel mit Hilfe von Sanktionsmaßnahmen fairer zu gestalten 2 (Stoll 1994: 34-40). 2_ Die USA knüpften damit an das 1974 beschlossene nationale Handelsgesetz an, das im§ 301 eine Sanktionierung von ausländischen Handelspraktiken vorsieht, die als wettbewerbsbeschränkend und unfair eingestuft werden. Durch den Omnibus Trade and Competitiveness Die Frage des Technologietransfers wurde in den 1990er Jahren im internationalen Act aus dem Jahre 1988 wurden die Sanktions- und Eingriffsmöglichkeiten noch deutlich erweitert. Der USTR wurde angewiesen, gegen Länder mit unfairen Kontext in den Uruguay-Verhandlungsrunden des General Agreement on Tariffs and Trade(GATT) neu diskutiert. Die ForHandelspraktiken(§ Super 301) oder unzureichendem Schutz geistigen Eigentums(§ Special 301) vorzugehen und Verhandlungen mit diesen Ländern aufzunehmen (Stoll 1994: 42-44). 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext Erst die„Neue Wachstumstheorie“, die für ein selbsttragendes Wachstum sind steigende Skalenerträge unterstellt, ver(Herzog 1994: 168; Top 2007: 24). sucht Technologie und Humankapital als endogen für das Wachstum zu erklären. Abschließend soll noch auf zwei theoretiBeispielsweise stellt das von Lucas(1988: sche Ansätze der Außenwirtschaftstheorie 3-42) entwickelte Modell die Rolle des Huhingewiesen werden, die den Technolomankapitals für das Wirtschaftswachstum gietransfer im Kontext von Modellen des in den Vordergrund(Doepke 2007: 2), internationalen Wettbewerbs behandeln. andere Modelle berücksichtigen explizit Diese sind der Produktlebenszyklus- und Ausgaben für Forschung und Entwicklung der technology gap-Ansatz. Der Produkt(F&E). Romer(1990: 73) geht beispielslebenszyklusansatz bildet die Technologieweise davon aus, dass technisches Wispotenziale zwischen den Industrie- und sen durch Lern- und Übertragungseffekte Entwicklungsländern ab und fragt aus auch von anderen genutzt werden kann der betriebswirtschaftlichen Perspektive, (dazu auch Frenkel und Hemmer 2001; wann es vorteilhafter ist, die Produktion Top 2007: 19-23). Insgesamt gelten fol„freier“ Produkte in Entwicklungsländer gende Faktoren als Auslöser für endogezu verlagern. Dieser Ansatz geht davon nen technologischen Fortschritt: 1) Invesaus, dass Produkte verschiedene Lebenstitionen in F&E, 2) spill over-Effekte von phasen durchlaufen, die spezielle InputF&E als positive technische Externalitäten, faktoren(Arbeit, Kapital, Technologie) in 3) Lernen neuer Technologien und 4) deunterschiedlicher Zusammensetzung bemand pull- sowie supply push-Faktoren; nötigen. In der Innovationsphase sind hoch hierbei wird davon ausgegangen, dass qualifizierte Arbeitskräfte für die EntwickInnovation vom Markt bzw. der Nachfralung eines neuen Produktes erforderlich, ge gefordert oder auf der Angebotsseite und es werden Monopolgewinne erzielt, durch staatliche Subventionen gefördert sodass die Produktion im Inland lohnend wird(Voß et al. 2003: 10). ist. In der Ausreifungsphase eines Produktes, die von Produktimitation durch in- und Der internationale Technologietransfer als ausländische Anbieter geprägt ist, bietet Motor des Wirtschaftswachstums ist ebensich der Aufbau zusätzlicher Produktionsfalls in einen theoretischen Kontext eingestätten mit günstigeren Preisstrukturen im bettet. Rosenberg(1982: 245) hebt beiAusland an, um die Marktposition aufrecht spielsweise die zentrale Rolle des Imports zu erhalten. In der Sättigungsphase dagevon ausländischer Technologie für das gen, in der das Produkt als standardisierte 20 Wirtschaftswachstum in Europa hervor. Massenware hergestellt wird, ist die VerFür die stetige Anpassung und Diffusion lagerung in Entwicklungsländer aufgrund von Technologie sei es entscheidend geder niedrigen Gewinnmargen vorteilhafwesen, dass das Qualifikationsniveau der ter. Nach dieser Phaseneinteilung konzenArbeitskräfte verbessert wurde. Die hohen triert sich der Technologietransfer bzw. die Anforderungen an die technische KomDiffusion von Technologie im Rahmen der petenz und Probleme bei der Gestaltung Produktionsverlagerung vor allem auf die anreizkompatibler institutioneller RahPhase der Standardisierung von Produkmenbedingungen erklären gleichzeitig die ten.(Dong 2003: 38; Top 2007: 26-27). Grenzen einer Diffusion von Technologie durch internationalen TechnologietransDer technology gap-Ansatz kann ebenfalls fer. Die Kosten begründen, dass vor allem der Außenwirtschaftstheorie zugeordTNCs die wichtigsten Akteure im internet werden. Dabei wird zwischen einem nationalen Technologietransfer sind(Top technologisch führenden Land, das einen 2007: 22). Den Zusammenhang von TechWettbewerbsvorteil besitzt, und solchen nologietransfer über ausländische DirekLändern unterschieden, die dem Markttinvestitionen(ADI) und endogenem techführer technologisch nachfolgen wollen. nologischen Fortschritt versucht Herzog in Die Existenz eines(zeitlich begrenzten) einem Modell nachzuweisen. Die Autorin technischen Monopols begründet nach kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass Posner(1961: 323-341) die Motivation, Verbesserungen des Humankapitals und Außenhandel zu betreiben und die techdes Technologiepotentials zwar notwendinologische Lücke gegenüber anderen Länge, aber nicht ausreichende Bedingungen dern aufrecht zu erhalten. Dies ist eine zu- 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext sätzliche Erklärung für die Entwicklung des 52-53; 81-87). Wie sich diese Position Außenhandels, die über die im Heckscher der USA von der anderer Industrieländer Ohlin-Modell gegebene Argumentation unterscheidet bzw. in der Praxis auswirkt, hinausgeht. Dies zuletzt genannte Modell wird im Abschnitt 6.2 untersucht. Im Folverweist auf die Unterschiede in der relagenden wird der allgemeine rechtliche tiven Faktorausstattung als entscheidende Rahmen für den privatwirtschaftlichen Motivation, Außenhandel zu betreiben Technologietransfer näher betrachtet. Fra(Top 2007: 25). Mit Rückgriff auf den techgen der zwischenstaatlichen Technologienology gap-Ansatz herrschte beispielsweikooperation und damit verbundene Konse in den 1960er Jahren die Vorstellung zepte werden nicht berücksichtigt. von Deutschlands technologischer Lücke gegenüber den USA vor. Die Ausweitung Die rechtlichen Bestimmungen über den der F&E-Kapazitäten wurde als notwenTechnologietransfer stützen sich im Wedige Maßnahme angesehen, diese Lücke sentlichen auf drei Säulen: das Vertragszu schließen(Legler und Krawczyk 2007: recht, das geistige Eigentumsrecht und 25-26). auf politische Vorgaben, die sich beispielsweise im Anti-Monopolgesetz oder in einzelnen gesetzlichen Instrumenten 1.2 Die rechtliche Basis für den internationalen Technologietransfer widerspiegeln(Heath und Liu 2002: ix). Das Wissen, auf dem Technologie basiert, wird durch die Definition der IPR von einem öffentlichen Gut in ein geschütztes exklusives Rechtsgut umgewandelt, das Der internationale Technologietransfer dem Eigentümer ein zeitlich und räumlich wird als wesentlicher Auslöser für den begrenztes Monopol für die kommerzielwirtschaftlichen Aufstieg einer Reihe le Verwertung erlaubt(WTO o.J.). Blume von Entwicklungsländern seit Beginn der (2006: 33) verweist darauf, dass für geisti1970er Jahre angesehen. Der Wettbewerb ge Eigentumsrechte auch der umfassende um ausländische Direktinvestitionen als ei- Begriff des gewerblichen Rechtsschutzes nem der wichtigsten Vehikel des Technobenutzt wird. Dieser erstreckt sich auf logietransfers verstärkte sich in den letzten Patente, Gebrauchsmuster(Technik), GeDekaden zunehmend. Viele Entwicklungsschmacksmuster(Design), Schriftzeichenländer bauten administrative Hürden ab schutz(Schriftendesign), Halbleiterschutz und liberalisierten ihr Wirtschaftssystem. (Chip-Oberflächenschutz), Sortenschutz Allerdings stellte der internationale Tech(Pflanzen, Saatgut) und das Urheberrecht, 21 nologietransfer die dominante Marktposidas sich eher auf kulturelle Produkte(Lition von Unternehmen aus den Industrieteratur, Kunst, Film etc.) bezieht. Auch ländern bzw. ihre komparativen Vorteile in das Kennzeichnungsrecht(Marken z. B. Frage. Diese Länder führten deshalb eine für Produkte, Dienstleistungen und UnVerbesserung des rechtlichen Technologieternehmenskennzeichen) zählt zum geschutzes auf nationaler Ebene ein und forwerblichen Schutzrecht. Während der derten diesen ebenfalls im globalen KonMarkenschutz nach Anmeldung bei den text über die Regelwerke internationaler zuständigen Ämtern in China regelmäßig Organisationen. verlängert werden kann, gilt für gewerbliche Schutzrechte eine Laufzeit von 10Die USA, die als Technologielieferant eine 30 Jahren; beim Urheberrecht läuft der Schlüsselrolle besaßen und aufgrund ihSchutz bis 70 Jahre nach dem Tod des rer enormen Marktmacht entscheidenden Urhebers. Zwar sind auch Betriebs- und Einfluss auf die GATT-Verhandlungen in Fabrikationsgeheimnisse IPR, die rechtlich der Uruguay-Runde(1986-1993) hatten, geschützt werden können, doch werden waren besonders darauf bedacht, den sie nicht registriert. Technologieabfluss international zu kontrollieren und gleichzeitig auf der Basis naDer Schutz von Innovationen durch Patentionaler Entscheidungskriterien einschränte bildet den wichtigsten Anreiz für Unken zu können. Sie begründeten dabei ternehmen, Investitionen zur Entwicklung ihr restriktives Vorgehen mit dem Erhalt neuer Produkte und Verfahren vorzunehder„nationalen Sicherheit“(Stoll 1994: men. Es kann davon ausgegangen werden, 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext dass ohne ausreichenden Patentschutz aldes Warenhandels(GATT) und des Dienstternative Mechanismen zur Sicherung der leistungshandels(GATS), sondern in den Gewinne aus F&E-Investitionen bevorzugt Zusatzabkommen auch Verstöße gegen werden, um Erfindungen geheim zu halhandelsbezogene Investitionsmaßnahmen ten. Dies hätte eine geringe Diffusion von (TRIMS) und gegen handelsbezogene AsWissen zur Folge. Auch Lizenzverträge pekte geistigen Eigentums(TRIPS). Bestimwürden nicht attraktiv sein. Das Ergebnis mungen zum Technologietransfer haben wäre gesamtwirtschaftlich negativ, denn in der WTO zwei verschiedene Funktionen: es würde zu wenig geforscht bzw. die Einerseits sollen die Industrieländer dazu Forschung auf Erfindungen konzentriert, angehalten werden, Technologietransfer die nur dem Erfinder selbst nutzen. Wähin die Entwicklungsländer zu ermöglichen rend die Schlüsselrolle von Patenten für bzw. Hemmnisse für Technologietransfer die Innovation unumstritten ist, hängt es abzubauen(Art. 31 und Art. 40 Abs. 3 von der Gestaltung des Patentrechts ab, TRIPS-Abkommen). Mit diesem Abkomob davon die richtigen ex ante-Anreize men gelten verbindliche Regeln für den für Innovationen und ex post-Anreize für Umgang mit Patenten, für die eindeutige die effiziente Nutzung dieser Innovationen Definition der Patentform(z. B. Produkte ausgehen. Es gibt zwei Möglichkeiten, oder Verfahren) oder der technischen Andiesen trade off zu lösen: zum einen eine forderungen(z. B. neu im Sinne des gelängere Patentlaufzeit oder zum anderen genwärtigen Stands der Technik). eine größere Patentbreite, durch die ähnliche Erfindungen stark beschränkt werden. Andererseits wird im TRIMS-Abkommen Unter Berücksichtigung der Möglichkeit, ein von staatlicher Seite geforderter TechLizenzen zu vergeben, werden eng definologietransfer untersagt. Damit wird das nierte Patente mit langen Laufzeiten vom Diskriminierungsverbot des GATT aus dem Erfinder bevorzugt, um potentielle ImitatoJahr 1994 im Art. III Abs. 4 konkretisiert ren abzuschrecken. Durch die relativ nied(Walter 2006: 189-190; Steinbach 2004: rigen Lizenzgebühren für diese Patente 67-77). Danach gelten bestimmte Investiwird Wissen gleichzeitig stärker verbreitet, tionsmaßnahmen, die im Anhang des Abund es werden damit Überlappungen von kommens im Einzelnen aufgeführt sind, F&E-Investitionen vermieden(Eger 2006: als unzulässig. Die staatliche Vorgabe von 81-91). inländischen Produktionsanteilen(Inlandsfertigungsvorbehalte) bzw. local contentObwohl eine weitgehende Harmonisierequirement ist prominentes Beispiel für 22 rung der Grundsätze von IPR stattgeeine diskriminierende Investitionsmaßnahfunden hat, die sich in internationalen me(Schüller 2006b: 2). Abkommen widerspiegelt, heben Heath und Liu(2002: ix) hervor, dass der TechUm die TRIMS-Regeln anwenden zu könnologietransfer nach wie vor stark von nen, muss allerdings staatliches Handeln der nationalen Gesetzgebung geprägt ist. im Zusammenhang mit unfreiwilligem Eine Schnittstelle zwischen IPR und WettTechnologietransfer vorliegen bzw. dokubewerbsrecht im internationalen Kontext mentiert werden. Selbst bei Staatsunterexistiert aus ihrer Sicht in Bezug auf Linehmen ist dieser Nachweis nicht einfach zenzverträge im Artikel 40 des TRIPS-Abzu erbringen. Nur wenn eine staatliche kommens, dem WTO-Zusatzabkommen. Einflussnahme auf UnternehmensentAls Nachfolgeorganisation des GATT hat scheidungen bewiesen werden kann, ist die multilaterale governance-Struktur der ein Bezug zu TRIMS herstellbar. Ein weiWTO eine zentrale Bedeutung für die Deterer Engpass ist die Rechtsdurchsetzung. finition und Durchsetzung handels- und Dies gilt beispielsweise, wenn ehemals dienstleistungsbezogener IPR. diskriminierende Maßnahmen eines unfreiwilligen Technologietransfers formal Das GATT-Abkommen beschränkte sich aufgehoben wurden, aber in der Praxis mit anfänglich nur auf tarifäre Handelshemmdem Hinweis des Staates auf die Möglichnisse, und erst schrittweise wurden auch keit von Neuverhandlungen für ausländiandere Barrieren des globalen Handels sche Unternehmen bestehen bleiben(Waleinbezogen. Die im Jahre 1994 gegründeter 2006: 191). Der derzeitige multilaterale te WTO regelt dagegen nicht nur Fragen Rechtsrahmen ist nur unzureichend geeig- 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext net, das Problem des unfreiwilligen TechDienstleistungen(Huck 2005: 7-8). Das nologietransfers bei ausländischen DirekVertragsgesetz sowie alle sonstigen auf tinvestitionen zu regeln. Anders als beim die Außenwirtschaft bezogenen rechtWTO-Zusatzabkommen zur öffentlichen liche Bestimmungen mussten mit dem Beschaffung(Government Procurement WTO-Beitritt Ende 2001 an internationale Agreement), bei dem die Mitgliedschaft Rechtsstandards angepasst werden. Der für die Länder eine klare Verpflichtung neugeordnete Rechtsrahmen weist nach zur Einhaltung der Regeln bedeutet, gibt Pattloch(2003: 1) allerdings nach wie vor es kein entsprechendes Zusatzabkommen eine für den ausländischen Investor kaum beim unfreiwilligen Technologietransfer überschaubare Vielzahl von Gesetzen und im Zusammenhang mit ausländischen DiVerordnungen verschiedener Ministerien rektinvestitionen. auf und enthält eine Reihe von Diskriminierungselementen gegenüber ausländiAbschließend wird noch kurz auf das Exschen Unternehmen. portkontrollrecht hingewiesen, das im internationalen Technologietransfer ebenDie Neuregelung des grenzüberschreitenfalls eine Rolle spielt. Dies wird als die Geden Technologietransfers erstreckt sich samtheit internationaler, europäischer und u. a. auf den Im- und Export von Technationaler Rechtsnormen verstanden, die nologie. Bis zum 1.1.2002 unterlagen Verbote, Beschränkungen und Kontrollvergrenzüberschreitende Technologietransfahren begründen. In Deutschland bezieht fers einem strengen Lizenzierungssystem. sich das Exportkontrollrecht auf die euroVerwaltungsbestimmungen regelten Techpäische Verordnung über die Ausfuhr von nologieimporte und –exporte, die entGütern und Technologie mit doppeltem sprechenden Verträge mussten bei den Verwendungszweck aus dem Jahr 2000, Verwaltungen registriert werden, und in auch dual use-Verordnung genannt, auf den Durchführungsbestimmungen für völkerrechtliche Verträge wie den Nichtchinesisch-ausländische Unternehmen verbreitungsvertrag, Exportkontroll-Rewurde die Art des Technologietransfers gime(z. B. die Nuclear Suppliers Group, bei der Gründung, Umstrukturierung oder die den Export von dual use-fähiger NukleAuflösung eines Gemeinschaftsunternehartechnologie kontrolliert), auf Embargos mens festgelegt. Die strenge Lizenzieder EU und der UN sowie auf nationaler rungspflicht für Technologieimporte sollte Ebene auf das Außenwirtschaftsgesetz verhindern, dass Technologie eingeführt und die Außenwirtschaftsverordnung wurde, die aus Sicht der Zentralregierung (Huck 2005: 6-7). nicht erforderlich bzw. schon vorhanden 23 war. Rechtliche Grundlagen für die Genehmigung eines Technologietransfers 1.3 Bestimmungen zum internationalen Technologietransfer durch das MOFTEC(Ministry of Foreign Trade and Economic Cooperation), das im Jahr 2003 im MOFCOM(Ministry of Commerce) aufging, waren das Vertrags-, Marin China ken- und Patentgesetz. Mit Beginn der außenorientierten Reformpolitik Anfang der 1980er Jahre wurde der Technologietransfer zum Gegenstand verschiedener Gesetze und Bestimmungen. Erst das Vertragsgesetz von 1999 stellte jedoch eine moderne Rechtsgrundlage für den Technologietransfer dar. Dieses Gesetz führte im Kapitel 18 verschiedene Formen der Technologieverträge auf, die sich in vier Gruppen unterteilen lassen: 1) Verträge zur Entwicklung von Technologie, 2) Verträge zur Übertragung von Technologie, 3) Verträge über technische Beratung und 4) Verträge über technische Ausländische Unternehmen wurden beim Technologietransfer auf verschiedene Weise diskriminiert: Für die endgültige Genehmigung eines Technologietransfers war die Vorlage einer Durchführbarkeitsstudie bei den zuständigen Verwaltungen erforderlich, die sehr ausführlich und zeitaufwendig alle Verträge überprüften und wenig transparent arbeiteten. Das bis zum WTO-Beitritt bestehende Lizenzierungssystem hatte u. a. den Nachteil, dass hierdurch die Höhe der Lizenzgebühr und die Vertragslaufzeit über einen Technologietransfer beschränkt wurden. Die Ver- 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext tragslaufzeit lag bei 10 Jahren, auch bei fen die Ein- oder Ausfuhr von Produkten, Patentlaufzeiten. Nach Ende der Laufzeit die die nationalen Sicherheit oder das Lefiel die Technologie dann automatisch an ben und die Gesundheit der Bevölkerung den Lizenznehmer. Diese Auflagen haben gefährden, die Umwelt zerstören oder in sich mit der Neuregelung des Technolointernationalen Verträgen genannt sind gietransfers auf der Grundlage der Ver(Pattloch 2003: 6-16). waltungsbestimmungen für den Technologieimport und-export vom 18.12.2001 Die Bewertung der gesetzlichen Neuregeverändert(Pattloch 2003: 1-6). Im neuen lung des Technologietransfers durch ausgesetzlichen Regelwerk für den Technoländische Experten fällt deutlich positiver logietransfer ist der Anwendungsbereich aus als die der zuvor bestehenden rechtlisehr umfassend definiert und enthält u. a. chen Rahmenbedingungen. Generell wird Handel, Investitionen, Patentrechte, Lizenauf die größere Rechtssicherheit und Auzierung von Patentrechten, Markenrechte, tonomie der Vertragsparteien verwiesen. technische Dienstleistungen, Software und So können bei freien Technologien die Franchising. Im Gegensatz zu der früheHöhe der Lizenzgebühren sowie die Laufren Regelung wird keine Unterscheidung zeiten der Technologieverträge eigenstänmehr zwischen nationalem und grenzüdig vereinbart werden, und die Technoberschreitendem Technologietransfer gelogie fällt nach Vertragsende nicht mehr macht. Die Bestimmungen fordern auch automatisch an die chinesische Vertragsnicht mehr, dass die importierte Technoseite. Der nach wie vor bestehende Zwang logie fortschrittlich, preisgünstig oder für zur Registrierung, die Fragen der Haftung China geeignet sein muss. Allerdings wird und die Zahlung von Lizenzgebühren, darauf hingewiesen, dass fortschrittliche wenn die Abnahme der Technologie durch Technologie von der Regierung geförVerschulden des Lizenznehmers nicht zudert wird. Die Einteilung der Technologie stande kommt, sind Vertragsaspekte, die erfolgt auf der Basis einer verbindlichen weiterhin als problematisch eingeschätzt Liste in drei Kategorien, nämlich, freie, werden. Auf den ausländischen Technobeschränkte und verbotene Technologie. logiegeber kommen möglicherweise auch Die Kategorisierung bestimmt die Anhohe Anforderungen bei den Testläufen forderungen an die Registrierungs- oder hinsichtlich Dokumentationsmaterial, Genehmigungsverfahren. Während bei Ausrüstungen und technischer Hilfe zu, freien Technologien – die den Hauptanso dass entsprechende Vereinbarungen teil aller Technologien ausmachen- der vorher detailliert festgelegt werden sollten 24 Importeur lediglich im online-Verfahren (Pattloch 2003: 21-25). eine Registrierung durchführen muss, ist bei den beschränkten Technologien eine Neben dem Vertragsgesetz haben vor alGenehmigung durch MOFCOM bzw. in lem das Patent- und Markenrecht Einfluss bestimmten Fällen auch durch MOST(Miauf den Technologietransfer. Mit dem nistry of Science and Technology) erforderWTO-Beitritt mussten folgende Gesetze lich. Zu den beschränkten Technologien im IPR-System revidiert und den internatiund Verfahrensweisen zählen u. a. Exporte onalen Standards angepasst werden(Levy von Biotechnik, Medizin- und Agrartech2007: 32): nik, Chemie, Elektrotechnik, Lebensmitteltechnik sowie Technologien, die in der • Markengesetz(Trademark Law 1982), Luft- und Raumfahrt eingesetzt werden. überarbeitet 1993 und 2001; Beim Import von beschränkten Technolo• Patentrechtsgesetz(Patent Law 1984), gien gelten Restriktionen für Chemieeinfuhren sowie für die Wirtschaftsbranchen und –bereiche Erdölraffinerie, Petrocheüberarbeitet 1992 und 2000; • Regelungen zu den IPR im Zivilrecht mie, Biochemie, Gentechnologie und (General Principles of Civil Law 1986); Münzprägung. Technologieimporte und • Urheberrechtsgesetz(Copyright Law exporte müssen allgemein in Übereinstimmung mit der Handels-, Technologie- und Industriepolitik der Regierung stehen und die Entwicklung von high tech-Industrien 1990), überarbeitet 2001; • Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (Law of the People‘s Republic of China fördern. Verbotene Technologien betrefagainst unfair Competition 1993); 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext • Regelungen im Strafrecht über die Verletzung von IPR(Amended Criminal Law 1997); • Vertragsgesetz(Contract Law1999), überarbeitet 2005. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Begriff des Technologietransfers nicht nur sehr vielschichtig ist, sondern auch mit verschiedenen theoretischen Konzepten und politischen Vorstellungen verbunden wird. Mit der wachsenden weltwirtschaftlichen Bedeutung der Schwellenländer beanspruchten die traditionellen Technologielieferländer einen stärkeren Schutz ihrer innovativen Produkte und Verfahren im internationalen Kontext von Außenhandel und Direktinvestitionen. Dieser Schutz sollte über multilaterale Institutionen wie die WTO oder die World Intellectual Property Organisation(WIPO) durchgesetzt werden. 25 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit In diesem Kapitel steht die internationale Wettbewerbsfähigkeit Chinas im Vordergrund der Betrachtung. Zunächst werden der Begriff der Wettbewerbsfähigkeit diskutiert sowie verschiedene Indikatoren dazu vorgestellt. Anschließend wird Chinas Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel untersucht. Schwerpunkte sind dabei die Struktur der technologieintensiven Imund Exporte sowie die globale Verschiebung der Wertschöpfungsanteile in der verarbeitenden Industrie. Land auf eine Verschlechterung der Realeinkommen bzw. des Lebensstandards des Landes mit sinkender Produktivität aus, komparative Vorteile bei der Produktion bestimmter Produkte bleiben jedoch bestehen und machen den Handel nach wie vor lohnend. Durch Veränderungen der Wechselkurse werden in diesem klassischen Ansatz der reinen Theorie des internationalen Handels Ungleichgewichte zwischen Export und Import automatisch korrigiert(Preuße 2001: 2). Verschiedene Einwände gegen dieses Ver2.1 Diskussion der Wettbewerbskonzepte und Indikatoren der chinesischen ständnis des internationalen Wettbewerbs von Volkswirtschaften beziehen sich u. a. auf die Frage der internationalen Faktorwanderungen, denn eine Internationalisierung der Produktion kann im Rahmen Wettbewerbsfähigkeit dieses Ansatzes nicht erklärt werden. Hier kann jedoch auf die Untersuchungen über Die wachsende weltwirtschaftliche Bedeudie Aktivität multinationaler Unternehmen tung Chinas steht im Mittelpunkt vieler von Porter zurückgegriffen werden, der Diskussionen über die Chancen der Glounternehmensspezifische Aspekte mit länbalisierung für Entwicklungsländer und derspezifischen Charakteristika verbindet deren Rückwirkungen auf die Industrie(Porter 1991: 26): 27 länder. Hierbei wird oftmals der Begriff der „internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ „Wettbewerbsfähigkeit auf Landesebene herangezogen, der als catch word vielfältimacht inhaltlich nur als nationale Produkge Bedeutungen hat. tivität Sinn. Ein steigender Lebensstandard hängt von der Fähigkeit der Unternehmen Der Sachverständigenrat(2005: 350-354) eines Landes ab, ein hohes Produktivitätsunterscheidet 1) die internationale Wettniveau zu erreichen und die Produktivität bewerbsfähigkeit von Unternehmen, die mit der Zeit zu erhöhen. Unsere Aufgabe miteinander konkurrieren und 2) die inist zu verstehen, warum das eintritt.“ ternationale Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften/Ländern. Diese stehen Porter fordert, sich auf die Bestimmungsim Gegensatz zu Unternehmen nicht im faktoren der Produktivität und auf eindirekten Wettbewerb, so dass sie nicht zelne Branchen und Branchenbereiche wie Unternehmen im Extremfall aus dem bei der Bewertung der internationaMarkt ausscheiden. Der Wettbewerb über len Wettbewerbsfähigkeit zu konzentrieden internationalen Handel wird damit ren. nicht als Nullsummenspiel angesehen, sondern als vorteilhaft für alle Länder, da Aus der Perspektive der internationalen sie sich im Außenhandel spezialisieren Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschafkönnen. Nach diesem zweiten Konzept ten betont der Sachverständigenrat die wirkt sich die relative gesamtwirtschaftliFähigkeit, Produkte im internationalen che Produktivitätsveränderung in einem Wettbewerb zu verkaufen. Allerdings sei 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit hierbei nicht nur die Produktivität von Bevierfacher Weise charakterisiert werden, deutung, sondern auch die Arbeitskosten und zwar(Jungnickel und Schüller 2008) und die nominalen Wechselkurse spielten als: eine Rolle. Diese Sichtweise stellt das einzelne Unternehmen in den Kontext von 1)„ability to earn“, d. h. als Fähigkeit, Preis- und Kostenfaktoren, die betrieblimöglichst hohe Pro-Kopf-Einkommen che, sektorale und makroökonomische zu erwirtschaften; Dimensionen haben. 2)„ability to sell“, d. h. als Fähigkeit, Darüber hinaus weitet der Sachverständigenrat den Begriff der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften dahingehend aus, als zusätzliche Faktoren einbezogen werden, die Einfluss auf die Produktivität von Unternehmen in ausländischen Märkten haben. Hierfür sollten beispielsweise auch die Infrastruktur sowie das Steuer- und Bildungssystem in die Betrachtung einbezogen werden. Bei diesem Verständnis gelten solche Länder eigene Produkte auf Auslandsmärkten zu verkaufen; 3)„ability to adjust“, d. h. als Fähigkeit, sich an die veränderlichen wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen anzupassen; 4)„ability to attract“, d. h. als Fähigkeit, mobile, überdurchschnittlich produktive Produktionsfaktoren ins Land zu holen bzw. im Land zu halten. als international wettbewerbsfähig, die in der Lage sind, nachhaltig hohe EinkomDie Fähigkeit, im internationalen Wettbemen bzw. einen hohen Lebensstandard zu werb hohe Pro-Kopf-Einkommen zu ererreichen. Stellvertretend hierfür stehen zielen, ist von entscheidender Bedeutung. beispielsweise die Indikatoren Pro-KopfDie Analyse der übrigen drei Fähigkeiten Bruttoinlandsprodukt, BIP-Wachstumsraerlaubt es, die Ursachen für die Einkomten oder die Arbeitslosenquote. Aus Sicht mensunterschiede zwischen den Ländern des Sachverständigenrats(2005: 353) ist zu ermitteln. Im Folgenden geht es vor dieses breitere Verständnis von internatiallem um die Fähigkeit der Anpassung onaler Wettbewerbsfähigkeit von Volksund um die Frage, welche Politik China im wirtschaften eher geeignet, die Ursachen Hinblick auf die Standortfaktoren, die für der Wettbewerbsfähigkeit zu analysieren den Strukturwandel hin zu höherwertigen und Therapien vorzuschlagen: Tätigkeiten eine Rolle spielen, verfolgt und welche Ergebnisse feststellbar sind. Hier28 „Eine erweiterte Perspektive schärft zum bei soll auf den Global Competitiveness einen den Blick dafür, dass auch für eine Report des World Economic Forum(WEF) so offene Volkswirtschaft wie die deutzurückgegriffen werden, das jährlich einen sche die wesentlichen BestimmungsfakVergleich der nationalen Wettbewerbstoren für eine Steigerung des Wohlstands fähigkeit von Ländern durchführt und im in einer Erhöhung der heimischen ProdukGlobal Competitiveness Index(Global CI) tivität und damit der Einkommen liegen. Zum anderen zeigt sie mögliche Ursachen einen der bekanntesten Sammelindices veröffentlicht. 