„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? Einstellungen zu Politik und Politikideen in Sachsen Jana Faus, Lukas Bernhard Landesbüro Sachsen FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? Die Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) wurde 1925 gegründet und ist die traditionsreichste politische Stiftung Deutschlands. Dem Vermächtnis ihres Namensgebers ist sie bis heute verpflichtet und setzt sich für die Grundwerte der Sozialen Demokratie ein: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Ideell ist sie der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften verbunden. Die FES fördert die Soziale Demokratie vor allem durch: • politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft; • Politikberatung; • internationale Zusammenarbeit mit Auslandsbüros in über 100 Ländern; • Begabtenförderung; • das kollektive Gedächtnis der Sozialen Demokratie mit u. a. Archiv und Bibliothek. Das Landesbüro Sachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Sitz in Leipzig und Dresden bietet in ganz Sachsen Veranstaltungen zur politischen Bildung an. Hierzu gehören öffentliche und digitale Diskussionsveranstaltungen, Jugendbeteiligungsprojekte, Kompetenztrainings, Ausstellungen und Wochenendseminare. INHALTSVERZEICHNIS 1. WAS WILL SACHSEN UND WARUM WOLLEN WIR DAS WISSEN? 2 1. EIN VORWORT DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG 1. EINLEITUNG: POLITISCHE LAGE IN SACHSEN 3 2. METHODISCHES VORGEHEN 4 3. POLITISCHE EINSTELLUNGEN IN SACHSEN 6 4. SELBSTBILD DER SÄCHS_INNEN 8 5. STIMMUNG IN SACHSEN 11 1. ZUKUNFTSERWARTUNGEN 13 1. SORGEN 15 6. ERWARTUNGEN AN DIE LANDESREGIERUNG 20 ZUFRIEDENHEIT MIT DER LANDESREGIERUNG 20 DIE WICHTIGSTEN THEMEN 21 BILDUNG 23 FACHKRÄFTEMANGEL 24 STRUKTURWANDEL UND INVESTITIONEN 27 WIRTSCHAFT 30 7. FAZIT: DIE BEWEGLICHE MITTE BESTIMMT, WOHIN DIE REISE 32 7. IN SACHSEN GEHT 7. DIE POLITISCHE BILDUNGSARBEIT IN SACHSEN IST GEFORDERT. 34 7. FAZIT DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG ABBILDUNGSVERZEICHNIS 37 LITERATURVERZEICHNIS 38 DIE AUTOR_INNEN 38 ANHANG 39 2 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 3 WAS WILL SACHSEN UND WARUM WOLLEN WIR DAS WISSEN? EIN VORWORT DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Seit mittlerweile mehr als 30 Jahren leistet das Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) politische Bildungsarbeit in Sachsen. Ein Ziel unserer Arbeit ist es, möglichst viele Menschen in unserer Region zum politischen Handeln und engagierten Mitwirken zu ermutigen und darin zu stärken. In Krisenzeiten ist diese Aufgabe noch einmal von größerer Bedeutung. Die Krisen der vergangenen Jahre haben die Gesellschaft politisiert, auch weil diese Krisen die Menschen zunehmend in ihrem Alltag betrafen: sei es Corona oder die Energiepreiskrise, sei es der Zuzug vieler Geflüchteter seit 2015, seien es die großen Wandlungsprozesse vom Umstieg auf eine klimaneutrale Zukunft und der Digitalisierung, sei es die Erschütterung der Weltordnung durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine oder den brutalen Angriff der Hamas auf Israel und den wieder aufflammenden Nahostkonflikt. All dies ist Herausforderung und Chance zugleich: In den Debatten über diese Krisen sowie ihre Ursachen und Folgen sind zunehmend Aggression und Polarisierung zu erleben, die politische Debatten sabotieren und zerstören. Umso wichtiger ist heute die politische Bildung. Im Rahmen unserer Bildungsangebote treffen wir vermehrt auf Menschen, die enttäuscht auf ihre verschiedenen Sorgen und Zukunftsängste aufmerksam machen und auch häufig ernüchtert auf die Komplexität und Undurchschaubarkeit politischer Themen verweisen. Wir erleben wie viele andere zivilgesellschaftliche Initiativen und Bildungsträger_innen eine zunehmende Entfremdung zwischen Politik und Bevölkerung. Wie spannungsgeladen und ambivalent das gesellschaftliche Klima in Sachsen mittlerweile in Erscheinung tritt, zeigt sich mitunter im Demonstrationsgeschehen der vergangenen Jahre. Für eine gezielte und umfassende politische Bildungsarbeit, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Gegebenheiten in Sachsen eingeht, ist es uns wichtig, ein eingehendes Stimmungsbild der Menschen im Freistaat einzufangen. Wie sind die Sächs_innen politisch eingestellt? Wie blicken sie auf ihr Bundesland und wie stehen sie zu den politischen Herausforderungen? Welche Sorgen und politischen Themen treiben sie um? – Kurz: Was will Sachsen? Um hierauf Antworten zu finden, hat das Landesbüro Sachsen der FES die unabhängige Meinungsforschungsagentur pollytix strategic research gmbh mit der Durchführung der vorliegenden Studie beauftragt. Die hiermit nun vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen, dass die politische Bildung und die politischen Akteur_innen in Sachsen vor großen Herausforderungen stehen. Die Studie bestätigt die Ergebnisse anderer Studien: Es gibt keine Polarisierung der sächsischen Gesellschaft in zwei Lager. Zwar gibt es – nicht überraschend – große Unterschiede bei Themen wie etwa Migration. Doch der genaue Blick auf die Daten zeigt auch, dass sich die Sächs_innen bei durchaus vielen Themen einig sind oder zu anderen sehr viel heterogenere Meinungen haben, die aber im öffentlichen Diskurs nicht genügend Berücksichtigung finden. Die Sächs_innen sind – auch das zeigt die Studie – meinungsstark und kritisch. Protest und Kritik sind für die Demokratie als lernfähige Form gesellschaftlichen Zusammenlebens essenziell. Für den konstruktiven politischen Dialog braucht es aber die Bereitschaft, andere Perspektiven zu hören und zu akzeptieren. Es bedeutet, dass nicht nur die polarisierten Gegenpole ein Gehör in der Öffentlichkeit finden, sondern auch jene, bei denen zwei Seelen in der Brust wohnen. Diese stehen manchen Themen skeptisch gegenüber, aber lehnen sie nicht vollends ab, sehen viele Herausforderungen und erwarten, dass ihre Alltagsprobleme gehört und angepackt werden. Die Studie zeigt die Aufgaben der politischen Bildung in Sachsen auf: Die Meinungen und Debatten der in der Studie so genannten beweglichen Mitte gehören stärker in den Fokus der politischen Bildungsarbeit – mit ihren Ambivalenzen, Ansichten und Analysen. Durch die Studie wird deutlich, dass soziale und ökonomische Themen wie Bildung und Inflation Brückenthemen sein könnten, bei denen die bei anderen Fragen polarisierten Menschen in den Dialog kommen können. Es ist eine Aufgabe der politischen Bildungsarbeit, diese bewegliche Mitte in ihrer Rolle als Vermittlerin zu stärken. Im Interesse unseres demokratischen Zusammenlebens sollte dies ein Herzensanliegen aller Akteur_innen der politischen Bildung und von demokratischen Parteien sein. Dr. Jenny Sprenger-Seyffarth Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Sachsen 1. EINLEITUNG: POLITISCHE LAGE IN SACHSEN „So geht sächsisch“, der Landesslogan des Freistaats, gibt das ‚Wie‘ vor. Sächsisch, das ist nicht nur ein Dialekt, sondern für viele eine Lebenseinstellung. Offen bleibt die Frage, wohin die Reise in Sachsen gehen soll. Ohne Frage, das Bundesland steht an einem Scheideweg, politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Jetzt und in den nächsten Jahren müssen wichtige, zukunftsweisende Entscheidungen getroffen werden. Der Klimaschutz muss vorangetrieben, der Ausstieg aus der Braunkohle bewältigt, der Fachkräftemangel gelöst werden. Gleichzeitig scheint Sachsen im öffentlichen Bild politisch gespalten wie nie. Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 mobilisieren rechte Akteur_innen. Auch während der Covid-19-Pandemie und der Energiekrise im Herbst/Winter 2022/23 gingen in Sachsen teilweise Tausende auf die Straßen. Doch wie gespalten ist Sachsen wirklich? Gibt es tatsächlich nur zwei Lager, die sich unerbittlich gegenüberstehen: eine Gruppe, die einen souveränen Nationalstaat präferiert, eine deutsche Leitkultur unterstützt und Migration sowie offenen Grenzen mindestens skeptisch bis ablehnend gegenübersteht(die ‚national Orientierten‘), und andererseits diejenigen, die internationale Zusammenarbeit und Vernetzung befürworten, sozialliberale Positionen in kulturellen Fragen vertreten und weltoffen sowie aufgeschlossen gegenüber Migration und offenen Grenzen sind(die ‚weltoffen Orientierten‘)? Oder gibt es noch eine dritte Gruppe, die weniger lautstark auftritt und sich zwischen diesen beiden Lagern positioniert? In der Tat hat eine frühere, deutschlandweite Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) gezeigt, dass hinter die These der Polarisierung in Deutschland zumindest ein Fragezeichen gesetzt werden sollte. Die Gesellschaft ist nicht gespalten, aber sie ist fragmentiert: Neben den beiden genannten Gruppen besteht eine dritte, große gesellschaftliche Gruppe, die ‚bewegliche Mitte‘, die sich weniger eindeutig positioniert. Bundesweit umfasst diese Gruppe etwa die Hälfte der Bevölkerung. Sie ist im gesellschaftlichen Diskurs weniger laut als die beiden anderen Segmentgruppen und flexibler in ihren Einstellungen und Überzeugungen(Faus& Storks 2019). Der Soziologe Steffen Mau nutzt für den Zustand von Gesellschaften das Bild vom Dromedar und vom Kamel. Das einhöckrige Kamel steht dabei für eine harmonische Gesellschaft, in der Einstellungen normalverteilt sind; das zweihöckrige Dromedar symbolisiert die polarisierte Gesellschaft, bei der sich zwei Seiten (im sprachlichen Bild„zwei Höcker“) konfrontativ gegenüberstehen. Steffen Mau kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Bestandsaufnahme der polarisierten Gesellschaft für Deutschland zu kurz greift. Doch gilt dies auch für Sachsen 2023? In der vorliegenden Studie des Landesbüros Sachsen der FES steht daher die Beantwortung der folgenden Fragen im Vordergrund: • Welche politischen Einstellungen haben • die Bürger_innen Sachsens? • Wie blicken die Bürger_innen auf Sachsen? • Welches Bild haben sie von ihrem Bundesland? • Sind sie stolz auf Sachsen? • Wie blicken sie in die Zukunft? • Was haben sie für Erwartungen? • Welche Sorgen haben die Sächs_innen? • Welche(politischen) Themen sind aus Sicht der • Sächs_innen für die Zukunft Sachsens von besonderer • Bedeutung? • Wie blicken die Bürger_innen auf den Strukturwandel,• • auf Investitionen und den Fachkräftemangel? Zur Klärung dieser Fragen hat die pollytix strategic research gmbh im Auftrag des Landesbüros Sachsen der FES eine qualitative und quantitative Studie zu politischen Einstellungen und Politikideen in Sachsen durchgeführt. 