Hatto Frydryszek Roland Merten Wie tickt Thüringen? Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Landesbüro Thüringen Hatto Frydryszek hat Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena studiert und arbeitet dort seit 2017 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialpädagogik und außerschulische Bildung. Aktuell arbeitet und forscht er zum»Erziehungs­ begriff im Jugendstrafrecht«, Devianz und Delinquenz im Kindes- und Jugendalter sowie sozialstrukturellen Ursachen und Bedingungen sozialer Ungleichheit. Roland Merten Jg. 1960, ist Inhaber des Lehrstuhls für Sozialpädagogik und außerschulische Bildung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Hatto Frydryszek Roland Merten Wie tickt Thüringen? Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Landesbüro Thüringen Inhalt im Überblick Vorwort 5 7 politische Partizipation 8 3 Lebenssituation, sozialer Zusammenhalt und regionale Disparität 14 4 Subjektive Problembereiche, Parteienkompetenz 19 4.1 Parteienkompetenz allgemein 21 4.2 Parteienkompetenz nach ausgewählten Themen 23 mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden 28 5.1 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung 28 mit der Arbeit der Partei- und Fraktionsvorsitzenden 30 Nachbetrachtung 42 Literaturverzeichnis 44 Verzeichnis der Abbildungen 45 Vorwort Vorwort Was bewegt die Menschen in Thüringen vor dem Superwahljahr 2024? Wie schätzen sie die Leistung der Landesregierung und ihre eigene Lebenssituation ein? Die vorliegende Studie des Landesbüros Thüringen der Friedrich-Ebert-Stiftung gibt darauf Antworten und Einordnungen. Nach den letzten Landtagswahlen 2019 und den turbulenten Ereignissen rund um die Ministerpräsidentenwahl ist die Thüringer Politiklandschaft nicht zur Ruhe gekommen. Die seither agierende Konstellation einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten und die gescheiterte Auflösung des Landtages für vorgezogene Neuwahlen haben die Überzeugungen der Bevölkerung, gut regiert zu werden, weiter abgeschwächt. Zusätzlich waren die letzten Jahre für viele Menschen geprägt von Einschränkungen, Sorgen und Zukunftsängsten. Nach der Pandemie toben derzeit Kriege und Konflikte in Regionen, die für viele Menschen weit weg erschienen, und wirken sich mittlerweile ganz konkret auf innenpolitische Prozesse aus – und haben alle Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens erreicht. Hohe Inflation, Energiepreisschocks, von ungeregelter Migration überforderte Kommunen, immer höhere Belastungen für Bürger_ innen bei immer geringerer Planungssicherheit haben nicht nur zu einer weiteren Polarisierung unserer Gesellschaft beigetragen, sondern diese offenbar auch politisch verfestigt. Das Landesbüro Thüringen der Friedrich-Ebert-Stiftung hat im Oktober und November 2023 eine Meinungsumfrage in Auftrag gegeben, die genau diese Fragestellungen beleuchtet: Wo sehen die Menschen in Thüringen die größten Problemstellungen und wem trauen sie die besten Lösungen zu? Welche Zukunft wünschen sie sich für Thüringen? 1.500 Thüringer_innen wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey befragt. Dabei wurden insbesondere die Probleme und Erwartungen in den Bereichen Zuwanderung und innere Sicherheit, Bildung und Familie, Gesundheit und Pflege, Wirtschaft und Klima festgehalten. Diese repräsentativen Daten sind eingeflossen in die hier vorliegende Publikation und wurden analysiert und aufbereitet von den Autoren Prof. Dr. Roland Merten und Hatto Frydryszek vom Institut für Erziehungswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena, denen ich für die gute Zusammenarbeit an dieser Stelle ebenso herzlich danke wie dem Team von Civey für die hervorragende Erhebung und exzellente Aufarbeitung der Datenmengen. Politische Bildung und Beratung sind zentrale Aufgaben der Friedrich-Ebert-Stiftung, und das Schaffen von Debattenräumen und Diskussionsforen zum Austausch unterschiedlicher Ansichten zur Rolle der Politik bei der Lösung von Problemen in unserer Gesellschaft stärkt politische Teilhabe. Viele Menschen in Thüringen finden sich nicht mehr gehört oder wahrgenommen von der Politik – und wenden sich ab, vor allem in den ländlichen Räumen. Brücken zu bauen, um diese Menschen wieder in die gesellschaftlichen Debatten zurückzuholen, ist heute wichtiger denn je. Dafür muss sich die Politik aber auch stärker an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren. 5 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Wie die Studie zeigt, leben die Thüringer_innen sehr gern in ihrem Bundesland, dem augenzwinkernd gern zugeschrieben wird, der schönste Freistaat der Welt zu sein. Sie möchten aber auch, dass die Politik dafür sorgt und die Weichen dafür stellt, dass Thüringen auch künftig ein prosperierendes, lebenswertes und nachhaltiges Bundesland bleibt. Mirko Hempel Leiter des Landesbüros Thüringen der Friedrich-Ebert-Stiftung 6 1 Stichprobenbeschreibung 1 Stichprobenbeschreibung In der Zeit vom 2. 10.– 9. 11. 2023 wurden in einer durch die Friedrich-Ebert-Stiftung beauftragten und von der Civey GmbH durchgeführten repräsentativen Onlinebefragung insgesamt 1.500 Thüringer_innen im wahlberechtigten Alter ab 18 Jahren zu ihrem Lebensgefühl, ihren Sorgen und Nöten sowie ihrer Wahlabsicht vor der Thüringer Landtagswahl 2024 befragt. Ganz überwiegend(73,5 Prozent) sind die Befragten in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Ein geringer Teil(18,6 Prozent) ist nach 1990 und eine kleine Gruppe der Befragten(4,6 Prozent) vor 1990 in der alten BRD aufgewachsen. Etwa ein Prozent der Befragten wuchs in einem anderen Land auf. Fast drei Viertel der Teilnehmer_innen wurden damit in der ehemaligen DDR sozialisiert. Der Anteil derjenigen, deren Großeltern, Eltern oder die selbst nach Deutschland eingewandert sind, also einen sogenannten Migrationshintergrund haben, ist in Thüringen und damit in der vorliegenden Stichprobe sehr gering(5,3 Prozent). 7 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr politische Partizipation Die Teilnahme an Wahlen ist in parlamentarischen Demokratien die zentrale Möglichkeit und zugleich allgemeinste Form politischer Beteiligung. Bei der zurückliegenden Landtagswahl 2019 in Thüringen machten etwas weniger als zwei Drittel der Wahlberechtigten(64,9 Prozent) von ihrem Wahlrecht Gebrauch, was gegenüber der vorangegangen Landtagswahl 2014, bei der die bisher niedrigste Wahlbeteiligung(52,7 Prozent) registriert wurde, einer Steigerung um etwa zwölf Prozentpunkten entspricht. Eine Wahlbeteiligung wie kurz nach der deutsch-deutschen Vereinigung(1990: 71,7 Prozent, 1994: 74,8 Prozent) wurde aber nicht wieder erreicht. Befragt nach der Wahrscheinlichkeit, bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen zur Wahl zu gehen, geben mehr als neun von zehn Befragten(93,5 Prozent) an,(sehr) wahrscheinlich zur Wahl gehen zu wollen, während nur wenige dies für(sehr) unwahrscheinlich(4,3 Prozent) halten oder keine Angabe (2,2 Prozent) machen. Bezogen auf die Wahrscheinlichkeit bestehen kaum Differenzen hinsichtlich der Abbildung der folgenden Parteien könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der Landtagswahl 2024 in Thüringen zu wählen? LINKE 15,5 % AFD CDU SPD 7,6 % GRÜNE 4,8 % FDP Keine dieser Parteien Weiß nicht 2,6 % 2,0 % 10,2 % 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,2 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 22,6 % 30 % 34,7 % 40 % 50 % Quelle: Civey 8 2 Wahlverhalten, politische Partizipation Parteienpräferenz, lediglich bei denjenigen, die sich vorstellen können, bei der nächsten Landtagswahl die GRÜNEN zu wählen, ist der Anteil derjenigen, die dies für(sehr) unwahrscheinlich halten, größer (7,7 Prozent) als dies für die anderen Parteien(zwischen 1,1 Prozent und 2,7 Prozent) festgestellt werden kann. Neben der Frage, wie wahrscheinlich die eigene Beteiligung an der nächsten Landtagswahl eingeschätzt wird, ist auch die Frage nach der Wahlabsicht interessant ebenso wie die sich für die einzelnen Parteien daraus ergebenden Veränderungen gegenüber der Landtagswahl 2019. Mit Blick auf die derzeitigen Regierungsparteien zeigt sich, dass sich grundsätzlich 15,5 Prozent der Befragten vorstellen könnten, die LINKE zu wählen, 7,6 Prozent die SPD und 4,8 Prozent die GRÜNEN. Die drei Parteien kämen damit auf insgesamt 27,9 Prozent der Stimmen, bei der Landtagswahl 2019 waren es tatsächlich 43,1 Prozent. Grundsätzlich könnten sich 22,6 Prozent der Befragten vorstellen, die CDU und 2,6 Prozent die FDP zu wählen, während die AFD bei der nächsten Landtagswahl auf 34,7 Prozent der Stimmen käme und damit erstmals die meisten Stimmen bei einer Landtagswahl in Thüringen auf sich vereinen könnte. Immerhin jede_r zehnte Befragte(10,2 Prozent) kann sich nicht vorstellen, einer der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Parteien seine/ihre Stimme zu geben. Differenziert man die Wahlabsicht nach dem Alter, zeigt sich, dass in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen der Anteil derjenigen, die keiner der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Parteien ihre Stimme geben würden, mit 15,3 Prozent am größten ist. Fast jede_r Zweite(47,5 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen kann sich grundsätzlich vorstellen, bei der nächsten Landtagswahl die AFD zu wählen, der höchste Wert im Vergleich zu den anderen Altersgruppen. Jede_r Zehnte(10,2 Prozent) in dieser Altersgruppe könnte sich vorstellen, die LINKE zu wählen, etwa jede_r Fünfte(19,6 Prozent) die CDU. In der Gruppe der über 65-Jährigen kann sich jede_r Vierte(25,5 Prozent) vorstellen, die CDU zu wählen, und jede_r Fünfte(20,2 Prozent), der LINKEN die Stimme zu geben. Beide Parteien erreichen in dieser Altersgruppe ihre höchsten Zustimmungswerte, Abbildung der folgenden Parteien könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der Landtagswahl 2024 in Thüringen zu wählen? Ausgewertet nach Alter, Angaben in Prozent LINKE   AFD   CDU   SPD   GRÜNE   FDP   Keine dieser Parteien   Weiß nicht 18– 29 10,2 30– 39 11,5 40– 49 14,0 50– 64 14,3 47,5 34,9 36,9 36,6 65+ 20,2 29,1 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,2 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 19,6 7,4 15,3 21,4 9,3 11,2 10,0 21,0 5,5 5,3 5,1 12,2 21,6 7,2 3,8 10,3 25,5 60 % 9,8 80 % 8,3 100 % Quelle: Civey 9 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Abbildung 3:  Welche Informationsquellen nutzen Sie, um sich über Politik in Thüringen zu informieren? Arbeit/Schule/Universität Persönliche Gespräche mit Freund_innen/Familie Soziale Medien 12,6 % Öffentliche Veranstaltungen 15,2 % Zeitungen Radio/Fernsehen Andere 17,5 % Gar keine 4,6 % Weiß nicht 1,6 % 0 % 10 % Mehrfachantwort möglich Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 30 % 38,2 % 45,8 % 49,2 % 59,8 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % Quelle: Civey ebenso wie die SPD, deren Wahl fast jede_r Zehnte (9,8 Prozent) der über 65-Jährigen in Betracht zieht. Die AFD, die in allen Altersgruppen die meisten Stimmen zählt, erzielt mit 29,1 Prozent der Stimmen in der Altersgruppe der über 65-Jährigen ihre geringste Zustimmung. Differenziert man die Wahlabsicht nach dem Geschlecht, dann fällt auf, dass Männer(40,2 Prozent) häufiger der AFD zugeneigt sind als Frauen(29,1 Prozent). Frauen würden dafür häufiger die CDU wählen(28,9 Prozent) als Männer(16,4 Prozent). Für die anderen Parteien sind Differenzen bei der Wahlabsicht zwischen den Geschlechtern weniger stark ausgeprägt. Differenziert nach der beruflichen Stellung zeigt sich, dass sich die Hälfte(52,9 Prozent) der Arbeiter_ innen vorstellen kann, bei der nächsten Landtagswahl die AFD zu wählen, während dies nur bei einem Viertel(25,5 Prozent) der Beamt_innen der Fall ist. Bei Letzteren erreichen die SPD mit 16,4 Prozent und die FDP mit 8,6 Prozent ihre höchsten Zustimmungswerte. Gefragt nach dem höchsten Schulabschluss erklärt mehr als die Hälfte(58,8 Prozent) der Befragten, die keinen oder einen Hauptschulabschluss haben, bei der nächsten Landtagswahl die AFD wählen zu wollen, während dies auf etwa ein Drittel (36,3 Prozent) derjenigen zutrifft, die die Mittlere Reife oder das Abitur(33,2 Prozent) haben. Umgekehrt verhält es sich bei den LINKEN, der SPD und auch bei den GRÜNEN, deren relativer Stimmanteil bei denjenigen mit Abitur am höchsten, bei denjenigen, die keinen oder einen Hauptschulabschluss haben, am geringsten ausfällt. Mit Blick auf die Informationsquellen, welche die Menschen in Thüringen nutzen, um sich über Politik in Thüringen zu informieren, zeigt sich, dass die klassischen Massenmedien wie Radio/Fernsehen (59,8 Prozent) und Zeitungen(49,2 Prozent) noch immer die häufigsten Informationsquellen sind. Von großer Bedeutung sind aber auch die sozialen Medien, die etwas weniger als die Hälfte(45,8 Prozent) 10 2 Wahlverhalten, politische Partizipation Abbildung Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen eine potenzielle Partei rund um das»Bündnis Sahra Wagenknecht« zu wählen? Ja, auf jeden Fall   Eher ja   Unentschieden   Eher nein   Nein, auf keinen Fall Ja Unentschieden Nein 10,7 % 27,1 % 62,2 % 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 1.11.2023–28.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % Quelle: Civey aller Befragten als Informationsquelle nutzen sowie Prozesse der interpersonalen Kommunikation, das heißt persönliche Gespräche mit Freund_innen, Familie und/oder Arbeitskolleg_innen(38,2 Prozent). Erwartungsgemäß und in Übereinstimmung mit den Daten anderer Erhebungen ist die Bedeutung klassischer Massenmedien in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen am geringsten, während soziale Medien als Informationsquelle am bedeutsamsten sind, um sich über Politik zu informieren. Mehr als ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen nutzt Zeitungen(38,9 Prozent) und Radio/Fernsehen(39,5 Prozent), aber mehr als jede_r Zweite(56,5 Prozent) soziale Medien. Mit steigendem Alter nimmt die Bedeutung sozialer Medien ab, während die der klassischen Massenmedien zunimmt. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen ist der Anteil derjenigen, die soziale Medien als Informationsquelle nutzen mit 35,4 Prozent am geringsten. In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen nutzt über die Hälfte(52,9 Prozent) soziale Medien als Informationsquelle, ohne dass damit zugleich ein Bedeutungsverlust klassischer Massenmedien verbunden wäre: Ebenfalls über die Hälfte(54,7 Prozent) der Befragten in dieser Altersgruppe nutzt Zeitungen, mehr als zwei Drittel nutzen(71,4 Prozent) Radio/Fernsehen als Informationsquelle – der höchste Wert im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen. Während die Befragung bereits lief, erklärte Sahra Wagenknecht ihren Austritt aus der Partei die LINKE und kündigte die Gründung ihrer eigenen Partei unter der vorläufigen Bezeichnung» Bündnis Sahra Wagenknecht – Für Vernunft und Gerechtigkeit« an. Erste Umfragen kamen zu dem Ergebnis, dass eine neu gegründete Partei um Sahra Wagenknecht, insbesondere in den neuen Bundesländern, ein relativ hohes Wähler_innenpotenzial von bis zu 27 Prozent mobilisieren könnte. Um diese Veränderungen in der Parteienlandschaft angemessen zu berücksichtigen, wurden einige Fragen zum»Bündnis Sahra Wagenknecht« nacherhoben. Damit können für Thüringen erstmals mögliche Mobilisierungspotenziale und Verschiebungen zwischen den Wähler_innen einzelner Parteien eingeschätzt werden. Nichtsdestotrotz muss darauf hingewiesen werden, dass die hier präsentierten Daten mit Unsicherheiten verbunden sind: Zum einen ist die Partei um Sahra Wagenknecht noch nicht abschließend konstituiert. Zum anderen fehlt bislang ein (Partei-)Programm, dessen Vorliegen Auswirkungen auf das Wähler_innenpotenzial haben könnte. 11 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Abbildung welchen dieser Bereiche könnte eine potenzielle Partei rund um das»Bündnis Sahra Wagenknecht« Ihrer Meinung nach Fortschritte in Thüringen erreichen? Migration/Zuwanderung/Asyl Klima- und Umweltschutz Wirtschaftliche Entwicklung/Konjunktur Bildungspolitik(Schulen, Hochschulen) Familienpolitik(Vereinbarkeit, Kitas) Sicherheit im öffentlichen Raum Verkehr/Nahverkehr/Anbindung Gesundheitsversorgung und Pflege Keinen der Genannten/weiß nicht 0 % Mehrfachantwort möglich Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 1.11.2023 – 28.11.2023 Mittelwerte Quartale 5,3 % 8,9 % 19,4 % 27,7 % 21,7 % 17,1 % 21,7 % 36,3 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50,4 % 50 % 60 % Quelle: Civey Abbildung Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen eine potenzielle Partei rund um das»Bündnis Sahra Wagenknecht« zu wählen? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Ja   Unentschieden   Nein CDU 16,9 11,9 SPD 10,9 14,9 GRÜNE 6,7 FDP 28,3 12,7 LINKE 30,3 11,8 AFD 25,1 9,0 Sonstige 56,7 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 1.11.2023–28.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 71,2 74,2 93,3 59,0 57,9 65,9 13,7 60 % 29,6 80 % 100 % Quelle: Civey 12 2 Wahlverhalten, politische Partizipation Schließlich fehlt es dem»Bündnis Sahra Wagenknecht« neben ihrer Gründerin bislang an sichtbaren Kandidat_innen, deren Vorstellung sich auf das Umfrageergebnis auswirken könnte. In der Nacherhebung geben etwas mehr als ein Viertel(27,1 Prozent) der Befragten an, dass sie sich grundsätzlich vorstellen können, eine Partei rund um das»Bündnis Sahra Wagenknecht« zu wählen, etwas weniger als zwei Drittel verneinen dies und etwa jede_r Zehnte(10,7 Prozent) ist diesbezüglich unentschieden. grundsätzlich vorstellen, auch das»Bündnis Sahra Wagenknecht« zu wählen. Bei den anderen derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Parteien ist das Wähler_innenpotenziel geringer. Nach aktuellem Erhebungsstand könnte das neue Wahlbündnis mit einer großen Mobilisierung bei der Gruppe der Sonstigen bzw. Nichtwähler_innen rechnen. Das»Bündnis Sahra Wagenknecht« hat bislang noch keine politischen Ziele oder besonderen Positionen mit Blick auf einzelne politische Themen formuliert. In der Nachbefragung wurde deshalb nach(politischen) Bereichen gefragt, in denen nach Meinung der Befragten das»Bündnis Sahra Wagenknecht« Fortschritte in Thüringen erreichen könnte. Etwas mehr als ein Drittel(36,3 Prozent) der Befragten traut demnach dem Bündnis zu, Fortschritte im Bereich Migration/Zuwanderung/Asyl zu erreichen, etwas mehr als ein Viertel(27,7 Prozent) im Bereich Bildungspolitik, etwa ein Fünftel in den Bereichen Familienpolitik(21,7 Prozent), Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Entwicklung(19,4 Prozent). Aber auch im Bereich Sicherheit im öffentlichen Raum trauen 17,1 Prozent dem Bündnis zu, Fortschritte zu erreichen. Nur wenige der Befragten trauen dem Bündnis zu, Fortschritte in den Bereichen Verkehr (8,9 Prozent) und Klima- und Umweltschutz(5,3 Prozent) zu erzielen. Etwa die Hälfte(50,4 Prozent) der Befragten traut dem Bündnis nicht zu, in einem der genannten Bereiche Fortschritte zu erreichen oder macht hierzu keine Angabe. Mit Blick auf die Wahlabsicht bei der nächsten Landtagswahl zeigt sich, dass etwas mehr als die Hälfte (56,7 Prozent) derjenigen, die eine der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Partei zu wählen beabsichtigen, sich vorstellen kann, das»Bündnis Sahra Wagenknecht« zu wählen. Etwas weniger als ein Drittel(30,3 Prozent) derjenigen, die bislang die LINKE wählen möchten, und etwas mehr als ein Viertel derjenigen, die bislang die FDP(28,3 Prozent) oder die AFD(25,1 Prozent) wählen wollen, können sich 13 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr sozialer Zusammenhalt und regionale Disparität Knapp zwei Drittel(65,9 Prozent) der in Thüringen Befragten geben an, mit ihrer derzeitigen Lebenssituation sehr oder eher zufrieden zu sein. Etwa ein Drittel(32,2 Prozent) der Befragten signalisiert Unzufriedenheit. Die insgesamt hohe Zufriedenheit der Befragten zeigt sich nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen; sie fällt mit 50,5 Prozent in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen am geringsten aus. Am größten ist die Zufriedenheit in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen. Hier sind fast drei Viertel(73,3 Prozent) der Befragten zufrieden mit ihrer derzeitigen Lebenssituation. Mit Blick auf die berufliche Stellung der Befragten lässt sich festhalten, dass die Lebenszufriedenheit mit der Höhe der beruflichen Stellung steigt. Bei den Arbeiter_innen ist sie mit knapp der Hälfte der Befragten(49,4 Prozent) am geringsten, bei den Beamt_innen mit 87,8 Prozent am höchsten. Es zeigt sich außerdem, dass die Zufriedenheit mit der derzeitigen Lebenssituation sich mit der Höhe des verfügbaren Haushaltseinkommens ändert: Am geringsten ist sie bei denjenigen, deren verfügbares Haushaltseinkommen unter 1.499 Euro liegt. In dieser Einkommensgruppe ist ein Drittel(33,4 Prozent) mit ihrer Abbildung zufrieden oder unzufrieden sind Sie alles in allem mit Ihrer derzeitigen Lebenssituation? Ausgewertet nach Alter, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht /keine Angabe 18– 29 50,5 30– 39 63,2 40– 49 73,3 50– 64 64,4 65+ 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 69,0 40 % 60 % 43,9 36,8 25,8 33,0 29,4 80 % 5,6 100 % Quelle: Civey 14 3 Lebenssituation, sozialer Zusammenhalt und regionale Disparität Abbildung zufrieden oder unzufrieden sind Sie alles in allem mit Ihrer derzeitigen Lebenssituation? