Jürgen Schmidt Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert FES diskurs April 2024 Die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 gegründet und ist die traditionsreichste politische Stiftung Deutschlands. Dem Vermächtnis ihres Namensgebers ist sie bis heute verpflichtet und setzt sich für die Grundwerte der Sozialen Demokratie ein: Freiheit, ­Gerechtigkeit und Solidarität. Ideell ist sie der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften verbunden. Die FES fördert die Soziale Demokratie vor allem durch: – politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft; – Politikberatung; – internationale Zusammenarbeit mit Auslandsbüros in über 100 Ländern; – Begabtenförderung; – das kollektive Gedächtnis der Sozialen Demokratie mit u. a. Archiv und Bibliothek. Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung Die Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung versteht sich als Zukunftsradar und Ideenschmiede der Sozialen Demokratie. Sie verknüpft Analyse und Diskussion. Die Abteilung bringt Expertise aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik zusammen. Ihr Ziel ist es, politische und gewerkschaftliche Entscheidungsträger:innen zu aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu beraten und progressive Impulse in die gesellschaftspolitische Debatte einzubringen. FES diskurs FES diskurse sind umfangreiche Analysen zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Auf Grundlage von empirischen Erkenntnissen sprechen sie wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für die Politik aus. Über den Autor Dr. Jürgen Schmidt studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg, Innsbruck und Berlin(Freie Universität). Er arbeitete unter anderem an der Ruhr-Universität Bochum, im Stadtmuseum Berlin, am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und an der Humboldt-Universität zu Berlin(re:work: Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive). Er ist Fellow am Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit(IGZA) sowie seit Juli 2021 Leiter des Museums Karl-Marx-Haus in Trier. Für diese Publikation ist in der FES verantwortlich Jan Niklas Engels, Referent für Empirische Sozial- und Trendforschung, Abteilung Analyse, Planung und Beratung, Friedrich-Ebert-Stiftung Jürgen Schmidt Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert 2 1 EinLeitung 3 2 Konstruktion eines inklusiven wie exklusiven „Arbeiter“-Begriffs im 19. Jahrhundert 7 3 Vielfältige Identitäten – Konkurrenz für eine einheitliche Arbeiterklasse 9 4 Klassenbildungsmodelle 11 5 Eine Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert? 13 Literaturverzeichnis Friedrich-Ebert-Stiftung 1 1 Einleitung Arbeit und damit Arbeiter:innen gab es schon immer. Doch mit der Feststellung dieser anthropologischen Konstante ist noch nichts gewonnen. Schon der Begriff der Arbeit oszilliert zwischen Last und Lust, zwischen Qual und Erfüllung, zwischen Ausbeutung und Selbstverwirklichung(vgl. Kocka 2005; Schmidt/Kocka 2010). Hinzu kommt die Frage: Was zählt man zur Arbeit? In der neueren Forschung zeichnet sich ein immer breiteres Verständnis von Arbeit ab. Die Einengung auf Erwerbs- und Lohnarbeit ist überholt. Reproduktive Arbeit und ehrenamtliches Engagement beispielsweise sind in einen breiten Arbeitsbegriff eingeschlossen – ganz zu schweigen von Wortschöpfungen wie„Beziehungsarbeit“ oder„Freizeitstress“, die Charakteristika der Arbeit auf viele weitere menschliche Aktivitäten ausdehnen. Ist also der Begriff der Arbeit vielfältig und schwierig abzugrenzen, so gilt das nicht weniger für den Begriff der Arbeiter:innen. Wie konnte unter solchen(begrifflichen) Voraussetzungen eine Gemeinsamkeit, gar eine gemeinsame Identität oder Klassenzugehörigkeit entstehen? Einerseits war die Bezeichnung als Arbeiter/Arbeiterin etwas Unspezifisches, Übergreifendes und daher eigentlich geeignet für die Zuordnung zu einer Gruppe. Doch andererseits – und dies wog über lange Zeiträume(bis weit in das 19. Jahrhundert) schwerer – übten Arbeiter:innen unkonkrete, weniger geachtete, wechselnde Tätigkeiten aus. Was ein Fischer, eine Schneiderin, eine Bäckerin, ein Schuhmacher, ein Koch taten, war relativ klar umrissen, oft in handwerkliche, berufsgenossenschaftliche Traditionen eingebunden. Der jeweilige Beruf, die zugeschriebene Tätigkeit garantierten einen festen Bezugspunkt und in vielen Fällen – freilich keineswegs durchgehend im Berufsleben und Lebenslauf – eine berechenbare materielle Grundlage. Wer unter dem unspezifischen Begriff„Arbeiter/Arbeiterin“ fiel, konnte dagegen heute hier, morgen dort arbeiten, war vom ausgehandelten Tageslohn abhängig, hatte Arbeitskolleg:innen, die genauso unsicher und befristet beschäftigt waren wie er oder sie selbst. Zur Identitätsbildung eignete sich der Begriff„Arbeiter/Arbeiterin“ demnach zunächst nicht. Es bedurfte also einer Umdeutung und Aufwertung des Begriffs„Arbeiter/Arbeiterin“, um ihn als Bezugspunkt für gemeinschaftsbildende Prozesse nutzbar machen zu können. Geht man von dieser Prämisse aus, gerät der Zeitraum ab dem späten 18. Jahrhundert in den Blick. Mit der beginnenden Industrialisierung, zunächst in England, dann auf dem europäischen Kontinent, nahmen, erstens, lohnabhängige Beschäftigungsverhältnisse zu, ständische Traditionen in der Arbeitswelt schliffen sich ab. Gerade weitverbreitete Berufe wie Tischler, Schneider oder Schuhmacher gerieten mit ihren handwerklichen Berufsvorstellungen unter Veränderungsdruck. Hoffnungen auf eine„traditionelle“ Karriere vom Lehrling über den Gesellen zum Meister zerschlugen sich oder führten in eine prekäre Selbstständigkeit. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts war daher der Übergang in lohnabhängige Arbeit immer wahrscheinlicher. Zum Zweiten gerät diese Phase in den Blick, weil der Begriff„Arbeiter/Arbeiterin“ eine Aufwertung erfuhr(dazu im folgenden Abschnitt mehr) und die Arbeiterschaft zu einem historisch eigenständigen, die Geschichte prägenden Subjekt erhoben wurde. Diesen Schritt unternahm zunächst Karl Marx, allerdings verbunden mit einer Betonung der Arbeiterklasse als Proletariat. Doch es war vor allem die entstehende sozialistische und sozialdemokratische Bewegung seit der Revolution von 1848/49, die den Begriff des Arbeiters zum Referenzpunkt erhob.  