3 dafür auf, warum eine Verbesserung der Absatzmöglichkeiten deutscher Produkte Das WEF versteht unter Wettbewerbs- eine Verbesserung der internationalen fähigkeit von Ländern die Summe von preislichen Wettbewerbsfähigkeit- manFaktoren, Politikmaßnahmen und Institugels Anpassungsfähigkeit des inländischen tionen, die das Produktivitätsniveau eines Arbeitsmarktes durchaus mit erheblichen Landes bestimmen(WEF 2006: 3): binnenwirtschaftlichen Problemen einhergehen kann beziehungsweise warum umgekehrt selbst eine schwache Wachstumsdynamik nichts für die Absatzchancen deutscher Produkte an den Weltmärkten bedeuten muss.“ 3_ Auf die Rankings des International Institute for Management Development(IMD) sowie der Bertelsmann Stiftung Gütersloh(Internationales Standortranking) wird an dieZusammenfassend kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes in ser Stelle aus Platzgründen nur hingewiesen. Auch diese Institutionen arbeiten mit einer Vielzahl von Indikatoren, die zu einem Index zusammengefasst werden. 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit „At the World Economic Forum, we unfrastruktur, Makroökonomie, Gesundheit derstand national competitiveness as the und Grundschulausbildung, Hochschulset of factors, policies and institutions that ausbildung und Berufsausbildung, Markdetermine the level of productivity of a teffizienz, technologische Kapazitäten country“. und Leistungsfähigkeit von Unternehmen, Unternehmensentwicklung und InnovatiDie Steigerung der Produktivität im Sinne on, und gibt einen kurzen Überblick über einer besseren Nutzung vorhandener Fakdie sie bestimmenden Faktoren. toren und Ressourcen wird vom WEF als der Motor für die Entwicklung der Rentabilität betrachtet. Das WEF geht davon aus, dass eine wettbewerbsfähige Wirtschaft mittel- und langfristige höhere WachstumsTabelle 1: Die neun Säulen des Global Competitiveness Index und die sie bestimmenden Faktoren raten aufweisen wird als weniger wettbewerbsfähige Ökonomien. Durch die Wahl der produktivitätsorientierten Sichtweise hebt das WEF hervor, dass nicht nur der Exporterfolg eine zentrale Bedeutung als Mechanismus der Spezialisierung und Effizienzsteigerung für die Wettbewerbsfähigkeit spielt, sondern dass auch andere Einflussfaktoren von Bedeutung sind. Säulen Institutionen Faktoren Regeln und Verhaltensanreize für Akteure, hierzu zählen Gesetze und soziale Regeln, insbesondere Beachtung der geistigen Eigentumsrechte (IPR), Vermeidung von Korruption der Verwaltung/Regierung, Unabhängigkeit der Justiz, öffentliche Sicherheit, Regierungseffizienz Das WEF hatte zunächst, beginnend mit dem Jahr 2001, den Growth Competitiveness Index(Growth CI) veröffentlicht. Dieser war von den bekannten US-Ökonomen Jeffrey Sachs und John McArthur entwickelt worden. Da eine Reihe von wichtigen Faktoren wie die Effizienz von Infrastruktur Makroökonomie Gesundheit und Grundschulausbildung Energie, Transport und Telekommunikationsdienstleistungen Inflation, Sparquote, Staatsverschuldung, Fiskalpolitik Lebenserwartung, Gesundheitsausgaben und Einschulungsquoten Arbeitsmärkten, Indikatoren des öffentliHochschulaus- Mittelschulbesuch, Immatrichen Gesundheitssystems und der öffentlibildung und kulationsquoten, Bewertung chen Infrastruktur nicht in dem Growth CI Berufsausbil- der Ausbildung in Experteninenthalten war, wurde dieser durch Xavier dung terviews Sala-i-Martin, einem führenden WissenMarkteffizienz Offenheit der Märkte, staatliche Marktintervention, 29 schaftler auf dem Gebiet der Forschung Marktgröße zum Wirtschaftswachstum und zur WirtTechnologische Flexibilität einer Wirtschaft, schaftsentwicklung, angepasst. Der neue Kapazitäten in- oder ausländische TechIndex, der Global CI wurde erstmals im WEF-Bericht des Jahres 2004/5 vorgestellt und hat den vorherigen inzwischen als wichtigsten Sammelindikator der nationalen Wettbewerbsfähigkeit ersetzt. Um die Kontinuität mit den Untersuchungen der und Leistungsfähigkeit von Unternehmen Unternehmensentwicklung nologien zur Steigerung der Produktivität einzusetzen(z. B. Informations- und Kommunikationstechnologien(IKT)) Hier stehen die Unternehmen im Mittelpunkt, nicht die Umweltfaktoren. Zur Messung vorangegangenen Jahre herzustellen, wird dieser jedoch vom WEF weiter erhoben und an späterer Stelle dieses Abschnitts ebenfalls vorgestellt. der Produktivität an der Spitze der globalen Wertschöpfungskette werden die Quantität und Qualität der lokalen Zulieferer, die Produktionsprozesse und die Produkte Der neue Global CI basiert auf neun Säuherangezogen len, die verschiedene Faktoren umfassen und komplexe Vorgänge abbilden, die auf die Wettbewerbsfähigkeit einwirken. Diese Säulen stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern hängen in ihrer Wirkung Innovation(effiziente) F&E-Investitionen der Unternehmen, Forschungsinstitute von hohem Niveau, Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen, Schutz der IPR voneinander ab. Die Tabelle 1 zeigt diese neun Säulen, und zwar Institutionen, InQuelle: WEF 2006: 5-11. 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Für die Bewertung des Global CI werden Säulen und die sie bestimmenden Faktosowohl statistische Daten der jeweiligen ren entsprechend ihrem Ranking durch Länder als auch Bewertungen durch Madas WEF betrachtet. nager im Rahmen von umfangreichen Befragungen herangezogen. In diesem Die Säule„Institutionen“ weist lediglich komplexen Indikator der Wettbewerbsfäunter„regelkonformes Handeln der Rehigkeit nimmt China trotz aller Fortschritte gierung“ mit einem Ranking von 35 eine und hohen Wachstumsraten nach wie vor relativ gute Bewertung auf. Dagegen einen relativ niedrigen Rang innerhalb der überwiegen Faktoren, die auf WettbeGruppe der 125 untersuchten Länder ein. werbsnachteile hinweisen. So gelten die Mit der Position 54 im Zeitraum 2006/7 Institutionen im Unternehmensbereich (siehe Tabelle 2) hat sich Chinas globale nach dem Ranking des WEF als besonders Wettbewerbsfähigkeit gegenüber 2005/6 schwach, d. h. die Institutionen sind ent(Position 48) sogar verschlechtert. weder nicht marktgerecht oder ihre Regelungsmechanismen werden unzureichend durchgesetzt. Diese Aussage bezieht sich Tabelle 2: Global Competitiveness Index für die Jahre 2006/7 und 2005/6 auf den Board of Director sowie den unzureichenden Schutz von Minderheitsaktionären. Weitere schwerwiegende Nachteile Schweiz GCI 2006/7 1 GCI 2005/6 4 im Wettbewerb weist China aufgrund der wenig transparenten Buchführungsstandards und Defizite im ethischen Verhalten Finnland 2 2 der Unternehmen auf; bei diesen Faktoren ist das Ranking stets höher 100. Als Schweden 3 7 Nachteile werden außerdem das Ausmaß Dänemark 4 3 des organisierten Verbrechens sowie die Singapur mangelnde Unabhängigkeit der Gerichte 5 5 genannt. USA 6 1 Japan 7 10 In der Säule„Infrastruktur“ gilt vor allem die gute Entwicklung des Straßennetzes Deutschland 8 6 als Wettbewerbsvorteil. Neben den groNiederlande 9 11 ßen Infrastrukturprojekten, die überwiegend von der Zentralregierung finanziert Großbritannien 10 9 werden, hat der regionale Standortwett30 Hongkong 11 14 bewerb um Investitionen in- und ausländischer Unternehmen wesentlich zum Norwegen 12 17 Ausbau des Straßennetzes beigetragen Taiwan Indien 13 8 (Eger und Schüller 2007: 13). Trotz dieser Fortschritte gilt die Qualität des Elektrizi43 45 tätsangebots und die allgemeine Qualität China Brasilien 54 48 der Infrastruktur noch als unzureichend, so dass hierin Wettbewerbsnachteile ge66 57 sehen werden. Quelle: WEF 2006: 5-11. Bei der Analyse der einzelnen Säulen und Faktoren stellt das WEF die nationalen Wettbewerbsvorteile den nationalen Wettbewerbsnachteilen gegenüber. In der Tabelle 3 sind die Vorteile auf der linken Spaltenseite, die Nachteile auf der rechten Spaltenseite aufgelistet. Die Rangfolge bezieht sich auf die 125 untersuchten Länder. Im Folgenden werden die einzelnen Als hoher Wettbewerbsvorteil werden in der Säule„Makroökonomie“ insbesondere die[hohe] Sparquote,[moderate] Staatsverschuldung,[geringe] Zinsspanne und der[stabile] reale Wechselkurs bewertet. Die Qualität dieser Faktoren ist vor allem im Vergleich zu den osteuropäischen Transformationsländern bemerkenswert, die beim Übergang zur Marktwirtschaft wesentlich größere Einbrüche der Produktion, höhere Preissteigerungen und eine höhere Staatsverschuldung auswiesen. 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Tabelle 3: Chinas nationale Wettbewerbsvor- und-nachteile Wettbewerbsvorteile Wettbewerbsnachteile 1. Institutionen Rang Regelkonformes Handeln der Regierung 35 Nutzen der ‚Board of Directors’ Interessenschutz der Minderheitsaktionäre Buchführungsstandards Unternehmenskosten für Terrorismusschutz Ethisches Verhalten der Unternehmen Organisiertes Verbrechen Eigentumsrechte Unabhängigkeit der Gerichte Unterschlagung öffentlicher Mittel Öffentliche Beamte begünstigen bestimmte Gruppen 2. Infrastruktur Entwicklung des Straßennetzes 33 Qualität des Elektrizitätsangebots Allgemeine Qualität der Infrastruktur 3. Makroökonomie Nationale Sparquote 4 Staatsverschuldung 21 Zinsspanne 25 Realer effektiver Wechselkurs 29 Gesundheit und Grundschulausbildung Einschulungsquote Grundschule 48 Tuberkulose-Vorsorge Malaria-Vorsorge Hochschulausbildung und Berufsausbildung Lokale Verfügbarkeit von Forschungs- und Ausbil- 46 Immatrikulationsquote in Hochschulen dungsdienstleistungen Weiterbildung der Beschäftigten Markteffizienz Kosten der Agrarpolitik 8 Zustand der Banken Löhne und Produktivität 27 Beziehung zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten Intensität des lokalen Wettbewerbs 34 Zugangsbarrieren zu Krediten Abwanderung von Fachleuten(brain drain) 43 Hürden bei Unternehmensgründung Ausmaß und Effekt der Besteuerung 46 Verfügbarkeit von Risikokapital Restriktionen für ausländisches Eigentum Handelsbarrieren Genehmigungsdauer bei Unternehmensgründungen Zugang zum lokalen Wertpapiermarkt Effizienz des Rechtsrahmens Wirksamkeit des Wettbewerbsrechts Technologische Kapazitäten und Leistungsfähigkeit von Unternehmen Technologieabsorption durch Unternehmen 41 Bedeutung der ADI für Technologietransfer Verbreitung von Personal Computer Lizenzierung ausländischer Technologie Internet-Verbreitung Technologische Leistungsfähigkeit Unternehmensentwicklung Zahl der lokalen Zulieferer 38 Qualität des Produktionsprozesses Präsenz in der Wertschöpfungskette 56 Wettbewerbsvorteil(bei niedrigen Kosten) Innovation Staatl. Kauf von Technologieprodukten 21 Verfügbarkeit von Wissenschaftlern Kooperation zwischen Universitäten und Unterneh- 27 Qualität der Forschungsinstitute men F&E-Ausgaben der Unternehmen 39 Schutz geistiger Eigentumsrechte Innovationskapazität 43 Rang 119 113 108 104 104 92 83 78 71 60 79 65 92 70 77 76 123 99 99 94 91 87 83 81 77 76 74 104 80 89 76 69 89 74 86 63 74 Anmerkung: ADI= Ausländische Direktinvestitionen. Quelle; WEF 2006: 193; 404-545. 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Als Wettbewerbsvorteil wird in der Säule bei Unternehmensgründungen, der Zu„Gesundheit und Grundschulausbildung“ gang zum inländischen Wertpapiermarkt, die[hohe] Einschulungsquote in den die Effizienz des Rechtsrahmens sowie die Grundschulen bewertet. Dem gegenüber Wirksamkeit des Wettbewerbsrechts. gelten Defizite im Gesundheitswesen, u. a. in der Vorsorge gegen Tuberkulose und In der Säule„technologische Kapazitäten Malaria als Wettbewerbsnachteile. und Leistungsfähigkeit von Unternehmen“ wird die relativ hohe TechnologieIn der Säule„Markteffizienz“ zählen zu absorptionsfähigkeit der Unternehmen als den Wettbewerbsvorteilen die niedrigen Wettbewerbsvorteil aufgeführt. Zu den Kosten der Agrarpolitik – so schützt China Nachteilen zählt dagegen die erstaunlich zwar den Agrarsektor durch hohe Zölle, geringe Bedeutung der ADI für den Techdoch sind die Subventionen im Vergleich nologietransfer. Dies bedeutet, dass trotz zur Situation in der EU niedrig- sowie hoher Kapitalzuflüsse die realisierten spill die Entlohnung, die Produktivität und die over-Effekte geringer als angenommen Wettbewerbsintensität auf dem chinesind. Bei der Lizenzierung ausländischer sischen Binnenmarkt. Weitere WettbeTechnologie weist China ebenfalls ein werbsvorteile sind die relativ geringe Abniedriges Ranking auf(104). Zur Frage der wanderung von Fachkräften. Die staatliche Lizenzierung gibt es im WEF-Bericht eine Politik setzte in den letzten Jahren starke spezielle Auswertung auf einer RangskaAnreize für einen reverse brain drain ein. la von 1-7(1 bedeutet, dass die LizenVor allem für chinesische Absolventen auszierung nahezu fehlt). China erreicht auf ländischer Hochschulen und im Ausland dieser Rangskala lediglich einen Wert von tätige chinesische Wissenschaftler bieten 3,9 Punkten und damit Platz 89. Weitaus staatliche Forschungsinstitute und Univerbesser wird die Lizenzierung in Indien mit sitäten attraktive Arbeits- und Aufstiegseiner Punktzahl von 5,8 bewertet, so dass bedingungen, um sie zur Rückkehr nach Indien damit an die Spitze der 125 unterChina zu bewegen. Auch das Ausmaß und suchten Länder liegt(WEF 2006: 515). Im die Wirkung der Besteuerung werden vom internationalen Vergleich schneidet ChiWEF relativ gut bewertet. Diesen Wettbena auch bei der Internet-Verbreitung und werbsvorteilen stehen allerdings erheblitechnologischen Leistungsfähigkeit der che Nachteile gegenüber. Diese beziehen Unternehmen relativ schlecht ab(die Ransich insbesondere für den Zustand der kings liegen hier bei 76 und 69). Banken, die Beziehung zwischen ArbeitIn der Säule„Unternehmensentwicklung“ gebern und Beschäftigten, die Zugangswerden Wettbewerbsvorteile aufgrund 32 barrieren zu Krediten, die vielen Hürden der hohen Zahl lokaler Zulieferer gesehen bei Unternehmensgründungen, die relativ (Rang 38). Dies gilt ebenfalls für Chinas schlechte Verfügbarkeit von Risikokapital Präsenz in globalen Wertschöpfungsketund Restriktionen gegenüber ausländiten(Rang 56). Als Wettbewerbsnachteile schem Eigentum. Hierbei handelt es sich werden die mangelnde Qualität der Proum die ergänzend vom WEF untersuchte duktionsprozesse und die überwiegende Frage, in welchem Umfang ausländische Beschränkung auf die preisliche KonkurUnternehmen auf Minderheitsbeteiligunrenzfähigkeit – gegenüber einzigartigen gen beschränkt sind. Auf einer Skala von Produkten oder Prozessen – bewertet 1-7(1 steht für extrem hohe Restriktio(Rang 89 und 74). nen gegenüber ausländischem Eigentum) wurde für China eine Bewertung von 4,7 In der letzten Säule„Innovation“ werden Punkten ermittelt. Dieser Wert hebt sich Wettbewerbsvorteile vor allem im staatlideutlich von der beispielsweise auf Irland chen Kauf von Technologieprodukten, in (6,4 Punkte) oder Deutschland(6,1 Punkder Forschungszusammenarbeit zwischen te) entfallenden Punktzahl ab(WEF 2006: Unternehmen und Universitäten, aufgrund 482-483). Auch bei den sonst noch in der der relativ hohen F&E-Ausgaben sowie in Tabelle 3 aufgeführten Faktoren der Marktder Bewertung der gesamten Innovationseffizienz ist China im internationalen Verkapazität gesehen. Wettbewerbsnachteil gleich relativ schlecht positioniert und liegt betreffen die mangelnde Verfügbarkeit von auf den Rängen 74-87. Dazu zählen HanWissenschaftlern und Ingenieuren(Rang delsbarrieren, die Genehmigungsdauer 86) sowie die unzureichende Qualität der 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Forschungsinstitute. Chinas Bildungs- und Forschungssystem stellt zwar jährlich ZigTausende von Hochschulabsolventen bereit und weist Hunderte von Forschungsinstituten auf. Doch kann kein Rückschluss von der Quantität der Studienabsolventen auf deren Qualität gezogen werden, wie verschiedene Untersuchungen hierzu gezeigt haben(McKinsey 2005; Cao 2006). Als Wettbewerbsnachteil gilt auch der unzureichende Schutz geistigen Eigentums. Hier liegt das Ranking für China bei einem Wert von 3,3 Punkten bzw. Rang 74(1 ist schwach bzw. kaum vorhandener Schutz) sehr niedrig. Im Vergleich dazu weist Japan Rang 12(5,9 Punkte) auf, Hongkong Rang 20 und Indien Rang 34(WEF 2006: 544). Abschließend soll noch das Ranking der Länder nach dem traditionell vom WEF ermittelten Growth CI vorgestellt werden, um den historischen Vergleich mit früheren Jahren abzubilden. Dieser Index besteht aus drei Komponenten: dem Technologieindex, dem Index für die Bewertung öffentlicher Institutionen und dem Index für die makroökonomische Umgebung. Im Folgenden werden die Jahre 2003 und 2006 sowie der in diesen Jahren ermittelte Technologieindex für ausgewählte Länder aufgeführt(siehe Tabelle 4). Die Tabelle zeigt, dass sich die Position Chinas zwischen 2003 und 2006 nicht verbessert, sondern deutlich verschlechtert hat, insbesondere beim Technologieindex. Bei der Aufteilung des Technologieindex auf einzelne Faktoren ist China insbesondere in den Bereichen Innovation(Rang 75) und Technologietransfer(Rang 98) schlecht positioniert(WEF 2006: 558). Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Chinas Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext anhand der oben genannten Indikatoren noch einen deutlichen Abstand gegenüber den führenden Wirtschaftsmächten aufweist. Allerdings wird im Zusammenhang mit den „Aufholländern“ bzw. late comers vor allem auch die außenhandelsorientierte Definition internationaler Wettbewerbsfähigkeit herangezogen. Als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit gelten dann z. B. Exportquote, Anteile am globalen Welthandel, Exportüberschüsse sowie die Exportentwicklung. Bei diesem von der OECD entwickelten Indikator werden das Wachstum der Exporte eines Landes in Relation zum Wachstum der Absatzmärkte - also der Importvolumina seiner Abnehmerländer – gesetzt. Allerdings sind auch diese Indikatoren bzw. die aus ihnen abgeleiteten Aussagen durchaus umstritten, wie in den folgenden Abschnitten gezeigt wird(Deutscher Bundestag 1999). Tabelle 4: Growth CI und Technologieindex in 33 den Jahren 2003 und 2006 Growth CI 2003 Technologie- index 2003 Growth CI 2006 Technologie- index 2006 USA 2 1 4 1 Taiwan 5 3 6 2 Singapur 6 12 10 16 Japan 11 5 11 5 Deutschland 13 14 14 18 Südkorea 18 6 21 6 Hongkong 24 37 23 26 Malaysia 29 20 26 24 Thailand 32 39 44 44 China 44 65 58 84 Indien 56 64 47 53 Philippinen 66 56 77 68 Indonesien 72 78 69 59 Quelle: WEF 2004: 11-13; WEF 2006: 556-557. 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit 2.2 Triebkräfte der außenwirtschaftlichen Integration Chinas Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft war in den letzten zwei Dekaden beeindruckend hoch und hat sich nach dem WTO-Betritt nochmals verstärkt. Zwischen 2002 und 2006 lag die jährliche BIP-Wachstumsrate sogar über 10% (siehe Abbildung 2). Binnenwirtschaftliche Reformmaßnahmen, die starke Nachfrage des Binnenmarktes, insbesondere auch die Investitionen des Staates gelten als wichtige Einflussfaktoren für die dynamische Wirtschaftsentwicklung. Abbildung 2: Chinas Wirtschaftswachstum, 1996-2006, in% 2) die Ausdehnung der Liberalisierung auf Faktorbewegungen( factor integration), 3) die Harmonisierung der Wirtschaftspolitik im Integrationsraum( policy integration) und 4) die Vereinheitlichung der Wirtschaftspolitik im Integrationsraum( total integration). Die ersten zwei Stufen werden als„funktionelle Integration“ bezeichnet, bei der die Integration über eine Harmonisierung durch den Markt erfolgt. Bei einer Harmonisierung durch die Wirtschaftspolitik wird dagegen von einer„institutionellen Integration“ gesprochen. Durch die Abstimmung ihrer Politik verzichten die beteiligten Staaten im Integrationsraum auf einen Teil ihrer nationalen Souveränität. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Wirtschaftsintegration in der Europäischen Union(EU) und der Nordamerikanischen Freihandelszone(NAFTA) werden folgende Stufen der Integration unterschieden, und zwar Quelle: NBS 2006a; NBS 2007. Ein wichtiger Motor des gesamtwirtschaftlichen Wachstums war die außenwirtschaftliche Verflechtung der chinesischen Wirtschaft mit den asiatischen Ökonomien (Schüller 2005a: 115). Eine sehr allgemeine Definition der wirtschaftlichen Integration geht von einem Zusammenschluss mehrerer Staatsräume zu einem Wirtschaftsgebiet mit binnenmarktähnlichem Charakter aus(Gabler 1988: 2577). Der Weg hin zu dieser umfassenden Wirtschaftsintegration umfasst dabei folgende Stufen: 1) die Beseitigung bestehender Handelshemmnisse( trade integration), 1) Präferenzzonen mit Zollliberalisierung für einzelne Gütergruppen, 2) Freihandelszonen mit Abschaffung von Binnenzöllen, ohne Harmonisierung der Außenzölle, 3) Zollunionen mit gemeinsamem Außenzoll, 4) Gemeinsamer Markt mit Abbau von Barrieren für Faktorbewegungen, einschließlich nicht-tarifärer Hemmnisse wie Normen und Gesetze, und 5) Wirtschafts- und Währungsunion mit harmonisierter Geld- und Fiskalpolitik(Rauscher o.J.). Bei der so definierten Wirtschaftsintegration handelt es sich eindeutig um formelle, zwischenstaatliche Vereinbarungen zum Abbau von Diskriminierungen im grenzüberschreitenden Waren-, Dienstleistungsund Kapitalverkehr sowie Maßnahmen zur Vertiefung der Integration im Rahmen der sektoralen und regionalen Strukturpolitik sowie der Geld-, Währungs-, Finanz- und Sozialpolitik(Borrmann 1997: 7). Das Phänomen der wirtschaftlichen Integration in Ostasien, das sich in einer Ausweitung des intraregionalen Außenhandels und Libe- 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit ralisierung der Faktorbewegungen widerund Präferenzen für bestimmte Produktspiegelt, ist jedoch im Wesentlichen ohne varianten ein. 4 Steigende Skalenerträge diesen formalen Rahmen entstanden. in der Produktion ermöglichen eine FoAusnahme sind die zwischen den ASEANkussierung auf Unternehmen und nicht Mitgliedsstaaten bestehenden Vereinbanur auf Sektoren, wie dies die traditionelle rungen, die nach Einschätzung von Hilpert Außenhandelstheorie vorsieht. Der Fokus (1998: 17) zunächst jedoch nur geringauf Unternehmen erlaubt, die Theorie der fügige handelsschaffende Auswirkungen ausländischen Direktinvestitionen in die hatten. Im Unterschied zu den IntegraAußenhandelstheorie mit einzubeziehen. tionsbemühungen innerhalb der EU, die das Ziel der Überwindung der außenwirtDie grenzüberschreitende Investitionstäschaftlichen Desintegration verfolgten, tigkeit trägt zur regionalen Integration bei. wird die de facto-Integration im AußenDer aus dem Heckscher-Ohlin-Theorem handel und bei den Faktorbewegungen abgeleitete Ansatz zu Direktinvestitionen in Ostasien durch den Aufbau von komvon Kojima(1973) geht von handelsorienplexen regionalen Produktionsnetzwerken tierten Direktinvestitionen in den Branchen asiatischer Unternehmen vorangetrieben. aus, bei denen das Investorland komparaChina spielt dabei vor allem als Standort tive Vorteile verliert, das Gastland solche für arbeitsintensive Produktionsprozesse gewinnt(zitiert in Hilpert 1998: 65). Dieser in den regionalen Produktionsnetzwerken Ansatz steht im Zusammenhang mit der eine zentrale Rolle(Schüller 2005a: 115). Diskussion um optimale Wirtschaftsräume, die mit der ökonomischen Nähe( econoAussagen zur Struktur und Richtung des mic proximity) die intensive intraregionale Außenhandels, die auch entscheidend für Arbeitsteilung über vertikal hierarchische die Frage der Integration von WirtschaftsNetzwerke zwischen Schwellen- und Inräumen sind, beziehen sich insbesondere dustrieländern begründen(Hilpert 1998: auf das Heckscher-Ohlin-Theorem. In ver103-104). Zusätzlich zu den durch geograeinfachter Darstellung besagt dieses Thephische Nähe bedingten niedrigeren Transorem, dass ein Land einen komparativen portkosten existieren geringere TransakPreisvorteil für ein Gut besitzt, für dessen tionskosten im Außenwirtschaftsverkehr, Herstellung der vergleichsweise reichlich bedingt durch kulturelle Affinität(Spravorhandene Produktionsfaktor intensiv che, Geschäftspraktiken etc.) sowie gerineingesetzt werden kann(Faktorintensität gere Regulierungsbarrieren(auch grenzder Güter). Für ein Land mit einem hohen überschreitende)(Schüller 2005a: 121). Angebot an Arbeitskräften wird beispielsweise erwartet, dass dementsprechend Bevor auf die regionalen Produktionsnetz35 hauptsächlich arbeitsintensive Güter prowerke in Asien eingegangen wird, soll hier duziert und gehandelt werden. Die rigiden zuerst ein Überblick über Chinas internaAnnahmen dieses Models mit nur zwei tionale Verflechtung gegeben werden. Gütern, zwei Faktoren und zwei Ländern, Die Ausweitung der Außenhandelsquote, sind im Laufe der Zeit durch Einführung der Quote des Dienstleistungshandels soneuer Variablen aufgeweicht worden. wie der Relation zwischen ausländischen Hierbei ging es auch um die Frage, wie Direktinvestitionen und BruttoinlandsproUnterschiede in der Faktorausstattung dukt(BIP) sind Indikatoren für den deutund ihre Veränderung die Struktur und lich gestiegenen Grad der internationalen Richtung des Außenhandels beeinflussen Verflechtung Chinas. Zwischen 1990 und und um die Gründe für den weltweit ho2004 nahm die Außenhandelsquote von hen intra-industriellen Handel(Rauscher 32,5% auf 59,8% zu. Auch die Verflecho.J.: 10-26). Die erweiterten Annahmen tung über den Handel mit Dienstleistungen beziehen dafür beispielsweise identische erhöhte sich, und zwar von 2,9% auf 7%. Technologien, steigende Skalenerträge Weiterhin stieg der Zufluss von Auslandskapital in Form von Direktinvestitionen in Relation zum BIP von 1% auf 2,8%. Damit 4_ In diesem Zusammenhang wird oft auf die Arbeit von Krugman(1979: 469-479) verwiesen. Der Anteil des intra-industriellen Handels liegt innerhalb der OCED-Länder weist China ein deutlich größeres Maß der außenwirtschaftlichen Verflechtung auf als die meisten anderen Länder in Asien bei rd. 80%. Siehe Kappel(1999: 179-182). (siehe Tabelle 5). 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Tabelle 5: Außenwirtschaftliche Verflechtung ausgewählter asiatischer Länder, 1990 und 2004, in% des BIP Japan China Südkorea Indien Ostasien/ Pazifik** Südasien*** Handel mit Produkten Handel mit Dienstleistungen ADI*-Zuflüsse 1990 2004 1990 2004 1990 2004 17,2 22,1 4,1 5,0 0,1 0,2 32,5 59,8 2,9 7,0 1,0 2,8 51,1 70,4 7,5 13,5 0,3 1,2 13,1 25,0 3,4 8,2 0,1 0,8 47,0 71,1 7,3 9,6 1,6 2,5 16,5 27,9 4,2 8,2 0,1 0,8 * Ausländische Direktinvestitionen;** Zur Region Ostasien Pazifik zählen neben China und Mongolei auch die ASEANStaaten sowie die Pazifikinseln;*** Zur Region Südasien zählen acht Staaten, darunter Afghanistan, Bangladesh, Bhutan, Malediven, Indien, Nepal, Pakistan und Sri Lanka. Quelle: World Bank 2006: 316-318. nanzsektors für ausländische Investoren investierten viele Banken und Versicherungen in China. Im 2005 entfielen auf Investitionen ausländischer Finanzunternehmen 12,1 Mrd. US$; das Interesse hieran ging im Jahre 2006 auf 6,5 Mrd. US$ zurück (siehe Abbildung 3). In den letzten Jahren floss der überwiegende Teil der ausländischen Direktinvestitionen in die Gründung von Tochterunternehmen in 100%igem Eigentum der ausländischen Muttergesellschaft. Mit wachsenden Kenntnissen über den chinesischen Markt und zunehmender Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft bevorzugten die ausländischen Unternehmen diese Rechtsform bei ihrer Investition gegenüber der Bildung von Gemeinschaftsunternehmen(siehe Tabelle 6). Tabelle: 6 Struktur ausländischer Direktinvestitionen in China, nach Investitionsform, in% Chinas Attraktivität als Produktionsstandort und die wachsende Binnenmarktnachfrage boten ausländischen Unternehmen starke Investitionsanreize. Der ADI-Zufluss, verbunden mit Management- know how und Technologietransfer trug zur schnellen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Produkte auf dem Weltmarkt bei. Vor allem seit Mitte der 1990er Jahre nahmen die ADI rasant zu und erhöhten 36 sich nochmals mit dem Beitritt Chinas zur WTO Ende 2001. Mit der Öffnung des FiAbbildung 3: Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen nach China.1990-2000, 2002-2006, in Mrd. US$ Equity Joint Venture Contractual Joint Venture Tochterunternehmen (100%) Aktiengesellschaft mit ausländischem Kapital Sonstige Rechtsformen 1979-1997 ADI in Banken, Versicherungen und Wertpapierunternehmen 1979-1997 1993 63,5 40,6 15,2 23,7 21,2 34,5 ---0,5 1,2 ---2005 20,2 2,5 59,3 1,3 -16,7 2006 20,6 2,8 66,6 0,6 -9,3 Quellen: NBS(verschiedene Jahrgänge); The US-China Business Council: 2007; Tso(1998: 1-34). Während bis 1993 rd. 79% der Direktinvestitionen als Equity Joint Venture(EJV) und Contractual Joint Venture(CJV) 5 und nur 21% als Tochtergesellschaft durchgeführt wurden, kehrte sich diese Relation vor allem in den letzten Jahren um. Im Jahr 2006 waren 67% der ausländischen * Hierbei handelt es sich um ADI-Zuflüsse in den Finanzsektor. Quellen: NBS(verschiedene Jahrgänge); The US-China Business Council 2007. 