FES BRIEFING TÜRKEI AUSGEWÄHLTE SOZIOÖKONOMISCHE INDIKATOREN 2024-1 Bevölkerung• Arbeitskräfte• Beschäftigung• Arbeitslosigkeit• Verteilungsungleichheit März 2024 Die Bevölkerungsentwicklung in der Türkei, der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und die Fähigkeit, dieses Potential als Arbeitskräfte zu aktivieren, gehören zu den wichtigsten sozioökonomischen Indikatoren des Landes. Ebenso wichtig ist es zu ermitteln, wie und wie gerecht die erwirtschafteten Ressourcen verteilt werden. Im ersten Quartal 2024 stellen sich die Trends für einige wichtige sozioökonomische Indikatoren wie folgt dar: BEVÖLKERUNG In 2023 ist die Bevölkerung der Türkei im Vergleich zum Vorjahr um 93.000 Personen auf 85,37 Millionen angestiegen. Die jährliche Bevölkerungswachstumsrate ging von 7,1 Personen je 1.000 Einwohner und Einwohnerinnen im Jahr 2022 auf 1,1 im Jahr 2023 zurück. Nach den Ergebnissen des adressbasierten Bevölkerungsregistrierungssystems sank die in der Türkei lebende ausländische Bevölkerung mit Aufenthaltsgenehmigung im Vergleich zum Vorjahr um 253.000 Personen auf 1,6 Millionen. SYRISCHE BEVÖLKERUNG MIT VORRÜBERGEHENDEM SCHUTZ: 2014-2023 3.623.192 3.426.786 2.834.441 3.576.370 3.641.370 3.737.369 3.535.898 3.214.780 3.181.222 2.503.549 BEVÖLKERUNG UND BEVÖLKERUNGSWACHSTUMSRATE: 2014-2023 Bevölkerung(Millionen) Bevölkerungswachstumsrate(‰) 86 16 14.7 84 13.3 13.4 13.5 82 12.4 82.0 80 80.8 79.8 78 78.7 77.7 76 13.9 83.6 85.2 84.7 12.7 85.3 14 12 10 8 7.1 6 5.5 4 74 2 1.1 72 83.1 0 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 QUELLE: TurkStat und Innenministerium 1.519.286 0 14.237 224.625 ’11’12’13’14’15’16’17’18’19’20’21’22’23’24 QUELLE: TurkStat und Innenministerium Die 3,2 Millionen syrischen Geflüchteten mit vorübergehendem Schutzstatus sind in der Bevölkerungsstatistik nicht aufgeführt. Würden sie hinzugerechnet, käme die Türkei auf 88,6 Millionen Einwohner:innen. Die Zahl der Personen, die ohne Aufenthaltserlaubnis eingereist und geblieben sind, ist nicht bekannt, aber zusammen mit den Personen, die mit einem Tourismusvisum eingereist sind und nun in der Türkei leben, kann davon ausgegangen werden, dass die at|säch|lich 1 FES BRIEFING VON DÖRFERN IN DIE GROSSSTÄDTE Anzahl der Dörfer 2012 34.434 2013 18.214 2014 18.340 2015 18.362 2016 18.373 2017 18.380 Großstadt 16 30 30 30 30 30 Provinzkommune Bezirkskommune 65 892 51 919 51 919 51 919 51 919 51 921 Kleinstadt 1.977 394 396 397 397 396 Aufgrund sinkender Geburten- und Sterberaten nimmt der Anteil der älteren Bevölkerung zu und das Durchschnittsalter steigt. Das Medianalter in der Türkei, das 2022 bei 33,5 Jahren lag, stieg bis 2023 auf 34 Jahre an. Nach Geschlecht betrachtet stieg das Medianalter bei den Männern von 32,8 auf 33,2 Jahre und bei den Frauen von 34,2 auf 34,7 Jahre an. ERWERBSBEVÖLKERUNG, BESCHÄFTIGUNG Der Anteil der Gruppe im erwerbsfähigen Alter, definiert als die Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen, stieg von 66,5 Prozent im Jahr 2007 auf 68,3 Prozent im Jahr 2023 an. Der Anteil der Kinder, definiert als die Altersgruppe der 0- bis 14-Jährigen, sank dagegen von 26,4 Prozent auf 21,4 Prozent, während der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter von 7,1 Prozent auf 10,2 Prozent anstieg. 