2 Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert 2 Konstruktion eines inklusiven wie exklusiven„Arbeiter“Begriffs im 19. Jahrhundert Dass sich im 19. Jahrhundert mit Blick auf die Arbeiterschaft und ihr Handeln etwas änderte, zeigt auch die Neuschöpfung des Begriffs„Streik“(von englisch strike). Zwar gab es Arbeitsniederlegungen schon in den altägyptischen und altchinesischen Großreichen, der Antike, dem europäischen Mittelalter und der frühen Neuzeit. Doch die Kontexte waren anders als im 19. Jahrhundert. Es handelte sich um Arbeitseinstellungen von Arbeiterheeren etwa bei chinesischen Großbauprojekten(Kanäle und Wehranlagen) oder um Sklavenaufstände in der Antike, in denen es um Leib und Leben ging. In den Handwerkerbewegungen seit dem europäischen Mittelalter stritt man zwar auch um bessere Bezahlung, oft aber um handwerkliche Ehre oder die Bewahrung handwerklicher Traditionen und Riten. Daher ist es kein Zufall, dass sich der Neologismus „Streik“ erst im 19. Jahrhundert zunächst in England ausbildete und dann in den 1870er Jahren zunehmend auch in Deutschland verwendet wurde. 1 Der neue Begriff des Streiks verdeutlicht die veränderte Wahrnehmung von Arbeiterhandeln im 19. Jahrhundert und ist ein wichtiges Indiz einer neuen Perspektive auf die Arbeiterschaft, die sowohl den Aspekt der Vereinheitlichung als auch den der Anerkennung in sich trug. Erst diese Aufwertung und Generalisierung des„Arbeiter“Begriffs schufen die Voraussetzung für eine übergreifende Identifikation. Denn so erst war es möglich, dass Handwerker, die sich vorher selbstbewusst entsprechend ihren Tätigkeiten bezeichneten, bereit waren, sich – auch – als Arbeiter zu verstehen. Daher war es gewissermaßen auch eine sprachliche Meisterleistung, einen allgemeingültigen „Arbeiter“-Begriff zu konstruieren. Vier Prozesse wirkten hierauf ursächlich ein. 2 Erstens führte die zunehmend in Lohnarbeit verrichtete Arbeit zu Angleichungstendenzen zwischen verschiedenen handarbeitenden Gruppen. Schneider sahen sich immer noch als Schneider, Schuhmacher als Schuhmacher, aber auch zunehmend als Arbeiter. Zum Zweiten schuf die soziale Frage mit ihrer Zuspitzung in der Armutskrise in den 1840er Jahren, dem sogenannten Pauperismus, neue Abgrenzungen nach unten. Das Arbeiterdasein erschien gegenüber dem Dasein von Erwerbslosen und Umherziehenden als ein privilegierter Status. Drittens erhielt der„Arbeiter“Begriff durch das Marx’sche und sozialistische Verständ1 Vgl. Frankreich: Dort setzte sich der Neologismus grève(für„Streik“) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch. 2 Die folgenden Abschnitte beruhen vor allem auf Schmidt(2018: 32 ff.). nis des die Weltläufe bestimmenden Akteurs eine visionäre Komponente. Zum Vierten schließlich erweiterte die Diskussion über den„Arbeiter“-Begriff dessen Bedeutungsrahmen. Er ließ sich je nach Motivation und politischem Bedürfnis instrumentalisieren und unterschiedlich konstruieren. Insgesamt verlor der Begriff„Arbeiter“ im Laufe des 19. Jahrhunderts seine pejorative Bedeutung. Nur unter solchen Veränderungen war es möglich, dass die von Stephan Born und seinen Mitstreitern aufgebaute Organisation in der Revolution von 1848 sich Arbeiter verbrüderung und eben nicht Handwerker verbrüderung nannte. Die organisatorischen Neugründungen der 1860er Jahre – Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein(ADAV), Vereinstag Deutscher Arbeitervereine(VDAV), Sozialdemokratische Arbeiterpartei(SDAP) – trugen, wenngleich oft heftig diskutiert, die Selbstbezeichnung„Arbeiter“ in ihren Namen. Mit der Aufwertung des„Arbeiter“-Begriffs ging jedoch keine einheitliche, dauerhaft gültige Definition einher. Die Begriffsbildung blieb unscharf. In manchen Artikeln und Reden finden sich„Arbeiter“ und„Geselle“ in synonymer Verwendung. Häufig wurde der Begriff„Arbeiter“ in Kontrast zu dem der Bourgeoisie gesetzt, die „die Arbeiter[ausbeutet] und den Volksschweiß in Güter für ihren Eigennutz[…] verwandel[t]“. Dabei seien es „die Arbeiter, von denen Alles abhängt“, wie es in einer Versammlung des Kölner Arbeitervereins im November 1848 hieß(FBA 1848a/1980: 12). Außerdem erkannten aufmerksame Beobachter in den späten 1860er Jahren den engen Zusammenhang zwischen Lohnarbeit und Arbeiter:innen.„Man versteht darunter [unter dem Begriff ,Arbeiter‘; J. S.] eine Person, welche ihren Arbeitsertrag gegen Lohn einem Anderen(dem Unternehmer oder Kapitalisten) überläßt. Es wäre daher offenbar richtiger, statt schlechthin ‚Arbeiter‘ in diesem Sinne stets ‚Lohnarbeiter‘ zu sagen[…]“, hieß es in der Deutschen Arbeiterhalle, dem Organ des VDAV(DAH 1868). Angesichts der Unschärfe des Begriffs griff Ferdinand Lassalles Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein in seinem Gründungsstatut von 1863 zu einem Notbehelf und legte fest:„Über die Frage, ob jemand ein Arbeiter im Sinne des Vereins sei, entscheidet der Vorstand“(CAZ 1863/1980: 3). Letztlich schloss die Konstruktion des„Arbeiter“-Begriffs zwei eigentlich gegensätzliche Strategien ein: Auf der einen Seite sollte der Begriff bis hin zu einem Universalitätsprinzip ausgedehnt werden, auf der anderen Seite konnte er auch als Ausgrenzungsinstrument genutzt werden. Friedrich-Ebert-Stiftung 3 Die erste Strategie der Erweiterung des„Arbeiter“-Begriffs hatte zahlreiche Facetten: Erstens wurde der umfassende„Arbeiter“-Begriff benutzt, um sowohl abhängig beschäftigte Gesellen als auch selbstständige Kleinmeister zu integrieren. In einem Artikel„Das Recht auf Arbeit“ hieß es bereits 1849 in der Zeitung Verbrüderung:„Wir verstehen unter Arbeitern nicht blos den Gehilfen, Gesellen oder Fabrikanten, sondern zählen auch die Meister zu denselben“(DV 1849b: 387). 3 In den späten 1860er Jahren zogen allerdings einzelne Gewerkschaften und Arbeitervereine in ihren Statuten klare Grenzen: Nur jene Meister, die nicht mehr als vier Gesellen beschäftigten, konnten den Arbeitervereinigungen beitreten(Welskopp 2000: 75 f.). Zweitens bot ein umfassender„Arbeiter“-Begriff die Möglichkeit, Intellektuelle an sich zu binden. Hand- und Kopfarbeit waren zwei Seiten einer Medaille:„Unter Arbeiter verstehen wir jeden, der von seiner eigenen Arbeit und nicht von der Ausbeutung anderer Arbeiter lebt, jeden, der durch seine persönliche Thätigkeit dem Ganzen, entweder der Gemeinde oder dem Volksganzen nützt, mag er als Fabrikarbeiter, als Handwerker den Bedürfnissen der Menschheit genügen und den Wohlstand der Nation schaffen, oder durch die Arbeit des Kopfes seinen Beitrag zur Befreiung, Bildung und Veredlung des Volkes liefern“ (AAZ 1848). Drittens operierte Ferdinand Lassalle mit einem umfassenden, offenen, generalisierenden„Arbeiter“-Begriff: „ Arbeiter sind wir alle, insofern wir nur eben den Willen haben, uns in irgendeiner Weise der menschlichen Gesellschaft nützlich zu machen“, argumentierte er in seinem Arbeiter-Programm von 1862(Lassalle 1862/1893: 38; Hervorhebung im Original). Diese Überhöhung und Aufwertung des„Arbeiter“-Begriffs setzten sich in den 1870er Jahren fort, etwa als Wilhelm Liebknecht 1875 auf dem Vereinigungsparteitag von ADAV und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei(SDAP) argumentierte, dass das „Wort Arbeiter[…] durchaus keinen exclusiven Charakter“ habe, da„Arbeit[…] Bethätigung des Menschenthums“ bedeute(Protocoll 1875/1976: 35 f.) Die Arbeiterbewegung erstrebte, viertens, ihrerseits mit der Ausweitung des„Arbeiter“-Begriffs Respekt für ihre Leistungen im Produktionsprozess und stand dabei durchaus in der Tradition protestantischer Hochschätzung von Leistung und Arbeit. 