4 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 2. METHODISCHES VORGEHEN Grundlage für die Ergebnisse dieser Studie ist ein mehrstufiger Forschungsprozess. Dabei wurden qualitative und quantitative Methoden verwendet. In Anknüpfung an frühere FES-Studien wurde jeweils die Segmentierung nach Faus und Storks(2019) repliziert.1 Diese teilt die Bevölkerung in verschiedene Gruppen im Kontext gesellschaftlicher Polarisierung ein. Sie verläuft maßgeblich entlang der Spaltungslinie ‚Abschottung/ national orientiert‘ versus ‚Weltoffenheit‘ und unterscheidet drei Gruppen von Bürger_innen: ‚national Orientierte‘, ‚weltoffen Orientierte‘ und die ‚bewegliche Mitte‘(Faus, Faus& Gloger 2016; Faus& Storks 2019). Unter den national Orientierten finden sich vor allem Bürger_innen, die einen souveränen Nationalstaat präferieren, eine deutsche Leitkultur unterstützen und Migration sowie offenen Grenzen skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Auf der anderen Seite stehen die weltoffen Orientierten, die internationale Zusammenarbeit und Vernetzung befürworten, sozialliberale Positionen in kulturellen Fragen vertreten und weltoffen sowie aufgeschlossen gegenüber Migration und offenen Grenzen sind. Dazwischen existiert die bewegliche Mitte, eine Gruppe, die sich weniger eindeutig positioniert. Die Segmentierung der Bevölkerung in diese Gruppen ist eng mit den unterschiedlichen Einstellungen zu gesellschaftlichen Themen verbunden, die wiederum mit verschiedenen politischen und Parteipräferenzen einhergehen. Die Segmentierung wurde bereits in einigen früheren Studien erfolgreich repliziert und hat sich dabei als effektives Instrument erwiesen(siehe z. B. Hartl& Faus 2020; Faus & Ickstadt 2020; Faus, Faus& Ickstadt 2021). Aus diesem Grund wurde die Segmentierung auch in der vorliegenden Studie erneut verwendet, um die Vielfalt der Einstellungen und Präferenzen der Bevölkerung in Sachsen zu untersuchen. In einem ersten Schritt wurden am 21. und 22. März 2023 drei qualitative Online-Fokusgruppen mit jeweils sechs bis sieben Teilnehmenden durchgeführt. Insgesamt nahmen 21 Personen an den zweistündigen Gruppendiskussionen teil. Die Grundgesamtheit bildete die wahlberechtigte Bevölkerung in Sachsen ab 18 Jahren, allerdings erhebt diese erste Forschungsstufe keinerlei Anspruch auf Repräsentativität. Bei der Auswahl der Teilnehmenden wurde dennoch auf einen ausgewogenen Mix soziodemografischer Merkmale (z. B. Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen und Wohnort) geachtet, um verschiedene Perspektiven einzufangen. Außerdem wurde bereits bei der Rekrutierung für die Fokusgruppen die Segmentierung durchgeführt. Von den drei Fokusgruppen fand jeweils eine mit national Orientierten, eine mit weltoffen Orientierten und eine mit Menschen der beweglichen Mitte statt. Die offene, leitfragengestützte Diskussion ermöglichte ein tiefergehendes Verständnis von Meinungen und Argumenten, ohne dass Antworten durch vorgegebene Kategorien begrenzt oder gelenkt wurden. Inhalt der Fokusgruppen waren die Stimmung und das Lebensgefühl in Sachsen und Erwartungen der Bürger_innen an die Landespolitik, insbesondere mit Blick auf den Fachkräftemangel und den Strukturwandel. Aufbauend auf den Erkenntnissen der qualitativen Stufe erfolgte zwischen dem 3. und 17. April eine repräsentative Bevölkerungsbefragung. Auch hier bildete die wahlberechtigte Bevölkerung in Sachsen ab 18 Jahren die Grundgesamtheit. Insgesamt wurden innerhalb der zweiwöchigen Befragungszeit n= 1.553 Personen befragt. Die Daten wurden in Kombination einer telefonischen und einer OnlineBefragung erhoben(hybride Befragung). Die eine Hälfte der Wahlberechtigten wurde dabei mittels computer-gestützter telefonischer Interviews befragt(CATI-Methode, ADM-Festnetzstichprobe), die andere Hälfte mittels einer Online-Befragung(CAWI-Methode, quotierte Stichprobenziehung aus Online-Access-Panel). Die durchschnittliche Befragungsdauer lag bei rund 18 Minuten. Die Daten 1 Zur Segmentierung wurden vier Items genutzt, die zur Bildung einer Skala in Form eines Mittelwertindex verwendet wurden. Auf einer 11-Punkt-Skala wurde dabei die Zustimmung zu den folgenden Aussagen abgefragt: (1)„Deutschland und die anderen EU-Länder sollten wieder mehr Entscheidungen alleine treffen dürfen.“ (2)„Die Mitgliedschaft in der EU bringt Deutschland mehr Vorteile als Nachteile.“ (3)„Statt auf das große Ganze zu schauen, wird sich in Deutschland zu viel um Minderheiten gekümmert.“ (4)„Durch die vielen Ausländer fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.“ „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 5 wurden gemäß der amtlichen Statistik gewichtet, um die Repräsentativität der Ergebnisse zu gewährleisten. Bei n = 1.553 Befragten beträgt die maximale Fehlertoleranz bei einem 95%-Konfidenzintervall 2,5 Prozentpunkte. Der Fragebogen der quantitativen Befragung beruht größtenteils auf den Ergebnissen aus der qualitativen Erhebung. Die Ergebnisse der quantitativen Befragung liefern belastbare Zahlen, ermöglichen Einblicke in unterschiedliche Subgruppen und zeigen Unterschiede zwischen diesen auf. Im Fokus der Erhebung standen die politischen Einstellungen der Sächs_innen. Auch in dieser Forschungsstufe wurden erneut die angesprochenen Segmente gebildet, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten repräsentativ herausarbeiten zu können. Abschließend fanden am 2. Mai 2023 erneut zwei OnlineFokusgruppen mit drei Personen(sogenannte Triaden) statt. Hierzu wurde je eine Person aus den Fokusgruppen erneut eingeladen. Für die beiden Triaden wurde aus jeder der drei Gruppen je eine Person aus den segmentspezifischen Fokusgruppen ausgewählt und mit Teilnehmer_innen aus den anderen beiden Gruppen zusammengebracht. In diesen Triaden wurden letzte offene Forschungsfragen geklärt, um ein holistisches Bild zu erlangen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den drei Segmenten mit den Befragten zu thematisieren. 6 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 3. POLITISCHE EINSTELLUNGEN IN SACHSEN In Sachsen wird durch die Segmentierung eine deutliche Dominanz der national Orientierten und der beweglichen Mitte sichtbar(siehe Abbildung 1 ). Beide Gruppen weisen eine annähernd gleiche Größe auf. Etwa 40 Prozent der Wahlberechtigten gehören der Gruppe der national Orientierten an, während sich in der beweglichen Mitte 41 Prozent befinden. Hingegen sind nur 19 Prozent der Wahlberechtigten in Sachsen den weltoffen Orientierten zuzuordnen. Hierin zeigen sich deutliche Unterschiede im Vergleich zur bundesweiten Verteilung der Segmente. Bundesweit ließen sich 2019 rund 50 Prozent der beweglichen Mitte zuordnen, während je rund ein Viertel national bzw. weltoffen orientiert war(Faus& Storks 2019). Die national Orientierten sind in Sachsen folglich stark überrepräsentiert, was einen Unterschied von+15 Prozentpunkten ausmacht. Sowohl der Anteil der beweglichen Mitte als auch der weltoffen Orientierten fällt hingegen in Sachsen geringer aus. Die Segmente unterscheiden sich teilweise recht deutlich in ihrer soziodemografischen Zusammensetzung(siehe Abbildungen 29, 30 und 31 im Anhang). Innerhalb der Gruppe der weltoffen Orientierten finden sich etwas häufiger Männer(54 Prozent) als Frauen(45 Prozent)(siehe Abbildung 29 ). Im Vergleich mit den anderen beiden Segmenten sind die Weltoffenen häufig jünger: 35 Prozent von ihnen sind unter 40 Jahren. Außerdem weist das Segment einen deutlich höheren Anteil an Personen mit hoher formaler Bildung auf(47 Prozent). Darüber hinaus finden sich hier überdurchschnittlich häufig Personen mit höherem Haushaltseinkommen: 36 Prozent von den weltoffen Orientierten haben ein Haushaltseinkommen von über 3.000 Euro im Monat. Entsprechend geben sie deutlich seltener an, unter finanziellem Druck zu leiden(24 Prozent). Die national Orientierten stellen in vielen Punkten gewissermaßen das Gegenteil der Weltoffenen dar( Abbildung 31 ). Während unter den weltoffen Orientierten der Anteil derjenigen mit hohem Haushaltseinkommen am größten ist, ist er unter den national Orientierten am „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 7 geringsten. Von den Letzteren gibt rund die Hälfte an, über ein monatliches Haushaltseinkommen von unter 2.000 Euro zu verfügen. 45 Prozent der national Orientierten berichten folglich, auch finanziell unter Druck zu stehen. Im Vergleich zu den weltoffen Orientierten sind die national Orientierten deutlich älter. 42 Prozent der national Orientierten sind älter als 60 Jahre, 38 Prozent sind zwischen 40 und 59 Jahre alt. Unter ihnen ist auch der Anteil derjenigen mit mittlerem Bildungsniveau mit Abstand am größten(64 Prozent). Die bewegliche Mitte ist etwas häufiger weiblich(54 Prozent) als männlich(46 Prozent)(siehe Abbildung 30 ). Der Anteil der Personen über 60 Jahren ist hier mit 46 Prozent am größten. Finanziell liegt die bewegliche Mitte zwischen den weltoffen und den national Orientierten: 45 Prozent haben ein Haushaltseinkommen von unter 2.000 Euro, 27 Prozent beziehen ein Haushaltseinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro und 28 Prozent verfügen monatlich über mehr als 3.000 Euro. 30 Prozent berichten, unter finanziellem Druck zu stehen – auch hier ist der Anteil höher als bei den weltoffen Orientierten, aber geringer als unter den national Orientierten. 52 Prozent der beweglichen Mitte weisen eine mittlere formale Bildung auf. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die weltoffen Orientierten das jüngste Segment mit dem höchsten Haushaltseinkommen und der formal höchsten Bildung darstellen. Im Gegensatz dazu sind die national Orientierten älter; neben den Personen über 60 Jahren sind hier vor allem diejenigen zwischen 40 und 59 Jahren überrepräsentiert. Finanziell befinden sich die national Orientierten am häufigsten in prekären Lagen und berichten am häufigsten von finanziellem Druck. Die bewegliche Mitte ist im Vergleich mit den anderen beiden Segmenten am schwersten zu greifen und findet sich häufig zwischen ihnen wieder. Der Anteil an Personen über 60 Jahren ist hier außerdem am größten. Abbildung 1: Segmentierung Sachsens 8 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 4. SELBSTBILD DER SÄCHS_INNEN In der medialen Berichterstattung und dem öffentlichen Diskurs überwiegt vor allem der Blick auf Sachsen von außen. Dieser ist oftmals herabwürdigend und diffamierend (siehe z. B. Blome 2022). Doch wie blicken die Sächs_innen selbst auf ihr Bundesland? Was macht die ‚typische Sächsin‘ bzw. den ‚typischen Sachsen‘ aus? Die Frage lässt sich am besten im Vergleich zum Rest von Deutschland beantworten. Entsprechend wurden die Sächs_innen gebeten, ihr Bundesland mit den übrigen Bundesländern zu vergleichen und den folgenden Satz mit einem Wort zu vervollständigen:„Im Vergleich zum Rest von Deutschland sind wir in Sachsen viel …“ Abbildung 2 zeigt, dass die Sächs_innen ein überwiegend positives Selbstbild von sich und ihrem Bundesland haben – aller negativen Berichterstattung zum Trotz. Demnach sehen sich die Bürger_innen als ‚freundlicher‘, ‚offener‘ und ‚aufgeschlossener‘, aber auch als ‚besser‘. Am häufigsten genannt wird die Eigenschaft der Sächs_innen, ‚kritischer‘ als der Rest Deutschlands zu sein. Spannend: Dieser Vergleich Sachsens mit dem Rest von Deutschland wurde bereits in einer früheren Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung mit ähnlicher Formulierung 2 erhoben(Faus, Faus& Gloger 2015). Während 2023 die ‚kritische Haltung‘ der Sächs_innen ein konstituierendes Merkmal der sächsischen Selbstwahrnehmung darstellt, spielte sie 2015 3 noch keine Rolle. Seitdem hat Sachsen den Aufstieg und Niedergang von Pegida miterlebt. Auch die Covid-19-Pandemie sowie die Demonstrationen und ‚Corona-Spaziergänge‘ gegen die CoronaMaßnahmen fallen in diese Zeit. Offenkundig hat sich auch die Selbstwahrnehmung der Sächs_innen in dieser Zeit verändert. Auch unsere qualitative Forschung unterstreicht die Relevanz eines ‚kritischen‘, ‚freien‘ Denkens für die sächsi„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 9 sche Identität. Während die konkrete Definition einer ‚sächsischen Identität‘ schwerfällt, sind sich die meisten Teilnehmer_innen der Fokusgruppen und Triaden einig, dass es zu Sachsen und seinen Bürger_innen dazugehört, sich ‚nichts gefallen zu lassen‘ und die eigene Meinung zu vertreten – auch gegen Widerstände. „Ich denke, der Sachse ist wirklich so der typische Ossi irgendwie, weil wir auch irgendwie immer so ein bisschen auffallen, sei es in der Vergangenheit durch Pegida oder generell durch unsere politischen Einstellungen.