PÄDAGOGISCHES BEGLEITMATERIAL ZUM FILM TEENAGE RESPONSE Ein Film von Eleni Ampelakiotou UEBERMUT.DE VORWORT Sehr geehrte Damen und Herren, Das Filmfestival„ueber Mut“ der Aktion Mensch verbindet Kino mit gesellschaftspolitischen Themen. Ein packendes Medium wird genutzt um eine attraktive Plattform zu bieten, auf der für diese Gesellschaft wichtige Fragen diskutiert werden können. Im Jahr 2010 und 2011 wird im Rahmen des bundesweiten Festivals der Film„Teenage Response“ gezeigt, eine spannende Dokumentation, in deren Mittelpunkt 13 Jugendliche stehen, die den Mut haben in ergreifenden Porträtsequenzen aus ihrem inneren Erleben zu berichten. Die Dokumentation von Eleni Ampelakioutu porträtiert junge Menschen, die sich in dem Prozess befinden, ihren eigenen Platz im Leben zu suchen. Mit unterschiedlichen familiären und sozialen Hintergründen, nehmen sie ganz unterschiedlich an der Gesellschaft teil. Manche von ihnen lösen Konflikte mit ihren Mitmenschen durch Gewalt, oder stürzen ab in Drogenkonsum, andere sind auf der Suche nach Heimat, Identität und Familie. Ihre Vorstellungen darüber, welche Rolle Männer und Frauen in Partnerschaft, Berufsleben und Gesellschaft einnehmen sollen, sind sehr unterschiedlich, teils rebellisch, teils orientieren sie sich an tradierten Rollenbildern. Der Film, der einen intimen Einblick in das Innenleben junger Menschen gewährt, kann Jugendliche dazu anregen, sich mit der Frage nach den eigenen Lebenszielen, Identität, Geschlechterrollen und Verantwortung in Gesellschaft auseinanderzusetzen. Wir möchten Schulen dabei unterstützen, mit der Dokumentation zu arbeiten. Die vorliegenden pädagogischen Begleitmaterialien sollen Anregung bieten verschiedene Themen mit Jugendlichen zu vertiefen. Um die Orientierung im Film zu erleichtern, bietet diese Publikation eine strukturierte Übersicht über die 13 Porträts, identifiziert zentrale, relevante Themen und bietet neben allgemeinen methodischen Vorschlägen zur pädagogischen Arbeit mit dem Film auch themenspezifische Vertiefungen an. Diese Sammlung ist keineswegs erschöpfend. Mit unserem Angebot laden wir Sie ein, den Fokus im Unterricht auf gesellschaftspolitisch relevante Themen zu lenken. Neben eigenen Entwicklungen greifen wir in dieser Sammlung auch auf die Arbeiten anderer Autoren sowie auf „gängige“, etablierte Übungen zurück, deren Originalquelle nicht immer zu bestimmen war. Wir danken herzlich für das Einverständnis die Methoden hier abzudrucken. Viel Erfolg und Freude bei der Arbeit mit„Teenage Response“. Anne Haller Forum Jugend und Politik Friedrich-Ebert-Stiftung Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 2 DAS FORUM JUGEND UND POLITIK BONN FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Das Forum Jugend und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung möchte junge Menschen für Politik interessieren, ihre Identifikation mit Demokratie stärken, sie zu Beteiligung motivieren und ihr Engagement in Politik und Gesellschaft stärken. Die Bildungsangebote im Forum Jugend und Politik fördern die politische Urteilsfähigkeit sowie die sozialen und kommunikativen Kompetenzen junger Menschen. Darüber hinaus möchten wir zu einem demokratischen Zusammenleben, gewaltfreien Aufwachsen und einer chancengerechten Teilhabe in sozialer, ökonomischer, kultureller und politischer Hinsicht für die junge Generation beitragen. Dafür entwickelt das Forum Jugend und Politik vielfältige, beteiligungsorientierte Formen politischen Lernens, die jugendgerecht informieren, Politik aktiv erfahrbar machen und Jugendliche motivieren, Demokratie aktiv mitzugestalten. Im Jahr 2010 und 2011 ist die FES mit dem Forum Jugend und Politik überregionale Partnerorganisation des Films „Teenage Response“ und des Filmfestivals„ueber Mut“ der Aktion Mensch. Weitere Informationen zu unserer Arbeit erhalten Sie unter: www.fes.de/forumjugend DATEN ZUM FILM Titel: Jahr: Land: Teenage Response 2009 Deutschland Regie: Drehbuch: Kamera: Musik: Produktionsfirma: Produzentinnen: Darsteller/innen: Eleni Ampelakiotou Eleni Ampelakiotou Siri Klug Wilhelm Stegmeier Now Film Morlock& Ampelakiotou(Berlin) Bettina Morlock; Eleni Ampelakiotou Alexander, Anne, Anton, Bardia, Dieter, Jean, Luisa, Luisa, Marc, Mario, Miriam, Sookee, Sven Länge: Fassung: Kategorie: FSK: 160 Min Audiodeskription/ UT für Gehörlose Dokumentarfilm ab 12 Jahre IMPRESSUM Herausgeber: Friedrich-Ebert-Stiftung Politische Akademie Forum Jugend und Politik Godesberger Allee 149 53175 Bonn Telefon: 0228 883 7130 Fax: 0228 883 9223 Redaktion: Elke Führer, Anne Haller, Lena Schumacher © Friedrich-Ebert-Stiftung Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 3 INHALTSVERZEICHNIS 2 Vorwort 3 Das Forum Jugend und Politik Bonn, Friedrich-Ebert-Stiftung 3 Daten zum Film 3 Impressum 4 Inhaltsverzeichnis 5 Allgemeine„Grundrezepte“ zum Arbeiten mit dem Film 6 Sequenzprotokoll und Zitatsammlung 6 Anne 6 Bardia 6 Alexander 7 Miriam 7 Anton 7 Luisa 8 Jean 8 Sookee 9 Dieter 9 Mario 9 Sven 10 Luisa II 10 Marc 11 Methodenvorschläge zur Vertiefung 12 Geschlechterrollen 21 Gewalt 24 Alkohol/Drogen 25(Berufliche) Zukunft 28 Ausgrenzung/ Mobbing 35 Anhang 35 Weitere Angebote für Jugendliche 35 Die Friedrich-Ebert-Stiftung 36 Die Aktion Mensch – Die Zukunft der Gesellschaft liegt in ihrer Vielfalt Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 4 ALLGEMEINE„GRUNDREZEPTE“ ZUM ARBEITEN MIT DEM FILM 1. Auswahl der Sequenz Auf Grund der Länge des Films empfehlen wir Ihnen, sich anhand des Sequenzprotokolls und der ThemenMatrix für eine oder mehrere Sequenzen passend zu Ihrem Unterrichtsthema zu entscheiden. 2. Filmsequenz(en) anschauen Um sicher zu gehen, dass die ausgewählte Sequenz Ihren Ansprüchen und dem Alter der Schüler/innen gerecht wird, sollten Sie sich die Sequenz(en) auf jeden Fall anschauen. 3. Einstiegsfragen an die Schüler/innen Mögliche vom Unterrichtsthema unabhängige Einstiegsfragen zu den Sequenzen könnten sein: - Aus welcher Perspektive wird die Szene gedreht? - Wie persönlich sind die Geschichten, welche die Darsteller/innen erzählen? - Was sind die zentralen Fragen, Gedanken und Wünsche der Darsteller/innen? - Welche Lebenssituation, welche vergangenen Situationen beschreiben die Darsteller/innen? - Wie hat sich die Person in ihrem Leben entwickelt? Woran hat sie gearbeitet? Woran ist sie gescheitert? Was hat sie erreicht? Was bedauert sie? - Wie ist das Verhältnis der Darstellerin/des Darstellers zu den Menschen in ihrem/seinem Umfeld(Familie, Freunde, Partner...)? - Könnt ihr euch mit einer der Personen identifizieren? Bewegen euch manchmal ähnliche Gedanken, Probleme oder Wünsche? Gesellschaftliche Fragen: - Fühlt sich die Person von der Gesellschaft akzeptiert? - Bemüht sich die Darstellerin/der Darsteller um ein gutes Verhältnis zur Gesellschaft und ihren Idealen und Werten? Oder lehnt sie/er diese ab? Welche Gründe gibt es hierfür? - Welche Wünsche hat die Person für die Zukunft? - Wie müsste diese Gesellschaft aussehen, damit die Wünsche sich erfüllen können? 4. Allgemeine Arbeitsaufträge - Setzt euch mit dem Film„Teenage Response“ auseinander, indem ihr einen Text(z.B. einen inneren Monolog, ein Gedicht, einen Brief) aus der Sicht des Darstellers/der Darstellerin schreibt. - Schreibt einen Brief an eine/n der Darsteller/innen. - Fertigt eine Collage, ein Poster, Foto oder Bild zu einem Thema/ einem Zitat an. - Schreibt ein fiktives Interview mit einem der Darsteller/innen. - Nutzt ein Zitat, das euch besonders beeindruckt hat, für einen Aufsatz, ein Bild oder eine Collage. - Dreht einen eigenen Video-Clip, in dem ihr porträtiert, was euch an dem Film bewegt. - Welche Unterstützung würden sich die Schüler/innen von Eltern, Lehrer/innen, Freund/innen, Schule, Gesellschaft, Politik wünschen? - Erarbeitung und Veranstaltung eines Projekttages z.B. zu Gewaltprävention, zu Respekt und Anerkennung 5. Methodenvorschläge zur Vertiefung einzelner Themen anwenden In dieser Sammlung finden Sie Methodenvorschläge zu Vertiefung verschiedener Themen. Setzen Sie diese für Ihren Unterricht ergänzend zum Film ein. 6. Kinobesuch: Film in voller Länge im Rahmen des Filmfestivals anschauen Im Rahmen des Filmfestivals ueber Mut wird der Film Teenage Response in vielen deutschen Kinos gezeigt. Erfahren Sie unter uebermut.de wo das Filmfestival stattfindet und ob es dort die Möglichkeit für Schulvorstellungen gibt. An allen Spielorten gibt es im Anschluss an den Film Gespräche, Podiumsdiskussionen oder anderes Rahmenprogramm, das für Ihre Schulklasse von Interesse sein könnte. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 5 SEQUENZPROTOKOLL UND ZITATSAMMLUNG ANNE (Zeitangabe: 00:01:27 – 00:13:39) Inhalt der Sequenz: Anne hatte kein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter, da dieses durch körperliche Gewalt geprägt war. Als Konsequenz zog sie in eine Kriseneinrichtung. Dort fühlte sie sich einsam und litt unter Panikattacken. Die Beziehung zu ihrem Partner schildert Anne als Erlösung, da sie sich nicht mehr allein fühlt. Dennoch provoziert sie ihren Partner bewusst und erfährt wiederum körperliche Gewalt. Sie gesteht sich ein, dass sie diese Schläge brauche um sich existent zu fühlen. In einem Rückblick erzählt Anne, dass sie sich im Alter von 3 Jahren heißen Kakao über die Schulter schüttete, anschließend bekam sie im Krankenhaus eine Puppe geschenkt, die sie bis heute besitzt. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Ich bin meiner Mutter immer fremd gewesen.“ -„Ich habe mich immer einsam gefühlt, es hat mich innerlich zerrissen.“ -„Wenn ich Gewalt spüre, Schläge, dann spüre ich auch, dass ich lebe. Auch Schmerz ist ein Gefühl.“ -„Liebe ist Leidenschaft und Leidenschaft ist ein Gefühl und zu Gefühlen gehört ja auch Aggressivität.“ BARDIA (Zeitangabe: 00:13:40 – 00:20:03) Inhalt der Sequenz: Bardia glaubt, dass es in einer Beziehung keine gleichberechtigten Personen geben kann, es sei denn, sie verschmelzen zu einer„Mischperson“. Diese Erfahrung hat er gemacht und hatte das Gefühl, seine eigene Persönlichkeit verloren zu haben. Er fragt sich, ob Liebe existiert, da er solche Emotionen nicht kennt. Durch die Veränderung seines Äußeren fühlte Bardia sich freier und konnte seine Identität neu formen. Er schätzt sich selbst als übervorsichtig ein, hat sich als Kind schon hinter seiner Mutter versteckt. Zitate(z.T. sinngemäß): -„In der Beziehung habe ich mich selber irgendwie verloren.