4 Zusätzlich gewann die Arbeiterbewegung politischen Handlungsspielraum, da sie mit einem umfassenden„Arbeiter“-Begriff sich gegen Vorwürfe, lediglich die Interessen der handarbeitenden Lohnarbeiter zu vertreten, zur Wehr setzen konnte. Ihr Engagement galt der Gesellschaft, der Menschheit allgemein. Mit diesem Argument gelang es der Arbeiterbewegung darüber hinaus, den„Arbeiter“-Begriff als Bürgerbegriff zu positionieren. Als tätiges, engagiertes Mitglied der Gesell3 „Fabrikant“ meint in diesem Zusammenhang den in der Fabrik tätigen Menschen, nicht den Unternehmer. 4 Siehe ironisch-kritisch Walter Benjamin, wonach im Arbeitsbegriff des Gothaer Programms von 1875„[d]ie alte protestantische Werkmoral in säkularisierter Gestalt bei den deutschen Arbeitern ihre Auferstehung[feierte]“(Benjamin 1977: 256). schaft hatte der Arbeiter ein Recht auf politische Teilhabe als Bürger im Sinne des citoyen:„Das Ziel der Arbeiterbewegung von heute muß[…] die Entwicklung und Geltung des Werkmannes als Menschen, als Bürger und als Arbeiter sein“, hieß es in der vom Arbeiterfortbildungsverein in Coburg herausgegebenen Arbeiter-Zeitung im Februar 1863(CAZ 1863/1977: 37). Damit hatte die frühe Arbeiterbewegung eine flexible Handhabe gegen enge dogmatische Festlegungen, wie sie etwa im Kommunistischen Manifest zu finden waren. Dort war mit den Proletariern(gedacht als„Klasse der modernen Arbeiter, die nur so lange leben, als sie Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt“[Marx/Engels 1848/1959: 468]) und der Bourgeoisie eine statische Gegenüberstellung getroffen worden. 5 Denn ein umfassend verstandener„Arbeiter“-Begriff bot die Option, sich für eine möglichst breite Mitgliederbasis zu öffnen. Diese Ausdehnungsbemühungen trafen aber auf Hindernisse, denn die zweite Strategie setzte ja gerade auf Grenzen. Selbst errichtete Abgrenzungen auf der eigenen Seite und Unverständnis auf der anderen Seite verdichteten sich dabei zu schwer zu überwindenden Barrieren. Zahlreiche Begriffe, Werte und Umgangsformen der Arbeiterbewegung stammten aus der Welt des männlich dominierten Handwerks. Frauen, Landarbeitern und unqualifizierten Arbeitern blieben daher diese Räume fremd und verschlossen, obwohl sie körperliche Lohnarbeit verrichteten (siehe auch Hachtmann 1997: 487–491). An den Rand der Arbeiterschaft oder sogar außerhalb wurden die sogenannten Lumpenproletarier, der Pöbel, gestellt:„Die Gesellschaft ist faul oben und unten“, urteilte Stephan Born 1848. Im„Wesen des Pöbels“ liege es,„daß er auf Kosten Anderer leben, daß er nicht arbeiten will, und diese Eigenschaften finden wir bei dem Abschaum aller Klassen wieder“(DV 1848b: 81 f.; Das Volk 1848: 57 f.). Genauso sahen Mitglieder des Kölner Arbeitervereins die Lage. In ihrer Zeitung Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit grenzten sie sich ab gegen die„Drohnen im Bienenstock, die den Honig nur verzehren, den wir bereiten, aber keinen neuen schaffen: die Lumpenbourgeoisie und das Lumpenproletariat“(FBA 1848b/1980). Gegen diese Gruppen wurde der positiv besetzte„Arbeiter“-Begriff in Stellung gebracht. Den Ausschluss der„Lumpenproletarier“ nahm die frühe Arbeiterbewegung ganz bewusst vor. Denn in einer Phase, in der es ihr an Ressourcen mangelte, um eine breite Basis zu mobilisieren, und in einer Umgebung, in der ihr Respektabilität abgesprochen wurde, musste sie sich erst ihrer Werte und Normen selbst versichern, um diese dann auch nach außen tragen zu können. Aus diesem Blickwinkel war es unvorstellbar, jene Arbeiter in die eigenen Reihen aufzunehmen, die ein Dasein von Augenblick zu Augenblick fristeten, über eine Ökonomie der Notdürftigkeit nicht hinauskamen und für sich keine Zukunftsperspektiven über den nächsten Tag, die nächsten Wochen hinaus sahen. 5 Es war aus Sicht von Marx allerdings diese Gegenüberstellung, die zu Klassenkämpfen führen und so die Geschichte voranbringen würde. 4 Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert Um als Gesprächspartner oder ernsthafter Konkurrent überhaupt wahrgenommen zu werden, konstruierte die frühe Arbeiterbewegung einen„Arbeiter“-Begriff, der Formen eines positiv besetzten Arbeitsethos, der Leistungsbereitschaft und des eigenverantwortlichen Handelns einschloss. Erst der Bezug auf dieses Verständnis von Arbeit und der Bezug auf diesen Wertekanon sicherten eine respektierte und wirkungsvolle Gruppenzugehörigkeit als Arbeiter. Im Zigarrenarbeiterverein Harburgs meinte ein Referent im Oktober 1867:„Eben durch unser sittliches Betragen müssen wir uns nach jeder Richtung hin Achtung zu erringen suchen: ist uns das gelungen, so ist schon Vieles gewonnen“(DB 1867: 65). Erst wenn diese Selbstsicherheit gewonnen war, bestand für die Arbeiterbewegung die Möglichkeit, über Bildungsbemühungen, aber insbesondere durch Interessenvertretung neue Arbeitergruppen für ihr„Projekt“ zu gewinnen. Es galt hier, zahlreiche Missverständnisse und Blockaden zu überwinden, und es dauerte, bis sich solche Inklusionsmechanismen entfalteten. 