SOZIALE DEMOKRATIE – KURZ UND KLAR 7 GLOBALISIERUNG UND SOZIALE DEMOKRATIE Weltweit gut handeln Soziale Demokratie – Kurz und Klar 7 GLOBALISIERUNG UND SOZIALE DEMOKRATIE Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn Deutschland Weitere Informationen zu diesem Buch: Dieses Buch aus der Reihe Kurz und Klar basiert auf dem Lesebuch 7: Globalisierung und Soziale Demokratie, herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. Die in diesem Buch zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht unbedingt die Ansichten der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. Wollen Sie diesen Text gewerblich nutzen? Dann brauchen Sie die schriftliche Zustimmung der Friedrich-EbertStiftung. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. Das Impressum finden Sie auf Seite 136. Soziale Demokratie – Kurz und Klar 7 GLOBALISIERUNG UND SOZIALE DEMOKRATIE Sprache soll allen Menschen gerecht werden. Sie soll gut verständlich sein und Menschen aller Geschlechter ansprechen! Vorab etwas zur Sprache Mit den Kurz-und-Klar-Büchern möchte die Friedrich-Ebert-Stiftung politische Informationen in einfach lesbarer Sprache anbieten. Die Friedrich-Ebert-Stiftung findet es richtig und wichtig, alle Menschen in der Sprache zu berücksichtigen. Aber das macht Texte manchmal schwierig zu lesen. Wir haben versucht, in diesem Buch eine gute Lösung zu finden. Mehr zum Thema steht in Kapitel 1.4. Inhalt Vorwort 7 Kapitel 1: Einleitung 10 1.1 Was ist Globalisierung? 11 1.2 Globalisierung – eine Welt für alle? 13 1.3 So ist dieses Buch aufgebaut 16 1.4 Über die Buchreihe Kurz und Klar 18 Kapitel 2: Globalisierung einordnen 20 2.1 Globalisierung im Alltag 21 2.2 Chancen und Risiken 25 2.3 Zehn Fragen zur Globalisierung 31 Kapitel 3: Geschichte der Globalisierung 37 3.1 Schon immer im Austausch 38 Extra: Die Hanse: Modell für Globalisierung? 40 3.2 Europa nimmt sich die Welt: Kolonialisierung 41 3.3 Aus Kolonien werden Staaten 45 3.4 Neue Ordnungen für die Welt 47 Extra: Globalisierung betrifft alle Bereiche 55 Kapitel 4: Wer„macht“ Globalisierung? 56 4.1 Politik 57 4.2 Wirtschaft und Arbeit 66 4.3 Geld 71 4.4 Bürgergesellschaft 75 Extra: Die internationale Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung 78 4.5 Die 17 großen Ziele der UNO 80 Kapitel 5: Herausforderungen 84 5.1 Klimakrise 86 Extra: Der neue Bericht des Club of Rome 90 5.2 Soziale Ungleichheit 92 5.3 Verteilung von Arbeit 96 5.4 Handel und Rohstoffe 99 5.5 Hunger 103 5.6 Gesundheit 107 5.7 Krieg und Frieden 110 5.8 Flucht und Zuwanderung 114 Kapitel 6: Wie geht es weiter? 118 6.1 Scheitert die Globalisierung? 120 6.2 Mögliche Entwicklungen 124 6.3 Globalisierung gerecht gestalten 127 Liste der Begriffserklärungen 132 Mehr wissen? 133 Vorwort Ist die Welt in den letzten Jahrzehnten irgendwie kleiner geworden? Manchmal hat man dieses Gefühl. Wir können weiter reisen als unsere Großeltern. Wir können fast überallhin telefonieren. Wir können viel mehr erfahren über fremde Länder. Das Internet macht es möglich. In unserem Alltag nutzen wir mehr Dinge, die anderswo hergestellt wurden, aber auch neue Speisen oder Fernsehserien. All das hat mit der Globalisierung zu tun. Ein Wort, das ausdrückt, dass die Wirtschaft, Politik und Kultur sich weltweit mehr verflechten. Mit der Globalisierung sind Möglichkeiten, aber auch viele Ängste und Probleme verbunden. Zum Beispiel: Führt sie zur mehr Ungerechtigkeit? Gehen durch die Globalisierung Arbeitsplätze in Deutschland verloren? Wir wollen in diesem Buch die Globalisierung genauer anschauen: Wir gucken zum Beispiel auf die Geschichte der Globalisierung. Ist sie neu oder gab es schon immer so eine Entwicklung? Wir schauen, wer die Globalisierung gestaltet und vorantreibt. Wir überlegen, wo die Herausforderungen der Globalisierung liegen. Wir fragen, wie die Globalisierung in verschiedenen Bereichen gut gestaltet werden kann. Das alles tun wir vor dem Hintergrund der drei Grundwerte der Sozialen Demokratie: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. 7 Diese Grundwerte sind nicht nur für Politik in Deutschland wichtig. Sie sind auch ein Maßstab für Politik weltweit. Dabei ist ein Gedanke von Johannes Rau für dieses Buch besonders wichtig. Johannes Rau war SPD-Politiker und von 1999 bis 2004 der achte deutsche Bundespräsident. Er hat 2002 gesagt: „Nein, die Globalisierung ist kein Naturereignis. Sie ist von Menschen gewollt und gemacht. Darum können Menschen sie auch verändern, gestalten und in gute Bahnen lenken.“ Das ist wichtig, denn oft wird über die Globalisierung gesprochen als sei sie einfach da. Johannes Rau hat weiter gesagt: „Man muss aber genau hinsehen: Es gibt großartige neue Chancen und es gibt handfeste Interessen. Es gibt Leute, die bestimmen- und es gibt Menschen, die haben nichts zu sagen. Es gibt mehr Wohlstand und mehr kulturellen Austausch- und es gibt Länder und Regionen, die werden abgehängt. Wir können und wir müssen fragen: Wer sind- bisher- die Gewinner, wer sind- bisher- die Verlierer der Globalisierung?“ Das sind Jan und Anna. Jan hat viele Fragen zu Politik und Gesellschaft. Anna setzt sich für mehr Soziale Demokratie ein. Sie erzählt gerne, was Soziale Demokratie ist. 8 Genau hinschauen und Fragen stellen, das ist unsere Einladung mit diesem Buch. Eine Einladung, den eigenen politischen Kompass zu schärfen. Sind Sie dabei? Wollen auch Sie die Welt besser machen? Interessieren Sie sich für Politik? Engagieren Sie sich im Ehrenamt? Oder sind Sie beruflich in der Politik aktiv? Bei der Akademie für Soziale Demokratie gibt es Antworten auf Ihre Fragen und Anregungen zum Weiterdenken. Den eigenen Weg bestimmen Unser Symbol ist der Kompass. Der Kompass ist ein Instrument aus der Seefahrt. Damit kann man die gewünschte Richtung finden. Die Akademie will Menschen helfen, den eigenen politischen Weg zu bestimmen. Wir freuen uns sehr, wenn diese Buchreihe dabei hilft. Denn Politik wird gut, wenn viele mitdenken und mitmachen. Jochen Dahm Friedrich-Ebert-Stiftung 9 1 Einleitung Das Wort Globalisierung kommt von global, also„die ganze Erde betreffend“. Globalisierung wirkt sich aber auch sehr direkt auf unser Leben aus: zu Hause, bei der Arbeit, überall in unserem Alltag. Globalisierung betrifft uns alle • Egal, ob wir in der Großstadt oder auf dem Land wohnen. • Egal, ob wir nie von zu Hause weggehen oder ständig um die Welt reisen. • Egal, was wir arbeiten, wie wir uns ernähren und was wir anziehen. Wir haben alle immer wieder mit den Auswirkungen von Globalisierung zu tun. Oft ist uns das gar nicht bewusst. In diesem Band der Reihe Kurz und Klar beschäftigen wir uns mit der Globalisierung. Wir fragen, was die Globalisierung ist und wie sie sein könnte. Und für welche Form der Globalisierung sich die Bewegung der Sozialen Demokratie einsetzt. Mehr wissen? Hier geht’s zum Film Globalisierung und Soziale Demokratie https://www.fes.de/akademie-fuer-soziale-demokratie/uebersichtvideos/erklaervideos Mit dem Handy direkt zum Film? Scannen Sie diesen QR-Code mit Ihrem Handy, um direkt zum Film zu gelangen. 10 1.1 Was ist Globalisierung? Globalisierung: Der Begriff umfasst die ganze Welt. Und genau das macht Globalisierung: Sie verknüpft und verbindet die Welt. Das geschieht in vielen Bereichen und auf vielerlei Weise. Es ist gar nicht so leicht, die Globalisierung und ihren Einfluss auf unser Leben zu begreifen. Meist fällt uns beim Wort Globalisierung zuerst die Wirtschaft ein. Es geht bei Globalisierung aber auch um politische Zusammenarbeit. Und um den Austausch zwischen den Menschen und ihren Kulturen. Man kann es so ausdrücken: Globalisierung Globalisierung bezeichnet die weltweite Vernetzung. Lange Zeit wurde Globalisierung immer stärker. Das betrifft die Wirtschaft und die Politik, die Kultur und die Umwelt, die Arbeit und die Gesundheit. 11 Technischer Fortschritt macht es möglich Es gibt schon seit Jahrtausenden Austausch und Handel zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen. Aber erst die neuen Verkehrsmittel wie Flugzeuge und Containerschiffe ermöglichen den Handel, wie er heute stattfindet. Erst durch Telefon und Internet können Menschen so einfach und auch weltweit miteinander in Kontakt treten. Die Technik hat den Austausch billiger und schneller gemacht. Diese neuen Möglichkeiten öffnen den Weg zur Globalisierung in der jetzigen Form. Aufgabe der Politik Die weltweite Vernetzung braucht Steuerung durch die Politik. Globalisierung darf nicht nur den Interessen von einigen Wenigen nutzen. Globalisierung braucht einen klugen und gerechten Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen. Wir stehen heute vor großen weltweiten Herausforderungen. Dazu gehören zum Beispiel die Klimakrise, Kriege und Bürgerkriege, das Aussterben von Tieren und Pflanzen oder Armut und Ungleichheit in der Welt. Diese Herausforderungen können die Länder nur gemeinsam bewältigen. Dazu brauchen wir internationale Zusammenarbeit und Unterstützung. Auch das ist Globalisierung. Wer gestaltet die internationale Politik? In welchen Organisationen arbeiten Länder zusammen? Welche anderen Formen der internationalen Zusammenarbeit gibt es? Darüber informiert ausführlich Kapitel 4. 12 1.2 Globalisierung – eine Welt für alle? Chancen und Risiken Die Globalisierung bringt Chancen und Risiken mit sich. Betrachten wir den Handel: Firmen können ihre Waren in andere Länder verkaufen. Sie gewinnen dadurch neue Kunden. Aber die Firmen in dem Land bekommen dadurch neue Konkurrenz. Und die Arbeitswelt: Firmen können auch die Herstellung ihrer Waren in andere Länder verlegen. Dadurch gehen hier Arbeitsplätze verloren. In einem anderen Land entstehen dafür neue Arbeitsplätze. Was aber, wenn die Arbeitsbedingungen in dem anderen Land schlecht sind? Wenn die Arbeiter mehr arbeiten müssen und dafür weniger Lohn bekommen? Durch globalen Handel sind Waren billiger. So kann ich mir vieles leisten. Wenn die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern nicht gut sind, zahlen andere den Preis für die billigen Waren. 13 Wie kann weltweite Gerechtigkeit funktionieren? Länder können sich durch den Austausch von Gütern, Wissen und Arbeitskräften unterstützen. Wichtig ist dabei, dass nicht nur wenige Länder Vorteile davon haben. Für einen gerechten Ausgleich braucht man gute Verträge. Die Verträge können zwischen zwei oder mehr Ländern geschlossen werden. Das sind zum Beispiel die großen Handelsabkommen. Oder Verträge über Zusammenarbeit, zum Beispiel bei Bildung. Auch Unternehmen schließen untereinander Verträge. Durch Verträge kann man verhindern, dass ein Unternehmen oder ein Land nur für den eigenen Vorteil arbeitet. Globalisierung braucht Regeln Weltweit gültige Regeln für die Globalisierung helfen, dass die Interessen von allen Menschen berücksichtigt werden. Die Vereinten Nationen(United Nations Organization, UNO) haben 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Darin sind die Grundrechte für alle Menschen festgelegt. Im Jahr 1966 kamen der Zivilpakt und der Sozialpakt dazu. Hier werden die Rechte verbindlicher und nachprüfbarer beschrieben. Fast alle Länder auf der Erde haben diese Pakte unterzeichnet. Später kamen ergänzende Pakte dazu: Pakte über Kinderrechte und über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Pakte zum Schutz gegen Rassismus und gegen Benachteiligung von Frauen. Die Politik muss Globalisierung so gestalten, dass diese Rechte für alle Menschen erreicht werden. 14 Soziale Demokratie und Globalisierung Die Soziale Demokratie ist eine politische Grundhaltung. Sie baut auf den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität auf. Ihr Ziel ist es, die Demokratie zu stärken und allen Menschen die gleichen Möglichkeiten zu eröffnen. Die Soziale Demokratie setzt sich für gleiche Rechte für alle ein. Die Soziale Demokratie fördert eine solidarische Gesellschaft, in der die Stärkeren die Schwächeren unterstützen. Diese Werte und Ziele gelten weltweit für die Bewegung der Sozialen Demokratie. Die Parteien und Organisationen der Sozialen Demokratie arbeiten deshalb auch international zusammen, um die Grundrechte und die Werte der Sozialen Demokratie für alle Menschen auf der Welt zu verwirklichen. Mehr wissen? Möchten Sie mehr über die Grundwerte der Sozialen Demokratie erfahren? In Band 1 der Reihe Kurz und Klar – Einstieg in die Soziale Demokratie lesen Sie mehr über die Grundwerte. 15 1.3 So ist dieses Buch aufgebaut Dieses Buch betrachtet die Globalisierung. Wie die Globalisierung entstand und wie sie sich bis heute weiterentwickelt hat. Dieses Buch fragt aber auch: Ist die Globalisierung gut so, wie sie ist? Wie kann Globalisierung noch aussehen? Und vor allem: Wie kann Globalisierung gute Bedingungen für alle Menschen schaffen? Die Welt steht vor großen Herausforderungen und vor großen Veränderungen. Die Klimakrise, die Corona-Pandemie, Hunger und Fluchtursachen können nur gemeinsam bewältigt werden. Die Weltgemeinschaft muss die Aggression einzelner Länder oder Machthaber überwinden. Wir machen uns in diesem Buch erste Gedanken darüber, wie wir Globalisierung in Zukunft gestalten können und welchen Regeln Globalisierung folgen muss. Dabei stehen wir erst am Anfang von einem großen Prozess der Umgestaltung. Hier in der Einleitung in Kapitel 1 haben wir den Begriff „Globalisierung“ eingeordnet. Wir haben einen ersten Blick auf die möglichen Ziele der Globalisierung geworfen. In Kapitel 2 zeigen wir, wo wir im täglichen Leben von der Globalisierung betroffen sind. Wir fragen nach den Chancen und den Risiken, die Globalisierung mit sich bringt. Wir stellen Fragen zu den möglichen Auswirkungen der Globalisierung auf einzelne Bereiche. Kapitel 3 lässt uns die Geschichte der Globalisierung nacherleben. Wir schauen zurück in die Zeit der Eroberungen und der Kolonien. 16 Wir verfolgen die Unabhängigkeitsbewegungen und sehen, welche neuen Formen der Zusammenarbeit, aber auch der Abhängigkeiten sich entwickelt haben. Wir betrachten die Bemühungen um eine Neuordnung der Staatengemeinschaft nach dem tiefen Einschnitt durch den Zweiten Weltkrieg. In Kapitel 4 schauen wir auf die verschiedenen Bereiche, in denen Globalisierung stattfindet: Wirtschaft und Arbeit, Politik und Kultur... Die weltweite Vernetzung wird immer größer und enger. Die Digitalisierung hat einen großen Anteil daran. Wer arbeitet zusammen und wer gegeneinander? Wer hält die Fäden in der Hand? Wir stellen Institutionen und Organisationen vor, die bestimmte Bereiche der globalen Entwicklung steuern. Die gesamte Menschheit steht vor enormen Herausforderungen. Die Klimakrise, der Mangel an Rohstoffen und die ungleiche Verteilung von Arbeit und Wohlstand sind nur einige Stichpunkte. Welche Auswirkungen und welche Chancen gehen hier mit der Globalisierung einher? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Kapitel 5. In Kapitel 6 wagen wir den Blick in die Zukunft. Wie kann sich die Globalisierung weiterentwickeln? Welche Lösungen gibt es für die aktuellen Probleme? Ist vielleicht weniger Globalisierung der bessere Weg? Oder sollten wir die Zusammenarbeit sogar verstärken? Am Ende des Buches finden Sie eine Liste der Begriffe, die im Buch näher erklärt werden, und die entsprechenden Seitenzahlen. Unter der Überschrift Mehr wissen? stellen wir die Angebote der Friedrich-Ebert-Stiftung vor. 17 1.4 Über die Buchreihe Kurz und Klar Dieses Buch gehört zur Reihe„Soziale Demokratie – Kurz und Klar“. In der Reihe sind bereits Bände zu folgenden Themen erschienen: • Einstieg in die Soziale Demokratie • Soziale Wirtschaft • Der Sozialstaat • Europa • Zuwanderung und Integration • Geschichte der Sozialen Demokratie • Demokratie gestalten Alle Bände können Sie bei der Friedrich-Ebert-Stiftung bestellen. Die Bücher stehen auch als pdf zum Download bereit: https://www.fes.de/akademie-fuer-soziale-demokratie/kurz-und-klar Warum Alltagssprache? Wir wollen, dass alle verstehen, worum es in der Sozialen Demokratie geht. Darum ist die Buchreihe Kurz und Klar in leicht verständlicher Sprache geschrieben. Ein wichtiges Thema: Wie gelingt Sprache für alle? Für die Soziale Demokratie ist ein wichtiges Ziel, dass es Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gibt. Auch für die Arbeit der FriedrichEbert-Stiftung ist das so. Das soll auch in der Sprache deutlich werden. In den Büchern der Friedrich-Ebert-Stiftung wollen wir möglichst alle Menschen ansprechen und alle Geschlechter gleich behandeln, 18 auch in der Sprache. Wir schreiben zum Beispiel„die Leserinnen und Leser“,„die Leser_innen“ oder„die Leser*innen“. So schließen wir auch Menschen ein, die nicht Mann oder Frau sind. Oder die sich nicht als Mann oder Frau fühlen. So zu schreiben ist nicht immer leicht verständliche Alltagssprache. Mit den Büchern der Reihe Kurz und Klar möchte die FriedrichEbert-Stiftung aber politische Informationen in einfacher Sprache vermitteln, also in Alltagssprache. Wie kann man gleichzeitig einfach schreiben und alle Menschen berücksichtigen? Dazu gibt es verschiedene Vorschläge. Eine Möglichkeit ist es, die männliche und weibliche Form immer auszuschreiben. Das macht die Texte manchmal ganz schön lang. Man kann auch Worte benutzen, die alle berücksichtigen. Man schreibt„die Studierenden“ oder statt„Bürgerinnen und Bürger“ einfach„Menschen“. Aber das passt nicht immer. Wir benutzen in dieser Buchreihe an manchen Stellen nur die männliche Form. Manchmal nennen wir beide Formen oder nur die weibliche Form. Das ist keine ideale Lösung. Wir hoffen aber, dass alle Leserinnen und Leser sich so angesprochen fühlen. Wir hoffen auch, dass sich gerade die Menschen nicht übergangen fühlen, die sich nicht einem bestimmten Geschlecht zuordnen. Mehr über die Arbeit der FES für Geschlechtergerechtigkeit kann man hier nachlesen: https://www.fes.de/gender 19 2 Globalisierung einordnen Globalisierung umfasst die ganze Welt. Aber sie betrifft auch jeden Einzelnen von uns. Wir spüren ihre Auswirkungen bei der Arbeit. Ohne Globalisierung würden viele Dinge fehlen, die wir kaufen und benutzen. Oder diese Dinge wären viel teurer. Wir begegnen den Auswirkungen von Globalisierung ständig in unserem Alltag. Oft ist uns das nicht bewusst. Auch in der Politik spielen die weltweiten Verflechtungen eine immer größere Rolle. In diesem Kapitel betrachten wir näher, wo Globalisierung uns in unserem Alltag begegnet. Wir versuchen, die Vorteile und die Nachteile von Globalisierung zu benennen. Und wir stellen zehn Fragen an die Globalisierung. Über diese Fragen werden wir im Verlauf von diesem Band noch öfter nachdenken. Im Alltag denkt man oft nicht daran, wie sehr Globalisierung unser Leben beeinflusst. 