“ -„Ich stehe am Anfang meiner Karriere – was auch immer.“ -„Manche Menschen können sich gut verstecken. Als Kind habe ich mich hinter meiner Mutter versteckt.“ ALEXANDER (Zeitangabe: 00:20:04 – 00:31:50) Inhalt der Sequenz: Alexander schildert seine Erinnerungen an eine nahezu perfekte Kindheit, welche durch einen Umzug getrübt wurde. Später habe er sich die erste Wohnung noch einmal angeschaut und somit das Bild seines„Paradieses“ zerstört. Für Alexander sind Erinnerungen etwas sehr wertvolles. So verbinden ihn und seine Freunde besondere Erlebnisse, welche sie auch von anderen abgrenzen. Alexander hat eine Freundin, mit der er sehr glücklich ist. Gleichzeitig wundert er sich darüber, wie viel er geben kann und wie es möglich ist, dass eine Person sich in ihn verliebt. Mit dem Vertrauen und der Nähe zu seiner Freundin wächst aber auch die Angst, dass die Beziehung enden könnte. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Wenn man Orte seiner Kindheit, Paradiese, verlassen hat, sollte man nie wieder an diese zurückkehren.“ -„Wenn Freunde was Besonderes machen, rücken sie näher zusammen.“ -„Ich habe manchmal das Gefühl, die Menschheit besteht aus Maschinen.“ -„Jeder sieht, wie ich zu sein scheine, aber nur wenige fühlen, wie ich wirklich bin.“ -„Erstaunlich, dass ich einem anderen Menschen so viel geben kann.“ Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 6 MIRIAM (Zeitangabe: 00:31:51 – 00:39:39) Inhalt der Sequenz: Miriam beschreibt, wie sie sich ihr Selbstbewusstsein erarbeitet hat. So habe sie früher Angst vor anderen Kindern gehabt und sich abgegrenzt, war immer Außenseiterin. Dabei entwickelte sie den Wunsch ihr altes Ich zu verlassen und sich zu ändern. Heute stellt sie sich oft vor den Spiegel, um herauszufinden, was ihr an sich gefällt und findet dabei immer mehr. Sie schämt sich nicht mehr dafür, sie selbst zu sein und weiß, dass andere sie so mögen, wie sie ist. Ihr Selbstbewusstsein überträgt Miriam auch auf Beziehungen und ist nur bereit welche einzugehen, wenn der Junge sie um ihrer selbst Willen liebt. Miriam stellt eine Diskrepanz zwischen der Entwicklung ihres Körpers und der ihres Geistes fest. Während sich das innere Kind nach Liebe sehnt, möchte der erwachsene Körper das Körperliche genießen. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Ich habe Angst vor den anderen, grenze mich ab, sitze allein in einer Ecke.“ -„Andere mögen mich, weil ich so bin, wie ich bin.“ -„Jemand, der in mir jemand Anderes sieht, ist meine Liebe nicht wert.“ ANTON (Zeitangabe: 00:39:40 – 00:50:09) Inhalt der Sequenz: Anton hat Angst in einen täglichen Alltagstrott zu verfallen, insbesondere, wenn er sich die arbeitende Gesellschaft anschaut. Er bezeichnet die arbeitenden Menschen als leere Hüllen, die kein Leben haben. Um nicht selber in ein Vakuum zu verfallen ist er oft unterwegs und versucht sich abzulenken. Anton erzählt, dass er oft sehr langsam ist und deshalb viel gehänselt wurde. Er hat sich gerne geschlagen und viel Alkohol konsumiert. Auch aus diesem Grunde sagt Anton, dass er sich selber nicht ernst nehmen kann. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Man muss sich morgens in der S-Bahn mal umgucken. Alle fahren auf den Bau, ins Büro – und sind innerlich leer. Das ist ganz schön frustrierend. Ich hab Angst davor, auch mal so zu werden.“ -„Alles ist müllsack-mäßig, in Plastik eingepackt, ist alles abwaschbar.“ -„In mir ist alles Leere, Vakuum. Deshalb bin ich auch selten zu Hause, weil ich immer irgendwas brauche, Ablenkung, um die Leere zu überbrücken.“ -„Ich glaube nicht, dass ich mich und die Sachen, die ich mache irgendwann mal ernst nehmen kann.“ LUISA (Zeitangabe: 00:50:10 – 00:59:34) Inhalt der Sequenz: Luisa findet, Mädchen werden oft ungerecht behandelt, zum Beispiel, wenn sie als Schlampen bezeichnet werden. Allerdings würden viele Mädchen durch ihre Kleidung eine solche Meinung auch herausfordern. Ihren ersten Freund hatte Luisa, weil sie wissen wollte, wie das ist, einen Freund zu haben. Sie trennte sich, als ihr die Beziehung zu ernst wurde. Seitdem möchte sie mit großen Worten wie„Ich liebe dich“ etwas vorsichtiger umgehen. Luisa sagt, sie glaube, die Liebe sei das Wichtigste im Leben. Auch ein schlechter Mensch müsse jemanden oder etwas lieben um leben zu können. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Die Jungs in meiner Klasse sind der Meinung, dass Jungs mehr wert sind als Mädchen und dass Mädchen alle Schlampen sind.“ -„Für Jungs gibt es nicht solche Ausdrücke wie Schlampe oder Hure usw.“ -„Liebe ist für mich, seine Energie zu teilen. Man kann auch grausame Dinge lieben, es geht nur darum überhaupt etwas zu lieben.“ Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 7 JEAN (Zeitangabe: 00:59:35 – 01:18:30) Inhalt der Sequenz: (Hinweis: Jeans Rap-Text ist für jüngere Schüler/innen möglicherweise nicht zu empfehlen. Bitte überprüfen Sie als Lehrkraft die Filmsequenz im Zweifel vorher.) Jean ist Rapper und verarbeitet in seinen Texten alles was ihn beschäftigt. Er versetzt sich gern in andere Menschen und versucht die Gründe für ihr Handeln herauszufinden. Jean findet, dass jeder Mensch Respekt verdient hat, auch zum Beispiel ein Mörder. In der Grundschule hat er sich viel geprügelt, machte in den Pausen, was er wollte. Insgesamt beschreibt er sich als aggressiv, er mache sich über andere lustig, schlage sich mit jedem, habe keine Konzentration. Er versuchte gegen dieses Verhalten anzukämpfen, aber es gelang ihm nie. Seine Erfahrungen bildeten in ihm den Wunsch Psychologe zu werden. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Auch Mörder und Verbrecher haben gute Seiten. Auch sie haben Respekt verdient wie jeder andere.“ -„Ich wurde früher von allen böse genannt. Dann war es auch egal, ob ich was Gutes oder Böses getan hab.“ -„Ich habe probiert, normal zu sein. Aber man kann einen Menschen nicht formen. Der Mensch kommt auf die Welt, wie er ist.“ -„Das allerwichtigste ist, standhaft zu sein.“ - Hinweis: Jean sagt, er wäre am liebsten eine Schildkröte. Als Frage(für jüngere Schüler/innen) würde sich anbieten: Welches Tier wärt ihr am liebsten und warum? SOOKEE (Zeitangabe: 01:18:31 – 01:30:32) Inhalt der Sequenz: Sookee schreibt selber Songtexte und findet den Vorwurf Rap sei sexistisch völlig absurd. Jede Waschmittelwerbung sei sexistischer. Im Gegenteil, ihre Texte würden einfach beschreiben wie es ist. Schon im Kindergarten stellte sie fest, dass bestimmte Erwartungen an sie gestellt wurden, weil sie ein Mädchen war. Seit dieser Zeit versuchte sie immer aus diesen starren Vorstellungen auszubrechen. Sie hat einige lesbische Erfahrungen und bezeichnet sich heute als bisexuell. Sookee möchte sich nicht in Schubladen stecken lassen und lehnt eindeutige Rollenbeschreibungen(Vegetarierin, Studentin, DDR-Sozialisierte...) ab. Ihr inneres Chaos will sie durch die Sprache in eine äußere Struktur bringen, Gedanken und Worte könne man einem niemals wegnehmen. Sookee fühle sich zwar als Frau, aber sie findet nicht, dass es etwas„typisch Weibliches“ gibt. Es gäbe viele Möglichkeiten sich zu entfalten, also eher Weiblichkeiten. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Unsere Gesellschaft jammert, unsere Jugend sei so dumm und flach und kriminell und hänge nur vorm Fernseher rum. Was sie alles Kreatives tun, wird nicht gesehen.“ -„Jede Waschmittelwerbung ist sexistischer als ein Rap-Song. Im Rap ist es wenigstens offensichtlich – anders als wenn man ein Geschlechterbild als natürlich gegeben einschmuggelt.“ -„Redet nicht von mir als Bisexuelle, redet nicht von mir als Rapperin, redet nicht von mir als Studentin, redet nicht von mir als DDR-Sozialisierte, redet nicht von mir als ehemalige Waldorf-Schülerin, redet nicht von mir als Vegetarierin...“ -„Man kann dir alles nehmen, dich foltern, deine Familie töten, aber man kann dir nicht deine Gedanken nehmen und Gedanken bestehen nun einmal aus Sprache.“ -„Man muss sich davon entfernen, dass es etwas typisch Männliches oder etwas typisch Weibliches gibt, was man erfüllen muss.“ Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 8 DIETER (Zeitangabe: 01:30:33 – 01:39:01) Inhalt der Sequenz: Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist Dieter auf Grund von Drogen seit 39 Stunden wach. Ohne Drogen fühle er sich nicht so aktiv. Schon in der Schule wurde festgestellt, dass er ein ADHS-Syndrom hat, welches mit Medikamenten behandelt wurde. Aber die Medikamente veränderten ihn so, dass er sie wieder absetzte. Er wollte lieber er selbst sein, als in die Gesellschaft zu passen. Mit 13 Jahren zog Dieter von zu Hause aus, er fühlte sich ausgestoßen. Er erzählt von einem Besuch im Bordell, aber es habe ihm nicht gefallen, Frauen für ihren Körper zu bezahlen. Dieter beschreibt sich selbst als etwas naiv, weil er zu schnell vertraut. Dieses Vertrauen wurde stark verletzt, als seine Freundin mit seinem besten Freund schlief. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Wenn man Tabletten nimmt, damit man ruhiger ist, nehmen sie einem etwas.“ -„Im Bordell hat es mir nicht gefallen. Ich finde es nicht richtig, Frauen für ihren Körper zu bezahlen.“ -„Wenn man Stress mit seinen Eltern hat, sollte man sich mit 13/14 eine eigene Wohnung nehmen. Es gibt nichts Besseres.“ MARIO (Zeitangabe: 01:39:02 – 01:52:28) Inhalt der Sequenz: Mario interessiert sich sehr für die Natur. Auch Autos faszinieren ihn. Er ist ein unruhiger Mensch und weiß, dass viele das stört. Er möchte Respekt und Anerkennung für seine Arbeit, bekommt aber immer nur Kritik und glaubt, niemanden zufrieden stellen zu können. Mario ist mit sich selbst zufrieden und versteht nicht, was andere an ihm auszusetzen haben. Wenn ihm in einer Beziehung etwas fehlt, suchte er sich eine weitere Beziehung um das zu kompensieren. Er findet dieses Verhalten nicht verwerflich, schließlich seien ihm diese Mädchen alle wichtig. In Beziehungen sollte es aber Grenzen geben. Sich für seinen Partner selbst zu verletzen oder in Gefahr zu bringen findet er nicht richtig. Liebe sollte man nicht beweisen müssen. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Ich bin eher ein unruhiger Mensch, das mögen die Leute nicht so.“ -„Ich will mich nicht ändern. Ich will so bleiben, wie ich bin.“ -„Ein Mädchen ist nie das wert, was es von dir verlangt.“ -„Warum soll ich dir etwas beweisen, warum denn? Nur damit du sicher bist?“ SVEN (Zeitangabe: 01:52:29 – 01:59:02) Inhalt der Sequenz: Sven findet, Normalität gibt es nicht. Jeder sei individuell, man solle nicht mit der Masse mitgehen, denn dann höre man auf zu denken. Anpassung sei die Feigheit der Gesellschaft. Man könne sich einen eigenen Sinn des Lebens suchen, aber eigentlich seien Menschen Schädlinge der Natur. Freunde dürfen ihm nahe kommen, aber er gibt nicht vielen Menschen diese Chance. Ein Freund muss interessant sein, anders,„normale“ Menschen findet Sven langweilig. Sven hat eine hohe Erwartungshaltung an sich selbst, weil er seine eigenen Fähigkeiten wertschätzt. Den Geist, die Intelligenz, die Fähigkeit selbst zu fühlen, zu denken, zu entscheiden sei jedem Menschen gegeben, aber durch Sozialisation werden diese Eigenschaften geformt und vereinheitlicht. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Ein kleines Kind ist wie ein leerer Behälter, den man auffüllen kann.“ -„Man kann versuchen, Menschen wie leere Behälter zu füllen. Aber die Fähigkeit, selbst zu fühlen, zu denken, zu entscheiden, die kann uns keiner nehmen.“ -„Ich bin an dem Tag gestorben, an dem ich geboren wurde.“ -„Wenn man mit der Masse mitgeht, denkt man nicht viel.“ Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 9 LUISA ll (Zeitangabe: 01:59:03 – 02:09:00) Inhalt der Sequenz: Luisa ist in ihrer Kindheit oft umgezogen und musste jedes Mal wieder neue Kontakte knüpfen. Ihre Familie war auch nicht wirklich präsent, ihre Mutter ist ihre einzige Bezugsperson. Sie fühlte sich orientierungslos. Alles was sie bisher erreicht hat, habe sie sich selbst erarbeitet. Heute ist Luisa bei der Deutschen Bahn, es sei ihr Traumjob. Dort lernte sie auch ihren Freund kennen. Luisa mag Spiegel, sie ist mit sich selbst zufrieden und hat keine Scheu sich anzuschauen. Sie versucht jedem alles Recht zu machen, weiß aber, dass das nicht immer gut ist. Luisa fotografiert gern um schöne Momente festzuhalten. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Alles, was ich habe, habe ich aus eigener Kraft geschafft.“ -„Ich bin mit mir zufrieden, ich hab keine Angst mich anzugucken.“ MARC (Zeitangabe: 02:09:01 – 02:27:43) Inhalt der Sequenz: Marc mag Kinder sehr. Sie hätten die Chance alles neu zu entdecken und seien noch ganz unschuldig. Obwohl sie in eine sehr schlechte Welt hinein geboren werden, gibt es für sie noch keine großen Probleme. Im Alter von 7 Jahren habe eine Freundin seiner Mutter zeitgleich mit ihm geduscht. Diese Erfahrung erregte ihn zwar, aber hinterher war er sehr verstört. Diese Situation beschäftigt ihn bis heute. Bereits mit 15 Jahren konsumierte Marc Drogen und Alkohol. Sein Leben bestand aus Diebstählen, Drogen und Schlägereien. Seine Ex-Freundin Viktoria zerschnitt sich oft ihr eigenes Gesicht, was Marc nicht verstehen konnte. Schon während der Beziehung war er in seine Nachbarin Anna verliebt. Ihren Namen ritzte er sich in den Arm. Mit Anna war er lange zusammen und sie versuchte ihn von den Drogen abzubringen. Marc schränkte seinen Konsum ein, wenn sie da war, aber anschließend wurde es dann immer schlimmer. Zitate(z.T. sinngemäß): -„Kinder sind süß. Wenn man immer traurige Sachen erlebt oder nicht viel Gutes hat, dann sind Kinder abwechslungsreich, schön.“ -„Kinder werden in einer Scheiß-Welt groß, so wie sie heute eben ist. Aber die peilen das ja noch nicht.“ -„Ich war mir ihrer Liebe sicher, also hab ich mich nur um mich und meine Drogen gekümmert.“ Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 10 METHODENVORSCHLÄGE ZUR VERTIEFUNG Vielleicht möchten Sie den Film verwenden um im Unterricht ein bestimmtes Thema intensiver zu behandeln. Neben vielen weiteren spannenden Aspekten, die der Film bietet, haben wir fünf Themen ausgewählt, zu denen wir Ihnen ausgewählte methodische Vorschläge für die Unterrichtsgestaltung machen. In der Matrix finden Sie nach Thema sortiert, die jeweils dazu passenden Filmsequenzen. Auf Grund der großen Zahl an empfehlenswerten Porträts, haben wir die Sequenzen nach Relevanz sortiert: Thema 1. Geschlechterrollen 2. Gewalt 3. Alkohol/ Drogen 4(Berufliche) Zukunft 5. Ausgrenzung/ Mobbing Geeignete Sequenzen Sookee – Luisa Anne – Marc – Jean –(optional: Mario, Anton) Marc – Dieter –(optional: Anton) Anton – Luisa II – Bardia Sven – Sookee – Jean – Miriam – Dieter –(optional: Anton, Mario) Diese Sammlung von Themen ist keinesfalls erschöpfend! Neben den vorgestellten Themen, bietet„Teenage Response“ zahlreiche weitere Anknüpfungspunkte. Nicht in diese Sammlung haben es z.B. Vorschläge geschafft zu den Themen Familie, Liebe und Sexualität, Freundschaft... Ergänzend zur Arbeit mit dem Film finden Sie im Folgenden eine Zusammenstellung von Unterrichtsbausteinen, die dazu dienen, einzelne Themen intensiver zu behandeln. Nutzen Sie die Methodenvorschläge als Ergänzung zur Reflexion über den Film. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 11 GESCHLECHTERROLLEN Erwachsen werden bedeutet auch, sich an männlichen und weiblichen Vorbildern zu orientieren und dabei eine eigene Vorstellung davon zu entwickeln, wie man selbst als Mann oder Frau sein möchte. Stereotype Eigenschaften, die Männern oder Frauen zugeordnet werden, sind den meisten Schüler/innen geläufig, häufig bieten sie sogar Orientierung. Gleichzeitig engen feste Zuschreibungen aufgrund des Geschlechts die Handlungsspielräume ein, wirken diskriminierend und haben negativen Einfluss auf die Verteilung von Chancen in unserer Gesellschaft. Auch die jugendlichen Protagonisten in Teenage Response setzen sich mit der Frage auseinander wie sie als erwachsene Frauen und Männer sein wollen. Lernziel der folgenden Methoden ist, sich von einengenden Geschlechterbildern zu lösen, für Diskriminierung aufgrund von Geschlecht zu sensibilisieren und den Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau mit Leben zu füllen. GESCHLECHTERROLLEN – ÜBUNG 1: ANALYSE VON TV-WERBESPOTS Lernziel: Kritische Reflexion von medial transportierten Geschlechterrollen Ablauf: 1. Geben Sie als Hausaufgabe auf, TV-Werbespots aufmerksam anzuschauen und durch Kurzskizzen den Inhalt festzuhalten. Alternativ: Mitbringen von Zeitschriften inkl. Werbung; Zusammenschnitt von TV-Werbespots gemeinsam in der Klasse ansehen. Für den Unterricht interessante Spots wären zum Weiblichkeitsbild: z.B. Waschmittel, Fix-Gerichte, Toilettenreiniger, Milchschnitte, Make-up, Rasierer, Süßigkeiten/Saft für Kinder, Medikamente...; zum Männlichkeitsbild: z.B. Baumärkte, Autos, Parfum, Burger King, Bier... 2. Sammeln Sie die Beispiele der Schüler/innen und lassen Sie diese im Plenum analysieren. Fragen als Anregung: - Welche Beispiele für z.B. Waschmittel(Autos, Bier...) wurden gefunden? - Welche Figur bewirbt das Produkt? Mann oder Frau? Welchen Charakter hat die dargestellte Person? - Welche Geschlechterrollen werden als natürlich dargestellt? Wären Männer bzw. Frauen in diesen Lebensbereichen austauschbar, d.h. funktioniert die Waschmittelwerbung auch mit einem Mann, die Handwerkerwerbung auch mit einer Frau? Wenn nicht, welche gesellschaftlichen Ursachen liegen dem zugrunde? - Können Lebensbereiche bzw. Aufgabenfelder ausgemacht werden, die scheinbar„typisch männlich“ bzw.„typisch weiblich“ sind? Notieren Sie diese an der Tafel und sammeln weitere Beispiele, die über den Input aus den TVSpots hinausgehen. - Welche Erfahrungen haben die Schüler/innen mit„typisch männlichen“ bzw.„typisch weiblichen“ Lebensbereichen, Verhaltensweisen, Aufgaben gemacht? - Wird mit Klischees in den TV-Spots auch gespielt? Werden sie karikiert, aufgebrochen? - Gibt es Produkte, die„geschlechtsneutral“ sind? Warum ist hierbei das Geschlecht offenbar unbedeutend? (Beispiele: Brille, Handy...) - Wie würden sich die Schüler/innen fühlen, wenn sie sich als Mädchen bzw. als Junge mit den transportierten Rollenbildern identifizieren sollten? 3. Lassen Sie die Schüler/innen in Zweiergruppen formulieren, in welchen Lebensbereichen ihnen die Freiheit besonders wichtig ist, nicht durch ihr Geschlecht zu bestimmten Aufgaben bzw. Verhaltensweisen gedrängt bzw. davon abgehalten zu werden. 4. Sammeln Sie die Ergebnisse als Zukunftsziele im Plenum und halten Sie diese an der Tafel fest. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 12 GESCHLECHTERROLLEN – ÜBUNG 2: RÄTSEL Lernziel: Konfrontation mit Geschlechterrollen im eigenen Kopf. Diese Übung dient als„Eisbrecher“ für das Thema. Eine weitere Vertiefung ist empfehlenswert. Ablauf: 1. Lesen Sie den Schüler/innen eines der Rätsel vor: „Ein Chirurg fährt mit seinem Sohn im Auto über Land. Es kommt zu einem schweren Unfall, der Vater stirbt noch am Unfallort, der Sohn wird schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Ein Ärzteteam bereitet dort die Operation vor. Kaum wird der Patient in den Operationssaal gerollt, sagt die Leitung des Ärzteteams, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Chirurgie: ‚Ich kann diesen Patienten nicht operieren, das ist mein Sohn.“ „Aus dem Vorstandsbüro verschwindet ein teurer Briefbeschwerer. Nur das Vorstandsmitglied selbst und die Schreibkraft kommen in Frage. Der Vorstand hatte am entscheidenden Tag Urlaub. Eine Woche später wird der Briefbeschwerer dann auf der Herrentoilette gefunden. Wer hat den Briefbeschwerer gestohlen?“ 2. Lassen Sie die Schüler/innen in Zweiergruppen diskutieren, was des Rätsels Lösung sein könnte. 3. Sammeln Sie die Vorschläge im Plenum. 4. Auflösung Rätsel 1: Das Ärzteteam, das den Jungen operieren sollte, wurde von dessen Mutter geleitet, einer Ärztin, die sich wie ihr Mann ebenfalls auf Chirurgie spezialisiert hatte. Rätsel 2: Die Schreibkraft ist ein Mann, er hat den Briefbeschwerer gestohlen und auf der Herrentoilette versteckt. Der Vorstand ist eine Frau, war im Urlaub und besucht die Damentoilette. 