6 Die bis ins 20. Jahrhundert ausbleibende Integration großer Teile der ländlichen Arbeiter sowie der zwischen Stadt und Heimatdorf saisonal mobilen ländlichen Arbeiter zeigt diese beschränkte Integrationsleistung(siehe mit weiterer Literatur Flemming 1986: 414). Die Strategie der Abgrenzung nutzten sozialdemokratische und sozialistische Aktivisten und Vordenker nicht nur, um sich nach unten abzugrenzen. Die Konstruktion des Feindes und Gegners von oben stärkte effektiv die Binnenhomogenisierung. Bereits der„Arbeiter“-Begriff der Arbeiterverbrüderung um 1848 gab sich betont antikapitalistisch: Die„kleinen Meister“ litten wie alle Arbeiter„unter einem und demselben Drucke“, nämlich der „Ausdehnung der Macht der Capitalisten“(DV 1848a: 10). Diese Abgrenzung symbolisierte – wie der Historiker Thomas Welskopp betont hat – den Schulterschluss der Gesellen mit den Meistern gegen den Kapitalbesitzer auf Grundlage der Idee einer„alle Berufe verbindende[n] Ehre qualifizierter Produzenten“(Welskopp 2000: 69). Seit den 1860er Jahren rückte generell die Idee der Identitätsfindung in den Vordergrund: Man suchte seine Identität in Abgrenzung zum bourgeoisen Großkapitalisten. Ferdinand Lassalles tollkühne Berechnung aus dem Jahr 1863, wonach 96,25 Prozent der Bevölkerung in„gedrückter, dürftiger Lage“ lebten, bringt geradezu sinnbildlich die Doppelstrategie der Arbeiterbewegung zum Ausdruck. Einerseits konstruierte sie eine geradezu überwältigende Einheit, die über alle internen Differenzierungen hinwegsah. Auf der anderen Seite sah sie sich einem zwar mit 3,75 Prozent zahlenmäßig kleinen, aber wirkmächtigen Gegner aus Kapitalisten und Ausbeutern gegenüber (Lassalle 1863/1893: 437). Entsprechend betrachteten die Metallarbeiter Nürnbergs 1869 in einem Aufruf das „Großkapital“ als den Feind des„arbeitenden Volke[s]“ (zit. n. Welskopp 2000: 73). 6 Siehe allgemein zu Inklusionstendenzen der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert Lieske(2003: 121, 123 f.) und Tenfelde(2000: 85). Zusammengefasst heißt dies: Die Konstruktion des „Arbeiter“-Begriffs diente der Identifikation und Identitätsbildung innerhalb der jungen Arbeiterbewegung. Klassenspezifisches Profil gewann der„Arbeiter“-Begriff dadurch, dass er das Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnis zwischen den abhängig Beschäftigten und dem Großkapital, der Bourgeoisie, als Mechanismus für die Integration nach innen nutzte. Die an der Diskussion Beteiligten reflektierten dabei Erfahrungen der Ausweitung der Lohnarbeit; insofern hatte der Begriff eine„klassenbildende“ Funktion. Gleichzeitig ließen die Akteure bei der Begriffsdiskussion Idealvorstellungen eines handwerklichselbstständigen Produzentenmilieus einfließen, das erhalten werden sollte. Aus dieser komplexen Situation leitete sich die Widersprüchlichkeit des„Arbeiter“-Begriffs ab. Im Vergleich zur Zeit um 1830 hatten Gesellen um 1870 weniger Schwierigkeiten, sich der„Metakategorie“ des Arbeiters – statt der des Handwerkers – zuzuordnen, wenngleich sie darauf beharrten, weiterhin Schreiner, Schuhmacher oder Schneider zu sein, wie die berufsbezogenen Gewerkschaftsgründungen der 1860er Jahre zeigen. 7 Mit der Akzeptanz und Anerkennung des„Arbeiter“-Begriffs signalisierten die Beteiligten einen deutlichen Bruch mit zünftigen Begrifflichkeiten. 8 Es war mit der Entwicklung des„Arbeiter“-Begriffs zu einer positiv besetzten Bezeichnung allerdings noch kein endgültiger Wechsel zum Leitbild des Lohnarbeiters vollzogen. Vielmehr blieben in der frühen Arbeiterbewegung die Arbeiter-Gesellen dominant und nahmen bereitwillig selbstständige(Klein-)Meister auf. Welchen Beruf und welchen handwerklichen Status man auch hatte, das Schreckbild stellte die Fabrik als möglicher Arbeitsort dar und der Fabrikbesitzer und Kapitalist war der Feind. Wie gezeigt, schloss die Aufwertung des„Arbeiter“Begriffs auch den Versuch ein, Kopf- und Handarbeiter als gemeinsam Ausgebeutete darzustellen. In der Praxis der Arbeiterbewegung fanden daher neben Gesellen-Arbeitern und kleinen Handwerksmeistern einige wenige, wenngleich einflussreiche bürgerliche Intellektuelle ihren Platz(vgl. Offermann 2002: 222–232; Welskopp 2000: 98– 137). Schließlich meinte der Begriff des Arbeiters nicht nur den Arbeiter-Handwerker, sondern umschloss auf der politisch-partizipativen Bedeutungsebene den ArbeiterBürger, der – wie vorhin beschrieben – als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft seine Rechte als citoyen einforderte. Weshalb setzte sich dieser gleichzeitig umfassende wie ausgrenzende„Arbeiter“-Begriff durch – und nicht das scheinbar mobilisierende„Proletarier aller Länder, vereinigt euch“? Weil in diesem„Arbeiter“-Begriff anders als im Begriff des Proletariers – einmal mehr – die Traditionsverbundenheit der Arbeiterbewegung mit der Welt des Handwerks zum Ausdruck kam. Denn mit dem Arbeits7 Zur„enge[n] Verzahnung von Berufsbewußtsein und Gewerkschaftsbildung“ sowohl 1848 als auch in den 1860er Jahren siehe auch Langewiesche/Schönhoven(1981: 28). 8 Parallel hierzu setzte sich beim„Handwerker“-Begriff mehr und mehr der selbstständige Meister als Bezugsgröße durch(Kocka 1983: 136). Friedrich-Ebert-Stiftung 5 und„Arbeiter“-Begriff blieb die oben beschriebene Fähigkeit zum Anschluss an Werte der Selbstständigkeit und Autonomie, an Formen handwerklicher Produktion gewahrt. Der Proletarierbegriff im Kommunistischen Manifest konstatierte aber genau das Gegenteil:„Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit allen selbständigen Charakter und damit allen Reiz für die Arbeiter verloren“(Marx/Engels 1848/1959: 468). Hinzu kam das bereits im Kommunistischen Manifest prognostizierte Absterben des Mittelstands. Gerade mit dieser Zukunftsvision wollte sich aber die Basis der frühen Arbeiterbewegung nicht abgeben. Sämtliche mit dem„Arbeiter“-Begriff konstruierten positiven Assoziationen der Teilhabe und Partizipation fehlten dem Begriff des Proletariers, ja die Arbeiter verbanden mit ihm Knechtung und Unfreiheit. Von der Mehrheit so negativ aufgenommen, blieb er unbeliebt, tauchte am ehesten noch im Zusammenhang mit der Wahrnehmung auf, sich als Arbeiter aus dem Heer des Proletariats herauszuarbeiten. Nur in Situationen, in denen die Arbeiterbewegung vermehrt ausgegrenzt und isoliert wurde und Bündnispartner verlor, tauchte der Begriff als ideologische Waffe auf. Nach der Niederlage der Revolution 1849 in Baden hieß es in der Zeitung Verbrüderung: „Aber die Rache wird nicht ausbleiben. Das ist der einzige Gewinn unserer verunglückten Revolution, daß das eigentliche Volk, das Proletariat, seine gefährlichsten Feinde erkannt hat. Die nächste Revolution wird ein Vernichtungskampf zwischen dem vierten Stande und der verworfenen Kaste der Geldsäcke sein“(DV 1849a: 325; Hervorhebung im Original). Erst allmählich breitete sich ab den 1870er Jahren der Begriff„Proletarier“ aus. Thomas Welskopp fasste dies als Verbalradikalisierung infolge von Ausgrenzungsbedingungen und des Verlusts bürgerlicher Bündnispartner auf (Welskopp 2000: 611 ff.). Aber der vorherrschende begriffliche Bezug blieb in den ersten drei Vierteln des 19. Jahrhunderts der Arbeiter; und auch in der Zeit danach diente der„Proletarier“ eher als Kampfbegriff mit Symbolkraft denn als Selbstzuschreibung. Eine wichtige Anregung bleibt daher die Beobachtung von Jürgen Kocka:„Nicht als Männer- oder Frauenbewegung, nicht als Volk, nicht als Konsumentenvereinigung oder als Unterhaltungsbewegung hat sich das konstituiert, was wir hier untersuchen, sondern eben als Arbeiter klasse und Arbeiter bewegung“ (Kocka 1990: 524; Hervorhebung im Original).  