5_ Nach dem chinesischen Recht wird das EJV in Form einer GmbH gegründet, während das CJV in der Rechtsform flexibler ist. Es kann z.B. auch in einer der deutschen BGB-Gesellschaft ähnlichen Rechtsform errichtet werden. 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Unternehmen bereits 100%ige Tochtergesellschaften, dagegen entfielen auf Abbildung 4: Ausländische Direktinvestitionen*, 2006, nach Herkunftsländern, in% Equity und auf Contractual Joint Venture nur noch ein Anteil von zusammen 23%. Nicht nur die Rechtsform der ADI veränderte sich, sondern auch die Bedeutung der Herkunftsländer. In den Jahren 19791993 dominierten ADI aus bzw. über Hongkong und Taiwan mit insgesamt 82% der gesamten Investitionen. Bis 1997 ging der Anteil Hongkongs und Taiwans an den gesamten Direktinvestitionen aus dem Ausland auf 48% zurück. Dagegen nahm die Bedeutung anderer Länder der Region zu, insbesondere von Japan, Südkorea und Singapur, aber auch der Anteil westlicher Industrieländer(vor allem der USA und Deutschlands) an den gesam* Ohne Investitionen im Finanzsektor. Quellen: The US-China Business Council 2007. ten Direktinvestitionen erhöhte sich. Im Jahr 2006 weist die Struktur der ADI nach Herkunftsländern allerdings für Hongkong noch einen Anteil von 32,1%, für Japan von 7,3%, für Südkorea von 6,2% und für Taiwan von 3,4% aus(siehe Abbildung 4). haben, neue Produktionskapazitäten und global integrierte Organisationen aufzuGerade für Taiwan und teilweise auch bauen, den entscheidenden Unterschied Hongkong sind aufgrund der„Umweg“zu früheren Formen internationaler InvesInvestitionen die Aussagen über die protitionen. Gereffi(2002: 4-5) geht von einer zentualen Anteile der Investoren nicht Unterscheidung von zwei Arten globaler eindeutig, da diese Investoren über die Wertschöpfungsketten aus: den“ProduSteuerparadiese British Virgin Island and zenten getriebenen” und den„Käufer Cayman Islands ebenfalls in China invesgetriebenen“. Die erste Variante ist vor altieren. So müsste ein Großteil der ADI lem in kapital- und technologieintensiven aus dieser Region zu den Investitionen Industrien zu finden, in denen große, oft aus Taiwan und Hongkong in China adtransnational agierende Produzenten aktiv 37 diert werden, so dass dann die asiatische sind, die Produktionsnetzwerke und damit Region mit mehr als 50%-70% aller ADI verbundene Koppelungseffekte( linkages) nach wie vor dominiert. Vergleichsweise koordinieren. Die„Käufer getriebenen gering fallen die Anteile der USA(4,6%) Wertschöpfungsketten“ dominieren in der und Deutschlands(3,1%) an den gesamarbeitsintensiven Verbrauchsgüterindusten ADI-Zuflüssen nach China aus(siehe trie, in der z. B. große Einzelhändler und Abbildung 4). Markenhersteller eine wichtige Rolle beim Aufbau von Produktionsnetzwerken spieDie Gründe für die hohe regionale Konzenlen. Typisch für diese Wertschöpfungskettration der Herkunftsländer ausländischer ten, insbesondere in der Textilindustrie, ist Direktinvestitionen sind vielfach unter ein Fabriksystem, das sehr wettbewerbsindem Begriff der„asiatischen Produktionstensiv und global dezentralisiert ist. netzwerke“ diskutiert worden. Produktionsnetzwerke können auf der lokalen, naIm Zusammenhang mit Produktionsnetztionalen, internationalen, regionalen und werken existiert eine Vielzahl empirischer globalen Ebene bestehen. Für Sturgeon Studien(u.a. Ando und Kimura 2004), die (2000: 5) zählt die Zunahme der grenzeine zunehmende vertikale Spezialisierung überschreitenden Produktionsnetzwerke und die wachsende Bedeutung des Hanzu den speziellen Merkmalen der Globadels mit intermediären(Industrie-)Gütern lisierung. Sturgeon sieht in der wachsenim Rahmen von Produktionsnetzwerken den Bedeutung der Produktionsnetzwerzeigen. Abhängig von bestimmten Proke zwischen Unternehmen, die das Ziel duktionstechniken dominieren der Ma- 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit schinenbau und die Elektroindustrie. Vewirkten. Die von der chinesischen Regienables(2001: 7; 22-23) zufolge kann aber rung angebotenen Investitionsanreize dieser Aspekt ebenfalls in ein erweitertes stellten für Unternehmen aus dem Ausland Heckscher-Ohlin-Theorem eingeordnet gleichzeitig einen starken pull-Faktor dar. werden, wenn angenommen wird, dass die Faktorintensitäten der verschiedenen Hongkongs Textil- und BekleidungsunterProduktionsstufen zumindest genau so nehmen begannen zunächst mit der Aufweit variieren wie die der Endprodukte. tragsvergabe einfacher Fertigungsstufen Der Umfang des Handels hängt dann daan staatseigene Unternehmen auf dem von ab, wie lohnend die Fragmentierung chinesischen Festland. Die Netzwerkbedes vertikalen Produktionsprozesses und ziehungen zwischen chinesischen und seine Aufteilung auf verschiedene ProdukHongkonger Unternehmen wurden im tionsstandorte ist. Eine besondere BedeuLaufe der Jahre komplexer und schlossen tung kommt dabei den Transportkosten verschiedene joint venture-Kooperationsund der Liefersicherheit zu, um Unterbreformen ein. Als Folge der Produktionsverchungen in der Wertschöpfungskette zu lagerung nach China sank beispielsweise vermeiden. Im erweiterten Theorem erder Anteil Hongkongs, Taiwans und Südklären sich die Art der Produktion und des koreas an den US-Bekleidungsimporten Handels aus dem Zusammenwirkungen von 66% auf 29%. Chinas Anteil erhöhte der Transportintensitäten und der geograsich gleichzeitig von 8% auf 14%(Gereffi phischen Lage sowie der Faktorintensitä2002: 2). ten und der Ausstattungen. Dass asiatische Produzenten durch die InteUnternehmen der Textil- und Bekleidungsgration in globale Wertschöpfungsketten industrie aus Hongkong, Taiwan und späund Produktionsnetzwerke wettbewerbster auch aus Südkorea begannen Anfang fähiger geworden sind, darauf weist die der 1980er Jahre mit der Einbindung UNIDO(2004: 21) in einer Untersuchung festlandchinesischer Unternehmen in ihre ebenfalls hin. Asiatische Unternehmen regionalen Produktionsnetzwerke. Die Unin der Bekleidungsindustrie seien in der ternehmen aus diesen Länder bzw. RegioLage gewesen, sich von der Dominanz der nen verlagerten Teile der arbeitsintensiven ausländischen Unternehmen in der WertProduktion nach China und konzentrierten schöpfungskette zu lösen. Anstatt sich auf sich auf Bereiche mit einer höheren Wertdie einfache Montage nach detaillierten schöpfung wie Design und Marketing(GeVorgaben der Käufer zu beschränken, 38 reffi 2002: 11-17). Die Verlagerung wurde waren die Unternehmen relativ schnell in durch Exportquoten in den Zielmärkten Aufgaben involviert, die größere FähigkeiUSA und EU und durch die Verteuerung der ten voraussetzten. lokalen Währungen gegenüber dem USDollar beschleunigt, die als push-Faktoren Während ADI in der verarbeitenden Infür ausländische Investitionen nach China dustrie zunächst auf die Nutzung der günstigen Produktionskosten bei einfachen Montagetätigkeiten abzielten, haben ausländische Unternehmen in den Tabelle 7: Anteil der Unternehmen mit Auslandskapital am Außenhandel Chinas. 1996letzten Jahren zunehmend auch in technologie- und wissensintensive Industrien 2006*, in% investiert. Heute erstreckt sich die Präsenz ausländischer Unternehmen in China und 1996 2002 2003 2006* in sino-ausländischen Kooperationen auf alle Teile der Wertschöpfungskette. Dass Außen- 47,3 51,6 55,5 k.A. handel, gesamt ADI einen entscheidenden Einfluss auf das chinesische Außenhandelswachstum hatten, spiegelt sich in dem hohen Anteil der Exporte 40,7 52,2 54,8 58,2 Unternehmen mit Auslandskapital am ImImporte 54,5 54,3 56,2 59,0 port und Export wider. So entfiel auf diese Unternehmen mehr als die Hälfte der * Vorläufige Angaben für 2006. Importe und der Exporte im Jahre 2006. Quelle: NBS(verschiedene Jahrgänge), NBS 2007. Gegenüber dem Jahr 1996 haben sich 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit diese Anteile weiter erhöht(siehe Tabelle 7). Schätzungen nach wird für den high tech-Außenhandel sogar von einem weitaus höheren Anteil der Unternehmen mit Auslandskapital ausgegangen. Naughton (2007: 394 ff) geht sogar von einem Anteil von 90% der Unternehmen mit Auslandskapital am high tech-Export aus. Allerdings kann der Anteil des Außenhandels ausländischer Unternehmen am Gesamthandel eines Landes nur als sehr grober Indikator für die Wirkung von ADI herangezogen werden. So sind in der Kategorie der Unternehmen mit Auslandskapital nicht nur solche Unternehmen enthalten, die im 100%igen Eigentum der ausländischen Investoren stehen, sondern auch sino-ausländische joint venture-Unternehmen mit unterschiedlicher Beteiligungshöhe. Das bedeutet, dass auch chinesische Investitionen zur allgemeinen Erhöhung des Außenhandels beitragen. Darüber hinaus erfasst der Anteil der Unternehmen mit Auslandskapital am Außenhandel keine spill over-Effekte, die für lokale Unternehmen z. B. als Zulieferer entstehen und damit den Außenhandel ebenfalls beeinflussen können. Zhang, Jacobs und Witteloostuijn(2004) berücksichtigen in ihrer Untersuchung diese zusätzlichen Faktoren und kommen zu dem Ergebnis, dass es einen engen positiven Zusammenhang zwischen Importliberalisierung, Zustrom von ADI und Exportentwicklung gibt(Schüller 2005a: 120). Ein weiterer Indikator für Chinas Einbindung in regionale und globale Wertschöpfungsketten ausländischer Unternehmen ist der hohe Anteil des Lohnveredlungshandels. So entfiel vom gesamten Import des Jahres 2006 ein Anteil von 40,3% auf die Kategorie„processing trade“, bei den Ausfuhren belief sich dieser Anteil auf 52,7%(Schüller 2007a: 123-125). 8) stiegen die Exporte und Importe sogar um 25% bzw. 24%. In den anschließenden Jahren erreichten die Wachstumsraten der chinesischen Exporte Zuwächse zwischen 27%-35% und die Importe zwischen 18%-40%(WTO 2006a: 11). Tabelle 8: Vergleich der Wachstumsraten der chinesischen und der globalen Importe und Exporte, 2000-2006, in% China - Exporte - Importe Welt - Exporte - Importe 2 0 0 0- 2003 2004 2005 2006 2005 25 35 35 28 27 24 40 36 18 20 10 17 21 13 k.A. 10 17 22 13 k.A. Quelle: WTO 2006a: 11 und NBS 2007. Die wertmäßige Entwicklung des Außenhandels zeigt eine Versechsfachung des Exportwertes zwischen 1996 bis 2006 von 151 Mrd. US$ auf 969 Mrd. US$. In den letzten Jahren stieg der Handelsüberschuss rapide an und lag im Jahre 2006 bei 177,5 Mrd. US$, während zuvor die Handelsbilanzen nahezu ausgeglichen gewesen waren(siehe Abbildung 5). An der positiven Außenhandelsentwicklung waren in zunehmendem Maße nicht nur 39 arbeitsintensive Industriegüter, sondern auch wissens- und technologieintensive Produkte beteiligt. Im folgenden Abschnitt erfolgt hierzu eine nähere Analyse. Abbildung 5: Entwicklung des chinesischen Außenhandels, 1996-2006, in Mrd. US$ Als Folge der außenwirtschaftlichen Integration verzeichnete der chinesische Außenhandel hohe Wachstumsraten nicht nur in den 1990er Jahren, sondern verstärkt auch nach dem WTO-Beitritt Ende 2001. Das durchschnittliche Wachstum der Exporte und Importe belief sich im Zeitraum 1995-2000 nach Berechnung der WTO auf jeweils rd. 11%(WTO 2004: 20). Im Zeitraum 2000-2005(siehe Tabelle Quelle: NBS(verschiedene Jahrgänge); NBS 2007. 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Abbildung 6: Entwicklung des chinesischen high tech-Außenhandels, 1998-2005, in Mrd. US$ Quelle: MOST 2006. Abbildung 7: Chinas high tech-Außenhandel als Anteil am gesamten Außenhandel mit Industriegütern, 1998-2005, in% Quelle: MOST 2006. 40 Tabelle 9: Die zehn größten Handelspartner Chinas, 2006 Land/ Ökonomie EU USA Japan Hongkong ASEAN Südkorea Taiwan Russland Australien Indien Volumen Mrd. US$ Veränderung gegenüber Vorjahr in% 272,30 25,3 262,68 24,2 207,36 12,5 166,17 21,6 160,84 23,4 134,31 20,0 107,84 18,2 33,39 14,7 32,95 20,9 24,86 32,9 Quelle: Schüller 2007a: 123-125. Anteil in % 15,5 14,9 11,8 9,4 9,1 7,6 6,1 1,9 1,9 1,4 2.3 Wachsende Wettbewerbsfähigkeit durch Übergang von low tech zu high tech im Außenhandel Die Güterstruktur im chinesischen Außenhandel hat sich mit der Ansiedlung exportorientierter ausländischer Unternehmen schnell gewandelt und ist durch einen steigenden Anteil an kapital- und technologieintensiven Gütern geprägt. Das Volumen der Im- und Exporte von high tech Produkten lag im Jahre 1998 bei 49,5 Mrd. US$ und nahm bis 2005 auf 416 Mrd. US$ zu. Seit 2004 verzeichnete China außerdem eine positive Technologiehandelsbilanz mit einem Überschuss von 20,5 Mrd. US$(siehe Abbildung 6). Während im Jahre 1998 erst 11% der chinesischen Ausfuhren high tech-Exporte waren, stellten diese im Jahre 2005 bereits einen Anteil von 29%. Noch bedeutender war der Anstieg der high tech-Produkte in Relation zu den gesamten Industriegüterexporten von 12% im Jahre 1998 auf 31% im Jahre 2005. Der Anteil der high tech-Exporte an den gesamten Industriegüterimporten erhöhte sich von rd. 25% auf rd. 39%(siehe Abbildung 7). Im internationalen Vergleich lag Chinas Anteil an der globalen Ausfuhr verarbeiteter Industrieprodukte im Jahre 2003 mit 27,1% bereits höher als Japans Anteil von 24,1%. In Singapur betrug der Anteil dagegen 58,8%, in Südkorea 32,2% und in den USA 30,8%. Chinas Bedeutung im globalen high tech-Export war mit 7% noch relativ unbedeutend; dominant waren mit 32,2% die EU-Länder, die USA mit 16%; Japan wies einen Anteil von 8,6% auf(MOST 2006). Die wachsende Wettbewerbsfähigkeit Chinas im Außenhandel hat dazu geführt, dass die Triadeländer als Endabnehmer der in China im Rahmen der regionalen Arbeitsteilung hergestellten Produkte hohe und wachsende Defizite im Außenhandel aufwiesen. Die wichtigsten Handelspartner Chinas waren nach chinesischen Zollstatistiken im Jahr 2006 die EU mit einem Anteil am Gesamthandel von 15,5%, die USA mit 14,9%, Japan mit 11,8%, Hongkong mit 9,4% und die ASEAN-Staaten mit 9,1%(siehe Tabelle 9). 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Die USA lagen mit einem Anteil von 21% am gesamten Export Chinas auch im Jahre 2006 wieder an erster Stelle. Die EU wies einen Anteil von 18,8% auf, Hongkong folgte mit 16%. Japans Anteil am Export Chinas ging zwar im letzten Jahr um 1,5% zurück, lag aber mit 9,5% an vierter Stelle (siehe Tabelle 10). Tabelle 10: Die wichtigsten Exportmärkte Chinas, 2006 Land/Ökonomie USA EU Hongkong Japan ASEAN Südkorea Taiwan Russland Kanada Indien Volumen Mrd. US$ Veränderung gegenüber Vorjahr in% 203,47 24,9 181,98 26,6 155,39 24,8 91,64 9,1 71,31 28,8 44,53 26,8 20,74 25,3 15,83 19,8 15,52 33,1 14,58 63,2 Quelle: Schüller 2007a: 123-125. Anteil in % 21,0 18,8 16,0 9,5 7,4 4,6 2,1 1,6 1,6 1,5 Erdöllieferanten, mit denen China ein Defizit von rd. 10 Mrd. US$ bzw. rd. 5,8 Mrd. US$ im Außenhandel hat. Tabelle 11: Die wichtigsten Importländer Chinas, 2006 Land/Ökonomie Japan EU Südkorea ASEAN Taiwan USA Australien Russland Saudi Arabien Brasilien Volumen Mrd. US$ Veränderung gegenüber Vorjahr in% 115,72 20,0 90,32 22,7 89,78 16,9 89,53 19,4 87,11 16,6 59,21 21,8 19,32 19,3 17,55 10,5 15,08 23,2 12,92 29,3 Quelle: Schüller 2007a: 123-125. Anteil in % 14,6 11,4 11,3 11,3 11,0 7,5 2,4 2,2 1,9 1,6 Tabelle 12: Chinas Handelsbilanzdefizit mit ausgewählten Ländern, 2006 Zu den wichtigsten Importländern zählten Land/Öko- Defizit im Defizit im Veränim Jahre 2006 Japan mit einem Anteil von nomie Jahr 2006 Jahr 2005 derung 41 in Mrd. in Mrd. des 14,6%, die EU mit 11,4% und Südkorea US$ US$ Defizits mit 11,3%. Die USA lagen dagegen mit von einem Anteil von 7,5% nur auf Platz 6. 2005 Auf den Plätzen 4 und 5 waren die ASEAN auf mit 11,3% und Taiwan mit 11% vertreten 2006 (siehe Tabelle 11). in% Taiwan-66,37-58,16 14,1 Der Blick auf die Länder und Ökonomien, Südkorea-45,25-41,68 8,6 mit denen China die größten Defizite im bilateralen Handel aufweist, weist in der Japan-24,08-16,45 46,3 Tabelle 12 einerseits auf die starke regioPhilippinen-11,94-8,18 45,8 nale Arbeitsteilung und andererseits auf die zunehmende Abhängigkeit von EnerAngola-10,04-6,21 61,7 gie und Rohstoffen hin. So entfallen auf Malaysia-10,04-9,49 5,8 Taiwan, Südkorea und Japan als den wichSaudi Ara--10,03-8,42 19,1 tigsten Lieferanten für Zwischenprodukte bien und Komponenten für den VeredlungsThailand-8,20-6,17 32,8 handel im Jahr 2006 die größten Defizite mit jeweils rd. 66 Mrd. US$, 45 Mrd. US$ Oman-5,79-3,95 46,7 und 24 Mrd. US$. Angola und Saudi-AraAustralien 5,70-5,14 10,9 bien sowie Oman sind dagegen wichtige 2_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Quelle: Schüller 2007a: 123-125. 42 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Die Industriepolitik spielte für den wirt- horizontal ausgerichtet. Sie erlaubt keine schaftlichen Aufstieg Chinas eine wichtige Sonderregelungen für individuelle SektoRolle. Bei der Gestaltung dieser Politik ori- ren, Technologien, Unternehmensgrößen, entierte sich die politische Führung Chinas Regionen oder strategisch bedeutende jedoch weniger an den westlichen OECD- Märkte(Lichtblau und Breuer 1996: 7), Ländern, sondern stärker an den erfolg- sondern beschränkt sich auf die Verbesreichen Vorbildern in der Region, insbe- serung der Rahmenbedingungen. Hiersondere an Japan und Südkorea. Mit dem durch soll die Wettbewerbsfähigkeit der WTO-Beitritt hat sich China allerdings zur Industrie erhalten und das Wachstums-, Einhaltung der WTO-Regeln verpflichtet, Beschäftigungs- und Innovationspotendie auch die Inhalte und Instrumente der tial der Industrie erhöht werden(Schüller Industriepolitik beeinflussen. 2006b). Ausnahmen für eine staatliche Intervention sind Marktunvollkommenheiten, die das Resultat von Externalitä3.1 Industriepolitik – Varianten und Einfluss globaler Institutionen ten, Skalenerträgen oder asymmetrischen Informationen sind. Das Instrumentarium der Industriepolitik hängt von der Art der Industriepolitik ab und schließt sowohl steuerpolitische Maßnahmen und SubUnter Industriepolitik werden nach eiventionen bei der Auswahl der zu förner sehr allgemeinen Definition alle dernden Industrien( industrial targeting), wirtschaftspolitischen Maßnahmen veraber auch Zollpräferenzen, nichttarifäre standen, die Struktur und Entwicklung Handelshemmnisse für den Schutz der der Industrie beeinflussen(Gabler 1988: im Anfangsstadium der Entwicklung be2523). Abhängig von dem Grad der Interfindenden Industrien(sogenannte infant vention des Staates im Markt spricht man industries) sowie Vorzugskredite und die von einer lenkenden oder einer marktoriöffentliche Auftragsvergabe ein(Schüller 43 entierten Industriepolitik. Bei der lenken2006b). Ob und in welchem Maß die Inden Industriepolitik greift der Staat direkt dustriepolitik die wirtschaftliche Entwickin das Marktgeschehen ein, um Richtung lung und das Wachstum einer Volkswirtund Geschwindigkeit des Strukturwandels schaft beeinflussen, ist wissenschaftlich durch Interventionen zu beeinflussen. So umstritten(z. B. Kim 2005: 313; Noland werden von der Regierung bei einer offenund Pack 2005: 610; Piechottka 2000: siven Industriepolitik einzelne als zukunfts63-70; Pascha 1997: 197-205). Ohne die trächtig angesehene Branchen im Rahmen Berücksichtigung weiterer wirtschaftlicher einer Politik des„industrial targeting“ und und politischer Faktoren kann der Erfolg des„picking the winner“ ausgewählt und bzw. Misserfolg einzelner Länder sicherlich gefördert(Lichtblau und Breuer 1996: 7; nur unzureichend erklärt werden. Gabler 1988: 2523). Neben der Auswahl der Branche geht es dabei auch um die Für viele Entwicklungs- und SchwellenlänFörderung einzelner Unternehmen, die im der spielte eine lenkende Industriepolitik internationalen Wettbewerb stehen. Eine in ihrer nachholenden Wirtschaftsentwickdefensive Industriepolitik in Form einer lung eine Schlüsselrolle(Rodrick 2004). Sie Strukturpolitik zielt dagegen auf die Bewurde eingesetzt, um die internationale standserhaltung ausgewählter Sektoren Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, den und Strukturen. technologischen Rückstand zu reduzieren und um Marktanteile zu gewinnen(PiIm Gegensatz zur lenkenden Industriepoechottka 2000: 217). Allerdings veränderlitik ist die marktorientierte Industriepolitik ten sich in den meisten Ländern im Zuge 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsentwicklung und zunehder nationalen Wirtschaftspolitiken, einmender außenwirtschaftlichen Integration schließlich der Regime für Außenhandel die Form der Industriepolitik und ihr Instruund ausländische Direktinvestitionen, wird mentarium. So steht beispielsweise in den regelmäßig im Rahmen des Trade Policy Industrieländern nicht mehr der Schutz Review Mechanism(TPRM) durch die WTO der inländischen Industrien im Mittelpunkt durchgeführt. der Industriepolitik, obwohl auch dort durchaus vereinzelte protektionistische Maßnahmen beobachtet werden können (Wruuck 2006). Die heutige Industriepolitik ist in vielen Ländern geprägt durch eine Prioritätenverschiebung mit einem Übergang von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft. Insgesamt wird also der Handlungsspielraum für die nationale Industriepolitik durch die WTO-Bestimmungen beschränkt. Dies gilt auch für den Schutz von infant industries, der nicht mehr unbegrenzt möglich ist. Dies zeigten auch die von den USA, der EU und Japan eingeleiteten Verfahren Nationale Industriepolitiken werden durch multilaterale Institutionen wie der WTO beschränkt. Sie untersagt den Mitgliedsländern z. B. über das TRIMS-Abkommen marktverzerrende Maßnahmen, die ausländische im Verhältnis zu inländischen Unternehmen diskriminieren. Investitivor dem Streitschlichtungskomitee der WTO gegenüber Schwellenländern. Vor allem im Automobilsektor verstießen die Schwellenländer gegen die internationalen Standards mit diskriminierenden industriepolitischen Maßnahmen und mussten ihre Politik anpassen. onsmaßnahmen wie staatliche Vorgaben Da die chinesische Industriepolitik eine von inländischen Produktionsanteilen(InReihe von Charakteristika aufweist, die landsfertigungsvorbehalte) bzw. local connicht aus der ordnungspolitischen Tradititent-requirements sind unzulässig. Wie on der westlichen OECD-Länder stammen, beispielsweise in einem WTO-Panel zur sondern sich am Beispiel des erfolgreichen Automobilindustrie Indonesiens im Jahre asiatischen Nachbarlandes Japan 6 orien1998 entschieden, ist auch die Einräutieren, soll im folgenden Abschnitt zumung von Steuervorteilen für die Erfüllung nächst ein Blick auf die Entwicklung und von local content-Anforderungen nicht Grundzüge der japanischen Industriepolikompatibel mit TRIMS. Dementsprechend tik geworfen werden. Anschließend wird forderte die Streitschlichtungsstelle der die chinesische mit der japanischen IndusWTO von Indonesien eine Anpassung der triepolitik verglichen. 44 Industriepolitik(WTO 1998). Industriepolitische Auflagen gegenüber ausländischen Unternehmen, die einen Technologietransfer an die Genehmigung einer Direktinvestition knüpfen, sind nicht WTO-kompatibel. In vielen Schwellenländern wurde ausländischen Unternehmen der Marktzutritt verweigert bzw. an Bedingungen wie die Lokalisierung der Produktion, die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen mit lokalen Partnern oder an die Vorprüfung der Investitionsvorhaben durch Zertifizierungsstellen gebunden. Die Industriepolitik spielte für den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas eine wichtige Rolle. Bei der Gestaltung dieser Politik orientierte sich die politische Führung Chinas jedoch weniger an den westlichen OECDLändern, sondern stärker an den erfolgreichen Vorbildern in der Region, insbesondere an Japan und Südkorea. Mit dem WTO-Beitritt hat sich China allerdings zur Einhaltung der WTO-Regeln verpflichtet, die auch die Inhalte und Instrumente der Industriepolitik beeinflussen. Staatliche Eingriffe zur Kontrolle und Lenkung ausländischer Direktinvestitionen stehen jedoch im Gegensatz zum Diskriminierungsverbot der WTO. Auch unzulängliche Informationen über Veröffentlichung und Anwendungsbereiche von Verwaltungsbestimmungen und Gesetzen wirken diskriminierend; sie verletzen das WTO-Prinzip der Transparenz. Die Überwachung 6_ Siehe hierzu auch den Beitrag von Schüller und Turner (2006: 60-75), der sich neben Japan auch mit Südkorea als Modell für die Industriepolitik Chinas auseinandersetzt. 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit 3.2 Das japanische Vorbild für In Japan wurden im Rahmen der Indusdie Industriepolitik Chinas triepolitik Branchen von strategischer Bedeutung ausgewählt, die hohe EinJapans vorrangiges industriepolitisches Ziel nach dem verlorenen 2. Weltkrieg war der schnelle Wiederaufbau und der Anschluss an das wirtschaftliche Entwicklungsniveau der westlichen Industriestaaten. Zu den Rahmenbedingungen zählte, dass die Industrie durch den Krieg größtenteils zerstört worden war, und die japanische Wirtschaft auch nicht mehr auf billige Arbeitskräfte und Agrarprodukte aus den ehemaligen Kolonien in Ostasien zurückgreifen konnte(Sumiya 2000: 5-9). kommenselastizitäten aufwiesen. Unternehmenskonzentrationen wurden gefördert, um einen exzessiven Wettbewerb zu verhindern und die Produktivität zu steigern. Die Politik unterstützte Fusionen und Kartelle vor allem Mitte der 1960er Jahre. Zwischen 1955 und 1973 konzentrierte sich die Förderung mit günstigen Krediten der Japan Development Bank auf den Bergbau, die Stahl- und Textilsowie auf die Chemieindustrie. Dagegen entfielen auf die Automobilindustrie und den Schiffsbau nur durchschnittlich hohe Fördermittel. Insgesamt wirkte sich die Die verschiedenen Phasen der japanischen Unterstützung von F&E-Aktivitäten der Wirtschaftsentwicklung waren durch unUnternehmen positiv auf die Entwicklung terschiedliche industriepolitische Strateder japanischen Wirtschaft aus(Lichtblau gien gekennzeichnet. In den 1950er und und Breuer 1996: 9-18). 1960er Jahren stand die Selektion und Förderung einzelner Branchen( industrial Ein weiteres wichtiges Merkmal der japatargeting) im Vordergrund. Zu den eher nischen Industriepolitik war die enge Bemarktkonformen Instrumenten der Indusziehung zwischen Politik, Bürokratie und triepolitik zählten Steuervergünstigungen, Wirtschaft. Dieses korporatistische Modell Subventionen und Zollbarrieren. Die Marktgalt als entscheidender Faktor für die Poöffnung erfolgte selektiv und auf den positionierung der japanischen Industrie im litischen Druck der USA Mitte der 1970er internationalen Wettbewerb und wurde Jahre. Neue Industrien wie die Automoals„Blaupause“ von anderen asiatischen bil- und Computerindustrie wurden allerLändern übernommen(Pohl 1992: 52). dings länger vor ausländischer Konkurrenz Visionen und mittelfristige Politikziele geschützt als andere Industrien. Exportwurden in einem Abstimmungsprozess förderung, Rationalisierung und Unterzwischen Vertretern aus diesen Bereichen stützung technologieintensiver Industrien entwickelt. Das Ministerium für interna45 mit Förderung von Technologieimporten tionalen Handel und Industrie(MITI), das blieben bis in die 1980er Jahre wesentliim Jahre 2001 in METI(Ministry of Econoche Schwerpunkte der Industriepolitik. Der my, Trade and Industry) umbenannt wurwirtschaftliche Aufholprozess Japans war de, spielte hierbei zunächst die wichtigste zu diesem Zeitpunkt weitestgehend abgeRolle. Der Einfluss des Ministeriums ging schlossen, und japanische Unternehmen jedoch im Laufe der Zeit zurück, und das mussten verstärkt eigene F&E-Aktivitäten Ministerium entwickelte sich von einem betreiben. Um diese Entwicklung zu unKoordinator hin zu einem Moderator, der terstützen, verlagerte sich die japanische nicht mehr über Subventionen und ReguIndustriepolitik auf die Schaffung günslierungen, sondern durch administrative tiger Rahmenbedingungen für Innovatiguidance Einfluss ausübte(Lichtblau und onen(Neuschwander 1994: 135). In den Breuer 1996: 8). 