20 2.1 Globalisierung im Alltag Ein ganz normaler Tag Um die Berührungspunkte mit Globalisierung in unserem Alltag zu finden, denken wir uns jemanden aus. Wir begleiten diese Person einen Tag lang durch den Alltag. Wir begleiten heute„Marie“. Marie ist Architektin und lebt mit ihrem Freund und ihrer Tochter in Köln. 1. Start in den Tag Schon im Badezimmer begegnet Marie dem ersten Produkt, das ohne die Globalisierung nicht in dieser Form da wäre: Maries einfacher Kamm aus Plastik stammt aus China. Dort werden solche Massenprodukte in großen Stückzahlen hergestellt. China liefert die Kämme in die ganze Welt. Die Produktion der Kämme bringt nur genügend Gewinn, weil die Firma so viele davon herstellt. Sonst würden sich die teuren Maschinen für die Produktion nicht lohnen. Die Globalisierung macht es möglich, dass solche Massenprodukte für alle sehr günstig sind. Massenproduktion Eine Firma produziert ständig das gleiche Produkt in großer Menge. Das bringt Vorteile bei den Kosten: die oft teuren Maschinen sind ausgelastet, die Lohnkosten sind meist niedrig. Die Herstellung jedes einzelnen Stücks kostet also sehr wenig. Für die Massenproduktion braucht man viele Käufer und Käuferinnen, am besten weltweit. 21 2. Auf dem Weg zur Arbeit Marie fährt mit dem Bus zur Arbeit. Rundum fahren Autos von verschiedenen Marken aus allen möglichen Ländern. Aber im Grunde ist keines dieser Autos aus einem bestimmten Land. Durch die internationale Arbeitsteilung sind in all diesen Autos Teile aus ganz verschiedenen Ländern eingebaut. Internationale Arbeitsteilung Aufwendige Arbeitsprozesse teilt man heute in viele Schritte auf. Durch Digitalisierung und schnelle Transportmöglichkeiten ist es möglich, diese Arbeitsschritte international zu verteilen. Es gibt einfache Arbeiten, die nicht von Maschinen erledigt werden können. Diese gibt man in Länder mit niedrigem Lohn. Die Ersparnis beim Lohn kann höher sein als die Kosten für den Transport. Allerdings berücksichtigt man so nicht die Belastung der Umwelt durch den Transport. 3. Bei der Arbeit Im Büro bereitet Marie ihre Entwürfe und Pläne vor. Heute ist eine Konferenz mit einem wichtigen Kunden. Der Kunde möchte ein neues Verwaltungsgebäude für seine Firma bauen lassen. Das neue Gebäude soll in Köln gebaut werden. Die Firma des Kunden hat auch Werke in China und Ägypten. Dort sollen ebenfalls neue Gebäude entstehen. Die Konferenz findet deshalb online statt. Bei der Konferenz sind die Leiter und Leiterinnen aller Standorte dabei. 22 Digitalisierung Digitalisierung ist ursprünglich der Begriff für die Umwandlung von analogen Informationen in digitale Daten. Statt einem Aktenordner voller Papier hat man die Informationen in einer elektronischen Datei. Heute verwenden wir den Begriff Digitalisierung für die Veränderung, die durch die Umstellung auf digitale Daten in unserem Leben stattgefunden hat und nach wie vor stattfindet. Das gilt für die Arbeit, für Verwaltungsprozesse und für unseren Alltag. 4. Mittagspause In der Mittagspause trifft sich Marie mit ihrem Kollegen John im Starbucks-Café um die Ecke. John geht mindestens einmal in der Woche zu Starbucks. Er stammt aus New York und lebt erst seit einem knappen Jahr in Deutschland. „Bei Starbucks schmeckt alles genau so wie in New York. Es ist wie ein Stück Heimat für mich“, erklärt John seine häufigen Besuche dort. Internationale Konzerne gibt es nicht nur in der Industrie. Restaurantketten wie McDonalds oder Starbucks legen Wert darauf, dass ihr Angebot in all ihren Läden gleich schmeckt – egal ob in Hamburg oder Toronto. Typische Gerichte aus dem jeweiligen Land findet man dort eher selten. 5. Einkauf auf dem Heimweg Marie kauft auf dem Weg nach Hause ein. Im Supermarkt hat sie eine große Auswahl von regionalen Waren und Produkten aus der ganzen Welt. Marie kauft gern regionale Produkte. Bei Schokolade und Kaffee greift Marie zu Fair-Trade-Produkten. 23 Fair Trade heißt„gerechter Handel“. Bäuerinnen und Landarbeiter werden in den Anbauländern meist schlecht bezahlt. Auch die Arbeitsbedingungen sind oft schlecht. Marie hofft: Bei den Waren mit dem Zeichen„Fair Trade“ ist das besser. Auch Nahrungsmittel werden auf dem Weltmarkt gehandelt. Große Konzerne wie Nestlé vertreiben ihre Produkte weltweit. Sie haben dadurch eine starke Stellung auf dem Markt. Die großen Konzerne bestimmen oft den Preis für Nahrungsmittel. Das wirkt sich in beide Richtungen aus: Erzeuger bekommen zu wenig Geld für ihre Produkte. Und für arme Menschen sind die Waren zu teuer. Das verschärft den Hunger in der Welt. 6. Feierabend Beim Abendessen spricht die Familie über die Pläne von Maries Tochter. Sie möchte nach dem Abitur gern im Ausland studieren. Verschiedene internationale Bildungsprogramme bieten Studienplätze oder finanzielle Unterstützung an. Maries Tochter ist sich noch nicht sicher, für welchen Weg sie sich entscheidet. Später gehen Marie und ihr Freund ins Kino. Sie freuen sich auf die Live-Übertragung von einem Konzert der New Yorker Oper. Solche LiveÜbertragungen finden die beiden richtig klasse. „Kunst und Kultur aus der ganzen Welt kommen zu uns nach Hause“, sagt Marie. 24 2.2 Chancen und Risiken Im vorigen Abschnitt waren wir den Auswirkungen von Globalisierung im Alltag auf der Spur. Wir haben gesehen, auf wie vielen Ebenen sich Globalisierung auf unser tägliches Leben auswirkt. Aber ist das nun gut oder schlecht? Und für wen sind die jeweiligen Auswirkungen gut oder schlecht? Über die Chancen und die Risiken von Globalisierung sind die Menschen nach wie vor geteilter Meinung. Denn was für die einen gut ist, bringt anderen Nachteile. Und umgekehrt. Die Rahmenbedingungen der Globalisierung ändern sich. Die Interessen und Ziele von den Handelnden in der Globalisierung verschieben sich. Politische Verhältnisse werden neu geordnet. Dadurch ändert sich auch die Bewertung von Chancen und Risiken im Lauf der Zeit immer wieder. Der amerikanische WirtschaftsWissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat 2002 ein Buch über die„Schatten der Globalisierung“ geschrieben, also darüber, was nicht so gut läuft. Im Jahr 2006 folgte sein Buch„Die Chancen der Globalisierung“. Auch in diesem Band kritisiert er viele Entwicklungen in der Globalisierung. Er zeigt aber auch, wie es besser gehen kann. 25 Politik Für globale Zusammenarbeit steht die UNO im Vordergrund, also die Vereinten Nationen. Neben der UNO und ihren Unterorganisationen gibt es viele weitere internationale politische Zusammenschlüsse. Chancen: Die globale Zusammenarbeit und gemeinsame politische Entscheidungen können helfen, die Lebensbedingungen für alle Menschen zu verbessern. Nationale Interessen von einzelnen Staaten treten in den Hintergrund. Risiken: Oft ist es schwer, Leitlinien zu finden, auf die sich alle einigen können. Dadurch sind Vereinbarungen manchmal nicht genau und verbindlich. Hier können einzelne Staaten passendere Regeln schaffen. Auch die einzelnen Menschen verlieren an politischem Einfluss. Wirklich demokratische Entscheidungen sind schwieriger. Direkte Wahlen oder Volksabstimmungen sind auf globaler Ebene kaum möglich. UNO Die UNO wurde 1945 gegründet. Sie sollte vor allem verhindern, dass jemals wieder ein Krieg wie der Zweite Weltkrieg stattfindet. Heute gehören fast alle Länder der Welt zur UNO. Über die UNO und ihre Organisationen steht mehr in Kapitel 4. 26 Wirtschaft In der Wirtschaft ist Globalisierung besonders stark spürbar. Firmen handeln über Grenzen hinweg. Einfuhr und Ausfuhr von Waren sind vereinfacht. Viele Hindernisse für den Handel sind abgeschafft. Chancen: Den Unternehmen bringt globaler Handel neue Möglichkeiten für Gewinne. Durch größeren Wettbewerb sinken oft die Preise für Kunden und Kundinnen. Risiken: In manchen Bereichen beherrschen wenige Firmen den Weltmarkt. Arbeit Firmen können sich überlegen, wo sie ein Produkt herstellen. Wenn es mit viel Arbeit verbunden ist, gehen sie oft in Länder mit niedrigen Löhnen. Vor allem, wenn es keine besonders schwierige Arbeit ist. So können sie bei den Arbeitskosten Geld sparen. Chancen: In Ländern mit niedrigen Löhnen entstehen in bestimmten Bereichen neue Arbeitsplätze. Risiken: In Ländern mit niedrigen Löhnen sind oft auch die Arbeitsbedingungen schlechter. In den Ländern mit höheren Löhnen gehen durch die Verlagerung Arbeitsplätze verloren. 27 Umwelt und Klima Die Klimakrise, die Zerstörung der Umwelt und der Verlust an Artenvielfalt sind für die Menschheit die größte Herausforderung seit Langem. Die Weltgemeinschaft muss schnell und entschlossen handeln. Chancen: Die Klimakrise und die Umweltkrise sind weltweite Krisen. Kein Land allein kann sein Klima und seine Umwelt retten. Nur gemeinsame Anstrengungen aller Länder können etwas bewirken. Durch Vereinbarungen wie das Pariser Klimaschutzabkommen stehen die Länder in der Verantwortung. Risiken: Klimaschutz und Umweltschutz haben nicht in allen Ländern den gleichen Stellenwert. Das verlockt manche Firmen, aus Ländern mit strengen Umweltschutzregeln in Länder mit weniger strengen Regeln abzuwandern. Dort können diese Firmen vielleicht billiger produzieren als vorher. Die ungleichen Regelungen schaffen einen schädlichen Anreiz. Digitalisierung Die Möglichkeiten der digitalen Medien und des Internets haben unseren Alltag und unsere Arbeit verändert. Das Internet bringt uns die ganze Welt auf unseren Computerbildschirm. 28 Chancen: Wir können ohne Aufwand und ohne hohe Kosten mit der ganzen Welt in Kontakt treten. Wir können uns weltweit Informationen holen. Firmen können Konferenzen mit Beteiligten auf der ganzen Welt abhalten. Weite Wege mit Auto oder Flugzeug entfallen. Das spart den Ausstoß von schädlichem Kohlendioxid und schont das Klima. Risiken: Einige wenige Anbieter wie zum Beispiel Google oder Meta kontrollieren das Internet und den digitalen Austausch. Sie nutzen die Daten der Kunden in ihrem Interesse. Digitale Daten und das Internet sind anfällig für digitale Angriffe. Die Gefahr von digitalen Terrorangriffen oder digitaler Kriegführung wächst. Durch Verbreitung von Falschinformationen beeinflussen einzelne Gruppen und selbst Regierungen Entscheidungen von Menschen. Kultur und Zusammenleben Der Begriff„exotisch“ gerät langsam in Vergessenheit. Was früher weit weg war und uns deshalb fremd erschien, ist uns heute längst vertraut. Durch Flugzeug, Bahn und Schiff kommen wir schnell und bequem überall hin. Wir erreichen selbst die entfernten Ecken der Welt ohne große Mühe. Chancen: Der unkomplizierte Austausch mit weit entfernten Ländern und Menschen bringt uns einander näher. Wir fühlen uns verbundener und auch verantwortlicher füreinander. 29 Risiken: Auch die Kultur ist eine Art Ware, die getauscht oder verkauft wird. Durch Marktführer entsteht so eine Art Einheitskultur. Ein besonders anschauliches Beispiel ist die weltweite Verbreitung von Lokalen wie McDonalds, die weltweit das gleiche Essen anbieten. Wenn Menschen ihre eigene Kultur als besonders wertvoll ansehen, kann es zwischen den verschiedenen Kulturen zu Problemen kommen. Niemand sollte anderen die eigenen Kultur aufzwingen wollen oder andere wegen ihrer Kultur verachten. j Globalisierung birgt in allen Bereichen Chancen und Risiken. 30 2.3 Zehn Fragen zur Globalisierung Es gibt einige Aussagen über die Globalisierung, die fest in den Köpfen von vielen Menschen verankert sind. Welche von diesen Aussagen über die Globalisierung stimmen und welche nicht? Das lässt sich gar nicht ganz klar sagen. Wir formulieren einige Fragen zur Globalisierung und zu ihren Auswirkungen. Die Antworten betrachten die Globalisierung, wie sie tatsächlich ist. Allerdings sind die Antworten nicht immer eindeutig. Die gleichen Auswirkungen von Globalisierung können für die einen Menschen schlecht und für andere gut sein. Im weiteren Verlauf dieses Buches fragen wir auch, wie Globalisierung anders gestaltet werden kann. Und ob eine andere Form von Globalisierung vielleicht besser für mehr Menschen wäre. Wächst durch Globalisierung die Wirtschaft? Internationale Zusammenarbeit, weltweiter Handel, Arbeitsteilung... da sollte die Wirtschaft doch wachsen. Oder? Die Zahlen aus den letzten Jahrzehnten zeigen: Das war lange so. Aber sie zeigen auch: Es gibt größere Schwankungen im Wachstum durch andere Ursachen. Zum Beispiel hat die Corona-Pandemie zu einem Rückgang von Wachstum geführt. 31 Hilft Globalisierung gegen Armut? Insgesamt ist die Armut in der Welt in den letzten Jahren zurückgegangen. Das ändert aber nichts daran, dass der Reichtum sehr ungleich verteilt ist. Viele Länder sind nach wie vor bitterarm. Dazu zählen vor allem Länder in Afrika. Einige Länder sind insgesamt reicher geworden, zum Beispiel China. Aber innerhalb von China sind immer noch sehr viele Menschen arm. Der Reichtum erreicht nur wenige Menschen. Bleiben die Entwicklungsländer durch Globalisierung arm? Die Globalisierung bietet Chancen. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt. Länder wie China oder Indien haben Fortschritte gemacht. Sie gelten als Schwellenländer. Länder ohne eigene Rohstoffe und Länder ohne Ansiedlung von Firmen aus dem Ausland bleiben oft arm. Auch, wenn sie Rohstoffe haben, diese aber nicht selbst verarbeiten. Schwellenländer Einige frühere Entwicklungsländer haben große Fortschritte bei der Industrialisierung gemacht. Man zählt sie aber noch nicht zu den Industrieländern. Diese Länder nennt man Schwellenländer. Typisch für Schwellenländer ist ein Nebeneinander von moderner Industrie und von wenig entwickelten Bereichen. Die Lücke zwischen arm und reich ist groß. Wichtig für wirkliche Entwicklung ist vor allem der Zugang zu Bildung und guten Arbeitsplätzen für alle Menschen. 32 Vernichtet Globalisierung Arbeitsplätze? Die Zahl der Arbeitsplätze hängt im Großen und Ganzen nicht von der Globalisierung ab. Hier spielt die Automatisierung von Arbeit eine größere Rolle. Oder die Nachfrage nach bestimmten Produkten. In Ländern mit hohen Löhnen gehen manche Arbeitsplätze verloren, weil die Arbeit in andere Länder ausgelagert wird. Andere Arbeitsplätze entstehen auch neu, vor allem im Bereich von Dienstleistungen. Durch Globalisierung gibt es also eher eine Verschiebung von Arbeitsplätzen. Sinken durch Globalisierung die Löhne? Immer mehr Firmen verlagern die Arbeit in Länder mit niedrigen Löhnen. Dadurch steigen auch die Löhne in den Heimatländern nicht mehr so stark. Denn die Arbeitgeber drohen damit, sonst auch ihre Firma in ein anderes Land zu verlegen. Nach und nach nähern sich die Löhne in den Ländern einander an. Aber insgesamt ist der Unterschied immer noch sehr hoch. Insgesamt sind die Löhne in den letzten Jahren nicht so stark gestiegen wie das Wachstum in der Wirtschaft gestiegen ist. Ist Globalisierung schlecht für die Arbeitsbedingungen? In vielen Ländern mit niedrigem Lohn sind auch die Arbeitsbedingungen schlecht. Es gibt kaum Schutz für die Menschen in den Fabriken. Die Arbeitszeit ist lang. Gewerkschaften haben wenig Rechte. In einigen Ländern ist es gefährlich, für eine Gewerkschaft 33 aktiv zu sein. Hier bringt die Globalisierung eher Verbesserungen. Internationale Gewerkschaften unterstützen den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen weltweit. Gesetze wie das Lieferkettengesetz verpflichten Firmen, weltweit auf die Regeln zum Schutz der Arbeitskräfte zu achten. Lieferkettengesetz Das Lieferkettengesetz hat eigentlich den unglaublich langen Namen Liefer­kettens­ orgfalts­pflichten­gesetz. Es wurde im Sommer 2021 in Deutschland beschlossen. Das Gesetz fordert: Deutsche Firmen müssen in all ihren Werken auf die Einhaltung von wichtigen Rechten für Arbeitskräfte achten. Deutsche Firmen müssen auch bei allen anderen Firmen darauf achten, mit denen sie zusammenarbeiten. Es gilt zum Beispiel ein Verbot von Kinderarbeit und von Zwangsarbeit. Auch die Europäische Union bereitet ein Lieferkettengesetz vor. Es soll noch strenger sein als das deutsche Gesetz. Das europäische Lieferkettengesetz berücksichtigt auch den Umweltschutz. Wenn das europäische Gesetz in Kraft tritt, muss Deutschland sein Lieferkettengesetz an das europäische Gesetz anpassen. Führt die Globalisierung zu weniger Steuereinnahmen? Unternehmen müssen ihre Gewinne versteuern. Aber: In den Ländern sind die Steuern für Unternehmen unterschiedlich hoch. Manche Unternehmen verlagern ihren Firmensitz extra in ein Land mit extrem niedrigen Steuern. Gegen diese Entwicklung gilt ab 2023 eine globale Mindeststeuer. Diese führt zu einer gerechteren Steuerverteilung für alle Unternehmen und alle Länder. 34 Wie wirkt sich Globalisierung auf Umweltschutz und Klimaschutz aus? Manche Länder haben keine oder nur schwache Umweltschutzregeln. Das lockt auch Firmen an, die bei der Herstellung von ihren Waren die Umwelt oder das Klima gefährden. Denn Schutzvorrichtungen kosten Geld und machen die Produktion teurer und aufwendiger. Aber immer mehr Länder erlassen Gesetze für den Schutz von Umwelt und Klima. Und immer mehr Menschen achten auf Produkte, die unter guten Bedingungen hergestellt werden. Für Unternehmen sind Umweltschutz und Klimaschutz also auch vorteilhaft. Und die internationale Zusammenarbeit der Politik bringt Klimaschutz und Umweltschutz voran. Ist die Globalisierung schlecht für die Demokratie? In einer Demokratie sind politische Entscheidungen an den Willen des Volkes gebunden. Die Menschen in einer Demokratie entscheiden mit. Entweder direkt durch Volksentscheide, wie zum Beispiel in der Schweiz. Oder durch die Wahl von Präsidenten oder Abgeordneten, die dann die Wähler und Wählerinnen im Parlament vertreten sollen. Durch internationale politische Zusammenarbeit und internationale Verträge verschiebt sich die Zuständigkeit für Entscheidungen. Je mehr Länder zusammenarbeiten, desto länger sind demokratische Entscheidungswege. 35 Das zeigt sich zum Beispiel bei der UNO. Hier dauern Entscheidungen oft sehr lang. Oder sie sind sogar unmöglich. Daran kann und muss man immer weiter arbeiten. Wie kann die Soziale Demokratie gut mit der Globalisierung umgehen? Die Bewegung der Sozialen Demokratie ist eine internationale Bewegung. Je weiter die Globalisierung vorangeht, desto mehr müssen sich die Kräfte der Sozialen Demokratie vernetzen und zusammenarbeiten. Ein gutes Beispiel ist die internationale Gewerkschaftsbewegung. Gewerkschaften aus der ganzen Welt haben sich im Internationalen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen. Der Internationale Gewerkschaftsbund arbeitet eng mit der ILO(International Labour Organization, deutsch: Internationale Arbeitsorganisation) zusammen. Die ILO ist eine Organisation der UNO(siehe Seite 69). Die Bewegung der Sozialen Demokratie sieht auch die Europäische Union als Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung. Der Europäische Gewerkschaftsbund schlägt zum Beispiel einen europäischen Sozialpakt vor. Die Grundwerte der Sozialen Demokratie sind Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Diese Grundwerte gelten auch für das globale Handeln und für die Ziele auf internationaler Ebene. Dafür verbinden sich die Bewegungen der Sozialen Demokratie weltweit. 