6 Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert 3 Vielfältige Identitäten – Konkurrenz für eine einheitliche Arbeiterklasse Trotz der beeindruckenden sprachlichen Bemühungen, einen umfassenden, handlungsleitenden„Arbeiter“-Begriff zu schaffen, und trotz des erfolgreichen Organisationsaufbaus einer politischen Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert war die Zugehörigkeit zur Gruppe der Arbei-ter:innen nur ein Identifikationsangebot. Was in jüngerer Zeit als„multiple Identitäten“ diskutiert wird, 9 prägte im 19. Jahrhundert nicht weniger die Arbeiter:innen. 10 Grundlegend war zunächst die Trennung nach Geschlechtern. Auf die Ausgrenzung der Frauen aus der frühen Arbeiterbewegung – bedingt sowohl durch gesetzliche Vorgaben als auch durch die konkret gelebte männliche Vereinspraxis – wurde bereits hingewiesen. Doch kamen weitere Elemente hinzu. Zunächst wirkten die harten ökonomischen Fakten. Frauen verdienten weniger als Männer, sie wurden oft an anderen Arbeitsplätzen eingesetzt und verrichteten andere Arbeiten als Männer. Sie verdrängten aber auch Männer aus angestammten Berufszweigen, etwa in der Buchbinderei. Männer empfanden Frauen daher als Konkurrentinnen und Lohndrückerinnen. Hinzu kamen unterschiedliche Rollenbilder. Das Modell des männlichen Alleinverdieners, der für das finanzielle Auskommen der gesamten Familie sorgt, wurde zum Ideal auch unter Arbeitern. Frauen sollten sich um den Haushalt und die Kinder kümmern. Daher stellte Arbeit für Frauen einen anderen Bezugs- und Identifikationspunkt als für Männer dar. Die Arbeiterschaft war folglich immer eine nach Geschlechtern segregierte Arbeiterschaft – und Arbeiterinnen konnten bei ihren Bestrebungen, sich eigenständig zu organisieren, nicht immer auf die Unterstützung ihrer Kollegen zählen(Canning 1996; Hausen 2012). Zum Zweiten kamen regionale(und damit verbunden sprachliche oder dialektale) sowie ethnische Unterschiede und Orientierungen zum Tragen. Zwar gab es seit 1871 einen deutschen Nationalstaat, aber keine deutsche Staatsangehörigkeit(bis 1913/1934). Man gehörte also beispielsweise dem bayerischen, sächsischen oder preußischen Königreich, dem Großherzogtum Baden oder einem der zahlreichen thüringischen Herzogtümer an. Ein:e Arbeiter:in war immer auch Deutsche:r und Staatsangehörige:r eines der Gliedstaaten des deutschen Kaiserreichs und hatte so verschiedene Identifikationspunkte. Bereits im 19. Jahrhundert entstanden durch Zuwanderung darüber 9 Siehe zum Beispiel Zeitschrift für Politikwissenschaft 28(2018), S. 203– 232: Schwerpunkt„Multiple Identitäten in modernen Gesellschaften“. 10 Siehe zum Folgenden zuerst Schmidt(2015: 21 ff.). hinaus ethnische Zugehörigkeiten. Die Zuwanderung polnischer Bergarbeiter – genauer gesagt polnischsprachiger Einwohner Ostpreußens – in das Ruhrgebiet(„Ruhrpolen“) schuf Identitätsmöglichkeiten, die sowohl auf die soziale Stelle als Arbeiter als auch auf die ethnische Herkunft Bezug nehmen konnten(Kleßmann 1978; Stefanski 1984). Drittens bestanden neben dem Selbstverständnis als Arbeiter:in konfessionelle Bindungen fort. Zwar waren in der Sozialdemokratie und in großstädtischen Arbeitermilieus Tendenzen zu einer Säkularisierung zu erkennen. Doch galt dies keineswegs für die Arbeiterschaft insgesamt. Religiosität als Bezugspunkt innerhalb der Arbeiterschaft schuf Differenzierungen zwischen Arbeiter:innen der beiden christlichen Konfessionen sowie zwischen kirchlich und nicht kirchlich geprägten und gebundenen Arbeiter:innen. Als„Quelle individueller Lebensorientierung“ und„Kristallisationspunkt für Gemeinschaftsbildungen“ konnte die Religion(und ihre dazugehörenden organisatorischen Strukturen) Arbeiter:innen Halt bieten (Osterhammel 2009: 1239), sie unterstützen, ihnen Räume für ihre Interessenvertretung öffnen, aber sie auch in einem unpolitischen, vorgesellschaftlichen Raum des Transzendenten belassen. Schließlich blieben viertens materiell-soziale Unterschiede in der Arbeiterschaft bestehen. Auf die Aus- und Abgrenzung von„Lumpenproletariern“ in der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts wurde bereits hingewiesen. Aber neben der Gemeinsamkeit als lohnabhängig Beschäftigte lassen sich deutliche Lohnunterschiede zwischen Ungelernten und Facharbeiter:innen feststellen. Im Bergbau waren die Stundenlöhne der gelernten Arbeiter vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs doppelt so hoch wie die von ungelernten Arbeitskräften(Ritter/Tenfelde 1992: 488). In Unternehmen wurden solche Unterschiede auch genutzt, um eine Belegschaft auseinanderzudividieren. Weitere Identitätsausprägungen kamen hinzu. Generationell gab es deutliche Unterschiede zwischen Arbeiter:innen: Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Geborenen mussten sich mit dem Wandel in der Industrialisierung arrangieren. Für die in den 1870er Jahren Geborenen war Fabrik- und Industriearbeit eine übliche Option, die vielleicht nicht beliebt war, aber im Idealfall bessere Bezahlung bot als Arbeit im Handwerk. Im Lebenslauf gab es deutliche Unterschiede zwischen Arbeiter:innen. Insbesondere bei Männern zeichnete sich eine Hochverdienstphase zwischen dem 20. und circa dem 45. Lebensjahr ab. Danach ging der Lohn meist deutlich zurück. Friedrich-Ebert-Stiftung 7 Bei einer noch rudimentären Alterssicherung waren die Einkommensunterschiede zwischen den Alterskohorten deutlich ausgeprägt. Daher bedeutete Arbeiter zu sein je nach Lebensabschnitt, je nach Alterskohorte etwas Unterschiedliches. In diesem Fall wurde die unterschiedliche Erfahrung zwischen Jung und Alt in gewisser Weise abgeschwächt, da jede Alterskohorte im Alter ähnliche Einkommensverluste verkraften musste. Die Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land unterschieden sich markant und in vielen Facetten – von den Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten, den sozialen Kontakten bis hin zu den Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren. Verbunden mit dem Stadt-Land-Gegensatz war auch ein Unterschied zwischen Haus-/Parzellenbesitzern auf dem Land und der Arbeiterschaft als Mieter:innen ohne Eigentum in den Städten. Die Beispiele zeigen, dass einer Arbeiterklasse der lohnabhängig Beschäftigten, der Nicht-Produktionsmittelbesitzenden stets weitere Bezugspunkte und Identitäten zur Verfügung standen.  