www.managerkreis.de Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost der Friedrich-Ebert-Stiftung Autoren: Helmut Herdt und Klaas Hübner Impressum ISBN: 978-3-86872-367-0 Herausgeber: Friedrich-Ebert-Stiftung, Zentrale Aufgaben Autoren: Helmut Herdt und Klaas Hübner unter Mitarbeit von: Dr. Max Brändle und Elmar Heisterkamp Redaktion: Sina Dürrenfeldt Copyright 2010 by Friedrich-Ebert-Stiftung Umschlag+ Layout: Werbestudio Zum Weissen Roessl, Susanne Noé Druck: BUB, Bonner Universitäts-Buchdruckerei 1. Auflage: 1.000 Printed in Germany 2010 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost der Friedrich-Ebert-Stiftung Autoren: Helmut Herdt und Klaas Hübner Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung Inhalt Einleitung 5 1. Die finanziellen Rahmenbedingungen sichern und für den weiteren wirtschaftlichen Ausbau nutzen! 7 2. Investitionsförderung konzentrieren und nachhaltig einsetzen! 9 3. Innovationen voranbringen – Forschung und Entwicklung stärken! 11 4. Standortbedingungen weiter verbessern – wirtschaftsnahe Infrastruktur ausbauen! 13 5. Kapitalversorgung des Mittelstandes verbessern – Zugang zu frischem Kapital ermöglichen! 15 6. Existenzgründungen fördern – dem Mittelstand neue Impulse geben! 17 7. Familiengerechte Rahmenbedingungen schaffen – der Abwanderung offensiv begegnen! 19 8. Fachkräftemangel abwenden – jungen Menschen Chancen bieten! 21 Fazit 23 4 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost Einleitung Der Managerkreis Ost der Friedrich-Ebert-Stiftung hat im Juli vergangenen Jahres ein Thesenpapier unter dem Titel„Neue wirtschaftliche Dynamik für Mitteldeutschland“ veröffentlicht. Mit diesem Papier wurde eine wirtschaftliche Bestandsaufnahme nach 20 Jahren„Aufbau Ost“ vorgenommen und Handlungsempfehlungen ausgesprochen, um dem Ziel einer selbsttragenden Wirtschaft und eines robusten Arbeitsmarktes mit guten Perspektiven für die Zukunft näher zu kommen. Im Zuge der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise waren kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung des Interbankenhandels, des Finanzmarktes und der realen Wirtschaft gefragt. Diese Maßnahmen scheinen langsam aber sicher zu greifen. Noch ist nach dem drastischen Einbruch Euphorie fehl am Platz. Ökonomen gehen aber von einer leichten Konjunkturerholung und einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland aus. Das ist auch nötig, nachdem die Wirtschaftsleistung im zurückliegenden Jahr um fünf Prozent gesunken ist. Auch der Osten wird von dieser Erholung pro fi tieren. Allerdings nicht so stark wie der Westen, da die Konjunkturerholung vor allem exportgetrieben ist. Gerade hier hat Ostdeutschland noch erheblichen Nachholbedarf. Nach dem Auslaufen arbeitsmarktstabilisierender Programme wie der Kurzarbeit, die allein in Sachsen-Anhalt rund 6.000 Arbeitsplätze gesichert hat, droht ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Bisher hat sich der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt allerdings erstaunlich robust gezeigt. Im Vergleich zum März des Vorjahres sind sogar rund 12.000 weniger Arbeitslose zu verzeichnen. Aber trotz eines noch stabilen Arbeitsmarktes werden die Belastungen für die öffentliche Hand zunehmen. Bund und Länder, Städte und Gemeinden müssen massiv wegbrechende Steuereinnahmen verkraften. Zwar belegen die für das erste Halbjahr 2009 vorliegenden Zahlen unsere These, dass der Osten aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur etwas weniger stark von der Krise betroffen ist, als der Westen. Der strukturelle Nach5 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung holbedarf hat sich jedoch nicht verringert. Die zentralen Herausforderungen für die Wirtschaft in Mitteldeutschland bleiben bestehen: • Stärkung von Bildung, Forschung und Entwicklung, • Bewältigung der demographischen Krise in Bezug auf den drohenden Fachkräftemangel und die Unternehmensnachfolge sowie die • Steigerung der Auslandsaktivitäten der Unternehmen. Mit dem vorliegenden Papier werden die Handlungsempfehlungen, die im vergangenen Jahr vorgelegt wurden, weiter konkretisiert und auf das Land Sachsen-Anhalt heruntergebrochen. Mit dem Anziehen der Konjunktur besteht die Chance, aber auch die Notwendigkeit, sich nach der kurzfristigen Umsetzung der Konjunkturprogramme den zentralen Herausforderungen der Zukunft zu widmen. 