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe CDU 78,2 SPD 77,4 GRÜNE 81,8 FDP 95,1 LINKE 65,6 AFD 53,7 Sonstige 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 61,9 40 % 43,7 60 % 20,2 22,6 18,2 32,6 35,8 80 % 100 % Quelle: Civey Lebenssituation zufrieden. Am größten ist die Lebenszufriedenheit bei denjenigen, deren Haushaltseinkommen über 4.500 Euro liegt. In dieser Einkommensgruppe geben acht von zehn(82,7 Prozent) Befragten an, mit ihrer Lebenssituation zufrieden zu sein. Differenziert man die Lebenszufriedenheit nach der Wahlabsicht bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen, dann zeigt sich, dass nur etwas mehr als die Hälfte(53,7 Prozent) derjenigen, die sich grundsätzlich vorstellen können, die AFD zu wählen, mit ihrer Lebenssituation zufrieden ist, aber neun von zehn (95,1 Prozent) Befragten, die sich grundsätzlich vorstellen können, die FDP zu wählen. Während jeweils über drei Viertel derjenigen, die sich grundsätzlich vorstellen können, die CDU(75,2 Prozent), die SPD (77,4 Prozent) oder die GRÜNEN(81,8 Prozent) zu wählen, zufrieden mit ihrer derzeitigen Lebenssituation sind, trifft dies auf zwei Drittel(65,6 Prozent) derjenigen zu, die sich vorstellen können die LINKE zu wählen. Neben der Lebenszufriedenheit wurde auch nach dem sozialen Zusammenhalt in Thüringen gefragt. Etwas mehr als ein Drittel(35,6 Prozent) der Befragten stimmt der Aussage eher oder eindeutig zu, dass die Menschen in Thüringen zusammenhalten, während etwas weniger als ein Drittel(29 Prozent) der Befragten dieser Aussage eher oder eindeutig nicht zustimmt. Am größten ist das Empfinden sozialen Zusammenhalts mit 41,3 Prozent in der Altersgruppe der über 65-Jährigen, während dieses in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen mit 18,8 Prozent am geringsten ist. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen lehnt mehr als jede_r Dritte(34,7 Prozent) die Aussage ab, dass die Menschen in Thüringen zusammenhalten, der höchste Wert mit Blick auf alle Altersgruppen. Blickt man auf die regionale Verteilung der Zustimmungs- bzw. Ablehnungswerte zeigt sich, dass insbesondere in Mittel- und Ostthüringen, von Gotha bis zum Altenburger Land, relativ geringe Zustimmungswerte und ein hoher Anteil an»Unentschiede15 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Abbildung stimmen Sie der Aussage zu:»In Thüringen halten die Menschen zusammen«? Stimme eindeutig zu   Stimme eher zu   Unentschieden   Stimme eher nicht zu Stimme eindeutig nicht zu Zustimmung Unentschieden Ablehnung 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4.4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 29,0 % 30 % 35,6 % 35,4 % 40 % 50 % Quelle: Civey Abbildung stimmen Sie der Aussage zu:»In Thüringen halten die Menschen zusammen«? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zustimmung   Unentschieden   Ablehnung CDU 39,6 SPD 41,7 GRÜNE 32,7 FDP 26,3 LINKE 20,8 AFD 45,7 Sonstige 28,1 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 14,2 36,1 40 % 44,0 40,8 36,3 64,7 59,5 30,2 60 % 19,6 22,0 43,1 24,1 27,9 80 % 100 % Quelle: Civey 16 3 Lebenssituation, sozialer Zusammenhalt und regionale Disparität nen« zu finden ist. Dies gilt insbesondere auch für die Städtekette Erfurt-Weimar-Jena, wo relativ zu anderen Städten und Landkreisen, ein geringeres Zusammenhaltsgefühl berichtet wurde. In den eher ländlichen Regionen wird ein stärkeres soziales Zusammenhaltsgefühl berichtet als in den städtischen und dicht besiedelten Regionen Thüringens. Differenziert man die Frage zum Zusammenhalt der Menschen in Thüringen nach der Wahlabsicht, zeigt sich, dass überdurchschnittliche Zustimmungswerte zu diesem bei der AFD(45,7 Prozent), der SPD (41,7 Prozent) und der CDU(39,6 Prozent) zu finden sind. Besonders gering ist die Zustimmung bei denjenigen, die sich vorstellen können, die GRÜNEN (2,3 Prozent) zu wählen, die zudem mit fast zwei Dritteln(64,7 Prozent) die Aussage ablehnen, dass die Menschen in Thüringen zusammenhalten. Gefragt nach regionalen Unterschieden stimmen fast drei Viertel(72,1 Prozent) der Befragten der Aussage eher oder eindeutig zu, dass sich die Lebensqualität in Thüringen regional stark unterscheidet, während 13,1 Prozent der Aussage eher oder eindeutig nicht zustimmen. 14,8 Prozent der Befragten sind hinsichtlich dieser Frage unentschieden. Regionale Unterschiede werden vor allem von denjenigen bejaht, die in Landkreisen leben, in den Städten fällt die Zustimmung zu dieser Aussage etwas geringer aus. Eine deutliche Mehrheit der Befragten lebt trotz Verbesserungsbedarfen gerne in Thüringen. Acht von Zehn Befragten(82,2 Prozent) stimmen der Aussage eher oder eindeutig zu. Nur wenige der Befragten (7,8 Prozent) lehnen diese Aussage eher oder eindeutig ab, jede_r zehnte Befragte(10 Prozent) ist diesbezüglich unentschieden. Differenziert nach dem derzeitigen Beschäftigungsstatus zeigt sich bezüglich dieser Aussage ein recht homogenes Bild der Zustimmung bzw. Ablehnung. Auffällig ist aber die geringe Zustimmung der Studierenden. Nur etwas mehr als die Hälfte(57,2 Prozent) stimmt der Aussage zu, gerne in Thüringen zu leben, der Anteil derjenigen, die diese Aussage ablehnen, ist in der Gruppe der Studierenden mit 13,7 Prozent am größten. Mit Blick auf die Wahlabsicht der Befragten zeigt sich, dass diejenigen, die sich grundsätzlich vorstellen können, die GRÜNEN zu wählen, der Aussage, trotz Verbesserungsbedarfen gerne in Thüringen zu leben, die geringste Zustimmung und zugleich die größte Ablehnung entgegenbringen, obgleich auch Abbildung stimmen Sie der Aussage zu:»Die Lebensqualität in Thüringen unterscheidet sich regional sehr stark«? Stimme eindeutig zu   Stimme eher zu   Unentschieden   Stimme eher nicht zu Stimme eindeutig nicht zu Zustimmung Unentschieden 14,8 % Ablehnung 13,1 % 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4.3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 72,1 % 70 % 80 % 90 % Quelle: Civey 17 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Abbildung stimmen Sie der Aussage zu:»Auch wenn in Thüringen manches verbessert werden kann, lebe ich gerne hier«? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zustimmung   Unentschieden   Ablehnung CDU SPD GRÜNE FDP LINKE AFD Sonstige 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 85,8 80,3 66,1 77,8 90,4 79,8 84,2 40 % 9,4 4,8 8,2 11,5 7,8 26,1 21,5 7,8 10,4 9,8 9,6 6,2 60 % 80 % 100 % Quelle: Civey hier der grundsätzliche Wert der Zustimmung hoch ist: Mehr als zwei Drittel(66,1 Prozent) derjenigen, die vorhaben, die GRÜNEN zu wählen, stimmen der Aussage zu, gerne in Thüringen zu leben. 18 4 Subjektive Problembereiche, Parteienkompetenz Problembereiche, Parteienkompetenz Die Wahlforschung zeigt, dass die subjektive Pro­ blemwahrnehmung Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung und auch die Wahlabsicht hat. Gefragt nach den derzeit größten Problemen, um die sich die Landespolitik in Thüringen stärker kümmern sollte, gibt über die Hälfte(57,2 Prozent) der Befragten an, dass Migration/Zuwanderung/Asyl das größte Problem sei, jede_r Dritte(35,6 Prozent) nennt die Bildungspolitik und jeweils etwa ein Viertel der Befragten die Sicherheit im öffentlichen Raum(24,1 Prozent), die Gesundheitsversorgung(22,7 Prozent) sowie die wirtschaftliche Entwicklung/Konjunktur (22,5 Prozent). Als deutlich unproblematisch werden die Themen Verkehr(12 Prozent), Klima- und Umweltschutz(7,4 Prozent) und Familie(5,2 Prozent) wahrgenommen. Mit Blick auf die Altersstruktur zeigt sich ein insgesamt eher homogenes Antwortverhalten, mit einer Ausnahme: In der Altersgruppe der 18- bis 29-JähriAbbildung welchen beiden Bereichen sehen Sie derzeit für sich persönlich die größten Probleme, um die sich die Landespolitik in Thüringen stärker kümmern sollte? Klima- und Umweltschutz Migration/Zuwanderung/Asyl Bildungspolitik(Schulen, Hochschulen) Wirtschaftliche Entwicklung/Konjunktur Familienpolitik(Vereinbarkeit, Kitas) Sicherheit im öffentlichen Raum Verkehr/Nahverkehr/Anbindung Gesundheitsversorgung und Pflege Weiß nicht/in einem anderen Bereich 0 % Mehrfachantwort möglich Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,5 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023 – 9.11.2023 Mittelwerte Quartale 7,4 % 22,5 % 5,2 % 24,1 % 12,0 % 22,7 % 1,2 % 10 % 20 % 30 % 35,6 % 40 % 50 % 57,2 % 60 % 70 % Quelle: Civey 19 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr gen ist der Anteil derjenigen, die für sich persönlich Migration/Zuwanderung/Asyl(64,2 Prozent) und die Sicherheit im öffentlichen Raum(29,8 Prozent) als besonders problematisch wahrnehmen, am größten. Anders als in anderen Altersgruppen wird aber auch das Thema Verkehr(34,5 Prozent) als problematisch wahrgenommen, das Thema wirtschaftliche Entwicklung/Konjunktur(15,4 Prozent) dagegen weniger. Mit dem Alter verschiebt sich die Problemwahrnehmung deutlich, das Thema Gesundheitsversorgung und Pflege wird wichtiger und fällt in der Altersgruppe der über 65-Jährigen(32 Prozent) am größten aus. Differenziert nach der Wahlabsicht zeigt sich, dass die einzelnen Politikfelder von den Befragten als sehr unterschiedlich problematisch wahrgenommen werden. Das grundsätzlich am häufigsten genannte Thema Migration/Zuwanderung/Asyl wird von fast 80 Prozent(79,9 Prozent) derjenigen, die die AFD wählen würden, als Problem wahrgenommen, von mehr als der Hälfte(59,5 Prozent) derjenigen, die die CDU präferieren, und ebenfalls von mehr als der Hälfte(58,5 Prozent) derjenigen, die sich nicht vorstellen können, einer der im Thüringer Landtag vertretenen Parteien ihre Stimme zu geben. Bei denjenigen, die sich vorstellen können, die LINKE(35 Prozent) oder die FDP(32,5 Prozent) zu wählen, sind es etwa ein Drittel der Befragten, die das Thema Migration/ Zuwanderung/Asyl als problematisch wahrnehmen, bei denjenigen, die zur SPD neigen, ist es etwa ein Viertel(25,4 Prozent), und bei denjenigen, die für die GRÜNEN votieren wollen, nicht einmal jede_r Zehnte (9 Prozent). Das Thema Bildungspolitik wird von über der Hälfte der potenziellen SPD-Wähler_innen(59,8 Prozent) Abbildung welchen beiden Bereichen sehen Sie derzeit für sich persönlich die größten Probleme, um die sich die Landespolitik in Thüringen stärker kümmern sollte? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Klima- und Umweltschutz (Schulen, Hochschulen) Wirtschaftliche Entwicklung/ Konjunktur Familienpolitik(Vereinbarkeit, Kitas) Sicherheit im öffentlichen Raum Verkehr/Nahverkehr/Anbindung Gesundheitsversorgung und Pflege Weiß nicht / in einem anderen Bereich CDU 59,5 44,6 22,5 25,5 9,2 19,2 SPD 15,0 25,4 59,8 8,3 18,7 23,8 34,3 GRÜNE 53,2 9,0 33,3 15,9 11,1 11,5 19,7 24,4 FDP 26,9 32,5 9,7 32,7 21,7 47,3 10,4 LINKE 15,4 35,0 30,0 19,1 19,3 29,3 34,1 AFD 79,9 26,1 26,8 29,8 16,9 Sonstige 58,5 0 % 20 % 40 % Mehrfachantwort möglich Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,5 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 60 % 49,1 80 % 100 % 21,1 120 % 6,6 15,8 140 % 160 % 29,2 180 % 200 % Quelle: Civey 20 4 Subjektive Problembereiche, Parteienkompetenz genannt, von etwas weniger als der Hälfte derjenigen, die die CDU(44,6 Prozent) wählen wollen, und von etwa einem Drittel derjenigen, die sich vorstellen können, die GRÜNEN(33,3 Prozent) oder die LINKE (30 Prozent) zu wählen. Nur etwa jede_r Zehnte, der oder die sich vorstellen kann, die FDP zu wählen, nimmt die Bildungspolitik als problematisch wahr. Auffällige Differenzen gibt es auch beim Thema Klima- und Umweltschutz. Als unproblematisch wird dieses von potenziellen AFD-(0,6 Prozent) oder CDU-Wähler_innen(0,8 Prozent) gesehen, als pro­ blematisch aber von mehr als der Hälfte derjenigen, die die GRÜNEN(53,2 Prozent) wählen würden, und von einem Viertel derjenigen, die sich vorstellen können, die FDP(26,9 Prozent) zu wählen. Bei potenziellen Wähler_innen der SPD(15 Prozent) und der ­LINKEN(15,4 Prozent) wird das Thema Klimaund Umweltschutz deutlich weniger häufig als problematisch wahrgenommen. 4.1 Parteienkompetenz allgemein Zusammen mit der subjektiven Problemwahrnehmung hängt auch die Einschätzung darüber, welcher Partei zugetraut wird, die wichtigsten Probleme zu lösen. Grundsätzlich ähnelt die Verteilung der Parteien, denen Lösungskompetenz für die größten Probleme zugeschrieben wird, der potenziellen Wahlabsicht (vgl. Kapitel 2). Allerdings geben 16,3 Prozent der Befragten an, keiner der im Thüringer Landtag vertretenen Parteien zuzutrauen, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen. Differenziert man die Frage nach der Partei, der am ehesten zugetraut wird, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen nach der Wahlabsicht, fällt ein starker Zusammenhang auf. Das bedeutet, dass sich in der individuellen Wahlabsicht die wahrgenommene Fähigkeit einer Partei zur Problemlösung spiegelt. Am stärksten ist dieser Zusammenhang bei denjenigen ausgeprägt, die die AFD wählen würden. Hier sind es Abbildung Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent LINKE   AFD   CDU   SPD   GRÜNE   FDP  Einer anderen Partei   Keiner Partei   Weiß nicht CDU 8,6 SPD 17,0 10,0 GRÜNE 19,4 FDP 9,9 11,5 LINKE AFD Sonstige 10,4 12,6 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 73,0 50,0 61,1 53,8 68,4 83,7 22,0 40 % 60 % 12,0 11,4 9,7 14,2 4,3 18,1 15,7 4,6 5,0 8,1 48,6 80 % 100 % Quelle: Civey 21 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr 83,7 Prozent der Befragten, die angeben, die Partei wählen zu wollen, und die ihr zutrauen, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen. Das Gleiche gilt in etwas geringerem Maß für die anderen Parteien: für die Hälfte(50 Prozent) der potenziellen SPDWähler_innen, für rund die Hälfte(53,8 Prozent) der FDP-Wähler_innen, für fast zwei Drittel(61,1 Prozent), die die GRÜNEN wählen würden, und für knapp drei Viertel(73 Prozent) der potenziellen CDU-Wähler_innen. Differenziert nach dem Alter zeigt sich, dass knapp die Hälfte(46,3 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen der AFD zutraut, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen, etwa jede_r Fünfte(19,1 Prozent) der Partei die LINKE. Beide Parteien erzielen in dieser Altersgruppe die höchste Zustimmung. In der Altersgruppe der 18bis 29-Jährigen haben die Befragten grundsätzlich Vertrauen darin, dass wenigstens eine der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Parteien in der Lage ist, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen. Der Anteil derjenigen, die dies keiner Partei zutrauen, steigt aber in den anderen Altersgruppen an und ist in der Altersgruppe der über 65-Jährigen am größten. Etwa jede_r Fünfte(21,2 Prozent) der über 65-Jährigen traut keiner der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Parteien zu, die wichtigsten Probleme zu lösen. Schaut man auf die derzeitige berufliche Stellung der Befragten, dann zeigt sich, dass es vor allem die Arbeiter_innen sind, die mehrheitlich(57 Prozent) der AFD zutrauen, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen, während dies für rund ein Drittel der(leitenden) Angestellten(33,1 Prozent, 31,2 Prozent) und 16,3 Prozent der Beamt_innen konstatiert werden kann. Letztere trauen vornehmlich der CDU(35,2 Prozent) zu, die wichtigsten Probleme lösen zu können. Anders als dies für andere Parteien festgestellt werden kann, zeigt sich für die Partei die LINKE ein relativ homogenes Bild: Über alle Berufsgruppen hinweg sehen die Befragten diese in der Lage, bestehende Probleme zu lösen. Bei den Arbeiter_innen ist dieser Anteil mit 17,7 Prozent am größten, bei den Angestellten(12 Prozent) und Beamt_innen(12,2 Prozent) am geringsten. Der SPD wird vor allem von den leitenden Angestellten(5,7 Prozent) und den Beamt_innen(9,6 Prozent) zugetraut, die wichtigsten Probleme im Land lösen zu können. Abbildung 16:  Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter, Angaben in Prozent LINKE   AFD   CDU   SPD   GRÜNE   FDP  Einer anderen Partei   Keiner Partei   Weiß nicht 18– 29 19,1 30– 39 9,5 40– 49 9,0 50– 64 13,9 40,3 29,0 35,6 46,3 16,7 11,6 8,4 14,6 18,5 6,2 7,2 11,4 5,9 6,1 6,8 12,5 13,0 5,7 19,7 4,1 19,2 65+ 15,7 26,8 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 24,2 6,4 21,2 60 % 80 % 100 % Quelle: Civey 22 4 Subjektive Problembereiche, Parteienkompetenz Abbildung elcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent LINKE   AFD   CDU   SPD   GRÜNE   FDP  Einer anderen Partei   Keiner Partei   Weiß nicht Arbeiter_innen 17,7 57,0 13,2 5,3 Angestellte 12,0 31,2 18,1 Leitende Angestellte 16,4 33,1 20,1 Beamt_innen 12,2 0 % 16,3 20 % 35,2 40 % 60 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 8,9 5,1 16,2 5,7 8,8 10,1 9,6 16,1 80 % 10,4 100 % Quelle: Civey nach ausgewählten Themen Für ausgewählte politische Themen lassen sich die Daten weiter differenzieren. Gefragt nach der Partei, der am ehesten zugetraut wird, die Problemlagen im Bereiche Innere Sicherheit/Katastrophenschutz zu lösen, nennen mehr als ein Drittel der Befragten die AFD(36,4 Prozent), etwas weniger als ein Viertel die CDU(23,6 Prozent), jede_r Zehnte die LINKE (9,7 Prozent) und 7,8 Prozent die SPD. Wenige trauen bei diesem Thema den GRÜNEN(1,7 Prozent) oder der FDP(1,6 Prozent) zu, die Probleme zu lösen. Mehr als jede_r Zehnte(13,3 Prozent) traut keiner der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Partei zu, die Pro­bleme im Bereich Innere Sicherheit/Katastrophenschutz zu lösen. Mit Blick auf die Altersstruktur zeigt sich, dass der AFD über alle Altersgruppen hinweg die größte Kompetenz zugesprochen wird, die Probleme im Bereich Innere Sicherheit/Katastrophenschutz zu lösen. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen(44,5 Prozent) ist dieser Anteil am größten, in der Gruppe der über 65-Jährigen(31,5 Prozent) am niedrigsten. Auch die CDU profitiert in allen befragten Altersgruppen von der ihr zugeschriebenen Problemlösungskompetenz(Zustimmungswerte jeweils zwischen 21,2 Prozent und 27 Prozent mit Ausnahme der Altersgruppe der 40bis 49-Jährigen bei einer etwas geringeren Zustimmung von 18,8 Prozent). Der SPD traut jede_r Zehnte (10 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen zu, die Probleme im Bereich Innere Sicherheit/Katastrophenschutz zu lösen, und 6,4 Prozent der 50- bis 64-Jährigen. Auffällig ist, das mit dem Alter der Anteil derjenigen größer wird, die keiner der im Thüringer Landtag vertretenen Parteien zutraut, die Probleme im Bereich Innere Sicherheit/Katastrophenschutz zu lösen. Im Bereich Bildungspolitik bleiben die Verhältnisse im Vergleich zum Thema Innere Sicherheit/Katastrophenschutz zwischen den Parteien konstant. Etwa jede_r vierte Befragte traut am ehesten der AFD (28,8 Prozent) zu, die wahrgenommenen Probleme im Bereich Bildung zu lösen, während dies etwa jede_r Fünfte der CDU(22,7 Prozent) und etwa jede_r 23 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Abbildung elcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Innere Sicherheit/Katastrophenschutz im Land zu lösen? LINKE 9,7% AFD CDU SPD 7,8 % GRÜNE 1,7 % FDP Einer anderen Partei Keiner Partei 1,6 % 2,2 % 13,3 % Weiß nicht 3,7 % 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 23,6 % 30 % 36,4 % 40 % 50 % Quelle: Civey Abbildung 19:  Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Innere Sicherheit/Katastrophenschutz im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter, Angaben in Prozent 18– 29 5,1 30– 39 9,8 40– 49 10,2 50– 64 11,4 LINKE   AFD   CDU   SPD   GRÜNE   FDP  Einer anderen Partei   Keiner Partei   Weiß nicht 44,5 26,2 10,0 7,1 7,1 34,7 24,4 7,5 8,4 10,5 36,7 18,8 7,1 7,5 8,1 8,3 39,6 21,2 6,4 15,6 65+ 9,3 31,5 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 27,0 60 % 8,8 16,3 80 % 4,9 100 % Quelle: Civey 24 4 Subjektive Problembereiche, Parteienkompetenz