36 3 Geschichte der Globalisierung Das Wort„Globalisierung“ ist noch recht jung. Es taucht ungefähr seit dem Jahr 1960 häufiger in der deutschen Sprache auf. Der Vorgang der Globalisierung ist aber schon viel älter. Auf Seite 11 haben wir eine Erklärung für den Begriff Globalisierung aufgeschrieben. Es ist die„Verflechtung der Welt“ in verschiedenen Bereichen. Wann also begann die Globalisierung? In diesem Kapitel blicken wir weit in die Vergangenheit zurück. Denn Austausch zwischen Völkern gibt es schon vor der Erfindung von Auto und Flugzeug. Schon seit Jahrtausenden gibt es Wanderungsbewegungen und Handel. Als Christoph Kolumbus in Amerika landet, verändert sich die Form der frühen Globalisierung. Das Zeitalter der Kolonien beginnt. Es dauert lange, bis die Kolonien sich von der fremden Herrschaft befreien können. Dabei kommt es auch zu blutigen Kriegen. Nach dem tiefen Einschnitt in die Weltordnung durch den Zweiten Weltkrieg regeln sich die internationalen Beziehungen immer wieder neu. Auch der weltweite Handel verändert sich immer wieder. Staaten übernehmen neue Rollen. Aus Bedrohung und Abschreckung wird die Hoffnung„Wandel durch Handel“. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist diese Hoffnung erschüttert. Doch das Rad der Veränderungen dreht sich ständig weiter. Die Weltgemeinschaft muss sich immer wieder neu aufstellen. 37 3.1 Schon immer im Austausch Globalisierung ist nicht erst in den letzten Jahrzehnten entstanden, obwohl es uns oft so vorkommt. Bei Gesprächen über Globalisierung geht es schließlich meist um ganz aktuelle Entwicklungen und ihre Auswirkungen. Aber ist das alles wirklich so neu? Schon die frühen Hochkulturen treiben Handel untereinander. Dafür gibt es beeindruckende Beispiele. Diese Handelsverbindungen reichen zurück bis weit vor unsere Zeitrechnung. Die antiken griechischen Städte zum Beispiel treiben Handel bis nach Spanien und nach Indien. Den Griechen ist auch schon der Austausch von Wissen und Kultur wichtig. Sie haben die Idee einer Art„Weltkultur“. Das griechische Wort„Cosmopolis“ bedeutet „Weltstadt“. Das soll nicht nur die Größe einer Stadt bezeichnen, sondern auch die kulturelle Vielfalt. 38 Das Römische Reich treibt unter anderem Handel mit dem Reich der Parther im heutigen Iran und mit dem chinesischen Han-Reich. Der Handel verläuft über die berühmte„Seidenstraße“. Diese Seidenstraße ist eigentlich ein ganzes Netz aus Handelswegen. Diese Wege verbinden den Mittelmeerraum mit Asien. Die„Neue Seidenstraße“ Aktuell betreibt China ein groß angelegtes Projekt für weltweite Handelsnetze. Dabei baut China in vielen Ländern in Asien und Afrika neue Straßen und Bahnstrecken. Mit diesem gigantischen Projekt will China seine Handelsmacht stärken. Man nennt das Projekt„Neue Seidenstraße“. Bei diesem Projekt besteht die Gefahr, dass sich viele Länder in wirtschaftliche Abhängigkeit von China begeben. Ungefähr in der Zeit von 750 bis 1250 knüpfen dann oft jüdische und islamische Händler und Gelehrte Verbindungen in alle Länder der damals bekannten Welt. Sie tauschen nicht nur Waren aus: Sie verbreiten auch ihr Wissen und ihre Kultur im europäischen und im asiatischen Raum. Schon sehr früh tauschten Menschen Waren, aber auch Wissen aus. Kann dieser frühe Handel und Austausch als Globalisierung bezeichnet werden? Das bewerten verschiedene Stellen ganz unterschiedlich. 39 Die Hanse: Modell für Globalisierung? Um das Jahr 1150 schließen sich Kaufleute zu einer Gemeinschaft zusammen, der Hanse. In dieser Gemeinschaft können die Kaufleute ihre Interessen besser durchsetzen. Außerdem können sie sich und ihre Waren besser schützen. Sie gründen Kontore in den Städten, in denen sie Handel treiben. In den Kontoren finden die Kaufleute Schutz in fremden Städten und Ländern. Rund 200 Jahre später schließen sich auch ganze Städte der Hanse an. Es sind Städte, die durch den Handel ihrer Bürger reich geworden sind. Diese reichen Städte erkämpfen sich größere Freiheiten von den Herrschern. Auch dafür ist der Zusammenschluss von Vorteil. Die Hanse hält regelmäßig sogenannte Hansetage ab. Hier treffen sich die Vertreter der Hansestädte und vereinbaren Verträge mit Handelspartnern aus anderen Ländern. Auf den Hansetagen beschließt man auch die Aufnahme neuer Mitglieder. Die Hanse hat großen Einfluss auf die Politik. Sie kann Herrscher zum Beispiel mit Geld unterstützen und so zur Macht verhelfen. Die Hanse gibt Herrschern Geld für Kriege. Sie führt sogar selbst Krieg. Im Lauf der Zeit verliert die Hanse an Bedeutung. Die„Entdeckung“ Amerikas und der schnell wachsende Handel mit der„Neuen Welt“ beschleunigen das Ende der Hanse. 40 3.2 Europa nimmt sich die Welt: Kolonialisierung Europäische Mächte erobern weit entfernte und in Europa unbekannte Länder. Sie besiedeln die eroberten Gegenden und erklären sie zu ihren Kolonien. Die Kolonialmächte beuten ihre Kolonien zu ihrem eigenen Nutzen gnadenlos aus. Die Entdeckung der Welt Portugiesische Seefahrer zieht es weit aufs Meer. Schließlich liegt Portugal am Atlantik. Die Portugiesen erkunden zunächst die Küsten von Afrika. Sie errichten Stützpunkte an der Küste. Dort können sie ihre Schiffe mit frischen Lebensmitteln versorgen. Außerdem ziehen die Portugiesen von den Stützpunkten aus ins Landesinnere. Dort rauben sie Menschen und verschleppen diese als Sklaven nach Portugal. Erst später beginnen die Portugiesen, Handel mit den afrikanischen Völkern zu treiben. Die Portugiesen erkunden den Seeweg um die Südspitze Afrikas herum bis nach Indien. Die Eroberer nehmen die neu entdeckten Gebiete ganz selbstverständlich für ihre Herrscher oder Herrscherin in Besitz. Die Bevölkerung wird oft bekämpft, versklavt oder durch eingeschleppte Krankheiten geschwächt. Ein Austausch auf Augenhöhe findet nicht statt. Das gilt für Amerika genauso wie für Afrika und Australien. 41 Erster Vertrag mit weltweiter Wirkung 1492 ist auch Christoph Kolumbus unterwegs, um einen neuen Seeweg nach Indien zu finden. Er segelt Richtung Westen. So will er Indien ohne den langen Umweg um Afrika herum erreichen. Stattdessen entdeckt Kolumbus einen bis dahin unbekannten Kontinent: Amerika. Vertrag Die beiden Seefahrer-Nationen Portugal und Spanien beschließen, ihre jeweiligen Einflussgebiete in den von ihnen neu entdeckten Gegenden in einem Vertrag festzulegen. Im Vertrag von Tordesillas teilen Spanien und Portugal die Welt in zwei Hälften auf: Spanien bekommt alles Land westlich von einer bestimmten Linie zugesprochen, Portugal alles östlich davon. So kommt es, dass Brasilien portugiesisch wird, der Rest von Südamerika aber spanisch. Weder Spanien noch Portugal bedenken, dass auch andere Länder Interesse an den neu entdeckten Weltgegenden haben. Der Vertrag von Tordesillas ist zwar der erste Vertrag, der eine Entscheidung über große Teile der Welt trifft. Aber außer Portugal und Spanien hält sich kein anderes Land an diesen Vertrag. Gründung von Kolonien Nach dem Abschluss des Vertrags von Tordesillas besetzen die Spanier die Karibischen Inseln, das Reich der Azteken in Mexiko und das Inka-Reich in Peru. 42 Die Portugiesen dehnen ihre Gebiete in Afrika aus und kontrollieren auch den Handel mit Indien. Immer mehr europäische Staaten fordern ihren Anteil bei der Aufteilung der Welt. An die Rechte der Menschen in den neu entdeckten Gebieten verschwendet niemand einen Gedanken. Vielmehr geht es darum, bei der Ausbeutung der neuen Gebiete nicht zu kurz zu kommen. Gold, Silber und Edelsteine locken. Der Handel mit Baumwolle, Kaffee, Kakao und anderen Produkten aus den Kolonien kommt noch dazu. Sklavenhandel Die Spanier und Portugiesen versklaven zunächst die Bevölkerung in den neuen Kolonien, vor allem die Menschen in der Karibik. Bald danach beginnt der Sklavenhandel als gewinnbringender DreiecksHandel zwischen Europa, Afrika und den neuen Kolonien in Amerika. Bis 1815 werden europäische Waren in Afrika gegen Sklaven getauscht. Die Sklaven kommen auf die Plantagen in Amerika. Im Gegenzug gehen die Erzeugnisse der Plantagen nach Europa. Rund 40 Millionen Menschen werden aus Afrika verschleppt. Nur 10 bis 12 Millionen überleben die Überfahrt nach Amerika. 43 Die Welt wird aufgeteilt Seit den großen Entdeckungsreisen gestaltet sich die Welt wie ein großer Kuchen, den die europäischen Mächte zwischen sich aufteilen. Dabei führen sie auch Krieg um und in den Kolonien. Nach dem Siebenjährigen Krieg 1756 bis 1763 erlangen die Briten in Nordamerika die Vorherrschaft und vertreiben dort die Franzosen. Auch in Afrika, Asien und Australien errichten die Briten Kolonien. Zur Zeit der größten Ausdehnung ihres Weltreichs gehört ein Viertel der Welt zu Großbritannien. Die Industrialisierung begünstigt den weltweiten Handel. Die Erfindung von Eisenbahn und Dampfschiffen macht den Transport von Waren schneller und sicherer. Auch die Erfindung der Konservendose macht es möglich, leicht verderbliche Waren über längere Strecken zu transportieren. Der technische Fortschritt macht es auch möglich, die Produktion mancher Waren in die Kolonien zu verlegen. Zum Beispiel lassen britische Firmen Baumwollstoff in Indien herstellen. Deutschlands Interesse an Kolonien erwacht erst spät. Schließlich wird das Deutsche Reich als einheitlicher Staat selbst erst 1871 gegründet. Deutschland erwirbt Kolonien in Afrika, im heutigen China, Mikronesien und Papua-Neuguinea. Nach dem Ersten Weltkrieg muss Deutschland seine Kolonien abgeben. 44 3.3 Aus Kolonien werden Staaten Die Welt vernetzt sich immer stärker. Die Länder bauen immer engere Handelsbeziehungen auf. Die Kolonien können allerdings keine selbstständigen Entscheidungen treffen. Sie sind politisch komplett von ihren Mutterländern abhängig. Was in irgendeiner Ecke von Europa passiert, hat auch Auswirkungen auf andere Erdteile. Kriege wie der Siebenjährige Krieg werden auch in den Kolonien ausgetragen. Nordamerika Doch die Zeiten ändern sich. In Nordamerika werden die Einwanderer in den Kolonien selbstbewusster. Sie wollen sich nicht länger vom fernen England vorschreiben lassen, womit und zu welchen Bedingungen sie Handel treiben dürfen. Denn die Engländer schreiben die Preise für den Handel vor und erheben Steuern auf die Waren. Die Kolonisten lehnen sich gegen diese Vorschriften auf. Das führt schließlich zum Unabhängigkeitskrieg und zur Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1776. Nördlich der USA bleiben die kanadischen Provinzen zunächst britische Kolonien. Denn seit dem Siebenjährigen Krieg gehören die vorher französischen Gebiete in Kanada zu England. Kanada erhält im Lauf der Zeit immer mehr politische Selbstständigkeit. Trotzdem ist der britische König nach wie vor Staatsoberhaupt von Kanada. 45 Südamerika Schon früh regt sich in den südamerikanischen Kolonien der Wunsch nach Unabhängigkeit. Dies geht oft mit Kriegen einher. Ecuador erklärt 1809 als erstes Land in Südamerika seine Unabhängigkeit von Spanien. Andere Länder folgen. Brasilien sagt sich 1822 von Portugal los. Seit 1825 ist Südamerika größtenteils unabhängig. Afrika Auf dem afrikanischen Kontinent erlangt Ghana als erstes Land seine Unabhängigkeit – im Jahr 1957. Drei Jahre später ist das„Jahr Afrikas“: 17 Staaten erlangen 1960 ihre Unabhängigkeit. Die portugiesischen Kolonien werden erst im Jahr 1975 unabhängig. Australien und Indien Die ehemalige britische Sträflingskolonie Australien wird erst spät unabhängig. Indien erringt 1947 die Unabhängigkeit. Hier führt der gewaltfreie Widerstand von Mahatma Gandhi und seinen Anhängern zum Erfolg. Wichtige Tatsache ist: Die Siedler in den USA, Kanada, Australien und Südamerika werden zwar von Europa unabhängig. Die einheimische Bevölkerung wird aber meist weiter unterdrückt. In Indien und Afrika verändert die Unabhängigkeit die Lebensbedingungen zunächst nicht. Aus der Abhängigkeit von den Kolonialherren wird Abhängigkeit von Entwicklungshilfe. Diese schafft oft keine wirkliche Unabhängigkeit. 46 3.4 Neue Ordnungen für die Welt Die Unabhängigkeitsbewegungen stellen die Kolonialmächte vor Herausforderungen. Sie können nicht mehr wie bisher ihre Kolonien als ihren Besitz ausbeuten. Sie müssen nun Verträge und Abkommen schließen. Bei einigen ehemaligen Kolonien gelingt es den ehemaligen Kolonialherren, die alten Abhängigkeiten zu erhalten. Bei anderen ist es Zeit für gerechtere Handelsabkommen. Vor dem Ersten Weltkrieg Zunächst ist die Zeit für wirklich weltweite Vereinbarungen nicht reif. Der Handel folgt aber immer stärker einheitlichen Regeln. Die Führungsrolle übernimmt dabei England. England beherrscht die Weltmeere. Gleichzeitig wächst Englands Wirtschaftsmacht stark an. Das liegt vor allem an der Industrialisierung. In England setzt diese früh und schnell ein. Aber auch die neuen Techniken im Transport wie zum Beispiel die Eisenbahn sorgen für den Aufstieg Englands. Denn sie erleichtern den Handel mit den Kolonien enorm. In seinen Kolonien kann England die eigene Handelspolitik einfach durchsetzen. Mit den unabhängigen Staaten schließt England Verträge ab. Sind die anderen Staaten mit den Bedingungen nicht einverstanden, greift England allerdings auch zu Gewalt. 47 Die Industrialisierung in Europa und den USA führt zu einer starken Nachfrage nach Bodenschätzen und nach landwirtschaftlichen Produkten. Das führt zu mehr Einnahmen, zum Beispiel für die südamerikanischen Staaten. Allerdings verhindert der Handel mit den Bodenschätzen auch den Aufbau einer eigenen Industrie in diesen Ländern. So wird der Grundstein für die wirtschaftliche Abhängigkeit des Globalen Südens gelegt. Globaler Süden Der Begriff Globaler Süden bezieht sich in erster Linie nicht auf die geografische Lage von einem Land. Die Länder des Globalen Südens wurden früher als Entwicklungsländer bezeichnet. Die meisten dieser Länder liegen zwar tatsächlich im Süden der Weltkugel. Australien und Neuseeland zum Beispiel zählen aber zum Globalen Norden. Es geht bei dem Begriff Globaler Süden um Länder, die politisch und wirtschaftlich benachteiligt sind. Oft haben diese Länder eine Vorgeschichte als Kolonie. Die Länder des Globalen Nordens haben im Gegensatz dazu ihren wirtschaftlichen Reichtum oft durch die Ausbeutung von Ländern des Globalen Südens erreicht. 48 Zwischen den Weltkriegen: 1919 bis 1939 Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise ab 1929 bremsen den Ausbau der internationalen Beziehungen und den weltweiten Handel. Der Krieg führt noch mehr negative Seiten der weltweiten Abhängigkeiten vor: Viele Soldaten aus den Kolonien kämpfen in Europa für die Interessen ihrer Kolonialherren. 1918 und 1919 zeigt sich eine weitere Gefahr der weltweiten Vernetzung: Die Spanische Grippe verbreitet sich bis in die hintersten Winkel der Welt. Sie kostet viele Millionen Menschenleben. Der Völkerbund Unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs gründen 45 Staaten im Jahr 1920 den Völkerbund als eine erste weltweite politische Organisation. Die Aufgabe des Völkerbundes ist die Sicherung des Friedens. In einigen Konflikten kann der Völkerbund auch tatsächlich vermitteln. In anderen Krisen ist der Völkerbund nicht erfolgreich. Deutschland wird erst 1926 Mitglied im Völkerbund. Als Adolf Hitler an die Macht kommt, tritt Deutschland 1933 aus dem Völkerbund aus. Es wird heute als das größte Versagen angesehen, dass der Völkerbund den Zweiten Weltkrieg nicht verhindern konnte. Der Völkerbund löst sich schließlich im Jahr 1946 auf. 49 Globalisierung nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt sich die gesamte Weltordnung neu auf. Neue Bündnisse entstehen, aber auch neue Gegnerschaften. Schon während des Kriegs gibt es Überlegungen, wie eine solche Katastrophe in Zukunft verhindert werden kann. Dabei verfolgen die Staaten zwei Ansätze. Der erste Ansatz: Eine Nachfolge für den Völkerbund soll geschaffen werden. Diese neue Organisation soll mehr Einfluss bekommen. Am 24. Juni 1945 gründen sich die Vereinten Nationen(UNO). Sie lösen den Völkerbund ab. UNO Die UNO hat heute 193 Mitglieder. Ihr Ziel ist es, den Frieden zu sichern, die Menschenrechte zu schützen und soziale Gerechtigkeit zu fördern. Der Sitz der UNO ist New York. Hier trifft sich die Vollversammlung. In der Vollversammlung sind alle Mitgliedsstaaten der UNO vertreten. Im Sicherheitsrat der UNO gibt es einige ständige Mitglieder und dazu ergänzende Mitglieder, die regelmäßig wechseln. Der Sicherheitsrat entscheidet über Maßnahmen gegen Länder, die den Frieden gefährden oder tatsächlich Krieg führen. Zur UNO gehört auch der Internationale Gerichtshof. Er hat seinen Sitz in Den Haag. Der Internationale Gerichtshof verhandelt Streitigkeiten zwischen Staaten. Mehr Informationen über die UNO und ihre Unter-Organisationen gibt es in Kapitel 4. 50 Der zweite Ansatz sieht die Gründe für Kriege in wirtschaftlichen Krisen. Durch wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Verhinderung von Wirtschaftskrisen will man Kriegen ihre Grundlage nehmen. Konferenz von Bretton Woods Auf der Konferenz von Bretton Woods im Jahr 1944 einigen sich 44 Länder auf ein gemeinsames Währungssystem. Dabei wird der Wert eines US-Dollars in Gold festgesetzt. Alle anderen Währungen werden mit Bezug auf den USDollar festgeschrieben. Das soll den Wert von Geld stabilisieren. Die USA übernehmen dabei eine Führungsrolle. Sie garantieren den Wert des Geldes. Doch das funktioniert auf Dauer nicht. 1973 bricht das System von Bretton Woods zusammen. Auf der Konferenz von Bretton Woods werden auch die Weltbank und der Internationale Währungsfonds gegründet. Weltbank Die Weltbank gehört zur UNO. Nach dem Krieg sollte die Weltbank den Wiederaufbau unterstützen. Heute unterstützt sie ärmere Länder langfristig bei Aufbauprojekten und in ihrer Entwicklung. Internationaler Währungsfonds(IWF) Auch der IWF gehört zur UNO. Er fördert den Welthandel und versucht, Handelsbeschränkungen abzubauen. Der IWF vergibt Kredite an Staaten, die in einer Wirtschaftskrise stecken. Weltbank und IWF stellen aber Bedingungen, wenn sie Hilfen oder Kredite vergeben. Diese Bedingungen sind oft umstritten. 51 Zwei Lager: Westen und Ostblock Die westlichen Länder bauen neue Beziehungen untereinander auf. Gleichzeitig verhärtet sich das Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion. Beide Großmächte kämpfen um Einfluss in der Welt. Auch wirtschaftlich treten die beiden politischen Lager in einen Wettstreit. Die USA loben den Aufschwung als Sieg des Kapitalismus, die Sowjetunion nennt den Aufschwung Fortschritt durch Sozialismus. Die Spannungen zwischen Ost und West bleiben nicht auf die Großmächte selbst beschränkt. Weltweit führt die Konkurrenz zwischen den USA und der Sowjetunion immer wieder zu Krisen und Kriegen. Einige dieser Krisen bringen die Welt an den Rand eines neuen Weltkriegs. In dieser Zeit stehen sich Ost und West unversöhnlich gegenüber. Die USA und die Sowjetunion mischen sich immer wieder in Krisen in anderen Ländern ein. So unterdrückt die Sowjetunion jeden Versuch in den osteuropäischen Staaten, sich von der Vorherrschaft der Sowjetunion zu befreien. Die USA greift in Ländern in Südamerika in die Politik ein. Als zum Beispiel in Chile der Sozialist Salvador Allende gewählt wird, unterstützen die USA seine Gegner mit finanziellen Mitteln. Die USA unterstützen auch den Militärputsch, der dann zum Sturz Allendes führt. 