1990er Jahren und seit Beginn der 2000er Jahre verfolgte die Industriepolitik das Ziel, In welchem Umfang die Industriepolitik Japans führende internationale Wettbeausschlaggebend für den Aufstieg und die werbsposition in vielen Technologiefeldern internationale Wettbewerbsfähigkeit einzu verteidigen, Strukturreformen durchzelner Branchen wie der Computer- und zuführen und neue Wachstumsfelder zu Halbleiterindustrie gewesen ist, bleibt alerschließen. Einen Überblick über die Verlerdings in der wissenschaftlichen Diskusänderung der Ziele und Instrumente der sion umstritten. So weisen einige Autoren japanischen Industriepolitik in verschiedeauf die entscheidende Rolle der Binnennen Phasen gibt die Tabelle 13. marktnachfrage und Innovationskraft der 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Tabelle 13: Japanische Industriepolitik im Wandel Zeitraum Entwicklungsphase Wichtigste Ziele Instrumente 1950er Jahre Wirtschaftliche Reorganisation/Erreichen der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Förderung von Industrien mit hohem Wachstumspotenzial: Maschinenbau, Automobil- und petrochemische Industrie Steuerliche Anreize; günstige Kredite; Devisenzuteilung für Importe von Rohstoffen; Förderung von Maschinenbau und Technologieeinsatz; Protektion des Inlandsmarktes gegen Importe und ausländische Direktinvestitionen 1960er Jahre Wirtschaftliche Unabhängigkeit/ Wirtschaftliche Öffnung Öffnung der japanischen Wirtschaft; Vorbereitung ausgewählter Industrien auf internationalen Wettbewerb; Technologietransfer durch Import von Patenten und Lizenzen Selektiver Abbau von Importbarrieren; Zölle zum Schutz strategischer Industrien; Aufgabe der Devisenbewirtschaftung; Reorganisation der Industrie; finanzielle Anreize für Fusionen 1970er Jahre Wirtschaftliche Öffnung Einführung marktorientierter Elemente; industrieübergreifende Maßnahmen; Management von Außenhandelskonflikten Selektiver Abbau von Importbarrieren und Industrieprotektion; Anpassungshilfen für„alte“ Industrien; Förderung wissensintensiver Industrien; Förderung von Umwelt, Energie und Verkehrsinfrastruktur 1980er Jahre Wirtschaftliche Öffnung/ Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft Weitere Reduzierung der lenkenden Industriepolitik; Übergang zu einem horizontalen Ansatz Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung; Verpflichtung zum national treatment gegenüber ausländischen Unternehmen 1990er Jahre Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft Schaffung von günstigen Rahmenbedingungen für wertschöpfungsintensive Industrien* Reformen des staatlichen Technologie- und Bildungssystems; Verbesserung der Informationsinfrastruktur und des Angebots von Risikokapital Aktuell Entwicklung hin zur Wis- Schaffung von wettbe- F&E-Förderung durch Steueranreize sensgesellschaft werbsfähigen Industrien und Verbesserung des Schutzes durch Innovation; Stär- geistigen Eigentums; Steuererleichkung von KMU** und der terungen für KMU; Förderung von 46 Regionen Kooperationen zwischen KMU *Dazu zählen die Bereiche Information und Kommunikation, neue Energien, Biotechnologie, neue Produktionstechnologien, Luft- und Raumfahrt, Umweltschutz, Personalentwicklung, Stadtentwicklung, Wohnungsbau, Vertrieb und Transport sowie Unternehmensdienstleistungen;** KMU= kleine und mittlere Unternehmen. Quelle: Schüller und Turner(2006: 60-75) basierend auf Beiträgen von Waldenberger(1998: 45-49); Lichtblau und Breuer (1996: 9-25); METI(2006a) und(2006b). 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit japanischen Unternehmen als entscheidelshaus auf. Die Bedeutung der keiretsu dende Ursachen für den Erfolg hin(Hilpert spiegelte sich noch Anfang der 1990er Jah1994: 33). Andere Autoren zweifeln die re darin wider, dass auf die 163 UnternehSchlüsselrolle des MITI für die industriepomen, die zu den sechs größten Unternehlitische Entwicklung an und weisen auf das mensgruppen zählten, 16% der Umsätze Verhalten der Unternehmenskonglomeraund 14% der Gewinne aller japanischen te, der keiretsu, hin. Diese dominierten Unternehmen entfielen. Zu den vertikalen die Industrien für Konsumgüterelektronik, keiretsu zählten die auf Produktion speziElektromaschinen und Automobile und alisierten Unternehmensgruppen, z. B. in unterliefen oftmals staatliche Strategieder Automobilindustrie(Toyota) oder der empfehlungen. Kritisiert wird auch, dass Elektronik(Matsushita). Das besondere sich die Selektion und Förderung zukunftsMerkmal dieser Unternehmensgruppen ist trächtiger Industrien bis 1990 im Wesentihre vertikale Gliederung; am Anfang der lichen auf wachstumsschwache IndustriPyramide befinden sich die Zulieferer, die en konzentrierte(Beason und Weinstein von den Endherstellern über Aktienbeteili1994: 17; Noland und Pack 2003: 33-37). gungen, Technologie- und Personaltransfer abhängen. Weiterhin existieren keiretsu, Es gab noch andere Elemente der japadie auf Distribution spezialisiert sind, z. B. nischen Wirtschaft, die ebenfalls einen für Automobil-Vertriebssysteme(Moerke modellhaften Charakter für die Nach1997: 1-2). Diese Unternehmensgruppen barländer besaßen, insbesondere die als hatten Vorteile beim Zugang zu Finanzieentwicklungsfördernd angesehene enge rungsmitteln, da sie sich nicht über den Beziehung zwischen Banken und UnterKapitalmarkt, sondern durch die Hausnehmen sowie die Existenz großer Unterbank finanzierten(Moerke 1997: 7). Eine nehmensgruppen. Die Verflechtung der Untersuchung der 72 größten japanischen Banken mit den Unternehmen spiegelte Industrieunternehmen aus fünf Branchen sich in dem hohen Anteil der Aktien wider, im Zeitraum 1986-1995 machte deutlich, die japanische Banken an ihren Unternehdass die Zugehörigkeit zu einer keiretsu menskunden hielten; auf Banken entfielen von herausragender Bedeutung für die rd. 26% der Aktien, in den USA liegt dieWettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ser Anteil bei 4% und in Deutschland bei war. Vor allem die Vorteile einer Hausbank 14%. Diese Banken waren als Aktienteilals Finanzintermediär waren dabei mit enthaber mit besonderem Engagement eher scheidend(Moerke 1997: 5 und 18). bereit, langfristige und risikoreiche Investitionen zu finanzieren(Mahlich 2004: 47 244-247). Allerdings veränderten sich mit 3.3 Ziele und Instrumente der Reform des Finanz- und Gesellschaftsrechts die engen Beziehungen zwischen der chinesischen Banken und Unternehmen und die„guten Industriepolitik Kunden“ wandten sich an den Kapitalmarkt. Die Banken boten den„schlechten Chinas Industriepolitik weist viele ElemenKunden“ nun günstige Kredite an, um ihte auf, die auch in Japan sowie anderen ren Umsatzausfall zu kompensieren. Hierostasiatischen Ländern wie Südkorea eindurch kam es zu hoher Liquidität in den gesetzt wurden. Die neuere IndustriepoUnternehmen, zu unproduktiven Investilitik Chinas(ab 1978) unterscheidet sich tionen und niedrigen Gewinnen(Mahlich von diesen Vorbildern insbesondere durch 2004: 259). transformationsbedingte Altlasten(hoher Staatssektor, wenig große PrivatunternehDie japanischen Unternehmensgruppen, men und staatliche Planbürokratie) sowie die keiretsu, spielten ebenfalls eine bedurch die außenwirtschaftliche Integration deutende Rolle. Es gab sechs große horiüber ADI und Technologietransfer. Erst ab zontal organisierte keiretsu, die branchenEnde der 1990er Jahre erfolgte eine stärübergreifend aktiv und durch finanzielle kere Betonung der eigenständigen InnoVerflechtungen mit wechselseitigem Aktivationskapazitäten. Ähnlich wie in Japan enbesitz charakterisiert waren. Die Unterund Südkorea wird die chinesische Indusnehmensgruppen besaßen eine Hausbank triepolitik in einer engen Abstimmung zwiund wiesen mindestens ein Generalhanschen Regierung, Bürokratie und Unter- 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit nehmen(Staatsunternehmen) entwickelt. Seit dem WTO-Beitritt Ende 2001 unterDie durchaus entstehenden korporatistiliegt die chinesische Industriepolitik einem sche Wirtschaftsstrukturen unterscheiden erneuten Wandel. Noch vor dem WTOsich damit deutlich von der in westlichen Beitritt im Jahre 2000 wurden Gesetze und Industriestaaten üblichen Trennung zwiDurchführungsbestimmungen überarbeischen Staat und Wirtschaft. Aufgrund der tet, die sich auf die Konformität mit den Größe und starken ökonomischen PositiWTO-Vorschriften bezogen, insbesondere on der Lokalregierungen sind die Abstimauf Verstöße gegen das Verbot von local mungsprozesse in China jedoch ungleich content-Auflagen, Anforderungen an Exschwieriger als in Japan. portquoten, Vorgaben zum Ausgleich der Handels- bzw. Devisenbilanz der UnterDie chinesische Industriepolitik war bis nehmen sowie auf den TechnologietransEnde der 1970er Jahre durch die Fördefer. Trotz der schrittweisen Deregulierung rung der Schwerindustrie und die Importvieler Wirtschaftsbereiche wird nach wie substitutionspolitik sowie die Dominanz vor durch die staatliche Genehmigungsder Staatsunternehmen und staatlichen hoheit ausländischer Direktinvestitionen Planungsbürokratie geprägt. Die Zuteilung sowie durch Auflagen in Schlüsselsektoren von Verfügungsrechten über Staatsunterder Wirtschaft ein unfreiwilliger Technolonehmen auf die Lokalregierungen und der gietransfer herbeigeführt. Als LenkungsAufbau lokal unabhängiger Industriestrukinstrument dient ein Investitionskatalog, turen verstärkten die Interessengegensätze der im Jahre 2000 angepasst und erneut zwischen Zentral- und Lokalregierungen, im Jahre 2004 überarbeitet wurde und die die Umsetzung von industriepolitizum Januar 2005 in Kraft trat. Ausländischen Leitlinien erschwerte. Die außenosche Unternehmen können danach weirientierte Transformation veränderte die terhin nur eingeschränkt in bestimmten Industriepolitik ab Ende der 1970er Jahre. Branchen aktiv werden. Für den Abbau Die staatliche Planung und administratiund die Verarbeitung von Erzen, Zink oder ve Kontrolle des Industriesektors wurden Aluminium sehen die industriepolitischen schrittweise abgebaut. Obwohl private Vorgaben die Gründung von Gemeinund ausländische Unternehmen im Reschaftsunternehmen vor. Dies ist ebenfalls formprozess zugelassen wurden, sollten in der Luftfahrtindustrie der Fall. So ist der Staatsunternehmen weiterhin den Kern ausländische Anteil am Unternehmenskader Industrieentwicklung bilden. Ihre Umpital bei Design und Herstellung von zivistrukturierung, Effizienzsteigerung und len Luftfahrzeugen, Helikoptern, Flugzeu48 ihre Fusion zu international wettbewerbsgen und –zubehör auf 49% beschränkt. fähigen Unternehmensgruppen begann Dies ist auch im Schiffsbau und bei Naviin den 1980er Jahren. Mit der stärkeren gationsausstattungen mit der Begründung Marktorientierung veränderte sich das Inder Fall, dass diese Bereiche die nationale strumentarium der Industriepolitik, und an Sicherheit betreffen und stärker reguliert die Stelle direkter Zuweisungen aus dem werden müssen. Prominentes Beispiel Staatshaushalt, zentraler Finanzierung von für die Tatsache, dass trotz WTO-Beitritt Infrastrukturprojekten und administrativer noch staatliche Lenkungsmechanismen in Anweisung traten dezentrale Instrumeneinigen Branchen dominieren, ist der Aute wie steuerliche Anreize und Kreditlentomobilsektor. Hier gilt für ausländische kung. In den 1990er Jahren wurde der Investoren nach wie vor die Auflage, keiSchwerpunkt auf die Optimierung der Inne Gemeinschaftsunternehmen mit einer dustriestruktur gelegt, Schlüsselsektoren Mehrheitsbeteiligung gründen zu könausgewählt und deren Entwicklung über nen und local content-Auflagen erfüllen Steuer- und Zinserleichterungen sowie zu müssen. Im Juni 2004 veröffentlichte Zollbarrieren gefördert. Um die Defizite die Nationale Entwicklungs- und Reformin der Technologieentwicklung zu redukommission(National Development and zieren, verfolgte die Regierung eine auReform Commission bzw. NDRC) eine ßenwirtschaftliche Öffnungspolitik, in der neue industriepolitische Richtlinie für die die Schlüsselsektoren durch gelenkte AusEntwicklung der Automobilindustrie(Aulandsinvestitionen vom Technologietranstomotive Industry Development Policy). fer ausländischer Unternehmen profitieren Neben der Kapitalbeschränkung auf 50% sollten. dürfen ausländische Unternehmen danach 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit nur zwei PKW- joint ventures gründen, und jedes joint venture muss eine eigene F&EAbteilung mit einem Investitionsvolumen von mindestens 0,5 Mrd. RMB sowie ein eigenes Motorenwerk haben. Weiterhin muss bei einer Gründung von Gemeinschaftsunternehmen im Automobilsektor die Vereinbarung über den Technologietransfer beim MOFCOM oder der NDRC registriert werden(WTO 2006b: 200-202). Neben den großen Unternehmensgruppen, die die o. g. Sonderrechte erhielten, entstanden ab 1991 Tausende kleinerer Unternehmensgruppen. Die chinesischen Unternehmensgruppen weisen ähnliche Merkmale wie die in Japan bestehenden horizontalen Eigentums- und Kooperationsverflechtungen auf, insbesondere hinsichtlich der Kapitalverflechtungen(Fischer 1998: 3-10,18). Die eigenständige technologische Entwicklung wurde in den letzten Jahren ein weiterer Schwerpunkt der Industriepolitik. Hier bildet das langfristige Technologieentwicklungsprogramm(2006-2020) den Rahmen für die Ziele und Instrumente zum Aufbau der Innovationskapazitäten. Seit einigen Jahren wird darüber hinaus die Globalisierung chinesischer Unternehmen gefördert, und zwar vor allem zur Ressourcensicherung und zur Erhöhung von Anteilen in globalen Schlüsselmärkten. Die staatliche Industriepolitik unterstützte auch die Entstehung einer Reihe von national champions, die sich sowohl auf dem inländischen als auch auf dem internationalen Markt gut platzieren konnten. Neben Hai’er haben vor allem die TCL Corp. und die Huawei Technologie Co., die zu Chinas größten Elektronikunternehmen zählen, mit dem Aufbau von internationalen Produktions- und Distributionsnetzwerken begonnen.(Schüller und Turner 2005: 12; Liu 2005: 90-126). Einen Überblick über die Veränderung der Eine wichtige Rolle in der Industriepolitik chinesischen Industriepolitik im Zeitablauf spielten die staatseigenen Banken, die zur zeigt die Tabelle 14. Hierbei werden die makroökonomischen Stabilität beitrugen. wichtigsten Ziele und Instrumente in den Einerseits finanzierten die Staatsbanken verschiedenen Phasen aufgeführt. die Modernisierung der(Staats-)Unternehmen und den Ausbau der Infrastruktur. Der Zusammenschluss von Unternehmen Andererseits erfolgte die Kreditvergabe wurde offiziell mit dem Beschluss des oft auf Druck von Lokalregierungen und Staatsrats im Jahre 1987 zur Organisation diente der Erhaltung auch nicht-rentabler und Entwicklung von UnternehmensgrupStaatsunternehmen aus sozialpolitischen pen( qiye jituan) als Politikziel verfolgt. Gründen, bespielsweise um den Anstieg 49 Als Begründung dieser Politik wurden der Arbeitslosigkeit zu beschränken. Diese Größenvorteile und das Aufbrechen von Kreditvergabepraxis führte dazu, dass chiadministrativen Barrieren zwischen Renesische Staatsbanken einen ungewöhngionen und Branchen genannt. 1988 lich hohen Anteil an notleidenden Krediten waren 1.630 Unternehmensgruppen bei aufwiesen. Die Asienkrise 1997 beschleuden Verwaltungsämtern für Industrie und nigte allerdings die Kommerzialisierung Handel registriert, davon galten rd. 100 der Banken und reduzierte den Einfluss als große Unternehmensgruppen. Der 8. der Lokalregierungen auf die KreditvergaFünfjahresplan(1991-1995) forderte aktiv be. Die Zentralregierung unterstützte die die Entwicklung von UnternehmensgrupRestrukturierung der Banken durch Kapipen durch Fusionen von Unternehmen, talspritzen und durch Gründung von Aufdie regionen- und branchenübergreifend fanggesellschaften( asset management sein sollten. Es wurden 57 verschiedenen companies), in die die notleidenden KreMinisterien zugeordnete Unternehmen dite ausgegliedert werden konnten. Jede ausgewählt, die den Kern der großen Under vier großen Staatsbanken erhielt eine ternehmensgruppen bilden sollten. Sie eigene Auffanggesellschaft für notleidenerhielten bestimmte Sonderrechte bei der de Kredite, so dass sie sich hierdurch konBesteuerung sowie für den Außenhandel solidieren konnten(Schüller 2006a: 1-8). oder durften eigene Finanzunternehmen gründen. Der 9. Fünfjahresplan(1996Angesichts der wachsenden Präsenz aus2000) vertiefte die Experimente; die Zahl ländischer Unternehmen in China wäre der Unternehmensgruppen stieg auf 63. nach Einschätzung von Liu(2005: 162) ein 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Tabelle 14: Chinesische Industriepolitik im Wandel Zeitraum Entwicklungsphase Wichtigste Ziele Instrumente 19501970er Jahre Planwirtschaft Aufbau der Schwerindustrie; Importsubstitution Arbeitsteilung zwischen Zentralregierung(Militärsektor) und Lokalregierungen(Stahl, Maschinenbau, Kohle, Zement, Kunstdüngerproduktion); Schlüsselsektoren sind Maschinenbau, Energieausrüstungen, Metallurgie sowie Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie; Planvorgaben und staatliche Mittelzuweisungen; Großprojekte 1970er Jahre Wirtschaftsreformen Selektive Importöffnung; Verlagerung von Industrien von der Ostküste nach Zentralchina Importe von Industrieanlagen aus UdSSR und Osteuropa sowie aus westlichen Industrieländern(für Erdölindustrie); Aufbau lokaler Industriestrukturen; Großprojekte 1980er Jahre Wirtschaftsreformen Dezentralisierung, Marktorientierung, Umstrukturierung der Staatsunternehmen; Neuausrichtung der Industriestrukturen Auslösung der Staatsunternehmen aus staatlichem Haushalt, Finanzierung durch Banken; 1989: erste industriepolitische Leitlinien mit indirekten Instrumenten: Zinsen und steuerlichen Anreize; 1987: Staatsrat beschließt Bildung von Unternehmensgruppen 1990er Jahre Wirtschaftsreformen Optimierung der Industriestruktur; Erhöhung des Technologieniveaus; außenwirtschaftliche Öffnung für ADI und Außenhandel Neue industriepolitische Leitlinien(1990; 1994 für Automobilindustrie); Auswahl und Förderung von Schlüsselsektoren wie Maschinenbau, Elektronik, Petrochemie, Automobil- und Baustoffsektor mit Steuerund Zinserleichterungen; Schutz der infant industries; Zulassung ausgewählter Industrien zum Kapitalmarkt; gemeinsame Finanzierung von Großprojekten durch Zentralregierung und Lokalregierungen; Förderung von Unternehmenszusammenschlüssen; staatliche Lenkung von ADI und erzwungener Technologietransfer 50 Seit Unabhängige Außenwirtschaftli- Abbau von Zöllen und nichttarifären Hemmnissen; 2001 Entwicklung che Liberalisierung Förderung von high tech-Industrien wie IT, Bio- und zum global(2001: WTO-Beitritt); Nanotechnologie, von Unternehmenszusammenplayer Globalisierung chi- schlüssen und chinesischen Investitionen im Ausland; nesischer Unterneh- langfristiges Technologieentwicklungsprogramm mit men; Steigerung der Förderung eigener Innovationskapazitäten Innovationskapazitäten Quelle: Schüller 2003: 328-330; Schüller und Turner 2006: 60-75; Fischer 1998: 3-12. Überleben der chinesischen Industrie und die Verbesserung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit ohne den massiven Schutz der Regierung sowie Subventionen und den erzwungenen Transfer von Technologien nicht möglich gewesen. Allerdings waren an dem Erfolg vor allem die Lokalregierungen beteiligt, die stärker noch als die Zentralregierung in der Lage waren, die bestehenden Informationsdefizite zu überwinden, die Grundlage effizienter industriepolitische Maßnahmen sind. Ein Beispiel ist die Stadt Qingdao, die erfolgreich national champions wie die Qingdao Brauerei, das Elektronikunternehmen Hai’er sowie die Provinz-Champions Hisens und Auma förderte(Liu 2005: 167). 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit 3.4 Chinas Industriepolitik: Vergleich mit Japan und Südkorea Tabelle 15: Vergleichende Übersicht der industriepolitischen Rahmenbedingungen in Japan, Südkorea und China Die Länder, die Vorbilder für Chinas Industriepolitik waren, also insbesondere Japan Rahmenbedingungen Japan Südkorea China und Südkorea, weisen sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen auf, so dass ihr Erfolgsmuster nicht ohne Weiteres auf China übertragen werden kann(Schüller und Ausgangslage Bereits vor dem 2. Weltkrieg bestand Bis 1945 japanische Kolonie Industrielle Entwicklung auf niedrigem Turner 2006: 63-69). Japan konnte bereits eine in- und nach Niveau; Sysauf eine industrielle Struktur zurückgreifen und hatte einen großen Binnenmarkt, der neben dem Export die binnenwirtschaftliche Entwicklung tragen konnte. dustrielle Struktur dem 2. Weltkrieg noch vorindustrielle temwechsel von der Plan- zur Marktwirtschaft Der Rohstoffmangel Japans machte eine StruktuAußenanbindung notwendig. Südkorea ren dagegen hatte zu Beginn des Aufholprozesses noch vorindustrielle Strukturen: Sowohl Rohstoffmangel als auch ein kleiner Rohstoffe Rohstoffmangel erzwingt Rohstoffmangel erzwingt Rohstoffe wurden mit der Binnenmarkt erzwangen eine Exportorisofortige sofortige industrieller entierung der Wirtschaft. China dagegen hatte bereits eine umfassende Industrieentwicklung erreicht – wenn auch auf eiAußenorientierung Außenorientierung Weiterentwicklung ein Engpass nem relativ niedrigen Niveau- musste aber Bedeu- Relativ Relativ Hoch, ab Anfang der 1980er Jahre einen Systemwechsel von der Planwirtschaft zur gelenkten Marktwirtschaft bewältigen. Deshalb dominierten die Staatsunternehmen am Anfang der wirtschaftlichen Öffnung die tung des Binnenmarktes für das Wirtschaftshoch niedrig, erforderte Außenorientierung aufgrund der Bevölkerungszahl mit erheblichem Potential chinesische Industrie, im Gegensatz zu Privatunternehmen in Japan und Südkorea wachstum (Pohlmann 2005: 121-130). In China trägt der Binnenmarkt aufgrund der hohen BeEigentumsVorwiegend Vorwiegend Vorwiegend Staatsuntervölkerungszahl einen erheblichen Anteil struktur Privatun- Privatun- nehmen 51 zum chinesischen Wachstum bei und wird dieses auch in Zukunft weiter begünstigen. ternehmen ternehmen Rohstoff- und Energieengpässe haben allerdings auch in China in den letzten JahBedeu- heraustung von ragende herausragende herausragende ren zugenommen und eine Globalisierung großen Rolle der Rolle der Rolle der chinesischer Unternehmen verstärkt. Alle drei Länder haben in der Industrieentwicklung von hohen Investitionsquoten profitieren können(siehe Tabelle 15). Während Japan die industrielle EntwickUnternehmensgruppen und von KMU zu Beginn der Industriakeiretsu, KMU vorhanden chaebol, wenige KMU großen und mittleren Staatsunternehmen, später der jituan, wenige KMU lung im Wesentlichen intern finanzierte, lisierung setzte Südkorea auf eine Finanzierung durch Auslandskredite. Die chinesische Regierung forcierte zwar sehr die Absorbierung ausländischer Direktinvestitionen, Investitionsquoten Sehr hoch, vorwiegend aus inlänSehr hoch, vorwiegend aus Sehr hoch, vorwiegend aus inländischem doch ging es dabei vor allem um den dadischem Kapita- Sparen mit verbundenen Technologietransfer und weniger um die Finanzierung der industriSparen limporten ellen Entwicklung. Eine weitere Gemeinsamkeit, wenn auch unterschiedlich in der Quelle: Schüller und Turner(2006: 60-75). 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit konkreten Ausprägung, ist die Bedeutung bedienen. Es ist jedoch damit zu rechnen, von großen Unternehmensgruppen für die dass zumindest informell weiterhin BarrieUmsetzung industriepolitischer Ziele. ren beibehalten werden. Ob westliche Unternehmen, die sich dadurch benachteiligt Die Industriepolitik Japans hatte für viefühlen, offen dagegen vorgehen oder eher le Länder in Asien zwar Modellcharakter, stillhalten, bleibt abzuwarten. aufgrund der unterschiedlichen nationalen Bedingungen haben diese Länder jeGleichwohl muss China in Zukunft neue doch nicht alle Elemente der japanischen industriepolitische Wege einschlagen, um Politik übernommen, sondern diese inZugang zu Technologien zu erhalten, die haltlich abgewandelt. Gemeinsame Elees benötigt, um die Wettbewerbsfähigmente waren die Exportorientierung mit keit der Wirtschaft weiter zu verbessern. selektiver Importsubstitution sowie die in Langfristig ist es unabdingbar, die eigenen vielen Ländern erfolgte Auswahl und FörInnovations- und Entwicklungskapazitäten derung strategischer Industrien( industrial zu fördern. Damit steigt mittelfristig auch targeting). Einer der wesentlichen Unterdas Eigeninteresse der chinesischen Regieschiede zwischen der nordasiatischen In- rung, Patent- und Lizenzrechte stärker zu dustriepolitik(Japan, Taiwan, Südkorea) schützen. Der Abbau von Restriktionen und der südostasiatischen Industriepolitik beim Zugang zu Industriebranchen wird (ASEAN-Mitgliedsländer, bestehend aus weiterhin die Bedeutung der PrivatunterBrunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, nehmen als Träger von Innovation und Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Wettbewerb erhöhen. Als Engpassfaktor Thailand, Vietnam) ist die Rolle von ADI der industriellen Entwicklung wird sich die und die des Technologietransfers. Japan Knappheit bei qualifizierten Arbeitskräften und Südkorea haben schon zu Beginn der auswirken. Dies könnte die Umsetzung amindustriepolitischen Initiativen auf eigene bitionierter Pläne durchaus verlangsamen. Technologieführerschaft durch den Import von Technologien(Patente, Lizenzen) und ihre Verbesserung gesetzt sowie Auslandsinvestitionen weitgehend abgelehnt bzw. erst relativ spät in den 1980er Jahren zugelassen. China dagegen bevorzugte für das technologische catching up ADI und Technologietransfer über joint venture-Un52 ternehmen mit ausländischen Investoren und begann erst nach dem WTO-Beitritt 2001 ein stärkeres Gewicht auf eigenständige Innovation zu legen. Die meisten übrigen Länder der Region verbesserten in den 1980er Jahren ihre Standortanreize, um an dem international wachsenden Strom von ADI und dem damit verbundenen Technologietransfer ebenso teilhaben zu können. Mit dem Beginn der Reformpolitik und der außenwirtschaftlichen Öffnung in China wuchs der Wettbewerbsdruck ab Ende der 1980er Jahre um ADI für die asiatischen Länder, die ihre Investitionsregime deshalb schrittweise weiter liberalisierten(Schüller und Turner 2006: 70-71). Japanische Unternehmen haben in ihrer Aufholjagd gegenüber dem Westen vom staatlichen Protektionismus profitiert. China darf sich dagegen nach dem WTOBeitritt nicht mehr bestimmter protektionistischer industriepolitischer Instrumente 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit Tabelle 16: Vergleichende Übersicht industriepolitischer Instrumente Japans, Südkoreas und Chinas Industriepolitische Instrumente Japan Südkorea China Abstimmungsprozess Ja Ja Ja zwischen Politik, Bürokratie und Unternehmen Exportorientierung, Ja Ja Ja selektive Importliberalisierung, Schutzzölle Umgang mit ausländischen Direktinvestitionen ablehnend in der Anfangsphase ablehnend in der Anfangsphase massive Förderung ausländischer Direktinvestitionen Auswahl, Schutz und Förderung strategischer Branchen(industrial targeting) 1950er Jahre: Maschinenbau, Automobilund petrochemische Industrie, später neue Industrien* 1970er Jahre: Schwerund Chemieindustrie, später neue Industrien* 1990er Jahre: Maschinenbau, Elektronik, Petrochemie, Automobil- und Baustoffsektor, später neue Industrien* Unterstützung der Unternehmensfinanzierung Über Hausbanken der Unternehmensgruppen; implizite staatliche Garantien für Investitionskredite bei Banken Implizite staatliche Garantien für Investitionskredite bei Banken Bevorzugung der Staatsunternehmen bei Kreditvergabe durch Staatsbanken Technologieimport (wichtigstes Instrument) Technologietransfer über Lizenzen Technologietransfer über Lizenzen Technologietransfer über joint ventures Technologieförde- Ja Ja Ja rung, umfangreiche F&E-Mittel Besonderheiten Industriepolitik der Lokalregierungen hat hohen Stellenwert 53 *Neue Industrien sind Bio- und Nanotechnologie, Umwelttechnologie und neue Materialien. Quelle: Eigene Zusammenstellung. 