Abbildung elcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Bildung im Land zu lösen? LINKE AFD CDU SPD 7,0 % GRÜNE 2,6 % FDP Einer anderen Partei Keiner Partei 3,5% 2,9 % Weiß nicht 2,2 % 0 % 5 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,5 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 10 % 13,1% 22,7 % 28,8 % 17,2 % 15 % 20 % 25 % 30 % 35 % 40 % Quelle: Civey Abbildung 21:  Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Bildung im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter, Angaben in Prozent 18– 29 8,4 30– 39 7,6 40– 49 12,3 50– 64 13,7 LINKE   AFD   CDU   SPD   GRÜNE   FDP  Einer anderen Partei   Keiner Partei   Weiß nicht 50,2 15,2 7,3 7,3 9,7 33,0 28,7 6,2 7,5 11,5 26,8 20,5 7,4 4,2 4,1 20,4 30,5 21,0 7,5 19,3 65+ 16,4 20,3 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,5 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 25,0 8,1 60 % 20,3 80 % 4,6 100 % Quelle: Civey 25 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Zehnte den LINKEN zutraut. Eine Minderheit sieht die Problemlösungskompetenz im Bereich Bildung bei der SPD(7 Prozent), der FDP(3,5 Prozent) oder den GRÜNEN(2,6 Prozent). Ein relativ großer Anteil der Befragten(17,2 Prozent) traut keiner der im Thüringer Landtag vertretenen Parteien eine entsprechende Problemlösungskompetenz zu. Im Vergleich zum Thema Innere Sicherheit/Katastrophenschutz kann die AFD im Bereich Bildung nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen überzeugen. Zwar traut die Hälfte(50,2 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen Befragten das am ehesten der AFD zu, aber nur ein Fünftel(20,3 Prozent) der über 65-Jährigen. Danach ist es die CDU, der in allen Altersgruppen, mit Ausnahme der 18- bis 29-Jährigen, eine vergleichsweise große Problemlösungskompetenz zuge‑ schrieben wird, in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen ist es gut ein Viertel(28,7 Prozent) der Befragten, in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen (20,5 Prozent) und der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen jeweils etwa ein Fünftel(21 Prozent) und in der Gruppe der über 65-Jährigen ein Viertel(25 Prozent) der Befragten. Insbesondere in den Altersgruppen ab 40 Jahren wird auch der Partei die LINKE eine polit­ische Kompetenz zur Problemlösung im Bereich Bildung zugesprochen. Auffällig ist in den zuletzt genannten Altersgruppen aber der große Anteil derjenigen, die keiner der im Thüringer Landtag vertretenen Parteien zutrauen, die Probleme im Bereich Bildung zu lösen. Jede_r fünfte Befragte der 40- bis 49-Jährigen (20,4 Proz­ ent), der 50- bis 65-Jährigen(19,3 Prozent) und der über 65-Jährigen(20,3 Prozent) sieht in keiner der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Parteien die Kompetenz zur Lösung bildungspolitischer Themen und Probleme. Gefragt danach, welcher Partei in Thüringen am ehesten zugetraut wird, die Probleme im Bereich Soziales im Land zu lösen, nannten 30,4 Prozent der BefragAbbildung Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Soziales im Land zu lösen? LINKE AFD CDU SPD 5,8 % GRÜNE 1,2 % FDP Einer anderen Partei Keiner Partei 2,0% 4,2% Weiß nicht 1,9 % 0 % 5 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 10 % 19,4% 17,4 % 17,7 % 15 % 20 % 25 % 30,4 % 30 % 35 % 40 % Quelle: Civey 26 4 Subjektive Problembereiche, Parteienkompetenz Abbildung 23:  Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Soziales im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter, Angaben in Prozent LINKE   AFD   CDU   SPD   GRÜNE   FDP  Einer anderen Partei   Keiner Partei   Weiß nicht 18– 29 15,0 30– 39 20,1 40– 49 17,3 50– 64 17,6 53,3 29,7 28,2 33,0 8,8 7,4 9,8 5,7 14,6 10,5 20,2 14,0 7,8 7,7 20,5 17,6 4,4 4,0 19,2 65+ 23,1 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 22,7 40 % 22,4 60 % 7,3 17,4 80 % 4,2 100 % Quelle: Civey ten die AFD, ein Fünftel(19,4 Prozent) die LINKE und etwas weniger als ein Fünftel(17,4 Prozent) die CDU. Der SPD trauen 5,8 Prozent der Befragten zu, die Probleme im Bereich Soziales zu lösen, der FDP 2 Prozent und den GRÜNEN 1,2 Prozent. Die relativen Verhältnisse zwischen Parteien ähneln damit jenen der vo­ rangegangenen Politikbereiche mit der Ausnahme, dass der Anteil derjenigen, die den LINKEN eine Pro­ blemlösungskompetenz zuschreiben, im Bereich Soziales am größten ist. Befragten. Am zweithäufigsten wird in allen Altersgruppen der Partei die LINKE zugetraut, die Probleme im Bereich Soziales zu lösen. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen ist dieser Anteil mit 15 Prozent am geringsten, in der Altersgruppe der über 65-Jährigen am höchsten(23,1 Prozent). Knapp ein Fünftel(17,7 Prozent) der Befragten traut keiner der derzeit im Thüringer Landtag vertretenen Parteien zu, die wahrgenommenen Probleme im Bereich Soziales zu lösen. Mit Blick auf die Altersgruppen zeigt sich, dass über die Hälfte(53,3 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen der AFD zutraut, die Probleme im Bereich Soziales zu lösen. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen ist es etwa jede_r Fünfte(22,7 Prozent), in den Altersgruppen dazwischen etwa ein Viertel bis ein Fünftel der 27 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden mit der Politik der Landesregierung Ganz allgemein sind knapp zwei Drittel(64,9 Prozent) der befragten Thüringer_innen mit der Arbeit der derzeitigen Landesregierung, einer Koalition aus den Parteien die LINKE, SPD und den GRÜNEN, unzufrieden, mehr als ein Viertel(27,4 Prozent) ist mit der Arbeit zufrieden und ein kleiner Teil unentschieden(7,7 Prozent). Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich, dass in der Altersgruppe der über 65-Jährigen der Anteil derjenigen, die mit der Arbeit der Landesregierung unzufrieden sind, am geringsten ist(58,5 Prozent), in den anderen Altersgruppen sind es jeweils knapp zwei Drittel der Befragten. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen ist knapp ein Drittel(32,8 Prozent) der Befragten mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden, in der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen rund ein Viertel(23 Prozent) der Befragten. Besonders unzufrieden zeigen sich die Arbeiter_innen(76,1 Prozent), während knapp ein Viertel (22,8 Prozent) zufrieden mit der Arbeit der Landes­ regierung ist. Die größte Zufriedenheit besteht im Vergleich zu anderen Berufsgruppen bei den Angestellten(34,1 Prozent), 56 Prozent signalisieren Un­‑ zufriedenheit. Große Unterschiede zeigen sich mit Blick auf die Wahlabsicht bzw. nach Parteienpräferenz. DiejeniAbbildung uf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Arbeit der Landesregierung in Thüringen? 0 = Gar nicht zufrieden  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 = Sehr zufrieden Unzufrieden Neutral 7,7 % Zufrieden 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4.4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 27,4 % 30 % 40 % 50 % 64,9 % 60 % 70 % 80 % Quelle: Civey 28 5 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden Abbildung einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Arbeit der Landesregierung in Thüringen? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent Unzufrieden   Neutral   Zufrieden Arbeiter_innen Angestellte Leitende Angestellte Beamt_innen 76,1 56,0 9,9 71,4 68,3 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 60 % 22,8 34,1 26,1 27,5 80 % 100 % Quelle: Civey Abbildung uf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Arbeit der Landesregierung in Thüringen? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Unzufrieden   Neutral   Zufrieden CDU SPD 16,1 21,2 GRÜNE 12,4 10,7 FDP LINKE 5,4 8,8 AFD Sonstige 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 77,2 96,2 91,4 74,8 40 % 62,7 76,9 85,8 60 % 9,0 13,8 80 % 4,8 3,8 22,8 100 % Quelle: Civey 29 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr gen, die sich vorstellen können, eine der derzeit an der Landesregierung beteiligten Partei zu wählen, bewerten die Arbeit der Landesregierung auch überdurchschnittlich positiv. Mehr als vier Fünftel (85,8 Prozent) derjenigen die sich vorstellen können die LINKE zu wählen, drei Viertel(76,9 Prozent) derjenigen, die sich vorstellen können, die GRÜNEN zu wählen, und etwas weniger als zwei Drittel(62,7 Prozent) derjenigen, die sich vorstellen können, die SPD zu wählen, sind insgesamt mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden. Umgekehrt verhält es sich mit den derzeitigen Oppositionsparteien. Mehr als neun von zehn Befragten, die sich vorstellen können, die FDP(96,2 Prozent) oder die AFD(91,4 Prozent) zu wählen, sowie mehr als drei Viertel derjenigen, die sich vorstellen können, die CDU zu wählen, sind mit der Arbeit der Landesregierung unzufrieden. mit der Arbeit der Partei- und Fraktionsvorsitzenden Neben der Zufriedenheit mit der Landesregierung ist auch die Zufriedenheit der Befragten mit der Arbeit einzelner Politiker_innen der Landesregierung, Parteiund Fraktionsvorsitzenden von Interesse. Einer der bekanntesten Landespolitiker ist Bodo Ramelow, der seit 2020 erneut Ministerpräsident ist, nachdem er bereits in der vorangegangenen Legislaturperiode von 2014 bis 2020 zum Ministerpräsidenten gewählt worden war. Mit der Arbeit Ramelows sind etwas mehr als ein Drittel(35 Prozent) der Befragten eher oder sehr zufrieden, aber mehr als die Hälfte der Befragten(52 Prozent) gar nicht oder weniger zufrieden. Unzufrieden mit der Arbeit von Bodo Ramelow sind vor allem die Beamt_innen(67 Prozent) und Arbeiter_innen(62 Prozent). In beiden Berufsgruppen sind jeweils knapp zwei Drittel der Befragten mit der Arbeit des Ministerpräsidenten unzufrieden, während dies auf weniger als die Hälfte der leitenden Angestellten(43 Prozent) und Angestellten(39 Prozent) zutrifft. Die(leitenden) Angestellten sind die einzige Berufsgruppe, bei der die Zufriedenheit die Unzufriedenheit überwiegt. Wie schon bei der Frage zur allgemeinen Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung(vgl. KapiAbbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Ministerpräsident Bodo Ramelow? Sehr zufrieden   Eher zufrieden   Unentschieden   Weniger zufrieden   Gar nicht zufrieden Zufrieden Unentschieden 13 % Unzufrieden 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 5,6 % Stichprobengröße: 1.001 Befragungszeitraum: 11.08.2023–9.11.2023 Gerundete Ergebnisse• Mittelwerte Quartale 20 % 35 % 30 % 40 % 52 % 50 % 60 % 70 % Quelle: Civey 30 5 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden Abbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Ministerpräsident Bodo Ramelow? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent Zufrieden   Unentschieden   Unzufrieden Arbeiter_innen 17 Angestellte Leitende Angestellte Beamt_innen 16 21 42 47 17 62 19 10 67 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 5,6 % Stichprobengröße: 1.001 Befragungszeitraum: 11.8.2023–9.11.2023 Gerundete Ergebnisse• Mittelwerte Quartale 40 % 60 % 39 43 80 % 100 % Quelle: Civey Abbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Ministerpräsident Bodo Ramelow? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zufrieden   Unentschieden   Unzufrieden CDU 30 SPD 56 GRÜNE FDP 14 19 LINKE AFD 7 9 Sonstige 35 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 5,6 % Stichprobengröße: 1.001 Befragungszeitraum: 11.8.2023–9.11.2023 Gerundete Ergebnisse• Mittelwerte Quartale 12 88 94 27 40 % 58 39 67 84 60 % 38 80 % 5 48 33 100 % Quelle: Civey 31 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr tel 5.1) zeigen sich auch hier Differenzen hinsichtlich der Wahlabsicht. Diejenigen, die sich vorstellen können, eine der an der Regierung beteiligte Partei zu wählen, sind mit der Arbeit von Bodo Ramelow überdurchschnittlich zufrieden: Jeweils rund neun von zehn Befragten(94 Prozent), die sich vorstellen können, die LINKE oder die GRÜNEN(88 Prozent) zu wählen, sind mit der Arbeit von Bodo Ramelow zufrieden. Bei denjenigen, die die SPD präferieren, sind es etwas mehr als die Hälfte(56 Prozent). Umgekehrt ist es auch hier so, dass diejenigen, die sich vorstellen können, eine der Oppositionsparteien zu wählen, überdurchschnittlich unzufrieden mit der Arbeit von Bodo Ramelow sind. Acht von zehn (84 Prozent) Befragten, die die AFD wählen würden, etwa zwei Drittel derjenigen, die sich vorstellen können, die FDP zu wählen, und etwas mehr als die Hälfte derjenigen, die die CDU präferieren, sind mit der Arbeit des Ministerpräsidenten unzufrieden. Georg Maier ist seit 2017 Thüringer Minister für Inneres und Kommunales, seit 2020 Landesvorsitzender der SPD in Thüringen und seit 2021 stellvertretender Ministerpräsident. Ein Fünftel der Befragten(20,2 Prozent) ist mit der Arbeit von Georg Maier eher oder sehr zufrieden, etwas mehr als die Hälfte(57,1 Prozent) eher oder sehr unzufrieden. 22,7 Prozent der Befragten machten hierzu keine Angabe. Die größte Zufriedenheit mit der Arbeit Georg Maiers besteht in der Berufsgruppe der Beamt_innen, von denen etwas weniger als ein Drittel(29,8 Prozent) der Befragten angibt, eher oder sehr zufrieden zu sein. Knapp zwei Drittel der Beamt_innen geben an, mit der Arbeit Georg Maiers unzufrieden zu sein. Die geringste Zufriedenheit besteht mit der Arbeit Georg Maiers unter den Arbeiter_innen, von denen 14,3 Prozent angeben, eher oder sehr zufrieden zu sein, während 57,0 Prozent der Befragten eher oder sehr unzufrieden sind. Mit Blick auf die Wahlabsicht zeigt sich auch hier, dass diejenigen, die sich vorstellen können, eine der derzeit an der Regierung beteiligten Parteien zu wählen, mit der Arbeit Georg Maiers zufriedener sind als diejenigen, die sich eher vorstellen, eine der derzeitigen Oppositionsparteien zu wählen. Die höchste Zufriedenheit mit der Arbeit Georg Maiers besteht bei denjenigen, die bei der nächsten Landtagswahl die SPD wählen wollen. Drei Viertel(74,6 Prozent) dieser Befragten sind mit der Arbeit Georg Maiers eher oder sehr zufrieden. Anders als bei Bodo Ramelow ist die Zufriedenheit mit der Arbeit von Georg Maier bei Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thüringens Innenminister Georg Maier? Sehr zufrieden   Eher zufrieden   Eher unzufrieden   Sehr unzufrieden    Weiß nicht/keine Angabe Zufrieden Unzufrieden Weiß nicht/ keine Angabe 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20,2 % 20 % 22,7 % 30 % 40 % 50 % 57,1 % 60 % 70 % Quelle: Civey 32 5 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thüringens Innenminister Georg Maier? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe Arbeiter_innen Angestellte Leitende Angestellte Beamt_innen 14,3 17,2 21,3 29,8 57,0 51,4 60,7 63,9 28,7 31,4 18,0 6,3 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Civey Abbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thüringens Innenminister Georg Maier? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe CDU 14,8 SPD GRÜNE 40,9 FDP 4,4 LINKE 48,8 AFD Sonstige 13,4 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 61,3 74,6 19,1 83,8 82,6 43,2 40 % 26,2 60 % 23,9 7,9 17,5 40,0 11,8 25,0 14,7 43,4 80 % 100 % Quelle: Civey 33 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr denjenigen deutlich geringer, die angeben, eine der an der Koalition beteiligten Partei wählen zu wollen. Jeweils weniger als die Hälfte der potenziellen LINKE(48,8 Prozent) oder der GRÜNEN-Wähler_innen (40,9 Prozent) sind mit der Arbeit des Innenministers zufrieden. Umgekehrt bedeutet dies aber nicht, dass dort eine besonders große Unzufriedenheit bestehen würde: Hier ist der Anteil derjenigen, die keine Angabe machen, höher. Eine große Unzufriedenheit besteht bei denjenigen, die eine der aktuellen Oppositionsparteien wählen wollen: Acht von zehn Befragten, die die FDP (83,8 Pro­zent) oder die AFD(82,6 Prozent), und knapp zwei Drittel(61,3 Prozent) derjenigen, die sich vorstellen können, die CDU zu wählen, sind mit der Arbeit von Georg Maier eher oder sehr unzufrieden. frieden zu sein. Knapp jede_r Fünfte(19,1 Prozent) machte hierzu keine Angabe. Differenziert nach Berufsgruppen zeigt sich, dass die Arbeiter_innen die einzige Berufsgruppe ist, die mit der Arbeit von Höcke zufrieden ist: 44,6 Prozent geben an, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein, 43,7 Prozent mit dessen Arbeit unzufrieden zu sein. Etwa jede_r zehnte(11,7 Prozent) Arbeiter_in machte hierzu keine Angabe. In den anderen Berufsgruppen ist der Anteil derjenigen, die mit der Arbeit Björn Höckes zufrieden sind, deutlich geringer. Bei den Angestellten sind es etwa ein Viertel(24,3 Prozent), bei den leitenden Angestellten etwa ein Fünftel(20,7 Prozent). Am geringsten ist die Zufriedenheit bei den Beamt_innen, bei denen nur 15,1 Prozent der Befragten angeben, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein, während mehr als zwei Drittel der Befragten(67,9 Prozent) angeben, unzufrieden zu sein. Björn Höcke ist seit 2014 Vorsitzender der AFD-Fraktion im Thüringer Landtag und wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. In der vorliegenden Befragung gaben etwas mehr als ein Viertel(27,4 Prozent) der Befragten an, mit seiner Arbeit eher oder sehr zufrieden zu sein, mehr als die Hälfte der Befragten(53,5 Prozent) betonte jedoch, mit seiner Arbeit eher oder sehr unzuMit Blick auf die Wahlabsicht zeigt sich dann, dass vor allem diejenigen, die sich vorstellen können, bei der nächsten Landtagswahl die AFD zu wählen, mit der Arbeit Björn Höckes zufrieden sind. Mehr als zwei Drittel(67,7 Prozent) geben an, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein, etwas weniger als ein Fünftel (19,6 Prozent) ist mit dessen Arbeit unzufrieden. Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Björn Höcke im Thüringer Landtag? Sehr zufrieden   Eher zufrieden   Eher unzufrieden   Sehr unzufrieden    Weiß nicht/keine Angabe Zufrieden Unzufrieden Weiß nicht/ keine Angabe 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 27,4 % 19,1 % 20 % 30 % 40 % 53,5 % 50 % 60 % 70 % Quelle: Civey 34 5 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Björn Höcke im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe Arbeiter_innen Angestellte Leitende Angestellte Beamt_innen 24,3 20,7 15,1 44,6 55,5 55,8 68,9 43,7 11,7 20,2 23,5 16,0 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Civey Abbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Björn Höcke im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe CDU 6,2 SPD GRÜNE FDP 12,2 LINKE AFD Sonstige 7,2 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 61,5 88,7 75,4 74,8 67,7 68,1 40 % 82,9 60 % 32,3 8,8 24,1 13,0 15,5 19,6 12,7 24,7 80 % 100 % Quelle: Civey 35 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Astrid Rothe-Beinlich ist seit 2020 Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Thüringer Landtag. In der Befragung gaben 8,1 Prozent an, mit der Arbeit von ­Astrid Rothe-Beinlich eher oder sehr zufrieden zu sein, knapp die Hälfte(49,6 Prozent) ist mit ihrer Arbeit eher oder sehr unzufrieden. Mit 42,3 Prozent machte ein Großteil der Befragten hierzu keine Angabe. Betrachtet man die Zufriedenheit nach Berufsgruppen, besteht eher Unzufriedenheit mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich, die in keiner dieser Gruppen wirklich überzeugen kann. Besonders groß ist die Unzufriedenheit bei den Beamt_innen, bei denen vier Fünftel(80 Prozent) der Befragten angeben, eher oder sehr unzufrieden mit der Arbeit der GRÜNENFraktionsvorsitzenden zu sein. Auffällig ist der große Anteil der Arbeiter_innen und Angestellten, die bezüglich der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich keine Angabe machen können oder wollen. können, die GRÜNEN zu wählen, ist die Zufriedenheit mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich größer als die Unzufriedenheit: 17,9 Prozent sind mit ihrer Arbeit eher oder sehr zufrieden, etwa jede_r Zehnte (10,3 Prozent) eher oder sehr unzufrieden. Fast drei Viertel(71,8 Prozent) derjenigen, die sich vorstellen können, die GRÜNEN zu wählen, machen über die Arbeit der Fraktionsvorsitzenden keine Angabe. Besonders groß ist die Unzufriedenheit bei denjenigen, die sich vorstellen können, eine der Oppositionsparteien zu wählen. Differenziert nach der Wahlabsicht tritt letzterer Befund noch deutlicher hervor. Ein Großteil der Befragten macht zu der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich keine Angabe. Nur bei denjenigen, die sich vorstellen Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich im Thüringer Landtag? Sehr zufrieden   Eher zufrieden   Eher unzufrieden   Sehr unzufrieden    Weiß nicht/keine Angabe Zufrieden 8,1 % Unzufrieden Weiß nicht/ keine Angabe 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 20 % 30 % 49,6 % 40 % 42,3 % 50 % 60 % Quelle: Civey 36 5 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe Arbeiter_innen 4,4 Angestellte Leitende Angestellte Beamt_innen 10,8 12,9 8,0 38,2 36,9 51,5 80,0 57,4 52,3 35,6 12,0 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Civey Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe CDU 5,9 50,7 SPD 28,7 33,9 GRÜNE 17,9 10,3 FDP 50,3 LINKE 16,9 28,8 AFD 68,9 Sonstige 7,8 40,3 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 71,8 60 % 43,4 37,4 46,1 54,3 29,9 51,9 80 % 100 % Quelle: Civey 37 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Thomas Kemmerich ist seit 2019 erneut Mitglied des Thüringer Landtags und Vorsitzender der FDP im Thüringer Landtag, die nach dem Austritt von Fraktionsangehörigen seit 2021 keinen Fraktionsstatus mehr besitzt, sondern eine parlamentarische Gruppe ist. Mit der Arbeit von Thomas Kemmerich sind etwas weniger als ein Viertel(22,8 Prozent) der Befragten eher oder sehr zufrieden, mehr als die Hälfte(52,7 Prozent) eher oder sehr unzufrieden. Knapp ein Viertel der Befragten(24,5 Prozent) machte über die Arbeit Kemmerichs keine Angabe. 