“ (weiblich, 18–29, Oberes Elbtal/Osterzgebirge, weltoffen Orientierte) Aus dem Selbstbild vieler Sächs_innen spricht Stolz auf das eigene Bundesland. Man sieht sich an der Spitze der ostdeutschen Bundesländer – und auch in Schlagdistanz zu den westdeutschen Ländern. Die quantitative Befragung bestätigt diesen Eindruck. In der Tat zeigt sich, dass die Sächs_innen mehrheitlich stolz sind auf ihr Bundesland und das, was seit der Wende erreicht wurde(siehe Abbildung 3 ). Für Männer und Frauen lassen sich hier für die Zustimmung kaum Unterschiede feststellen. Ins Auge fällt allerdings, dass die Ablehnung bei Frauen sechs Prozentpunkte geringer ausfällt. Der Anteil derjenigen, die bei der Beantwortung der Frage mit ‚weiß nicht‘ geantwortet bzw. ‚keine Angabe‘ gemacht haben, ist entsprechend höher unter Frauen. Ihnen scheint die Bewertung bzw. Positionierung hier schwerer zu fallen als Männern. Hinsichtlich der Bildung zeigt sich, dass Personen mit niedriger formaler Bildung etwas seltener stolz sind – ähnlich verhält sich dies nach Haushaltseinkommen: Personen mit mittlerem und hohem Haushaltseinkommen sind stolzer auf Sachsen und das Erreichte als Personen mit geringem Haushaltseinkommen. Die Vermutung liegt nahe, dass Personen mit geringer Bildung oder geringem Haushaltseinkommen seltener das Gefühl haben, am wirtschaftlichen Aufschwung Sachsens zu partizipieren. Am deutlichsten unterscheidet sich der Stolz auf Sachsen jedoch nach dem Alter. Dabei sind Ältere stolzer als Jüngere, wobei auch Letztere zu 80 Prozent der Aussage zustimmen. Unabhängig vom Alter oder anderen soziodemografischen Faktoren wird dieser Stolz auf Sachsen primär wirtschaftlich begründet. Die Fokusgruppen haben deutlich gemacht, dass die Sächs_innen zufrieden mit der wirtschaftlichen Lage sind und stolz auf die gute Entwicklung, die ihr Bundesland seit der Wende vollzogen hat. Viele Sächs_innen wähnen sich hier klar vor den anderen ostdeutschen Bundesländern und(teilweise) auf Augenhöhe mit den westdeutschen Ländern. Abbildung 2: Selbstbild der Sächs_innen(2023) 2 Die Fragestellung lautete bei der Erhebung 2015:„Im Vergleich zum Rest von Deutschland sind wir in Sachsen …“ 3 Die Erhebung fand im Januar 2015 statt. Abbildung 3: Stolz auf Sachsen 10 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? „Wir sind eigentlich von Natur aus ein Land, das Erfinder hervorgebracht hat, welches wirtschaftlich vorangegangen ist. Eigentlich sind wir auf einem guten Weg, wenn ich mir andere Bundesländer anschaue, die da weit hinter uns liegen – auch in den alten Bundesländern.“ (männlich, 40–49, Oberes Elbtal/Osterzgebirge, bewegliche Mitte) Jeglicher Sorge zum Trotz überwiegt in allen Segmenten deutlich der Stolz auf das eigene Bundesland(siehe Abbildung 4 ). Insgesamt fallen die Unterschiede zwischen den Segmenten gering aus. Unter den national und weltoffen Orientierten stimmen jeweils 84 Prozent der Aussage zu, Sachsen könne stolz auf das seit der Wende Erreichte sein. Bei der beweglichen Mitte sind es sogar 87 Prozent. Dies deckt sich mit unseren qualitativen Befunden. Wenngleich die Gruppe der weltoffen Orientierten teilweise mit dem Begriff ‚Stolz‘ fremdelt, verbinden sie durchaus ein positives Gefühl von Zufriedenheit mit der erreichten Leistung. Dennoch wurde von einigen Teilnehmer_innen der weltoffen Orientierten und der beweglichen Mitte die Sorge artikuliert, die politische Entwicklung im Land führe zu einem ‚Imageproblem‘ Sachsens, dass dem Bundesland mittel- bzw. langfristig schaden könne. So könnten Firmen abgeschreckt werden, sich in Sachsen niederzulassen, und qualifizierte ausländische Fachkräfte weniger gewillt sein, nach Sachsen zu ziehen. Ein Gedanke, der mittlerweile auch offen innerhalb der Politik diskutiert wird(siehe z. B. Bidder 2023). Diese Problematik wird von den national Orientierten hingegen kaum gesehen und auch auf Nachfrage eher nicht geteilt. „Um Sachsen attraktiver zu machen, muss auch das Image aufgebessert werden. Sachsen, wenn man mal ehrlich ist, ist in den letzten Jahren sehr schlecht weggekommen. Wenn Sachsen in den Medien war, dann z. B. Dresden mit Pegida. Das spricht natürlich keine Leute an, die eine neue Heimat suchen.“ (männlich, 30–39, Oberes Elbtal/Osterzgebirge, bewegliche Mitte) „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 11 5. STIMMUNG IN SACHSEN Insgesamt ist die Stimmung in Sachsen relativ ausgewogen(siehe Abbildung 5 ). Nach der aktuellen Entwicklung im Bundesland gefragt, gibt eine knappe Mehrheit von 46 Prozent an, dass sich Sachsen in die richtige Richtung entwickle. 41 Prozent haben hingegen den Eindruck, es gehe in die falsche Richtung. Im bundesweiten Vergleich sind dies derzeit, vor dem Hintergrund multipler Krisen, durchaus passable Werte. Bei der Bewertung der derzeitigen Entwicklung lässt sich ein deutlicher Altersunterschied feststellen. Ältere weisen hier grundsätzlich eine positivere Stimmung auf und finden häufiger, Sachsen entwickle sich in die richtige Richtung. Jüngere sind skeptischer. Andere soziodemografische Unterschiede finden sich indes kaum. Bürger_innen mit formal niedrigerer Bildung sind tendenziell etwas unzufriedener mit der eingeschlagenen Richtung als höher Gebildete. Spannend: Auch hier fällt Frauen eine Einschätzung schwerer als Männern. Rund 17 Prozent der Frauen antworteten auf die Frage mit ‚weiß nicht‘ oder ‚keine Angabe‘, allerdings nur 9 Prozent der Männer. Auch Unterschiede zwischen den Planungsregionen 4 fallen gering aus. Insgesamt sind die Bürger_innen aller Regionen knapp mehrheitlich positiv gestimmt. Abbildung 4: Stolz auf Sachsen nach Segmenten Abbildung 5: Stimmung in Sachsen 4 Um die regionalen Disparitäten in Sachsen zu analysieren, wurde auf die vier Planungsregionen des Freistaats Sachsen zurückgegriffen(vgl. https://www.bevoelkerungsmonitor.sachsen.de/ergebnisse-fuer-planungsregionen.html). Dort werden die verschiedenen Städte und Landkreise in insgesamt vier Planungsregionen eingeteilt: Oberes Elbtal/Osterzgebirge, Oberlausitz-Niederschlesien, Leipzig-Westsachsen, Region Chemnitz. 12 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? Von den drei Segmenten äußert sich die bewegliche Mitte am zuversichtlichsten(siehe Abbildung 6 ). Hier sind 49 Prozent der Ansicht, Sachsen entwickle sich in die richtige Richtung, während 37 Prozent den gegenteiligen Eindruck haben. Auch die weltoffen Orientierten haben tendenziell eher den Eindruck, es gehe in die richtige Richtung: 46 Prozent stimmen dem zu, während 40 Prozent eine Entwicklung in die falsche Richtung wahrnehmen. Vergleichsweise ambivalent bewerten die national Orientierten die aktuelle Entwicklung. 44 Prozent finden, der Freistaat entwickle sich in die richtige Richtung, 45 Prozent haben das Gefühl, es gehe in die falsche Richtung. Abbildung 6: Stimmung in Sachsen nach Segmenten Als Gründe für die positive Bewertung der aktuellen Entwicklung werden von den Sächs_innen vor allem die Zufriedenheit mit dem Ministerpräsidenten und der Landesregierung genannt. Am dritthäufigsten wird angeführt, dass sich die Menschen in Sachsen ‚nicht mehr alles gefallen lassen‘ und auf die Straße gehen. Dies ist insofern wenig überraschend, als eine ‚kritische‘ Haltung nach Einschätzung vieler Sächs_innen den Freistaat vom Rest der Bundesrepublik unterscheidet – eine Stimmung, die auch häufig in der positiven Bewertung der Arbeit des Ministerpräsidenten und der Landesregierung mitschwingt, wie ausgewählte Zitate zeigen. „Viele Bürger gehen auf die Straße, um gegen Fehlentscheidungen der Regierung zu demonstrieren.“ (weiblich, 50–59, Region Chemnitz, national Orientierte) „Unser Ministerpräsident denkt und handelt meines Erachtens bei vielen Entscheidungen realistischer und bürgernäher und stellt sich damit zum Teil gegen die gewünschte politische Einstimmigkeit der Führungskoalition, z. B. seine Meinung zu Gesprächen und Verhandlungen mit Putin zur Beendigung des Ukrainekrieges.“ (männlich, 70+, Oberlausitz-Niederschlesien, bewegliche Mitte) „Wir haben glücklicherweise eine relativ fähige Regierung, auch wenn das viele Leute nicht wertschätzen.“ (männlich, 18–29, Region Chemnitz, weltoffen Orientierte) „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 13 Die Gründe für die Entwicklung ‚in die richtige Richtung‘, die von den Segmenten hier angeführt werden, unterscheiden sich teilweise deutlich. Vor allem national Orientierte betonen, es gehe in die richtige Richtung, weil die Bürger_innen in Sachsen sich ‚nicht mehr alles gefallen ließen‘ und beginnen würden, ‚eigenständig zu denken‘. Doch auch sie sind sehr zufrieden mit dem Ministerpräsidenten, der die Haltung des Dagegenseins – gegen ‚den bundesweiten Mainstream‘ – verkörpere. Die bewegliche Mitte tut sich etwas schwerer, konkrete Gründe zu nennen – häufig wird ein diffuses Gefühl geäußert, es ‚gehe jetzt voran‘. Doch auch die bewegliche Mitte schreibt die positive Entwicklung vor allem dem Ministerpräsidenten zu. Die Weltoffenen führen positive Entwicklungen zwar ebenfalls auf die Landespolitik zurück – schreiben diese jedoch häufiger der Landesregierung und weniger dem Ministerpräsidenten zu. Allerdings sind auch 41 Prozent aller Sächs_innen unzufrieden und haben den Eindruck, Sachsen entwickle sich derzeit ‚in die falsche Richtung‘. Dies wird vor allem mit dem Rechtsruck im Bundesland sowie Rassismus und Extremismus begründet. Ebenso wird Migration für die negative Entwicklung als Grund genannt. Dabei unterscheiden sich auch hier die angeführten Gründe deutlich zwischen den Segmenten. Vor allem die weltoffen Orientierten führen die wahrgenommene negative Entwicklung auf den Rechtsruck in Sachsen zurück. Beinahe jede zweite Nennung kann diesem Grund zugeordnet werden. Die bewegliche Mitte teilt diese Sorge – wenn auch weniger deutlich. In diesem Segment begründet fast jede_r Vierte die Fehlentwicklung im Land mit dem Rechtsruck in Sachsen. Im Vergleich dazu wird Migration von der beweglichen Mitte seltener genannt – nur ca. jede_r Zehnte nennt sie als Grund für eine Entwicklung in die falsche Richtung. Anders sieht es unter den national Orientierten aus. Bei ihnen gilt Migration mit Abstand als wichtigste Ursache für eine negative Entwicklung. Rund ein Viertel führt sie als Grund an, gefolgt von schlechter Politik bzw. Unzufriedenheit mit der Landesregierung, welche jeweils von rund jeder bzw. jedem Zehnten genannt wird. „In Sachsen gibt es einen deutlichen Rechtsruck. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Extreme – egal in welche Richtung – nie gut sind. Die Fronten sind auch sehr verhärtet. Ein Dialog findet nicht mehr statt, es wird sich eher nur angeschrien, statt dass eine Diskussion und Kompromisse gefunden werden.“ (weiblich, 40–49, Oberes Elbtal/Osterzgebirge, weltoffen Orientierte) „Mir bereitet rechtes Gedankengut große Sorgen. Die Menschen in Sachsen denken keinen Meter weit. Wohin soll das noch führen.“ (männlich, 40–49, Leipzig-Westsachsen, bewegliche Mitte) „Wir nehmen zu viele Migranten auf und die Bevölkerung leidet zunehmend darunter.