3_ Chinas internationale Wettbewerbsfähigkeit 54 4_ Chinas Technologiepolitik Chinas Technologiepolitik Technologiepolitik ist Teil der Industriepo- siven Unternehmen staatseigene Unterlitik und umfasst nach einer allgemeinen nehmen sind oder eine enge Verbindung Definition alle staatliche Maßnahmen, die zum Staatssektor aufweisen(Sigurdson sich zum einen auf die Umsetzung von 2005: 8). Mittel- und langfristigen Plätechnischen Erfindungen in wirtschaftline und Programme der Zentralregierung che Anwendungen(technische Innovatiound der zuständigen Ministerien spielen nen) und zum anderen auf die Verbreitung eine Schlüsselrolle für die Entwicklung von Produkt- und Prozessinnovationen von Wissenschaft und Technologie(Müller (Diffusion) beziehen. Zu den Maßnahmen und Schüller 2004: 1324-1328; Schüller und Instrumenten zählen dabei u. a. die und Conlé 2007: 63). Insgesamt wurden Förderung technologieorientierter öffentseit Beginn der Wirtschaftsreform fünf licher Einrichtungen(Forschungsinstitute, wichtige Wissenschafts- und TechnoloUniversitäten etc.), privatwirtschaftlicher gieprogramme durchgeführt, die zwar inInnovationsprojekte(durch Zuschüsse und zwischen modifiziert und ergänzt wurden, Steuervergünstigungen) und Technoloaber viele Kernelemente noch besitzen(Sigieparks, um eine direkte Zusammenargurdson 2005: 10). beit zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft anzuregen und damit den Zu den wichtigsten Programmen, die vom Technologietransfer zu erleichtern(Meyers chinesischen Ministerium für Science and Lexikon o.J). Um die zukünftige industriTechnology(MOST o.J.) aufgestellt wurelle Wettbewerbsfähigkeit eines Landes den, zählte das High Tech Research and zu stärken, wird auch von Ökonomen, Development Programme 893, das im die in der klassischen marktwirtschaftliMärz 1986 begonnen wurde und auf eichen Tradition stehen, eine Anknüpfung nen Zeitraum von 15 Jahren angelegt war. an die Determinanten des InnovationsproHierdurch sollte der technologische Rückzesses gefordert. Neben der Gestaltung stand Chinas gegenüber dem Ausland repositiver Rahmenbedingungen im gesellduziert werden. Das Programm umfasste 55 schaftlichen Umfeld und der Stärkung des eine direkte Förderung des WissenschaftsWettbewerbs als Entdeckungsverfahren und Technologieniveaus im Agrarsektor, wird dazu vor allem die Unterstützung der der traditionellen Industriezweige und der Unternehmen als Motor des Innovationshigh tech-Industrien. Außerdem wurde prozesses, die Förderung der Grundlagenein Schwerpunkt auf Forschungen in der forschung und die Bereitstellung von RisiAgro-Biotechnologie und medizinischen kokapital für innovative Projekte genannt Biotechnologie gelegt, auf Verarbeitungs(Starbatty 2000: 12-14). technologien, Entwicklung von Kernreaktoren und auf die militärische Forschung. Im Vordergrund der staatlichen Förderung 4.1 Technologiepolitische Schwerpunkte und Maßnahmen standen strategisch wichtige high tech Felder, wie Automatisierung, Biotechnologie, Raumfahrt-, Informations-, Laser-, Energie-, Meeres- und Materialtechnologie (MOST 2006). Das„863“-Programm umBis Anfang der 1980er Jahre beschränkte fasste mit sieben Schwerpunktbereichen sich Chinas Wissenschafts- und Technoein Fördervolumen von 600 Mio. Euro für logiepolitik auf Aktivitäten im staatlichen den Zeitraum 1986 bis 2000; die Hälfte Sektor. Obwohl inzwischen die Unternehdes Budgets wurde für F&E und Entwickmen formal die Hauptträger von F&E sind, lung der Agro-Biotechnologie bereitgeist der staatliche Einfluss nach wie vor dostellt. Der Funken-Plan war ein weiteres minant, da die meisten forschungsintenFörderprogramm von nationaler Bedeu- 4_ Chinas Technologiepolitik tung, der im Jahre 1986 begann und sich führte dies zu einer hohen Zahl ineffizienauf die ländliche Wirtschaftsentwicklung ter Unternehmen. So existierten in China konzentrierte. Das Programm sollte den Ende der 1990er Jahre z. B. 115 Monta„Funken“ durch Demonstrationszonen gefabriken für die Automobilherstellung für Technologieanwendung entzünden, (Thun 2006: 59). die„spark technology intensive zones“ genannt wurden. Das„863“-Programm Wichtiges Element der Technologiepowurde in den anschließenden Jahren litik ist neben dem Aufbau eigener F&Efortgesetzt und für den Zeitraum 2001Kapazitäten nach wie vor der Technolo2005 mit einem Budget in Höhe von 1,5 gietransfer mit dem Ausland. Allerdings Mrd. Euro ausgestattet(Huang und Wang wurden die Erwartungen der chinesischen 2002: 122-125; Pattloch o.J.). Durch das Regierung, die bei der Marktöffnung vor MOST werden außerdem insgesamt 160 allem auf eine Beschleunigung der WisForschungsinstitute mit einer Schlüsselsenschafts- und Technologieentwicklung funktion bei F&E mit einem Betrag von rd. gesetzt hatte, bis Ende der 90er Jahre nur 15 Mio. Euro pro Jahr gefördert; 30% der teilweise erfüllt. So fand die Diffusion von Institute werden von der Chinese Academy Technologien nur schleppend statt und of Sciences(CAS) betrieben. Weitere interder Umfang der F&E-Investitionen auslännationale Programme wie beispielsweise discher Unternehmen sowie positiver spill die Beteiligung am europäischen Satelliover-Effekte blieben gering. Dass Austennavigationssystem Galileo werden mit landsunternehmen zunächst relativ wenig 30 Mio. Euro pro Jahr unterstützt. Darüin F&E investierten, wird im Allgemeinen ber hinaus finanziert MOST das Programm mit unzureichend gesicherten geistigen „973“ für Megaprojekte der GrundlagenEigentumsrechten sowie mit der Unterund der angewandten Forschung sowie nehmensstrategie vieler Auslandsunterdas Torch-(bzw. Fackel)-Programm mit 3 nehmen begründet, die China lediglich als Mrd. Euro pro Jahr(Pattloch o.J.). Wähkostengünstigen Montagestandort nutzen rend das„863“-Programm die Zusam(Müller und Schüller 2004: 1332). Diese menarbeit von Forschung und Industrie Situation verändert sich zunehmend. Dass auf ausgewählten Feldern unterstützt, die China als Standort für F&E-Aktivitäten von der Regierung als high tech klassifiziert ausländischer Unternehmen insgesamt werden, konzentriert sich das Torch-Proattraktiv geworden ist, belegt die Studie gramm auf die erforderliche Infrastruktur der UNCTAD aus dem Jahre 2005. Danach für diese Zusammenarbeit. Das Herzstück lag China für fast zwei Drittel der befragdes Torch-Programms sind die high-tech ten Unternehmen an erster Stelle als Ziel 56 Parks mit Inkubatoren für die Betreuung von F&E(UNCTAD 2005a). Um die Chanvon Unternehmensneugründungen(Concen der Verlagerung von F&E-Kapazitäten lé, Schüller und Wogart 2008). zu nutzen, hat die chinesische Regierung steuerliche Anreize und Förderprogramme Zu den Instrumenten der chinesischen entworfen(KPMG 2007: 13). Technologiepolitik gehören die Vermittlung von kostengünstigen Krediten, die Die Technologiepolitik setzt in den letzVergabe von Lizenzen und nach wie vor ten Jahren vor allem auf die Stärkung der auch der Schutz vor Wettbewerbern durch Intermediäre, vor allem auf Technologiedie Lokalregierungen. Dieser führte allerparks und spezielle Wirtschaftszonen. Sie dings oftmals zu einer zunehmenden Fragsollen die Interaktion zwischen den Akmentierung des chinesischen Marktes und teuren der Forschungsinstitute, Universitäwurde von der Zentralregierung kritisiert. ten und Unternehmen verbessern und die Das Verhalten der Lokalregierungen erklärt Kommerzialisierung neuer Erkenntnisse sich dadurch, dass zwar die Privatisierung beschleunigen. Anfang der 1980er Jahre staatseigener Unternehmen seit Ende der wurde mit dem Aufbau von Sonderwirt1990er Jahre vorangetrieben worden war, schaftszonen in China begonnen, die als doch die meisten Lokalregierungen nach marktwirtschaftliche Experimentierfelder wie vor Unternehmen in ihrer Jurisdiktion und Fenster zur Weltwirtschaft dienten. als ihr Eigentum betrachteten und deshalb Mit dem starken regionalen Wettbewerb auch förderten. Einerseits wurden dadurch der Provinzen und Metropolregionen national champions kreiert, andererseits nahm ihre Zahl rasch zu(Yang 1997). Das 4_ Chinas Technologiepolitik „Fackel“-Programm unterstützte ab Mitte der 1980er Jahre ebenfalls die Kommerzialisierung von wissenschaftlichen Ergebnissen. Im Rahmen dieses Pogramms wurden 53 High technology Development Zones ins Leben gerufen. Diese Zonen waren von der Zentralregierung genehmigt worden, während Provinzen und Städte auf lokaler Ebene mehrere hundert dieser Zonen bzw. Technologieparks gründeten. Der Zhongguancun-Technologiepark im Bezirk Haidain in Beijing ist inzwischen das national bedeutendste F&E-Zentrum geworden(Walsh 2003: 45; Schüller und Conlé 2007: 65). etwa 700.000 km Länge(CSY 2005: 584) mit Schwerpunkten in den Küstenregionen. Drei Projekte des Ministeriums für Informationstechnologie(das frühere Ministerium für Post und Telekommunikation) und Projekte anderer Ministerien zur Verbesserung der IKT-Infrastruktur hatten hierauf Einfluss(Walsh 2003: 57). Neben dem Ausbau der traditionellen IKT-Infrastruktur, also dem Festnetz, wurde die Infrastruktur für die Entwicklung des Mobilfunks bereit gestellt(Schüller und Conlé 2007: 65). Die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen der Universitäten und anderer F&E-Institute wird von sogenannten 4.2 Rolle des Technologietransfers aus dem Ausland „Inkubatoren“ gefördert. Sie unterstützen Unternehmensneugründungen mit phyDie Übernahme von ausländischen Techsischer Infrastruktur sowie mit Dienstleisnologien im Rahmen von Gemeinschaftstungen. Dazu zählen z. B. die Vermittlung unternehmen mit Partnern aus Indusder Finanzierung, die Bereitstellung von trieländern gilt als eine der wichtigsten Laboren sowie Rechts- und ManagementMöglichkeiten für Entwicklungsländer, beratung. Praktisch alle Technologieparks wirtschaftlich aufzuholen. Trotzdem stellt haben ihre eigenen, entweder von der die UNCTAD(2001: 11) in einem Bericht Zentralregierung oder den Lokalregierunhierzu fest, dass der Einfluss von ADI auf gen aufgebauten Inkubatoren, für deren die Technologieentwicklung in den EntGründung oftmals Bauland von der Lowicklungsländern bisher eher beschränkt kalregierung zur Verfügung gestellt wird geblieben ist. Multinationale Unterneh(CSTS 2006; Schüller und Conlé 2007: men neigten dazu, F&E-Aktivitäten in ih66). rem Heimatland oder in anderen Industrieländern durchzuführen:“The impact of Die 42 Universitäts- und Technologie- FDI on technology generation in developarks auf nationaler Ebene sowie mehr als ping countries has so far been limited. 57 100 Parks auf lokaler Ebene(CEY 2005: TNCs tend to centralize their research and 268) sind besonders für die nach Chidevelopment(R&D) in their home counna zurückgekehrten hochspezialisierten tries and a few other industrially advanced Wissenschaftler interessant. Sie nehmen countries”(UNCTAD 2001: 11). Für Chiinzwischen eine wichtige Funktion im Forna lässt sich dagegen ein gemischtes Bild schungssystem Chinas ein und sind am zeigen, da einerseits die gestiegene WettAufbau von F&E-Zentren multinationaler bewerbsfähigkeit im Außenhandel vor alUnternehmen beteiligt. Die chinesische lem auf ADI zurückgeführt werden kann Regierung hat für ihre Rückkehr eine Vielund durchaus spill over-Effekte in einigen zahl von Anreizen eingeführt, um den soBranchen festzustellen sind. Andererseits genannten reverse brain drain zu fördern. ist die eigenständige Innovationskraft nicht in dem von der Regierung erwarteEin weiteres Element der Technologiepoten Umfang gestiegen, so dass verstärkt litik ist die Förderung der Informationsin den Aufholprozess durch eigenständige und Kommunikationstechnologien(IKT), Innovation investiert werden soll. insbesondere Telekommunikations- und Internettechnologien, die zur TechnoloWie bereits zuvor gezeigt wurde, war der giediffusion im nationalen InnovationssysTechnologietransfer zwischen China und tem Chinas beitragen(Naughton 2007: dem Ausland im Zusammenhang mit der 370-371). Hierzu zählte beispielsweise Gründung von sino-ausländischen Gemeinder Ausbau des Glasfaserkabelnetzes auf schaftsunternehmen von zentraler Bedeu- 4_ Chinas Technologiepolitik tung für die Veränderung der chinesischen Außenhandelsstruktur, die inzwischen relativ hohe Anteile technologieintensiver Produkte aufweist. Die Unternehmen mit Auslandskapital waren noch vor den Staatsunternehmen die wichtigsten Akteure beim Import moderner Technologie. Bezogen auf das Jahr 2004 entfielen vom gesamten wertmäßigen Technologieimport rd. 48% auf Unternehmen mit Auslandskapital, auf Staatsunternehmen rd. 45% und auf chinesische Privatunternehmen 2,03%. 7 Ein näherer Blick auf die Zusammensetzung des Technologieimports zeigt für das Jahr 2004, dass die Bereiche Wissenstransfer, Produktionsanlagen sowie technische Beratung und Dienstleistungen mit Anteilen von rd. 30%, 27% und 25% am stärksten vertreten waren(siehe Abbildung 8). Die EU-Mitgliedsländer sind beim Technologieimport traditionell die wichtigsten Lieferanten für China. Ihr Anteil am Vertragswert lag im Jahr 2004 bei 40% und stieg im Zeitraum Januar bis August 2005 auf 46%. An zweiter Stelle lag Japan mit einem Anteil von 21% bzw. 23%. Die USA wiesen zwar im Jahr 2004 mit ebenfalls 21% einen ebenso hohen Importwert auf, fielen jedoch in der Periode Januar bis August 2005 auf einen Anteil von 15% am Vertragswert zurück(siehe Tabelle 17). Der Import aus den EU-Mitgliedsstaaten konzentriert sich auf den Import von know how und technischen Dienstleistungen. Hinzu kommt, dass EU-Unternehmen auch bei den von ausländischen Unternehmen gegründeten F&E-Zentren eine Schlüsselrolle spielen. Tabelle 17: Chinas Technologieimporte aus den Triadeländern, 2004 und 2005 Summe EU Japan USA Anzahl der Verträge* 8.605 (6.404) 2.194 (1.615) 2.219 (2.219) 1.287 (1.287) Vertragswert (Mrd. US$)* 13,86 (10,57) 5,51 (4,89) 2,94 (2,46) 2,92 (1,61) Anteile in %* 100(100) 39,79 (46,2) 21,2 (23,2) 21,08 (15,2) 7_ Die übrigen Anteile entfielen auf chinesische Unternehmen im Kollektiveigentum(0,43%) sowie auf sonstige Unternehmen(4,41%).(Pattloch o.J.) 58 Abbildung 8: Zusammensetzung des Technologieimports, 2004, in% Quelle: Pattloch o.J. *Die Zahlen in Klammern sind die Importewerte für den Zeitraum Januar bis August 2005. Quelle: Pattloch o.J. Wie abhängig ist China von ausländischer Technologie? Ein Indikator dafür ist das Verhältnis zwischen dem Wert der Technologieeinfuhren und den F&E-Ausgaben der chinesischen Industrie. Die OECD kommt in einer Untersuchung hierzu zu dem Ergebnis, dass bis 1997 die F&E-Ausgaben der Industrie deutlich niedriger ausfielen als ihre Technologieimporte und dass ein Substitutionseffekt zwischen beiden Indikatoren bestand. Mit steigenden F&EAusgaben wurden weniger Technologien importiert. Die OECD–Studie verwies außerdem auf vier Industrien, in denen eine besonders hohe Abhängigkeit von ausländischer Technologie bestand. Das waren computergestützte Produktionstechnologien, Computer- und Telekommunikationstechnologien, Mikroelektronik sowie Luft- und Raumfahrttechnologie. Auf diese vier Bereiche konzentrierten sich Ende 4_ Chinas Technologiepolitik der 1990er Jahre rd. 90% der Technologieimporte. Der Hauptanteil der high tech Importe erfolgte Mitte der 1990er Jahre durch ausländische Unternehmen(1996: 60%), chinesische Staatsunternehmen importierten 37% und sonstige chinesische Unternehmen 3% der gesamten high tech-Produkte(OECD 2002: 205-208; Top 2007: 59-60). 4.3 Entwicklung der chinesischen high tech-Industrie Der Übergang von einer low tech- zu einer high tech-Industriestruktur ist das Ziel der meisten Länder mit nachholender Wirtschaftsentwicklung. Wie gezeigt wurde, förderte die Industriepolitik Chinas die Entwicklung von technologie- und wissensintensiven Industrien. Zu den Merkmalen dieser Industrien zählen: • hohe Wachstumsraten und steigende Bedeutung in Relation zur gesamten verarbeitenden Industrie und zum BIP; • Dominanz weniger high tech Industriezweige, nämlich Elektronik und Telekommunikation, Pharmaindustrie, Computer und Büromaschinen, medizinische Ausrüstungen und Messgeräte sowie Luft- und Raumfahrt; • herausragende Stellung der großen und mittelgroßen Unternehmen und • zentrale Rolle der Unternehmen mit Auslandskapital hinsichtlich Wertschöpfung und high tech-Außenhandel. Der Anteil der high tech-Industrien an der gesamten verarbeitenden Industrie stieg von 8,1% im Jahre 1998 auf 10,9% im Jahre 2004. Gemessen am BIP verdoppelte sich der prozentuale Anteil der high tech Industrien von 2,1% im Jahr 1998 auf 4,0% im Jahr 2004. Wie die Tabelle 18 zeigt, erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten zwischen 1998 und 2004 von 3,9 Mio. auf 5,9 Mio. Arbeitskräfte, die industrielle Wertschöpfung stieg in diesem Zeitraum um mehr als das Dreifache und auch die Steuern und Gewinne haben sich mehr als verdoppelt. Tabelle 18: Indikatoren der chinesischen high tech-Industrie, 1998-2004 Beschäftigte(in Mio.) Industrielle Wertschöpfung(in Mrd. RMB) Industrieller BPW*(in Mrd. RMB) Steuern und Gewinne(in Mrd. RMB) Umsatz(in Mrd. RMB) 1998 3,930 178,5 711,1 55,5 658,0 1999 3,840 2000 3,900 2001 3,980 2002 4,240 2003 4,770 2004 5,870 210,7 275,9 309,5 376,9 503,4 634,1 821,7 1.041,1 1.226,3 1.509,9 2.055,6 2.776,9 71,3 103,3 110,8 116,6 146,5 129,4 782,0 1.003,4 1.201,5 1.461,4 2.041,2 2.784,6 *Abkürzung für Bruttoproduktionswert. Quelle: MOST(2006). Die wichtigsten high tech-Branchen waren im Jahr 2004- bezogen auf ihre Anteile an der industriellen Wertschöpfung- die Industrien für elektronische und Telekommunikationsausrüstungen, die pharmazeutische Industrie, die Industrie für Computer und Büromaschinen, für medizinische Ausrüstungen und Messgeräte und für die Luft- und Raumfahrt(siehe Tabelle 19). Tabelle 19: Die wichtigsten high tech-Industriebranchen, 1998-2004, in Mrd. RMB 1998 Industrielle Wertschöpfung der high tech-Industrie gesamt 178,5 Pharmazeuti- 43,3 sche Industrie Luft- und 8,7 Raumfahrt Elektronische 87,0 und TelekomAusrüstungen Computer und 26,6 Büromaschinen Medizinische 12,9 Ausrüstungen und Messgeräte 1999 210,7 51,5 9,2 112,2 24,1 13,7 2000 275,9 63,4 10,6 147,1 37,4 17,4 2001 309,5 72,2 12,4 162,3 43,2 19,3 2002 376,9 83,5 14,9 193,9 60,4 24,2 2003 503,4 102,5 14,1 257,2 102,2 27,5 2004 634,1 117,3 14,9 336,6 122,6 42,7 Quelle: MOST(2006). 4_ Chinas Technologiepolitik Bezogen auf die Unternehmensgröße dominieren nach einer Auswertung von MOST große und mittelgroße Unternehmen in der high tech-Industrie. Im Jahre 2004 entfiel auf Großunternehmen ein Anteil von 39,2% und auf mittelgroße Unternehmen 38,7% der gesamten industriellen Wertschöpfung; kleine Unternehmen trugen mit 22,1% bei. Die Unternehmensgroße variiert in den verschiedenen high tech-Industriebranchen, die in der Abbildung 9 vorgestellt sind. Während Großunternehmen in der Luft- und Raumfahrt, in der Industrie für Computer und Büromaschinen sowie in der Industrie für elektronische und Telekom-Ausrüstungen mit Anteilen von 62,4%, 58,6% und 43,8% eine zentrale Rolle spielen, ist dies nicht der Fall in den übrigen zwei high tech-Industriebranchen. So sind Großunternehmen in der pharmazeutischen Industrie und in der Industrie für medizinische Ausrüstungen und Messgeräte mit Anteilen von lediglich 14,5% bzw. 6,6% vertreten, während kleine Unternehmen Anteile von 37,1% bzw. 56% aufweisen. Die bedeutende Rolle der Unternehmen mit Auslandskapital in der high tech-Industrieentwicklung spiegelt sich in ihren Anteilen am Außenhandel und in der Wertschöpfung dieser Industrien wider. Auf Unternehmen mit Auslandskapital entfallen Schätzungen zufolge rd. 90% des high tech-Außenhandels, sie besitzen also eine Schlüsselrolle(Naughton 2007: 394 ff). Chinesischen Statistiken zufolge(siehe Tabelle 20) entfielen 2004 auf Unternehmen mit Auslandskapital rd. 61% der Wertschöpfung der high tech Industrie, auf staatseigene Unternehmen dagegen nur 21,4%. Die Branchen, in denen die Unternehmen mit Auslandskapital 2004 am stärksten vertreten waren, sind die pharmazeutische Industrie(Anteil 71%) sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie(87%). Abbildung 9: Ausgewählte high tech-Industriebranchen nach Unternehmensgröße,2004, Anteile an der industriellen Wertschöpfung, in% Quelle: MOST(2006). Tabelle 20: Eigentumsstruktur in ausgewählten high tech-Industriebranchen bezogen auf die industrielle Wertschöpfung, 2004, in% High tech Industrie gesamt Pharmazeutische Industrie Luft- und Raumfahrt Elektronische und TelekomAusrüstungen Computer und Büromaschinen Medizinische Ausrüstungen und Messgeräte Unternehmen mit Auslandskapital/ joint venture-Unternehmen 61,3 71,0 87,1 26,9 44,5 16,1 Staatseigene Unternehmen 21,4 20,5 10,8 26,7 19,7 31,9 Quelle: MOST 2006. 4_ Chinas Technologiepolitik 4.4 Innovationskapazität der chinesischen Wirtschaft und langfristige Innovationsplanung Um die Innovationskapazität zu untersuchen, wird im Allgemeinen eine Analyse des nationalen Innovationssystems(Freeman 1995) durchgeführt. Hierunter wird das Netzwerk von Subsystemen bzw. Institutionen verstanden, deren Interaktion die Leistungsfähigkeit des gesamten Innovationssystems bestimmt(Nelson 1993: 12). Es werden in diesem Netzwerk von Institutionen neue Technologien initiiert, importiert, modifiziert und verbreitet. In ihrem Bericht Capability building for Catching-up bietet die UNIDO(2005: 68) eine graphische Darstellung des nationalen Innovationssystems an, in dem die wichtigsten auslösenden Faktoren, Komponenten, Subsysteme und Funktionen vorgestellt werden. Wie in Abbildung 10 deutlich wird, besteht ein Fluss von Ressourcen, Wissen, Anreizen, Gütern und Dienstleistungen zwischen den Subsystemen Forschung und Bildung, Unternehmenssektor und dem wirtschaftspolitischen Subsystem. Einige Elemente des Innovationssystems werden im Folgenden näher betrachtet, um Aussagen über Chinas Innovationskapazität machen zu können(Schüller und Conlé 2007: 61). Im Innovationssystem spielen die F&E-Ausgaben als Inputfaktoren eine Schlüsselrolle. Obwohl China große Anstrengungen unternommen hat, seine Innovationskapazitäten auszuweiten, liegt das Land im internationalen Vergleich bei den F&EAusgaben in Relation zum BIP noch deutlich hinter den OECD-Ländern, insbesondere hinter Japan und Südkorea, zurück. In Kaufkraftparität berechnet, rangierte China im Jahre 2006 mit einer Ausgabenhöhe von 102 Mrd. Euro bereits auf Rang zwei hinter den USA(248 Mrd. US$); die Mitgliedsländer der EU 15 verzeichneten zusammen einen Wert von 173 Mrd. Euro (Pattloch o.J.). Abbildung 10: Innovationssystem: Auslösende Faktoren, Komponenten, Subsysteme und Funktionen 61 Quelle: Schüller und Conlé(2007) in Anlehnung an UNIDO 2005: 68. 4_ Chinas Technologiepolitik Abbildung 11: F&E-Ausgaben ausgewählter Länder*, 1994 und 2004, in% des BIP *Die Werte für EU 15 und Indien beziehen sich auf das Jahr 2003. Nach Angaben des indischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie erreichten die F&E-Ausgaben einen Wert von 0,8% im Jahr 2003. Quelle: OECD 2007: 147. Einen Überblick über die Entwicklung der Innovationskapazitäten bietet die Tabelle 21. Die zentrale Rolle des Staates im Innovationssystem spiegelt sich nur unzureichend im Anteil der Regierung an der Finanzierung der F&E-Ausgaben wider (Schüller und Conlé 2007: 62). Dieser lag in China bei rd. 30% im Jahr 2003 und fiel bis 2005 auf 26%. Nach wie vor sind Staat und Wirtschaft in China jedoch eng miteinander verzahnt. Staatsunternehmen stellen den überwiegenden Teil der großen Unternehmen, die Hauptträger der industriellen F&E-Tätigkeit sind. Weiterhin besitzen Lokalregierungen im Innovationssystem eine wichtige Funktion. So finanzieren Lokalregierungen rd. 34% der gesamten Ausgaben für Wissenschaft und Technologie. Insbesondere diejenigen Lokalregierungen in China, denen staatseigene Unternehmen unterstellt waren, haben deren technologische und wirtschaftliche Entwicklung aktiv gefördert. 8 Eine herausragende Rolle als intermediäre Faktoren spielen Humankapital bzw. Investitionen in die Bildung. Mit dem Beginn der Wirtschaftsreformen Anfang der 1980er Jahren wurde von der Regierung eine Restrukturierung der Bildungslandschaft in Gang gesetzt, da die Schulen und Hochschulen in ihrer Entwicklung gegenüber anderen Ländern zurückgeblieben waren. Anfang der 1990er Jahre erfolgte der Aufbau neuer Schwerpunkthochschu62 len sowie post doc-Forschungszentren mit dem Ziel, die Zahl der qualifizierten Fachkräfte zu erhöhen(Li 2005: 101). 1994 zählte China mit einem Anteil der F&E-Ausgaben am BIP in Höhe von 0,64% zu den Schlusslichtern im regionalen Vergleich. Zu diesem Zeitpunkt lagen die F&E-Ausgaben in Japan und Südkorea um rd. das Vierfache höher. Bis zum Jahre 2004 konnte China die F&E-Ausgaben auf 1,23% zwar verdoppeln, aber auch Japan und Südkorea steigerten ihre F&E-Ausgaben weit über den OECD-Durchschnitt von 2,26% im Jahre 2004 auf 3,13% bzw. 2,85%(siehe Abbildung 11). Dass die F&E-Ausgaben in China noch relativ niedrig sind, kann als einer der Gründe für den im internationalen Vergleich bisher relativ geringen Anteil der Produkte mit mittlerer und hoher Technologie am verarbeitenden Gewerbe angesehen werden. Eine Exzellenzinitiative soll außerdem die Qualitätssteigerung hin zu Spitzenuniversitäten fördern. Die primäre und sekundäre Ausbildung hat sich in den letzten Jahren in China verbessert und gilt im Vergleich zu vielen anderen Entwicklungsländern als überdurchschnittlich gut. Auch im Ranking und in der Anzahl der Top-Universitäten schneidet China relativ gut ab. So zäh8_ Im Einzelnen Segal(2003) zur IT-Industrie und Thun (2006) zur Automobilbranche in China sowie Liu(2005) zur Förderung der inländischen Haushaltsgeräteindustrie. 4_ Chinas Technologiepolitik Tabelle 21: Innovationskapazitäten Chinas im Überblick, 2003 und 2005 F&E-Ausgaben(in% des BIP) 1 2003 1,13 2005 1,34 F&E-Ausgaben, aufgeteilt nach Finanzierungsquellen (in%) Regierung Industrie Sonstige(Ausland, Banken etc.) 29,9 26,3 60,1 67,0 10,0 2 6,7 F&E-Ausgaben, aufgeteilt nach Verwendung(in%) Grundlagenforschung Angewandte Forschung Experimentelle Forschung 5,7 8,5 20,2 21,8 74,1 69,8 F&E-Ausgaben, aufgeteilt nach Akteuren(in%) Industrie Universitäten Forschungsinstitute Sonstige 62,37 68,4 10,54 9,9 25,92 21,0 1,18 0,8 F&E-Ausgaben, aufgeteilt nach zentralen und lokalen Akteuren(in%) Zentralregierung Lokalregierungen Anteil der ausgabenstärksten sieben Provinzen 65,6 3 34,4 3 63,5 60,52 39,48 64,78 Studenten, immatrikuliert(in Mio.) Natur- und Ingenieurswissenschaften 0,862 1,119 Triadepatente erteilte, am US-Patentamt erteilte, am EU-Patentamt 424 565 46 113 Wissenschaftliche Zitationen(Science Citation Index) Anzahl der Zitationen 49.788 63.150 63 Rang 6 5 1 OECD 2007;. 2 Daten basieren auf eigenen Schätzungen. 3Daten beziehen sich auf den Anteil staatlicher Zuwendungen für Wissenschaft und Technologie, nicht auf F&E-Ausgaben. Quellen: NBS 2004 und 2007; MOST(2006); THES(o.J); European Patent Office and United States Patent and Trademark Office, Annual Reports. 