2018 18.275 30 2019 18.280 30 2020 18.287 30 51 922 386 51 922 386 51 922 386 ANTEIL DER BEVÖLKERUNG NACH ALTERSGRUPPEN (%) Altersgruppe 0-14 68.3 66.5 Altersgruppe 15-64 Altersgruppe 65 + 2021 18.288 30 51 922 387 2022 18.293 30 51 922 388 2023 18.240 30 51 922 390 QUELLE: TurkStat Bevölkerung in der Türkei im Jahr 2024 90 Millionen erreichen wird. Die Stadt-Land-Verteilung der Bevölkerung in der Türkei hat sich entsprechend der Kommunalisierungspolitik verändert. Da diejenigen, die kommunale Dienstleistungen in Anspruch nehmen, nun als„städtisch“ gelten, ist der Anteil der städ|tischen Bevölkerung gestiegen. Im Jahr 2023 betrug der Anteil der Menschen, die in größeren Städten lebten, 93 Prozent, während der Anteil der Menschen, die in Kleinstädten und Dörfern lebten, auf sieben Prozent gesunken ist. Durch die Änderung der Definition von„Dorf“ hat sich die Anzahl der Dörfer in den letzten zehn Jahren halbiert. Die Bevölkerung von Istanbul, der größten Stadt der Türkei, ist im Vergleich zum Vorjahr um 252.000 Personen auf 15,65 Millionen Einwohner:innen zurückgegangen. Auf Istanbul, wo 18,34 Prozent der türkischen Bevölkerung leben, folgen Ankara mit 5,8 Millionen, Izmir mit 4,48 Millionen, Bursa mit 3,215 Millionen und Antalya mit 2,696 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen. Die Bevölkerungsdichte, definiert als„Einwohner:innenzahl pro Quadratkilometer“, liegt in der Türkei bei 111 Einwohnern und Einwohnerinnen. Die höchste Bevölkerungsdichte weist Istanbul mit 3.013 Personen pro Quadratkilometer auf. Nach Istanbul sind Kocaeli mit 582 Personen und Izmir mit 373 Personen pro Quadratkilometer die Provinzen mit der höchsten Bevölkerungsdichte. 26.4 21.4 10.2 7.1 2007 2023 QUELLE: https://data.tuik.gov.tr/Bulten/Index?p=Adrese-Dayali-Nufus-KayitSistemi-Sonuclari-2023-49684 Im Jahr 2023 kamen in der Türkei auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter 31,4 Kinder und 15 Menschen im Alter über 65 Jahren. Der Kinderquotient gibt die Anzahl der Kinder je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter an. Sie sank von 32,3 Prozent im Jahr 2022 auf 31,4 Prozent im Jahr 2023. Der Altenquotient, der das Verhältnis der Personen im Rentenalter zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter abbildet, stieg von 14,5 Prozent auf 15 Prozent an. Während die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter rund 65 Millionen betrug, lag die Anzahl der potentiellen Arbeitskräfte im erwerbsfähigen Alter bei nur 53 Prozent. Im Jahr 2023 waren von den 34 bis 35 Millionen Arbeitskräften 32 Millionen erwerbstätig, während etwa drei Millionen in die Kategorie der„eng definierten Arbeitslose“ fielen, was einer Quote von neun bis zehn Prozent entspricht. Gemäß dem mittelfristigen Programm hat sich die Türkei das Ziel gesetzt, bis 2026 55,6 Prozent der Bevölkerung im erwerbs2 FES BRIEFING fähigen Alter in die Erwerbsbevölkerung einzubeziehen, die Beschäftigung auf über 34 Millionen zu erhöhen und die eng definierte Arbeitslosigkeit auf 9,3 Prozent zu senken. ARBEITSKRÄFTEDATEN IM MITTELFRISTIGEN PROGRAMM Bevölkerung (Jahresdurchschnitt, Tsd.) Potentielle Arbeitskräfte im erwerbsfähigen Alter(%) Beschäftigung (Tsd.) Beschäftigungsquote(%) Arbeitslosigkeit (eng definiert, %) 2022 2023 GT 2024(P) 2025(P) 2026(P) 84.980 85.917 86.883 87.883 88.750 53.1 53.7 54.4 55.0 55.6 30.752 31.654 32.428 33.340 34.381 47.5 48.3 48.8 49.5 50.4 10.4 10.1 10.3 9.9 9.3 GT: Realisierungsprognose P: Programm