6 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 1. Die finanziellen Rahmenbedingungen sichern und für den weiteren wirtschaftlichen Ausbau nutzen! Die Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden in Deutschland sind infolge der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise im letzten Jahr drastisch gestiegen. Das negative Wirtschaftswachstum führt zu sinkenden Steuereinnahmen bei gleichzeitig steigenden Leistungen für die soziale Sicherung. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass Sachsen-Anhalt in den Jahren 2010 bis 2014 Steuermindereinnahmen in Höhe von über 650 Millionen Euro verzeichnen muss. Der Abbau der Schulden wird eine Generationenaufgabe und nicht ohne Einschnitte in Leistungen zu erreichen sein. Auch Sachsen-Anhalt wurde gezwungen, die Schuldentilgung weiter in die Zukunft zu schieben. Zwar war es in den letzten drei Jahren gelungen, keine neuen Schulden aufzunehmen, aber Steuerausfälle und zusätzliche Belastungen wie zum Beispiel das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz, welches alleine für das Land Mindereinnahmen von rund 100 Millionen Euro mit sich bringt, erhöhen den Druck auf den Haushalt. Es musste daher eine Nettoneuverschuldung für dieses Jahr in Höhe von 739 Millionen Euro aufgenommen werden. Für 2011 sind es 541 Millionen Euro. Um auch in Zukunft handlungsfähig zu sein und Politik gestalten zu können, ist es notwendig, die Konsolidierung des Landeshaushaltes konsequent fortzusetzen. Steuersenkungen, wie sie auf Bundesebene gefordert werden, führen nicht zum Ziel. Im Gegenteil, sie belasten die öffentlichen Haushalte weiter und schränken die Handlungsfähigkeit des Staates ein. Ebenso wenig hilfreich sind Diskussionen über Veränderungen beim Solidarpakt II, wie sie derzeit in einigen westdeutschen Ländern geführt werden. Die Mittel aus dem Solidarpakt II, die sich in den nächsten neun Jahren für SachsenAnhalt auf rund 8,5 Milliarden Euro belaufen, sind der Ausgleich für nach wie vor vorhandene strukturelle Nachteile und zugleich unverzichtbar für die weitere Entwicklung Ostdeutschlands. 7 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung Für das Land Sachsen-Anhalt gilt: Ziel muss es sein, so schnell wie möglich zu beginnen, die Schulden des Landes abzutragen, um die Lasten für Zinsen und Tilgung Stück für Stück zu verringern. So kann neue Handlungsfähigkeit gewonnen werden, die gezielt für den weiteren wirtschaftlichen Ausbau eingesetzt werden muss. 8 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 2. Investitionsförderung konzentrieren und nachhaltig einsetzen! Sachsen-Anhalt bietet gute Rahmenbedingungen für die Ansiedlung neuer und für den Ausbau bestehender Unternehmen. Es verfügt über quali fi ziertes Fachpersonal, eine hohe Produktivität, gute logistische Bedingungen und eine hohe Förderquote. Und das Wichtigste: Sachsen-Anhalt hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Im Dynamikranking aller 16 Bundesländer erreichte Sachsen-Anhalt den ersten Rang. Jetzt gilt es, diese Dynamik auch weiterhin für den wirtschaftlichen Ausbau des Landes Sachsen-Anhalts zu nutzen. Dieser weitere wirtschaftliche Ausbau ist notwendig und wird nach der Bewältigung der globalen Krise auch fortgesetzt. Nach wie vor ist die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt stark mittelständisch und kleinteilig geprägt. Große Unternehmen bilden noch immer die Ausnahme. Die Industriedichte 1 in Sachsen-Anhalt liegt zwar knapp über dem ostdeutschen Durchschnitt, ist aber nur halb so groß wie die in Baden-Württemberg 2 . Um die Arbeitsplatzlücke perspektivisch zu schließen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, brauchen wir deshalb zusätzliche Investitionen, neue Unternehmen und die Erweiterung der bestehenden Unternehmen. Nachdem zu Beginn der 90er Jahre der strukturelle Umbruch der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt vorangetrieben wurde, hat die Investitionsdynamik inzwischen deutlich nachgelassen. Die Bruttoanlageinvestition je Einwohner liegt inzwischen wieder deutlich unter der Westdeutschlands. Das Land unterstützt die Investitionsförderung durch vielfältige Maßnahmen. So wurden trotz der schwierigen wirtschaftlichen Gesamtsituation 