“ (weiblich, 50–59, Leipzig-Westsachsen, national Orientierte) ZUKUNFTSERWARTUNGEN Ähnlich wie die Stimmung im Land fällt auch der Blick in die Zukunft insgesamt für Sachsen eher ambivalent aus(siehe Abbildung 7 ). Rund ein Drittel glaubt, dass eine bessere Zukunft gestaltet werden könnte, wenn die gegenwärtigen Herausforderungen in Deutschland angegangen würden. Ebenso viele glauben allerdings, auch dann könne die Zukunft nicht geändert werden. Eine knappe Mehrheit von 38 Prozent glaubt, damit lasse sich gerade so noch das Schlimmste verhindern. Die Zukunftserwartungen der Sächs_innen unterscheiden sich hierin kaum von denen bundesweiter Erhebungen, die pollytix strategic research diesbezüglich im Jahr 2023 durchgeführt hat. Je nach Geschlecht fallen die Zukunftserwartungen unterschiedlich aus. Bei Frauen ist der Blick in die Zukunft pessimistischer. Nur 24 Prozent von ihnen glauben, es lasse sich eine bessere Zukunft gestalten, während es bei den Männern 32 Prozent sind. Der Aussage, es könne gerade noch das Schlimmste verhindert werden, stimmen 36 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen zu. Die Annahme, die Zukunft könne trotzdem nicht geändert werden, teilen 30 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer. Auch hinsichtlich des Alters zeigen sich interessante Unterschiede: Jüngere blicken optimistischer in die Zukunft als Ältere. So stimmen 32 Prozent der unter 40-Jährigen zu, dass sich eine bessere Zukunft gestalten lasse, während es unter den 40bis 59-Jährigen 30 Prozent und unter den über 60-Jährigen nur 24 Prozent sind. Umgekehrt stimmen hingegen 32 Prozent der Personen der über 60-Jährigen zu, die Zukunft könne dennoch nicht geändert werden. Bei den 40- bis 59-Jährigen sind es noch 29 Prozent und bei den unter 40-Jährigen nur noch 22 Prozent. Am deutlichsten fallen die Unterschiede hinsichtlich der Bildung und des Haushaltseinkommens der Sächs_innen aus. Während Personen mit formal hoher Bildung besonders optimistisch in die Zukunft blicken – 41 Prozent glauben, es lasse sich eine bessere Zukunft gestalten –, verhält es sich bei Personen mit niedriger formaler Bildung genau gegenteilig. Hier glauben 40 Prozent, auch wenn entsprechende Maßnahmen ergriffen würden, könne die Zukunft nicht geändert werden. Ähnlich verhält es sich nach Haushaltseinkommen. Hier sind Personen mit geringem Einkommen deutlich pessimistischer als jene mit hohem Einkommen. Von Personen mit Haushaltseinkommen von unter 2.000 Euro glauben nur 21 Prozent, es lasse sich eine bessere Zukunft gestalten, 40 Prozent denken, es könne gerade noch das Schlimmste verhindert werden, und 34 Prozent nehmen an, die Zukunft könne trotzdem nicht geändert werden. Andersherum verhält es sich bei Personen mit Einkommen von über 3.000 Euro. Auch hier glaubt ein großer Teil(37 Prozent), dass maximal noch das Schlimmste verhindert werden könne. 14 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? Allerdings glaubt die Mehrheit(39 Prozent), dass eine bessere Zukunft gestaltet werden kann – 18 Prozent glauben das hingegen nicht. Unter den Regionen Sachsens fällt vor allem die pessimistische Haltung in Oberlausitz-Niederschlesien mit den Landkreisen Bautzen und Görlitz auf. Wie keine andere Region Sachsens ist diese vom Strukturwandel und der Transformation betroffen. Dabei zeigt sich, dass die Bürger_ innen in dieser Region besonders skeptisch sind, ob die Bewältigung der künftigen Herausforderungen gelingen kann. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung zumindest teilweise von der sozialen Lage abhängt. Bildung, Haushaltseinkommen und der Wohnort einer Person spielen durchaus eine Rolle dabei, ob die Befragten glauben, dass künftige Herausforderungen gemeistert werden können oder dies in Zukunft nicht gelingen wird(siehe Abbildung 7 ). „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 15 Für die Segmente lassen sich ebenfalls große Unterschiede feststellen(siehe Abbildung 8 ). Während eine deutliche Mehrheit von 53 Prozent der weltoffen Orientierten positive Zukunftserwartungen hat und nur 10 Prozent glauben, die Zukunft lasse sich nicht ändern, überwiegt bei den national Orientierten der Pessimismus. Hier halten 42 Prozent die Zukunft für unveränderlich, während nur 14 Prozent annehmen, dass eine bessere Zukunft gestaltet werden könne. Die bewegliche Mitte findet sich erneut zwischen den anderen beiden Segmenten wieder. Die politischen Einstellungen, wie sie durch die Segmentierung gemessen wurden, sind demnach bei dieser Fragestellung entscheidender als soziodemografische Merkmale. Die repräsentative Befragung ist hier im Einklang mit den qualitativen Befunden. Bereits in den Fokusgruppen hatten sich deutliche Unterschiede zwischen den Segmenten gezeigt. Insbesondere die Weltoffenen waren hier optimistisch gestimmt und blickten hoffnungsvoll in die Zukunft Sachsens. Sie attestierten Sachsen zwar noch Aufholbedarf beim Klimaschutz, der Energiewende und dem Strukturwandel, sahen Sachsen aber auf dem richtigen Weg. Auch die bewegliche Mitte war insgesamt zufrieden und hoffnungsvoll, wenngleich etwas weniger optimistisch. Im Unterschied zu den weltoffen Orientierten zeigte sich hier aber eine größere Politikverdrossenheit, weniger politisches Vertrauen und weniger Zutrauen in die Problemlösungskompetenz der Politik. Vor allem die Zukunftserwartungen der national Orientierten waren bereits in den Fokusgruppen von stärkeren(finanziellen) Sorgen und größeren Belastungen geprägt. Ein Befund, der sich wiederum durch die quantitative Befragung bestätigen lässt(siehe nachfolgendes Unterkapitel). Abbildung 7: Zukunftserwartungen Abbildung 8: Zukunftserwartungen nach Segmenten SORGEN Eine mögliche Erklärung für die ambivalenten Zukunftserwartungen sind die Sorgen, die Sächs_innen derzeit umtreiben. Wie Abbildung 9 zeigt, machen sie sich vor allem Sorgen aufgrund der aktuellen Inflation. 78 Prozent der Sächs_innen äußern eher bzw. sehr große Sorgen, dass die Inflationsrate weiter steigt und sie ihren Lebensstandard nicht mehr halten können. Die Sorge hinsichtlich Altersarmut treibt die Menschen in Sachsen ebenfalls um. So geben 70 Prozent an, dass sie sich eher bis sehr große Sorgen machen, dass ihre Rente im Alter nicht mehr ausreicht. Auch vor Eingriffen ins persönliche Leben und Einschränkungen der eigenen Freiheiten fürchtet sich rund die Hälfte der Sächs_innen, die andere Hälfte macht sich diesbezüglich allerdings eher bis sehr geringe Sorgen. Abbildung 9: Sorgen der Sächs_innen 16 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 17 Abbildung 10: Sorge in Bezug auf steigende Inflation und sinkenden Lebensstandard nach Soziodemografie Die Sorge in Bezug auf steigende Inflationsraten und sinkenden Lebensstandard unterscheidet sich kaum hinsichtlich des Geschlechts oder des Alters(siehe Abbildung 10 ). Deutlicher fallen die Unterschiede nach Schulbildung aus. Personen mit niedriger und mittlerer formaler Schulbildung machen sich ähnlich große Sorgen in Bezug auf zunehmende Inflation und sinkenden Lebensstandard(83 Prozent bzw. 80 Prozent), während Personen mit hoher Schulbildung sich etwas weniger große Sorgen machen(71 Prozent). Am deutlichsten fällt der Unterschied nach Einkommen aus. So machen sich 86 Prozent derjenigen mit einem Haushaltseinkommen von unter 2.000 Euro eher große bzw. sehr große Sorgen, während es bei den Personen mit über 3.000 Euro 71 Prozent sind. Entsprechend fallen auch in dieser Personengruppe die Sorgen wegen steigender Inflationsraten und sinkenden Lebensstandards groß aus. Abbildung 11: Sorge in Bezug auf Altersarmut nach Soziodemografie Deutlicher fallen die Unterschiede bei den Sorgen in Bezug auf Altersarmut aus(siehe Abbildung 11 ). Hier zeigen sich Unterschiede nach Geschlecht und nach Alter. So machen sich Frauen(75 Prozent) eher Sorgen als Männer(66 Prozent). Hinsichtlich des Alters sorgen sich mehr Jüngere, die noch mitten im Arbeitsleben stehen, als Ältere, die bereits (teilweise) in Rente und Pension sind. Aus der Gruppe der 18- bis 39-Jährigen machen sich 76 Prozent Sorgen, während es unter den Personen über 60 Jahren 60 Prozent sind. Am größten fallen die Sorgen mit 80 Prozent unter den 40- bis 59-Jährigen aus. Personen mit niedriger Bildung(74 Prozent) und mittlerer Bildung(75 Prozent) ähneln sich hier in ihrer Beurteilung. Unter denjenigen mit hoher formaler Bildung fallen die Sorgen in Bezug auf Altersarmut mit 60 Prozent etwas geringer aus. Am deutlichsten sind die Unterschiede hier nach Haushaltseinkommen. 80 Prozent der Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen bzw. 65 Prozent mit mittlerem und 63 Prozent mit hohem Haushaltseinkommen befürchten Altersarmut. Deutlicher als die Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen fallen diese nach Segmentzugehörigkeit aus. Ähnlich wie bereits bei der allgemeinen Zukunftserwartung fällt auch hier die Betrachtung der weltoffen Orientierten insgesamt optimistischer aus. Dennoch haben auch sie teilweise finanzielle Sorgen, wie Abbildung 12 und Abbildung 13 zeigen. 91 Prozent der national Orientierten befürchten steigende Inflationsraten und sinkenden Lebensstandard (siehe Abbildung 12 ). Auch 75 Prozent der beweglichen Mitte machen sich hier eher bzw. sehr große Sorgen. Unter den weltoffen Orientierten sind es noch 60 Prozent. Die Furcht vor Wohlstandsverlusten scheint segmentübergreifend, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Dabei scheinen hier die politischen Einstellungen entscheidender als die soziale Lage bei der Beantwortung der Frage zu sein: Innerhalb des Segments der national Orientierten äußern auch 86 Prozent derjenigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von über 3.000 Euro sehr bzw. eher große Sorgen. Das Muster, wonach die national Orientierten die größten Sorgen äußern, gefolgt von der beweglichen Mitte und den weltoffen Orientierten, setzt sich auch in anderen Bereichen fort(siehe Abbildung 13 ). Angst, dass die Rente im Alter nicht ausreicht, haben 85 Prozent der national Orientierten und 66 Prozent der beweglichen Mitte. Unabhängig vom Haushaltseinkommen geben mindestens 80 Prozent der national Orientierten an, sehr bzw. eher große Sorgen in Bezug auf Altersarmut zu haben. Am größten ist der Anteil dabei unter den national Orientierten mit niedrigem Einkommen(88 Prozent). Unter den weltoffen Orientierten ist es immerhin noch die Hälfte, die sich Sorgen hinsichtlich Altersarmut macht. 18 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 19 Abbildung 12: Sorge in Bezug auf steigende Inflation und sinkenden Lebensstandard nach Segmenten Abbildung 14: Sorge in Bezug auf Freiheitseinschränkungen Abbildung 13: Sorge in Bezug auf Altersarmut nach Segmenten Der deutlichste Unterschied zwischen den Segmenten findet sich bei den Sorgen in Bezug auf Freiheitseinschränkungen(siehe Abbildung 14 ). Während hier von den national Orientierten immer noch fast drei Viertel zustimmen, sind es bei der beweglichen Mitte weniger als die Hälfte(42 Prozent). Von den weltoffen Orientierten stimmt nur ein kleiner Teil von 19 Prozent zu. Die Sorgen der Sächs_innen aus der quantitativen Befragung bestätigen die Befunde aus den Fokusgruppen: Die weltoffen Orientierten sind überwiegend positiv gestimmt und haben einen hoffnungsvollen Zukunftsblick für Sachsen. Für sie ist Sachsen auf dem richtigen Weg, hat aber noch Aufholbedarf. Die Stimmung wird für sie vor allem durch politische Entwicklungen wie den Rechtsruck des Bundeslandes und die wachsende Polarisierung bzw. den schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt getrübt. Die bewegliche Mitte ist insgesamt zufrieden, blickt weniger optimistisch – aber auch nicht negativ – in die Zukunft. Auch für dieses Segment ist das rechte ‚Imageproblem‘ Sachsens präsent und stört das positive Selbstbild. Die stärkste Identifikation mit Sachsen weisen die national Orientierten auf. Sie sind es auch, die am stärksten Sorgen und andere Belastungen empfinden. Ihnen fehlt der Optimismus der weltoffen Orientierten und der beweglichen Mitte. Doch auch sie haben die Hoffnung, dass Sachsen weiterkommt. Auch innerhalb der Segmente fallen die Unterschiede zwischen verschiedenen soziodemografischen Gruppen verhältnismäßig gering aus. Entsprechend liegt die Vermutung nahe, dass die Zugehörigkeit zu einem der drei Segmente entscheidender für die derzeitige Wahrnehmung von Sorgen ist als soziodemografische Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Bildung. 