8 Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert 4 Klassenbildungsmodelle Trotz der im vorangegangenen Abschnitt beschriebenen zahlreichen unterschiedlichen Identifikationsangebote und Identitätskerne ist immer wieder der Versuch unternommen worden, eine Arbeiterklasse zu beschreiben, die ihre internen Differenzierungen überwand und als einheitliches historisches Subjekt agierte. 11 Im Zeitalter der Industrialisierung und unter den Sozialtheoretikern und Frühsozialisten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts wurden Begriffe wie die der„handarbeitenden“ oder„arbeitenden Klassen“ häufig gebraucht und traten in Konkurrenz zu Bezeichnungen wie der des„Arbeiterstands“. In der Regel benutzten die Autoren jener Zeit den Begriff„Klasse“ allerdings noch im Plural. Wirkungsmächtig wurde dann vor allem die marxistische Begriffsbildung. Sie zeichnete sich dadurch aus, dass sie die Ursachen der Klassenbildung in der Ungleichverteilung der Produktionsmittel sowie der damit verbundenen Ausbeutung der Lohnarbeiter verortete: Auf der einen Seite stand„die Bourgeoisie, d. h. das Kapital“, auf der anderen Seite„entwickelte sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter[…], die sich stückweis verkaufen müssen“, dadurch„eine Ware wie jeder andere Handelsartikel“ werden„und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt“ sind(Marx/Engels 1848/1959: 468). In der Rezeption und Interpretation einiger weniger Marx-Zitate entwickelte sich eine Klassentheorie, die zwischen einer„Klasse an sich“ und einer„Klasse für sich“ unterschied. Aufgrund der Produktionsverhältnisse sowie unterschiedlicher Besitzverhältnisse entstehe eine„Klasse an sich“. Durch Klassenkämpfe vorangetrieben, komme es zu einem Bewusstwerdungsprozess innerhalb der Arbeiterschaft, der in die Bildung einer„Klasse für sich“ münde: Die Lohnarbeiter würden sich – zwangsläufig – in dieser Klasse des Antagonismus der Gesellschaft bewusst und organisierten ihre Interessen mit dem Ziel der Kritik und der Veränderung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (siehe zusammenfassend Moser 1984: 16–19; Marx 1849/ 1959; 1867/1962: 181–191; van der Linden 2008: 18–20; Vester 2008). Die Kritik an diesem Klassenbildungsmodell mit seinem Deutungsdreischritt„Lage – Bewusstsein – Verhalten“ ist Legion. Auf die Teleologie des Modells, also seinen unumkehrbaren Verlaufscharakter, wurde immer wieder hingewiesen. Die völlige Verkennung realhistorischer Pro11 Das Folgende nach Schmidt(2015: 28 ff.; 2018: 20 ff.). zesse, etwa der Überlebensfähigkeit des(selbstständigen) Handwerks, das sich nicht proletarisierte, rief Widerspruch hervor. In vielen Weltregionen kam es nicht zur Ausbildung einer„Arbeiterklasse nach europäischem Muster“. Die Bildung von Klassenstrukturen konnte unterbleiben, sie konnten sich aber auch auflösen oder abschwächen(Eckert 2013: 79; Cooper 1996: 12 ff., 23 ff., 273 ff.). Statt des Klassenkampfes setzten sich mehr und mehr Aushandlungspraktiken durch. Doch nicht nur in der sozialistischen Arbeiterbewegung, auch in den entstehenden„bürgerlichen“ Sozialwissenschaften wurden Klassenbildungsmodelle formuliert. Max Webers Klassenmodell setzte die Existenz von Arbeits-, Kapital- und Gütermärkten voraus und entwickelte Typen von positiv und negativ privilegierten Besitz- und Erwerbsklassen. Neben dieser Typenbildung entwarf Max Weber mit der„sozialen Klasse“ gewissermaßen einen prozessualen Klassenbegriff. Eine Klasse zeichnete sich dadurch aus, dass in ihr jene Klassenlagen zusammenfanden,„zwischen denen ein Wechsel persönlich(und) in der Generationenfolge leicht möglich ist und typisch stattzufinden pflegt“(Weber 1976: 177–180, 531–540; zusammenfassend Schmidt 2005: 13 f.; Pleinen 2015: 5–9). Eine solche soziale Klasse mit derart typischen Mobilitätsmustern stellte dabei die Arbeiterklasse dar. Es ist notwendig, sich diese historischen Modelle bewusst zu machen, denn nicht nur als Konstruktion von Gesellschaftsformen, sondern auch als Analyseinstrument blieben Klassenbildungsmodelle in der Forschung über die Arbeiterschaft von Bedeutung. Angesichts der Blockkonfrontation und der Systemkonkurrenz mit dem Kommunismus waren nach dem Zweiten Weltkrieg Klassenkonzepte in der bundesrepublikanischen Wissenschaft zunächst wenig attraktiv. Neue Gesellschaftsmodelle wie Helmut Schelskys„nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ verbreiteten sich(Schelsky 1954), und in der Gesellschaftsanalyse nutzte man den Begriff der Schichten. Eine sozialgeschichtlich verstandene Arbeitergeschichte öffnete sich erneut dem Klassenbegriff, befreite ihn von marxistischer Teleologie und entwarf neue Klassenbildungsmodelle. In dem von dem Sozialhistoriker Jürgen Kocka entworfenen Modell konnten Klassen auf mehreren Ebenen entstehen: Auf der ökonomischen Ebene trieb die Durchsetzung des Lohnarbeiterstatus Klassenbildungsprozesse voran, eine Klassenbildung mittels sozialer Beziehungen in Betrieben, in Stadtvierteln und zwischen Familien war möglich, und auf organisatorisch-politischer Ebene ließ sich Klassenbildung an der Gründung von Vereinen, Friedrich-Ebert-Stiftung 9 Parteien und Gewerkschaften erkennen. Eine lineare Homogenisierung der Arbeiterschaft schloss das Modell ebenso aus wie einen fortschreitenden Automatismus der Klassenbildung, der sich von einer zur anderen Ebene fortsetzte oder verdichtete: Ein:e Lohnarbeiter:in, die oder der im eigenen Stadtviertel bestens vernetzt war, musste deswegen noch lange nicht gewerkschaftlich-politisch aktiv werden. In seinem Buch Arbeiterleben in Deutschland 1900–1970 operierte Josef Mooser mit einem an Max Weber angelehnten Begriff der„sozialen Klasse“, um die Wandlung der (bundes-)deutschen Arbeiterschaft im 20. Jahrhundert zu analysieren(Kocka 1983; 1990; Mooser 1984). Auch die modernen Klassenbildungsmodelle blieben nicht unwidersprochen. Gefragt wurde beispielsweise, wie die verschiedenen Ebenen der Klassenbildung zueinander stünden; grundsätzlicher klang der Vorwurf, dass über den ökonomisch abgeleiteten Klassenbegriff sich viele Dimensionen menschlicher Existenz dem ökonomischen Primat unterordnen müssten. Klasse aus Sicht der weiblichen Arbeiterschaft bedeutete etwas anderes als aus männlicher Perspektive. Kulturelle Deutungsmuster, sprachliche Sinnzusammenhänge und Kontexte sowie die soziale Praxis und das Handeln der Arbeiterschaft würden an den Rand gedrängt, lauteten weitere Kritikpunkte. Manche Kritikpunkte haben Schwächen der Klassenbildungsmodelle