2009 rund 340 Projekte mit 1 Definition: Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe je 1.000 Einwohner 2 Zum 31.12.2008 lag die Industriedichte in Sachsen-Anhalt bei 56 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe je 1.000 Einwohner(Neue Bundesländer mit Berlin: 54, Baden-Württemberg: 119) 9 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung einem Investitionsvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro gefördert. Zugleich steht das Land vor der zentralen Herausforderung, die rückläu fi gen Fördermittel so ef fi zient wie möglich für eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik und für neue Wachstumsimpulse einzusetzen. Daraus ergeben sich für die zukünftige Ausrichtung der Fördermittelpolitik klare Anforderungen: • die bestehenden Förderprogramme müssen einer Ef fi zienzprüfung unterzogen werden – wurden die erwarteten Effekte tatsächlich erreicht?; • die Zahl der Förderprogramme muss gestrafft werden, um es einerseits Unternehmen zu erleichtern, das für sie richtige Programm zu identi fi zieren, aber auch, um andererseits die bürokratische Umsetzung der Förderprogramme zu vereinfachen; • hierzu gehört auch die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Investoren (one-stop-shop oder one-stop-agency) – um Fördermittelberatung und die notwendigen bürokratischen Schritte zur Umsetzung der Förderung zu bündeln; • die Umstellung auf revolvierende Elemente bei der Investitionsförderung muss da, wo es möglich ist, voran getrieben werden – der Anteil der Zuschussförderung ist zu verringern, um das zur Verfügung stehende Budget zu schonen; • Fehlanreize und Mitnahmeeffekte sind durch landesspezi fi sche Regelungen zu vermeiden – eine Förderung von Rationalisierungsinvestitionen zur Sicherung bestehender Arbeitsplätze kann ein Instrument in der Wirtschaftskrise sein, sollte aber zeitlich befristet werden; • um einen Förderwettlauf zwischen den Ländern zu vermeiden, ist die Synchronisation der Landesregelungen untereinander voranzutreiben; • die Förderung mit der„Gießkanne“ ist ein Instrument der Vergangenheit – die regionalwirtschaftlichen Zentren in Sachsen-Anhalt müssen zu tatsächlichen Wachstumspolen im interregionalen Vergleich weiterentwickelt werden. 10 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 3. Innovationen voranbringen – Forschung und Entwicklung stärken! Mit zwei Volluniversitäten in Magdeburg und Halle und vier Fachhochschulen an den Standorten Magdeburg-Stendal, Anhalt, Harz sowie Merseburg verfügt Sachsen-Anhalt über eine hervorragende wissenschaftliche Infrastruktur. Damit begründet sich allerdings auch ein überdurchschnittlicher Besatz von Personal im Bereich Forschung und Entwicklung(FuE) im öffentlichen Sektor, in dem fast 70 Prozent des FuE-Personals tätig ist. Die Stärke des öffentlichen Sektors ist zugleich die Schwäche des Wirtschaftssektors in Sachsen-Anhalt. Es mangelt an großen Unternehmen mit eigenen FuE-Abteilungen und an ausreichend FuE-Personal in der Wirtschaft. Dieser Umstand sollte bei der Wirtschaftsförderung stärker in den Fokus rücken, so dass Unternehmen, die ihre FuE-Abteilungen nach Sachsen-Anhalt verlegen oder ihre FuE-Bereiche personell deutlich aufstocken, einen Bonus bei der Förderung erhalten. Mit ein Grund für die deutlich unterdurchschnittliche Zahl von Patentanmeldungen aus Sachsen-Anhalt ist, dass die wirtschaftliche Nutzung der Ergebnisse von Forschung und Entwicklung aus dem öffentlichen Sektor heraus schwieriger ist. Gerade in der Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft liegt noch ungenutztes Potenzial. Die Hochschulen sind aufgerufen, entsprechende Dienstleistungen für die Wirtschaft zu erbringen und so auch den Drittmittelanteil an ihrem Institut zu erhöhen. Eine Möglichkeit, um die Nachteile aus der Größenstruktur der Unternehmen in Sachsen-Anhalt und des geringen Unternehmensbesatzes auszugleichen, ist die Gründung von Unternehmensnetzwerken, sogenannten Clustern. Die Initiative für diese Cluster muss von den Unternehmen entlang einer Wertschöpfungskette ausgehen. Die Politik kann dabei Unterstützung leisten. Zwar ist die Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe„Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ bereits heute möglich, das Land Sachsen-Anhalt sollte aber prüfen, welche weiteren Unterstützungs11 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung möglichkeiten für die im Land bestehenden, aber auch für neu zu gründende Cluster sinnvoll und notwendig erscheinen. Diese kann in Form einer Anschub fi nanzierung erfolgen, um eine tragfähige Clusterstruktur – personell und sachlich – zu ermöglichen. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung Sachsen-Anhalts ist eng verknüpft mit der Stärkung von Forschung und Entwicklung sowie des Bildungssystems insgesamt. Wir brauchen mehr Praxisorientierung in Bildung und Weiterbildung: Das Bildungssystem muss sich stärker als bisher am Fachkräfte- und Arbeitsmarktbedarf der Zukunft orientieren. Dazu brauchen wir vor dem Hintergrund der veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen eine Quali fi zierung der Bildungsinhalte und Schulstrukturen, die dazu beitragen, die Schulabbrecherquoten zu verringern, die Ausbildungsfähigkeit junger Menschen zu erhöhen und junge Menschen mit einer Hochschulreife auf spätere wissenschaftliche Arbeit vorzubereiten. Ein Weg dahin besteht im längeren gemeinsamen Lernen. Die Ergebnisse zahlreicher Studien sprechen dafür, so wie in nahezu allen anderen europäischen Ländern eine spätere Trennung der Bildungswege, verbunden mit einer individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler, vorzunehmen. Dies bedeutet nicht die Abschaffung der Gymnasien und die Einführung von Einheitsschulen. Dies kann auch nicht im Interesse der Wirtschaft liegen. Es bedeutet aber sehr wohl eine Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den Schulformen und muss begleitet werden von einer Qualitätsoffensive innerhalb des Bildungssystems in Sachsen-Anhalt. 12 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 4. Standortbedingungen weiter verbessern – wirtschaftsnahe Infrastruktur ausbauen! Das Land Sachsen-Anhalt ist ein hervorragender Standort für Unternehmen mit Wachstumsperspektiven. Seine zentrale europäische Lage, seine gut ausgebauten Verkehrswege und seine historisch gewachsenen Wirtschaftsbeziehungen eröffnen einen guten Zugang zu den mittel- und osteuropäischen Wirtschaftsmärkten. Zusätzlich zu den wichtigen Autobahnachsen in Ost-West-Richtung(A 2) und in NordSüd-Richtung(A 9) sowie durch die A 14 von Halle in nördlicher Richtung und durch die A 38 von Halle in Richtung Göttingen verfügt Sachsen-Anhalt über ein dichtes Schienenverkehrsnetz, ist an die wichtigsten Wasserstraßen angebunden und hat einen Zugang zum Flughafen in Leipzig. Um die Anbindung des Landes Sachsen-Anhalt an die wichtigsten Wirtschaftsregionen in Deutschland und im europäischen Ausland noch weiter zu verbessern, sind insbesondere die im Bundesverkehrswegeplan festgelegten Neubauvorhaben zu sichern und voranzutreiben. Im Bereich der transeuropäischen Anbindung zählen hierzu vor allem die Nordverlängerung der A 14 über Magdeburg hinaus zur Anbindung der Altmark an den Ostseeraum und die Fertigstellung der A 71 von der A 38(Südharz) bis nach Erfurt. Über den Ausbau der großen, überregionalen Verkehrsachsen hinaus ist die Neuausweisung und Erweiterung von Gewerbe- und Industrie fl ächen für die Ansiedlung neuer Unternehmen von großer Bedeutung. Insbesondere Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes wählen ihre Standorte bewusst an strategisch und logistisch herausragenden Standorten. Um geeignete Flächen für zukünftig geplante große Investitionsvorhaben anbieten zu können, ist es notwendig, insbesondere an der A 14(Halle/ Queis, Könnern, Sülzetal), der A 9(Weißenfels) sowie der A 38(Sangerhausen) entsprechende Standorte zu entwickeln. Neben dem Ausbau der verkehrlichen und logistischen Voraussetzungen ist der Zugang zu moderner Informationstechnologie für ein wirtschaftliches Wachstum unerlässlich. 