52 Zusammenbruch des Ostblocks In den Staaten des Ostblocks stockt die Entwicklung der Wirtschaft. In immer mehr Staaten in Osteuropa regt sich Widerstand gegen die Vorherrschaft der Sowjetunion. Schließlich führt ein Machtkampf in der Kommunistischen Partei zum Zerfall der Sowjetunion. Viele Länder in Europa, die vorher zum Ostblock gehörten, orientieren sich nun zum Westen. Einige sind heute Mitglied der Europäischen Union. Ostblock Ostblock war die Bezeichnung des Westens für alle Länder in Europa und Asien, die unter der Führung der Sowjetunion wirtschaftlich und politisch zusammenarbeiteten. Das entsprechende Militärbündnis war der Warschauer Pakt. Bestrebungen nach mehr Unabhängigkeit wurden im Ostblock auch militärisch unterdrückt. Finanzkrise Nach dem Ende der Sowjetunion entschärft sich der Ost-WestKonflikt. Die Welt ordnet sich ein weiteres Mal neu. Die Wirtschaft wird wichtiges Thema. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien wachsen kräftig. Neue Handelsbeziehungen entstehen. Im Jahr 1994 wird die WTO(World Trade Organization) gegründet. WTO(World Trade Organization) Die WTO, auf Deutsch Welthandels-Organisation, hat heute 160 Länder als Mitglieder. Ihr Ziel ist es, den Welthandel zu fördern. Dafür versucht die WTO, Handelsbeschränkungen abzubauen und Handelsstreit zwischen Staaten zu schlichten. Im Jahr 2008 kommt es zu einer weltweiten Finanzkrise. In den Jahren zuvor haben die Banken viele Kredite vergeben. Auch dies 53 beflügelt zunächst die Wirtschaft. Doch nicht alle Kredite werden zurückgezahlt. Erste Banken geraten in Schwierigkeiten. Als eine große Bank pleite geht, beginnt die Krise. Die Staaten müssen mit viel Geld ihre Banken retten. Die Wirtschaft geht weltweit stark zurück. Zeit der Krisen? Aktuell steckt die Welt in mehreren Krisen: • Seit 2019 kämpft die Welt gegen das Corona-Virus. Das Virus fordert Millionen Menschenleben. Die Maßnahmen gegen Ansteckungen bringen den weltweiten Handel in Schwierigkeiten. • Die Klimakrise lässt sich nicht mehr ignorieren. Die Welt ist gefordert, hier entschlossen und schnell zu handeln. • Der aktuelle Krieg Russlands gegen die Ukraine stellt die Weltordnung auf den Kopf. Die weitere Entwicklung lässt sich nicht vorhersagen. In den nächsten Kapiteln beschäftigen wir uns noch näher mit der aktuellen Lage. Regeln und Absprachen geben bis heute keine Garantie für gerechten Handel und verhindern keine Krisen. Die Förderung von Beschäftigung und gerechter Ausgleich helfen, auf diesem Weg voranzukommen. 54 Globalisierung betrifft alle Bereiche Die Wanderungsbewegungen der Menschen bringen von Anfang an auch andere Folgen mit sich. Schon seit vorgeschichtlicher Zeit bis in die Gegenwart findet ein gewaltiger Austausch von Pflanzen, Tieren, Lebensmitteln, Menschen(darunter auch Sklaven), Kultur und auch von übertragbaren Krankheiten statt. Dieser Austausch auf allen Ebenen verändert die Erde. Es gab und gibt bis heute gute und schlechte Seiten an diesem Austausch: • Seefahrer bringen neue Nutzpflanzen von Amerika nach Europa. Diese tragen zum Wachstum der Weltbevölkerung bei. In Europa kann die Kartoffel die Versorgung der Menschen sichern. So werden Hungersnöte abgeschwächt oder sogar ganz verhindert. • Auf der anderen Seite sind die Völker in Südamerika schutzlos bis dahin unbekannten Krankheiten ausgeliefert. Die spanischen Eroberer bringen unter anderem die Pocken nach Südamerika. Ein großer Teil der Bevölkerung fällt dieser Krankheit zum Opfer. • In Australien werden von den Siedlern eingeführte Tiere zu einem Problem für die einheimische Tierwelt. Die neu angesiedelten Tiere verdrängen ursprüngliche Arten. 55 4 Wer„macht“ Globalisierung? „Nein, die Globalisierung ist kein Naturereignis. Sie ist von Menschen gewollt und gemacht. Darum können Menschen sie auch verändern, gestalten und in gute Bahnen lenken. Man muss aber genau hinsehen: Es gibt großartige neue Chancen – und es gibt handfeste Interessen.“ Johannes Rau, 2002 Das Zitat von Johannes Rau zeigt: Wir Menschen gestalten die Globalisierung. Aber wer genau ist an der Gestaltung beteiligt? Welche Möglichkeiten von Gestaltung gibt es? Die Globalisierung betrifft die Politik genauso wie die Wirtschaft, die Arbeitswelt und unseren Alltag. Meist sind die einzelnen Bereiche nicht genau zu trennen. Trotzdem haben wir in diesem Kapitel für die einzelnen Bereiche jeweils eigene Abschnitte verfasst. In diesen Abschnitten stellen wir die wichtigsten Gestalter der Globalisierung in diesen Bereichen vor. Eine herausragende Rolle spielen natürlich die Vereinten Nationen, die UNO. Die UNO spielt deshalb in allen Bereichen eine Rolle. Außerdem widmen wir uns in einem Abschnitt den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO. Denn auch diese Ziele können nur durch globale Zusammenarbeit erreicht werden. Auf zwei Extraseiten stellen wir die internationale Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung vor. 56 4.1 Politik Politik reicht von unserem Alltag bis zur Weltpolitik. Politik beginnt im Kleinen, praktisch vor unserer Haustür. Wo beginnt die„große Politik“? Politik, die die Welt verändern soll? Das ist gar nicht so einfach abzugrenzen. Die Begriffe„global“ und„lokal“ werden deshalb häufig in einem Atemzug genannt. Zählt zum Beispiel ein Handelsabkommen zur politischen oder zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit? Kann man das überhaupt so genau trennen? Es gibt viele internationale Bündnisse und Abkommen. Einige betreffen nur wenige Länder. Oder sie drehen sich um ein bestimmtes Thema. Das größte internationale Bündnis ist die UNO mit 193 Mitgliedern(siehe auch Seite 50). Die UNO Die UNO erklärte Frieden und die Einhaltung von Menschenrechten auf der ganzen Welt zu ihrem wichtigsten Ziel. So ist es in ihrem Gründungsvertrag aufgeschrieben. Diesen Vertrag haben alle Mitglieder unterschrieben. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte veröffentlichte die UNO im Jahr 1948. Vereinbarungen und Pakte Im Jahr 1966 formulierten die Mitgliedsländer der UNO den Zivilpakt und den Sozialpakt. Gemeinsam mit der Allgemeinen Erklärung für 57 Menschenrechte bilden sie die internationale Vereinbarung zu den Menschenrechten. Weitere Pakte ergänzen den Zivilpakt und den Sozialpakt. Es gibt Pakte über Kinderrechte, über die Rechte von Menschen mit Behinderung, zum Schutz gegen Rassismus und gegen Benachteiligung von Frauen und zum Schutz vor Folter. Fast alle Länder haben diese Pakte unterschrieben. Sie berichten regelmäßig, wie sie die Pakte umsetzen. Diese Pakte heißen auch Konventionen. Wer eine Konvention unterschreibt, muss sich daran halten. Allerdings tun das nicht immer alle Staaten. Im Jahr 2015 verabschiedete die UNO ihre 17 Nachhaltigkeitsziele. Diese wichtigen Ziele stellen wir in Kapitel 4.5 ausführlich vor. Die Vollversammlung Die UNO trifft sich mindestens einmal im Jahr in New York zur Vollversammlung. Dort treffen die Mitgliedstaaten gemeinsam politische Entscheidungen. Diese Entscheidungen heißen Resolutionen. Allerdings sind die Resolutionen aus der Vollversammlung nicht verpflichtend. Das heißt: Die Länder sollen sich an die Resolutionen halten. Tun sie das nicht, gibt es aber zum Beispiel keine Strafen. Auf der Vollversammlung wird alle fünf Jahre der Generalsekretär gewählt. Er ist der oberste Vertreter der UNO. Außerdem wählt die Vollversammlung alle zwei Jahre die wechselnden Mitglieder für den Sicherheitsrat und für andere UnterOrganisationen. 58 Der Sicherheitsrat Der Sicherheitsrat ist eine sehr wichtige Einrichtung der UNO. Er besteht aus 15 Mitgliedsländern. Fünf Mitglieder sind immer im Sicherheitsrat vertreten, die anderen zehn Mitglieder wechseln. Der Sicherheitsrat entscheidet, was in einem Streitfall zwischen Staaten zu tun ist. Er entscheidet auch über den Einsatz von Militär. Die UNO hat keine eigene Armee. Die Mitgliedstaaten stellen für Einsätze der UNO Soldatinnen und Soldaten aus ihrer nationalen Armee zur Verfügung. Diese UNO-Einsätze nennt man Blauhelm-Einsätze. Blauhelm-Einsätze dienen dazu, Frieden zu sichern oder die Einhaltung von einem Waffenstillstand zu sichern. Die Beschlüsse vom Sicherheitsrat sind verpflichtend. Allerdings können die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat einen Beschluss blockieren. Das nennt man Veto. Durch das Veto-Recht kommen oft keine Beschlüsse zustande. Aktuell blockiert Russland alle Beschlüsse rund um eine Verurteilung des Angriffs auf die Ukraine. Unter-Organisationen Die UNO hat für viele Handlungsfelder eigene Unter-Organisationen geschaffen, zum Beispiel die Weltgesundheits-Organisation WHO(englisch: World Health Organization). Diese Unter-Organisationen arbeiten in 59 ihren jeweiligen Handlungsfeldern an konkreten Lösungen. Sie unterstützen zum Beispiel Menschen in Notgebieten durch die Verteilung von Lebensmitteln oder mit medizinischer Hilfe. Einige dieser Unter-Organisationen werden in den nächsten Abschnitten noch vorgestellt. Die EU Als Nächstes werfen wir einen Blick auf die Europäische Union. Diese Gemeinschaft ist aus einem kleinen Handelsbündnis weniger Staaten zu einer starken politischen Gemeinschaft angewachsen. Die Anfänge der EU liegen im Jahr 1952. Damals taten sich sechs europäische Staaten zur„Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ zusammen. Das sollte den Handel mit Kohle und Stahl erleichtern. Das Vorhaben war erfolgreich. Es folgten weitere Abkommen und Zusammenschlüsse. Zunächst ging es dabei nur um die Wirtschaft. Erst später formulierten die Mitglieder auch gemeinsame politische Ziele. Heute arbeitet die EU in vielen Bereichen sehr eng zusammen. Deshalb gibt es auch viele gemeinsame Einrichtungen. Mehr wissen? In unserem Band Kurz und Klar – Europa stellen wir die Europäische Union ausführlich vor. 60 Europäisches Parlament Das Europäische Parlament wird direkt von den Bürgern und Bürgerinnen in der EU gewählt. Gemeinsam mit dem Ministerrat entscheidet das Parlament über europäische Gesetze. Europäische Kommission Die Europäische Kommission schlägt gemeinsame Gesetze für die EU vor. Und sie achtet darauf, dass alle Staaten die Regeln einhalten. Ministerrat Im Ministerrat treffen sich jeweils die Fachminister und Fachministerinnen der einzelnen Regierungen. Zu jedem Thema kommen die entsprechenden Fachleute. Also zum Beispiel aus den Landwirtschaftsministerien oder aus den Finanzministerien. Europäischer Rat Im Europäischen Rat treffen sich die Regierungschefs Die EU will in vielen Bereichen gemeinsam wachsen und besser werden. Vieles klappt schon gut. Bei manchen Punkten hakt es. selbst. Hier beraten sie über die gemeinsamen Ziele. Und über die Wege, wie die Ziele erreicht werden sollen. Die EU hat ein eigenes Gericht, den Europäischen Gerichtshof. Für die Geldpolitik ist die Europäische Zentralbank zuständig. Der Europäische Rechnungshof prüft, wofür die EU wie viel Geld ausgibt. 61 Es geht also bei der EU um politische, wirtschaftliche und finanzielle Entscheidungen. Die EU trifft immer mehr Entscheidungen gemeinsam. Die Entscheidungen der EU sind verpflichtend für die Mitgliedsländer. Auch wenn es mal Streit zwischen den Mitgliedsländern gibt: Die EU ist ein Bündnis mit sehr großem Zusammenhalt und mit großem politischen Einfluss. Die EU ist mit der Zeit immer größer geworden. Und sie rückt stärker zusammen. Einige europäische Staaten haben einen Antrag gestellt, auch Mitglied der EU zu werden. Allerdings gibt es auch eine Bewegung in die andere Richtung. Großbritannien hat die EU wieder verlassen. Auch in anderen EU-Ländern gibt es Parteien, die über einen Austritt aus der EU nachdenken. Andere regionale Bündnisse Es gibt noch mehr regionale Bündnisse. So eng wie die EU sind die meisten anderen Bündnisse aber nicht miteinander verbunden. Und keines von diesen Bündnissen hat ähnlich starke politische Einrichtungen wie die EU. Bei vielen Bündnissen geht es in erster Linie um wirtschaftliche Zusammenarbeit und um Handelsbeziehungen. 62 Ein Beispiel: Afrikanische Union Der Afrikanischen Union gehören 55 afrikanische Staaten an. Ihr Ziel ist die gemeinsame politische und wirtschaftliche Weiterentwicklung auf dem afrikanischen Erdteil. In ihrem gemeinsamen Programm führen sie die Ziele Demokratie, Frieden und Wirtschaftswachstum auf. Die afrikanische Union legt großen Wert darauf, die Frauen und die Jugend zu stärken. Noch ein Beispiel: Europäische Politische Gemeinschaft 2022 wurde die Europäische Politische Gemeinschaft neu gegründet. Es ist ein Zusammenschluss, der die EU und die restlichen europäischen Länder zusammenbringen soll. Anlass für das erste Treffen war der Krieg von Russland gegen die Ukraine. Ziel ist die Stärkung der Sicherheit in Europa. Neben Fragen der Verteidigung geht es auch um die Energieversorgung und um die Klimakrise. Regionale Bündnisse können ihre Position innerhalb der Weltgemeinschaft besser vertreten als ein einzelnes Land. Noch mehr Beispiele für regionale Bündnisse sind: • Mercosur(Gemeinsamer Markt in Südamerika) • ASEAN(Verband von Staaten aus Südostasien) • Andengemeinschaft • Arabische Liga 63 Bündnisse für bestimmte Aufgaben Andere Bündnisse wurden extra für einen bestimmten Zweck gegründet. In diesen Bündnissen arbeiten auch Länder aus verschiedenen Regionen zusammen. Einige Beispiele stellen wir vor. NATO Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Europäische und nordamerikanische Staaten übernehmen bei einem Angriff auf ein Mitglied gemeinsam die Verteidigung. Früher stand der NATO der Warschauer Pakt gegenüber. Das war das Verteidigungsbündnis der Sowjetunion und der mit ihr verbundenen Staaten. Der Warschauer Pakt löste sich im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion auf. G7 und G20 Die G7 und die G20 sind keine Bündnisse mit festen Verträgen. Die G7 stehen für die wichtigsten westlichen Industrieländer: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Auch die EU ist bei den Treffen vertreten. Der Vorsitz wechselt. Einmal im Jahr treffen sich die Regierungschefs. Sie stimmen sich zu politischen und wirtschaftspolitischen Themen ab und formulieren gemeinsame Positionen. Die G7-Länder sind auch bei den G20 vertreten. Dazu kommen zwölf weitere Industrieländer und Schwellenländer, die EU und mehrere für die Wirtschaft wichtige Organisationen, zum Beispiel die Weltbank oder die Welthandelsorganisation. Bei den G20 geht es vorwiegend um Wirtschaftspolitik. 64 Die G7 und G20 vereinen einen großen Teil der weltweiten Wirtschaftsleistung und der weltweiten Finanzkraft. Dadurch nehmen diese Zusammenschlüsse Einfluss auf das politische und wirtschaftliche Geschehen auf der ganzen Welt. IAEA Die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA ist eine UnterOrganisation der UNO. Ihr gehören 175 Länder an. Das Ziel ist die sichere und friedliche Nutzung der Atomenergie. Aufmerksamkeit bekam die IAEA durch den Auftrag, das Abkommen zur friedlichen Nutzung von Atomenergie mit dem Iran zu überwachen. Seit dem Überfall von Russland auf die Ukraine versucht die IAEA, den sicheren Betrieb des Atomkraftwerks in Saporischschja in der Ukraine sicherzustellen. Recht und Gesetz Auch bei der Rechtsprechung und Internationale Bündnisse können die Beziehungen zwischen Staaten verbessern. bei der Strafverfolgung gibt es internationale Zusammenarbeit. Der Internationale Strafgerichtshof hat seinen Sitz in Den Haag. 123 Staaten erkennen ihn an. Seine Aufgabe ist die Verfolgung von Verbrechen wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Die Interpol ist eine internationale Polizeibehörde. Hier arbeiten 195 Länder zusammen. 65 4.2 Wirtschaft und Arbeit Geht es um Globalisierung, fällt vielen Menschen zuerst die Wirtschaft ein. In diesem Bereich waren die Auswirkungen der Globalisierung früh zu spüren. Oft ging das mit eher schlechten Erfahrungen einher. Globalisierung war für viele Menschen ein Ausdruck für den Verlust von Arbeitsplätzen und für ungeregelte Möglichkeiten von Ausbeutung. Diese Ausbeutung bezog sich auf Arbeit, Rohstoffe und die Umwelt. Die Kosten für Arbeitslosigkeit und Umweltschäden trug die Bevölkerung. Die Gewinne durch dieses rücksichtslose Vorgehen strichen die Unternehmen ein. Heute hat die Politik erkannt, dass globalisierte Wirtschaft gute Regeln braucht. Regierungen und politische Bündnisse gestalten auch im Bereich der Wirtschaft und Arbeit mit. Handelsabkommen zum Beispiel werden zwischen Staaten geschlossen, nicht zwischen Unternehmen. Es gibt heute mehr Gesetze und internationale Abkommen zum Schutz von Arbeitern und Arbeiterinnen. Und auch der Umweltschutz wird heute strenger geregelt und kontrolliert. Trotzdem bleiben Schlupflöcher. Hier ist die internationale Politik gefordert, für gute Regeln zu sorgen. 66 Internationale Unternehmen: die Global Player Einige Unternehmen sind so groß, dass ihr Einfluss weltweit spürbar ist. Man nennt diese Unternehmen„Global Player“. Wörtlich übersetzt heißt das„weltweite Spieler“. Gemeint sind Firmen mit weltweitem Einfluss. Unternehmen handeln so, dass sie möglichst viel Gewinn erzielen. Durch ihre verschiedenen Standorte auf der ganzen Welt sind diese großen Unternehmen nur schwer von einer Regierung zu kontrollieren. Außerdem nehmen Unternehmen oft selbst Einfluss auf politische Entscheidungsträger. Viele Unternehmen machen möglichst hohe Gewinne, indem sie strenge Regelungen vermeiden oder verhindern. Sie verlagern Arbeit in Länder mit niedrigem Lohn und wenig Arbeitsschutz. Den Firmensitz des Unternehmens legen sie in Länder mit niedriger Steuer. Rohstoffe besorgen sie dort, wo sie billig sind. Ob die Umwelt dabei Schaden nimmt, ist ihnen nicht wichtig. Global Player Zu den Global Playern gehören große Unternehmen wie Amazon, Apple, Nestlé, Google, Mercedes oder VW. Manche Global Player haben mehr Geld als die Länder, in denen ihre Fabriken stehen. Das gibt den Unternehmen sehr viel Macht. Sie können dadurch den Ländern zum Teil vorschreiben, welche Bedingungen für das Unternehmen gelten sollen. Die Unternehmen können zum Beispiel Arbeitsbedingungen oder Steuervorteile aushandeln. 67 Internationale Arbeiterbewegung Dagegen stehen die Vertretungen der Arbeiterschaft. Das sind in erster Linie die Gewerkschaften. Auch die Gewerkschaften arbeiten international zusammen. Sie wollen gute Arbeit weltweit erreichen, mit guten Arbeitsbedingungen und gerechtem Lohn überall. Die Gewerkschaften unterstützen sich in ihrem Kampf um gute Arbeitsbedingungen. 2006 gründete sich der Internationale Gewerkschaftsbund(IGB). Im IGB sind über 300 Gewerkschaften aus über 150 Ländern vertreten. In der Europäischen Union haben sich die Gewerkschaften zum Europäischen Gewerkschaftsbund(EGB) zusammengeschlossen. Auch die einzelnen Gewerkschaften für bestimmte Berufsgruppen arbeiten international zusammen. 