QUELLE: Mittelfristiges Programm 2024-2026, Präsidialamt für Strategie und Haushalt Nach den Daten vom November 2023 ging die Zahl der registrierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch durch die neue Rentenregelung um fünf Prozent auf 18,7 Millionen zurück. Auch die Zahl der Selbständigen sank um knapp vier Prozent auf rund drei Millionen. Die Zahl der Beamt:innen stieg um zwölf Prozent auf über 3,6 Millionen. Damit wird die offizielle Anzahl der Erwerbstätigen Ende 2023 bei knapp 25,5 Millionen liegen. Umstritten ist die Zahl der nicht registrierten Erwerbstätigen. Die türkische Statistikbehörde TurkStat gibt die geschätzte Zahl auf Basis einer Umfrage mit 27 Prozent an. Da jedoch die Definitionen und Daten zur registrierten Beschäftigung zwischen der Sozialversicherungsanstalt und TurkStat nicht übereinstimmen, weicht die informelle Beschäftigungsquote zwischen den beiden Institutionen um zehn Prozentpunkte ab. Auch die Zahl der Rentner:innen ist, nicht zuletzt aufgrund der neuen Rentenregelung, insgesamt um mehr als 20 Prozent gestiegen, so dass die Zahl der Rentner:innen bei fast 11,5 Millionen liegt. Von den Personen, die eine Rente beziehen, sind mehr als acht Millionen aus dem Arbeiter:innenund Angestelltenbereich. Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte im Jahr 2023 war die Gewährung von Rentenansprüchen für fast zwei Millionen Menschen, die zwar die erforderlichen Versicherungsbeiträge entrichtet hatten, aber das erforderliche Rentenalter nicht nachweisen konnten. Für Personen, die vor dem 8. September 1999 eine versicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen hatten, bestand nun die Möglichkeit, eine Altersrente zu beziehen, ohne ein bestimmtes Alter erreicht zu haben. Rund zwei Millionen Menschen konnten nun im Zuge dessen eine Rente beziehen. Diese Praxis hat dazu geführt, dass die Zahl der formellen Beschäftigungsverhältnisse gesunken und die Zahl der Rentner:innen gestiegen ist. REGISTRIERTE BESCHÄFTIGUNG UND ANZAHL DER RENTNER:INNEN 2022-2023 2022/11 2023/11 Veränderung(%) Registrierte Beschäftigung Arbeiternehmer:innen (4a) 19.747.856 18.698.496-5,3 Selbständige(4b) 3.217.468 3.094.360-3,8 Beamt:innen(4c) Registrierte Beschäftigung Rentner:innen Rentner:innen (Arbeitnehmer:innen, 4a) Selbständige Rentner:innen (Beamt:innen, 4c) Gesamt 3.265.892 3.656.284 12,0 26.231.216 25.449.140-3,0 6.266.443 8.012.913 27,9 1.642.946 1.769.029 7,7 1.584.677 1.649.820 4,1 9.494.066 11.431.762 20,4 QUELLE: Daten der Sozialversicherungsanstalt ARBEITSLOSIGKEIT Unter den sozioökonomischen Indikatoren der Türkei sind die Definition und die Daten zur Arbeitslosigkeit eines der am meisten diskutierten Themen. Als arbeitslos gelten Personen, die in den letzten vier Wochen mindestens einen der aktiven Kanäle zur Arbeitssuche genutzt haben. Personen, die die Hoffnung aufgegeben haben, eine Arbeit zu finden, die nicht auf Arbeitssuche sind, aber angeben, dass sie arbeiten würden, wenn es eine Arbeit gäbe, gelten nicht als„arbeitslos im engeren Sinne“. In den letzten Jahren hat TurkStat eine Definition der„nicht erwerbstätigen Bevölkerung“ entwickelt, die diese Möglichkeit berücksichtigt und den Zugang zu weiter gefassten Arbeitslosendaten ermöglicht. Nach den Ergebnissen der Haushalts-Arbeitskräfteerhebung (HLFS) von TurkStat für November 2023 lag die eng definierte Arbeitslosenquote