4_ Chinas Technologiepolitik len die Beijing University und die Qinghua University zu den weltweit besten Hochschulen und rangierten in einem internationalen Vergleich auf den Plätzen 14 und 28. Drei weitere Universitäten finden sich ebenfalls in der Top-200-Liste, nämlich die Fudan University(116), die China University for Science and Technology(179) und die Nanjing University(180). Allerdings sind Universitäten und Forschungsinstitute als Träger der F&E in China noch nicht von größerer Bedeutung(THES o.J.). Kommerzialisierung von Forschungsinstituten und die Integration vieler Institute in Großunternehmen die Patentaktivität von Unternehmen aus den verschiedensten Industrien deutlich erhöht, trotzdem konzentriert sich die Patentanmeldung auf wenige forschungsintensive Unternehmen(Schüller und Conlé 2007: 67). Im IKT-Sektor ist dies beispielsweise der Elektronikkonzern Huawei, auf den 80% der Erfindungspatente der 100 größten Unternehmen dieser Branche entfallen (CIY 2005: 50). Tabelle 22: F&E-Ausgabenstruktur und Akteure Land Finanzierung von F&E(%) Träger von F&E(%) Wissenschaftler Industrie Regie- rung Industrie Universi- täten Regie- rung OECD EU-25 USA Deutschland 62,2 30,2 68,0 17,3 12,1 3.550.077 53,4 35,7 63,0 22,4 13,4 1.209.077 63,7 31,0 70,1 13,6 12,2 1.334.628 66,8 30,4 69,9 16,5 13,6 268.100 Nach Einschätzung von Experten in der EU-Delegation in Beijing in Gesprächen mit der Autorin betreibt lediglich ein Viertel der chinesischen Unternehmen F&E und nur 10% davon melden Patente an. Die Zahl der so genannten Triadepatente hat sich noch deutlich langsamer entwickelt. Hierbei handelt es sich um Patente, die in der EU bzw. in den USA angemeldet werden und deshalb als anspruchsvoller im Vergleich zu den im Inland beantragten Patenten gelten. Beim EU-Patentamt ist die Zahl der von China angemeldeten Patente nach wie vor sehr niedrig(siehe Tabelle 23). Japan Südkorea China 74,8 18,1 76,2 13,4 9,5 677.206 75,0 23,0 76,9 9,9 11,9 179.812 67,0 26,3 68,3 9,9 21,8 926.252 Die Verbesserung der Innovationsfähigkeit wird von der chinesischen Regierung als unbedingte Voraussetzung für die Realisierung eines langfristig hohen Wirtschaftswachstums angesehen. Mittel- und langDie Daten beziehen sich auf das Jahr 2006 bzw. das zuletzt fristig will China weitgehend unabhängig 64 verfügbare Jahr. Quelle: OECD(2006: 1-4). von ausländischer Technologie werden. Das langfristige Technologieprogramm 2006-2020 steht deshalb vor allem unter Unternehmen aus dem Privatsektor sind dem Motto der eigenständigen Technolozwar formal Hauptakteur der Innovation, gieentwicklung und des Anschlusses an doch über die Staatsunternehmen hat die die Länder, die international führend in Regierung noch eine Schlüsselrolle im Inder Technologieentwicklung sind. Ziel ist novationssystem. Aus diesem Grund sind es, die F&E-Ausgaben auf 2,5% des BIP die statistischen Daten über den Anteil der und den Beitrag des Wissenschafts- und Industrie an den F&E-Ausgaben in der RuTechnologiefortschritts zum BIP auf 60% brik„Träger von F&E“(siehe Tabelle 22) zu erhöhen. Die Abhängigkeit von auslänin Höhe von 68,3% nur eingeschränkt dischen Technologien soll auf 30% reduaussagefähig. Chinesische Unternehmen ziert werden. Darüber hinaus will China weisen im Vergleich zu den westlichen bis zum Jahr 2020 zu den fünf wichtigsten Industrieländern insgesamt eine relativ Ländern hinsichtlich der im Inland entwiniedrige F&E-Intensität(Ausgaben für F&E ckelten Patente und der Zitationen in inin Relation zur Wertschöpfung) auf. Auch ternationalen Wissenschaftspublikationen die Patententwicklung als wichtigster zählen. Ob diese Ziele erreicht werden Outputindikator des Innovationssystems können, hängt von einer Vielzahl von Fakspiegelt die relativ geringe F&E-Aktivität toren ab, da Innovation kein linearer Proder chinesischen Unternehmen wider. In zess ist und die Lokalregierungen für die den letzten Jahren hat sich zwar durch die Umsetzung mitverantwortlich sind. 4_ Chinas Technologiepolitik Tabelle 23: Chinas Patente beim EU- und US-Patentamt(erteilte Patente), 1997-2006 Jahr EU-Patente US-Patente aus China aus China nologie mit dem Ziel, eigenständig moderne Waffensysteme zu erforschen und zu entwickeln, um die nationale Sicherheit zu garantieren; 2006 113 970 7) Aufbau von Wissenschaftlerteams mit 2005 82 565 internationalem Standard, die wesent2004 69 597 lich die allgemeine internationale Wissen2003 46 424 schaftsentwicklung mitbeeinflussen und 2002 26 390 in Spitzentechnologien wie IKT, Biotech2001 10 265 nologie, neue Materialien und Raumfahrt anerkannte Erfolge aufweisen; 2000 11 162 1999 1998 1997 7 99 7 88 3 66 Quelle: European Patent Office und United States Patent and Trademark Office, Annual reports 8) Aufbau einer Reihe von Forschungsinstituten, Universitäten und wettbewerbsfähigen F&E-Zentren in Unternehmen, die international führend sind. Während die langfristige Realisierung der Ziele durchaus möglich erscheint, bleiben Um die Innovationsfähigkeit zu stärken, setzt die chinesische Regierung im Rahmen des langfristigen Programms zur Entwicklung von Wissenschaft und Technologie auf folgende Schwerpunkte: kurz- und mittelfristig ausländische Unternehmen für den Technologietransfer von zentraler Bedeutung. Diese Unternehmen, die inzwischen rd. 750 F&E-Zentren in China aufgebaut haben, sind allerdings mit einer Vielzahl von Risiken konfrontiert. Hierzu gehört die unzureichende rechtliche 1) Entwicklung von Schlüsseltechnologien in der Ausrüstungs- und Informationsindustrie mit dem Ziel, international zur Spitzengruppe hinsichtlich der Technologiestandards zu zählen; Durchsetzung der geistigen Eigentumsrechte(IPR). Als weitere Probleme gelten die verbreitete Produkt- und Markenpiraterie, ein know how-Abfluss bei der Auftragsfertigung durch mangelnde Geheimhaltung von Produktionsverfahren oder 2) Aufstieg an die Spitze der auf den Weitergabe von technischen DokumentaAgrarsektor bezogenen Wissenschaftstionen sowie die Begünstigung von„Pa65 und Technologiefähigkeiten, um die Ertent-Piraten“ durch das chinesische Patentnährungssicherheit zu garantieren; recht. So ermöglicht das chinesische Recht durch die first to file-Regel, dass Patente 3) Durchbruch bei Technologien, die die Entwicklung des Energiesektors bestimmen, insbesondere Energieeinspartechnologien und umweltfreundliche Energien; dem ersten Antragssteller zugeteilt werden, auch wenn dieser nicht der Erfinder ist. Auf diesen Punkt wird in späteren Abschnitten noch ausführlicher eingegangen. 4) Aufbau von technologischen Entwicklungsmodellen für eine Kreislaufwirtschaft mit Schwerpunkt auf wichtigen Industrien und Städten. Ziel ist eine höhere Ressourceneffizienz und Umweltfreundlichkeit; 5) Verbesserung der Vorsorge und Kontrolle bei schwerwiegenden Krankheiten sowie Durchbruch bei der Entwicklung neuer Medikamente und medizinischer Geräte; 6) Stärkung der auf den Verteidigungssektor bezogenen Wissenschaft und Tech- 4_ Chinas Technologiepolitik 66 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie 5.1 Technologieabsorbierung Die federführende Unternehmung hält die und Lernen in Produktionsnetzwerken wichtigste Position innerhalb des Netzwerks, da sie die Lieferanten dazu bringen kann, in neue Aktivitäten und StandorDie zentrale Rolle von Produktionsnetzwerken für die außenwirtschaftliche Entwicklung wurde bereits im Abschnitt 2.2 der vorliegenden Studie angesprochen. Produktionsnetzwerke können definiert werden als„Beziehungen zwischen Unternehmen, die eine Gruppe von Unternehmen zu einem größeren Ganzen verbinden“(Sturgeon 2001: 2). Um die Position der Hersteller in einer Wertschöpfungskette oder einem Produktionsnetzwerk zu definieren, nimmt Sturgeon(2001: 8-9) folgende Einteilung von Unternehmen in fünf Kategorien vor: te zu investieren. Allerdings können dies auch die großen Einzelhandelshäuser oder Komponentenlieferanten, da sie abhängig von den Vertragsbedingungen ebenfalls erhebliche Macht hinsichtlich Produktionsstrategien und Design besitzen. Eine weitere wichtige Dimension der Netzwerke ist governance. Humphrey und Schmitz (2001: 2) benutzen den Begriff governance um auszudrücken, dass einige Unternehmen in der Wertschöpfungskette die Parameter festsetzen bzw. durchsetzen, zu denen andere operieren müssen:“…express that some firms in the chain set and/ or enforce the parameters under which 1) Die integrierte Unternehmung( inteothers in the chain operate. A chain witgrated firm), die über die Produktstratehout governance would just be a string of gie, die Produktdefinition, das Design, market relations.”(Humphrey und Schmitz die Produktion, über die Verlagerung von 2001: 2) Für die Autoren hat governance Montage, von Komponentenfertigung, eine besondere Bedeutung, da diese über das Marketing, den Absatz und die Distri1) den Zugang von Produzenten aus Ent67 bution entscheidet; wicklungsländern zu den Märkten der Industrieländer entscheidet, vor allem, wenn 2) die federführende Unternehmung(l ead der Zugang durch Beschaffungsstrategien firm), deren Aktivitäten die Produktstratevon lead firms bestimmt wird, 2) die Angie, die Produktdefinition, das Produktdeeignung von Produktionsfähigkeiten hinsign, den Verkauf an die Endverbraucher sichtlich Effizienz und Qualität bestimmt, und das Marketing umfassen. Dieses Unund 3) für die Verteilung der Gewinne ternehmen wird auch original equipment innerhalb der Wertschöpfungskette von manufacturer(OEM) genannt; Bedeutung ist, insbesondere wenn hier3) der Lieferant schlüsselfertiger Produkte/Dienstleistungen( turn-key supplier), der für die Bereitstellung komplexer Teile bei F&E, Design, Markenmanagement und Marketing eingesetzt werden(Humphrey und Schmitz 2001: 3-4). und Dienstleistungen sowie für F&E im Produktionsprozess verantwortlich ist; Der Aufstieg der inländischen Unterneh4) der Einzelhändler( retailer), der für den Absatz, das Marketing, wertschöpfende Verpackung und Systemintegration, und men in der Wertschöpfungskette der Produktionsnetzwerke spiegelt auch den Grad der Technologieabsorbierung wider. Mit Blick auf die Entwicklung der Unter5) der Lieferant von Komponenten( comnehmen aus den asiatischen Tigerstaaten ponent supplier), der für Teile und Dienst(Singapur, Südkorea, Hongkong und Taileistungen verantwortlich ist. wan) und der festlandchinesischen Un- 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie ternehmen zu Weltklasse-Exporteuren blieb; erst seitdem können die Zulieferer kommt Gereffi(2002: 2) zu dem Schluss, auch 100%ige Tochterunternehmen in dass“…the key to success in East Asia’s China gründen(Pesselhoy 2006: 21). buyer-driven chains was to move from the mere assembly of imported inputs … to Die ab Mitte der 1980er Jahre in China a more domestically integrated and highaktiven ausländischen Automobilhersteller er value-added form of exporting known mussten sich mit chinesischen Unternehalternatively as full-package or OEM[…] men zu einem joint venture(mit einem Beproduction.” Die folgenden Beispieteiligungsverhältnis von 50:50) zusammenle beziehen sich auf die Automobil- und schließen und über Ausbildungsleistungen Elektronikindustrie und zeigen, wie sich und Lokalisierung der Kfz-Zulieferungen die Position der Unternehmen innerhalb den Technologietransfer befördern. Dem der Produktionsnetzwerke verändert hat ersten joint venture zwischen Chrysler – insbesondere durch industriepolitische und Beijing Automotive Industrial Corp. Maßnahmen, die auf Technologietransfer (BAIC) im Jahre 1984(Produktion des setzten. Modells Jeep Cherokee und über die Beteiligung von DaimlerChrysler am japanischen Automobilhersteller Mitsubishi 5.2 Technologieabsorbierung in ab 2003 das Modell Pajero) folgte der der Automobilindustrie Volkswagenkonzern mit Gemeinschaftsunternehmen in Shanghai(Shanghai AuIn welchem rasanten Tempo sich der Lerntomotive Industry Corp., SAIC) im Jahre prozess in bestimmten Branchen vollzo1985 und in Changchun(Hauptstadt der gen hat, wird am Beispiel der AutomobilProvinz Jilin) mit dem First Automotive industrie deutlich. Die Erfahrungen, die in Works(FAW) im Jahre 1991. Während in rd. zwei Dekaden durch Transfer von TechShanghai der Santana und ab 2000 Pasnologie- und Management- know how im sat und Polo produziert wurden, begann Rahmen von joint venture-Unternehmen in Changchun die Montage des Audi A mit ausländischen Partnern gesammelt 6, Audi 100 und 200 sowie der Modelle wurden, bildeten die Grundlage für die Jetta und Bora. SAIC wiederum gründete eigene Entwicklung moderner Fahrzeuge neben dem joint venture mit Volkswagen und einer wettbewerbsfähigen Kfz-Teileein zweites Gemeinschaftsunternehmen Industrie. mit General Motors im Jahre 1999, in dem Buick-Modelle produziert wurden. 68 Chinas Einbindung in“Produzenten geJapanische Automobilkonzerne nahmen triebene Netzwerke“(im Gegensatz zu erst ab Mitte der 1990er Jahre eine Fer„Käufer getriebenen Netzwerken“)- in tigung in China auf, und zwar zuerst Sudenen überwiegend kapital- und technozuki(1995 joint venture mit Chang’an), logieintensive Industrien zu finden und in Honda(1999 mit Guanzhou Auto Group denen große, oft transnational agierende Corp.), gefolgt von Toyota(2002 mit TiProduzenten aktiv sind, die die Produkanjin Automotive Industry, TAIC) und Nistionsnetzwerke und damit verbundene san(2003 mit Dongfeng). Weitere joint Koppelungseffekte( linkages) koordinieren venture-Gründungen nach dem WTO- folgte einem Muster, das durch die staatBeitritt Chinas fanden im Jahre 2002 liche Industriepolitik für die Automobilindurch Ford(mit Chang’an) und im Jahre dustrie geprägt wurde(Nordas 2007:19). 2003 durch BMW(mit Brilliance in ShenyDie Politik nahm Einfluss auf die Beziehunang) statt(Haas und Rehner 2002: 171). gen der Unternehmen im Produktionsnetzwerk, indem die Kooperationsform Die schnelle Expansion des Kfz-Outputs – kein Mehrheits- joint venture in der Kfzund die wachsenden Exporte weisen auf Industrie – und die lokale Diffusion von Erfolge bei der Technologieabsorbierung Technologie über die Vorgabe von local hin. Während bis Ende 1998 das Produkcontent-Auflagen vorgeschrieben wurden tionsniveau der jährlich hergestellten Pkw (Dicken 2005: 18-22). Auch bei den Autobei einer Stückzahl von unter 0,5 Mio. lag, mobilzulieferern gab es Vorgaben für den erreichte der Output im Jahr 2006 rd. 3,87 Investitionsanteil ausländischer UnternehMio. Pkw(Gallagher 2006: 8; Statistical men, der bis 1998 auf 50% beschränkt Communiqué 2006). Die Zahl aller in Chi- 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie na hergestellten motorbetriebenen Fahrzeuge, also einschließlich der Nutzfahrzeuge, belief sich im Jahr 2006 auf 7,28 Mio.(NBS 2007). Damit überholte China Deutschland als drittgrößten Produktionsstandort sowie Japan als zweitgrößtes Absatzland. Die Verschiebung der globalen Marktanteile zugunsten chinesischer Produzenten nahm weiter zu. Diese erreichten im Jahr 2005 einen Anteil von 27%(Absatz in Stückzahlen), vor japanischen(25,3%) und europäischen Herstellern(23,4%). Bis zum Jahr 2010 wird damit gerechnet, dass die chinesischen Hersteller – massiv unterstützt durch die Regierung- ihren Marktanteil auf 40% erhöhen können(Schmitt 2006). Insgesamt stärkten die Kooperationen mit ausländischen Herstellern die Entwicklung der chinesischen Automobilhersteller. Auf die Stückzahl beim Absatz bezogen rangiert SAIC an erster Stelle, dicht gefolgt von FAW sowie Dongfeng und Chang’an Motor Corp. auf den Rängen vier und fünf (siehe Tabelle 24). Während chinesische Zulieferbetriebe anfängliche große Probleme hatten, die Qualitätsansprüche der joint venture-Unternehmen zu erfüllen, fand auch in diesem Segment mit Hilfe der ausländischen Kfz-Teile-Unternehmen, die ebenfalls nach China gingen, ein schneller Lernprozess statt. Die chinesischen Unternehmen in der Kfz-Teile-Industrie waren dann nicht nur in der Lage, die Anforderungen im Rahmen der Kooperation mit ausländischen Herstellern im Inlandsmarkt zu erfüllen, sondern sie wandten sich verstärkt auch dem Export zu. Diesen Übergang beschreibt Gallagher(2006: 23) wie folgt: „Many of the Chinese suppliers were initially unable to meet the standards of the foreign firms, so the foreigners worked with Chinese suppliers to improve the quality of their products. Once the suppliers learned how to enhance their products, they began to export them to other markets, which allowed them to expand production and lower unit costs”. Vor dem Hintergrund des WTO-Beitritts Tabelle 24: Die zehn wichtigsten chinesischen Automobilkonzerne, 2006(Januar bis Juli) Ende 2001, der für den Automobilsektor eine drastische Reduzierung der Importzölle und Aufhebung vieler InvestitionsName Verkauf in Stück (davon Pkw) auflagen für ausländische Unternehmen bedeutete, erhöhte sich der WettbewerbsShanghai Automotive 710.118(674.697) druck und zwang die im Markt befindliIndustry Corporation (SAIC) chen Unternehmen zu weiteren Qualitätsverbesserungen und Preisanpassungen. Im 69 First Automotive Works 659.202(535.147) WTO-Beitrittsprotokoll sagte China beiCorp.(FAW) spielsweise die Senkung der Importzölle Dongfeng Motor Corp. 501.925(346.682) auf Automobile in einem Zeitrahmen von Chang‘an Motor Corp. Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC) 405.568(307.177) 373.149(170.759) fünf Jahren auf 25% von vormals 80% bzw. 100% und bei Kfz-Teilen auf 10% von vormals durchschnittlich 40% zu(Pesselhoy 2006: 22). Guangzhou Automobile Industry Corporation (GAIC) Hafei Motor Chery Automobile Geely Automobile Brilliance China Automotive Sonstige Verkauf insgesamt Quelle: Schmitt 2006. 150.368(146.799) 141.640(123.799) 139.238(139.238) 115.795(115.695) 106.309(42.214) 693.428(235.443) 3.996.740 (2.837.650) Nach dem WTO-Beitritt begann die von der Regierung seit langem geplante Konsolidierung der Automobilindustrie über erste Fusionen. Hierzu zählte der Zusammenschluss von FAW mit Tianjin Xiali Auto Industry Corp., die zusammen mit Toyota ein joint venture gründeten(Gallagher 2006: 26-27). Trotzdem gab es im Jahr 2005 noch ca. 118 Automobilhersteller und bis zu 5.000 Automobilzulieferunternehmen. Allerdings sind nur wenige von der Stückzahl her gesehen effizient, und der überwiegende Teil dieser Unterneh- 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie men sind nur Lieferanten für den lokalen Preisspanne von 8.125 US$ bis 37.500 Markt. Ursächlich hierfür war die Politik US$ anbieten(Schüller 2006c: 136-138). der Lokalregierungen, eigene Automobilindustrien zu entwickeln sowie die TatsaDie Fähigkeit von SAIC Motor, verschiedeche, dass diese Unternehmen trotz Verlusne Elemente zu einem neuen Fahrzeugtyp ten nicht aus dem Markt gedrängt worden zu vereinen, wird vom General Manager sind(Pesselhoy 2005: 28). von SAIC Motor besonders hervorgehoben:„[...] Roewe had integrated 14 Dass chinesische Automobilhersteller inhigh-end technologies for European luxuzwischen eigene Wege gehen, zeigt das ry cars, took the lead in terms of sculpt Beispiel des Unternehmens SAIC, das mit among domestic automobiles of the same VW und General Motors gleich zwei joint category and kept pace with Audi and venture-Partner hatte und von beiden BMW in terms of technological configuTechnologie und Management- know how ration”(o.V. 2007a). Die zentrale Rolle lernen konnte. SAIC gründete im Jahr ausländischer Automobilhersteller für die 2006 eine 100%ige Tochter, die SAIC MoWeiterentwicklung der chinesischen Autotor Corp. Ltd., die nun ohne einen auslänmobilindustrie wird auch in einer anderen dischen Partner Pkw baut. Für den Aufbau Stellungnahme von SAIC deutlich:„With eines Forschungs- und Entwicklungszenttheir manufacturing plants relocated to rums, einer Montage- sowie einer MotoChina, the technical and R&D properties renfabrik wurden vom Mutterunternehare also being transferred to China. The men Investitionen von umgerechnet 1,25 trend has furnished China with conditions Mrd. US$ eingeplant. Das neue Unternehand opportunities to independently demen verfügt über chinesische Fachkräfte, velop its own international brands.“(IHT, die in sino-ausländischen joint venture 11.4.06) Unternehmen ausgebildet wurden. Hierzu zählt beispielsweise Wang Xiaoqiu, Der Aufbau von F&E-Abteilungen in den der über 14 Jahre im VW- joint venture in joint venture-Unternehmen der AutomoShanghai für das Qualitätsmanagement bilindustrie folgte jedoch nicht allein der verantwortlich war, und General Manager Notwendigkeit, die Modelle den Anfordevon SAIC Motor wurde. Wang hatte auf rungen des Marktes anzupassen. Vielmehr einer Pressekonferenz in Shanghai Mitte forderte die chinesische Regierung von den 2006 angekündigt, dass das Unternehmen ausländischen Automobilherstellern, eibis zum Jahr 2010 ca. 200.000 Fahrzeunen bestimmten Anteil ihres Umsatzes für ge unter eigenem Namen verkaufen will, F&E aufzuwenden(Pesselhoy 2006: 21). 70 davon rd. 45.000 Fahrzeuge ins Ausland - auch in die EU. Die wachsende Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Hersteller und die zunehmende Die eigene neue Marke von SAIC trägt Kaufkraft der Konsumenten führten dazu, den Namen„Roewe“, wohl auch in Andass ausländische Automobilkonzerne und lehnung an die von Rover gekauften solche Unternehmen, die dem AutomobilRechte. Das erste Fahrzeug der SAIC Mosektor vor- und nachgelagert sind, weiter tor Corp. ist der„Roewe 750“, ein moin China investieren, insbesondere in der difizierter MG Rover 75, eine 4-türige LiKfz-Teile-Herstellung(Schmitt 2006) profimousine der Luxusklasse und in direkter tieren vor allem ausländische AutomobilKonkurrenz zu den Fahrzeugen, die zuDesigner und Ingenieursunternehmen, die sammen mit VW und General Motors in an chinesische Unternehmen Technologie den joint ventures produziert werden. Im verkaufen. Um das Entwicklungstempo ersten Jahr ist die verkaufte Stückzahl mit nicht zu drosseln, müssen die chinesischen voraussichtlich rd. 14.000 für dieses SegUnternehmen nämlich Technologie kaument bereits relativ hoch. Mittelfristig will fen, anstatt sie selbst zu entwickeln. Das das Unternehmen bis zum Jahr 2010 rd. leapfrogging erlaubt chinesischen Unter4.000 Ingenieure und Techniker einstelnehmen, bestimmte Entwicklungsstufen len und die Kapazität auf 300.000 Fahrzu überspringen und neueste Technozeuge und 400.000 Motoren ausbauen. logien, beispielsweise beim HybridDas Unternehmen will 30 Modelle, baoder Brennstoffzellenantrieb, einzuführen sierend auf fünf Grundmodellen, in einer (Wagner 2006). 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie Zwar ist der unfreiwillige Technologie- meinschaftsunternehmen in einer Mindertransfer über industriepolitische Vorgaben heitsbeteiligung mit chinesischern Partner umstritten, jedoch nicht illegal. Offene gründen konnten und dass diese joint venKonflikte gibt es dagegen mit ausländi- tures genehmigungspflichtig waren. Weischen Automobilherstellern vor allem in terhin mussten Elektronikunternehmen, der Frage, inwieweit ihr Design kopiert die arbeitsintensive Produkte herstellten, wurde. Beispielsweise forderte deshalb diese zu 100% exportieren, für die übriBMW den chinesischen Hersteller des gen galt eine Exportquote von 70%. Trotz Modells CEO auf, nicht auf der Internatidieser Restriktionen investierten die meisonalen Automobilausstellung 2007 austen global operierenden Elektronikunterzustellen. Deutsche Automobilbauer sind nehmen in China, so dass auf diese Indusbesorgt, dass die Konsumenten aufgrund trie ein relativ hoher Anteil der gesamten von Ähnlichkeiten die Marken verwechKapitalzuflüsse von jährlich über 13% seit seln könnten. BMW stellte deshalb explidem Jahr 2000 entfällt(Zhao et al. 2007: zit heraus, dass es sich bei dem um mehr 33-39). als die Hälfte billigeren CEO keinesfalls um ein Substitut des X5 handelt. Neben Neben der Ausweitung von ProduktionsPlagiatsvorwürfen bestehen jedoch noch kapazitäten und dem Transfer von Techandere Herausforderungen für chinesische nologie an die chinesischen Partner im Hersteller, und zwar vor allem in Form von Rahmen von joint venture-Unternehmen Sicherheits- und Umweltstandards der EU, mit ausländischen Elektronikkonzernen die weitere Qualitätsverbesserungen ersetzte die Regierung auf die Förderung forderlich machen werden(Conlé 2007: der einheimischen Unternehmen. So wur173-175). de im Jahr 1986 der Electronics Industry Development Fund gegründet, der die F&E-Aktivitäten staatseigener Unterneh5.3 Technologieabsorbierung in der Elektronikindustrie men und Unternehmen mit einem hohen lokalen Produktionsanteil unterstützen sollte. Insbesondere die Entwicklung und Ebenso wie die Automobilindustrie zählt Produktion von Schlüsselkomponenten die Elektronikindustrie 9 zu den Branchen, wie integrierten Schaltkreisen, Compudie aufgrund ihrer zentralen Funktion für tern, Software und programmkontrollierdie Gesamtentwicklung Gegenstand der ten Schalttafeln wurde gefördert. Im Lauf industriepolitischen Steuerung wurden. der Jahre wurden aus dem Fond weitere Als„Schlüsselindustrie“ wurde sie im inwichtige Elektronikprodukte sowie nicht71 dustriepolitischen Rahmenprogramm staatliche Unternehmen unterstützt. Zwi(„National Industrial Policy Outline for schen 1986 und 2004 vergab das Ministhe 1990s“) des Jahres 1994 aufgeführt, terium für Informationsindustrie(MII) rd. das für diese Industrien finanzielle Unter4,87 Mrd. US$ an Fördergelder für 1.859 stützung und Schutz vor ausländischer Projekte(Zhao et al. 2007: 41). 10 Konkurrenz vorsah. Ausländische Investoren waren erwünscht zur Modernisierung dieser Industrie, allerdings wurde der Marktzugang an einen Technologietransfer gebunden(Zhang et al 2005: 33-51). Konkret bedeutete dies für ausländische Elektronikunternehmen, dass sie nur GeChinas wachsender Anteil am globalen Export und die zunehmende Bedeutung des Landes als Produktionsstandort für Elektronikprodukte weisen auf den Erfolg der industriepolitischen Strategie hin, die vor allem auf die Technologieabsorbierung aus dem Ausland setzte. Bereits im Jahr 2004 9_ Hierzu wird im Folgenden die Hardware, nicht die Software im Elektroniksektor gezählt. Die Subsektoren im Hardware-Bereich sind: 1) Telekommunikationsausrüstungen, 2) Computer und Zubehör, 3) Konsumelektronik wie audiovisuelle Ausrüstungen und 4) elektronische Komponenten. 10_ Die Unterstützung erfolgte zusätzlich durch die Lokalregierungen, die den Aufstieg der ihnen unterstehenden Unternehmen als lokale und nationale champions förderten, wie Liu(2005) am Beispiel der Haushaltselektronik in der Stadt Qingdao zeigt. 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie überholte China die USA als der größte Exin bedeutende OEM-Lieferanten für japaporteur von Elektronikprodukten; im Jahr nische Firmen. Allerdings produzierten die 2005 wurde China der zweitgrößte Hertaiwanesischen Unternehmen diese Teile steller von Elektronikprodukten weltweit. nicht selbst in Taiwan, sondern sie ließen Zwischen 1995 und 2005 stieg der OutKomponenten durch taiwanesische Tochput der Elektronikindustrie um das Zehnterunternehmen in China und Südostasien fache; die Wertschöpfung der Industrie herstellen. nahm von 63,5 Mrd. RMB im Jahre 1995 auf 583,9 Mrd. RMB im Jahre 2005 zu. Auch die Untersuchung von Fung et al. Gleichzeitig steigerte sich die Bedeutung (2004) zu Direktinvestitionen aus Südder Industrie für die Gesamtwirtschaft. So korea, Japan and Taiwan in China zeigt, stieg der Anteil der Wertschöpfung dieser dass japanische Tochterunternehmen Industrie am BIP von 1% im Jahre 1995 aufgrund der niedrigen Produktionskosauf 3,2% im Jahre 2005; der Anteil an ten und des attraktiven Marktes in China der Wertschöpfung der gesamten verargegründet wurden, insbesondere auch in beitenden Industrie erhöhte sich von 5% der Elektronikindustrie. Mit der Verbesauf 10,2%. Ein weiteres Merkmal ist die serung der Fertigkeiten bei der Montage regionale Konzentration der Industrie in und Veredlung von industriellen Teilen den Provinzen an der Ostküste, auf die und Produkten in China verlagerten jaim Jahr 2004 rd. 94% der Wertschöpfung panische Unternehmen schrittweise auch der Elektronikindustrie entfielen. Innerhalb die Produktion von intermediären Gütern der Ostküstenregion existieren Cluster der nach China. Die Untersuchung zeigt, dass Elektronikindustrie in den drei großen die meisten asiatischen Unternehmen Wirtschaftsräumen Perlfluss-Delta, Yangexportorientiert waren und sich auf bezi-Delta und Bohai-Region, die im Jahr stimmte Industrien konzentrierten. Japan 2005 über 80% der Beschäftigten, des beispielsweise investierte am stärksten in Verkaufswertes und der Gewinne stellten elektronische Ausrüstungen, Taiwan in (Zhao et al. 2007: 33-36). Informationstechnologie und Südkorea in Maschinen und traditionelle Industrien wie Textilen.(Fung et al. 2004: 20-21). Diese Cluster basieren auf regionalen ProDass vor allem die taiwanesischen Unterduktionsnetzwerken, in denen ausländinehmen für die Entwicklung der Produksche Unternehmen Produktionsstätten tionsnetzwerke in der Elektronikindustrie aufgebaut haben. Gerade in der Elektroeine Schlüsselrolle spielten, wird in einer nikindustrie sind Produktionsnetzwerke Analyse von Li(2007) zur wachsenden 72 und Cluster typisch. Ernst und Guerrieri globalen Abhängigkeit Chinas deutlich: (1997: 33-35) kommen in ihrer Untersu„[...] FDI flows into the electronics sector chung der internationalen Produktionsfrom Taiwan Province of China alone innetzwerke in der Elektronikindustrie zu creased from$538 million in 1999 to$2.4 dem Ergebnis, dass Ostasien aufgrund der billion in 2005.” starken Investitionsaktivitäten japanischer Unternehmen in den 1980er Jahren zur Im Jahr 2005 wurden bereits zwei Drittel wichtigsten Lieferregion für japanische des gesamten IKT-Branchenoutputs der Elektronikunternehmen wurde. Bereits im taiwanesischen IKT-Industrie von rd. 77 Jahr 1993 lag der Anteil Asiens an den Mrd. US$ auf dem chinesischen Festland japanischen Importen der Unterhaltungsgeneriert. Wie eng die Arbeitsteilung in reund Haushaltselektronik sowie der Konsugionalen Produktionsnetzwerken der Elekmelektronik bei 84%. Die meisten Importe tronikindustrie ist, wird anhand der hohen kamen aus Fabriken in Malaysia, Thailand Zulieferungen nach China deutlich. Aus und China. Während die japanischen ProTaiwan, Südkorea und Japan importierte duktionsnetzwerke im Wesentlichen aus China für den Bau von Elektronikgeräten Netzwerken mit den einzelnen Unterinsgesamt über 50% der Gesamteinfuhnehmen der Unternehmensgruppen beren bzw. rd. 63 Mrd. US$. Die Importe standen, existierte bei Computerteilen ein insgesamt nahmen um fast 30% gegenkomplexeres Muster der Produktionsnetzüber 2005 zu und erreichten ein Niveau werke. So entwickelten sich die meisten von 120 Mrd. US$(siehe Tabelle 25)(o.V. taiwanesischen Computerunternehmen 2007b). 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie Tabelle 25: Chinas Importe elektronischer Komponenten, 2006 Taiwan Südkorea Japan Malaysia Philippinen USA Singapur Thailand Deutschland Hongkong Frankreich 2006 (Mrd. US$) 27,2 20,2 15,4 12,4 11,7 6,8 4,7 2,5 1,5 1,4 0,8 Quelle: o.V. 2007b. Veränderung(%) 29,9 24,9 19,9 14,1 40,1 48,3 10,4 16,0 28,6 -24,4 -3,4 Anteil (%) 22,3 16,6 12,7 10,2 9,6 5,6 3,9 2,1 1,2 1,2 0,6 Die oben genannte Konzentration von ausländischen Investitionen im Elektroniksektor auf bestimmte regionale Cluster basierte also vor allem auf Produktionsnetzwerken mit japanischen und taiwanesischen Unternehmen. Die räumliche Nähe zwischen Taiwan und Guangdong erklärt zumindest teilweise, wieso die Provinz eine 73 führende Rolle bei Elektronik und Telekommunikationsausrüstungen einnimmt. Der Anteil der Provinz Guangdong am nationalen Outputwert dieser Branchen lag im Jahr 2002 bereits bei 36,9%; auf den Großraum Shanghai, Jiangsu und Zhejiang entfiel ein Anteil von 26,7%. Führend war Guangdong auch bei der Produktion von Kleincomputern(28,4%), Telefonanlagen (78%) und Faxgeräten(41%). Dagegen dominierte Shanghai bei der Herstellung von integrierten Schaltkreisen(35,3%) (HKTDC 2004; Schüller 2005b: 530). 