68 Politischen Rahmen schaffen: Regierungen und Bündnisse Eine für Unternehmen und für die Arbeiterschaft gute Weltwirtschaft braucht die Politik, um Rahmen zu setzen. Die Regierungen schaffen die Bedingungen für Arbeit und Wirtschaft auf ihrem Staatsgebiet. Dazu kommen internationale Organisationen. Bei der UNO sind die ILO und die WTO wichtige Unter-Organisationen für Arbeit und Wirtschaft. ILO Die Internationale Arbeitsorganisation ILO(für englisch: International Labour Organization) wurde schon 1919 gegründet. Ihr Ziel war die Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit. Seit der Gründung der UNO ist die ILO eine Unter-Organisation der UNO. In der ILO sind Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände vertreten. Sie arbeiten gemeinsam an Leitlinien für Arbeitsbedingungen und sozialen Schutz. Das Ziel der ILO ist es, menschenwürdige Arbeit für alle und in allen Ländern zu schaffen. Die ILO bekämpft Zwangsarbeit und Kinderarbeit. Sie fordert Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und eine soziale Absicherung für Arbeiter und Arbeiterinnen. Außerdem fordert die ILO das Recht für Arbeiter und Arbeiterinnen, sich zu vereinigen und gemeinsam für Forderungen einzutreten. 69 Die ILO bekämpft Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz. Es gibt noch viele Länder, in denen die Bedingungen für gute Arbeit noch nicht erreicht sind. Hier leistet die ILO auch Entwicklungshilfe, um bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. WTO Die Welthandels-Organisation WTO soll die internationalen Handelsbeziehungen regeln und überwachen. Bei Streitigkeiten soll sie schlichten. Ziel der WTO ist, in den Mitgliedstaaten den Lebensstandard und die Einkommen zu erhöhen und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dafür soll der internationale Handel ausgeweitet werden. Wegen Streitigkeiten unter den Mitgliedsstaaten hat die WTO derzeit allerdings große Probleme, ihre Aufgaben zu erfüllen. Eigenständiges Bündnis: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung(OECD) Die OECD(englisch: Organization for Economic Co-operation and Development) ist ein Bündnis von westlichen Industrieländern. Deshalb wird die OECD auch„Club der Reichen“ genannt. Heute gehören allerdings auch einige Schwellenländer zur OECD. Die Ziele der OECD sind Wirtschaftswachstum in allen Ländern, ein steigender Lebensstandard und mehr internationaler Handel. Ob die Mitgliedsländer der OECD tatsächlich den Fortschritt in allen Ländern im Blick haben? Oft genug vermehren die reichen Länder ihren Wohlstand auf Kosten der ärmeren Länder. Hier muss man sicher von Fall zu Fall genauer hinsehen. 70 4.3 Geld Dieser Abschnitt ist natürlich eng mit dem vorigen verknüpft. Denn Wirtschaft, Handel und Arbeit sind ohne Geld nicht denkbar. Jedenfalls nicht mehr, seit die Menschen keine Waren mehr gegeneinander tauschen. Deshalb widmen wir dem Geld einen eigenen Abschnitt. Die Konferenz von Bretton Woods(siehe Seite 51) regelte den internationalen Geldverkehr und den Wert der nationalen Währungen. Diese Regeln gibt es nicht mehr. Jetzt bestimmen Spekulanten und Banken den Wert einer Währung. Sie schieben Geld in bestimmte Länder oder ziehen das Geld aus einem Land plötzlich ab. Das führt immer wieder zu Krisen. Zwar gibt es Organisationen, die den Finanzmarkt überwachen und regeln sollen. Aber eine große Menge Geld ist nicht im Besitz der Staaten. Die großen internationalen Unternehmen besitzen mehr Vermögen als manche kleine Staaten. Das macht es noch schwerer, auf die Einhaltung von Regeln zu achten und die Regeln durchzusetzen. Aber wer ist für die Einhaltung und Überwachung der Regeln für den Geldmarkt zuständig? Egal, wie gut oder schlecht das klappt? 71 Auf internationaler Ebene sind vor allem die Weltbank und der Internationale Währungsfonds(IWF) die Institutionen, die über das Geld wachen. Beide Institutionen gehören zur UNO. Im IWF sind fast alle Mitgliedsländer der UNO vertreten. Der IWF beobachtet und bewertet die Entwicklung der Wirtschaft in den einzelnen Ländern und Regionen. Droht eine Finanzkrise, kann der IWF beraten und auch eingreifen, zum Beispiel durch Kredite. Der IWF knüpft die Kredite an bestimmte Bedingungen wie Sparmaßnahmen. Die Weltbank unterstützt in erster Linie die wirtschaftliche Entwicklung in den ärmeren Ländern. Dabei achtet die Weltbank zunehmend darauf, nachhaltige und umweltschonende Projekte zu fördern. Wer hat das Sagen beim Geld? In den letzten Jahrzehnten haben die Banken und die Unternehmen viele Freiheiten bekommen, wie sie mit Geld umgehen. Einige Regierungen setzten bewusst darauf, dass die Wirtschaft und die Banken vieles allein regeln sollen. Andere Länder mussten bei dieser Politik mitgehen, weil Unternehmen und Banken sonst aus diesen Ländern fortgegangen wären. Die großen Freiheiten von Unternehmen und Banken führten am Ende in eine große, weltweite Krise. 72 Finanzkrise 2008 Vor allem in den USA vergaben Banken jahrelang Kredite auch an Menschen, die nicht so viel verdienten. Die US-amerikanische Bundesbank hielt die Zinsen niedrig und gab neues Geld aus. Die Geldmenge wurde also größer. Als die Zinsen erhöht wurden, konnten viele Menschen ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Mehrere Banken standen vor der Pleite. Durch die internationale Zusammenarbeit der Banken wirkte sich die Krise weltweit aus. Staaten mussten mit viel Geld die Banken retten. Die Wirtschaft ging zurück. Durch die Finanzkrise ist deutlich geworden: Die Staaten müssen Möglichkeiten haben, beim Geld einzugreifen. Dazu gehören • die Vergabe von großen Krediten, • die Gestaltung von Preisen für lebenswichtige Güter, • Steuern für international arbeitende Konzerne. In diesen Bereichen müssen Regierungen den Weg vorgeben können. Hier muss es auch internationale Zusammenarbeit geben. Die internationale Mindeststeuer: ein richtiger Schritt Über Steuern können Staaten einen Teil der Gewinne von der Wirtschaft für sich abschöpfen. Damit bezahlen die Staaten ihre Ausgaben, zum Beispiel für Schulen und Krankenhäuser, Straßen und Bahnlinien. Aber auch die Renten und die Unterstützung von armen Menschen werden vom Staat bezahlt. Doch selbst hier nehmen die Unternehmen Einfluss. Bei zu hohen Steuern verlegen sie den Sitz der Firma in ein Land mit niedrigen Steuern. Oder zumindest drohen sie damit. Hier hat die Politik nun eine wichtige Einigung erzielt. 73 Durch die globale Mindeststeuer für Unternehmen wird die Steuerflucht in Zukunft international bekämpft. Jedes Unternehmen muss in Zukunft dort, wo es Gewinne erwirtschaftet, auch Steuern bezahlen. Dieser Regelung haben sich mittlerweile viele Länder angeschlossen. Es ist ein erster wichtiger Schritt, um die ungleiche Verteilung von Geld zu bekämpfen. Auch das Kapitel über die Herausforderungen der Globalisierung beschäftigt sich mit der Bekämpfung von Ungleichheit. Durch die aktuellen Krisen ist die ungleiche Verteilung von Geld wieder stärker geworden. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer stärker auseinander. Hier muss eine Entwicklung in die andere Richtung einsetzen. Wenn Herstellung und Handel von Waren international sind, reichen nationale Regeln nicht mehr aus. Der Geldmarkt muss weltweit gerecht geregelt werden. Dabei helfen auch internationale Steuern. 74 4.4 Bürgergesellschaft In Band 6 der Reihe Kurz und Klar geht es um die Bürgergesellschaft. Dort steht: „Der Begriff von der aktiven Bürgergesellschaft wird heute viel benutzt. Er taucht in Zeitungsartikeln und in den Reden der Politiker auf. Er klingt für die meisten Menschen sehr positiv. In einer aktiven Bürgergesellschaft übernehmen die Menschen Verantwortung für sich und für andere. Auf der anderen Seite wollen und können die Menschen in einer aktiven Bürgergesellschaft auch mitentscheiden.“ Aber ist so etwas wie eine Bürgergesellschaft auch auf globaler Ebene möglich? Wo sind die Ansatzpunkte, bei denen Bürger und Bürgerinnen vieler Länder gemeinsam etwas bewegen können? Gibt es diese Ansatzpunkte überhaupt? Diese Fragen kann man mit„Ja“ und mit„Nein“ beantworten. Längst haben sich internationale Bewegungen der Bürgergesellschaft gegründet. 75 Aber gibt es politische Plattformen, bei denen solche internationalen Bürgerbewegungen etwas erreichen können? Viele dieser Bewegungen sind auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene entstanden. Die Bewegungen aus verschiedenen Ländern haben sich dann zusammengetan und arbeiten heute auch über Ländergrenzen hinweg zusammen. Bewegungen zum Klimaschutz Seit einigen Jahren ist der Klimaschutz zu einem wichtigen Thema weltweit geworden. Fridays for Future Eine von den ganz großen Klimabewegungen weltweit ist Fridays for Future. Diese Bewegung entstand aus dem wöchentlichen Schulstreik der schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Die Aktivisten von Fridays for Future sprechen heute bei wichtigen politischen Versammlungen, egal ob bei den Gipfeln von G7 oder G20 oder bei den Klimagipfeln und Versammlungen der UNO. Schulstreik fürs Klima Extinction Rebellion Die Bewegung Extinction Rebellion(deutsch: Rebellion gegen das Aussterben) macht durch gewaltfreie, aber spektakuläre Proteste auf den Klimaschutz aufmerksam. Die Bewegung wurde in Großbritannien gegründet und ist heute in 67 Ländern aktiv. 76 Bewegungen für mehr Gerechtigkeit Längst gibt es auch Bewegungen, die sich direkt für eine gerechtere Politik und gegen Ungleichheit und Armut einsetzen. Attac Attac wurde in Frankreich gegründet und ist weltweit tätig. Diese Bewegung fordert eine gerechtere Steuerpolitik, mehr Unterstützung für ärmere Staaten, strengere Regeln für den Welthandel und mehr politische Begleitung der Globalisierung. Bündnisse für Menschenrechte und Hilfsorganisationen Hierzu zählen Organisationen wie Amnesty International, die sich weltweit für Menschenrechte einsetzen. Aber auch Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen sind wichtige Partner im Bereich der Nothilfe auf der ganzen Welt. Diese Vereinigungen setzen sich international für bessere Bedingungen und für ihre Ziele ein. Sie sorgen dafür, dass die Ärmeren auf dieser Welt durch die Globalisierung nicht immer noch schlechter gestellt sind. Partner oder Gegner? Nicht immer ist die Politik bereit, mit Aktionsbündnissen aus der Bürgergesellschaft zu reden oder sie politische Entscheidungen mitgestalten zu lassen. Aber diese Menschen sind wichtige Partner auf dem Weg zu einer gerechteren Globalisierung. „Die Gestaltung unser aller Zukunft ist zu wichtig, um sie allein Regierungen und Experten zu überlassen.“ Willy Brandt, 1980 77 Die internationale Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung Die Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet seit vielen Jahrzehnten als Partnerin der deutschen Außenpolitik und Entwicklungspolitik. Mit ihrer Arbeit möchte die Friedrich-Ebert-Stiftung soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Frieden und Sicherheit auf der ganzen Welt stärken. Durch die internationale Arbeit möchte die Friedrich-EbertStiftung internationale Verbindungen schaffen. Internationale Zusammenarbeit auf politischer und gewerkschaftlicher Ebene soll so angestoßen und gefestigt werden. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat über 100 Büros auf der ganzen Welt. Die Stiftung arbeitet mit demokratischen Kräften in den jeweiligen Ländern zusammen und versucht, diese zu stärken. Die Stiftung fördert junge Menschen, die sich politisch einsetzen möchten. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung ist die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften sehr wichtig. Die Stiftung unterstützt freie Gewerkschaften auf der ganzen Welt. Dabei arbeitet sie auch mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund(DGB) und dessen internationalen Partnergewerkschaften zusammen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung entwickelt Projekte auf regionaler und internationaler Ebene. Dabei geht es zum Beispiel um Klimapolitik und Energiepolitik, um die Stärkung der Demokratie 78 oder die Förderung von Gewerkschaften und ihrer internationalen Zusammenarbeit. Ein Ziel der internationalen Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung ist es, Fluchtursachen zu bekämpfen. Dafür fördert sie die Schaffung guter Lebensbedingungen weltweit. Hier setzt die Stiftung an vielen Punkten an. Es geht zum Beispiel darum, demokratische Strukturen aufzubauen und politische Mitgestaltung für die Bevölkerung zu stärken. Die Stiftung fördert gute Arbeitsbedingungen und setzt sich für faire Handelsabkommen ein. Gute Bedingungen für Bäuerinnen und Bauern sollen die Landflucht stoppen. Dafür muss die Position der einheimischen Landwirte gegen die großen, internationalen Agrar-Unternehmen gestärkt werden. Nicht zuletzt ist eine weltweite gute Klimapolitik wichtig, damit Menschen ihre Heimat nicht wegen einer KlimaKatastrophe verlassen müssen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht Bücher und andere Medien und führt Studien zu aktuellen Themen durch. Durch die Publikationen stellt sie ihr Wissen für viele Menschen zur Verfügung. Bei Veranstaltungen und Workshops der Friedrich-Ebert-Stiftung können sich die Menschen kennenlernen und austauschen, um in Zukunft besser zusammenarbeiten zu können. 79 4.5 Die 17 grossen Ziele der UNO Im Jahr 2015 hat die UNO auf ihrer Vollversammlung 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Die Ziele sollen ein gutes Leben für alle Menschen ermöglichen. Die Natur soll geschützt und bewahrt werden. Alle Staaten sind aufgerufen, diese Ziele zu verwirklichen. Auch alle Menschen sollen sich daran beteiligen, die Ziele zu erreichen. Denn jeder kann mit seinem Verhalten dazu beitragen. Die Ziele sollen bis 2030 erreicht sein. Deshalb heißt das Programm auch: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die 17 Ziele sollen allen Menschen auf der Erde ein Leben in Würde ermöglichen, in einer gesunden Umwelt und mit einer gesicherten Lebensgrundlage. Es soll eine weltweite Partnerschaft zwischen den Menschen erreicht werden, die auch mehr Wohlstand für alle Menschen ermöglicht. Ein extra entwickelter Katalog von Messwerten macht es möglich, den Fortschritt auf diesem Weg zu messen. Dabei stellt sich heraus, dass man bei den unterschiedlichen Zielen unterschiedlich schnell vorankommt. In den ersten Jahren geht es insgesamt zu langsam. Durch die Corona-Krise und den Krieg Russlands gegen die Ukraine wird die UNO auf dem Weg zu den 17 Zielen wieder zurückgeworfen. Trotzdem bleibt das Erreichen der 17 Nachhaltigkeitsziele bis 2030 das große Ziel für die UNO. 80 Wir stellen die Ziele in Kurzform vor. Im nächsten Kapitel werden wir vielen Zielen wieder begegnen. Denn dann geht es um die Herausforderungen, die die Globalisierung aufwirft. Ziel 1: Armut beenden. Ziel 2: Den Hunger beenden. Nachhaltige Landwirtschaft fördern. Ziel 3: Gesundes Leben für alle Menschen in jedem Alter sichern. Das Wohlergehen der Menschen fördern. Ziel 4: Bildung für alle. Lebenslanges Lernen ermöglichen. Ziel 5: Gleichberechtigung und ein selbstbestimmtes Leben für Frauen und Mädchen erreichen. Ziel 6: Zugang zu sauberem Wasser für alle Menschen herstellen und auf Dauer sichern. Sanitäre Einrichtungen für alle Menschen. Wasser nachhaltig bewirtschaften. 81 Ziel 7: Versorgung mit Energie für alle Menschen herstellen und sichern. Energie muss nachhaltig und umweltgerecht sein. Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit für alle. Gerechtes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Ziel 9: Nachhaltig arbeitende Industrie aufbauen. Neue Entwicklungen und Erfindungen fördern. Gute Infrastruktur schaffen. Also Verkehrswege, Schulen und Universitäten, Krankenhäuser und vieles mehr. Ziel 10: Ungleichheit verringern: innerhalb eines Landes und zwischen den Ländern. Ziel 11: Städte und Dörfer so bauen und umbauen, dass alle gut in ihnen leben können. Ziel 12: Nachhaltige Produktion von Gütern. Nicht mehr Güter verbrauchen als nötig und als die Umwelt verkraften kann. 82 Ziel 13: Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise ergreifen. Weltweite Zusammenarbeit, um das Klima zu schützen. Ziel 14: Die Meere schützen. Keine Überfischung. Schutz der Meere beim Abbau von Bodenschätzen. Ziel 15: Lebensräume an Land schützen. Wüstenbildung verhindern. Wälder und Böden schützen. Artenvielfalt schützen. Ziel 16: Frieden schaffen und erhalten. Allen Menschen Zugang zu Gerichten ermöglichen. Bekämpfung von Gewalt. Ziel 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele aufbauen. Niemanden zurücklassen. 83 5 Herausforderungen Globalisierung ist nicht„einfach da“. Mit der Globalisierung verändert sich die Welt. Diese Veränderung kann und muss man steuern. Die Politik muss einen guten Rahmen für die Globalisierung schaffen. Wir brauchen diesen Rahmen, damit Globalisierung nicht nur wenigen Starken nützt. Hier ist die Politik gefordert, die Globalisierung zu gestalten. Klimakrise, Krieg und soziale Ungleichheit: Wir stehen vor großen Herausforderungen. Diese Herausforderungen verstärken sich gegenseitig. Und sie hängen eng miteinander zusammen. Wir müssen Lösungen für viele große Aufgaben finden. Die Probleme können wir nur gemeinsam lösen. Keine der Herausforderungen kann für sich allein betrachtet werden. 84 Im folgenden Kapitel sehen wir uns die größten Herausforderungen an, vor denen wir stehen. Wir fragen, wie diese zu überwinden sind. Auch wenn wir in den einzelnen Abschnitten jeweils ein bestimmtes Thema näher betrachten, sehen wir auch die Zusammenhänge. Eine der größten Herausforderungen ist die Klimakrise. Viel zu lange haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vor den Folgen der Klimaerwärmung gewarnt, ohne dass die Politik, Wirtschaft und wir alle gehandelt haben. Jetzt ist es nur durch allergrößte weltweite Anstrengungen möglich, eine Klimakatastrophe abzuwenden. Wenn das Klima sich so stark verändert, werden weite Teile der Erde unbewohnbar. Dort ist dann keine Landwirtschaft mehr möglich. Vielleicht breiten sich neue, unbekannte Krankheiten aus. Die Folgen sind Hunger und Flucht vor den schlechten Lebensbedingungen. Das kann zu Auseinandersetzungen oder sogar Kriegen um lebenswichtige Güter wie Trinkwasser führen. Die Krise um das Klima zieht also weitere Krisen nach sich. So ist es mit allen Herausforderungen, die wir in diesem Kapitel ansprechen. Wir brauchen Lösungen, die das Zusammenspiel aller Herausforderungen berücksichtigen. 85 5.1 Klimakrise Die Wissenschaft schlägt Alarm: Wir stecken mitten in der Klimakrise. Die Erwärmung der Erde schreitet immer schneller voran. Noch ist kein klarer Plan erkennbar, wie wir das stoppen. Wenigstens sind wir heute einig: Wir Menschen selbst verursachen die Klimakrise. Wie gehen wir mit der Klimakrise um? Lange hat man Klimaschutz vor sich hergeschoben. Dabei warnen Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten vor den Gefahren durch die Nutzung fossiler Energieträger. Und davor, dass Abgase aus Erdöl, Erdgas und Kohle einen Anstieg der Temperatur verursachen. Aber die Auswirkungen waren lange Zeit noch nicht deutlich spürbar. Es war einfach, die Probleme wegzuschieben. Heute ist die Klimakrise unübersehbar. Die Politik hat erkannt, dass weltweite gemeinsame Anstrengungen nötig sind. Nur so kann eine Katastrophe verhindert werden. Fossile Energieträger Fossile Energieträger sind vor langer Zeit entstanden. Unter Wasser und Erde verwandelten sich tote Pflanzen und Tiere durch großen Druck in Kohle und Erdöl. Dabei entsteht auch Erdgas. 