5 5 Dabei darf allerdings nicht aus den Augen gelassen werden, dass bereits die Segmentzugehörigkeit nicht unabhängig von soziodemografischen Merkmalen ist(siehe Kapitel 3). 20 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 21 6. ERWARTUNGEN AN DIE LANDESREGIERUNG ZUFRIEDENHEIT MIT DER LANDESREGIERUNG Mit der derzeitigen allgemeinen Arbeit der Landesregierung ist eine Mehrheit der Sächs_innen zufrieden(siehe Abbildung 15 ). Fast die Hälfte gibt an, eher bis sehr zufrieden damit zu sein. Besonders zufrieden sind vor allem Personen mit hoher formaler Bildung, Ältere und Personen mit hohem Haushaltseinkommen. 57 Prozent der Personen mit hoher Schulbildung, 56 Prozent der über 60-Jährigen und 55 Prozent derjenigen mit einem Haushaltseinkommen von über 3.000 Euro sind zufrieden mit der Landesregierung. Am größten ist hingegen die Unzufriedenheit in der Altersgruppe zwischen 40 und 59 Jahren(32 Prozent) und unter denjenigen mit geringem Haushaltseinkommen(31 Prozent) oder mit niedriger Bildung(30 Prozent). Unter den weltoffen Orientierten und der beweglichen Mitte ist die Zufriedenheit ähnlich hoch: 55 Prozent der Weltoffenen und 53 Prozent der beweglichen Mitte sind eher oder sehr zufrieden mit der sächsischen Landesregierung (siehe Abbildung 16 ). Vor allem die national Orientierten sind jedoch unzufrieden. Unter ihnen äußern 36 Prozent Unmut. Abbildung 16: Zufriedenheit mit der Landesregierung nach Segmenten DIE WICHTIGSTEN THEMEN Das derzeit wichtigste politische Thema stellt für die Sächs_innen Migration dar(siehe Abbildung 17 ). Doch auch ökonomische und soziale Themen wie Inflation und Bildung zählen zu den wichtigen Themen der Sächs_innen. Die seit 2021/22 stark angestiegene Inflationsrate belastet die Bürger_innen in Sachsen, wie die in den Abbildungen 10 und 12 geäußerten Sorgen wegen eines weiteren Anstiegs und sinkenden Lebensstandards gezeigt haben. Aus den Fokusgruppen wissen wir, dass beim Thema Bildung vor allem der Lehrermangel als wichtige landespolitische Aufgabe und drängendes Problem gesehen wird. Ein Thema, das unter den fünf wichtigsten Themen der Sächs_innen hingegen nicht auftaucht, ist der Klimawandel. Dies ist vor allem spannend, da in anderen Bundesländern oder bundesweit derzeit der Klimawandel in den allermeisten Befragungen als drängendstes Problem wahrgenommen wird. Abbildung 15: Zufriedenheit mit der Landesregierung Abbildung 17: Wichtigste politische Themen der Sächs_innen 22 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 23 Die Aufschlüsselung nach Segmenten zeigt klar, dass vor allem für die national Orientierten das Thema Migration mit Abstand das wichtigste Thema ist(siehe Abbildung 18 ). 31 Prozent der national Orientierten nennen Migration und Integration als wichtigstes Thema für Sachsen. Für sie rangiert die Inflation direkt dahinter(13 Prozent). Bereits in den Fokusgruppen hatte sich gezeigt, dass dieses Segment stärker von Sorgen und Belastungen geprägt ist und häufiger finanzielle Sorgen und Inflation nennt. An dritter Stelle folgt bei den national Orientierten das Thema soziale Gerechtigkeit(6 Prozent). Auch für die bewegliche Mitte stellt Migration ein wichtiges Thema dar(8 Prozent), wenngleich nicht in der Deutlichkeit, wie dies bei den national Orientierten der Fall ist. Wichtigstes Thema für die bewegliche Mitte ist die Inflation(9 Prozent), gefolgt vom Thema Bildung(8 Prozent). Insbesondere bei der beweglichen Mitte fallen die Unterschiede sehr gering aus – eine klare Priorisierung eines Problems gibt es hier nicht. Wie in Kapitel 3 gezeigt, ist die bewegliche Mitte das heterogenste der drei Segmente und am schwersten zu fassen. Bei der Gruppe der weltoffen Orientierten findet sich Migration nicht unter den fünf wichtigsten Themen. Stattdessen steht hier der gesellschaftliche Zusammenhalt im Bundesland an oberster Stelle(14 Prozent). Schon in den Fokusgruppen hatte sich gezeigt, dass vor allem die weltoffen Orientierten eine weitere Spaltung im Land befürchten. National Orientierte beklagten zwar vor allem während der Covid-19-Pandemie eine starke Spaltung(vor allem in Geimpfte vs. Ungeimpfte), gaben aber an, dass sich dies mit dem Ende der Pandemie wieder gelegt habe. Zweit- und drittwichtigstes Thema der weltoffen Orientierten sind Bildung(12 Prozent) und der Klimawandel(11 Prozent). Während Bildung auch für die anderen zwei Segmente wichtig ist, zählt Klimawandel nur für die weltoffen Orientierten überhaupt zu den wichtigsten Themen. In Bezug auf die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung in den spezifischen Themengebieten zeigt Abbildung 19, dass einige Unzufriedenheit hinsichtlich konkreter Themen besteht. Lediglich im Bereich Wirtschaft herrscht netto positive Zufriedenheit(+ 8 Prozentpunkte). Bei den Themen Sicherheit, Krisenfestigkeit, Infrastruktur, medizinische Versorgung, Klimaschutz und Kinderbetreuung halten sich Zufriedenheit und Unzufriedenheit in etwa die Waage. Deutlich unzufrieden sind die Sächs_innen hingegen mit den Arbeitsbedingungen und der Bezahlbarkeit des Wohnraums. Hier sind 55 bzw. 57 Prozent eher bzw. sehr unzufrieden mit der Arbeit der sächsischen Landesregierung. Abbildung 18: Wichtigste Themen nach Segmenten Abbildung 19: Zufriedenheit mit der Arbeit der sächsischen Landesregierung BILDUNG Am höchsten fällt die Unzufriedenheit beim Thema Bildung aus(siehe Abbildung 19). 74 Prozent der Sächs_innen sind hierbei eher bis sehr unzufrieden mit der Arbeit der Landesregierung. Dabei gibt es kaum Unterschiede bei der Bewertung nach Geschlecht oder Alter der Befragten. Allerdings zeigt sich, dass Personen mit niedriger formaler Bildung etwas zufriedener sind(28 Prozent) als Personen mit mittlerer Bildung(19 Prozent) und hoher Bildung(20 Prozent). Eltern sind genauso(un)zufrieden wie der Durchschnitt. Nur 21 Prozent der Personen mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt sind mit der Arbeit der Landesregierung im Bereich Bildung zufrieden – 77 Prozent sind hingegen(eher) unzufrieden. Bereits in den Fokusgruppen hatte sich gezeigt, dass dieses Thema wichtig, die Unzufriedenheit hier jedoch auch groß ist. Auf der einen Seite sind die Sächs_innen sehr stolz auf das hohe Bildungsniveau im Bundesland. Das gute Abschneiden bei der Pisa-Studie wird wiederholt gelobt und die gute Bildung der Sächs_innen macht einen Teil der sächsischen Identität und des Selbstverständnisses aus. Auf der anderen Seite jedoch besteht große Sorge, dass der anhaltende Lehrkräftemangel das hohe Bildungsniveau gefährdet. Den Teilnehmer_innen der Fokusgruppen fiel es indes schwer, Lösungen für das Problem zu identifizieren. Als kurzfristige Lösungen wurden Quereinstiege diskutiert. Langfristig müsse die Ausbildung attraktiver gestaltet werden. Dennoch herrschten große Zweifel, ob die Probleme kurz- und mittelfristig überhaupt gelöst werden könnten, und auch der Quereinstieg als Lösung wird skeptisch betrachtet. „Wenn jetzt einer so ein kompletter Quereinsteiger ist und von der Tischlerei in die Grundschule geht, finde ich das ein absolutes No-Go.[…] In ein paar Jahren ist unsere Pisa-Studie dann vielleicht nicht mehr so rosig.“ (weiblich, 18– 29, Leipzig-Westsachsen, national Orientierte) 24 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? FACHKRÄFTEMANGEL Der Fachkräftemangel stellt eine der größten Herausforderungen für die sächsische Wirtschaft dar. Unlängst hat die Landesregierung zu dessen Lösung einen Pakt zur Gewinnung internationaler Fachkräfte verabschiedet1. Auch in den Fokusgruppen wurde, von einigen wenigen persönlichen Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit abgesehen, der Fachkräftemangel als größte Bedrohung für die heimische Wirtschaft identifiziert. Die Zahlen der repräsentativen Befragung stützen hier die qualitativen Befunde. Danach gefragt, inwiefern sie sich sorgen, dass der Fachkräftemangel den Industriestandort Sachsen gefährdet, geben rund zwei Drittel der Sächs_innen an, sich diesbezüglich eher bzw. sehr große Sorgen zu machen(siehe Abbildung 20 ). Unterschiede bestehen hier lediglich nach Bildung und Haushaltseinkommen. So sind es Personen mit niedriger formaler Bildung und geringerem Haushaltseinkommen, die sich etwas weniger wegen des Fachkräftemangels und seiner Folgen für die sächsische Wirtschaft sorgen. Von den Segmenten machen sich die weltoffen Orientierten häufiger eher bzw. sehr große Sorgen(72 Prozent), doch auch in der beweglichen Mitte und unter den national Orientierten sind je 65 Prozent besorgt(siehe Abbildung 21 ). Bereits in den Fokusgruppen hatte sich gezeigt, dass wirtschaftliche Fragen unabhängig von der Segmentzugehörigkeit von großer Relevanz für die Sächs_innen sind. Alle Segmente eint der Wunsch nach der fortschreitenden positiven wirtschaftlichen Entwicklung Sachsens. Entsprechend wird der Fachkräftemangel auch von allen Segmenten mehrheitlich als Gefahr für den Industriestandort Sachsen gesehen, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung. Unklar ist hingegen, wie das Problem des Fachkräftemangels gelöst werden kann. Hier wurden bereits in den Fokusgruppen vielfältige Ansätze diskutiert. Häufig wurde dabei der Wunsch nach besserer Bezahlung und der Aufwertung ländlicher Räume(z. B. durch Infrastruktur) genannt. Wie dadurch die offenen Stellen besetzt und der Fachkräftemangel beseitigt werden könne, blieb dabei offen. Auch die qualifizierte Zuwanderung wurde als mögliche Lösung in den Fokusgruppen angebracht und kontrovers diskutiert. Klar wurde, dass ein einseitiger Fokus auf qualifizierte Zuwanderung nicht für alle Segmente gleichermaßen zielführend, hingegen eine Verknüpfung qualifizierter Zuwanderung mit gleichzeitiger besserer Bezahlung und Aufwertung ländlicher Räume überzeugender ist. Die repräsentative Befragung zeigt, dass nach Ansicht der „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 25 Sächs_innen die Verbesserung der Arbeitsbedingungen als ‚beste Idee‘ bewertet wird(siehe Abbildung 22 ). 95 Prozent halten dies für eine eher bzw. sehr gute Idee. Daran anschließend stoßen insbesondere Lohnerhöhungen(88 Prozent), Automatisierung und technologische Lösungen (75 Prozent) ebenfalls auf breite Zustimmung. Ambivalent stehen die Sächs_innen hingegen der qualifizierten Migration gegenüber. Während eine knappe Mehrheit von 56 Prozent die Anwerbung ausländischer Fachkräfte für eine eher bzw. sehr gute Idee hält, finden 40 Prozent diese Idee eher schlecht bzw. sehr schlecht. Die aktuell diskutierten Vorschläge, den Fachkräftemangel durch Mehrarbeit bzw. höheres Renteneintrittsalter aufzufangen, fallen entsprechend klar bei den Sächs_innen durch 7 . Nur 13 Prozent bzw. 9 Prozent halten die beiden Ansätze für eine eher gute bzw. sehr gute Idee. Abbildung 21: Sorge wegen des Fachkräftemangels nach Segmenten Abbildung 20: Sorge wegen des Fachkräftemangels Abbildung 22: Lösungen für den Fachkräftemangel 7 https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/arbeit-rente-fachkraefte-mangel-kretschmer-kritik-100.html 26 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? Bei einigen Lösungsvorschlägen sind sich die Segmente einig: Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und höhere Löhne werden einheitlich als gute Ideen befürwortet, während wöchentliche Mehrarbeit einhellig abgelehnt wird. Auch die Erhöhung des Renteneintrittsalters wird mehrheitlich von allen Segmenten abgelehnt. Hier finden sich lediglich kleinere Unterschiede, wobei 4 Prozent der national Orientierten, 12 Prozent der beweglichen Mitte und 15 Prozent der weltoffen Orientierten ein höheres Renteneintrittsalter für eine eher gute bzw. sehr gute Idee halten. Die Ablehnung ist trotz der Unterschiede segmentübergreifend deutlich. Automatisierung und technologische Lösungen werden mehrheitlich von allen Segmenten positiv bewertet. Am meisten Zuspruch erhält der Vorschlag von den weltoffen Orientierten(83 Prozent), gefolgt von der beweglichen Mitte(77 Prozent). Etwas seltener befürworten die national Orientierten den Vorschlag(70 Prozent). Am meisten Uneinigkeiten zwischen den Segmenten herrscht hinsichtlich der Frage, ob die Anwerbung ausländischer Fachkräfte zur Lösung des Fachkräftemangels beitragen kann(siehe Abbildung 23 ). Während die weltoffen Orientierten die qualifizierte Migration eindeutig begrüßen – 89 Prozent halten diese für eine eher gute bzw. sehr gute Idee –, lehnen die national Orientierten diese klar ab. Hier halten 64 Prozent diese für eine eher schlechte bzw. sehr schlechte Idee. Gleichzeitig ist interessant, dass 33 Prozent der national Orientierten einer Fachkräftezuwanderung nicht abgeneigt sind. Spannend ist ebenfalls die Haltung der beweglichen Mitte. Diese nimmt auch hier, wie bei anderen Themen, eine mittigere Position ein, zeigt sich aber doch deutlich offen für qualifizierte Migration. 