5. Thematisieren Sie, warum alle möglichen Lösungsvorschläge gemacht wurden, aber nur wenige Schüler/innen bzw. niemand die naheliegendste Erklärung entdeckt hat. Wir sind darauf geeicht, die Chirurgie oder den Vorstand als einen Männerberuf anzusehen und Frauen eher Berufe wie Schreibkraft oder Sekretärin zuzuordnen. Diese begrenzte Vorstellung im eigenen Kopf kann blind machen. GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 3: TYPISCH MÄNNLICH – TYPISCH WEIBLICH?! – VERSTECKTE KLISCHEES IN UNSERER SPRACHE Lernziel: Versteckte Klischees über Männlichkeit und Weiblichkeit in der Sprache aufspüren. Ablauf: 1. Verteilen Sie die„Liste versteckter Klischees“ und lassen Sie sie von den Schüler/innen lesen. 2. Besprechen Sie, welche Klischees, Wertungen und Mythen in den Begriffen transportiert werden. Welche Ursachen finden sich dafür in der Gesellschaft? Wie könnte man die Begriffe geschlechtsneutral umformulieren? Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 13 ARBEITSBLATT GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 3: VERSTECKTE KLISCHEES Welche Klischees, Bewertungen, Mythen oder Diskriminierungen verbergen sich hinter den folgenden Begriffen? Fachmann Weichei Frauenarbeit Boss Rabenmutter Staatsmann Das schwache Geschlecht Die bessere Hälfte Softie Mauerblümchen Alpha-Tier Bemuttern Herrlich Dämlich Hausfrau Putzfrau Alle Menschen werden Brüder/ brüderlich teilen Gockel Zicke Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 14 GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 4: KARIKATUREN Lernziel: Mithilfe von Karikaturen einen Überblick über die Kernproblematiken von Geschlechter(un)gleichheit in der gesellschaftlichen Praxis erhalten. Passende Karikaturen finden Sie in„Themenblätter im Unterricht, Heft 19, Bundeszentrale für politische Bildung, S. 4“, abrufbar unter www.bpb.de Ablauf: 1. Hängen Sie die ausgewählten Karikaturen in verschiedenen Ecken des Klassenzimmers auf. 2. In Kleingruppen betrachten die Schüler/innen die einzelnen Karikaturen. Dabei beschreiben die Schüler/innen die Karikatur und das Problem, auf das der Karikaturist/die Karikaturistin aufmerksam machen möchte. 3. Auf Ihr Signal hin wechseln die Kleingruppen nach ca. 2 – 3 Minuten im Uhrzeigersinn zur nächsten Karikatur. 4. Wenn der Rundgang abgeschlossen ist, setzen sich die Kleingruppen und ziehen je eine von der Wand abgehängte und verdeckte Karikatur, mit der sie sich ausführlicher beschäftigen sollen. Hierzu dient die unten stehende Tabelle, in die nachfolgende Fragen stichwortartig eingetragen werden sollen. 5. Die Kleingruppen präsentieren ihre Ergebnisse. Anschließend wird das Gesamtbild der gesellschaftlichen Problematik, zu der die Karikaturen zusammen gesetzt werden können, diskutiert. Aussage/Thema: Was stellt die Karikatur dar? Wirkung: Mit welchen Mitteln erzielt die Karikatur ihre Wirkung (Provokation, Witz, Figuren)? Tendenz der Karikatur: Ist eine Meinung, eine Perspektive des Zeichners/ der Zeichnerin erkennbar? Eigene Meinung: Weitere Fragen: Wie beurteilt ihr die Karikatur und ihre Aussage? Welche weiteren Fragen ergeben sich für euch aus der Karikatur? (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung(Hrsg.), Lothar Scholz:„Thema im Unterricht. Methoden-Kiste“, S. 17-18 abrufbar unter: www.bpb.de/publikationen) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 15 GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 5: DER WEG ZUR GLEICHBERECHTIGUNG VON MÄNNERN UND FRAUEN Lernziel: Die Jugendlichen setzen sich mit dem Thema Gleichberechtigung von Männern und Frauen auseinander und lernen dieses Grundrecht zu schätzen. Ablauf: 1. Einstieg mit dem Grundgesetz Lesen Sie Art. 3 Abs. 1 und 2 aus dem Grundgesetz vor: „Art. 3 (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Diskutieren Sie, was mit„bestehenden Nachteilen“ gemeint ist und ob die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen erreicht ist. 2. Vertiefung: Grundsatzprogramme der Parteien Die Schülerinnen und Schüler lesen Ausschnitte aus den Grundsatzprogrammen der Bundesparteien BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP und SPD und überprüfen welche unterschiedlichen Rollenvorstellungen sich hinter den politischen Forderungen verbergen. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 16 ARBEITSBLATT GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 5: DER WEG ZUR GLEICHBERECHTIGUNG VON MÄNNERN UND FRAUEN BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Grundsatzprogramm von 2002: Die Zukunft ist Grün www.gruene.de S. 20 Veränderung im Geschlechterverhältnis. Die Lebensentwürfe von Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten enorm verändert. Moderne Lebensentwürfe, die Berufstätigkeit und Familie gleichermaßen als selbstverständlich begreifen, haben sich durchgesetzt. Dennoch sind Hierarchien und Machtunterschiede zwischen den Geschlechtern längst nicht beseitigt. Das gegenwärtige, noch von Ungleichheit geprägte Geschlechterverhältnis ist auch ein strukturelles Gewaltverhältnis. Bündnisgrüne Politik will dies durch ein neues, egalitäres und gewaltfreies Verhältnis der Geschlechter, eine tatsächliche Geschlechterdemokratie und eine Kultur des Friedens ablösen.[...] S.78 – 79 VII. Geschlechtergerecht: Leben in Gleichberechtigung Die Veränderungen im Geschlechterverhältnis prägen unsere Gesellschaft. Frauen haben sich erkämpft, dass ihre Beteiligung am Erwerbsleben inzwischen selbstverständlich ist, auch wenn sie in Leitungspositionen viel zu gering vertreten sind. Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch weniger als Männer und haben geringere Aufstiegschancen. Die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt einen ernst zu nehmenden Hinderungsgrund für Karrieren dar. Erziehungsarbeit als wichtige gesellschaftliche Aufgabe benötigt mehr Anerkennung. Erziehungszeiten wirken insbesondere für Frauen zunehmend als Job-Killer. Wir wollen die Nachteile ausgleichen, die durch Kindererziehung entstehen. Zugleich nimmt die Vielfalt unterschiedlicher Lebensformen zu. Die klassische Kleinfamilie wird seltener und die Scheidungsraten steigen. Neue Lebensgemeinschaften sind entstanden. Auch die Zahl der Single-Haushalte nimmt zu. Wir unterstützen die unterschiedlichen Formen solidarischen und partnerschaftlichen Zusammenlebens und würdigen deren soziale Integrationsleistung.[...] Wir wollen die Erziehungszeiten für Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv gestalten. Unsere Politik fördert daher familienfreundliche Arbeitszeiten, betriebsnahe Kinderbetreuungsangebote, Wiedereinstiegsangebote für Eltern nach der Kinderphase wie auch eine Steuerpolitik, die der Beschäftigungsrealität von Frauen gerecht wird. Nur Betriebe, die Frauen fördern und Geschlechtergerechtigkeit praktizieren, werden in Zukunft erfolgreich wirtschaften. Ein Leben in Gleichberechtigung ist auch eine wichtige Voraussetzung für eine moderne Familienpolitik. Überall dort, wo es kulturell akzeptiert und selbstverständlich ist, dass Frauen beruflich engagiert sind, werden die Kinderund Familienwünsche in einem größeren Umfange realisiert. Je stärker erwerbstätige Mütter dagegen unter Rechtfertigungsdruck geraten, umso eher verzichten sie auf Kinder. Es fehlt in Deutschland an kultureller Akzeptanz und sozialer Unterstützung für erwerbstätige Mütter und familienorientierte Männer. Je mehr beide Bereiche für beide Geschlechter offen stehen, desto bessere Chancen haben Kinder und Familien in einer veränderten Welt. S. 132 – 142 [...] Wir wollen auch Männern ermöglichen, ihre Rolle als Vater zu leben, ohne auf Ausgrenzung und Unverständnis zu stoßen. Die Erfahrungen in anderen Ländern bestätigen, dass Männer häufiger Verantwortung für die Kindererziehung übernehmen, wenn dies für Männer und Frauen materiell besser abgesichert wird.[...] Schlüsselprojekt: Frauen an die Macht Frauen stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Frauen wollen die Hälfte der Macht. Männer sind die andere Hälfte der Bevölkerung. Männer übernehmen die Hälfte der Verantwortung.[...]. Wir treten dafür ein, die Hälfte der Führungspositionen in Politik und in gesellschaftlichen Institutionen, in Hochschulen, Kultur und Wissenschaft, im öffentlichen Dienst und auch in der freien Wirtschaft weiblich zu besetzen. Die gerechte Teilhabe beider Geschlechter an allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgaben voranzutreiben, ist Ziel bündnisgrüner Politik. Wir wollen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass im Alltagsleben Bildung, Berufsarbeit und Sorgearbeit gleichermaßen zwischen Frauen und Männern aufgeteilt wird. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 17 ARBEITSBLATT GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 5: DER WEG ZUR GLEICHBERECHTIGUNG VON MÄNNERN UND FRAUEN Christlich Demokratische Union(CDU) Grundsatzprogramm von 2007: Freiheit und Sicherheit, Grundsätze für Deutschland www.cdu.de S. 26 – 27 In der Familie lernen Menschen soziale Tugenden, wechselseitige Verpflichtungen, Vertrauen und Verantwortung. Hier erfahren sie das Miteinander der Generationen. Hier werden Menschen angenommen unabhängig von Leistung und Versagen. Familien brauchen ein Klima, in dem sie sich entfalten können. Die Familienwerte, wie wir sie kennen, sind elementar für die Entwicklung des Einzelnen, aber auch für den sozialen Zusammenhalt. Familienwerte in diesem Sinne und aus diesen Gründen zu bewahren, ist uns eine Verpflichtung. Zu dem Klima gehören auch die Anerkennung der gleichen Entfaltungsrechte der Geschlechter und der Wunsch von jungen Männern und Frauen nach Entfaltung in Familie und Beruf. Familienwerte verpflichten Frauen und Männer gleichermaßen. S. 49 – 50 Wer unternehmerisch handelt, übernimmt Verantwortung. Das gilt für die geschäftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen, gegenüber Umwelt und zukünftigen Generationen und ganz unmittelbar gegenüber Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und ihren Familien. Dazu gehört auch, dass Unternehmen die Gleichstellung von Mann und Frau auf allen Ebenen bis zu den höchsten Führungspositionen fördern, sowie die Berücksichtigung des Prinzips gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige geleistete Arbeit. Weitblickende Unternehmen wissen, dass dies in ihrem eigenen Interesse liegt. S.12 Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist ein Grundrecht. Ziel unserer Politik ist, für Frauen und Männer, Mädchen und Jungen gleiche Chancen zu schaffen und Benachteiligungen in allen Bereichen abzubauen. Wir stehen für eine Gleichstellungspolitik, die Frauen und Männer gleichermaßen im Blick hat. Dazu gehören für uns gleiche Berufschancen, Aufstiegsmöglichkeiten und Lohngleichheit im Erwerbsleben, die Aufwertung der Familienarbeit und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die spezifischen Sichtweisen und Erfahrungen, die Frauen einbringen, sind von großer Bedeutung für unsere Gesellschaft. Wir fördern auf allen Ebenen die Mitwirkung von Frauen. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 18 ARBEITSBLATT GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 5: DER WEG ZUR GLEICHBERECHTIGUNG VON MÄNNERN UND FRAUEN Freie Demokratische Partei(FDP) Deutschlandprogramm 2009(Programm zur Bundestagswahl) www.fdp-bundespartei.de S.36 Politik für Frauen: Die FDP setzt sich für eine freie und selbstverantwortliche Lebensgestaltung von Frauen und Männern ein. Wir schaffen hierzu die Rahmenbedingungen. Der Grundsatz der Geschlechtergleichstellung ist uneingeschränkt umzusetzen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Voraussetzung für eine selbstverantwortliche Lebensgestaltung. Die Lebensplanung der Frau wird immer noch durch die oftmals unfreiwillige Entscheidung zwischen Familie und Beruf eingeschränkt. Es sind daher nach wie vor eher Mütter, die die Elternzeit in Anspruch nehmen. Erfreulicherweise besteht der Wunsch nach Elternzeit auch vermehrt bei den Vätern. Nur wird diesem Wunsch in vielen Unternehmen mit Unverständnis begegnet. Kinder brauchen jedoch beide Elternteile gleichermaßen. Die FDP fordert einen bedarfsgerechten Ausbau qualitativ hochwertiger Betreuungsangebote für Kinder ab dem ersten Lebensjahr und die Schaffung von flexiblen Arbeitszeitmodellen. Damit können die Beschäftigungsfähigkeit und der schnelle Wiedereinstieg ins Berufsleben für junge Eltern sichergestellt werden. Ähnliche Problemstellungen sind auch bei der Pflege von Angehörigen zu lösen. Auch hier tragen in der Regel Frauen die Hauptlast. Noch immer erhalten Frauen im Gegensatz zu Männern bei gleicher Arbeit deutlich weniger Lohn. Die FDP setzt sich dafür ein, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit am gleichen Ort gleich bezahlt werden. Teilzeitlösungen auch für Führungskräfte sollten möglich werden, um sie nicht automatisch vom beruflichen Aufstieg auszuschließen. In Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Leben sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Um leistungsbereite und engagierte Frauen auf ihrem Berufsweg zu unterstützen, gilt es, erfolgreiche Instrumente wie das„Mentoring“ bereitzustellen. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 19 ARBEITSBLATT GESCHLECHTERROLLEN ÜBUNG 5: DER WEG ZUR GLEICHBERECHTIGUNG VON MÄNNERN UND FRAUEN Sozialdemokratische Partei Deutschland(SPD) Hamburger Programm – das Grundsatzprogramm der SPD www.spd.de S. 40 – 41 3.4 Die Gleichstellung der Geschlechter Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen, dass Frauen und Männer gleiche Rechte und Chancen haben – nicht nur auf dem Papier, sondern im täglichen Leben. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleich, frei und solidarisch miteinander leben können. Wir wollen, dass Frauen und Männer ihren Weg – gemeinsam oder getrennt, mit und ohne Familie – selbstbestimmt wählen können. Die SPD und die Frauenbewegung, beide aus der Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts kommend, verbindet die Idee der Gleichstellung von Frau und Mann. Viele Rechte für Frauen wurden von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten erstritten: das Frauenwahlrecht, gleiche Rechte in Ehe und Familie und gleicher Zugang zu Bildung. Frauen sind heute selbstbewusst und wollen ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen wandelt sich. Immer mehr Frauen und Männer wollen Beruf und Familienaufgaben partnerschaftlich teilen. Rechtliche Gleichstellung ist noch keine tatsächliche Gleichstellung. Deshalb brauchen wir eine aktive Frauenförderung genauso wie das Gender Mainstreaming, das jede politische Entscheidung auf ihre Auswirkungen auf das Leben von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen überprüft und wo nötig verändert. Insbesondere in der Berufs- und Arbeitswelt bestehen alte Ungleichheiten fort. Die Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Gesellschaft werden ganz überwiegend von Männern besetzt. Frauen erhalten vielfach weniger Lohn als gleich qualifizierte Männer. Die Ansprüche an Flexibilität und Verfügbarkeit in der Arbeitswelt lassen sich nur schwer vereinbaren mit Familie und Kindern. Gerade für Frauen addieren sich berufliche und familiäre Belastungen im Alltag. Eine partnerschaftliche Teilung der Aufgaben zwischen Frauen und Männern ist noch nicht die Regel. Ein Großteil der Familienarbeit wird auch heute noch von den Frauen geleistet, oft zusätzlich zu ihrer Erwerbsarbeit, was eine tatsächliche Gleichstellung im Berufsleben erschwert. Allzu oft sind Frauen vor die Alternative gestellt: Verzicht auf Kinder oder Verzicht auf Beruf. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll mit einem flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau von Betreuungseinrichtungen für Kinder sowie durch die Absicherung von Erziehungsphasen verbessert werden. In verschiedenen Lebensphasen sind Frauen und Männer unterschiedlich gefordert: Ob berufliches Fortkommen, Erziehung von Kindern, Pflege von Angehörigen oder Qualifizierung, politisches oder bürgerschaftliches Engagement – sie müssen dafür Zeit haben. Wir wollen die Arbeitswelt durch flexible Arbeitszeiten so gestalten, dass Beruf und Privatleben in eine Balance zu bringen sind. Wir wollen mehr Zeitsouveränität für Frauen und Männer. Das ermöglicht überhaupt erst Wahlfreiheit. Wir wollen eine gleichberechtigte und gerechte Teilhabe von Frauen und Männern an existenzsichernder Erwerbsarbeit. Arbeit, die überwiegend von Frauen gemacht wird, ist oftmals schlechter bezahlt. Für gleichwertige Arbeit muss aber gleicher Lohn gezahlt werden. Wir wollen die Trennung in typische Frauen- und Männerberufe überwinden. Erforderlich sind gesetzliche Maßnahmen für die gleiche Teilhabe von Frauen an Führungspositionen in Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft und Forschung sowie Aufsichtsgremien. Wir wollen das Steuerrecht so umgestalten, dass es für Frauen keine Hürde darstellt, erwerbstätig zu werden, und ihrer beruflichen Emanzipation nicht im Wege steht. Wenn wir gleiche Teilhabe für Frauen und Männer verwirklichen wollen, müssen wir alle Lebensbereiche umgestalten: Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 20 GEWALT Viele junge Menschen erfahren leider Gewalt oder lösen selbst Konflikte mit gewalttätigem Verhalten. Die Protagonisten von„Teenage Response“ erzählen sowohl aus der Perspektive der Täter/innen, wie auch der Opfer. Wir schlagen Ihnen Übungen vor, mit denen Sie Gewalt zum Thema machen können, die ermöglichen sollen, dass Jugendliche Handlungsalternativen zu Gewalt entwickeln und dabei ihre eigene Wahrnehmung und ihr Selbstbewusstsein stärken. GEWALT – ÜBUNG 1: ENTSCHEIDUNGSSPIEL Lernziel: Das Entscheidungsspiel ist eine Methode zum Begriff Gewalt. Schüler sollen motiviert werden, sich zu Fragen zum Thema Gewalt zu entscheiden. Ablauf: Die Lehrkraft stellt den Schüler/innen Fragen, immer mit dem Halbsatz beginnen„Ist es für dich Gewalt, wenn...“. Im Klassenraum wird an eine Wand ein großes Ja und auf der gegenüberliegenden Wand ein großes Nein positioniert. Die Schüler stellen sich in der Mitte des Raumes auf. Nach der Fragestellung sollen sie beim Ja oder beim Nein aufstellen. Die Fragen haben bewusst einen großen„Graubereich“. Nicht immer lässt sich die Frage nach Ja oder Nein leicht beantworten. Die Schüler sollen sich entscheiden und positionieren mit dem Ziel Eigenverantwortung zu übernehmen. Dadurch entsteht Diskussions- und Rechtfertigungsbedarf. Der Moderator kann nun einzelne Schüler zu Ihrer Positionierung befragen. In der folgenden Diskussion wird deutlich, dass jede/r Schüler/in oder Lehrer/in Gewalt und Grenzüberschreitungen anders bewertet. Vorschläge für Fragen: - Philipp schlägt einen anderen, der ihn bedroht, ins Gesicht und läuft davon. - Eine Regierung beschließt ein neues Waffensystem anzuschaffen. - Ein Schüler stört den Unterricht. - Ein Lehrer brüllt einen Schüler an. - Atomkraftgegner blockieren den Transport von Atommüll. - Die Mutter kauft der dreijährigen Tochter kein Eis, diese wirft sich daraufhin auf den Boden und schreit. - Wohnungssuchende besetzen ein leer stehendes Haus. - Ein Jugendlicher findet keinen Job. Sein Vater sagt dazu nur:„Das liegt nur an dir. Wer wirklich will findet auch Arbeit!