13 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung Im Bereich der Breitbandversorgung gibt es in Sachsen-Anhalt allerdings noch zahlreiche„weiße Flecke“. Weniger dicht besiedelte Gebiete in der Altmark, im Harz und im Wittenberger Raum sind nicht adäquat erschlossen, aber auch in Teilen von Großstädten wie Magdeburg oder Halle gibt es Probleme. Zur Förderung des Breitbandausbaus in Sachsen-Anhalt stehen für die Jahre 2009 bis 2011 rund 37 Millionen Euro zur Verfügung. Der Mittelab fl uss ist bisher nicht optimal. Im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes(GAK) waren im März 2010 rund 6,5 Millionen Euro abge fl ossen. Die Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe„Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“(GRW) gestaltet sich hingegen aufgrund bestimmter Zuwendungsbestimmungen schwierig. Hier ist der Bund aufgerufen, die Bedingungen für die Breitbandförderung so anzupassen, dass die Mittel rasch und in voller Höhe umgesetzt werden können. Darüber hinaus ist das Land gefordert, die Beratung der Kommunen deutlich zu verbessern. Grundsätzlich muss bei allen zukünftigen Infrastrukturmaßnahmen gelten, dass bei der Vergabe von Fördermitteln die Nachhaltigkeit insbesondere auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung gewährleistet wird. Wir brauchen deshalb einen Demographie-Check. Nicht jede wünschenswerte Maßnahme in jeder Region des Landes wird in der Zukunft fi nanzierbar sein. Hier müssen Prioritäten gesetzt und geprüft werden, welche Infrastrukturinvestition unter wirtschaftlichen, aber auch fi nanziellen Gesichtspunkten die größten Effekte für die Steigerung des Wirtschaftswachstums bringt. Ein Schwerpunkt sollte dabei auf die wirtschaftsnahe Infrastruktur gelegt werden. 14 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 5. Kapitalversorgung des Mittelstandes verbessern – Zugang zu frischem Kapital ermöglichen! Die Folgen der Wirtschaftskrise sind in einer deutlich ab fl auenden Investitionsdynamik abzulesen. Die negative Konjunkturentwicklung hat zu einer Eintrübung der Geschäftserwartung der Unternehmen und damit zu einer entsprechenden Zurückhaltung auf der Investitionsseite geführt. Im Vordergrund stand im zurückliegenden Jahr für die Unternehmen zunächst einmal die Konsolidierung, nicht die Erweiterung des Betriebes. Zugleich haben sich aber auch auf der Finanzseite die Konditionen für die Unternehmen verschlechtert, so dass auch hier kein Impuls für neue Investitionen erfolgte. Unabhängig davon wurde und wird in der Öffentlichkeit heftig über eine bestehende oder eine drohende Kreditklemme für kleine und mittlere Unternehmen in Ostdeutschland debattiert. Die Politik sieht die Banken in der Verantwortung und kritisiert die aus ihrer Sicht deutlich schlechter gewordenen Kreditkonditionen. Während Bankenvertreter eine ausreichende Versorgung des Mittelstandes mit frischem Geld sehen und sogar wachsende Kreditbestände melden, klagen einzelne Mittelständler über zunehmende Probleme bei der Kreditvergabe und gestiegene Zinsen sowie überhöhte Anforderungen an die Risikovorsorge. Erfahrungsgemäß ist von einer restriktiven Kreditvergabe der kleine Mittelstand stärker betroffen als große Unternehmen. Angesichts der Wirtschaftsstruktur in Sachsen-Anhalt, die vor allem durch kleine und mittlere Unternehmen und den Mangel an Großunternehmen geprägt ist, ist die Betroffenheit deshalb in Sachsen-Anhalt entsprechend groß. Um genau diesen kleinen Unternehmen in der aktuellen Situation zu helfen, wäre die Einrichtung eines Mittelstandsfonds sinnvoll, aus dem sich kleine Betriebe relativ unbürokratisch frisches Kapital besorgen könnten. Es geht dabei um Nachrangdarlehen bis zu einer Höhe von unter 500.000 Euro für Betriebe, die wirtschaftliche solide sind, um den laufenden Betrieb abzusichern und Aufträge vorzu fi nanzieren. Da es sich 15 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung hierbei um wirtschaftliches Eigenkapital handelt, hätten es die Unternehmen darüber hinaus einfacher, bei ihren Hausbanken neue Kredite zu beantragen. Dieser Fonds, abgesichert über eine Bürgschaft des Landes, könnte bei der Investitionsbank angesiedelt sein und müsste an das Portfolio der bestehenden Förderangebote angeglichen werden. Darüber hinaus ist auch der Vorschlag der Bürgschaftsbank und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft zur Einrichtung eines sogenannten„Sachsen-Anhalt-Kredits“ zu prüfen. Mit diesem Kredit könnte die Chance bestehen, mittelfristig ein Instrument zu schaffen, mit dem zu einem günstigen Zinssatz gezielte Investitionen auf Seiten der Unternehmen unterstützt werden können. Zur fi nanziellen Sicherung der Unternehmen und als Mittler zwischen den Unternehmen und den Kreditgebern könnte darüber hinaus – wie bereits in Thüringen geschehen – die Stelle eines Kreditmediators eingerichtet werden. Um die Schwächen im Bereich von Innovation, Forschung und Entwicklung in den Betrieben in Sachsen-Anhalt auszugleichen, sind spezielle Förderinstrumente vonnöten. Während im Bereich der Investitionsförderung zum Zwecke der Schonung fi nanzieller Ressourcen verstärkt auf rückzahlbare Darlehen umgestellt werden sollte, muss zumindest bei der Grundlagenforschung auch mit verlorenen Zuschüssen gearbeitet werden. 