64 Prozent der beweglichen Mitte halten die Anwerbung ausländischer Fachkräfte für eine eher gute bzw. sehr gute Idee. Die Trennung verläuft also zwischen den weltoffen Orientierten und der beweglichen Mitte auf der einen Seite und den national Orientierten auf der anderen Seite. Bereits in den Fokusgruppen wurde vereinzelt von national Orientierten die Sorge geäußert, dass es in Sachsen bereits viele Ausländer_innen gebe und die Zahlen„erschreckend“ seien. Die Tatsache, dass Sachsen bundesweit(mit) den geringsten Anteil an Personen mit Migrationshintergrund hat, wird dabei selten reflektiert. Die repräsentative Befragung zeigt, dass sich 44 Prozent der Sächs_innen eher bis sehr große Sorgen in Bezug auf Überfremdung durch ausländische Fachkräfte machen(siehe Abbildung 24 ). Abbildung 23: Anwerbung ausländischer Fachkräfte Abbildung 24: Sorge in Bezug auf Überfremdung durch ausländische Fachkräfte „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 27 Allerdings: Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent macht sich diesbezüglich eher geringe bzw. sehr geringe Sorgen. Wenig überraschend, fallen insbesondere hier die Unterschiede zwischen den Segmenten sehr deutlich aus. Während 90 Prozent der Weltoffenen unbesorgt sind gegenüber Überfremdung durch qualifizierte Migration, machen sich 72 Prozent der national Orientierten diesbezüglich eher große bzw. sehr große Sorgen. Die bewegliche Mitte positioniert sich diesbezüglich erneut ambivalent. Doch auch hier machen sich 61 Prozent kaum Sorgen. Bereits in den Fokusgruppen wurde in Bezug auf qualifizierte Migration auch diskutiert, dass diese erleichtert werden müsse. Dafür sollen ausländische Bildungsabschlüsse einfacher anerkannt werden, außerdem brauche es mehr Bildungsangebote und mehr Sprachkurse, um die Integration zu erleichtern. Allerdings haben die Triaden, also die Gruppen mit jeweils einer Person aus den drei Segmenten, auch gezeigt, dass unterschiedliche Auffassungen darüber bestehen, wer ‚ausländische Fachkräfte‘ sind bzw. woher sie kommen. ‚Fachkräfte‘, so legen einzelne Äußerungen in den Triaden nahe, kommen demnach aus dem süd- oder osteuropäischen Ausland und sollen vor allem Arbeiten übernehmen, die von der einheimischen Bevölkerung nicht(mehr) gemacht werden(z. B. Pflegeberufe). Einwander_innen oder Geflüchtete aus Syrien oder Nordafrika, so die implizite Lesart, fallen folglich nicht in die Kategorie der Fachkräfte. „Die, mit denen wir arbeiten wollen oder die unseren Fachkräftemangel beheben, das sind ja dann eher Westeuropäer oder generell westliche Länder, die halt zu unserer Kultur passen. Das klingt jetzt so bescheuert, aber von den Ländern rede ich. Oder von den Oststaaten, die Frauen, die dann herkommen und Pflegeberufe hier machen.“ (weiblich, 18–29, Leipzig-Westsachsen, weltoffen Orientierte) STRUKTURWANDEL UND INVESTITIONEN Die Notwendigkeit von Klimaschutz, Transformation und Strukturwandel wurde in den Fokusgruppen von allen Segmenten erkannt. Vor allem unter den weltoffen Orientierten ist das Problembewusstsein für den Klimawandel hoch. Auch die bewegliche Mitte stimmt hier weitestgehend zu, während von den national Orientierten Klimaschutz mitunter als Belastung und Gängelung wahrgenommen wird. Entsprechend stehen vor allem die national Orientierten der Transformation am misstrauischsten gegenüber. Für sie überwiegen die vermeintlichen Risiken – ein Ergebnis, das wenig überrascht vor dem Hintergrund, dass Klima derzeit nicht zu den größten Problemen der Sächs_innen zählt(vgl. Abbildung 17 ). Dabei fiel in den Fokusgruppen besonders in diesem Segment häufig der Mangel an konkretem Wissen und an Begriffen wie Strukturwandel oder Transformation auf. Insbesondere mit dem Begriff der Transformation tun sich die Bürger_innen schwer, wie unsere Forschung zeigt. Um die Menschen in Sachsen dennoch für deren Notwendigkeit zu sensibilisieren, muss von der Politik besser erklärt werden, was damit gemeint ist und idealerweise ein anderer Begriff verwendet werden. Deutliche Unterschiede bei der Wahrnehmung und Bewertung des Strukturwandels traten in den Fokusgruppen zu Tage, als es um den richtigen Weg und das richtige Tempo bei der Transformation ging. Auf der einen Seite kann es insbesondere den weltoffen Orientierten damit nicht schnell genug gehen, auf der anderen Seite befürchten die bewegliche Mitte und vor allem die national Orientierten eine zu schnelle Umsetzung. Einig sind sich alle Segmente darin, dass die Politik gute Konzepte vorlegen und der Umbau machbar und sozial verträglich gestaltet werden muss. „Wir haben schon genug Zeit verloren. Ohne Arschtritt und Druck geht es nicht.“ (männlich, 30–39, Region Chemnitz, weltoffen Orientierte) „Es muss was passieren, aber es darf nicht überstürzt werden.“ (weiblich, 50–59, Leipzig-Westsachsen, bewegliche Mitte) Die Erkenntnisse aus der qualitativen Stufe lassen sich auch mit Zahlen belegen. Danach gefragt, ob sich ihrer Meinung nach durch den klimafreundlichen Umbau des Industrieund Wirtschaftsstandorts für Sachsen eher Chancen ergeben, eher Risiken oder ob diese sich die Waage halten, sieht eine Mehrheit von 44 Prozent hier in der Tat eher Chancen (siehe Abbildung 25 ). Rund ein Drittel ist allerdings skeptisch und sieht darin eher Risiken. Männer sind optimistischer gestimmt als Frauen, welchen die Positionierung hier insgesamt schwerer fällt und die sich häufiger in der Mitte („ungefähr gleich“) wiederfinden. Daher sehen auch mehr Männer(36 Prozent) als Frauen(32 Prozent) Risiken. Zwischen dem Alter und der Beantwortung der Frage besteht ein u-förmiger Zusammenhang: Personen unter 40 Jahren (46 Prozent) und über 60 Jahren sehen eher Chancen(45 Prozent), während Personen zwischen 40 und 59 Jahren etwas häufiger Risiken sehen(38 Prozent). Am optimistischsten gestimmt sind hier Personen mit hoher formaler Bildung. Ein Ergebnis, das naheliegt, können sich doch insbesondere Personen mit höherer formaler Bildung besser an die sich verändernden Umstände anpassen. 52 Prozent von ihnen sehen im klimafreundlichen Umbau eher Chancen als Risiken. Nach Regionen zeigt sich, ähnlich wie bei den Zukunftserwartungen(siehe Abbildung 7 ), dass hier vor allem Bürger_innen aus Oberlausitz-Niederschlesien skeptischer sind als Sächs_innen anderer Regionen. 28 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 29 Die Aufschlüsselung nach Segmenten zeigt deutlich, dass – wie bereits die qualitative Stufe vermuten ließ – vor allem die Weltoffenen hier sehr positiv gestimmt sind: Mehr als drei Viertel von ihnen sehen in der Transformation eher Chancen für den Industrie- und Wirtschaftsstandort Sachsen(siehe Abbildung 26 ). Unter den national Orientierten überwiegt die Skepsis. Eine Mehrheit von 52 Prozent sieht hier eher Risiken. Die bewegliche Mitte blickt etwas ambivalenter auf die Entwicklung. Doch auch hier gehen 48 Prozent davon aus, dass die Transformation eher Chancen bereithält. Der klimafreundliche Umbau des Industrie- und Wirtschaftsstandorts benötigt neben dem politischen Willen auch eine solide Finanzierung. In der Tat zeigt sich unter den Sächs_innen eine hohe Investitionsbereitschaft(siehe Abbildung 27 ). 72 Prozent geben an, dass Sachsen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein, mehr Geld ausgeben und investieren sollte. Nur eine Minderheit von 20 Prozent widerspricht dieser Einschätzung und sagt, Sachsen solle lieber weniger Geld ausgeben und sparen. Die Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen fallen relativ gering aus. Tendenziell sind Männer etwas häufiger für mehr Ausgaben(75 Prozent) als Frauen(69 Prozent). Besonders häufig für mehr Investitionen sind Jüngere(76 Prozent) und Bürger_innen mit hoher formaler Bildung(80 Prozent). Die national Orientierten sehen Investitionen tendenziell etwas kritischer als die anderen beiden Segmente. Sie betonen in den Fokusgruppen, dass die Finanzierung gut geplant und die Gelder sinnvoll ausgegeben werden müssen. Generell stehen sie der Politik skeptischer gegenüber und weisen im Vergleich mit der beweglichen Mitte und den weltoffen Orientierten geringeres politisches Wissen und Bewusstsein auf. Insofern bestehen hier größere Bedenken, dass der Staat bzw. die Landesregierung mit dem Geld nicht verantwortungsvoll umgehe und die Investitionen versanden. Auch den anderen Segmenten ist der verantwortungsvolle Umgang mit Geld wichtig – sie fassen jedoch mehr Vertrauen in die Politik und reagieren weniger skeptisch auf Investitionen. Dennoch ließ sich in den Fokusgruppen ein breiter Konsens feststellen, dass wirksame, verantwortungsvolle Investitionen z. B. in Bildung, Wirtschaft und Gesundheitsversorgung gut und wichtig seien und dafür Geld aufgewendet werden sollte. Auch in der quantitativen Befragung fällt die Investitionsbereitschaft unter den national Orientierten(66 Prozent) und der beweglichen Mitte(73 Prozent) groß aus(siehe Abbildung 28 ). Die größte Investitionsbereitschaft haben die weltoffen Orientierten. Ihnen ist die geringe Verschuldung Sachsens mitunter bekannt und sie sehen dringenden Handlungsbedarf für die Zukunft. Entsprechend hoch fällt ihre Bereitschaft für Investitionen aus(83 Prozent). Abbildung 26: Klimafreundlicher Umbau des Industrie- und Wirtschaftsstandorts nach Segmenten Abbildung 25: Klimafreundlicher Umbau des Industrie- und Wirtschaftsstandorts Abbildung 27: Investitionsbereitschaft 30 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 31 Abbildung 28: Investitionsbereitschaft nach Segmenten WIRTSCHAFT Der Stolz auf die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Bundeslandes ist groß unter den Sächs_innen, wie die Fokusgruppen und auch die repräsentative Befragung gezeigt haben. Eng verbunden mit dem Stolz der Sächs_innen auf das bislang Erreichte ist der Wunsch, der Aufschwung möge Bestand haben und Sachsen auch zukünftig wirtschaftlich stabil bleiben. Diese wirtschaftliche Stabilität und vor allem der Anschluss an die nationale und internationale Spitze könne nach Ansicht der Sächs_innen nur gelingen, wenn neue Industrien in Sachsen angesiedelt werden. Diese Ansicht teilen 83 Prozent der Sächs_innen, die hier eher bzw. voll und ganz zustimmen(siehe Abbildung 29 ). Die Befürwortung der Ansiedlung neuer Industrien hängt teilweise auch vom