“ - Dein Bruder kann sich immer alles erlauben. Du bekommst immer gleich Hausarrest. - Ein Türsteher einer Disko lässt nur Leute rein, die ihm passen. - Eine Chemiefabrik entlässt heimlich giftige Abwässer in einen Fluss. - Eine Clique bedroht Giovanni und verlangt Geld von ihm dafür, dass sie ihn nicht verprügeln. - Carmen wird wegen ihrer Kleidung von der Gruppe geschnitten. - Stefan nimmt Melek in den Arm, obwohl er weiß, dass sie das nicht mag. - Melek dreht sich daraufhin wortlos um, knallt Stefan eine und geht davon. - Heiko verlässt frühzeitig das Fußballtraining mit einer Jacke aus der Umkleidekabine, die ihm nicht gehört. - Eine Clique bekommt den Schlüssel für einen Raum im Jugendzentrum – eine andere nicht. - Polizisten lösen mit Schlagstöcken und Wasserwerfern eine Demonstration auf. - Ein Bomberpilot drückt auf den Auslöseknopf. (Quelle: Skills4life, www.skills4life.de) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 21 GEWALT – ÜBUNG 2 AUFSTEHSPIEL Lernziel: Das Aufstehspiel sollte gezielt und sehr sensibel eingesetzt werden. Ziel ist es, Schüler zu einer Stellungnahme zu motivieren. Ablauf: Die Schüler sitzen im Stuhlkreis. Jeder kann seine Klassenkameraden sehen. Das Spiel wird absolut schweigend durchgeführt. Nacheinander werden Fragen vorgelesen und die Schüler/innen bzw. auch der/die Lehrer/in positionieren sich schweigend. Wird einer Aussage zugestimmt, steht der Betroffene auf. Wird einer Aussage nicht zugestimmt oder möchte sich der Betroffene nicht zur Aussage positionieren, bleibt er sitzen. Störungen sofort unterbinden! Diese Regeln sind ganz wichtig, damit sich kein Schüler zu einer Aussage„outen“ muss. Nachdem alle Fragen gestellt wurden, wird die Diskussionsrunde gestartet. Wichtig ist dabei, dass jeder hier nur von sich bzw. seinen Positionierungen spricht. Äußerungen zu Mitschülern müssen sofort unterbunden werden. Die Fragestellungen sollten bewusst von einfachen, nicht persönlichen, bis hin zu konkreten Stellungnahmen zum eigentlichen Thema gestellt werden. Phase 1: Allgemeine Fragen zum(Schul-) Alltag Phase 2: Allgemeine Fragen zu persönlichen Gefühlen Phase 3: Fragen zur aktuellen Situation Phase 4: Schüler dürfen eigene Fragen stellen Fragenkatalog: Bitte steh schweigend auf, wenn… - Du heute Nacht gut geschlafen hast. - Du heute motiviert für den Unterricht bist. - Du schon einmal eine Situation erlebt hast, bei der du angegriffen wurdest und Freunde dich im Stich ließen. - Du dich schon mal von anderen Jugendlichen bedroht gefühlt hast. - Du zuschlägst, wenn deine oder die Ehre deiner Eltern beleidigt wird. - Du schon einmal geohrfeigt wurdest. - Du schon einmal mit einem Gegenstand geschlagen wurdest. - Du schon einmal bei Dunkelheit ein mulmiges Gefühl hattest. - Du schon einmal ein unangenehmes Gefühl hattest, weil jemand zu nahe bei dir stand. - Du schon einmal mitgemacht hast, wenn eine Gruppe einen Außenseiter fertig gemacht hat. - Du glaubst, dass ein Leben ohne Gewalt nicht möglich ist. - Du schon einmal trainiert hast härter und stärker zu werden. - Du dich persönlich als gewaltbereit einschätzt. - Du glaubst, dass du durch Gewalt Vorteile hast. - Du schon einmal so lange mit Worten provoziert wurdest, dass du zugeschlagen hast. - Du schon einmal zugeschlagen hast, weil du geglaubt hast, die Gruppe erwartet das von dir. - Schon einmal auf dich eingeschlagen wurde, als du auf dem Boden lagst. - Wenn du selbst schon einmal zugeschlagen hast, wenn der andere auf dem Boden lag. Das Aufstehspiel wird von den Kindern und Jugendlichen immer sehr gern angenommen. Das Spiel zielt vor allem auf Eigenverantwortung ab. Die Schüler/innen sind für sich selbst verantwortlich, so dass der oftmals bestehende Gruppendruck in der Klasse keine Bedeutung finden kann. In diesem Spiel sind die Schüler/innen erfahrungsgemäß sehr ehrlich, so dass sich einige auch dazu bekennen, schon einmal„Mobbingopfer“ gewesen zu sein. Daher ist es besonders wichtig, dass es im Anschluss nicht zu einer Gruppendiskussion kommt, bei der die Schüler/innen von ihrer Problematik sprechen, da es zu einer Re-Traumatisierung einzelner Schüler gerade bei einer schwerwiegenden Problematik kommen kann. (Quelle: Skills4life, www.skills4life.de) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 22 GEWALT – ÜBUNG 3: DIE STUHLGASSE Lernziel: Die Jugendlichen lernen, Eskalationen aus dem Wege zu gehen, auf ihre eigenen Gefühle zu achten und alternatives Verhalten in Bedrohungssituationen zu erproben. Ablauf: Ca. ein Viertel der Klasse verlässt den Raum. Auf den letzten Stuhl einer Stuhlgasse mit acht oder mehr Stühlen wird ein Stift gelegt. Am Ende der beiden Stuhlreihen stellen sich zwei bis drei freiwillige Schüler/innen in bedrohlicher Position auf. Die Schüler/innen werden einzeln in den Raum geholt und gebeten, den Stift am Ende der Gasse zu holen. Die Stuhlgasse soll so lose ausgerichtet sein, dass die Möglichkeit besteht auch neben den Stühlen oder zwischen den Stühlen zu gehen. Die meisten werden jedoch versuchen, durch die Gasse an das Ziel zu gelangen. Man kann diese Übung intensiver gestalten, indem die zwei bis drei Schüler/innen am Ende der Stuhlgasse versuchen, die anderen beim Durchquerungsversuch durch einschüchternde Annährung oder verbale Angriffe zu behindern. Diese Übung schafft eine Atmosphäre, die uns meist nicht unbekannt ist: Wir geraten in eine Situation, die wir nur schlecht einschätzen können und in der wir eine vermeintlich konkrete Aufgabe bekommen, die wir meinen, erfüllen zu müssen. Nur allzu oft unterdrücken wir dann angesichts von äußeren Umständen unser„Bauchgefühl“. Die Stuhlgasse schafft zudem oft eine Art„Tunnelblick“, dass viele Teilnehmer/innen hinterher schildern, sie hätten gar keine andere Möglichkeit gesehen, als durch diese hindurch zu gehen, auch wenn sie sich bedroht gefühlt hätten. Die Übung bietet die Möglichkeit das eigene Konfliktverhalten zu überprüfen, z.B. ob ich in dem Moment wirklich deeskalierend agieren möchte, oder ob mir andere Dinge wichtiger sind. Ermutigen Sie die Schüler auch andere Handlungsalternativen auszuprobieren. Vorschläge der Autoren für Auswertungsfragen: - Wie erging es dir während der Übung? - Warum hast du die Übung verweigert? - Hast du dich bedroht gefühlt? - Wie ist die Bedrohung spürbar geworden? - Was war der Konflikt? - Wurde Gewalt angewendet? - Warum hast du diesen Weg gewählt? - Was würdest du demnächst anders machen? - Möchtest du es noch einmal versuchen? - Was haben die anderen beobachtet und wahrgenommen? (Quelle: Heinz Ulrich Brinkmann/Siegfried Frech/Ralf-Erik Posselt(Hrsg.): Gewalt zum Thema machen. Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen, Bonn 2008, S. 155f) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 23 ALKOHOL/DROGEN Bei einigen der Protagonisten von„Teenage Response“ spielen Alkohol und andere Drogen in deren Leben eine wichtige Rolle. Sie beschreiben Rauschzustände, Kontrollverlust und ihr eigenes verändertes Verhalten aufgrund von Drogenkonsum. Bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema geht es darum, Jugendliche für die Gefahren und Nebenwirkungen von Drogengenuss zu sensibilisieren, ohne dabei moralisierend zu wirken. Oft wissen Schüler/innen wenig, wenn sie im Begriff sind, sich für Drogen zu interessieren. Lernziel soll sein, Jugendliche zu motivieren, sich kritisch mit Konsum auseinander zu setzen. Wir möchten zu diesem Thema auf das sehr gute Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung(BzgA) hinweisen: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung(BzgA) bietet mit der Website www.drugcom.de ein interaktives jugendgerechtes Webportal. Dort soll in drei Schritten zunächst Wissen vermittelt werden, dann die eigene Einstellung überprüft und zum Schluss das eigene Verhalten verändert werden. Sie finden dort Arbeitshilfen mit Hintergrundinformationen und zahlreiche themenspezifische Quizfragen für Schüler/innen, die wir Ihnen empfehlen möchten. Außerdem finden Sie pädagogische Begleitmaterialien zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen zur Bestellung oder zum Download unter: www.bzga.de/infomaterialien/unterrichtsmaterialien/nach-themen ALKOHOL/DROGEN – ÜBUNG 1: „DAS EINZIG WAHRE“- ANALYSE VON BIERWERBUNG Lernziel: Durch die Analyse von Werbematerialien erkennen, welche Images Alkoholwerbung vermittelt. Schüler/innen sollen lernen Alkoholwerbung mit kritischen Augen zu betrachten. Ablauf: Die Schüler/innen erhalten mit zeitlichem Vorlauf den Auftrag, Werbeanzeigen für alkoholische Getränke zu sammeln, aus Zeitschriften, Zeitungen auszuschneiden, oder Clips im Internet zu suchen. Mit folgenden Leitfragen beschäftigen sich die Jugendlichen: 1. Wie wird das Getränk dargestellt? 2. Welche Eigenschaften des Getränks werden beschrieben? 3. In welcher Situation wird das Getränk gezeigt? 4. Wie gehen die dargestellten Personen miteinander um? 5. Welche Hoffnungen/Wünsche sollen geweckt werden? 6. Welche Wirkung versprecht ihr euch von dem alkoholischen Getränk? 7. Was zeigt diese Werbung nicht? Im Anschluss daran kann mit den Materialien karikierende Anti-Werbung hergestellt werden. Das können Werbefilme in Form von kurzen gespielten Szenen, entfremdende Collagen,„aufklärende“ Wandzeitungen oder Anti-Werbeanzeigen sein. (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung(Hrsg.): Alkohol. Pädagogische Materialien für die Suchtprävention in den Klassen 5 bis 10“, Köln 2004, S.61ff) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 24 ALKOHOL/DROGEN – ÜBUNG 2: DEN DROGEN KEINE CHANCE? Lernziel: Die Schüler/innen sollen durch kritische Selbstreflexion einen kontrollierten Umgang mit Alkohol und anderen Drogen entwickeln Ablauf: In 3 Gruppen werden folgende Fragen bearbeitet: 1. Aus welchen Gründen trinkt jemand Alkohol, raucht oder nimmt Drogen? 2. Bei welchen Gelegenheiten wird getrunken? 3. Welche Tipps habt ihr für den kontrollierten Umgang mit Alkohol/Drogen Alle Gruppen sollen auch Bezug zum Film nehmen. Warum trinken oder nehmen die Darstellungen in„Teenage Response Drogen? Bei welchen Gelegenheiten? Wie wirkt sich das aus? Die Antworten der Gruppen werden an der Tafel vorgestellt und besprochen. Beispiele aus den Gruppenarbeiten: 1. Warum getrunken/geraucht/konsumiert wird: - um Spannung loszuwerden - weil es schmeckt - weil es gut wirkt - um cool zu sein - um dazu zu gehören - aus Langeweile - um locker zu werden - um durchzuhalten -... 2. Bei welchen Gelegenheiten getrunken/geraucht/konsumiert wird: - auf Feten - in der Kneipe mir Freunden - bei Familienfeiern - um einen Sieg zu feiern - in guter Stimmung, allein zu Haus - zum Essen -... 3. Vorschläge für Regeln: - nicht auf nüchternen Magen - keine harten Sachen - nicht durcheinander - keine Automatik(immer vor der Schule o.