bei neun Prozent, während die saisonbereinigte weit definierte Arbeitslosenquote(nicht beschäftigte Arbeitskräfte) 22,7 Prozent betrug. Damit belegt die Türkei mit neun Prozent registrierten Arbeitslosen unter den OECD Staaten einen Platz im oberen Drittel. Die Zahl der eng definierten Arbeitslosen(saisonbereinigt) lag im November 2023 bei 3,116 Millionen. Nach einer Schätzung von DISK-AR auf Basis von TurkStat-Daten lag die Zahl der saisonbereinigten weit definierten Arbeitslosen im November 2023 bei 8,671 Millionen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der weit definierten Arbeitslosen von 7,8 Millionen um 795.000 auf 8,6 Millionen an. Infolge der Covid-19-Pandemie stieg die weit definierte Arbeitslosenquote um 4,3 Prozentpunkte und die Zahl der weit definierten Arbeitslosen um 2,285 Millionen an. 3 FES BRIEFING ENG UND WEIT DEFINIERTE ARBEITSLOSENQUOTE (%) Eng definierte Arbeitslosenquote Weit definierte Arbeitslosenquote 22.7 21.4 20.7 Die periodischen Daten zum Bruttoinlandsprodukt(BIP) von TurkStat für das Jahr 2022 und die ersten drei Quartale des Jahres 2023 zeigen einen Anstieg des Anteils der Arbeitseinkommen, der auf die Rentenzahlungen an fast zwei Millionen neue Rentner:innen zurückzuführen ist. Ab 2021 ist jedoch ein allgemeiner Abwärtstrend des Anteils der Arbeitseinkommen zu beobachten. Laut TurkStat wuchs das BIP im Jahr 2022 um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der Arbeit am Wachstum sank gegenüber 2021 um 3,7 Prozentpunkte auf 26,3 Prozent. Der Anteil des Kapitals stieg gegenüber 2021 um 1,4 10.1 Punkte auf 53,7 Prozent im Jahr 2022. 2023, mit dem Eintritt 8.6 9.0 von rund zwei Millionen neuen Rentnern und Rentnerinnen in das System, stieg der Anteil der Arbeitseinkommen auf 32,8 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass es sich dabei um einen vorübergehenden Anstieg handelt. 2022 NOVEMBER 2023 OKTOBER 2023 NOVEMBER QUELLE: TurkStat Datensatz Auch in der Türkei ist die Arbeitslosenquote der Frauen deutlich höher als die der Männer. Im November 2023 lag die saisonbereinigte eng definierte Arbeitslosenquote bei 7,5 Prozent für Männer und bei 11,8 Prozent für Frauen. Die weit definierte Erwerbslosenquote(nicht erwerbstätige Personen) wurde für Männer mit 18 Prozent und für Frauen mit 30,8 Prozent berechnet. Die Differenz zwischen der weit definierten Frauenarbeitslosigkeit und der weit definierten Männerarbeitslosigkeit beträgt somit rund 13 Prozentpunkte. Die meisten der über drei Millionen Arbeitslosen haben keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Die Bedingungen für den Bezug von Arbeitslosengeld sind streng, und die Mittel der Arbeitslosenversicherung werden angeblich in erster Linie für die Schaffung von Arbeitsplätzen für Arbeitgeber verwendet. Daher kann die große Mehrheit der Arbeitslosen kein Arbeitslosengeld beziehen. Nach Angaben der İŞKUR vom November 2023, die den Arbeitslosenfonds verwaltet, beläuft sich die Zahl der Personen, die Arbeitslosengeld beziehen können, auf rund 370.000. Das bedeutet, dass nur zwölf Prozent der offiziell Arbeitslosen im November 2023 Arbeitslosengeld erhalten haben. UNGLEICHE VERTEILUNG Einer der wichtigsten Faktoren, der die Sozialstruktur der Türkei beeinflusst, ist die hohe Einkommensungleichheit und die kontinuierliche Zunahme der Verteilungsungerechtigkeit. Sowohl die Daten zur