16 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 6. Existenzgründungen fördern – dem Mittelstand neue Impulse geben! Trotz der Finanzkrise hat sich das Gründungsgeschehen in Sachsen-Anhalt im letzten Jahr positiv entwickelt. Es sind mehr Gewerbeanmeldungen als noch im Vorjahr zu verzeichnen. Im bundesweiten Vergleich liegt Sachsen-Anhalt in Bezug auf die Zahl der Neugründungen allerdings noch immer auf einem der hinteren Plätze. Das Land braucht für die Zukunft eine neue Gründungsdynamik. Zum einen, weil damit häu fi g innovative Produkte verbunden sind, die den Standort insgesamt stärken, zum anderen weil sie den Arbeitsmarkt stabilisieren. Existenzgründer kreieren nicht nur für sich selber einen Arbeitsplatz, sondern beschäftigen im Schnitt noch zwei bis drei weitere Mitarbeiter. Insgesamt ist das Land mit der Existenzgründungsoffensive ego und den bestehenden Förderprogrammen in Bezug auf die Beratung und Finanzierung von Existenzgründern gut aufgestellt. Allerdings muss für den nachhaltigen Erfolg einer Unternehmensgründung eine Begleitung auch über einen längeren Zeitraum gewährleistet werden. Zur Verringerung des bürokratischen Aufwandes, der gerade am Beginn der Selbständigkeit abschreckt, wäre es zudem sinnvoll, für eine Gewerbeanmeldung eine Anlaufstelle zu schaffen, die die notwendigen Verwaltungsakte bündelt und zentral bearbeitet. Dies würde die Schwelle, an der jeder Existenzgründer steht, deutlich senken. Die Kosten von Bürokratie und statistischen Erhebungen werden aus Sicht der Unternehmen häu fi g als zu hoch bewertet. Notwendig erscheint es, die Überregulierung dort abzubauen, wo sie verzichtbar erscheint. Die Wirtschaft braucht Regulierungen, die unternehmerisches Handeln absichern und Wettbewerbsverzerrungen ausschließen, die unternehmerische Betätigung aber nicht unnötigerweise erschweren. Um die möglichen Ansatzpunkte für eine Reduzierung von Überregulierung zu identi fi zieren, sollte eine Gruppe aus kleinen und mittelständischen Unternehmern sowie Vertretern aus Politik und Verwaltung einberufen werden. 17 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung Es geht aber nicht nur um die Neugründung, sondern vor allem auch um die Absicherung der Nachfolge bestehender und wirtschaftlich erfolgreich agierender Unternehmen. Aufgrund der demographischen Entwicklung zeichnet sich in Sachsen-Anhalt ab, dass zahlreiche Selbständige, die vor rund 20 Jahren ihren Betrieb aufgebaut haben, in den Ruhestand gehen und einen Nachfolger suchen. Diesen zu fi nden, ist nicht immer einfach. Vor diesem Hintergrund sind die gemeinsamen Netzwerkaktivitäten von Land und Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern zur Unterstützung der altersbedingten Betriebsübergabe zu verstärken. Dies hilft, die Familienbetriebe ebenso abzusichern wie die Arbeitsplätze. 18 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 7. Familiengerechte Rahmenbedingungen schaffen – der Abwanderung offensiv begegnen! Sachsen-Anhalt ist ein Land, das Familien schon heute sehr gute Bedingungen zum Leben, Wohnen und Arbeiten bietet. Gleichzeitig ist auch klar, dass Menschen nur dort eine Familie gründen und sich niederlassen, wo sie gute Perspektiven für die Zukunft sehen. Das Land darf deshalb nicht nachlassen, die Bedingungen weiter zu sichern und auszubauen und das Land zukunftsfest zu machen. Dies gilt für die Kinderbetreuung genauso wie für das Schulwesen, aber auch die wohnortnahe Versorgung mit öffentlichen Gütern und medizinischen Leistungen insbesondere auch im ländlichen Raum. Für die Zukunft bedeutet das im Einzelnen: • Das Kinderbetreuungsangebot in Sachsen-Anhalt ist qualitativ und strukturell weiter zu verbessern. Schon heute ist der Versorgungsgrad mit Plätzen in Kindertageseinrichtungen im Bundesvergleich hervorragend. Allerdings hat sich die