19 Prozent der befragten Arbeiter_innen sind mit der Arbeit Kemmerichs zufrieden, knapp die Hälfte (47,4 Prozent) ist unzufrieden, ein Drittel(33,6 Prozent) der Arbeiter_innen machte hierzu keine Angabe. In den Berufsgruppen der(leitenden) Angestellten ist es etwa ein Viertel der Befragten, die mit seiner Arbeit zufrieden sind, größer ist dieser Anteil mit 29,3 Prozent nur bei den Beamt_innen, von denen aber zugleich mehr als die Hälfte(59,2 Prozent) der Befragten angibt, mit dessen Arbeit unzufrieden zu sein. Zufriedenheit mit der Arbeit von Thomas Kemmerich besteht nur bei denjenigen, die sich auch vorstellen können, bei der nächsten Landtagswahl die FDP zu wählen. Hier geben mehr als acht von zehn(84 Prozent) Befragten an, mit der Arbeit von Thomas Kemmerich zufrieden, etwa jede_r Zehnte(12,2 Prozent) unzufrieden zu sein. Jede_r Dritte(37,3 Prozent), der oder die sich vorstellen kann, die CDU zu wählen, ist mit seiner Arbeit zufrieden, bei denjenigen, die sich vorstellen können die AFD zu wählen, ist es etwas mehr als jede_r Vierte(26,2 Prozent). Außer bei denjenigen, die sich vorstellen können, die FDP oder die CDU zu wählen, überwiegt der Anteil derjenigen deutlich, die mit der Arbeit von Kemmerich unzufrieden sind. Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thomas Kemmerich im Thüringer Landtag? Sehr zufrieden   Eher zufrieden   Eher unzufrieden   Sehr unzufrieden    Weiß nicht/keine Angabe Zufrieden Unzufrieden Weiß nicht/ keine Angabe 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 22,8 % 20 % 24,5 % 30 % 40 % 52,7 % 50 % 60 % 70 % Quelle: Civey 38 5 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden Abbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thomas Kemmerich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe Arbeiter_innen Angestellte Leitende Angestellte Beamt_innen 19,0 24,8 26,5 29,3 47,4 54,3 51,8 59,2 33,6 20,9 21,7 11,5 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Civey Abbildung ie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thomas Kemmerich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach Wahlabsicht, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe CDU 37,6 SPD 7,3 GRÜNE FDP LINKE AFD 26,2 Sonstige 15,0 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,3 % Stichprobengröße: 1.501 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 65,1 83,5 84,0 78,5 52,1 40 % 29,5 52,8 60 % 32,9 27,6 15,4 12,2 3,8 19,1 21,0 32,9 80 % 100 % Quelle: Civey 39 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Mario Voigt ist seit 2020 Vorsitzender der CDUFraktion im Thüringer Landtag und seit 2022 auch Landesvorsitzender der CDU Thüringen. Knapp ein Viertel der Befragten(24 Prozent) ist mit der Arbeit von Mario Voigt eher oder sehr zufrieden, mehr als die Hälfte(58,6 Prozent) der Befragten ist sehr oder eher unzufrieden, 17,4 Prozent machten hierzu keine Angabe. Die größte Zufriedenheit mit der Arbeit von Mario Voigt besteht bei den Beamt_innen, von denen 45,8 Prozent angeben, zufrieden mit seiner Arbeit zu sein. Größer ist aber auch hier der Anteil (46,8 Prozent) derjenigen, die unzufrieden mit dessen Arbeit sind. Bei den Arbeiter_innen(20,9 Prozent) und Angestellten(20,1 Prozent) sind es jeweils rund ein Fünftel der Befragten, die mit der Arbeit von Mario Voigt zufrieden sind, bei den leitenden Angestellten ist es etwas mehr als ein Viertel (27,5 Prozent) der Befragten. In den drei zuletzt genannten Berufsgruppen sind jedoch jeweils deutlich über die Hälfte der Befragten mit der Arbeit von Mario Voigt unzufrieden. Differenziert nach der Wahlabsicht zeigt sich, dass vor allem diejenigen mit der Arbeit Voigts zufrieden sind, die sich vorstellen können, bei der nächsten Landtagswahl die CDU zu wählen. Hier geben mehr als zwei Drittel(68,7 Prozent) der Befragten an, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein, aber nur 16,9 Prozent der potenziellen CDU-Wähler_innen sind mit dessen Arbeit unzufrieden. Bei den Wähler_innen anderer Parteien ist es bei der FDP etwa jede_r Fünfte(20,1 Prozent), bei der AFD(13,7 Prozent) und SPD(10,7 Prozent) etwa jede_r Zehnte, bei der LINKEN 7,9 Prozent und bei den GRÜNEN 5 Prozent, die mit der Arbeit von Mario Voigt zufrieden sind. Der deutlich größere Teil der Befragten, mit Ausnahme der FDP, das heißt jeweils mehr als die Hälfte, aber ist unzufrieden mit der Arbeit Voigts im Thüringer Landtag. Abbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von CDU-Fraktionschef Mario Voigt im Thüringer Landtag? Sehr zufrieden   Eher zufrieden   Eher unzufrieden   Sehr unzufrieden    Weiß nicht/keine Angabe Zufrieden Unzufrieden Weiß nicht/ keine Angabe 0 % 10 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4% Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 24,0 % 17,4 % 20 % 30 % 40 % 50 % 58,6 % 60 % 70 % Quelle: Civey 40 5 Zufriedenheit mit der Politik der Landesregierung sowie mit den Partei-/Fraktionsvorsitzenden Abbildung zufrieden sind Sie mit der Arbeit von CDU-Fraktionschef Mario Voigt im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung, Angaben in Prozent Zufrieden   Unzufrieden   Weiß nicht/keine Angabe Arbeiter_innen Angestellte Leitende Angestellte Beamt_innen 20,9 20,1 27,5 45,8 60,1 58,3 61,7 46,8 19,0 21,6 10,8 7,4 0 % 20 % Stat. Fehler Gesamtergebnis: 4,4 % Stichprobengröße: 1.500 Befragungszeitraum: 2.10.2023–9.11.2023 Mittelwerte Quartale 40 % 60 % 80 % 100 % Quelle: Civey 41 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Nachbetrachtung Thüringen nimmt seit der letzten Landtagswahl am 27.10.2019 eine Sonderstellung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland ein. Die Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen verfügen über keine eigene parlamentarische Mehrheit, sie sind bei der Verabschiedung von Gesetzen entweder auf die Enthaltung oder die Zustimmung der Opposition angewiesen. Nachdem angesichts dieser Situation sogar ein Kurzzeit-Ministerpräsident der FDP gewählt wurde und dieser nach bundesweiten Protesten keine 30 Tage im Amt blieb, wurde Bodo Ramelow als Ministerpräsident wiedergewählt. Die regierungstragenden Parteien stellten damals eine Auflösung des Landtags und zeitnahe Neuwahlen in Aussicht, die dann jedoch nicht kamen. In dieser stark angespannten parlamentarischen Si­ tuation wurde der Freistaat unter ausgesprochen schwierigen äußeren Bedingungen regiert(Coronakrise, der Krieg Russl­ands gegen die Ukraine, der Überfall der Hamas auf Israel sowie die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen), die einen massiven Einfluss auf die wirtschaftliche, soziale und politische Lage auch in Thüringen genommen haben. gration, Zuwanderung und Asyl«. Fast jede_r zweite Befragte(57,2 Prozent) teilt diese Einschätzung. Das steht in einem merkwürdigen Kontrast zu der Tatsache, dass in Thüringen der Anteil der ausländischen Mitbürger_innen nur 5,4 Prozent der Gesamtbevöl­ kerung ausmacht und lediglich 2,4 Prozent der in Deutschland gestellten Asylanträge auf den Freistaat entfallen(BAMF 2023: 8). An zweiter Stelle folgt das Thema»Bildung« als vordringlich zu bearbeitende Herausforderung. Angesichts von 9,5 Prozent aller Schüler_innen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen(in Deutschland insgesamt 6,9 Prozent), ist diese Einschätzung nachvollziehbar. Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft der nachwachsenden Generationen. Im Gegensatz zu dieser Problemeinschätzung finden sich Aussagen zur eigenen Lebenssituation und dazu, ob man gerne in Thüringen lebt: Zwei Drittel der Befragten(65,9 Prozent) sind mit der eigenen Lebenssituation eher oder sehr zufrieden und acht von zehn Thüringer_innen(82,2 Prozent) leben eher oder sehr gerne im Freistaat. Vor diesem Hintergrund wurden in der hier vorgelegten repräsentativen Untersuchung die Thüringer_innen befragt, wie zufrieden sie mit der bisherigen Arbeit der Landesregierung sind, die Lösung welcher Probleme sie für besonders dringend halten und welchen Politiker_ innen sie die größte Kompetenz dafür zutrauen. Der Problembereich, um den sich die Landesregierung zuvörderst kümmern sollte, ist das Thema»Mi­ Überraschend ist bei alldem der hier ermittelte hohe Anteil potenzieller Wähler_innen einer in Thüringen als sicher»rechtsextrem« eingestuften Partei. Nach der Definition des Bundesamtes für Verfassungsschutz bedeutet dies, dass diese Partei mit wesentlichen Inhalten»in einem fundamentalen Widerspruch zum Grundgesetz« steht. Je jünger die Befragten sind, je niedriger die formale Bildung und je geringer die Bevölkerungsdichte ist, desto höher sind die Zustim42 Nachbetrachtung mungswerte(vgl. auch Best et al. 2017: 26; Zick et al. 2023). Und doch ist damit nicht alles gesagt:»Es sind insbesondere gefühlte Krisenerfahrungen und damit verbundene Entsicherungen, die die Erfolgs- und Leistungsidentifizierten auch und gerade in der Mitte der Gesellschaft ins Autoritäre und Illiberale driften lassen.