ä.) - niemanden überreden -... (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung(Hrsg.): Alkohol. Pädagogische Materialien für die Suchtprävention in den Klassen 5 bis 10“, Köln 2004, S.151ff) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 25 (BERUFLICHE) ZUKUNFT Anton, Luisa II und Bardia beschäftigen sich sehr stark mit der Frage nach Zukunft, Erfüllung im Beruf und dem Sinn des Lebens. Für Jugendliche ist die Frage nach ihrer eigenen(beruflichen) Zukunft eine brennende. In Schulen lastet immer mehr Druck auf den Schüler/innen sich früh zu orientieren, sich zu qualifizieren und sich fit zu machen für das Berufsleben. Der Einstieg in die Ausbildung und dann in den Beruf wird aber immer unkalkulierbarer. Ein Zugang zum Thema Zukunftsangst kann sein, sich mit eigenen Wünschen und Hoffnungen zu beschäftigen und eigene Stärken zu entdecken. Einige Anregungen dazu finden sie hier und beispielsweise im Themenheft der Bundeszentrale für politische Bildung„Schule und was dann?“ (BERUFLICHE) ZUKUNFT – ÜBUNG 1: MEIN ROTER FADEN Lernziel: Reflexion über das eigene Leben, den eigenen Sozialisationsverlauf, Blick in die Zukunft Ablauf: Die Schüler/innen bekommen einen langen roten Faden und die Aufgabe, ihren bisherigen Lebenslauf auf einem Stück Papier zu legen(bzw. aufzukleben oder zu zeichnen) und dann einen Ausblick in die Zukunft zu wagen: - Erste Lebensjahre: Erinnert euch an die Erzählungen von euren Eltern, wie waren die ersten Lebensjahre? Warst du vielleicht krank? - Kindergarten bis Schulbeginn: gab es besonders schöne oder nicht so schöne Erlebnisse? - Grundschule: Hast du besondere Erinnerungen an die ersten Schuljahre? War die Zeit einfach oder anstrengend? - Sekundarschule bis jetzt: welche Ereignisse waren prägend? Gab es Auseinandersetzungen mit den Eltern, mit Gleichaltrigen oder in der Schule? - Ausbildung/Beruf/Familie: Wie stellt ihr euch vor, wird sich euer Leben weiterentwickeln? Wo wollt ihr hin? Welche Abschnitte stehen euch bevor? - Bildet dann Dreiergruppen, in denen ihr euch wohl fühlt und tauscht euch über euren Roten Faden aus. Ihr müsst nur das erzählen, was ihr wirklich möchtet. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 26 (BERUFLICHE) ZUKUNFT – ÜBUNG 2: ZUKUNFTSKREIS – WO SEHE ICH MICH IN 5-10 JAHREN? Lernziel: Auseinandersetzung mit persönlichen und beruflichen Zukunftszielen Ablauf: Es wird ein großer Kreis auf die Tafel/ auf ein großes Plakat am Boden gemalt. Dieser wird in 4 Quadranten eingeteilt. (Alternativ: im Klassenraum/ Schulhof werden in vier Ecken jeweils Plakate ausgelegt). Jedem Quadranten wird ein Lebensbereich zugeordnet: - Ausbildung, - Beruf - Familie/Partner/Freunde und - persönlich wichtige Tätigkeiten Die Schüler/innen sollen sich vorstellen, wo sie in 5 – 10 Jahren stehen werden und diese Einschätzungen in jedem Quadranten notieren. Auswertung im Plenum: Was ist vielen Schüler/innen gemeinsam? In welchem Verhältnis stehen der berufliche und der private Bereich? (BERUFLICHE) ZUKUNFT – ÜBUNG 3: WAS IST MIR IM BERUF WICHTIG? Lernziel: Schüler/innen werden sich über ihre Prioritäten bei der beruflichen Orientierung klar. Ablauf: Sammeln Sie mit den Schüler/innen Kriterien, die für die Berufswahl wichtig sind. Lassen Sie diese in eine Rangfolge bringen. Was ist ihnen bei ihrer Berufswahl besonders wichtig? Beispiele für Kriterien: - viel verdienen - meine Talente zum Einsatz bringen - interessante Arbeit - stolz auf meine Leistung sein - mitbestimmen können - Arbeitsplatzsicherheit - Karrierechancen Reflektieren Sie gemeinsam über die Ergebnisse und die Gründe für diese Prioritätensetzung. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 27 AUSGRENZUNG/ MOBBING Nicht nur Jugendliche sind gerne Teil einer Gruppe, möchten dazugehören, wollen anerkannt und respektiert werden. Oftmals steigt das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Klasse oder Gruppe, wenn man sich nach außen abgrenzt gegenüber Andersartigen, Fremden. Es besteht die Gefahr dass eine Gruppe exklusiv und diskriminierend agiert und einzelne Schüler/innen zu Außenseiter/innen werden. In dem folgenden Abschnitt stellen wir Ihnen Methoden vor, die Jugendlichen bewusst machen sollen, wie diskriminierendes Verhalten auf die Diskriminierten wirkt und ihnen erfahrbar machen wie rücksichtslos und gefährlich es sein kann, Menschen nach bestimmten Merkmalen vorschnell zu beurteilen. Lernziel soll hier sein, mit Andersartigkeit tolerant und wertschätzend umzugehen. Die Übungen dienen der Sensibilisierung und der Prävention und können keine akuten Mobbing-Fälle lösen. AUSGRENZUNG/ MOBBING – ÜBUNG 1: AUF DER ANDEREN SEITE Lernziel: Betroffenheit herstellen; das Hineinversetzen in die Rolle des Außenseiters anregen. Ablauf: Auf dem Boden des Klassenraums wird eine lange Linie gezogen(z.B. mit Kreppband, einer Schnur), die den Raum in zwei Seiten teilt. Alle Schüler/innen stehen auf einer Seite. (alternativ: Stuhlkreis, in dem alle sitzen) Sie lesen einzelne Lebenssituationen der unten aufgeführten Liste bzw. einer eigens erstellten und auf die Gruppe abgestimmten Liste vor. Diejenigen, die diese Situation kennen bzw. selbst erlebt haben, wechseln die Seite. Warten Sie einen Augenblick und geben Sie dann ein Zeichen, dass alle wieder auf die Ursprungsseite wechseln können. Lesen Sie dann die nächste Situation vor. (alternativ im Stuhlkreis: Schüler/innen, die betroffen sind, stehen schweigend auf) Hinweis: Weisen Sie zu Beginn ausdrücklich darauf hin, dass es den Schüler/innen freigestellt ist, ehrlich zu sein bzw. sich zu„outen“. Ehrlichkeit wird nicht mit Nachdruck geprüft. Auswertung im Stuhlkreis: - Waren alle ehrlich? - Wie war das, alleine auf einer Seite zu stehen? - Was habt ihr gefühlt? Auch auf der Ausgangsseite? - Wobei habt ihr euch unwohl bzw. wohl gefühlt? - Was hättet ihr euch gewünscht, als ihr allein wart? Fragenkatalog„Auf der anderen Seite“: Es wechseln z.B. die Personen auf die andere Seite, die... - Jeans tragen(als Eisbrecher) - Kein Fleisch essen - Schon mal einen blauen Brief bekommen haben - Keinen Partner/keine Partnerin haben - Mehr als zwei Sprachen sprechen - Verliebt sind - Einzelkinder sind - Deren Eltern getrennt leben - Keinen Vater mehr haben - Keine Mutter mehr haben - Häufig Gewalt erleben Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 28 - Mehr als drei Geschwister haben - Aus der Heimat flüchten mussten - Schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind - In ihrer Familie mit Alkoholsucht zu tun haben - Eine Behinderung haben - Schon mal sehr krank waren - Einen nahestehenden Menschen durch Tod verloren haben - Zugeschaut haben, als jemand geschädigt wurde, obwohl man hätte eingreifen können - Die Gewalt gesehen oder erlebt haben und keine Chance hatten, etwas dagegen zu unternehmen - Schon mal ausgelacht wurden - Sich schon mal einsam gefühlt haben - Sich schon beobachtet gefühlt haben -... (Quelle: Heinz Ulrich Brinkmann/Siegfried Frech/Ralf-Erik Posselt(Hrsg.): Gewalt zum Thema machen. Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen(Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg/ Bundeszentrale für politische Bildung), Bonn 2008, S. 140f.) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 29 AUSGRENZUNG/ MOBBING – ÜBUNG 2: „GEBRANDMARKT“ Lernziel: Sensibilisierung für die Gefahr, dass soziale Rollen sich verselbständigen können und dass eine feste Rolle, die einem Menschen vom eigenen Umfeld zugeschrieben wird, die eigenen Verhaltensspielräume einengt. Ablauf: 1. Eine Gruppe von 4-10 Personen erhält Zettel, die so an der Stirn befestigt werden, dass alle lesen können, was darauf steht, außer der Person selbst(Post-its oder Zettel mit Gummiband). Die übrigen Schüler/innen schauen zu. Die Zettel enthalten Rollenbeschreibungen wie: Für ältere Schüler/innen: „Außenseiter/in“ „Streber/in“ „böser Mensch“ „Mannsweib“ „Alkoholkonsument“ „Homosexuelle/r“ „Gewalttäter/in“ ... Für jüngere Schüler/innen: „Chef“ „Klassenclown“ „Verlierer/in“ „Sündenbock“ „Intrigant/in“ „Besserwisser/in“ „Arbeitstier“ „Klassenmutti“ „Faulenzer/in“ „ewige/r Nörgler/in“ ... 2. Stellen Sie eine Gruppenaufgabe, die die Diskussionsrunde innerhalb von ca. 10 Min. lösen muss. (z.B.: Für ältere Schüler/innen: Welches Thema soll unsere Projektwoche/Präventionswoche haben? Mit welchem Projekt möchten wir unsere Schule verändern? Welche Probleme gibt es an unserer Schule, auf die wir die Schulleitung aufmerksam machen wollen? Für jüngere Schüler/innen: Welches Ziel soll der nächste Ausflug haben? Wie verteilen wir die Aufgaben für Planung und Durchführung? Welchen Stand wollen wir auf dem Schulbasar anbieten? Wer kümmert sich um was? Der derzeitige Betrag in der Klassenkasse reicht nicht für den nächsten Wandertag. Wie sollen wir den nötigen Rest an Geld zusammenbekommen?) Im Lauf der Diskussion werden die Teilnehmenden von den anderen in ihre Rolle gedrängt und beginnen schließlich, sich entsprechend ihrer Rolle zu verhalten.(Sie können diejenigen Schüler/innen, die sehr vorsichtig bzw. taktvoll sind, auch leise ermuntern, ihre Mitspieler so zu behandeln, wie es auf deren Schild steht.) 3. Reflexion im Plenum: - Was ist im Verlauf der Diskussion passiert? - Wie haben sie die Diskussionsteilnehmer/innen gefühlt? - Habt ihr eine Lösung gefunden oder das Problem aus den Augen verloren? Warum? - Warum habt ihr die anderen entsprechend ihres„Etiketts“ behandelt? - Wie sind die Teilnehmer/innen wirklich? - Warum haben sich die„Gebrandmarkten“ entsprechend ihrer Rolle verhalten? - Wie beeinflussen Vorurteile Menschen? - Wie sollten wir mit Vorurteilen umgehen? (Quelle: Heinz Ulrich Brinkmann/Siegfried Frech/Ralf-Erik Posselt(Hrsg.): Gewalt zum Thema machen. Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen(Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg/ Bundeszentrale für politische Bildung), Bonn 2008, S. 142f.) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 30 AUSGRENZUNG/ MOBBING – ÜBUNG 3: „ICH BIN ICH“ – MEIN LEBENSLOGO Lernziel: Die Schüler/innen entwerfen ihr persönliches Lebenslogo, um sich über die eigenen Besonderheiten sowie wichtige Werte und Ziele in ihrem Leben klar zu werden. Die jeweils anderen Schüler/innen üben die Wertschätzung der Identität und Besonderheit ihrer Mitschüler/innen. Ablauf: Zur Vorbereitung sollten in Einzelarbeit oder Zweiergruppen beispielsweise folgende Fragen beantwortet werden: - Was bedeutet mein Name, aus welchem Kulturkreis kommt er? - Wie verbringe ich meine Freizeit besonders gerne? - Was kann ich gut? Welche meiner Eigenschaften wurde schon einmal gelobt? - Was ist meine schönste Erinnerung? - Was mag ich an mir? Was könnte ich noch besser machen? - Welche Wünsche habe ich für die Zukunft? - Welche Menschen sind mir wichtig?