Aufgabe von Kinderbetreuung erheblich verändert. Es geht nicht mehr nur um Betreuung und Beaufsichtigung von Kindern, sondern um deren Förderung und frühkindliche Bildung. Hiervon sollten möglichst viele Kinder pro fi tieren. Eine Rückkehr zu einem Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung auch für Kinder, deren Eltern nicht beide berufstätig sind, sollte daher geprüft werden. Das hilft Eltern, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren und es hilft den Kindern, Bildungsangebote wahrzunehmen. • Die meisten Familien mit ihren Kindern wohnen außerhalb der Ballungsräume und großen Städte. Es ist deshalb eine Kernaufgabe für die Zukunft, den ländlichen Raum weiterzuentwickeln und an die Ballungszentren anzukoppeln. Das ist vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung eine große Herausforderung. Es ist daher nicht zuletzt im Sinne der Familien, Bildungsangebote, also Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und weiterführende Schulen, gut erreichbar 19 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung vorzuhalten. Zu den Haltefaktoren im ländlichen Raum zählen darüber hinaus auch das Vorhalten einer angemessenen Gesundheitsversorgung und eine öffentliche Verkehrsinfrastruktur, die eine angemessene Mobilität ermöglicht. • Einer der wesentlichen Gründe zum„Hierbleiben“ ist es für die Menschen, eine attraktive, entsprechend ihres Bildungsniveaus angemessene Arbeit zu fi nden. Für die Landespolitik ist dies eine besondere Herausforderung, der sie sich nicht zuletzt im Rahmen der Wirtschafts- und Ansiedlungsförderung stellt. Dabei darf es in Zukunft aber nicht allein um das Angebot, sondern auch um die Qualität von Arbeitsplätzen gehen. Auch wenn das Land, außer im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens, keinen Ein fl uss auf die Entlohnung nehmen kann, muss für die Zukunft klar sein, dass die Fortsetzung einer Billiglohnstrategie, mit der das Land jahrelang um Investoren geworben hat, kontraproduktiv ist und nicht fortgesetzt werden kann. Im Kampf um die Köpfe ist das Werben mit billigen Löhnen zum Standort- und Konkurrenznachteil geworden. Das wird besonders deutlich, wenn es gilt, Fachkräfte im Land zu halten und Familien eine Perspektive zu bieten. 20 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost 8. Fachkräftemangel abwenden – jungen Menschen Chancen bieten! Die Verfügbarkeit gut ausgebildeter und motivierter Fachkräfte ist für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Sachsen-Anhalts von entscheidender Bedeutung. Die demographische Entwicklung in Sachsen-Anhalt wird dazu führen, dass sich die Zahl der Erwerbspersonen, die schon heute im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich älter sind, weiter verringert. Auch die Zahl der Schulabgänger und damit die Zahl der zukünftigen Fachkräfte, auf die die Unternehmen angewiesen sind, wird weiter zurückgehen. Damit erhöhen sich für junge Menschen die Chancen auf einen Ausbildungs- und einen Arbeitsplatz in Sachsen-Anhalt. Allerdings steht Sachsen-Anhalt mit den anderen Ländern in einem Wettstreit um die besten Köpfe, den es nur gewinnen kann, wenn die Bedingungen in Sachsen-Anhalt attraktiv sind und die jungen Menschen ausreichend Gründe zum„Hierbleiben“ haben. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Arbeitsbedingungen und Arbeitsangebote in Sachsen-Anhalt attraktiver werden. Das Land hat derzeit ein negatives Pendlersaldo von über 80.000 Personen. Hier liegt also ein großes, noch ungenutztes Potenzial. Insgesamt muss das Potenzial möglicher Beschäftigter besser ausgeschöpft werden. Wir können es uns nicht länger leisten, auf gut ausgebildete Frauen zu verzichten, weil diese Familie und Beruf schlecht miteinander vereinbaren können. Und wir können uns nicht länger die viel zu vielen Schulabbrecher leisten. Das Bildungssystem muss so leistungsfähig sein, auch diese Schülerinnen und Schüler zu integrieren. Auch diesen jungen Menschen muss eine Perspektive geboten werden, die es ihnen ermöglicht, einen Beruf zu erlernen und entsprechend ihrer Quali fi kation eingesetzt zu werden. Um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken, müssen die Unternehmen eine vorausschauende Personalpolitik betreiben, verstärkt in Bildung und Quali fi kation ihrer Mitarbeiter