«(Zick et al. 2023: 256f.) Diese Verunsicherungen, gepaart mit dem Gefühl»der mangelnden politischen Selbstwirksamkeit«(Zick et al. 2023: 131), bil‑ den den Nährboden für demokratiegefährdende Einstellungen und entsprechendes Wahlverhalten (vgl. auch Reuschenbach 2024). Diese Befunde gelten nicht nur, wie die Mitte-Studien der Friedrich-EbertStiftung(z. B. Zick et al. 2019; Zick/Küpper 2021; Zick et al. 2023) zeigen, für die sogenannten neuen Bundesländer, allerdings sind die Werte hier deutlich höher als in den alten Bundesländern. Die hier vorgelegte Studie zeichnet also den allgemeinen Trend nach, allerdings fokussiert auf Thüringen mit seiner politischen Sonderstellung. Wohlgemerkt: Es geht um einen Trend und nicht um ein Naturgesetz. Politische Einstellungen und Haltungen sind veränderbar. Dazu gehört herausragend(politische) Bildung, Aufklärung über Sachzusammenhänge und nicht zuletzt politische Entscheidungen, die für die Menschen nachvollziehbar sind. Allem voran kommt es jedoch darauf an, Menschen Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen – vor Ort, konkret(vgl. Best 2023). 43 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Literaturverzeichnis BAMF(Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) 2023: Aktuelle Zahlen: Tabellen, Diagramme, Erläuterungen, Ausgabe: Dezember 2023, https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/AsylinZahlen/aktuelle-zahlen-dezember-2023.pdf?__blob=publicationFile&v=4(23.1.2024). Best, V.; Decker, F.; Fischer, S.; Küppers, A. 2023: Demokratievertrauen in Krisenzeiten: Wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?, Bonn, Friedrich-Ebert-Stiftung, https://library.fes.de/pdf-files/pbud/20287-20230505.pdf(23.1.2024). Best, H.; Salheiser, A.; Schmidtke, F.; Vogel, L.; Busch, R.; Miehlke, M. 2017: Topografie und regionale Kontext­ analyse des Rechtsextremismus in Thüringen(Projektbericht), Jena: KomRex – Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration der Friedrich-Schiller-Universität, https://www. komrex.uni-jena.de/komrexmedia/literatur/projektberichttopografie-dez2017.pdf(23.1.2024). Reuschenbach, J. 2024: Annähern oder Abgrenzen: Wie die Politik mit den Rechten umgehen sollte, in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, 71. Jg., H. 1/2, S. 6–11. Zick, A.; Küpper, B.(Hrsg.) 2021: Die geforderte Mitte: Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2020/2021, Bonn. Zick, A.; Küpper, B.; Berghan, W.(Hrsg.) 2019: Verlorene Mitte – Feindselige Zustände: Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/2019, Bonn. Zick, A.; Küpper, B.; Mokros, N.(Hrsg.) 2023: Die distanzierte Mitte: Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2022/2023, Bonn. 44 Literaturverzeichnis/Verzeichnis der Abbildungen Verzeichnis der Abbildungen Abbildung 1: der folgenden Parteien könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der Landtagswahl 2024 in Thüringen zu wählen?  Abbildung 2: der folgenden Parteien könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der Landtagswahl 2024 in Thüringen zu wählen? Ausgewertet nach Alter Abbildung 3: Informationsquellen nutzen Sie, um sich über Politik in Thüringen zu informieren?  Abbildung 4: Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen eine potenzielle Partei rund um das »Bündnis Sahra Wagenknecht« zu wählen?  Abbildung 5: welchen dieser Bereiche könnte eine potenzielle Partei rund um das»Bündnis Sahra Wagenknecht« Ihrer Meinung nach Fortschritte in Thüringen erreichen?  Abbildung 6: Könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen eine potenzielle Partei rund um das »Bündnis Sahra Wagenknecht« zu wählen? Ausgewertet nach Wahlabsicht Abbildung 7: zufrieden oder unzufrieden sind Sie alles in allem mit Ihrer derzeitigen Lebenssituation? Ausgewertet nach Alter Abbildung 8: zufrieden oder unzufrieden sind Sie alles in allem mit Ihrer derzeitigen Lebenssituation? Ausgewertet nach Wahlabsicht Abbildung 9: Inwiefern stimmen Sie der Aussage zu: »In Thüringen halten die Menschen zusammen«? Abbildung 10: Inwiefern stimmen Sie der Aussage zu: »In Thüringen halten die Menschen zusammen«? Ausgewertet nach Wahlabsicht Abbildung 11: Inwiefern stimmen Sie der Aussage zu: »Die Lebensqualität in Thüringen unterscheidet sich regional sehr stark«? 8 Abbildung 12: Inwiefern stimmen Sie der Aussage zu: »Auch wenn in Thüringen manches verbessert werden kann, lebe ich gerne hier«? Ausgewertet nach Wahlabsicht 18 9 Abbildung 13: In welchen beiden Bereichen sehen Sie derzeit für sich persönlich die größten Probleme, um die sich die Landespolitik in Thüringen stärker kümmern sollte?  19 10 Abbildung 14: In welchen beiden Bereichen sehen Sie derzeit für sich persönlich die größten Probleme, um die sich die Landespolitik in Thüringen stärker kümmern sollte? Ausgewertet nach Wahlabsicht  20 11 Abbildung 15: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen? Ausgewertet nach Wahlabsicht  21 12 Abbildung 16: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter  22 12 Abbildung 17: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  23 14 Abbildung 18: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Innere Sicherheit /  Katastrophenschutz im Land zu lösen?  24 15 Abbildung 19: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Innere Sicherheit /  Katastrophenschutz im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter  24 16 Abbildung 20: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Bildung im Land zu lösen?  25 16 Abbildung 21: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Bildung im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter  25 17 Abbildung 22: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Soziales im Land zu lösen?  26 45 Wie tickt Thüringen•  Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Abbildung 23: Welcher Partei in Thüringen trauen Sie am ehesten zu, die Probleme im Bereich Soziales im Land zu lösen? Ausgewertet nach Alter  27 Abbildung 34: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Björn Höcke im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  35 Abbildung 24: Auf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Arbeit der Landesregierung in Thüringen?  28 Abbildung 35: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Björn Höcke im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach Wahlabsicht  35 Abbildung 25: Auf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Arbeit der Landesregierung in Thüringen? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  Abbildung 26: Auf einer Skala von 0 bis 10, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Arbeit der Landesregierung in Thüringen? Ausgewertet nach Wahlabsicht  Abbildung 27: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Ministerpräsident Bodo Ramelow?  Abbildung 28: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Ministerpräsident Bodo Ramelow? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  Abbildung 29: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Ministerpräsident Bodo Ramelow? Ausgewertet nach Wahlabsicht  Abbildung 30: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thüringens Innenminister Georg Maier?  Abbildung 31: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thüringens Innenminister Georg Maier? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  Abbildung 32: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thüringens Innenminister Georg Maier? Ausgewertet nach Wahlabsicht  Abbildung 36: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich im Thüringer Landtag?  29 Abbildung 37: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  29 Abbildung 38: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Astrid Rothe-Beinlich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach Wahlabsicht  30 Abbildung 39: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thomas Kemmerich im Thüringer Landtag?  31 Abbildung 40: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thomas Kemmerich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  31 Abbildung 41: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Thomas Kemmerich im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach Wahlabsicht  32 Abbildung 42: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von CDUFraktionschef Mario Voigt im Thüringer Landtag?  33 Abbildung 43: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von CDUFraktionschef Mario Voigt im Thüringer Landtag? Ausgewertet nach beruflicher Stellung  36 37 37 38 39 39 40 41 33 Abbildung 33: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Björn Höcke im Thüringer Landtag?  34 46 Impressum ISBN: © 2024 978-3-98628-356-8 Herausgeberin: Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro Thüringen Nonnengasse 11 99084 Erfurt E-Mail: info.erfurt@fes.de Web: www.fes.de/thueringen Verantwortlich: Mirko Hempel, Leiter des FES-Landesbüros Thüringen Autoren: Hatto Frydryszek, Prof. Dr. Roland Merten, Jena Lektorat: Sönke Hallmann, Berlin Layout/Satz/Bildbearbeitung:© Heike Wächter, Berlin Foto:© Pele61/shutterstock.com Diagramme:© Civey GmbH Druck: Brandt, Bonn, Inhalt gedruckt auf 100 % Recyclingpapier, zertifiziert mit dem Blauen Engel Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Printed in Germany, 2024 Thüringen steht im Jahr 2024 vor wichtigen politischen Weichenstellungen – Kommunal-, Landtags- und Europawahlen werden die derzeitigen politischen Konstellationen im Freistaat voraussichtlich spürbar verändern. Die vorliegende Studie ist auf Grundlage einer repräsentativen Erhebung der Frage nachgegangen, wie die Menschen in Thüringen ihre Lebenssitua‑ tion einschätzen und wem sie zutrauen, die von ihnen wahrgenommenen Probleme in den kommenden Jahren lösen zu können. Prognosen über künftige politische Mehrheiten sind derzeit schwierig, weil die politische Landschaft insgesamt in Bewegung geraten ist. Eine im Befragungszeitraum angekündigte Parteigründung konnte in der Untersuchung noch mit berücksichtigt werden. Die Ergebnisse der Befragung sind überraschend: Auch wenn die große Mehrheit der Thüringer_innen sehr gern im Freistaat lebt, den sozialen Zusammenhalt betont und insofern eine große Zufriedenheit besteht, zeichnen sich ver­änderte Mehrheitsverhältnisse ab. Denn nur noch eine Minderheit traut der aktuellen politischen Konstellation die Lösung der als drängend beschriebenen Probleme zu. Wie die Ergebnisse letztlich aussehen werden, bleibt bis zum Wahlabend abzuwarten. ISBN: 978-3-98628-356-8