funktionalen Einkommensverteilung als auch die Ergebnisse der Erhebungen zur individuellen Einkommensverteilung zeigen, dass die Ungleichheit nicht abgenommen hat. Eine Möglichkeit, die Verteilung zu beobachten, besteht darin, die Entwicklung des BIP nach Einkommen zu verfolgen. Dies kann wichtige und aktuelle Informationen über die Verteilung der Wertschöpfung zwischen Arbeit und Kapital liefern. In der Türkei wird jährlich die„Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen“ durchgeführt, um die Einkommensverteilung zwischen Haushalten und Einzelpersonen zu ermitteln und die Lebensbedingungen der Menschen, die soziale Ausgrenzung und die einkommensbedingte Armut zu messen und zu beschreiben. Die Ergebnisse dieser Erhebung liefern wichtige Daten zur Einkommensverteilung. Nach den neuesten Untersuchungen, die auf Einkommensdaten für das Jahr 2022 basieren, verschlechtert sich die Einkommensverteilung zwischen Haushalten und Einzelpersonen rapide. Während beispielsweise die reichsten fünf Prozent im Jahr 2005 25 Prozent des Gesamteinkommens erhielten, betrug dieser Anteil im Jahr 2022 30,8 Prozent, während der Anteil der ärmsten fünf Prozent unverändert blieb. Der Einkommensunterschied zwischen den reichsten fünf Prozent und den übrigen 95 Prozent(P95/P5-Verhältnis), der im Jahr 2005 das 25-fache betrug, stieg um 5,8 Punkte auf das 30,8-fache im Jahr 2022, womit das P95/P5-Verhältnis den höchsten Stand seit 2005 erreichte. VERTEILUNG DER WERTSCHÖPFUNG,% 2021-Q1 2021-Q2 2021-Q3 2021-Q4 2022-Q1 2022-Q2 2022-Q3 2022-Q4 2023-Q1 2023-Q2 2023-Q3 2023-Q4 Arbeit% 35.1 32.6 29.5 25.6 31.0 25.3 26.1 24.7 37.8 34.3 32.2 29.7 Kapital% Investitonen und Steuern% 45.5 19.3 48.7 18.7 54.0 16.6 57.4 17.1 47.1 22.0 53.3 21.4 55.0 18.8 56.2 19.0 40.0 22.2 43.9 21.8 47.3 20.5 50.5 19.8 QUELLE: TurkStat und Innenministerium 4 FES BRIEFING VERTEILUNG DES SOZIALPRODUKTS: 2021-2023, IN QUARTALEN (%) Nettobetriebsüberschuss(%) 100 45.5 48.7 54.0 90 Abschreibungen% 57.4 47.1 Gesamtvergütung der Arbeitnehmer:innen(%) 53.3 55.0 56.2 40.0 Nettosteuern auf Produktion 43.9 47.3 50.5 80 70 60 24.3 50 20.6 21.0 22.9 40 17.5 21.8 18.7 19.5 19.9 22.9 21.4 21.4 30 35.1 32.6 29.5 31.0 37.8 34.3 32.2 29.7 10 25.6 25.3 26.1 24.7 20 0 -1.7-1.9 -0.9 -1.6 -0.9-0.5-0.7-0.9 -2.1 -1.1 -0.9 -1.6 -10 -20 I II III IV I II III IV I II III IV 2021 2022 2023 QUELLE: TurkStat und Innenministerium DIFFERENZ DER DURCHSCHNITTLICHEN EINKOMMEN DER ÄRMSTEN 5 PROZENT UND DER REICHSTEN 5 PROZENT: VERVIELFACHUNG DES ANSTIEGS 29.7 30.8 der Gini-Koeffizient bei 0,428 und im Jahr 2008 bei 0,415. Im Jahr 2019 lag der Gini-Koeffizient bei 0,410. In den Folgejahren entwickelte sich der Koeffizient negativ und erreichte im Jahr 2022 mit 0,433 einen neuen Höchststand der Ungleichheit. In Istanbul erreichte die Ungleichheit sogar einen Wert von 0,446. 24.8 23.2 23.2 22.4 21.0 19.7 19.1 26.0 22.9 ’12’13’14’15’16’17’18’19’20’21’22 QUELLE: https://data.tuik.gov.tr/Bulten/Index?p=Gelir-DagilimiIstatistikleri-2023-53711 Der Gini-Koeffizient, ein Indikator für die Ungleichverteilung, bleibt in der Türkei hoch. Der Gini-Koeffizient, der bei Gleichheit gegen 0 tendieren sollte, bewegt sich von Null weg in Richtung 1. Nach TurkStat hat sich der Gini-Koeffizient im vergangenen Jahr von 0,415 auf 0,433 negativ entwickelt. Im Jahr 2005 lag Die Türkei ist das europäische Land mit dem höchsten