86 Klima-Konferenzen Seit 1992 richtet die UNO jährlich eine Klima-Konferenz aus. Vertreter und Vertreterinnen von nahezu allen Staaten der Erde nehmen teil.Dazu kommen Menschen aus der Wissenschaft und der Klimaschutz-Bewegung. Auf mehreren dieser Konferenzen wurden feste Ziele vereinbart und Verträge ausgehandelt. In den Verträgen verpflichten die Länder sich zur Erreichung der Ziele. Das Pariser Klimaschutz-Abkommen von 2015 Auf der Klima-Konferenz 2015 in Paris wurde ein sehr wichtiger Vertrag ausgehandelt. Dieser Vertrag trat 2016 in Kraft und wurde von fast allen Ländern weltweit anerkannt. Die wichtigsten Punkte aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen: • Die Länder führen Maßnahmen ein, damit die Erwärmung der Erde nicht mehr als 2 Grad ansteigt. Als ideales Ziel gilt ein Anstieg von höchstens 1,5 Grad. Über die Maßnahmen entscheidet jedes Land selbst. Die Länder legen ihre Pläne auf den Klima-Konferenzen vor. • Alle Länder stellen gemeinsam Frühwarnsysteme zur Verfügung. Diese warnen vor Extremwettern wie Wirbelstürmen oder Flutwellen. • Die Länder ergreifen Maßnahmen zur Anpassung an das veränderte Klima. Dazu zählt zum Beispiel Hochwasserschutz. • Die Industrieländer stellen bis 2025 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung. Damit sollen ärmere Länder Klimaschutz und 87 Anpassungen an den Klimawandel bezahlen können. Ab 2025 soll noch mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. • Alle fünf Jahre überarbeiten die Länder gemeinsam ihre Ziele und legen strengere Ziele vor, wenn das nötig ist. Allerdings ist schon jetzt klar: Die Ziele sind mit den bisherigen Maßnahmen unerreichbar. Die Länder müssen dringend mehr tun. Und das sehr schnell. Das gilt auch für Deutschland. Die USA und das Pariser Abkommen Präsident Donald Trump erklärt 2017 den Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen. Trump zweifelt den von Menschen verursachten Klimawandel an. Der Austritt ist aber auch im Sinne der amerikanischen Ölindustrie. Der Austritt wird 2020 wirksam. Fast gleichzeitig finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt. Der neu gewählte Präsident Joe Biden erklärt sofort den Wiedereinstieg in das Pariser Abkommen. Wie soll es weitergehen? Schnelles und entschlossenes Handeln ist jetzt wichtig. Dabei müssen die Lasten und Kosten gerecht verteilt werden. Nicht alle Menschen tragen gleich viel zur Klimakrise bei. Die reichen Menschen verursachen sehr viel mehr klimaschädliche Gase als die ärmeren. Das ist in allen Ländern so. Im Vergleich zwischen armen und reichen Ländern zeigt sich aber auch: Die reichen Industrieländer sind für den größten Teil der Klimakrise verantwortlich. Sie stoßen mehr und schon sehr viel länger klimaschädliche Gase aus. 88 Die ärmeren Länder spüren die Folgen der Klimakrise deutlich stärker. Deshalb muss ein gerechter Ausgleich gefunden werden. Die reichen Industrieländer müssen Vorbild beim Klimaschutz sein. Und sie müssen die ärmeren Länder beim Klimaschutz unterstützen. Die ärmeren Länder brauchen mehr Geld für den Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Kohlendioxid-Ausstoß jedes Einwohners pro Jahr in verschiedenen Ländern (ungefähre Werte): Katar: USA: Deutschland: Afghanistan: Burundi(Afrika): 36.ooo Kilogramm 15.000 Kilogramm 8.000 Kilogramm 300 Kilogramm 30 Kilogramm Was die Soziale Demokratie sagt Klimaschutz muss schnell und stark vorangetrieben werden. Dabei darf Klimaschutz die soziale Ungleichheit nicht verstärken. Die Hungerkrise muss gelöst werden, ohne Umwelt und Klima zu belasten. Neue, klimagerechte Arbeitsplätze müssen entstehen, denn es werden auch Arbeitsplätze verloren gehen. Politische Spannungen und Kriege dürfen den Klimaschutz nicht in den Hintergrund drängen. Die reichen Länder und Menschen müssen Verantwortung übernehmen. Die Kosten für Klimaschutz und Anpassung müssen gerecht aufgeteilt werden. Ein Handlungsvorschlag Klimaschutz muss viele Punkte berücksichtigen. Ein Vorschlag, wie das gehen kann, steht im neuen Bericht des Club of Rome. 89 Der neue Bericht des Club of Rome Der Club of Rome ist eine Vereinigung von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Er wird 1968 gegründet. Die maximal 100 Mitglieder kommen aus 53 Ländern. Im Jahr 1972 veröffentlicht der Club of Rome den Bericht„Die Grenzen des Wachstums“. Darin werden verschiedene Modelle dargestellt, wie die Erde sich entwickeln kann. Jedes Modell legt ein bestimmtes Verhalten der Menschen zugrunde. 50 Jahre später legt der Club of Rome einen neuen Bericht namens „Earth for all“ vor. Auf Deutsch also„Erde für alle“. Der Bericht listet fünf Maßnahmen auf, die für eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen auf der Erde notwendig sind. An den aufgelisteten Maßnahmen sieht man, dass es nicht reicht, nur allein an Klimaschutz zu denken. Die Experten fordern ein, in folgenden Bereichen schnell und stark zu handeln: • Armut beenden • Soziale Ungleichheit beseitigen • Frauen mehr und bessere Möglichkeiten geben • Saubere Energie einsetzen • Ernährung für Mensch und Erde gesund gestalten 90 Der Bericht fordert also ein Handeln ein, das auf den ersten Blick nicht immer mit Klimaschutz zu tun hat. Aber jeder Bereich beeinflusst andere Bereiche und schützt so auch das Klima. So fordert der Bericht die Umgestaltung von internationalen Organisationen wie Weltbank und Welthandelsorganisation. Sie sollen in Zukunft Geld für Klimaschutz und nachhaltige Produktion zur Verfügung stellen. Und zwar vor allem in ärmeren Ländern. Vermögen und Einkommen müssen gerechter verteilt werden. Durch Vermögenssteuern werden Maßnahmen für den Klimaschutz bezahlt. Durch gerechte Einkommen haben alle Menschen die Chance auf eine gute Lebensgrundlage. Dies wirkt auch dem politischen Extremismus entgegen. Menschen neigen oft dann zu extremen Einstellungen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Die Maßnahmen ermöglichen die Umstellung auf erneuerbare Energien und auf nachhaltige Landwirtschaft. Die Wirtschaft kann die Herstellung von Dingen klimafreundlich gestalten. Das schafft neue Arbeitsplätze. 91 5.2 Soziale Ungleichheit „Die Schere zwischen Arm und Reich“ – dieses Sprachbild hat wohl jeder schon mal gehört. Meist mit dem Hinweis, dass diese Schere sich immer weiter öffnet. In Zeiten von Krisen trifft dieses Bild die Wirklichkeit besonders gut. Und wir leben in einer Zeit voller Krisen: Wir erleben die CoronaPandemie, die Klimakrise und den Krieg gegen die Ukraine. Diese und weitere Krisen verschärfen das Problem der sozialen Ungleichheit. Bei sozialer Ungleichheit geht es nicht nur um Geld, also um Einkommen und Vermögen. Soziale Ungleichheit betrifft auch den Zugang zu guter Bildung und guter Arbeit. Es geht um gute Gesundheitsversorgung und gutes Wohnen. Und um die Möglichkeit, am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben. Diese Formen von Ungleichheit gibt es innerhalb von Gesellschaften genauso wie weltweit zwischen den verschiedenen Staaten. 92 Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft Auch in modernen Gesellschaften wie bei uns sind die Chancen ungleich verteilt. Frauen verdienen weniger und machen seltener Karriere als Männer. Kinder aus ärmeren Arbeiterfamilien studieren seltener als Kinder aus reichen Familien mit hoher Bildung. Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind bei der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt oft benachteiligt. Solche ungleichen Chancen findet man in fast allen Ländern weltweit. Ungleichheit weltweit Die Länder im Globalen Süden sind ärmer als die Länder im Globalen Norden. Menschen, die im Globalen Süden zur Mittelschicht zählen, wären in Europa oder Nordamerika oft arm. Und innerhalb der Gesellschaft sind die Unterschiede im Globalen Süden häufig noch stärker ausgeprägt als bei uns. Unwahrscheinlich großer Reichtum steht bitterer Armut gegenüber. In armen Ländern gibt es oft kaum eine wirkliche soziale Absicherung durch den Staat. Das bedeutet: Um Bildung, Gesundheitsversorgung, Absicherung im Alter oder bei Arbeitslosigkeit müssen sich alle selbst kümmern. Je ärmer jemand ist, desto schwerer ist das. Wer kaum Geld für Essen hat, kann kein Schulgeld für die Kinder bezahlen. So verstärkt sich die Ungleichheit immer mehr. 93 Es gibt also eigentlich zwei Scheren zwischen Arm und Reich: eine zwischen den Ländern, eine zwischen den Menschen. Besonders ungleich: die Verteilung von Vermögen Man kann Ungleichheit auf verschiedene Weise messen. Zum Beispiel: zwischen Staaten oder zwischen einzelnen Personen. Oder nach Einkommen oder Vermögen. Beim Vermögen ist die Ungleichheit besonders groß. Studien schätzen: Nur 1 Prozent der Menschen besitzen 45,6 Prozent des gesamten Vermögens auf der Welt! Andersherum besitzt die ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen nur 0,75 Prozent vom Vermögen! Was die Soziale Demokratie sagt Um die soziale Ungleichheit zu verringern, braucht man einen starken Sozialstaat. Dann kann der Staat dort lenkend eingreifen, wo die Ungleichheit zu groß ist. • Die soziale Absicherung muss stark für alle sein. Dazu zählen zum Beispiel Sozialversicherungen wie Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Auch die Altersversorgung gehört dazu. • Mit Steuern auf sehr große Vermögen oder Erbschaften kann der Staat soziale Leistungen für diejenigen bezahlen, die kein oder nur ein geringes Vermögen haben. • Wenn Vermögen besteuert wird, kann die Steuer auf Arbeit, also die Einkommensteuer, niedriger ausfallen. Viele Menschen haben kein Vermögen und leben von dem, was sie verdienen. Diese Menschen behalten dann mehr Geld aus ihrem Arbeitslohn. 94 All das ermöglicht auch soziale Gerechtigkeit bei den Chancen auf gute Bildung, gute Arbeit und Teilhabe am sozialen Leben. Das Gleiche gilt auf internationaler Ebene. Hier müssen die Staaten zusammenarbeiten, für bessere Chancen für alle Menschen weltweit. Ein erster wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit ist die globale Mindeststeuer(siehe Seite 73/74). Über 100 Staaten haben sich darauf geeinigt. Aber es sind noch mehr Maßnahmen nötig, damit mehr weltweit arbeitende Unternehmen gerechte Steuern bezahlen. Überall müssen die Steuern auf das Vermögen und das Einkommen angepasst werden. So kann dafür gesorgt werden, dass alle Menschen einen gerechten Anteil an dem von ihnen erwirtschafteten Gewinn haben. Und zwar durch guten Lohn, gute soziale Absicherung und bezahlbare Preise. Je besser sich die Staaten hierbei abstimmen, desto gerechter gelingt die Verteilung. Alle sollten eine Arbeit haben, von der sie gut leben können. Egal,in welchem Land und auf welchem Erdteil. Auch Zugang zu Bildung, Altersvorsorge und Gesundheitsversorgung sollen weltweit gerecht gestaltet werden. 95 5.3 Verteilung von Arbeit Arbeit wird heute international verteilt. Neue schnelle Verkehrsmittel haben das möglich gemacht. Dazu kommen die digitalen Medien. Für den schnellen Austausch von Informationen sind Telefon, E-Mail und Video-Konferenzen perfekte Mittel. Die Unternehmen wählen aus Die Unternehmen steuern die internationale Arbeitsteilung(siehe Seite 22). Braucht man für ein Produkt viel Arbeit und wenig Technik? Dann baut das Unternehmen die Fabrik oft in einem Land, in dem der Lohn niedrig ist. Braucht es mehr Technik und Forschung? Dann fällt die Entscheidung vielleicht anders aus. Immer öfter versuchen Staaten auch, dass wichtige Produkte im eigenen Land hergestellt werden. Zum Beispiel Medikamente, damit sie nicht knapp werden. Mehr wissen? In unserem Band Kurz und Klar – Soziale Wirtschaft steht viel über Wirtschaftsmodelle und die Ideen der Sozialen Demokratie zur Wirtschaftspolitik. Dort kann man auch vergleichen, welche verschiedenen Wirtschaftsmodelle es in verschiedenen Ländern gibt. 96 Wenn man für die Herstellung von Produkten viel moderne Technik und viel Wissen braucht, entstehen die Fabriken meist in den Industrieländern. Die internationale Arbeitsteilung hat Vorteile und Nachteile. In den Ländern mit niedrigem Lohn entstehen Arbeitsplätze. Die Menschen können sich mehr kaufen. Das stärkt die Wirtschaft vor Ort. Es kann insgesamt eine Entwicklung zu mehr Wohlstand geben. Aber: Wenn es niemanden gibt, der sich für gute Arbeitsbedingungen und Löhne einsetzt, bleiben die Arbeiter und Arbeiterinnen trotzdem arm. Und sie arbeiten unter schlechten Bedingungen. Selbst wenn das Unternehmen in dem Land Steuern zahlt, haben die Arbeiter und Arbeiterinnen meist wenig davon. In den Ländern mit höheren Löhnen gehen Arbeitsplätze verloren. Wenn keine anderen Arbeitsplätze geschaffen werden, steigt die Arbeitslosigkeit. Die Menschen können sich weniger leisten. Allerdings können die Menschen in diesen Ländern nun gute Produkte zu niedrigen Preisen kaufen. Denn diese Produkte kommen jetzt aus den Ländern mit niedrigen Arbeitskosten. Für gute Arbeitsbedingungen brauchen wir weltweit starke Gewerkschaften. Zusätzlich müssen Gesetze die Arbeiter und Arbeiterinnen schützen. Zum Beispiel gesetzlicher Mindestlohn. 97 Auch Tarifverträge sorgen für guten und gerechten Lohn. Dafür setzen sich die internationalen Gewerkschaftsbewegungen und die ILO ein. Über die Gewerkschaftsbewegung steht mehr auf Seite 68, über die ILO auf Seite 69/70. Was die Soziale Demokratie sagt Die Bewegung der Sozialen Demokratie ist eng mit der Arbeiterbewegung verbunden. Die Soziale Demokratie strebt weltweit gute Arbeitsbedingungen an. Die Arbeiter und Arbeiterinnen sollen von ihrem Lohn gut leben können. Die Politik muss Regeln dafür schaffen. Ein erster Schritt ist mit dem Lieferkettengesetz gelungen(siehe Seite 34). Durch das Lieferkettengesetz sind die Unternehmen stärker in der Verantwortung für die Arbeitsbedingungen. Und zwar überall, wo sie Menschen für sich arbeiten lassen. Unternehmen tragen Verantwortung. Das gilt in jedem Land, in dem für ihre Produkte gearbeitet wird. 98 Lorem ipsum 5.4 Handel und Rohstoffe Der weltweite Handel mit Dingen ist wohl das Erste, an das man beim Wort Globalisierung denkt. Tatsächlich haben die internationale Arbeitsteilung und der weltweite Handel großen Anteil an der Globalisierung. Unternehmen treiben weltweiten Handel mit ihren Produkten. Das ist heute viel einfacher als früher. Früher verhängten die Länder Zölle auf Waren. Das heißt: Wenn aus dem Ausland billigere Waren eingeführt wurden, musste man dafür Zoll an den Staat bezahlen. Dadurch wurde die billige Ware wieder teuer für die Käufer. So schützte der Staat die Unternehmen im eigenen Land vor Konkurrenz aus dem Ausland. Heute hat sich das geändert. Der internationale Handel ist erwünscht. Es gibt sogenannte Freihandelsabkommen, in denen Staaten sich gegenseitig von Zöllen und anderen Einschränkungen für den Handel befreien. Und es gibt mehrere Organisationen der UNO, die für gute Handelsbeziehungen zwischen den Ländern arbeiten. Sie erarbeiten viele Rahmenbedingungen und Verträge für den Handel. 99 In erster Linie ist das die WelthandelsOrganisation WTO(siehe Seite 53), aber auch die Weltbank und der Internationale Währungsfonds IWF(beide siehe Seite 51). Globaler Handel unter Kritik Nicht alle finden den globalen Handel gut so, wie er ist. Und nicht alle finden die Politik von der WTO gut. Viele finden, dass der internationale Handel für reiche Länder und vor allem für die großen Unternehmen viel mehr Vorteile bringt als für ärmere Länder. In den vereinbarten Handelsabkommen stehen oft Bedingungen, die für ärmere Länder Nachteile bringen. Denn große Unternehmen beeinflussen die Abkommen. Sie setzen ihre Interessen durch. Sie schreiben die Preise für die Handelswaren vor. So bekommen die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Herstellungsbetrieben oft fast nichts vom Gewinn für ein Produkt. Es bleibt trotz weltweitem Handel bei weltweiter Ungleichheit. Handel mit Rohstoffen Ähnlich sieht es beim Handel mit Rohstoffen aus. Rohstoffe werden oft in den Ländern des Globalen Südens abgebaut. Die Arbeitsbedingungen sind häufig schlecht und die Arbeit ist schlecht bezahlt. Der Gewinn an den Rohstoffen bleibt bei den Unternehmen, die daraus dann hochwertige Produkte herstellen. 100 Die Unternehmen verkaufen ihre Produkte dann auch in den Ländern, aus denen die Rohstoffe kommen. So kann in diesen Ländern keine eigene Industrie entstehen, die diese Produkte selbst herstellt. Die Handelsabkommen verhindern also manchmal die Entwicklung in Ländern des Globalen Südens. Rohstoffe: Rohstoffe sind unbearbeitete Stoffe, die aus der Natur gewonnen werden. Sie werden dann zu vielen anderen Produkten verarbeitet. Zu den Rohstoffen gehören Bodenschätze wie Gold oder Eisen. Naturprodukte wie Holz und andere Pflanzen nennt man nachwachsende Rohstoffe. Kohle, Erdöl und Erdgas sind Rohstoffe für die Energieerzeugung. Eine Ausnahme: die OPEC Die Rohstoffe für die Energieerzeugung bilden eine Ausnahme. Viele Länder, die Erdöl und Erdgas fördern und verkaufen, haben sich in einer eigenen Organisation zusammengeschlossen. Das ist die OPEC. Auf Deutsch bedeutet die Abkürzung: Organisation der Erdöl fördernden Länder. Die OPEC trifft eigene Absprachen und kann dadurch den Preis für Erdöl und Erdgas auf dem weltweiten Markt stark beeinflussen. Dadurch zählen einige kleine Staaten mit großem Erdölvorkommen zu den reichsten Staaten auf der Welt. 101 Sind Umwelt und Klima die Opfer? Die niedrigen Gewinne für Länder aus dem Globalen Süden und die Menschen dort sind nur ein Kritikpunkt an den Handelsabkommen. Die WTO stuft Umweltschutz und Klimaschutz oft als Barriere für freien Handel ein. Das finden nicht nur die Umweltschutz-Organisationen schlecht. Was die Soziale Demokratie sagt Der weltweite Handel darf nicht nur nach möglichst großen Gewinnen für die großen Unternehmen streben. Der Handel mit Rohstoffen und mit Produkten muss gerechter werden. Neu abgeschlossene Handelsabkommen müssen für eine gerechte Verteilung der Gewinne sorgen. Die Länder im Globalen Süden mit vielen Rohstoffen brauchen Unterstützung, damit sie ihre Rohstoffe auch selbst verarbeiten können. So entstehen dort moderne Arbeitsplätze. Gute Arbeitsbedingungen, Klimaschutz und Umweltschutz müssen dabei von Anfang an beachtet werden. Die Soziale Demokratie setzt sich für einen gerechten Handel auch mit Rohstoffen ein. Unternehmen bauen Rohstoffe in vielen Ländern ab und exportieren sie. Der Gewinn bleibt nicht im Land. Die Probleme durch den Abbau aber schon. Das ist ein wichtiger Teil der Handelspolitik, der neue Regeln braucht. 