investieren und die Möglichkeiten schaffen, ältere Menschen länger in den 21 Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung Betrieben zu beschäftigen. Mit dem Auslaufen der geförderten Altersteilzeit hat die Politik reagiert und die Bedingungen für die Frühverrentung verändert. Aus Sicht der Unternehmen und der Kosten für den Sozialstaat ist dieser Schritt nachvollziehbar. Das Argument, dass Ältere Platz machen, um jungen Menschen den Einstieg in die Betriebe zu ermöglichen, hat sich angesichts der demographischen Entwicklung schon jetzt überlebt. Vielmehr müssen die Unternehmen fürchten, dass das Wissen und die Erfahrung der älteren Mitarbeiter den Unternehmen früher verloren gehen. Um möglichst früh junge Menschen für technische und handwerkliche Berufe zu interessieren, müssen die Unternehmen noch stärker und frühzeitiger auf Schulen zugehen und für sich und ihre Berufe sowie für mögliche Lehrstellen werben. Möglichkeiten hierzu bieten sich bereits jetzt in Form von Projekten wie Produktives Lernen und Praxistagen. Insgesamt gilt es, das Interesse an den so genannten MINT-Fächern(Mathematik, Information, Naturwissenschaften und Technik) stärker zu wecken. Hierzu gehört auch eine kritische Überprüfung der Lehrpläne. 22 Neue wirtschaftliche Dynamik in Sachsen-Anhalt Acht Handlungsempfehlungen des Managerkreises Ost Fazit In Sachsen-Anhalt hat sich in den letzten 20 Jahren ein umfassender Strukturwandel vollzogen. Aus den maroden Betrieben, in denen häu fi g keine Rücksicht auf Menschen und Umwelt genommen wurde, sind neue, zukunftsorientierte und innovative Unternehmen entstanden, die vielen Menschen Arbeit geben. Die Städte in unserem Land bieten eine hohe Lebensqualität und haben sich den neuen Strukturen und auch den weniger werdenden Einwohnern angepasst. Die Verkehrsinfrastruktur ist erneuert und wird weiter ausgebaut. Die Bildungslandschaft mit ihren Schulen, Fachhochschulen und Universitäten ist gut aufgestellt und zieht junge Leute ins Land. Dies alles ist – neben allen Schwierigkeiten, die es insbesondere auf dem Arbeitsmarkt gab und gibt – eine einzigartige Aufbauleistung, die die Menschen in Sachsen-Anhalt vollbracht haben. Sachsen-Anhalt steht auch heute vor großen Herausforderungen. Insbesondere die demographische Entwicklung mit ihren Folgen in vielen verschiedenen Bereichen wird unser Land nachhaltig prägen. Aber die Menschen in Sachsen-Anhalt haben gelernt, den Wandel und die Veränderung zu bewältigen. Und sie werden auch mit den Herausforderungen der Zukunft umgehen können. Um Sachsen-Anhalt weiter nach vorne zu bringen, müssen wir die Bildung, die Hochschulen und die Forschung in unserem Land stärken. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Unternehmen ihren Fachkräftebedarf auf allen Ebenen auch in Zukunft decken können und weiter wachsen. Denn nur, wenn es neue, zusätzliche und auch gut bezahlte Arbeitsplätze gibt, können wir die Menschen in unserem Land halten. Eine Strategie, die mit billigen Löhnen für Ansiedlungen in Sachsen-Anhalt wirbt, hat ausgedient. Sachsen-Anhalt verfügt über schöne Naturlandschaften und eine reiche Kulturgeschichte. Darüber darf aber nicht vernachlässigt werden, dass die Reindustrialisierung Sachsen-Anhalts weiter vorangetrieben werden muss. Der Mittelstand muss weiter wachsen und mehr große und strukturbestimmende Unternehmen müssen ins Land geholt werden. Die Voraussetzungen dafür stimmen. Die Menschen in Sachsen-Anhalt haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie fl exibel und leistungsbereit sind. Dieser Wille aller Akteure – Arbeitgeber, Arbeitnehmer wie Politik – ist die Voraussetzung dafür, das Land weiter nach vorne zu bringen, neue Erfolge zu suchen und neugierig zu bleiben. So kann letztendlich Vertrauen in die Zukunft entstehen. 23 THESENPAPIERE DES MANAGERKREISES: Lehren aus der Finanzmarktkrise ziehen, Mai 2010 Neue wirtschaftliche Dynamik für Mitteldeutschland, Juli 2009 Bildung macht reich, Juni 2009 Mittelstandsfinanzierung in Zeiten der Krise, April 2009 Europäische Industriepolitik Zwischen Wettbewerb und Interventionismus, April 2009 Wege aus der Krise: Zukunfts- und Konjunkturpaket des Managerkreises, Februar 2009 Diese und weitere Thesenpapiere finden Sie zum Download auf: www.managerkreis.de ISBN: 978-3-86872-367-0