formalen Bildungsstand der Bürger_innen ab. Formal höher Gebildete stimmen hier am stärksten zu(86 Prozent). Mit sinkender Bildung nimmt auch die Zustimmung ab. So stimmen 83 Prozent mit mittlerer und noch 78 Prozent mit niedriger formaler Bildung zu. Spannend: Während Sächs_innen aus Oberlausitz-Niederschlesien bei Zukunftserwartungen(siehe Abbildung 7 ) und beim klimafreundlichen Umbau des Industrie- und Wirtschaftsstandorts(siehe Abbildung 25 ) skeptischer sind als der Rest Sachsens, sind sie häufiger der Ansicht, dass es für den weiteren wirtschaftlichen Aufstieg und Anschluss neue Industrien braucht. Unter den Segmenten herrscht hier sichtbare Einigkeit (siehe Abbildung 28 ). Alle sehen in der Ansiedlung neuer Industrien einen wichtigen Baustein, um Sachsen national und international konkurrenzfähig zu halten. Abbildung 29: Ansiedlung neuer Industrien Abbildung 30: Ansiedlung neuer Industrien nach Segmenten 32 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 33 7. FAZIT: DIE BEWEGLICHE MITTE BESTIMMT, WOHIN DIE REISE IN SACHSEN GEHT Unabhängig vom konkreten Thema haben die weltoffen und die national Orientierten in Sachsen oft klare Haltungen. Meist liegen diese dabei diametral zueinander. Seien es die Zukunftserwartungen, bei denen die weltoffen Orientierten(verhalten) optimistisch sind, die national Orientierten hingegen skeptisch und pessimistisch. Oder die Einstellungen zu den Themen Klimaschutz, Transformation und Strukturwandel, bei denen es den weltoffen Orientierten nicht schnell genug gehen kann, während die national Orientierten bereits jetzt Überforderung und zu schnelle Umsetzung beklagen. Dabei spielt auch die finanzielle Lage eine Rolle. Die Sorgen vor fortschreitender Inflation und Altersarmut sind hoch unter den Sächs_innen, vor allem unter Personen mit niedrigen Einkommen – eine Gruppe, die sich überproportional häufig im Segment der national Orientierten wiederfindet. Auch bei der Frage, welches das derzeit größte Problem sei, um das sich die Landespolitik stärker kümmern solle, liegen die Prioritäten weit auseinander. Unter den national Orientierten stellen für 31 Prozent klar Migration und Integration das größte Problem dar. Hingegen sorgen sich die weltoffen Orientierten vor allem um den sozialen Zusammenhalt und wünschen sich, dass die Landesregierung hier aktiv wird. Einig sind sich die Segmente darin, dass der Fachkräftemangel eine Gefahr für den Industriestandort Sachsen darstellt. Dabei finden einige Lösungsvorschläge Zustimmung bei allen Segmenten. So können nach Ansicht der Sächs_innen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, höhere Löhne sowie Automatisierung und Technologien zur Lösung des Fachkräftemangels beitragen. Der Vorschlag, das Problem durch wöchentliche Mehrarbeit zu lindern, fällt hingegen einhellig durch. Deutliche Unterschiede treten bei der Frage zutage, inwiefern qualifizierte Migration zur Lösung beitragen könne. Die Anwerbung qualifizierter Fachkräfte stößt auf großen Zuspruch(weltoffen Orientierte) oder deutlichen Widerstand(national Orientierte). Die unterschiedlichen Haltungen der weltoffen sowie der national Orientierten zu einer Vielzahl an Themen machen deutlich: Es gibt kaum Brückenthemen – Themen, bei denen sich beide Seiten einig sind und die den Dialog beleben könnten. Beide Seiten können sich nicht auf eine Richtung einigen. Dennoch wurde in den Fokusgruppen auch der Wunsch geäußert, man müsse miteinander im Dialog bleiben. So wünschen sich die Menschen zwar auf der einen Seite eine Brandmauer gegen rechtsextreme Parteien und Kräfte, sagen aber, man dürfe deswegen nicht deren Wähler_innen ausgrenzen. Die bewegliche Mitte steht in der Regel zwischen den anderen beiden Segmenten. Sie agiert zurückhaltender und abwägender und nimmt oft eine mittige Position ein. Vor dem Hintergrund der Spaltungslinie zwischen weltoffen und national Orientierten kommt ihr eine vermittelnde Rolle zu. Dies haben unsere segmentgemischten Triaden gezeigt. Während in den Fokusgruppen die drei Segmente jeweils ‚unter sich‘ waren und mit Gleichgesinnten sprachen, fanden sie sich in den Triaden in einem einstellungsheterogenen Umfeld wieder. Dabei wurde durchaus die Bereitschaft deutlich, einander besser zu verstehen und die andere Sichtweise nachzuvollziehen. Zwar ließ sich selten ein plötzlicher Konsens finden, doch durchaus eine Verbesserung feststellen(vgl. Hartl& Faus 2020). Immer wieder wurde dabei durch Personen der beweglichen Mitte im Diskurs vermittelt. Die bewegliche Mitte stellt sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite und fungiert somit als„Brückenbauerin bei gesellschaftlichen Konfliktlinien“(Storks 2023). Doch diese Mitte droht ihre Fähigkeit als Brückenbauerin zu verlieren: Sie ist beweglich – ihre Positionen sind selten in Stein gemeißelt. Lange Zeit zeichnete sie sich durch ihre demokratische Haltung aus. Bei extremen Meinungen, verfassungsfeindlichen Äußerungen, Gewaltandrohungen und Verschwörungserzählungen hat die bewegliche Mitte oftmals widersprochen. Doch die bewegliche Mitte ist müde. Wie das Gros der Gesellschaft ist auch sie erschöpft von der Polykrise. Die sogenannte ‚Flüchtlingskrise‘, der Klimawandel, die Covid-19-Pandemie, die Energiekrise und der russische Angriffskrieg in der Ukraine, der Angriff der Hamas auf Israel und der wieder aufflammende Nahostkonflikt – in der Wahrnehmung der Bürger_innen reiht sich eine Krise an die nächste. Die bewegliche Mitte reagiert darauf, stärker als die anderen beiden Gruppen, mit einem Rückzug ins Private. Sie meidet politische Gespräche immer öfter, um möglichem Streit und Konflikt aus dem Weg zu gehen. Diese Passivität gefährdet ihre Rolle als Brückenbauerin. Doch gerade in der aktuellen Situation braucht es die bewegliche Mitte und ihre Fähigkeit zum Ausgleich. Die bewegliche Mitte ist ‚Mehrheitsbeschafferin‘. Auf sie kommt es an, in welche Richtung Sachsen sich bewegt. Letztlich bestimmt sie, wohin die Reise in Sachsen geht. Den Politiker_innen aller demokratischen Parteien und politischen Bildungsträgern sei daher ans Herz gelegt, diese bewegliche Mitte zu stärken, ihr Argumente an die Hand zu geben und sie somit im Diskurs zu halten. Der Rückzug der beweglichen Mitte ins Private unterstreicht dabei die Bedeutung proaktiver Lösungen. Die bewegliche Mitte muss dort aufgesucht und angesprochen werden, wo sie sich aufhält. Dies ist Aufgabe aufsuchender politischer Bildung. Dieses Bemühen sollte vor allem auf lokaler Ebene intensiviert werden. Indem Hemmschwellen verringert und der Austausch auf vertrautem Terrain ermöglicht werden, kann die bewegliche Mitte dazu ermutigt werden, wieder aktiv an gesellschaftlichen Diskursen teilzunehmen. 34 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? DIE POLITISCHE BILDUNGSARBEIT IN SACHSEN IST GEFORDERT. FAZIT DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Politische Bildung vermittelt Wissen und fördert Partizipation. Sie erklärt politische Prozesse und ermöglicht den direkten Austausch zwischen Bürger_innen und Politiker_innen. In den aktuellen Krisen beobachten wir Skepsis und häufig mangelndes Vertrauen, bei vielen auch echtes Misstrauen in politische Entscheidungen und demokratische Prozesse. Gute politische Bildung versucht, diese Menschen weiterhin in den politischen Dialog einzubeziehen. Das erfordert, ihre Stimmungslage und ihre Sorgen stets im Blick zu behalten. Mit der vorliegenden Studie erhält die politische Bildung einen Überblick über die aktuellen politischen Einstellungen und Wahrnehmungen der Sächs_innen. Das in der Studie gezeichnete Stimmungsbild muss in der weiteren Gestaltung der Bildungsarbeit zwingend Berücksichtigung finden und Konsequenzen nach sich ziehen. STARKE POLITISCHE POLARISIERUNG IN SACHSEN Eines der bemerkenswerten Ergebnisse der Studie ist das überwiegend positive Selbstbild, das die Sächs_innen von sich und ihrem Bundesland haben. Sie sind stolz auf ihr Bundesland, zufrieden mit der wirtschaftlichen Lage und der guten Entwicklung seit der Wiedervereinigung. Allerdings wird auch klar, dass gut und sehr gut verdienende Befragte stolzer auf Sachsen und das Erreichte sind als Personen mit kleinem Einkommen. Zudem haben auch Personen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen seltener das Gefühl, am wirtschaftlichen Aufschwung Sachsens teilzuhaben. Besonders hervorzuheben ist dennoch ein Merkmal der sächsischen Selbstwahrnehmung, das im Zuge der vergangenen Krisenjahre heraussticht: Die Sächs_innen sehen sich selbst„kritischer“ als andere Bundesbürger_innen. Im Ganzen jedoch bestätigt die Studie ein sehr ambivalentes Stimmungsbild. Während die eine Hälfte der Sächs_innen das Bundesland auf dem richtigen Weg sieht, meint die andere, dass es in die falsche Richtung gehe. Dementsprechend geteilter Meinung sind sie auch mit Blick auf ihre Zukunftserwartungen. Optimismus und Pessimismus sind gleichermaßen präsent und stehen scheinbar oftmals im direkten Zusammenhang mit der jeweiligen politischen Einstellung. Nationaler orientierte Sächs_innen machen sich mehr Sorgen als weltoffen Orientierte, die insgesamt zufriedener und hoffnungsvoller in die Zukunft schauen. Hinsichtlich der gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen ist der zwiespältige Blick der Sächs_innen in die Zukunft keine herausstechende Besonderheit. Bundesweit fallen die Zukunftserwartungen ähnlich geteilt aus. Hingegen ist die amibivalente bewegliche Mitte, die sich als dritte breite Einstellungsgruppe zwischen den weltoffen und national Orientierten bewegt, am zuversichtlichsten. 49 Prozent sind der Ansicht, Sachsen entwickle sich in die richtige Richtung, während 37 Prozent den gegenteiligen Eindruck haben. Worin sich Sachsen jedoch vom Gros der Bundesrepublik unterscheidet, ist die deutliche Überrepräsentanz der national Orientierten. Was nicht heißen soll, dass diese alle radikal rechts eingestellt seien: Darunter finden sich konservative wie auch konservative sozialdemokratische oder linkskonservative Bürger_innen. Die Studie zeigt daher auch, dass national orientierte Befragte ebenso wie die weltoffenen als Gruppe bei vielen Aspekten durchaus heterogene Meinungen vertreten. Doch Fakt ist, der Einfluss national orientierter Einstellungen auf Gesellschaft und Politik ist im bundesweiten Vergleich in Sachsen stärker – auch wenn ihnen eine gleich große Gruppe der Angehörigen der beweglichen Mitte gegenüber steht. Diese Gruppe der beweglichen Mitte stand gerade in den vergangenen Jahren wenig im Zentrum der Öffentlichkeit. Die Erfahrungen aus der politischen Bildung zeigen, dass viele Angehörige dieser Gruppe der polarisierten Debatten leid sind und sich aus dem politischen Diskurs zurückziehen. Die Studie bestätigt, dass die bewegliche Mitte zunehmend von Politikverdrossenheit, fehlendem Vertrauen in die Politik und Diskussionsmüdigkeit gekennzeichnet ist. Der Fokus der politischen Bildungsarbeit muss sich daher verstärkt auf die gesellschaftliche Mitte ausrichten. Die Angehörigen der beweglichen Mitte sind von einer gewissen Gleichgültigkeit in vielen politischen Fragen gekennzeichnet. Dies ist möglicherweise eine Reaktion auf die zunehmende Polarisierung von Debatten. Sie haben dennoch Sorgen in Bezug auf Wohlstandsverlust und Altersarmut. Darüber hinaus beschäftigt sie das inzwischen viel diskutierte„Imageproblem“ Sachsens infolge des Rechtsrucks und sie befürchten – wie die Gruppe der Weltoffenen – nachteilige Auswirkungen auf die sächsische Wirtschaft und ihr eigenes Ansehen. Die Studie zeigt insgesamt eine Polarisierung bei kulturellen Konfliktthemen. Sie veranschaulicht aber