bei der Analyse der Arbeiterschaft in der Moderne an den Tag gebracht. Mit Blick auf Arbeiter:innen und die Arbeiterbewegung in außereuropäischen Regionen waren diese kritischen Einwände sogar noch durchschlagender. Dennoch behält der Klassenbegriff zwei Vorteile. Zum einen beschränkt er sich nicht darauf, die bloße Differenz zwischen(beispielsweise) verschiedenen Identitäten zu konstatieren, sondern beleuchtet in sehr viel stärkerem Maße soziale Ungleichheiten in der Gesellschaft – ein Aspekt, der ihm bei der Analyse außereuropäischer und globalgeschichtlicher Zusammenhänge der Arbeiterschaft von Nutzen ist. Zum anderen deutet Klasse immer die„Beziehung zwischen den Angehörigen verschiedener, antagonistischer Klassen“. So bleiben Klassenanalysen offen für gesamtgesellschaftliche Perspektiven. Klasse ist ein Beziehungsgeflecht, in das Individuen, Familien, Belegschaften und soziale Gruppen integriert sind und aus dem Klassenerfahrungen entstehen können; Klasse ist kein unilinearer Prozess von einer Ebene zur nächsten. Ähnlich hatte der britische Sozialhistoriker Edward P. Thompson seinen Klassenbegriff verstanden wissen wollen und damit beispielsweise stark auf die Arbeitergeschichtsforschung in Indien eingewirkt; er wurde seit den 1980er Jahren auch in der deutschen Forschung verstärkt rezipiert. 12 Schließlich versuchte in jüngster Zeit eine globale Arbeitergeschichte sich von dem Begriff des Lohnarbeiters und den mit ihm verbundenen Klassenanalysen zu lösen. Zu„eurozentristisch“, zu eingeengt sei dieser Ansatz. Ziel müsse es sein, Arbeiter:innen in einem umfassenden Sinn zu verstehen. Freie und unfreie Arbeit müssten berücksichtigt werden, da unfreie Arbeit in Form von Sklaverei und Knechtschaft in einer globalen Sichtweise quantitativ wesentlich bedeutsamer gewesen sei als die(europäische) freie Lohnarbeit. So sympathisch dieser Ansatz erscheint, trägt er insgesamt das Problem in sich, dass Arbeiterschaft keine analytische Kategorie mehr ist, sondern„nur“ noch eine Beschreibungskategorie, in der über Zeit und Raum die unterschiedlichsten Arbeiter:innengruppen zusammengeführt werden. Die analytische Kraft, die durch die Verknüpfung von Arbeiterschaft und Klasse entstand – besonders durch ihre Fähigkeit, auch das Scheitern von Klassenbildungen zu analysieren –, gerät dabei ins Hintertreffen. Unbestritten bleibt allerdings das Verdienst dieser globalen Arbeiterperspektive, auf die Gefahr der Engführung auf die Lohnarbeiterschaft aufmerksam gemacht zu haben(van der Linden 2008; Komlosy 2014).  12 Zur Kritik an Klassenbildungsmodellen zusammenfassend sowie mit Vorschlägen zur Weiterentwicklung siehe Welskopp(1998); Thompson (1987: 7 f.); Behal et al.(2010: 296 f.); Blank(2014; 10 f., 26 ff.). 10 Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert 5 Eine Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert? Die vorangegangenen Abschnitte verdeutlichten: Es bedurfte großer sprachlicher, theoretischer und analytischer Anstrengungen, um einen wirkmächtigen, respektierten, abgrenzbaren und analytisch nachvollziehbaren Begriff von Arbeiter/Arbeiterin und Arbeiter:innenklasse zu schaffen. Es stellt sich abschließend die Frage, wie eine Arbeiter:innenklasse im 19. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Einige Aspekte seien hier summarisch vorgestellt. a) Eine wichtige Rolle spielte die rechtliche Fixierung des„Arbeiter“-Begriffs seit der Gewerbeordnung von 1869, in der Handwerksgesellen, gelernte Arbeiter in Fabriken und zunehmend auch die Ungelernten und Tagelöhner unter dem Begriff der Arbeiter zusammengefasst wurden(Conze 1979: 223 f.). Solche rechtlichen Festlegungen bedeuteten noch keineswegs eine alltags- und erfahrungsgeschichtliche Wirkmacht. Doch langfristig – und zum Beispiel in der Gruppenbildung in öffentlichen Statistiken – entfalteten solche Festlegungen ihre Wirkung und trugen so dazu bei, die Struktur einer Arbeiterklasse zu prägen. 13 b) Mit dem Begriff„Arbeiter/Arbeiterin“ im 19. Jahrhundert verbindet sich oft das Bild der Arbeitermassen in Fabriken, die körperlicher Arbeit nachgehen. Wir haben oben gesehen, dass dieses Bild nur einen Teil der Wirklichkeit abdeckt und vielfältig zu differenzieren ist. Andererseits ist die Kategorie manueller Arbeit – sei sie im Großbetrieb oder im Handwerk oder im Haushalt als Dienstmädchen oder Dienstbote – eine Sonde, um einen Eindruck von der zahlenmäßigen Stärke der Arbeiter:innenklasse zu erhalten. So stieg im Kaiserreich nach der Gewerbestatistik zwischen 1882 und 1907 die Zahl der insgesamt in Industrie und Handwerk Beschäftigten von knapp sechs Millionen(1882) über acht Millionen(1895) auf annähernd elf Millionen(1907) an. Die den sozialen Status berücksichtigenden Berufszählungen im Kaiserreich lassen einen Anstieg der Zahl der Arbeiter:innen von drei Millionen(1875) über vier Millionen(1882) und sechs Millionen(1895) auf rund 8,6 Millionen(1907) erkennen(Ritter/Tenfelde 1992: 298, 300 f.). Anhand zeitgenössischer Statistik erhält man so einen ungefähren Eindruck einer großteils manuell arbeitenden 13 Man denke auch an die Aufhebung des Unterschieds von Angestellten und Arbeiter:innen im Tarifrecht heutzutage. Bevölkerungsgruppe – eines zwar eingeschränkten, aber nichtsdestotrotz wirkmächtigen Teils der Arbeiter:innen. c) Zahlenmäßig überhaupt nicht zu fassen, aber zentral für das Verständnis einer Arbeiter:innenklasse im 19. Jahrhundert ist die Ausbildung von Arbeitermilieus insbesondere in Städten. Hier verdichteten sich Sozialbeziehungen in Vierteln, in Kneipen, im Austausch beim Einkauf, beim Wäschewaschen. Es ist dieses Milieu, in dem soziale und ökonomische Verhältnisse auch auf politisches Verhalten wirken konnten und umgekehrt. Im zur Zeit des Kaiserreichs preußischen Erfurt beispielsweise gab es(Fach-)Arbeiterviertel, in denen die Sozialdemokratie bei Reichstagswahlen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs rund 80 Prozent der Stimmen erringen konnte(Schmidt 2005: 325 f.). Hier war eine Klasse aus Arbeiter:innen zu greifen, die trotz aller unterschiedlichen Identifikationsmöglichkeiten ein gemeinsames Handeln, einen Bezug zum Wert als Arbeiter:in hatte. 