Drei Fragen an: Norbert Glante, MdEP Norbert Glante, geb. 1952, Informatiker, seit 1994 Mitglied des Europaparlaments Seit wann hat die Politik in Brandenburg das Thema demografischer Wandel im Blick? Die brandenburgische Landesregierung hat die Zeichen der Zeit schon vor einigen Jahren erkannt und ist heute in der Lage, bereits auf erste Erfahrungen zurückblicken zu können. Die ersten konkreten und ausdrücklich demografiebedingten Maßnahmen wurden 2005 ergriffen, als Ministerpräsident Matthias Platzeck die Förderpolitik des Landes neu ausrichtete. Seitdem werden alle politischen Maßnahmen auch unter Demografiefragen bewertet. Die Bedeutung, die der Thematik beigemessen wird, zeigt sich daran, dass das Referat„Demografischer Wandel“ in der Staatskanzlei angesiedelt wird. Chefsache sozusagen. Welche zentralen Auswirkungen bringt der Wandel dem dünnbesiedelten Flächenland? Es zeichnet sich ab, dass sich die Brandenburger Bevölkerung zunehmend auf ein dynamisches Zentrum um die Bundeshauptstadt Berlin und eine weite, von Abwanderung geprägte Peripherie aufteilt. In Bezug auf Versorgung werden nahezu paradoxe Zustände entstehen: Da, wo die Bedarfe z.B. nach Mobilität oder ärztlicher Versorgung am größten sind, lohnen sie sich- wirtschaftlich gesehen- am wenigsten. Und Geld wird nicht da sein, denn mit der Bevölkerung werden auch die Steuereinnahmen schrumpfen. Verschärfend kommt hinzu, dass Brandenburg künftig auf Transferleistungen verzichten muss, weil Gelder aus dem Solidarpakt und den Europäischen Fonds ausbleiben bzw. geringer ausfallen werden. Warum und wie muss die Bevölkerung rechtzeitig auf die Veränderungen vorbereitet werden? Ohne ehrenamtliches Engagement können die gesellschaftlichen Anforderungen künftig nicht mehr bewältigt werden. Wir alle werden in Zukunft mehr gesellschaftliche Verantwortung tragen müssen. Dabei kommt uns Politikerinnen und Politikern eine zentrale Rolle zu, weil wir dazu beitragen können, die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot zu holen! Unser Werben für ein solidarisches Miteinander und für Generationengerechtigkeit darf allerdings nicht als Wahlkampfparole ankommen. Es geht vielmehr um die Einsicht, dass uns die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zum Umdenken zwingen. Und dass der demografische Wandel tatsächlich Chancen birgt. Brandenburg kommt hierbei eine Vorreiterrolle zu, aus der wir ein starkes Selbstbewusstsein ziehen können. Lesen Sie auch von Norbert Glante, MdEP:„Demografischer Wandel – Auswirkungen, Konsequenzen und Herausforderungen an ein Flächenland. Wie Politik und Bürgergesellschaft in Brandenburg Verantwortung übernehmen.“, http://www.fes-online-akademie.de/common/medien/110310_glante_demographie.pdf