auch, dass „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 35 bestimmte Ansichten und Sorgen zu sozialen und ökonomischen Themen sowie Herausforderungen von einer breiten Bevölkerung geteilt werden. Beispielhaft sei hier die klare Ablehnung von Mehrarbeit der arbeitenden Bevölkerung als Antwort auf den Fachkräftemangel genannt. Genauso haben in allen drei Gruppen viele Menschen Angst vor Wohlstandsverlust und Altersarmut und fordern lagerübergreifend höhere Löhne und mehr Investitionen. Spannend ist zudem, dass bei einer sozialökonomischen Betrachtung kultureller Konflikte manches differenzierter erscheint, wenn immerhin etwa ein Drittel der nationaler orientierten Befragten nichts oder wenig gegen Zuwanderung einzuwenden hat, wenn es um Lösungen angesichts des Fachkräftemangels geht. Diese möglichen Brückenthemen allein genügen jedoch nicht, um der Polarisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Im politischen Dialog braucht es die bewegliche Mitte als Brückenbauerin und Vermittlerin zwischen den oftmals„verhärteten“ Polen. In der Konsequenz heißt das für die politische Bildungsarbeit, Wege zu finden und Strategien zu entwickeln, mit denen das Interesse und die politische Beteiligung der Menschen in der beweglichen Mitte reaktiviert und gefördert werden. POLITISCHE PARTIZIPATION DER GESELLSCHAFTLICHEN MITTE STÄRKEN Die Stärkung der beweglichen Mitte erfordert nicht nur einen ganzheitlichen Ansatz und langfristige Maßnahmen, sondern auch das Engagement und die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen. Der politischen Bildung kommt hier eine Schlüsselfunktion zu, da sie die unterschiedlichen Akteur_innen aus Politik, Zivilgesellschaft, den Bildungseinrichtungen und Medien zusammenführen und den Austausch untereinander fördern kann. Öffentliche Diskussionsveranstaltungen, Dialogplattformen, Bürger_innenforen und Workshops ermöglichen es, dass Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Meinungen respektvoll miteinander ins Gespräch kommen und einander zuhören. Sie tragen zum Abbau von Vorurteilen und zur Entwicklung eines besseren Verständnisses für verschiedene Perspektiven bei. Genauso wichtig erscheint es, dass politische Bildung die Dilemmata, Widersprüche und Logik von Politik, politischen Entscheidungen und politischen Bewertungen einbezieht. So muss politische Bildung die Komplexität von Themen und Lösungen verstärkt erklären und begreifbar machen. Durch Mehrebenen-Systeme und globale Zusammenhänge ist Politik zunehmend kompliziert und undurchschaubar geworden. Bürger_innen fühlen sich mitunter überfordert und beschäftigen sich einseitig oder wenig mit politischen Themen und Prozessen. Für die politische Bildungsarbeit bedeutet dies, die Komplexität und Differenzierung stärker im didaktischen Vorgehen zu berücksichtigen. Werden Ambivalenzen und unterschiedliche Graustufen verschiedener Problemstellungen diskutiert, wird einem Schwarz-Weiß-Denken vorgebeugt. Von der politischen Bildung muss ebenso die Ausbreitung eines diffusen Systemmisstrauens in bürgerlichen, rechten und linksliberalen Milieus sowie die damit einhergehende Diffamierung der demokratischen Institutionen mitgedacht werden. Politische Bildung kann der delegitimierenden Wirkung in weiteren Milieus entgegenwirken, indem sie sich inhaltlich und didaktisch verstärkt auf diese Gegebenheiten einstellt und sich zum Ziel setzt, die Pluralität der Diskurse und Meinungen bei bestimmten Themen zu gewährleisten . Da es sich bei der beweglichen Mitte um eine heterogene Gruppe handelt, muss die politische Bildungsarbeit darüber hinaus individuelle Ansätze verfolgen. Hierzu zählt die Förderung der Meinungsbildung durch Bereitstellung objektiver und fundierter Informationen . Die Vermittlung von Fakten, die Darstellung unterschiedlicher Perspektiven und die kritische Analyse von Informationen unterstützen die individuelle Bildung und kritische Medienkompetenz. Einen bedeutenden Beitrag leisten hierbei auch die zum Teil schon vorhandenen Programme zur Förderung von Toleranz, Demokratie und kritischem Denken in Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen. Zudem wächst der Anteil digitaler Angebote der politischen Bildung, wodurch junge Menschen und ebenso stark beruflich und familiär Eingebundene besser erreicht werden. Die Erfahrungen der Covid-19-Pandemie zeigten auch einen Zuwachs von Teilnehmenden aus dem ländlichen Raum bei digitalen Veranstaltungen. Zugleich steht aber das Bedürfnis, sich in Präsenz auszutauschen, im Vordergrund. Über die Informationsvermittlung hinaus gilt es für die politische Bildung, Empathie und Verständnis für die Sorgen und Ängste der Menschen zu entwickeln. Es müssen Räume und Formate geschaffen werden, in denen sie ihre Meinungen und Bedenken äußern können. Dabei sollten ihre Anliegen proaktiv in den Blick genommen und zugleich die gemeinsamen Werte betont werden. Die Hervorhebung der gemeinsamen demokratischen Werte und Prinzipien trägt zu einer Verbindung der Menschen bei. Die damit einhergehende Vermittlung von Kenntnissen über politische Strukturen und Prozesse fördert die Partizipation . Zudem bieten praxisorientierte Projekte die Möglichkeit, politische Entscheidungsfindungsverfahren zu erleben. Mit diesen Erfahrungen können Teilnehmende ein tieferes Verständnis für politische Zusammenhänge entwickeln, ihre Fähigkeiten zur politischen Teilhabe stärken und schließlich zur aktiven Teilnahme an politischen Aktivitäten ermutigt werden. POLITISCHE BILDUNGSANGEBOTE ÜBER- UND WEITERDENKEN Die politische Bildung in Sachsen ist breit aufgestellt und bietet mit ihren vielfältigen Programmen bereits eine Reihe von Informations- und Partizipationsmöglichkeiten. Im Hinblick auf die künftige Gestaltung der Bildungsangebote bedarf es jedoch einer noch stärkeren Orientierung an den Themen und sozialen Sorgen der gesellschaftlichen Mitte und einer deutlich höheren Präsenz im ländlichen Raum. Auch müssen die bestehenden Angebote sehr viel stärker in die Öffentlichkeit getragen werden. Ein großes Problem der sächsischen Bildungsarbeit ist ihr noch immer zu geringer Bekanntheitsgrad. Darüber hinaus verfolgen Akteur_innen der politischen Bildung in unterschiedlichen Organisationen und Initiativen häufig die gleichen Ziele und arbeiten dennoch viel zu oft nebeneinander her. Eine Stärkung der beweglichen Mitte ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und in engerer Zusammenarbeit der verschiedenen 36 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? bildungspolitischen Akteur_innen aussichtsreicher. Kooperationen sollten daher verstärkt und Ideen zur Gestaltung gemeinsamer Bildungsangebote entwickelt werden. Hierbei müssen vor allem die vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen in Sachsen einbezogen werden, die sich für ein solidarisches Miteinander einsetzen. Ob in Wohlfahrtsverbänden, Vereinen, Gewerkschaften, Parteien – der Beitrag zivilgesellschaftlich engagierter Menschen ist eine zentrale Kraft für den Erhalt der Demokratie. Vor allem in den ländlichen Regionen Sachsens kämpfen sie weitgehend allein auf weiter Flur. Sie benötigen finanzielle und strukturelle Unterstützung, um ihre Arbeit fortsetzen und ausbauen zu können. Die enge Zusammenarbeit der bildungspolitischen und zivilgesellschaftlichen Akteur_innen schafft Synergien und bündelt Ressourcen. Gemeinsam sind sie der Motor für eine soziale und demokratische Zivilgesellschaft, die mit Respekt und Toleranz für die besten Lösungen streitet, die aktive Mitsprache der Menschen ermöglicht und ihre gleiche Teilhabe fördert. Dr. Jenny Sprenger-Seyffarth Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Sachsen „SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 37 ABBILDUNGSVERZEICHNIS Abbildung 1: Segmentierung Sachsens Abbildung 2: Selbstbild der Sächs_innen(2023) Abbildung 3: Stolz auf Sachsen Abbildung 4: Stolz auf Sachsen nach Segmenten Abbildung 5: Stimmung in Sachsen Abbildung 6: Stimmung in Sachsen nach Segmenten Abbildung 7: Zukunftserwartungen Abbildung 19: 6 Zufriedenheit mit der Arbeit der sächsischen Landesregierung 23 8 Abbildung 20: Sorge wegen des Fachkräftemangels 24 9 Abbildung 21: Sorge wegen des Fachkräftemangels nach Segmenten 25 10 Abbildung 22: Lösungen für den Fachkräftemangel 25 11 Abbildung 23: Anwerbung ausländischer Fachkräfte 26 12 Abbildung 24: Sorge in Bezug auf Überfremdung 14 durch ausländische Fachkräfte 26 Abbildung 8: Abbildung 25: Zukunftserwartungen nach Segmenten 15 Klimafreundlicher Umbau des Industrie- und Wirtschaftsstandorts 28 Abbildung 9: Sorgen der Sächs_innen 15 Abbildung 26: Klimafreundlicher Umbau des Industrie- und Abbildung 10: Wirtschaftsstandorts nach Segmenten 29 Sorge in Bezug auf steigende Inflation und sinkenden Lebensstandard nach Soziodemografie 16 Abbildung 27: Investitionsbereitschaft 29 Abbildung 11: Sorge in Bezug auf Altersarmut nach Soziodemografie Abbildung 28: 17 Investitionsbereitschaft nach Segmenten 30 Abbildung 12: Abbildung 29: Sorge in Bezug auf steigende Inflation und Ansiedlung neuer Industrien 31 sinkenden Lebensstandard nach Segmenten 18 Abbildung 30: Abbildung 13: Ansiedlung neuer Industrien nach Segmenten 31 Sorge hinsichtlich Altersarmut nach Segmenten 18 Abbildung 31: Abbildung 14: Segmentprofil der weltoffen Orientierten 39 Sorge in Bezug auf Freiheitseinschränkungen 19 Abbildung 32: Abbildung 15: Segmentprofil der beweglichen Mitte 39 Zufriedenheit mit der Landesregierung 20 Abbildung 33: Abbildung 16: Segmentprofil der national Orientierten 40 Zufriedenheit mit der Landesregierung nach Segmenten 21 Abbildung 17: Wichtigste politische Themen der Sächs_innen 21 Abbildung 18: Wichtigste Themen nach Segmenten 22 38 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? 39 LITERATURVERZEICHNIS Bidder, B. 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DIE AUTOR_INNEN Jana Faus ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin, Gründerin und Geschäftsführerin der Berliner Forschungs- und Beratungsagentur pollytix strategic research gmbh. Sie forscht seit mehr als 15 Jahren zu politischen und gesellschaftlichen Themen in Asien, Australien und Deutschland und ist Autorin mehrerer Studien und Publikationen. Mit pollytix berät sie auf Basis qualitativer und quantitativer Forschung Kund_innen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft strategisch zu gesellschaftlichen und politischen Fragen. Lukas Bernhard studierte Sozialwissenschaften und empirische Demokratieforschung. Er ist seit Ende 2021 bei der pollytix strategic research gmbh als Berater mit Fokus auf quantitative Forschungsvorhaben beschäftigt. ANHANG Weltoffen Orientierte Abbildung 31: Segmentprofil der weltoffen Orientierten Bewegliche Mitte Abbildung 32: Segmentprofil der beweglichen Mitte 40 National Orientierte FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG –„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN?„SO GEHT SÄCHSISCH“ – ABER WOHIN GEHT SACHSEN? Abbildung 33: Segmentprofil der national Orientierten IMPRESSUM: ISBN 978-398628-417-6 Herausgegeben vom Landesbüro Sachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung Burgstraße 25 04109 Leipzig www.fes.de/landesbuero-sachsen Bestellung/Kontakt: sachsen@fes.de Verfasser_innen: Jana Faus, Lukas Bernhard pollytix strategic research gmbh Dolziger Straße 7 10247 Berlin Lektorat: Ines Eifler, Görlitz Gestaltung: kollektivdesign.com Titelfoto: picture alliance/ imageBROKER| Michael Nitzschke Druck: Druckerei Brandt GmbH, Bonn © 2023 Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-EbertStiftung e. V. 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