5_ Technologietransfer am Beispiel der Automobil- und Elektronikindustrie 74 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China Unternehmen aus den Triadeländern sind 6.1 Dialog zum Technologieals Technologielieferanten über den Außenhandel und im Rahmen von Direktinvestitionen in zunehmendem Maße in Chitransfer zwischen der EU und China na engagiert. Damit sind sie auch direkt von den restriktiven industriepolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung betroffen, die zu unfreiwilligem Technologietransfer führen. Ebenso negativ wirkt sich die unzureichende Durchsetzung des Marken- und Patentschutzes für die Unternehmen aus den Triadeländern aus. Um trotz dieser Probleme erfolgreich im chinesischen Markt zu sein, haben die meisten Unternehmen nicht nur individuelle Strategien für den chinesischen Markt entwickelt, die im Kapitel 7 näher analysiert werden, sondern sie kanalisieren ihre Interessen auch über Verbände und internationale Organisationen und fordern die politische Unterstützung ihrer nationalen Regierungen ein. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und der wachsenden ökonomischen Herausforderung für die EU-Mitgliedsländer konnte in den letzten Jahren ein Wandel in den Beziehungen zwischen der EU und China beobachtet werden. Europäische Unternehmen haben den Druck auf ihre nationalen Regierungen mit dem Ziel erhöht, die Einhaltung der WTO-Beitrittszusagen Chinas zu erreichen und diskriminierende Beschränkungen auf dem chinesischen Markt abzubauen. Obwohl eine zunehmend kritische Haltung der EU gegenüber der chinesischen Regierung festzustellen ist, die insbesondere auch durch das wachsende EU-Defizit im Handel mit China ausgelöst wurde, hat sich am grundsätzlichen Politikkonzept der EU gegenüber China nichts verändert. Dies kann Da Fragen des unfreiwilligen oder illegalen vereinfacht mit dem Begriff des dialogue Technologietransfers in den multilateralen first beschrieben werden und unterscheiOrganisationen WTO und WIPO(World det sich dadurch von der Chinapolitik der 75 Intellectural Property Organisation) beUSA. Bedingt durch die unterschiedlichen handelt werden, gibt es auf dieser Ebene ökonomischen und politischen Beziehuntraditionell ein starkes politisches Engagegen beider Länder, ist die Chinapolitik der ment der Triadeländer. Gleichzeitig versuUSA durch einen stärker konfrontativen chen diese Länder im bilateralen Dialog, Kurs geprägt(Schüller 2008). Japan verEinfluss auf einen verbesserten IPR-Schutz folgt aufgrund der direkten Nachbarschaft und Anpassungen an internationale wirtund der historischen Erfahrungen dagegen schaftspolitische Standards zu nehmen. einen eher durch Dialog geprägten PolitikZiel dieses Kapitels ist es, die nationalen ansatz gegenüber China, der sich auch Positionen der Triadeländer zum Technoin der Frage des Technologietransfers mit logietransfer zu vergleichen und gemeinChina niederschlägt. same Politikansätze und Vorgehensweisen vorzustellen. Sowohl der Politikdialog zwiPolitische Dialogforen zu Fragen der Inschen der EU und China als auch zwischen dustriepolitik und des IPR-Schutzes in den USA und China sowie zwischen Japan China richtete die EU-Kommission bereits und China werden im Folgenden näher Anfang der 1990er Jahre ein. In ihrem auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede Grundlagenpapier zur Chinapolitik aus untersucht. Da Deutschland eine zentradem Jahre 1995(„A Long-term Policy for le Rolle im Technologietransfer mit China China-Europe Relations“) bot die EU-Komspielt, wird außerdem der deutsch-chinesimission China eine Unterstützung bei der sche Dialog hierzu näher betrachtet. Anpassung der Industriepolitik an WTO- 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China Richtlinien und bei der Förderung des Diazum Patentrecht als auch den IPR-Schutz. logs mit anderen multilateralen Foren wie Die EU-Vertreter begrüßten zwar, dass die der OECD an(EU-Commission 1995: 11chinesische Regierung dem IPR-Schutz 15). Nach den ersten Schritten zu einem Priorität in ihrer Politik eingeräumt hat, IPR-Dialog im Jahre 1994 wurde 2003 ein nannten aber fünf Bereiche, in denen stärker institutionalisierter Dialog auf der dringend Handlungsbedarf gesehen wurEbene der EU-Kommission(DG Trade) und de(EU-Commission 2006a): der chinesischen Zentralregierung(MOFCOM)(„EU-China Dialogue on Intellectual Property“) beschlossen. Der Dialog sah auf der horizontalen Ebene Diskussionen zu institutionellen und rechtlichen Fragen, den Austausch von Erfahrungen bei der Rechtsdurchsetzung zwischen der EU und • Überarbeitung der Strafgrenzen für die strafrechtliche Verfolgung von IPR-Verletzungen; • Schließung der Märkte für Fälschungen und Raubkopien; China sowie die Erhöhung des öffentlichen • Zahlung von Lizenzgebühren im IKTBewusstseins hinsichtlich der IPR vor. Die Sektor; sektoral bezogene Diskussion sollte Fragen zum IPR-Schutz in einzelnen Wirtschaftsbereichen behandeln(EU-Commission 2003). Eine spezielle Arbeitsgruppe mit Experten beider Seiten wurde ebenfalls ein• Einführung eines zusätzlichen Schutzzertifikats für pharmazeutische Produkte(supplementary protection certificate(SPC)); und gerichtet(„EU-China IP Working Group“). • Wiedereinführung von RundfunküberDas erste Treffen fand im Oktober 2004, tragungsrechten und Rechten zum das zweite Treffen im Dezember 2005 öffentlichen Auftritt für die Hersteller und das dritte im November 2006 statt. von Musikaufnahmen und audiovisuellen Produkten. Der inhaltliche Schwerpunkt des zweiten Dialogs im Dezember 2005 lag auf der Durchsetzung von IPR, da gerade hier ChiWie unterschiedlich die Positionen Chinas na im internationalen Vergleich die größund der EU in diesen Dialogforen sind, ten Probleme aufweist. So kommen nach wird am Beispiel der geforderten Zahlung wie vor weltweit die meisten gefälschten von Lizenzgebühren im IKT-Sektor deutProdukte und Raubkopien aus China. Auf lich. Während die chinesische Seite gedieser Sitzung sicherte die chinesische Renaue Informationen über die betroffenen gierung zu, den Verkauf von Fälschungen Unternehmen und Technologien verlang76 und Raubkopien zu unterbinden und Fate, waren die EU-Vertreter nur zur Angabriken zu schließen, die Raubkopien auf be der betroffenen Technologien bereit, DVD und CD-Rom herstellen. Als Schritt um keine Diskriminierung einzelner Unvon symbolischer Bedeutung sollte der ofternehmen in China zu ermöglichen. Die fene Verkauf von Fälschungen und RaubEU schlug außerdem vor, die Abmachung kopien auf dem Beijinger Seidenmarkt zwischen der deutschen und der chinesibzw. auf den Beijinger Schwarzmärkten schen Textilindustrie auch bei IPR-Verletin den Stadtteilen Hongqiao und Sanlizungen auf Messen zu übernehmen, um tun gestoppt werden. Weiterhin sagte die so den IPR-Schutz besser durchzusetzen. chinesische Seite auf dem Treffen zu, auf Die Vereinbarung zwischen den Textilindie Kritik an Praktiken des Technologiedustrien beider Länder erlaubt den Austransfers und der nicht-lizenzierten Nutschluss chinesischer Unternehmen von der zung von Technologien europäischer UnMesse, wenn sie nachweisbar IPR verletzt ternehmen zu reagieren(EU-Commission haben(EU-Commission 2006a). 2006b). Neben den horizontalen und sektoralen Die„EU-China IP Working Group“ traf Diskussionen im Rahmen der EU-China sich in Beijing im November 2006 ein Dialogforen und IPR-Arbeitsgruppen verdrittes Mal; das IPR-Dialogforum fand im sucht die EU über die technische Hilfe zur März 2007 in Brüssel ebenfalls zum dritVerbesserung des IPR-Schutzes und der ten Mal statt. Die Novembertagung der IPR-Durchsetzung in China beizutragen. Arbeitsgruppe behandelte sowohl Fragen Die Maßnahmen zur technischen Hilfe er- 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China folgen im Rahmen des Programms„SupZusammenfassend kann festgehalten port to China’s Integration into the World werden, dass die Politik der EU zu Fragen Trading System“. Zu den Projekten zählt u. der chinesischen Industriepolitik und des a. eine Vergleichsstudie von Markenrecht, IPR-Schutzes trotz einer Zuspitzung der Copyright, Patenten und Design-Rechten. Problematik und des wachsenden Drucks Als größter Unterschied zwischen der EU der europäischen Unternehmen nach wie und China wird in der Studie die strafvor auf Dialog statt auf eine Konfrontation rechtliche Verfolgung genannt. Diese wird als Strategie gegenüber der chinesischen aufgrund der verbreiteten Verletzung von Regierung setzt. Dies ist nach EinschätIPR als zu schwach eingeschätzt(Ranjard zung eines deutschen Experten für dieses and Misonne 2005: 2). Thema auch einer der wichtigsten Gründe, warum sich die EU im Frühjahr 2007 Der industriepolitische Dialog zwischen nicht der WTO-Klage der USA gegen Chider EU und China(„Regulatory and Indusnas unzureichende Durchsetzung der IPR trial Policy“-Dialog) wurde weniger in der angeschlossen hat. Daneben gibt es auch Öffentlichkeit diskutiert als der oben geUnterschiede zwischen der EU und den nannte IPR-Dialog, ist jedoch ebenfalls von USA hinsichtlich der Strafgrenzen für IPRherausragender Bedeutung, wenn es um Verletzungen, wobei die EU die bisherigen den Marktzugang für europäische UnterFortschritte der chinesischen Seite eher nehmen in China geht. Auf den jährlichen positiver als die USA bewertet. 11 Dialog-Sitzungen werden in 13 verschiedenen Arbeitsgruppen Themen wie techNeben der EU-Commission haben euronische Handelsbarrieren, Automobil-Stanpäische Interessenverbände wie die eudards, Produktsicherheit etc. diskutiert ropäischen Handelskammern, die in der (EU-Commission, o.J.). Association of European Chambers of Commerce and Industry(Eurochambres) Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas zusammengeschlossen sind und rd. 19 und der wachsenden WettbewerbsfähigMio. Unternehmen in Europa vertreten, keit chinesischer Unternehmen auf dem ihre Position hinsichtlich Technologietranseuropäischen Markt ist die Frage der Refer mit China veröffentlicht. Das Positionsziprozität in den bilateralen Wirtschafts- papier von Eurochambres von 2006 greift beziehungen stärker in den Vordergrund den unzureichenden IPR-Schutz auf und gerückt. Die Neueinschätzung der Befordert„[...] a stronger and more consisziehungen spiegelt sich auch in der Mittent enforcement of existing laws, which teilung der EU-Commission„EU – China: in the long run will also benefit Chinese Closer partners, growing responsibilities“ companies.” Hinsichtlich des unfreiwilli77 von Ende 2006 wider. Darin drängt die gen Technologietransfers über joint ventuEU auf stärkere Öffnung des chinesischen re-Gründungen sieht die Vereinigung hohe Marktes und Sicherstellung eines fairen Risiken für EU-Unternehmen, die nicht frei Wettbewerbs. Die Umsetzung der WTOihre Entscheidungen treffen könnten: Auflagen wird als unzureichend gesehen. China wird aufgefordert, Gespräche über „In certain sectors, Chinese regulations fodie Aufnahme in das WTO-Zusatzabkomresee that foreign companies have to agree men zur staatlichen Beschaffung(„Goto technology transfer or to setting up vernment Procurement Agreement“) zu Joint-Ventures with Chinese counterparts beginnen. Explizit fordert die EU in der as a precondition to doing business. This Mitteilung einen besseren IPR-Schutz und disclosure of know-how poses an obvious ein Ende des erzwungenen Technologierisk for European companies who should transfers(EU-Commission 2006b: 7): be freely able to decide whether or not to agree to it.”(Eurochambres 2006: 5). „Level the playing field: Better protection of intellectual property rights in China and ending forced technology transfers are EU priorities, including through implementation by China of WTO obligations and will help create a better investment climate in China.” 11_ Das Interview fand im Herbst 2007 mit einem Beamten des BMWi statt, der ein ausgewiesener Kenner des IPRDialogs zwischen der EU und China ist. 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China Dem Thema IPR-Schutz und Industriedie der europäischen Markenhersteller, politik hat sich auch die European Union die bereits Marken in China registriert Chamber of Commerce in China gewidhaben, und met und dazu regelmäßig Positionspapiere veröffentlicht. Die„IPR Working Group“ der EU-Kammer steht bei diesen Themen im Austausch mit MOFCOM, der chinesischen Staatsanwaltschaft, der SIPO (State Intellectual Property Organisation, SIPO) und den chinesischen Zollbehörden. Im Positionspapier der Kammer von 2005 • die Anmeldung von Erfindungspatenten, die auf bestehenden Erfindungen basieren. Nur geringfügige Veränderungen würden vorgenommen und dann als„Gebrauchsmuster“ registriert, da dies einfacher und schneller genehmigt werde. werden viele Konfliktbereiche angesprochen, von denen einige hier beispielhaft genannt werden sollen. Um diese Probleme zu beseitigen, fordert die Kammer rechtliche Anpassungen, um Ein wichtiges Thema im o. g. Positionspapier ist der Schutz von vertraulichen Informationen. So weist die Kammer darauf hin, dass nicht nur Patente oder Marken beispielsweise die Nachahmung eines Designs zu verhindern und die registrierten Markennamen besser zu schützen(European Union Chamber in China 2005). geschützt werden müssten, sondern auch Verfahren, spezifische UnternehmensdaAuf europäischer Ebene ist weiterhin die ten und Geschäftsgeheimnisse. EuropäVereinigung der Unternehmensverbände ische Unternehmen wären verpflichtet, in Fragen des Marktzugangs in China und streng vertrauliche Informationen für des IPR-Schutzes aktiv. Die im Januar 2007 Genehmigungen ausgewählter mediziin„Business Europe“ umbenannte Vereininischer oder kosmetischer Produkte oder gung hatte im März 2006 ihr Positionspafür den Bau einer Fabrik den chinesischen pier veröffentlicht, in dem ein Abbau von Behörden zur Verfügung stellen. Oftmals Restriktionen für europäische Unternehwürde das Ausmaß der angeforderten Inmen in China gefordert wurde. So sollten formationen jedoch von den europäischen Barrieren für die Investition ausländischer Unternehmen als zu hoch eingeschätzt Unternehmen in den Bereichen Automound die Erfahrung gemacht, dass diese bil, Banken und Telekommunikation aufInformationen von den Behörden nicht gehoben und die local content-Auflagen vertraulich behandelt würden. Vielfach abgeschafft werden. Des Weiteren wurde 78 seien diese Informationen an chinesische China aufgefordert, dem internationalen Unternehmen weitergeleitet worden, die Abkommen für die öffentliche Beschafdiese dann z. B. für die Anmeldung des fung(GPA) beizutreten(UNICE 2006a: 5). eigenen Produktes benutzt hätten. In diesem Kontext empfiehlt die Kammer die vertraulichen Informationen auf das Mindeste zu beschränken, um einen unge6.1.1 Deutsch-Chinesischer Dialog zum Technologietransfer wollten Technologieabfluss zu verhindern, und im Rahmen des Wettbewerbsrechts gegen Verstöße der chinesischen Seite vorzugehen. Als größte Wirtschaft in der EU und wichtigster Handelspartner Chinas in Europa hat der bilaterale Dialog zum Technologietransfer zwischen Deutschland und ChiEin weiterer Kritikpunkt der Kammer ist das unfaire Marktverhalten chinesischer Unternehmen. Hierzu zählt die Kammer beispielsweise: na einen besonders hohen Stellenwert. Auf der Regierungsebene sind in den Dialog in Deutschland vor allem das Wirtschafts- und das Justizministerium sowie das Bundesministerium für wirtschaftliche • die verbreitete Fälschung von Produkten und Verpackungen europäischer Zusammenarbeit und Entwicklung(BMZ) eingebunden. Markenprodukte, Anfang der 1980er Jahre förderte die • die Registrierung von Handelsnamen deutsche Regierung die Entwicklung des und –marken, die ähnlich lauten wie chinesischen Patentrechts durch die Koo- 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China peration zwischen dem deutschen Patentzu diskutieren und stärker noch als bisher und Markenamt(DPMA) und der SIPO, die Aktivitäten mit internationalen Institudie einen intensiven Personalaustausch tionen und der EU-Kommission zu koorzwischen den Behörden beinhaltete. Auch dinieren. andere chinesische Behörden erhielten technische Hilfe im Rahmen von BMZ-ProWeiterhin sind die Aktivitäten des Aktionsjekten. In diesem Zusammenhang ist auch kreis Deutsche Wirtschaft gegen Produktdie Gründung der Deutsch-Chinesischen und Markenpiraterie e.V.(APM) zu nenJuristenvereinigung e.V. im Sommer 1986 nen, der 1997 als branchenübergreifender zu nennen, die den wissenschaftlichen Verband vom DIHK und BDI gegründet Austausch von Juristen gefördert hat. wurde. China ist inzwischen in den MittelDies trifft auch für das Deutsch-Chinesipunkt der Aktivitäten des APM getreten, sche Institut für Rechtswissenschaft der der auf seiner Webseite umfassende InforUniversitäten Göttingen und Nanjing zu, mationen über die Registrierung von Mardas seit 1988 in Nanjing besteht. In dem ken- und Patentrechten in China anbietet. Rechtsstaatsdialog, der 1999 initiiert wurAuf der Webseite des Aktionskreises finde, sind auch die politischen Stiftungen det sich auch eine gemeinsam mit dem in Deutschland involviert, die mit chinesiDIHK durchgeführte Studie zu Produktschen Partnerorganisationen zusammenund Markenpiraterie in China. Diese zeigt, arbeiten(Blume 2006: 162-163). dass alle Branchen von dem Problem des Die deutschen Unternehmen, die in China unzureichenden IPR-Schutzes betroffen tätig sind, kanalisieren ihre Anliegen über sind, auch wenn die Unternehmen nicht Verbände wie den Deutschen Industriein China investieren. So werden rd. 20% und Handelskammertag(DIHK), den Bunder Unternehmen, die in China nicht aktiv desverband der Deutschen Industrie(BDI) sind, ebenfalls von Produkt- und Markenbzw. den Asien-Pazifik-Ausschuss(APA) piraterie beeinträchtigt(siehe Abbildung der Deutschen Wirtschaft, die gegenü12). ber der Regierung Lobbyarbeit betreiben. Als„Petita“ wurden traditionell Fragen zum IPR-Schutz in China und zu anderen Problemen, denen sich deutsche Unternehmen im chinesischen Markt gegenübersehen, zusammengefasst und dem damaligen Bundeskanzler Schröder auf seine China-Reisen mitgegeben. In seinem „Memorandum zum Schutz geistigen Ei79 gentums in China“ regte der DIHK 2004 u. a. an, die Ausbildung von Richtern stärker zu fördern, die strafrechtlichen Grenzen bei IPR-Verletzungen zu senken und die Strafverfolgung über eine zentralstaatliche Stelle für Wirtschaftsstraftaten unabhängiger von den lokalen Regierungsstellen Abbildung 12: Von Produkt- und Markenpiraterie betroffene Unternehmen, unterteilt nach Engagement bzw. Nicht-Engagement in China zu machen(DIHK 2004: 1; Blume 2006: 161). Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedrohung durch Produktpiraterie gründete das Bundeswirtschaftsministerium zusammen mit dem DIHK und unter Teilnahme des APA und des BDI im Januar 2005 den Arbeitskreis„Gewerblicher Rechtsschutz in China“. Ziel dieses Arbeitskreises ist es, über die Gefahrenlage durch Produktpiraterie zu informieren, durch Veranstaltungen in China im Rahmen von deutsch-chinesischen Konferenzen das Thema breit Quelle: APM o.J.: 4. 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China Als sehr problematisch wird in der Untersuchung das Verhalten der KMU angesehen, die in China ihre Schutzrechte oftmals nicht registrieren lassen. In Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von weniger als 500 melden nur rd. 30% ihre Schutzrechte offiziell an(siehe Abbildung 13). Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass in Deutschland die Wirtschaftsverbände und Ministerien in der Frage des besseren IPR-Schutzes für deutsche Unternehmen in China verstärkt zusammen arbeiten. Da eine straf- und zivilrechtliche Verfolgung nur im nationalen Rahmen bzw. höchstens innerhalb der OECD-Länder möglich ist, müssen die Unternehmen in erster Linie für den Schutz ihrer IPR in China sorgen(FES 2007: 25). 80 Abbildung 13: Anmeldung von Schutzrechten in China, unterteilt nach Unternehmensgröße/Anzahl der Beschäftigten Quelle: APM o.J.: 6. 6.2 Dialog zum Technologie transfer zwischen den USA und China Der Technologietransfer zählt zu den zentralen Konfliktthemen im bilateralen Verhältnis zwischen den USA und China. Der enorme und stetig steigende Überschuss Chinas im Handel mit den USA fällt zusammen mit einer als unzureichend eingeschätzten Öffnung des chinesischen Marktes für US-Produkte und Dienstleistungen sowie einer verbreiteten Produkt- und Markenpiraterie. In einer Diskussion zur Liberalisierung der US-Exportkontrollen gegenüber China Mitte 2006 wies das USHandelsministerium(Abteilung für Industrie und Sicherheit) darauf hin, dass zwei Drittel aller gefälschten Produkte, die von den Zollbehörden der USA beschlagnahmt werden, aus China kommen. Weiterhin bestünden rd. 90% der in China verkauften Software aus Raubkopien. Dies dürfte von einer verantwortlichen politischen Führung in China nicht geduldet werden: „A responsible stakeholder should not tolerate widespread theft of intellectual property.“ Für die US-Wirtschaft, die wissensbasiert sei und durch Innovation getrieben werde, sei der IPR-Schutz auf globaler Ebene von zentraler Bedeutung(Bureau of Industry and Security/US Department of Commerce 2006: 9). In diesem Kommentar spiegelt sich die Tendenz zur eher konfrontativen Position der USA gegenüber China wider, die von der chinesischen Regierung fordert, die bestehenden Regeln der Weltwirtschaft zu akzeptieren und umzusetzen. Im Gegensatz zur EU, in der die Formulierung von außenwirtschaftlichen Politikzielen und-maßnahmen gegenüber Drittländern auf der Basis des kleinsten Nenners aller Mitgliedsländer erfolgen muss, kann die US-Regierung relativ schnell politische Entscheidungen treffen. Gleichzeitig ist der innenpolitische Druck von Interessengruppen auf die US-Regierung ungleich stärker als auf die EU-Kommission(Schüller 2008: 67). Darüber hinaus ist die US-Regierung verpflichtet, regelmäßig die Auswirkungen der Wirtschafts- und Währungspolitik anderer Länder auf die eigene Ökonomie zu analysieren, zu bewerten und der Öffentlichkeit darüber zu berichten. Dies gilt 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China beispielsweise für den Jahresbericht der Produkte wie Pharmazeutika, Elektronik, Regierung an den Kongress über die EinBatterien, Kfz-Teile, Industrieausrüstunhaltung der Beitrittsbedingungen Chinas gen und Spielzeug gefälscht würden, die zur WTO und der Frage, ob China Wähder Gesundheit der Verbraucher schaden rungsmanipulationen durchführt. 12 könnten. Aus der Sicht des Handelsbeauftragten tragen verschiedene Faktoren dazu Der United States Trade Representative bei, dass die Durchsetzung des IPR-Schut(US-Handelsbeauftragte) hat auf seiner zes in China so schwierig ist. So würde die Liste( Priority Watch List) derjenigen LänRegierung IPR-Verletzungen nicht tatsächder, die besonders schlecht beim IPRlich als kriminelle Vergehen betrachten Schutz abschneiden, im Jahr 2006 erneut und die meisten Entscheidungen zur IPRChina aufgeführt. Die Untersuchung fragUmsetzung auf untere administrative Ebete auch nach der Umsetzung von IPR in nen verlagern. Die dort verhängten Verden chinesischen Provinzen und kam zu waltungsstrafen würden zu niedrig und dem Schluss, dass„[…] the shared goal nicht abschreckend genug sein. Die Raubof significantly reducing IPR infringement kopierer hätten diese Bußgelder bereits in throughout China has not yet been achieihre Geschäftskalkulation als Kosten einved“(USTR 2007). Trotz verschiedener gerechnet. Die Regeln über die WeiterleiKampagnen der chinesischen Regierung tung von Verfahren gegen IPR-Verstöße an und dem Anstieg der IPR-Klagen vor Gedie Staatsanwaltschaft schienen außerdem richt verbesserte sich nach Einschätzung nicht ausreichend gewirkt zu haben, da im des Handelsbeauftragten die Situation im Jahr 2006 rd. 50% weniger Fälle an die Jahr 2006 nicht gegenüber 2005. Nach Polizei gemeldet worden wären als 2005. wie vor: Der Handelsbeauftragte fordert in seinem Bericht daher rechtliche Anpassungen von • blühe der Handel mit raubkopierten China. Ein Beispiel ist die Einführung von DVD/CD-Rom; dieser basiere auf der regulativen Maßnahmen im pharmazeutiZulieferung durch lizenzierte sowie schen Bereich, um sicherzustellen, dass die nicht-lizenzierte Händler und Produktin China hergestellten pharmazeutischen piraten; Zutaten nicht in gefälschten Medikamen• werde der Hauptteil der gefälschten ten auftauchten. Weiterhin werden MaßProdukte über kleine Einzelhändler vernahmen empfohlen, damit kopierte Softkauft; die Verkäufer würden diese Proware nicht durch Universitätsangestellte dukte weiterhin öffentlich in den Großund Studenten genutzt werden könne städten auf der Straße anbieten, und (USTR 2007). 81 • sei die Verbreitung gefälschter Bücher, Zeitschriften und raubkopierter Software am stärksten, Produktpiraterie über das Internet und Universitäten nehme zu. Die Einleitung eines WTO-Verfahrens gegen China Anfang April 2007 zeigt ebenfalls, dass die USA im Vergleich zu der EU eher bereit sind, einen konfrontativen Kurs zu verfolgen. Dass das multilaterale Regelwerk zur Durchsetzung der US-Interessen Der Anteil beschlagnahmter Raubkopien mit chinesischem Ursprung an den USGrenzen erhöhte sich nach USTR-Angaben zwischen 2005 und 2006 sogar von 59% auf 81%. Problematisch sei, dass auch parallel zum bilateralen„strategischen“ Wirtschaftsdialog genutzt wurde, ist allerdings bemerkenswert. So haben Fragen des IPR-Schutzes und der Industriepolitik auch beim strategischen Wirtschaftsdialog eine wichtige Rolle gespielt(Garrison 2007: 166; Schüller und Top 2006: 4760). 