102 5.5 Hunger Eines der 17 Ziele der UNO lautet: den Hunger beenden. Immer wieder gibt es in manchen Gebieten auf der Erde schlechte Ernten. Dafür sind oft Dürren, Überschwemmungen oder Schädlingsplagen verantwortlich. Der Klimawandel verstärkt diese Naturkatastrophen und damit auch den Hunger. Aber warum leiden die Menschen noch immer unter Hunger und sterben daran? Die weltweite Produktion von Nahrungsmitteln reicht eigentlich aus, um die Menschheit zu ernähren. Die Globalisierung macht es längst möglich, Nahrungsmittel rund um den Globus zu verteilen. Handel mit Lebensmitteln Die Globalisierung hat das Angebot von Lebensmitteln stark erweitert. Zum einen können auch Gebiete versorgt werden, in denen keine Landwirtschaft möglich ist. Zum anderen gibt es überall eine viel größere Auswahl an Lebensmitteln als früher. Das allerdings gilt vor allem für reichere Länder. Was bestimmt den Preis? Lebensmittel sind eine Handelsware. So wie Autos oder Computer oder Holz. Wie überall gilt auch bei Lebensmitteln: Der Preis gestaltet 103 sich auch durch Angebot und Nachfrage. Ist viel von etwas da, sinkt der Preis dafür. Ist etwas knapp, steigt der Preis. Der weltweite Handel mit Lebensmitteln findet aber nicht direkt zwischen Erzeuger und Verbraucher statt. Lebensmittel werden auch an Börsen gehandelt. Dabei geht es um große Gewinne. Der Preis kommt manchmal nicht mehr dadurch zustande, weil viel oder wenig von einem Lebensmittel da ist. Durch die Geschäfte an der Börse können Preise ebenfalls in die Höhe getrieben werden. Einige wenige verdienen dadurch viel Geld. Für arme Menschen im Globalen Süden sind die Lebensmittel dann zu teuer. Wer beherrscht den Markt? In vielen Ländern ist die Landwirtschaft heute eher eine industrielle Produktion. Landwirtschaftliche Großbetriebe bepflanzen riesige Flächen mit einer einzigen Sorte Getreide. In großen Mastanlagen zieht man Tiere zur Fleischgewinnung groß. Tierschutz und Umweltschutz bleiben hier oft auf der Strecke. Diese Großbetriebe erzeugen viel mehr Lebensmittel, als die Menschen vor Ort brauchen. Die Großbetriebe verkaufen ihre Erzeugnisse deshalb auf dem Weltmarkt. 104 Die EU zum Beispiel produziert große Mengen Geflügel. Das Fleisch wird auch in afrikanische Länder exportiert und dort günstig verkauft. Die Geflügelzüchter in Afrika können ihre Produkte nicht so günstig verkaufen. Denn das sind meist Kleinbetriebe. In Massentierhaltung ist die Produktion von Fleisch billiger als im Kleinbetrieb. Außerdem zahlt die EU den Bauern in Europa Hilfen, sogenannte Subventionen. Durch das billige Fleisch aus der EU verlieren die afrikanischen Geflügelzüchter den Markt. Sie können ihr Fleisch nicht mehr verkaufen und gehen pleite. Viele Menschen verlieren so ihre Arbeit und ihre Lebensgrundlage. Sie rutschen in Armut und Hunger. Hungerkatastrophen Hungerkrisen können durch Naturkatastrophen ausgelöst werden. Manchmal sind auch die Menschen für den Hunger verantwortlich. Denn immer öfter wird Hunger auch als Waffe eingesetzt. Im Bürgerkrieg in Äthiopien kommen keine Hilfslieferungen in die umkämpfte Region durch. Die Ukraine kann durch den Krieg viel weniger Getreide exportieren als sonst. Das verstärkt den Hunger in Afrika. Die Weltgemeinschaft arbeitet auf zwei Wegen gegen den Hunger in der Welt: Katastrophenhilfe In Hungerkrisen leitet die UNO Hilfsprogramme für die betroffenen Regionen ein. Mehrere Organisationen innerhalb der UNO sind 105 für die Hilfsprogramme zuständig und arbeiten zusammen. Die Mitgliedsländer der UNO stellen Geld dafür zur Verfügung. Bei höherem Bedarf hält die UNO eine Geberkonferenz ab. Auf solchen Konferenzen bittet die UNO um zusätzliche schnelle Hilfsgelder. Entwicklungszusammenarbeit Nachhaltig wird die Situation durch Entwicklungszusammenarbeit verbessert. Durch gute wirtschaftliche Beziehungen sind die Länder im Globalen Süden in der Lage, eine gute eigene Wirtschaft aufzubauen. Durch gerechte Handelsabkommen können auch einheimische Produzenten ihre Waren am Markt verkaufen. Was die Soziale Demokratie sagt Die Soziale Demokratie steht für gerechte und gleichberechtigte Zusammenarbeit aller Länder. Deshalb unterstützt die Soziale Demokratie eine gute Zusammenarbeit mit dem Globalen Süden. Die Länder des Globalen Südens haben noch Bedarf an Entwicklung von Wirtschaft und Wohlstand. Hier sind die industrialisierten Länder in der Verantwortung. Sie müssen ihre eigene Wirtschaft vom großen Verbrauch von natürlichen Rohstoffen lösen. Und sie müssen anderen Ländern dabei helfen, auch weniger natürliche Rohstoffe zu verbrauchen. Der Wohlstand muss gerechter verteilt sein. Das gelingt, indem die Menschen im Globalen Süden die Möglichkeit erhalten, selbst gute Bedingungen für sich aufzubauen. 106 5.6 Gesundheit Alle gut versorgt? Ein Blick auf die Lebenserwartung der Menschen in verschiedenen Ländern zeigt: Die Gesundheitsversorgung auf der Welt ist sehr unterschiedlich. In gut versorgten Ländern stehen für jeweils 1000 Menschen mehr als fünf Ärzte und Ärztinnen zur Verfügung. In den ärmsten Ländern ist nur ein Arzt oder eine Ärztin für bis zu 50.000 Menschen da. In Europa und Nordamerika sind auch teure Behandlungen möglich. Die Krankenversicherung bezahlt dafür. Auch Krankheiten gehen auf Reisen Die Globalisierung macht auch vor der Gesundheit nicht Halt. Das jüngste Beispiel ist die Corona-Pandemie. Krankheitserreger wandern über die gesamte Erde. Das liegt auch am wachsenden Verkehr. Mit Krankheiten infizierte Menschen oder Überträger von Krankheiten wie zum Beispiel Mücken reisen auf Containerschiffen und in Flugzeugen mit. So gelangen die Erreger in neue Länder oder Erdteile. Durch den Klimawandel wird auch der Lebensraum von Mücken und anderen Überträgern von Krankheiten größer. Beispiel: Corona-Pandemie Die Corona-Pandemie ist nicht das erste weltweit auftretende Problem im Gesundheitswesen. Aber sie zeigt wie in einem Brennglas die Probleme in der weltweiten Gesundheitsversorgung auf. 107 Die UNO hat eine eigene Abteilung für die Gesundheit, die WHO(englisch: World Health Organization). Als klar ist, wie rasch sich das Corona-Virus auf der Welt verbreitet, ruft die WHO eine Pandemie aus. Pandemie Eine neue, weltweit auftretende, ansteckende Krankheit. Sie verbreitet sich rasch und betrifft sehr viele Menschen. Informationen über das Virus werden geteilt. Die WHO beobachtet die Ansteckungszahlen und die Todeszahlen. Medizinfirmen suchen nach neuen Medikamenten und nach Impfstoffen. Die WHO fordert: Die Impfstoffe müssen gerecht verteilt werden. Aber: Als Impfstoffe endlich zur Verfügung stehen, verlangen die Unternehmen sehr viel Geld dafür. Außerdem lassen sie die Impfstoffe patentieren. Das heißt: Kein anderes Unternehmen darf die Impfstoffe herstellen. So verdienen die Firmen sehr viel Geld an den Impfstoffen. Trotzdem können sich die reichen Industrieländer für viel Geld große Mengen Impfstoff sichern. Die WHO schafft ein Programm, um Impfstoffe gerecht zu verteilen. Reiche Länder sollen Impfstoffe spenden, damit möglichst schnell alle Menschen weltweit geimpft werden. Doch auch das funktioniert nicht. Am Ende schmeißen reiche Länder Impfstoffe weg, weil die Impfstoffe zu alt sind. Zu der Zeit sind zum Beispiel in Afrika erst wenige Menschen geimpft. 108 Was die Soziale Demokratie sagt Eine gute Gesundheitsversorgung ist wichtig für alle Menschen. In vielen Ländern auf der Erde reicht die Gesundheitsversorgung nicht aus. Der Staat bietet den Menschen keine medizinische Versorgung an. In reichen Ländern ist die Versorgung besser. Aber sie ist immer stärker auf Gewinn ausgerichtet. Viele Krankenhäuser sind private Unternehmen. Sie müssen also Gewinn erwirtschaften. Dafür wird an den Kosten gespart. Das belastet vor allem die Menschen, die dort arbeiten. In Deutschland fehlen Tausende Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte. Das belastet diejenigen, die im Gesundheitsbereich arbeiten. Und es verschlechtert die Versorgung von Kranken und Pflegebedürftigen. Um eine gute und gerechte medizinische Versorgung zu erreichen, darf das Gesundheitswesen nicht auf Gewinn ausgerichtet sein. Deshalb sollte die medizinische Versorgung zu den Aufgaben des Staates gehören. Der Staat ist dafür zuständig, dass alle Menschen gut versorgt werden und dass die Arbeitsbedingungen gut sind. Die Einwanderung von Fachkräften muss international geregelt werden. Sonst werben reiche Länder zu viele Fachkräfte aus ärmeren Ländern ab. Eine Zusammenarbeit aller Länder kann dazu beitragen, mehr Ärztinnen und Ärzte für Länder des Globalen Südens auszubilden und die Versorgung der Menschen dort zu verbessern. Das ist eine Aufgabe für die UNO beziehungsweise die WHO. 109 5.7 Krieg und Frieden Wir, die Völker der Vereinten Nationen, sind fest entschlossen, künftige Generationen vor Krieg zu bewahren. Wir haben daher beschlossen, für die Erreichung dieser Ziele zusammenzuwirken. So lautet vereinfacht ausgedrückt der Anfang der Charta der Vereinten Nationen(UNO). Die Charta ist das Gründungsdokument der UNO. Nach den schrecklichen Erfahrungen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sind die Sicherung des Friedens und das Verhindern von Kriegen das oberste Ziel für die UNO. Das gelingt nicht immer. Allerdings kann die UNO auf die Kriegsgegner einwirken. Die Generalversammlung und der Sicherheitsrat können über die Konflikte beraten und Entscheidungen vorlegen. In manchen Fällen greift die UNO selbst ein. Dann schickt sie UNO-Friedenstruppen in das Kriegsgebiet. UNO-Friedenstruppen Länder in einem Konflikt können sich an die UNO wenden. Die UNO schickt dann Friedenstruppen in das Gebiet. Die UNO-Friedenstruppen werden aus den Armeen der Mitgliedsländer zusammengestellt. Sie werden auch BlauhelmTruppen genannt, weil sie zur Erkennung 110 blaue Helme tragen. Die Blauhelm-Truppen setzen Waffen nur zur Selbstverteidigung ein. Ansonsten sichern sie zum Beispiel vereinbarte Waffenruhen oder schützen die Bevölkerung vor den Krieg führenden Armeen. Neben den tatsächlichen Kriegen mit Waffengewalt beherrscht jahrzehntelang der„Kalte Krieg“ das politische Weltklima(siehe Seite 52/53). Der Westen und der Osten stehen in starker Konkurrenz zueinander. Dabei geht es um die politische Ausrichtung, um den Einfluss auf andere Länder und um die wirtschaftliche Stärke. Nach dem Zerfall der Sowjetunion beginnt eine Zeit der Entspannung. Unter der Idee„Wandel durch Handel“ nähert auch Deutschland sich Russland an. Insgesamt stehen sich Ost und West nicht mehr so feindlich gegenüber. Auch mit China beginnt eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit. Aber Handel und engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit lösen nicht alle Streitigkeiten. Immer wieder kommt es zu Kriegen und Bürgerkriegen in einzelnen Gebieten. In Asien und in Afrika entwickelt sich der islamische Fundamentalismus zu einer starken Kraft. Die Fundamentalisten setzen immer wieder auch Gewalt ein, um ihre Macht durchzusetzen. Viele dieser Konflikte finden weit weg von Europa statt. In der Bevölkerung von Europa herrscht das Gefühl vor, in einer friedlichen Zeit zu leben. 111 Zeitenwende Am 24. 2. 2022 marschiert Russland in einem Angriffskrieg in die Ukraine ein. Das ist nicht„nur“ ein Angriff auf ein Nachbarland, sondern auch auf die bis dahin geltende politische Weltordnung. Die Annahme, dass alle politischen Systeme sich annähern und friedlich miteinander existieren können, hat sich als falsch erwiesen. Gute Zusammenarbeit ist vor allem dann schwierig, wenn einer der Partner grundlegende Regeln verletzt. Das gilt zum Beispiel für die Menschenrechte. Oft ist die Abwägung schwierig: Soll man einen anderen Staat wegen Menschenrechtsverletzungen von der Zusammenarbeit ausschließen? Hat man dann noch die Möglichkeit, Einfluss auf diesen Staat zu nehmen? Kann man dann noch etwas an der Verletzung der Menschenrechte ändern? Oder soll man versuchen, auch mit solchen Regierungen im Gespräch zu bleiben? Bisher gilt die Regel, möglichst mit allen Regierungen im Gespräch zu bleiben. So kann man Fortschritte erreichen und Vereinbarungen treffen. Das bringt oft Veränderungen zum Guten. Aber mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Russland eine Grenze überschritten. Und damit ist nicht nur die Landesgrenze der Ukraine gemeint. 112 Was die Soziale Demokratie sagt Wünschenswert ist eine friedliche Zusammenarbeit möglichst aller Länder. Dabei müssen gemeinsam erarbeitete Regeln beachtet werden. Hier sind die allgemeinen Menschenrechte und die Pakte der UNO an die erste Stelle zu setzen. Die Soziale Demokratie verurteilt Verletzungen der Menschenrechte auf das Schärfste. Das gilt innerhalb eines Landes, wenn zum Beispiel Regierungen die Bevölkerung gewaltsam unterdrücken. Oder wenn politische Gegner verfolgt und unterdrückt werden. Oder auch, wenn verschiedene Bevölkerungsgruppen sich bekämpfen. Das gilt aber auch im Konflikt zwischen Ländern. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist eine Verletzung der Grundsätze der UNO, dass kein Land eine Grenze durch Anwendung von Gewalt verschieben darf. Der Angriff insgesamt ist eine Verletzung des internationalen Rechts. Und die Kriegsverbrechen der russischen Soldaten müssen vor einem internationalen Gericht aufgearbeitet werden. Oft ist es schwierig zu entscheiden, wie man auf solche Verletzungen der Menschenrechte und der UNO-Grundsätze reagiert. Der Abbruch von Handelsbeziehungen, die Verhängung von Strafen oder sogar ein militärisches Eingreifen führen nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Man muss sehr genau überlegen, welche Auswirkungen die Maßnahmen haben. Und zwar für alle Beteiligten. Sonst kann es sein, dass die Maßnahmen die Lage noch schlimmer machen. 113 5.8 Flucht und Zuwanderung Menschen fliehen vor den Auswirkungen der Klimakrise, vor Gewalt und Krieg oder vor Armut und Hunger. Sie fliehen vor schlechten Arbeitsbedingungen oder vor politischer Unterdrückung. Für diese Menschen müssen Lösungen gefunden werden. Entweder durch die Bekämpfung der Ursachen in ihren Heimatländern. Dann müssen die Menschen nicht mehr fliehen. Menschen auf der Flucht brauchen aber auch sicheren Schutz und eine neue Heimat. Auch hier brauchen wir neue Regeln. Die Globalisierung hat es auch leichter gemacht, auf der ganzen Welt nach Arbeit zu suchen. Fachkräfte sind fast überall gesucht. Sie können arbeiten und wohnen, wo sie möchten. Das geschieht geregelt und in sicheren Verhältnissen. Andere suchen im Ausland bessere Arbeitsmöglichkeiten als zu Hause. Manchmal reisen sie ohne Erlaubnis in andere Länder ein. Sie hoffen, dass es ihnen irgendwie noch gelingt, alles zu regeln. Mehr wissen? In unserem Band Kurz und Klar – Zuwanderung und Integration steht viel über Flucht, Fluchtursachen und über die Regeln für Zuwanderung. 114 Flucht Über 100 Millionen Menschen auf der Welt sind im Jahr 2022 auf der Flucht. Davon sind die meisten Binnenflüchtlinge, sie sind innerhalb des eigenen Landes geflohen. Einen starken Anstieg an Geflüchteten verursacht der Krieg von Russland gegen die Ukraine. Aber auch aus Syrien, dem Jemen, Afghanistan und Myanmar fliehen zahlreiche Menschen. Viele Geflüchtete warten in Flüchtlings-Camps darauf, wieder zurück in ihre Heimat zu können. Andere stellen einen Asylantrag in dem Land, in dem sie Zuflucht gefunden haben. Vor allem die Zahl der Flüchtenden vor den Auswirkungen der Klimakrise wird noch stärker ansteigen. Diese Menschen werden dauerhaft aus ihrer Heimat fortgehen müssen, da dort in Zukunft die Lebensgrundlage fehlt. Zuwanderung Arbeit wird heute international geteilt. Aber nicht nur die Arbeit, auch die Arbeitskräfte wandern über Ländergrenzen hinweg. Weltweit sind ungefähr fünf Prozent der arbeitenden Menschen nicht in ihrem Ursprungsland beschäftigt. Dazu zählen zum einen Fachkräfte, die aufgrund von guten Angeboten das Land wechseln. Das sind häufig sehr gut ausgebildete 115 Menschen, die auch öfter neue Angebote annehmen. Zum Beispiel eine Professorin, die an verschiedenen Universitäten auf der ganzen Welt arbeitet. Diese Arbeitsplätze sind gut bezahlt und bieten beste Bedingungen. Aber viele Arbeitskräfte suchen Arbeit im Ausland, weil sie zu Hause keine Arbeit bekommen. Diese Menschen sind oft schlecht oder gar nicht ausgebildet. Sie arbeiten zum Beispiel als Reinigungskräfte und Pflegekräfte, in der Produktion oder in der Landwirtschaft. Häufig haben diese Arbeitsverhältnisse keine guten Bedingungen. Die Arbeitskräfte sind nicht ausreichend abgesichert. Verlieren sie ihre Arbeit, verlieren sie oft auch ihre Aufenthaltserlaubnis für das Land, in dem sie arbeiten. Was die Soziale Demokratie sagt Das Recht auf Asyl ist ein Menschenrecht. Hier dürfen keine Abstriche gemacht werden. Für die Verteilung auf die aufnehmenden Länder brauchen wir gute und gerechte Regeln. Kein Land darf überfordert werden. Länder dürfen sich aber auch nicht aus ihrer Verantwortung den Geflüchteten gegenüber herausziehen. Wir brauchen bessere Regeln in der EU und auch weltweit. Die EU darf ihre Grenzen nicht für Asylsuchende schließen. Asylsuchende müssen auf jeden Fall Aufnahme in einem sicheren Land finden. Die EU ringt um eine gute gemeinsame Flüchtlingspolitik. 116 Viele Fragen sind zu klären. In manchen Punkten muss man die Flüchtlingspolitik und Asylpolitik in der EU im Augenblick als gescheitert ansehen. Es darf nicht sein, • dass Menschen in Not an den Außengrenzen der EU zum Teil mit Gewalt am Eintritt in die EU gehindert werden, • dass manche Länder sich weigern, Geflüchtete aufzunehmen, • dass Schiffe, die Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken retten, keinen Hafen finden, • dass Menschen im Niemandsland zwischen EU-Grenze und einem anderen Land feststecken. Ähnliche Szenen spielen sich zum Beispiel auch an den Grenzen zwischen Mexiko und den USA ab. Eine Lösung: Die Aufnahme von Geflüchteten und Asylbewerbern muss besser verteilt werden. Aber die EU braucht auch eine andere Politik für die Zuwanderung von Arbeit suchenden Menschen. Die Menschen brauchen gute und geregelte Möglichkeiten, wie sie als Arbeitskräfte hierher kommen können. Es müssen also zwei Ziele verfolgt werden: Eine sichere Asylpolitik, die niemanden schutzlos zurücklässt. Und eine Politik, die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt einfacher macht. Die Fluchtursachen müssen in den Herkunftsländern bekämpft werden. Dafür ist eine gute Entwicklungszusammenarbeit genauso wichtig wie Friedenspolitik und Klimaschutz. Diese Zusammenarbeit muss die Herkunftsländer befähigen, selbst ihren Weg in eine gute Zukunft zu finden. 117 6 Wie geht es weiter? „Man muss aber genau hinsehen: Es gibt großartige neue Chancen – und es gibt handfeste Interessen.[...] Wir können und wir müssen fragen: Wer sind bisher die Gewinner, wer sind bisher die Verlierer der Globalisierung?