Gini-Koeffizienten für Einkommensungleichheit im Jahr 2022. Nach den vom Statistischen Amt der Europäischen Union(Eurostat) veröffentlichten Daten lag der Gini-Koeffizient im Durchschnitt der EU-27-Mitgliedstaaten im Jahr 2022 bei 0,296. Das Land mit dem niedrigsten Gini-Koeffizienten in der EU ist die Slowakei mit 0,212. Slowenien(0,231), die Tschechische Republik(0,248), Belgien(0,249) und Polen (0,263) gehören zu den fünf Ländern mit der geringsten Einkommensungleichheit in der EU. Die fünf europäischen Länder mit der höchsten Einkommensungleichheit sind die Türkei (0,433), Bulgarien(0,384), Litauen(0,362), Lettland(0,343) und Italien(0,327). https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/ilc_di12/default/table?lang=en Betrachtet man das Einkommen der Haushaltsmitglieder in der Türkei nach ihrem Haupterwerbsstatus, so zeigt sich, dass das Unternehmens- und Vermögenseinkommen wesentlich schneller gestiegen ist. Zwischen 2005 und 2022 stieg das Einkommen der Haushaltsmitglieder aus ihrer Hauptbeschäftigung von 8.754 TL auf 116.297 TL. Das durchschnittliche 5 FES BRIEFING Haushaltseinkommen stieg damit um 821,4 Prozent. Demgegenüber stieg das Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 1.220 Prozent. Die Analyse des durchschnittlichen Individualeinkommens der Haushaltsmitglieder nach Geschlecht zeigt deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Im Jahr 2005 war das durchschnittliche Einkommen der Frauen um 26,3 Prozent niedriger, das der Männer um 6,2 Prozent höher. Im Jahr 2022 lag das durchschnittliche individuelle Einkommen der Männer um acht Prozent über dem durchschnittlichen Gesamteinkommen, während das der Frauen immer noch um 21,2 Prozent unter dem Durchschnitt lag. ZUSAMMENFASSUNG Zu Beginn des Jahres 2024 beträgt die Bevölkerung der Türkei 85,5 Millionen Menschen, von denen 1,5 Millionen Migranten und Migrantinnen mit einer Aufenthaltsgenehmigung sind. Einschließlich der syrischen Geflüchteten und der Personen, die sich ohne Aufenthaltserlaubnis in der Türkei aufhalten, wird die türkische Bevölkerung im Jahr 2024 auf fast 90 Millionen geschätzt. Während die Anzahl der erwerbstätigen Personen im erwerbsfähigen Alter unter dem EU-Durchschnitt liegt, ist der Unterschied zwischen der eng definierten und der weit definierten Arbeitslosigkeit auffallend. Die Differenz von rund 15 Prozentpunkten zwischen der eng definierten Arbeitslosigkeit, die die Arbeitslosen auf Arbeitssuche berücksichtigt, und der weit definierten Arbeitslosigkeit, die die Nichterwerbspersonen einschließt, deutet auf eine erhebliche Verzerrung hin. Eine weitere auffällige soziale Dimension ist die ungleiche Einkommensverteilung. Auch wenn die Verrentung von zwei Millionen Menschen im Jahr 2023 zu einem gewissen Anstieg der Arbeitseinkommen geführt haben mag, ist die ungleiche Verteilung der Bruttowertschöpfung zwischen Arbeit und Kapital alarmierend. Im Jahr 2023 gehen nur 33 Prozent des Kuchens an die Arbeitnehmer:innen, während 46 Prozent an den Kapitalsektor und 21 Prozent auf Steuern und Investitionen entfallen. Kontakt Friedrich-Ebert-Stiftung Derneği Türkiye Temsilciliği Cihannüma Mah. Mehmet Ali Bey Sk.12/4 34353 Beşiktaş/ Istanbul – Türkei https://turkey.fes.de Verantwortlich Henrik Meyer, FES Landesvertreter Türkei Autor Mustafa Sönmez Grafiker Murat Kaspar info.tr@fes.de ISBN: 978-605-72853-6-2 6