12_ Die Jahresberichte des United States Trade Representative’s(USTR) für den Kongress können auf der Webseite http://www.ustr.gov.com abgerufen werden. Der Omnibus Trade and Competitiveness Act of 1998 stellt die gesetzliche Grundlage dafür dar, dass das US Secretary of the Treasury einen jährlichen Bericht über die Währungspolitik anderer Länder erstellt (Schüller 2008:73). Die Notwendigkeit offizieller WTO-Konsultationen begründeten die USA damit, dass einzelne Politikmaßnahmen Chinas nicht konsistent mit dem TRIPS-Abkommen seien, nämlich, die Festlegung einer Grenze, ab der eine IPR-Verletzung eine Straftat 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China darstellt; dies würde Kriminellen bei IPRsetzen sollen. Von den 41 Unternehmen, Verstößen einen„sicheren Hafen“ bieten. die durch Verwaltungsverfahren ihre IPR Die USA forderten weiterhin Regeln über verteidigen mussten, waren 51% mit der die von Zollbehörden durchgeführte EntArbeit der Beamten zufrieden, 49% dagesorgung von beschlagnahmten Raubkopigen nicht. Von den 29 Unternehmen, die en und kritisierten die Verweigerung des einen Rechtsstreit zur Durchsetzung ihrer copy right-Schutzes für Produkte in der IPR durchführen mussten, waren 52% mit Zeit, in der ihr Schutz beantragt, aber noch der Leistung der Beamten zufrieden, 48% nicht von den chinesischen Behörden gedagegen nicht(AmCham 2006: 34-35). nehmigt worden ist. In einer zweiten Anfrage nach WTO-Konsultationen wandten In o. g. Weißbuch untersucht die Kammer sich die USA gegen Restriktionen beim Imauch, welche Strategien die Unternehmen port von Publikationen, Filmen, Musik und verfolgen, um ihre Technologie zu schütVideos gegenüber ausländischen Unterzen. Die Antworten sind in der Abbildung nehmen. Gerade die US-Filmindustrie wird 14 zusammengefasst. Die höchsten Werdurch IPR-Verletzungen stark geschädigt. te entfallen auf die Strategie, nur schwer Nach Einschätzung der Motion Picture kopierbare Produkte in China herzustellen Association gingen 2005 rd. 90% des pooder/und zu verkaufen(jeweils 98%). Eine tenziellen chinesischen Filmmarktes durch ähnliche Bewertung erhält auch die AnProduktpiraterie verloren; die entgangemeldung von Marken und Patenten sowie nen Gewinne werden mit 2,689 Mrd. US$ die Strategie, das Produkt in verschiedene beziffert(Schüller 2007b: 126-128). Funktionen zu zerlegen, um die Technologie nicht zu offenbaren(jeweils 92%). Die In der Frage des IPR-Schutzes und der InStrategie, den inländischen Markt bezügdustriepolitik arbeitet die US-Regierung lich des Angebots von Raubkopien sowie mit privaten Interessenverbänden in den der Aktivitäten der Geschäftspartner zu USA und in China eng zusammen. Hierbeobachten, wird ebenfalls hoch bewerzu zählt die im Oktober 2004 gegründete tet(91%). Dies gilt auch für die sorgfältiOrganisation STOP(Strategy Targeting Orge Wahl von F&E-Aktivitäten, die in China ganized Piracy). STOP bringt die verschiedurchgeführt werden(89%) sowie für die denen staatlichen und privaten OrganisaBeobachtung der Fälschungsaktivitäten tionen sowie die Handelspartner der USA der chinesischen Konkurrenten(85%). zusammen und macht Vorschläge zu best practices bei der IPR-Durchsetzung. Dafür Zwischen den USA und der EU gibt es 82 werden auch multilaterale Foren einbezobeim Thema IPR-Schutz eine Kooperation gen, wie z.B. das G8-Treffen, die US-EU(US-EU Action Strategy for IPR EnforceSummits sowie die OECD und die APEC ment), die auf einige Länder wie China (USTR 2007). und Russland zielt. Vorgesehen sind eine Zu den privaten Wirtschaftsorganisationen, die im bilateralen IPR-Dialog mit China ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, gehört die American Chamber of Commerce(AmCham) in China. Im Weißbuch der AmCham von 2006 nehmen die Themen Technologietransfer und Verstöße gegen IPR einen wichtigen Platz ein. In engere Abstimmung der Zollbehörden, ein stärkerer Informationsaustausch und die Bereitstellung technischer Hilfe für Drittländer. Im Rahmen von bilateralen Arbeitsgruppen wird bereits regelmäßig diskutiert, wie das Klima für die Durchsetzung der IPR in China verbessert werden kann(USTR 2007). einer Befragung von 86 Mitgliedsunternehmen der Kammer zur Entwicklung des IPR-Schutzes gaben 55% an, dass keine Veränderung im Jahre 2005 einge6.3 Dialog zum Technologietransfer zwischen Japan treten sei; 37% der Beteiligten verwiesen und China auf eine Verbesserung und 7% auf eine Verschlechterung. Weiterhin wurden die Japan spielte bereits früh im TechnologieUnternehmen um die Einschätzung der transfer mit China eine zentrale Rolle. ZwiKooperation mit chinesischen Beamten schen 1973 und 1993 entfiel auf Japan gebeten, die den Schutz von IPR durchder Hauptteil des Technologietransfers mit 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China insgesamt 1.284 Projekten und einem Verblemen im IPR-Schutz in Asien(Vergleichstragswert von 11,8 Mrd. US$(Tang 1997: länder waren Indien, die Philippinen, Ma152). In den 1980er Jahren verstärkten laysia, Vietnam, Thailand, Indonesien und außerdem viele japanische Unternehmen Singapur). Diese Bewertung hängt eng mit in China ihr Investitionsengagement und der gleichfalls schlechten Beurteilung des bauten dort Tochterunternehmen auf. Die chinesischen Rechtssystems zusammen. Investitionen flossen zunächst in sehr arSo gaben 59,9% der befragten Manager beitsintensive Branchen wie Textilien und an, dass sie das Rechtssystem als unterentNahrungsmittel. Erst in den 1990er Jahren wickelt bewerten und Probleme mit rechtwaren auch kapital- und wissensintensive lichen Abläufen und Verfahren in China Industrien das Ziel der japanischen Inveshätten(Wolf 2007: 4). toren. Nach dem aktuellen Bericht zum internationalen Engagement japanischer Auf der höchsten Regierungsebene in JaUnternehmen aus dem Fiskaljahr 2006 der pan findet inzwischen ebenso wie in der JETRO(Japanese External Trade OrganizaEU und den USA ein hochrangiger Wirttion) haben Investitionen in stärker techschaftsdialog mit China statt. Während nologieintensive Branchen in den letzten des Besuchs des chinesischen MinisterJahren schnell zugenommen(Wolf 2007: präsidenten Wen Jiabao in Japan im April 3). 2007 wurde dieser„Japan-China High-Level Economic Dialogue“ eingerichtet. Der Die japanischen Unternehmen waren jeDialog gilt als Teil einer neuen Strategie, doch von Anfang an sehr zurückhaltend, die als Verfolgung einer für beide Seiten neueste Technologien nach China zu vorteilhaften Beziehung auf der Basis bringen. In einer Befragung japanischer gemeinsamer Interessen definiert wird Unternehmen aus dem Jahr 1984 belief („mutally beneficial relationship based sich der Anteil der Unternehmen, der on common strategic interests“). Hierbei überhaupt bereit zu einem Technologiewerden auch der unfreiwillige und der iltransfer waren, auf nur 30%. Lange Zeit legale Technologietransfer in China angeversuchten die japanischen Unternehmen sprochen, allerdings stehen diese Themen den Technologietransfer so zu beschrännicht im Mittelpunkt des Dialogs(MOFA ken, dass hiervon keine Bedrohung auf 2007). Auslandsmärkten für sie ausging. Dass dieser Technologietransfer jedoch in gröDie Kooperation mit der EU im Rahmen ßerem Umfang in den letzten zehn Jahren des„EU-Japan Action Plan on IPR Protecstattgefunden hat, zeigt das Beispiel der tion and Enforcement“ ist dagegen sehr chinesischen Farb-TV-Industrie. So imporkonkret auf den IPR-Schutz in China be83 tierte China aus Japan für diese Industrie zogen. Diese Zusammenarbeit setzte die den Hauptanteil der Technologien. Wähbestehende Initiative(„EU-Japan Joint Inrend Anfang der 1980er Jahre noch keiitiative for the Enforcement of Intellectual ne inländische Produktion von Farb-TV Property Rights in Asia“) fort und weitet stattgefunden hatte, war China bereits sie aus. Hierbei geht es vor allem um DrittMitte der 1990er Jahre der wichtigste Exländer(in Asien), auf die die Kooperation porteur dieser Produkte(Tang 1997: 157beim IPR-Schutz gerichtet ist. Da China 159). als das Land mit dem größten Anteil an IPR-Verletzungen gilt, wird auch ohne diMit zunehmenden Investitionen in techrekte Nennung der Länder die Zielrichtung nologieintensive Gemeinschaftsunternehdes abgestimmten Vorgehens klar. Zu den men verstärkte sich auch für japanische Maßnahmen in diesem Programm gehören Unternehmen das Problem des unzureider Informationsaustausch zwischen kleichenden IPR-Schutzes. Inzwischen steht nen und mittleren Unternehmen(KMU), China in der Bewertung für japanische die enge Zusammenarbeit der ZollbehörUnternehmen in der Rangliste der Länder den, Informationsweitergabe über IPRmit Risikofaktoren im Schutz des geistigen Verletzungen in Drittländern sowie in der Eigentums ganz oben. Von den in Asien EU und Japan, die Zusammenarbeit von aktiven japanischen Managern bewerteUnternehmen und Regierung(z. B. JETRO) ten 59,2% der befragten 596 Personen sowie das Angebot technischer UnterstütChina als das Land mit den größten Prozung für Drittländer(MOFA 2007). 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China 6.4 Kooperation zwischen den Triadeländern und sonstigen Akteuren beim Technologietransfer nach China Auf trilateraler Ebene – hier speziell zwischen Unternehmensverbänden- gibt es ebenfalls eine Zusammenarbeit beim IPRSchutz, bei der China ein wichtiges Thema ist. Anfang Mai 2006 wurde eine„Joint Declaration of U.S., European, and Japanese Organizations on the Occasion of the Second Annual Multilateral IPR Summit” veröffentlicht, die ein gemeinsames Arbeitsprogramm enthält. Beim Summit waren sowohl die US Chamber of Commerce, das International Intellectual Property Protection Forum(IIPPF, Japan) sowie UNICE(inzwischen umbenannt in Business Europe) als Interessenvertretung der europäischen Unternehmen in Washington vertreten. Die Unternehmensverbände wiesen in der Erklärung darauf hin, dass China auch im Jahr 2005 das wichtigste Herkunftsland für Produktfälschungen war und forderten von der chinesischen Seite, die Exekutive zu stärken(z.B. Polizeirazzien) und den Rechtsrahmen anzupassen. Auf dem Treffen wurde eine engere Zusammenarbeit beim IPR-Benchmarking und bei der IPR-Durchsetzung sowie ein besserer Informationsaustausch vereinbart (UNICE 2006b). Die OECD begann im Jahr 2004 einen Politikdialog mit China über Fragen des IPRSchutzes und hat inzwischen eine Reihe von Publikationen veröffentlicht. Hierzu zählt beispielsweise eine Studie mit dem Titel„Promoting IPR Policy in China: Summary of Dialogues between OECD and China“ aus dem Jahr 2005, die die bisherigen Initiativen sowie die Schwerpunkte des OECD-China Workshop von 2004 zusammenfasst. Auch in anderen Publikationen der OECD aus den letzten Jahren wird das Thema IPR-Schutz behandelt(z. B. OECD 2005: 403-432). Im weitesten Sinne gilt die OECD als Forum für die Vermittlung der Interessen zwischen den klassischen Industrieländern und den emerging markets und wird in dieser Funktion sicherlich weiter eine wichtige Rolle spielen. Abbildung 14: Technologieschützende Maßnahmen der US-Unternehmen, Anteil der befragten Unternehmen, in% Quelle: AmCham 2006: 43. Ein Forum von besonderer Bedeutung für Fragen des IPR-Schutzes ist das Quality Brand Protection Committee(QBPC) in China, dessen Mitglieder ausländische, zumeist größere, Unternehmen sind. Hierzu zählen 111 multinationale Unternehmen, die rd. 40 Mrd. US$ in China investiert haben. Ziel dieser Organisation ist die Bekämpfung der Produktpiraterie in China, wobei ein kooperativer Ansatz in Form der Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen in China verfolgt wird. Ursprünglich als „China Anti-Counterfeiting Coalition“ im April 1998 gegründet, wurde das QBPC im März 2000 offiziell von der chinesischen Regierung als Teil der„China Association of Enterprises with Foreign Investment“ anerkannt. Neben konkreten Vorschlägen zur Rechtsdurchsetzung steht der Verbraucherschutz durch Schulungen, Konferenzen und Medienpräsenz im Vordergrund der Arbeit des QBPC. Darüber hinaus werden Schulungen für Polizisten und Zollbehörden durchgeführt und Seminare veranstaltet. Einschätzungen von Experten nach hat das QBPC durchaus Einfluss auf die Regierung, obwohl die direkten Auswirkungen bestimmter Aktivitäten nicht öffent- 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China lich gemacht werden, um die empfindliche Beziehung zu den staatlichen Stellen nicht zu gefährden(Blume 2006: 143-147). Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Triadeländer auf der Regierungsaber vor allem auf der Unternehmensebene zunehmend bei Fragen des Technologieschutzes, insbesondere beim IPR-Schutz, zusammenarbeiten. Die gemeinsame Interessenlage einerseits und die rasante Zunahme von Produktfälschungen durch chinesische Unternehmen anderseits begründen diese Annäherung. schätzung einiger Befragter Vorschub. Als Beispiel für diese Position wurde die Tatsache genannt, dass Urkundenfälschung in China noch nicht strafbar ist. Andererseits könnten sich aufgrund dieser Gesetzeslücke auch die ausländischen Unternehmen schützen, die befürchteten, dass ihre Pläne zur Genehmigung von Projekten an Unbefugte weitergegeben werden. Diese Unternehmen könnten beispielsweise die von ihnen verlangten Baupläne oder Blaupausen für genehmigungspflichtige Projekte einfach ebenfalls fälschen. Aus den Gesprächen der Autorin mit Regierungsstellen und Verbandsvertretern aus den Triadeländern in China sowie den entsprechenden Stellen in Deutschland im Sommer 2006 und Frühjahr 2007 lässt sich das Bild noch um einige Dimensionen ergänzen. Die einheitliche Meinung ist dabei gewesen, dass geistiges Eigentum in China nicht ausreichend geschützt wird. Da die Frage des Technologietransfers in der Regel die ausländischen Unternehmen betrifft, zweifelten einige der Befragten außerdem, ob die chinesische Regierung tatsächlich ein Interesse daran habe, die IPR zu schützen. Erst die wachsende Innovationskraft der eigenen chinesischen Unternehmen und der von diesen Unternehmen ausgehende Druck auf die Regierung werde eine wesentliche Verbesserung beim IPR-Schutz ermöglichen. 85 Zur Frage des unfreiwilligen Technologietransfers gab es ebenfalls eine überwiegend pessimistische Einschätzung der Befragten. Von einigen Gesprächspartnern wurde sogar vermutet, dass die chinesische Regierung auch in den nächsten 10-20 Jahren versuchen werde, ihre lokale Industrie vor ausländischer Konkurrenz zu schützen, ohne sich gleichzeitig an die internationalen Standards zu halten. Zu den Branchen, die vor allem vom Problem des unfreiwilligen Technologietransfers beeinträchtigt sind, zählen der Maschinenund Anlagenbau, die Automobil- sowie die Pharmaindustrie. Am schwierigsten sei es, den unfreiwilligen Transfer von know how über Produktionsverfahren zu schützen. Mängel im Rechtssystem leisten dem unfreiwilligen Technologietransfer nach Ein- 6_ Politik der Triadeländer zum Technologietransfer mit China 86 7_ Strategien ausländischer Unternehmen im Technologietransfer mit China und Empfehlungen Strategien ausländischer Unternehmen im Technologietransfer mit China und Empfehlungen Der freiwillige Technologietransfer gehört führten dazu, dass sie nicht den letzten zur Internationalisierungsstrategie von Un- Stand der Technologie in ihren Gemeinternehmen, die Teile ihrer Wertschöpfung schaftsunternehmen einsetzten: oder die Herstellung von Produkten in einer bestimmten Phase des Produktlebens-•„IPR infringement is the single biggest zyklus ins Ausland verlagern. Sowohl beim problem in the Automotive parts sector freiwilligen Technologietransfer als auch and costs us 10% of our turnover in beim unfreiwilligen Technologietransfer, China”! der in China oftmals als„Eintrittskarte“ verlangt wird, sollten die Unternehmen ausgewählte Schutzstrategien verfolgen. Dies betrifft auch die Konfrontation mit dem illegalen Technologietransfer durch •“Our two main enemies are copycats and our partners which unlawfully create a rival product using our technology.” IPR-Verletzungen, die besondere Strategi•“Our only weapon is not adopting our en zum Marken- und Patentschutz erforlatest technology in China.” dern. Zunächst wird in diesem Kapitel anhand verschiedener Beispiele gezeigt, wo die Probleme in diesen Bereichen für die Unternehmen am stärksten sind. Anschließend werden Strategien der Unternehmen allgemein und anhand verschiedener Beispiele aufgezeigt und Empfehlungen ausgesprochen. Vertreter ausländischer Maschinenbauunternehmen kritisierten vor allem die umfangreiche Dokumentation, die von den Designinstituten verlangt wird. Das mangelnde Vertrauen in die chinesischer Partnerunternehmen und die eigenen Angestellten wird ebenfalls als ein großes Problem hervorgehoben. Die Kritik richtet sich auch an die EU, die nicht aggressiv 7.1 Geschäftsumfeld für den genug die Interessen der Unternehmen in Technologietransfer China schützt: 87 Obwohl viele ausländische Unternehmen von einem unfreiwilligen und illegalen Technologietransfer stark betroffen sind, werden diese Probleme i.d.R. nicht öffentlich diskutiert – zumindest nicht im Alleingang. Interessenverbände sind die wichtigsten Intermediäre, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen, in dem sie Lobbyarbeit bei der chinesischen bzw. eigenen Regierung machen. Wie unzufrieden viele Unternehmen sind, spiegelt sich in den„Voices from EU Companies in China“ wider, die Ranjard(2006) in einem Vortag in Brüssel zu den EU-Investitionen in China aufgeführt hat. •”We need to hand over a full set of documentation on our equipment which outlines its specifications(to the Chinese design institute)[…] We also know that during installation, our machines have been looked into.” •“We do not trust[…] our competitors [but neither do we trust] our partners or our own employees.” •“We find the EC regrettably non-aggres sive when it comes to protecting us from IP infringement and we would like to see a far more aggressive retaliatory approach.” Von Vertretern der ausländischen Automobilkonzerne wurde vor allem die Verletzung von IPR und die Illoyalität der chinesischen Partner beklagt. Diese Probleme Die Äußerungen von Unternehmensvertretern der Branchen IKT-Anlagen, der Chemie– und der Umweltindustrie weisen auf weitere Grundprobleme wie die Nicht- 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext beachtung von Lizenzen und Nichtzahlung von Lizenzgebühren hin. Auch wird hier der Zweifel geäußert, ob es für ausländische Unternehmen in China eine win win-Situation geben könne, bevor China die internationalen Standards eingehalten habe: sich von den Fälschungen ihrer Produkte abzuheben. Allerdings haben diese Unternehmen auch damit zu kämpfen, dass ihr chinesischer Mitbewerber die Qualität ihrer Produkte in der Öffentlichkeit abwerten würde und ein Vorgehen gegen diese Mitbewerber oftmals sehr schwierig sei. •“They do not respect licensing and Im Automobilsektor existieren zwar die refuse to pay for royalties.” o. g. Auflagen ebenfalls, die ausländische •“Many cases exist where technology& proprietary knowledge has leaked or even been sold.” Unternehmen zu einem unfreiwilligen Technologietransfer drängen, doch wurde dieses Problem in den Gesprächen von einigen Vertretern dieser Branche nicht als •“We do not believe in any win-win so schwerwiegend eingeschätzt. Denn situation, until China will play by the ohne eine weitgehende Lokalisierung der rules.” Produktion nach China – so ein Unternehmensvertreter – könnten die UnternehIn den Gesprächen der Autorin mit Unternehmen und Verbandsvertretern im Sommer 2006 und Frühjahr 2007 in China und Deutschland wurden die Probleme mit dem unfreiwilligen Technologietransfer vor allem für Unternehmen im Maschinenund Anlagenbau deutlich. Hier stellt sich das Bild allerdings sehr differenziert dar. men preislich nicht wettbewerbsfähig im chinesischen Markt agieren. Dass aber die chinesischen Unternehmen joint ventures mit verschiedenen ausländischen Partnern eingehen konnten, hätte diesen viele Vorteile gebracht und ermöglicht, die ausländischen Partner gegeneinander auszuspielen. Einige ausländische KMU wurden durch den Nachbau ihrer Maschinen stark geIn den Gesprächen der Autorin mit Unterschädigt und zogen sich deshalb aus dem nehmensvertretern zeigte sich auch, dass chinesischen Markt zurück. Für andere sich die Problematik des IPR-Schutzes für Maschinenbauer ist der chinesische Markt große Unternehmen deutlich anders darso groß, dass selbst ein paar Raubkopierer stellt als für KMU. Für große Unternehmen, ihrem Erfolg nichts anhaben können. Diedie in China tätig sind, ist der Produktse Unternehmen haben in China sogar in und Markenschutz zwar auch eine Her88 den letzten Jahren weiter expandiert. ausforderung, doch haben sie gegenüber Insgesamt zeigte sich in den Gesprächen, der chinesischen Regierung ein größeres dass die Sensibilität für den Schutz von Verhandlungsgewicht. Weiterhin melden Technologien sehr hoch ist, insbesondere die großen Unternehmen – im Gegensatz bei Produktionsverfahren. Da hier jedoch zu den KMU – ihre Patente sofort an und oftmals auch Ausbildungsleistungen für verteidigen sie auch mit allen gesetzlichen chinesische Mitarbeiter erforderlich sind, Mitteln, einschließlich einer strafrechtliwird ein umfassender Schutz als sehr chen Verfolgung. Diese Vorgehensweise schwierig eingeschätzt. Dies erklärt auch, deckt sich mit den Ergebnissen der oben weshalb in einer stark dienstleistungsbegenannten Untersuchung des APM, die zogenen Branche wie dem Bausektor – Unterschiede bei der Patentanmeldung neben den hohen Einstiegsbarrieren durch deutscher Unternehmen verschiedener die nationale Industriepolitik- kaum ausGrößen festgestellt hat. ländische Unternehmen zu finden sind. Die Patentanmeldung und die Strafverfolgung bei Verletzung der IPR wurden von Andere Unternehmen der Maschinenden ausländischen Unternehmensvertrebaubranche haben bewusst keinen chitern in den Gesprächen dringend empnesischen Partner gewählt, um die damit fohlen. Gleichzeitig weisen die Gesprächsverbundenen Probleme beim Technologiepartner jedoch darauf hin, dass selbst im transfer zu vermeiden. Diese Unternehmen Falle des Prozessgewinns die Umsetzung setzen vor allem auf Qualität über internades Rechtstitels noch ein Problem darsteltionale Zertifizierungen und Service, um len würde. 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext Europäische und US-Unternehmen sind Kompromisse zu machen. Um ihre Interessehr stark im QBPC engagiert und setzen sen in China besser kanalisieren zu können, auch über solche Organisationen auf eine haben sich auch japanische Unternehmen Verbesserung des Technologieschutzes. stärker in internationalen InteressenverAußerdem sind die Unternehmen vorsichbänden engagiert. Beispielsweise sind rd. tig bei der Auswahl der Produkte, die sie 20 japanische Unternehmen als Mitglieder in China verkaufen bzw. produzieren lasim QBPC aktiv. Interessenverbände und sen. Dass japanische Unternehmen in der Regierung setzen beim Technologieschutz Vergangenheit in einem relativ geringen einerseits auf die Anpassung des chineAusmaß bereit waren, core technologies sischen Rechtssystems, die bessere Um(Schlüsseltechnologien) im Rahmen der setzung der Bestimmungen in China und Kooperation mit chinesischen Unternehfördern andererseits durch verschiedene men zu transferieren, ist bereits erwähnt Maßnahmen(Medieninformation, Semiworden. Diese Haltung änderte sich schrittnare) das Bewusstsein der Konsumenten weise, als insgesamt stärker technologieinfür die Problematik. tensive Produktionsprozesse nach China verlagert wurden. Der Trend betraf nicht nur die oben erwähnten Verkäufe von Produktionsausrüstungen für die Herstellung 7.2 Empfehlungen von normalen Farbfernsehern. Toshiba, einer der größten Elektronikkonzerne JaDa die chinesische Regierung in vielen pans, transferierte beispielsweise im Jahre Industriebranchen nach wie vor eine 2001 die gesamte Produktionslinie seiner marktverzerrende Industriepolitik mit Verdigitalen Fernsehgeräte in das joint ventuänderung der„Spielregeln“ zulasten ausre nach Dalian(Nordostchina). Ein weiteländischer Unternehmen verfolgt, müssen res Beispiel für die Verlagerung von techsich diese mit ihren Marktstrategien darnologieintensiven Produktionen von Japan auf einstellen. Auch ein chinesischer Partnach China ist Minolta. Dieser größte Herner ist leider oft kein Garant dafür, dass steller optischer Geräte und der größte ausländische Unternehmen ihre TechnoProduzent von Fotoapparaten, lagerte im logien besser schützen können. Die folJahre 2002 die gesamte Produktionslinie genden Empfehlungen beziehen sich auf konventioneller und digitaler Fotoapparaverschiedene Ebenen und Zeitphasen der te nach China aus. Nachdem Canon und Aktivitäten im Chinageschäft. Ricoh ihre Produktion von Fotokopiermaschinen nach China verlegt hatten, folgte Markteintritt – Anmeldung von Patenten 89 Minolta diesem Vorbild ebenfalls. Hintergrund für die Verlagerung war nicht nur Obwohl die Anmeldung von Schutzrechder kostengünstigere Produktionsstandten in China oberste Priorität haben sollte, ort, sondern nach Angaben des Unternehwird sie bisher von vielen ausländischen mens vor allem auch die Verbesserung der Unternehmen- insbesondere kleinen und Produktqualität am chinesischen Standort. mittelgroßen Unternehmen – nur unzuUm weitere Kosten zu sparen, wurden reichend genutzt. Diese Unternehmen auch Komponenten in zunehmendem bezweifeln die Durchsetzbarkeit der RechUmfang in China hergestellt. Allerdings te und schätzen die damit verbundenen betraf dies vor allem Komponenten für Kosten als zu hoch ein. Die Untersuchung, relativ einfache Technologien wie Waschdie gemeinsam vom APM und der DIHK maschinen, während Komponenten für zur Produkt- und Markenpiraterie in ChiLaptops noch aus Japan bezogen wurden na durchgeführt wurde, zeigt jedoch ein (Imai 2002). anderes Bild. So liegen die Kosten der Patentanmeldung in China mit rd. 340 Euro In den letzten Jahren hat sich also auch zwar etwas höher als in Indien und Brader Druck auf japanische Unternehmen silien, aber weit unterhalb der Kosten in verstärkt, leading edge-Technologien in der Türkei von 1.400 Euro(siehe Tabelle japanisch-chinesische Gemeinschaftsun26). In der Studie wird auch darauf hingeternehmen zu transferieren. Der starke wiesen, dass sich dieser Betrag sowohl aus Konkurrenzdruck zwingt Unternehmen den Kosten der Anmeldung als auch des nach Aussagen japanischer Experten dazu, Rechtsschutzes im Falle einer IPR-Verlet- 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext zung zusammensetzt. Bei der Abwägung • die Herstellung sehr sensibler Produkte/ der Kosten und des Nutzens einer PatenMaterialien außerhalb Chinas durchzutanmeldung sei auch zu fragen, wie hoch führen. der mögliche Schaden werden könnte. Ohne Anmeldung der Schutzrechte hat das ausländische Unternehmen im Fall einer IPR-Verletzung keine Alternative als Investition in China – Gründung eines sino-ausländischen Unternehmens mit dem Rechtsverletzer zu verhandeln (APM 2007). Vor der Entscheidung über eine Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner in einem joint venture sollte genau Tabelle 26: Kosten und Dauer der Erlangung von überlegt werden, welche Technologie Patentrechten in ausgewählten Ländern und in welchem Umfang diese transferiert werden soll. Hierbei rät die o.g. APM Kosten, Jahresge- Dauer des und DIHK-Studie den Unternehmen, die die bis zur bühr Patentmöglichen Kosten eines illegalen TechErteilung des Patetes anfallen (Euro/ca.) Russland k.A. (Euro/ca.) verfahrens k.A. bis 18 Monate nologietransfers im Gemeinschaftsunternehmen zu berechnen. Als Indikatoren werden dafür der entgangene Umsatz, ein Imageschaden, die Kosten einer Produkthaftung und sinkende Preise vorTürkei 1.400 203-655 k.A. geschlagen. Empfohlen wird außerdem, Südafrika China 60 10-20 6 Monate Strategien zum Schutz leicht kopierbarer (regis.) Teile zu entwickeln. Auch sollte überlegt werden, ob nur„reife“ Technologien im 340 k.A. ca. 6 Jahre Produktzyklus transferiert werden sollten, Indien 150 k.A. bis 6 Jahre Kerntechnologien(F&E, Design-Zentren) Brasilien 250(80) 80(30)- k.A. US-seitig dagegen nicht. 600-(200) als langwierig kritisiert Genaue Informationen über den potenUSA 3.000 600- ca. 3 Jahre ziellen joint venture-Partner hinsichtlich 3.000 seiner formalen Eigentumsstruktur und behördlichen Anbindung sollten ebenQuelle: Fraunhofer Institut für Produktionsfalls eingeholt werden. Selbst bei seriötechnologie et al. 2007. 90 sen Geschäftspartnern wird empfohlen, in der Vertragsgestaltung auf hohe VerNeben dieser„dominanten“ Strategie gibt es eine Reihe von vorbeugenden Maßnahmen. Um Probleme mit IPR-Verletzungen tragsstrafen für den Fall zu beachten, dass dieser Geschäftspartner Fälschungen aktiv durchführt oder sie passiv zulässt. zu vermeiden, empfiehlt beispielsweise die Produktion in China AmCham(2006: 38) ihren Unternehmen: • solche Produkte herzustellen, die nicht bzw. nur schwer gefälscht werden können, • einen großen Kundenstamm zu entwickeln, • langfristige Dienstleistungsverträge abzuschließen, durch die eine stabile Klientenbasis durch wiederholte Transaktionen erreicht wird, • die Produktionsaufträge auf verschiedene chinesische Unternehmen verteilen, so dass kein Unternehmen das Gesamtprodukt herstellt, und In diesem Stadium ist die Überwachung aller Stationen in der Wertschöpfungskette von zentraler Bedeutung, um illegalen Abfluss von Technologien und Verfahrensknow how zu vermeiden. Hierbei geht es insbesondere um die Überwachung der Vertragstreue von Zulieferunternehmen, aber auch Marktbeobachtung, einschließlich der Analyse der Mitbewerber. Weiterhin sind Strategien notwendig, um einen unerwünschten Abfluss von know how durch die eigenen Mitarbeiter zu vermeiden. Hierfür wird die Einbindung der Mitarbeiter in die allgemeine IPR-Schutz- 1_ Technologietransfer im internationalen Kontext Strategie, die Aufstellung eines„Code of Conduct“ und negative Sanktionen bei Verstoß gegen selbigen empfohlen. Das Spektrum von Maßnahmen sollte z. B. eine Bewertung des personenbezogenen Wissens im eigenen Unternehmen sowie die Sensibilisierung der Mitarbeiter für die IPR-Problematik umfassen. Als weitere Barrieren werden arbeitsrechtliche Klauseln empfohlen, die Aspekte wie Geheimhaltung, Wettbewerbsverbote oder Vertragsstrafen enthalten sollten. Abschließend wird von den meisten Experten darauf verwiesen, dass die gezielte Unternehmensstrategien zum Marken- und Produktschutz auf jeden Fall einen wichtigen Stellenwert im Unternehmen haben und dabei verschiedene Abteilungen wie z. B. für Rechtsfragen sowie Vertrieb und Marketing zusammen bringen sollten. In vielen Unternehmen gibt es bisher keine derartige Strategie, so dass Raubkopierer ein leichtes Spiel haben(APM o.J.: 6; Jolly und Zedtwitz 2005: 25-27; APA 2006). 91 4_ Chinas Technologiepolitik 92 Literaturverzeichnis Literaturverzeichnis Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie(APM) (o.J.): Studie des DIHK und APM zu Produkt- und Marken-Piraterie in China, http://www.markenpiraterie-apm.de/files/ standard/China%20Studie.pdf, 7 Seiten, Zugriff am 10.10.07. AmCham(American Chamber of Commerce)(2006): White Paper 2006: American Business in China. Enhancing Dialogue, Moving Forward, Beijing. Win Technology Trade with China, http://www.bis.doc.gov/news/2006/McCormick06-9-06.htm, Zugriff am 30.05.2007. 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