“ Johannes Rau, 2002 Das Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ist zwar schon 20 Jahre alt, aber nach wie vor aktuell. In den letzten Jahrzehnten ist die Welt enger zusammengerückt. Die wirtschaftlichen Beziehungen spannen sich wie ein großes Netz um die Welt. Auch die Politik setzt auf engere und bessere Zusammenarbeit. Alle anerkannten Staaten auf der Welt sind Mitglieder der UNO. Die EU wächst zu einer Staatengemeinschaft zusammen. Neue Bündnisse bilden sich. Gruppen wie die G7 und die G20 festigen sich und werden wichtige Ansprechpartner. Aber nicht alle Entwicklungen sind gut und gerecht. Die reichen und industrialisierten Staaten geben zu oft die Richtung vor. Es gibt auch Verlierer der Globalisierung. Oder: Die Globalisierung hat die Machtverhältnisse aus der Vergangenheit nicht wirklich verändert. In den letzten Jahren sind Bewegungen weg von Globalisierung und hin zum Eigeninteresse zu erkennen. 118 Zeitenwende Und jetzt? Wir stehen vor einer Zeitenwende. So drückt es jedenfalls Bundeskanzler Olaf Scholz im Februar 2022 zu Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine aus. Russland ist nicht das einzige Land, das die Regeln für ein friedliches Miteinander verletzt. Die USA zum Beispiel haben 2003 einen Krieg gegen den Irak geführt. Die Begründung des Kriegs war allerdings nur vorgeschoben. China strebt aktuell eine neue Vorherrschaft an. Menschenrechte spielen dabei keine Rolle. Und die USA sind nach wie vor tief gespalten zwischen zwei politischen Lagern. Werden die USA ihren Platz in der Gemeinschaft behalten oder sich wieder ganz auf den eigenen Vorteil konzentrieren? Wohin also wird die Globalisierung steuern? Die Vorstellung von einer gerechteren Form der Globalisierung ist schön. Oft erscheint sie leider unerreichbar. Der Blick in die Zukunft ist schon lange nicht so unsicher gewesen. Was das für die Globalisierung bedeutet, wird sich erst zeigen. 119 6.1 Scheitert die Globalisierung? Wandel durch Handel? Die Zeit, als sich Ostblock und Westen feindlich gegenüberstehen, wird auch als Kalter Krieg bezeichnet(siehe Seite 52/53 und 111). Während dieser Zeit werden nur die nötigsten Vereinbarungen getroffen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit erscheint auf politischer und auf wirtschaftlicher Ebene unerreichbar. Als der Ostblock zerfällt, öffnen sich viele ehemalige Ostblock-Staaten zum Westen hin. Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit wachsen. Dadurch werden auch die politischen Beziehungen enger und vertrauensvoller. Ähnliche Entwicklungen erhofft man sich bei der Zusammenarbeit mit anderen Staaten. Die Idee: Durch gute wirtschaftliche Beziehungen ist auch eine Annäherung in politischen Fragen möglich. So will man zum Beispiel China zur Einhaltung der Menschenrechte drängen. Lange hofft man dabei auf Fortschritte. Vormacht für Einzelne Aktuell stellt sich eher das Gegenteil heraus: Eine politische Annäherung findet nicht statt. Nach wie vor bestimmen eher die Unterschiede in den politischen Systemen die Welt. 120 Deutlich wird das zum Beispiel an China. China hat mit dem Projekt „Neue Seidenstraße“(siehe Seite 39) seine Macht im globalen Handel stark ausgebaut. Mit der Schaffung und vor allem der Finanzierung von einem gigantischen Netz von Transportwegen macht China Länder zum Beispiel in Afrika stärker von sich abhängig. Dieses Ungleichgewicht haben die westlichen Länder lange nicht beachtet. Aktuell zeigt es sich aber deutlich. Zum einen wächst Chinas wirtschaftliche Macht in der Welt. Kritiker von China müssen heute mehr wirtschaftliche Nachteile fürchten. Ein Einfluss zum Beispiel auf die Menschenrechte für Minderheiten ist kaum möglich. Und aktuell droht China offen damit, sich Taiwan wieder anzueignen, notfalls auch mit Gewalt. Taiwan-Konflikt Die Insel Taiwan ist von den meisten Staaten nicht als selbstständiger Staat anerkannt und ist nicht Mitglied der UNO. Hierher flüchteten nach der Chinesischen Revolution die Gegner der Kommunisten. Der Status Taiwans ist also ungeklärt. China besteht darauf, dass Taiwan zur Volksrepublik China gehört. Die Drohung, Taiwan notfalls mit Gewalt wieder anzugliedern, ist in letzter Zeit stärker geworden. Offener Krieg Im Februar 2022 stößt Russland die gesamte westliche Welt mit dem Überfall auf die Ukraine vor den Kopf. Alle diplomatischen Bemühungen im Vorfeld waren umsonst. Ob hier irgendwann wieder eine Annäherung stattfinden wird, kann niemand 121 voraussagen. Russland scheint nicht bereit zu sein, die Ukraine als eigenständigen Staat anzuerkennen. Eine friedliche Lösung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Russlands Präsident Putin erweckt den Anschein, Russland melde Ansprüche auf eine Stellung als Großmacht an. Die Folgen für die Weltpolitik sind unabsehbar. Geht der Sinn für Gemeinschaft verloren? Die internationale Zusammenarbeit ändert sich ständig. Manchmal gibt es internationale Abkommen, die mehr Gerechtigkeit zum Ziel haben. Oder es wird versucht, weltweite Probleme in einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu lösen. In letzter Zeit wenden sich mehr Staaten verstärkt ihren eigenen Interessen zu. Die globale Zusammenarbeit wird häufig negativ bewertet. Man sieht die Probleme, aber nicht die Erfolge. Einschränkungen in der eigenen Entscheidungsfreiheit werden stärker bewertet als die Vorteile durch gemeinsames Handeln. Ich zuerst! Ich zuerst! 122 Staaten verlassen politische Gremien oder kündigen Abkommen auf. Ein Beispiel: Unter Präsident Donald Trump kündigen die USA das Pariser Klimaschutz-Abkommen. Nach dem Regierungswechsel 2021 treten die USA dem Abkommen wieder bei. Zusammenhalt bleibt unverbindlich Wie ist es zu bewerten, dass ein großer Teil der Weltgemeinschaft jetzt gemeinsam an der Seite der Ukraine steht? Funktioniert Gemeinschaft nur gegenüber einer mächtigen Bedrohung? Und funktioniert sie nur, solange keine verbindlichen Entscheidungen getroffen werden? Die Abstimmungen in der Vollversammlung der UNO sind nicht bindend. Das heißt: Die Staaten drücken damit zwar ihre Einstellung gegenüber einer bestimmten Sache aus. Aber die Abstimmung hat keine Folgen. Es werden zum Beispiel keine Strafen verhängt. Der Krieg von Russland gegen die Ukraine wurde von einer sehr großen Mehrheit auf der UNO-Vollversammlung verurteilt. Das war ein wichtiges Zeichen, hat aber keine direkten Auswirkungen. Im nächsten Abschnitt sehen wir uns verschiedene Möglichkeiten an, in welche Richtungen sich die Weltgemeinschaft in Zukunft entwickeln kann. 123 6.2 Mögliche Entwicklungen Wie geht es weiter mit der Globalisierung? Wird es immer weniger Zusammenarbeit geben? Werden die starken Länder die schwächeren unterstützen oder unterdrücken? Finden die Staaten Wege zu einer besseren und gerechteren weltweiten Zusammenarbeit oder macht jeder„sein eigenes Ding“? Über diese Fragen hat sich die Friedrich-EbertStiftung schon vor einiger Zeit Gedanken gemacht. Vier mögliche Modelle für die Globalisierung sind daraus entstanden. Für eine anschauliche Darstellung hat die Friedrich-Ebert-Stiftung Bilder aus der Natur gewählt. Möglichkeit 1 Der heruntergekommene Nationalpark: weiter im alten Trott Organisationen wie die UNO bleiben in ihrer jetzigen Form bestehen. Aber es gibt keine grundsätzlichen Verbesserungen. Die UNO erhält zum Beispiel keine verbindlichen Befugnisse. Wer gegen Regeln verstößt, hat also von der UNO nichts zu befürchten. Es gibt keinen wirksamen Schutz für Schwächere. Die bestehenden 124 Organisationen blockieren sich selbst, zum Beispiel durch die notwendige Einstimmigkeit von Beschlüssen. Die UNO hat keine Möglichkeit, Entscheidungen durchzusetzen. Möglichkeit 2 Marsch der Elefanten: Konkurrenz regionaler Bündnisse Bei diesem Zukunftsbild haben sich mehrere Bündnisse gebildet. Das können zum Beispiel eine starke EU, China mit seinen Verbündeten und Nordamerika sein. Diese starken Bündnisse verfolgen jeweils die eigenen Interessen. Dabei stehen sie untereinander in Konkurrenz. Oder sie treiben vor allem Handel innerhalb ihres Bündnisses. Das führt auch zu Konflikten. Länder ohne starkes Bündnis können ihre Interessen nur schlecht durchsetzen. Möglichkeit 3 Das Gesetz des Dschungels: dem Abgrund entgegen Die bestehenden Organisationen verlieren an Einfluss oder werden aufgelöst. Es gibt keine allgemein geltenden Vereinbarungen mehr. Jeder Staat setzt nach Möglichkeit seine eigenen Interessen durch. Im Kampf um Wasser oder um knappe Rohstoffe gehen kleine und schwache Staaten unter. 125 Möglichkeit 4 Harmonisches Naturreservat Durch die aktuellen Krisen wächst der Druck auf internationale Organisationen, sich neu aufzustellen. Immer mehr Staaten erkennen, dass die globalen Krisen nur durch globale Zusammenarbeit zu überwinden sind. Organisationen wie die UNO erhalten mehr Befugnisse. Abkommen werden verbindlicher. Bei Nichteinhaltung drohen Strafen. Es entstehen demokratische Strukturen auf globaler Ebene. Welches Zukunftsbild sich durchsetzen wird, ist schwer zu sagen. Die aktuellen Krisen können uns in den„Dschungel“ stürzen. Sie können aber auch den Anstoß zu neuen, gerechteren Regeln geben. Auch wenn wir die Entwicklung nicht vorhersehen können, wagen wir zum Schluss dieses Bandes einen Ausblick in eine wünschenswerte Zukunft. 126 6.3 Globalisierung gerecht gestalten Globalisierung kann gelingen. Sie kann gut und gerecht gelingen. Dafür müssen zahlreiche Aufgaben angegangen werden. Dazu noch einmal Johannes Rau(2002): „Wir können die Globalisierung als Chance nutzen, wenn wir sie nicht als Schicksal hinnehmen, sondern als politische Aufgabe entdecken und ernst nehmen.“ Ein Blick in die Zukunft Die Zukunft wird durch die Gegenwart geprägt. Und unsere Gegenwart steckt voller Krisen. Die Klimakrise, die CoronaPandemie, der Krieg, eine neue Energiekrise und eine aufkommende neue Finanzkrise: Es sind Krisen auf sehr unterschiedlichen Gebieten. Wir haben gelernt, dass diese Krisen zusammenhängen. Wir müssen die Krisen als Ganzes sehen. Wenn wir ein umfassendes Paket an Lösungen schnüren, können wir insgesamt auf dem Weg zu einer guten und gerechten Globalisierung vorankommen. Dabei können wir uns von den Grundwerten der Sozialen Demokratie leiten lassen. 127 Werte der Sozialen Demokratie weltweit stärken Die Bewegung der Sozialen Demokratie gründet auf den drei Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Die Soziale Demokratie bekennt sich zu den allgemeinen Menschenrechten und kämpft für die Einhaltung dieser Rechte weltweit. Und die Bewegung der Sozialen Demokratie ist seit Beginn eine internationale Bewegung. Es geht also darum, die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität weltweit zu stärken und als Leitbilder für das Handeln zu setzen. Alle einzelnen Maßnahmen sollten die Grundwerte beachten. Was bedeutet das für die einzelnen Grundwerte? Mehr wissen? In unserem Band Kurz und Klar – Einstieg in die Soziale Demokratie steht viel über die Grundwerte der Bewegung der Sozialen Demokratie. 128 Freiheit Viele Länder sind nicht demokratisch regiert. Demokratie muss weltweit gestärkt werden, damit Menschen in Freiheit leben können. Dafür muss die UNO mehr Möglichkeit erhalten, auf die Einhaltung demokratischer Regeln zu achten und gegebenenfalls wirksame Strafen auszusprechen. Für die Freiheit der Länder bedeutet eine starke UNO die Einschränkung der eigenen Entscheidungsfreiheit. Darauf wollen sich nicht alle Staaten einlassen. Ein Ausgleich ist schwierig. Gerechtigkeit Um weltweit mehr Gerechtigkeit herzustellen, brauchen wir einen Ausgleich zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden. Die ärmsten Länder brauchen Unterstützung für eine nachhaltige Entwicklung. Oft sind die ärmsten Länder auch die am stärksten verschuldeten Länder. Ein Erlass der Schulden ermöglicht mehr Entwicklung aus eigener Kraft. Die Länder im Globalen Süden leiden am stärksten unter den Auswirkungen der Klimakrise. Hier ist ein erster Schritt zu mehr Gerechtigkeit getan. Der Klimagipfel 2022 brachte eine Vereinbarung auf den Weg: Die Verursacher der Klimakrise stellen Geld für Schutzmaßnahmen bereit. 129 Solidarität Solidarität funktioniert oft am besten in kleinen Gruppen. Und in Gruppen, deren Mitglieder sich ähnlich sind. Weltweite Solidarität muss besser werden. Sie darf sich nicht auf Katastrophenhilfe und Spenden beschränken. Echte Solidarität verhilft allen zu gerechten Chancen. Hier sind auch Nicht-Regierungs-Organisationen wie Gewerkschaften gefragt. Sie verknüpfen weltweit Menschen mit ähnlichen Interessen. Positive und negative Globalisierung im Gleichgewicht Um eine Globalisierung mit den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu erreichen, müssen positive und negative Globalisierung ins Gleichgewicht gebracht werden. Negative Globalisierung nennt man es, wenn Regeln weggenommen werden. Nimmt man aber nur Regeln weg, führt das dazu, dass sich die Stärksten durchsetzen. Bisher ist Globalisierung in der Hauptsache negative Globalisierung. Vor allem Einschränkungen für den weltweiten Handel wurden abgeschafft. Es braucht aber auch positive Globalisierung. Das bedeutet: Wir brauchen Regeln, um die Schwächeren vor Ausbeutung zu schützen. Und um allen die gleichen Chancen zu bieten. Dazu gehören zum Beispiel das Lieferkettengesetz(siehe Seite 34) und die Einführung einer globalen Mindeststeuer für Unternehmen(siehe Seite 73/74). 130 Global Governance: regieren ohne Regierung Wer soll Globalisierung gestalten? Eine Welt-Regierung, die von vielen als Bevormundung empfunden wird? Oder soll die Wirtschaft die Bedingungen vorgeben? Wir brauchen ein Zusammenspiel von vielen verschiedenen Menschen, Staaten und Organisationen. Dazu gehören Organisationen wie die UNO oder Gruppierungen wie die G7, Vertretungen der Arbeiterschaft wie internationale Gewerkschaften und die ILO. Die Zivilgesellschaft muss vertreten sein. Kleine Länder brauchen genauso Stimmrecht wie die großen. Dieses Zusammenspiel von vielen nennt man Global Governance. Man darf es nicht mit Government, also Regierung, verwechseln. Global Governance ist keine Weltregierung, sondern schafft einen Rahmen durch Regeln und Gesetze. Internationale Organisationen genauso wie die Zivilgesellschaft achten auf die Einhaltung der Regeln oder fordern sie ein. Ausblick und Aufgabe: besser werden! Auf Seite 25 haben wir Joseph Stiglitz und seine Bücher„Schatten der Globalisierung“ und„Chancen der Globalisierung“ vorgestellt. Auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung haben wir ihn auf die Titel seiner Bücher angesprochen. Und gefragt, wie er ein drittes Buch über Globalisierung nennen würde. Seine Antwort:„Build back better“. Auf Deutsch:„Wiederaufbau besser gestalten“. Nehmen wir diesen Titel als Leitbild für unser Handeln! 131 Wichtige Begriffe In diesem Buch werden einige wichtige Begriffe näher erklärt. Diese Begriffe sind hier mit den entsprechenden Seitenzahlen aufgelistet. Digitalisierung 23 Finanzkrise 2008 73 Fossile Energieträger 86 Globaler Süden 48 Globalisierung 11 Global Player 67 Internationale Arbeitsteilung 22 Internationaler Währungsfonds(IWF) 51 Lieferkettengesetz 34 Massenproduktion 21 Neue Seidenstraße 39 Ostblock 53 Pandemie 108 Rohstoffe 101 Schwellenländer 32 Sklavenhandel 43 UNO 50, 57-59 UNO-Friedenstruppen 110 USA und Pariser Klimaschutz-Abkommen 88 Weltbank 51 WTO(World Trade Organization) 53, 70 132 Mehr wissen Möchten Sie mehr wissen über Soziale Demokratie? Die Akademie für Soziale Demokratie hat verschiedene Angebote. Soziale Demokratie – Kurz und Klar Deutlich, praktisch, schnell: In der Buchreihe Soziale Demokratie – Kurz und Klar geht es sofort zur Sache. Neun Themen, neun Bücher, neun Mal Übersicht. Der ideale Einstieg in das Denken und Handeln der Sozialen Demokratie. Seminare und Web-Seminare Zu allen Themen bietet die Akademie für Soziale Demokratie deutschlandweit Seminare und WebSeminare an. Hier können Sie sich mit Wissenschaftlern, Politikerinnen und anderen Engagierten austauschen. In neun Modulen besprechen wir, was Soziale Demokratie im 21. Jahrhundert bedeutet und wie sich die Grundwerte der Sozialen Demokratie auswirken. Jedes Seminar oder Web-Seminar ist einzeln buchbar. 133 Filme Die Lehrfilme der Akademie für Soziale Demokratie bieten einen schnellen ersten Einblick in die verschiedenen Themenfelder. Klicken, zuschauen und nach wenigen Minuten die ersten eigenen Fragen finden. www.fes.de/akademie-fuer-sozialedemokratie/uebersicht-videos/erklaervideos Lesebücher der Sozialen Demokratie Die Lesebücher der Sozialen Demokratie bieten die Möglichkeit, sich ausführlicher mit den Themen auseinanderzusetzen. Sie bieten Zugänge aus Theorie und Praxis. Hörbücher Die Hörbücher der Sozialen Demokratie bauen auf den Lesebüchern der Sozialen Demokratie auf. Das Format Hörbuch bietet Gelegenheit zum Nachhören und Nachdenken – zu Hause, unterwegs und wo immer Sie mögen. 134 Der Rote Faden – Soziale Demokratie in 700 Zeichen Kurznachrichten von der Akademie für Soziale Demokratie über Telegram oder Threema. Aus dem Labyrinth der politischen Informationen suchen wir jeden Tag einen interessanten Aspekt aus. Von Montag bis Freitag schicken wir eine Nachricht. Kurz, kompakt, politisch – auf den Punkt gebracht. buch| essenzen Unsere buch| essenzen bieten eine kurze Zusammenfassung aktueller Sachbücher. Wir wählen Bücher mit besonderer Bedeutung für die gesellschaftliche Auseinandersetzung aus. Den Inhalt ordnen wir aus der Perspektive der Sozialen Demokratie ein. Lesen. Hören. Wissen. Einen Überblick über die Angebote der Akademie für Soziale Demokratie erhalten Sie unter www.fes.de/akademie-fuer-soziale-demokratie. Alle Angebote der Akademie für Soziale Demokratie gibt es auch über die App auf dem Handy. Laden Sie dazu einfach die App FES Soziale Demokratie herunter. 135 Impressum Herausgeberin: Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn Deutschland E-Mail: info@fes.de Herausgebende Abteilung: Abteilung Politische Bildung und Dialog Referat Demokratie, Gesellschaft& Innovation Projekt Akademie für Soziale Demokratie Kontakt und Bestellung: soziale.demokratie@fes.de Redaktion: Frauke Diebold-Napierala, Klar& Deutlich – Agentur für Einfache Sprache Jochen Dahm, Friedrich-Ebert-Stiftung Michael Dauderstädt, Carsten Schwäbe Illustrationen: Jurjen Kraan, Alice Well Layout und Satz: Frauke Diebold-Napierala Druck: Druckerei Brandt, Bonn Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Eine gewerbliche Nutzung der von der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. ISBN: 978-3-98628-279-0 © Bonn, April 2023 136 GLOBALISIERUNG UND SOZIALE DEMOKRATIE Weltweit gut handeln Soziale Verantwortung hört nicht an der eigenen Landesgrenze auf. Unser Handeln hat heute weltweite Auswirkungen. Welche Möglichkeiten haben wir, Globalisierung sozial gerecht zu gestalten? Und wie kann die Staatengemeinschaft sich zu einer wirklichen Gemeinschaft entwickeln? Diese und viele andere Fragen beantwortet dieser Band der Buchreihe Soziale Demokratie – Kurz und Klar. Deutlich, praktisch, schnell. In der Reihe Kurz und Klar behandeln wir die wichtigsten Themen der Politik. Und zwar mit kurzen Texten in verständlicher Sprache. ISBN 978-3-98628-279-0 9 783986 282790