(Freunde, Partner/in, Familie...) - Wenn ich neue Freundschaften eingehe, was sollte die Basis für alle Beziehungen zu anderen Menschen sein? (z.B. Ehrlichkeit, Liebe, Respekt...) - Welche Gesellschaft wünsche ich mir? - Welcher Spruch passt gut zu mir? Auf der Grundlage der Auseinandersetzung mit den individuellen Besonderheiten, Werten und Wünschen entwickeln die Schüler/innen ein Logo, das mit Worten, Bildern, Symbolen visualisiert werden kann. Alternativ ist auch eine Collage, ein Gedicht, ein Songtext o.ä. denkbar. Die Ergebnisse werden einzeln präsentiert und die wichtigsten Elemente erläutert. Dies kann in einem feierlichen Rahmen stattfinden, in dem jede/r Schüler/in sich nach der Präsentation verbeugt und ausführlich beklatscht wird oder eine kleine Belohnung bekommt. AUSGRENZUNG/MOBBING – ÜBUNG 4: SOUNDSO Lernziel: Die Schüler/innen setzen sich auseinander mit Rollenerwartungen und reflektieren über eigene Rollen. Ablauf: Lassen Sie Ihre Schüler/innen das Lied„Soundso“ von„Wir sind Helden“ anhören. Geben Sie den Text zum Mitlesen und analysieren im Anschluss gemeinsam, welches Problem beschrieben wird. Laden Sie zur Stillarbeit zu folgenden Fragen ein: - Welches Gefühl löst das Lied bei dir aus? Woher kennst du dieses Gefühl? - Welche Rollen oder Eigenschaften werden dir von anderen Menschen zugeschrieben? - Wie bewertet ihr die Rolle? Ist sie nützlich oder schädlich für euch? Engt sie euch ein? - Wer hält euch in dieser Rolle fest? - Was daran könnt ihr verändern? - Welche Rolle hättet ihr gern? Die Stillarbeit wird abgeschlossen mit einer offenen Gesprächsrunde, bei der jede/r sich noch einmal zum Thema äußern kann, der möchte. Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 31 ARBEITSBLATT AUSGRENZUNG/ MOBBING – ÜBUNG 4: WIR SIND HELDEN: SOUNDSO – LIEDTEXT Sie wissen genau wer du bist Du bist uns so einer Sie sagen es so wie es ist So gut kennt dich keiner Und zwar bist du vom Wesen soundso Soundso so irgendwie Verstehen sie dich, das macht sie froh So einer ändert sich nie [Chorus:] Aber nichts davon bestimmt dich, weißt du Nichts davon verglimmt nicht mit der Zeit Nur du bestimmt nicht, weißt du Nichts davon ist wirklich Nichts davon soundso Und sowieso bleibt nichts davon soundso Und sowieso ist nichts davon soundso Glaub mir nichts davon bist du Soundso warst du schon immer Genauso, nur kleiner Im Alter wird sowas nur schlimmer Genauso, nur alleiner Wie gut wenn man geliebt wird, wie man ist Soundso, und so allein So wie du warst, so wie du bist Bist das du, musst du das sein? [Chorus] Dein Vater ist froh, Weil er weiß, Du bist soundso! Und Mutter ist froh, Weil sie weiß, Du bist soundso! Dein Haustier ist froh, Weil es weiß, Du bist soundso! Dein Lehrer ist froh, Weil er weiß, Du bist soundso! Die Freunde sind froh, Alles klar, Du bist soundso! Auf Arbeit alle froh, Alles klar, Du bist soundso! Zuhause alle froh, Alles klar, Du bist soundso! Du gehst k.o., Weil du weißt, Du bist soundso! Wirklich nichts davon... Soundso Und sowieso bleibt nichts davon soundso Und sowieso ist nichts davon soundso Glaub mir nichts davon... bist du! Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 32 AUSGRENZUNG/ MOBBING – ÜBUNG 5: WIE WIRKE ICH? Lernziel: Die Schüler/innen lernen, dass wir in der Begegnung mit Menschen sofort verschiedene Dinge wahrnehmen und diese interpretieren und bewerten. Sie begreifen, dass diese Interpretationen helfen können, Situationen und Menschen einzuschätzen. Sie lernen außerdem, dass aus schnellen Urteilen auch Vorurteile entstehen können, die ausgrenzend und abwertend sind. Ablauf: Die Übung eignet sich für besonders für Jugendliche, die sich nicht gut kennen. Setzen Sie die Schüler/innen in Gruppen von mindestens dreien an kleine Tische. Jede/r bekommt einen Fragebogen, auf dem der eigene Name notiert wird. Dann wird der Fragebogen an eine andere Person in der Gruppe weitergegeben. Danach schätzen sich die Jugendlichen gegenseitig ein. Nacheinander beantworten die Schüler/innen die Fragen auf dem Fragebogen, indem sie die Person, um die es geht, beobachten. Die eingeschätzte Person darf nicht sprechen. Alle werden so nacheinander vom Rest der Gruppe eingeschätzt. Im Anschluss haben die Schüler/innen in den Gruppen die Möglichkeit, Dinge richtig zu stellen. Im Auswertungsgespräch wird festgehalten, wie gut oder schlecht die Schüler/innen sich eingeschätzt haben, woran sie ihre Einschätzungen festgemacht haben und wie sie sich in der Rolle des Beobachteten gefühlt haben. (Quelle: Hans König,[komm.] training beratung begleitung, www.kommtraining.com) Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 33 ARBEITSBLATT AUSGRENZUNG/ MOBBING – ÜBUNG 5: WIE WIRKE ICH? Eure erste Aufgabe ist es, Euch gegenseitig einzuschätzen. Jeder kommt einmal dran. Dabei gilt: 1. Eine/r von Euch ist still. 2. Die Anderen schätzen diese Person ein – nur anhand des äußeren Eindrucks! 3. Eure Vermutungen tragt Ihr unten ein. Jede/r bekommt dann das Blatt mit der eigenen Einschätzung. Ihr habt 5 Minuten pro Person. Name: Wie geht es ihm/ihr? Was denkt sie/er gerade? Wie macht sie/er Urlaub(Sport, All-inclusive, Wellness...)? Was ist ihre/seine Lieblingsmusik? Wenn er/sie eine berühmte Person wäre: Wer und warum? Kaffee oder Tee? Schokolade oder Wurstbrot? Fußball spielen oder gucken? Geld sparen oder ausgeben? SMS oder Anrufen? SchulerVZ der Facebook? Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 34 ANHANG WEITERE ANGEBOTE FÜR JUGENDLICHE Einen Überblick über weitere Jugendbildungsangebote im Forum Jugend und Politik Bonn der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie unter: www.fes.de/forumjugend Politische Bildungsangebote der Friedrich-Ebert-Stiftung für Jugendliche gibt es auch in Ihrer Nähe. Informieren Sie sich unter: www.fes.de/jugend DIE FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 als politisches Vermächtnis des ersten demokratisch gewählten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert gegründet. Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert- vom einfachen Handwerker in das höchste Staatsamt aufgestiegen – regte vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen in der politischen Auseinandersetzung die Gründung einer Stiftung mit folgenden Zielen an: - die politische und gesellschaftliche Bildung von Menschen aus allen Lebensbereichen im Geiste von Demokratie und Pluralismus zu fördern, - begabten jungen Menschen unabhängig von den materiellen Möglichkeiten der Eltern durch Stipendien den Zugang zum Hochschulstudium zu ermöglichen, - zur internationalen Verständigung und Zusammenarbeit beizutragen. Die FES, von den Nationalsozialisten 1933 verboten und 1947 wiederbegründet, verfolgt mit ihren umfangreichen Aktivitäten diese Ziele bis heute. Als eine gemeinnützige, private und kulturelle Institution ist sie den Ideen und Grundwerten der sozialen Demokratie verpflichtet. Die FES will mit ihren Aktivitäten die politische Erneuerung der sozialen Demokratie fördern, politische Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, die Wirtschafts- und Sozialordnung gerecht gestalten, den Dialog zwischen Gewerkschaften und Politik vertiefen und die Globalisierung sozial gestalten. Informieren Sie sich über unsere Arbeit unter: www.fes.de Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 35 DIE AKTION MENSCH – DIE ZUKUNFT DER GESELLSCHAFT LIEGT IN IHRER VIELFALT Die Aktion Mensch wurde 1964 als Aktion Sorgenkind gegründet. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht bis heute das Ziel, die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung, Kindern und Jugendlichen sowie Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zu verbessern. Mitglieder der Aktion Mensch sind die Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege und das ZDF. Ihr Engagement orientiert sich an den Ideen der Menschlichkeit und Solidarität, dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit, dem Recht auf Selbstbestimmung und auf gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen. Ihre Ziele verfolgt die Aktion Mensch mit drei Schwerpunkten: Sie fördert Projekte und Einrichtungen der Behindertenhilfe und-selbsthilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe; sie initiiert und realisiert Aufklärungskampagnen und sie betreibt die Aktion Mensch-Lotterie – diese Erlöse sind es, die das gemeinnützige Engagement der Aktion Mensch überhaupt erst möglich machen. An der Lotterie nehmen regelmäßig mehr als 4,6 Millionen Menschen teil; Monat für Monat werden so mehr als 1.000 Projekte gefördert. Der Anspruch der Aktion Mensch ist es, mit ihrem Engagement eine Gesellschaft der Vielfalt zu unterstützen. Eins der wichtigsten Ziele der Aktion Mensch ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die unter anderem die volle gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen fordert. Auf diese Weise entsteht eine Gesellschaft, die reich an Lebensformen und Kulturen ist und offen für die besonderen Talente aller. Die Aktion Mensch ist davon überzeugt, dass gesellschaftliche Veränderungen vor allem durch bürgerschaftliches Engagement vor Ort, der erfolgreichen Vernetzung aller Projektbeteiligten und durch die öffentliche Diskussion vorangetrieben werden. Deshalb unterstützt sie lokale und regionale Projekte, stellt allen Akteuren ihre weitverzweigten Kontakte zur Verfügung und schafft Möglichkeiten, sich auszutauschen. Das bundesweite Filmfestival ueber Mut ist ein erfolgreiches Beispiel dafür: Mit ihrem Filmfestival, das ein Jahr lang in 100 deutschen Städten stattfindet, regt die Aktion Mensch nicht nur den öffentlichen Diskurs über gesellschaftlich relevante Themen an – sie bringt außerdem Engagierte und Interessierte zusammen und unterstützt damit ein Engagement und ein Bewusstsein, das über die kulturellen Aspekte eines Filmfestivals hinausgeht. www.aktion-mensch.de Pädagogisches Begleitmaterial zu„Teenage Response“, Friedrich-Ebert-Stiftung 36