14 d) Zudem sind die beschriebenen sozialökonomischen Unterschiede innerhalb der Arbeiterschaft in eine gesamtgesellschaftliche Perspektive zu rücken. Trotz aller Unterschiede hinsichtlich des sozialen Status, der Lohnhöhe und der Aufstiegsmöglichkeiten gab es doch arbeiterspezifische Gemeinsamkeiten, die die Arbeiterschaft von bürgerlichen Gruppen abgrenzten. Das galt für die in allen Städten zu beobachtende soziale Segregation – mit den Villenvierteln als prägendstem Ausdruck. Das galt für die Einkommensunterschiede: Mochten Facharbeiter doppelt so viel verdienen wie Ungelernte – was war dieser Verdienst im Vergleich zu dem Jahreseinkommen eines erfolgreichen Rechtsanwalts, ganz zu schweigen eines Großindustriellen? Was war der Verdienst eines in den 1880er Jahren sehr gut bezahlten Facharbeiters in der Metallindustrie mit rund 1.000 Mark Jahreslohn im Vergleich zu den 85.000 Mark Jahreseinkommen, die ein Erfurter Eisengießereibesitzer 1886 versteuerte? 15 14 Zur Auflösung dieser Milieus, zur Entproletarisierung, auch zu den unterschiedlichen Entwicklungen in der Bundesrepublik und der DDR, allgemein in West- und Osteuropa siehe Mooser(1984: 224 ff.); Raphael(2019); Mau(2019); Eribon(2016). 15 Ritter/Tenfelde(1992: 476); Personenkartei Erfurt J. Schmidt(Eisengießereibesitzer Joseph Apell). Friedrich-Ebert-Stiftung 11 Und das galt schließlich für die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs. Um ein letztes Mal ein Beispiel aus Erfurt im Kaiserreich herauszugreifen: Sowohl im Zeitraum 1875 bis 1879 als auch 1905 bis 1909 verblieben zwischen 80 und 88 Prozent der Arbeiterschaft innerhalb der Arbeiterschaft(vergleicht man die Berufe von Vätern und ihren Söhnen), lediglich zwischen 12 (1875/79) und 20 Prozent(1905/09) schafften den Aufstieg ins Bürgertum – aber auch hier zum allergrößten Teil in(kleine) Selbstständigenpositionen als Meister, Restaurantbesitzer, Kaufmann(Schmidt 2005: 249). Hier werden auch die in den Klassenbildungsmodellen genutzten Kriterien sichtbar: Die harte sozioökonomische Ungleichheit übte eine prägende Kraft auf die Ausbildung einer Arbeiter:innenklasse aus – allen Differenzierungen zum Trotz. Freilich bedurfte auch diese erfahrbare sozioökonomische Ungleichheit der Vermittlung durch Zeitungen, durch Vereine, durch Diskussionen am Arbeitsplatz, im Viertel und in der Kneipe. Durch die offensichtlichen Ungleichheiten boten sich hier vielfältige Möglichkeiten, den Klassencharakter der Gesellschaft sichtbar zu machen. e) Hinzu kam für die politischen Arbeiterbewegungen, aber auch für viele Arbeiter:innen die staatliche Ausgrenzung. Die Verfolgung während der Zeit des Sozialistengesetzes(1878–1890) sowie der Ausschluss oder die Benachteiligung bei Landtags- und Kommunalwahlen aufgrund eines von der Steuerhöhe abhängigen Wahlrechts stehen hier für besonders markante Exklusionsmechanismen. Die in den 1880er Jahren einsetzende Sozialpolitik war zwar ein erster Schritt zur Integration der Arbeiter:innen in Staat und Gesellschaft, aber in ihrer praktischen Ausgestaltung noch schwach. f) Schließlich ist auf das komplizierte Verhältnis zwischen politischer Arbeiterbewegung/Sozialdemokratie und der Arbeiter:innenklasse zu verweisen. Wenn in manchen Arbeiterwahlkreisen – wie im Erfurter Stadtbezirk – 80 Prozent der wahlberechtigten Männer ihre Stimme der Sozialdemokratischen Partei gaben, heißt dies nicht, dass politische Arbeiterbewegung und Arbeiter:innenklasse in eins fielen. Organisatorisch gelang es der SPD zwar bis 1914, über eine Million Mitglieder zu gewinnen, doch im Verhältnis zu den Arbeiter:innen war dies eben nur ein Teil. Auch die beeindruckenden Wahlerfolge – 1912 erhielt die SPD rund 4,25 Millionen Stimmen – entsprachen längst nicht dem Anteil der Erwerbstätigen im späten Kaiserreich. Die Zentrumspartei war mit ihrem sozialpolitischen Flügel für viele katholische Arbeiter eine Wahlalternative. Trotz aller Agitationsversuche blieben Arbeiter in der Landwirtschaft eine schwer zu gewinnende Wählerbasis. Ein Minderheitenphänomen, dennoch zu erwähnen, ist die evangelische Arbeiterbewegung. Sie war konservativ-staatstragend ausgerichtet, hatte in ihrem Gesamtverband rund 100.000 Mitglieder, die gegen die Sozialdemokratie immunisiert und für die konservativen Parteien als Wähler gewonnen werden sollten. Es war daher vor allem eine (groß-)städtisch sozialisierte Facharbeiterschaft(aus Industrie und Handwerk), lohnabhängig, gewerkschaftlich gebunden, politisch engagiert und an grundlegenden Änderungen interessiert, die das Rückgrat der sozialdemokratischen Bewegung und ihrer Wählerschaft darstellte(von Saldern 1990). 16 Insgesamt gesehen haben wir also eine Arbeiter:innenklasse im 19. Jahrhundert vor uns, die durch soziale Abgrenzung nach unten sowie durch sozialen und politischgesellschaftlichen Ausschluss von oben geprägt war, die ihren Lebensunterhalt durch Lohnarbeit und körperliche Arbeit sicherte, über soziale Beziehungen am Arbeitsplatz, im Stadtviertel, in Kneipen und Vereinen zusammenfand und so über Gemeinsamkeiten und Identifikationsmöglichkeiten verfügte, die gegenüber„konkurrierenden Identitäten“ dominierten. Nimmt man diese pauschalisierende Zusammenstellung als prägende Merkmale und behält dabei die Differenzierungen im Blick, lässt sich ein ungefähres Verständnis einer Arbeiter:in-nenklasse im 19. Jahrhundert ausmachen. Gleichzeitig war eine Arbeiter:innenklasse aber immer auch ein sprachliches Konstrukt, das je nach Bedarf, Ideologie und Intention unterschiedlich beschrieben und definiert werden konnte.  16 Zur Frage, inwieweit es der SPD gelang, bei Wahlen in(klein-)bürgerliche Kreise vorzudringen, siehe Nonn(1996) sowie zum Beispiel die kritische Rezension dieses Buches(siehe Pohl 1998). 12 Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert LITERATURVERZEICHNIS AAZ 1848= Allgemeine Arbeiter-Zeitung. Organ für die politischen und sozialen Interessen des arbeitenden Volkes, Heft 1, 18.5.1848. Behal, Rana; Joshi, Chitra; Mohapatra, Prabhu P. 2010: India, in: Allen, Joan; Campbell, Alan; McIllory, John(Hrsg.): Histories of Labour. National and International Perspectives, Pontypool, S. 290–314. Benjamin, Walter 1977: Über den Begriff der Geschichte[1940], in: ders.: Illuminationen. Ausgewählte Schriften, Frankfurt am Main, S. 251–261. 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Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Diese Studie von Dr. Jürgen Schmidt, Leiter des Museums Karl-Marx-Haus in Trier, untersucht die historischen Wurzeln der Arbeiter:innenklasse in Deutschland im langen 19. Jahrhundert. Er thematisiert Inklusions- und Exklusionstendenzen bei der Entwicklung einer Arbeiter:innenklasse und beschäftigt sich darüber hinaus mit den Interpretationen und Instrumenten für die Analyse einer entstehenden Arbeiter:innenklasse. Abschließend werden Aspekte einer Arbeiter:innenklasse im 19. Jahrhundert herausgearbeitet. ISBN 978-3-98628-475-6